Archiv für den Tag: 28. September 2017

240. Bourgogne des Flandres

Nach der gestrigen Blend-Bier-Premiere folgt heute gleich das nächste. Auch wenn es einen französischen Namen hat, kommt es mitten aus Flandern – genauer gesagt aus Brügge. EIne Stadt, die für ihre enorme historische Brauereivielfalt bekannt ist. So gab es noch bis ins 20. Jahrhundert hinein über 30 Brauereien in der Stadt. Bis 2015 reduzierte sich die Anzahl jedoch dramatisch auf nur noch zwei Brauereien. Auch die ursprüngliche Brauerei des Bieres musste 1957 ihre Tore schließen, obwohl…

„Mit der Bourgogne des Flandres ein authentisches westflämisches rotbraunes Bier gebraut wird, dem es gelingt, langfristig der enormen Beliebtheit der Pilsener nach dem Ersten Weltkrieg und den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges die Stirn zu bieten.“

Der damalige Braumeister Michel van Houtryve gibt jedoch nicht ganz auf und lässt dieses erfolgreichste Bier seiner Brauerei einfach in anderen Brauereien weiter brauen – lange Zeit in der bekannten Brasserie Timmermans. Erst 58 Jahre nach der Schließung gelingt es durch Anthony Martin, dem heutigen Brauer von Timmermans, eine neue eigene Brauerei für das einzigartige Cuvée zu eröffnen.

Während das gestrige Cuvée ein Mix aus einem hellen Ale und einem Lambic war kommt heute ein rotbraunes Ale zum Einsatz. Bei einem Anteil von 30% Weizenrohfrucht wird die Würze im offenen Gärbottich vergoren, bei der die „Magie der Lambic-Biere“ geschieht:

„In einem Umkreis von 15 km um Brüssel leben zwei einzigartige Mikroorganismen in der Umgebungsluft: Brettanomyces Bruxellensis & Brettanomyces Lambicus.
Im offenen Kühlschiff vermischen diese sich mit der Würze und so kommt das einzigartige Verfahren der Spontangärung zustande, ohne dass Hefe zugesetzt wird.“

Auf der Zutatenliste findet man dann neben dem angesprochenen Weizen noch Mais, Zucker und leider auch wieder ein Antioxidationsmittel, was mich zur Frage führt, ob dieses bei Cuvée-Bieren obligatorisch ist?!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Brown Ale-Lambic
Brauart
. . . . . . . . . . . ober- & spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Mais, Zucker, Hopfen, Hefe, Antioxidationsmittel E300
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Brügge / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sauer, hell-fruchtig, leicht malzig-süß
Geschmack: erfrischend, säuerlich, fruchtig, kaum Malzsüße, trotz geringem Körper nicht sehr süffig, fruchtig-süß-saurer Abgang
Gesamt: Auch dieses Blend bzw. Cuvée verbindet interessante Geschmackskomponenten miteinander. Vor allem die fruchtige Säuerlichkeit habe ich bisher so noch bei keinem Bier schmecken dürfen. Fast riecht und schmeckt es ähnlich wie ein Witbier. Trotz dieser dominanten Fruchtsäure blitzt zwischendurch aber auch immer wieder die Tiefe des Brown-Ale durch, die es insgesamt sehr harmonisch macht. Aufgrund jedoch des zugefügten E300 muss ich hier in der Gesamtbewertung Abzüge machen, sodass hier nur 10,5 Pkt. (2(-)) zusammen kommen.

Weitere Infos (sogar auf deutsch) zum Bier unter: https://www.bourgognedesflandres.be/de/das-bier.

Prost!