Archiv für den Tag: 28. Mai 2017

191.-192. Hofbräu Helles & Arcobräu Mooser Liesl

Während sich viele Bierbegeistere gestern und heute in Köln zum Festival der Bierkulturen trafen, werde ich mich dem Thema mit einer erneuten Vergleichsverkostung widmen. Da ich aus persönlichen Gründen dieses Jahr noch nicht teilnehmen konnte, möchte ich heute die beiden Hellen in meinem Kühlschrank gegeneinander antreten lassen. Auf der einen Seite das neue Helle aus dem großen Münchner Hofbräuhaus, das seit 1939 unter staatlich-bayrischer Führung steht.  Auf der anderen Seite das runderneuerte Mooser Liesl aus dem Gräflichen Brauhaus Arcobräu, seit jeher Privatbrauerei.
Ersteres ist offiziell eine Markenneueinführung, fußt jedoch auf das schon lange gebraute Hofbräu Original. Die Vermarktung setzt dabei klar auf Historie und den Lokalpatriotismus der Bayrischen Hauptstadt:

„Münchner Heimatbier!
Mehr München geht nicht: Echt Münchner Bier, echt Münchner Brauerei und echtes Hofbräuhaus.“

Letzteres hingegen kommt da eher etwas provinziell daher:

„Geh Liesl, bring ma no a so a guads Hells! So hieß es einst, als das Bier in unserer Schlosswirtschaft noch aus der Kanne ausgeschenkt wurde. Viele Gäste kamen nur wegen dem guten Hellen, das es hier gab. Nicht wenige aber auch wegen der feschen Liesl. So war es kein Wunder, dass bald beide, die Liesl und das Brauhaus mit seinem Bier, weit über die Grenzen von Moos bekannt und die Liesl für viele Jahre zum Markenzeichen der Brauerei wurde.“

Dabei geht die freie Brauerei Arcobräu auf eine geschichtsträchtige Familientradition zurück – mehr Infos hierzu unter 57..

Mal schauen also, wer die Nase (bzw. die Zunge) vorn hat: Die Metropole oder die Provinz…

Steckbrief (Hofbräu | Arcobräu)

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Helles
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
5,1% | 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . München | Moos
Erscheinungsjahr. . .
2016 (1589) | 2015 (1789)

Bewertung (Hofbräu | Arcobräu)
  • Flaschendesign + Kronkorken:___11 | 12
  • Aussehen:____________________10 | 10
  • Geruch:______________________9 | 9
  • Geschmack:__________________8 | 9
Fazit

Rein optisch leichte Vorteile für die Liesl. Zwar sind beide Bierfarben nahezu identisch gold-gelb, dafür ist jedoch die Arcobräu Flasche nicht nur im Design, sondern vor allem auch in Flaschenform ein echter Hingucker. Auch wenn das Hofbräu Helle in der Bierjubiläums-Edition überrascht.
Olfaktorisch schenken sich beide nichts. Das Arcobräu ist überraschend hopfig-blumig – fast schon pilsig, aber auch klassisch karamalzig und frischer. Das Hofbräu hingegen ist näher am typischen Geruch eines Hellen, wenn auch würziger und matter.
Auch geschmacklich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Allerdings unter vertauschten Vorzeichen. Während die Liesl in der Nase noch einem Pils ähnelte, ist sie geschmacklich (glücklicherweise) wieder näher dran am gewünschten Bierstil. Insgesamt unaufdringlich, süffig mit wenig Körper, etwas würzig, etwas süß, kaum herb und kein bisschen bitter, wobei die Malzigkeit zum Abgang hin zunimmt. Das Hofbräu hingegen wirkt deutlich hopfiger bis bitterer, weniger süß, weniger malzig, mehr Körper, allgemein spritziger und bei ähnlicher Würze mit einem herberen Abgang.
Alles in allem hauen mich aber ehrlich gesagt beide Helle nicht vom Hocker. Obwohl Helle eigentlich zu meinen Lieblings-Stilen gehören, vermisse ich bei beiden die klare Malzsüße auf der Zunge. Außerdem wirken sie beide auch etwas unausgewogen. In diesem nun dritten „Beer-Battle“ kann sich aber auf gutem bis mittelmäßigen Niveau in Summe die Liesl aus Moss gegen den großen Münchener Bruder knapp mit 10 Pkt (2-) zu 9 Pkt (3+) durchsetzen.

Weitere Infos zu den Bieren unter: http://hofbraeuhaus-hell.de/ & http://www.arcobraeu.de/de/mooser-liesl.

Prost!