Archiv für den Monat: März 2016

42. Weißenoher Green Monkey Polaris

Zum Abschluss des ersten Quartals gibt es heute eine ganz besondere  Köstlichkeit. Zumindest hoffe ich das. Denn mit dem Weißenoher Green Monkey treffen gleich mehrere Qualitätsmerkmale aufeinander:

  • Eigenes Quellwasser aus der Jura der südlichen Fränkischen Schweiz
  • Hopfen aus der Region
  • Gerstenmalz aus fränkischer Produktion
  • Hefe, traditionell untergärig & aus eigener Entwicklung
  • Bioland-Zertifizierung
  • Strom aus Wasserkraft

Gebraut wird es außerdem in einer der ältesten (Kloster-)Brauereien Deutschlands, mit Gründung um 1050. Diese hat – wie zu vermuten – eine bewegte Geschichte hinter sich:

„Im Laufe vorangegangener Jahrhunderte wurden das Kloster und die dazugehörigen Liegenschaften mehrmals zerstört, aufgebaut und zwischen den Bischöfen und Fürsten hin und her getauscht. In der Säkularisation, im Jahre 1803, wurde der gesamte Gebäudekomplex an Privatpersonen veräußert. Zuletzt ging das Klostergebäude an einen Nürnberger Geschäftsmann, während die Klosterkirche auch heute noch als Pfarrkirche dient.

Der vormals klösterliche Braumeister führte die Braustätte zunächst weiter. Bis er schließlich aus wirtschaftlichen Gründen aufgab und sein Braurecht nebst Braustätte 1827 an den Braumeister Friedrich Kraus verkaufte. Jener führte fortan die ‚fränkische Dreifaltigkeit‘ aus Brauerei, Gastwirtschaft und Landwirtschaft – mit wachsendem Erfolg. Seither ist die Brauerei in unserem Familienbesitz. Heute wird die Brauerei in der fünften Generation von Urban Winkler und seiner Frau geführt, tatkräftig unterstützt von 13 Mitarbeitern.“

Diese Mitarbeiter brauen neben den drei „Green Monkey“ Craft Bieren noch über 10 weitere Biere. Darunter altfränkische Bierklassiker, drei Pils-Biere, unterschiedliche weitere Craft-Biere, ein Barrique (im Eichenfass gereift) sowie ein Hanfbier.

Das Besondere an der Green Monkey-Reihe ist die Kalthopfung (oder Hopfenstopfung), wobei der Biermasse nach dem eigentlichen Brauvorgang noch Hopfen eingehangen werden, um ein besonderes Hopfenaroma herstellen zu können. Dabei werden drei unterschiedliche Hopfensorten verwendet: Hersbrucker Gebirgshopfen (31BE) (so sollen die hiesigen Hopfenbauerndörfer zur Zeit der Hopfenernte duften), Mandarina Bavaria (32BE) und Polaris (34BE). Letztere verspricht mit einem Hauch Menthol eine ganz besondere Frische.

Neben der Bierherstellung betreibt Weißenohe auch einen eigenen Getränkemarkt. Dieses und der Umstand, dass es sich auf der sogenannten Wanderroute „5-Seidla-Steg“ befindet, macht es für mich (vor dem Hintergrund der anstehenden Frankenreise im Sommer) ganz besonders interessant.

Erwähnenswert ist darüber hinaus, dass die alte Klosterbrauerei einmal im Jahr ihr altes Sudhaus für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst öffnet. Übrigens: Weißenohe heißt so viel wie „am Ort des weißen Baches“.

Aber nun zum Protagonisten des Abends…

Steckbrief

42_Weißenoher Green Monkey Polaris-Steckbrief

Bewertung

42_Weißenoher Green Monkey Polaris

  • Flaschendesign + Kronkorken

In Kategorie eins gibt es schon mal sehr gute Noten. Auch wenn mir das Design etwas zu flippig ist, aber so muss das bei (deutschen) Craft-Bieren wohl sein, finde ich das Äußere an sich sehr ansprechend.

  • Aussehen

Auch hier bin ich positiv überrascht. Nicht nur ob der Naturtrübung, welche jedes Bier verbessern, aber auch wegen der üppigen und stabilen Schaumbildung.

  • Geruch

Hier zeigt bzw. riecht sich, dass ich es nicht mit einem gewöhnlichen Pils zu tun habe. Der angesprochene Hopfen ist klar herauszuriechen. Dieser verbindet eine klare Bitterkeit mit einer gewissen Zitrussüße.

  • Geschmack

Analog zum Geruch ist auch hier der Hopfen in der Tat dominant. Dabei ist die Bitterkeit zu jeder Zeit angenehm und mit einer leichten süßlichen Note begleitet. Malz hingegen schmeckt man nur unterschwellig. Das versprochene Menthol hätte ich jedoch ohne Vorwissen nicht erkennen können.

  • Fazit

Insgesamt ein sehr interessantes und wirklich leckeres Pilsner. Gerade weil es eben nicht dem klassischen Pils-Geschmack gleicht, sondern vielmehr zeigt, was man aus der Brauart herauskitzeln kann, wenn man das Reinheitsgebot ausreizt, kann ich dem Bier fast nur sehr gute Noten geben. Im Klartext: 13 Pkt. bzw. eine 1-.

42_Weißenoher Green Monkey Polaris-Bewertung

Weiter Infos zur Kloster-Brauerei, zum 5-Seidla-Steig und zur Kunstausstellung unter: http://www.klosterbrauerei-weissenohe.de/cms/.

Prost!

41. Huppendorfer Weihnachtsfestbier

Frohe Ostern zusammen! Anlässlich dieses Jubeltages gibt es heute passenderweise ein Weihnachtsfestbier. Das hat drei gute Gründe:

  1. Eine Wiederauferstehung ist schließlich wie eine zweite Geburt
  2. Es gibt meines Wissens nach kein Osterfestbier
  3. Et muss wech

Aus dem reichhaltigen Bestand der Brühler Eule erworben, kann das Huppendorfer Festbier auf eine über 250-jährige Historie zurückblicken. Die vergleichsweise kleine Brauerei aus Oberfranken steht bis heute unter Besitz und Leitung der Familie Grasser.

Abweichend zum üblichen Vorgehen, wird dieses Bier anlässlich des österlichen Festtages gebührend mit einem Fohlenelf-Glas gefeiert.

Steckbrief

41_Huppendorfer Weihnachtsfestbier-Steckbrief

Bewertung

41_Huppendorfer Weihnachtsfestbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Gegen Desing und Aufmachung ist wirklich nicht viel zu sagen. Nach meinem Geschmack hätte es ein wenig weniger kitschiger und ein wenig mehr klare Strukturen und Informationen sein können.

  • Aussehen

Zur Abwechslung mal kein gold-gelbes Bier, sondern eins mit einem satten Bronze bis Bernstein. Wahrscheinlich aufgrund des Glases kommt hier auch erstmals eine üppige Schaumkrone zustande.

  • Geruch

Auch hier endlich mal was anderes. Der bisher klarste Malzgeruch unter meiner Bierstichprobe. Weder süß noch herb, kommt hier einfach nur das Gerstenmalz zum Vorschein.

  • Geschmack

Trotz, dass das Bier nun fast einen Monat abgelaufen ist, scheint es an Qualität kaum etwas verloren zu haben. Die Malzbetonung setzt sich auch hier fort. Allerdings schlägt beim Geschmack die karamellige Süße viel deutlicher durch. Daneben ist nur eine ganz geringe Bitterkeit zu verspüren. Der feinherbe Abgang wird von einer allgemein recht frischen Resenz begleitet.

  • Fazit

Sowohl die Brauerei als auch das Bier können insgesamt sehr überzeugen. Allerdings ist mir dieses Festbier etwas zu süß und leicht. Unter dem Vorbehalt der offiziellen nicht-mehr-Haltbarkeit heißt es am heutigen Ostersonntag deshalb: 12,5 Pts. (2++)  goes to  Huppendorf.

41_Huppendorfer Weihnachtsfestbier-Bewertung

Weiter Infos (v.a. eine umfangreiche und detaillierte Geschichte der Brauerei) unter: http://www.huppendorfer-bier.de/index.php.

Prost und schöne Ostergrüße aus Brühl!

40. Warka Jasne Pełne

Zum Abschluss meiner kurzen Polen-Rundreise geht es in das heutige Ostpolen nach Warka. Dort wird schon seit 1478 Bier gebraut. Früher noch von mehr als 30 kleinen Hausbrauereien, heute zumindest noch von einer über die Grenzen hinaus bekannten Brauerei. Mit Żywiec gehört die Marke seit den 1990ern zum Heineken-Konzern und ist das einzige polnische Brauunternehmen mit einer eigenen Kneipen-Kette im Land. Der Name „Warka“ ist übrigens ein polnischer Terminus für die Menge an Bier, welche aus einem Brauvorgang hergestellt wird.

Steckbrief

40_Warka Jasne Pelne-Steckbrief

Bewertung

40_Warka Jasne Pelne

  • Flaschendesign + Kronkorken

Der erste Eindruck kommt eher unaufgeregt daher. Die Charakteristika der braunen Longneck-Flasche verstecken sich in der patriotischen rot-weißen Färbung des Labels mit einem Abbild des polnischen Flügelhusaren.

  • Aussehen

Ein Lager, wie ein Lager aussehen sollte: Gold-gelb, recht klar und sogar mit einer passablen feinporigen Schaumbildung.

  • Geruch

Auch hier dem Lech sehr ähnlich. Allerdings kommt die Malznote noch etwas deutlicher heraus.

  • Geschmack

Im Vergleich zu den anderen drei polnischen Lagern ist dieses noch das bitterste. Interessanterweise kommt dabei aber auch noch am ehesten eine gewisse Karamellmalznote hervor. Sowohl Resenz als auch Abgang verhalten sich ziemlich unauffällig.

  • Fazit

Wie das Zywiec ist auch das Warka nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Alleine dies muss natürlich in der Bewertung gewürdigt werden. Darüber hinaus ist das Warka nämlich ziemlich blass. Definitiv ein gutes Bier, aber – abgesehen von einer gewissen Herbe, die dem mittelnorddeutschen Bierkenner entgegen kommt – auch eines ohne das gewisse Extra. Deshalb immerhin aber noch 10 Pkt. (2-).

40_Warka Jasne Pelne-Bewertung

Infos auf English unter: http://www.grupazywiec.pl/en/marki/warka/ und auf Polnisch unter: http://warka.com.pl/Start.19.0.html.

Prost!

39. Lech Premium

Auf geht´s in die zweite Halbzeit meiner Polen-Rundreise. Station heute: Posen. Hier liegt die in den 1970ern gegründete Brauerei Lech. Der aufmerksame Leser und clevere Kombinierer wird sich (ebenso wie ich) über diese Jahreszahl wundern. Waren doch gerade in den 1970ern und 1980ern viele polnische Brauereien kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin oder mussten bereits schließen. Lech scheint dies wohl für sich ausgenutzt zu haben – wobei man natürlich konstatieren muss, dass es sich hierbei auch um eine staatliche Brauerei handelte. Erst 1993 wurde diese mit dem Verkauf an das Entrepreneurship Euro Agro Centrum Poznań privatisiert. Drei Jahre später erfolgte dann der Verkauf an die South African Breweries. Und wiederum drei Jahre später wurde dann aus der Fusion von Lech und Tyskie die Kompania Piwowarska gegründet. Die Gesamtgruppe – heute zugehörig zu SAB Miller – erzielte zuletzt einen Ausstoß von 15 Mio. hl und hat einen Marktanteil von 45% vom polnischen Biermarkt, wobei nur 8% davon auf Lech entfallen.

Steckbrief

39_Lech Premium-Steckbrief

Bewertung

39_Lech Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Äußere beginnt schon mal sehr vielversprechend. Mit einem innovativen und zugleich schlichtem Flaschen- und Farbdesign kann mich das Lech hier auf jeden Fall überzeugen. Und auch der Kronkorken ist definitiv einer der hübschesten meiner Sammlung.

  • Aussehen

Hier gibt es keine großen Überraschungen: Gelb-gold, leichte Trübung, mäßige Schaumbildung.

  • Geruch

Der Geruch ist recht hopfenbetont. Auffallend ist hier die Frische, die man bereits riechen kann.

  • Geschmack

Die Hopfenbetonung setzt sich auch im Geschmack fort. Während die allgemeine Bitterkeit recht dominant ist, dringt immer mal wieder eine gewisse Malzsüße durch. Und auch die Frische ist durch einen vergleichsweise hohen Kohlensäuregehalt schmeckbar. Im Abgang bleibt das Lech feinherb und ist zunächst leicht ölig und später ein wenig trocken, aber nicht unangenehm.

  • Fazit

Wie oben in der Zutatenliste erkennbar haben es die Polen wohl nicht so mit dem deutschen Reinheitsgebot. Und so wird auch hier (wie beim Tyskie) Glukosesirup beigemischt. Dies tut aber glücklicherweise dem Geschmack keinen großen Abbruch. Bleibt nur die Frage, ob die Verwendung dessen wirklich notwendig ist. Trotz guter Werte in Design und Geschmack muss es deshalb hier Punktabzüge geben. Alles in allem erreicht das Lech aber noch sehr passable 11 Pkt. (Note 2).

39_Lech Premium-Bewertung

P.S.:

2007 stellte Lech gleich zwei Guinness (hier ist ausnahmsweise nicht das Bier genannt) Weltrekorde auf, indem es erst das größte Bierglas der Welt mit 4.250 l Fassungsvermögen herstellte und daraus dann danach 10.625 Menschen Lech tranken

2010 sorgte die Platzierung eines Werbeplakats in Warwel für große Aufregung. Darauf war der Slogan „Zimny Lech“ zu lesen. Hierzu muss man zwei Dinge wissen: 1. Bedeutet zimny nicht nur kalt, sondern auch Korpus.  2.  Ist Warwel zum Einen nicht nur die alte Residenz polnischer Könige im Großraum Krakau, sondern auch der Ort an dem der ehemalige polnische Präsident Lech Kaczyński beerdigt wurde…

Infos u.a. via: http://www.sabmillerdeutschland.de/lech bzw. für alle Polnisch-Sprechenden auch unter lech.pl/.

Prost!

38. Tyskie Gronie

Station 2 meiner Polenrundreise liegt ebenfalls in Oberschlesien – genauer in Tichau. Hier ist seit 1629 die heutige Brauerei Tyskie beheimatet. In dieser nun fast 400-jährigen Geschichte musste sie einige Besitzwechsel über sich ergehen. Gegründet von der Familie von Promnitz, wurde die Brauerei nach einer grundlegenden Modernisierung ab 1824 im Jahre 1861 zur Fürstlichen Brauerei zu Tichau neu konstituiert. Neuer Eigentümer wurde im Zuge dessen Hans Heinrich XI. Graf von Hochberg und Fürst von Pless. Nachdem Tichau nach dem 1. Weltkrieg zu Polen geschlagen wurde, erfolgten diverse Fusionen mit Nachbarbrauereien. Noch vor dem 2. Weltkrieg wurde das neue Braukonsortium aufgrund fehlender Steuereinnahmen zeitweise kommissarisch unter staatlicher Verwaltung gestellt. Dies sollte dann wie zu vermuten nach 1945 zur Normalität werden. Nachdem man 1971 die erste Million hl pro Jahr feiern konnte, erfolgte 1975 eine erneute planwirtschaftliche Fusion mit weiteren Betrieben der Region. Ergebnis dessen war ein erheblicher Produktionsrückgang sowie ein damit verbundener Stellenabbau in den Betrieben. Als Folge wurde Tyskie 1981 wieder in die unternehmerische Selbstständigkeit entlassen und 1995 dann auch wieder privatisiert. Als Teil der Kompania Piwowarska (zudem auch Lech gehört), erfolgte jedoch rasch der Verkauf an SAB Miller. Heute ist Tyskie mit 18% Marktanteil die beliebteste Biermarke in Polen.

Nach dem Staropramen habe ich es heute ein weiteres Mal mit einem Bier außerhalb des deutschen Reinheitsgebots bzw. Biergesetzes zu tun. Diesmal ist jedoch kein Getreidefolgeprodukt, sondern mit Glukosesirup eine Invertzuckerart verwendet worden. Und da dieses nur bei obergärigen Bieren gestattet wäre, muss auch das Tyskie gesondert gekennzeichnet werden.

Steckbrief

38_Tyskie Gronie-Steckbrief

Bewertung

38_Tyskie Gronie

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die Ähnlichkeit zum Zywiec ist verblüffend, wobei mir das Tyskie sogar eigentlich einen Tacken besser gefällt. Negativ fällt allerdings klar ins Gewicht, dass mit der dargestellten Mitra die Verknüpfung zur Gründerfamilie hergestellt werden soll, welche es offensichtlich nicht mehr gibt. Getreu dem Motto: Man kann nicht alles haben, muss man sich nun mal entscheiden: Tradition oder Neuausrichtung…

  • Aussehen

Ziemlich Kölsch-ähnliche gelb-goldene ungetrübte Farbe mit mäßiger Schaumbildung.

  • Geruch

Klar im Vordergrund steht hier der Hopfen. Laut Etikett sollen hier aber auch noch Apfel- und Bananennoten riechbar sein. In meiner Nase kommen davon aber höchstens noch diffuse Zitrusnuancen an.

  • Geschmack

Wo es der Geruch noch nicht verraten hat, wird der industrielle Charakter im Geschmack deutlicher. Zudem fällt auch die Verwendung von Glukosesirup auf, da es auffallend süß, aber gleichzeitig wenig malzig schmeckt. Das kann aber auch nur Einbildung sein – schließlich sollten insbesondere Malz- und Getreidenoten laut Etikett schmeckbar sein.  Das fehlende Malz wird dann nur geringfügig im Abgang kompensiert. Auch eine Spritzigkeit sucht man hier vergebens.

  • Fazit

Und wieder einmal ein Beispiel, dass Masse alleine nicht immer hilft. Als Gegner einer zu starken Homogenisierung und Unterstützer der Biervielfalt bin ich da vielleicht auch etwas bevorurteilt, aber trotz einer im Grunde soliden Leistung, kann das Tyskie nicht wirklich überzeugen. Zudem halte ich nicht viel von der Verwendung von Glukosesirup… Deshalb all in all eine 3+, also 9 Pkt..

38_Tyskie Gronie-Bewertung

Infos u.a. via: http://www.tyskie-pils.de/home.

Prost!

37. Żywiec Jasne Pełne

Weiter geht es also mit meiner Mini-Europa-Rundreise mit (zunächst) vier Bieren aus dem heutigen Polen. Alphabetisch aufsteigend beginne ich mit dem wohl in jeder alphabetischen Bierliste zuletzt genannten Zywiec.

Dieses wurde 1865 von den Habsburgern in der damaligen oberschlesischen Provinz Preußens gegründet. Nach dem ersten und erneut nochmals nach dem zweiten Weltkrieg Polen zugeschlagen, wurde die in Saybusch gelegene Brauerei (wie hätte es auch anders sein können) verstaatlicht. Im Rahmen der nach 1990 folgenden Privatisierung war Heineken am schnellsten und riss sich die Mehrheit an der Braurerei unter den Nagel. Dies und die Enteignung der ursprünglichen Besitzer durch die polnische Regierung mündete 1990 in einem Gerichtsverfahren. Dort klagten die Habsburg-Nachfahren auf 77 Mio. $ Entschädigung. In einem außergerichtlichen Vergleich wurde sich schließlich auf eine unbekannte Summe geeinigt.

Zur Zywiec-Gruppe gehören heutzutage fünf Marken – u.a. auch Warka. Gemeinsam kommen diese Biere auf einen Gesamtausstoß von 5 Mio. hl per anno.

Steckbrief

37_Zywiec Jasne Pelne-Steckbrief

Bewertung

37_Zywiec Jasne Pelne

  • Flaschendesign + Kronkorken

Hier muss man sagen, hat sich der Designer wirklich Mühe gegeben. Nicht nur die Etiketten sind trotz „Export-Charme“ liebevoll durchdacht – auch die Flasche selbst verzückt mit detailreichen Reliefs. Bloß kann mich das irgendwie nicht so recht überzeugen, wirklich gefallen tut es mich nicht.

  • Aussehen

Klasse pur-goldene leicht trübe Färbung mit leider zu wenig Schaumbildung.

  • Geruch

Hier ist dann erstmals der Industriecharakter eines Millionenbieres erkennbar. Insgesamt recht hopfenbetont.

  • Geschmack

Dieser kommt schon fast beiläufig daher. Man muss schon ziemlich lange gurgeln um den mehr bitteren als süßen Geschmack wahrzunehmen. Dabei wirkt das Zywiec etwas prickelig und leicht herb im Abgang.

  • Fazit

Hier und da hatte ich ja schon Berührungspunkte mit dem Zywiec – aber es war mir bislang nie in bleibender Erinnerung geblieben. Und so befürchte ich auch diesmal, dass das eigentlich recht passable Bier im (guten Durchschnitt verschwindet. Insgesamt gibt es heute Abend von mir 10 Pkt. (2-).

37_Zywiec Jasne Pelne-Bewertung

Für Menschen mit polnischer Sprach- und Lesebegabung wird folgende Website empfohlen: http://www.zywiec.com.pl/.

Prost!

36. Franken – Herzstück der deutschen Biervielfalt – Bierverköstigung März

Aktien Zwick’l Kellerbier | Hallerndorfer Kellerbier | Schanzenbräu Rotbier | Faust Schwarzviertler Dunkel | Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen | Kulmbacher Eisbock

Facebook Franken

Im Rahmen der regulären Verköstigungsrunden stand vergangenen Montag die März-Session an. Thema diesmal: Franken. Insofern sehr passend, da wir (d.h. Alex, Nils und meine Wenigkeit) im Sommer schließlich eine Bierreise in die bedeutendste Bierregion Europas unternehmen werden. Für mich also schon mal ein Vorbereitungsprogramm mit vielen interessanten Infos und Eindrücken. Neben dem Biersommelier Markus Weick, referierte diesmal auch ein Gast aus dem Frankenland, um sozusagen aus nächster Nähe berichten zu können.

Dass Franken eine besondere Rolle in der deutschen und aber auch internationalen Bierlandschaft spielt, hatte ich ja bereits an der ein oder anderen Stelle erwähnt. Trotz der inzwischen manifestierten und weit verbreiteten Craft-Beer-Bewegung kann die Region im Norden des bayrischen Freistaats weiterhin die größte Brauereidichte der Welt für sich beanspruchen. Das Ergebnis ist eine außerordentliche Biervielfalt, welche auch nicht von der Entwicklung zu multinationalen Braukonzernen gemindert werden konnte. Lediglich an der Bekanntheit dieses Reichtums könnte die Region meines Erachtens noch arbeiten. Die Gründe der enormen Braudichte sind indes vielfältig. Einige führen die Reformation (welche im Übrigen nächstes Jahr ihr 500-jähriges feiert) an, welche zur Auflösung einiger Klosterbrauereien geführt hätte, welches es dem Bürgertum erlaubte selbst zu brauen. Dies ist insofern schwierig zu argumentieren, da gesamtdeutsch betrachtet die Braudichte in mehrheitlich katholischen Regionen weitaus höher ist als in mehrheitlich protestantischen oder atheistischen Landstrichen. Andere argumentieren mit den vielen Rittertümern, welche es bis zur Neuzeit in der Region gab. Dies ist schon eher fundiert, da die allgemein hohe Biervielfalt Deutschlands sicherlich auch durch den früheren Flickenteppich an Fürsten- und Herzogtümern sowie Königreichen hergeleitet werden kann. Der glaubwürdigste Grund liegt wohl aber in der Geologie des Landes. In keiner weiteren Region Deutschlands sind so viele bodennahe Hohlräume vorhanden. Aufgrund aushöhlbarer Gesteinsschichten konnten somit unzählige Felsenkeller errichtet werden, in denen eine sehr kalte und lange Reifung des Bieres möglich wurde.

Neben diesem Exkurs zur Historie des Bierfrankenlandes stand diesmal auch das Thema Vollmundigkeit und Süffigkeit im Vordergrund der Verköstigung. So wurden alle vorgestellten und verköstigten Biere im paarweisen Vergleich nach Vollmundigkeit und Süffigkeit bewertet, sodass eine Gesamtmatrix entstand, welche das allgemeine Bild des Abends widerspiegeln konnte. Dabei sind insbesondere ein hoher Alkoholgehalt, eine große Menge des Restextraktes des Bieres (also der Menge des Feststoffanteils, welcher im Jungbier noch vorhanden ist), ein niedriger Vergärungsgrad, viel Malz- und Trübstoffanteil sowie eine allgemeine Süße Treiber für einen – wie es ja oftmals so schön heißt – vollmundigen Geschmack. Dabei kann grob nach folgendem Schema klassifiziert werden:

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Der Abend begann mit einem zumindest mit bekannten Bier: Dem Zwick’l der Bayreuther Aktien-Brauerei, welches mich beim Schreiben dieser Zeilen auch begleitet. Die Bezeichnung dieses Kellerbieres, geht auf das Ritual der Bierbrauer zurück, welche Qualität und Reife des Bieres in den tiefen Braukellern überprüften. Sowohl heute als am Montag ein sehr schmackhaftes Biererlebnis. Mit einer bronzenen Farbe (oder wie der Biersommelier sagt: bernsteinfarben) ausgestattet, riecht es recht malzsüß und leicht fruchtig. Das – wie die meisten Kellerbiere – unfiltrierte, untergärige und ungespundete (also aufgrund fehlendem Druckausgleichs geringer Kohlensäuregehalt) 5,3%ige Bier genoss eine kalte aber vergleichsweise kurze Reifung. Dies spiegelt sich in der großen malzlastigen Süffigkeit wieder, welche nur durch einen sehr leicht bitteren Abgang unterbrochen wird. Die seit 1857 bestehende Aktienbrauerei ist übrigens im mehrheitlichen Besitz von Maisels.

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Weiter ging es mit einem zweiten Kellerbier. Dieses aus dem Hause Rittmeyer genannte Hallendorfer Kellerbier (5% / 12,5°) unterscheidet sich vom ersten in der Hauptsache durch die Filtrierung und der somit helleren Farbe. Aber auch geschmacklich kommt es etwas herber und hopfiger rüber. Zudem sind hier klare Röstmalz- und somit auch Brotnoten erkennbar. Das 1422 gegründete ehemalige gräfliche Brauhaus kommt heute auf etwa 25.000 hl. Ausgestattet mit Brauerei, Gasthaus und Hotel vereint es alle drei Elemente der sogenannten fränkischen Dreifaltigkeit.

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Als nächstes folgte ein Bierstil, der mir zumindest bewusst so noch nie über den Weg gelaufen war. Das Nürnberger Rotbier. Das durch besonders rote Malze erzeugte Bier wird heute nur noch von sehr wenigen Brauereien noch oder wieder gebraut. Das vorgestellte Bier gehört zur letzteren Gruppe. 2004 erst gegründet, kommt das Schanzenbräu nur (noch) auf ca. 5.000 hl. Neben der roten Bernsteinfärbung sind ein gleichzeitig recht hopfiger und leicht fruchtiger Geruch charakteristisch. Im Geschmack war das Bier (4,9% / 11,9°) weniger süffig. Im Gegenteil war es nicht nur herb, sondern auch ziemlich getreide- und röstmalzlastig. Man hatte irgendwie den Eindruck ein Salamibrot zu essen und kein Bier zu trinken.

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Das vierte Bier im Bunde war ein alter Bekannter. Das dunkle Schwarzviertler vom Brauhaus Faust. Sowohl eine Flasche noch im Vorrat zu haben und es bereits im Schnupperkurs behandelt zu haben, erspare ich mir hier an dieser Stelle weitere Erläuterungen.

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Im Anschluss folgte ein dem sehr ähnliches Bier. Das Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen (5,1% / 13,5°) vom 1678 gegründetem Heller-Bräu (20.000hl Ausstoß). Ähnliches wie das Faust hat das Schlenkerla einen deutlichen Abendbrotcharakter. Nur ist es geschmacklich nicht am Schinken, sondern eher an einer Salami orientiert. Dies ist daher zu erklären, dass zur Herstellung des Bieres offen über Buchenholz geräucherte Malze verwendet werden und die Lagerung in Eichenholzfässern geschieht. Trotz, dass ich das Bier glaube ich schon zweimal getrunken hatte, war ich abermals über das sehr holzige, rauchige und brotige Geschmackserlebnis erstaunt. Es ist wahrlich verwunderlich, wie unterschiedlich doch Bier schmecken kann.

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Abgerundet wurde der bierige Abend mit einem Eisbock. Somit hatte ich bis jetzt in allen drei Verköstigungsrunden immer mindestens einen Bock dabei – mal schaun, ob es beim nächsten Mal auch wieder so ist, wo ich es ja zumindest zum Teil auch selbst in der Hand habe. Diesmal kam es aus dem Hause Kulmbach und hatte bei 21°P mit 9,2 Umdrehungen auch wieder ordentlich was bieten. Farblich war es deutlich das dunkelste Bier des Abends. Und auch geruchstechnisch konnte es dem Motto des Abends „Biervielfalt“ durchaus gerecht werden. So hatte ich wenigstens eine süßlich-fruchtige und zugleich rauchige und alkoholaromatische Komponente wahrnehmen können. Geschmacklich war es auch hier das süßeste, schwerste, bitterste und moussierendste Bier mit einem kräftig betonten Abgang. Außer dem netten Nebeneffekt eines Kronkorkens, konnte es mich aber leider nicht überzeugen.

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Zusammenfassend würde ich den präsentierten und verköstigten Bieren folgende Gesamtwertung geben:

Faust Schwarzviertler Dunkel: 11 Pkt. (2)

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen: 11 Pkt. (2)

Schanzenbräu Rotbier: 11 Pkt (2)

Aktien Zwick’l Kellerbier: 10 Pkt. (2-)

Hallendorfer Kellerbier: 10 Pkt. (2-)

Kulmbacher Eisbock: 6 Pkt. (4+)

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Im Nachgang zur eigentlichen Verköstigung brachte Markus uns noch einen Ingolstädter Eisbock von Nordbräu. Auch im Vorgriff auf die kommende Veranstaltung zum 500-jährigen Reinheitsgebot gab es so den 1:1-Vergleich zum Kulmbacher, welches das aus der Reinheitsgebotsstadt knapp für sich entscheiden konnte.

Zum Abschluss hatte ich dann auch noch die Gelegenheit einem kleinen Experiment von Markus beizuwohnen. Er hatte eine braune und eine transparente Gaffel-Flasche für 3 Stunden in die Sonne gelegt um den geruchlichen aber vor allem geschmacklichen Unterschied herauszufinden. Um es kurz zu machen: Braun hat mit deutlichem Abstand gesiegt. Auch wenn ich durchaus schon mal sonnenwarme Plörre getrunken habe, war das aus der transparenten Flasche alles, nur kein Genuss mehr – während das aus der braunen weitaus weniger Qualitätsverlust erleiden musste.

Wer noch mehr probieren möchte, werfe doch mal einen Blick hierauf:

Bierkarte März

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

35. Augustiner Edelstoff

Als kleine Verschnaufpause in meiner kleinen europäischen Reise habe ich mir heute eines meiner Lieblingsbiere vorgenommen. Vom bayrischen Urgestein Michael an mich herangetragen und auch schon selbst im gleichnamigen Keller in München genossen, freue ich mich ganz besonders auf diesen wahrlich edlen Stoff Augustiners.

Die Geschichte der Brauerei geht ins 14. Jahrhundert zurück. 1328 siedelten die Augustiner Mönche auf Geheiß und mit dem Auftrag des Baus eines Klosters des damaligen Herzogs vor den Münchner Stadttoren. Damit ist Augustiner nicht nur die älteste noch bestehende Brauerei, sondern auch das älteste Handelsgewerbe Münchens. Nachdem die Augustiner Mönche jahrhundertelang mit dem Bierbrauen einen Großteil ihres Lebensunterhaltes verdienten (u.a. wurden die Wittelsbacher beliefert), mussten sie im Rahmen der Säkularisation 1803 ihr Kloster auflösen. Die Räumlichkeiten der Klosterkirche wurden fortan als Mauthalle und die des Konventgebäudes als Justizministerium genutzt. Lediglich die Brauerei wurde zunächst unter staatlicher Leitung weitergeführt. 1817 wurde dann aber auch der Braubetrieb aufgrund der allgemeinen Baufälligkeit der Klostergemäuer in die Neuhauser Straße (Hauptfußgängerstraße zwischen Hbf. & Rathaus) verlegt. 1829 schließlich übernahm die Familie Wagner die Brauerei, welche sich seitdem (zumindest mehrheitlich) in ihrem Besitz befindet. 1857 zog man dann in den heutigen Stammsitz an der Landsberger Straße, südlich des Hbf., wo man seit 1883 auch Bier braut. 1880 trug sich Augustiner als Gründungsmitglied des Bayrischen Braubundes ein weiteres Mal in die Geschichtsbücher ein. 1896 erfolgte dann ein Umbau der Gaststätte an der Neuhauser Straße in einen Münchner Bierpalast – also einem Paradies für Bierliebhaber ;).

Das heutige Oktoberfestbier trug im Übrigen nach Einführung 1953 zunächst den Namen Wiesn-Edelstoff. Interessanterweise wurde das für München und Bayern traditionelle Weißbier erst 1986 und somit sogar weit später als das Pils (1963) eingeführt. Seit 1987 ist Augustiner die einzige Brauerei Münchens, die auf dem Oktoberfest noch  in Holzfässern ausschenkt.

Nach dem Tod der letzten direkten Wagner übernimmt die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung die Mehrheit an der Brauerei. Die weitere Besitzstruktur verteilt sich auf die Erbengemeinschaft der Familien Wagner und Inselkammer.

2013 konnte dann endlich die Rückkehr an den historischen Standort der alten Klosterbrauerei neben der heutigen Frauenkirche gefeiert werden. Mit mehr als 1 Mio. hl Ausstoß ist man heutzutage eines der Münchner und auch deutschen Schwergewichte in der Brauereilandschaft.

So genug in der Historie geschwelgt und Vorfreude aufgebaut. Wenden wir uns dem edlen Stoff zu, welches Augustiner so umschreibt:

„Ein helles Exportbier, weich, spritzig und frisch zugleich, aus edelsten Rohstoffen gebraut. Das Spitzenerzeugnis altbayrischer Braukunst. Ein Hochgenuss für jeden Bierkenner.“

Nichts weniger würde ich nun auch erwarten… 🙂

Steckbrief

35_Augustiner Edelstoff-Steckbrief

Bewertung

35_Augustiner Edelstoff

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ach, wie ich diese Flaschen mag… Auch wenn der Etikettentwurf etwas weniger kitschig hätte gemacht werden können, ist zumindest die goldene Farbe mehr als treffend. Auch der Kronkorken kann sehr überzeugen. Ganz im Zeichen des Bierjubiläums wird hier auf das Münchner Reinheitsgebot von 1487 verwiesen.

  • Aussehen

Exporttypische sehr hell-gelbe Farbe, aber mit einer recht passablen Bierschaumhaltbarkeit.

  • Geruch

Hier fällt ganz deutlich die Hopfenbetonung auf. Das Malz und die wenigen Fruchtaromen kommen dagegen kaum durch. Aber auf jeden Fall macht es Lust auf den nächsten Schritt.

  • Geschmack

Zum Glück gibt es in der Hauptkategorie keine Überraschung. Hier verbindet das Edelstoff die Augustiner Süffigkeit mit der feinherbe Frische des Exports. Dabei gibt es sogar einen gewissen Prickelfaktor und auch das Malz hat hier eine Chance auf größere Wahrnehmung. Der Abgang gestaltet sich sehr weich, fast ölig und mit einer leichten bitteren Note.

  • Fazit

Wie vielleicht im obigen Bild erkennbar, muss ich zugeben, dass das heutige Edelstoff sogar offiziell über dem MHD ist. Beruhigender- aber auch erwarteterweise tut das dem Geschmack aber keinen Abbruch. Auch unter dem Eindruck der vielen bisherigen Biere, kann ich bei meinen ausgezeichneten Urteil über Augustiner und das Edelstoff bleiben. Es ist ein wahrer Genuss und bleibt eines meiner absoluten Lieblingsbiere und spielt auch in der Bierjubiläums-Reihe eine herausragende Rolle. Mit 14 Pkt. (also einer glatten 1) schrammt es dabei nur knapp an der Bestmarke vorbei.

35_Augustiner Edelstoff-Bewertung

Weitere Informationen über das Münchner Urgestein mitsamt seinem edelsten Stoff u.a. auf: http://www.augustiner-braeu.de/home.html.

Prost!

34. Staropramen Premium

Etwas angeschlagen geht es heute für mich zur vorerst letzten Station meiner Tschechien-Reise. Und diese führt mich in die Hauptstadt Prag. Dort wird seit 1871 das Staropramen gebraut, wobei es diesen Namen erst seit 1911 trägt. Wie man sich spätestens nach den letzten Beiträgen denken kann, hat auch Staropramen eine lebhafte Eigentümergeschichte hinter sich. Während der Zeit des Eisernen Vorhangs verstaatlicht wurde es bereits 1989 in eine AG umgewandelt. Danach folgte eine munteres „Besitzer-wechsel-dich-Spielchen“. 1993 Veräußerung an Bass (britisch), 2000 Übernahme durch InBev, 2009 Verkauf an CVC Capital Partners (Private-Equity-Gesellschaft), woraus dann StarBev resultierte. Staropramen selbst hat das relativ wenig Abbruch getan – im Gegenteil. Als drittgrößter Bierexporteur des Landes vertreibt man in knapp 40 Ländern. Dabei differiert das Angebot nach In- und Ausland. Während beispielsweise in Tschechien das klassische 4%-ige Lager erstanden werden kann, gibt es eine leicht höher volumige Variante unter dem Namen Premium in Deutschland zu kaufen. Für beides gilt jedoch:

„In jedem Glas Staropramen lebt der freiheitsliebende Geist Prags! Der angenehm weiche Geschmack und das gut abgerundetes Aroma schmeicheln dem Gaumen mit einem mild-malzigen Aromaprofil, bevor ein leicht bitterer Geschmack den abschließenden Akzent setzt. „Staropramen Lager“ – eine echte Prager Legende.“

Als Teil meiner Jugend (ich gewann z.B.  mal einen Kasten mit einer Borussia Mönchengladbach Wette) bin ich besonders auf diese Prager Legende gespannt…

Wie im folgenden Steckbrief erkennbar, handelt es sich beim Staropramen streng genommen nicht um ein Bier nach deutschem Reinheitsgebot bzw. nach deutschen Biergesetz. Aufgrund der Verwendung von Maltosesirup bei gleichzeitiger untergäriger Brauart, müsste es eigentlich vom Blog ausgeschlossen werden. Allerdings vertrete ich den Standpunkt auch über den Tellerrand schauen zu dürfen. Zudem ist mit Maltosesirup erstens eine Zutat verwendet, welche in obergärigen Bieren absolut unproblematisch wäre, und zweitens eine, welche schließlich aus Getreidemalz hergestellt wird.

Steckbrief

34_Staropramen Premium-Steckbrief

Bewertung

34_Staropramen Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Sowohl Flaschendesign als auch Kronkorken gefallen mir recht gut. Irgendwie wird man ins Prag des 19. Jahrhunderts katapultiert bei diesem Anblick.

  • Aussehen

Gold und klar mit einem mäßigen aber ziemlich haltbaren Schaum.

  • Geruch

Insgesamt riecht es sehr frisch. Dabei kommt eine etwa gleiche Note an Hopfen und Malz rüber und macht durchaus Lust auf mehr.

  • Geschmack

Wie bereits angekündet schmeckt das Staropramen in der Tat recht mild und verhältnismäßig süffig. Die herbe Note kommt zunächst nur wenig durch, kann sich aber tatsächlich im Abgang durchsetzen. Auch wirkt es etwas spritziger als andere Lager.

  • Fazit

Die „wahre Quelle“ (was Staropramen übersetzt heißt) hat von seinem alten Charme relativ wenig verloren. Ohne im besonderem Maße außergewöhnlich zu sein ist mir diese sehr solide Bierqualität (trotz fehlender Reinheitsgebotsklassifikation) 12 Pkt. bzw. eine 2+ wert.

34_Staropramen Premium-Bewertung

Weitere Informationen über Prags #1 u.a. auf: http://staropramen.com/de.

Prost!

33. Krušovice Černé

Heute habe ich es mit einem wahrhaft königlichen Bier zu tun. Dabei geht die Geschichte des Krušovice Černé bis ins 16. Jahrhundert zurück – genauer bis ins Jahr 1581. In diesem Jahr nämlich wurde die Brauerei an Rudolf II. – seines Zeichens nichts weniger als der Kaiser des heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und König von Ungarn und Böhmen in Personalunion – verkauft. Von da an, belieferte die in Zentralböhmen gelegene Brauerei jahrhundertelang den Prager Hof. Seit 1685 ging der Besitz in böhmisch-deutsche und ab 1773 in schwäbisch-deutsche Hände über. Wie sämtliche Brauereien in Tschechien wurde auch die Krušovice-Brauerei 1945 verstaatlicht. Sie ging in den Mittelböhmischen Brauereien auf. Nach dem Zerfall des Ostblocks wurde sie 1992 in eine AG umgewandelt. Nur zwei Jahre später schluckte die Binding-Gruppe (später Radeberger) die Brauerei, verkaufte diese aber 2007 weiter an Heineken. Lediglich der deutsche Vertrieb verblieb bei Radeberger. Mit der Privatisierung ging auch eine technische Modernisierung einher – so war Krušovice die erste tschechische Brauerei mit KEG-Fassabfüllung. Innerhalb weniger Jahre konnte so auch der jährliche Ausstoß auf ungefähr 700.000 hl gesteigert werden. Interessanterweise heißt die Brauerei aber erst seit 1995 offiziell Königliche Brauerei Krusovice.

Krušovice produziert insgesamt sechs Reinheitsgebotsbiere – bei mir steht heute das Schwarzbier Krušovice Černé an. Auf der hauseigenen Website wird dieses so angepriesen:

„Die untergärige Brauart verleiht unserem Černé einen individuellen Geschmack, der durch Eleganz und Vollmundigkeit überzeugt. Das milde süße Karamellaroma und die cremige Schaumkrone runden den Geschmack perfekt ab und machen es zu einem der beliebtesten Schwarzbiere unter Kennern.“

Dann bin ich mal gespannt, ob ich mich zu den Kennern hinzuzählen kann…

Steckbrief

33_Krušovice Černé-Steckbrief

Bewertung

33_Krušovice Černé

  • Flaschendesign + Kronkorken

Alles in allem gefällt das Äußere. Auch wenn weniger Infos manchmal mehr sind und auch die Rückseite recht exportorientiert ist. Nichtsdestotrotz vermittelt es schon einen edleren Eindruck als einige Biere mancherorts.

  • Aussehen

Endlich mal wieder ein dunkleres Bier. In schönem dunkelbraun schimmert es bei Lichteinfall rötlich. Den versprochenen cremigen Schaum kann ich in der Tat bestätigen – allerdings lässt auch hier die Haltbarkeit etwas zu wünschen übrig.

  • Geruch

Auch hier stimmt die Beschreibung: Das erste was man riecht ist die für dunkle Biere typische Malzsüße. Aber etwa ähnlich dominant ist auch das Brotröstaroma. Fruchtige Noten kommen nur ganz wenig durch.

  • Geschmack

Und hier kommt die Überraschung. Auch wenn es der relativ geringe Alkoholgehalt schon vermuten hat lassen, hätte ich mit einem so gehaltarmen Bier nicht gerechnet. Der leicht wässrige Gesamteindruck ist mit der Zeit sogar aber auch positiv zu werten. Unterstrichen mit einer gewissen Spritzigkeit wirkt es ziemlich erfrischend. Erwarteterweise ist auch der Abgang unauffällig und von geringer Dauer.

  • Fazit

Auch wenn ich von einem Schwarzbier doch etwas mehr Charakter erwartet hätte, bin ich aufgrund meiner bisherigen Biererfahrung auch offen für Neues. Wie Alex ja schon in 6. fordert, muss man Biere auch mal unvoreingenommen entgegentreten. Wenn es also auch kein Schwarzbier im landläufigen Sinne ist, schmeckt es subjektiv betrachtet doch recht erfrischend, ohne den Schwarzbier-Charakter in Gänze zu verlieren. Deshalb gibt es für das Černé heute von mir 12 Pkt., also eine 2.

33_Krušovice Černé-Bewertung

Weitere Informationen über das „Königliche“ u.a. auf: http://www.krusovice.de/#home.

Prost!