201. Giesinger Baltic Rye Porter

Mit dem Baltic Rye Porter von der jungen Münchner Brauerei Giesinger möchte ich in meine große Jahresreihe „Alternative Getreide“ starten. Am Start sind etwa 30 Biere mit Basisgetreiden abseits der üblichen Verdächtigen Gerste und Weizen. Zudem werde ich auch Biere mit weiteren natürlichen Zutaten proBieren, die zwar den unsinnigen deutschen Biergesetzen nicht entsprechen, dafür aber durch ihre Natürlichkeit es wert sind einmal einen Blick bzw. Schluck über den Tellerrand zu wagen.

Giesinger ist gutes Beispiel für die derzeitige Craft-Bier-Bewegung. 2003 in einer Garage entstanden und somit die erste Brauereigründung in der bayrischen Landeshauptstadt nach vielen Jahrzehnten, ist es in etwa zehn Jahren (auch mit Hilfe eines Crowdfundings) zur zweitgrößten Privatbrauerei Münchens empor gestiegen. Dabei setzt man sowohl auf klassisch bayrische Bierstile, als auch kreative Innovationen á la Baltic Rye Porter, dass mit Roggenmalz eingebraut wurde. Unter dem Motto „Mir san Bier“ folgt Giesinger diesen Regeln:

  • Unsere Biere sind unfiltriert und nicht thermisch behandelt.
  • Bei den Rohstoffen legen wir höchsten Wert auf Qualität und Herkunft. Wir verwenden beispielsweise nur besten Hallertauer Hopfen.
  • Auch beim Produzieren legen wir großes Augenmaß auf die Brautradition. Deshalb kommen bei uns beispielsweise statt der üblichen Edelstahltanks vier grosse, offene Gärbottiche für die Hauptgärung der obergärigen Biere zum Einsatz.
  • Wir sind eine Münchner Brauerei und konsequenterweise verzichten wir auch auf den Export unserer Biere. Dafür müssten wir Einschränkungen (z.B. eine längere Haltbarkeit) hinnehmen, die unserer Auffassung vom Brauen widersprechen.
  • Wir stellen traditionelle und althergebrachte Biersorten her: Helles, Weißbier, Dunkles, Märzen und Bock (und gaaanz selten auch mal ein paar Experimente).

Zum Glück sind diese Experimente dabei dann noch nicht sooo selten und stehen auch im Einklang mit den traditionelle Brauweisen, auf die sich die kreativen Münchner zurückbesinnen wollen. Etwas ungewöhnlich für einen Braubetrieb dieser Größe ist zudem auch die Tatsache, dass man von Beginn an konsequent die Fertigkeiten einer handwerklichen Braukunst im Rahmen einer Brauer- und Mälzer-Ausbildung an junge bierbegeisterte Menschen weitergibt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  17°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14,5
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: wirklich sehr röstig und karamalzig sowie leicht brotig und alkoholaromatisch
Geschmack: sehr schön weich und abgerundet, neben Karamalz und Röstmalz leichte Kaffee- und Schokonoten sowie ein ganz geringe Bittere; bei mittelgroßem Körper und passig matter Spritzigkeit macht der malzig süße Abgang Lust auf mehr
Gesamt: Es beginnt mit der Flasche, die meiner Ansicht nach die schönste Form der Welt hat. Das informationsgeladene und ansehnliche Etikett tut sein Übriges zur fast perfekten Note für die erste Kategorie. Bei der allgemeinen Optik dann zwar Bierstil-bedingt ein paar kleine Abzüge, aber spätestens die olfaktorische Komponente bringt das Bier wieder in die Spur. Geschmacklich ist es nicht weniger als das beste Porter, das ich je trinken durfte. Doch nicht nur das, auch im Vergleich zu allen anderen diesjährigen Bieren teilt es sich mit dem herausragenden Jrön mit 14 Pkt. (1) in der Gesamtwertung von nun an den ersten Platz. Gerade, wenn man bedenkt, dass das MHD offiziell bereits Ende letzten Jahres abgelaufen ist, bestätigen sich zwei Dinge: Die Brauqualität von Giesinger und Roggen als wertvolles Biergetreide!

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.giesinger-braeu.de/.

Prost!

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