44. Main Seidla Amber Spezial

Im Monat des Reinheitsgebotsjubiläums gibt es heute ein Bier, welches Tradition und Moderne in besonderer Art kombiniert. Auf der einen Seite haben wir eine noch sehr junge fränkische Brauerei und auf der anderen einen sehr alten (meist noch in England verbreiteten) Bierstil. Das Brauhaus Binkert umschreibt diesen Umstand so:

„Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Biere nach obergäriger Brauart gebraut. Mit Einführung der Hefereinzucht und der untergärigen Pilsner Brauart wurden die obergärigen Biere mehr und mehr verdrängt.

Bis heute haben sich in Deutschland das Weißbier, das Kölsch und das Alt Bier gehalten. In England hielt man in Form der Ales und Stouts an der Obergärung fest.

Aus Amerika entwickelte sich in den letzten Jahren durch die Entstehung von zahlreichen neuen Kleinbrauereien ein Gegentrend zu dem Einheitsgeschmack der Großbrauereien. Auch in Deutschland und Bayern entwickeln sich derzeit neue Geschmackskreationen.

Unser naturtrübes Amber Spezial ist die fränkische Antwort auf diesen Trend. Wir verwenden auch hierfür ausschließlich einheimischen Hopfen aus den fränkischen Anbaugebieten.“

Darüber hinaus wird das Amber Spezial kaltgehopft, es wird also der Hopfen nicht nur im Sudprozess, sondern auch bei Gärung und Lagerung zugesetzt. Neben der Verwendung des regionalen Spalter und Hersbrucker Hopfen, baut Binkert sogar auf dem Brauereigelände seinen eigenen Hopfen an. Dieser wird dann zu einem Jahrgangssud zusammengebraut.

Neben dem deutschen/bayrischen verschreibt sich die Brauerei auch einem sogenannten fränkischen Reinheitsgebot. Dieses hat die Nachhaltigkeit des Brauens zum Ziel. So wird nicht nur auf regionale Produkte zurückgegriffen, sondern auch nur mit Ökostrom produziert und mit Holzpellets aus der regionalen Forstwirtschaft geheizt. Als zwei i-Tüpfelchen bietet die Brauerei außerdem regelmäßig ein Mitmachbrauen an und bezieht die Produktionsanlagen von der ältesten Brauereimaschinenfabrik der Welt: Kasper Schulz aus Bamberg mit einer Geschichte von über 335 Jahren.

Die aus dem Bamberger Landkreis stammende Brauerei schafft es immerhin schon auf 2.000 hl jährlichen Ausstoß. Und so bin ich sehr gespannt wie der mir vorliegende halbe Liter so schmeckt.

Steckbrief

44_Main Seidla Amber Spezial-Steckbrief

Bewertung

44_Main Seidla Amber Spezial

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die erste Kategorie fängt schon mal gut an. Das bisher schönste Flaschen- und Kronkorkendesign meiner kleinen aber feinen Auswahl. Lediglich mehr Informationen zum Bier wären wünschenswert gewesen

  • Aussehen

Auch hier mal etwas ganz anderes. Eine Mischung aus Orange, Bronze und Gold, die zumindest bei mir sehr gut ankommt. Auch die Schaumbildung und -haltbarkeit ist mehr als zufriedenstellend.

  • Geruch

Trotz der Kalthopfung treten hier zunächst (Röst-)Malze und Zitrusnoten in Erscheinung. Erst in dritter Instanz kommt dann doch ein klarer Hopfengeruch durch. Ein Geruch, der mich nicht vollends glücklich macht, aber durchaus mit einem besonderen Charakter überzeugt.

  • Geschmack

Nachdem ich nun fast das erste Glas leer habe verstetigt sich mein guter erster Eindruck. Röst-malzig und leicht bitter im Antrunk, könnte man das Amber Spezial als ein recht vollmundiges Bier bezeichnen. Dabei ist es etwas dumpf und wenig prickelnd, macht aber nie einen unfrischen Eindruck. Der Abgang gestaltet sich erwartungsgemäß herb und gleichzeitig etwas ölig und trocken.

  • Fazit

Gerade im untergärig und hell dominierten Deutschland kommen solche Biere zu Recht immer besser an. Auch wenn mich das Amber Spezial von Main Seidla nicht zu 100% überzeugen konnte und es auch kein Bier für den ganzen Abend ist, tut es gut mal wieder etwas mehr Vielfalt zu genießen. Top Bier + top Brauerei + top Philosophie = 14 Pkt. / 1. Und somit einen sicheren Platz in meinen persönlichen Reinheitsgebots-All-Stars.

44_Main Seidla Amber Spezial-Bewertung

Weiter Infos zur Brauhaus Binkert und den (anderen) Main-Seidla Bieren unter: http://www.mainseidla.de/home.html.

Prost!

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