Archiv für den Monat: Februar 2017

Karneval 2017

Auch wenn Karneval nicht gerade die Zeit ist Bier bewusst zu genießen, hatte ich doch neben den Feierlichkeiten die Gelegenheit ein paar neue Bio-Biere zu probieren. Alle drei erworben aus dem Biomarkt des Anrather Stautenhofs. Als Demonstrationsbetrieb erhielt der Hof 2014 den 1. Platz im Förderpreis ökologischen Landbaus. Außerdem ist der Stautenhof ein dem Naturland- und Bioland-Verband angeschlossener Biohof. Also in vielerlei Hinsicht absolut einen Besuch wert.

  • Pinkus Müller Pils & Hefe-Weizen:
    – 11.6°P; 5%; untergärig / 12.3°P; 5%; obergärig
    – aus der letzten von einst 150 Altbierbrauereien in Münster
    – inzwischen seit 1816 schon in der fünften Familiengeneration
    – schmeckt angenehm herb und leicht säuerlich-süß
    https://www.pinkus.de/brauerei/biervielfalt/

  • Neumarkter Lammsbräu Urstoff:
    – 11.5°P; 4,7%; untergärig
    – 1628 in Neumarkt in der Oberpfalz gegründet stellte man bereits 1986 vollständig auf Biostandards um
    – neben einer Reihe von Gourmet-Bieren werden auch glutenfreie Alternativ-Biere gebraut – ebenfalls eine Pionier-Leistung
    – zudem ist man mit 80.000 hl der größte Bio-Bier-Brauer der Welt
    – herrlich würzig-getreidig und süffig
    https://www.lammsbraeu-biobier.de/bio-biere/detail/bio-biere/urstoff/

Vielen lieben Dank auch nochmals auf diesem Wege an die besten Schwiegereltern der Welt für das bierige Mitbringsel aus der Heimat.

Helau und Alaaf!

167. Camba Black Shark

Kurz vor Karneval lerne ich heute nochmal einen mir völlig unbekannten Bierstil kennen: Das schwarze Imperial India Pale Ale. Hersteller ist das deutsche Kreativbier-Haus Camba. 2008 gegründet hat es heute bereits auf drei Standorte expandiert. In Seeon am Klostersee nördlich des Chiemsees wird hauptsächlich gebraut. In Truchtlaching an der Altz (ebenfalls im Chiemgau) befindet sich die Camba-Biererlebniswelt. Dort gibt es neben einer zweiten kleineren Brauerei für Führungen und Erlebnisbrauen und Veranstaltungsräume für Bierverkostungen oder Feiern auch ein gastronomisches Angebot u.a. mit 15 Fassbieren sowie einen Biershop. Vergleichsweise viel weiter westlich, an der Grenze zu Baden-Württemberg in Gundelfingen an der Donau gelegen, ist dann noch die Camba Old Factory zu finden. Hier gibt es eine Schau-Brauerei, in der man den Brauprozess ganz transparent verfolgen kann und für Brauer mietbare Brauanlagen zum Selbstbrauen oder für Brauexperimente. Zudem werden hier alle Holzfassgereiften Camaba-Biere produziert und gelagert. Dass ich Hoffnungen haben kann, dass auch der schwarze Hai von sehr guter Qualität ist belegen die Auszeichnungen der letzten Jahre. Nach zwei goldenen Medaillen hintereinander, gab es 2016 beim Meiningers International Craft Beer Award sogar die Platin-Krönung.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Black IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  20.2°P
Alkoholgehalt. . . . . .
8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Seeon
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Rhabarber, Stachelbeere und Pfirsich werden mir beim Geruch versprochen – aber nur die Beere kann ich zweifelsfrei identifizieren. Zudem könnten auch Rhabarber-Noten herauskommen. Die Pfirsich hingegen rieche ich nicht. Da fehlt mir wohl noch etwas Erfahrung. Eher würde ich es als dumpf-süße Bitternoten nennen und noch waldig als Attribut hinzufügen. Geschmacklich liegt die Beschreibung aber fast goldrichtig: weiche Röstaromen, süße Kaffee- und Bitterschokoladennoten mit einem Hauch von Gewürzkuchen und Lakritz. Zudem hat es natürlich viel Körper und ist wirklich sehr cremig. Insgesamt sehr harmonisch mit süßlich herbem Abgang, wobei tatsächlich auch die fünf verwendeten Hopfen durchkommen. Aber in einem Punkt muss ich der Beschreibung widersprechen: Es ist weit weniger bitter als angedroht – vielmehr dominieren eher die Röstmalznoten. Diese sind mir zwar auch wieder etwas zu stark, allerdings ist es durch seine klar bessere Ausgewogenheit deutlich spannender als noch beispielsweise das Gonzo. Deshalb gibt es auch hier keine Bestnote, aber immerhin noch 11 Pkt. (2) in der Gesamtwertung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.camba-bavaria.de/internationale-biere/camba-black-shark/.

Prost!

166. Flying Dog Gonzo Imperial Porter

Das heutige Bier ist – wie so oft in letzter Zeit – ein Erwerb aus dem Bonner P&M Getränke. Dort fast schon im Standard-Sortiment gehört die Flying Dog Brauerei. 1990 als Brewpub in Aspen/Colorado gegründet befindet sich die Brauerei seit 1994 in Frederick/Maryland – unweit der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C.. Damit gehört die Brauerei selbst für US-amerikanische Verhältnisse zu den eher älteren Craft-Beer-Breweries. Das Imperial Porter ist Mitte der 2000er-Jahre auf dem Markt erschienen und hat seitdem u.a. folgende Auszeichnungen errungen:

– 2009 GOLD MEDAL: Great American Beer Festival – Imperial Stout
– 2008 GOLD MEDAL: World Beer Cup – American-Style Imperial Stout
– 2008 SILVER AWARD: Euro Beer Star – Porter

Imperial Porter befinden sich Bierstil-technisch etwa zwischen einem normalen (Baltic-)Porter und einem Imperial Stout, wobei bei gleich hoher Malzigkeit eigentlich weniger Röstaromen als bei einem Stout auftreten. Außerdem ist es ein Stil, der zugegebenermaßen bisher im Bierjubiläum etwas zu kurz gekommen ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
9,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Frederick / Maryland / USA
Erscheinungsjahr. . .
2005

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Also entweder habe ich falsch recherchiert oder das Imperial Porter ist ein verkapptes Stout. Was sich bereits im Geruch mit dominanten Röstaromen und zusätzlich süßlich-malzige und leicht fruchtig gehopfte Nuancen sowie leicht unangenehme waldige Bitternoten andeutet, schlägt sich im Geschmack voll durch. Die Zunge wird gerade zu überwältigt von der enormen Röstung und dem großen Körper. Zudem trocken-malzig und natürlich auch entsprechend alkoholaromatisch. Auch hier fällt der etwas bittere Abgang negativ ins Gewicht. Aber auch ansonsten für meinen Gaumen schlichtweg zu viel. Perfekt für Röstmalz-Fans, für mich dann aber doch etwas zu dunkelröstig-dominant. Deshalb im Gesamtpaket auch „nur“ 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: http://flyingdogbrewery.com/?beers=gonzo-imperial-porter.

Prost!

165. Achel Trappist 8° Blond

Das heutige Bier ist noch ein Mitbringsel aus der Kierberger Eule von der letzten Monatsverkostung. Dabei zählt es zu den seltensten Bieren Belgiens und greift quasi schon einmal der März-Verkostung „Belgische Abteibiere“ vor. Es ist wahrscheinlich deshalb so selten, weil es in der kleinsten Trappisten-Brauerei des Landes hergestellt wird. Trappisten-Brauereien sind ein sehr alter Bestandteil belgischen Bierkultur. Ähnlich wie in den deutschen Klosterbrauereien wird dort das Bier in Abteien von Mönchen gebraut. Die 1686 gegründete St. Benediktus-Abtei, auf die die Achel-Brauerei fußt, weist schon im Jahre 1648 eine eigene Brauerei aus, die allerdings eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Zweimal musste sie dabei schon wiederaufgebaut werden und zweimal halfen die Mönche aus Westmalle aus. Das erste Mal war die französische Revolution, dessen Ausschreitungen bis in die belgisch-niederländische Grenzregion reichten, der Grund – zwischen 1844 und 1852 wurde die Abtei das erste Mal wieder errichtet. Die zweite Zerstörung während des ersten Weltkrieges war für die Brauerei nachhaltiger. Erst 1998 wurde die Brauerei direkt an der Grenze zu den Niederlanden in der belgischen Provinz Limburg erneut eröffnet.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Blond(e)
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamont-Achel / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
1648/1871/2001

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Das heutige Bier macht es genau umgekehrt zum gestrigen Espresso-Stout: Nach mäßigem Geruchseindruck, der zwar blumig-frisch, bananig-hefig und grasig aber auch interessanterweise leicht industriell-metallisch riecht, ist der Geschmack erfreulicherweise positiver. Insgesamt dezent süß, grasig, dumpf hefig-fruchtig und ganz wenig gehopft erinnert es spannenderweise etwas an ein deutsches Hefeweizen. Das Alkoholaroma steigt im guten Körper kontinuierlich an, erreicht aber nie ein Level, welches 8% vermuten ließen. Typisch belgisch also ;). Alles in allem ist das Bier aber nicht wirklich herausragend, zudem stören die etwas unangenehmen Bitternoten etwas. So heißt es auch hier und heute am Ende 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.achelsekluis.org/pageNL/frame.html?loc=http://www.achelsekluis.org/pageNL/brouwerij.html&gr=3.

Prost!

164. BrewBaker Espresso Stout

Nach einem wunderschönen aber auch leicht ermüdenden Familien-Schwimmbad-Nachmittag kommt mir das heutige Bier sehr gelegen. Es stammt aus einer für deutsche Verhältnisse recht alten Craft-Bier-Brauereien in Berlin. 2005 gegründet, musste die Braustätte von BrewBaker inzwischen schon zweimal umziehen um der stetig steigenden Nachfragen noch genügen zu können. Inzwischen werden die über 10 Sorten in der Nähe des Berliner Großmarktes gebraut. Der erste Unternehmenssitz und Braustätte lag aber im Hansaviertel unweit vom Schloss Bellevue – seit 1994 erster Amtssitz des ersten Bürgers im deutschen Staate. Alle BrewBaker-Biere werden nach Bio-Norm hergestellt, ob der Origo-Espresso in diesem Stout zusätzlich auch noch Fair-Trade ist lässt sich nicht herausfinden. Das verwendete Schon-Trommelröst-Verfahren verspricht jedoch gute Qualität. Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf dieses nach deutschen Recht grundsätzlich nicht Bier zu nennendes Stout, schließlich ist es selbst im Kreativbier-Segment recht ungewöhnlich direkt Kaffee ins Bier zu kippen. Für gewöhnlich werden die Stout-typischen Kaffee-Aromen durch Verwendung von speziell gerösteten Malzen sowie unterstützenden Hefen erzeugt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Espresso, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2005

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________6
Fazit

„Das Leben ist zu kurz für schlechtes Bier und schlechten Kaffee. Warum dann nicht ein gutes Stout vom Brewbaker mit dem wunderbaren Espresso von Origo vermählen? Also der Hefe hat es gefallen, dem Braumeister auch…“

…mir allerdings nicht so sehr. Während der Geruch noch mit tollen weichen und süßen Schokonoten an einen leckeren Milchkaffee (nicht Cappuccino) erinnert, überrascht der Geschmack mit einem doch sehr dünnen Körper und einer leicht fruchtigen und unangenehmen Bitterkeit. Lediglich der trocken-herbe Abgang versöhnt wieder etwas. Insgesamt hätte ich einfach mehr Nähe zu einem Milk-Stout erwartet und gewünscht, vielleicht hatte ich aber auch nur die falsche Trinktemperatur und man hätte es eher als Glühbier trinken sollen. Im Summe deshalb leider nicht mehr als 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://brewbaker.de/uber-uns/.

Weitere Infos zum Kaffee unter: http://www.origo-kaffee.de/.

Prost!

163. Rogue 7-Hop IPA

Nach einer kleinen Bierauszeit steht heute alles im Zeichen der 7. So steht am heutigen 17.02.17 das 7,77%ige 7-Hop-IPA von Rouge an. Ein Bier aus einer klassischen US-amerikanische Craft-Bier-Brauerei und dazu noch einer der ältesten dieser Art. Dadurch gehört Rouge heutzutage zu den populärsten Craft-Bier-Herstellern der Welt. Eine Besonderheit der Brauerei ist wohl der Umstand, dass in Newport/Oregon 10 eigens gezüchtete oder angebaute Hopfensorten gedeihen und somit den Bieren ihr ganz individuelles Aroma verleihen. Im vorliegenden IPA sind davon gleich 7 verwendet worden; die da wären:

Rogue Farms Liberty, Newport, Revolution, Rebel, Independent, Freedom & Alluvial

Dass das Bier zumindest nach intersubjektiven Kriterien gut sein muss belegen die beiden Goldmedaillen im 2014er European Beer Star und 2015er World Beer Championship. Ob es aber auch meinem Gaumen schmeckt, ist insofern vorab schwer zu sagen, weil ich eigentlich inzwischen eine grundsätzliche Skepsis gegenüber überhopften Ales habe. Einfach zu viele vermeintliche Kreativbrauer setzen einzig und allein auf recht gleich schmeckende Hopfensorten um ein eigentlich gewöhnliches Bier „ins Extreme zu pimpen“. Das ist sowohl wenig ausbalanciert als auch recht unkreativ.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  18°P
Alkoholgehalt. . . . . .
7,77%
Herkunft. . . . . . . . . . . Newport / Oregon / USA
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Tatsächlich kann mich das sieben-gehopfte IPA aber noch einmal überraschen. Einer durchaus vorhandenen Geruchsvielfalt von Zitrus, Maracuja, Mango, Litschi und Banane mit überlagerter grasig-torfiger Note folgt eine wirklich sehr fein fruchtig-hefig-bittere Geschmacksvielfalt. Bei mittelgroßem Körper und etwas geringer Spritzigkeit als erwartet überzeugt das Ale durch die im Grunde gut abgestimmte Kombination aus Bitterkeit, Fruchtigkeit und Süße. Allerdings sticht die im Abgang trocken-herber werdende Bitterkeit immer wieder derart stark hervor, dass dadurch das Geschmackserlebnis getrübt wird. Alles in allem kein Bier für Anfänger, aber auch für mich als angehender Amateur eine Herausforderung. Unter Berücksichtigung aller Kategorien gibt’s dafür in Summe 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.rogue.com/rogue_beer/rogue-farms-7-hop-ipa/.

Prost!

Braustelle @ Hopfenrausch

Am vergangenen Donnerstag Abend hatte ich die Möglichkeit die kleineste Brauerei Kölns in einem intensiven Kompakt-Programm kennen zu lernen. Der ebenfalls in Ehrenfeld gelegene Biergenussladen Hopfenrausch lud in Koorperation mit mit dem Braustellen-Braumeister Peter Esser zu einem Verkostungsabend von 8 Helios-Braustellen-Bieren an. Neben der Verkostung erzählte er jede Menge interessanter Hintergrundinformationen zum Brauen und spannende Anekdoten aus seinen vielen Jahren Brauerfahren in der kleinsten Brauerei der westlichen Millionenstadt. Dabei ging es auch auf Fragen des Elferrates ein (mit mir waren wir genau 11 Teilnehmer) und erklärte die unterschiedlichen Bierstile und seine Entstehung in der Braustelle. Gerade als Unbedarfter war es schon erstaunlich, welch große Auswahl die Braustelle zu bieten hat. Und dabei gibt es in der Braustelle sogar noch mehr Hopfenschorlen zu probieren. Insgesamt gerade für ein gemischtes Publikum eine gute Veranstaltung um fernab des Mainstreams Bier neu kennen zu lernen. So schmeckte sicher nicht jedem jedes Bier, aber auch für Bier-Unerfahrene gab es am Ende des Abends mindestens ein neues Favoriten-Bier. Am Ende der Veranstaltung nutzte ich natürlich noch die Gelegenheit mir ein paar Biere aus der wirklich sehr guten Auswahl des Hopfenrauschs mitzunehmen.

Diese Biere standen auf der Agenda:

  • Pink Panther
    – fruchtiges Ale mit Hibiskusblüten gebraut, 5,8%
    – lecker-frischer Einstieg

  • Helios
    – naturtrübes Wieß: die Urform des Kölschs, 4,8%
    – lecker getreidig-trüb

  • Colonia Pale Ale
    – gehopft mit Cascade, Mosaic und Sorachi Ace, 5,0%
    – „leckerer“ Gemüse-Geschmack, leider weniger leckerer Geruch

  • Helios Tripelbock
    – hopfen- und gleichzeitig malzbetontes, helles Strong Ale. 9,5%
    – lecker fruchtig-bitter

  • Irish Rover
    – malzbetontes, kräftiges Stout 6,0%
    – lecker schokoladig

  • Schwarze Sieben
    – herbes, schwarzes Stout mit viel Röstmalz und einer guten Portion Whiskymalz gebraut. 7,8%
    – lecker leicht barbeque-rauchig

  • Moulin Rouge
    – Red Ale, Reifung im franz. Rotwein-Barrique, 6,8%
    – lecker rotweinig

  • Fahrt ins Grüne
    – Bier im Stil der belgischen Lambikbiere mit wilden Kirschzweig-Hefen aus dem Kölner Grüngürtel und dem Pajottenland, spontangärig, 6,0%
    – lecker-spritziges Abschluss-Highlight

Vielen Dank also nochmals an Sabina und Peter für diesen interessanten und schmackhaften Bier-Abend.

Weitere Infos unter: http://braustelle.com/ und http://hopfenrausch.org/.

Prost!

162. Flüssiges bricht Fasten nicht – Bierverköstigung Februar

Küppers Kölsch | Steyler Klosterbier | Weltenburger Kloster Anno 1050 | Weihenstephan Vitus | Augustiner Maximator | Uerige Sticke | Aecht Schlenkerla Rauchbier Urbock | Mikkeller Brown Jackie

Als erste reguläre Bierverköstigung des Jahres 2017 ging es am gestrigen Montag in der Kierberger Eule um die Rolle der Kirche bzw. Klöster in der Geschichte des Bieres. Passend zur bald startenden Fastenzeit ein Thema, dass zwar latent immer wieder miteinander in Verbindung gebracht wird, aber selten bewusst drüber nachgedacht wird.

Als geistliche Unterstützung war an diesem Abend der langjährige Brühler Pfarrer Günther Liewerscheidt dabei. Ursprünglich aus Düsseldorf stammend hatte er es allerdings zu Beginn nicht leicht. Denn bevor richtig ins Thema eingestiegen wurde, begann Biersommelier Markus Weick erst einmal sein neues Projekt: Jeden ersten Montag im Monat zuerst ein (immer neues) Kölsch bis zum 33-jährigen Jubiläum der Kölsch-Konvention im März 2019.

Den Start machte das bis heute erfolgreichste Kölsch aller Zeiten, das jedoch durch Miss-Management heute keine sehr große Rolle mehr am Kölschmarkt spielt. Das heute etwas unpopuläre Kölsch mit dem Image eines Billig-Bieres ist und bleibt jedoch das erste Kölsch, welches in Flaschen abgefüllt wurde und das die Marke von 1 Mio. hl geknackt hat. Interessant ist auch die Eröffnung eines Brauereimuseums Anfang der 1980er – schließlich ist Küppers mit Gründungsjahr 1962 das jüngste Kölsch:

Nun aber ging es klerikal zur Sache. Parallel zu den ersten Verkostungsbieren ging Markus auf die Themen ein, die Kirche mit Bier verbinden. Zum Einen sind und waren es vor allem die Klöster, die das Thema Bier eng mit der Kirche verknüpften. So war es früher für die Mönche überlebenswichtig Bier brauen zu dürfen und zu können. Gingen viele Hausbrauereien relativ schnell wieder unter, entwickelten die Mönche eine erhebliche Bierbraukompetenz, die sie über Generationen weitergaben. Bis heute existieren noch „echte“ Klosterbrauereien, wie Andechs oder Weltenburg. Daneben sind aber inzwischen die meisten Klosterbrauereien säkularisiert bzw. befinden sich in einem säkularisierten Kloster. Die Verbindung von Kirche und Bier hat sich in gewissen Bereichen aber bis heute gehalten, so gilt St. Peter von Mailand bis heute als der Schutzpatron der Brauer. In der quasi 6. Jahreszeit – der Fastenzeit, fasten die meisten Menschen zwar kein Essen per se mehr, allerdings war dies über viele Jahrhunderte eine völlig übliche von der Kirche vorgegebene Praxis. Die Mönche und Klöster machten sich deshalb ihre Braukompetenz zu Nutze und brauten stärkere Fastenbiere. Zunächst nur um sich selbst über diese entbehrungsreiche Zeit hinweg zu retten. Später aber auch um ihr Bier an Bürger und Bauern zu verkaufen. Weitere Assoziationen findet immer wieder auf Bierflaschen, auf Bierdeckel oder in der Bierwerbung. Dabei war vor allen das Bild des dicken Mönchs mit dem Bierkrug in der Zeit der Aufklärung als Propaganda gegen die Kirche verwendet worden.

Das erste Klosterbier war eines der Kategorie „Kloster“ im Biernamen. Zum Einen wird es nicht mehr von den Steyler Missionaren aus Sankt Augustin vermarktet (sondern vom Getränkecenter St. Augustin), zum Anderen übernimmt seit neuestem die Westheimer Brauerei den Brauprozess:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: säuerlich, leicht schwefelig-hefig
Geschmack: auch säuerlich, mehr Malz, wenig Körper, leichte Süße, leicht helle Fruchtigkeit, weich

Das nächste Bier hingegen kommt aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt – je nach Meinung auch älteste Brauerei überhaupt. Als „echte“ Klosterbrauerei muss aber selbst Weltenburger inzwischen Teile ihres Bieres in der Brauerei Bischofshof in Regensburg brauen lassen, da die Klosteranlagen der Nachfrage nicht mehr gerecht werden. Und da man selbst in Brasilien nun einen erheblichen Markt hat, wird inzwischen auch in Südamerika Weltenburger Bier gebraut:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: frisch, würzig, grasig
Geschmack: malzig, getreidig-süß, würziger Abgang, leicht trocken

Das dritte Klosterbier entstammt der bis heute offiziell ältesten Brauerei der Welt. Allerdings zweifeln viele Wissenschaftler die Urkunde aus dem Jahre 1040 an. Vielmehr wird vermutet, dass diese bereits im 17. Jahrhundert gefälscht wurde. Weihenstephan gehört zu den säkularisierten Klöstern, in denen Bier gebraut wird. Daneben gibt es zudem eine Forschungsbrauerei, die von der TU München geführt wird:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: würzig-bananig-hefig, leicht hell fruchtig, leicht säuerlich
Geschmack: sehr sehr weich, bananig-fruchtig, leichte Säure, wenig Malz im Antrunk, mehr Malz im Abgang

Den Abschluss der Klosterbierverkostung machte der Maximator aus dem Hause Augustiner. Eine Brauerei, deren klösterliche Geschichte bis ins frühe 14. Jahrhundert reich, aber heute vollständig weltlich geführt wird. Auch wenn die Hälfte des Unternehmens einer gemeinnützigen Stiftung gehören:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: wenig intensiv, leicht bitter, leicht süß
Geschmack: sehr würzig-karamell-malzig, Zwischenbittere, großer Körper

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Aber damit Pfarrer Liewerscheidt den beschwerlichen Weg auf den Kierberg nicht umsonst gemacht hat, gab es zusätzlich zur Klosterbierverkostung noch einen kleinen Ausflug in seine alte Heimat. Denn Markus hatte als Gastgeschenk u.a. eine Uerige Sticke mitgebracht:

Mein Fazit:
Da ich bisher nur das klassische Alt und die Doppelsticke kannte, war ich von der Einfach-Sticke sehr positiv angetan, da es das Beste aus Alt und Doppelsticke miteinander verbindet, ohne einerseits zu beliebig zu wirken aber andererseits auch ohne zu stark und aromatisch zu sein.

In der Runde teilten wir uns dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

Und zu guter Letzt noch ein kleiner Buchtipp: http://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/335-der-bierzauberer.html.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

161. Brew Age Affenkönig

Wir verlassen das Rheinland und Deutschland und tauchen ab in die österreichische Kapitale und Alpenmetropole Wien. Dort ist seit 2012 das Brauzeitalter angebrochen, in dem vier junge und engagierte Bierkenner und -liebhaber Tradition und Moderne des Bieres neu interpretieren und den Biermarkt nachhaltig bereichern wollen. Aufgrund des frühen Entwicklungsstadiums brauen die vier Bierkollegen allerdings noch nicht in ihrer eigenen Brauerei, sondern lassen von Beginn an im Brauhaus Gusswerk westlich von Salzburg ihr Bier produzieren. Sie sind damit also quasi sesshafte Gypsy-Brauer. Eine eigene Brauerei ist aber inzwischen in Planung. Nachdem die Marke letztes Jahr auch in Deutschland gut vermarktet wurde, ist das Bier sogar auch am Niederrhein erhältlich. Grund genug es zu probieren.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  18.6°P
Alkoholgehalt. . . . . .
8,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wien/Elsenwang
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________14
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Der Affenkönig macht seinem Namen alle Ehre. Im Geruch eine erstaunliche Kombination aus voller Frucht (Maracuja und Grapefruit) und Karamellmalz sowie leichten Grasnoten. Im Geschmack dann klar hopfen- und fruchtbitterbetont mit Spuren von Karamellmalz und Gras. Im Abgang überraschend weich und entspannt mit einem schön warmen Nachklang. Ansonsten relativ gering alkoholaromatisch für ein Imperial India Pale Ale dieser Größenordnung. Abgesehen von einer mir zu klaren süßlichen Komponente und einer zu geringen Spritzigkeit wirklich ein hervorragendes IIPA. Deshalb berechtigterweise 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: .

Prost!

160. Brauprojekt 777 Red Ale

Vom beginnenden Niederrhein geht es heute weiter flussabwärts Richtung niederländische Grenze. Stehen bleiben wir in Spellen, dem ältesten Stadtteil Voerdes (zwischen Wesel und Dinslaken gelegen) mit knapp 5.000 Einwohnern. Dort wird seit 2012 mikro gebraut:

„Seit Dezember 2012 ist aus der einstigen ‚Idee‘ eine, über vier Jahre fertig gestellte, eigene Mikro-Brauerei geworden. ‚Brauprojekt 777‘ ist der Name dieser kleinen, exklusiven Fertigungsanlage in Spellen.

Die erste urkundliche Erwähnung das Ortes Spellen ist auf das Jahr 777 zurückzuverfolgen, so lag es nahe das Traditionsbewusstsein der insgesamt vier Betreiber durch diese Ziffern im Namen zum Ausdruck zu bringen. Tradition wird auch bei den Brauvorgängen bewahrt. So werden die Bierspezialitäten des Hauses durch alle Prozesse bis hin zur Abfüllung in Handarbeit gefertigt.

Schier endlos erlesene Zutaten, wie verschiedenste Spezial-Malze oder niederrheinische Hopfen-Dolden, in Kombination mit der Liebe zum Produkt jenseits der riesigen Brau-Industrie, ergeben unvergleichbare Bier-Spezialitäten der Extra-Klasse.“

Gerade als alter Niederrheiner bin ich natürlich von der Entwicklung der vielen neuen Kleinstbrauereien sehr begeistert. Wenn dann noch regionale Bezugsquellen gestärkt werden und Bierkreationen geschaffen werden, die abseits des klassischen „Reinheitsgebots-“ und des neuen Craft-Bier-Mainstreams angesiedelt sind, kann man nur einen nachhaltigen Erfolg wünschen.

So nun aber zum Bier…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Ale / Rotbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Voerde-Spellen
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________14
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Ein optisch wirklich sehr ansprechendes Bier mit einer interessanten Mischung aus buntem Zitrusfruchtmix und röstigem Malzgras in der Nase. Auf der Zunge dann überraschend wenig fruchtig und deutlich malzbetont. Ein trocken-strohig-getreidiger Ersteindruck mit leichten Bittersüß-Elementen wird von einem sehr interessanten röstigen Abgang abgelöst. Sonst insgesamt recht weich und wenig spritzig. Meine Ansicht nach zu Recht mit der Silbermedaille des Dubliner Craft Beer Cups ausgezeichnet und von mir mit 13 Pkt. (1-) belohnt.

Weitere Infos zum Bier unter: http://brauprojekt777.de/.

Prost!

159. Ennert Bräu Beethovens Imperial Pale Ale

Zum gestrigen Kaminfeuer gesellt sich nun eines der berühmtesten Kinder Bonns:  Beethoven – ebenfalls von den Beuler Handwerksbrauern am Ennert. Gebraut aus sechs deutschen Hopfensorten und vier Malzen zeichnet sich das Bier zudem durch den noch seltenen Bierstil Imperial Pale Ale aus. Dies ist in der Regel eine stärkere Variante des Pale Ales und nicht mit einem India Pale Ale zu verwechseln.

„- handgebraut –
– handabgefüllt –
– nach dem deutschen Reinheitsgebot -„

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Ist die optische (Flasche und Bier) und olfaktorische Wahrnehmung noch überaus ansprechend und überzeugend, so kann die Gustatorik leider nicht mithalten. Dem sehr sehr fruchtigen – nach Maracuja, Erdbeere, Kaki und Mango riechenden – und sehr wenig malzigen Nasaleindruck folgt bedauerlicherweise eine sehr bittere, fruchtige und unrunde Vorstellung am Gaumen, die mit einem trocken-herbem Abgang geschlossen wird. Sicher ist es absolut zu würdigen, dass abseits des Bier-Mainstreams experimentellere Biere gebraut werden, allerdings muss ich auch festhalten, dass dieser Geschmack meinen Nerv leider definitiv nicht trifft. Deshalb gibt es auch trotz Handwerks-Bonus nur 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://wir-brauen-bier.de/index.php?%26nbsp%3B%26nbsp%3B%0A%09Wir_brauen.

Prost!