45. 500 Jahre Reinheitsgebot – Bierverköstigung April

Schneider Weisse Tab 5 – Meine Hopfenweisse | Ayinger Jahrhundert Bier | Herrnbräu Tradition | Bolten Ur-Alt | Lausitzer Porter | Weißenoher Classic Export | Maisels & Friends Pale Ale | Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen | La Trappe Witte Trappist | Tripel Karmeliet

Anlässlich des Bierjubiläum-Monats stand vergangenen Montag ein ganz besonderes Thema zur Bierverköstigung in der Kierberger Eule an: 500 Jahre Reinheitsgebot. Besonders war aber vor allem auch, dass nicht nur Markus Weick durch den Abend führte, sondern auch ich die Gelegenheit hatte Biere zu präsentieren und zum Thema Reinheitsgebot zu referieren. Folgerichtig, wenn man sich das Bierjubiläum anschaut ;). Als Gast durfte ich außerdem Alex begrüßen, der den weiten Weg aus Osnabrück auf sich genommen hatte, um diesem historischen Ereignis beizuwohnen.

Bei den letzten Vorbereitungen der Präsentationsfolien, wärmten wir uns schon einmal mit einem Schneider Weisse Tab 5 – Meine Hopfenweisse auf. Ein wahrlich interessantes Bier. In Zusammenarbeit einer US-amerikanischen Craft-Beer-Brauerei wurde dieser Doppelbock entwickelt und zeichnet sich ganz besonders durch die Kalthopfung aus, welche dem Bier eine besondere Hopfennote verleihen, sodass man die mehr als 8% Alkohol gar nicht so sehr merkte. Die Kalthopfung (auch Hopfenstopfen genannt) wurde übrigens erst nachträglich in den vergangenen Jahren als Reinheitsgebots-konform zugelassen – womit wir auch schon gleich beim Thema wären.

Nach einer guten Schnitzel-Stärkung vom Wirt des Hauses ging es dann auch mit dem ersten offiziellen Bier los: Das Ayinger Jahrhundert Bier.

Ayinger Jahrhundert Bier

Der Name ist daher begründet, dass es in den 1970ern zum 100-jährigen Bestehen der Brauerei eingebraut wurde. Es muss derart erfolgreich gewesen sein, dass man es ins permanente Sortiment mit aufnahm. Das Besondere an diesem Bier ist der Bierstil des Export Hell. Halb Export, halb Hell vereint es eine recht hohe Würzigkeit mit einer gewissen Süffigkeit. Den Einstieg in das Thema Reinheitsgebot bot dabei das Etikett, welches das in Bayern übliche „gebraut nach dem bayrischen Reinheitsgebot“ trug.

Das war dann auch mein Einstieg mit der Präsentation des Herrnbräu Tradition. Ein Bier, welches nicht passender sein könnte für einen Abend wir diesen. Zum Einen kommt es aus der Geburtsstadt des heutigen Reinheitsgebots Ingolstadt, zum Anderen wird es anlässlich des Jahrestages des Bierjubiläums im April gebraut.

Herrnbräu Tradition

Geschmacklich konnte es mich auch überzeugen, ohne, dass eine besondere Klasse herausstach. Eine Flasche für zu Hause durfte ich mir dann sogar auch noch mitnehmen. Ich wüsste auch schon eine Gelegenheit, wann ich mir diese zu Gemüt führe…

Was folgte, war eine grundsätzliche Einführung in die Fragestellung: Was ist eigentlich genau das Reinheitsgebot und wie hat es sich in den vergangenen 500 Jahren entwickelt.

Reinheitsgebot - UrspungReinheitsgebot - Entwicklung

Insbesondere der Unterschied zwischen unter- und obergäriger Brauart sowie die historischen Hintergründe wurden dabei thematisiert. Dabei sei auch nochmals hervorzuheben, dass es sich beim Reinheitsgebot nicht nur um ein Verbraucherschutzgesetz handelte, sondern auch früher wie heute als Marketinginstrument zur Abgrenzung zu ausländischen Bieren herhält. Profitiert haben deshalb nicht nur die Biertrinker, sondern in erster Linie die Politik und Bierwirtschaft (früher Wittelsbacher – heute Braukonzerne).

Bevor es aber mit einer juristischen Vertiefung weiterging, durfte ich endlich das kölsche Land missionieren. Ohne selbst auf die Idee gekommen zu sein und auch ohne provozieren zu wollen, hatte ich die Ehre mit dem Bolten Ur-Alt das älteste Altbier der Welt unter die Leute zu bringen.

Bolten Ur-Alt

Das Alt wird übrigens tatsächlich deshalb so bezeichnet, da es einer der ältesten noch verbliebenen Bierstile Deutschlands ist. Auch wenn es natürlich unverbesserliche Kölsch-Liebhaber gab, kam das Bier zu Recht insgesamt sehr gut an.

Anknüpfend an die theoretischen Ausführungen zum Reinheitsgebot, ging ich dann auf die deutsche Gesetzgebung zum Bier ein.

Deutsche Bier Gesetzgebung

Dabei seien zwei geographische Besonderheiten herauszustellen, die darauf basieren, dass die Interpretation der Biergesetzte und -verordnungen bis heute Ländersache ist. Während in den südlichen Bundesländern weiterhin das strengste aller Reinheitsgebote gilt und Zucker dort grundsätzlich verboten ist, kann dieser und weitere Zutaten aus historischen Gründen bei speziell zugelassenen Bierstilen in der ehemaligen DDR verwendet werden (glücklicherweise sind jedoch nicht mehr alle damals jenseits des Eisernen Vorhangs zugelassenen Zutaten erlaubt). So ist es bis heute nicht gelungen für Gesamtdeutschland eine einheitliche juristische Norm zu finden, sodass im Einzelfall immer wieder Ausnahmeregelungen zum traditionellen Reinheitsgebot vor Gericht erstritten werden (müssen). Als interessanten Hintergrund erläuterte Markus, dass das Bewerben oder Vermarkten des heute recht beliebten Hausbrauens bis in die 1990ern in Deutschland verboten war. Untersagt war sowohl der Verkauf von Zutaten oder Hilfsmittel als auch die Inumlaufnahme von Anleitungen zum Hausbrauen.

Neben der Leipziger Gose ist eines der bekanntesten der besagten Ausnahmen das Lausitzer Porter.

Lausitzer Porter

Während bei anderen Bieren der zugesetzte Zucker kaum oder gar nicht herausschmeckbar ist (siehe 34.), ist dieser beim Lausitzer Porter leider derart dominant, dass es höchstens zum Dessert eine gute Figur machen würde.  Aber im Sinne der Biervielfalt sicher eine gute Idee.

Jenseits des Reinheitsgebotes stellte Markus, dann auch noch weitere Zutaten vor, die häufig (außerhalb des deutschen Biergesetztes) zur Bierherstellung verwendet werden:

Adjunct

Den Abschluss der offiziellen Verköstigung bot das Weißenoher Export Classic. Seines Zeichens ebenfalls ein Export Hell, womit der Kreis des Abends geschlossen wäre.

Weißenoher Export Classic

Das Besondere am Export Classic ist jedoch etwas Anderes. Als Bio-Bier definiert es die Maßstäbe von Reinheit ganz neu und öffnet somit die Perspektive eines ganz neuen Reinheitsgebotes. Geschmacklich konnte es zwar nicht mit den ersten drei Bieren mithalten (was aber auch an dem zuvor getrunkenen Porter liegen konnte), allerdings ist zu erwarten, dass der Markt von und für Bio-Biere auch in Zukunft weiter wachsen wird.

Zu Übersicht nochmals alle präsentierten Biere:

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Da ich selbst zu sehr mit der Präsentation beschäftigt war, an dieser Stelle die Hitliste von Alex:

  1. Bolten Ur-Alt
  2. Ayinger Jahrhundert Bier
  3. Herrnbräu Tradition
  4. Lausitzer Porter
  5. Weißenoher Classic Export

Es folgen Impressionen vom Abend:

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Im Anschluss an die große Verköstigung hatte ich dann noch die Gelegenheit mit Alex zwei weitere Biere aus dem reichhaltigen Sortiment der Eule zu probieren: Das Maisels & Friends Pale Ale und das Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen. Auch wenn ich beide bereits kannte, sind dies doch zwei sehr schöne Beispiele, wie groß die Biervielfalt selbst unter dem Reinheitsgebot sein kann.

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Als Absacker des Abends genehmigten wir beide uns dann noch zwei Biere aus meiner kleineren aber doch auch recht vielfältigen Bierauswahl:

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Während sich Alex das Witte Trapist von La Trappe einverleibte, hatte ich mit dem Tripel von Karmeliet vorliebgenommen. Zu diesem sei gesagt, dass es nicht nur vom Bierstil her ein Tripel ist, sondern auch mit Gersten-, Weizen- und Hafermalz gebraut wurde. Auch wenn ich die Verwendung von weiteren Getreidesorten wie Hafer, Reis, Mais oder Hirse ausdrücklich befürworte und hoffe, dass es hiervon zukünftig mehr auf dem Markt gibt, konnte das Karmeliet leider nicht sehr überzeugen, da es zu viel Malzsüße besaß. Das Trappist hingegen war für ein belgisches Bier außerordentlich bekömmlich.

Wie wichtig das Thema Reinheitsgebot auch medial wahrgenommen wird, zeigt das folgende Beispiel, dass Alex auf der Rückreise aus Brühl nach Osnabrück im Zug gefunden hat:

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Ein Glück, dass ich meinen Bart vor dem Abend noch gestutzt hatte… 😉

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

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