14. Sünner Kölsch

Heute steht für mich ein ganz besonderes Bier auf dem Plan: das Sünner-Kölsch. Vielen – wie auch mir –  kaum bekannt, ist es jedoch das älteste Kölsch der Welt. 1830 gegründet ist die Brauerei & Brennerei Gebrüder Sünner die älteste heute noch produzierende Kölsch-Brauerei der Welt. Zudem wird seit 1858 im ältesten noch in ursprünglicher Form betriebenen Industriedenkmal Kölns gebraut. Die in sechster Generation in Familienbesitz befindliche Brauerei befindet sich im rechtsrheinischen Kalk, nachdem das Deutzer Stammhaus im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und daraufhin nie wiederaufgebaut wurde. Das heutige Kölsch selbst wurde 1906 auf dem Markt gebracht, nachdem bereits viele Jahre Bock-, Export und Weizenbier sowie das sogenannte „Wieß“ gebraut wurde. Letzteres ist der unfiltrierte und somit naturtrübe Vorgänger des Kölsch, welches erst im Zuge der Industrialisierung die heutige klare Reinheit erhielt. Mit ca. 40.000 hl Produktionsvolumen zählt Sünner zu den mittelkleinen Brauereien und stellt seit jeher neben den obergärigen Kölsch und Weizen auch ein untergäriges Lager her. Dieses ist inzwischen sogar mit ökologisch angebauten Rohstoffen versehen. Die Braugerste aus regionalem Anbau, der Hopfen aus der Hallertau und die Reinzuchthefe werden im heute nur noch selten angewandten offenen Gärverfahren vermengt. Zudem wird im Lohnbrau (also der vertraglichen Erzeugung nicht markeneigener Biere) auch u.a. Severins-Kölsch, Traugott Simon und Colonius Kölsch produziert. Wie der Firmenname bereits verrät, ist der Brauerei eine Brennerei angeschlossen, welche Gin, Wodka, Korn und weitere Schnäpse und Liköre destilliert. Und wie hätte es anders sein können, auch diese ist die älteste und einzige noch produzierende Spirituosenbrennerei Kölns. Zur Produktpalette zählen darüber hinaus auch alkoholfreies Malzbier, Limonaden und Wasser.

Steckbrief

14_Sünner Kölsch-Steckbrief

Bewertung

14_Sünner-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch das Sünner kommt in einer 0,5l Longneck-Flasche daher und besticht mit einem detailreichen Etikett. Neben dem Brauereiwappen und dem Markenlogo ist ein Bild des Gründervaters Christian Sünner sowie ein Verweis auf die handwerkliche Herstellung abgebildet. Im Hintergrund ist außerdem eine historische Zeichnung des heutigen Brauhauses an der Kalkarer Hauptstraße zu erkennen. Die wichtigsten Rahmendaten sind künstlerisch wertvoll im in Segmenten angeodneten Halslabel untergebracht. In Kombination mit einem ansprechenden Kronkorken, welcher auf die klimaneutrale Produktionsweise hinweist, überzeugt mich insgesamt das Flaschendesign.

  • Aussehen

Die Kölsch-typische gold-gelbe Färbung wird eher Kölsch-untypisch mit einer ganz leichten Trübung begleitet. Die Schaumbildung ist recht durchschnittlich und der sehr feinporige Schaum ist relativ haltbar.

  • Geruch

Das Sünner riecht alles in allem sehr malzaromatisch und leicht hopfenbetont. Neben einer erwartbaren Zitrus-Note sind auch eher süßlichere Bananen-ähnliche Nuancen erriechbar.

  • Geschmack

Der interessante Geruch hatte es schon ein wenig angedeutet: Das Sünner überrascht – zumindest mich. Sonst eher herbere oder matt schmeckende Kölsch gewohnt, ist das Sünner das süffigste mir bekannte seiner Art. Der malzaromatische Geruch setzt sich dabei auch im Geschmack fort. Das insgesamt weich schmeckende Bier ist wenig prickelnd und angenehm harmonisch. Mit einer feinherben Note schmeckt es es extrem ausgewogen und weist keine großen Defizite auf. Absolut überzeugend also.

  • Fazit

Zusammenfassend kann ich zum Sünner Kölsch nur sagen: Respekt! Erfahrung, handwerkliche Braukunst, ausgewählte Zutaten und Familientradition scheinen wirklich einen Unterschied zu machen. Vor allem im Gegensatz zum eher durchschnittlichen Gilden Kölsch ist der Qualitätsunterschied deutlich. Selbst mein bisheriges Lieblings-Kölsch, das Gaffel muss sich nun warm anziehen. Hier passt einfach fast alles. In Summe erhält das Sünner trotz einiger Abstriche im Aussehen und Geruch von mir 13 Pkt. bzw. eine 1-.

14_Sünner Kölsch-Bewertung

Auf dem hinteren Flaschenetikett steht folgendes geschrieben:

„Die Familienbrauerei und -brennerei Gebr. SÜNNER ist die älteste Kölsch-Brauerei der Welt. Wir stellen seit 1830 Bierspezialitäten in traditioneller offener Gärung, unter Verwendung von hauseigenem Brunnenwasser, bestem Malz und feinsten Hopfen, her und sind die einzige noch produzierende Spirituosenbrennerei in Köln. Danke für die Unterstützung von Handwerk und Tradition und für den Erwerb dieses Produktes.“

Sehr gerne – ich habe zu danken!

Weitere Informationen zum ältesten Kölsch: http://www.suenner-brauerei.de/index.php

Prost!

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