Archiv für den Monat: Juli 2016

Blogbier, die VII.

Anlässlich eines 1. Geburtstags waren wir wieder mal in Herzebrock-Clarholz. Folgende beide Biere standen dabei auf meiner Agenda:

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Bierfacts:

  • Litovel Premium & Premium Dark:
    – helles Lager (5%) und Schwarzbier (4,8)
    – beide mit Zucker bzw. Glukose-Fructose-Sirup versetzt- wie so soft auch hier aus einer ehemals deutschen Brauerei im tschechischen Littau (Gründung 1770)

82. Edelhopfen EXTRA

Meine Bierwoche endet mit einem ebenfalls „besonderen“ Bier. Denn schließlich ist das Edelhopfen Extra das erste kalorienreduzierte Bier des Bierjubiläums. Aus dem Hause Maisel ist es laut eigenen Angaben der Marktführer in diesem Segment. Das Edelhopfen unterscheidet sich zentral vom „normalen“ Pils durch folgende Merkmale:

  • 75% weniger verwertbare Kohlenhydrate
  • 30% weniger Kalorien
  • 12% weniger Alkohol

Im Vergleich zu anderen kalorienreduzierten Biervarianten hält sich hier also die Alkoholreduktion in Grenzen. Die Kalorienreduktion wird in erster Linie durch eine deutlich höhere Vergärung erreicht.

„Nicht umsonst ist es das meistgetrunkene energiereduzierte Pilsener Deutschlands. Dieser niedrige Kohlenhydratgehalt entspricht dem Qualitätsmerkmal „extra trocken“ und verleiht Edelhopfen die pilstypische, feinherbe Hopfennote. Ein Pilsner für alle, die ein trockenes Pils lieben – eben Edelhopfen EXTRA.“

Die Brauerei Gebrüder Maisel wartet übrigens noch mit diversen interessanten „Extras“ rund ums Bier auf. Im Rahmen der Bier-Erlebnis-Welt, bei der u.a Bierkutschen-Touren oder Bierseminare angeboten werden, versucht man Bayreuth als Heimat erlebbarer Bier- und Braukultur hervorzuheben.

Steckbrief

82_Edelhopfen Extra-Steckbrief

Bewertung

82_Edelhopfen Extra

  • Flaschendesign + Kronkorken

Da Light-Biere es so an sich haben optisch wenig ansprechend zu sein, kann man nicht zu viel erwarten. Bei entsprechend niedrigem Niveau sticht das Edelhopfen sogar positiv hervor.

  • Aussehen

Hellgold, recht klar und mit mäßiger Schaumbildung.

  • Geruch

Am Anfang typisch Light-Bier-artig, am Ende dann doch klassisch pilsig.

  • Geschmack

Süffig dünn und leicht mit einer moderaten Malznote und Bitterkeit, kann es mich nicht recht überzeugen. Nur der recht frische Eindruck und der versprochene trockene Abgang mögen mir gefallen.

  • Fazit

An einem kalorienreduzierten Bier ist grundsätzlich wenig auszusetzen. Allerdings halte ich das in Kombination mit einer deutlicheren Alkoholreduktion sinnvoller. Zumal bei normalen Bierkonsum weder die Kalorien noch die Kohlenhydrate stark ins Gewicht fallen. Denn der klassische Bierbauch kommt eben nicht primär durchs Bier, sondern durch den Appetit, den das Bier macht. Und da wird wahrscheinlich auch das „Diät“-Bier wenig ändern – obwohl es natürlich mit seiner Leichtigkeit wohl weniger Heißhunger hervorruft. Trotzdem bleibt für mich ein Light-Bier ohne deutliche Alkoholreduktion sinnfrei. Da das Bier an sich aber recht passabel ist gibt es immerhin noch 7 Pkt. (3-).

82_Edelhopfen Extra-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.maisel.com/unsere_biere/edelhopfen_extra_30.html.

Prost!

81. Borbecker Dampfbier

Das zweite „besondere“ Bier ist das Borbecker Dampfbier aus der Essener Familienbrauerei Stauder. Diese existiert seit 1867 und wird inzwischen in der 6. Generation geführt. Der Name Borbecker leitet sich vom Stadtteil Borbeck der Ruhrgebietsmetropole ab. Das Dampfbier selbst ist auf 1896 datiert.

Und damit kommen wir auch schon zur Frage: Was ist ein Dampfbier eigentlich? Wie aus der Bezeichnung bereits zu vermuten, wird der Gärvorgang unter vergleichsweise heißen Temperaturen durchgeführt, wodurch der Sud zu dampfen beginnt. Die höheren Temperaturen wurden aus Kostengründe gewählt, da so die Kohlensäure- und Alkoholentwicklung beschleunigt wurde. Eine andere Herkunft des Namens geht auf die gründerzeitliche erstmalige Verwendung von Dampfmaschinen in der Bierherstellung ab, wodurch hier ein besonders modernes und fortschrittliches Bier gekennzeichnet wurde. Im vorliegenden Fall würde ich auf letzteres tippen. Ein kurzer Auszug aus Wikipedia gibt mehr Auskunft über diesen skurrilen Biertyp:

„Dampfbier war im Rheinland, in Westfalen und Bayern bis Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und wurde wegen der kostengünstigen Brauweise als „Arme-Leute-Bier“ bezeichnet.

Zum Brauen wurde vorwiegend Gerste genutzt und nur wenig karamellisierter Malz wurde zugesetzt. Der Gärprozess wurde mit überschüssiger Hefe aus Weißbierbrauereien gestartet. Aus Kostengründen wurde meist selbstangebauter Hopfen („Hinterhofhopfen“) zugesetzt. Das Bier wurde nicht pasteurisiert und zur Verbesserung der Haltbarkeit in tiefgelegenen Kellern oder Felsenkellern gelagert. Der geringe Hopfengehalt führte zu einem phenolischen, mitunter leicht rauchigen Geschmack.“

Auch interessant an der Stauder-Brauerei ist die verlinkte Pachtbörse für zukünftige Gastronomen, die Ausgabe von Unternehmensanleihen an Privatkontrahenten sowie für mich vor allem die Kronkorkensammelaktion mit Treuegeschenken.

Steckbrief

81_Borbecker Dampfbier-Steckbrief

Bewertung

81_Borbecker Dampfbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Optisch insgesamt ansprechend, wenn auch ein wenig zu viel bling-bling. Natürlich wären auch hier mehr Infos besser als weniger, aber das ist ja normal.

  • Aussehen

Sehr klar und hell und mit mittelmäßiger Schaumbildung.

  • Geruch

Ein wenig malzig, ein wenig hopfig, ein wenig zitrusartig und tatsächlich auch irgendwie ziemlich industriell.

  • Geschmack

Auch hier hält es was es verspricht: Sehr mild und süffig, leicht bitter und malzig mit geringer Resenz und einem feinherben leicht trockenen Abgang.

  • Fazit

„Eine Rarität unter den Bieren“

So lautet es zumindest auf der Flasche. Wenn das Bier tatsächlich noch mit historischen Dampfmaschinen gebraut wurde, dann stimme ich dem selbstverständlich zu. Da das jedoch sehr wahrscheinlich nicht der Fall ist, reicht mir aber auch das besondere Brauverfahren, welches an eine Ruhrpott-Tradition anknüpft. Auch wenn der Geschmack eigentlich gefällt, reicht es jedoch nicht für mehr als 10 Pkt. (2-). Insgesamt hätte ich mir von Stauder auch einfach mehr Hintergrund-Informationen zum Dampfbier gewünscht.

81_Borbecker Dampfbier-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: https://stauder.de/unser-bier/borbecker-biere.html sowie http://dampfbier.de/dampfbier.html.

Prost!

80. Pinkus Speciál

Diese Woche stehen drei besondere Biere an. Besonders deshalb, weil jedes für sich gesehen ein Spezifikum repräsentiert. Beginnen möchte ich mit einem Bio-Bier. An dieser Stelle nicht das erste, aber dafür mit gesonderter Hervorhebung. Und mit Pinkus ist hierfür auch ein würdiger Vertreter gefunden. Schließlich ist es eine der größten und ältesten Bio-Bier-Marken Deutschlands. Dabei gilt es natürlich auch immer zwischen verschiedenen Bio-Labels zu unterscheiden. Zudem gilt es eigentlich auch zu berücksichtigen, dass sicher viele Betriebe auch sehr (sozial-)ökologisch brauen, ohne dies labeln zu lassen.

Das besondere an Pinkus ist der historische Umstand einzige verbliebene Altbierbrauerei aus Münster zu sein. 1816 gegründet besteht es inzwischen in der 6. Familiengeneration. Bereits 1978 wurde das erste „biologische“ Bier auf den Markt gebracht. Der Name Pinkus der Müller Brauerei leitet sich nach eigenen Angaben von dieser 1912 datierte Anekdote her:

„Auf einem nächtlichen Ausflug widmet sich Carl Müller zusammen mit zwei Mitschülern einem „Bullenkopp“, einem sechs Liter fassenden Krug Altbier. Nach fortgeschrittenem Genuß der Hausspezialität überkommt die vermutlich ausgesprochen lustige Gesellschaft ausgerechnet auf der Promenade kollektiv ein dringendes menschliches Bedürfnis, woraus sie stante pede einen sportlichen Wettkampf entwickelt:
Als Ausgangsposition gibt es auf der einen Seite ein kleines Mäuerchen, auf der anderen eine brennende Gaslaterne, eine NOCH brennende Gaslaterne… Der offizielle Titel des Gewinners verkürzt sich im Laufe der Zeit zu „Pinkus“. Der Bezeichnete lässt den Namen später sogar in seinen Pass eintragen, denn „Carl Müllers gibt’s so viele, Pinkus ist einmalig!“

Das Speiciál ist dabei inzwischen eines von knapp 20 Bieren aus der Bio-Brauerei. Gerne hätte ich aus das original Münstersche Altbier probiert. Aber wie es in konventionellen Getränkemärkten nun mal so ist, ist die Auswahl doch recht beschränkt.

Steckbrief

80_Pinkus Speciál-Steckbrief

Bewertung

80_Pinkus Speciál

  • Flaschendesign + Kronkorken

Sowohl Flasche als aus Kronkorken sind mir persönlich etwas zu verspielt. Allerdings kann ich dem Photo der historischen Altbierküche viel abgewinnen.

  • Aussehen

Ziemlich hell-gold-gelb mit passabler Schaumbildung und natürlicher leichter Trübung.

  • Geruch

Wie es sich für ein Bier Pilsener Brauart gehört riecht es natürlich recht hopfig. Aber auch Zitrus- und malzsüße Noten sind erkennbar.

  • Geschmack

Geschmacklich kann sich das Speciál meiner Meinung nach nicht besonders von der Pils-Konkurrenz abheben. Zeichnet sich aber durch einen klaren süffigen und leicht bitteren Antrunk aus. Der gering spritzige Abgang ist sanft herb.

  • Fazit

Ein Pils aus einer Altbierbrauerei – dafür aber Bio. Im Vergleich zur nicht-bio-Konkurrenz muss sich das Pinkus-Pils deshalb nicht verstecken, weil es nicht nur durch seine Zutaten, sondern durch die zum Glück fehlende (Fein-)Filtration sehr natürlich wirkt. Wer also eher auf Klasse, denn auf Masse setzt macht mit dem Speciál absolut nichts falsch. Mehr als 11 Pkt. (2) kann ich aber trotzdem nicht geben.

80_Pinkus Speciál-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pinkus.de/brauerei/biervielfalt/special-1/.

Prost!

Bierbörse Bonn 2016

BBBIn der Bonner Rheinaue findet an diesem Wochenende die inzwischen schon 21. Bonner Bierbörse statt. Im Jahr des Bierjubiläums eine Veranstaltung, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. So bin ich auch gleich Freitag nach Feierabend mit zwei Kollegen dort gewesen.

Und ich muss sagen, das es gut war. Sicherlich waren auch viele bekannte Brauereien vor Ort, aber nicht zuletzt am Stand vom Haus der 131 Biere gab es mehr Auswahl an interessanten internationalen Bieren, als man überhaupt probieren konnte. Gerade die außereuropäischen Biere wollte ich mal probieren, wo sonst (außer per Online-Kauf) ist es schließlich so einfach daran zu kommen.

Hier also einige Impressionen:

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Folgende Biere haben es in unsere Auswahl geschafft:

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Bintang Pilsener:
– aus dem indonesischen Metan (4,7%)
– noch zu niederländischen Koloniezeiten gegründet (1929) und heute Teil des Heineken-Imperiums
http://www.multibintang.co.id/our-brand/bintang

Singha Lager:
– aus der Boon Rawd Brauerei in Bangkok (gegründet 1933, 5%)
– Singha ist eine thailändische Mystikfigur
http://www.boonrawd.co.th/singha-corporation/en/singha-beer-alcohol-products.php

Cobra:
– Lager aus dem indischen Bangalore (gegründet 1989, 5%)
– enthält Reis und Mais
http://www.cobrabeer.com/en/products/cobra-premium
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Brahma:
– 4,3%iges Lager aus dem brasilianischen Rio de Janeiro
– 1888 von einem Schweizer Auswanderer gegründet ist es heute ein Urspungsteil des weltweit größten Bierunternehmens AB InBev
http://www.brahma.com.br/

Eburni:
– Lager aus der ehemaligen Hauptstadt der Elfenbeinküste Abidjan (4,5%)
– wird eigentlich in Belgien gebraut
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/327

Palanca Negra:
– Lager aus der angolischen Exklave Cabinda (5%)
– der Name heißt übersetzt „schwarze Antilope“ und deutet nicht auf die Farbe des Bieres, sondern auf die Fußballnationalmannschaft hin
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/3251

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Nofretete’s Tradition:
– naturtrübes Bier nach einem alten ägyptischen Rezept im belgischen Ichtegem gebraut (5,2%)
– enthält Feigen, Datteln, Gewürze und Kräuter (nur leider keine Hirse mehr)
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/692

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Mexicali:
– mexikanisches Pilsener (5%) aus der Grenzstadt Tecate
– 1923 gegründet ist es nicht mehr in mexikanischer Hand
http://mexicalibeer.com/mexicali_beer.html

Tui EIPA:
– East India Pale Ale aus dem neuseeländischen Mangatainoka (gegründet 1889, 4%)
– das wohl entfernteste Bier des Bierjubiläums
http://www.tui.co.nz/beer/tui-eipa

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Akosombo:
– Lager aus dem Königreich Hohoe in Ghana (5,5%)
– zwar in Deutschland gebraut, dafür gehen die Erlöse an Hilfsprojekte im Königreich Bansah
http://koenig-bansah.de/

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Cerveza de los Mayas:
– 6%iges Schokoladenbier aus der 2010 gegründeten deutschen Mikrobrauerei Sol de Copan in Copan Ruinas-Honduras
– der verwendete Rohkakao macht daraus ein leckeres Dessert-Bier
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/760

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Red Stripe:
– jamaikanisches Lager (4,7%) aus der Hauptstadt Kingston
– gebraut durch Desnoes and Geddes seit 1938
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/339

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Lapin Kulta:
– Export (5,2%) aus dem finnischen Lahti
– gegründet 1873 ist die Brauerei, dessen Name „Gold Lapplands“ bedeutet, inzwischen geschlossen
http://lapin-kulta.com/2.html

Baldus Rossa:
– 5%iges rotes Ale aus dem argentinischen Rio de la Plata
– seit 2010 in einer Mikrobrauerei produziert
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/758

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Chinggis:
– Mongolisches Lager mit 5% aus der Hauptstadt Ulaan Baator
– 1997 als Gasthausbrauerei gegründet wird es inzwischen unter Lizenz in Deutschland produziert
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/322

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Cusqueña Golden Lager:
– 4,8% / 11.2 °P
– hergestellt von Compania Cervecera Del Sur Del Peru in Arequipa
http://backus.pe/marcas/cervezas/cerveza-cusquena/

Fazit:
Insgesamt ist die Bierbörse eine hervorragende Institution. Wenn nun noch weniger große deutsche Brauereien und dafür mehr kleine und internationale Bierbrauer am Start wären, wäre es noch interessanter. Aber auch so ist die Auswahl schon größer, als man in einem Jahr alles kennen lernen könnte. Deshalb habe ich mir wenigstens vier Biere nach Hause mitgenommen – dazu an dieser Stelle später mehr.

Weitere Infos zur Bierbörse auch unter: http://www.bierboerse.com/city/bonn.htm

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

79. Tucher Bajuvator

Wo in diesen Tagen der Sommer noch einmal kurz Einzug in heimische Gefilde hält, kommen bei mir wieder Erinnerungen an ein ganz besonders (verlängertes) Wochenende in Osnabrück hoch. Damals in der Studentenzeit hatten uns vier Freunde aus der Heimat besucht und für ein paar Tage das Feiern neu erfunden. Einer dieser vier hatte dabei versehentlich einen Kasten Tucher Bajuvator gekauft. Eigentlich sollte es ganz normales Weizen werden, so musste er sich irgendwie dadurch arbeiten… Dieses Missgeschick führte aber zu legendären Momenten, die wir alle sicher nie vergessen werden. Ein guter Grund also den Bajuvator auch ins Bierjubiläum mit aufzunehmen.

Einen weitereren Grund habe ich bei meinen heutigen Recherchen herausgefunden: Bereits 1303 wurde mit dem „Nürnberger Gerstengebot“ ein Pendant zum Reinheitsgebot ins Leben gerufen. Damit ist es eines der ältesten Reinheitsgebote überhaupt.

Viele Jahre später – genauer 1672 – wurde das Städtische Weizenbräuhaus gegründet. Die heutige Tucher-Brauerei geht dabei auf die Patrizierfamilie Tucher zurück:

„Fast ein halbes Jahrtausend lang prägte die Patrizierfamilie die Geschicke und den Ruf Nürnbergs entscheidend mit. […] Mit ihrer „Tucher’schen Handelsgesellschaft“ unterhielt die Familie im 15. Jahrhundert Beziehungen bis nach Afrika. Im Jahre 1815 wurde die Familie vom bayerischen König in den Adelsstand erhoben. […] Zwei entscheidende Faktoren brachte die ehrbare Kaufmannsfamilie zusammen: Nürnberger Brauhandwerk und Tucher’schen Qualitätsanspruch. Darauf gründet sich bis heute ein Wert, der unser Handeln bestimmt: Verlässlichkeit.“

Aber nicht nur die Geschichte ist ein Markenzeichen der Brauerei. Mit dem Zwei-Städte-Sudhaus wirbt sie zu Recht als Brauerei, die sich zugleich in Führt als auch Nürnberg befindet. Denn quer durch das Brauereigelände führt die Grenze dieser beiden eng miteinander verwobene Städte Mittelfrankens.

Zudem vertreibt Tucher auch sogenannte „Cool-KEGs“, welche innerhalb von 45 Minuten völlig mobil und autark frisch gekühltes Bier zaubern.

Und der Bajuvator? Naja, so schreibt Tucher zumindest selbst:

„Eine Spezialität die nicht nur zur Starkbierzeit schmeckt: kaffeefarbene Optik und eine besonders angenehme Vollmundigkeit mit dezenten Röstmalznoten.“

Ich hatte es zwar anders in Erinnerung, aber mal sehen wie es heute – nach gefühlten 500 Bieren später – macht.

Steckbrief

79_Tucher Bajuvator-Steckbrief

Bewertung

79_Tucher Bajuvator

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch wenn man sich sicher Mühe gegeben hat, aber wirklich gelungen ist das Design nicht. Es wirkt ziemlich altbacken und ist es vermutlich auch. Zur Ehrenrettung sei aber angemerkt, dass Tucher bei den klassischen Bieren Pils, Dunkel und Weizen bereits deutlich bessere Labels entwickelt haben, die sogar auch mit vielen tollen Infos aufwarten. An dieser Stelle hilft das aber (noch) nicht weiter.

  • Aussehen

Dunkel-rot-braun-kastanienfarbig mit hefetrüber Klarheit und mäßiger Schaumbildung.

  • Geruch

Sehr süß und malzig sowie karamellig und vor allem lakritzig. Hinzu kommt ein Hauch fruchtige Frische.

  • Geschmack

Würzig und besonders kräftig soll es sein. Das kann ich in der Tat auch unterstreichen, allerdings fehlt in der Beschreibung die bitter-süße lakritzige Note, welche das Ganze deutlich dominiert. Dieser herb-süße Eindruck setzt sich im öligen unspritzigen Abgang fort, welcher zumindest nicht mehr aufdringlich ist.

  • Fazit

Trotz meiner umfangreichen Bier-Erfahrung, welche ich im Laufe des Jahres bereits sammeln durfte, bin ich offensichtlich immer noch nicht empfänglich für derartige dunkle Starkbiere. Oder es ist tatsächlich so „mäßig“, wie ich es empfinde. Scheinbar kann man dieses Bier doch nur eiskalt genießen… Trotz positiver Bewertung der Historie und geographischen Besonderheit kann ich für dieses Bier nicht mehr als 5 Pkt. (4) geben, womit das Bierjubiläum ein neues Schlusslicht hat.

79_Tucher Bajuvator-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.tucher.de/unsere-biere/unser-sortiment/unsere-spezialitaeten/.

Prost!

78. Kapuziner Kellerweizen

Das heutige Bier entstammt auch noch meiner anfänglichen Einkaufstour im hiesigen Trink-Gut. Dabei war das Kapuziner alleine aufgrund seines unattraktiven Äußeren nie ein Kaufmagnet für mich. Doch mit dem neuen Erscheinungsbild wollte ich der Marke nochmals eine Chance geben. Eine Marke, die erst von der Kulmbacher Brauerei gegründet wurde und mit angeblicher Klosterbrauer-Kompetenz ausgestattet sei – wie genau wird nicht erklärt. Allerdings scheint sich die Website auch gerade im Umbau zu befinden. Der Name leitet sich aber vom Kapuziner-Orden ab. Ein Orden, der zum Franziskaner-Ordnen gehört. Neben Kapuziner vertreibt die Kulmbacher Brauerei auch Mönchshof und EKU.

„Unser Kellerweizen ist ein besonderer Genuss für anspruchsvolle Weizenbier-Kenner […] Auf den ursprünglichen Genuss. Zum Wohl“

Steckbrief

78_Kapuziner Kellerweizen-Steckbrief

Bewertung

78_Kapuziner Kellerweizen

  • Flaschendesign + Kronkorken

Vom Äußeren hat die Marke natürlich einen Sprung nach oben gemacht. Im Vergleich zur alten Markendarstellung deutlich ansprechender, auch wenn die Darstellung in die Irre führt, da sie auf eine Geschichte hindeutet, die es bei der Marke nicht gibt. Auch die Bügelflasche muss natürlich Abzüge geben, auch wenn sie ausnahmsweise ein Symbol des ursprünglichen Genusses ist.

  • Aussehen

Wie versprochen, tatsächlich (dunkel-)bernsteinfarben mit natürlicher Trübung und sehr guter Schaumbildung.

  • Geruch

Weizig-bananig, säuerlich-fruchtig, malzig und sehr hefig. Hinzu kommt eine merkwürdige Spüli-ähnliche Note.

  • Geschmack

Die Hefe setzt sich auch hier fort. Extrem weich im Antrunk, gibt es hier nur wenige herbe und kräuterige Noten und praktisch kein Hopfen. Eine leichte Spritzigkeit und einen kaum vorhandenen Abgang unterstreichen diesen irgendwie simplen Geschmackseindruck.

  • Fazit

Meine Erinnerung hat sich hier wohl nicht getäuscht. Oder ich bin einfach kein Weizenbier-Kenner. Aber insgesamt kann mich das Bier nicht wirklich überzeugen. Trotz äußerlicher Runderneuerung, die zu begrüßen ist, kann ich diesem sehr hefigen Geschmack nicht so viel abgewinnen. Trotzdem gibt´s in Summe noch solide 9 Pkt. (3+) für die Ursprünglichkeit.

78_Kapuziner Kellerweizen-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://kellerweizen.de/index2.php.

Prost!

77. Franziskaner Royal 2016

Als letztes Weißbier diese Woche geht das königliche von Franziskaner an den Start. Und auch hier mache ich mal eine Ausnahme und nehme ein Mitglied der weltweit größten Braugruppe AB InBev in den erlesenen Kreis der Bierjubiläums-Biere auf. Zu diesem Konzern gehört Franziskaner als Teil der Spaten-Franziskaner-Gruppe seit 2005. Gegründet wurde die Brauerei bereits 1363 und ist heute eine der großen Weißbiermarken. Allerdings wird seit Neuestem nicht mehr in der eigenen Brauerei produziert, sondern das Bier bei Löwenbräu bzw. Spaten gebraut. Auch das zeigt die negative Seite Teil des größten Bierunternehmens der Welt zu sein.

Das Royal wurde erstmals 2012 eingeführt und seitdem jährlich saisonal als Jahrgangsweißbier angeboten.

„Franziskaner Royal ist der stilvolle Begleiter für feine Speisen und eignet sich hervorragend bei feierlichen Anlässen.“

Alleine deshalb ist es ja schon hervorragend für das Bierjubiläum geeignet. Mal schaun, ob es auch über die selbst so hoch gelegte Latte springt.

Steckbrief

77_Franziskaner Royal-Steckbrief

Bewertung

77_Franziskaner Royal

  • Flaschendesign + Kronkorken

Natürlich ist das Royal auch optisch ein Hingucker und wirklich edel designed. Leider fehlen selbst bei diesem Premium-Produkt zu viele Bierinfos. Und auch das AB InBev-Logo macht das Ganze nicht schöner ;).

  • Aussehen

Im Vergleich eines der dunkleren Weißbiere. Ein dunkelgold-gelb-orange ergibt eine typische Bernstein-Farbe bei leichter Trübung. Der versprochene elfenbeinfarbene Schaum entpuppt sich eher als orange Créme-Farbe.

  • Geruch

Banane, Honigmelone, Aprikose, dunkle Beeren und Feigen wurden angekündigt. Nichts von all dem konnte ich zweifelsfrei identifizieren. Höchstens eine gewisse Bananen- und Beeren-Note ist erkennbar.

  • Geschmack

Die hier vorhergesagte leicht herbe Hopfennote, fruchtige Süße und eleganten Malztöne kann ich indes eindeutig unterstreichen. Vor allem die Fruchtsüße und das abgerundete Verhältnis zwischen Malz und Hopfen sind hervorragend. Der weiche und harmonische Abgang rundet das Geschmackserlebnis ab.

  • Fazit

Das königliche Bier des aktuellen Papstes kann sich zweifelsohne sehen lassen. Auch wenn das Design und der Geruch etwaszurück bleiben, ist das Royal seinen Namen wert. Insbesondere der sehr schön abgerundete Geschmack hat mich überzeugt. Deshalb auch hier wieder sehr gute 13 Pkt. (1-).

77_Franziskaner Royal-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.franziskaner-weissbier.de/unsere-biere/royal.

Prost!

76. Erdinger Urweisse

Nach dem gestrigen Ur-Weizen gibt es heute quasi das Original-Pendant aus Bayern. 1886 unter dem Namen Weisse Bräuhaus gegründet, kann zwar die Brauerei noch nicht auf eine viele Jahrhunderte währende Historie zurückblicken. Dafür ist mit der Urweisse wohl eines der älteren Weißbierrezepte auf dem Markt. Einen Markt, den die Erdinger Brauerei mit inzwischen 1,9 Mio. hl Ausstoß als Marktführer dominiert. Eigentlich ein K.O.-Kriterium für das Bierjubiläum, allerdings hoffe ich, dass der Geschmack des Bieres seinen Beitrag rechtfertigt. Schließlich habe ich es als eines der besten in Erinnerung.

Steckbrief

76_Erdinger Urweisse-Steckbrief

Bewertung

76_Erdinger Urweisse

  • Flaschendesign + Kronkorken

Als einzige Euro-Flasche im Erdinger-Sortiment werden natürlich schon mal Pluspunkte gesammelt. Aber auch das Label und das historisch anmutende Design kommt bei mir gut an. Besonders hervorzuheben ist die Nährwertangabe auf der Flasche. Im Netz finden sich zudem noch weitere Detailinfos.

  • Aussehen

Gold-gelb mit einem Hauch Orange, natürliche Trübung und eine ausgesprochen gute wenn auch nicht sehr haltbare Schaumbildung. Warum allerdings recht große Hefepartikel im Bier zu finden sind bleibt mir erst einmal ein Rätsel. Ob ich es falsch gelagert habe, oder ob es so muss, keine Ahnung. Mich jedenfalls stört es nicht weiter. Schließlich sollte Bier ein Naturprodukt sein.

  • Geruch

Eindeutig bananig-malzig, aber auch mit einer leichten bitteren und fruchtigen Hopfennote.

  • Geschmack

Auch hier eine klare bananig-karamellige Note. Die Hopfenbitterkeit kommt nur wenig durch. Es ist grundsätzlich süffig, aber im Antrunk auch ein wenig vollmundig. Die versprochene Gewürznelke kann ich aber nicht herausschmecken. Dafür ist es tatsächlich etwas spritziger als andere Weißbiere. Der Abgang ist relativ zurückhaltend.

  • Fazit

Insgesamt muss ich sagen, dass ich hinsichtlich meiner Erwartungshaltung nicht enttäuscht wurde. Auch wenn es nicht der ganz große Bier-Durchbruch ist, ist es definitiv eines der besseren Weißbiere. Und weil es auch typisch Weiß schmeckt, gibt es hier auch 13 Pkt. (1-).

76_Erdinger Urweisse-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://de.erdinger.de/biere/urweisse.html.

Prost!

75. Bolten Ur-Weizen

Heute geht es mit dem Bolten Ur-Weizen in eine kleine Reihe ausgewählter Weißbiere. Dabei ist das Bolten sicher kein klassisches Beispiel für diesen Bierstil, schließlich liegt die Bolten Brauerei in Korschenbroich am Niederrhein. Aber zum einen kann diese auf längste Tradition obergärigen Bierbrauens in der ganzen Region zurückblicken – mit Gründung in 1266 ist man schließlich älteste Altbierbrauerei der Welt. Zum Anderen wird auch die obergärige helle Brauart mit dem Wieß am Niederrhein bereits seit mehr als 100 Jahren praktiziert. Mit dem Ur-Weizen brachte Bolten jedoch das erste Hefeweizen vom Niederrhein auf dem deutschen Biermarkt. Als großer Fan der Biere der Privatbrauerei meiner Heimatregion bin ich besonders gespannt auf das rheinische Weißbier.

Steckbrief

75_Bolten Ur-Weizen-Steckbrief

Bewertung

75_Bolten Ur-Weizen

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Äußere der Bolten Flaschen finde ich seit jeher sehr ansprechend. Insbesondere die Farbwahl ist extrem gut gelungen. Mit ein wenig mehr Infos zum Bier und einer bauchigen Flasche wäre vielleicht sogar eine Bestbewertung gelungen. Der abgebildete Löwe geht übrigens aus dem früheren Namen Löwenbräu für die Brauerei hervor.

  • Aussehen

Hell-gold-gelb und naturtrüb ist die sehr sehr gute Schaumbildung hervorzuheben.

  • Geruch

Überraschenderweise hopfig-frisch, wenig malzig und auch nur geringe Bananenaromen.

  • Geschmack

Zumindest die Malzaromen kommen hier nun durch. Die Banane fehlt allerdings weiterhin. Relativ vollmundig habe ich irgendwie auch das Gefühl hier das Alt herauszuschmecken.

  • Fazit

Auch wenn das Weizen aus der Altbierbrauerei sicher nicht zu den besten seiner Art zählt, gilt es vor dieser Brauerei den Hut zu ziehen. Nur wenige können über Jahrhunderte bestehen bleiben und bis heute den großen Braugruppen Paroli bieten. Zudem wird in allen Bolten-Bieren ein eigener Hefestamm eingesetzt, der eine unverkennbare Geschmacksnote hinterlässt. Fairerweise gibt es daher satte 12 Pkt. (2+).

75_Bolten Ur-Weizen-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.bolten-brauerei.de/BOLTENs-UrWeizen.htm.

Prost!

Tag der offenen Tür Privatbrauerei Bischoff

Sommerfest Bischoff

Heute habe ich es endlich mal geschafft die letzte verbliebene Brauerei Brühls zu besuchen. Auch wenn diese im Weilerhof halb auf Hürther Boden liegt, können die Brühler stolz darauf sein. Am Tag der offenen Tür bot die Privatbrauerei ein Sommerfest für alle Generationen. Neben dem Kölsch wird auch ein Karthäuser-Bräu produziert. Als hefetrübes obergäriges Vollbier beschrieben, ist es im Grunde nichts anderes als ein unfiltriertes Kölsch. Geschmeckt haben aber beide. Das Kölsch war recht würzig und gleichzeitig malzig, wirklich sehr süffig (vor allem an einem solchen Sommertag wie heute) und ganz leicht sauer. Das Karthäuserbräu ist dagegen etwas herber, hopfiger und säuerlicher. Aber nciht nur das Bier ist ein Grund zum Weilerhof zu kommen, auch der Ausblick bis nach Köln und darüber hinaus ist sehr einladend.

Bischoff Bierdeckel

Hier ein paar Eindrücke:

Der Eingang des Weilerhofs (links befinden sich die Gärtanks)

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Das KölschSAM_0654

Das KarthäuserbräuSAM_0655

Der Ausblick zum Dom und zum rechtsrheinischen HinterlandSAM_0656

Und ein paar Infos rund um den Weilerhof, die Bischoff-Brauerei und das einzige Brühler Kölsch:

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Zudem weitere Infos unter: http://www.bischoff-koelsch.de/

Auf das Brühler Bier!

74. American Craft Beer – Bierverköstigung Juli

Miller Genuine Draft | Samuel Adams Boston Lager | Sierra Nevada Pale Ale | Rouge Brutal IPA | Schneider Weiße Tab 5 | Anchor Steam Beer | Black Wolf Valente´s Double Espresso | Crew Republic Foundation II| Sierra Nevada Torpedo Extra IPA | Oberreichenbacher Rotbier

Titel

Beim Genuss des Monroe IPA* aus dem Hause der Hopfenstopfer darf ich heute von der letzmontägigen Bierverköstigung in der Eule berichten. Wie es kaum passender hätte sein können, ging es am 4. Juli – dem nationalen Feiertag der Unabhängigkeit der USA – um US-amerikanische Craft Biere.

Zur Einstimmung gab es allerdings das genaue Gegenteil: Ein Miller Genuine Draft. Aus der zweitgrößten Brauerei der USA stammend verkörpert es wie kaum ein anderes Bier die stereotypische amerikanische Lagerbierkultur. Der nicht nur aus Kostengründen hinzugefügte Mais verleiht dem Bier eine sehr große Leichtigkeit und macht es extrem süffig, um es positiv auszudrücken. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, dass es sehr beliebig, wenig geschmacklich und erst recht kaum bierig ist. Eben absolut belanglos.

0_MillerSAM_0641

Vor der offiziellen Verköstigung ging Biersommelier Markus dann noch auf die historische Entwicklung des US-amerikanischen Biermarktes ein. So gab es allein in diesem Jahrtausend eine derartig enorme Konzentration der Braumultis, dass mit der diesjährigen Fusion von AB InBev und SAB Miller jedes 3. Bier weltweit von diesem Riesenkonzern kontrolliert wird. Interessant aus deutscher Sicht ist die Tatsache, dass von den sechs Big Player, welche es noch 2000 gab, drei aus einer deutschen Gründung hervorgingen. Lediglich Heineken konnte aus der danach folgenden Fusionswelle noch eigenständig bleiben.

Auch der deutsche Biermarkt ist von der Konzentration betroffen. Auch wenn die größte deutsche Gruppe Radeberger nur auf 0,5% globalen Marktanteil kommt, vereinigen sich hier etwa 15% aller deutschen Biere. Neben den Bieren aus der AB InBev (u.a. Beck’s, Diebels und Franziskaner), sind vor allem noch die Bitburger, Oettinger, Krombacher und Warsteiner Gruppe von Bedeutung.

Um dem etwas entgegenzusetzen entwickelte sich nach der Legalisierung des Privatbrauens 1979 in den USA die Craft-Bier-Bewegung. Von anfänglich 8 Brauereien gibt es inzwischen mehr als 4.000. Dabei wird ein Craft Bier wie folgt definiert:

  • Größe: Bierausstoß darf die Marke von 6 Mio. Barrel nicht übersteigen (wobei diese Grenze laufend relativ zum Gesamtausstoß des Landes angepasst wird)
  • Unabhängigkeit: Nur weniger als 25% der Brauereianteile dürfen von einer Nicht-Craft-Bier-Brauerei gehalten werden
  • Biertradition: Die Brauerei muss bei der Bierherstellung auf traditionelle oder innovative Rezepturen zurückgreifen (das ist wohl die Regel mit dem größten Interpretationsspielraum)

In Deutschland hingegen fehlt eine derartige Definition und Abgrenzung in Gänze. Dies liegt vor allem an der bereits schon recht vielfältigen Brauereistruktur in unserem Land.

Folgende Biere wurden dann im Rahmen der Verköstigung probiert:

1_Samuel Adams SAM_0642

Das Boston Lager kommt dabei aus der Samuel Adams Brauerei – eine der größten der USA. Vom Geruch her noch sehr fruchtig, ist die Hopfenbittere geschmacklich dominant. Hinzu kommt ein recht trockener Abgang.

2_Sierra Nevada PA SAM_0643

Von einer der größten zu einer der ältesten Craft-Bier-Brauereien. Dabei schmeckt das Pale Ale recht bitter, hopfig-kräuterig und sehr frisch.

3_Rouge Brutal IPA SAM_0644

Dieses IPA zeichnet sich vor allem durch seinen Litschi-Mango-Geruch aus. Im Geschmack ist es ziemlich bitter sauer und blumig-waldig. Der Abgang ist sehr herb.

Das nächste Bier war für mich zumindest dann kein Unbekannter mehr. Es kommt aus Deutschland kann sich aber als American Craft Beer bezeichnen. Denn mit Garret Oliver von der Brooklyn Brewery wurde es von einem Amerikaner mitentwickelt. Dieser ist übrigens auch Autor des „Oxford Companion to Beer“ – die amerikanische Bier-Bibel.

4_Schneider Weiße Tab5 SAM_0646

Das letzte in der Reihe war früher mal ein bieriges Schreckgespenst für mich- Deshalb war ich umso mehr gespannt wie es mir heute schmeckt.

5_Anchor Steam Beer SAM_0647

Im Geruch und Geschmack unauffälliger und dünner sowie malzig-karamelliger als gedacht, war ich in der Tat positiv überrascht, auch wenn es nicht für eine Treppchen-Platzierung gereicht hat. Das California Common kann dabei als Gegenteil vom Kölsch angesehen werden. Schließlich wird hier eine untergärige Hefe bei hoher Temperatur verwendet (beim Kölsch genau umgekehrt). Steam Beer heißt es übrigens, weil es früher nachts auf den Hausdächern abgekühlt wurde und dampfte.

Abschließend noch ein netter geographischer Überblick über amerikanisches Craft-Bier heute:

USA-2012_50 USA-2012_neu

Summa summarum gab es folgende Gesamtbewertung:

BonII

Im Nachgang dazu haben wir uns dann noch ein wenig durch die über 100 Biere umfassende große Bierkarte der Eule probiert. Dabei ging es vor allem mit Craft-Bieren weiter:

  • Black Wolf Valente´s Double Espresso
    das dunkle Bier aus dem schottischen Stirling ist versetzt mit Kaffeebohnen und somit koffeinhaltig
    untergärig, 6% (und eigentlich noch gar nicht auf der Karte)

SAM_0648

  • Crew Republic Foundation II
    2011 eingeführtes German Pale aus der inzwischen sehr bekannten Münchener Craft-Brauerei
    obergärig, 5,6%

SAM_0649

  • Sierra Nevada Torpedo Extra IPA
    noch eine Stufe über dem Pale Ale ist es sehr hopfenlastig und bitter
    obergärig, 7,2%

SAM_0652

  • Oberreichenbacher Rotbier
    auf Hinweis „aus dem Publikum“
    klassisches Nürnberger Rotbier aus dem Brauereigasthof Geyer
    obergärig, 4,9%

SAM_0650

Und hier noch die aktuelle Kurzkarte:

Karte*obergärig, 6,5%, Single Hop Craft Beer, Imperial Pale Ale, 40 IBU.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

Sommerfest Rheinaue

Beim Standorfest meines Arbeitgebers auf dem Bonner Kunst!Rasen hatte ich die Gelegenheit das Muffengold zu trinken. Das ist ein Kölsch, seit 2005 gebraut in Gemünd für den Bonner Veranstaltungsmanager Martin Noetzel und lokal nur sehr begrenzt vertrieben in einer Gaststätte in Muffendorf und auf dem Kunst!Rasen. Also eine räumliche Rarität – auch wenn es bierig nichts wirklich Besonderes ist.

Muffengold

Blogbier, die VI.

Hier einige Impressionen vom Junggesellenabschied meines Kollegen Matthias u.a. im Brühler MaTis:

XX_20160702_195155 XX_20160702_195414 XX_20160702_205136Bierfacts:

  • Val-Dieu Blond (6%)
    – belgisch blond aus der Abteibrauerei in Aubel (zwischen Aachen und Lüttich gelegen)
    – das Kloster Notre Dame du Val-Dieu wurde 1216 gegründet und ist die einzige belgische Abtei, die die französische Revolution überstand
    – das Kloster folgt der Zisterzienser-Tradition der Benediktiner
    – und auch das Bier war wirklich sehr sehr lecker und unbedingt empfehlenswert!
    „In vinculo pacis“
    http://www.val-dieu.com/beers.html
  • Pauwels Kwak (8%)
    – spezielles belgisches Amber-Ale, als eigener Unterstil Kwak genannt, von der Boostels Brauerei in Buggenhout (zwischen Brüssel und Antwerpen gelegen)
    – 1791 vom gleichnamigen Braumeister erstmals hergestellt wird es in speziellen „Kutscher“-Gläsern serviert, da das Bier vor allem für Kutscher gebraut wurde, welche während der Fahrt nur ihr an der Kutsche befestigtes Glas auffüllen ließen
    https://www.ratebeer.com/beer/pauwel-kwak/3658/

Auf diesem Wege nochmals alles Gute für Euch 3 🙂 !