Archiv für den Monat: Juni 2016

73. Liebharts Bio Dunkel Landbier

Zum Abschluss der Mini-Dunkel-Reihe wird es höchst ökologisch. Dabei darf sich das dunkle Landbier von Liebhart als erstes rezensierte Bio-Bier einreihen. Die Privatbrauerei aus Detmold stellt daneben aber noch viele weitere Bio-Biere her. Zum Beispiel auch ein Pale Ale und ein Whiskey-Bier. Besonders interessant ist meiner Meinung nach aber ein anderes Bier aus der 2003 gegründeten Kleinbrauerei. Ein dunkles Reisbier (als weltweit erstes) wird neben zwei weiteren Bieren als glutenfreie Alternative angeboten. Das hätte ich natürlich auch gerne vorgestellt, aber diesmal begnüge ich mich mal mit dem dunklen Landbier. Ein…

„Landbier in seiner ursprünglichen Art: kräftig, süffig, würzig und geprägt durch dunkle Spezialmalze. Eine milde Hopfennote rundet das einmalige Geschmackserlebnis perfekt ab.“

Dann schaun ma also ma…

Steckbrief

73_Liebhart Bio Dunkel-Steckbrief

Bewertung

73_Liebhart Bio Dunkel

  • Flaschendesign + Kronkorken

Nicht nur aufgrund des fehlenden Kronkorkens kaum überzeugend. Insgesamt auch einfach zu unruhig und verspielt.

  • Aussehen

Von den drei Dunklen noch das roteste. Dazu noch etwas Bernstein und Kastanie. Im 3er-Vergleich noch mit der besten Schaumbildung.

  • Geruch

Hier ist zwar auch die Röstmalznote dominant. Dafür kommt aber auch ein klarer recht holziger Feldgeruch herüber, der einem ein wenig in die Produktion zurückversetzt.

  • Geschmack

Im Vergleich schmeckbar süßer und süffiger als die anderen beiden Kandidaten. Ebenso auch hier kaum Spritzigkeit und Abgang vorhanden.

  • Fazit

Mit einer ganz anderen Definition von Reinheit ist das Bio-Siegel selbstverständlich eine besondere Qualitätsbezeichnung. Und irgendwie habe ich auch das Gefühl diese Qualität zu schmecken. Auch wenn ich als persönliches Fazit sagen muss, dass Dunkle Biere nicht zu meinen Lieblingsbieren gehören, möchte ich die Herangehensweise und Arbeit der kleinen Privatbrauerei mit satten 12 Pkt. (2+) würdigen.

73_Liebhart Bio Dunkel-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.residenz-biere.de/de/bio-biere/bio-biere.html.

Prost!

72. Klosterbier Scheyern Export Dunkel

In der kleinen aber feinen Dunkelbier-Reihe wird heute wieder tief in die Geschichte eingetaucht. Denn bei der Klosterbrauerei Scheyern, handelt es sich um die drittälteste Brauerei Deutschlands. Bereits seit 1119 brauen hier Benediktiner-Mönche den leckeren Gerstensaft.

Das Kloster Scheyern, welches auf dem ehemaligen Stammsitz der Wittelsbacher errichtet ist, kann aber auch in der jüngeren Vergangenheit mit historischem aufwarten. Denn seit der Amtszeit von Papst em. Benedikt XVI. – welcher viele Male in das Benediktiner-Kloster einkehrte – ziert sein Papstwappen den Eingang zur Kirche. Diese wurde bereits 1980 von ebenselbigem zur päpstlichen Basilika erhoben.

Dank eines jungen Braumeisters wird seit 2006 wieder verstärkt in die Brauerei investiert. Seither wird auf regenerative Energien umgestellt und altbewährtes mit modernem kombiniert. Das Dunkel selbst wird jedoch (wahrscheinlich aufgrund der hohen Nachfrage) bei Tucher hergestellt.

Aber:

„Nunc est bibendum“

Steckbrief

72_Klosterbier Scheyern Dunkel-Steckbrief

Bewertung

72_Klosterbier Scheyern Dunkel

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ein Flaschendesign, fast so wie ich es mir wünsche: Endlich mal ein Etikett, was authentisch historisch und stilvoll daherkommt. Leider fehlen wie so oft ein paar mehr Infos zum Bier. Aber ansonsten wirklich sehr vorbildlich

  • Aussehen

Wie zu sehen, eine Bronze-Bernstein-Kastanien-Farbe, wie ich es bezeichnen würde. Leicht trüb und mit einer ausnahmsweise guten Schaumbildung.

  • Geruch

Ähnlich wie beim Augustiner sehr röstmalzaromatisch, aber mit einer ganz leicht fruchtigen Note zu Beginn.

  • Geschmack

Wie versprochen tatsächlich leicht herb. Dazu recht würzig leicht bitter und natürlich wenig hopfig, und sehr röstmalzaromatisch.

  • Fazit

In fast allen Punkten besser als das Augustiner, rutscht das Dunkel aus dem Kloster Scheyern gerade so in den sehr guten Bereich. Besonders überzeugend ist neben der Bierqualität die authentische Historie. Deshalb: 13 Pkt. (1-).

72_Klosterbier Scheyern Dunkel-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.klosterbrauerei-scheyern.de/unsere-biere/klosterbier-dunkel.html.

Weitere Infos zum Kloster unter: http://www.kloster-scheyern.de/willkommen.html.

Prost!

71. Augustiner Dunkel

Am heutigen Abend beginnt – als Gegenprogramm zu den vielen Hellen zuletzt – eine kleine Reihe an dunklen Bieren. Den Beginn macht das Dunkle aus dem Hause Augustiner. Von diesem Brauhaus eigentlich nur sehr gute Bierqualität gewohnt sind natürlich meine Erwartungen aber auch meine Vorfreude entsprechend groß.

Steckbrief

71_Augustiner Dunkel-Steckbrief

Bewertung

71_Augustiner Dunkel

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch wenn Augustiner grundsätzlich durchaus erfolgreich versucht urtümlich zu wirken, ist es irgendwie beim Dunkel etwas misslungen. Die Abbildung von alten Mönchen mag man, oder eben nicht. Aber insgesamt wirkt es schon sehr retro und ausgewogen. Dafür ist natürlich der Kronkorken prädestiniert für das Bierjubiläum, verweist er doch auf das Münchener Reinheitsgebot von 1487.

  • Aussehen

Eine recht schöne dunkle Kastanienfarbe mit Einschlag von rotem Bernstein. Eben mal was Anderes. Leider aber auch hier, mäßige Schaumbildung.

  • Geruch

Hier dominiert das Röstmalzaroma deutlich. Ein Hopfen- oder Fruchtgeruch ist kaum bis gar nicht wahrnehmbar.

  • Geschmack

Vielleicht liegt es an der Temperatur oder an meinen falschen Erwartungen, aber von einem Dunkel hätte ich mir irgendwie mehr Tiefgang, mehr Körper und mehr Vollmundigkeit erwartet. Vielmehr begegnet mir ein klarer, leicht bitterer aber immer noch röstmalziger Geschmack mit weiterhin wenigen Hopfennoten. Dumpf in der Spritzigkeit und leicht herb im Abgang komplettiert den Geschmackseindruck.

  • Fazit

Auch wenn man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen darf, erscheint mir das Dunkle von Augustiner im Vergleich zum Hellen nicht derart hochqualitativ spitzengruppenfähig. Nichtsdestotrotz ein sehr angenehmes Bier, was keinen schlechten Eindruck hinterlässt. Deshalb alles in allem runde 11 Pkt. (2).

71_Augustiner Dunkel-Bewertung

Weitere Infos unter: http://www.augustiner-braeu.de/unser-bier.html#.

Prost!

Blogbier, die V.

Hier einige Impressionen vom vorletzten verlängerten Wochenendausflug in den Landkreis Kassel:

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Vielen lieben Dank auch auf diesem Wege nochmals an die tollen Gastgeber!

Biermix-Cocktail

Ja, auch das ist Teil der (deutschen) Bierkultur. Und als stolzer Besitzer der wohl größten Hausbar Brühls natürlich auch wichtiger Teil meines Repertoires.

Hier ein Bespiel – der WeiBa Deluxe: Hefeweizen , Bananensaft, Limettensaft und 43er. Das Weißbier kam diesmal aus der (offiziell) ältesten Brauerei Deutschlands, der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan von 1040.

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Ein Hoch auf die Biermixcocktails! Prost!

70. Kaiser Heinrich Urstoff

Zum Abschluss der hellen Reihe gibt es noch einmal etwas für die Geschichtsbücher. Denn wie der Titel schon erahnen lässt, ist das heutige Bier zu Ehren Kaiser Heinrichs (II.) gebraut. Der bayrische Herzog regierte im 11. Jahrhundert das Heilige Römische Reich und gründete 1007 das Bistum Bamberg. Fünf Jahre später stifteten sie auch den Bamberger Dom. 1000 Jahre später möchte die Brauerei Göller der alten Freyung aus dem Landkreis Bamberg (ca. 55.000 hl/anno) mit dem Urstoff an dieses Ereignis erinnern. Seien wir also gespannt, ob es sich auch in das Bierjubiläum-Geschichtsbuch als außerordentliches Bier einreiht.

Steckbrief

70_Kaiser Heinrich Urstoff-Steckbrief

Bewertung

70_Kaiser Heinrich Urstoff

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wenn ich nur die Vorderseite betrachten und bewerten möge – eine glatte 1+. Das allgemein authentisch historische Äußere wird von dem Brauerei Siegel zur alten Freyung komplettiert, das Kaiser Heinrich und seine Frau mit dem Bamberger Dom zeigt. Leider fehlt es auf der Rückseite an der ein oder anderen Information. Außerdem hätte der Kronkorken individuell sein können (bspw. mit dem Brauerei-Siegel).

  • Aussehen

Für ein Helles sogar recht dunkel. Aber mit ordentlicher Schaumbildung.

  • Geruch

Der Geruch ist wirklich sehr gut. Die Kombination aus leichten Röstmalzen und Zitrus-Hopfen erinnert irgendwie an Getreide, das in alten Kellergewölben lagert.

  • Geschmack

Auch hier gibt es im Grund nicht viel auszusetzen. Die versprochene milde Würze kann ich bestätigen. Gepaart ist diese mit einer süßen und leicht rauchigen Malznote. Die angenehme Resenz endet in einem für ein Helles überdurchschnittlich herben Abgang.

  • Fazit

Ohne eine wirklich valide Typenbezeichnung herausgefunden zu haben, würde ich das Kaiser Heinrich Urstoff zwischen einem Hellen und einem Export ansiedeln. Von beiden Bierstilen nimmt es die charakteristischen Seiten mit. Würzig, wie ein Export, süffig wie ein Helles. Leider insgesamt aber einen Hauch zu unrund – deshalb auch in der Gesamtnote keine Bestwertung. Mit 13 Pkt. (1-) aber eines der besten Biere in meinem Jubiläumsjahr.

70_Kaiser Heinrich Urstoff-Bewertung

Weitere Infos unter: http://www.brauerei-goeller.de/aktuelles/2148.Neu_bei_Goeller_Kaiser_Heinrich_Urstoff.html.

Prost!

69. Chiemseer Hell

Nach dem gestrigen Sternla geht es heute mit einem noch kontroverseren Bier weiter. Denn das Chiemseer Hell aus Rosenheim ist vor Kurzem sogar beim Oberlandesgericht in München gelandet. Hintergrund ist eine Klage der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, da sich Rosenheim bekanntermaßen nicht ganz direkt am Chiemsee befindet. Das Gericht stufte dabei tatsächlich den Markennamen als unzulässig ein. Die Produzenten des Bieres die Chiemgauer Brauhaus GmbH (Tochter der Auerbräu GmbH und somit Teil der Paulaner Gruppe) wollen zwar noch in die nächste Instanz gehen, aktuell gehe ich aber mal davon aus, dass ich heute ein Auslaufmodell testen werde.

Steckbrief

69_Chiemseer Hell-Steckbrief

Bewertung

69_Chiemseer Hell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch wenn sich die Designer sicher viel Mühe gegeben haben mögen, bin ich einfach kein Fan solcher Malereidarstellungen. Auch beim Kronkorken hätte man sich etwas mehr Mühe geben können. Neben fehlenden Infos ist der restliche Eindruck aber ok.

  • Aussehen

Hellgold, klar und mit einer recht guten Schaumbildung reiht sich das Bier in die Hell-Reihe ein.

  • Geruch

Hier ist erst einmal von einem Hellen nicht viel zu merken, denn der Hopfen dominiert den Geruch deutlich. Auch wenn es ein wenig unpassend ist, ist es nicht unangenehm.

  • Geschmack

Insgesamt schmeckt das Bier sehr weich und süffig – fast schon zu geschmacklos. Von der Hopfennote im Geruch ist nicht mehr viel übrig geblieben, vielmehr ist es leicht malzaromatisch. Die geringe Spritzigkeit wird dabei von einem leicht herben Abgang begleitet.

  • Fazit

Ungeachtet des wohl unrechtmäßigen Markennamens (denn dieses Phänomen ist wohl wahrlich kein Einzelfall), ist das Chiemseer eines der besseren Hellen. Grundsätzlich ganz lecker, leider aber mit zu wenig Charakter. Trotzdem einen Hauch besser als das gestrige Sternla, deshalb 11 Pkt. (2).

69_Chiemseer Hell-Bewertung

Die Pressemeldung zum Urteil: http://www.sueddeutsche.de/bayern/urteil-das-chiemseer-bier-darf-nicht-mehr-so-heissen-1.2912699.

Prost!

68. Sternla Helles

Weiter geht es in der hellen Bier-Reihe: Heute: Das „Original“ Sternla Hell.

Nach der üblichen Internetrecherche zum Bier wurde ich erst bei Zweit- oder Drittquellen fündig. Entgegen der äußeren Erscheinung, ist das Sternla ein relativ neues Bier von der gleichnamigen Würzburger GmbH. Diese ist eine 100%ige Tochter der Würzburger Hofbräu GmbH, welche wiederum zu 100% der Kulmbacher Brauerei AG gehört. Und dort wird auch das Bier hergestellt. Der Name leitet sich vom Wappen der des alten Würzburger Hofbräu ab („Genießen unter einem guten Stern“). Auszeichnen soll das Bier vor allem seine besondere Milde. Alleine die Erkenntnisse aus dem weltweiten Netz lassen jedoch auch gewisse Widersprüche schließen. So gibt es bereits ein Sternla-Bier aus Bamberg, weshalb hier eigentlich schwerlich vom Original die Rede sein kann. Außerdem wird sich mal wieder der klassische Charakterisierungs-Fauxpas geleistet:

„Es begeistert durch seinen milden und dennoch vollmundigen Geschmack.“

Nichtsdestotrotz hat jeder seine Chance verdient und so will ich mal ran ans Werk.

Steckbrief

68_Sternla Helles-Steckbrief

Bewertung

68_Sternla Helles

  • Flaschendesign + Kronkorken

Rein vom äußeren Erscheinungsbild zu urteilen, kommt das Sternla schon mal sehr gut weg. Im Prinzip wurde hier relativ viel richtig gemacht: Flaschenform, wenig Schnick-Schnack, viel Retro und eine gute Farbenwahl. Allerdings ist dies natürlich vor dem Hintergrund der fehlenden Historie des Bieres leicht kritisch zu betrachten.

  • Aussehen

Wie oben ersichtlich doch eine recht gute Schaumbildung. Ansonsten üblich hell.

  • Geruch

Entgegen der Annahme hier nur auf Malznoten zu treffen, kann ich den Hopfen auch klar herausriechen. Auch eine gewisse Frische ist spürbar.

  • Geschmack

Hier wird es dann doch sehr deutlich: Das Bier ist schon sehr mild. Auch im Vergleich zu anderen Hellen ist es sehr karamellsüß. Eine Bitterkeit kann man so gut wie nicht herausschmecken. Eine ganz leichte herbe Note macht sich höchstens im Abgang breit, welcher aber auch eher süßlich und ein klein wenig ölig ist. Überrascht bin ich über die Tatsache, dass bei aller Süffigkeit, die das Bier mitbringt, tatsächlich auch noch ein relativ großer Körper vorhanden ist, welcher aber auch von einer dumpfen Resenz begünstigt wird.

  • Fazit

Sicherlich ist es schade mit dem Sternla kein authentisch historisches Bier vor mir zu haben – wo mich doch tatsächlich das Äußere zum Kauf hinleiten hat lassen. Auch der Umgang mit Biermarken und deren Auftreten ist zu kritisieren. Das Bier an sich jedoch ist sicher kein schlechtes. Nicht überragend aber durchaus solide, erhält es deshalb heute 10 Pkt. (2-).

68_Sternla Helles-Bewertung

Für weitere Infos zum Bier siehe http://www.sternlaschmeckt.de/schmeckt.html.

Prost!

67. Englische Bierstile – Bierverköstigung Juni

Manns Brown Ale | Hobsons Manor Ale | Orkey IPA | Black Wych Porter | Brugse Zot | Sierra Nevada Bigfoot Ale | Timmermans Faro Tradition | Duchesse de Bourgogne  | Oude Geuze Boon | Rodenbach | Hans Müller – Black Nizza | Saison Dupont

Nachdem ich krankheitsbedingt bei der letzten Verköstigung nicht teilnehmen konnte, war die Freude diesmal noch einmal größer. Zudem war Nils als Gast aus Osnabrück angereist, der die Eule auch mal kennen lernen wollte. Um die Mai-Verköstigung trotzdem noch ein wenig mitzunehmen, „genieße“ ich beim Schreiben dieser Zeilen das Kriek Lambic von Lindemans*, welches dort u.a. thematisiert wurde.

Ein weiteres Bier der Verköstigung der Maiböcke und Frühlingsbiere – das Helle von Augustiner – gab es als Einstimmung in den Abend der englischen Bierstile. Dabei ging es in der Hauptsache um die obergärigen Ales, obwohl bzw. gerade weil diese inzwischen nur noch eine geringen Anteil des englischen Biermarktes ausmachen, aber historisch DAS Bier der Insel ist. Dies konstatierte bereits schon William Shakespeare in „A Winter´s Tale“:

„For a quart of ale is a dish for a king“

Denn während um 1900 das Ale noch fast den ganzen Biermarkt Englands beherrschte, erfolgte im Verlaufe des letzten Jahrhunderts der Siegeszug der untergärigen Lager, die inzwischen etwa 75% des Marktes ausmachen. Gerade deshalb war es so interessant gerade die vielfältigen Ale-Stile zu beleuchten.

Biermarkt

Ebenfalls thematisiert wurde die „Campaign for Real Ale„. Diese setzt sich für die traditionelle, aber unter dem Druck größerer Brauereien und veränderten Zielgruppen fast verschwundene Nachgärung des Ales im Fass des Pub-Besitzers ein.

Zudem gab es auch interessantes quantitatives Hintergrundmaterial. So gibt es beispielsweise im Vereinigten Königreich europaweit die meisten Brauereien pro Kopf. Dies ist u.a. auch dem Umstand geschuldet, dass noch ca. 50% des englischen Bieres in den Pubs getrunken wird. In Deutschland dagegen ist der Konsum von Flaschenbieren bereits bei über 80 Prozent angekommen.

Bierkonsum

Folgende Biere wurde dann im Rahmen der Verköstigung probiert:

Brown AleIMG_20160606_201250

Wissentlich mein erstes Brown Ale, welches mich echt überrascht hat. Denn es war wirklich angenehm spritzig und hat etwas nach Cola und Malzbier geschmeckt, obwohl sogar nach Reinheitsgebot gebraut.

BitterIMG_20160606_203428

Bitter-süß und trocken-nussig, war es zunächst schwierig in dieses Bier reinzukommen, wurde es aber nach jeden Schluck besser.

IPAIMG_20160606_211237

Neben meinem ersten Mal des englischen IPAs war hier natürlich die geographische Lage der Brauerei die große Besonderheit. Auf den Orkney-Inseln gelegen, ist es wohl die nördlichste Brauerei aus UK.

PorterIMG_20160606_212924

Das englische Porter als Bruder des eher irischen Stouts, schloss die offizielle Verköstigung. Dabei gab es dann noch tiefergehende Informationen zur Welt der unterschiedlichen Stout- und Portervarianten und deren Verhältnis zueinander.

Porter-Stout

Summa summarum gab es folgende Gesamtbewertung:

Bewertungsbon

Im Nachgang dazu haben wir uns dann noch ein wenig durch die inzwischen über 100 Biere umfassende große Bierkarte der Eule probiert. Dabei standen vor allem beglische Biere im Fokus:

  • Brugse Zot
    Blondes belgisches Ale
    obergärig, 6%, Zuckerzusatz

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  • Sierra Nevada Bigfoot Ale
    Barley Wine aus den USA – ein Bierstil, der aufgrund der eingestellten Weinexports aus Frankreich nach England in Folge des 100-jährigen Krieges, in England entwickelt wurde
    obergärig, 9,5%, sehr hopfenlastig und ölig

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  • Timmermans Faro Tradition
    belgisches Faro
    obergärig, 4%, Zusatz von Apfelsaft während des Brauprozesses
    mein erstes Bier mit einem richtigen Kork-Korken

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  • Duchesse de Bourgogne
    Belgisches Oud Bruin
    ohne Zusatz dessen, einer enormer Geschmack nach Aceto Balsamico

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  • Oude Geuze Boon
    Uode Geuze aus Belgien
    obergärig, 7%, Weizenrohfruchtverwendung, unfiltriert und nicht pasteurisiert
    Jahrgang 2013/14

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  • Rodenbach
    Flämisches Rotbier aus Frankfurt/Main
    untergärig, 5,2%, Verwendung von Mais und Fructose

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  • Hans Müller – Black Nizza
    Imperial Stout aus Aschaffenburg
    obergärig, 9%, Verwendung von Roggenmalz

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  • Saison Dupont
    belgisches Saison-Bier
    obergärig, 6,5%, Nachgärung in der Flasche

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*obergärig, 3,5%, Zusatz von Aromen, Antioxidationsmittel und Süßstoff. Reiner Kirschsaft wird 3 Tage zusammen mit dem Lambic Bier fermentiert und macerisiert, bevor der Gärungsprozess durch Pasteurisieren gestoppt wird.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

Blogbier, die IV.

Hier einige Impressionen vom belgischen Bierabend im Brühler Seasons – unweit des UNESCO Weltkulturerbes Schloss Augustusburg:

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PS: Bemerkenswert, dass es zu jedem Bier auch das passende Glas gab 😉

66. Schwaben Bräu-Das Helle

Das zweite Helle in Reihe führt uns ins Schwabenland. Genauer gesagt in den Stuttgarter Stadtteil Vaihingen. Dort wird seit mindestens 1878 Bier gebraut. Damals war Vaihingen noch eigenständig und das Schwaben-Bräu hieß noch Bier-Brauerei Robert Leicht. Seitdem hat sich einiges getan. Während die ersten Jahrzehnte des Unternehmens recht entspannt dahin gingen, waren die letzten 20 Jahre von einigen Umbrüchen geprägt. Erst schloss man sich 1996 mit der Dinkelacker Brauerei zur Dinkelacker-Schwaben Bräu AG zusammen. 2003 erfolgte dann die Übernahme des Bier-Riesen InBev, da sich die Brauerei inzwischen in den Händen von Spaten-Franziskaner Bräu befand. Interessanterweise konnte man sich aber wieder aus den Fängen der Biergroßmacht befreien und wurde 2007 wieder eigenständig, indem Wolfgang Dinkelacker das Unternehmen aus dem InBev-Konzern herauskaufte. Heute stellt die Dinkelacker-Schwaben Bräu Biergemeinschaft eines von drei Brauereifestzelte auf der Canstatter Wasn, dem zweitgrößten Volksfest Deutschlands. Übrigens war Schwaben Bräu mit 1897 die erste Brauerei, die ihr Bier in LKW vertrieb.

Ob das Bier auch ein derartiges Hin-und-Her bietet werde ich gleich rausfinden. Die Beschreibung lässt schon mal Paradoxes vermuten:

„Darauf haben Bierliebhaber in unserer Region gewartet: ein süffig-vollmundiges Bier von ansprechender hellgoldener Farbe…“

Steckbrief

66_Schwaben Bräu-Das Helle-Steckbrief

Bewertung

66_Schwaben Bräu-Das Helle

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch hier kann es aufgrund der Bügelflasche natürlich keine Bestwertung geben. Auch der Schriftzug“süffig vollmundig“ gibt durch sein inneres Paradoxon Abzüge. Ansonsten aber eigentlich eine recht ansehnliche, wenn auch verspielte Flasche.

  • Aussehen

Für ein Helles schon recht hell und klar. Und auch hier eine leider etwas enttäuschende Schaumbildung.

  • Geruch

Klar sticht der malzige Geruch hervor. Allerdings macht mich eine merkwürdige Hopfennote stutzig, die prinzipiell nach Zitrusfrüchten riechen soll, allerdings eher dem Geruch von Spüli nah kommt.

  • Geschmack

Zum Glück setzt sich das nicht beim Geschmack fort. Dieser ist trocken malzig, recht  süffig, leicht würzig und ein wenig gehopft. Bei einem angenehmen Prickelfaktor bleibt eine ganz leicht herbe Note im Abgang erhalten.

  • Fazit

Auch wenn Das Helle im Geschmack eigentlich überzeugen kann, gibt es bei Geruch und Präsentation Abzüge, die keine gute Bewertung mehr zulassen. Insbesondere das süffig vollmunidge Missverständnis zeugt nicht gerade von Professionalität. Trotzdem sollten die 9 Pkt. (3+) durchaus akzeptabel sein.

66_Schwaben Bräu-Das Helle-Bewertung

Für weitere Infos zum Bier siehe https://www.schwabenbraeu.de/sortiment/.

Prost!

65. Allgäuer Büble-Bier Bayrisch Hell

Nach unserem Ostsee-Urlaub geht es an dieser Stelle weiter mit einer kleinen aber feinen Reihe heller Biere aus Süddeutschland.

Auf vielfachem Wunsch aus der Leserschaft beginne ich mit dem Hellen aus dem Allgäuer Brauhaus in Kempten. Während der Urspung des Brauereikonzerns zwar bis ins Jahr 1394 zurück reichen soll, beginnt die jüngere Geschichte mit der Gründung des Unternehmens aus den drei bis dato eigenständigen Brauereien der Aktienbrauerei Kempten, des Bürgerlichen Brauhauses und der Grünbaumbrauerei. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden schließlich alle verbliebenen Brauereien Kemptens aufgekauft. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Konzentrationsprozess mit der Fusion etlicher weiterer regionaler Brauereien fortgesetzt. Das nun zentralisierte Brauunternehmen gehört seit 2003 zu 90% zur Radeberger Gruppe. Neben dem Büble-Bier produziert das Unternehmen u.a auch die Marken Altenmünster, Teutsch und Fürstabt.

Das Büble-Bier soll in den 1950ern entstanden sein. Die genaue Entstehungsgeschichte wird dabei nicht überliefert. Der Name leitet sich davon ab, dass zu dieser Zeit die Flaschenabfüllung noch nicht üblich war, sodass oftmals die Kinder zum Bierholen geschickt wurden. Diese nahmen dann kleinere Fässer mit nach Hause, wo das Bier gezapft werden konnte.

Da ich bereits mit den Weißbier und Export vom Allgäuer Brauhaus das Vergnügen hatte, bin ich frohen Mutes auch hier auf ein hochwertiges Bier zu treffen – auch trotz der sehr industrialisierten Produktion…

Steckbrief

65_Allgäuer Büble-Bier Bayrisch Hell-Steckbrief

Bewertung

65_Allgäuer Büble-Bier Bayrisch Hell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wie jede Bügelflasche, hat auch diese es schwer bei mir. Da ich nunmal auf Kronkorken stehe wird es hier keine Top-Bewertung geben. Ansonsten wurde hier relativ viel richtig gemacht. Auch wenn es wie so oft auch hier an einigen hilfreichen Informationen fehlt.

  • Aussehen

„Allgäuer Büble Bayrisch Hell verfügt über einen goldhellen Glanz. Seine sehr reine, leuchtende Klarheit umspielt ein dezent moussierendes Perlenspiel als Zeichen besonderer Spritzigkeit. Eine kompakte, schön gleichmäßige Schaumkrone rundet Allgäuer Büble Bayrisch Hell ab.“

… lautet die hausinterne Vorgabe. Die angepriesene Schaumkrone kann ich leider nicht bestätigen, sonst ist das äußere Erscheinungsbild einem Hellen würdig.

  • Geruch

Auch hier wie für eine Helles üblich der deutliche Malzeinschlag. Neben der Süße ist aber auch eine schöne Getreidenote zu riechen.

  • Geschmack

„Im Antrunk entwickelt sich zunächst eine angenehm weiche Hopfenbittere, gefolgt von einem bekömmlichen, fein prickelnden und zugleich sehr schlanken, milden Körper. Perfekte Harmonie im belebenden Ausklang zeichnet Allgäuer Büble Bayrisch Hell nachhaltig aus.“

In der Tat ist das helle Büble für ein solches recht würzig und hopfenbetont. Das beeinflusst zum Glück nicht die allgemeine Süffigkeit. Auch den milden Körper kann ich grundsätzlich bestätigen. Besonders die hohe Spritzigkeit gefällt mir. Leider ist es im Abgang recht blass.

  • Fazit

Ohne eigentlich zu kritisch wirken zu wollen, muss ich dem Bayrisch Hell einige Punkte Abzug geben. Als Bier selbst ist relativ wenig einzuwenden, sieht man von der doch leicht schmeckbaren Industrienote ab. Allerdings ist es mir für ein Helles zu würzig und wenig ausbalanciert. Will man jedoch genau dieses haben, da man weder mit Pils oder Export noch mit dem Hellen etwas anfangen kann, dann ist es wärmstens zu empfehlen. Für mich und für heute gibt aber „nur“ 10 Pkt. (2).

65_Allgäuer Büble-Bier Bayrisch Hell-Bewertung

Für weitere Infos zum Bier siehe http://www.allgaeuer-brauhaus.de/bueble-bier/?beer=bayrisch-hell.

Prost!

Urlaub am Weißenhäuser Strand

Hier einige bierige Impressionen von unserem Urlaub an der Ostsee:

  • Lück Pils (4,8%):
    – gegründet 1865 in Lübeck von Jürgen Heinrich Lück, der als einer der ersten im Norden untergärig brauen lies
    – Verkauf des Familienunternehmens 1979 an die Bavaria-Brauerei in Hamburg, welche 1989 die Produktion des Bieres einstellte
    – Vor einigen Jahren Wiederauferstehung in Schillsdorf durch die ehemaligen Besitzer und Braumeister
    http://www.lueck-pils.de/unser_bier.html

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  • Dithmarscher Pilsener (11.6 °P / 4,8%) & Urtyp (11.4 °P / 4,9%):
    – aus der einzigen Privatbrauerei an der Westküste Schleswig-Holsteins Dithmarschen in Marne- mit einer sehr interessanten und leckeren Getreidenote
    http://www.dithmarscher.de/ueber-uns/produkte.html

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  • Holsten Edel (11.2 °P / 4,9%):
    – aus der inzwischen nicht mehr existenten Holsten Brauerei in Hamburg-Altona
    – Gründung der Brauerei 1879 – Einführung des Edel 1913
    – Übernahme des Unternehmens 2004 durch die Carlsberg-Gruppe, welche dieses 2014 auflöste (fortan Braubetrieb für Carlsberg direkt)
    https://www.holsten-pilsener.de/biere.html

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  • Fietsche Fischer´s Hafenbier dunkel (4,8%):
    – gebraut von der Lück Brauerei für die Travemünder Marke Fietsche Fischer
    – neben dem Bier werden auch diverse weitere Produkte – wie Liköre, Schnäppse aber auch Fisch und Souvenirs – vertrieben
    http://fietschefischers.de/

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  • Kieler Bier (12°P / 4,8%) & Kieler Pils (4,8%):
    – Naturtrübe Biere aus der letzten Brauerei der Kieler Altstadt
    – erst 1988 gegründet, wollte man die Braukunst wieder in Kiel ansiedeln
    – besonders spannend ist der Einblick in die Brauräume, welche aus dem Gastraum einsehbar sind, und die Geruchsproben von Malz und Hopfen
    – neben vielerlei Informationen rund um das Bier und den Brauprozess ist auch die Reinheitsgebotsurkunde ausgehängt
    – zusätzlich gab es noch das aktuelle Saisonbier: ein Maibock
    http://www.kieler-brauerei.de/

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  • Pionier glutenfrei Pilsener (4,5%):
    – nach eigenen Angaben das erste glutenfreie Pils, das dank einer neu entwickelten Braugerste nach Reinheitsgebot gebraut ist
    – der Rohstoff soll dabei gentechnikfrei sein und in Australien entwickelt worden sein
    http://www.pionier-glutenfrei.de/#

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  • Oldenburger Schaumkrönchen (5,1%):
    – gebraut mit Holsteiner Gerstenmalz, aber produziert und abgefüllt im bayrischen Aldersbach
    – präsentiert in stylischen Holzkästen

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  • Ratsherrn Pilsener (11.3°P / 4,9%) & Backyard Beach Summer Ale (11.3°P / 4,5%):
    – aus der 2012 gegründeten Craft-Bier-Brauerei im Hamburger Schanzenviertel
    – neben 6 Stammbieren gibt es noch unzählige weitere saisonale sowie limitierte Biere
    http://ratsherrn.de/de/

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  • Sternburg Export (11.9°P / 5,2%):
    – aus der heutigen Leipziger Brauerei Sternburg
    – gegründet von Maximilian Speck als Freiherrlich von Sternburg’sche Brauerei im Leipziger Vorort Lützschena, welcher durch seine „Bierverdienste“ vom bayrischen König in den Freiherrnstand erhoben wurde
    – zu DDR-Zeiten wurde ein German Pils gebraut, welches in den Ostblock exportiert und für das Militär gebraut wurde
    – nach der Wende mussten die ehemaligen Brauanlagen aufgegeben werden und der Betrieb nach Leipzig selbst verlegt werden
    – heute gehört es zur Radeberger-Gruppe
    http://www.sternburg-bier.de/sternburg-bier/sortiment/export/

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Nicht probiert aber gesehen habe ich folgende zwei Brauereien:

http://www.brauberger.de/cms/ (Altes Lübecker Brauhaus)

http://lillebraeu.de/ (einzige Kieler Craft-Bier-Brauerei)

 

Bierige Grüße also aus dem deutschen Norden 🙂