Archiv für den Monat: September 2017

241. Fohr

Nach dem recht umfangreichen Ausflug in die südlichen und westlichen Nachbarländer geht es heute mit einer wahren Skurrilität zurück in heimische Gefilde.

Als vorläufigen Abschluss meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ verlasse ich sogar die Bierwelt. Denn mit dem heutigen Fohr hat die Brauerei Lahnstein aus dem Mittelrheintal einer der größten Frevel der Getränkewelt begangen, Bier mit Wein zu mischen:

„Die Germanen und die Kelten wären sich hier einig gewesen: Das Rheinland ist ein Bierland. Erst Julius Caesar brachte den Wein an den Rhein und begründete den Ruf des Rheinlands als „Weinland“. Seither sind der Wein und das Bier beide gleichermaßen am Rhein zu Hause – doch seither lebten sie eher nebeneinander her als miteinander. Damit ist nun Schluß!“

Benannt nach dem Inhaber der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Brauerei Lahnstein Dr. Markus Fohr ist der Wein-Bier-Mix aus einer Kooperation der Brauerei, einem jungen Moselwinzer und dem Marketing-Unternehmen Lohmann-Druck Anfang des Jahres entstanden. Es beinhaltet 55% Roséwein aus Spätburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon sowie 45% hellem obergärigem Vollbier rheinischer Brauart – also Kölsch – und ganz viel Liebe.

Bereits bei der August-Verköstigung „Bier & Wein“, der ich leider nicht beiwohnen konnte, in der Brühler Eule vorgestellt, habe ich nun die Gelegenheit in den erlauchten Kreis der Fohrdenker einzutreten und bin so gespannt wie selten wie diese „Getränkesymbiose“ funktionieren kann.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wein-Bier-Mix
Brauart
. . . . . . . . . . . u.a. obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . 45% Kölsch (Gerstenmalz, Hopfenextrakt), 55% Roséwein (mit Antioxidationsmittel Schwefeldioxid)
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lahnstein
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___(11)
  • Aussehen:____________________(11)
  • Geruch:______________________(8)
  • Geschmack:__________________(9)
Fazit

Geruch: hopfen & weinbitter, säuerlich, leicht würzig, weinfruchtig
Geschmack: Wein dominanter als Bier, klar weinbitter & sauer, fruchtig-frisch, hopfig-herber Abgang, sehr spritzig, nicht süffig, auch alkoholaromatisch
Gesamt: Also zunächst einmal ein Tipp: Dieses Getränk lieber als Wein denn als Bier trinken. Heißt nicht kippen, sondern nippen. Der Rosé ist im Vergleich zum Kölsch klar dominanter, wobei ich meine, dass er mit dem Bier nicht seine volle Wirkung entfalten kann. Alles in allem ist es natürlich schwer dieses Getränk adäquat zu bewerten, da selbst die beiden Komponenten nicht wirklich bewertbar sind. Wenn ich nun aber zu einer Abschlussbewertung gezwungen wäre würde ich es wohl nicht besser als mit einer 3+ (9Pkt.) bewerten, da es mir schlicht zu experimentell – wenn auch hochinteressant – ist und eigentlich sowohl Bier als auch Wein Qualitätsverluste hinnehmen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.lahnsteiner-brauerei.de/aktuelles/26.htm, http://www.lahnsteiner-brauerei.de/_mediafiles/27-fohr-produktblatt.pdf oder http://www.fohrdenker.de.

Prost!

240. Bourgogne des Flandres

Nach der gestrigen Blend-Bier-Premiere folgt heute gleich das nächste. Auch wenn es einen französischen Namen hat, kommt es mitten aus Flandern – genauer gesagt aus Brügge. EIne Stadt, die für ihre enorme historische Brauereivielfalt bekannt ist. So gab es noch bis ins 20. Jahrhundert hinein über 30 Brauereien in der Stadt. Bis 2015 reduzierte sich die Anzahl jedoch dramatisch auf nur noch zwei Brauereien. Auch die ursprüngliche Brauerei des Bieres musste 1957 ihre Tore schließen, obwohl…

„Mit der Bourgogne des Flandres ein authentisches westflämisches rotbraunes Bier gebraut wird, dem es gelingt, langfristig der enormen Beliebtheit der Pilsener nach dem Ersten Weltkrieg und den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges die Stirn zu bieten.“

Der damalige Braumeister Michel van Houtryve gibt jedoch nicht ganz auf und lässt dieses erfolgreichste Bier seiner Brauerei einfach in anderen Brauereien weiter brauen – lange Zeit in der bekannten Brasserie Timmermans. Erst 58 Jahre nach der Schließung gelingt es durch Anthony Martin, dem heutigen Brauer von Timmermans, eine neue eigene Brauerei für das einzigartige Cuvée zu eröffnen.

Während das gestrige Cuvée ein Mix aus einem hellen Ale und einem Lambic war kommt heute ein rotbraunes Ale zum Einsatz. Bei einem Anteil von 30% Weizenrohfrucht wird die Würze im offenen Gärbottich vergoren, bei der die „Magie der Lambic-Biere“ geschieht:

„In einem Umkreis von 15 km um Brüssel leben zwei einzigartige Mikroorganismen in der Umgebungsluft: Brettanomyces Bruxellensis & Brettanomyces Lambicus.
Im offenen Kühlschiff vermischen diese sich mit der Würze und so kommt das einzigartige Verfahren der Spontangärung zustande, ohne dass Hefe zugesetzt wird.“

Auf der Zutatenliste findet man dann neben dem angesprochenen Weizen noch Mais, Zucker und leider auch wieder ein Antioxidationsmittel, was mich zur Frage führt, ob dieses bei Cuvée-Bieren obligatorisch ist?!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Brown Ale-Lambic
Brauart
. . . . . . . . . . . ober- & spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Mais, Zucker, Hopfen, Hefe, Antioxidationsmittel E300
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Brügge / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sauer, hell-fruchtig, leicht malzig-süß
Geschmack: erfrischend, säuerlich, fruchtig, kaum Malzsüße, trotz geringem Körper nicht sehr süffig, fruchtig-süß-saurer Abgang
Gesamt: Auch dieses Blend bzw. Cuvée verbindet interessante Geschmackskomponenten miteinander. Vor allem die fruchtige Säuerlichkeit habe ich bisher so noch bei keinem Bier schmecken dürfen. Fast riecht und schmeckt es ähnlich wie ein Witbier. Trotz dieser dominanten Fruchtsäure blitzt zwischendurch aber auch immer wieder die Tiefe des Brown-Ale durch, die es insgesamt sehr harmonisch macht. Aufgrund jedoch des zugefügten E300 muss ich hier in der Gesamtbewertung Abzüge machen, sodass hier nur 10,5 Pkt. (2(-)) zusammen kommen.

Weitere Infos (sogar auf deutsch) zum Bier unter: https://www.bourgognedesflandres.be/de/das-bier.

Prost!

239. Bersalis Sourblend

Nach der gestrigen Premiere folgt heute die nächste: zum ersten Mal stelle ich hier ein Blend-Bier vor.

Was bei Spirituosen (siehe z.B. Whisk(e)y) lange schon Gang und Gebe ist hat sich beim Bier bis heute nicht durchsetzen können. Dabei gäbe es bei der Vielzahl an Bierstilen unzählige Kombinationsmöglichkeiten, die das Bier als Getränk noch vielfältiger werden lassen könnte. Dass sich bisher wohl nur wenige daran versucht haben ist sicherlich durch den Mehraufwand zu erklären, der bei der Entwicklung eines brauchbaren Blends entsteht. Für mich als Bierbotschafter allerdings trotzdem sehr schade, dass das Thema selbst unter Kreativbrauern eine absolute Nische darstellt.

Eine Brauerei, die dies gewagt hat kommt aus dem belgischen Beersel – gelegen direkt zwischen den Grenzen der Hauptstadtregion Brüssel und den beiden Regionen Flandern und Wallonien. Seit 1882 wird dort die Tradition des Lambic-Brauens gelebt. Dieser Bierstiel zeichnet sich dadurch aus, dass er als einer der wenigen spontangärig gebraut wird. Das bedeutet, dass dem Bier keine Hefenstämme zugesetzt werden, sondern diese aus der Umgebungsluft oder von Resten der Brauwürzen älterer Sude aufgenommen werden. Eine solche Brauart war aufgrund der Mikroflora historisch nur im Sennental, in Brüssel und im Pajottenland möglich. Es sollen dort Brauereien geben, die bis heute ihre Brauanlagen niemals putzen, um die Hefe-Partikel für die Spontangärung nicht zu vernichten.

Das heutige erste Bierjubiläum-Blend ist ein Mix aus dem Kadet – einem Blond Ale – und dem hauseigenen Lambic. Dabei ist das Mischverhältnis 70-30. Herausgebracht wurde es 2015 zum 10-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung der Brauerei, die 2002 aus familiären Gründen kurzzeitig schließen musste.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . sourblend Lambic-Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . ober- & spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Beersel / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: schön fruchtig-sauer-süßlich, gewisse Malzsüße, Karamell, leicht bitter
Geschmack: spritzig, säuerlich, bipolar, würzig-herb, im Abgang malzig süß, überraschend mittel-voller Körper
Gesamt: Tolles Bier, das die Brauer für ihren Mut zum Blend belohnt. Sicher ist der „doppelte“ Geschmack erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber eine sehr interessante Grundstimmung. Außerdem interessant und lobend hervorzuheben: Beide Bierkomponenten koexistieren ohne, dass das eine oder andere geschmacklich überlagert ist oder gar eine schlechte Mischung aus beidem entsteht. Nicht nur für diesen Mut, auch für das gute Bier (wenn man es etwas säuerlich mag) gibt es 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.oudbeersel.com/en/products/bersalis-sourblend/.

Prost!

238. Gentse Gruut Amber Ale

Mit dem heutigen Bier kommt es zu einer weiteren Bierjubiläum-Premiere: Meine erste Rezension eines hopfenfreien Bieres.

Aber wie kann das überhaupt ein Bier sein: Gehört doch in jedes Bier stets Wasser, Getreidemalz, Hefe und eben Hopfen?! Was heute so selbstverständlich ist und auch im sog. Reinheitsgebot wie zementiert erscheint, war jedoch nicht immer so. Bis zum 14. Jahrhundert – so vermuten Bierforscher – wurde jedes Bier mit einer Mischung aus verschiedenen Kräutern (und im Übrigen Hafer als Hauptbiergetreide) gebraut. Diese waren dann von den regionalen Gegebenheiten der jeweiligen Flora abhängig. In der Hauptsache fanden vor allem Porst und Gagel Anwendung, aber auch Schafgarbe, Heidekraut, Beifuß, Rosmarin, Thymian, Salbei, Lorbeer, Mädesüß, Anis, Kümmel, Wacholder, Koriander, Fichtensprossen oder Wermut wurden verbraut. Erst im Laufe des 14. Jahrhunderts entdeckte man in größerem Umfang den Hopfen zunächst als ein weiteres Kraut, welches man dem Bier zusetzte. Durch seine Eigenschaften der Haltbarmachung, Stabilisierung und stärkerer Aromatisierung gelang es dem Hopfen dann aber in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten die weiteren (teils auch giftigen) Kräuter aus dem Bier zu verdrängen. Auch der Aspekt, dass Hopfen günstiger als die anderen Bierwürzen war und dass man diesen einen heidnischen Kult nachsagte begünstigten die Entwicklung. Als dann schließlich im Laufe der Jahrhunderte 15 und 16 die Rezepturen des Bierbrauens stärker reglementiert wurden, bedeutete das zumindest in weiten Teilen Mitteleuropas das Ende der Bierkräuter. Erst in den letzten Jahren entdeckten vor allem die Kreativbrauer die Liebe zu Kraut/Grut wieder. So gibt es inzwischen zum Glück wieder mehrere Duzend hopfenfreie aber kräuterhaltige Biere auf dem weltweiten Biermarkt.

Das heutige Grutbier kommt aus dem belgischen Gent in Flandern und ist ein Produkt der Gentse Stadsbrouwerij Gruut, welche sich nach Gründung in 2009 intensiv Bieren mit alternativen Getreiden (wie Dinkel oder Hirse) aber vor allem auch hopfenfreien Bieren widmen. Nach langer Entwicklungszeit werden dort inzwischen regelmäßig fünf verschiedene Grutbiere gebraut; sodass man auf Basis dieser Erfahrungen zu Recht sagen kann, dass sich dort ein regelrechtes Grutbier-Zentrum entwickelt hat.

Übrigens: Während heutzutage Bier anhand des Alkoholgehalts besteuert wird, wurde es bis ins Mittelalter anhand der Menge und Zusammensetzung der Kräuter im Bier abgegolten.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Grut Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Gent / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2009

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: waldig, würzig, blumig, röst- & karamellmalzig, süßlich, weich
Geschmack: dunkel, karamellmalzig, leicht röstig, leicht bitter, waldig-würzig, mittelgroßer Körper, spritzig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Wahrlich ein sehr sehr interessantes Bier. Geschmacklich dominieren die karamell-röstige Süße, die leichte Bittere und die waldige Würze. Doch irgendwie hat das Bier mehr. Zwischen den Zungenknospen blitzen immer wieder unbeschreibliche Geschmacksnuancen auf. Ein Bier, das ich so in dieser Form noch nie getrunken habe und auch schwer zuordnen kann. Leider bleibt (wahrscheinlich aus betrieblichen Gründen) die Kräuterzusammensetzung verborgen, aber der Unterschied zu einem (klassischen) Hopfenbier ist schon erkennbar, wenn auch nicht deutlich. Für etwas experimentierfreudige Bierliebhaber auf jeden Fall empfehlenswert und für mich ein weiterer Anwärter auf die Top Ten des Jahres. Alles in allem bewerte ich das Bier nämlich mit starken 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.gruut.be/en/Bieren/Index/95/gentse-gruut-amber.

Prost!

237. St. Feuillien Grisette Blonde

Nachdem sich die politische Nachrichtenlage in Deutschland wieder etwas beruhigt, möchte ich meine und Eure Aufmerksamkeit wieder auf was viel schöneres und konstruktiveres richten: Das Bier.

Mit dem heutigen Grisette Blonde aus dem Bestand der Brühler Eule biege ich endgültig auf die Zielgeraden meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ ein. Dabei ist dieses eines (und vorerst das letzte) von inzwischen knapp zehn glutenfreien Bieren, die ich schon proBieren durfte. Über das Bio-Bier selbst lässt sich zwar nicht viel in Erfahrung bringen, außer dass es mit Reis- und Haferflocken sowie Milchsäure und Gewürzen gebraut und im Nachgang mit Ascorbinsäure versetzt ist. Ähnlich anderer bisher getesteter glutenfreier Biere wurde es mittels biochemischer Verfahren vom im Gerstenmalz natürlich enthaltenen Gluten befreit. Dafür kann die Brauerei mit einer kleinen aber feinen Geschichte aufwarten. 1873 gegründet und seither in gleichbleibender Familienhand geht sie zurück auf das Prämonstratenser-Kloster Saint-Feuillien du Rœulx, in dem seit 1125 durch die Chorherrn Bier gebraut wurde. Erst in den Wirren der französischen Revolution musste das Kloster und damit auch das Bierbrauen in der wallonischen Kleinstadt aufgegeben werden. Die Familie Friart knüpfte an diese Tradition im 19. Jahrhundert an und gehört heute dem belgischen Familienbraubund an. Mit 40.000hl gehört die Brauerei selbst in Belgien zu den eher kleineren Brauereien.

Bin ich also gespannt wie ein solche Zutatenliste schmeckt. Hinsichtlich der Reis- und Haferflocken sowie der Gewürze und Milchsäure habe ich eine sehr positive Meinung, da es das verkörpert, was ich mit meiner Blogbotschaft vermitteln möchte: Mehr Natürlichkeit. Bezüglich des Antioxidationsmittels hingegen bin ich hingegen etwas enttäuscht, da dies eigentlich schon ein Ausschlussgrund für meinen Blog wäre. Hoffentlich macht es wenigstens geschmacklich keine negative Beeinflussung.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Blonde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis- & Haferflocken, Gewürze, Milchsäure, Hopfen, Hefe, Ascorbinsäure
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Le Rœulx / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: stärker würzig, malzig, getreidig, nussig, leicht süß
Geschmack: vollmundiger als gedacht, klar würzig & leicht gewürzig, weder Malz noch Hopfen dominieren, recht spritzig, herber Abgang
Gesamt: Überraschend würzig und fast schon Pils-ähnlich. Die Gewürze und die Milchsäure sowie der Reis zeigen sich nur unterschwellig, sind aber erkennbar. Gerade als Mensch mit Glutenunverträglichkeit aber eine sehr gute Bier-Alternative, die vor allem kaum an typischem Biergeschmack einbüßt. Auch wenn es ansonsten kein geschmackliches Highlight ist und es durch das eingesetzte Antioxidationsmittel Abzüge gibt ein wirklich grundsolides Bier. In Summe heißt das 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.st-feuillien.com/FicheTechnique.php?lang=1&ref=301.

Prost!

236. Birra Moretti alla Siciliana

Zuletzt gab es tatsächlich Themen, die etwas wichtiger sind als das vielfältigste Getränk der Welt, sodass es hier etwas ruhiger geworden ist. Um aber nicht ganz aus dem Rhythmus zu kommen gibt es heute ein weiteres Bier meiner Jahresreihe.

Erworben auf dem diesjährigen Osnabrücker Bierfest, ist es eines der noch wenigen italienischen Biere auf Bierjubiläum. In diesem Falle liegt es aber auch daran, dass die Brauerei Birra Moretti seit 1996 zum Heineken-Konzern gehört und somit nicht mehr eigenständig produziert. 1859 von Luigi Moretti als „Fabbrica di birra e ghiaccio“ (also Bier- und Eisfabrik) in Udine gegründet, blieb die Brauerei bis 1989 im Familienbesitz. Drei Jahre später erfolgte der erste Umzug ins Umland von Udine nach San Giorgio di Nogaro. Aus kartellrechtlichen Gründen musste die neue Produktionsstätte jedoch schon 1997 an die italienische Braugruppe Birra Castello abgetreten werden. Die Produktion wurde daraufhin in die italienische Heineken-Brauerei nach Mailand verlegt, wo bis heute die Marke gebraut wird.

2015 wurde die Produktpalette umfangreich erweitert. Neben zwei Radlern erhielten 6 Lager-Biere Einzug, die die kulinarischen Traditionen verschiedener italienischer Regionen widerspiegeln sollen:

  • Birra Moretti alla Friulana: mit Äpfeln aus der Region Friual-Julisch
  • Birra Moretti alla Piemontese: mit Blaubeeren und Reis aus Piemont
  • Birra Moretti alla Toscana: mit toskanischer Gerste
  • Birra Moretti alla Pugliese: mit Kaktusfeigen und geröstetem Weizen
  • Birra Moretti alla Lucana: mit Lorbeer und Gerste aus Lukanien
  • und eben: Birra Moretti alla Siciliana mit sizilianischen Orangenblüten gebraut

Auch wenn es sich also nicht mehr um eine wirklich authentische Marke handelt ist dieser Schritt Tradition, Regionalität und Natürlichkeit in den Fokus des Brauens zu rücken absolut begrüßenswert. Hiervon könnten sich einige deutsche Größen sicher noch etwas abschauen, wenngleich hierzulande sicher kein gleichbedeutendes Dolce Vita gelebt wird wie im genuss-betonteren Italien.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mais, Orangenblüten, Orangenextrakt, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mailand / Italien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: klar nach Orange, blumig, grasig, sehr frisch
Geschmack: süffig, 80% Malzwürze – 20% Orangenfrische, Fruchtigkeit unterschwellig zum Abgang hin ansteigend, auch hier blumige Nuancen, insgesamt frisch und leicht süß
Gesamt: In der Tat interessant. Im Mund zum Glück weniger orangig als in der Nase, aber für meinen Geschmack eben auch nur ein besseres Lager. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es im Urlaub in Italien seine Wirkung besser ausspielen kann. Im deutschen Frühherbst hingegen wirkt es etwas fad und charakterlos, auch wenn es um Längen besser ist als die typischen internationalen Lager, die überhaupt keine Aussagekraft haben. Deshalb in Summe gute 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.birramoretti.it/le-birre-di-casa/birra-moretti-alla-siciliana/.

Prost!

235. Neuzeller Klosterbräu Allgäuer Heubier

Das heutige Bier bringt einige wirklich außergewöhnliche Geschichten mit. Es entstammt aus der Klosterbrauerei zu Neuzelle an der Niederung der Neiße-Oder-Mündung. Das Kloster lässt sich bis auf das Jahr 1268 zurückverfolgen, als an selbiger Stelle die Zisterzienser-Abtei gegründet wurde. 1817 erst vom Preußischen Staat säkularisiert, wurde es scheinbar endgültig in den 1950ern vom DDR-Regime aufgelöst. Nach der Wiedervereinigung erfolgte eine umfangreiche Sanierung. Zudem wurde das Kloster in eine Stiftung überführt. Zum 750-jährigen Bestehen und 200 Jahre nach der Verstaatlichung wurde den alten Gemäuern dann endlich und völlig überraschend wieder neues Leben eingehaucht. Denn aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz machten sich im letzten Monat die ersten Mönche in die Niederlausitz auf und eröffneten das Klosterleben von Neuem. Bis zum nächsten Jahr sollen dort wieder acht Mönche dauerhaft beten und arbeiten.

Die Geschichte der Klosterbrauerei zu Neuzelle reicht zumindest bis ins Jahr 1589 zurück, als dort den Mönchen die offizielle Bierbrauerlaubnis erteilt wurde. Heute ist die Brauerei (40.000 hl p.a.) deutschlandweit für ihre Bierspezialitäten bekannt. Als eine der ersten Brauereien wagten es die Brandenburger sich gegen die deutsche Biergesetzgebung aufzulehnen. So wollten sie nach Re-Privatisierung in den 1990ern den Schwarzen Abt wiederauflegen. Ein untergäriges Schwarzbier mit Zuckerzusatz, welches auf eine 400-jahre alte Rezeptur zurückgeht. Nach über zehn Jahren Rechtsstreit urteilte das Bundesverfassungsgericht schließlich im Sinne der Brauerei, die fortan immer wieder mit anderen Bierspezialitäten den Markt überraschen. So gibt es zum Beispiel ein Kartoffel- oder Spargelbier und das erste Wellness-Badebier der Welt. In diese Reihe passt da auch das heutige Heubier, dem natürliches Heuextrakt zugesetzt wird.

Ein Wort aber noch zum Schwarzen Abt: Vor einigen Jahren unternahm die Brauereileitung eine Reise zum Vatikan, bei der eine Flasche des Bieres vom Papst Franziskus höchstpersönlich gesegnet wurde. Seither wird jedem neuen Sud mit eben dieser Flasche der Segen weitergegeben.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Heuextrakt, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Neuzelle
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: lager-like, recht schwach würzig & herb, süßer Grasgeruch – ein wenig nach Pfefferminztee, weich getreidig-malzig
Geschmack: erfrischend, süßlich nach Kräutertee, leicht getreidig-malzig, wenig hopfig-herb, klar-grasig, süße Kräuter im Abgang
Gesamt: Wow, was für eine Überraschung! Nach vielen eher mittelmäßigen Bierspezialitäten in der letzten Zeit, hat mich das heutige Heubier gleich doppelt überrascht: Einerseits hinsichtlich der Qualität und anderseits, dass Heu offensichtlich so ein gutes Tee-Aroma erzeugen kann. Selbstverständlich darf man hier keine geschmacklichen Tiefen eines Stouts oder IPA erwarten, aber für ein „klassisches Lager+“ eine wirklich sehr gute Vorstellung und wieder einmal der Beweis, dass das Reinheitsgebot dringendst reformiert werden muss. Vielleicht nicht der Gipfel des guten Geschmacks, aber zumindest in dessen Sichtweite. Deshalb auch ganz berechtigterweise 13,5 Pkt. (1(-)) und somit klarer Kandidat für die Top-Ten Biere 2017.

Nur ein Wunsch noch an die Kloster-Brauerei: Bitte nehmt das glutenfreie „Bier-Getränk“ vom Markt!

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.klosterbrauerei.com/shop/Produkte/Allgaeuer-Heubier/173.

Prost!

234. Onkel Joe Breakfast Stout

Auf das heutige Bier habe ich mich schon vor vielen Wochen sehr gefreut. Schon lange hatte ich vor mal ein Bier der Düsseldorfer Onkel-Brauerei zu rezensieren. Nach dem Onkel Albert Roggen-Saison ist es zwar schon das zweite Onkel-Bier für mich, aber das erste, dass ich nun höchst bewusst verkosten darf.

Aus zwei Gründen ist meine Vorfreude so groß: Einerseits ob der Zutatenzusammensetzung des Frühstücksstoust – so liest sich die Kombination aus Haferflocken sowie Kakao und Kaffee nach einem Bier genau nach meinem Geschmack. Die Kaffeebohnen kommen übrigens aus Panama und werden von der Düsseldorfer Rösterei Vier bereitgestellt. Andererseits bin ich aber auf die Marke Onkel schon recht früh im Rahmen meines Blogs aufmerksam geworden. Braut der Onkel-Gründer Phillip Roberts doch nach seinem eigenen Freiheitsgebot. Entnervt und frustriert über die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen des sog. „Reinheitsgebots“ und vor allem über die Inflexibilität der deutschen Behörden hat er 2014 das Freiheitsgebot ausgerufen. Danach darf jede natürliche Zutat ins Bier solange sie dessen Qualität verbessert und neue Geschmacksnuancen entwickelt. Da er dies leider nicht in Deutschland verwirklichen kann, hat er sich dazu entschieden in Belgien brauen zu lassen. Das heutige Breakfast Stout zum Beispiel kommt von der Brouwerij Anders! aus Halen in Flandern.

http://mein-onkel.de/wp-content/uploads/2014/06/onl_freiheitsgebot_710x270.png

„Mit einem ‚cup of joe‘ kommt der Tag so richtig in Fahrt.“

…heißt es auf der Flasche – ich hoffe das gilt dann aber auch für den Abend ;).

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Haferflocken, Röstgerste, Kakao- & Kaffeebohnen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Düsseldorf [Halen/ Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr trocken nach Kaffee & Kakao, röstmalzig, leichte Bitterfrische
Geschmack: schön ölig, etwas schwerer Körper, trotzdem spritzig, weich, Kakao überwiegt etwas dem Kaffee, irrelevanter Abgang
Gesamt: Mit hohen Erwartungen bin ich an das Breakfast Stout herangetreten. Entsprach es doch eigentlich meinen Wunschvorstellungen eines leckeren Bieres. Und tatsächlich ist die Kombination aus kernigen Haferflocken, bittersüßem Kakao und herben Kaffee eine wirklich leckere Bereicherung für das Reinheitsgebot. Auch wenn der Geruch authentisch natürlich ist, wird er glücklicherweise vom gustatorischen Eindruck übertroffen. Und doch ist es in meinen Augen (bzw. auf meiner Zunge) kein absolut herausragendes Bier – vielleicht passt es doch besser am Morgen oder vielleicht hätte man noch ein bisschen Milchzucker hinzufügen sollen. Für eine Spitzenbewertung fehlt es mir schlicht ein wenig an Komplexität und Harmonie, zudem ist es mir schlicht auch etwas zu trocken-herb. Deshalb leider „nur“ gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://mein-onkel.de/.

Prost!

233. Himmerod Abteibier

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Epilog zu meiner Jahresreihe beginnen. Es ist ein Gastgeschenk von meinem ehemaligen Co-Autoren Nils aus Osnabrück. Dabei ist es ein Bier, dass wohl eher meine (neue) Heimat repräsentiert. Schließlich wird es von der Brasserie de l’Abbaye du Val-Dieu in Belgien für die Abtei Himmerod aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich in der schönen Eifel gebraut. Das zwischen Großlittgen und Eisenschmitt gelegene Kloster wurde bereits 1134 gegründet. Nachdem es infolge der Napoleonischen Okkupation 1802 zwangsenteignet, geschlossen und dem Verfall preisgegeben wurde, konnte es 1922 durch die Mönche der Abtei Marienstatt aus dem Westerwald wieder neu errichtet werden. Der Ort Himmerod erlangte zudem weltweite Bekanntheit als dort 1950 mit der Himmeroder Denkschrift der Grundstein für die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik gelegt wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Abteibier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Großlittgen [Aubel / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: spritzig, bitter-sauer, würzig-harzig, leicht karamellig
Geschmack: bittersüß, alkoholaromatisch, säuerlich, schwerer Körper, öliger unsüßer Abgang
Gesamt: Also irgendwie hatte ich mir dieses Abteibier anders vorgestellt. Klar, jede Bewertung hier ist immer vom tagesaktuellen Geschmack abhängig, aber heute scheint es geschmacklich einfach nicht zu passen. Zu bitter, zu sauer und vor allem zu unrund ohne roten Faden. Auch den Roggen und die Gerste vermag ich nicht herauszuschmecken. Im Gegenteil – auch ohne Sommelier-Kenntnisse – will ich behaupten, dass mir hier einige Fehlaromen entgegenkommen. Deshalb trotz guter anderer Bewertung in der Summe nur 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.abteihimmerod.de/klosterbetriebe/klosterladen/klosterprodukte/.

Prost!

232. Die Weisse Bio Weisse Hell Glutenfrei

Für das Finale der glutenfreien Bierwochen habe ich mir das Bio Weisse von Die Weisse aufgehoben.  Obwohl ich bis dato von der Marke noch nichts gehört hatte ist die Weisse Österreichs älteste noch aktive Weißbierbrauerei und gleichzeitig älteste noch aktive Kleinbrauerei. 1901 in Salzburg gegründet wechselte zwar hin und wieder der Besitzer – die Brauerei selbst und die Bierproduktion wurde jedoch nie aufgegeben. Seit genau 30 Jahren besteht nun das aktuelle Besitzverhältnis. Und seit genau zwei Jahren gibt es von dort auch das weltweit erste glutenfreie Bio-Weißbier. Dabei wird wie schon beim Daura Märzen geschildert, das Gluten im Laufe des Brauprozesses herausgefiltert. Viel Geschichte also für ein kleines Bier…

Interessanterweise hatte ich mir das Bier erst vom glutenfreien Biershop bestellt und dann im ersten Paket meines gewonnenen Bierabos von KALEA geliefert bekommen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Salzburg / Österreich
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: weißbier-würzig, trocken-malzig, hefig
Geschmack: etwas dünn, spritzig, süffig, leicht würzig, wenig hefig, wenig fruchtig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Ich finde mit diesem historischen Weißbier schließt sich etwas der Kreis zu den anderen glutenfreien Bieren meiner Reihe. Alle handwerklich nicht schlecht gemacht, aber im Vergleich zu einem glutenvollen Bier desselben Stils einfach auch mit weniger Seele. Als ob das Eiweiß hier als Geschmacksträger dient oder im Rahmen des Brauprozesses Geschmackselemente entfernt werden, reichen die Biere (bis auf das Daura Märzen) leider nicht ganz an die Bier-Verwandtschaft heran. Ausklammern muss man jedoch vor allem die Biere aus Reis, Mais und Hirse, die schlicht von Natur aus kein Gluten enthalten und schwerlich mit anderen Bieren aus Gerste oder Weizen verglichen werden können. Mit etwas Wohlwollen gibt es deshalb auch für das Bio Weisse glutenfrei „nur“ 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.dieweisse.at/de/produkte/.

Prost!

231. Urlaubsbiere – Bierverköstigung September

Hellers Kölsch | Ch’ti Blonde | Urstrom | Jenlain Blonde | Olivenbauer Hausbier | Saigon Export | Estrella Galicia | Xápμa Pale Ale | Affligem Hop Selection | Weyermann 11 Pumpernickel Porter | Akarusho Banana Wine | Sander Smoky Rauchbock | Altiplano Bière Bio au Quinoa

Nach kurzem Aussetzen letzten Monat war es gestern endlich wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Zudem hatten wie diesmal einen besonderen Gast zu begrüßen: Holger vom Blog WE LOVE PUBS hatte den Weg von Bonn auf sich genommen um diesem Event auch einmal beizuwohnen. Auf seiner Seite gibt er einen Überblick über das Ausgehen in Bonn in all seiner Vielfalt und führt durch das Bonner Nachtleben. Sein Bar-Guide geht aber auch über die Stadtgrenze hinaus – so schreibt er hin und wieder zum Beispiel auch für das Craftbeer-Magazin Hopfenhelden.  Und natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt uns zu den vielen Themen rund ums Bier  – wie Reinheitsgebot oder „Craftbeer“ – insbesondere aus Blogsicht auszutauschen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Hellers-Kölsch an, zu welchem ich bereits das Wieß proBieren durfte. Hellers ist nicht nur die erste Bio-Kölsch-Brauerei, sondern auch eine der ganz wenigen die sich trauen in der Domstadt auch ein Alt zu brauen.

Persönlicher Eindruck:
würzig, malzig, herb

Das Thema Urlaubsbiere birgt zwar nicht viel theoretisches Futter hatte aber den Charme, dass alle Gäste zuvor gebeten wurden Biere aus ihren jeweiligen Urlauben mitzubringen, die dann gemeinsam verkostet wurden. Deshalb hatte Markus auch gar nicht viele Biere selbst vorbereitet, wollte aber anhand eines Beispiels auf einen besonderen Aspekt des Themas eingehen.

Der Begriff Fernsehbier ist ja inzwischen relativ populär und assoziiert. Markus ist im Rahmen seines Frankreichs-Urlaubs aber auch ein anderes Bierphänomen gestoßen: Kino-Bier. So entstammt das folgende Ch’ti Bier zwar nicht direkt dem Kino, wurde aber durch den Film Bienvenue chez les Ch’tis überhaupt erst (international) bekannt.  Schließlich ist die Komödie bis heute der erfolgreichste Kinofilm aus Frankreich.

Persönlicher Eindruck:
süß (ähnlich wie Hirse), frisch, malzig, zuckrig, alkoholaromatisch

Das dritte „offizielle“ Bier war wieder ein alter Bekannter für mich. Das Veldensteiner Rotbier hatte ich bereits im vergangenen März verkostet.

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere fällt deshalb dieses Mal aus, da sowohl das Kölsch als auch das Rotbier nicht in die Wertung eingehen können.

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung probierten wir uns dann durch die vielen interessanten Mitbringsel aus den Urlauben der Gäste:

  • Urstrom:
    – untergärig; 5,5%
    – erstes Flensburger Bio-Bier
    – von der 2011 gegründeten Sauer & Hartwig GmbH
    – gereicht in der 2l Flasche
    – gebraut werden zudem auch spezielle Biere aus der Vorderwürze
    – karamellig, trocken, herb
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom.html

  • Jenlain Blonde:
    – obergärig; 6,8%
    – 2. und eines der ältesten Bière de Garde des Abends (eingeführt 1922/2005) von der Duyck Brasserie aus Jenlain in Nordfrankreich
    – leicht säuerlich, Schinken ohne Rauch, etwas bitter

    http://www.jenlain.fr/en/bieres/jenlain-blonde-2/

  • Saigon Export:
    – untergärig; 5,2%
    – gebraut durch die SABECO (Saigon Alcohol Beer and Beverages Corporation), welche dem staatlichen Ministerium für Handel & Industrie untersteht in der gleichnamigen und ehemaligen Haupt-Stadt Vietnams
    – mit einer Millionen Liter Ausstoß pro Jahr und einem Marktanteil von über 50% Vietnams bieriges Aushängeschild in der Welt
    – gebraut mit Reis

    http://www.sabeco.com.vn/default.aspx

  • Estrella Galicia:
    – untergärig; 5,5%
    – 1906 eingeführtes Lager der bis heute familiengeführten Brauerei Hijos de Rivera aus der Hauptstadt Galiziens A Coruña
    – nicht zu verwechseln mit dem „großen Bruder“ Estrella Damm
    – gebraut mit Mais

    https://estrellagalicia.es/

  • Affligem Hop Selection:
    – obergärig; 6,8%
    – Belgian Ale von der 1047 gegründeten Abtei-Brauerei in Opwijk nordwestlich von Brüssel
    – zitrus, spritzig, hopfig

    https://www.affligembeer.com/beers

  • Weyermann 11 Pumpernickel Porter:
    – obergärig; 6,5%
    – von der Versuchsbrauerei der größten Mälzerei Deutschlands aus Bamberg
    – mit Roggenröstmalz & 3% Pumpernickel-Brot
    – schokoladig-süß, säuerlich-karamellig, brotig

    https://www.weyermann.de/

  • Akarusho Banana Wine:
    – spontangärig; 14%
    – authentisches Hirse-Bananen-Bier aus Kigali – Ruanda
    – extrem trocken & süß, getreidig, alkoholaromatisch

    https://sinarwanda.com/

  • Altiplano Bière Bio au Quinoa:
    – untergärig; 4,5%
    – glutenfreies Bier von der 2011 gegründeten Brauerei aus dem Pariser Vorort Viry Chatillon
    – erstes Bierjubiläum-Bier mit Quinoa (+ Buchweizen & Gewürze)
    – frisch, fruchtig, herzhaft-süß, vielfältig

    https://www.altiplano.cc/index.html

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Schmitz Kölsch:
    – obergärig; 4,8%
    – Kölsch des Salon Schmitz zwischen Rudolfplatz und Aachener Weiher (Einführung 2011)

    – wurde in meiner verpassten August-Verkostung im Rahmen der Kölsch-Reihe verkostet
    http://schmitzkoelsch.com/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und vielen Dank auch an Holger für den Besuch und den sehr interessanten Austausch unter Blog-Kollegen.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Den Blog von Holger findet ihr unter: http://www.welovepubs.de/.

230. Brunehaut Bio Pomfraiz‘

Zur Einleitung des Wochenendes gibt es heute sozusagen das Wit Blanche von gestern in der Erweiterungs-Version. Alles ist gleich, nur es wurden während des Brauprozesses Erdbeer- und Apfelsaft hinzugefügt. Angebaut natürlich in der Region rund um Brunehaut. Dass es kein klassisches Biermischgetränk ist, wie es Deutschland leider beliebt ist, sondern ein richtiges Fruchtbier lässt sich schon anhand des Alkoholgehalts feststellen, ist aber auch lange belgische Tradition. So wird dort oftmals ein spontangäriges Frucht-Lambic gebraut, dem aber ganze Früchte zugesetzt werden. Marktführer sind übrigens Liefmans und Lindemans mit einer ziemlich großen Auswahl an Fruchtbieren. Dass diese Biere bisher kaum in Deutschland Fuß gefasst haben, liegt leider am „Reinheitsgebot“ bzw. den daraus abgeleiteten gesetzlichen Rahmenbedingen, die zwar chemische Hilfsstoffe aber keine natürlichen Früchte im Bier erlauben…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fruchtbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Rispenhirse, Buchweizen, Erdbeer- & Apfelsaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rongy / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________(10)
  • Geschmack:__________________(11)
Fazit

Geruch: FRUCHTBOMBE! ganz klar Erdbeer- & Apfelaroma, aber auch leichte weitere Fruchtnoten, sonst spritzig-frisch-sauer und ganz leicht grasig
Geschmack: süffig, trotzdem guter Körper, auch hier dominiert die Frucht ganz klar, sonst säuerlich-prickelnd, Abgang weich & süß
Gesamt: Es ist natürlich schwer bis unmöglich ein Fruchtbier mit reinen Getreidebieren zu vergleichen, aber das vorliegende kann sicher in der Liga der großen belgischen Vorbilder mitspielen. Zwar ist die leicht künstliche Fruchtbombe etwas gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber zumindest im Vergleich zu deutschen Biermischgetränken weitaus echter und besser. Deshalb vergebe ich etwas außer Konkurrenz berechtigte 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://brunehaut.com/en/products/brunehaut.html.

Prost!