Archiv für den Tag: 14. Oktober 2017

250. Leikeim Steinbier

Weiter geht es mit den besonderen Bieren. Standen bislang oft die Zutaten im Mittelpunkt der Betrachtung geht es heute und morgen mehr um den Brauprozess. Auch wenn dieser in aller Regel heutzutage sowohl bei Industrie- als auch bei Manufaktur-Bier recht standardisiert ist, gibt es die ein oder andere Brauerei, die etwas mehr experimentiert oder sich auf historische Verfahren zurückbesinnt.

Letzteres hat die private Familienbrauerei Leikeim getan und seit einigen Jahren wieder ein sogenanntes Steinbier auf den Markt gebracht. Steinbiere waren in frühen Brauzeiten relativ üblich, wenn man nicht ausschließlich über offenem Holzfeuer brauen wollte bzw. konnte. So wurden in einigen Gegenden Europas (wie vor allem Skandinavien und Österreich) vor allem Holzgefäße zum brauen verwendet, welche kein offenes Feuer erlaubten. Anstatt dessen wurden in der Regel Granitsteine über Feuer auf bis zu 800°C erhitzt und mit Hilfe eines Steinkorbs in die Maische eingebracht, um sie zum Kochen zu bringen. Dort karamellisierte sich der Malzucker an den Steinen und setzt sich als feine Schicht ab. Nach Abschluss der Hauptgärung, wurden die Steine dem Jungbier erneut zugefügt, um nochmals für eine karamellmalzige und rauchige Aromatisierung zu sorgen. Noch bis ins 19. Jahrhundert war diese Brauweise in manchen Regionen die am meist verbreitete.

Umso schöner, dass Leikeim seit 2007 als erste europäische Brauerei wieder auf diese Weise ein Bier herstellt. Schließlich gilt Tradition und Innovation nicht nur das was, sondern auch das wie.

„Geschaffen durch Feuer und Stein, nach einem der ältesten Brauverfahren.“

Mit Dank an meine Kollegin Birgit, die mir das Bier aus ihrem hiesigen Dursty mitrachte,  bin ich also auf mein erstes Bier dieser Art sehr gespannt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Steinbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Altenkunstadt
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: malzbetont, leichte Süße, frische Würze, etwas grasig, wenig fruchtig
Geschmack: „steinig“, leicht rauchig, würzig, leicht süßlich, wenig hopfig, etwas herb, trockener Abgang
Gesamt: Bevor man solche besonderen Biere trinkt macht man sich ja schon Gedanken, ob diese ihrem Ruf überhaupt gerecht werden. Beim Steinbier kann ich aber beruhigenderweise bestätigen, dass man hier tatsächlich einen Unterschied schmeckt zu einem „normal“ gebrauten Bernstein-Lager. Sicher ist es in der Geschmacksvielfalt nicht sehr ausgeprägt, aber in seinem leicht rauchigen und wirklich auch steinigen Aromen wohl einzigartig. Deshalb auch verdiente 11 Pkt (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.leikeim.de/de/.

Prost!