271. Deutsche Kreativbrauer Kreativsud #1

Am 23. April diesen Jahres – also dem Tag des deutschen Bieres, da sich dann die Proklamation des „Reinheitsgebots“ jährt – konstituierte sich der Verein der deutschen Kreativbrauer. Selbstverständlich berichtete ich an dieser Stelle von diesem doch historischen Ereignis. Stellt sich diese Gruppe vor allem jüngerer in jedem Fall aber kreativer Brauer doch gegen die großen Brauverbände und beschließen sich fortan nicht mehr ausschließlich an das sog. Reinheitsgebot zu halten. Dieses reglementiert in Form des vorläufigen Biergesetzes und des Biersteuergesetzes wie ein Bier aus Deutschland gebraut werden darf. Dabei gibt es Unterschiede zwischen unter- und obergärigen Bieren, in jedem Falle dürfen aber grundsätzlich nur Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. Zusätzlich sind aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Zusatzstoffe oder Hilfsmittel erlaubt, die den Brauprozess erleichtern sollen. Neben Zucker, Farbstoff oder Extrakten sind dies aber auch chemische Stoffe, die dem Bier zugesetzt werden. Die Kritik hieran ist die Basis meines Blogs und meiner Arbeit der letzten inzwischen fast 2 Jahre. Hierauf fußt auch der Verein deutscher Kreativbrauer:

„Der Verein Deutsche Kreativbrauer e.V. ist die Interessenvertretung für alle, die Durst auf Vielfalt haben. Als Zusammenschluss einer neuen Generation junger, unabhängiger Brauer lieben wir die alte Handwerkskunst ebenso wie frische Ideen. Für die Herstellung unserer kreativen Biere setzen wir nur natürliche Rohstoffe ein – und das dürfen neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gern auch Früchte, Kräuter oder Gewürze sein. Künstliche Hilfsstoffe und Extrakte sind bei uns tabu. Wir glauben: Natürlich geht mehr! Und weil unser Qualitätsanspruch weit über das so genannte Reinheitsgebot hinausgeht, stellen wir ihm unser Natürlichkeitsgebot an die Seite.“

Den Tag des Bieres nahm man dann auch zum Anlass das erste gemeinsame Bier zu brauen. Und so trafen sich Andreas Seufert von Pax Bräu, Olli Wesseloh von Kehrwieder, Simon Siemsglüss von Buddelship, Kolja Gigla von Mashsee, Johannes Heidenpeter und Fritz Wülfing vom Bonner Ale-Mania in Oberelsbach im Rhön und zauberten ihren ersten Kreativsud. Dieser sollte gleich die Widersprüchlichkeiten der oben genannten Vorgaben aufzeigen. Denn es wurde auf ein uraltes Rezept zurückgegriffen, indem Kümmel, Wacholder und Salz eingesetzt wurde. Dies ist übrigens keineswegs eine Ausnahmeerscheinung – im Gegenteil: keine 100 Jahre nach Verkündung des „Reinheitsgebots“ durch die bayrischen Landesherzöge wurden durchaus wieder viele ursprüngliche Rezepturen erlaubt. Darunter eben auch der Einsatz dieser Gewürze. Doch auch die Brauart dieses Bieres ist etwas besonderes. Ist heute beim Einsatz von untergäriger Hefe ausschließlich Gerste als Getreidemalz erlaubt, treten die Kreativbrauer diesem Unsinn entgegen und haben auch Weizenmalz in den Sud gepackt. Dem nicht genug wurde das Bier originalgetreu auch per offener Holzbefeuerung erhitzt.

Es wird also höchste Zeit das „Reinheitsgebot“ zu reformieren, das Qualität und Transparenz schafft, denn:

„Natürlich geht mehr!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Traditionelles Gewürzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kümmel, Wachholder, Salz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Oberelsbach
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: klare Kümmelnote, kaum Malz, kaum Hopfen, viel weitere Gewürze, leicht gemüsig
Geschmack: sehr gemüsig, etwas dunkelmalzig, stark gewürzig, holzig, wenig spritzig, mittelgroßer Körper, leicht salziger und rauchiger Abgang
Gesamt: Was für eine Mahlzeit könnte man denken, so erinnern Geruch und Geschmack eher an etwas Essbarem als an Bier. Doch schmeckt man genauer hin, ist es wohl eines der authentischsten historischen Biere, die der Markt zu bieten hat. Auch wenn ich nicht jede einzelne der vielen Geruchs- und Geschmackselemente beschreiben kann, so ist es doch als Ensemble ein unfassbar harmonisches und hochinteressantes Bier. Das Zusammenwirken gleich sechs der kreativsten Bierköpfe Deutschlands merkt man jedem Schluck des Bieres an. Als Konstitutionssud ein herausragendes Signal für mehr Natürlichkeit, Qualität und Ehrlichkeit – ein Meilenstein der deutschen Biergeschichte. Deshalb hochverdiente 14 Pkt. (1) und klarer Anwärter auf den diesjährigen Bierjubiläum-Ehrenpreis.

Weitere Infos zum Bier unter: https://craftbeer-shop.com/epages/3629f328-522d-42c8-951a-2e001b280318.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/3629f328-522d-42c8-951a-2e001b280318/Products/212257.

Mehr Infos zum VdKb: http://deutschekreativbrauer.de/.

Prost!

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