Archiv für den Monat: November 2017

272. The Monarchy Methusalem Johannisburger

Nach dem gestrigen Highlight soll heute gleich der nächste Kracher folgen. Ähnlich wie das gestrige traditionelle Gewürzbier nach uraltem gutem Rezept, beruht das heutige Bier auf einen fast ausgestorbenen Bierstil: Dem Dortmunder Adambier. Dabei handelt es sich um ein säuerliches rauchiges Altbier mit deutlich mehr Stammwürze und Alkoholgehalt als ein heute übliches Düsseldorfer oder Münster Alt. Beim vorliegenden Adam wurden zusätzlich noch rote und schwarze Johannisbeeren (als Saft) hinzugefügt.

Auf einem Etikett von 1864 steht folgende Beschreibung des Bieres:

„Das Adambier ist ein sehr kräftiges, dabei aber mild und angenehm schmeckendes, weinartiges Getränk; es hat in der Regel bei der Versendung schon ein Alter von zwei Jahren, kann ferner dann noch jahrelang aufbewahrt werden und wird durch das Lagern immer besser. In geringem Maße genossen, ist es ein ganz vorzügliches Getränk für schwache, entkräftete Personen.“

Leider wurden die Rechte an der Bezeichnung Adambier von der reaktivierten Dortmunder Bergmann-Brauerei gesichert, sodass hier auf den Namen Methusalem ausgewichen werden musste. Dieser bietet dafür aber auch seine eigene Geschichte:

„You can save this beer for 969 years just like Methusalem, the oldest person to live according to the bible.“

Gebraut wurde es in Federführung eines der Kreativköpfe der deutschen Craftbier-Szene: Sebastian Sauer von Freigeist Bierkultur. Unter der Marke „The Monarchy“ vertreibt der Stolberger seit einigen Jahren schon historische Bierstile. Gebraut in der Zentrale vieler Kuckucksbrauer der Vormann-Brauerei in Hagen-Dahl ist das Bier nicht nur eine absolute Rarität, sondern auch pure Geschichte in flüssiger Form. Stellt sich also nur noch die Frage, ob es auch diesmal gilt:

„Natürlich geht mehr?“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Adambier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Johannisbeeren, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Hagen]
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig-säuerlich, neben Johannisbeere auch Limette, Granatapfel & Erdbeere, rauchig, leicht würzig
Geschmack: weich, säuerlich, rot-fruchtig, weinartig, ohne Rezens, recht süffig, ganz leicht rauchig, trocken-saurer Abgang
Gesamt: Natürlich geht mehr! Was ein Kracher! Ein Adambier ist schon selten genug, aber eines, dass mehr an einen Rotwein denn ein Bier erinnert ist wohl einmalig weltweit. Auch wenn es leider meinen Biergeschmack nicht voll ins Schwarze trifft, ist es dennoch unfassbar spannend und herausragend vielseitig. Qualitativ enorm gut gelungen, zeigt es einmal mehr, welche geschmackliche Bandbreite Bier abdecken kann (auch wenn hier natürlich mit Früchten nachgeholfen wurde). Definitiv eines der interessantesten Biere, die ich je trinken durfte und eigentlich nur für besondere Abende geeignet. Mit 13 Pkt. (1-) auch in Summe Spitze und unbedingten empfehlenswert für alle, die sich nicht zwischen Bier und Rotwein entscheiden können.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Sorten/Altbier/The-Monarchy-Methusalem-Johannisburger.htm?SessionId=&a=article&ProdNr=b00453&p=695.

Mehr Infos zum Adambier: http://harte-arbeit-ehrlicher-lohn.de/die-sorten/adam-bier/demnachst-in-dieser-brauerei/.

Prost!

271. Deutsche Kreativbrauer Kreativsud #1

Am 23. April diesen Jahres – also dem Tag des deutschen Bieres, da sich dann die Proklamation des „Reinheitsgebots“ jährt – konstituierte sich der Verein der deutschen Kreativbrauer. Selbstverständlich berichtete ich an dieser Stelle von diesem doch historischen Ereignis. Stellt sich diese Gruppe vor allem jüngerer in jedem Fall aber kreativer Brauer doch gegen die großen Brauverbände und beschließen sich fortan nicht mehr ausschließlich an das sog. Reinheitsgebot zu halten. Dieses reglementiert in Form des vorläufigen Biergesetzes und des Biersteuergesetzes wie ein Bier aus Deutschland gebraut werden darf. Dabei gibt es Unterschiede zwischen unter- und obergärigen Bieren, in jedem Falle dürfen aber grundsätzlich nur Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. Zusätzlich sind aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Zusatzstoffe oder Hilfsmittel erlaubt, die den Brauprozess erleichtern sollen. Neben Zucker, Farbstoff oder Extrakten sind dies aber auch chemische Stoffe, die dem Bier zugesetzt werden. Die Kritik hieran ist die Basis meines Blogs und meiner Arbeit der letzten inzwischen fast 2 Jahre. Hierauf fußt auch der Verein deutscher Kreativbrauer:

„Der Verein Deutsche Kreativbrauer e.V. ist die Interessenvertretung für alle, die Durst auf Vielfalt haben. Als Zusammenschluss einer neuen Generation junger, unabhängiger Brauer lieben wir die alte Handwerkskunst ebenso wie frische Ideen. Für die Herstellung unserer kreativen Biere setzen wir nur natürliche Rohstoffe ein – und das dürfen neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gern auch Früchte, Kräuter oder Gewürze sein. Künstliche Hilfsstoffe und Extrakte sind bei uns tabu. Wir glauben: Natürlich geht mehr! Und weil unser Qualitätsanspruch weit über das so genannte Reinheitsgebot hinausgeht, stellen wir ihm unser Natürlichkeitsgebot an die Seite.“

Den Tag des Bieres nahm man dann auch zum Anlass das erste gemeinsame Bier zu brauen. Und so trafen sich Andreas Seufert von Pax Bräu, Olli Wesseloh von Kehrwieder, Simon Siemsglüss von Buddelship, Kolja Gigla von Mashsee, Johannes Heidenpeter und Fritz Wülfing vom Bonner Ale-Mania in Oberelsbach im Rhön und zauberten ihren ersten Kreativsud. Dieser sollte gleich die Widersprüchlichkeiten der oben genannten Vorgaben aufzeigen. Denn es wurde auf ein uraltes Rezept zurückgegriffen, indem Kümmel, Wacholder und Salz eingesetzt wurde. Dies ist übrigens keineswegs eine Ausnahmeerscheinung – im Gegenteil: keine 100 Jahre nach Verkündung des „Reinheitsgebots“ durch die bayrischen Landesherzöge wurden durchaus wieder viele ursprüngliche Rezepturen erlaubt. Darunter eben auch der Einsatz dieser Gewürze. Doch auch die Brauart dieses Bieres ist etwas besonderes. Ist heute beim Einsatz von untergäriger Hefe ausschließlich Gerste als Getreidemalz erlaubt, treten die Kreativbrauer diesem Unsinn entgegen und haben auch Weizenmalz in den Sud gepackt. Dem nicht genug wurde das Bier originalgetreu auch per offener Holzbefeuerung erhitzt.

Es wird also höchste Zeit das „Reinheitsgebot“ zu reformieren, das Qualität und Transparenz schafft, denn:

„Natürlich geht mehr!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Traditionelles Gewürzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kümmel, Wachholder, Salz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Oberelsbach
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: klare Kümmelnote, kaum Malz, kaum Hopfen, viel weitere Gewürze, leicht gemüsig
Geschmack: sehr gemüsig, etwas dunkelmalzig, stark gewürzig, holzig, wenig spritzig, mittelgroßer Körper, leicht salziger und rauchiger Abgang
Gesamt: Was für eine Mahlzeit könnte man denken, so erinnern Geruch und Geschmack eher an etwas Essbarem als an Bier. Doch schmeckt man genauer hin, ist es wohl eines der authentischsten historischen Biere, die der Markt zu bieten hat. Auch wenn ich nicht jede einzelne der vielen Geruchs- und Geschmackselemente beschreiben kann, so ist es doch als Ensemble ein unfassbar harmonisches und hochinteressantes Bier. Das Zusammenwirken gleich sechs der kreativsten Bierköpfe Deutschlands merkt man jedem Schluck des Bieres an. Als Konstitutionssud ein herausragendes Signal für mehr Natürlichkeit, Qualität und Ehrlichkeit – ein Meilenstein der deutschen Biergeschichte. Deshalb hochverdiente 14 Pkt. (1) und klarer Anwärter auf den diesjährigen Bierjubiläum-Ehrenpreis.

Weitere Infos zum Bier unter: https://craftbeer-shop.com/epages/3629f328-522d-42c8-951a-2e001b280318.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/3629f328-522d-42c8-951a-2e001b280318/Products/212257.

Mehr Infos zum VdKb: http://deutschekreativbrauer.de/.

Prost!

270. Pearl River Beer

Die vermutlich einzige Rezension diese Woche führt mich in das Reich der Mitte. Genauer gesagt in das südchinesische Perlfluss-Delta. Dort befindet sich seit 1985 die Guangzhou Zhujiang Brewery Group Co., Ltd (廣州珠江啤酒集有限公司), die heute einer der größten chinesischen Brauereien ist. Die Brauereianlage ist durch ihre enorme Konzentration auf diesen einen Standort sogar eine der größten Produktionsstätten der Welt. Gelegen in Guangzhou, der Hauptstadt der Region Guangdong, ist sie zu 75% in staatlicher Hand. Die anderen 25% hat sich 2002 ABInBev gesichert, um die Marke zu professionalisieren und besser auf dem internationalen Markt platzieren zu können. Mit der Gründung des Zhujinag Brewery International Research arbeitet man inzwischen sogar auch mit der TU München zusammen.

Neben national wie international weniger bekannten Bieren wird vor allem das Pearl River bzw. Zhujiang Beer (珠江啤酒) hergestellt. Mit gerade in Deutschland unvorstellbaren 48.000 konsumierten Flaschen pro Stunde (!) zählt es zu den vier nationalen Biermarken Chinas. Wie für China (oder Ostasien im Allgemeinen) üblich wird neben importiertem Gerstenmalz (wahrscheinlich aus Kostengründen) auch Reis eingesetzt.

Der eigentliche Grund aber, warum ich das Zhujiang heute vorstelle, ist der Umstand, dass ich mit dieser Region einige Erlebnisse verbinde. So war ich Anfang 2010 im Zusammenhang meines Wirtschaftsgeographie-Studiums für mehr als 2 Wochen im Perflussdelta unterwegs. Im Rahmen eines großen Studienprojekts untersuchten wir die Region von der ehemaligen britischen Kolonie Hong-Kong, über Shenzhen, Dongguan, Guangzhou und Foshan bis hin zur heutigen Sonderverwaltungszone Macao hinsichtlich der Entwicklungen der dortigen weltwirtschaftlich höchst bedeutsamen Wirtschaftseinheiten und der Verflechtung dieser in die globalen Handelssysteme. Es war mein erster und bis heute einziger Asien-Besuch, der mir aus verschiedensten Gründen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Das Perfluss-Bier (zumindest das Lager) gehört nichtsdestotrotz weniger dazu.

Übrigens heißt der Perfluss Perlfluss, da am Boden des Flusses und im Delta perlfarbene Muscheln liegen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Guangzhou / China
Erscheinungsjahr. . .
1985

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___5
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: klar industriell, metallisch, würzig-süß, leicht karamellig-bitter
Geschmack: süffig, mittlerer Körper, süßlich, reisig, etwas bitter, wenig Spritzigkeit, grasig-herber-süßer Abgang
Gesamt: Nach dem das Äußere schon nicht so ansprechend und auch der nasale Eindruck stark industriell geprägt ist, bin ich überrascht, dass doch noch ein so passabler Geschmack um die Ecke kommt. Wahrscheinlich aufgrund des verwendeten Reises entsteht ein durchaus spannender grasig-würziger Geschmack, der an das asiatische Getreide erinnert. Gerade im Vergleich zu anderen internationalen Massen-Lager wirklich eine interessante (wenn auch kaum in Deutschland erhältliche) Alternative. In Summe etwas wohlwollende 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pearlriverbeers.com/ bzw. https://www.pearlriverbeer.company/beers.

Mehr zur Brauerei unter: http://en.zhujiangbeer.com/about/comins/.

Prost!

269. Das Fette Wiess

Bier Nummer Vier und Abschluss meiner Mini-Serie Kölner „Craft“-Biere gleicht in seinen Merkmalen den drei vorherigen: Es ist ein obergäriges Bier einer Kölner Lokalmarke, die aber keine Brauerei ist und deshalb von Freigeist Bierkultur in Hagen brauen lässt. Der kleine aber feine Unterschied: Es wird nicht für ein Bierunternehmen gebraut, sondern für ein Restaurant. Genauer gesagt für einen Burger-Laden.

2011 eröffnete unweit des Bierlagers die Fette Kuh ihre Pforten und bietet seither handwerklich gemachte kreative Burger in rustikalem Ambiente an. Handwerklich und kreativ – das passt auch hervorragend zu Craftbier, dachten sich die Betreiber und bieten nicht nur diverse Bierspezialitäten an, sondern lassen auch seit einiger Zeit ihr eigenes Bier brauen. Es handelt sich dabei um ein inzwischen wieder sehr beliebtes Wieß, also einem unfiltriertem Bier nach kölscher Brauart. Die vergleichsweise klare Optik wird mittels einer Zentrifuge erreicht, die die groben Hefepartikel vor der Abfüllung zurückhalten soll.

In der Tat sind die Parallelen der Burger- und Craftbier-Welle frappierend. Beides begann zunächst in den USA und schwappte vor etwa 10 Jahren dann auch in Deutschland herüber. Beides setzt auf kreative Handwerkskunst mit dem Anspruch qualitativ hochwertige Produkte zu fertigen. Und beides ist (immer noch) sehr im Trend und hat sich inzwischen einen festen Markt geschaffen. So ist es nicht überraschend, dass sich die beiden Welten verbinden und Burger und Craftbier gemeinsame Wege gehen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wieß
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Hagen]
Erscheinungsjahr. . .
2011

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: leicht industriell, malzig-süßlich, spritzig-herb
Geschmack: wenig Körper, feinperlig, kölschig-herb, ganz wenig bitter, leicht malzig-süßlicher Abgang
Gesamt: Positiv: Insgesamt ein gutes Malz- und Hopfengleichgewicht, in der die Kölner Brauart erkennbar aufgeht. Für mich passig herb, für Kölner ggf. nur was für Gaffel-Trinker. Negativ: Trotz „kreativer Brauübernahme“ für mich eigenartig industriell und gerade im Vergleich zu anderen Wieß (wie etwa dem von AleMania) sehr wenig malz- und hefebetont. Aber letztlich ist ja auch Interpretationssache des Stils. Für meinen Geschmack reicht es heute aber leider nicht für mehr als 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Sorten/nach-koelscher-Art/Das-Fette-Wiess.htm?a=article&ProdNr=b00281&p=254.

Mehr Infos zur fetten Kuh siehe: http://www.diefettekuh.de/#.

Prost!

268. RheinCraft frohnatur.

Weiter geht es heute in meiner Mini-Serie der „Kölner“ Craft-Biere. Heute am Start: Die Frohnatur von RheinCraft. RheinCraft ist ein Start-Up von fünf Doktoranden-Freunden, die seit 2015 am Markt sind. Doch schon vier Jahre zuvor haben sich die vier Biotechnologen vom Forschungszentrum Jülich zusammengefunden und mit dem Hobbybrauen begonnen. Aufgrund ihrer theoretischen Verfahrenskenntnisse gelang es ihnen rasch mehr als akzeptables Bier zu kreieren. Dabei folgte man stiltechnisch ein wenig der schon aufkommenden Craftbier-Welle und hob sich ebenfalls durch „kreativere“ Sude vom Massenbier ab. Die Passion erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt als man 2014 den Brauwettbewerb Campusperle in Hamburg gewann. Der damals amtierende Biersommelier-Weltmeister Oliver Wesseloh riet den Fünfen dann den nächsten Schritt zu machen und aus ihrem Hobby ein(e) Beruf(ung) zu machen. Da sie selbst hierfür nicht die ausreichenden Anlagen besaßen, ließ man zunächst in der Privatbrauerei Reiner in Linnich-Welz bei Aachen brauen. Inzwischen ist man (wie so viel andere Kuckucks-Craft-Brauer) auf die Vormann-Brauerei in Hagen-Dahl ausgewichen. Neben der Frohnatur gibt es derzeit noch das Rut & Wiess des recht seltenen Bierstils Red IPA. Alle bisherigen Biere wurden übrigens stets nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut, wobei sich die Fünf grundsätzlich auch vorstellen könnten in Zukunft darüber hinaus gehenden Zutaten zu verwenden.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Hagen]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr grasig-heuartig, Fruchtmix aus Blutorange, Mango & Granatapfel, leicht gemalzt
Geschmack: hopfig-bitter, sehr grasig, feinperlig, mittlerer Körper, wenig Süße, trocken-herber Abgang
Gesamt: Der Name ist Programm: Ein Bier wie aus der Natur. Sehr grasig, schön hopfig und kein Zuckerschlecken. Zwar fehlt mir auch hier wieder eine stärkere Fruchtnote, aber die frohnatur zeigt sich grundsätzlich charaktervoll und ausdrucksstark. In Summe macht das für mich mehr als solide 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://rheincraft.de/lagerkeller/frohnatur.

Prost!

267. Bierlager Strammer Max

Nach der gestrigen Goldmarie folgt heute der Stramme Max. Das Double IPA entstand ebenfalls durch eine Kooperation zwischen dem Bierlager in Köln und dem Craft Beer-Projekt „Freigeist Bierkultur“ des Brauers Sebastian Sauer aus Aachen. Gebraut wurde es wie auch die Goldmarie in der Brauerei Vormann in Stolberg.

Der Stramme Max ist wie es der Bierstilname schon verrät eine stärkere Variante eines IPA. Zudem finden sich gleich sechs unterschiedliche Hopfensorten in diesem DIPA: Cascade, Zeus, Simcoe, Summit, Citra und Tettnanger.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Double India Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Stolberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: klar hopfig, Litschi, Heidelbeere, Limette, aber auch grasig & karamell-malzig
Geschmack: sehr weich, alkoholaromatisch, malzig-würzig, süßlich-bitter, voller Körper, mittlere Spritzigkeit, leicht ölig, trocken-herber Abgang mit matt-süßlichen Nuancen
Gesamt: Auch das zweite Bierlager-Bier weiß zu überzeugen. Zwar nicht ganz so grandios wie die „abgelaufene“ Goldmarie, aber definitiv ein würdiger Vertreter des DIPA-Bierstils. Für mich ist es einen Hauch zu alkoholaromatisch und auch hätte ich mehr Fruchtaromen auf der Zunge erwartet. Deshalb ganz schnörkellose 12 Pkt (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Sorten/India-Pale-Ale/Bierlager-Strammer-Max.htm?SessionId=&a=article&ProdNr=b00500&p=3.

Prost!

266. Bierlager Goldmarie

Für die kommenden Tage möchte ich euch auf einen kleinen virtuellen Bierausflug nach Köln einladen. Dass dort viel Bier gebraut wird, dürfte jedem klar sein. Dass es aber neben Kölsch noch andere Biere in der Domstadt gibt ist weniger bekannt. So hat auch Köln mit etwas Verzögerung die Craftbier-Welle erreicht und es wachsen immer neue kleine bis mittlere Leuchttürme der Biervielalt aus dem Boden. Eines im Bereich Handel ist das Bierlager, das vor gar nicht allzu langer Zeit im Kölner Süden seine Pforten geöffnet hatte. Dort werden nicht nur allerhand Craftbier-Spezialitäten feilgeboten, inzwischen gibt es dort auch einen kleinen Ausschank.

Mein erster Besuch des Bierlagers liegt zwar schon etwas zurück, ich möchte euch kurz vor der Adventszeit aber zwei interessante Bier nicht vorenthalten. Denn Das Bierlager verkauft nicht nur Biere, sondern lässt auch selber für sich brauen. So sind auch zwei Eigenbiere im Sortiment, die vom Freigeist Bierkultur aus Aachen in der Vormann-Brauerei in Stolberg gebraut werden. Beide möchte ich euch nun hier vorstellen. Beginnen werde ich mit der Goldmarie – einem American Pale Ale.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Stolberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr hopfig-heuartig, grasig, hell-fruchtig, leicht süßlich
Geschmack: klar gehopft, grasig-heuartig, etwas waldig, dezente Fruchtigkeit, leicht herb, kaum bitter, mittlerer Körper, trocken-fruchtig-heuartiger Abgang
Gesamt: Also das hätte ich nun nicht gedacht. Eigentlich sind Eigenmarken ja nun nicht gerade ein Gradmesser für gute Qualität, aber die goldene Marie ist definitiv ein hervorragendes Aushängeschild. Spannend wohl auch die leichte Geschmackintensivierung hin zur klaren Heunote aufgrund der leichten MHD-Überschreitung, das auf Ende August datiert ist. Deshalb absolut verdiente 13,5 Pkt (1(-)) und somit ein Platz in der diesjährigen Bierjubiläum-Spitzengruppe.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Bierlager-m15333.htm?SessionId=&a=marke&Hersteller=15333.

Prost!

265. 100 Jahre Oktoberrevolution – Biere in Russland – Bierverkostung November

Poltova Bochka Nefiltrovannogo | Baltika 4 Original | Baltika 6 Porter | Courage Imperial Russian Stout | Brokantie Sour Saison | Saison de Dottignies | Pastor’ale 

Vor genau einer Woche stand wieder mal die inzwischen zum Glück zur regelmäßigen Veranstaltung vieler Bierbegeisterter aus Brühl und Umgebung gewordene Bierverkostung in der Kierberger Eule an. Thema diesmal: 100 Jahre Oktoberrevolution in Russland. Nun man sich fragen, warum das denn ein Thema für den November ist, wo es doch Oktober-Revolution heißt. Doch der Termin passt schon ganz gut. Schließlich fällt die Datierung dieses historischen Ereignisses in unserem heutigen (gregorianischen) Kalender auf Anfang November. Da aber das damalige Zarenreich noch den julianischen Kalender in Verwendung hatte ergibt sich eine Verschiebung um 14 Tagen, in denen genau der Monatswechsel fällt.

Der Oktoberrevolution, die den endgültigen Sieg der Sowjets mit der Installation der Union sozialistischer Sowjetrepubliken zementierte, gingen zwei weitere Revolutionen voraus. So ging bereits 1905 aus der damaligen Hauptstadt St. Petersburg die ersten revolutionären Unruhen aus, die jedoch noch blutig von zarentreuen Truppen niedergeschlagen wurden. 12 Jahre später im Februar (bzw. März) hatte der Zar den Widerständlern jedoch nichts mehr entgegenzusetzten und es folgte der Sturz der Monarchie im Rahmen der Niederlage gegen das deutsche Kaiserreich im ersten Weltkrieg. Die Macht übernahmen zunächst liberale und sozialistische Kräfte gemeinsam, ehe im Oktober (bzw. November) desselben Jahres die liberalen ebenfalls gewaltsam verdrängt wurden.

Das russische Bier wurde zwar nicht gewaltsam verdrängt, hat es aber trotzdem traditionell etwas schwieriger auf dem dortigen Markt. Wie auf der Karte unten erkennbar spielt vor allem Wodka die bedeutendste Rolle im Absatz alkoholischer Getränke. Doch auch das Bier holt im größten Land der Erde immer mehr auf, sodass es sich definitiv lohnt einmal einen Blick (oder vielmehr einen Schluck) drauf zu werfen. Schließlich gilt es dort seit 2011 auch als vollwertiges alkoholisches Getränk.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Sion-Kölsch an. Heute zum Haus der Kölschen Brautradition und somit zur Radeberger-Gruppe gehörend, hat es eine bedeutende Geschichte hinter sich. Nach dem zweiten Weltkrieg – als es nur noch zwei aktive Brauereien in Köln gab – entschied sich Hans Sion seine Brauerei nicht mehr in Betrieb zu nehmen, sondern es via Lohnbrauverfahren extern brauen zu lassen. Das Brauereigebäude wurde hingegen nach altem Vorbild wieder aufgebaut, jedoch nur noch als Gaststätte genutzt. Die dadurch gewonnene Zeit nutzte Sion um das Kölsch-Bier zu seiner heutigen Kölner Popularität zu verhelfen. Er vernetzte sich, fuhr durch die ganze Stadt, sprach mit Brauern und Wirtsleuten und organisierte Veranstaltungen zur Bewerbung und Vermarktung des damals noch recht neuen Kölsch. Nachdem dann der Kölsch-Boom in den 1960ern eingesetzt hatte, wirkte Sion auch entscheidend an der Aufstellung der Kölsch-Konvention 1986 mit.

Danach ging es dann aber los mit den russischen Bieren, die freundlicherweise Markus‘ Frau aus dem russischen Mix-Markt in Euskirchen eingekauft hatte. Den Anfang macht das Poltova Bochka Nefiltrovannogo Kellerbier aus dem ostukrainischen Hadjatsch. Zum Bier oder der Brauerei lässt sich selbst recht wenig herausfinden, da diese zumindest im Netz nur Infos auf kyrillisch anbietet. Es kommt zumindest jedoch aus dem Land, aus der auch die erste kommerzielle russische Brauerei eröffnete: der Ukraine.

Persönlicher Eindruck:
leicht säuerlich, süßlich, weich, malzig, wenig Frucht
würzig, ein bisschen Brauhauscharakter, etwas gemüsig, süßlich, mittlerer Körper, matt

Das nächste Bier kam von einer ungleich bekannteren russischen Brauerei – und zwar der größten des Landes. Und diejenige mit dem größten Exportanteil. So ist Baltika inzwischen auch in einigen gut sortierten Getränkemärkten, online oder aber auf Bierfesten zu haben. Während man das klassische helle Lager gemein hin kennen dürfte stellte Markus zwei wesentlich typischere russische Bierstile vor. Zum Einen das Wiener Lager. Zunächst ein Widerspruch, ist Wien doch die Hauptstadt Österreichs, zeigt die Historie jedoch, dass Wiener Lager weitaus größere Beliebtheit im ehemaligen Zarenreich erfuhren als im Habsburger Lande. Bis heute ist es neben den weltweit führenden einförmigen Lagern einer der meist getrunkensten Bierstile Russlands.

Persönlicher Eindruck:
sehr karamellig, sehr malzig, leicht röstig
spritzig, kara-süß, leicht würzig, Lakritz, süßer Abgang, vollmundiger

Zum Anderen das Porter. Genauer gesagt das baltische Porter, das im Gegensatz zum britischen Porter meist untergärig gebraut wird. In Russland hingegen wird es aus alter Verbundenheit mit der britischen Krone ebenfalls obergärig – aber trotzdem möglichst kühl – gebraut. Bereits unter Zarin Katharina wurden in der russischen Oberschicht besonders viele englische Biere getrunken. Gehalten hat sich das bis heute, so ist neben dem Wiener Lager das Porter ebenfalls sehr beliebt im westlichen Osten. Man beachte in beiden Bieren übrigens auch den Roggenmalzanteil. Baltika ist dabei ein Paradebeispiel sozialistischer Gründungs- und Aufbaumentalität. So erfolgte 1978 der Beginn des Baus der Brauerei. Doch erst 12 Jahre später 1990 konnte es eröffnet werden und wurde kurze Zeit später auch privatisiert und gehört heute zum Karlsberg-Konzern.

Persönlicher Eindruck:
sehr lakritz-süß, wenig malz-würzig
trocken-süß, Lakritz+Karamell, etwas röstig & bittere Untertöne, alkoholaromatisch

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung war ebenfalls ein wahrer russischer Klassiker: DAS Russian Imperial Stout. Ebenfalls ein Beleg der bierigen Verbindung der beiden auch verwandtschaftlich verknüpften Monarchien aus Russland und England. So war es die ehemalige Anchor Brewery aus London (nicht zu verwechseln mit der heutigen Anchor aus San Fransisco) die unter dem Namen Courage, Barcley & Co. Ltd. 1781 das erste Imperial Stout für Russland brauten. Bis heute gilt es als das stilbildende Bier für diesen Bierstil. Zwar gibt es die Courage Brewery heute nicht mehr, dafür wird das Bier von Marston’s weiter gebraut und vertrieben. Übrigens: Courage war Anfang des 19. Jahrhunderts einmal die größte Brauerei der Welt. Übrigens, die 2.: Das von Markus angebotene Bier war Jahrgang 2013. Auf den ersten Blick also „abgelaufen“ oder Vintage, ist es sogar aber fast zu frisch. Schließlich wird für dieses Bier eine Lagerung von 7-8 Jahren vor der Öffnung empfohlen.

Persönlicher Eindruck:
sehr süß, karamellig, Lakritz, matt, trocken-malzig, spritzig
Kaffee, Schokolade, sehr vollmundig, röstig, ölig, alkoholaromatisch, leicht weinig
-> „Die Antithese zum Kölsch!“

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere der Biere aus der „offiziellen“ Verkostung sieht unter Nicht-Berücksichtigung des Kölsch dann wie folgt aus:

Interessant ist im Rahmen der russischen Biergeschichte auch, dass die weltweit anerkannten Bierstilnamen während des kommunistischen Sozialismus (oder sozialistischen Kommunismus) umgetauft wurden. So wurde zum Beispiel aus dem Münchner Dunkel das Ukrainskoe und aus dem Pilsner wurden je nach Alkoholgehalt gleich drei unterschiedliche Biernamen: Russkoe, Moskovskoe oder Leningradskoe:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung proBierten wir dann noch folgende Biere in der Runde:

  • Brokantie Sour Saison:
    – obergärig; 5,3%
    – von der Kreativbrauerei Orca aus Nürnberg
    – sehr säuerlich, feinperlig, wenig Körper, geringer Abgang
    http://www.orcabrau.de/

  • Saison de Dottignies:
    – obergärig; 5,5%
    – aus der Brasserie De Ranke in Dottignies (Dreiländereck Frankreich-Flamen-Wallonien)
    – leicht säuerlich, etwas süßlich & Gewürzig, trocken, herb

    https://www.deranke.be/en/bier/saison-de-dottignies

  • Pastor’ale:
    – obergärig; 8,5%
    – Tripel der Brouwerij van Steenberge aus dem flandernschen Ertvelde
    – aus Gersten-, Weizen & Hafermalz

    – gewürzig, säuerlich, süßlich, weich, kein Karamell, feinperlig, lecker
    https://www.vansteenberge.com/en/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Kwas [квас] – Russisch Braun [ру́сский бу́рый]

Nach dem vorgestrigen hellen Kwass möchte ich mich heute an die dunkle Variante wagen. Grundsätzlich ist diese auch in Russland inzwischen weniger verbreitet, da sie weniger spritziger und erfrischender wirken soll. Historisch ist sie aber der Original-Kwass, da dieser zunächst aus Überresten von Roggensauerteigen entstanden ist, die durch umherfliegende Hefen angesteckt wurden. Im Gegensatz zum hellen Kwass soll der dunkle deutlich malziger und weniger fruchtiger schmecken und so an ein Malzbier erinnern.

Deshalb bin ich gespannt, ob diese industrielle Interpretation zumindest so gut wie das helle schmeckt. Skeptisch machen mich da die vielen Zusatzstoffe zur Säureregulierung und Konservierung mit den wohlklingenden E-Nummern. Offensichtlich scheint der Original-Kwass doch zu exotisch zu sein, um ihn auch in Deutschland anbieten zu können.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kwass
Brauart
. . . . . . . . . . . spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Zucker, Glukose-Fructose-Sirup, Roggen- & Gerstenmalz, Hefe, E330, E202 & E211
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <1,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Litauen
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Geruch: karamell-malzig, süß, ganz leicht röstig, wenig schokoladig
Geschmack: malzig-süß, leicht fruchtig, getreidig, bisschen spritzig, leicht angeröstet, trocken-süß-getreidiger Abgang
Gesamt: Auch der dunkle Kwass überrascht mich mit einem absolut annehmbaren Geschmacksprofil. Für meinen Gaumen bei der dunklen Note zwar etwas zu süß, aber durchaus ebenfalls eine interessante Alternative zum deutschen Malzbier. Allerdings muss auch klar kritisiert werden, dass der Einsatz von künstlichen Zusatzstoffen definitiv nicht zu unterstützen ist. Es ist wie schon erwähnt wohl aber darauf zurückzuführen, dass das Produkt an den hiesigen Markt angepasst wurde. Dies bestätigen auch einige, die bereits in Ostslawien dortigen (oder selbst hergestellten) Kwass probieren konnten.

Prost bzw. Ва́ше здоро́вье!

 

Brauereifest AleMania

„Lange Zeit wurde das Bier in deutschen Landen unkritisch getrunken, jetzt ist Zeit für mehr Geschmack und bewussten Genuß!
Genau das will auch Fritz Wülfing: Handwerklich und transparent in der eigenen Brauerei brauen.“

Und damit auch noch ein kleines aber feines Taphouse hinzukommt und natürlich zum allgemeinen Genuss des leckeren Fritz-Ales lud der deutsche Craftbier-Pionier am Elften im Elften zum ersten Brauereifest ins zugegebenermaßen etwas abgelegene Bonn-Pützchen.

Der für manche dort recht beschwerliche Weg hat sich aber in jedem Fall gelohnt, so gab es nicht nur 6 feine Biere frisch vom Fass sondern auch das ganze aktuelle Sortiment in Flaschenform (auch zum mitnehmen). Zudem kam man in den Genuss einer exklusiven Brauereiführung von Mr. AleMania Fritz Wülfing höchstpersönllich. Dabei ging er auf die einzelnen Brauprozessschritte ein und zeigte auf, dass man auch in kleinem Maßstab ohne viel Investition und Geld im Hintergrund qualitativ hochwertiges Bier herstellen kann. Dabei braut er ausschließlich obergärig und (gepägt aus England) als einer der wenigen in Deutschland nach dem einstufigen Infusionsmaischverfahren. Mit einem deutlichen Dankeshinweis an seine Familie und Freunde, die es überhaupt erst ermöglichten, dass er heute schon so weit gekommen ist, diskutierten wir aber auch in der Runde wie die Zukunft von AleMania aussehen kann. Neben dem Taphouse im Brauereigebäude, welches wohl vor allem zu Veranstaltungen und am Wochenende genutzt werden soll, will Fritz im Flaschensegment wachsen und perspektivisch auch sein Fassbier in ausgewählten Locations im Bonner Stadtgebiet ausschenken lassen. Dazu passt ganz gut, dass er in diesem Jahr erstmals Gewinn erwirtschaften wird, nachdem die letzten Jahre (insbesondere als er es noch nebenberuflich gemacht hat) höchstens eine schwarze Null zuließen.

Hier nun ein paar Impressionen aus der Brauerei:

Das Malzlager:Die Schrotmühle:Fritz zwischen Maische-&-Läuterbottisch sowie Würzepfanne:Der Gärbehalter (darauf einen Schluck ;):Und die Flaschenabfüllanlage:

Das Schöne an solch einem Brauereifest ist natürlich auch, dass man viele Biernerds auf einem Haufen trifft. So konnte ich endlich die Bekanntschaft mit Tom von Bier aus NRW machen, der aus meinem ehemaligen Wohnort Krefeld angereist ist. Zudem waren natürlich auch viele Hobbybrauer aus dem Köln-Bonner Raum anwesend, unter ihnen auch der neue Biersommelier-Weltmeister Stephan Hilbrandt. Außerdem am Start: Holger von We love Pubs (den ich leider nur noch im Augenwinkel wahrgenommen habe) und auch der Chef von meinem Lieblingsgetränkemarkt P&M.

Zudem konnte ich meine AleMania-Bierliste noch weiter vervollständigen und folgende zwei neue Biere proBieren:

  • AleMania Spiced Pumpkin Ale:
    – obergärig; 6%
    – Kürbisbier vom einzigen Angestellten der Brauerei – dem englischen Azubi
    – schmeckt zwar wenig nach Kürbis, dafür aber sehr gewürzig und zimtig

Fazit:

Auch wenn ich familienbedingt nicht lange bleiben konnte, bin ich doch sehr froh endlich mal Fritz und seine Brauerei kennen gelernt zu haben. Vor allem sein Fokus auf Qualität im kleinen Rahmen und seine Offenheit der Natürlichkeit gegenüber gehen als top Beispiel voran, wie Bonner Bier aussehen kann: Hochwertig, regional und authentisch. Dabei nimmt Fritz auch kein Blatt vor dem Mund, wenn es berechtigterweise einmal um die Kritik an der hiesigen Brau- und Trinkkultur geht. Zudem war es toll sich mit dem ganzen anderen Bierenthusiasten austauschen zu können, hat man im Alltag doch recht wenig Gelegenheit dazu.
Also vielen Dank Fritz und weiterhin gutes Gelingen und eine erfolgreiche Bier-Zeit!

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/1923121101050293/.

Weitere Informationen zu AleMania unter: https://fritz0830.wixsite.com/15168465.

Kwas [квас] – Taras Weiss [тарас бе́лый]

Im Nachgang zur dieswöchigen Bierverkostung in der Brühler Eule zum Thema „Biere in Russland“, dessen Bericht hier in Kürze folgt, möchte ich mich einer weiteren russischen „Bier-„Spezialität nähern.

Der Kwass ist zwar kein wirkliches Bier, ist jedoch nah verwandt. So zählt es zu den Gärgetränken und wird ebenfalls auch Getreide hergestellt. Genauer entsteht es aus der Gärung von altem Brot oder Malz, Roggenmehl (oder Roggenbrot) sowie Kwas-Hefe oder Sauerteig. Deshalb wird es auch als Brotbier bezeichnet. Um den Kohlensäuregehalt zu erhöhen kann noch Zucker, Melasse o.ä. eingesetzt werden. Kwass enthält traditionell nur wenig (bis zu 1,5%) Alkohol uns ist somit auch als Erfrischungsgetränk beliebt. Es gibt Kwass in der hellen und dunklen Variante. Letztere soll etwas an Malzbier erinnern, jedoch weniger süß sein. Erstere hingegen soll in etwa wie ein Radler schmecken. Getrunken wird es vor allem in ostslawischen Regionen vom Baltikum über Weißrussland und Ukraine bis hin zum Kaukasus.

Und selbstverständlich auch in Russland. Dort wird es bis heute auf dem Land in traditioneller Weise daheim „gebraut“. So zum Beispiel auch bei einem Teil der Familie meines halb-russischen Kollegen Heinrich aus dem Köln-Porz. Da der Kwass allerdings noch keine Popularität außerhalb der oben genannten Region erlangt hat, ist es erforderlich einen russischen Supermarkt auszusuchen, um in Deutschland überhaupt an das „Brotbier“ zu gelangen. Glücklicherweise gibt es u.a. in Porz einen Mix-Markt, der fast ausschließlich russische Produkte und somit auch den Kwass führt. Freundlicherweise war besagter Kollege so nett und brachte mir diese Woche jeweils eine (große) Flasche des hellen und dunklen Gärgetränks mit.

Heute möchte ich euch zunächst die helle Variante vorstellen:

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kwass
Brauart
. . . . . . . . . . . spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Glukose-Fructose-Sirup, Gersten- & Weizenmalz, Gerste, Hefe, Akazienextrakt
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <1,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Litauen
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Geruch: leicht malzbierig, hell fruchtig, getreidig, grasig, frisch, brotig
Geschmack: lecker erfrischend, leichtes Radler, süß-fruchtig nach Ananas, Mango, Maracuja & Banane, nur wenig malzig, weich-grasig-fruchtiger Abgang
Gesamt: Derartige Experimente wie das heutige gehe ich ja stets mit einer gesunden Portion Skepsis an. Auch wenn ich wirklich kaum wissen könnte, was mich erwarten würde, will ich behaupten, dass ich positiv überrascht bin. Sicher kann man es kaum mit einem Bier vergleichen, doch kann ich verstehen, dass das Brotbier östlich von uns als Erfrischungsgetränk einen derart guten Ruf hat. Und trotz dessen, dass hier Zucker zugesetzt ist hält sich der Gesamtgehalt mit unter 10% für solch ein süß-schmeckendes Getränk noch im Rahmen. Dabei ist es aber zu keinem Zeitpunkt zu künstlich süß, sondern stets erfrischend und lecker. Durchaus also empfehlenswert und eine sehr spannende und gute Alternative zu anderen Erfrischungsgetränken (des Westens).

Prost bzw. Ва́ше здоро́вье!

 

264. Colbitzer Edel

Im Rahmen meiner Reformations-Jubiläums-Bierwoche war ich auch auf der Suche nach authentischem Bier aus Mitteldeutschland. Zwar war mir schon zu Beginn klar, dass dort die Brauereidichte nicht sehr groß ist und es somit kein sehr großes Angebot gibt, aber es war sogar noch weniger als befürchtet. Zumindest online ist die Beschaffung von Bieren aus dem Zentrum unseres Landes enorm schwierig. Für Sachsen-Anhalt – der zentralen Wirkungsregion von Luther – wurde ich mit dem heutigen Bier dann aber doch fündig.

Zwar hat es außer der Nähe zur Lutherstadt Wittenberg nicht viel mit der Thematik zu tun, eignet sich aber aus anderen Gründen sehr gut für eine separate Vorstellung auf Bierjubiläum.

Gegründet nördlich von Magdeburg von Friedrich-Christoph Ritter ein Jahr nach der Reichsgründung 1872, blieb die Brauerei zunächst bis zur Verstaatlichung in der DDR im Familienbetrieb. Nach Zerfall des kommunistischen Regimes wurde die im Schutzgebiet Colbitzer-Letzlinger Heide gelegene Brauerei an die Nachkommen der damaligen Besitzer rückübereignet. Auch heute ist diese immer noch unabhängig.

Während dieser Werdegang für eine ostdeutsche Brauerei fast stereotypisch ist, überrascht ein wenig die Haltung zum Reinheitsgebot. Selten habe ich ein derart eindeutige Unterstützung dessen im Rahmen meiner Recherchen festgestellt. Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums formulieren die Verantwortlichen es auf ihrer Website wie folgt:

„Die Traditionsbrauer der Colbitzer Heide-Brauerei halten ohne Wenn und Aber am Deutschen Reinheitsgebot fest und sind bereit, es mit aller Kraft gegen sämtliche Angriffe aus dem In- und Ausland zu verteidigen.

Seit vielen Jahren werden – besonders von ausländischen Brauereien – immer wieder Versuche gestartet, das Deutsche Reinheitsgebot zu Fall zu bringen. Zum Glück ist das bis zum heutigen Tag nicht gelungen, da die Brauer in unserem Land nahezu geschlossen hinter dieser Gesetzesvorschrift stehen.

Umso kritischer sind die Versuche anzusehen, dass das Reinheitsgebot aktuell auch in Deutschland speziell von einigen Craft-Bier-Herstellern als Produktionshindernis angesehen wird. Von dieser Meinung distanzieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit der Geschäftsleitung ganz entschieden.

Für die Colbitzer Brauer ist das Deutsche Reinheitsgebot unanfechtbar – verbunden mit dem Wunsch, dass 2516 sein tausendster Geburtstag genauso stolz gefeiert wird, wie die Traditionsbrauer in diesem Jahr sein 500-jähriges Bestehen begehen.“

Abgesehen, dass ich bezweifle, dass die deutschen Brauer nach wie vor nahezu geschlossen hinter der aktuellen Auslegung des „Reinheitsgebots“ stehen, ist es schon überraschend wie scharf hier gegen die (neuen) Craft-Bier-Brauer geschossen wird – zumal sich viele von ihnen ja auch an dieses halten. Sicher ist auch bei den moderneren Craftbieren nicht alles Gold was glänzt und viel Marketing vertuscht auch dort teils geringe Qualität, aber die Absicht der meisten anderen Craft-Brauer ist gutes, leckeres und natürliches Bier zu brauen. Deshalb kann ich die Kritik in dieser Form überhaupt nicht nachvollziehen. Es sollte auch nicht darum gehen das RHG zu Fall zu bringen, sondern es endlich zu dem zu machen, was es sein sollte: Einem Qualitätsmerkmal für gutes deutsches Bier. Und das ist unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht optimal möglich. Abgesehen von der überflüssigen Ungleichbehandlung von unter- und obergärigem Bier, nimmt kein Bier Schaden, wenn es anstatt mit chemischen Hilfsstoffen mit Rohstoffen aus der Natur in Kontakt gerät. Wichtig ist hier einfach nur die Qualität des Bieres sowie die Transparenz der Zutaten mit entsprechend klassifizierter Kennzeichnung (siehe Das Reinheitsgebot). Ich denke es wird zukünftig wichtig sein beide Parteien an einen Tisch zu holen und von allen Seiten Kompromissbereitschaft einzufordern. Weder eine komplette Abschaffung des sog. Reinheitsgebots noch eine Beharrung auf die aktuellen regulatorischen Grundlagen sind für eine gute Reform zielführend.

Nun aber zum Bier, welches zwar keine Stilbezeichnung mitbringt (die man bei der klaren Haltung zum RHG aber eigentlich erwarten müsste), aber wohl noch am ehesten als Export einzustufen ist. Gespannt bin ich inwiefern sich das verwendete weiche mineralarme Heidewasser fast ohne Restalkalität auf das Bier auswirkt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Export
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  11.25°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Colbitz
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___5
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: leicht metallisch-industriell, würzig, leicht malzig, wenig grasig, recht matt
Geschmack: würzig, malzig, grasig, wenig Körper, mittelspritzig, ein wenig kräuterig, herber Abgang mit leichten Bitternoten
Gesamt: Sicher sind Geschmäcker verschieden, aber mein Fall ist das Edel nicht. Inwiefern das Heidewasser Einfluss auf den doch herb-würzigen Charakter hat, der permanent durch unangenehm bittere Noten begleitet wird, kann ich nicht beurteilen. Vor allem aber ist zu kritisieren, dass wer auf das Reinheitsgebot pocht kein Hopfenextrakt verwenden sollte. Das macht irgendwie unglaubwürdig, wenn es um die Qualität des Bieres geht. Aus diesem Grund kann ich heute in Summe auch nicht mehr als 6 Pkt. (4+) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.colbitzer-heidebrauerei.de/index.php/colbitzer-edel.html.

 

Prost!

1st Anniversary – 1 Jahr Craftbeer Corner Coeln

CCC Veedels Maggel | Cantillon Rosé de Gambrinus | Moor Nor’Hop | Jackie O’s Oil of Aphrodite | Omnipollo Triple Mango Crème Brûlée Lassi Gose | Magic Rock Kentucky Common Grounds | Omnipollo Original Ice Cream Pale Ale | Freigeist Bierkultur + Stillwater Artisanal AMIS | Freigeist Bierkultur + Jester King Sing Along Deathmatch | CCC Heinenhof ZA II RIS

Während ganz Deutschland unter der Woche 500 Jahre Reformation feierte, beging die Craftbeer Corner Coeln am letzten Wochenende ihren ersten Geburtstag. Vor genau einem Jahr startete die erste Craftbeer-Bar der westdeutschen Millionenstadt, welche ursprünglich aus einer Verkaufsecke für Craftbier im Hürther Getränkemarkt M&C hervorgegangen ist. Kennengelernt hatte ich die Jungs passenderweise bereits am Tag der Tage für das Bierjubiläum, dem 500. Geburtstag des „Reinheitsgebots“, bei der Craftbeer Messe in Walberberg. Auf Basis ihrer Erfahrung und ihres Netzwerkes, was sich die drei Köpfe in den Jahren zuvor angeeignet und erarbeitet haben, wagten sie den längst überfälligen Schritt in der Domstadt endlich auch ein Taphouse mit Craftbier zu eröffnen. Während Berlin, Hamburg, München und sogar Düsseldorf bereits versorgt waren zog vor einem Jahr endlich auch Köln nach. Mein erster Besuch war im Januar diesen Jahres mit meinem Kollegen auf ein bis 10 Feierabendbierchen. Schon damals wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht, auch wenn man noch merkte, dass es hier und da noch etwas improvisiert wirkte. Zwei weitere Besuche später hat sich die CCC definitiv im Kölner Nachtleben etabliert, wie die Zahlen unten verdeutlichen. Und es ist weiterhin eine der wenigen Orte, wo man in Köln Craftbier vom Fass genießen kann, insofern man das ein oder Kölsch oder Hausbier nicht dazu zählt.

Mit meinem Biersommelier des Vertrauens Markus Weick machte ich mich also letzten Samstag Nachmittag nach Köln auf. Glücklicherweise öffnete die Corner bereits um 15Uhr, sodass ich es familienbedingt auch noch hingeschafft hatte. Da auch Markus Abends wieder nach Brühl zur seiner Eule zurück musste, waren wir eine der ersten Gäste und hatten somit auch das Glück vom 10l-Stichfass Maggel-Freibier etwas abzubekommen. Anlässlich des 1. Geburtstags haben die Jungs ihr erstes und inzwischen bekanntes Bier Wieß etwas stärker einbrauen lassen. Im schön geschmückten Ambiente und feierlicher Stimmung proBierten wir uns daneben einmal quer durch die Zapfkarte, wobei wir uns jeweils ein Bier teilten. Später stießen wir dann zur Gruppe der Kölner Bierhistoriker, die sich inzwischen auch in der Corner eingefunden hatten. Hierbei handelt es sich um einen mehr oder weniger kleinen Verein aus Hobbybrauern, die sich der Erforschung und dem Erhalt historischer Bierstile verschrieben haben. Dabei gibt es schon Patenschaften für etwa 20 fast ausgestorbene Bierstile, die nun wieder aufgelebt werden. Im Rahmen des Vereins hat sich zuletzt auch die Mikrobrauerei Craftbeer Creations Cologne (also witzigerweise ebenfalls CCC) am Heinenhof in Pulheim herausgebildet, in der nun etwas kommerzieller historische Biere gebraut und verkauft werden.

Hier ein paar interessante Zahlen und Fakten nach einem Jahr CCC auf einen Blick zusammengefasst:

  • >3500 Abonnenten auf Facebook,
  • >1800 Follower auf Instagram,
  • Top 3 Nominee – Bestes Bier Konzept 2017
  • Top 10 Bier, Bars & Brauer 2017,
  • ratebeer.com Bewertung 90,
  • >4800 untapped Checkins,
  • >570 Biere ausgeschenkt,
  • 29 Tastings & Verkostungen,
  • 3 Braukurse,
  • unglaubliche 23 Tap Takeover

Bierfacts:

  • CCC Veedels Maggel:
    – obergärig; ?%
    – stärkere Version (Imperial) des hauseigenen Wieß
    – zum Geburtstag war das 10l-Stichfass Freibier
    – würzig, frisch, herb, vollmundig, sehr lecker gehopft
    – wirklich sehr gelungen

  • Cantillon Rosé de Gambrinus:
    – spontangärig; 5,5%
    – Fruchtlambic, bei dem Himbeeren zur Mazeration hinzugefügt wurden
    – von der Brüsseler Brasserie aus Anderlecht mit angeschlossenem

    Musée Bruxellois de la Gueuze
    – neben dem klaren Fruchteinschlag ziemlich trocken sauer
    https://www.cantillon.be/rose-de-gambrinus?lang=fr

  • Moor Nor’Hop:
    – obergärig; 4,1%
    – leichtes (Ultra) Pale Ale
    – „Modern Real Ale“ von der 2007 gegründeten Brewery aus dem englischen Bristol
    – etwas bitter & trocken aber locker-leicht
    http://www.moorbeer.co.uk/ourbeers/

  • Jackie O’s Oil of Aphrodite:
    – obergärig; 10%
    – Double Stout mit Walnüssen gebraut und in Bourbon-Fässern gereift
    – seit 2005 aus dem US-amerikanischen Athen in Ohio
    – als Überraschungsgeschenk für einige Gäste
    – wirklich der extremste Geschmack nach Whisk(e)y & Süßholz, den ich je geschmeckt habe
    http://jackieos.com/brews/oil-of-aphrodite/

  • Omnipollo Triple Mango Crème Brûlée Lassi Gose:
    – obergärig; 7%
    – Gose mit Mango, Laktose & Vanille eingebraut
    – von der schwedischen Kuckucks-Brauerei, die das Bier von Buxton im englischen Derbyshire brauen ließ
    – alle Zutaten sind klar herausschmeckbar, erstaunlich wenig Säure aber viel Süße
    http://www.omnipollo.com/beer/

  • Freigeist Bierkultur + Stillwater Artisanal AMIS:
    – spontangärig; 8,5%
    – Lichthainer (Rauch-Gose) mit Aprikosen und Champagner-Hefe angesetzt
    – in Kooperation von Freigeist aus Stolberg & Stillwater aus Baltimore (Maryland) (Gründung 2010)
    – süß-sauer, leicht fruchtig, gewürzig & nach Gemüse schmeckend
    http://stillwater-artisanal.com/works.html

  • CCC Heinenhof ZA II RIS:
    – obergärig; 8,8%
    – Imperial Stout aus der Mikrobrauerei Heinenhof in Pulheim-Orr, die vor Kurzem ihren Betrieb aufgenommen hat
    – hervorgegangen ist diese aus dem Verein der Kölner Bierhistoriker
    – Mitbringsel von Michael aus dem Heinhenhof
    – das CCC ist nicht mit Craftbeer Corner Coeln zu verwechseln, sondern steht hier für Craftbeer Creations Cologne 😉
    – Aromen von Kaffee, Kakao, Fassreifung, Röstmalz, mehr süß als sauer
    https://www.heinenhof.de/mikrobrauerei/

Fazit:

Inzwischen weiß man ja schon was man gutes an der CCC hat. Aber das Geburtstagsfest war doch nochmal etwas anders, da feierlicher und interaktiver. Es war schön sich mit den Jungs und den Kollegen der Kölner Bierhistoriker auszutauschen und mal wieder unter Biernerds bierig fachzusimpeln. Auch die Biere und Bierüberraschungen waren wie immer sehr gelungen, hochwertig, interessant und lecker. Gerne war ich also Teil dieses ersten Geburtstagsfestes und wünsche der CCC nochmals nachträglich alles bierige Gute und viele weitere erfolgreiche Jahre. Und wenn Ihr auch mal diese Biervielfalt in Köln live erleben wollt, kann ich euch die Corner nur wärmstens ans Bierherz legen.

¡Craftbier für Coeln!

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/322598458213331/.

Weitere Informationen zur CCC unter: http://www.craftbeercorner.de

263. Einbecker Ainpöckisch Bier 1378

Am Tag 1 nach 500 Jahren Reformation gibt es nochmals ein wahres Luther-Bier. Denn kein Bier wird öfter mit dem Reformator Martin Luther in Verbindung gebracht als das Einbecker-Bockbier. So soll er erstmals am 17. April 1521 von Herzog Erich auf dem Reichstag zu Worms einen Krug Einbecker Bier erhalten haben und lobt es mit den Worten:

„Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt“

Das mindestens seit 1378 bestehende Brauhaus ist die Wiege der Bockbiere. Schließlich brauten die Niedersachsen schon zu diesen Zeiten als erste Brauerei deutlich stärkere Biere unter der weitgehenden Verwendung der heute üblichen Zutaten. Auch die bayrischen Bockbiere wurden in der Folge nur mit Unterstützung des damaligen Einbecker-Brauhaus entwickelt. Das heutige Braunternehmen (jährlicher Ausstoß 585.000 hl) besteht nach diversen Fusionen mit lokalen Brauereien seit 1967 als Aktiengesellschaft, die 1997 von der Kölner Ender & Partner Vermögensverwaltung AG mehrheitlich übernommen wurde, nachdem sie jahrelang zur Dortmunder Brau & Brunnen gehörte.

Seit einigen Jahren nun wird wieder versucht ein Bockbier nach ganz alter Tradition und Rezeptur zu brauen. Die heutige für Einbecker Biere bekannte Flaschenform wurde dabei seit der Einführung im 19. Jahrhundert nicht mehr verändert.

Übrigens hat das Einbecker Bier Luther wohl so gut geschmeckt, dass es wenig später auch zu seiner Hochzeit mit seiner Katharina (ihres Zeichens Heimbrauerin) ausschenken ließ.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Ur-Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Einbeck
Erscheinungsjahr. . .
(1378)

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: frisch, hopfig, herb, malzig, grasig
Geschmack: vollmundig, hefig, hellmalzig, Karamell, süßlich-herb, weich, leicht alkoholaromatisch, feinperlig, herber Abgang
Gesamt: Also sollte das heutige Bier wirklich auch schon damals so geschmeckt haben, wundert es mich überhaupt nicht, dass der Reformator es auch zu seiner Hochzeit hat ausschenken lassen. Definitiv eines der besten Bockbiere, die ich je getrunken habe. Da merkt man tatsächlich, dass die Einbecker ihr „Handwerk“ immer noch verstehen und es erklärt auch warum die Marke bis heute (weltweit) so erfolgreich ist. Zur Feier des heutigen Allerheiligen-Tages vergebe ich deshalb mit etwas Wohlwollen für das Ainpöckisch 1378 herausragende 14 Pkt. (1) und katapultiere es auf Platz 3 der dieses Jahr rezensierten Biere.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.einbecker.de/bockbiere.html.

Weitere allgemeine Bier-Infos unter: https://www.einbecker.de/wissenswertes.html.

Und weitere Luther-Zitate über das Bier gibt’s hier: http://www.reinheitsgebot.de/startseite/bierkultur/luther-und-das-bier/luther-ueber-das-bier/.

Prost!