Archiv für den Monat: März 2017

180. Vulkan Pale Ale

Als ich gestern relativ spontan im hiesigen Getränkemarkt unterwegs war, entdeckte ich doch einige Biere der Vulkan-Brauerei aus der Eifel. 1875 gegründet liegt diese südlich des Laacher Sees, der bekanntlich das Ergebnis eines derzeit ruhenden Vulkans ist:

„Beim Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor ca. 13.000 Jahren entstanden die Bimslagerstätten im Neuwieder Becken. Bis in das 19. Jahrhundert diente der Lavastrom überwiegend der Mühlsteingewinnung. Seit dieser Zeit wurden die Basaltgewölbe von den bis zu 28 in Mendig ansässigen Brauereien als Kühl- und Lagerhallen genutzt. Das einzige noch betriebsfähige Kühllager befindet sich hier unterhalb der Vulkan Brauerei. Noch heute wird dieser Felsenkeller für die Lagerung ganz besonderer Edelbiere in original Bourbon-Holzfässern aus den USA genutzt.“

Neben diesen „Edelbieren“ braut die Brauerei seit einigen Jahren auch erfolgreich andere dem Craft-Bier-Segment zuzuordnende Bierstile, wie eben das heutige Pale Ale. Bei allen Bieren werden übrigens 90% Zutaten aus der Eifel verwendet, was die Brauerei dazu ermöglicht das Eifel-Siegel zu tragen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mendig
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Ist das vulkanische Pale Ale in der Nase noch sehr sehr fruchtig nach Maracuja, Granatapfel und Aprikose sowie leicht grasig, verflacht die dadurch erwartbare Spritzigkeit überaschenderweise auf der Zunge. Auch wenn die Fruchtigkeit erhalten bleibt wirkt die allgemeine Trockenheit des Bieres etwas geschmackshemmend. Neben leichten Bittertönen bei mittlerem Körper ist noch der herber Abgang zu erwähnen. Insgesamt also: fruchtig? ja – erfrischend? naja. Deshalb mit Regionalitätsbonuspunkt noch 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.vulkan-brauerei.de/brauerei/.

Prost!

179. Veldensteiner Rotbier

So, auf zum großen Endspurt vor meiner etwas längeren Babypause. In die Auswahl der letzten fünf Biere hat es dabei auch recht spontan ein neues Rotbier nach alter Nürnberger Brautradition aus dem Hause Veldenstein geschafft. Die Brauerei beschreibt sich am besten selbst:

„Zwischen Nürnberg und Bayreuth, im Herzen des Naturparks Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst liegt unsere Heimat Neuhaus an der Pegnitz. Über dem idyllischen Marktflecken Neuhaus thront stolz und erhaben die mittelalterliche Burg Veldenstein. Im Zeichen dieser Burg brauen wir in der Kaiser Bräu unsere Bierspezialitäten seit 1929 nach guter alter Brautradition. Wir verstehen uns seit jeher als regionale Privatbrauerei, im Eigentum und unter Führung der Familie Laus . Bereits weit vor Gründung der gewerblichen Brauerei haben wir unser Bier im gemeindeeigenen Neuhauser Kommunbrauhaus selbst gebraut.“

Allerdings muss schon auch angemerkt werden, dass Kaiser-Bräu durchaus diverse Marken braut und nicht als klassische Handwerksbrauerei zu verstehen ist. So ist grundsätzlich auch die Verwendung von Hopfenauszügen zu kritisieren. Allerdings versucht Veldensteiner durch eine Brauwerkstatt in letzter Zeit auch kreativere und hochwertigere Biere zu entwickeln und an den Mann/an die Frau zu bringen.
Das Rotbier erhält seine Farbe von einer recht hohen Darr-Temperatur des Malzes. Bei dieser leichten Röstung werden zudem würzige Geschmackskomponenten entwickelt, die auch das Bier vollmundiger wirken lassen.
Als großer Fan seltenerer regionaler Bierspezialitäten freue ich mich mal wieder ein Rotbier in Händen halten zu dürfen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rotbier
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge
Stammwürze. . . . . .  12.4°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Neuhaus an der Pegnitz
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Sowohl in der Nase als auch im Mund herrlich würzig und lecker malzig. Insgesamt erstaunlich grasig, blumig und getreide-artig und alles in allem auch recht weich und frisch.  Zwar ist es auch nicht so süffig wie ein Kölsch, aber von Vollmundigkeit im engeren Sinne ist es meiner Ansicht auch genauso weit entfernt. Im Abgang kommen dann nochmal die leckeren würzigen und malzigen Elemente hervor. So kann ich diesem Bier trotz eines leider nicht unbemerkt gebliebenen unterschwelligen industriellen Eindrucks mit gutem Gewissen 12 Pkt. (2+) geben und fühle mich sodann bestätigt, dass ein Rotbier meinen Geschmack gut trifft.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.veldensteiner1929.de/ bzw. http://www.veldensteiner.de/index.php/neu-veldensteiner-rotbier-euro.html.

Prost!

Kulturelles vom Wochenende XIV

Beim Besuch unserer Freunde aus Herzebrock-Clarholz kam folgender Biermix auf den Tisch:

  • Tegernseer 1806 Max I. Joseph:
    – 12°P; 5,2%; untergärig
    – Exportbier zum 200-jährigen Jubiläum der Gründung Bayerns
    – besagter bayrischer König erwarb einst das Kloster samt Brauerei und noch heute befindet sich das Kloster und das Herzoglich Bayrische Brauhaus in wittelsbachschem Familienbesitz
    – gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1493
    http://www.braustuberl.de/
  • Wildbräu Meistersud Festbier:
    – 13.5°P; 5,6%; untergärig
    – Märzen von der 1616 gegründeten Familienbrauerei aus dem bayrischen Grafing
    – wirklich meisterhaftes Etikett mit Marken-Anagramm
    https://www.wildbraeu.de/wildbraeu/wildbraeu-biere/meistersud
  • Brauerei Meister Vollbier:
    – 12°P; 4,9%; untergärig
    – Brauerei + Gasstätte + Hotel = fränkische Dreifaltigkeit
    http://www.meisterbräu.de/mod/main.php
  • Merkendorfer Hummel-Bräu Märzen:
    – 5,4%; untergärig
    – ebenfalls aus dem wunderschönen Oberfranken
    http://www.brauerei-hummel.de/index.php?top=2,21
  • Rittmeyer Hallerndorfer Hausbrauerbier:
    – 5%; untergärig
    – Kellerbier nach alter fränkischer Hausbrautradition aus der 1422 gegründeten Hallerndorfer Familienbrauerei, die seit vielen Jahren auch „Kraftbier“ braut
    http://www.rittmayer.de/brauerei/sortiment/
  • Hanscraft & Co. Bayerisch Nizza:
    – 5,3%; obergärig
    – 3-fach kaltgehopftes „Wheat Pale Ale“ (dt. Hefeweizen) aus dem Münchner Kreativbierhaus
    – Gold beim Meininger International Craftbeer-Award 2014
    http://hc-co.de/de/
  • Hösl Whiskey-Weisse:
    – 5,6%; obergärig
    – vom Privatbrauhaus Hösl in Mitterteich in der Oberpfalz
    – anlässlich der 20-jährigen Partnerschaft zwischen Mitterteich und der englischen Stadt Cheddleton Wetley-Rocks/Stafford-Shire mit Whisykey-Malz, also über Torf geröstetes Gerstenmalz, gebraut
    http://www.hoeslbraeu.de/produkte/whiskey-weisse.html
  • Kingfisher Premium:
    – 4,8%; untergärig
    – Indiens beliebtestes Lager
    – im Bamberg nach indischem Rezept aus 1857 gebraut
    – Hauptsitz des 1978 gegründeten Unternehmens ins Bangalore
    – vielen Dank an den Sponsor Matthias 😉
    http://kingfisherbeer.co.uk/products
  • Störtebeker Kellerbier 1402:
    – 11.1°P; 4,9%; untergärig
    – von einer der bekanntestesten deutschen Handwerkskbier-Marken
    – bestes Kellerbier 2010 (World Beer Cup)
    – wirklich sehr sehr sehr lecker malzig süffig
    https://www.stoertebeker.com/de_de/keller-bier-1402/
  • Oedipus Shampoo:
    – 5%; obergärig
    – ein Vertreter des äußerst seltenen niederländischen Bierstils Kiutbier aus Amsterdam
    – mit Hafermalz eingebraut
    – der Name rührt übrigens vom seifigen und schaumigen Geschmackseindruck des Weizens in Kombination mit Hafer her – außerdem bedeutet Kruit auf deutsch Roge bzw. Laich
    http://oedipus.com/beer/shampoo/
  • Oberreichenbacher Hausbräu:
    – 4,9%; untergärig
    – Kellerbier vom 1894 gegründeten Brauerei-Gasthof Geyer
    – die verwendeten Hopfenauszüge passen irgendwie nicht zur „ursprünglichsten“ Bezeichnung
    http://brauereigasthof-geyer.de/brauerei/?age-verified=048ceff266#wppizzaPrettyPhoto/3/

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Sabrina, René und den kleinen Laurenz für den schönen Besuch.

178. Ale Mania DryPA

Nach dem gestrigen Milchkaffee-Bier gibt es heute das DryPA – also ein trockenes Pale Ale – vom Hause Ale Mania aus dem rechtsrheinischen Bonn. Erstmals auf den Festival der Bierkulturen im letzten Jahr präsentiert, ist es nun auch in die Brühler Bierjubiläums-Zentrale gelangt.

„Das ist die third wave des IPA. Waren IPAs bisher eher Malzbetont, um die großzügigen Hopfengaben harmonisch einzubetten, ist diese neue Variante trocken und schlank im Malzkörper, sodass dem Hopfenaroma nichts im Wege steht. Hopfig, fruchtig, trocken, herb!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Traubenzucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15,5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: Fruchtmix aus Maracuja, Ananas, Granatapfel und Pfirsich sowie wenige bittere und noch weniger malzige Töne.
Geschmack: Erfrischend fruchtig und leicht bitter aber angenehm. Spritziger und etwas herber Abgang. Ansonsten bei mittlerer Körper unterschwellig grasig und alkoholaromatisch.
Gerade am ersten richtigen Frühlingstag in NRW ein herrlich erfrischendes Bier, dem man die knapp 7 Umdrehungen kaum anmerkt. Außerdem mit einen alles in allem auch recht harmonischen Eindruck. Allerdings für meinen Geschmack einen Hauch zu wenig Malzig und hefig. Deshalb auch verdientermaßen 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.ale-mania.de/sorten/.

Prost!

177. Ale Mania Coffee Milk Stout

Den heutigen und morgigen Abend möchte ich gerne nochmals dazu nutzen um zwei weitere Sorten vom Bonner Kreativbier-Brauer Fritz Wülfing zu genießen. Beim Ale Mania geht’s mir wie wahrscheinlich jedem Biervielfaltsgenießer bei einer der vielen Craft-Brauereien: Auch wenn man schon viele Biere getrunken hat, gibt es dort immer noch immer noch neue zu entdecken. So kenne ich bereits das Milk Stout, das mir jedoch nicht herausragend in Erinnerung geblieben ist, da es meinen Milch-Kaffee-Geschmack nicht ganz getroffen hat. Das war auch der Grund, warum ich nun beim Coffe-Milk-Stout zuschlagen musste und weshalb ich sehr gespannt bin, ob wir diesmal zusammenkommen. Das Bier ist übrigens noch so frisch auf dem Markt, dass es noch nicht einmal eine ratebeer-Bewertung hierzu gibt. Neben Muscovado-Zucker wird als Kaffee äthiopischer Moata-Kaffee aus der Rösterei Ernst verwendet.

Im Bierblog der FAZ formuliert Fritz Wülfing seine Haltung über das Reinheitsgebot so:

„Das Reinheitsgebot ist eine Marketingidee, die zum ersten Mal 1918 auftaucht. Der Erlass von 1516 spricht weder von Malz noch von Weizen und ist daher nicht relevant. Die möglichen Zutaten für Bier sind im vorläufigen Biersteuergesetz von 1993 aufgeführt. Da ist auch von technisch reinem Zucker die Rede, vielleicht ist das ja mit Reinheitsgebot gemeint…?

Es ist okay, wenn man nur mit den vier Zutaten Bier braut. Die meisten Biere werden so hergestellt. Mit Reinheit hat das nichts zu tun. Entscheidend ist die völlige Transparenz aller Zutaten und Prozessschritte bis zum fertigen Produkt. Das deutsche Reinheitsgebot ist für mich völlig bedeutungslos.“

Bedeutungslos wäre es für mich zwar nicht, aber Transparenz und Qualität sind zweifelsohne die richtigen Stichworte…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Milk Stout
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Muscovado, Hopfen, Laktose, Kaffee, Hefe
Stammwürze. . . . . .  9°P
Alkoholgehalt. . . . . .
3,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Sowohl in der Nase als auch auf der Zunge dominiert klar der Kaffee. In der Nase noch eher trocken-röstig nach gemahlenen Bohnen ist er im Mund eher säuerlich, weich und bei geringem Körper im Abgang recht unauffällig trocken. Da ich meinen Kaffee aber gerne mit Milch trinke, ist mir leider etwas zu wenig Laktose eingesetzt worden. Auch wenn man sicher die Qualität des Kaffees herausschmeckt, so ist es mir schlicht zu schwarz (und sauer). Gerade aufgrund der Eigenschaft als leichtes Schankbier sicher aber für Schwarzkaffee-Liebhaber eine interessante Alternative zum Nachmittagskuchen. Für mich reicht’s aber leider nur für 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.ale-mania.de/sorten/.

Prost!

Craftbeer Corner Coeln, die II.

Jopen Good Morning Sunshine | The Kernel Saison | Basqueland Brewing Lasai´son | Basqueland Brewing Vap´n Norbert | Basqueland Brewing Arraun | Basqueland Brewing Aupa | Basqueland Brewing Enigma | Basqueland Brewing Imparable | The Kernel IPA | BrewFist 2Late | Gänstaller Affumicator | Põhjala Must Kuld | Basqueland Brewing Begi Haundi | Basqueland Brewing Choc Tooth Hazelnut | Jopen Adrian Wit | Lervig 3 Bean | Innis & Gunn – Rum Finish | Brouwerji De Molen – Bommen & Granaten Rioja Barrel Aged | Gaffel Sonnenhopfen

 

 

 

 

 

 

 

Letztes Wochenende war es (endlich) wieder soweit: C³-Time. Diesmal waren dafür extra Alex und Nils aus Osnabrück angereist um auch einmal dem Erlebnis CCC beizuwohnen und ihren Bierhorizont zu erweitern. Den Termin hatte ich so getimed, dass wir noch einige Biere der Basqueland Brewing  verkosten können, die am vergangenen Donnerstag zu Besuch waren und ihre Fässer angeschlossen haben. Schließlich war für uns alle das Baskenland noch ein kleines Bier-Niemandsland. Allerdings wird dort – genauer in Hernani (südlich von San Sebastian) – seit 2014 handwerklich und qualitativ hochwertig gebraut. Umso mehr waren wir hierauf aber natürlich auch auf die vielen weiteren spannenden und leckeren Biere gespannt. Und ich kann euch sagen: Es war wie auch schon bei meinem ersten Besuch wirklich großartig. Hier also meine Impressionen aus dem Herzen der Biervielfalt in Kölle.

Bierfacts:

  • Lervig 3 Bean:
    – obergärig, 13%, 30°P
    – Imperial Stout von der 2003 gegründeten Brauerei aus dem norwegischen Stavanger
    – mit Tonka-, Kakao- und Vanillebohnen eingebraut
    – schmeckt original nach Aachener Printen
    http://lervig.no/brygg/3-bean-stout/

  • Brouwerji De Molen – Bommen & Granaten Rioja Barrel Aged:
    – obergärig, 11,9%, 30°P
    – Barley Wine von der 2004 gegründeten Brauerei aus dem südhollandischen Bodegraven
    – im Riojafass nachgereift
    – leider konnte ich den Wachs-Kronkorken nicht mitnehmen
    http://brouwerijdemolen.nl/beers

Auf dem Weg nach Hause sind wir dann noch auf einen fast un-craftigen Absacker im Gaffel am Dom eingekehrt:

Es war also auch diesmal wieder ein herrlicher Bierabend. Wenn Ihr auch Biervielfalt live erleben wollt, kann ich euch das CCC erneut wärmstens ans Bierherz legen.

Weitere Informationen zur CCC unter: www.craftbeercorner.de/

176. Belgische Abteibiere – Bierverköstigung März

La Trappe Blond | Westmalle Dubbel | St. Feuillien Tripel | Klosterbrauerei Baumburg Chorherrenbock | Wild Animal Rhineland Bound Coffee Oatmeal Stout

Heute vor genau einer Woche stand für mich die vorerst letzte Bierverköstigung in der Kierberger Eule vor meiner Babypause an. Analog zum Februar-Thema ging es diesmal um das belgische Pendant zu den deutschen Klosterbieren, die Abteibiere – geleitet wie immer vom Biersommelier Markus Weick. Dabei spielen die belgischen Abteibiere jedoch für die belgische Bierkultur eine bis heute erheblich größere Rolle als vergleichsweise die Klosterbiere für Deutschland. Das hat vor allem damit zu tun, dass Bier in Belgien einen noch höheren Stellenwert als hierzulande besitzt. Zwar ist in Belgien die Brauereidichte und die Marktaufteilung recht ähnlich wie bei uns, allerdings ist die relative Biervielfalt (im Sinne noch unterschiedlichen Bierstilen) deutlich größer und international gesehen auch spezieller. Das führt dazu, dass selbst absolut gesehen Belgien größerer Netto-Bier-Exporteur als Deutschland ist. Belohnt für diese Vielfalt und Wertschätzung wurde die belgische Bierkultur mit der Auszeichnung als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO im letzten Jahr.

In der folgenden Übersicht sind die unterschiedlichen Formen von Abteibieren in Bieren dargestellt. Dabei bilden die sogenannten Trappisten-Biere den Kern aller Abteibiere. Das Trappisten-Logo dürfen nur diejenigen Brauereien tragen, bei denen das Bier ausschließlich von den Trappisten-Mönchen in der Abtei gebraut wird. Dabei befinden sich gar nicht alle Trappisten-Klöster in Belgien, auch in Österreich und sogar den USA gibt es ein Kloster der Trappisten. Bier, das nicht in der Abtei aber für die Abtei gebraut wird darf das Logo „Erkend Belgisch Abdijbier“ tragen. Die Marke muss aber eine nachweisbare historische Verbindung zu einem Abteikomplex herstellen und die Biere auf historische Rezepte zurück gehen. Zudem hat die Brauerei Lizenzgebühren an die Abtei zu zahlen, welche u.a. auch ein Kontrollrecht über die Werbung inne hat. Daneben gibt es auch Biere, die lediglich „Abtei“ im Namen tragen, aber nichts (mehr) mit einer wirklichen Abtei zu tun haben.

Wie bereits beschreiben gibt es in Belgien eine besonders „spezielle“ Biervielfalt, die sich im Wesentlichen von den deutschen Bierklassikern unterscheidet. Hier ein kleiner Überlick über die üblichsten belgischen Bierstile aus der schon erkennbar ist, welche Rolle auch fassgereifte oder Fruchtbiere spielen:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Gilden-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es mir aber zumindest wieder viele Kronkorken in meine Sammlung spülte ;).

Den Beginn der Verkostungsreihe machte das blonde von La Trappe. Einem Trappistenbier, dem zwischenzeitlich das Trappisten-Logo entzogen wurde, weil „sich die Mönche nicht mehr ausreichend um ihr Bier kümmerten“:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: sehr süß, fruchtig (Maracuja, Litschi, Mango, Ananas), hefig
Geschmack: weich, schön hefig-weizig, süßlich-karamellig, ganz leicht malzig-würzig

Das nächste Bier kommt aus einer der bekanntesten und hilfsbereitesten Abteibrauereien. Schließlich griffen die Mönche von Westmalle bereits mehrfach in der Vergangenheit befreundeten Klosterbrüdern unter die Arme, wenn diese ihr Bier (noch) nicht (mehr) selbst brauen konnten. Das vorliegende Dubbel kann außerdem als das erste der Welt bezeichnet werden, da Westmalle diesen Bierstil quasi erfunden hat:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: süß-bitter, leicht malzig-grasig, dumpf
Geschmack: bitter, säuerlich, herb-saurer Abgang, spritzig, malzig-süß, wenig röstig

Zum dritten Abteibier kam es dann ganz dicke. Schließlich brachte Markus eine Salmanazar-Flasche mit 9 Liter Volumen aus seinem Bierkeller hervor. Auch das ist Teil der belgischen Bierkultur, in der gerne mal etwas größer abgefüllt wird. Diese wurde zwar nicht angetastet, jedoch zwei der Jeroboam(3l)-Flaschen.:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: gering säuerlich, zitrusartig, spritzig-bitter
Geschmack: fruchtig-sauer (Maracuja, Banane, Himbeere), leicht hefig-weizig, mild, weich

Den Abschluss der Abteibierverkostung machte das blaue aus dem Hause Chimay. Dabei kamen mir wieder Erinnerungen aus der Einführung in die Biervielfalt hoch, bei der wir dieses Bier bereits verköstigten und ich völlig überrascht war, dass manchen belgische Biere erst bei etwas höheren Temperaturen schmecken:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: süßlich-malzig, röstig, herzhaft-würzig
Geschmack: karamell-malzig, süß, röstig, alkoholaromatisch, dumpf, leicht dunkel-fruchtig

Hier also nochmals alle Biere in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Zum Ausklang hier nochmal ein genereller Überblick über die verschiedenen Trappistenbiere:

 

In der Runde teilten wir uns dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Klosterbrauerei Baumburg Chorherrenbock:
    – dunkles Bockbier aus dem Sortiment des Stärk-Antrinkens
    – aus der 1612 gegründeten fränkischen Privatbrauerei
    – untergärig, 6,8%, 16.8°P
    – Gold Award beim European Beer Star 2012
    – malzig, süß und mild
    http://www.baumburger.de/unsere-biere/baumburger-chorherrenbock/

  • Wild Animal Rhineland Bound Coffee Oatmeal Stout:
    – aus der noch jungen Kreativbierbrauerei in Koblenz bzw. Wittlich
    – benannt nach dem gleichnamigen Film von Quentin Tarantino
    – mit Hafer und Kaffee eingebraut

    – obergärig, 5,2%
    https://www.facebook.com/thewildanimalbrewingco/

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde (sofern ich wieder am Start bin) – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

175. Riegele BierManufaktur | Sierra Nevada Bayerisch Ale 2

„BAYERISCH ALE 2 steht für die hopfige Freundschaft zwischen den Craft-Bier Pionieren Sierra Nevada aus den USA und der Riegele BierManufaktur, Deutschlands Craft Bier Brauer des Jahres. Zusammen haben Sie den Klassiker unter den angelsächsischen Bierstilen eingebraut, das Pale Ale. Erfrischend fruchtig, mit der Leidenschaft echter Pioniere.

Als erste deutsche Brauerei kooperiert die Riegele BierManufaktur mit Sierra Nevada aus den USA und kombiniert dabei die Erfahrungen deutscher BrauKunst mit der Dynamik der amerikanischen Craft Bier Szene!“

Dabei treffen mit diesen beiden Brauereien zwei der jeweils ältesten ihrer Art zusammen. Während in Augsburg bereits seit 1386 gebraut wird, zählt Sierra Nevada aus Kalifornien zu den Craft-Bier-Pionieren der USA. Man muss allerdings erwähnen, dass die Braumanufaktur genau genommen eine eigene Brauerei im Brauhaus Riegele ist. Seit einigen Jahren wird dort im ehemaligen historischen Sudhaus neben den bayrischen Bierklassikern auch kreativer gebraut. Geleitet wird dieses Brauhandwerk von Frank Müller, 7 Sterne Braumeister und Sebastian Priller-Riegele, Weltmeister der Biersommelieres. Damit dürften meine Erwartungen entsprechend hoch gehangen sein.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Augsburg
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Was für eine Fruchtbombe?! Im Geruch schon sehr fruchtig nach folgenden Pflanzen (mit absteigender Dominanz): Maracuja, Ananas, Granatapfel, Aprikose, Litschi, Mango, Pfirsich, Zitrone und Himbeere. Und auch im Mund geht dieses Ensemble fruchtiger Noten weiter ohne eine überhöhte Süße zu produzieren. Dabei ist es weit überdurchschnittlich frisch und sehr prickelnd und überraschenderweise kaum bitter. Unauffällig bleiben nur das Malz und der gesamte Abgang. Bei mittlerem Körper ist es recht süffig und vermutlich gerade für wärmere Jahreszeiten ideal. Insgesamt also ein wirklich tolles und außergewöhnliches Bier, das sicher auch beim weiblichen Publikum eine Anhängerschaft hat. Für meinen Geschmack ist es aber etwas zu fruchtig und hat zu wenig Tiefgang. Nichtsdestotrotz habe ich mich für sehr gute 13 Pkt. (1-) durchringen können.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riegele-biermanufaktur.de/bayerisch-ale-2/.

Prost!

174. Kehrwieder | Riedenburger Frischer Traum

Nach dem gestrigen Collaboration-Brew zwischen Uerige und Kehrwieder geht es heute einen Schritt weiter und es folgt der frische Traum von Kehrwieder in Kooperation mit dem Riedenburger Brauhaus aus Niederbayern. Dieses inzwischen ebenso bekannt für kreativere Braukunst hat es Oliver Wesseloh vom Hamburger Kehrwieder ermöglicht zwischen Hopfenernte vom fränkischen Biohof Eckert und Würzekochen weniger als fünf Stunden verstreichen zu lassen. Für dieses Frischhopfen-Pale Ale wurde übrigens Cascade-Hopfen sowie Malz in Bio-Qualität verwendet. Das 2013 erstmalig gebrautes Bier erhielt den Silver Award beim Dublin Craft Beer Cup.

„Für das Etikett hat Katja Marx (farbflasher.de) sich diesmal denn grünen Mann ausgesucht, der in der keltischen Mythologie der Gott des Wachstums, des Waldes, der wilden Tiere, der Lust, der Fruchtbarkeit und des Ales gewesen sein soll.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grünhopfen-Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  13.3°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: Dumpfe Fruchtnoten gepaart mit Gras, Heu und Getreide.
Geschmack: Bitter-würzig und geringe Fruchtsüße mit trocken herbem Abgang. Bei mittelgroßen Körper eine gute Spritzigkeit.
Während der frische Traum für Auge und Nase durchaus ein Genuss ist, ist mir die Bittere aber leider etwas zu dominant. Es ist insgesamt wieder sehr weich, aber lange nicht so harmonisch wie z.B. noch das Jrön. Vielleicht ist heute einfach nicht mein Pale Ale-Tag, aber leider kann ich nicht mehr als 11,5 Pkt. (2) vergeben.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.kreativbrauerei.de/Bier/Sortiment/4/.

Prost!

173. Uerige | Kehrwieder Jrön

Auf das heutige Bier freue ich mich besonders. Zeichnet es sich doch durch viele Eigenschaften aus, die ich an einem Bier mag: Kreatives Konzept, Qualitätsbewusstsein, regionale Bedeutung und Teamwork. Schließlich ist das Jrön ein sogenannter Collaboration-Brew zwischen Uerige aus Düsseldorf und der Hamburger Kehrwieder. Das hat den Vorteil, dass sich hier Kompetenzen im wahrsten Sinne ergänzen. Als Altbier-Fan und Grünhopfen-Bier-Interessierter ist das Jrön eine Komposition, die meinen Geschmack (zumindest in der Theorie) ziemlich genau trifft. Besonders gespannt bin ich deshalb auf diese Kombination einer Sticke mit frischem Grünhopfen.

Nach der Ernte in Bayern, wurde der hier verwendete Hopfen direkt nach Düsseldorf verfrachtet um direkt im Herzen der Altstadt in enger Zusammenarbeit mit dem Kehrwieder Biersommelier Wesseloh zu einer einzigartigen Bierspezialität gebraut zu werden. Während Kehrwieder zu einer der bekanntesten Kreativbier-Marken Deutschlands zählt, zeichnet sich Uerige durch die vergleichsweise lange traditionelle Braugeschichte aus. 1862 vom Bierbrauer Wilhelm Cürten im Patrizierhaus Bergischer Hof ins Leben gerufen erhielt es seinen Namen, da Cürten oftmals als der „Uerige Willem“ (also der schlecht gelaunte Wilhelm) bezeichnet wurde, da er nur zur Sonntagsmesse das Haus verließ. Inzwischen gehört die Brauerei der Familie Schnitzler, die 2008 den Stickum-Erweiterungsbau eröffnete, welcher eine gläserne Brauerei, die neue Schnapsbrennerei sowie die Stickum-Bar enthält.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grünhopfen-Sticke
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Düsseldorf
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: Zunächst recht fruchtig nach Maracuja, Erdbeere und Banane und beim Schwenken dann gleichzeitig röstmalzig und karamellig.
Geschmack: Auch hier eine interessante Kombination aus fruchtigen und röstmalzig-karamelligen Noten mit einem grandiosen fruchtig-malzigen Abgang. Der Körper ist genau passend vollmundig um nicht zu schwer zu wirken.
Insgesamt bin ich aber auch hier begeistert (wie bereits beim Hopfenzupfer) wie weich und harmonisch der Gesamteindruck ist. In fast allen Belangen (auch optisch) ein wirklich herausragendes Bier, was ich mit dem größten Vergnügen mit 14 Pkt. und somit einer glatten 1 bewerte. Als erstes „Collaboration-Bier“ vom Bierjubiläum, hat das Jrön  absolutes Potential zu meinem neuem Lieblingsbier zu werden.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.uerige.de/index.html.

Prost!

172. St. Georgenbräu Buttenheimer Hopfenzupfer

Mit einem weiteren Bier aus dem reichhaltigen Bierbestand der Brühler Eule möchte ich in eine Reihe von Frisch- bzw. Grünhopfen-Bieren starten. Unter Grünhopfenbier versteht man Bier, das unter Verwendung von frisch geerntetem und nicht getrocknetem oder aufbereitetem Hopfen gebraut worden ist. Abhängig von der Hopfenernte im September wird dieses Bier lediglich in einem kurzen Zeitraum im Herbst gebraut und vertrieben. Idealerweise trinkt man die Grünhopfenbiere natürlich auch so frisch wie möglich – in einigen Orten Deutschlands werden die ersten Biere dieser Art auch im Rahmen kleiner Hopfen-Ernte-Feste ausgeschenkt. Ich denke mit Anfang März ist es aber immer noch akzeptabel sie zu verkosten und herauszufinden, ob man einen Unterschied zu „unfrischen“ Bieren erkennen kann. Das Buttenheimer Hopfenzupfer ist dabei ein…

„Ein kräftig eingebrautes Festbier mit feiner Hopfennote wie aus alter Zeit. Mit Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh) aus dem brauereieigenen Schauhopfengarten.“

Dieser Schauhopfengarten ist sogar der erste Oberfrankens. Beim alljährlichen Hopfenzupferfest im September wird dieser mit Pferdefuhrwerken und Blaskapelle eingebracht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grünhopfen-Festbier
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
5,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Buttenheim
Erscheinungsjahr. . .
1624/2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: Malzig-frisch und recht grasig-pflanzlich aber insgesamt dezent.
Geschmack: Malzbetont, würzig und leicht fruchtig-bitter. Bei mittlerem Körper doch noch relativ süffig. Erstaunlich ist allerdings wie sehr ausgewogen das Bier wirkt. Auch im Abgang extrem weich.
Nicht nur die farbliche Erscheinung des Bieres ist Gold, auch der extrem harmonische Gesamteindruck hinterlässt ein glänzendes Fazit. Trotz Abstrichen im Geruch gibt es deshalb nur ganz knapp keine sehr gute Bewertung: 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.georgenbraeu.de/home-62.html.

Prost!

171. Schloss Eggenberg Urbock 23°

Bevor es morgen wieder zur allmonatlichen Bierverkostung zur Kierberger Eule geht, gibt es heute noch ein Bier aus dem Eulenbestand. Mit dem Urbock 23° geht die Reise aus Schottland in unser schönes Alpennachbarland. Dort wird im oberösterreichischen Eggenberg (nicht zu verwechseln mit Schloss Eggenberg in Graz) seit dem 17. Jahrhundert Bier gebraut. Nahe der Salzkammergut-Berge ist die Brauerei bereits seit acht Generationen im Familienbesitz. Weltweite Bekanntheit erlangte die Brauerei durch ihr Samichlaus Starkbier, welches jedes Jahr speziell am Nikolaustag eingebraut wird. Daneben gibt es aber auch noch weitere Bierspezialitäten, wie z.B. ein Red Ale aus dem Whiskey-Fass. Unabhängig des Bier verfolgt die Familie Stöhr stets diese drei Leitlinien:

  • Langfristiges Denken bei respektvoller Würdigung unserer Vergangenheit
  • Zukunftsorientiertes und innovatives Handeln
  • Höchste Qualität unserer Rohstoffe, Mitarbeiter, Biere & Kundenbeziehungen

Während der weiterhin schwappenden Craft-Bier-Welle scheint man also wieder dem aktuellen Zeitgeist zu entsprechen.

Das Besondere am Urbock ist dabei nicht nur, dass es nach 9 Monaten Lagerzeit als „Cognac der Biere“ bezeichnet wird sondern in mir vorliegender Flasche sogar auch als „Vintage Bier“ tituliert werden kann – denn schließlich ist das MHB bereits auf Juni 2015 datiert. Damit ist es das erste Bier dieser Art in einer Bierjubiläum-Rezension. Auf das damit verbundene besondere Geschmacksprofil bin ich nun sehr gespannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . heller Doppelbock
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Stammwürze. . . . . .  23°P
Alkoholgehalt. . . . . .
9,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vorchdorf / Österreich
Erscheinungsjahr. . .
1681/1971

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: Sehr spritzig, fruchtig-süß und eine erkennbare alkoholaromatische Bittere.
Geschmack: Auch hier ist das Alkoholaroma klar dominierend. Daneben leicht bitter mit einem hell-fruchtig-süßen Unterton. Ansonsten auch hier recht spritzig und vollmundig mit einem recht unauffälligen trockenen Abgang.
Offensichtlich gerade in der Vintage-Bier-Version wird der Urbock 23° seinem Namen als „Cognac der Biere“ mehr als gerecht. Es ist gefühlt eines der stärksten Biere, die ich je getrunken habe. Und auch Geschmack sowie äußere Erscheinung erinnern für ein Bier tatsächlich stark an den französischen Branntwein. Je länger man trinkt, desto weniger hat man das Gefühl ein Bier vor sich zu haben, sondern vielmehr wirklich eine Spirituose. Insgesamt aber selbst für meine Zunge einen Hauch zu experimentell, jedoch für einen besonderen Abend definitiv bestens geeignet. Inklusive Zusatzpunkt für „besonders kreative und qualitative Braukunst“ in Summe daher 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.schloss-eggenberg.at/de/unsere-biere/urbock-23.

Prost!

170. Brewdog Candy Kaiser

Nach dem gestrigen Alt aus dem tiefen Niederrhein folgt heute eine Interpretation der schottischen Craft-Beer-Größe Brewdog (mehr Infos unter 140.). Der Candy Kaiser soll dabei an ein Norddeutsches Altbier mit Düsseldorfer Wurzeln angelehnt sein. Auch hier bin ich hoch erfreut, dass selbst eine der populärsten und erfolgreichsten Craft-Bier-Brauereien der Welt diesen Bierstil würdigt. Allerdings bin ich ebenso ein wenig skeptisch, ob der schottischen Kompetenz in Sachen Altbierbrauen. Schaun ma also mal, ob das begründet ist, oder ob die Briten deutsches Bier ähnlich gut brauen können wie wir britisches.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alt
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ellon / Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Malzig-würzig mit sehr frischen Karamellmalz-Aromen sowie einer leicht dumpfig-fruchtigen Note in der Nase. Auf der Zunge dann noch dominanter malzig-würzig mit leichter Karamellsüße und ebenso wenig Bittere. Im Abgang ein wenig trocken-herb, aber sonst eher unauffällig. Trotz eines recht guten Körpers doch immer noch ziemlich süffig. Also alles in allen ein richtiges Altbier. Sicher nicht von der originären Qualität, wie aus einer der Düsseldorfer Hausbrauereien, aber besser als manche nicht mehr unabhängige Altbiermarke. Deshalb verdientermaßen genauso 12 Pkt. (2+) wie die Konkurrenz aus dem Rheinland, wobei diese im Direktvergleich eine Nasenlänge voraus ist.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.brewdog.com/item/967/BrewDog/Candy-Kaiser.html.

Prost!

169. Brauprojekt 777 Altbier

Karneval ist zwar nun vorbei, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen um nochmals zwei ganz besondere Altbiere zu verkosten. Insbesondere wenn man liest, dass der Absatz dieses leckeren Getränks zuletzt sehr zurück gegangen ist. Anfangen möchte ich mit einem Alt aus einer noch kleinen Kreativbierbrauerei aus dem tiefen rechten Niederrhein, von der ich bereits kürzlich das Red Ale verkosten durfte. Dabei finde ich es sehr vorbildlich, dass endlich dieser tolle Bierstil in der Brauwelt wieder mehr Anklang findet. Schließlich wäre es mehr als schade, wenn dieses Bier, was eine ganze Region geprägt und im Biersinne charakterisiert hat, als lokales Nischenprodukt enden würde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alt
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Voerde-Spellen
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Im Geruch malzig mit einem Mix aus Gras-, Wald- und Getreidenuancen und leichten süßlichen sowie röstig-spritzigen Noten. Geschmacklich ziemlich würzig-malzig und stärker röstig als vom Geruch vermutbar. Bei mittlerem Körper ist es weder richtig süffig noch vollkommen vollmundig. Komplettiert wird der Geschmackseindruck von einer unterstreichenden Frische und einem trocken-herben Abgang. Zusammengefasst wirklich ein mehr als ordentliches Alt, welches den Vergleich zu vielen alten Altmarken nicht scheuen muss. In Zahlen bedeutet das dann 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://brauprojekt777.de/ueber-das-projekt-777/.

Prost!

168. Kehrwieder ü.NN

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Aber nein, beim Bierjubiläum sicher nicht. Allerdings gibt es pünktlich zum Start der Fastenzeit ein alkoholfreies Bier. Bis letztes Jahr habe ich schließlich regelmäßig Alkohol gefastet, was ich unter normalen Bedingungen auch weiterhin machen würde, wenn da nicht das Bierblog wäre ;). So bleibt mir wenigstens noch das Fleisch-Fasten…

Das Kehrwieder über Normal-Null ist sogar aus doppelter Sicht sehr passend für den heutigen Abend. Denn einer der populärsten Kreativbrauereien Deutschlands kommt aus Hamburg, wo ja heute auch das DFB-Pokal Viertelfinale gegen Mönchengladbach steigt. 2011 gegründet, hat Brauchef Oliver Wesseloh – seines Zeichens Dipl. Ing für Brauwesen, Brauereiberater und Biersommelier-Weltmeister (2013) – seit 2014 auch eigene Brauanlagen in Hamburg. Allerdings werden aus kapazitativen Gründen Teile der Biere noch bei befreundeten Brauereien gebraut. Das ü.NN z.B. kommt aus dem Brauhaus Nittenau. Um die Alkoholfreiheit zu gewährleisten wird eine Hefeart verwendet, die den Malzzucker nicht vergären kann.

„[…] alkoholfrei und aromaintensiv – das muss doch irgendwie machbar sein. Die Frage war nur wie? Die Antwort: Das erste deutsche IPA alkoholfrei.“

Der Name der Brauerei leitet sich im Übrigen von einer Hamburger Elb-Insel am Binnenhafen als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Speicherstadt ab. Kehrwieder ist dabei Platt und bedeutet auf Hochdeutsch Sackgasse. Am heutigen Abend galt das dann auch für den Hamburger SV.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alkoholfreies IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  7.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
0,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg/Nittenau
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Im Geruch wirklich recht fruchtig (nach Grapefruit und Maracuja), malzig-süß, ein wenig herb und insgesamt sehr leicht. Es riecht interessanterweise als stünde man mitten im Sudhaus direkt vor dem Bierkessel – einfach lecker. Geschmacklich erwartbar seicht und süffig mit einem geringen Körper. Ansonsten recht malzig-süß, allgemein leicht fruchtig und ein wenig herb. Tatsächlich eines der aromatischsten Alkoholfreie, die ich bisher getrunken habe. Als Alternative zu alkoholfreien Pils oder Hefeweizen definitiv empfehlenswert. Deshalb in Summe gute 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.kreativbrauerei.de/Bier/Sortiment/3/.

Prost!