Archiv für den Monat: Januar 2016

22. Peters Kölsch

Auf meiner vorletzten Kölsch-Station geht es (zumindest ursprünglich) nach Monheim.  Hier wurde 1847 die Brauerei „Auf den Örtchen“ Peter Josef Peters gegründet. Nach diversen Umfirmierungen (so z.B.  Bayerische Bierbrauerei, Exportbrauerei Tillmann Peters, Monheimer Brauerei Peters & Bambeck sowie zuletzt Peters & Bambeck Privatbrauerei) und Brauereiumzügen und -erweiterungen wurden neben Pils, Malzbier, Festbier, Weizenbier und Kräusen-Pils in den 1930ern bis 1960ern das Peters Echt Kölsch eingeführt. Nach großem Gegenwind verzichtete man darauf es Monheimer Kölsch zu nennen – Kölsch hat schließlich aus Köln zu kommen… In den 1990ern reagierte man auf den immer größer werdenden Wettbewerbsdruck und investierte nochmals massiv in neue Brautechnik. Beim hierfür notwendigen Umbau der Brauerei wurde das Kölsch zeitweise in der Brühler Giesler-Brauerei hergestellt. 1997 übernahm Peters sogar die Düsseldorfer Hirschbrauerei und braute für Schlösser Altbier. Damit war Peters die einzige Brauerei, die sowohl Kölsch als auch Alt produzierte. All dies war jedoch nicht von Erfolg gekrönt – 2004 kam mit dem Verkauf an die Brau und Brunnen das Ende der bis dato nördlichsten Kölsch-Brauerei. Seither wird Peters „nach alter Tradition“ von Gilden in Köln-Mülheim hergestellt (mit 20.000 hl p.a.). Schaun ma mal, was von dieser alten Tradition noch so übrig geblieben ist.

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22_Peters Kölsch-Steckbrief

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22_Peters-Kölsch

  • Flaschendesign

Als Kronkorken-Sammler kann mir diese Bügel-Flasche natürlich nur ein Dorn im Auge sein. Aber ich muss zugeben, diese traditionelle Verschlussform hat schon was für sich. Und Peters ist schließlich das einzige Kölsch in solch einer Flasche. Ohne dieses Bier-Blog hätte ich es wohl aber nie gekauft. Zu Unrecht, wie sich später noch herausstellen soll. Die Abbildung des alten Brauhauses sowie der Verweis auf die Tradition von Peters & Bambeck sollen einen historischen Eindruck vermitteln, täuschen aber nicht darüber hinweg, dass dies bereits einige Jahre vergangen ist.

  • Aussehen

Wie im Bild erkennbar ist auch das Peters von einer relativ großen Schaumhaltbarkeit geprägt. Ansonsten eher Kölsch-üblich – vielleicht etwas gelber als gold in der Farbe.

  • Geruch

Der Geruch war für mich sehr überraschend. Das erste was mir in den Sinn kam, war Himbeere. Die dahinterliegende süßlich-hopfige Note war erst auf dem zweiten Riecher erkennbar.

  • Geschmack

Entgegen der Erwartung es hier mit einem „Industriebier“ zu tun haben, scheint die alte Monheimer Tradition tatsächlich zumindest zum Teil erhalten geblieben zu sein. Im Grunde sehr süffig schmeckt man hier und ein paar bittere hopfenbetonte Facetten raus. Der Abgang ist auch etwas herb, aber sonst ziemlich unauffällig.

  • Fazit

Es ist schon schade, dass gerade die kleinen Familienbrauereien außerhalb Kölns ihre Tore dicht machen mussten, aber immerhin muss man Gilden zu Gute halten, dass sie das Peters fair und vor allem gut produzieren. Im direkten Vergleich landet das Peters daher sogar deutlich vor Gilden und bekommt am heutigen Sonntagabend mit 12 Pkt. eine gute 2+. Kaufen, werde ich es in Zukunft wohl aber trotzdem nicht, da ich neben der Bügelflasche ungern die große Radeberger-Gruppe unterstützen möchte…

22_Peters Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum ehemals nördlichsten Kölsch unter: http://www.koelsch-net.de/koelsch-net/anz/Peters.htm

Übrigens: Im Oktober 1999 war die Brauerei Kulisse für einen Tatort vom WDR, in dem es um vergiftetes Kölsch ging.

Prost!

21. Reissdorf Kölsch

Mit dem heutigen Kölsch biegen wir auf die Zielgerade der Kölsch-Reihe ein und erreichen gleichzeitig ihren Höhepunkt. Zumindest was die Unternehmensgröße angeht. Mit ca. 630.000 hl jährlichem Ausstoß ist Reissdorf die Kölsch-Marke Nummer 1. Die Erfolgsgeschichte der Brauerei begann 1894 im Severinsviertel der Kölner Altstadt. Dort gründete der ursprüngliche Uniformschneider Heinrich Reissdorf die heutige Brauerei. Nach seinem Tod führte seine Frau 1905 das Kölsch – als Weiterentwicklung des Wieß – ein. 1936 führte Reissdorf als erste Kölsch-Brauerei die Flaschenabfüllung ein. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte dann zunächst nur Einfach- und Schankbier hergestellt werden, da die alliierten Besatzungsmächte bis 1949 die Produktion von Vollbier untersagt hatten. Die in den 1920ern um Pils, Märzen und Export erweiterte Produktpalette wurde in den 1960ern im Zuge des Kölsch-Booms auf das neue Kernprodukt konzentriert. In dieser Zeit übernahm man auch die Produktion von Fremdmarken im Rahmen des Lohnbrau. Ab 1998 zog die Produktion sukzessive dann nach Köln-Rodenkirchen um, da die alte Braustätte nicht mehr genügend Kapazität bot. Aufgrund der Nähe zum Chemie-Standort Wesseling musste bis zur zweiten Grundwasserschicht auf etwa 80m Tiefe gebohrt werden um brauchbares Brauwasser abpumpen zu können. Die alte Brauerei wurde leider vollständig abgerissen. An der gleichen Stelle entstand ein neues Brauhaus, welches unter der Leitung von Reissdorf betrieben wird. Dass Reissdorf zur größten Kölsch-Marke wuchs ist in der Tat etwas erstaunlich, da man zum einen fast vollständig auf Werbung und Marketing verzichtet und auch nach eigenen Angaben nur bis 100km im Umkreis der Brauerei vertreibt. Wie dem auch sei, ich bin sehr gespannt, ob ich die Massenmeinung auch teilen kann.

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21_Reissdorf Kölsch-Steckbrief

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21_Reissdorf-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die 0,33l Longneck-Flasche weist einen doch recht klassischen Designstil auf. Dies könnte wohl auf die konservative Unternehmensführung zurückzuführen sein. Farbgebung und Kronkorken sind für mich ok. Abzüge in der B-Note gibt es aber durch den Verweis auf die Premium-Qualität des Bieres – Reissdorf, das hast du doch bestimmt nicht nötig, oder?

  • Aussehen

Was optisch (siehe Photo) auffällt, ist die deutlich größere Schaumhaltbarkeit als die Konkurrenz. Ansonsten fällt höchstens noch die noch gold-gelbere Farbe als üblich ins Auge.

  • Geruch

Der Geruch ist alles in allem ein Mix aus Malz-, Hopfen- und süßlichen Zitrusaromen. Also von allem und für alle was dabei.

  • Geschmack

Trotz des Verweises auf ein „feinherbes Produkt“, muss ich zugeben, dass das größte Kölsch aller Zeiten doch recht süffig daherkommt. Insgesamt malzaromatisch und schlank ist der Abgang dann doch ein wenig feinherb aber nichtsdestotrotz rund. Die Kölsch-typische geringe Spritzigkeit muss ich bei dem doch sehr überzeugenden Geschmack dabei wohl hinnehmen.

  • Fazit

Aufgrund der Tatsache, dass Reissdorf die größte Kölsch-Marke ist, hatte ich lange angenommen, dass es sich bestimmt nicht mehr um eine freie Familienbrauerei handelt. Da wurde ich jedoch vor Kurzem eines Besseren belehrt. Umso erstaunlicher ist die erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Daher weniger erstaunlich der alles im allem sehr gute Geschmack. Auch wenn ich mich sehr schwer damit getan habe und es eine knappe Entscheidung war, erhält das Reissdorf von mir daher mit 13 Pkt. in Summe eine 1-.

 

21_Reissdorf Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum weltgrößten Kölsch unter: http://reissdorf.de/koelsch/start.php

Prost!

20. Zunft Kölsch

Zur Einstimmung ins Wochenende gibt es heute einen zünftigen Schluck Zunft Kölsch.  Eines der wenigen Kölsch, welches nicht aus der westdeutschen Millionenstadt kommt. Aus Bielstein bei Wiehl im Bergischen Land kommend, wird es von der höchst gelegenen Kölsch-Brauerei hergestellt. Produzent ist die Erzquell Brauerei, welche aus zwei selbstständigen Braufirmen besteht. Neben Bielstein gibt es auch eine Brauerei im rheinland-pfälzischen Niederschelderhütte. In beiden Standorten wird in der Hauptsache eigentlich Erzquell Pils hergestellt. Das Zunft wurde erst in den 1960ern im Zuge des Kölsch-Boom in das Produktportfolio aufgenommen. Als Gründungsmitglied der Kölsch-Konvention darf Erzqeull auch heute noch Kölsch außerhalb von Köln brauen. Mit insgesamt knapp 120.000 hl pro Jahr zählt man dabei zu den mittelgroßen Kölsch-Herstellern.

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20_Zunft-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Trotz des eigentlich gar nicht so ästhetischen Äußeren der Flasche findet das Design irgendwie doch Gefallen bei mir. Es vermittelt ein wenig den Eindruck einer provinziellen Bierromatik, da man mit solchen Design ja eher unscheinbarere kleine Brauereien verbindet. Was allerdings heraussticht, ist der Schriftzug „Prost“, welcher bei Erreichen der richtigen Trinktemperatur auf dem Rückenetikett erscheint.

  • Aussehen

Eine ganz leichte Trübung ist erkennbar, während der Schaum doch sehr schwach ist und schnell zerfällt.

  • Geruch

Beim Geruch tue ich mich schwer, da kaum etwas herausriechbar ist. Diese relative Neutralität wird nur von einer seichten Hopfennote begleitet.

  • Geschmack

Im Vergleich zu den meisten anderen Kölsch wieder eher eines der herberen und ein dazu ein geringes Malzaroma. Die kaum vorhandene Spritzigkeit liegt beinahe schon in der Natur des Kölsch. Auch der harmonische und feinherbe Abgang tut nicht sonderlich weh.

  • Fazit

Als erste Flasche eines Six-Packs, welches noch auf Tilgung wartet, bin ich zumindest nicht hoch entzückt und in freudiger Erwartung auf die restlichen fünf. Um dem Zunft aber auch nicht Unrecht zu tun, muss gesagt werden, dass es doch im Grunde ziemlich solide daherkommt. Aufgrund der allgemeinen Charakterschwäche vergebe ich allerdings in Summe nur 9 Pkt bzw. eine 3+.

20_Zunft Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum zünftigen Schluck unter: http://koelner-brauerei-verband.de/historie/geschichte-der-traditionsbrauereien/historie-erzquell-brauerei-bielstein-haas-co-kg-zunft-koelsch.html

Prost!

19. Gaffel Kölsch

Heute ist es endlich so weit: Mein Lieblings-Kölsch ist an der Reihe: Gaffel. Mit knapp 400.000 hl Ausstoß und einem Marktanteil von 33% in der Gastro bzw. 15% in Einzelhandel ist Gaffel das Kölsch #2. Der Name leitet sich von der kölschen Bezeichnung für Gabel(spieß) ab, wonach auch die politischen Vereinigung der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zünfte und Handelsherren benannt wurden, welche sich allabendlich zu Speis und Trank trafen. Treffpunkt des Stammtischs war das älteste Gebäude am Alten Markt, das deshalb so genannte Gaffel Haus.  Seit Anfang des 14. Jahrhunderts wird dort Bier gebraut, seit 1908 auch wieder unter den Namen Gaffel. Seitdem entstand auch ein zweites Brauhaus am Dom und die Bierproduktion wurde in die Nähe des Hauptbahnhofs verlegt. Dies war insbesondere aus Marketing-Sicht clever, da man bei Einfahrt in den Hbf gar nicht umhin kommt den großen Gaffel-Schriftzug der Brauerei wahrzunehmen. Inzwischen wird jedoch in Porz gebraut und das Gebäude nur noch zur Verwaltung genutzt. Die Flaschenabfüllung findet interessanterweise aus Kapazitätsgründen in Korschenbroich bei Bolten und in der Königshofer Brauerei in Krefeld statt.

Nun will ich aber mal der Anweisung auf der Flasche folgen:

„Genießen Sie mit Gaffel Kölsch ein vollmundiges, einzigartiges Kölsch mit frischem, feinherben Geschmack aus der Familienbrauerei Gaffel.“

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19_Gaffel-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Vielleicht ist Gaffel mein Lieblings-Kölsch geworden, weil es in regelmäßigen Abständen und zu Events wie WM oder EM neue Kronkorken herausbringt, sodass ich hier ohne viel Mühen meinen Fundus erweitern kann. Auch die heutige Flasche wurde zugegebenermaßen auch nur aus diesem Grund gekauft. Auf dem Photo vielleicht nicht ganz erkennbar ist auf dem Kronkorken ein mittelalterlicher Kölner Braumeister abgebildet, welcher auch das Wappen der Brauerei ziert. Während dieser also vollends überzeugt, finde ich die Flasche selbst fast schon unauffällig, wobei ich dem blau schon mehr abgewinnen kann als der Vergoldung.

  • Aussehen

Alles fast wie gehabt. Aber nur fast. Meiner Ansicht nach noch etwas gold-gelber als die anderen Kölsch und auch der relativ haltbare Schaum ist noch ein wenig feinporiger als die Konkurrenz.

  • Geruch

Erwartungsgemäß kriecht einem hier ein recht hopfenbetonter Geruch die Nase hoch. Ein Vorgeschmack auf die bereits angekündigte feinherbe Geschmacksnote. Allerdings ist da auch irgendetwas was mich irritiert. Ich kann es schwer in Worte fassen, möchte auch gar nicht den Begriff „Spüli“ verwenden, aber irgendwas stört mich am Gesamtgeruchserlebnis.

  • Geschmack

Wie mir und wahrscheinlich auch 99% aller Gaffel-Trinker bewusst, handelt es sich beim Gaffel und eines, wenn nicht das herbste Kölsch. Begleitet mit einer dem Geruch entsprechenden Hopfennote erinnert es wenig an die anderen klassischen Kölsch auf meiner bisherigen Reise. Vor allem bin ich jedoch überrascht. Bei genauem Hinschmecken fällt mir nämlich auf, wie unharmonisch das Gaffel (zumindest heute) auf mich wirkt. Auch den schlanken und wenig spritzigen Eindruck hatte ich so eigentlich nicht so in Erinnerung (wobei ich auch nie einen derartigen Vergleich zu anderen Kölsch-Marken gezogen hatte).

  • Fazit

Immer eine Familienbrauerei in Privatbesitz bevorzugend und vielleicht auch aus Gründen der „pilsigen“ Geschmackserziehung , war das Gaffel in der Vergangenheit meine erste Wahl – auch für meine Bier-Mix-Cocktails. Heute muss ich allerdings feststellen, dass es rein „objektiv“ nicht in der Spitzengruppe mitspielt. Eventuell ist mein Geschmack aber auch durch die vielen eher süffigen Kölsch in den vergangen Wochen etwas vernebelt. Nichtsdestotrotz vergebe ich für das Gaffel 11 Pkt bzw. eine glatte 2.

19_Gaffel Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Gaffel Kölsch und den anderen Produkten (Gaffel stellt auch diverse Liköre her), den Gaffel Brauhäusern, der Geschichte oder dem Brauprozess unter: http://www.gaffel.de/Startseite.html?ActiveID=1511

Prost!

18. Sion Kölsch

Um auch ja keine Abwechslung aufkommen zu lassen geht es hier munter weiter auf der Kölsch-Tournee. Heute: Sion. Ein Kölsch was mir persönlich hauptsächlich aus Kneipen und Bars bekannt ist und zudem ich im Grunde keine besondere Beziehung hatte. Seine Geschichte geht bis ins Jahr 1318 zurück, in der das Brauhaus gegründet wurde, in dem Sion seit seiner Markengründung 1912 Bier produziert und ausschenkt. In den ersten Jahrhunderten wurde an dieser Stelle jedoch noch ein sogenanntes „Medebier“ gebraut, welches mit Kräutern und Honig versetzt war. Spätestens seit jedoch Jean Sion das Brauhaus vom Malzmühlenbesitzer Schwartz (siehe 11.) übernahm, wird hier nur noch nach Reinheitsgebot gebraut. Seit den 1990ern gehört Sion dem „Kölner Verbund“ an, welcher inzwischen ein Teil der Radeberger Gruppe ist. So wird Sion u.a. mit Gilden (siehe 13.) in Mülheim gebraut. Nichtsdestotrotz wird die Brauerei in der fünften Generation als Familienbetrieb geführt und verspricht vollmundig auf der Sion-Seite:

„Braukunst ist die Kunst, mit den wenigen Zutaten, die das Reinheitsgebot und die Kölschkonvention vorgeben, etwas Besonderes zu schaffen. Reines Wasser aus eigenem Brunnen, obergärige Hefe aus eigener Reinzucht, bestes Gersten- und Weizenmalz und ausgesuchte Hopfensorten – das Ergebnis daraus kann sich schmecken lassen: spritzig-frisch auf der Zunge, feinherb-hopfig am Gaumen, schlank-elegant im Abgang.“

Mal schaun, was da so dran is…

Steckbrief18_Sion Kölsch-Steckbrief

 

Bewertung

18_Sion-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ein Flaschendesign ohne viel Schnick-Schnack und gerade deshalb mit einem handfesten soliden Eindruck. Die schlichte aber trotzdem elegante Farbgebung sowie die Reduzierung auf das Wesentliche kommen bei mir voll an. Das somit retro-wirkende Design muss lediglich Abstriche hinnehmen, da weder Gründungsjahr noch Stammwürze angegeben werden.

  • Aussehen

Kölsch-gelb, Kölsch-klar – nur der etwas grobporigere Schaum hebt sich geringfügig von anderen Kölsch-Sorten ab.

  • Geruch

Der Geruch hingegen überrascht doch ein wenig. Sehr malzaromatisch süß, lässt es den dann wohl folgenden süffigen Geschmack klar erkennen.

  • Geschmack

Und so ist es dann auch. Das Sion ist wirklich sehr süffig und malzig. Von einer manchmal im Kölsch auch zu findenden herben Note nichts zu schmecken, obwohl dem Bier aus Kostengründen zusätzliche Hopfenextrakte zugesetzt sind. Der Abgang bleibt ohne Irritationen – allerdings hätte es für mich etwas prickelnder auf der Zunge sein können.

  • Fazit

Das Sion bringt es fertig, trotz Teil des Radeberger-Imperiums zu sein, seine Familientradition im Geschmack zu bewahren. Ohne, dass es ganz besonders positiv auffällt, ist in keiner Kategorie ein großes Defizit erkennbar. Das Ergebnis 12 Pkt bzw. eine 2+.18_Sion Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Sion Kölsch unter: http://www.sion.de/index.html

un zum Bräues Sion, welchet sich passend zur fünften Johreszick im Övrijen direkt am Zuchwech des Kölsche Rusemondaachszuch befinget: http://brauhaussion.de/

Prost!

17. Astra Arschkalt – Winterzeit ist Arschkalt-Zeit

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Im Bezug auf Astra muss ich immer gleich an ziemlich herben Geschmack denken, eigentlich nicht so mein Fall. Bei so mancher Studi-Party blieb einem aber nix anderes übrig.  Beim Arschkalt handelt es sich aber keineswegs um ein typisches Astra. Das einzig typische ist die Werbung. Mit „Ich trinke Arschkalt, heiss bin ich selber“ gibt es eine typische, derbe Werbung zu einem untypischen Astra.

Aber mal vorne angefangen: Die Ursprünge von Astra reichen deutlich weiter zurück als so mancher denken mag: 1647 braute der Holländer Peter I. de Voss bereits den Vorläufer in Hamburg-Altona, damals noch unter dem Namen Bavaria Beer. Ja… ein Holländer der in Hamburg ein Bier Names Bavaria braut… Die tatsächliche Bavaria Brauerei AG wurde erst 1897 gegründet. 1922 fusionierte die Bavaria Brauerei mit der „Actien Brauerei“ Hamburg-St. Pauli und die Bavaria St-Pauli Brauerei war geboren. Das erste Bier unter dem Namen Astra wurde übrigens mit dem Astra Urtyp bereits 1909 produziert, da man der Meinung war der Name würde deutlich besser zu Hamburg passen als Bavaria Beer. 2003 schloss die Brauerei jedoch ihre Pforten und die Marken werden seitdem von der Holsten Brauerei hergestellt.

Arschkalt GrunddatenDas Arschkalt wurde erstmals 2012 produziert und u.a. vermarktet mit kernigen Sprüchen wir „Wer sich nicht zu den Warmduschern an die Glühweinstände stellen will, kann zum Aufwärmen mit einem Astra Arschkalt anstoßen“, wie man es aus Hamburg erwartet.

Mit einer Stammwürze von 13,7% und einem dementsprechend hohen Alkoholgehalt von 5,9% ist das Bier deutlich im oberen Drittel. Die Einordnung nach BJCP ist nicht ganz einfach, ich würde jedoch schätzen es ist ein dunkles Lager, da diese sich durch eben jenen hohen Stammwürze- und Alkoholgehalt sowie das Röstaroma auszeichnen.

Wertung

 

Wertung Arschkalt

Flasche: Eine 0,33l Handgranate, oder besser Eisknolle, mit dem typischen Herz/Anker-Wappen der Hamburger Brauerei. Diesmal jedoch in kaltem Eisblau gehalten. Relativ schlichtes Design, jedoch sehr passend für den Namen: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Sehr schöner bernsteinfarbener Körper, was man auch von einem Bier mit Röstmalznote erwarten würde. Passt im übrigen auch zur Hypothese „Dunkles Lager“. Die Krone oder Blume ist jedoch fast direkt nach Einguss auch wieder komplett verschwunden: 10 Punkte / Note: 2-

Geruch: Nachdem ich es kurz stehen gelassen hatte wanderte langsam ein sehr angenehmes Röstaroma durch den Raum. Kein bitterer oder verbrannter Geruch sondern wirklich sehr aromatisch: 13 Punkte / Note: 1-

Geschmack: Der Geruch hatte mir den Mund schon wässrig gemacht. Ganz anders als andere Astra-Sorten die mich eher zusammenzucken lassen ist dieses Bier nicht herb sondern eher süffig. Wenig Kohlensäure und der schöne Röstmalzgeschmack sowie eine leichte süße machen dieses Bier wirklich zu einer angenehmen Überraschung: 12 Punkte / Note: 2+

Abgang: Auch der Abgang ist nicht unangenehm bitter, wie man es von manchen Dunklen kennt. Ein milder Malzgeschmack macht lust auf den nächsten Schluck: 12 Punkte / Note: 2+

Fazit: Da ich vorher nicht auf die Beschreibung geguckt habe war ich umso mehr überrascht von diesem Astra. Ein insgesamt zwar etwas teureres Bier, für ein dunkles Lager aber geschmacklich und vor allem auch geruchlich sehr zu empfehlen! Und wie in der Werbung angekündigt auch durchaus als Glühweinersatz tauglich! Fazit: 12 Punkte / Note: 2+

16. Früh Kölsch

Kölsch #5 führt uns direkt zum Dom. Nur vom Roncalliplatz getrennt befindet sich das Cölner Hofbräu Früh in direkter Sichtweite vom ehemals höchsten Gebäude der Welt. 1904 vom Brühler Braumeister Josef Früh im ehemaligen Central Theater errichtet, zählt es heute zu den größten und bekanntesten Kölsch-Marken. Dabei war der Start durchaus holprig. Bereits 1895 gründete Früh die Brauerei Aposteln-Bräu, musste jedoch trotz Fertigstellung lange Zeit auf die Konzession warten, da die Stadt den Bedarf an obergärigem Bier nicht erkannte. Ein ganz gewaltiger Trugschluss, wie sich ja später herausstellen sollte. Nach dem Verkauf und der Eröffnung des Hofbräuhauses in zentraler Domlage sollte sich schnell eine exzellente wirtschaftliche Situation einstellen. Während 90% Kölns in Schutt und Asche lag, überstand das Innenleben der Brauerei mit viel Glück den zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet. In frühen Zeiten (Vorsicht Wortwitz) noch ausreichend, musste im Zuge der gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung 1976 ein neues Brauhaus gebaut werden, da der Ausstoß von inzwischen über 100.00 hl nicht mehr am Domhof umgesetzt werden konnte. Indes ist man mit 370.000 hl drittgrößte Kölsch-Brauerei (der Welt) und bietet mit der „cölncuisine„, welche sich im ehemaligen Braukeller befindet, hochklassiges Catering und Veranstaltungsservice.

„Nach dem Rezept von Peter Josef Früh entsteht in der Familienbrauerei noch heute mit Früh Kölsch eine obergärige Bierspezialität aus besten Zutaten und nach dem deutschen Reinheitsgebot. Ein Lieblingsbier der Kölner, das zu einem Original der Stadt wurde.“

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16_Früh-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Flaschendesign ist meiner Ansicht nach insgesamt gelungen. Auch wenn nicht besonders innovativ oder altertümlich, überzeugt das Farbdesign und die gesamte Labelgestaltung. Auf dem Rücketikett befindet sich darüber hinaus mit dem „Slow-Brewing“-Gütesiegel der Hinweis auf eine Brauervereinigung, welche sich vom Einheitsgeschmack abheben möchte. Im Zentrum des Brauprozesses steht dabei die Zeit, ein ökologischer Anspruch sowie die regionale Förderung (weitere Infos siehe unten). Der Kronkorken harmonisiert dabei zum Flaschen- und Markendesign.

  • Aussehen

Auch hier keine besondere Überraschung – auch wenn die Klarheit des Früh nochmals etwas deutlicher heraussticht als die bisherigen Kandidaten. Negativ fällt der schwach-volumige und auch wenig haltbare Schaum ins Gewicht.

  • Geruch

Schon beim Öffnen der Flasche bekommt man regelrechten Bierappetit. Sehr hopfen- und wenig malzaromatisch, riecht das Bier im Glas einfach wie ein Kölsch riechen sollte. Zitrusnoten sucht man (bzw. ich) allerdings fast vergeblich.

  • Geschmack

Der gute Geruchseindruck setzt sich im Geschmack fort. Süffig und weich im Antrunk, feinherb und leicht trocken im Abgang wirkt das Früh sehr ausgewogen und schmeckt richtig lecker. Lediglich die geringe Spritzigkeit könnte man dem Bier vorwerfen.

  • Fazit

Immer wieder bemerkenswert, dass sich doch recht viele Privatbrauereien den großen Bierimperien erfolgreich entgegenstellen können. Dabei liegen die Gründe – wie auch hier beim Früh Kölsch – wortwörtlich auf der Hand. Süffig und trotzdem nicht langweilig, genau das richtige zum Feierabend. Ich könnte es also nicht treffender zusammenfassen, als es Früh schon selbst getan hat:

„Herrlich obergärig“

Deshalb gibt es von mir insgesamt für das Früh-Kölsch 13 Pkt bzw. eine 1-.

16_Früh Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Cölner Hofbräu Früh unter: http://www.frueh.de/

Weitere Infos zur Slow-Brewing-Vereinigung unter: http://www.slow-brewing.com/de/home.html

Prost!

15. Sester Kölsch

Weiter geht es mit der Kölsch-Reise. Heute: Sester. Wie inzwischen die Mehrheit aller Kölsch-Gründungsmitglieder ist auch Sester nicht mehr eigenständig tätig. 1805 von Wilhelm Sester gegründet, war die Brauerei seit 1917 in Ehrenfeld beheimatet. 1928 wurde der Betrieb um eine weitere Stätte erweitert. Dort wurde zunächst hauptsächlich „Kristall“ und Pils sowie das sogenannte Kölsch Alt hergestellt. zum Höhepunkt des Brauhauses in den 1970ern wurde ein jährlicher Ausstoß von über 20.000 hl erreicht. 1993 verkauften die Sester-Nachfahren das Marken- und Braurecht an die Brau und Brunnen AG (heute Teil der Radeberger-Gruppe). Zwar befinden sich die ehemaligen Braustätten noch in Familienbesitz, gebraut wird jedoch seitdem durch Sion in Mühlheim. Lediglich das Vertriebsmanagement ist in Ehrenfeld verblieben.

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15_Sester-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Dem Sünner-Kölsch im Schriftzug gar nicht so unähnlich, überzeugt mich das Flaschendesign jedoch kaum. Eine einfallslose Kombination aus Standard Bauch- und Halsetikett, wird nur durch die historische Darstellung des Hannoveraner Bierkutschengespanns aus besseren Zeiten gerettet. Auch der Kronkorken kommt eher lieblos daher.

  • Aussehen

Wie oben ersichtlich keine Überraschung in der Bierfarbe. Positiv überrascht bin ich aber vom feinporigen und voluminösen Schaum, der doch länger stabil bleibt als erwartet.

  • Geruch

Auch der Geruch ist relativ unauffällig. Ein gewisses Hopfenaroma paart sich mit einer leichten Zitrusnote.

  • Geschmack

Das Sester ist das bisher leichteste Kölsch in meiner Reihe. Schlank und weich im Antrunk sind nur ganz leicht Malzaromen zu schmecken. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen das Bier ist fast geschmacksneutral. Der harmonische (da ebenso charakterlose) und feinherbe Abgang wird von einer kaum spürbaren Spritzigkeit unterstrichen.

  • Fazit

Das Sester wartet also nicht gerade mit einer Geschmacks-Explosion auf. Gerade deshalb ist es sehr schwierig schlussendlich zu bewerten. Weder Geruch noch Geschmack können überzeugen, lediglich die optische Komponente sticht etwas heraus. Aufgrund dieser Belanglosigkeit fällt es mir wirklich schwer dem auf der Flasche prangernden Slogan

„Halt Kölle un uns Braukunst en Ihre“

zu folgen. Ohne zu wissen, wie das Sester vielleicht vor dem Verkauf geschmeckt hat erhält es aktuell von mir nur 8 Pkt bzw. eine 3.

 

15_Sester Kölsch-Bewertung

Prost!

14. Sünner Kölsch

Heute steht für mich ein ganz besonderes Bier auf dem Plan: das Sünner-Kölsch. Vielen – wie auch mir –  kaum bekannt, ist es jedoch das älteste Kölsch der Welt. 1830 gegründet ist die Brauerei & Brennerei Gebrüder Sünner die älteste heute noch produzierende Kölsch-Brauerei der Welt. Zudem wird seit 1858 im ältesten noch in ursprünglicher Form betriebenen Industriedenkmal Kölns gebraut. Die in sechster Generation in Familienbesitz befindliche Brauerei befindet sich im rechtsrheinischen Kalk, nachdem das Deutzer Stammhaus im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und daraufhin nie wiederaufgebaut wurde. Das heutige Kölsch selbst wurde 1906 auf dem Markt gebracht, nachdem bereits viele Jahre Bock-, Export und Weizenbier sowie das sogenannte „Wieß“ gebraut wurde. Letzteres ist der unfiltrierte und somit naturtrübe Vorgänger des Kölsch, welches erst im Zuge der Industrialisierung die heutige klare Reinheit erhielt. Mit ca. 40.000 hl Produktionsvolumen zählt Sünner zu den mittelkleinen Brauereien und stellt seit jeher neben den obergärigen Kölsch und Weizen auch ein untergäriges Lager her. Dieses ist inzwischen sogar mit ökologisch angebauten Rohstoffen versehen. Die Braugerste aus regionalem Anbau, der Hopfen aus der Hallertau und die Reinzuchthefe werden im heute nur noch selten angewandten offenen Gärverfahren vermengt. Zudem wird im Lohnbrau (also der vertraglichen Erzeugung nicht markeneigener Biere) auch u.a. Severins-Kölsch, Traugott Simon und Colonius Kölsch produziert. Wie der Firmenname bereits verrät, ist der Brauerei eine Brennerei angeschlossen, welche Gin, Wodka, Korn und weitere Schnäpse und Liköre destilliert. Und wie hätte es anders sein können, auch diese ist die älteste und einzige noch produzierende Spirituosenbrennerei Kölns. Zur Produktpalette zählen darüber hinaus auch alkoholfreies Malzbier, Limonaden und Wasser.

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14_Sünner-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch das Sünner kommt in einer 0,5l Longneck-Flasche daher und besticht mit einem detailreichen Etikett. Neben dem Brauereiwappen und dem Markenlogo ist ein Bild des Gründervaters Christian Sünner sowie ein Verweis auf die handwerkliche Herstellung abgebildet. Im Hintergrund ist außerdem eine historische Zeichnung des heutigen Brauhauses an der Kalkarer Hauptstraße zu erkennen. Die wichtigsten Rahmendaten sind künstlerisch wertvoll im in Segmenten angeodneten Halslabel untergebracht. In Kombination mit einem ansprechenden Kronkorken, welcher auf die klimaneutrale Produktionsweise hinweist, überzeugt mich insgesamt das Flaschendesign.

  • Aussehen

Die Kölsch-typische gold-gelbe Färbung wird eher Kölsch-untypisch mit einer ganz leichten Trübung begleitet. Die Schaumbildung ist recht durchschnittlich und der sehr feinporige Schaum ist relativ haltbar.

  • Geruch

Das Sünner riecht alles in allem sehr malzaromatisch und leicht hopfenbetont. Neben einer erwartbaren Zitrus-Note sind auch eher süßlichere Bananen-ähnliche Nuancen erriechbar.

  • Geschmack

Der interessante Geruch hatte es schon ein wenig angedeutet: Das Sünner überrascht – zumindest mich. Sonst eher herbere oder matt schmeckende Kölsch gewohnt, ist das Sünner das süffigste mir bekannte seiner Art. Der malzaromatische Geruch setzt sich dabei auch im Geschmack fort. Das insgesamt weich schmeckende Bier ist wenig prickelnd und angenehm harmonisch. Mit einer feinherben Note schmeckt es es extrem ausgewogen und weist keine großen Defizite auf. Absolut überzeugend also.

  • Fazit

Zusammenfassend kann ich zum Sünner Kölsch nur sagen: Respekt! Erfahrung, handwerkliche Braukunst, ausgewählte Zutaten und Familientradition scheinen wirklich einen Unterschied zu machen. Vor allem im Gegensatz zum eher durchschnittlichen Gilden Kölsch ist der Qualitätsunterschied deutlich. Selbst mein bisheriges Lieblings-Kölsch, das Gaffel muss sich nun warm anziehen. Hier passt einfach fast alles. In Summe erhält das Sünner trotz einiger Abstriche im Aussehen und Geruch von mir 13 Pkt. bzw. eine 1-.

14_Sünner Kölsch-Bewertung

Auf dem hinteren Flaschenetikett steht folgendes geschrieben:

„Die Familienbrauerei und -brennerei Gebr. SÜNNER ist die älteste Kölsch-Brauerei der Welt. Wir stellen seit 1830 Bierspezialitäten in traditioneller offener Gärung, unter Verwendung von hauseigenem Brunnenwasser, bestem Malz und feinsten Hopfen, her und sind die einzige noch produzierende Spirituosenbrennerei in Köln. Danke für die Unterstützung von Handwerk und Tradition und für den Erwerb dieses Produktes.“

Sehr gerne – ich habe zu danken!

Weitere Informationen zum ältesten Kölsch: http://www.suenner-brauerei.de/index.php

Prost!

13. Gilden Kölsch

Auf der nächsten Station meiner Kölsch-Reise liegt heute das Gilden-Kölsch. 1869 gegründet befindet sich die Brauerei seit jeher auf der sogenannten „Schäl Sick“ im 1296 erbauten Gilden-Haus im rechtsrheinischen Köln-Mühlheim. Als Mitglied des Haus Kölscher Brautradition gehört es zur Radeberger-Gruppe, der größten Brauerei-Gruppe Deutschlands. Die Gilden-Brauerei gehört mit etwa 250.000 hl zu den mittelgroßen Brauereien im deutschen Vergleich. Vertreten in allen Kölner Veedeln ist Gilden auch offizieller Kölsch-Lieferant der LANXESS-Arena. Seit 1998 sponsert die Brauerei außerdem die Eishockeymannschaft Kölner Haie.

„Gilden Kölsch ist eine erlesene obergärige Bierspezialität mit feiner Note von ausgesuchtem Hopfen. Es wird mit eigenen Hefekulturen nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.“

… heißt es in der eigenen Beschreibung. Mal sehen, ob es auch hält, was es verspricht?

Steckbrief

13_Gilden Kölsch-Steckbrief

Bewertung

13_Gilden-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

In der 0,5l Longneck-Flasche präsentiert Gilden sein Kölsch im grün-goldenen eher unaufgeregtem Design. Auf dem Kornkorken prangt ebenso wie auf dem Etikett das Brauerei-Wappen nebst historisch angehauchtem Marken-Schriftzug. Auch wenn ich dem grün durchaus etwas abgewinnen kann, überzeugt mich dieses „Standard-Design“, welches weder modern noch richtig altertümlich ist, nicht.

  • Aussehen

Für ein Kölsch typisch erscheint es ohne jegliche Trübung goldgelb im Licht. Der Schaum, wie im obigen Bild erkennbar ist zwar feinporig, jedoch relativ schwach und schnell zerfallend. Deshalb auch hier einige Abstriche.

  • Geruch

Nach meinen bisherigen Kölsch-Erfahrungen war ich an dieser Stelle etwas überrascht. Das Gilden riecht grundsätzlich recht malzaromatisch und leicht hopfenbetont. Allerdings kommt zwischendurch auch ein klar süßlich-karamelliger Geruch durch, der etwas irritiert, aber auch die Spannung auf den ersten Schluck erhöht.

  • Geschmack

Tsja, was soll man dazu sagen? Wie bereits erwähnt handelt es sich um ein (wie ich es bezeichne) Industriebier. Und so schmeckt es auch. Der Ersteindruck ist leicht mit einer geringen Hopfen- und Hefenote. Dabei ist es weder richtig süffig, noch richtig herb. Im Vergleich zu meinen bisher vorgestellten Bieren, ist hier dieser Industriegeschmack am deutlichsten erkennbar. Im Frischeeindruck wenig prickelnd und matt ist auch der Abgang eher trocken, feinbitter und dumpf. Weder die eigenen Hefen noch die die ausgewählten Hopfensorten sind wirklich schmeckbar. Vielmehr wird deutlich, dass Hopfenextrakt nicht wirklich zur Geschmacksexplosion beiträgt.

  • Fazit

Insgesamt hätte ich mir von diesem traditionellen Kölner Bier etwas mehr erwartet. In keiner Kategorie kann es wirklich überzeugen, ist aber auch zu keinem Zeitpunkt klar unterdurchschnittlich. Es erinnert mich ein wenig an die vielen schönen Abende bei Alex. Dort haben wir zwar nicht oft Kölsch getrunken, allerdings versetzt mich der (Industrie-)Geschmack sofort um einige Jahre zurück. Deshalb bin ich etwas gnädig und vergebe in Summe 9 Punkte bzw. eine 3+.

13_Gilden Kölsch-Bewertung

Weitere Informationen zur Brauerei: http://www.gilden.de/

Prost!

12. Pott’s Prinzipal – Münsterländer Original

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Heute widmen wir uns einem Stück Münsterland, dem Pott’s Bier. Anstatt des bekannteren Landbieres geht es heute aber um das Prinzipal. Zunächst sei gesagt, dass die Brauerei Pott’s 1769 gegründet wurde. Damals kaufte ein gewisser Franz-Arnold Veltmann eine Landwirtschaft mit Brauerei und Bäckerei in der Stadt Oelde vom Jesuitenkloster „Haus Geist“. Heute wird das Unternehmen bereits in der 7. Generation von Jörg Pott geführt und dies passiert seit je her nach „Pott’s Gesetz“:

Die Brauereifamilie Pott braut seit 1769 feine, bekömmliche Bierspezialitäten. Pott’s Biere weisen durch besonders naturbelassene Braukunst nicht nur ein Mehr an Geschmack, sondern auch ein Mehr an natürlichen Inhaltsstoffen auf. 

Potts GrunddatenDas Pott’s Prinzipal ist ein Pilsener, nach der Klassifikation des BJCP kann es allerdings nicht mehr unter das Deutsche Pilsener fallen. Mit einer Stammwürze von 12,5 (Deutsches 12,3) und einem Alkoholgehalt von 5,3% (Deutsches: <5,2%) liegt es wohl im Bereich des Böhmischen Pilseners. Dieser höhere Stammwürzegehalt wird auf schon durch die Flaschenaufschrift angekündigt. Ein malzigerer Geschmack sollte die Folge sein, schaun wir mal!

Wertung

Potts Wertung

Flaschendesign: Als Bügelflasche gibt es hier von mir wieder einen Sonderpunkt (einen schönen Plop gab es auch). Ansonsten bist auf die gute Beschreibung des Biercharakters auf der Rückseite nichts wirklich besonderes: 9 Punkte / Note: 3+

Bier im Glas: Ein sehr helles gold wie es zur Beschreibung eines typischen Böhmischen passt. Etwas zu hell für meinen Geschmack, wirkt leicht wässrig dadurch: 8 Punkte / Note: 3

Geruch: Ein sehr schön würzig- malziger Geruch ohne irgendwelche störenden Geruchsnoten, wirklich sehr appetitanregend: 12 Punkte / Note: 2+

Geschmack: Schließt sich nahtlos dem schönen Geruch an. Ein süffiges Bier mit wenig Kohlensäure, einem sehr würzig-malzigen Geschmack ohne unangenehme süße oder bittere Note hat. Leichte süße wenn überhaupt. Kann man durchaus in größeren Mengen so wegtrinken 😉 13 Punkte / Note: 1-

Abgang: Sehr schön auch der Abgang, hinterlässt keine Bitterkeit auf der Zunge. Den malzigen Charakter spürt man das ganze Geschmackserlebnis hindurch: 13 Punkte / Note: 1-

Fazit: Ich tue mich immer schwer eine eins zu vergeben, außer an die allerbesten Biere. Auch hier ist es haarscharf daneben da das Auge ja doch mitentscheidet. Der Geschmack würde es allerdings absolut rechtfertigen, ein Bier das ich mir durchaus regelmäßig gönnen könnte!

Gesamtnote: 12 Punkte / Note: 2+

11. Mühlen Kölsch

Auch am heutigen Montag scheint der Trend der Biere mit Weizenmalz anzuhalten. Allerdings tauchen wir diesmal erstmals in die große und doch lokal sehr begrenzte Welt des Kölsch ein.

Das Kölsch, so populär es auch heute insbesondere im westdeutschen Raum ist, entstand in seiner heutigen Form erst Anfang des letzten Jahrhunderts. Es ist also – historisch gesehen – noch ein relativ jugendliches Bier. Gab es kriegsbedingt 1945 nur noch zwei Kölsch-Brauereien, stieg die Anzahl bis zu den 1960ern wieder auf über 20 an. Im Zuge des neuerlichen Aufschwungs des Bieres stellte das Oberlandesgericht Köln 1980 fest, dass das Kölsch nicht nur den Biertyp, sondern auch seine Herkunft definiere und somit nicht mehr außerhalb des Kölner Gebiets hergestellt werden dürfe. Als Resultat hieraus trat 1983 die sogenannte Kölsch-Konvention in Kraft. Unterzeichner waren sämtliche damals produzierenden Kölsch-Brauereien, die folgende Kriterien an ein Kölsch festhielten:

„Die Bezeichnung Kölsch ist seit alters her eine qualifizierte geographische Herkunftsbezeichnung für nach dem Reinheitsgebot hergestelltes helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes obergäriges Vollbier […].“

Zudem sei es ausschließlich in Köln herzustellen. Ausnahmen bilden lediglich, die bereits damals bestehenden Kölsch-Brauereien außerhalb Kölns.

Von den 1983 unterzeichnenden Kölsch-Brauereien sind inzwischen noch elf tätig. Eine davon ist die Brauerei zur Malzmühle am Heumarkt – Familienbrauerei in der fünften Generation. Wie es der Name erahnen lässt, wurde hier seit 1858 ursprünglich alkoholarmes Malz-Bier hergestellt. Von den aktuell etwa 37.500 hl Ausstoß geht inzwischen jedoch der Großteil auf das Kölsch zurück. Neben Kölsch wird auch Weizen gebraut, was aufgrund der ähnlichen Produktionsprozesse im Grunde nahe liegt, jedoch nur von wenigen anderen Kölsch-Brauereien praktiziert wird. Kölsch und Weizen unterscheiden sich im Übrigen grundsätzlich durch das Verhältnis von Gersten- zu Weizenmalz sowie der Verwendung unterschiedlicher Hefen. Seit 2011 gibt es auch das Gourmet-Bier „von Mühlen“ auf Champagner-Basis. Außerdem wird auch ein Kräuterschnaps („Mühlen-Kräuter“) hergestellt und vertrieben.

 

Steckbrief:

2_Mühlen Kölsch

Bewertung:

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  • Flaschendesign + Kronkorken

Außergewöhnlich für ein Kölsch, wird das Mühlen-Kölsch in der bauchigen 0,5l Euro-Flasche abgefüllt und vertrieben. Das sowie auch das farblich schlichte und dennoch nicht billig gehaltene Äußere trifft meinen Geschmack. Auch der Kronkorken mit der schwarzen Hintergrundfarbe – angelehnt an die Inhaberfamilie Schwartz – kann in meinen Augen überzeugen.

  • Aussehen

Obwohl das Kölsch laut Konvention nur in der bekannten 0,2l-Stange ausgeschenkt werden darf, habe ich trotzdem mal zur Verköstigung das Kölsch-Gesetz gebrochen. Die im Licht scheinende goldgelbe Farbe wird (wie es das Gesetz will) von einer nicht wahrnehmbaren Trübung unterstrichen. Der Schaum erweist sich als feinporig, relativ kräftig und normal haltbar.

  • Geruch

Auch hier weicht das Mühlen nicht von der gesetzlich vorgeschriebenen Hopfenbetonung ab. Zudem sind aber auch Zitrusnoten erkennbar. Insgesamt ein sehr reiner und klarer  Geruch.

  • Geschmack

Geschmacklich muss ich sagen, macht das Mühlen einen guten Ersteindruck. Der weiche aber wenig süffige und würzeartige Geschmack erinnert mich zunächst auch an Gaffel – eines meiner Lieblings-Kölsch. Auch die leicht prickelnde Rezenz und der kräftig betonte und feinherbe Abgang ist sehr solide. Allerdings will auch bis zum Schluss der Funke nicht überspringen. Ich kann zwar „objektiv“ keinen wirklichen Kritikpunkt finden, dem Bier fehlt es meiner Meinung nach jedoch an dem besonderen Etwas, der mir auch länger in Erinnerung bliebe.

  • Fazit

Auf meinem Wege durch die Kölsch-Welt stellt das Mühlen-Kölsch den Startpunkt dar.  Vermutlich eines der herbsten unter den doch recht süffigen Kölsch, kommt es meinem Geschmack zwar sehr entgegen, allerdings bleibt es mir insgesamt zu blass. Da ich aber ein Herz für privat geführte Brauereien habe erhält das Mühlen-Kölsch heute von mir in der Gesamtwertung 11 Punkte bzw. eine 2.

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Zum Schluss noch eine kleine historische Anekdote: Im Rahmen des G8-Gipfels 1999 konnte das Brauhaus den damaligen US-Präsident Bill Clinton an Gast begrüßen. Bei rheinischem Sauerbraten konnte er sich dort auch von der deutschen Braukunst überzeugen.

Weitere Informationen zur Brauerei: http://www.muehlenkoelsch.de/

Mehr Infos zur Kölsch-Konvention (mit Originallaut): http://www.koelner-brauerei-verband.de/k%C3%B6lsch-konvention

Prost!

10. Artländer Nox – das milde Dunkle

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Die Artland Brauerei Hof Renze in Nortrup liegt in der Samtgemeinde Artland im Norden des Osnabrücker Landes. Das Motto „aus der Region für die Region“ spiegelt sich auf allen Ebenen wieder. Gerade mal 2 Biere, das Artländer Pilsener & das Artländer Nox werden dort gebraut. Gegründet wurde Sie 2007 im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms  in dem leerstehenden Gebäuden ein neuer Nutzen gegeben wurde. Seither befindet sich in der ehemaligen Wagenremise das Sudhaus und somit das Herzstück der Brauerei. Die alte Strohscheune und ein Teil des Vielstalls sind neuerdings Gär- und Lagerkeller. Das Bier wird ausschließlich mit Zutaten aus der Region gebraut und (fast) ausschließlich in Märkten im Landkreis Osnabrück vertrieben.

Grunddaten Nox

Wertung

Hier bin ich etwas gespalten, während es besser schmeckt als ich zunächst gedacht hatte aber insgesamt doch nicht „gut“ gut.

Wertung

Flaschendesign: Das einzig bemerkenswerte ist das Drachenlogo, welcher gleichzeitig auch das Wappentier der Region ist. Der bein- und flügellose Drache sieht aber leider eher aus wie ein böses Seepferdchen. Auch die Farbe ist im Artländer rot gehalten, nicht ganz überraschend wenn man den regionalen Charakter bedenkt: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Der angekündigte malzige Charakter spiegelt sich hier sehr schön wieder. Die goldbraune, bernsteinfarbene Farbe mit einer schönen Schaumkrone ist passt sehr schön: 11 Punkte / Note: 2

Geruch: Der etwas süße Geruch passt gut zur malzigen Farbe. Eine etwas säuerliche Note hat mich dann aber doch etwas gestört: 9 Punkte / Note: 3+

Geschmack: Die wichtigste Kategorie bestätigt dies, der Geschmackskörper hat leider eine etwas süß-säuerliche Note. Das Bier ist wie angekündigt sehr mild und süffig mit sehr wenig Kohlensäure. Dies spielt aber recht gut mit dem malzigen Charakter des Bieres zusammen. Eine Hopfenbitterkeit sucht man vergeblich. Für meinen Geschmack etwas sauer: 9 Punkte / Note: 3+

Abgang: Der Abgang und vor allem der Nachgeschmack hinterlassen diesen süß-säuerlichen Charakter auf der Zunge, nicht ganz so schön: 8 Punkte / Note: 3

Fazit: Ein durchaus trinkbares Bier, da der Charakter insgesamt nicht alltäglich und schon was besonderes ist. Ein regionale Bier das man durchaus hin und wieder genießen kann. Aufgrund des Geschmacks mit der säuerlichen Note aus meiner Sicht aber keine 2, deshalb: 9 Punkte / Note: 3+

Im Übrigen kann man diese kleine Brauerei auch besichtigen. Auf den Touren gibt es in netter Bauernhofatmospäre zusätzlich zur Besichtigung mit dem Braumeister persönlich im Anschluss auch reichlich Bier und regionale Food-Spezialitäten.

Näheres dazu auf: http://www.artland-brauerei.de

9. Endlich Daheim – ein Augsburger Original aus der Brauerei von nebenan

Hasenbräu: Weißer Hase:

Nach der letzten Notlösung in Sachen Bier konnte nun ein Besuch des örtlichen Getränkemarktes erfolgen. Somit sind Keller & Kühlschrank neu aufmunitioniert und für alles bereit.

Heute kam ein wunderbares Hasenbräu: Weißer Hase auf den Tisch. Die entsprechende Brauerei samt Brauhaus und Biergarten befindet sich im alten Schlachthofquartier 3-4 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Somit handelt es sich praktisch um meine Hausbrauerei.  Ein altes Augsburger Sprichwort (auch frei nach meinem Großvater) „Hasenbräu?! Des kannsch den Hasen geben“  Man findet in Augsburg in der Tat wenig Menschen, die sich offen zum Hasenbräu bekennen.  Ich gehöre allerdings dazu. Zwar landet es nicht oft im heimischem Braukeller, jedoch freue ich mich stets wenn eine heimische Gastronomie es als 1. im Zapfhahn hat und nicht unbedingt Riegele ausschenkt.

Weißer Hase

 

Die Geschichte:

Eine Augsburger Brauerei, die auf eine mehr als 500-jährige Brauereihistorie zurückblicken kann:

In der alten Tradition des „Haus-Preus“ (Hausbrauereien) lässt Hasen-Bräu Augsburg seit einigen Jahren in der denkmalgeschützten Kälberhalle Bier brauen, die damit Brauerei und Gastwirtschaft in einem ist. Das „Augsburger Brauhaus zum Hasen“ kann hier fassfrisch genossen werden. Gebraut wird nach überlieferten Rezepturen und mit Zutaten aus der Region. Wenn gebraut wird, können Gäste der Kälberhalle den Brauern über die Schulter schauen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Aktienbrauerei zum Hasen Augsburg, der Volksmund sprach von der „Hasenbrauerei“ die größte Brauerei in Augsburg und Schwaben, ja sie zählte sogar zu den bekannten Großbrauereien Bayerns. Von dieser alten Herrlichkeit ist nicht viel übrig geblieben.

Hasen-Bräu gehört heute zur Tucher Bräu GmbH in Nürnberg, die wiederum zur Oetker-Gruppe und damit zur Radeberger Gruppe gehört.

Schon 1464 gab es in Augsburg die Vorläufer-Brauerei von Hasen-Bräu. Damals gab es in Augsburg viele „Haus-Preus“, also kleine Hausbrauereien. Einer dieser „Bierpreu“ war Ulrich Alpershofer, der 1464 in seiner Schänke „Zu den drey Glass“ in großen Bottichen am offenen Feuer sott. Schon 1463 kann für diese Schänke die Bierschenkengerechtsame neben einer noch älteren Bäckereigerechtsame nachgewiesen werden.

Mehrere Generationen übten in diesem Haus sowohl das Bäcker- wie das Brauerhandwerk aus – bis zum 1. März 1589. An dem Tag trennte man die „Bierschenkenbehausung“ von dem „Beckenhaus“ ab. Es wurde die Brauerei „Zu den drei Glas“ gegründet. Sie lag in der Bäckergasse 17 (früher noch Litera A 333 und A 334) und erhielt 1801 den Namen „Zum Hasen“. Ab 1589 nahm also die Brauerei unabhängig von der Bäckerei ihren eigenen Weg.

Bis zum Jahr 1815 sind 34 Besitzerwechsel der Brauerei „Zu den drei Glas“ nachzuweisen. 1815 kam die Brauerei in das Eigentum des Bierbrauers Matthias Rösch, der die Brauerei in vierzigjähriger unermüdlicher Arbeit zu großer Blüte brachte. Er starb 1855. 1820 erwar Matthias Rösch das Anwesen Litera A 333, 1846 Litera A 335. Durch Betriebserweiterungen konnte er bis 1850 die Bierproduktion verdreifachen.

Diese erfolgreiche Entwicklung setzte sein Sohn Joseph Matthias Rösch fort, der die Brauerei 1858 übernahm. Weil das Anwesen Bäckergasse 17 nicht mehr zum Brauen ausreichte, jedoch nicht erweitert werden konnte, kaufte Joseph Matthias Rösch das Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters zwischen der Kaiserstraße und der Armenhausgasse. Zuletzt trug dieses Gelände die Adresse Konrad-Adenauer-Allee 33.

Am 20. November 1890 gründete die Brauerei „Zum Hasen“ die „Actienbrauerei zum Hasen vorm. J. M. Rösch“. Die Gründung der Aktiengesellschaft diente der Finanzierung des Brauerei-Neubaus.

1898 wurde die Exportbierbrauerei Schnapperbräu? zugekauft und ein Jahr später konnte man die neue Braustätte an der heutigen Konrad-Adenauer-Allee in Betrieb nehmen und die Produktion im Stammhaus aufgeben. Das Stammhaus in der Bäckergasse 17 machte man 1902 zur Gaststätte „Zur alten Hasenbrauerei“. 1907 starb der erfolgreiche Joseph Matthias Rösch. Bis zum Ersten Weltkrieg setzte man den Erwerb kleinerer und größerer Brauereien fort.

Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Hasen-Bräu 1920 die Brauerei Lorenz Stötter AG und ein Jahr später fusionierte diese größer gewordene Augsburger Brauerei mit der AG Kronenbräu. Daraus ergab sich der neue Name „Actienbrauerei zum Hasen Lorenz Stötter und Kronenbräu“. Die Augusta-Brauerei, die durch die letzte Fusion zum Eigentum geworden war, stieß die Firma schnell wieder ab, weil man diese Braustätte nicht brauchte. 1924 übernahm Hasen-Bräu die Actienbrauerei Augsburg, vormals J. M. Vogtherr, was durch Ausschluss der Liquidation als Ganzes gegen Gewährung von Aktion der Actienbrauerei zum Hasen, Lorenz Stötter und Kronenbräu geschah. Dadurch entstand die „Actienbrauerei zum Hasen Augsburg mit Lorenz Stötter, Kronenbräu, Vogtherr“. Als Firmierung üblich wurde Aktienbrauerei zum Hasen.

In den 1930er Jahren engagierte sich die Bayerische Vereinsbank? immer stärker finanziell an der Hasenbrauerei. Die Firma besaß Betriebsstätten an der Kapuzinergasse, am Katzenstadel (frühere AG Kronenbräu) und am Lauterlech (frühere Stötter-Mälzerei). Dazu kamen noch weitere Firmenanwesen, insgesamt etwa 30. Alle diese eigenen Anwesen der Brauerei wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Das Stammhaus in der Bäckergasse 17 wurde 1944 total zerstört.

Während der Aufbaujahre nach dem Krieg legte die Firmenleitung großen Wert auf die Modernisierung und Rationalisierung und brachte das Unternehmen so wieder in Schwung.

1950 übernahm Hasen-Bräu Klosterbräu Scheyern.

In den 1960er Jahren begann Hasen-Bräu alkoholfreie Getränke in die Produktion aufzunehmen.

1973 übernahm die Hasenbrauerei Prügelbräu und 1975 Fortunabräu.

1980 änderte man die Firmierung in „Hasen-Bräu AG“.

1992 integrierte die Hasen-Bräu Bürgerbräu Augsburg-Göggingen.

1996 besaß die Bayerische Vereinsbank 77 Prozent der Aktien der Hasen-Bräu AG. Diese 77 Prozent der Aktien verkaufte die Bank damals an Jannik Inselkammer. 1997 trat die Hasen-Bräu AG ihre Betriebsrechte an die Tucher-Bräu-KG, die zur Inselkammer-Gruppe gehörte, ab und wurde dadurch an Tucher-Bräu beteiligt.

1998 firmierte die Hasen-Bräu AG zu Hasenbräu Brauereibetriebsgesellschaft um. Damals beschäftigte sie noch 170 Mitarbeiter und stieß etwa 340.000 Hektoliter Getränke aus, wovon 140.000 Hektoliter alkoholfrei waren.

2003 kaufte die Inselkammer-Gruppe Hasen-Bräu komplett auf, wodurch Hasen-Bräu zur Brau und Brunnen AG kam und als Produktionsgesellschaft geführt wurde. Schon ein Jahr danach wurden Tucher und damit auch die Hasenbrauerei an den Oetker-Konzern weitergereicht. So wurden Tucher und Hasen Teil der Radeberger Gruppe.

Im März 2010 gab die Hasen-Brauerei bekannt, dass sie bis Mitte 2011 ihren ganzen Brauereibetrieb von der Weiten Gasse auf ein Gelände im alten Schlacht- und Viehhof Augsburg verlegt.

Am 16. November 2011 kamen etwa 250 Gäste zur Eröffnung der Hasenbräu-Gaststätte auf dem Gelände des Schlachthofs, die etwa zwei Millionen Euro gekostet hat.

Quelle: augsburgwiki.de direkt zitiert

Grunddaten:

Weißer Hase_Charakteristika

Wie klar zu erkennen ist, handelt es sich beim „Weißen Hasen“ um ein Weizenbier. Genauer gesagt um eine helle bayerische Weisse. Das Bier ist entsprechend obergärig gebraut, hat einen normalen Alkoholgehalt und eine ebenfalls adäquate Stammwürze.

Flaschendesign:

Bei der Flasche handelt es sich um eine Standard 0,5 l Bayerisch-Hell Flasche. Soweit, so normal. Dies ist jedoch für das Weißbierformat ungewöhnlich. Aber es gefällt. Der genannte weiße Hase vor weiß-blauem bayerischen Grund, „bewaffnet“ mit Hopfen und Malz sowie durch Weizenähren flankiert ist ein echter Hingucker. Da sich jedoch die normale Braunglasflasche mit Kronkoren nicht von vielen 0815-Bieren teils bierigem Inhalt unterscheidet, gibt es hier Abzüge.

10 Punkte

Weißer Hase

Im Glas:

Eingeschenkt zeigt der Hase sein glänzendes Fell. Für ein Weizenbier ist die Farbe sehr hell, was sicherlich auf den relativ geringen Hefeanteil zurückzuführen ist. Die Schaumbildung ist schön prickelnd und der Schaum hat lange Bestand. Somit hat man ein original bayerisch-schwäbisch eingeschänktes Weißbier.

13 Punkte

Geruch:

Der Geruch vervollständigt die hohen Erwartungen und lässt einem das Wasser im Munde zusammen laufen. Kohlensäure kitzelt in der Nase, ein charaketristischer Getreidegeruch mit einer entschiedenen Fruchtnote steigt auf und formt eine wunderbare Blume.

14 Punkte

Geschmack:

Kommen wir zur wichtigsten Kategorie eines Bieres: dem Geschmack.

Man stelle sich dieses Bier an einem heißen Sommertag auf einer Alm, einem Gasthaus in den westlichen Wäldern oder einem Weißwurschtfrühstück vor….. ein Gedicht. Es erfrischt, es prickelt! Es schmeckt! Das Bier ist besonders für ein Weißbier extrem süffig! Ein bitterer Geschmack kann sich in keiner Weise einstellen (dies spricht für einen niedrigen Hopfengehalt). Dagegen ist der Getreidegeschmack relativ deutlich, formt jedoch mit der starken Spritzigkeit und Leichtigkeit ein gutes Gaumenerlebnis. Eigentlich perfekt…. jedoch fand die Verkostung nicht an einer der genannten Örtlichkeiten statt, sondern an einem winterlichen Abend in geschlossenen Räumlichkeiten. Als Beilage fungierte ein schmackhafter Gemüseeintopf…. und schon kann die Spritzigkeit und Leichtigkeit als Eindimensionalität gewertet werden. Andere Verkoster nannten das Bier langweilig. Diesem kann ich mich jedoch nicht anschließen. Gesamt gibt sich hier dennoch ein wirklich gutes Ergebnis.

12 Punkte

Abgang:

Das genannte Spezifikum, das sich in Punkto Geschmack negativ auswirkt, setzt sich im Abgang fort! Der Geschmack des Bieres ist schnell vorbei und eine etwaige Vielschichtigkeit kann sich nicht etablieren.

10 Punkte

Gesamtbewertung und Fazit gut (+) 12 Punkte:

Letztlich handelt es sich bei dem Bier meiner Ansicht nach um einen echten Augsburger Klassiker! Es schmeckt! Dabei wirkt es deutlich leichter und weniger hopfig sowie weniger hefig als das bayerische Standart-Weißbier. Somit hat es insgesamt etwas von einer „Leichten Weissen“ bzw. einem „Leichten Weizen“, das sich in teilen Bayerns einer gewissen Beliebtheit erfreut. (Kinderbier / Autofahrerbier usw 😛 )

Insgesamt ist dieses Bier Jedem zu empfehlen, der einen leichten, süffigen und erfrischenden Weißbiergenuss sucht.

Bewertung_weißer Hase

8. Weißbier-Variationen für alle Jahreszeiten – Bierverköstigung Januar

Unertl Weißbier Original | Schneider Weiße Tap 2 – Mein Kristall | Hoegaarden Wit Blanche | Hopfenstopfer Citra | Schneider Weiße Tap 6 – Unser Aventinus

http://wordpress.99biere.de/wp-content/uploads/2015/12/Facebook-Einladung-201601.jpg

Während ich gerade Stefan´s Indian Ale von Maisel & Friends genieße, welches leider nicht in die Wertung eingehen kann, da es schon abgelaufen ist, möchte ich von meiner Bierverköstigung am vergangenen Montag berichten.

Im Gasthaus zur Eule in Brühl präsentiert der Brühler Biersommelier Markus Weick seit November am Anfang jeden Monats verschiedene Biere zu unterschiedlichen Themen. Die oben genannten Biere machten zum Thema Weißbier für dieses Jahr den Anfang. Ein Bier welches auch schon Klaus Augenthaler zu schätzen wusste:

„Das Gute am Weißbier: Es kann von Elf Uhr morgens bis zum Frühstück getrunken werden.“

In gemütlich uriger Atmosphäre wurden zunächst sogenannte TEKU-Gläser und Verkostungskarten verteilt. Erstere sind speziell für Biere konzipierte, sodass eine intensivere Sinneswahrnehmung bei der Verkostung ermöglicht wird. Letztere beinhalten auf der einen Seite nützliche Informationen zur Wahrnehmung und Einschätzung der zu verköstigenden Biere. Auf der anderen Seite hatte man dann die Möglichkeit, seine individuelle Bewertung zu jedem vorgestellten Bier zu notieren, welche vom Biersommelier im Anschluss ausgewertet werden.

Bewertungsbogen_blanko-AOhne langes Aufwärmen wurde direkt mit dem ersten Bier gestartet. Das Unterl Weißbier wurde ringsum eingeschenkt und zunächst gemäß Aussehen und Geruch begutachtet. Der deutlich erkennbare bananige Geruch mit leichter Zitrus-Note wurde begleitet durch eine für ein helles Weißbier ungewöhnlich dunkle Bernsteinfarbe. Auch geschmacklich überrascht das Unertl mit einer leicht gehopften Milde. Grund hierfür – so erklärte Markus Weick – sei die offene Gärung, welche Unertl für alle Biere anwendet. Während der Verkostung gibt es derweil allerlei interessante Informationen zur Brauerei, zum Brauverfahren oder zum historischen Hintergrund. So wird die Farbe des Bieres in erster Linie durch die Färbung des Malzes bestimmt. Diese wiederrum ist abhängig von der Temperatur mit der das zuvor gekeimte Gersten- oder Weizenmalz erhitzt wurde. Der Weizenmalzanteil beim Unertl beträgt 70% – ein Umstand, welcher einen äußerst vollmundigen und harmonischen Geschmackseindruck vermittelt. Eine Besonderheit der Unertl-Brauerei ist außerdem, dass es eigentlich zwei Brauereien sind, welche von zwei unterschiedlichen Familienzweigen der Gründerfamilie betrieben werden. Bei diesen Unertl-Brauereien handelt es sich im Übrigen um reine Weißbier-Brauereien.

SAM_0249Aus einer ebenfalls reinen Weißbierbrauerei entstammt das nächste Bier. Das Tap 2 von Schneider Weisse – eine der größten noch privat betriebenen Brauereien Deutschlands – ist als Kristallweizen im Gegensatz zum Unertl eher was für die helleren Jahreszeiten. 1924 durch Farny in Kißlegg eingeführt unterscheidet sich das Kristall vom „Normalweißbier“ durch die Filtration von Hefe- und weiteren Schwebstoffen. Dies hat zur Folge, dass die bananengeschmacksgebenden Hefestoffe nach Beendigung des Brauprozess entfernt werden und einen deutlich hopfigeren Geruch Geschmack hinterlassen. Zudem ist es spritziger und etwas bitterer bei einem dennoch runden Ausklang.

SAM_0251Während der Verköstigung gibt es einen kleinen Exkurs zur Geschichte des Weißbieres. Nachdem über Jahrhunderte das Weißbierbrauen und -trinken Privileg von Adel und höheren Bürgerschichten südlich der Donau war, wurde zunächst 1548 das Privileg auf das ganze damalige Reichsgebiet ausgeweitet. Aufgrund der Popularität des Bieres auch in niederen Bevölkerungsschichten, wurden nach und nach im gesamten Landesgebiet herzogliche Weißbierbrauereien gegründet. Die erste entstand in Kehlheim – der heutige Stammsitz und seit 1928 Brauort der Schneider Weisse. Im 19. Jahrhundert allerdings nimmt die Popularität des obergärigen Weißbiers zu Gunsten der untergärigen Hellbiere Pils (Entstehung 1842) und Märzen (1843) rapide ab. Das seit 1798 bestehende Recht Weißbier brauen zu dürfen (das sogenannte „Weißbierregal“), erkauft sich Georg Schneider I. als erster Bürgerlicher im Jahre der deutschen Reichsgründung. Mit einer cleveren Marketingstrategie und einem „gar köstlich mundenden Weißbier“, wie es Schneider selbst beschreibt, gelingt die Rettung des Weißbieres.

Mit dem Hoegaarden Wit Blanche geht die Verköstigung weiter. Zunächst bin ich sehr gespannt, da ich mit belgischen Bieren schon so einige „spannende“ Erfahrungen machen durfte und auch dieses Witbier bereits einmal im Camping-Urlaub in Holland trinken durfte. Dadurch, dass dem Bier die Weizenrohfrucht (und nicht das Malz) sowie Koriander und Orangenschalen zugesetzt sind entspricht es nicht dem deutschen Reinheitsgebot. Während man das Zitrusaroma und die Weizenfrucht klar herausriechen und -schmecken kann, muss ich zugeben, dass mir wohl noch Geschmackserfahrung fehlt um auch den Koriander erkennen zu können. Mit 30% Weizenmalz schmeckt es nichtsdestotrotz erstaunlich mild und lecker. Entweder meine Geschmacksknospen sind altersbedingt abgestumpft oder das Bier ist überraschenderweise wirklich gut.  Als klassisches Sommerbier schmeckt es mir sogar an einem verregneten Westwintertag wie dem montägigen. Eine Randnotiz zum Hoegaarden: Nachdem 1955 die letzte Witbier-Brauerei in Belgien schließen musste, erweckten die Gründer dieses 1966 wieder zum Leben und brauten es ohne Unterbrechung bis heute weiter.

SAM_0252Als vorletztes Bier des Abends war das Hopfenstopfer Citra American Pale Ale an der Reihe. Von der über 250 Jahre alten Brauerei Häffner produziert, handelt es sich im Gegensatz zu den anderen Mitstreitern um eine Craft-Bier. Das bedeutet, dass das Bier keinen industriellen Brauprozess erfahren hat, sondern handwerklich in kleinem Umfang hergestellt wurde. Die Häffner-Brauerei produziert jährlich 1.400 hl (davon 400 hl Hopfenstopfer) – zum Vergleich: Schneider Weisse kommt auf über das 100-fache, Paulaner auf über das 1.000-fache. Bei einem Weizenanteil von 50% macht das Bier einen sowohl hopfenbetonten als auch malzaromatischen Geschmackseindruck. Begleitet von einem zitronigen Geruch hinterlässt es den bisher bittersten Abgang des Abends.

SAM_0253Den Verköstigungsausklang bildete das Tap 6 – Aventinus abermals von Schneider Weisse. Mit 8,2% Volumenalkohol bedingt durch eine Stammwürze von 18 °P bildete es bereits die Brücke zum Bierthema im Februar „Bockbier“. Mit der Stammwürze wird übrigens der Anteil der gelösten Stoffe angegeben – 16°P bildet die Grenze zum Bockbier, 18°P genau die zum Doppelbock. Im Aventius befinden sich also 18% gelöste Stoffe wie Maischereste oder Hefestoffe, wohingegen der restliche Brauwasseranteil des Aventinus 82% beträgt. Bei einem schwachen Schaumvolumen und schwarzbrauner Bierfarbe ist ein kräftig süßlich-herber Geruch mit leichter Zitrusnote wahrnehmbar. Der Antrunk ist schwer und malzaromatisch. Die Resenz würde ich als Laie noch am ehesten mit lebendig-moussierend beschreiben. Der Abgang hingegen ist wiederrum ziemlich kräftig betont. Das 1907 ins Leben gerufene Aventinus sollte mit einer Trinktemperatur von etwa 14°C genossen werden, weshalb der Biersommelier Markus Weick das Bier zu Beginn der Verköstigung aus dem Kühlschrank holte. So hatte es immerhin eine Temperatur von knapp unter 10°C erreicht. Der heutige Gaumen ist selbstverständlich an niedrigere Temperaturen gewöhnt, in früheren Tagen jedoch gab es tatsächlich sogenannte „Bierwärmer“ welche die gewünschte Biertemperatur erzeugten, falls das Bier einmal zu kühl war (ein solcher ist sogar in der Eule vorhanden)…

SAM_0258Alles in allem würde ich den präsentierten und verköstigten Bieren folgende Gesamtwertung geben:

Untertl Weißbier Original: 13 Pkt. (1-)

Hoegaarden Wit Blanche: 11 Pkt. (2)

Hopfenstopfer Citra: 9 Pkt (3+)

Schneider Weisse Tap 2: 7 Pkt. (3-)

Schneider Weisse Tap 6: 6 Pkt. (4+)

Bewertungsbogen_befülltIm Anschluss an die offizielle Verköstigung gab es dann noch die Gelegenheit eines oder mehrere weitere Bierspezialitäten des Hauses zu probieren:

Bierkarte_JanuarUnd das ist nur die Auswahl für Januar. Im Laufe des Jahres werden weitere Biere eingeführt, mit dem Ziel am Ende des Jahres über 100 unterschiedliche Biere im Dauersortiment zu haben. Definitiv also ein absoluter Glückgriff im Bierjubiläums-Jahr ;).

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

7. Detmolder Thusnelda – Bier des Jahres 2013

Im Vorfeld dieses Projektes habe ich mir natürlich auch besonders Gedanken gemacht welche regionalen Spezialitäten man hier unter die Lupe nehmen könnte und bin ziemlich schnell auf das Detmolder Thusnelda gestoßen. Die Auszeichnung „Bier des Jahres“ wird im übrigen seit 1998 vom ProBier-Club verliehen (www.bierclub.de). Sogar die Kanzlerin hat bei einem Besuch in Detmold das Bier schon probiert und gelobt, Grund genug sich dies mal anzuschauen.

Detmolder Thusnelda

Thusnelda & Arminius

Detmold liegt von Osnabrück gesehen auf der anderen Seite des Teutoburger Waldes in der Region Westfalen, genauer Ostwestfalen-Lippe. Das Bier ist in sofern eine besondere regionale Spezialität da der Name sich auf die Frau des Arminius bezieht. Arminius war ein Cheruskerfürst und wird auch „Befreier Germaniens“ genannt da er in der berühmten Varusschlacht um 9 n. Chr. den Römern eine ihrer schlimmsten Niederlagen beibrachte. Der Ort der Schlacht wird u.a. bei Kalkriese im Osnabrücker Land vermutet, aber auch in Ostwestfalen. So erinnert das Hermannsdenkmal südwestlich von Detmold ebenfalls an eben jenen Arminius. Der Slogan „Probieren auch Sie unser neues „germanisch-
erfrischendes“ Detmolder Thusnelda-Bier!“ ist umso passender.

Detmolder wird von der Privat-Brauerei Strate in Detmold hergestellt. Gegründet 1853 von Adolf Hüppe ist sie vergleichsweise jung und mit 3 Mitarbeitern recht klein. Ein Markenzeichen ist die Abfüllung in Bügelfalschen. Nach Flensburger ist sie die Brauerei mit den zweitmeisten vertrieben Einheiten in eben jenen. Neben der Marke Detmolder in allen Variationen (am bekanntesten ist wohl das Landbier), stellt die Brauerei auch die Marke Hövelhofer her.

Grunddaten

Ein großer Nachteil bei diesen Spezialbieren ist die schlechte Verfügbarkeit von Daten. Festzustellen war, dass es sich hier um ein Pilsener handelt und höchstwahrscheinlich dem Typ „Deutsches Pilsener“ nach BJCP zuzuordnen ist. Mit einem Alkoholgehalt von 4,8% liegt es hier im durchschnittlichen Bereich.

Bewertung

Das wichtigste ist jedoch die Wertung und hier war ich durchaus positiv überrascht.

Wertung

Flaschendesign: Als Fan von Bügelflaschen bekommt das Thusnelda schon mal einen Sonderpunkt, aber im Ernst: Das Design des Etiketts mit der archaischen germanischen Schrift, den römischen Soldaten (ähnlich wie bei Asterix & Obelix) sowie der üppigen, blonden germanische Maid mit dem Flügelhelm darauf ist eine sehr gelungene Anspielung auf den historischen Hintergrund: 13 Punkte / Note: 1-

Bier im Glas: Die helle goldene Farbe ist wie man es von einem Pilsener erwartet. Zudem gab es eine schöne Schaumkrone, die jedoch etwas schnell zusammefällt: 11 Punkte / Note: 2

Geruch: Der Geruch ist malzig und erinnert auch etwas an Brot. Eine leichte Bitternote hat mich dann aber doch etwas abgeschreckt: 10 Punkte / Note: 2-

Geschmack: Der Geschmack hat mich dann positiv überrascht. Eine fruchtig-getreidige Note spielt sehr gut mit einer leicht herben Note zusammen und der ordentliche Kohlensäuregehalt (den ich besonders bei etwas herben Bieren für die Geschmacksbewertung für sehr relevant halte) bilden insgesamt ein sehr rundes Geschmacksbild: 12 Punkte / Note: 2+

Abgang: Der Abgang hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack sondern das Perlen der Fruchtigkeit auf der Zunge führt vielmehr dazu, dass man sofort den nächsten Schluck nehmen möchte: 12 Punkte / Note: 2+

Fazit: Ein Pilsener das mit seiner schönen regionalen Geschichte, einer guten Aufmachung und einem überdurchschnittlich guten Geschmack überzeugen kann. Zurecht zu einem „Bier des Jahres“ gewählt! Durchaus auch etwas das ich zu meinem Hausbier machen würde. Insgesamt: 12 Punkte / Note 2+

Prost, bis zum nächsten Beitrag!

 

6. Erdinger Alkoholfrei

Ja, auch alkoholfreie Biere sind nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Es handelt sich um ganz normale Biere, denen entweder am Ende des Brauprozesses der Alkohol entzogen wird, oder der Brauprozess gestoppt wird, bevor sich Alkohol bildet.

Alkoholfreie Biere werden (immer noch) etwas belächelt. Und so auch die Trinker von alkoholfreiem Bier. Dabei wird aber ein entscheidender Fehler gemacht: Alkoholfreies Bier wird mit „echtem“ Bier verglichen. Man darf alkoholfreies Bier aber nicht als Bier ansehen und als solches bewerten, sondern eher als eine Art ungesüßte Schorle.

Unter Sportlern genießt alkoholfreies Bier übrigens einen sehr guten Ruf, da es nicht nur alkoholfrei ist, sondern auch isotonisch. Genau dieses Image hat sich vor allem Erdinger zu Nutze gemacht. Erdinger bewirbt sein alkoholfreies Weizen mit Begriffen wie „isotonisch“ und „vitaminreich“ und zielt so direkt auf Sportler und andere aktive Menschen ab.

Wir haben auf der Terrasse einen Kasten Erdinger Alkoholfrei stehen. Und weil es hier vor ein paar Tagen geschneit hat und im Moment Dauerfrost herrscht, sieht eine Flasche aus dem Kasten nun so aus:

Flasche Erdinger Alkoholfrei

Mehr Frische geht nicht! Vergesst die Werbeplakate, auf denen Bierflaschen abgebildet sind, an denen Kondenswasser runter perlt. Eis ist das neue Kondenswasser!

Und wie hat es geschmeckt?

Nicht nach Bier. Vielleicht hat es entfernt an Bier erinnert, aber mehr auch nicht. Aber das ist in Ordnung, weil, wie gesagt, alkoholfreies Bier eher als ungesüßte Schorle angesehen werden muss. Und als solche schmeckt mir ein Erdinger Alkoholfrei sehr gut (und besser als beispielsweise eine Apfelschorle).

Gebt alkoholfreien Bieren, egal ob Weizen, Pils oder welcher Sorte auch immer, eine Chance!

5. Bayreuther Hell

Die Frage, die ich mir vor meinem ersten Beitrag in diesem Blog gestellt habe, ist die Frage, was ich mit einer kühlen Flasche bzw. einem kühlen Glas Bier verbinde.

Sofort schießen mir drei Begriffe durch den Kopf – Genuss, Gemütlichkeit und Feierabend. Und daher habe ich ein Bier gewählt, was ich seit mittlerweile 6 Jahren mit diesen drei Begriffen direkt in Verbindung bringe. Das Bayreuther Hell. An einem warmen Sommerabend im August 2009 habe ich dieses Bier kennengelernt. Die erste Woche als Auszubildender im Sommer 2009 war hart und ich sehnte das Wochenende herbei. Grillabend bei meinem besten Kumpel. Also ging es Freitag nach Feierabend zeitnah mit dem Rad los. Selbstbedienung war angesagt und ich öffnete den Kühlschrank. Verwundert sah ich meinen Kumpel an und er antwortete nur kurz und knapp: „Das hatte Vater noch im Keller“… Es wurde ein genüsslicher und gemütlicher Feierabend!

Ich muss gestehen, dass ich mich nicht mehr an jedes geschmackliche Detail erinnern kann. Dadurch, dass ich mit Bier aber nicht immer eine geschmackliche Explosion oder ein kulinarisches Erlebnis verbinde, sondern oftmals einfach ein nettes und entspanntes Beisammensein, war die Wahl für meinen ersten Beitrag schnell klar.

Jetzt aber genug für die Bier-Romantiker…

Das Etikett und die Aufmachung der Flasche ist klassisch. Das Etikett zeigt das Emblem des Bayreuther Brauhauses. Im unteren Teil des Etikettes ist „Streng nach dem bayrischen Reinheitsgebot gebot gebraut“ zu lesen. Auf der Rückseite liest man den Alkoholgehalt von 4,9% und die Zutaten Wasser,Gerstenmalz und Hopfen. Darunter der Satz: „Unser echt bayerisches Hell, ehrlich, frisch, würzig aus dem Bayreuther Brauhaus“. Einen Satz den es natürlich zu belegen gilt. Die bauchige Form der Flasche versetzt einen direkt in einen Bayreuther Biergarten.

Bayreuther Hell

Das Bayreuther Hell riecht stark malzig mit einer hopfigen Note. Nach dem Eingießen fällt direkt die gelbgoldene Farbe auf. Die Schaumkrone hält leider nicht wirklich lange. Insgesamt ein geschmackvoller Anblick, eine große Überraschung sucht man allerdings vergebens.

Die Mischung zwischen Würze und Süße ist sehr harmonisch und der Kohlensäuregehalt ist angenehm. Insgesamt sehr frisch und rund. Die angesprochene Harmonie zwischen Würze und Süße ist im Antrank wie im Abgang zu erkennen.

Abschließend meine Bewertung:

Flasche: 2

Bier im Glas: 3+

Geruch: 3

Geschmack: 2

Abgang:2-

Fazit: 2-

 

Abschließend lässt sich sagen, dass das Bayreuther Hell hält was es verspricht. Es ist ein erfrischendes und würziges Bier, was sich gut gekühlt einfach entspannt genießen lässt. Sicherlich kein Bier für Exoten. Einige würden den Geschmack eventuell auch als „langweilig“ zusammenfassen, jedoch verbinde ich mit diesem Bier einen entspannten und gemütlichen Feierabend!

4. Wieselburger Bier – Von OWL nach Bayerisch-Schwaben und noch viel weiter.

Wieselburger Bier: Das Stammbräu:

Tag 4. des Bewertungsmarathon im Jahr des Qualitätsprädikats schlechthin sollte im Zeichen des süddeutschen Bieres stehen. Nach 2 Wochen Zweitheimaturlaub in OWL kehrte der Verfasser am heutigen Tag an die Stätte seines Wirkens zurück. Somit lag die Prüfung eines der vorzüglichen Biere ausgezeichneter Qualität aus dem Augsburger Umland sehr nahe, nachdem die Verkostung der OWL-Spezialität „Barre-Bräu“ (hier verlasse ich mich auf unsere Außenstelle in Osnabrück) zeitbedingt ausgefallen war.

Doch es kam anders: Sowohl Kühlschrank als auch Keller waren leer. Lediglich ein Mitbringsel aus dem ersten kurzen Skiurlaub im Dezember 2015 in Österreich fand sich dort. Das

Wieselburger Bier: Das Stammbräu

Kurzerhand wurde dieses zur Verkostung herangezogen. Schließlich handelt es sich ebenfalls um ein Brauprodukt süddeutscher Herkunft.  😉

Doch Deutschland ist nicht Deutschland bzw. Österreich: Mit den österreichischen Bieren ist es so eine Sache….. somit auch hier:

 

Die Geschichte:

Die Biertradition von Wieselburg reicht bis ins Jahr 1650 zurück. Als Gründung wird aber das Jahr 1770 angesehen, als Josef Schauer die Brauerei kaufte. Bereits 1811 wurde sie erweitert und nachdem die Brauerei 1823 an Franz Schauer ging, erwarb sie Nepomuk Mutzer.

1858 wurde die Brauerei Wieselburg durch einen Brand beschädigt. 1860 ging das Unternehmen an Josef Riedmüller, welcher das Areal stark erweiterte. 1888 kam der heutige Braugasthof dazu. 1912 wurden unter anderem die Brauereien in Krems, Kröllendorf, Melk und Pottenbrunn gekauft.

Bei der Gründung der österreichischen Brau AG, dem Vorgänger der Brau Union Österreich AG 1925 trat auch die Brauerei Wieselburg in die Gesellschaft ein.

Zwischen 1971 und 1973 wurde der Betrieb durch Neubauten stark modernisiert und war damals eine der modernsten Brauereien Europas.

Quelle: Wikipedia (hier darf ich das)

Grunddaten:

Wieselburger Bier_Das Stammbrau Charakteristika

Auch wenn es nicht so schmeckt und nicht so aussieht: Es handelt es sich hier um ein Bier pilsener Brauart mit relativ viel Alkohol und Stammwürzgehalt. Beide Werte decken sich eher mit dem Geschmack, denn mit der Bezeichnung.

Flaschendesign:

Die Flasche gefällt und spricht  an. Deshalb landete sie wohl auch im Einkaufswagen: So wird eine altdeutsche Traditionsverbundenheit ausgedrückt, die sich nicht zuletzt in der hochwertigen Bügelflasche (ja meist sind es wirklich die zumindest teureren Biere) und dem abgedruckten Abbild seit Äonen verstorbener Braugesellen und Meister zeigt. ==> Der traditionsverbundene Genießer möchte hier zugreifen:

12 Punkte

Wieselburger_Flasche

Im Glas:

Auch im Glas macht das Bier eine gute Figur: Vollmundig, leicht bernsteinfarben (Würze+ Alkoholgehalt) jedoch mit etwas geringer Schaumbildung:

11 Punkte

Wieselburger Glas

Geruch:

Auch der Geruch des Bieres verspricht einiges: die beschriebene Vollmundigkeit setzt sich hier fort. Sowohl die recht stark vorhandene Hopfennote als auch der reichliche Malzgehalt formen hier das Bedürfnis zu trinken. Leicht metallischer Geruch gibt geringe Abzüge:

11 Punkte

Geschmack:

Soweit, so gut! Doch dann passiert es: Man trinkt den ersten Schluck und fragt sich: Das soll ein Pils sein?! Geschmacklich werden eher Erinnerungen an „Duckstein“ wach.  Hopfig wie ein herbes Pils, gleichzeitig malzig und vollmundig….. doch zu keinem Zeitpunkt süffig. Eine Flasche ist trinkbar, doch schon nach der Hälfte hat man genug. Auch werden Erinnerungen an einen leichten Bock wach. Was immer es ist: Es ist kein süddeutsches (oder niederösterreichisches) Pils, die im Gegensatz zu den nördlicheren Varianten oftmals eine gewisse Süffigkeit beibehalten. Hier verliert das Bier!

7 Punkte

Abgang:

Der Abgang ist wie der Geschmack: Zu bitter (nicht lecker herb) zu würzig…. zu komisch.

7 Punkte

Gesamtbewertung und Fazit:

Letztlich sind Flaschenoptik und Geruch nicht entscheidend, der Geschmack ist es: Dennoch können handwerkliche Qualität, Darstellung und Geruch einen kleinen Bonus erreichen:

Somit muss hier eine Gesamtpunktezahl von 8 Punkten (3) vergeben werden.

Bei dem Bier handelt es sich um einen waschechten Österreicher: Qualitativ hochwertig, gut gebraut. Aber irgendwie merkwürdig. In der geschmacklichen Bewertung ist die Subjektivität des Verkosters & Verfassers selbstverständlich zu berücksichtigen.

Wer würzig vollmundiges Bier mit sowohl ausgeprägtem Hopfengeschmack, als auch Malzaroma testen will, ist hier sicherlich richtig.  Die deutschsprachige Bierlandschaft ist in jedem Falle Nach wie Vor vielfältig!

Wieselburger Bier_ Das Stammbräu Bewertung

3. Störtebeker Stark-Bier

Wer kennt ihn nicht? Diesen sagenumwobenen Seeräuber Klaus Störtebeker, der einst Amerika entdeckte und die Magellanstraße fand. Nebenbei erfand er das Rad, mit dem es möglich wurde, dass Schiffe auch an Land fahren konnten.

Und weil dieser Klaus Störtebeker ein so großartiger Mann war, benannte sich ihm zu Ehren die „Stralsunder Brauerei“ im Jahre 2011 in „Störtebeker Braumanufaktur“ um. Neben dem Stralsunder Bier braut die Störtebeker Braumanufaktur auch das – haltet euch fest – Störtebeker!

Das Störtebeker gibts es in wahnsinnig vielen verschiedenen Biersorten. Das Repertoire erstreckt sich vom klassischen Pils und Keller-Bier über das Atlantik-Ale und Bernstein-Weizen bis hin zu ungewöhnlicheren Sorten wie das Whisky-Bier oder das Glüh-Bier. Eigentlich macht mich sowas immer etwas skeptisch. Genau wie Pizzerien, die 250 verschiedene Pizzas und zusätzlich noch Döner, Burger und Fischgerichte im Angebot haben. Aber hier muss ich ein großes Kompliment aussprechen: Alle Biere (zumindest die, die ich probiert habe) schmecken klasse!

Was ich auch sehr schön finde: Jedes Bier hat einen eigenen kleinen Steckbrief auf der Rückseite der Flasche. Dort werden die Eigenschaften des Bieres beschrieben und Angaben zum verwendeten Malz, zur Hefe und zum Hopfen gemacht. Außerdem ist auf der Flasche nicht nur der Alkoholgehalt vermerkt, sondern auch die Stammwürze und die optimale Genusstemperatur. Das alles macht sofort Lust, das Bier nicht nur zu trinken, sondern es sich auf der Zunge zergehen zu lassen und sich bewusst mit dem Geschmack und Geruch zu beschäftigen.

Der liebe Markus hat uns in der Weihnachtszeit eine sogenannte Schatztruhe von Störtebeker mitgebracht. Darin sind sehr viele verschiedene Biersorten enthalten. Mitunter Biere, die nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sind, wie zum Beispiel das Glühbier (dem Wintergewürze zugesetzt sind). Der Großteil der Biere ist aber nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. So auch das Stark-Bier. Und genau zu dem möchte ich ein paar Worte verlieren.

Flasche Vorderseite Flasche Rückseite

Die Flasche des Stark-Bieres ist, wie die Flaschen aller Störtebeker-Sorten, mit einem sehr schönen Artwork gestaltet. Auf der Vorderseite ist ein großes Segelschiff abgebildet. Ich vermute, das ist das Schiff, mit welchem Klaus Störtebeker einst den Chinesen den Tee brachte. Auf der Rückseite der Flasche sind die Eigenschaften des Stark-Bieres vermerkt: Alkoholgehalt 7,5%, Stammwürze 16,9%, Genusstemperatur 20 Grad Celsius, außerdem Beschreibungen in Prosa. Zu lesen ist unter Anderem „(…) kräftiges Duftspiel von Bitterschokolade und Kaffee (…)“ und „Lange kalte Gärung mit untergäriger Hefe lässt 7,5% Alkohol entstehen, der den Körper wohlig wärmt“.

Nachdem man diese Dinge gelesen hat, fühlt man sich wie der größte Gourmet.

Also gourmet-artig ran ans Werk! Nach dem Öffnen der Flasche habe ich natürlich erstmal dran gerochen und abgewartet, bis der Duft alle meine Nasen-Geschmacks-Knospen erreicht hat. Wie Gourmets das halt so machen. Gerochen habe ich wenig vom Alkohol, dafür viel von der Süße (wenn auch keine Nuancen von Bitterschokolade und Kaffee, was ich aber nicht weiter schlimm fand). Dann habe ich das Bier in ein Glas geschenkt. Sehr überrascht war ich von der tief-schwarzen Farbe, die sich nur dann zu einem wunderschönen tiefen Rot wandelte, wenn man das Glas vor eine sehr helle Lampe hielt. Dann der erste Schluck. Und zur Sicherheit direkt ein zweiter. Malz! Ein sehr starker Malz-Geschmack. Lecker! Dann ein dritter Schluck, um nochmal auf die Suche nach der Bitterschokolade und dem Kaffe zu gehen. Auch hier nichts. Fand ich aber weiterhin nicht schlimm. Nach ein paar weiteren Schlücken spürte ich dann auch die wohlige Wärme im Körper. Auch wenn man den (erhöhten) Alkoholgehalt nicht so deutlich geschmeckt hat, ist er anscheinend doch da.

Hier meine Bewertung (in Schulnoten):

Flasche: 1
Bier im Glas: 1-
Geruch: 3
Geschmack: 2
Abgang: 2-
Fazit: 2

Alles in Allem bin ich sehr begeistert von dem Störtebeker Stark-Bier. Wie auch von allen anderen Sorten.

Aber das soll an anderer Stelle erzählt werden.

2. Löwenbräu Original – Ein Bier wie München

Das erste Mal ist immer „was Besonderes“ und so musste ich in diesem Zusammenhang gleich an meinen ersten bewussten Bierkonsum denken. Das ist mittlerweile auch schon ganze 12 Jahre her und war auf dem 16. Geburtstag einer Freundin (ich war 15). Für ca. 12 Leute gab es damals eine ganze Kiste Bier (wenige Monate später war dies undenkbar),  natürlich unter elterlicher Aufsicht. Allerdings waren damals alle nach 1-2 Bieren schon gut drauf (auch dies sollte sich rasch ändern). Damals stand eben jenes Löwenbräu Original im Kühlschrank was ich heute als Anlass für meinen ersten Beitrag nehme.

loewenbraeu-originalQuelle: Bier-Index.de

Geschichte

Die Geschichte der Brauerei reicht wahrscheinlich bis ins 14. Jh. zurück, zum ersten Mal erwähnt wurde ein Bierbrauer in der „Löwengrube“ in München jeodch 1524. Der Name Löwenbräu tauchte zum ersten Mal im Biersudverzeichnis der Stadt München von 1746/47 auf und ist benannt nach eben jenem ersten Braukeller in der Löwengrube 17. Heutzutage gehört die Löwenbräu AG zu „InBev“ dem größten Bierbraukonzern der Welt und stellt neben der Marke Löwenbräu u.a. Spaten sowie Franziskaner her.

Grunddaten

Löwenbräu_Grunddaten

Nach Kategorisierung des BJCP (Beer Judge Certification Program) handelt es sich beim Löwenbräu Original um ein Helles Lager, genauer gesagt um ein Münchner Helles. Lager ist im englischsprachigen Raum der Begriff für alle untergärigen Biere. Untergärig heißt, dass der Gärprozess bei einer Temperatur von 4-9°C stattfindet (Obergärig 15-20°C). Vor der Erfindung der Klimaanlage hing es im Übrigen von der Außentemperatur ab ob untergärig oder obergärig gebraut wurde. Münchner Helles zeichnet sich dabei durch seinen nicht zu süßen malzakzent mit unterstützender Hopfenbitterkeit aus. Mit 11,8% Stammwürze (Münchner Helles zwischen 11,2% und 12,8%) und 5,2% Alkoholgehalt (Münchner Helles 4,7% bis 5,4%) kann man es durchaus als gehaltvoll bezeichnen. Die Stammwürze bestimmt nebenbei bemerkt wesentlich den Nährwert sowie den Alkoholgehalt eines Bieres und wird in Grad Plato °P angegeben.

Wertung

Kommen wir nun zur Hauptangelegenheit unseres Blogs. Als ich damals zum ersten Mal Bier trank fand ich dieses Bier großartig. 12 Jahre später finde ich es immer noch solide, würde es mir aber nicht als Stammbier für zu Hause zulegen. Der Grund hierfür ist ganz einfach, dass das Bier zu herb für meinen Geschmack ist. Die Charakterisierung des Münchner Hellen Lagerbiers, insbesondere der Teil bezüglich der Hopfenbitterkeit trifft hier voll zu.

Bei der Weinprobe gibt es das 50 Punkte-System: 5 Auge – 15 Nase – 25 Mund – 5 Gesamteindruck. Ähnlich wollen wir hier vorgehen. Auf einer Skala von 1-10 (1 = miserabel, 10 = exzellent) werden wir verschiedene Kategorien bewerten und am Ende ein Gesamtfazit ziehen.

Löwenbräu_Wertung

Flaschendesign: Die Farbgebung des Etiketts mit hellblau, dunkelblau und gold integriert u.a. das blau Oberbayerns und ist insgesamt sehr harmonisch und gelungen. Zudem ist der Löwe als Wappentier der Brauerei ein echter Eye-Catcher welcher auch den Kronkorken ziert. Die Flasche selbst ist eine handelsübliche 0,5 l Flasche in braun und nichts besonderes: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Eingeschenkt hält es nicht ganz was es verspricht, der Farbton ist etwas dunkler wie ich mir das insgesamt vorgestellt habe: 8 Punkte / Note: 3

Geruch: Schon am Geruch kann man den eher herben Charakter erahnen was mich gleich etwas abgeschreckt hat. Insgesamt ist er jedoch angenehm fruchtig-würzig, relativ frisch und sehr angenehm: 9 Punkte / Note: 3+

Geschmack: Leider ein kleiner Abfall hier, da „ein Bier wie München“ doch nicht ganz so herb sein sollte meiner Meinung nach. Zugegeben, wenn man „ein Bier wie München“ will muss man wahrscheinlich das Weißbier probieren. Die Bitterkeit sticht mir im Vergleich zur Süße jedoch zu stark heraus. Der Kohlensäuregehalt ist in Ordnung für ein Lager, nicht zu stark was dem Geschmack etwas zu gute kommt: 7 Punkte / Note: 3-

Abgang: Der Abgang ist überraschenderweise etwas besser und es bleibt ein angenehmer Nachgeschmack der eher dem fruchtig-würzigen Geruch entspricht und nicht dem herberen Geschmack: 8 Punkte / Note: 3

Gesamtfazit: Aus meiner Sicht für ein Münchner Bier etwas enttäuschen und nicht ganz mein Geschmack. Es gibt aber deutlich schlechtere Biere und da es sich um ein Lager, Münchner Helles handelt und auch das Bier (fast) alle Kriterien erfüllt würde ich sagen hin und wieder durchaus trinkbar, mein Hausbier wird es jedoch sicher nicht: Insgesamt 8 Punkte / Note: 3

Prost und bis zum nächsten Mal!

P.S. Fun Fact: Die Band „Mötley Crüe“ hat ihren Bandnamen mit Umlauten versehen, da Löwenbräu zum Zeitpunkt der Gründung das Lieblingsbier der Band war.

Quellen:

Löwenbräu.de

BJCP.org

Wein-Plus.eu

 

1. Bönnsch

Herzlich Willkommen und bierige Neujahrs-Grüße vom Herr über aktuell etwa 1700 Kronkorken aus Brühl.

Beginnen wollen wir dieses historische Jahr mit einer noch recht unbekannten Bierspezies. Als erstes zu präsentierende Bier habe ich mir das sogenannte „Bönnsch“ ausgewählt. Ein Bier, welches deshalb so einzigartig ist, da es das einzige seiner Art ist. Präziser formuliert, gibt es kein weiteres (mir bekanntes) Bier, welches ebenfalls diesem Biertyp „Bönnsch“ zugeordnet werden kann. Um es dennoch in die bekannten Biertypen einzuordnen, könnte man es als lokaltypischen obergärigen Zwitter zwischen Kölsch und Hefeweizen verstehen. Als eines von nur noch drei verbliebenen Bonner Brauhäusern, wird das Bönnsch seit 1989 in der gleichnamigen Brauerei produziert und wie folgt selbst beschrieben:

„Unser Bönnsch ist ein obergärig gebrautes Vollbier, welches nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird. Es ist naturtrüb und beinhaltet die wichtigen Vitamie B2, B6, B12 sowie Aminosäuren und Spurenelemente.“

Nach vielen Jahren des reinen Hausauschanks, wurde erst im letzten Jahr – nach einem Generationenwechsel in der Brauereiführung – auch die Flaschenabfüllung eingeführt. Der Vertrieb steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, sodass das Bönnsch derzeit nur in wenigen gut sortierten Lebensmitteleinzelhandlungen in Bonn und Bornheim zu finden ist.

Steckbrief:1_Bönnsch-Steckbrief

Bewertung:

1_Bönnsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auf die Standard 0,33l-Longneck-Flasche ist ein schlichtes dreifarbiges Etikett geklebt, welches durch den altdeutsch angehauchten Schriftzug „Bönnsch“ einen altertümlichen Eindruck vermitteln soll. Angelehnt an das Logo der Stadt Bonn „Stadt. City. Ville.“ ist die Botschaft auch in drei Wörtern zusammengefasst: „Bier. Bönnsch. Naturtrüb.“ Seit einigen Monaten existiert auch ein individueller Kronkorken, mit dem markanten „Bönnsch-B“ im Zentrum.

  • Aussehen

Wie im obigen Bild erkenntlich ist das Bönnsch insgesamt recht hell und durch die vereinzelten Hefeschwebstoffe leicht naturgetrübt. Je nach Glas erhält man nach Einschank eine normale bis geringe Schaumbildung. Im Brauhaus selbst wird das Bönnsch in einem eigens kreierten Bönnsch-Glas (mit Fingereinkerbungen) ausgeschenkt.

  • Geruch

Im obigen Bild nicht erkennbar ist der hefige leicht malzige Geruch. Meiner Ansicht nach etwas zu unauffällig.

  • Geschmack

In der wohl wichtigsten Bewertungskategorie „Geschmack“ wird der hybride Charakter des Bönnsch zwischen Hefeweizen und Kölsch klar deutlich. Eine gleich große süffige wie herbe Komponente verschmelzen sich im Mund. Der intensive Geschmacksköper hebt sich dabei von den bekannten „Industriebieren“ ab. Besonders markant ist auch die tiefe Malznote und – hervorgerufen durch den Hefeanteil – ein leicht süßlicher Beigeschmack. Im Abgang zwar eher dezent, aber etwas herber als der Ersteindruck. Auch hier wird nochmals der einzigartige starke Charakter eines noch hausgebrauten Bieres schmeckbar.

  • Fazit

Als Fan von hausgebrauten Bieren und lokalen Brauereien war mir das Bönnsch schon bei ersten Mal sympathisch. Seit letztem Jahr in Bonn berufstätig, hatte ich mich zu Beginn gefragt, warum dort fast überall nur Kölner Kölsch ausgeschenkt wird, wo Bonn doch auch eine sehr individuelle Historie zu bieten hat. Bei der Suche nach Bonner Bieren ist mir dann das Bönnsch über den Weg gelaufen, welches sich als einziges Bonner Lokalbier der Kölner Übermacht gegenüberstellt.

In seiner Art einmalig und im Geschmack charakterstark, vergebe ich dem Bönnsch als Gesamtnote deshalb eine 2+ bzw. 12 Punkte.

1_Bönnsch-Bewertung

Weitere Informationen zu finden unter:

http://www.boennsch.de/

In diesem Sinne auf ein leckeres Jahr 2016!

Das Reinheitsgebot

Hallo zusammen und herzlich Willkommen im Jahr des deutschen Bieres!

Grund dieses freudigen Ereignisses ist das 500-jährige Jubiläum des Bestehens des sogenannten deutschen (bzw. bayrischen) Reinheitsgebots.

Die offiziell am 23. April 1516 in Ingolstadt erlassene Verordnung (mit dem Titel „Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll“) gilt als ältestes Lebensmittel- bzw. Verbraucherschutzgesetz der Welt.

Ihre drei wichtigsten Ziele waren:

  1. Festsetzung eines einheitlichen Mengenpreises zum Schutz vor überzogene Preiserhöhungen
  2. Schutz von Rohstoffen, welche für die Brotherstellung reserviert werden sollten, zur Sicherstellung einer ausreichenden Nahrungsmittelversorgung
  3. Ausschluss von gesundheitsgefährdenden Zusatzstoffen

Obwohl es bereits zuvor  schon Herstellungsvorgaben auf lokaler Ebene gab (z.B. Augsburg 1156 oder München 1487), war dieses das erste landesweit geltende Gesetz zur Zubereitung vom Bier.

Gemäß des Originallauts der Verordnung:

„Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer stückh / dann allain Gersten / Hopfen / unn wasser / genommen unn gepraucht sölle werdn.“

sollte damit vor allem der oftmals verwendete Weizen zur Brotherstellung gesichert werden. Inoffiziell sollte es aber auch dem herzoglichen Hof langfristig das lukrative Recht des Weißbier-Brauens sichern.

Im Verlaufe der darauf folgenden Jahrhunderte wurde das Gesetz mehrere Male angepasst. Nachdem die Gefahr von Hungersnöten weitgehend gebannt wurde, wurden auch wieder weitere Getreidesorten wie Weizen oder Roggen erlaubt. Differenziert nach unter- und obergäriger Brauart durften zwischenzeitlich sogar auch weitere Zutaten wie Kräuter, Salz oder Zucker beigemischt werden. Aber erst nach der Erforschung der Hefe im 19. Jahrhundert wurde diese als letzte bis dato geltende Zutat hinzugefügt.

Aufgrund der relativ späten Zusammenführung der vielen deutschen Fürsten- und Herzogtümer sowie Königreiche zum deutschen Kaiserreich, erlang das Reinheitsgebot erst 1909 im Zuge des neuen Biergesetzes deutschlandweit Gültigkeit. Der Name „Reinheitsgebot“ wurde im Übrigen erst erstmals 1918 erwähnt.

Heutzutage dürfen laut aktueller Gesetzeslage nur noch Malz, Hopfen(-extrakt), Hefe und Wasser verwendet werden. Die Verwendung von Farb- oder Süßstoffen ist damit zumindest für untergärige Biere ausgeschlossen. Obergärigen Bieren können je nach Gattung hingegen weiterhin Zusatzstoffe enthalten. Insbesondere die Verwendung von chemischen Hilfsstoffen (wie Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP)) wird durch das Gesetz jedoch nicht abgedeckt. Diese befinden sich zwar offiziell nicht mehr im Endprodukt, werden dem Bier aber während des Brauprozesses zugesetzt.

 

Weitere interessante Informationen gibt es unter anderem unter Das Reinheitsgebot  zu finden.

Wir möchten dieses Jubiläum nun an dieser Stelle mit Beiträgen rund um die Hopfenschorle gebührend feiern. Dabei sind explizit nicht alle präsentierten Biere nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, da wir uns auch  kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen wollen.