Archiv für den Monat: Februar 2016

32. Gambrinus Premium

Anknüpfend an das letzte Woche gleich doppelt thematisierte Pilsner Urquell, folgt nun mit dem Gambrinus Premium der zweite Teil der tschechischen Biere. Die Geschichte des Gambrinus geht bis ins Jahr 1869 zurück. Schnell wuchs man in der Folge zur zweitgrößten Brauerei Pilsens heran. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte dann der Zusammenschluss mit dem Bürgerlichen Brauhaus (also dem heutigen Pilsner Urquell) und die kommunistische Verstaatlichung. Diese wurde erst ab 1992 wieder aufgebrochen. Heute gehört Gambrinus ebenso wie Urquell zu SABMiller. Interessanterweise ist jedoch Gambrinus (und nicht das global weitaus bekanntere Urquell) das meistverkaufte Pils in Tschechien. Nachdem man 1972 (also etwa 60 Jahre nach Urquell) die magische 1 Mio. hl-Grenze durchbrach, liegt der derzeitige Ausstoß bei über 3 Mio. hl. Der Name „Gambrinus“ leitet sich im Übrigen von der gleichnamigen historischen Person ab, welche im zentraleuropäischen Raum als Erfinder des Bierbrauens gilt. Auch wenn dies historisch sicher nicht korrekt ist, geht dies auf einen germanischen König zurück, der um Christi Geburt das Volk der Marsi regierte. Für den deutschen Export hat man sich auf folgenden Labeltext geeinigt:

„Eine Bierspezialität aus Pilsen. Pilsner Braukunst hat eine Tradition, die Genuss mit meisterlicher Tradition verbindet.“

Solange nicht zu viel vom „Premium“ durchkommt, bin ich schon beruhigt. Viel zu oft, war das in meiner Vergangenheit eher kein Qualitätsmerkmal.

Steckbrief

32_Gambrinus Premium-Steckbrief

Bewertung

32_Gambrinus Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Meiner Ansicht nach insgesamt ein ordentliches Äußeres – auch wenn der Funken der Bierromantik nicht rüberspringt. Hinten mit Export-Bier-typischem Erscheinungsbild.

  • Aussehen

Pilstypische dunkelgoldene Farbe mit leider recht geringer Schaubildung und -festigkeit.

  • Geruch

Auch hier ähnelt es vielen deutschen Pils: Der hopfig-herbe Geruch wird nur ab und an von malzigen Nuancen unterbrochen.

  • Geschmack

Auch hier grenzt sich das Gambrinus klar vom Pilsner Urquell ab. Beim ersten Eindruck kommen sogar leichte Röstaromen mit Kastanie durch. Erst danach entwickelt sich die leichte Malzsüße zum süffigen Gesamteindruck. Der insgesamt harmonische Abgang wird von einer kaum spürbaren Spritzigkeit begleitet.

  • Fazit

Glücklicherweise bildet das Gambrinus eine rühmliche Ausnahme der Premium-Biere und kann mit einem mehr als soliden Pilsner aufwarten. Zwar reicht es nicht an den großen Brauereibruder heran, wird mir aber positiv in Erinnerung bleiben. Insgesamt gibt es mit 11 Pkt. eine glatte 2.

32_Gambrinus Premium-Bewertung

Weitere Informationen über die Marke Gambrinus u.a. auf: http://www.prazdroj.cz/en/our-brands/brands.

P.S. I: Die Brauerei war von der Saison 1997/98 bis 2013/14 Namensgeber und Sponsor der höchsten tschechischen Fußballliga.

P.S. II: Neben diesem Gambrinus werden noch mindestens 10 weitere Biere unter demselben Namen vermarktet – davon alleine 6 aus Deutschland und Österreich.

Prost!

31. Schnupperkurs Biervielfalt

Lindemans Geuze | Rothaus Tannenzäpfle | Pilsner Urquell | Moritz Fiege Pils | Maisels & Friends American Pale Ale | Fuller IPA | Ale Mania IPA | Faust Schwartzviertler | Chimay Bleue | Schönramer Imperial Stout | Buddelship Kohlentrimmer | Leireken Witte Spelt | Lervig Berliner Weisse | Schoppe Bräu Holy Shit Ale

http://wordpress.99biere.de/wp-content/uploads/2015/12/Facebook-Einladung-Schnupperkurs.jpg

Es begab sich letzten Montag in der Eule… Auch wenn gar nicht der erste Montag im Monat anstand, veranstaltete Biersommelier Markus Weick einen außerordentlichen Schnupperkurs zur Biervielfalt. In gemütlicher kleiner Runde steckte Markus nach einer kurzen Vorstellungsrunde die Agenda des Abends ab. Es war auch ein 86-jähriger Herr anwesend, welcher sich mit den Worten vorstellte: „Ich trink nu seit 60 Jahren fast nur Kölsch – da wollt ich mal gucken, wat et sons noch so jibt.“ Einfach grundsympathisch. Neben einer Einführung in die Sensorik, gab Markus auch Einblick in die Historie des Bieres, bierige Rohstoffe, Biervielfalt im Allgemeinen und den fachgerechten Umgang mit dem alkoholhaltigen Malzgetränk.

Im Fokus standen dabei die folgend aufgeführten Biere. Die unterstrichenen Biere aus der unteren Auswahl wurden im Anschluss an die Pflichtverköstigung von den (verbliebenen) Teilnehmern ausgewählt.

Da ich mir bereits das Tannenzäpfle aus der höchsten Brauerei Deutschlands in Rothaus beim letzten Einkauf zugelegt hatte, wird es mich beim Schreiben dieser Zeilen begleiten.

Überblick Biervielfalt

Um seinem Anspruch als Erwachsenenpädagoge nachzukommen gab es aber zunächst und immer wieder zwischendurch diverse Hintergrundinformationen zu den eben angesprochenen Themen:

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Wissenswertes zum Bier:

  • Bier wird in der Tat gemäß Wirtschaftslexikon als Getränk aus stärkehaltiger Gärung bezeichnet.
  • Weiches Brauwasser frisst Hopfen und macht das Bier somit milder.
  • Ein höherer Vergärungsgrad führt zu einem schlankeren Körper (nein, das ist nicht die neue Brigitte-Diät – mit Köper ist hier der des Bieres gemeint).

Brauereien absolut europaweit:

Vor dem Hintergrund seiner langjährigen England-Erfahrung machte Markus deutlich, dass nicht Deutschland die Nase vorn hat, wenn um die Quantität der Braustätten geht. Wie die folgende Übersicht zeigt, wird hierzulande die Biertradition und -vielfalt auf der britischen Insel weithin unterschätzt.

Brauereien absolut

Brauereien relativ zur Einwohnerzahl:

Zu einem guten Schnupperkurs Biervielfalt gehört natürlich auch ein Exkurs zur Craft-Beer-Bewegung. Auch hier gab uns Markus eine quantitative Übersicht an die Hand, welche verdeutlicht, welchen Sprung die USA – als Heimatland der Bewegung – seit Beginn in den 1970ern hingelegt hat. Trotzdem liegt es immer noch hinter dem deutschen Wert. Das liegt vor allen an der schon immer viel vielfältigeren Bierlandschaft hierzulande. So würde beispielsweise Bitburger mit seinen 7,2 Mio. hl Ausstoß (davon Marke Bit 3,9 Mio.) noch als Craft-Beer in den USA zählen. Auch in dieser Hinsicht sind die Dimensionen auf der anderen Seite des Atlantiks ganz andere.Brauereien relativIn Zahlen wird dieses Ungleichgewicht nicht nur im Vergleich von Deutschland und den USA deutlich. Auch innerhalb Deutschlands gibt es enorme Unterschiede. Dabei gibt es die höchste Konzentration von Brauereien im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Gäbe es eine ähnliche Konzentration beispielsweise in Brühl, hätte man hier über 30 Brauereien.

Bierzutaten:

Eines der entscheidenden Variablen des Bieres ist das Malz. Folgende Darstellung zeigt die ungefähren Rösttemperaturen (in °C) der wichtigsten Malzsorten:Malzröstung

Weitere Informationen zu den diversen Hopfensorten der Bierwelt unter: http://www.hopfen-der-welt.de/

Als Einführung in die Sensorik gab uns Markus, nach einigen Anmerkungen zu Aussehen und Geruch, dann folgende Übersicht an die Hand:

Sensorik - GeschmackWie unten zu sehen eröffnete die Geuze aus dem Hause Lindemans den bierigen Teil Abend. Diese spontangärige Bierspezialität ist ein Verschnitt aus mehreren Lambics und wird in Eiche gereift. Durch die Spontangärung kommt es zu dem interessanten Umstand, dass man in den Gärräumen der Brauerei nicht putzt, um so die spontangärigen Hefestämme nicht zu vertrieben. Diese sind fast ausschließlich im belgischen Tiefland anzutreffen. 1822 gegründet erreicht die belgische Brauerei in 2015 einen Ausstoß von 170.000 hl. Da im Bier sowohl Ascorbinsäure als auch Weizen als Rohfrucht verwendet wird, kann es keinen Eingang in unsere offizielle Bierliste finden. Der ebenso verwendete Kandiszucker hingegen könnte streng genommen noch unter das Reinheitsgebot fallen. Erstaunlich ist es aber nichtsdestoweniger. Wie im unten stehenden Bild erkennbar handelt es sich bei der Geuze geschmacklich eher um ein Prosecco als um ein Bier. Extrem prickelnd und fruchtig kommt dabei nur eine geringe bierige Note heraus – und das obwohl im Grunde keine entscheidenden Zusätze im Vergleich zu dominierende deutsche Biertypen hinzugefügt wurden. Einzig eine kreative Auswahl an Hopfensorten und die Verwendung von Weizen in Rohfrucht anstatt in Malzform bringt hier den großen Unterschied. Ein würdiger Einstieg in den Abend der Biervielfalt also.

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Es ging weiter mit einer Blindverkostung von drei zunächst nur als helle untergärige angekündigte Pils-Marken:

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Ohne zu wissen, mit was man es genau zu tun hatte, konnte man sich tatsächlich viel genauer auf die Geruchs- und Geschmacksunterschiede konzentrieren. Und diese waren ziemlich groß. So war von säuerlich, buttrig und herb alles dabei. Ganz besonders erstaunt war ich, dass ich das letzte Woche erst an dieser Stelle vorgestellte Pilsner Urquell nicht erkennen können. Als Ausrede könnt ich nun anführen, dass auch das Tannenzäpfe vor mir heute wieder gefühlt etwas anders schmeckt als noch am Montag. Insgesamt aber eine hervorragende Möglichkeit um Biere kennen und einschätzen zu lernen. Folgende „Bierkarte“ gibt Aufschluss über die drei Pils:

Bierkarte PilsEs folgte die gemeinsame Verkostung der weiteren Biere.

Maisels & Friends American Pale Ale:

SAM_0358Bierfacts:

  • 5,2 %
  • 12,5 °P

Fullers Indian Pale Ale:

SAM_0359Bierfacts:

  • 5,3 %
  • ausbalanciert mittelmäßig gehopft und malz- und körperbetont
  • Gründung Brauerei 1654
  • Ausstoß: 350.000 hl
  • Vielfalt: Fullers produziert derzeit 43 unterschiedliche Biere

Ale Mania Indian Pale Ale:

SAM_0360Bierfacts:

  • 5,8 %
  • 15,5 °P
  • gegründet 2010 von Fritz Wülfing in Bonn-Beuel
  • Ausstoß 400 hl (1/3 des Brühler Bischoff-Kölsch)
  • neben Bönnsch und Ennert-Bräu eines der aktuell drei Bonner Biere (nachdem es auch schon länger kein Kurfüsten-Bräu mehr gibt)
  • nachweislich handwerklich gebraut: alle 3 probierten Flaschen schmeckten unterschiedlich

Faust Schwartzviertler:

SAM_0361Bierfacts:

  • 5,2 %
  • gegründet 1654
  • Ausstoß 2015: 50.000 hl

Chimay Bleue:

SAM_0362Bierfacts:

  • Trappistenbier mit 9 %
  • im Gegensatz zu Tripel und ähnlich wie Dubel dunkel
  • Inhaltsstoffe u.a. Zucker und Weizenrohfrucht
  • gegründet 1862
  • Ausstoß: 130.000 hl
  • Belgien ist das Land der Starkbiere, da das „Vandervelde-Gesetz“ lange Zeit den Verkauf von Spirituosen in Bars verboten hatte

Schönramer Imperial Stout:

SAM_0363Bierfacts:

  • 9,5 %
  • entstanden aus dem Porter
  • Gegenstück zum Imperial ist das Session-Stout
  • Ausstoß: 45.000 hl
  • Einwohnerzahl Schönram: 150
  • MHD des Bieres: 2030

Zusammengefasst wird der Pflichtteil in dieser Übersicht eines „reduzierten Verkostungsschemas“:

Reduziertes Verkostungsschema

Im Kürteil des Abends wurden dann noch folgende Biere unter den Gaumen genommen:

Buddelship Kohlentrimmer:

  • Schwarzbier mit 14 °P / 5,3 % aus Hamburg

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Leireken witte spelt:

  • Dinkelbier mit 12 °P / 6 % aus einer 1830 gegründeten Brauerei in Oedelem in Flandern

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Lervig Sour Suzy Berliner Weisse:

  • minzig-saure Variante des Berliner Klassiker mit 4 % aus dem Norwegischen Stavanger

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And last but not least: Das Schoppe Bräu Holy Shit Ale:

Zum Abschluss wurde nochmals der Turbo gezündet und mit 10 % vol. alc. (und 22 °P) ein würdiger Abschluss des Abends gefunden. Das obergärige Double Imperial Pale Ale aus Berlin gibt es seit 2001 und kann als klassisches deutsches Craft Beer verstanden werden.

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Und so sah dann unser „Arbeitsplatz“ nach 5 Stunden und 14 probierten Bieren aus:

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Alles in allem also ein absolut lohnenswerter Abend mit interessanten Bier, Brot und Wasser sowie vielen spannenden Infos rund um die leckerste Nebensache der Welt. Und zu guter Letzt gab es auch noch zwei Biere aufs Haus für zu Haus dazu.

Zusammenfassend würde ich übrigens mein persönliches Bewertungstreppchen wie folgt belegen:

  1.  Pilsner Urquell
  2.  Maisels & Friends Pale Ale
  3.  Faust Schwartzviertler

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

30. Leikeim Wintertraum

Bevor der niederrheinische Winter endgültig vorbei ist, unterbreche ich meine Tschechien-Reise kurz für eine Bierspezialität aus Oberfranken. Dort braut die Privat-Brauerei Leikeim seit 1887 eine breite Palette an Bieren. Mit jährlich 200.000 hl Ausstoß rangiert man dabei im unteren Mittelfeld deutscher Brauer. Bezugnehmend auf das bayrische/deutsche Reinheitsgebot geht Leikeim auf seine traditionelle Braukunst so ein:

„Bei uns braut sich nur Gutes zusammen. Feinste Brauzutaten, handwerkliche Könnerschaft, gepaart mit fortschrittlicher Brautechnik. Ganz ohne Kompromisse: Braukunst und Natur im genussreichen Einklang. Natürlich nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516!“

Der Wintertraum ist dabei eines von elf Hopfenschorlen aus der Altenkunststädter Brauerei. Da ich bisher recht wenig Erfahrung mit sogenannten Winter- oder Weihnachtsbieren hatte und vor allem auch den Unterschied zu den angelehnten verwandten Biertypen nicht wirklich erkennen konnte, bin ich gespannt was mir dieses gänzlich unbekannte Bier so bringt. Im weltweiten Web ist es wie folgt zu lesen:

„Diese festliche Bierspezialität gibt es nur zur Winter- und Weihnachtszeit. Seine Kraft erhält das untergärige Vollbier durch eine hohe Spezialmalzgabe und durch die Abrundung mit feinstem Münchner Malz. Wertvoller Spalter Aromahopfen gibt ihm seine winterliche Seele. Man liebt es für seinen samtigen Nachtrunk.“

Zur Klarstellung wird noch hinzugefügt:

„Dieses Bier hat Kraft.“

Soso, na dann wolln ma mal schaun wie kräftig der Wintertraum so is…

Steckbrief

30_Leikeim Wintertraum-Steckbrief

Bewertung

30_Leikeim Wintertraum

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wie bereits erwähnt sind Bügelflaschen nicht mein Favorit – auch nicht wenn sie brauereispezifisch sind. Auch sonst muss ich sagen überzeugt mich das Design nicht wirklich. Irgendwie zu verspielt und simpel.

  • Aussehen

Hier bin ich wirklich überrascht. Nicht wegen der Farbe oder Klarheit, diese ist mir nun wirklich schon oft begegnet. Aber die Stabilität und Haltbarkeit des feinporigen Schaums ist im meiner bisherigen Stichprobe ungeschlagen.

  • Geruch

Hier ist es wieder etwas enttäuschender. Relativ neutral riechen, erkennt man neben süßlichen Malznoten nur etwas Hopfen. Und irgendwie riecht es auch eher industriell.

  • Geschmack

Um dem Auf und Ab der Bewertung treu zu bleiben, geht es hier wieder etwas bergauf. Wie angekündigt ist der Wintertraum in der Tat sehr malzsüß und „vollmundig“. Die süffige Resenzlosigkeit wird nur ab und an von ein wenig Hopfen unterbrochen. Auch der Abgang ist sehr harmonisch. Nur die versprochene Fruchtigkeit kann ich beim besten Willen nicht herausschmecken.

  • Fazit

Mit eigentlichen keine Erwartungen in dieses Bier reingegangen, muss ich zugeben, dass ich etwas enttäuscht bin. Von einem Winterbier aus einer Privatbrauerei habe ich mir irgendwie mehr Charakter erwartet. Allerdings ist das angesichts der wirklich soliden Qualität auch Jammern auf hohem Niveau und wahrscheinlich auch – wie alles im Leben – sehr subjektiv. Deshalb gibt es von mir für den Leikeimer Wintertraum mit 10 Pkt. eine 2-.

30_Leikeim Wintertraum-Bewertung

Weitere Informationen über Leikeim(s Biere): http://www.leikeim.de/index.php.

Prost!

29. Budweiser Budvar B: Original

Vom westböhmischen Pilsen geht es nun zum südböhmischen Budweis. Neben Pilsen der zweite weltweit bekannte Braustandort Tschechiens. Die Herkunft des heutigen Budweiser Budvar liegt in den politischen Verhältnissen im Böhmen des 19. Jahrhunderts. Damals erhielt man in den städtischen Rathäusern nur Einfluss, bei entsprechend hoher Wirtschaftsleistung bzw. Abgabe an Steuern. So hatte die mehrheitlich tschechische Bevölkerung keinen Sitz im Budweiser Rathaus. Um dies zu ändern, gründete man 1895 die Tschechische Aktienbrauerei in Konkurrenz zum deutschen Budweiser Bürgerbräu. Spätestens als nach dem ersten Weltkrieg 1918 diese von den Tschechen übernommen wurde, entwickelte sich die AG zu einem der bedeutenden Bierproduzenten und -exporteure des Landes. Mit Ende des zweiten Weltkrieges hingegen endete der wirtschaftliche Aufstieg zunächst. Mit Einzug des Kommunismus im gesamten Ostblock wurde die Brauerei verstaatlicht und der Export eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte auch die Umbenennung in Budějovický Budvar. Bis heute befindet sich die Brauerei im Staatsbesitz, konnte aber nach Zusammenbruch des Kommunismus und erneuter Namensänderung in Budweiser Budvar (und damit Rückkehr zum deutschen Namen) wieder an Bedeutung zulegen. In 2014 erzielte man einen jährlichen Bierausstoß von 1,45 Mio. hl. Das Bier selbst erlangte wohl auch besondere Popularität infolge des Namensstreit mit dem großen Anheuser-Bush-Konzerns. Die wenigsten wissen, dass sich dieser Streit bereits seit 1907 hingezogen hatte. Erst 2010 entschied der Europäische Gerichtshof, dass das in den USA hergestellte und vertriebene Bud(weiser) keine Namensrechte in der EU geltend machen kann. Allerdings verbietet das US-amerikansiche Recht dem tschechischen Budweiser im Gegenzug die Verwendung des Namens auf ihrem Territorium. Interessanterweise kaufte Anheuser-Bush daraufhin 2012 die Rechte am alten Budweiser Bürgerbräu, welches in der Zwischenzeit ebenfalls verstaatlicht aber heruntergewirtschaftet wurde.

„Unser helles Lagerbier ist etwas für wahre Feinschmecker. Die edelsten weiblichen Dolden des hochwertigen Saazer Hopfens, reines Naturwasser und ausgesuchtes mährisches Malz machen es zu einem Getränk für echte Kenner.“

… heißt es auf der Website. Da ich mich selbstverständlich sowohl als Feinschmecker als auch echter Kenner bezeichnen würde, gehe ich nun mit hohen Erwartungen an das einzig originale Budweiser.

Steckbrief

29_Budweiser Budvar-Steckbrief

Bewertung

29_Budweiser Budvar

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die grüne Markenreliefflasche scheint in Tschechien Tradition zu haben. Ebenso wie die Goldfolie, die den Hals und Kronkorken ummanteln. Die Label hingegen haben mir beim Urquell besser gefallen – der Eindruck es hier mit einem Import-Produkt zu tun zu haben ist mir etwas zu dominant.

  • Aussehen

Wie auf dem Photo erkennbar: sehr gold, sehr klar und mit wenig grobporiger Schaumbildung, die auch schnell wieder verflüchtigt ist.

  • Geruch

Hier steht der Hopfen klar im Mittelpunkt. Allerdings eher dadurch, dass neben einer fehlenden Malznote auch sonst kaum etwas riechbar ist.

  • Geschmack

Für ein Lager nicht überraschend ist das B: Original recht süffig. Geschmacklich ist dann auch mehr Malz und weniger Hopfen vorhanden. Der ziemlich unauffällige und ganz feinbittere Abgang wird durch einen geringen Prickelfaktor unterstrichen.

  • Fazit

Alles in allem muss ich gestehen, dass ich mir vom Budweiser etwas mehr Charakter erwartet hätte. Mit einer Reifezeit von 90 Tagen und Wasser aus einem artesischen Brunnen ist es qualitativ aber mehr als Mittelklasse. Deshalb gibt es in der Gesamtsumme (nur) 10 Pkt. bzw. eine 2-.

29_Budweiser Budvar-Bewertung

Weitere Informationen über das Original-Budweiser u.a. auf: http://www.budejovickybudvar.cz/de/index.html.

Übrigens: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer wurde von Budweiser zum Vornamen seines Künstlerpseudonyms inspiriert.

Prost!

28. Pilsner Urquell

Diese Woche geht´s für mich erstmals in Ausland. Zugegebenermaßen nicht weit weg und zugegebenermaßen sind auch hier viele deutsche Einflüsse vorhanden, aber immerhin nach Tschechien. Hier wurde 1842 in der böhmischen Stadt Pilsen Biergeschichte geschrieben. Aufgrund der schlechten Qualität des hiesigen dunklen warmvergorenen Bieres, schlossen sich wenige Jahre zuvor alle damals brauberechtigten Bürger zusammen und gründeten ein Bürgerliches Brauhaus. Entworfen vom Pilsener Architekten Martin Stelzer, wurde als erster Braumeister für das Brauhaus Josef Groll aus dem bayrischen Vilshofen engagiert. Dieser brachte eine neue Methode der Gärung und Lagerung mit. Wo zuvor warmvergoren und oberirdisch gelagert wurde, setzte Groll erstmals eine kalte Gärung ein und lagerte das Jungbier in tiefen kalten Kellern. Gepaart mit viel Saazer Hopfen aus Nordböhmen entstand somit das erste Bier nach der später benannten Pilsner Brauart. Dieses Pilsner oder in Deutschland vor allem Pils genannt zeichnet sich durch seinen – im Vergleich zu etwa einem Hellen – höheren Hopfengehalt aus und schmeckt somit bitterer. Neben der kalten Gärung und Lagerung, welche im Übrigen erst durch die regionalgeographischen Bodenbeschaffenheiten ermöglicht wurde, wird das sehr helle Malz bei der Pislner Brauart besonders schonend gedarrt. Pilsner, Pilsener oder Pils haben darüber hinaus eine maximale Stammwürze von 12,5%. Spätestens nachdem 1898 die bis heute weltbekannte Marke „Pilsner Urquell“ eingetragen wurde, begann ein wahrer Boom um das untergärige Pils(ner). Als Folge entstand in Pilsen u.a. einer der größten Keller- und Höhlenkomplexe Europas. Das erste deutsche Pils braute übrigens die nicht mehr existente Geismann-Brauerei in Fürth. Während mit dem Bier auch der Name Pils(ner) in die Welt getragen wurde gibt es laut Wikipedia (wie Michael bereits sagte, darf auch ich das hier) eine erwähnenswerte Ausnahme:

„Dem Pilsner entspricht in der Schweiz das dortige „Spezialbier“. Aufgrund eines Abkommens über die Verwendung von Herkunftsangaben, Ursprungsbezeichnungen und anderen geografischen Bezeichnungen mit der Tschechoslowakei darf die Bezeichnung Pilsner dort nicht verwendet werden. Im Gegenzug dazu verzichtet Tschechien beispielsweise auf die Verwendung der Bezeichnung Emmentaler für Käse.“

Als eine der ersten Brauereien der Welt durchbrach das ehemalige Bürgerbrauhaus Pilsner Urquell bereits 1913 die 1 Mio. hl-Marke. Heute produziert die inzwischen zum weltweit zweitgrößten Braukonzern SABMiller gehörende Brauerei ca. 9 Mio. hl Original Pilsner. Und bis auf einen kurzen Zeitabschnitt, als die Brauerei ausgebaut wurde, wurde dies ausschließlich auch in Pilsen gebraut. Interessanterweise firmierte die Brauerei zeitweise auch unter dem Namen „Pilsner Gambrinus“ – eine heute bekannte andere Biermarke aus der Tschechischen Republik.

Steckbrief

28_Pilsner Urquell-Steckbrief

Bewertung

28_Pilsner Urquell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Flaschenlayout ist dem ersten Pils der Welt würdig. Was mir daran gefällt: die grüne Flaschenfarbe, die individuelle Reliefflasche, das klassische Label mit Siegeldruck, die „edle“ Goldfolie um den Flaschenhals und Kronkorken. Was mir daran nicht gefällt: naja, eigentlich kaum etwas, vielleicht hätten es etwas mehr Produktinformationen sein können.

  • Aussehen

Auch hier präsentiert sich das Urquell sehr gut. Die sehr schön goldene und klare Farbe wird von einer mäßiger, aber lang anhaltender feinporiger Schaumbildung begleitet.

  • Geruch

Klar hervorsticht eine süße Hopfennote. Zudem sind noch ein paar fruchtige und malzige Nuancen erkennbar.

  • Geschmack

Wo viele Pils(ner) entweder nur bitter oder zu süßlich im Geschmack sind, kombiniert das Urquell diese beiden Eigenschaften meiner Ansicht nach vorbildlich. Die Pils-typische Bitterkeit, welche dominiert, wird von einer leicht süßlichen aber ebenso deutlichen Malznote unterstrichen. Vergleichsweise prickelnd, verbleibt von der starken Hopfenbitterkeit im Antrunk kaum noch etwas im Abgang. Hier macht die süße Malznote Lust auf mehr.

  • Fazit

Als erstes Pilsner der Welt und in meiner Reihe, habe ich mich zu Beginn sehr drauf gefreut. Mir natürlich nicht unbekannt, war ich trotzdem wieder überrascht, wie gut dieses Bier schmeckt. Und das obwohl hier wieder ein multinationaler Braugigant die Finger im Spiel hat.

„Seit 1842 brauen wir das erste Pilsner der Welt – mit denselben regionalen Zutaten, auf dieselbe Art und Weise und am selben Ort. Diese traditionelle Braukunst und die perfekte Kombination aus würzig herbem Saazer Aromahopfen und dezent malziger Karamellsüße sorgt für den vollmundigen und unverwechselbaren Geschmack.“

… heißt es auf der Flaschenrückseite. Eine Zusammenfassung, der ich eigentlich gar nicht so viel hinzufügen möchte. Daher nur noch zwei Zahlen: 14 Pkt. bzw. 1.

28_Pilsner Urquell-Bewertung

Weitere Informationen über das Gründungspilsner u.a. auf: https://pilsner-urquell.de/.

Prost!

27. Köstritzer Red Lager

Nach dem Pale Ale folgt nun heute das Red Lager von Köstritzer. Beide gab es im handlichen 4-Pack – also genau 2 Biere zu viel für einen Kronkorken-Sammler. Aber solange auch dieses Bier schmeckt, würde es mich zumindest nicht zu sehr ärgern, auch noch die anderen beiden zu vertilgen. Das zweite von drei „Meisterwerken“ (es gibt zudem noch ein Witbier) fällt zumindest wieder in die gewohnte Vollbier-Kategorie. Eine kurze Beschreibung liefert auch hier wieder die Website:

„Die neue Interpretation dieser internationalen Bierspezialität wird nach dem Vorbild des klassischen Wiener Lagers gebraut. Ein untergäriges Lagerbier, das im Geschmack sanft malzig bis malzig-süßlich sowie würzig ist.“

Insbesondere der Hinweis auf zwei Zutaten bringt mir dabei aber doch ein kleines Schmunzeln auf die Lippen: Special-X-Malz sowie die Hopfensorte Perle. Schaun ma also mal, ob die vollmundigen Beschreibungen auch das halten, was sie versprechen und ob das Red Lager im Vergleich zum Pale Ale noch einen drauf legen kann.

Steckbrief

27_Köstritzer Red Lager-Steckbrief

Bewertung

27_Köstritzer Red Lager

  • Flaschendesign + Kronkorken

Flaschendesign und Kronkorken unterscheiden sich hier abgesehen vom Farbkonzept nicht wesentlich vom Pale Ale, deshalb hier die identische Bewertung.

  • Aussehen

Herstellerangabe: Kristallklare rote Farbe mit feinporigem und cremefarbenem Schaum.  Wie im obigen Bild erkennbar ist die Farbe in der Tat sehr rot. Mehr Rot geht wohl nicht. Dabei ist die Klarheit nur von einer geringen Trübung unterbrochen. Die Schaumbildung tendiert zwar dann eher wieder zum Kölsch, jedoch mit einer leicht größeren Haltbarkeit.

  • Geruch

Herstellerangabe: Intensiver Duft mit einem würzig-süßen Hauch nach dunklem Landbrot, gerösteten Esskastanien und Karamell, Honig sowie Vanille. Auffällig hier, dass das Landbrot wirklich dominant in Erscheinung tritt und auch für einen Laien gut herausriechbar ist. Auch eine leichte honigartige Süße ist erkennbar. Beim Rest muss ich allerdings passen – insbesondere was da so röstig riecht, hätte ich wohl kaum einer Esskastanie zugeordnet.

  • Geschmack

Herstellerangabe: feine Malznoten in Balance mit zartbitteren Kaffee- und Röstaromen, Nuancen von Schokolade, Vanille sowie Lakritz, Kastanienhonig und Trockenfrüchten wie einem frischen Pflaumenton. Auch hier bin ich erstaunt, was alles schmeckbar ist, wenn man nur ausreichend lange drauf hingewiesen wird und man auch mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Bier ran geht. Die bereits im Geruch wahrnehmbaren Malznoten und Röstaromen kommen auch im Geschmack klar hervor. Erstaunlicherweise kann ich mir sogar auch Kaffee- und Lakritznoten einbilden. Die angesprochene Pflaume kann ich dabei höchstens im Abgang erkennen, welcher sich insgesamt erstaunlich bedeckt hält. Schoko, Vanille und wieder diese ominöse Kastanie sind für mich auch hier nicht wahrnehmbar. Insgesamt eine leicht höhere Spritzigkeit im Vergleich zum Pale Ale.

  • Fazit

Auch heute gibt es wieder eine Überraschung. Wiener Lager kannte ich bisher eigentlich eher von Weihnachtsbieren, welche im Grunde immer ganz bekömmlich fand. Auch das Red Lager von Köstritzer finde ich grundsätzlich bekömmlich. Aber irgendwie habe ich mir da vermutlich mehr erhofft. Insgesamt ist es mir leider etwas zu malzig und unscheinbar. Gerade zum Ende des Glases hin wird es immer matter. Nichtsdestotrotz kein uninteressantes Bier, weshalb ich hier und heute 10 Pkt. bzw. eine 2- vergebe.

27_Köstritzer Red Lager-Bewertung

Weitere Informationen zu den Meisterwerken sowie zur größten Schwarzbierbrauerei Deutschlands unter: http://www.koestritzer.de/index.php?id=13942

Prost!

26. Köstritzer Pale Ale

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Aber nein, nachdem der Kölsch-Wahn ein Ende hat geht´s erst richtig los. In den letzten drei Jahren wäre spätestens jetzt eigentlich für mich der Zeitpunkt des Alkohol-Fastens gekommen. Doch das kann ich mir dieses Jahr nicht erlauben und so bleibt es beim Fleisch-Fasten. Zum Hirse-Brei von meinem Sohnemann gibt es heute für mich ein wahres „Meisterwerk“. Beim Brühler HIT natürlich wegen des Kronkorkens gekauft, bin ich deshalb sehr gespannt, was das Köstritzer Pale Ale so zu bieten hat. Eigentlich bin ich ja nicht der Ale-Fan, aber mit dem Alter scheinen sich die Geschmacksknospen noch etwas weiter zu entwickeln (oder abzustumpfen sehe man es wie man will). Mit 700.000 hl Ausstoß ist die Brauerei zumindest kein Leichtgewicht in der deutschen Braulandschaft. Allerdings gehört sie seit 1991 nach Auflösung des volkseigenen DDR-Betriebs auch zur Bitburger Gruppe. Immer ein Indiz für mich, welches auf keine außergewöhnliche Qualität schließen lässt. Auf der anderen Seite kann Köstritzer jedoch auf eine vergleichsweise sehr lange Brautradition aufbauen – erstmalig wurde das Brauhaus 1543 erwähnt. Zudem ist das Pale Ale mit dem Superior Taste Awards sowie dem Meiningers International Craft Beer Award ausgezeichnet, allerdings scheinen diese Auszeichnungen zumindest keinen elitären Kreis ausgezeichneter Biere zu kreieren. So wurde der Craft Beer Award insgesamt an über 80 Biere verliehen. Zusammengefasst beschreibt Köstritzer das dann so:

„Dieses nach Köstritzer Rezeptur veredelte Indian Pale Ale, atmet in seiner Tradition und Herkunft sowohl den Geist von Geschichte, als auch denjenigen absoluter handwerklicher Perfektion.“

Steckbrief

26_Köstritzer Pale Ale-SteckbriefBewertung

26_Köstritzer Pale Ale

  • Flaschendesign + Kronkorken

In der eigenen Marken-Flasche abgefüllt macht das Pale Ale einen sehr guten Eindruck, Sowohl das Farb- als auch Informationskonzept überzeugen mich. Auf der Rückseite befinden sich zudem noch interessante Zusatzinformationen. Insbesondere die detaillierte Zutatenliste (Quellwasser aus dem Eleonorental) der verschiedenen Malze und Hopfensorten gefällt mir. Und der Kronkorken gehört auch zu einem der schöneren.

  • Aussehen

Herstellerangabe: Orangegoldgelbe Honigfarbe. Dem ist nur ein gewisser Rotstich hinzuzufügen. Auffallend jedoch ist die gerade im Kölsch-Vergleich enorme Schaumbildung und -haltbarkeit.

  • Geruch

Herstellerangabe: Intensiv würzig: Maracuja über Orangenblüte und Grapefruit bis zu grünen Beeren. Nun ja, so ganz genau kann ich höchstens die Maracuja rausriechen. In der Tat ist es aber wirklich sehr fruchtig und nur leicht würzig.

  • Geschmack

Herstellerangabe: Malzige Süße und erfrischende Nuancen tropischer Früchte. Malzig passt, süß auch und auch die Früchte sind rausschmeckbar – ob diese nun tropisch sind oder heimisch entzieht sich jedoch meinem Gaumen. Kohlensäure kann man bei diesem Bier auch nicht in hohem Maße erkennen. Die versprochene intensive Hopfenbittere im Abgang kann ich bestätigen, wobei ich diese nicht wirklich als positiv, sondern eher als leicht unangenehm bewerten würde.

  • Fazit

Qualitativ sicher sehr hochwertig und vor allem nach den vielen Kölsch eine willkommene Abwechslung, bleibt es jedoch auch nach dem dem Köstritzer Meisterwerk dabei: Ich bin (noch) kein Ale-Fan. Nichtsdestotrotz müssen die Unterstützung der Biervielfalt und die Verwendung hochwertiger Zutaten ausreichend gewürdigt werden. So erhält das Köstritzer Pale Ale sehr gute 13 Pkt, also eine 1-. Und das hätte ich sicher vorab nicht gedacht.

26_Köstritzer Pale Ale-Bewertung

Weitere Informationen zu den Meisterwerken sowie zur größten Schwarzbierbrauerei Deutschlands unter: http://www.koestritzer.de/index.php?id=13942

Prost!

25. Altenmünster Urig-Würzig

Bei diesem Bier habe ich mich leider gleich doppelt täuschen lassen: Zum Ersten kommt es nicht wie gedacht aus Münster und hat somit nicht den gedachten regionalen Bezug (Münster als Schwesterstadt von Osnabrück, Sitchwort Westfälischer Frieden) und zum Zweiten habe ich mich von der schönen Fassade täuschen lassen, aber unten mehr dazu.

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Altenmünster wird hergestellt im schönen Marktoberdorf-Leuterschach im Allgäu in Bayern, nicht weit entfernt von der deutsch-österreichischen Grenze und ist somit geographisch gesehen eher das Gegenteil vom Münsterland. Als ich „urig-würzig“ gelesen hatte habe ich auch zuerst an ein dunkleres Bier gedacht, weit gefehlt! Es handelt sich um ein Deutsches Pilsener mit zugegebenermaßen leicht dunklem Körper für ein Pils.

Altenmünster Grunddaten

Dazu eine kleine Anekdote zur Brauerei selbst: Das alte Sudhaus aus dem Jahr 1904 wurde 2013 abgerissen um Platz für innerstädtisches Wohnen zu schaffen. Es galt als eines der prägenden Gebäude für das Stadtbild und als Werbe- und Imageträger für die Brauerei. Wo man immer denkt Bayern und seine Brautradition… doch nicht ganz unzertrennlich.

Wertung

Altenmünster Wertung

Flasche: Das Aussehen hat mich neben dem Namen überhaupt erst zum Kauf verleitet. Ein schönes Relief in der Flasche macht es schon zu einem Blickfang, zudem ist natürlich der Bügel ein Plus! Das Etikett ist dementsprechend eher klein aus und enthält wenig Infos. Trotzdem hier eindeutig ein Pluspunkt: 12 Punkte / Note: 2+

Bier im Glas: Relativ dunkles gold, jedoch keine wirklich schöne Farbe. Wirkt etwas blass. Auch die Krone ist schnell verschwunden. Insgesamt kein sonderlich guter Eindruck:             7 Punkte / Note: 3-

Geruch: Eindeutig dominiert von der herben Bitterkeit des Hopfens. Von einem angenehmen Aroma kann ich hier leider nicht reden. Eine malzige Note ist nicht zu vernehmen. Nicht mein Fall: 6 Punkte / Note: 4+

Geschmack: Nach dem Geruchstest hatte ich eher mit etwas mehr Kohlensäure gerechnet. Allerdings wartet das Bier überraschenderweise mit wenig Kohlensäure auf. Die Bitterkeit des Hopfens aus dem Geruchstest sticht auch hier heraus. Eine leichte Malznote schmeckt man heraus, insgesamt aber ein eher enttäuschendes Pils: 8 Punkte / Note: 3

Abgang: Bitterer Abgang und zudem recht trocken. Die Hopfenbitterkeit viel zu dominant. Für Deutsches Pilsener aber durchaus üblich. Jedoch kein Abgang der unbedingt gleich zum nächsten Schluck anregt: 8 Punkte / Note: 3

Fazit: Bis auf die Verpackung steckt hier nicht so viel dahinter. Von der nussigen Note in der Produktbeschreibung des Herstellers konnte ich nichts wahrnehmen. Von Augenwischerei kann man hier sprechen. Im Pilssortiment für mich eher untere Mittelklasse: 8 Punkte / Note: 3 (und das auch nur wegen der schönen Flasche)

24. Bockbier – ein starkes Stück Biertradition – Bierverköstigung Februar

Einbecker Ur-Bock Dunkel | Moritz Fiege – Charakter Pilsbock | Paulaner Salvator | Uerige Doppelsticke | Schneider Weisse Aventinus Eisbock

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Nachdem nun der erste Monat wieder rum ist, war es wieder an der Zeit: Bierverköstigung in der Brühler Eule. Thema für den Februar: Bockbiere. Wie bereits seit letztem November präsentierte Sommelier Markus Weick im urigen Gasthaus fünf verschiedene Biere dieser Art. Dabei begleitet er die eigentliche Verköstigung auch diesmal mit einer informationsgeladenen Präsentation über die Biere und das Bockbier im Allgemeinen.

Den Anfang machte nicht nur an diesem Abend das Einbecker Ur-Bock Dunkel. Auch historisch gesehen gehen die Anfänge des Bockbieres auf die niedersächsische Brauerei zurück. Bis 1351 kann die Geschichte des Einbecker zurückverfolgt werden. Das Ur-Bock Dunkel wurde jedoch erst ab etwa 1794 hergestellt. Und auch schon Luther wusste die Qualität des Bieres zu schätzen:

„Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt.“

Bis heute gilt das untergärige kastanienfarbige Dunkel als das typischste aller Bock-Biere. Karamellig aber auch feinherb im Geruch kommt der relativ hohe Hopfenanteil erst beim Probieren heraus. Gerade im Vergleich zu den eher süffigen obergärigen Bieren, die ich bisher getrunken hatte, kam das Ur-Bock ziemlich bitter und trocken rüber. Nach dem Motto „aller Anfang ist schwer“ machte allerdings der süßlich-malzige Abgang wieder einiges wett. Bis heute ist Einbecker mit etwa 400.000 hl Produktionsvolumen eines der größten Bockbierbrauereien der Welt.

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Mit einer Überraschung ging es gleich weiter: Der Pilsbock von Moritz Fiege. Noch nie zuvor ist mir ein heller Bock unter die Augen gekommen. Umso gespannter war ich, was auf mich zukommt. Beim Pilsbock von Fiege handelt es sich um ein Jahrgangsbier, welches auf dem Fiege-Pils-Rezept basiert. Allerdings wird hierbei nur die Vorderwürze verwendet – also nur der erste Anteil beim Ablaufen der Maische. Zudem ist das Bier „kaltgehopft“. Das bedeutet, dass der Hopfen nach der eigentlichen Gärung nochmals in die Biermasse gehängt wird – quasi wie ein Teebeutel, also in dem Fall ein Hopfenbeutel. Beides führt zu einem konzentrierteren und aromatischeren Geschmack. Auch im Geruch macht sich der Hopfen bemerkbar, hinzukommt eine erkennbare Zitrusnote. Trotz erhöhter Schlagzahl von knapp 8% schmeckt das bernsteinfarbene Pilsbock aus Bochum sehr angenehm und weich. Dabei gleichen sich der hohe Hopfen- mit dem hohen Malzanteil meiner Ansicht nach sehr gut aus. Auch der Abgang ist alles in allen rund und wird mit einer leicht bitteren Note begleitet. Zusammengefasst eine eindeutig positive Überraschung also.

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Vom Bock ging es nun zum Doppelbock. Genauer gesagt zum Paulaner Salvator. Und damit auch zum Grund, warum der Februar Bockbier-Monat ist. Während einer Zeit, wo es in Einbeck über 740 Bürgerbrauhäuser gab (es hatte also im Prinzip jeder Haushalt selbst gebraut) wurde 1612 ein talentierter Braumeister aus Einbeck nach München abgeworben. Über Umwege gelang er dann zur Paulaner Brauerei, die im Jahre 1634 ihr erstes Bockbier herstellen konnte. 17 Entwicklungsjahre später erschien dann der erste (Frühlings-)Salvator. Der Name soll übrigens von Sankt Vater stammen, welches unter Einfluss eben jenes Bieres zu später Stund auch schnell mal zu Salvator wird. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Aus dem bayrischen stammt vermutlich auch die Bezeichnung „Bock“. Hier wurde aus Ainpöckisch (für Einbecker) im Laufe der Zeit Oanpoack, was wiederrum dann vereinfacht zum Bock abgekürzt wurde. Seit 1751 wurden dann ein jährlicher Bockbierausschenktag für den bayrischen Kurfürsten veranstaltet. Zunächst am Anfang vom April gelegen wanderte dieser Termin über die Jahre in den Februar. 1806 – also vier Jahre vor dem Oktoberfest – wurde dieser Tag erstmals auf ein einwöchiges Fest ausgeweitet, welches als Starkbierfest bis heute von Mitte bis Ende Februar in München gefeiert wird. Nachdem im 19. Jahrhundert immer mehr Brauereien das Salvator nachbrauten, erwarb Paulaner 1896 das alleinige Namensrecht für den Salvator, sodass die anderen Brauereien ihr Bier umbenennen mussten. Das hat dazu geführt, dass heute übrigens 120 unterschiedliche  „-ator“-Biere namensrechtlich geschützt sind. Das Bier selbst ist wie man so schön sagt „alkoholaromatisch“: weniger bitter, dafür sehr malzig und zitrus-süß. Geschmacklich wechselt es permanent zwischen süffig und herb ab. Da der Nachgeschmack eher unauffällig und lasch daher kommt, fällt eine Bewertung also recht schwer.

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Weiter ging es mit einer noch recht neuen Bockvariante: dem Altbierbock. In der Kölsch-Region Brühl natürlich ein ganz heißes Pflaster. Das Uerige Doppelsticke wurde erstmals 2005 zunächst für den US-amerikanischen Markt hergestellt. Erst seit letztem Jahr wird es auch in Deutschland vertrieben. Die unabhängige Düsseldorfer Hausbrauerei hatte sich für diesen Schritt entschieden, da Craft-Biere – als welches sich das Doppelsticke versteht – derzeit in den USA noch auf größeres Interesse und größeren Andrang stoßen. Die sehr dunkle Farbe wird vor allem durch die verwendeten Karamelmalze verursacht. Der Geruch ist gleichzeitig sehr bitter, süß und zitrusartig. Die Karamellnote lässt sich auch heraus schmecken – auch ist es gar nicht so bitter, wie vielleicht vermutet. Allerdings bleibt insbesondere der sehr hopfige und würzige Gesamtgeschmack – hervorgerufen durch eine Stammwürze von über 20% – in Erinnerung, sodass es im bisherigen Vergleich am schlechtesten abschneidet. Der Name „Sticke“ leitet sich übrigens von „stickum“ also geheim ab und soll darauf verweisen, dass das Bier zunächst nur geheim verkauft wurde.

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Den Abschluss des doch ziemlich alkoholhaltigen Bokbierabends bildete das Aventinus Eisbock. Mit 12 Umdrehungen ist es mit Abstand das alkoholhaltigeste Bier des Abends und bildet die Verbindung zum Januar-Event, wo bereits der „kleine Bruder“ das normale Aventinus verköstigt wurde. Auch das Eisbock wurde zunächst in den USA eingeführt, fand den Weg zurück nach Deutschland aber bereits 2012. Bei offener Flaschengärung unterscheidet sich das Eisbock vom Doppelbock dadurch, dass dem Bier durch Ausfrieren Wasser entzogen wird. Durch dieses Verfahren wird ein deutlich höherer Alkoholgehalt erreicht, als bei „normalen“ Brauverfahren möglich wäre. So liegt der derzeitige Rekord beim „Snake Venom“. Dieses erreicht einen unglaublichen Alkoholgehalt von 67,5% – ganz ohne Destillation, nur durch Ausfrieren. Ein netter Nebeneffekt dieser Brauweise: Auch der Geschmack und Geruch wird intensiviert. So bin ich höchst überrascht, wie vergleichsweise bekömmlich ein 12%iges Bier schmecken kann. Vielleicht lag es an der Gewöhnung, vielleicht aber auch am Alter, aber ich musste zugeben, dass mir das Bier schmeckte. Vor allem lag das an dem deutlich weißbierartigen Geruch und Geschmack. Sehr bananig, sehr karamellig und wenig gehopft. Alles in allem sehr rund – besonders für 12%. Sicher wird es nicht mein Lieblingsbier – aber gerade im Vergleich zu anderen ähnlich volumigen Bieren bin ich wirklich positiv überrascht.

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Zusammenfassend würde ich den präsentierten und verköstigten Bieren folgende Gesamtwertung geben:

Moritz Fiege Charakter Pilsbock: 11 Pkt. (2)

Schneider Weisse Aventinus Eisbock: 10 Pkt. (2-)

Einbecker Ur-Bock Dunkel: 8 Pkt (3)

Paulaner Salvator: 7 Pkt. (3-)

Uerige Doppelsticke: 5 Pkt. (4)

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Im Anschluss an die offizielle Verköstigung gab es dann wieder die Gelegenheit eines oder mehrere weitere Bierspezialitäten des Hauses zu probieren. Im Februar gibt es dafür folgende Auswahl:

Bierkarte Februar

 

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

23. Giesler Kölsch

Zum Abschluss meiner Kölsch-Reise bleibe ich zumindest ursprünglich in meiner neuen Heimat Brühl. Das Giesler-Kölsch steht dabei sinnbildlich für viele weitere meist kleinere Kölsch-Marken. Denn auch das Giesler ist nicht mehr eigenständig, sondern wird seit vielen Jahren bereits nicht mehr in Brühl gebraut.  Ende der 1990er wurde es an die Dom-Brauerei AG verkauft und 2005 erfolgte der Abriss der altehrwürdigen Giesler-Brauerei mitten in der Schlossstadt Brühl. An diesem historischen Standort steht heute die Giesler-Galerie – das erste (und bisher einzige) Einkaufszentrum Brühls. Eröffnet wurde diese interessanterweise an meinem Geburtstag 2006. Zum Glück konnte wenigstens der Sudturm erhalten bleiben, sodass dieser nun von der Galerie vollständig umschlossen im Zentrum des Komplexes steht. Dies und die Tatsache, dass das Einkaufszentrum unter den Gesichtspunkten Stadtplanung und Regionalentwicklung, durchaus ein Gewinn für Brühl ist, muss daher positiv hervorgehoben werden.

Es folgt eine Chronik der ereignisreichen Giesler-Kölsch-Geschichte:

  • 1832: Friedrich Giesler erwirbt das Brühler Schloss Falkenlust von Kurfürst Clemens August – eines der beiden heutigen UNESCO-Weltkulturerbestätten Brühls.
  • 1874: Gründung der Giesler Brauerei durch Übernahme der innenstädtischen Braustätten an der Uhlstraße (vermutlich von der Braufamilie Früh).
  • nach 1874: Giesler kauft eine weitere Brühler Brauerei und firmiert zur Friedrich Giesler’sche Brauerei zum Vorgebirge
  • 1897: Der heute noch existente Sudturm wird im Zuge der Brauerei-Erweiterung fertig gestellt.
  • 1914-18: Durch den kriegsbedingten „Fachkräftemangel“ schließen sich die Schlossbrauerei Brühl AG und die Friedrich Giesler’sche Brauerei GmbH zur „Brühler Brauerei-Gesellschaften mbH“ zusammen
  • 1953: Aus dem „Giesler-Hell“ entsteht das „Giesler-Kölsch“. Weitere Biere, die Giesler zu der Zeit braut: Clemens-August Pils, Giesler´s Alt, Giesler´s Bock, Giesler Spezial Export und Giesler Kraft-Malz.
  • 1979: Der Jahresumsatz erreicht erstmals die Marke 10 Mio. DM.
  • 1990: Das Brühler Leicht wird eingeführt. 90% Marktanteil hat aber weiterhin das Kölsch.
  • 1998: Die Giesler Brauerei wird durch Dom-Kölsch übernommen – somit endet eine 125 Jahre alte Brühler Biertradition.
  • 2000: Mit dem Abzug der Bierproduktion nach Köln endet fast das Kapitel der Brühler Kölschherstellung.
  • 2002: Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Dom-Brauerei wird die Giesler-Produktion beinahe eingestellt.
  • 2005: Die historische Braustätte der Giesler-Brauerei an der Uhlstraße wird fast komplett abgerissen. Lediglich der denkmalgeschützte Sudturm bleibt erhalten.
  • 2006: Um weiter Kosten zu senken wird die Herstellung aller Dom-Marken unter dem Lohnbräu-Verfahren nach Bielstein zur Erzquell-Brauerei (siehe 20.) verlagert.
  • 2013: Die Radeberger-Gruppe schluckt die bereits im Insolvenzverfahren befindliche Dom-Brauerei. Daraufhin zieht das Giesler-Kölsch ein zweites Mal (zurück) nach Köln.

Im Rahmen meiner Recherchen zum Giesler stoße ich dann auf folgende Aussage auf der Website der „Giesler-Braurerei„:

„Aufgeschlossene Biergenießer suchen immer stärker nach Authentizität und einem ehrlichen Heimatgefühl, mit dem man sich identifizieren kann. Giesler Kölsch macht fürstlich vor wie gut unverwechselbare Geschichte und Tradition schmecken können.“

Authentizität? Ehrliches Heimatgefühl? Unverwechselbare Geschichte und Tradition? Kaum zu fassen, was sich hier die Verantwortlichen raus nehmen. In der Tat, es ist sicherlich löblich, dass man damals die Marke Giesler nicht gänzlich vom Markt genommen und somit der Geschichte zugeführt hat. Aber muss man den „aufgeschlossenen Biergenießer“ derart in die Irre (vor-)führen? Nun, sei´s drum – wenden wir uns nun dem Wesentlichen zu: Dem Bier.

Steckbrief

23_Giesler Kölsch-Steckbrief

Bewertung

23_Giesler-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Als einzige Flasche in meiner Kölsch-Stichprobe ist das Giesler in der eher unattraktiven sogenannten „NRW-Flasche“ abgefüllt. Aufgrund der Beibehaltung des historischen Designs der Flaschenetiketten gibt es einige Pluspunkte. Hier ist weiterhin das klassische Giesler-Logo mit Kurfürst Clemens August zu Brühl im Zentrum zu sehen. Auch der Kronkorken mit den Schriftzug „…genüsslich gieslern“ geht auf frühere Werbeslogans zurück. Es ist also offensichtlich, dass hier die traditionelle Marke unterstrichen werden soll.

  • Aussehen

Keine Überraschungen – auch hier ein sattes gold-gelb. Die Schaumbildung ist eher mittelmäßig.

  • Geruch

Aus dem insgesamt dumpfen Geruch stechen höchstens einige hopfige oder süßliche Nuancen heraus.

  • Geschmack

Das 11. Kölsch und der 11. Geschmack. Auch hier ist wieder eine ganz individuelle Geschmacksnote herauszuschmecken. Das Giesler würde ich als Hybrid zwischen herb und süffig bezeichnen. Sehr weich im Gesamteindruck sind nur dezente Hopfenspitzen herauszuschmecken. Auch der Abgang kann unter den obigen Umständen als harmonisch bezeichnet werden. Im Vergleich zu vielen anderen Kölsch hat es sogar einen ziemlich hohen Prickel-Faktor.

  • Fazit

Auch wenn ich noch kein Jahr in Brühl wohne, fühle ich mich schon derart wohl, dass ich einen gewissen Lokalpatriotismus entwickelt habe. Daher fand ich es sehr schade, dass ich die alte Brauerei samt Original-Bier nicht genießen konnte. Nichtsdestotrotz bin ich mit der Neufassung des Giesler auch recht zufrieden. Ich denke es wird ab und zu durchaus auch mal wieder den Weg in den Einkaufswagen finden. Nicht nur aus lokalpatriotistischen Sentimentalismus, sondern tatsächlich auch wegen des fast sehr guten Geschmacks erteile ich dem Giesler-Kölsch summa sumarum 12 Pkt. bzw. eine 2+.

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Mehr Informationen zum Brühler Urgestein gibt es neben der oben genannten Seite auch unter: http://www.koelsch-net.de/koelsch-net/index.htm

Das bis in die 1950er Jahre hinein gebrute Giesler Bräu wurde im Übrigen letztes Jahr wiederbelebt und wird von Dom erneut vertrieben.

Dass es aber auch ganz anders gehen kann zeigt ein prominentes Beispiel: Seit 1976 wird das in Köln und darüber hinaus bekannte Kabänes in Brühl-Ost hergestellt. Außerdem besteht mit der Bischoff-Brauerei im äußersten Norden Brühls die letzte Brühler Kölsch-Bastion, die noch nicht aufgekauft wurde.

Prost!