11. Mühlen Kölsch

Auch am heutigen Montag scheint der Trend der Biere mit Weizenmalz anzuhalten. Allerdings tauchen wir diesmal erstmals in die große und doch lokal sehr begrenzte Welt des Kölsch ein.

Das Kölsch, so populär es auch heute insbesondere im westdeutschen Raum ist, entstand in seiner heutigen Form erst Anfang des letzten Jahrhunderts. Es ist also – historisch gesehen – noch ein relativ jugendliches Bier. Gab es kriegsbedingt 1945 nur noch zwei Kölsch-Brauereien, stieg die Anzahl bis zu den 1960ern wieder auf über 20 an. Im Zuge des neuerlichen Aufschwungs des Bieres stellte das Oberlandesgericht Köln 1980 fest, dass das Kölsch nicht nur den Biertyp, sondern auch seine Herkunft definiere und somit nicht mehr außerhalb des Kölner Gebiets hergestellt werden dürfe. Als Resultat hieraus trat 1983 die sogenannte Kölsch-Konvention in Kraft. Unterzeichner waren sämtliche damals produzierenden Kölsch-Brauereien, die folgende Kriterien an ein Kölsch festhielten:

„Die Bezeichnung Kölsch ist seit alters her eine qualifizierte geographische Herkunftsbezeichnung für nach dem Reinheitsgebot hergestelltes helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes obergäriges Vollbier […].“

Zudem sei es ausschließlich in Köln herzustellen. Ausnahmen bilden lediglich, die bereits damals bestehenden Kölsch-Brauereien außerhalb Kölns.

Von den 1983 unterzeichnenden Kölsch-Brauereien sind inzwischen noch elf tätig. Eine davon ist die Brauerei zur Malzmühle am Heumarkt – Familienbrauerei in der fünften Generation. Wie es der Name erahnen lässt, wurde hier seit 1858 ursprünglich alkoholarmes Malz-Bier hergestellt. Von den aktuell etwa 37.500 hl Ausstoß geht inzwischen jedoch der Großteil auf das Kölsch zurück. Neben Kölsch wird auch Weizen gebraut, was aufgrund der ähnlichen Produktionsprozesse im Grunde nahe liegt, jedoch nur von wenigen anderen Kölsch-Brauereien praktiziert wird. Kölsch und Weizen unterscheiden sich im Übrigen grundsätzlich durch das Verhältnis von Gersten- zu Weizenmalz sowie der Verwendung unterschiedlicher Hefen. Seit 2011 gibt es auch das Gourmet-Bier „von Mühlen“ auf Champagner-Basis. Außerdem wird auch ein Kräuterschnaps („Mühlen-Kräuter“) hergestellt und vertrieben.

 

Steckbrief:

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Bewertung:

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  • Flaschendesign + Kronkorken

Außergewöhnlich für ein Kölsch, wird das Mühlen-Kölsch in der bauchigen 0,5l Euro-Flasche abgefüllt und vertrieben. Das sowie auch das farblich schlichte und dennoch nicht billig gehaltene Äußere trifft meinen Geschmack. Auch der Kronkorken mit der schwarzen Hintergrundfarbe – angelehnt an die Inhaberfamilie Schwartz – kann in meinen Augen überzeugen.

  • Aussehen

Obwohl das Kölsch laut Konvention nur in der bekannten 0,2l-Stange ausgeschenkt werden darf, habe ich trotzdem mal zur Verköstigung das Kölsch-Gesetz gebrochen. Die im Licht scheinende goldgelbe Farbe wird (wie es das Gesetz will) von einer nicht wahrnehmbaren Trübung unterstrichen. Der Schaum erweist sich als feinporig, relativ kräftig und normal haltbar.

  • Geruch

Auch hier weicht das Mühlen nicht von der gesetzlich vorgeschriebenen Hopfenbetonung ab. Zudem sind aber auch Zitrusnoten erkennbar. Insgesamt ein sehr reiner und klarer  Geruch.

  • Geschmack

Geschmacklich muss ich sagen, macht das Mühlen einen guten Ersteindruck. Der weiche aber wenig süffige und würzeartige Geschmack erinnert mich zunächst auch an Gaffel – eines meiner Lieblings-Kölsch. Auch die leicht prickelnde Rezenz und der kräftig betonte und feinherbe Abgang ist sehr solide. Allerdings will auch bis zum Schluss der Funke nicht überspringen. Ich kann zwar „objektiv“ keinen wirklichen Kritikpunkt finden, dem Bier fehlt es meiner Meinung nach jedoch an dem besonderen Etwas, der mir auch länger in Erinnerung bliebe.

  • Fazit

Auf meinem Wege durch die Kölsch-Welt stellt das Mühlen-Kölsch den Startpunkt dar.  Vermutlich eines der herbsten unter den doch recht süffigen Kölsch, kommt es meinem Geschmack zwar sehr entgegen, allerdings bleibt es mir insgesamt zu blass. Da ich aber ein Herz für privat geführte Brauereien habe erhält das Mühlen-Kölsch heute von mir in der Gesamtwertung 11 Punkte bzw. eine 2.

2_Mühlen-Kölsch-Bewertung

Zum Schluss noch eine kleine historische Anekdote: Im Rahmen des G8-Gipfels 1999 konnte das Brauhaus den damaligen US-Präsident Bill Clinton an Gast begrüßen. Bei rheinischem Sauerbraten konnte er sich dort auch von der deutschen Braukunst überzeugen.

Weitere Informationen zur Brauerei: http://www.muehlenkoelsch.de/

Mehr Infos zur Kölsch-Konvention (mit Originallaut): http://www.koelner-brauerei-verband.de/k%C3%B6lsch-konvention

Prost!

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