225. Riedenburger Hirsebier

Zum Abschluss der Riedenburger Bierwoche gibt es nochmal ein wirklich ganz besonders interessantes Bier: Mein erstes Bier, das ausschließlich aus Hirsemalz gebraut wurde.

Hirse ist ein Sammelbegriff für etwa 10 Gattungen von Spelzgetreiden. Unterschieden werden diese vor allem in die beiden Hauptgruppen Sorghum und Millet. Mit dem niedrigsten Ertrag aber höchstem Fettanteil aller Getreidearten, kommt Hirse auf Platz 5 der weltweiten Anbaumengen. In Deutschland wurde die erste Nutzung des ursprünglich afrikanischen Getreides auf etwa 5.000 v.Chr. datiert und war im Altertum und Mittelalter zwischenzeitlich sogar wichtigstes Korn der Welt.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gehört Hirsebier-Brauen zu einer Jahrtausende alten Tradition: Je nach Region gibt es für das Bier unterschiedliche Hirsegattungen, Herstellungsverfahren und Bezeichnungen: Dolo aus Westafrika, Pombe aus Ostafrika, Merissa im Sudan oder Tella aus Äthiopien und Eritrea. Alkoholgehalt und Geschmack variieren jedoch teilweise sehr voneinander, so dass man diese Biere kaum unter einem Stil zusammenfassen kann. Sogar in Südwesteuropa gab es in der Geschichte einmal ein „Hirsebier“ namens Boza, welches heute aber auch mit weiteren anderen Getreiden gebraut wird.

Aufgrund seiner relativen Ertragsarmut geht der Anbau von Hirse bis heute stetig zurück. Die Verwendung in Lebensmittel für Gluten-unverträgliche Menschen hat in den letzten Jahren aber wieder zu einer vermehrten Nachfrage, vor allem außerhalb von Afrika gesorgt.

In meinem Vortrag zum Thema „Alternative Getreide“ in der Brühler Eule letzten Juni hatte ich bereits mein erstes Hirsebier überhaupt proBieren dürfe. Dort wurden jedoch noch Teile von Gerstenmalz verwendet. Wie ich dort auch schon erwähnte gibt es diverse Vor- und Nachteile bei der Verwendung von Getreiden außer Gerste und Weizen. So enthält Hirse zwar viele wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Eisen jedoch kaum das für den Brauvorgang notwendige Enzym Amylase. Dieses wird beim Maischen zur Umwandlung der Getreidestärke in Zucker benötigt. Interessanterweise behauptet Riedenburg für dieses Bier lediglich natürliche Zutaten verwendet zu haben, was für mich den Einsatz von chemischen Enzymen ausschließt.

In jedem Falle freue ich mich aber auf diese „besondere“ Bier und bin gespannt, ob es meine hohen Ansprüche an den „Geschmack“ erfüllen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hirsebier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Hirsemalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nah Ananas, Litschi & etwas Zitrone, ganz leicht auch malzig-süß
Geschmack: sehr erfrischend, schön fruchtig-süß, ebenso fruchtig süßer Abgang, ganz leicht sauer, grasige & blumige Noten
Gesamt: Was soll ich sagen? Nach einem optischen Eindruck von Flasche und Bier sowie dem Biergeruch hätte ich nicht mehr erwartet ein so gutes Bier trinken zu dürfen. Tatsächlich erinnert es mich an den Alzeyer Hirsetrunk, ist aber deutlich fruchtiger und spritziger. Aber auch hier ist eine klare Süße und blumig-grasige Note erkennbar. Insgesamt leider aufgrund von Optik und Olfaktorik „nur“ 11 Pkt. (2), jedoch (fast) uneingeschränkt empfehlenswert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/glutenfreies-hirsebier.html.

Prost!

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