Archiv für den Monat: Juni 2017

Wirtshaus Brühl

Am heutigen Freitag ist es mir mit meinem Kollegen endlich gelungen nach Feierabend mal ins Wirtshaus am Brühler (Haupt-)Bahnhof einzukehren. Grund war das Angebot von zwei „Craft-Bieren“, die noch nicht auf meiner Liste standen. Der Begriff ist deshalb in Anführungsstrichen gesetzt, weil es sich dabei um Biere der Marke Craftwerk handelt – bekanntermaßen eine Unternehmung der Bitburger Brauerei. Als eine der ersten der großen Braugruppen investierten die Eifeler 2009 in eine eigene Craftbeer-Sparte zur Entwicklung von Bieren abseits des deutschen Mainstream-Geschmacks entlang der damals schon eintreffenden Kreativbier-Welle. Bei zumeist schönem Wetter mit Blick auf das herrschaftliche Schloss Augustusburg (UNESCO-Weltkulturerbe) hatten wir es uns also im Biergarten gemütlich gemacht:

  • Craftwerk Skipping Stone:
    – 13.3°P; 4,8%; obergärig
    – Summer Ale
    – mit Hopfensorten der 70er (Nordbrauer & Brewers Gold)
    – insgesamt nicht recht überzeugend, da zu trocken-hefig
  • Craftwerk Holy Cowl:
    – 19.5°P; 9%; obergärig
    – Belgian Style Tripel
    – bittersüße Gewürznoten
    – geht zwar schon in die Richtung des Originals, aber qualitativ etwas entfernt von richtigen belgischen Tripel

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.craftwerk.de/

Weitere Infos zum Wirtshaus hier: http://www.bruehlerwirtshaus.de/

206. Brewdog Electric India

Weiter geht es im Programm der spannenden Bierattraktionen. Heute am Start: Der schottische Brauhund mit einem indisch-amerikanischen Belgier. Also erneut Internationalität pur.

Es ist nun nicht das erste Brewdog-Bier, was ich proBieren darf, aber aufgrund der enorm breiten Produktpalette ist es immer wieder faszinierend, was sich die schottischen Craftbeer-Pioniere erneut ausgedacht haben. Wobei diesmal offensichtlich auch weitere Kräfte am Werk waren:

„Electric India is a perfect hybrid – a meeting of two formative brewing worlds – embracing the spicy notes of a Belgian saison and combining with the punchy new world hops of an American IPA. Originally created by our legion of shareholders at an Equity Punk brewday in 2013 […]“

Das Interessante an diesem Bier ist aber nicht nur die Kombination dieser beiden Bierstile, sondern auch die Zutatenliste. Enthält diese doch neben der Weizenrohfrucht Pfeffer, Koriander und Honig, was selbst in einem belgischen Saison in der Form eher unüblich ist. Umso mehr bin ich gespannt, wie dies dann noch in der Kombination mit etwas aussagekräftigeren US-amerikanischen Hopfen am Gaumen ankommt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . American Saison
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Pfeffer, Koriander, Honig, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .   –
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ellon / Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Ananas, Zitrone, Limette, Papaya und Granatapfel, etwas grasig-würzig-süß
Geschmack: würzig-pfeffrig-hefig, leichte Bitterkeit, fruchtig mit Anklängen von Koriander, mittelhoher Körper, leicht spritzig, fruchtig-herber Abgang mit einer scharfen Note
Gesamt: In der Tat ein sehr interessantes Bier, dem die vielen Komponenten grundsätzlich gut tun. Allerdings ist es selbst für den Amateur-Gaumen schon schwierig die einzelnen Geruchs- und Geschmacksnoten herauszufiltern. Den Honig zum Beispiel konnte ich so gut wie gar nicht erkennen. Insbesondere die Kombination mit den fruchtigen Hopfensorten überfrachtet fast das Bier. Dennoch ein handwerklich gut gemachtes und sehr kreatives Bier – leider aber heute nicht genau mein Geschmack. Trotzdem summa summarum 11 Pkt. (2) und für experimentierfreudige Biergenießer sehr zu empfehlen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.brewdog.com/lowdown/blog/electric-india.

Prost!

205. Steamworks Killer Cucumber Ale

Heute geht es endlich mal wieder auf Bierurlaub. Zumindest gedanklich. Wartet doch mit dem mörderischen Gurken-Bier heute ein Bier aus dem schönen Kanada auf mich. Dabei ist das Bier in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Zum Einen natürlich aufgrund der Extra-Zutat Gurke, die ich zumindest so noch nicht in Bieren gesehen geschweige denn geschmeckt habe. Ein weiteres geschmackliches Experiment also, worauf ich sehr gespannt bin. Zum zweiten ist das Bier – wie es der Name schon verrät – ein sogenanntes Dampfbier. Zwar ist dies kein offizieller Bierstil, charakterisiert aber die Art und Weise der Herstellung, die bei Steamworks Tradition und Historie hat.

So geht die Geschichte der Brauerei bis in die 1930er Jahre zurück, als sich Teile der österreichischen Familie Gershkovitz aufmachten und ihr Glück im kanadischen Ottawa suchten. Zwei Generationen und einen Umzug an die Westküste ins schöne Vancouver später, suchte der kanadische Familienteil wieder stärkeren Kontakt nach Europa und sie unternahmen eine Rundreise. Dort kamen sie erstmals mit dem Bierbrauen in Berührung und erwarben in der Folge 1995 einen historischen Brewpub in Vancouver. Dieser beinhaltete noch ein seltenes altes Dampfheizsystem, was jedoch Jahre nicht mehr benutzt wurde und womit sich Eli Gershkovitz nicht auskannten. Doch die Bierbegeisterung war groß genug um lange genug zu experimentieren und im Selbststudium die erste und bisher einzige Dampfbierbrauerei Kanadas zu eröffnen. Da es Eli zwecks Rezepturinspiration immer wieder in die alte Heimat zog, beschlossen er und sein österreichisches Pendant Herbert Ottenschläger – der im Tourismuswesen seine Brötchen verdient – 2014 bei einem gutem Glas Bier eine transatlantische Kooperation einzugehen.

Dieser habe ich es nun zu verdanken, dass ich das heutige interessante Bier proBieren darf. Es ist zwar nicht das erste dieser spannenden Brauerei (ich erinnere mich sehr gerne an das White Ale mit Gerstenflocken, Hafermalz, Haferflocken sowie gerösteten Kakao- & Kaffeebohnen), aber immer wieder auch etwas Besonderes. Und um die Transnationalität auf die Spitze zu treiben, kommt in dieses kanadisch-österreichische Gurken-Dampfbier auch noch belgische Bierhefe hinein.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dampf-Gewürzbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Gurke, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .   –
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vancouver / Kanada
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: würzig, hopfig, gemüsig-grasig, frisch
Geschmack: würzig, süffig, leicht herb, süß-herber Abgang, tatsächlich gurkig und hefig
Gesamt: Während die Gurke in der Cocktail-Welt bereits vor einigen Jahren Einzug gehalten hat, zeigt sich mit diesem Bier, dass dies zu Unrecht bisher auch nicht im Brauwesen stattgefunden hat. Ein wirklich leckeres, frisches und ja auch anderes Bier. Es hat zwar bis auf den leicht gurkigen Geschmack von keiner klassischen Geschmackskomponente keine herausragende Eigenschaft, ist aber in der Gesamtheit derart ausbalanciert, dass es mich völlig überzeugt. Überzeugt nochmals in der Ansicht, dass das „Reinheitsgebot“ durch eine Alternative ersetzt werden muss. Denn dieses Bier ist mit 12 Pkt. (2+) wirklich hochqualitativ, innovativ und natürlich und es gibt keinen Grund, dass so etwas nicht auch in Deutschland gebraut werden darf.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.steamworks.eu/seiten/brauerei/
und zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/steamworks-killer-cucumber-ale/329085/1/1/.

Prost!

204. Main Seidla Harvest Moon

Auch mit dem heutigen Bier liege ich wieder jahreszeitentechnisch daneben. Aber zumindest bin ich beim Herbst schon näher am Sommer als noch beim Belgischen Winter. Und da Harvest Moon für den ersten Vollmond im Herbst steht, ist der Sommer da schließlich oftmals noch gut zu spüren.

Harvest Moon bezieht sich aber nicht nur auf den entsprechenden Mond, sondern natürlich auch auf die dazugehörige Erntezeit. Und so war ich freudig überrascht, dass das Brauhaus Binkert dieser landwirtschaftlichen Zeit ein spannendes Bier aus den drei Getreiden Gerste, Hafer und Dinkel widmet:

„DAS ERNTEBIER: Der goldene Herbst mit seinem einzigartigen Licht, eingefangen in der Fülle von Gersten, Hafer- und Dinkelmalz verspricht eine Belohnung, wie man sie nur zur Erntezeit mit Dankbarkeit verspürt. Eher mild in seiner harmonischen Bittere kommt die Erntereife voll zur Geltung. Süße Früchte, wie Trauben und Mandarinen werden durch die ausgewogene Auswahl von uralten und brandneuen Hopfensorten zur Entfaltung gebracht. Ariana beim „late hopping“ und Hersbrucker Pure beim „dry hopping“ ergänzen sich blendend zu einem erdverbundenen Lobgesang an die fränkischen Heimat. War in alten Zeiten das Erntebier wegen der schweren körperlichen Arbeit eher ein Leichtbier, so haben wir den moderaten Alkoholgehalt den heutigen Genussansprüchen in Form eines echten Vollbiers angepasst. Denn weiterhin gilt: die wichtigste Eigenschaft von Bier, ist der Durst auf ein zweites!“

Zumindest in der Theorie (Getreide+Hopfen+Heimat) verspricht es also ein wirklich interessantes Bier zu sein. Dazu passt übrigens auch die schwierige Bierstilzuordnung: Handelt es sich doch um obergäriges Helles mit alternativen Getreidearten. ProBier ich also mal, ob es tatsächlich auch Durst auf ein 2. macht…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fränkisch Wieß
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Dinkel- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Breitengüßbach
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: hopfig-frisch, fruchtig, grasig-malzig
Geschmack: recht spritzig, leicht rot-fruchtig, fruchtig-herb-frischer Abgang, Zwischentöne von Getreide & Gras, wenig Körper
Gesamt: Nach den ersten Schlucken dachte ich noch, ob die zwei Monate MHD-Überschreitung dem Bier vielleicht doch nicht so gut taten. Aber im Verlaufe entwickelte sich der Geschmack dann aber doch besser. Auch wenn es insgesamt relativ ausdruckslos bleibt, merkt man dem Bier schon die Intention an. Sowohl Frucht- als auch Grasnoten sind klar erkennbar, wenn auch in geringer Intensität als erwartet. Das Bier erinnert tatsächlich eher an das angesprochene leichte Erntebier und ist somit wohl näher am historischen Original als gedacht. Es ist also kein Top-Bier, man kann aber definitiv noch ein zweites davon vertragen. In Summe gute 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/main-seidla-harvest-moon/463820/.

Prost!

 

Blogbier, die XIV.

Beim Familien-Besuch im nordhessischen Kaufungen (Lkr. Kassel) habe ich u.a. folgende Bierspezialitäten mitgebracht:

  • Schumacher Alt:
    – 11°P; 4,6%; obergärig
    – Altbier aus der ältesten Altbierbrauerei Düsseldorfs (1838)
    – endlich habe ich es im Rahmen des Bierjubiläums geschafft das außerhalb Düsseldorfs selten beziehbare Alt zu proBieren
    – abgefüllt nur in 1l-Flaschen
    http://www.schumacher-alt.de/

  • Pyraser Kellerbier:
    – 11,4°P; 4,8%; obergärig
    – aus der hervorragenden Privatbrauerei im fränkischen Pyras (gegründet 1870)
    – mit Mineralwasser gebraut
    – ungewöhnlich obergärig und fruchtig
    http://www.pyraser.de/produkte/Kellerbier

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Siggi, Herbert und Kim für die wie immer ausgezeichnete Gastfreundschaft.

203. Heidenpeter’s Belgian Winter

Wo es in der Hauptstadt gerade so schön ist, bleiben wir doch gleich dort und ziehen weiter zur Craft-Brauerei Heidenpeters. Passend zum heutigen Sommeranfang gönne ich mir das Belgian Winter, das schon recht lange auf seine Verkostung wartet und inzwischen das Sortiment von Johannes Heidenpeter wieder verlassen hat. Der belgische Winter zeichnet sich im Gegensatz zu anderen bekannten Winterbieren durch die tatsächliche Hinzugabe von weihnachtlichen Gewürzen wie Sternanis, Nelken oder Zimt aus. Basis bildet dabei ein klassisches belgisches Starkbier, das traditionell obergärig mit Weizenmalz gebraut wird. Eine Art des Bierexperiments, für das Heidenpeters bekannt ist und das ich grundsätzlich begrüße – insofern die Qualität stimmt. Die deutsche Gesetzgebung hingegen erlaubt bei diesem Getränk jedoch nicht die Bezeichnung „Bier“, sodass es Heidenpeter auf der Flasche „Alkoholischer Malztrunk“ nennen muss. Bleibt nur die Frage, ob ein Winterbier bzw. winterlicher Malztrunk auch noch mitten im Sommer schmeckt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Winterstarkbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizenmalz, Sternanis, Zimt, Nelke, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>8,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: obergärig hefig, leicht bananig, süßlich-bitter, alkoholaromatisch und tatsächlich ein Hauch von Nelke
Geschmack: voller körper, sehr spritzig, vollmundig, bitter-süß, unangenehmes Alkoholaroma, leichte Noten von Sternanis
Gesamt: Vielleicht sind die 2 Monate MHD-Überschreitung doch zu viel, vielleicht bin ich  einfach noch nicht bereit für ein belgisches Starkbier dieser Art, vielleicht passt ein solches Winterbier aber auch tatsächlich nicht in den Hochsommer, doch wirklich lecker ist mein heutiges Bier leider nicht (mehr). Weder in der Nase noch auf der Zunge ein wirklicher Genuss. Zu sehr dominiert ein bitteres Alkoholaroma, zu wenig kommen die winterlichen Gewürze heraus – vom Zimt zum Beispiel fehlt mir jede Spur. Deshalb kann es dafür leider nicht mehr als 7 Pkt (3-) geben.

Weitere Infos zur Brauerei erfährt man am Besten unter: https://www.facebook.com/HEIDENPETERS.

Prost!

202. Schoppe Bräu Berliner Schnauze

Von München geht es heute weiter in die nächste deutsche Millionenstadt. Aus der deutschen Kapitale stammt seit 2001 ebenfalls eine inzwischen recht erfolgreiche kleine Handwerksbrauerei, die sich zu den ersten ihrer Art zählen darf. Zwar ist man mittlerweile (zum Glück) eine unter vielen sog. Craftbeer-Brauereien, setzt aber meiner Ansicht nach trotzdem die richtigen Akzente:

„Hopfen, Malz und Muskelschmalz

Diesem Motto sind wir seit unseren Anfängen treu. Wir stellen unsere Biere sämtlich in kleinteiliger handwerklicher Produktion aus besten Rohstoffen her. Sie sind allesamt unfiltriert und nicht wärmebehandelt. Das kommt ihrer Frische und der Bekömmlichkeit zugute.

Heutzutage unterscheiden sich Dutzende von zwar „technisch“ einwandfreien, aber gleichförmigen und geschmacksarmen Industriebieren nur durch ihre Fernsehwerbung.

Wir stellen Biere her, an die man sich wegen ihres Geschmacks erinnert, nicht wegen des letzten Spots. Denn ihr Geschmack ist vollmundiger, intensiver, vielschichtiger.

Wir wollen die Vielfalt des Genussmittels „Bier“ erfahrbar machen. Dazu beschreiten wir auch mal unverbrauchte und ausgefallene Wege – abseits der sattsam bekannten Pfade. Heutzutage sagt man „Craft Beer“ dazu.

Die Veredelung der eigenen Arbeitsbeschreibung mit diversen englischsprachigen Begriffen ist zwar schwer in Mode – etwa als „Corporate Orchestration Trailblazer“, „International Optimization Facilitator“ oder „Strategic Craft Beer Evangelist“ — wir sind schlicht und ergreifend Brauer!

Und das mit Herz und Seele!“

Die Berliner Schnauze zumindest bietet mit drei Getreidemalzen schon einmal interessante Eckdaten. Bin gespannt, ob mich auch hier der Roggen überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkles
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: mehr karamellig als röstig, leicht bitter und sonst frisch und klar
Geschmack: hier mehr röstig als karamellig und ein ganz wenig grasig; bei leicht hopfig-bitterer Spritzigkeit und röstig herbem Abgang insgesamt aber etwas unruhig
Gesamt: Obwohl das dunkle „Dreikornbier“ sicher eines der besseren ist, steht es heute leider etwas im Schatten vom herausragenden gestrigen Vorgänger. Die Verwendung von Roggenmalz macht sich aber insofern bezahlt, als dass die Geschmacksnuancen nun deutlich vielfältiger und klarer sind als bei vergleichbaren Bieren des Stils. Ggf. hätte man aber auch eine Zusammensetzung der Malze und Hopfensorten setzen können, um ein noch besseres Ergebnis erzielen zu können. Deshalb heute „nur“ 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.schoppebraeu.de/de/#product_details–berliner_schnauze.

Prost!

201. Giesinger Baltic Rye Porter

Mit dem Baltic Rye Porter von der jungen Münchner Brauerei Giesinger möchte ich in meine große Jahresreihe „Alternative Getreide“ starten. Am Start sind etwa 30 Biere mit Basisgetreiden abseits der üblichen Verdächtigen Gerste und Weizen. Zudem werde ich auch Biere mit weiteren natürlichen Zutaten proBieren, die zwar den unsinnigen deutschen Biergesetzen nicht entsprechen, dafür aber durch ihre Natürlichkeit es wert sind einmal einen Blick bzw. Schluck über den Tellerrand zu wagen.

Giesinger ist gutes Beispiel für die derzeitige Craft-Bier-Bewegung. 2003 in einer Garage entstanden und somit die erste Brauereigründung in der bayrischen Landeshauptstadt nach vielen Jahrzehnten, ist es in etwa zehn Jahren (auch mit Hilfe eines Crowdfundings) zur zweitgrößten Privatbrauerei Münchens empor gestiegen. Dabei setzt man sowohl auf klassisch bayrische Bierstile, als auch kreative Innovationen á la Baltic Rye Porter, dass mit Roggenmalz eingebraut wurde. Unter dem Motto „Mir san Bier“ folgt Giesinger diesen Regeln:

  • Unsere Biere sind unfiltriert und nicht thermisch behandelt.
  • Bei den Rohstoffen legen wir höchsten Wert auf Qualität und Herkunft. Wir verwenden beispielsweise nur besten Hallertauer Hopfen.
  • Auch beim Produzieren legen wir großes Augenmaß auf die Brautradition. Deshalb kommen bei uns beispielsweise statt der üblichen Edelstahltanks vier grosse, offene Gärbottiche für die Hauptgärung der obergärigen Biere zum Einsatz.
  • Wir sind eine Münchner Brauerei und konsequenterweise verzichten wir auch auf den Export unserer Biere. Dafür müssten wir Einschränkungen (z.B. eine längere Haltbarkeit) hinnehmen, die unserer Auffassung vom Brauen widersprechen.
  • Wir stellen traditionelle und althergebrachte Biersorten her: Helles, Weißbier, Dunkles, Märzen und Bock (und gaaanz selten auch mal ein paar Experimente).

Zum Glück sind diese Experimente dabei dann noch nicht sooo selten und stehen auch im Einklang mit den traditionelle Brauweisen, auf die sich die kreativen Münchner zurückbesinnen wollen. Etwas ungewöhnlich für einen Braubetrieb dieser Größe ist zudem auch die Tatsache, dass man von Beginn an konsequent die Fertigkeiten einer handwerklichen Braukunst im Rahmen einer Brauer- und Mälzer-Ausbildung an junge bierbegeisterte Menschen weitergibt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  17°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14,5
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: wirklich sehr röstig und karamalzig sowie leicht brotig und alkoholaromatisch
Geschmack: sehr schön weich und abgerundet, neben Karamalz und Röstmalz leichte Kaffee- und Schokonoten sowie ein ganz geringe Bittere; bei mittelgroßem Körper und passig matter Spritzigkeit macht der malzig süße Abgang Lust auf mehr
Gesamt: Es beginnt mit der Flasche, die meiner Ansicht nach die schönste Form der Welt hat. Das informationsgeladene und ansehnliche Etikett tut sein Übriges zur fast perfekten Note für die erste Kategorie. Bei der allgemeinen Optik dann zwar Bierstil-bedingt ein paar kleine Abzüge, aber spätestens die olfaktorische Komponente bringt das Bier wieder in die Spur. Geschmacklich ist es nicht weniger als das beste Porter, das ich je trinken durfte. Doch nicht nur das, auch im Vergleich zu allen anderen diesjährigen Bieren teilt es sich mit dem herausragenden Jrön mit 14 Pkt. (1) in der Gesamtwertung von nun an den ersten Platz. Gerade, wenn man bedenkt, dass das MHD offiziell bereits Ende letzten Jahres abgelaufen ist, bestätigen sich zwei Dinge: Die Brauqualität von Giesinger und Roggen als wertvolles Biergetreide!

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.giesinger-braeu.de/.

Prost!

200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Kulturelles zum Feiertag

Zum heutigen Fronleichnams-Feiertag haben wir mit unseren Nachbarn und meinem Kollegen nebst Gattin und Kind köstlich gegrillt. Diese Biere hatte ich dabei für uns mitgebracht:

  • Brauhaus Binkert Main Seidla Kellerbier:
    – 11,9°P; 4,9%; untergärig
    – 2012 anlässlich der 1200 Jahr-Feier der Gemeinde Breitengüßbach in Oberfranken gegründet
    – naturtrübes klassisch-fränkisches Kellerbier
    http://www.mainseidla.de/biere/kellerbier.html
  • Hoppebräu Wuidsau:
    – 13°P; 5,6%; obergärig
    – von der 2010 in Waakirchen (nördlich des Tegernsee) gegründeten Kraftbier-Brauerei
    – kaltgehopftes Festbier (hier im Sinne eines Amber Ale)
    – kam auch bei Kraftbier-Neulingen gut an
    https://www.hoppebraeu.de/home.php#slide-to-produkte
  • Brouwerij ´t IJ Natte:
    – 6,5%; untergärig
    – aus der 1985 in Amsterdam gegründeten niederländischen Kreativbier-Brauerei
    – Dubbel nach europäischem Bio-Standard
    http://www.brouwerijhetij.nl/natte/
  • Val-Dieu Blonde:
    – 6%; untergärig
    – aus der 1216 gegründeten Brauerei der belgischen Zisterzienserabtei im Bistum Lüttich
    – neben der Brauerei gibt es noch eine Käserei und eine Ciderfabrik im Kloster
    – Flaschengärung
  • Lindemans Framboise:
    – 2,5%; spontangärig
    – aus der wohl bekanntesten Lambic-Brauerei der Welt (gegründet 1822 im belgischen Vlezenbeek – seit 1980 im Sortiment)
    – Frucht-Lambic mit Himbeeren (zuvor 1 Jahr auf Eiche gereift)
    – nicht nur sehr gut geeignet um die Frauenwelt von gutem Bier zu beeindrucken
    http://www.lindemans.be/beer/framboise

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Rebekka, Matthias, Sandra und Normen für den netten und leckeren Tag.

199. Maisel & Friends Choco Porter

Bevor es ab morgen an dieser Stelle mit meiner großen Jahres-Reihe an Bieren losgeht, die sich durch alternative Getreidearten oder anderen natürlichen Zusätzen auszeichnen, möchte ich zum Wochenend-Abschluss gerne den neuesten Zugang des Maisel & Friends Standard-Sortiments vorstellen.

Nach dem Pale Ale, dem IPA, und dem Citrilla ist es bereits Bier #4 das in der Session-Reihe der Traditions- und Kreativ-Brauer aus Franken in Falschen abgefüllt wird. Daneben brauen die drei Maisels – wie es der Name schon verrät – aber auch gerne mit Freunden, sodass immer mal wieder auch Freundschafts-Sude den Markt erreichen. Hier sei ganz besonders auch auf das India Pale Lager in Kooperation mit Cocktailian hingewiesen.

„Black, bold and beautiful!“

So ist der Slogan des Bieres, dass sich vor allen durch einen cremigen, malzigen und süffigen Eindruck auszeichnen soll. Vor allem aber sollen Noten von Zartbitter, Espresso und Karamell den Bierkenner umgarnen. Bin ich also auf das „Geschmacksabenteuer“ gespannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.2°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: Röstig-malzig, getreidig und leicht frisch und angesüßt
Geschmack: In der Tat ganz klare Noten von Kakao und Kaffee. Dazu kommt eine dumpfe stets begleitende Süße und ein etwas herber kaffeiger Abgang. Zudem ist es recht weich und überraschenderweise auch zugleich süffig, auch wenn man sich einbildet, dass das Bier aufgrund der dunklen Seele einen größeren Körper vorweist.
Wahrlich kann also hier von einem kleinen Geschmacksabenteuer die Rede sein. Im Gegensatz zu anderen Portern, bei denen tatsächlich Kaffee zugesetzt ist, schaffen es Maisel nur mithilfe einer cleveren Komposition von Gerstenmalzen einen meiner Ansicht nach besseren Kaffee-Geschmack zu kreieren, als eine richtige Beimengung des schwarzen Wachmachers. Die Kombination mit der Zartbitterschokolade macht das ganze einfach nur stimmig und rund. Gerade als Freund von dunklen ausdrucksstarken Bieren erfreut mich die klare Linie und der interessante Charakter des Bieres. Abzüge gibt es aber deshalb, weil mir das Bier ein wenig zu trocken, sauer und süffig erscheint. Trotzdem in Summe starke 13 Pkt. (1-). Und wenn ich nicht permanent damit beschäftig wäre neue Biere zu finden, würde ich tatsächlich wohl zum „Wiederholungstäter“ werden.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/session/choco-porter/.

Prost!

198. Butcher´s Tears La Condition Humaine V: Echo Beach

Trotz des gestrigen leider mäßigen weil zu weit über dem MHD befindlichem Amber Pale Ale von Butcher´s Tears, möchte ich auch das India Pale Ale auf Leber und Nieren testen. Unter dem Titel „La Condition Humaine“ erscheint in regelmäßigen Abständen immer eine neue Edition des India Pale Ales. Im Laufe des vergangenen Jahres stand Sud Nr. 5 an, der den wohl klingenden Beinamen Echo Beach erhielt. Sind wir also gespannt, ob das kaltgehopfte IPA die fortgeschrittene Flaschengärung besser überstanden hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Gullegem / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

In der Nase schön fruchtig süß nach Mango, Papaya und Granatapfel sowie leicht grasig-getreidig mit bitteren Spitzen. Auf der Zunge dann leider klar alkoholaromatisch ohne deutlichen Ausdruck hinzu einem hopfigen oder malzigen Charakter. Insgesamt eher karamell- als fruchtsüß mit einem scharf herben Abgang. Ansonsten bei recht großem Körper frisch und spritzig.
Alles in allem also schmeckbar besser als das gestrige APA aber dennoch kein Überflieger. Wahrscheinlich kommt dem Bier aber der höhere Alkoholgehalt, die Kalthopfung und das etwas näher zurückliegende MHD-Ende zu Gute. Endlich bekomme ich also einen Eindruck über die wahre Qualität der handwerklichen Braukunst dieser Mikro-Brauerei. In Summe deshalb zumindest 9 Pkt (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://butchers-tears.com/beers.

Prost!

197. Butcher´s Tears The Last Possession

Die Woche ausklingen lassen möchte ich mit zwei Schätzchen aus dem guten P&M-Getränkemarkt in Bad Godesberg. Da beide im Angebot waren und handlich ausschauten, landeten sie bei einer meiner letzten Abstecher auch in die Tasche. Vom Bier und Brauerei hatte ich bis dato aber noch nichts gehört.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Mikro-Brauerei aus dem südwestlichen Stadtteil Schinkelbuurt gegenüber des Amsterdamer Olympiaviertel, die es sich zum Ziel gesetzt hat anders zu sein:

„Our aim is to enrich the beer culture rather than repeating what other brewers are already doing. We take a lot of inspiration from historical brewing documents and half-forgotten traditions but we also like to make way forward by forging together elements from different beer cultures as well as through pure experimentation.“i

Mit dem Last Possession zum Beispiel verband man nicht nur die beiden Bierstile Amber Ale und Pale Ale, man nutzte auch drei historische Hopfensorten (Bullion, Bramling Cross und Brewer’s Gold) zur Herstellung. Diese fand übrigens aus Kapazitätsgründen in den Räumlichkeiten der Brauerei Gulden Spoor im belgischen Gullegem statt.

Bei so viel Herzblut, Kreativität und Sinn für die Geschichte bin ich sehr gespannt, wie mir das Bier auch in der Praxis gefällt. Eine Besonderheit kommt dabei hinzu: Da das MHB bereits seit letztem November überschritten ist, handelt es sich hierbei sozusagen um die Vintage-Variante.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Gullegem / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Im Geruch wirklich extrem spritzig und frisch sowie auch bittersüß angehopft. Im Geschmack ähnlich frisch obwohl auch recht vollmundig. Ansonsten karamellsüßlich, würzig herb, leicht holzig-rauchig und bitter. Im Abgang eher alkoholaromatisch, was auf eine allgemein fortgeschrittene Flaschennachreifung schließen lässt.
Leider habe ich keinen Direktvergleich mit einer frischen Flasche oder idealerweise einem Fassbier. Denn ich will vermuten, dass ein solches Bier aus einer solchen Brauerei so frisch wie möglich getrunken werden muss. So tut es mir fast leid, dass ich dem Bier wahrscheinlich unrecht tue und mit 6 Gesamtpunkten (4+) eine relativ schlechte Note geben muss. Nichtsdestotrotz soll das nicht darüber hinweg täuschen, dass mit dem Bier tatsächlich ein gutes Kreativbier gelungen ist, dass ganz neue Geschmackskomponenten zusammenbringt. Wer also mal die Gelegenheit hat in Amsterdam zu weilen, dem empfehle ich einen vor-Ort-Besuch.

Weitere Infos zum Bier unter: http://butchers-tears.com/beers.

Prost!

Brauhaus Bönnsch

Heute zum Feierabend habe ich es endlich geschafft dem Bonner Bönnsch einen Besuch abzustatten. Als Anlass habe ich mir das neue Saison-Bier genommen – wurde doch tatsächlich das erste Bonner Alt gebraut. Seit dem Ende der Bonner Kurfürsten-Brauerei in den 1990ern ist es das erste Mal, dass wieder ein Alt aus der ehemaligen Bundehsuaptstadt kommt. Mit vier verschiedenen Braumalzen und höherer Hopfengabe gebraut ist es für ein klassisch Düsseldorfer Alt eher röstmalziger, süßer und schwerer. Neben leichten Fruchtnoten kommt es auch ein wenig schokoladig daher. Bei einer Stammwürze von 11.9°P kommt es auf 4,9% Alkohol.

Dazu gab es übrigens ein sehr schmackhaftes Brot aus Braugerste. Das war das erste Mal, dass ich Brot bewusst nach diesem Getreide verkostet habe und ich war wirklich angetan. Gerade weil eher Weizen und Roggen zur Brotherstellung verwendet werden, ist die Gerste meiner Ansicht nach eine interessante Alternative. Sie macht das Brot weicher, würziger und ausgewogener.

Nach dem Alt musste ich natürlich auch das hauseigene Weizen (5,2%) proBieren, dass im Gegensatz zum Alt aber zum Standard-Sortiment gehört. Fast typisch für eine kleine Brauerei ist es dunkler in der Farbe und schmeckt auch weniger bananig, dafür ist die Fruchtnote umfassender. Mit deutlich spürbarer Hefe ist es auch vollmundiger aber zugleich auch frischer als andere Weizen.

Insgesamt war es also ein wirklich gelunger Feierabend, den ich jedem Bonner nur empfehlen kann. Kein anderer Ort in der Stadt bietet ein authentisches Brauhaus mit Original Bonner Bieren.

Mehr zum Bier und zur tollen Brauerei unter: http://www.boennsch.de/aktuelles/neuigkeiten/item/153-unser-saisonbier-b%C3%B6nnsch-alt.

196. Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Vor dem kommenden Pfingstwochenende möchte ich mich dann auch mal in die inzwischen wohl zahlreichen Verköstiger des diesjährigen Hopfenreiters einreihen. Dieser ist ein Freundschafts-Projekt, das letztes Jahr zum ersten Mal ins Leben gerufen wurde. Getreu des Namens „Maisel & Friends“ lud Marc Goebel befreundete Braumeister ins schöne Bayreuth ein, um dort gemeinsam ein India Pale Ale zu entwickeln und brauen. Anlässlich der Eröffnung des Liebesbier wurde das Bier dann vorgestellt. Nun, zum einjährigen Geburtstag des riesigen und hochwertigen Gaststättenkomplex im Herzen Bayreuths im Frühjahr, kamen erneut die Freunde von Maisel nach Franken und brauten den zweiten Hopfenreiter. Als IPA, typischerweise hopfenlastig, zeichnet er sich durch diesen Mix an Hopfengaben der einzelnen „Freunde“ aus:

„Vic Secret von Hoppebräu
Callista von Schanzenbräu
Chinook von BrewAge (A)
Comet von BRLO
HBC431 von Jopen (NL)
Mosaic kommt von Maisel.“

Da der Hopfenreiter dieses Jahr enorme mediale Resonanz erzeugt hatte, möchte ich mir heute mal selbst einen Eindruck verschaffen. Vielleicht schaffe ich es in den nächsten Jahren dann auch mal live vor Ort bei der Präsentation eines neuen Hopfenreiters dabei zu sein.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Double IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________14
  • Geruch:______________________12,5
  • Geschmack:__________________13,5
Fazit

Geruch: Ein frischer und bunter Fruchtmix aus Maracuja, Ananas, Mango, Banane und Zitrone bei leicht malzig-grasiger Unterstreichung.
Geschmack: Auch hier knallen die genannten Fruchten mit einer mittleren Süße rein. Trotz der 8,5 Umdrehungen wirkt das DIPA kaum bitter und alkoholaromatisch. Im Gegenteil ist es angenehm weich und harmonisch. Auch im Abgang ist es eher zurückhaltend trocken-herb, sodass der fruchtige Gesamteindruck erhalten bleibt. Erstaunlich ist auch die Spritzigkeit und die damit einhergehende Erfrischung, die das Bier liefert, obwohl durchaus ein größerer Körper vorhanden ist.
Seitdem ich Anfang letzten Jahres mit dem Bierjubiläum begonnen habe, habe ich schon viele IPAs verköstigen können. Der Hopfenreiter nimmt dabei aber zweifelsohne eine der absolut vordersten Positionen ein. Für ein (D)IPA in fast allen Belangen optimal – deshalb zu Recht von mir 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/hopfenreiter-2017/.

Prost!