79. Tucher Bajuvator

Wo in diesen Tagen der Sommer noch einmal kurz Einzug in heimische Gefilde hält, kommen bei mir wieder Erinnerungen an ein ganz besonders (verlängertes) Wochenende in Osnabrück hoch. Damals in der Studentenzeit hatten uns vier Freunde aus der Heimat besucht und für ein paar Tage das Feiern neu erfunden. Einer dieser vier hatte dabei versehentlich einen Kasten Tucher Bajuvator gekauft. Eigentlich sollte es ganz normales Weizen werden, so musste er sich irgendwie dadurch arbeiten… Dieses Missgeschick führte aber zu legendären Momenten, die wir alle sicher nie vergessen werden. Ein guter Grund also den Bajuvator auch ins Bierjubiläum mit aufzunehmen.

Einen weitereren Grund habe ich bei meinen heutigen Recherchen herausgefunden: Bereits 1303 wurde mit dem „Nürnberger Gerstengebot“ ein Pendant zum Reinheitsgebot ins Leben gerufen. Damit ist es eines der ältesten Reinheitsgebote überhaupt.

Viele Jahre später – genauer 1672 – wurde das Städtische Weizenbräuhaus gegründet. Die heutige Tucher-Brauerei geht dabei auf die Patrizierfamilie Tucher zurück:

„Fast ein halbes Jahrtausend lang prägte die Patrizierfamilie die Geschicke und den Ruf Nürnbergs entscheidend mit. […] Mit ihrer „Tucher’schen Handelsgesellschaft“ unterhielt die Familie im 15. Jahrhundert Beziehungen bis nach Afrika. Im Jahre 1815 wurde die Familie vom bayerischen König in den Adelsstand erhoben. […] Zwei entscheidende Faktoren brachte die ehrbare Kaufmannsfamilie zusammen: Nürnberger Brauhandwerk und Tucher’schen Qualitätsanspruch. Darauf gründet sich bis heute ein Wert, der unser Handeln bestimmt: Verlässlichkeit.“

Aber nicht nur die Geschichte ist ein Markenzeichen der Brauerei. Mit dem Zwei-Städte-Sudhaus wirbt sie zu Recht als Brauerei, die sich zugleich in Führt als auch Nürnberg befindet. Denn quer durch das Brauereigelände führt die Grenze dieser beiden eng miteinander verwobene Städte Mittelfrankens.

Zudem vertreibt Tucher auch sogenannte „Cool-KEGs“, welche innerhalb von 45 Minuten völlig mobil und autark frisch gekühltes Bier zaubern.

Und der Bajuvator? Naja, so schreibt Tucher zumindest selbst:

„Eine Spezialität die nicht nur zur Starkbierzeit schmeckt: kaffeefarbene Optik und eine besonders angenehme Vollmundigkeit mit dezenten Röstmalznoten.“

Ich hatte es zwar anders in Erinnerung, aber mal sehen wie es heute – nach gefühlten 500 Bieren später – macht.

Steckbrief

79_Tucher Bajuvator-Steckbrief

Bewertung

79_Tucher Bajuvator

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch wenn man sich sicher Mühe gegeben hat, aber wirklich gelungen ist das Design nicht. Es wirkt ziemlich altbacken und ist es vermutlich auch. Zur Ehrenrettung sei aber angemerkt, dass Tucher bei den klassischen Bieren Pils, Dunkel und Weizen bereits deutlich bessere Labels entwickelt haben, die sogar auch mit vielen tollen Infos aufwarten. An dieser Stelle hilft das aber (noch) nicht weiter.

  • Aussehen

Dunkel-rot-braun-kastanienfarbig mit hefetrüber Klarheit und mäßiger Schaumbildung.

  • Geruch

Sehr süß und malzig sowie karamellig und vor allem lakritzig. Hinzu kommt ein Hauch fruchtige Frische.

  • Geschmack

Würzig und besonders kräftig soll es sein. Das kann ich in der Tat auch unterstreichen, allerdings fehlt in der Beschreibung die bitter-süße lakritzige Note, welche das Ganze deutlich dominiert. Dieser herb-süße Eindruck setzt sich im öligen unspritzigen Abgang fort, welcher zumindest nicht mehr aufdringlich ist.

  • Fazit

Trotz meiner umfangreichen Bier-Erfahrung, welche ich im Laufe des Jahres bereits sammeln durfte, bin ich offensichtlich immer noch nicht empfänglich für derartige dunkle Starkbiere. Oder es ist tatsächlich so „mäßig“, wie ich es empfinde. Scheinbar kann man dieses Bier doch nur eiskalt genießen… Trotz positiver Bewertung der Historie und geographischen Besonderheit kann ich für dieses Bier nicht mehr als 5 Pkt. (4) geben, womit das Bierjubiläum ein neues Schlusslicht hat.

79_Tucher Bajuvator-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.tucher.de/unsere-biere/unser-sortiment/unsere-spezialitaeten/.

Prost!

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