Archiv für den Monat: November 2016

126. Brło Porter

Auch heute gibt’s wieder ein Porter. Diesmal aus einer der Craft-Bier-Hauptstädte Berlin. 2014 begonnen, brauten die drei Brlo-Freunde bisher als sog. Gypsy-Brauer. Das heißt, dass sie zwar Biere entwickeln und anbrauen, aber die eigentlichen Brauvorgang nebst Abfüllung in anderen (etablierten) Brauereien durchführen lassen. Doch just in diesen Tagen eröffnet das neue zwischen Kreuzberg, Tiergarten und Schöneberg. Besonderheit der Brauerei inklusive Biergarten ist die Errichtung mit Fracht-Containern, sodass es ein quasi-mobiles Brauhaus ist. Der fast unaussprechliche Name leitet sich übrigens von der alt-slawischen Wortherkunft der deutschen Hauptstadt ab:

„BRLO ist der alt-slawische Ursprung des Namens Berlin. Zusammen mit der Endung „-in“ heißt es soviel wie „Sumpf“ oder „trockene Stelle in einem Feuchtgebiet“ – das fanden wir ziemlich passend für eine Biermarke!“

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch hier ein sehr vorbildliches Äußeres. Design-technisch sehr gelungen, auch wenn leider wieder nicht alle Infos den Weg auf der Flasche gefunden haben. Interessant ist vielleicht auch der Querstrich über den hinten liegenden Strichcode, der wohl die Strichcode-Mafia schwächen soll.

  • Aussehen

Dunkelbraun bis schwarz mit roten Nuancen. Zudem natürlich naturgetrübt und mit guter heller Schaumkrone.

  • Geruch

Überraschend wenig röstig. Erwartungsgemäß wenig gehopft. Und sonst sehr malzig und weich.

  • Geschmack

Hier kommt die Röstmalznote dann doch gehörig raus. Die leichte Bittere wird immer wieder von einer Süße unterbrochen. In der Resenz recht matt aber weich, während der Abgang herb-süß ist.

  • Fazit

Eine ganz ähnliche Gesamtwertung wie bereits bei der , was nicht überrascht, da es sich bei Beiden um Porters der neuen Generation handelt. Auch wenn es in Nuancen besser abschneidet, kommt auch das Brlo auf 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brlo.de/bier/brlo-porter/.

Prost!

125. Distelhäuser Black Pearl

Von der Luft geht’s heute mit der Black Pearl zu Wasser weiter. Aus der 1876 gegründeten mittelständischen privaten Traditionsbrauerei Distelhaus im Taubertal kommend, steuert die Pearl seit einigen Jahren durch den deutschen Craft-Bier-Markt. Und dies offensichtlich so erfolgreich, dass es 2014 zur silbernen und 2015 sogar zur goldenen Auszeichnung des Meininger Craft-Beer-Awards reichte. Das Besondere an diesem Porter ist sicherlich die Verwendung von Hafermalz, dass das Bier etwas weicher wirken lässt. Daneben werden noch Pilsner-, Münchner- und Caramel-Gerstenmalz verwendet.

„Ein samtweiches Classic Porter mit komplexen Schoko- und Kaffeearomen. Diese Single-Hop-Spezialität ist cremig im Trunk und überrascht mit dezenter Hopfenbittere.“

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Extrem vorbildlich ist hier die Informationspolitik der Brauerei, die alle wichtigen Daten auf der Flasche unterbringt. Es gibt nur einen Punkt Abzug für das meiner Ansicht nach zu komplexe Design. Ansonsten perfekt.

  • Aussehen

Dunkelbraun bis tiefschwarz, trüb und mit geringer feinporiger Schaumbildung.

  • Geruch

Recht röstmalzig, karamell-süß, schokoladig aber auch würzig-frisch und ganz leicht gehopft.

  • Geschmack

Im Antrunk ebenfalls malzig und röstig. Sonst auch ziemlich herzhaft-würzig und immer wieder leicht bitter. Mit einer passablen Spritzigkeit geht es herb und röstig ab.

  • Fazit

Dieses Porter überzeugt vor allem durch seine komplexen Geschmackseindrücke. Sowohl röstmalzig und herb als auch würzig und weich. Zwar durch den vergleichsweise großen Körper nicht en masse trinkbar, dafür aber vor allem für die dunkle Jahreszeit eine willkommene Abwechslung. Ein tolles Bier aus einer tollen Brauerei erhält 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.distelhaeuser.de/unser-bier/craft-biere/.

Prost!

124. Propeller Aufwind

Heut gibt’s, na klar, wieder mal ein IPA. Diesmal von der Marke Propeller. Dahinter verbirgt sich eine GmbH, die aus der 1702 gegründeten westfälisch-sauerländischen Brauerei Bosch entsprungen ist. Auch wenn bisher mit den beiden Bieren Aufwind und Nachtflug noch keine erheblichen Mengen produziert werden, bestehen die Brauer darauf nicht als Microbrew bezeichnet zu werden. Schließlich kann man auf das Know-How und die Technologie des großen Brauerei Bruders zurückgreifen und soll somit Ergebnisschwankungen vorbeugen. Dies bedeutet aber auch, dass das Bier gefiltert wird, was meiner Meinung nach dem Bier wertvolle Geschmacks- aber auch Nährstoffe nimmt. Deshalb bin ich umso mehr gespannt, ob das Bier den eigenen hohen Erwartungen gerecht werden kann.

Steckbrief

124_Propeller Aufwind-Steckbrief

Bewertung

124_Propeller Aufwind

  • Flaschendesign + Kronkorken

Für meinen Geschmack fast zu verspielt, aber noch vertretbar. Zudem hätten es wie immer etwas mehr Informationen sein dürfen. Auch ein Blanko-Kronkorken kommt bei mir natürlich nicht gut an.

  • Aussehen

Wie versprochen orange-gold klar mit einer lausigen Schaumbildung.

  • Geruch

Vorgabe: blumig, citrus
Eindruck: grasig-hopfig, karamell-süß unterstrichen mit einer allgemeinen Fruchtnote

  • Geschmack

Vorgabe: kräftige Hopfenbittere, harmonisch, Restsüße, würzig-aromatisch
Eindruck: Tatsächlich sehr bitter, aber auch weich und mit einer matten Süße. Sonst recht frisch und trocken herb im Abgang.

  • Fazit

Im Allgemeinen ein durchaus solides (Double) India Pale Ale. Handwerklich sicher gut gemacht, erwärmt es mein Herz aber irgendwie nicht. Da auch nirgendwo wirklich herausragend, gibt es in der Gesamtwertung „nur“ 10 Pkt. (2-).

124_Propeller Aufwind-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.propeller-bier.eu/aufwind.html.

Prost!

123. Riedenburger Dolden Dark

Auch wenn ich das schon des Öfteren geschrieben habe, aber diesmal habe ich wieder mal ein wirklich besonderes Bier zu erwarten. Denn das Dolden Dark kommt aus einer – wie ich finde – sehr vorbildlichen Brauerei. Das Riedenburger Brauhaus, zwischen Regensburg und Ingolstadt an der Altmühl (welche gleichzeitig den Donau-Main-Kanal bildet) gelegen, braut man neben den bayrischen Klassikern auch seit neuestem auch sog. Craft-Biere. Den Dolden (Sommer) Sud durfte ich ja schon probieren – darüber hinaus gibt es aber noch sehr interessante weitere Urkorn-Biere aus Emmer, Einkorn oder – und das ist im wahrsten Sinne des Wortes hervorragend – Hirse. Zudem braut die 1866 gegründete Brauerei noch für die Benediktinerabtei Plankstetten, woher auch das Gerstenmalz bezogen wird. Die jährlich ausgestoßenen 20.000 hl werden gesamthaft in Bioland-Öko-Qualität produziert. Riedenburger sind dabei Vorreiter, denn bei der vollständigen Umstellung auf Bio-Produktion 1994 war man die erste Brauerei Bayerns, die dies ganzheitlich getan hat. Wer übrigens Schwierigkeiten hat Riedenburger Biere zu kaufen, könnte im Online-Shop stöbern, wo sogar Einzelflaschen verkauft werden, was auch eine Besonderheit unter deutschen Brauereien ist. Die Brauerei, die Geschichte und Moderne miteinander zu verbinden versucht, orientiert ihre nachhaltige Unternehmensphilosophie dabei nach eigenen Aussagen an diesen Grundsätzen:

  • verantwortlicher Umgang mit den Ressourcen der Natur
  • konsequenter Umweltschutz
  • Vorrangigkeit regionaler Kreisläufe
  • Beitrag zum Erhalt klein-bäuerlicher Strukturen
  • handwerkliche und möglichst naturnahe Herstellung
  • Vollwertigkeit des Produkts Bier als Genuss- und Lebensmittel

Ich bin frohen Mutes, dass sich dies auch im Bier niederschlägt…

„Wenn die Sonne unterging und der Mond sich in der dunklen See spiegelte, beendeten die schwer schufftenden Hafenarbeiter in London des 18. Jh. ihren Tag mit einem Porter. In Hafenkneipen und Spielunken floss das tiefschwarze Bier in rauen Mengen. Unsere Hommage an diese schwer arbeitende Zunft ist ein vollmundiges Porter. Stärker als sein Vorfahre, dafür samtig weich im Geschmack mit einem Hauch cremigen Kaffees und Schokolade. Und dank der ausgewählten Malze vom historischen Emmer und gerösteter Sommergerste herrlich malzig. Perfekt für jeden Feierabend!“

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wahrlich ein tolles Äußeres, dem nur noch die Infos zu den verwendeten Hopfen-Sorten fehlen.

  • Aussehen

Tiefschwarz, trüb und eine feinporige aber mäßige Schaumbildung.

  • Geruch

Sehr sehr stark röstmalzig mit Noten von Schokolade und Kaffee.

  • Geschmack

Ähnlich röstig, wie im Geruch, aber weniger süß als erwartet. Dafür malziger und weicher. Auch der Kaffee kommt hier stärker raus als die Schokolade. Insgesamt ein geringer Körper mit matter Frische. Der Abgang bleibt recht unauffällig und trocken.

  • Fazit

Wer solche dunklen röstmalzigen Porter mag, für den ist der Dolden Dark vermutlich genau das Richtige. Auch mich hat er recht gut überzeugt, auch wenn man davon sicherlich nicht mehr als ein zwei hintereinander trinken kann. Aufgrund Top-Noten in fast allen Bereichen ergibt es in Summe starke 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-dolden-biere/dolden-dark.html.

Prost!

122. Welde Badisch Gose

Das heutige Bier kommt aus einem Nachbarort von Brühl und ist doch ca. 250km von mir entfernt. Es kommt ebenso aus dem Rheinland und liegt doch ganz woanders. Auch dort gibt es ein imposantes Schloss und doch ist es nicht die Augustusburg. Die Rede ist natürlich vom Brühl in Baden-Württemberg. Direkt daneben zwischen Mannheim und Heidelberg gelegen befindet sich Plankstadt – seit 1752 die Heimat der Welde-Biere. Ein Bier, was mir in der Vergangenheit besonders durch die außergewöhnliche Flaschenform in Erinnerung geblieben ist. Allerdings braut man im Nordwestbadischen offensichtlich auch außergewöhnliche Biere. Schließlich ist die Gose ein recht seltener Bierstil, der insbesondere durch seine Säure auffällt. Dieser Gose wurde dann noch zusätzlich Koriander beigemengt, was ich grundsätzlich befürworte, was aber natürlich gegen das „Reinheitsgebot“ verstößt. Die Brauerei indes wird in der 8. Generation familiengeführt und seit einer Weile auch durch einen Biersommelier unterstützt. Dabei haben sich die Verantwortlichen dieses Ziel gesetzt:

„Keine eintönige Massenware zu schaffen, sondern individuellen Genuss. Biere mit eigenständigem Charakter und in bester Qualität. Nicht immer konventionell. Aber immer besonders.“

Kurz geschrieben:

„Individualität leben. Und brauen.“

Dass die Gose im Übrigen von hoher Qualität sein muss belegt der International Craft Beer Award 2016 von Meininger in Gold.

Steckbrief

122_Welde Gose-Steckbrief

Bewertung

122_Welde Gose

  • Flaschendesign + Kronkorken

Grunsätzlich spricht mich so ein Äußeres sehr an. Geradlinig, schlicht, informativ und trotzdem nicht langweilig. Abzüge gibt es nur für die fehlenden Infos zu den Malzsorten und dem Erscheinungsjahr.

  • Aussehen

Fast schon heller gold-gelb und trüb als versprochen. Nur die Schaumbildung hätte etwas üppiger ausfallen können.

  • Geruch

Die vorhergesagten Banane, Zitrone und Koriander kann man tatsächlich so riechen. Allerdings ist der Koriander schon sehr zurückhaltend. Dafür kommt noch ein leichter Vanille-Duft rüber. Insgesamt auch recht frisch.

  • Geschmack

Wie für eine Gose üblich leicht sauer mit fruchtigen Noten. Auch recht süß und so gut wie keine Bitterkeit. Weder die Hopfen noch die Malze dominieren, während auch der Koriander nur dezent unterstützt.

  • Fazit

Im Gegensatz zu meinem letzten Eindruck der Welde-Biere, welche ehrlich gesagt keinen allzu guten Eindruck hinterlassen hatten, überzeugt das Gose durchaus. Da ich kein Gose-Fan bin kommt mir die süßliche und weniger saure Variante sogar entgegen. In Summe ergeben das gute 12 Pkt. (2+).

122_Welde Gose-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.welde.de/products/craft/.

Prost!

XXIX.

Anlässlich meines Geburtstages habe ich für meine Kollegen ein Bonner Bierensemble zusammengestellt. Vor allem das Wieß und der Lokalpatriot fanden reißenden Absatz und haben gezeigt, dass es nicht immer ein „Fernseh-Bier“ sein muss. Komplettiert wird das Bild vom obergärigen Cramer aus der Eifel und dem Schultheiss Pilsener. Wer mich schon etwas länger kennt wird wissen, warum es genau dieses Bier sein musste ;).

Bierfacts:

  • Schultheiss Pilsener:
    – untergärig; 5%
    – aus der Berliner-Kindl-Schultheiss Brauerei
    – die Geschichte der Marke geht bis ins Jahr 1842 zurück
    http://www.schultheiss.de/
  • Ale Mania Bonner Wieß:
    – obergärig; 12°P, 4,5%
    – Original-Lokal-Bier Bonns von der rechten Rheinseite aus der noch recht jungen Kleinstbrauerei Ale Mania
    – siehe auch
    http://www.ale-mania.de/
  • Bönnsch:
    – obergärig; 4,9%
    – aus dem älteste noch bestehenden Brauhaus Bonns
    – das erste Bier des Bierjubiläums (siehe )
    http://www.boennsch.de/
  • Ennert-Bräu Lokalpatriot
    – untergäriges Lager; 4,9%
    – aus der 1997 entstandenen Hausbrauerei am Ortsrand von Beuel, die seit einem Genrationswechsel auch speziellere Biere braut
    – das Bier gibt es ausschließlich im Hausverkauf vor Ort
    https://www.wir-brauen-bier.de/
  • Cramer Obergärig
    – obergäriges Wieß, 4,8%
    – aus der ältesten privaten Landbrauerei der Eifel (seit 1791) in Nideggen-Wollersheim
    http://www.cramer-bier.de/

121. Maisel & Friends IPA

Kurz vor Ende des Jahres geht es hier weiter mit einem Ausflug in die deutsche Craft-Bier-Szene. Alle kommenden Biere habe ich dabei im hiesigen REWE gekauft, wo es inzwischen eine recht passable Auswahl an außergewöhnlicheren Bieren gibt. Alleine das kann schon mal als positives Zeichen der wiederbelebten Biervielfalt gelten. Allerdings darf es dann doch auch mehr als das mittlerweile schon bekannte IPA sein.

Dennoch möchte ich heute genau mit einem solchen beginnen. Mal wieder – ich weiß gar nicht mehr, wie viele ich dieses Jahr schon getrunken habe. Aber mit der Brauerei Maisel geht ein wirklich namhafter Konkurrent ins Rennen. Schließlich haben es die Bayreuther relativ schnell verstanden über den Tellerrand zu schauen und sich dem Craft-Bier-Trend zu öffnen. Neben klassischen Craft-Bieren werden auch kreative Freestyle-Biere und sog. Co-Brewing-Biere, wobei mit anderen befreundeten Brauereien zusammengebraut wird. Der Name Maisel & Friends leitet sich daher und von anderen „Friends“ wie Winzern und Hopfenbauern ab, mit denen die Maisel-Brauer gemeinsam neue Brauideen entwickeln und deren Qualität verbessern. Obwohl die Maisel-Brauerei als eine der größten Privatbrauereien Deutschlands einen deutlichen Marktvorteil genießt, kooperiert sie seit Jahren mit vielen kleinen und jungen Brauern der Craft-Szene. Selbstverständlich auch um die eigene Expertise zu steigern, aber eben auch um diesen eine Chance zu geben und zu unterstützen und somit die deutsche Biervielfalt wiederzubeleben.

Das zu erwartende sehr hopfengeladene IPA steht dabei für:

„Intense. Pure. Awesome.“

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Außer dem Umstand, dass man die Malz- und Hopfensorten noch näher hätte benennen könne habe ich an dem Design tatsächlich nichts auszusetzen. Wirklich eine gelungenes Design-Kampagne.

  • Aussehen

Schönes hell-orange-Kupfer mit leichter Trübung und tollem haltbaren und feinporigem Schaum.

  • Geruch

Tatsächlich ein Mix aus Beeren und Wald, wobei angenehmerweise weniger Zitrus zu riechen ist.

  • Geschmack

Hier enttäuscht das Bier leider auf hohem Niveau etwas. Sowohl die Fruchtigkeit als auch die Bitterkeit können sich nicht ganz durchsetzen. Es schmeckt weder nach was Ganzem noch nach was Halbem. Trotz der gewissen Dumpfheit weich und abgerundet, leicht malzig und mit ansprechendem Körper. Auch die vorhergesagte Resenz könnte noch etwas spritziger sein. Im Abgang ist es dann aber überraschend herb und trocken.

  • Fazit

In fast allen Punkten ein wirklich herausragendes Bier. Allerdings bleibt bei aller Liebe zu den anderen Sinneswahrnehmungen der Geschmack am wichtigsten. Leider ist das Session-IPA hier am schwächsten. Es erreicht aber trotzdem noch gute und mehr als verdiente 12 Pkt. (2+) und hat wieder einmal gezeigt, dass jedes IPA doch wieder anders ist.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/session/ipa/.

Prost!

120. Bier & Gesundheit – Bierverköstigung November

Pinkus Müller Original | Riedenburger Doldensud | Mönchshof Schwarzbier | Guinness Extra Stout | Maisel´s Weisse Dunkel | Mort Subite Geuze Lambic | Theakston Old Peculier | Brewdog Jet Black Heart

Titel

Pünktlich zum Herbst mitsamt Schmuddelwetter und Erkältungswellen stand vorletzten Montag in Eule das Thema „Bier und Gesundheit“ an. Etwas, was auf den ersten Blick kaum zusammenpasst, da doch Bier seit vielen Jahren als gesundheitsgefährdend charakterisiert wird. Um sich diesem Thema aber mal etwas unvoreingenommener und differenzierter zu nähern hat Biersommelier Markus Weick diesmal den Arzt Albert Brüne als Gastreferent gewinnen können.

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Und nicht nur dieser – auch etliche wissenschaftliche Studien aus renommierten Instituten (u.a British Medical Journal, BKK 24, University of California) konnten zuletzt eine gesundheitsfördernde Wirkung von moderatem Bierkonsum feststellen. So verringert sich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25%. Sogar die allgemeine Sterblichkeit sinkt statistisch gesehen um diesem Wert. Selbstverständlich müssen hier immer auch die Kausalketten in Frage gestellt werden, aber dass sogar Abstinenzler eine 13% höhere Sterblichkeit haben als andere Gruppen ist zumindest interessant.

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Als moderater Biergenuss gilt daher eine Tageshöchstbelastung von etwa 15-40 g Alkohol bzw. 0,4-0,8l Bier pro Tag, wobei Männer hormonbedingt mehr trinken dürften als Frauen.

Als zentrale positive Eigenschaften von Bier gelten:

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Dabei hat Bier vor allem protektive Wirkung vor Altersdemenz, Cholesterin, Tumoren, Herzkranzgefäßerkrankungen, Gallen- oder Nierensteine, Osteoporose, Diabetes (Typ II) sowie viralen Infektionen:

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Hinzu kommen die positiven Eigenschaften der Vitamine und Mineralstoffe im Bier und seine verdauungsanregende Wirkung. Aber zwei Gefahren dürfen niemals außer Acht gelassen werden (v.a. bei erhöhtem Bierkonsum):

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Eine Lösung könnten daher (zumindest ab und an oder im Alltag) alkoholfreie Biere sein:

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Bier wurde aber natürlich auch verköstigt. Den Anfang machte dabei ein ganz besonderes Bier, da es das letzte Original Münster Altbier ist und aus einer der ältesten Bio-Brauereien Deutschlands kommt. Auch wenn es für einen Rheinländer zunächst gewöhnungsbedürftig, da mit Alt doch etwas andere Attribute verbindet:

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Mein Eindruck:
– Geruch: frisch, leicht süß, pilsig-aleig
– Geschmack: hopfig-herb, leicht sauer, leicht malziger Abgang, nach Kölsch bzw. Berliner Weisse

Das zweite Bier war ein Vetter eines Bieres auf unserer Franken-Bier-Tour:

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Mein Eindruck:
– Geruch: fruchtig, frisch, Maracuja-Citra
– Geschmack: süffig, süß, malzig, fruchtig, harmonischer Abgang

Das nächste Bier hätte ich eigentlich nicht erwartet. Denn wie Markus ging ich bisher bei dem Namen Mönchshof eigentlich von eher minderer Qualität aus – schließlich kann man es in fast jedem Bahnhof kaufen. Doch Markus ließ sich vor gar nicht allzu langer Zeit im Bier-, Brot- und Gewürzmuseum in Kulmbach eines Besseren belehren:

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Mein Eindruck:
– Geruch: mild, malzig, süß-sauer
– Geschmack: röstig, malzig, nicht süß, eher sauer, leicht herber Abgang

Das folgende Bier war bereits das dritte Guinness im Rahmen der Bierverköstigungen:

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Mein Eindruck:
– Geruch: leicht säuerlich, geringe Malznoten
– Geschmack: trocken, leicht nach Salami, röstmalzig, etwas wässrig – geringer Körper

Das letzte Bier der offiziellen Verköstigung war ebenfalls von dunkler Farbe, wobei diese nicht von Röstmalzen, sondern von beigemischtem Röstmalzbier hervorgerufen wird:

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Mein Eindruck:
– Geruch: schön bananig, wenig dunkelmalzig
– Geschmack: recht undifferenziert, bananig, weich, hefiger Abgang

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus:

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Markus und ich teilten uns dann noch folgendes Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

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  • Brewdog Jet Black Heart
    – Milk Stout aus der bekannten britischen Craft-Bier-Brauerei in Ellon
    – mit Hafer, Weizen und Lactose
    – obergärig, 4,7%
    http://mikkeller.dk/

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Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich auch wieder ein Mitbringsel aus der Eule (siehe auch http://www.fullers.co.uk/beer/explore-our-beers/old-winter-ale):

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Und zu guter Letzt noch ein kleiner Buchtipp: https://www.kopp-verlag.de/Die-Heilkraft-des-Bieres.htm?websale8=kopp-verlag&pi=947000&ci=000475&ref=bing&subref=Heilkraft%2520des%2520Bieres.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

119. St. Bernardus Prior 8

Einläutend zu meinem verlängerten Wochenende darf ich mich heute (wieder mal) auf ein Klosterbier freuen. Wobei es genauer gesagt gar kein Klosterbier mehr ist. Aber eins nach dem anderen.

Die Geschichte beginnt im frühen 13. Jahrhundert als das Trappistenkloster Abtei St. Sixtus in Westvleteren in Flandern gegründet wurde. Im Laufe der Zeit wird wahrscheinlich auch schon Bier gebraut, allerdings dauert es bis 1838 bis eine offizielle Brauerei gegründet wird. Zu eben jener Zeit flüchtete eine ganze Klostergemeinschaft aus Frankreich infolge der dortigen radikalen Säkularisierung in die Nähe des Klosters und starteten den Aufbau einer Käsefabrikation. Zwar kehrten die Mönche in den 1930er Jahren wieder in die französische Heimat zurück, doch die Käseproduktion wurde übernommen und expandiert. Nach dem zweiten Weltkrieg entschieden sich die Sixtus-Mönche ihre Bierproduktion professionalisieren zu wollen und nutzten die Vertriebsmöglichkeiten der Käserei. Aus diesem Grund wurde die Brauerei St. Bernadus ins Leben gerufen und produzierte fortan in Watou das Sixtus-Bier. Im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte brauten beide Brauereien parallel weiter. Die eine im kleinen Stil, die andere etwas größer. Als 1992 der Lizenzvertrag auslief wurde die Marke in den Namen St. Bernardus umgewandelt, während das Kloster weiter Bier mit dem Namen Trappist Westvleteren herstellt. Zentraler Unterschied: Ersteres wird international vertrieben, letzteres muss man vor Ort abholen und darf auch nur 2 Kästen pro Auto und Jahr mitnehmen.

Heute werden also zwischen Dünkirchen und Lille gleich zwei Biere gebraut, die eine gemeinsame Geschichte teilen.

Steckbrief

119_St. Bernardus Prior 8-Steckbrief

Bewertung

119_St. Bernardus Prior 8

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Flaschendesign ist klassisch belgisch gehalten und ist weder besonders grausam noch sehr herausragend. Der individuelle Kronkorken wird wie immer positiv verbucht.

  • Aussehen

Eine dunkelbraun-rot-Kastanie mit natürlicher Trübung und einer hervorragenden feinporigen Schaumkrone.

  • Geruch

Dunkel-malzig, leicht hopfig-fruchtig-bitter und alkoholaromatisch.

  • Geschmack

Es dominieren eine röstmalzige und zugleich leicht fruchtige Süße. Dabei kommt neben einer geballten Ladung an leckerem Malz nur wenig Hopfen durch. Für die beinhalteten 8% hält sich auch das Alkoholaroma in Grenzen. Leider ist aber auch der zugesetzte Zucker recht deutlich schmeckbar. Ansonsten recht prickelnd und im Abgang ein wenig herb aber eher süßlich.

  • Fazit

Insgesamt im Grunde eigentlich ein tolles ehemaliges Abteibier, was in vielen Punkten überzeugen kann. Wenn da eben nicht der Zucker wäre. Wenn man ihn schon unterstützend einsetzen muss, was ich nicht unterstützen würde, dann sollte man schon darauf achten, dass dieser nicht derart klar schmeckbar ist. Deshalb kann es (leider) nicht mehr als 10 Pkt. (2-) geben.

119_St. Bernardus Prior 8-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.sintbernardus.be/stbernardusprior8.php?l=en.

Weitere Infos zur Abtei St. Sixtus: http://sintsixtus.be/trial/bierverkoop/.

Prost!

118. Liefmans Fruitesse

Mit dem zweiten belgischen Bier der Woche fische ich weit außerhalb der Bierjubiläum-Peripherie. Denn eigentlich entspricht es gar nicht meinen Kriterien, welche ich mir für das Blog angesetzt hatte. Schließlich beinhaltet es neben Kirschsaft auch Aroma- und Süßstoffe. Nichtsdestotrotz möchte ich dem Bier eine Chance geben und nochmals ein Frucht-Bier testen. Die Brauerei aus der Nähe von Gent in Flandern kann dabei zumindest schon auf eine Geschichte seit 1679 zurückgreifen.

Ein Frucht-Bier ist im Übrigen nicht mit einem Biermix-Getränk, wie bspw. einem Radler, gleichzusetzten. Denn im Gegensatz zum Biermix, wo dem Ausgangsbier in der Regel Limonaden beigemischt werden, wird beim Fruchtbier die Fruchtmasse miteingebraut, sodass es streng genommen kein Mischgetränk ist.

Was mich genau erwarten soll, sagt Liefmans selbst:

„Sipping a Liefmans Fruitesse on the rocks is like taking a city break in Berlin, soaking up the atmosphere in Milan or discovering culture in New York.“

Berlin, Mailand, New York – hoffentlich wurde hier nicht die Branche verwechselt… 😉

Außerdem schlägt Liefmans noch diverse Biermix-Cocktail-Rezepte für das Fruitesse vor, die zum Teil wirklich sehr interessant klingen.

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Flaschendesign und Äußeres finde ich erstmal recht überzeugend und sehr ansprechend.

  • Aussehen

Sehr pink-rot. Durch die Früchte natürlich gut getrübt und mit einer recht schönen Schaumkrone.

  • Geruch

Sehr sehr beerig. Vor allem Kirsch und Himbeere kommen stark heraus. Vom Malz ist zwar praktisch keine Spur, dafür lässt sich noch ein Hauch Hopfen erahnen.

  • Geschmack

Wenig überraschend dominieren auch hier eindeutig die beerigen Noten. Sehr sehr fruchtig also und nur ganz wenige Malznuancen. Allerdings merkt man dem „Bier“ insbesondere im Abgang auch recht deutlich die künstlichen Aroma- und Süßstoffe an. Dafür punktet es ganz klar in Sachen Frische und Spritzigkeit.

  • Fazit

Aufgrund der fehlenden Vergleichbarkeit zu den anderen Bierjubiläum-Bieren möchte ich an dieser Stelle auf eine dezidierte Bewertung verzichten.

Positiv: Wirklich eine wahre Fruchtexplosion mit vier unterschiedlichen roten Beeren – schmeckt zumindest sehr gesund und kann sich wirklich sehr gut in Biermix-Cocktails sehen lassen.

Negativ: Die verwendeten Zusatzstoffe relativieren leider den Gesamteindruck und verhindern ein authentisches Geschmackserlebnis – einfach unnötig…

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.liefmans.be/en/fruitesse-on-the-rocks.

Prost!

117. Silly Green Killer IPA

Nach dem gestrigen IPA, gibt es heute den Direktvergleich aus Belgien. Gleichzeitig ist es eines von drei belgischen Bieren, die hier folgen werden. Dabei hat es das heutige Bier alleine schon von Namen her schwer sich auf dem internationalen Markt durchzusetzen. Um Verwirrungen vorzubeugen: Der Name leitet sich vom Brauort Silly südwestlich von Brüssel in der Wallonie ab. Im Vergleich zu Samuel Adams kann die Silly-Brauerei auf eine deutlich längere Historie zurückgreifen. Denn bereits 1850 gegründet gehört es zu den wenigen Brauereien, die in schwierigen Marktzeiten die Erweiterung auf moderne Kreativbiere geschafft haben. So braut man nach eigenen Angaben etwa das einzige Bio-Bier in ganz Wallonien. Die in der 6. Generation geführte Brauerei erreichte letztes Jahr einen Gesamtausstoß von 18.000 hl. Inwiefern sich denn auch das Bier vom amerikanischen Pendent unterscheidet werde ich nun prüfen. Das dürfte mich erwarten:

„The Green Killer IPA is a well-hopped beer with quite a high rating on the bitterness scale. Its powerful aromas include touches of citrus and spice. In the rather dry finish, the malt comes to the fore beautifully.“

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ähnlich wie mir etwas zu flippig. Außerdem hätten durchaus noch mehr Informationen untergebracht werden.

  • Aussehen

Hell-orange-gold mit leichter Trübung und einer überdurchschnittlich guten und haltbaren Schaumkrone.

  • Geruch

Wie versprochen sehr trocken-hopfig und grasig – aber auch verhältnismäßig viel Malzaromen.

  • Geschmack

Noch bitterer als , dafür aber auch etwas fruchtiger mit malzigen Zwischentönen. Insgesamt sehr weich und wenn es nicht so bitter wäre, fast schon süffig. Im Abgang ist das weniger erfrischende IPA süßlich-herb.

  • Fazit

Am Anfang war ich wirklich positiv überrascht. Danach muss ich sagen, hat sich der Ersteindruck etwas relativiert. Auch wenn es insgesamt nicht schlecht gemacht ist und auch recht gut schmeckt, ist es mir doch etwas zu bitter und trocken. Durch die dezentere Fruchtsüße hebt es sich zwar von der IPA-Masse etwas ab, kann bei mir aber leider nicht punkten. Deshalb in Summe (nur) 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://silly-beer.com/en/our-beers/.

Prost!

116. Samuel Adams Rebel IPA

Zum vorläufigen Abschluss meiner kleinen Bierweltreise geht es nochmals auf den amerikanischen Kontinent. Und zwar an die US-amerikanische Ostküste zur Metropole Boston. Dort ist eine der ältesten Craft-Brauereien der USA und somit der Welt beheimatet und kann somit auf eine lange Erfahrung des kreativen Bierbrauens bauen. Bereits zur Bierverköstigung in der Eule im gab es bereits das ein oder andere Bier dieser Brauerei. Und auch das heutige Bier habe ich bei der letzten Verköstigung mitgenommen. Interessanterweise ist dieses India Pale Ale nach Westcoast-Style gebraut. Mal schauen, wie es sich sonst noch von der inzwischen großen Masse an IPAs abheben kann.

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Nicht das schlechteste Design, aber auch nicht ganz mein Geschmack. Dafür eine Brauerei-eigene Reliefflasche.

  • Aussehen

Dunkel-gold-bronze-farben mit erkennbarer Trübung und feinporiger Schaumbildung.

  • Geruch

Sehr trocken-hopfig und grasig; dadurch weniger fruchtig, als andere IPAs. Ansonsten noch blumig-malzige Nuancen.

  • Geschmack

Insgesamt ziemlich bitter mit süßlichen und grasigen Zwischentönen. Das Bier hat recht viel Körper aber wenig Resenz. Im Abgang dann trocken-herb.

  • Fazit

Mit der Fokussierung auf eine weniger (zitrus-)fruchtige Ausrichtung um stattdessen mehr grasige Hopfenaromen zu kreieren, gelingt in der Tat eine etwas andere Interpretation eines IPA. Da es allerdings aber auch nicht herausragen ist, verpasst es mit 12 Pkt. (2+) eine Spitzennote.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.samueladams.com/craft-beers/rebel-family/rebel-ipa.

Prost!

115. Einstök Icelandic White Ale

Zum Wochenendstart darf ich heute ein Bier trinken über das ich mich schon länger besonders freue. Bekannt gemacht wurde es mir von Bekannten aus ihrem Island-Urlaub. Da ich zunächst nicht damit rechnete es auch mal selbst trinken zu können, war ich umso mehr überrascht als ich es in der Bierothek in Bamberg gesehen habe. Die Kaufentscheidung fiel mir also nicht sehr schwer. Aber was macht das Bier so besonders? Nun, zunächst mal der Brauort: Nur wenige Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises gilt die Einstöck Ölgerð als eine der nördlichsten Brauereien der Welt. Einstöck Ölgerð bedeutet übrigens so viel wie einmalige Brauerei, wobei das Wort für Brauerei und für Paradies auf isländisch identisch sind. Zudem ist es eines der wenigen Witbiere, die außerhalb Belgiens gebraut wird. Hinzu kommen die einmaligen Zutaten: Neben dem Zusatz von Hafermalz werden auch Orangenschalen und Koriander im isländischen Gletscherwasser mit eingebraut.

„Our quest was to make the best white ale we ever tasted, with the complex flavors of a classic witbier, all brewed with pure Icelandic water for a cool smoothness that is deliciously refreshing.“

Zwar ist Einstök nicht das einzige Bier Islands, aber wohl inzwischen das Bekannteste, da man es sehr gut verstanden hat auf den europäischen Craft-Bier-Zug aufzusteigen und es in vielen Läden unterbringen konnte.

Steckbrief

115_Einstök Icelandic White Ale-Steckbrief

Bewertung

115_Einstök Icelandic White Ale

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wahrlich ein tolles Äußeres! Selbst nach langem Suchen fällt mir nichts erwähnenswertes ein, was ich daran auszusetzen hätte.

  • Aussehen

Sehr hell-gelb Ei-farben mit einer starken Trübung und schlieriger geringer Schaumbildung.

  • Geruch

Wirklich sehr fruchtig, sauer, hopfig-grasig und frisch. Sowohl die Orange als auch den Koriander kann man tatsächlich erriechen.

  • Geschmack

Witbier-typisch ist es sehr sauer-fruchtig. Aber auch trocken-würzig. Das dreifach-Malz schmeckt man hingegen nur unterschwellig heraus. Im Abgang ist es lecker fruchtig-herb. Auch Witbier-typisch ist der sehr hohe Prickelfaktor.

  • Fazit

Es fällt mir auch im Fazit wirklich schwer negative Kritikpunkte zu finden. Sicher ist die Erscheinung im Glas und der Geruch noch ausbaufähig. Auch ist es natürlich generell schwierig ein solches Bier mit anderen klassischeren Bieren zu vergleichen. Aber ansonsten wirklich ein hervorragendes und besonderes Bier zugleich. Kurzum: Das beste Witbier, was ich je getrunken habe. Meine Vorfreude war also nicht umsonst, obwohl der Bierstil eigentlich nicht mein Favorit ist. In Zahlen heißt das dann: 14 Pkt. (1-).

115_Einstök Icelandic White Ale-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://einstokbeer.com/icelandic-white-ale/.

Prost!

114. Maccabee

Etwas verspätet zum Jahrestag der Reichsprogromnacht gibt es heute passenderweise ein israelisches Bier. Dabei ist das Maccabee das wohl populärste Bier Israels. 1968 zum ersten mal von der Tempo Beer Industries auf den Markt gebracht, ist es inzwischen Israels führende Biermarke. Die Brauerei wurde 14 Jahre zuvor von Moshe Bornstein gegründet und ist mit ca. 1200 Mitarbeitern die größte Brauerei Israels. Produziert wird an den beiden Standorten Netanya und Holon. Da man eine geschäftliche Kooperation mit Heineken eingegangen ist, vertreibt Tempo Beer u.a. auch das deutsche Paulaner in Israel. Der Name „Maccabee“ rührt übrigens von den jüdischen Makkabäern, welche im 2. Jahrhundert vor Christi einen erfolgreichen Aufstand gegen die im damaligen Judäa herrschenden griechischen Seleukiden anführten. Sehr erfreulich hervorzuheben ist außerdem die Authentizität: „Product of Israel“ ziert die Flasche, womit keine Zweitbrauerei zwischengeschaltet ist.

Steckbrief

114_Maccabee-Steckbrief

Bewertung

114_Maccabee

  • Flaschendesign + Kronkorken

Fast schon ein Stereotyp eines durchschnittlichen Bierflaschendesigns. Positiv: viele Informationen sind darauf untergebracht und der Kronkorken ist mit seiner hebräischen Schrift auch recht ansehnlich.

  • Aussehen

Gold, klar fast keine Schaumbildung.

  • Geruch

Etwas industriell, aber erkennbar pilsig mit einem ausgewogenen Mix aus Malz- und Hopfen-Noten.

  • Geschmack

Schön malzig, wenig gehopft und insgesamt ziemlich süffig mit geringem Körper. Im Abgang leicht herb und unauffällig frisch. Erinnert etwas an das Pilsner Urquell.

  • Fazit

Alleine der Informationsreichtum, der sich im Steckbrief widerspiegelt ist ein positives Fazit wert. Aber auch das Bier kann durchaus überzeugen. Zwar sicher kein hochqualitatives und kreativ-handwerkliches Produkt, aber für ein Weltmarkt-Bier wirklich gefällig und authentisch. Aus vielen Gründen erhält das Maccabee somit gute 12 Pkt. (2+).

114_Maccabee-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.tempo.co.il/beers/maccabee/.

Prost!

113. Nigeria Pal

Nach einer kurzen Pause geht die kleine aber feine Weltreise weiter und erreicht nach Amerika und Asien den dritten Kontinent: Afrika. Genauer gesagt geht es nach Nigeria. Dort wird das Nigeria Pal gebraut – ein Lager, von dem nach zumindest der Online-Recherche nach nur sehr dürftige Informationen erhält. Auch dieses Bier wird für das Haus der 131 Biere in Belgien produziert, sodass keine vollständige Authentizität gewährleitstet werden kann. Die Besonderheit an diesem Bier liegt sicherlich in der Verwendung von Mais als zusätzliches „Bier-Getreide“.

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ähnlich wie .

  • Aussehen

Sehr golden und klar mit einer fast üblichen mäßigen Schaumkrone.

  • Geruch

Leicht industriell und ziemlich metallisch. Nur wenig malzig und hopfig-grasig.

  • Geschmack

Geschmacklich zum Glück nicht mehr so metallisch. Dafür sehr weich und süffig und insgesamt recht malzig-süß. Im matten Abgang süßlich-blumig.

  • Fazit

Tsja, was soll man von einem solchen Bier halten. Wenig spektakulär, weder wirklich gut noch richtig schlecht. So recht verstehe ich auch nicht die Marketing-Strategie vom Hd131B, da ich mir bei einem solchen Bier doch mehr Hintergrundinformationen wünschen würde. Summa summarum ergibt das dann (etwas strenge) 7 Pkt. (3-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.biershop-hamburg.de/Pal-Nigeria.

Prost!

Gleisbrauer im alten Bahnhof Frechen

Heute stand der Besuch der Gleisbrauerei im alten Bahnhof von Frechen an. Dies ist eine der jüngsten und zugleich auch schon wieder letzten Brauereien im Rhein-Erft-Kreis. Schon lange geplant, aber nun durch das diesmonatige Spezialbier Maronenbräu (darf gesetzlich nicht Bier heißen…) „gelokt“ und endlich mal besucht. Und es hat sich gelohnt: Sehr leckeres und interessantes Bier wie Essen sowie eine sehr schöne Location. Definitv empfehlenswert.

Flyer Bierdeckel

Außenansicht:IMG_20161106_122126

Inneneinsicht zur Brauerei:IMG_20161106_124159

Bierfacts:

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  • Gleisbrauer Maronenbräu:
    – 13.5°P; 5,2%; obergärig
    – Spezialbier des Monats November
    – neben Soraci Ace-Hopfen und Münchener Gerstenmalz sind Maronen mit eingebraut
    – und diese schmeckt man auch heraus – aber für meinen Geschmack etwas zu wenig
    – wieder mal noch ein Beispiel, warum das Reinheitsgebot reformiert werden muss

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  • Gleisbrauer Lokstoff:
    – obergärig und naturtrüb – neben dem Kölsch-Äquivalent Finchen das zweite Permanent-Bier der Brauerei
    – mit Tettnanger Hopfen und ebenfalls Münchener Gerstenmalz hergestellt
    – wirklich sehr sehr lecker süffig, malzig, hefig mit einem langen Abgang

Weitere Infos unter: http://www.gleisbrauer.de/

112. Godawari Premium Lager

Von der seichten Karibik geht es heute in schwindelerregenden Höhen zum höchsten Gebirge der Erde. Denn unweit von Katmandu im nepalesischen Hetauda wird seit über 40 Jahren das Godawari Lager gebraut. Gegründet vom Hamburger Dr. Huppmann ist heute erneut ein deutscher an der Brauerei beteiligt. Der Wirtschaftsjurist Thomas Schlau aus Koblenz braute hier zunächst seine Eigenkreation Coblenzer Märzen, bevor er selbst direkt in die Brauerei investierte. Mit bis zu 130.000 hl p.a. gehört die United Brewery inzwischen zu den größten und ältesten Brauereien der Himalaya-Nation. Der Name ist auf ein in der Nähe der Brauerei befindliches Dorf zurückzuführen, in dem ein Waisenhaus steht, für das je Flasche 1 ¢ gespendet wird. Inhaltlich bietet das Lager zwei (recht naheliegende) Besonderheiten: Es wird mit Himalaya-Wasser sowie Reis gebraut (und wäre damit nicht Reinheitsgebots-konform). Das Bier, was ich heute vor mir habe wird dabei jedoch nicht in Nepal selbst hergestellt, sondern per Lizenzverfahren in Belgien, damit es einfacher im Hamburg durch das Haus der 131 Biere vertrieben werden kann.

Steckbrief

112_Godawari-Steckbrief

Bewertung

112_Godawari

  • Flaschendesign + Kronkorken

Für meinen Geschmack zu unprofessionell und verspielt, aber sicher für internationale „Nepal-Verhältnisse“ angemessen. Leider auch nur ein Uni-Kronkorken.

  • Aussehen

Hell-gold-gelb und klar mit geringer schlieriger und wenig haltbarer Schaumbildung.

  • Geruch

Relativ angenehm malzig und leicht angehopft sowie klar grasig-reisig.

  • Geschmack

Insgesamt eine Komposition aus malzig-süßlichen, grasigen und leicht sauren Noten. Bei recht guter Resenz ist es sehr süffig. Im Abgang überraschend malzig und leicht herb. Auch hier ist der Reis noch zu schmecken.

  • Fazit

Auch wenn es natürlich schade ist nicht das Original-Bier aus Nepal trinken zu dürfen, so macht auch der belgische Klon einen guten Eindruck. Als eines der vielen Beispiele, warum das deutsche Reinheitsgebot von heute einer dringenden Reform bedarf, erreicht es in meiner Gesamtwertung gute 10 Pkt. (2-).

112_Godawari-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.biershop-hamburg.de/Godawari.

Prost!

111. Guama

Nach einer fiesen Männergrippe geht es hier weiter mit einer kleinen Bierweltreise. Beginnen möchte ich in Kuba. Zumindest kommt das heutige Bier augenscheinlich dorther. Denn sowohl Aufmachung als auch Labelsprache vermitteln genau diesen Eindruck. Ähnlich wie zum Beispiel die Biere , welche ich bereits selbst 2014 auf Kuba genießen durfte. Allerdings wird dieses Bier bei näherer Recherche in Rostock für das Haus der 131 Biere in Hamburg produziert. Das liegt nahe, denn von dort bzw. von der habe ich es schließlich auch erstanden. Etwas schade also, dass ich hier kein richtig authentisches Bier vor mir habe, aber durchaus ja kein Einzelfall bei den Bieren des Hamburger Vertriebunternehmens. Der Name Guama leitet sich übrigens vom gleichnamigen Bezirk in der Nähe von Santiago de Cuba ab.

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wie bereits erwähnt, kommt das Bier sehr kubanisch (und international) daher. Hauptsprache ist Spanisch. Der abgebildete Indianer rührt daher, dass in der kubanischen Region Guama eines der wenigen Indianerdörfer Kubas besteht. Also ein wahres Denk- oder Mahnmal auf dem Etikett.

  • Aussehen

Glasklar, hell-gold-gelb und mäßige aber recht haltbare Schaumbildung.

  • Geruch

Zwischen anfänglichen malzigen und abschließenden hopfigen Nuancen insgesamt sehr industriell und metallisch.

  • Geschmack

Der metallische Eindruck setzt sich auch hier fort. Ansonsten recht wässrig, malzig und trocken-hopfig. Bei geringem aber vorhandenem Prickelfaktor gibt es einen feinherben Abgang.

  • Fazit

Leider ist das Guama weder so authentisch noch qualitativ hochwertig wie erhofft. Man wird den Eindruck nicht los, als wurden hier Produktionsreste wiederaufbereitet. Deshalb kann es mit etwas Wohlwollen auch nicht mehr als 6 Pkt. (4+) in der Gesamtwertung geben. Bleibt zu hoffen, dass dieses Bier nicht nach Kuba exportiert wird – das würde einen miserablen Eindruck der wirklich guten deutschen Braukunst vermitteln und wäre im Übrigen auch keine gute Konkurrenz zu den dortigen Bieren, wie ich nun aus eigner doppelter Erfahrung bestätigen kann.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.guama.de/html/cerveza_guama.html.

Prost!