246. Biere in Frankreich – Bierverkostung Oktober

Kronenbourg Original | Kronenbourg  1624 Millesime | Duyck Jenlain Ambrée| Saint Sylvestre 3 Monts | Fischer Tradition | Pietra Ambrée | La Chapelle Cervoise Yggdrasill | [Maisel & Friends + Christian Moerlein Brewing Tele-Porter]

Gestern war es endlich wieder soweit: Eulen-Zeit. Da der erste Montag im Monat Oktober aufgrund des Brückentags diesmal auf den zweiten verschoben wurde, mussten wir uns etwas mehr als üblich gedulden. Aber die Geduld sollte sich auszahlen, denn diesmal thematisierte Biersommelier Markus Weick etwas, dass zumindest in Deutschland noch etwas belächelt wird: Bier aus Frankreich. Offensichtlich war das Thema aber auch interessant genug um einen neuen Gästerekord für die allmontäglichen Bierverkostungen aufzustellen.

Das Vorurteil, Frankreich könne zwar hervorragende Weine produzieren aber kein Bier brauen, hat tatsächlich einen fundierten Hintergrund. So ist Frankreich nicht nur statistisch sondern auch kulturell ein eindeutiges Wein-Land. Zudem war auch Frankreich im letzten Jahrhundert von der weltweiten Biermarken-Konzentration betroffen, sodass in den schlimmsten Zeiten in den 1970ern nur noch 32 Brauereien in ganz Frankreich existierten. Zwar ist unser südwestliches Nachbarland bis heute noch mehr Wein- als Bierland, dafür existieren auch dank der sog. Craftbeer-Welle heute wieder etwa 800 Brauereien. Die meisten kommen (auch historisch-geographisch bedingt) aus dem Elsass und Französisch-Flandern.  Beide Regionen haben durch den Einfluss der deutschen bzw. der belgischen Bierkultur stets eine lebendige Bierkultur erhalten können. So gibt es zwar im Elsass auch exzellente Weine, doch können Wein und Bier dort auch gut koexistieren:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Richmodis-Kölsch an, das zwar eine alte Tradition hat heute aber eine Marke der REWE-Gruppe ist und wird von Gaffel als Lohnsud gebraut. Richmondis ist zumindest historisch eines der wenigen Kölsch, das außerhalb von Köln und zwar in Koblenz beheimatet ist.

Danach ging es dann aber los mit den französischen Bieren, die Markus fast alle in seinem letzten Urlaub vor Ort eingekauft hat. Den Anfang macht das auch international bekannte Kronenbourg Lager aus dem Vorort von Straßburg im Elsass. Kronenbourg ist die größte Brauerei Frankreichs – die Marke kommt mit 8 Mio. hl Ausstoß per anno auf 30% Marktanteil. Interessanterweise macht Kronenbourg um die Inhaltsstoffe des Bieres ein kleines Geheimnis, da die Infos auf der Bierdose (!) recht dürftig sind. Das liegt aber auch an den weniger strengen Transparenzvorschriften für französische Getränkelabel.

Persönlicher Eindruck:
karamellig, leicht spritzig, süß, kaum Hopfen
gefällig, leicht karamellig, weniger süßer Abgang, malzig, kaum bitter

Das nächste Bier war dann auch von dieser Brauerei und sogar das international noch bekanntere 1664 Millesime. Dadurch das das Dachunternehmen Carlsberg diese Marke vor allem außerhalb von Frankreichs in den letzten Jahren sehr gepusht hat, liegt es in den Verkaufszahlen sogar noch vor den des Originals. Der Name leitet sich dabei übrigens vom Gründungsjahr der Brauerei ab. Um welchen Bierstil es sich dabei handelt ist ausnahmsweise gar nicht so eindeutig. Die große Bierbewertungsplattform ratebeer ändert den Bierstil vom 1664 nämlich fast jedes Jahr, da sich das Bier offensichtlich zwischen den Stilen Bière de Garde, Dunkler Bock und Märzen befindet. Leider wird in diesem Bier aber auch Glukosesirup, Karamellaroma und Schwefelsulfite verwendet.

Persönlicher Eindruck:
frisch-süß, blumig-hopfig, alkoholaromatisch
„aroma“-tisch, süß, bananig, vollmundig, leicht trocken

Mit den Bieren drei und vier ging es vom Elsass ins französische Flandern. Zunächst ein diesmal klares Bière de Garde der Brauerei Duyck – das Jenlain Ambrée. Wobei klares Bière de Garde alleine auch schon wieder schwierig ist, da sich dieser Bierstil dadurch auszeichnet besonders uneindeutig zu sein. Von hell bis dunkel und obergärig wie untergärig ist hier in der Theorie alles möglich. Er entwickelte sich vor allem nach dem zweiten Weltkrieg in dieser speziellen Region des französischen Flandern. Dabei gilt das Jenlain Ambrée, welches seit 1922 gebraut wird als stilbildend, da es eines der wenigen traditionellen Biermarken war, die auch die 1970er-Schwämme der hellen Lagerbiere überlebt hat. Die Form der Flasche ist übrigens darauf zurückzuführen, dass es in den 1920ern in Nordfrankreich zunächst kaum Bierflaschen zur Befüllung gab, sodass man in Sekt- oder Weinflaschen abfüllte.

Persönlicher Eindruck:
angenehm-süß, leicht getreidig, frisch, leicht hopfig, ganz wenig alkoholaromatisch
trocken-getreidig, trocken-süß, holzig, karamellig, guter Körper

Das zweite Bière de Garde kommt ebenfalls aus der Region, diesmal aber aus dem Hause Saint Sylvestre, das auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblicken kann. Das 3 Mont ist ebenfalls obergärig, kommt aber ohne jegliche unnatürliche Beigaben aus.

Persönlicher Eindruck:
deutlicher alkoholaromatisch, leicht bitter, leicht getreidig, süßlich
pritziger, voller, stärker, malzig, wenig alkoholaromatisch, würzig-süß

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere der Biere aus der „offiziellen“ Verkostung sieht unter Nicht-Berücksichtigung des Kölsch dann wie folgt aus:

Direkt nach der Verkostung brachte uns Armin aus dem Publikum auch noch ein Bier aus seinem Elsass-Urlaub mit, dass wir gemeinsam verkosteten:

Es handelt sich dabei um das Fischer Tradition aus dem elsässischen Straßburg. Die Brauerei entstand 1821 und war zweitweise die einzige Brauerei in Frankreich, die alle Brauschritte selbst im eigenen Haus durchführte, was auch wieder viel über die frühere Bierkultur in Frankreich aussagt. Nachdem die Brauerei 1996 an Heineken fiel, konnte sie sich nur noch 13 Jahre halten bevor sie geschlossen wurde. Heute wird die Marke von Heineken selbst in Schiltigheim produziert.

Persönlicher Eindruck:
hell, hochvergoren, leicht hopfig
süffig, weich, würzig, leicht spritzig, mittlerer Körper

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung machte ich mit meinem eigenen Mitbringsel des Tele-Porter von Maisel & Friends und Christian Moerlein Brewing als Collaboration-Brew noch viele Leute glücklich. Darüber dann aber morgen in einem separaten Beitrag mehr.  Daneben gab es aber auch zwei weitere Franzosen aus den neuen Biersortiment, welche ich mit Markus und den anderen Bierbegeisterten proBierte:

  • Pietra Ambrée:
    – obergärig; 6%
    – von der vermutlich ersten Brauerei auf Korsika in Furiani (Gründung 1992)
    – mit Maronenmalz eingebraut
    – karamellig, malzig, süßlich, weich, harmonisch, süffig
    – ähnlich wie das Maronenbier aus dem alten Bahnhof in Frechen
    http://www.brasseriepietra.corsica/fr/bieres/pietra/

  • La Chapelle Cervoise Yggdrasill:
    – obergärig; 5%
    – aus der Brasserie La Chapelle / Cervoiserie Northmaen in La Chapelle-Saint-Ouen
    – ohne Hopfen, dafür mit Eschenasche gebraut
    – nach einem heidnischen Rezept aus dem Jahre 997 hergestellt
    – sehr süßlich, fruchtig, waldig-blumig, auch leicht säuerlich, süffig, fein, weich, nach weder Hopfen- noch Malz- sondern Birkenaromen

    – http://www.northmaen.com/home.php?rub=produits

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Edge Brewing Powerplant:
    – obergärig; 8,2%
    – Saison-Bier der 2013 von zwei US-Amerikanern gegründeten Craft-Brauerei aus Barcelona
    – sehr spritzig, aber auch mit vollem Körper, karamellig-süß, würzig-hefig, etwas bitter

    – hat beim Öffnen so laut geknallt, dass fast meine Kinder aufgewacht sind
    http://edgebrewing.com/beer/powerplant/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und auch danke an Ralf für das mitgebrachte leckere Treber-Brot.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

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