Archiv für den Monat: Dezember 2017

Bierjubiläum Krone 2017

Das Jahr 2017 liegt nun in den letzten Schlücken und auch ich habe meine Verkostungen abgeschlossen. Und da ich eben nicht nur einfach Bier trinke, sondern mir dazu auch immer reichlich Notizen mache, möchte ich heute erstmals diejenigen Biere prämieren, die mich in diesem Jahr ganz besonders überzeugt haben. Dabei ist mit die Auswahl in bestimmten Bereichen wirklich nicht leicht gefallen, da ich ja grundsätzlich schon dazu neige hochqualitative Biere zu probieren, sodass es selbst an der Spitze recht eng ist. Neben der Auszeichnung des besten Bier des Jahres, möchte ich aber auch gerne noch weitere Biere in sechs zusätzlichen Kategorien hervorheben, die in besonderer Weise auf sich aufmerksam gemacht haben.

Kommen wir aber nun erst mal zu den besten Einzelbieren. Basis der Auswahl waren die kontinuierlich geführten Bewertungen, die ich bei jeder Rezension aufstelle, sowie darüber hinaus in Erinnerung gebliebene Biere. Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben, dass es neben durchaus vielen Bewertungen von 13 bzw 13,5 von 15 Pkt. nur zwei Rezensionen geschafft haben die diesjährige Bestmarke von 14 Pkt. zu knacken. Umso schwerer ist es mir gefallen, die diesjährige Nummer 1 auszuwählen. Wie in jeder guten Jury hat bei mir letztlich das Bauchgefühl entschieden… Ich verleihe nun also feierlich die erste Bierjubiläum-Krone an die Grünhopfen-Doppelssticke Jrön aus dem Düsseldorfer Hause Uerige in Kooperation mit der Kehrwieder Kreativbierbrauerei aus Hamburg. Dicht dahinter eben das andere 14 Pkt.-Bier mit einer absolut tollen Roggen-Reifenote: Das Giesinger Baltic Rye Porter. Die folgenden Plätze haben dann schon relativ betrachtet einen größeren Abstand zum Führungsduo. Platz 3 bis etwa 15 waren dabei alle recht ähnlich beisamen, sodass mir vor allem die Bronzemmedaille schwer fiel. Die Auswahl gewann dann aber ein Bier, dass symbolisch für ein großes Ereignis des zurückliegenden Jahres steht: 500 Jahre Reformation. Die Rede ist vom Einbecker Ainpöckisch Bier 1378. Hier also nun das verdiente Siegertreppchen:

Diese sieben Biere komplettieren schließlich die Top Ten – sortiert in alphabetischer Reihenfolge:

Neben den Bieren möchte ich an dieser Stelle aber auch die drei „besten“ Brauereien meines persönlichen Bierjahres auszeichnen. Auch wenn hier kein so eindeutiger Bewertungsschlüssel wie zuvor vorliegt, haben mich einige Brauereien diesmal besonders bierig überzeugt. Die Bierjubiläum-Krone für die beste Brauerei des Jahres geht an Riedenburger. Im Rahmen meines Jahresthemas (s.u.) hat mich die Brauerei mit ihrer Vielfalt an Bieren unterschiedlichster Getreidearten höchst erfreut, sodass es schwer bis unmöglich war sie von Platz 1 zu verdrängen. Silber geht an AleMania aus Bonn, dass dieses Jahr endgültig den Durchbruch zu einer wirtschaftlichen Handwerks-Brauerei geschafft hat. Vor allem mit dem Brauereifest im November hat Fritz meine Sympathien gewonnen. Platz 3 und Bronze verleihe ich an Maisel & Friends aus dem schönen Bayreuth. Nicht nur hat mich Eva Ploß unterjährig immer wieder mit kostenlosen Bierlieferungen bestochen, die dann auch noch super schmeckten, auch hat sich der Ableger der bekannten Weißbierbrauerei als Pionier der deutschen Craftbier-Szene auch dieses Jahr wieder an der Vernetzung und Entwicklung neuer Biere außerordentlich beteiligt.

Zusätzlich zur übergeordneten Auswahl der besten Biere des Jahres möchte ich gerne auch die zehn besten Biere im Kontext meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ prämieren. Jedes für sich stellt in der Kombination aus außergewöhnlichen Getreiden bzw. Zutaten und besonderem Biergenuss ein Alleinstellungsmerkmal dar, sodass hier auf eine Platzierung verzichtet und nur in alphabetischer Reihenfolge gelistet habe. Ich kann nur wirklich jedem empfehlen diese Bier einmal probiert zu haben.

Weiter geht mit den Einzelkategorien. Den Anfang macht das beste regionale Bier. Ausgangspunkt ist hierbei ganz subjektiv mein Wohnort Brühl. Und da hat mich in meiner Blog-Abwesenheit nach der Geburt meiner bezaubernden Tochter im März das Bonner Vintage von Bönnsch überrascht. Ein Bier, das nach mittelalterlichem Verfahren über Holz und Rauch gebraut wurde stellt einen völlig neuen Bierstil dar, der als eine Kreuzung zwischen Alt, Wieß und Rauchbier beschrieben werden kann.

In der Kategorie „Traditionell“ möchte ich ein Bier hervorheben, dass einen historischen Bierstil wiederbelebt hat. Denn mit dem Monarchy Methusalem vom Freigeist Sebastian Sauer wurde das historische Dortmunder Altbier zum Leben erweckt. Auch wenn es sich nach einer Patentanmeldung von der Dortmunder Bergmann-Brauerei nicht mehr so nennen darf, bleibt es für mich eines der herausragendsten Wiederbelebungen historischer Bierstile. Dazu aber hoffentlich nächstes mehr.

Die folgende Kategorie soll die besondersten der besonderen Biere aus 2017 auserwählen. So geht der diesjährige Sonderpreis sowohl an den Akarusho Banana Wine – ein 14%iges Biergebräu auf Hirsebasis aus Afrika – als auch an Er Boquerón von La Socarrada – das einzige mir bekannte Bier am Markt mit Meereswasser.

In der Kategorie „Alkoholfrei“ gab es zugegebenermaßen nicht so viel Auswahl und doch habe ich dieses Jahr eine durchaus große qualitative und geschmackliche Bandbreite ertrinken können. Nicht nur mich, sondern auch meiner Gattin hat aber vor allem das Riegele IPA Liberis mit seinen vollmundigen Fruchtnoten überzeugt.

Und last but not least der erstmalige Ehren- pardon Ährenpreis für besondere Verdienste an den Zielen des Bierjubiläums. Diesen teilen sich das Heubacher 500, welches ich am diesjährigen Tag des Bieres probierte und das 500 Tage im Holzfass reifen durfte, sowie der erste Kreativsud der dieses Jahr konstituierten Deutschen Kreativbrauer, die sich für das Natürlichkeitsgebot stark machen, mit der revolutionären Verknüpfung von Weizenmalz und untergäriger Hefe.

Allen Preisträgern einen herzlichen Glückwunsch und ein mindestens genauso erfolgreiches Jahr 2018.

Beim Genuss des Jahrgangsnachfolgers vom diesjährigen Siegerbier Jrön verabschiede ich mich aus 2017, wünsche allen einen guten Rutsch ins Jahr 2016+2 und vor allem immer ein Glas leckeren Bieres in der Nähe zu haben.

Weihnachten 2017

Unser Weihnachtsfest wurde mit folgenden Bieren begangen: 

Bierfacts:

  • Mönchshof Weihnachtsbier:
    – 13.3°P; 5,6%; untergärig
    – von der Kulbacher Brauerei aus 1349, die einen weitaus schlechteren Ruf genießt als ihr eigentlich zu stehen sollte
    – die selbst kreierte Glühbier-Variante zum Vergleich konnte leider nicht überzeugen, es fehlte bei Orangenschale, Nelken und Zimt wohl noch klarere Fruchtakzente
    https://www.mönchshof.de/brauspezialitaeten/weihnachtsbier.html

Bierfacts:

  • Schneider meine helle Weiße:
    – 12.5°P; 5,2%; obergärig
    – aus der großen privaten Weißbierbrauerei Schneider Weisse aus Kelheim (gegründet 1872)
    – etwas hellere & mildere Variante des Originals (Ersterscheinung 1994)
    – Flasche aus dem KALEA-Beertasting.Club-Bierabo
    https://schneider-weisse.de/index.php/weissbier/tap1-meine-helle-weisse
  • Erl-Bräu Erlefant:
    – 5%; untergärig
    – Helles von der 1871 gegründeten Privat-Brauerei aus Geiselhöring
    – Flasche aus dem KALEA-Beertasting.Club-Bierabo
    http://erl-braeu.de/brauerei/erlefant
  • Schäffler Bräu Allgäuer Hell:
    – 4,9%; untergärig
    – von der Familienbrauerei Graßl aus Missen (Gründung 1868)
    – ein Mitbringsel meiner Schwiegereltern aus dem inzwischen alljährlichen Allgäu-Urlaub
    – kam dieses Jahr erst auf den Markt
    https://www.schaeffler-braeu.de/allgaeuer-hell.html
  • Konrad 12°:
    – 12°P; 5,2%; untergärig
    – Lager von der gleichnamigen Brauerei aus dem tschechischen Reichenberg (gegründet 1872)
    – Flasche aus dem KALEA-Beertasting.Club-Bierabo
    – http://pivo-konrad.cz/nase-pivo/konrad-12-detail/

Ich hoffe auch Ihr hattet ein ähnlich schönes (und bieriges) Weihnachtsfest.

283. Brewdog Santa Paws

Für den Abschluss meiner diesjährigen Weihnachtsbier-Reihe geht es nochmals vom Bierland Belgien ins Bierland Großbritannien. Aus der inzwischen schon ziemlich großen „Craftbeer“-Brauerei Brewdog stammt auch dieses Jahr mein Adventsabschlussbier. Nach dem letztjährigen Festive-IPA Hoppy Christmas folgt nun der Santa Paws. Das Scotch-Ale ist für ein Weihnachtsbier recht gering alkoholisch, zeichnet sich aber durch eine besondere Zutat aus: Honig vom schottischen Heidekraut – ein Gewächs, das früher nicht nur in Schottland zur Bierherstellung verwendet wurde. Der Weihnachtsmann auf Pfoten soll dabei ganz bewusst als Gegenmittel zum Chaos der bevorstehenden Festtage dienen:

„Raise a glass of this Christmas beer, share it with friends, family and strangers, and sit back and enjoy the view as the world descends into a fairy light-fuelled frenzy.”

Mit der letzten Rezension des Jahres möchte ich auch an dieser Stelle allen Lesern und Bierinteressierten frohe und besinnliche Weihnachten wünschen und verbleibe mit dem Hinweis auf die „zwischen den Jahren“ erstmals stattfindenden Verleihungen der Bierjubiläum-Awards.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Scotch Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hafer, (Heidekraut-Honig,) Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ellon / Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2010

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: malzig-süß, Karamell, grasig-strohig, getreidig, samtig
Geschmack: röstig, kaum süß, getreidig-grasig-malzig,  ein wenig sauer, leichter Körper, aber nicht süffig, feinperlig, holziger Abgang
Gesamt: Ein würdiger Abschluss der Adventszeit. Auch wenn sich diesmal die erhöhten Erwartungen aus dem samtig-süßen Geruch nicht ganz in den Geschmack übertragen ließen, kann man mit diesem Weihnachtsbier durchwegs zufrieden sein. Für die wenigen Umdrehungen bringt es einiges an Charakter mit. Deshalb auch hier 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.brewdog.com/item/2754/BrewDog/Santa-Paws.html.

Prost & Danke!

282. Gordon Xmas

Für das letzte Weihnachtsbier vor dem Weihnachtswochenende geht zurück an den Anfang. Denn das heutige Gordon Xmas ist das erste Weihnachtsbier der Bierneuzeit und markiert den Beginn einer länderübergreifenden Weihnachtsbiertradition. Gebraut wird es zwar wie die bisherigen auch in Belgien, ist jedoch ein Produkt von über 10 des anglo-belgischen Brauerei-Konsortiums John Martin, das auf einen britischen Braumeister von Anfang des letzten Jahrhunderts zurückgeht. In diesem Sinne dann also:

„Merry Gordon Xmas !”

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Scotch Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, geröstete Gerste, Mais, Zucker, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Genval / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
1930

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: karamellig-süß, malzig, würzig, matt & spritzig zugleich
Geschmack: würzig, karamell-süß, bittere Spitzen, leicht alkoholaromatisch, voller Körper, ölig-feinperlig, weich, trocken-herb-süßer Abgang
Gesamt: Zwar ist das erste Weihnachtsbier der Welt geschmacklich nicht das allerbeste meiner diesjährigen Reihe, verdient sich aber angesichts eines kategorienübergreifenden guten Eindrucks die bisherige Bestwertung von 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://anthonymartin.be/en/our-beers/gordon-finest-beers/gordon-xmas/-2-32/.

Prost & Danke!

Blogbier, die XXII. – Geo-Reunion

Beim alljährlichen Osnabrücker-Geographen-Advents-Treffen wurden letztes Wochenende folgende fast ausschließlich aus dem P&M besorgten Biere erwürfelt:

Bierfacts:

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Katchen und Alex für die hervorragende Gastfreundschaft, Nils für die wirklich tollen Biergeschenke und alle anderen für diesen schönen Abend.

281. Delirium Noël

Da es (offensichtlich) in Belgien eine große Weihnachtsbier-Tradition gibt, bleiben wir auch für das vierte vorweihnachtliche Bier in unserem westlichen Nachbarland. Dort, genauer südöstlich vom flämischen Gent befindet sich seit 1654 die Appelhoek-Brauerei. 1902 wurde diese dann vom Gründer der heutigen Huyghe-Brouwerij erworben und bis heute in Familienhand weiter geführt. Unter dem jährlichen Bierausstoß von über 200.000 hl fallen diversen Marken, die die Brauerei produziert. Neben der Delirium-Reihe sind das vor allem die bekannteren La Guillotine, Blanche des Neiges, Averbode und das hier schon erwähnte Mongozo. Durch die Bank haben diese Biere in der Vergangenheit schon diverseste Preise und Auszeichnungen aus internationalen Bierwettbewerben erhalten. Die Delirium-Reihe selbst beinhaltet sechs unterschiedliche Biere. Das Delirium Noël bzw. Christmas ist dabei stets saisonal zu Weihnachten in der Delirium-typischen Keramik-Flasche erhältlich.

Auch wenn man bei Weihnachtbieren sowohl aus Belgien als aber auch vor allem aus Deutschland immer aufpassen muss nicht in eine Marketing-Falle zu tappen, bin ich gespannt, ob das heutige Weihnachtsbier meine hohen Erwartungen erfüllen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Starkbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10%
Herkunft. . . . . . . . . . . Melle / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
1902

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: leicht metallisch, sehr sauer-würzig, leicht-malzig süß, alkoholaromatisch
Geschmack: alkoholaromatisch, voller Körper, leicht spritzig, schön würzig-malzig, süßlich-holzig, süß-öliger Abgang
Gesamt: Na das ist doch nochmal gut gegangen. Nachdem ich durch den doch mindestens eigentümlichen Geruch schon Schlimmes befürchtet hatte, ist das Bier auf der Zunge zum Glück deutlich besser. Der süßlich und leicht würzige Geschmack passt auch ganz gut zum Weihnachtsfest, wobei interessant hervorzuheben ist, dass hier kein Karamell im Vordergrund steht. Dass man die 10% in der Höhe kaum spürt, brauche ich glaube ich bei belgischen Bieren nicht mehr zu erwähnen. Gäbe es einen Preis für den größten Unterschied zwischen Geruchs- und Geschmackswahrnehmung, würde das Delirium Noël/Christmas diesen dieses Jahr definitiv abräumen. Eine Gesamtsummenbildung fällt deshalb aber auch nicht leichter. Trotzdem würde ich mich mal auf salomonische 11 Pkt. (2) festlegen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.delirium.be/en/world-of-delirium.
>>>Warum diese Website allerdings nicht auf deutsch, dafür aber auf russisch, japanisch und chinesisch angeboten wird bleibt mir ein Rätsel.

Prost & Danke!

280. Het Anker Gouden Carolus Christmas

Das dritte Weihnachtsbier dieses Jahr zeigt auffällige Parallelen zum gestrigen zweiten. Beide kommen aus Belgien, beides sind Starkbiere – wobei dieses mit über 10% sogar noch stärker ist – und beide beinhalten neben Hopfen auch noch weitere Gewürze. So enthält das heutige Gouden Carolus Christmas neben 3 Hopfensorten auch noch sechs unterschiedliche Gewürze. Welche, ist leider wohl ein Betriebsgeheimnis…

Gebraut wird es von der Het Anker Brouweerij zwischen Brüssel und Antwerpen in Flamen.  Die Brauerei kann auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken, wobei sie in ihrer heutigen Form erst 1872 gegründet wurde. Neben der Brauerei existiert auch noch eine Whiskey-Destillerie und ein 3-Sterne-Hotel neben dem Braubetrieb. Zudem stellt Het Anker auch noch als eine der wenigsten Brauunternehmen Sake selbst her. Also ein wahrer Tausendsassa in Sachen alkoholischer Produkte.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Starkbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Gewürze, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mechelen / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2002

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: sehr lakritzig, süßlich-herb, würzig-karamellig
Geschmack: sehr süß, wenig alkoholaromatisch, viel Karamell & Lakritz, voller Körper, leicht ölig, matt, herb-süßer Abgang
Gesamt: Hier kommen wir der Sache Weihnachten doch schon näher. Auch wenn die Feier des freudigen Ereignisses von Jesu Geburt individuell mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen assoziiert wird, kann das heutige Bier durchaus als ein solches durchgehen. Mir persönlich ist es zwar zu Lakritz-dominant, aber es erfüllt grundsätzlich seine Stilrichtung. Deshalb vergebe ich gute 10 Pkt (2-). Die über 10 Umdrehungen merkt man im Übrigen wie so oft in Belgien kaum.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.hetanker.be/en/gouden-carolus-christmas.

Prost & Danke!

279. Corsendonk Christmas Ale

Das zweite Weihnachtsbier führt mich nach Belgien. Genauer gesagt ins nördliche Flamen. Dort wurde im beschaulichen Oud-Turnhout 1395 das Augustinerkloster Corsendonk gegründet. Im Zuge der Klostertätigkeiten wurde nach belgischer Tradition auch schon früh Bier selbst gebraut. Nachdem Joseph II. von Österreich 1784 das Kloster und mit ihm auch den Braubetrieb schließen ließ, wechselten die Braurechte im Laufe der Zeit mehrfach ihren Besitzer, bevor es zwischenzeitlich sogar in Gänze vom Markt verschwunden war. Seit 1982 wird es nun aber schon wieder von der Brasserie Du Bocq im wallonischen Purnode gebraut. Diese braut das traditionelle Weihnachtsbier ausschließlich mit natürlichen Zutaten und winterlich-weihnachtlichen Gewürzen.

„Gebraut mit Pale, München und Caramunich Malz sowie Kent Goldings Hopfen. Dies ist ein reiches, dunkles, fröhliches Gebräu, um die Feiertage zu feiern. Eine Flasche für einen frischen, lebendigen Geschmack.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Starkbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Gewürze, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Turnhout / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
1982

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: ganz leicht metallisch, recht würzig, leicht röstig & holzig
Geschmack: recht großer Körper, kara-malzig, wenig röstig, würzig, weich, ganz leicht alkoholaromatisch, süßlicher Abgang
Gesamt: Im Vergleich zum gestrigen Bad Santa schon durchaus weihnachtlicher. Als Dunkelbier-Fan allerdings dann doch noch zu wenig aussagekräftig und entschlossen. Gerade aufgrund der Verwendung von Gewürzen hätte ich mir eine stärkere Note dessen gewünscht. So bleibt es bei einer vielsagenden Mischung aus süßlichen Karamellmalz- und würzigen Röstnoten. Deshalb auch in Summe nicht mehr als das gestrige Bier: 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: www.corsendonk.com.

Prost & Danke!

278. KALEA Bad Santa Christmas Special

Nur noch eine Woche bis Weihnachten! Allerhöchste Zeit sich also endlich wieder auch den Weihnachtsbieren zu widmen. Ab heute werde ich deshalb an dieser Stelle an jedem Abend bis Weihnachten ein anderes Weihnachtsbier vorstellen.

Den Anfang macht der diesjährige Bad Santa vom KALEA Beertasting.Club. Seit einigen Jahren fester Bestandteil des Bieradventskalenders bzw. wie in meinem Fall des Dezember-Bierabos. Exclusiv hergestellt für den Beertasting.Club wird es von der Brauerei Schnaitl aus dem oberösterreichischen Eggelsberg unweit der deutschen Grenze:

„Eine besondere Bierspezialität, die exklusiv für Kalea als Christmas Special gebraut wurde. Dieses bernsteinfarbene Festbier überzeugt mit einem runden Geschmack und einer eleganten Hopfennote.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fest-Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Eggelsberg / Österreich
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: röstig, leicht holzig, würzig-frisch, leicht karamellig-süß
Geschmack: süffig, schwacher Körper, würzig, leicht röstig, etwas grasig, wenig süß, matt, trocken-harziger Abgang
Gesamt: Insgesamt hätte ich mir etwas mehr erwartet. Mehr Körper, mehr Tiefe, mehr Charakter und auch einen klareren roten Faden. So überrascht der Bad Santa leider nur mit einem etwas diffusen Mix aus Süffigkeit, Röstnoten und hopfig-süße Spitzen. Sicher kein schlechtes aber auch kein wirklich gutes Bier. Kleiner Hinweis nur aus eigener Erfahrung: Den Santa etwas bei Zimmertemperatur aufwärmen lassen, sonst schmeckt er dazu noch unterkühlt. Summa summarum 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.beertasting.shop/de_AT/product/retro-sammelboxen.

Prost & Danke!

12 Apostel Frankfurt/Main

Am letzten Dienstag war ich beruflich in Fankfurt am Main unterwegs. Vor meiner Abreise nutzte ich noch schnell die Gelegenheit um Frankfurts erste Hausbrauerei zu besuchen und natürlich auch das hauseigene Bier zu verkosten.

Auch wenn nicht ganz herauszufinden war, seit wann das 12 Apostel besteht, ist es von der Location eines der wohl urigsten Brauhäuser, die ich je gesehen habe. Nachdem man durch den Haupteingang den ebenerdig gelegen Gastraum betritt fühlt man sich zunächst an ein traditionell deutsches Restaurant erinnert. Erst wenn man die Treppe hinab in den Keller steigt trifft einem die volle Urigkeit. In dem etwas dunklen Raum befinden sich noch Bar und weitere Tische sowie ein wirklich gelungenes historisches Interieur mit vielen alten Details.

Doch nicht nur das Ambiente wusste zu überzeugen, auch die beiden klassisch deutschen Manufaktur-Biere waren den Besuch definitiv wert:

  • Hell:
    – sehr guter Hausbrau-Stil
    – schön malzig, würzig, leicht hefig, süffig, spritzig
  • Dunkel:
    – sehr guter Hausbrau-Stil
    – sehr karamellig, süßlich, weich, etwas größerer Körper, matt

Wer also auch mal im Mainschen Frankfurt weilt oder als Frankfurter noch nie dort gewesen ist, sei durchaus zu empfehlen hier mal vorbei zu schauen. Auch wenn die Historie der traditionellen Braukunst nicht so ganz erklärt ist, kann man hier klassisches deutsches „Craft-Bier“ im ursprünglichen Sinne hautnah erleben.

Weitere Infos zum Brauhaus unter: http://www.12aposteln-frankfurt.de/index.php.

Prost!

277. Beliebteste Biere 2017 – Bierverkostung Dezember

Päffgen Kölsch | Glückauf Bock | Westvleteren 12 | Augustiner Oktoberfestbier
 

Das Jahr nähert sich dem Ende und es beginnt die Zeit Resumée zu ziehen. Auch aus bieriger Hinsicht. So gab es zum Jahresabschluss nochmal einen richtigen Kracher in der Brühler Eule: Das Best of 2017 stand an und es schickten sich über 50 Leute an um diesem bierigen Ereignis beizuwohnen – ein absoluter Rekord für die Eule und die Montagsverkostungen vom Biersommelier Markus Weick, die im Übrigen zum 25. Mal stattfanden.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Passend zum Best of 2017 stand diesmal das beliebteste (deutsche) Kölsch auf ratebeer.com auf dem Programm: Päffgen. 1883 gegründet befindet es sich immer noch in Familienhand und ist in der Nähe vom Friesenplatz beheimatet. Mit etwa 6.000 hl jährlichem Ausstoß gehört es zu den kleinen Kölschmarken, die jedoch (vielleicht aufgrund der Limitierung und handwerklichen Brauart) stets beliebt sind. Besonderheit ist außerdem, dass das Kölsch mindestens drei Monate gelagert und in traditionellen Holzfässern abgezapft wird. Da es das Kölsch ausschließlich im Fass gibt und nicht in Flaschen gibt, stellte es somit eine kleine Herausforderung für die Montagsverkostung dar. Aber Markus hat keine Mühen gescheut und hat ein 10l-Fass vor Ort erstanden und nach Kierberg gebracht.

Persönlicher Eindruck:
hoher Malzcharakter, dezent aber schmeckbare Hopfennoten, geringe Bittere, weich & schlanker Körper, wenig Rezens, leicht würzig, hefig obergärig, fassbierig, süffig

Übrigens gab es neben dem Stammhaus auch bis vor etwa 10 Jahren auch einen Standort in der Altstadt. Das Altstadt-Päffgen wurde inzwischen aber von einem Päffgen-Sohn übernommen und als Brauhaus zum Pfaffen umgewandelt. Anstatt Päffgen wird nun das in Lohmar gebraute Pfaffen-Bier ausgeschenkt.

Danach ging es weiter mit den beliebtesten Bieren des Jahres. Dabei ist „beliebt“ immer auch Definitionssache. Neben ratebeer.com als globalem Bewertungsmaßstab hat Markus natürlich auch wieder die Bewertungen von den monatlichen Biermontagen herangezogen. Nachdem 2016 noch das Augustiner Hell die beste Bewertung erhielt, bekam dieses Jahr das Tegernseer Hell die meisten Biermontagspunkte. Auch insgesamt bestätigte sich, dass helle wenig hopfenbetonte Biere den Geschmack der Eulenbesucher trifft. Da das zweitplatzierte Weltenburger Anno 1050 jedoch besser zur aktuellen Jahreszeit passt, wählte es Markus für das Best of aus. Es wurde im Rahmen der Februar-Verkostung „Klosterbiere“ vorgestellt und kam auch bei mir sehr gut an.

Es ging weiter mit dem besten internationalen Bier der Montagsverkostungen. Mit durchschnittlich 1,13 von maximal 2 Pkt. ging hier der Sieg an das Blond von La Trappe. Das Trappistenbier war Bestandteil der März-Verkostung zum Thema „Belgische Abteibiere“ und war dort auch von mir auf Platz 1 gesetzt worden.

Im Anschluss blieben wir in Belgien,  aber nicht mehr bei einem der besten Biere. Wer bei der März-Verkostung dabei war, wird sich aber zweifelsohne an die großen St. Feuillien-Flaschen erinnern. Damals nur als „Ausstellungsstück“ präsentiert wurde nun die 9l-Salmanazar-Flasche (als beliebteste Flasche des Jahres) geöffnet und in die über 50 Gläser verteilt.

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann aus der Kategorie „ausgezeichnete Biere“. Bei einem heutzutage recht großem Aufgebot an Preisverleihungen und Auszeichnungen ist es hier jedoch nicht immer einfach den Überblick zu behalten und aussagekräftige sowie belastbare Titel herauszufiltern. Markus hatte sich dabei für den Meininger-Craft-Beer-Award entschieden und eines der in diesem Jahr mit Platin ausgezeichneten Biere ausgewählt. Nachdem der bisherige Abend recht hell dominiert war, wählte er für den Abschluss zur Abwechslung ein dunkles Bier. Das dunkle Bockbier der Glückauf-Brauerei aus dem sächsischen Gersdorf (zwischen Chemnitz und Zwickau gelegen) ist eben nicht nur mit Platin ausgezeichnet, sondern entstammt auch einer der wenigen Brauereien, die den DDR-Kommunismus überlebt haben. Die 1880 gegründete Brauerei wurde wie alle anderen auch in den 1960ern zwangsverstaatlicht und wurde nur aufgrund guter Absatzzahlen 1990 von der Treuhand wieder in eine GmbH umgewandelt.

Persönlicher Eindruck:
– dumpf-karamellig, getreidig-süß-malzig, frisch
– getreidig, malzig, trocken-süßlich, etwas Lakritz, vollmundig

Die Besten der Besten:
Meine persönliche Gesamtwertung der „offiziellen“ Best-of-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Das meistverkaufte Bier der Eule in diesem Jahr war übrigens das bestbewerteste aus dem letzten: Augustiner Hell. Damit verdrängte es den bisherigen Absatzführer Weltenburger Barock Dunkel. Den Preis für das umstrittenste Bier ging an Hövels Original – ein Dortmunder Altbier, während das ukrainische Poltava Bochka Nefiltrovannogo am einheitlichsten bewertet wurde. Aufgrund der neuen Kölsch-Reihe konnte im Übrigen auch eine positive Korrelation zwischen den Biermontagsbewertungen und denen auf ratebeer.com erzielt werden. Man kann also sagen, das Kölsch-Expertewissen des Kölner Umlandes gleicht die etwas andere Meinung von anderen Bierstilen aus.

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch einen weiteren Spitzenreiter: Das Westvleteren 12. Zwar ist das Bier in diesem Jahr erstmals nicht mehr offiziell auf Rang 1 der Gesamtbierwertung auf ratebeer.com, hat aber im Vergleich zum neuen Tabellenführer zehnmal so viele Bewertungen erhalten und ist somit repräsentativer. Das Bier ist nicht nur deshalb besonders: Wie alle Biere der klösterlichen Trappistenbrauerei wird es stets nur in begrenztem Umfang gebraut und verkauft. Um an das 12 zu kommen, muss man zunächst einen Termin bei der Brauerei vereinbaren, zu dem man das Bier vor Ort abholen kann. Für diesen zweistündigen Korridor meldet man sich mit seinem Kennzeichen an, mit welchem man das Bier (max. 2 Kisten pro Kfz) abholen möchte. Bei Abholung muss man sich dann mit Telefonnummer und Kennzeichen verifizieren und kann das rare Gut einpacken. Einmal abgeholt ist man erst einmal für die nächsten Monate gesperrt um anderen Interessenten die Möglichkeit zu geben. Zum Anderen verpflichtet man sich das Bier nicht weiter zu veräußern, weshalb es im „normalen“ Bierfachhandel praktisch nicht zu bekommen ist. Und da sich auch Markus dem verpflichtet hat, gab es eine runde des wohl besten Freibieres des Jahres.

Persönlicher Eindruck:
– sehr karamellig, Lakritz, alkoholaromatisch, hölzern
– sehr sehr süßlich, alkoholaromatisch nach Whisky, leicht würzig & nach Lakritz, trocken, weich

Zudem hatte ich Ralf vom Braukunst Vorgebirge noch die letzte Flasche Augustiner Oktoberfestbier mitgebracht, die ich Markus bei der Frankreich-Verkostung abgekauft hatte, sodass wir dieses im Rheinland recht seltene Bier gemeinsam verkosten konnten. Gerne möchte im Zuge dessen auch für seine Braukunst werben, die regionale und besondere Bierspezialitäten hervorbringt und in dessen Rahmen er auch Braukurse gibt.

Persönlicher Eindruck:
– festlich, würzig, weich, spritzig
– süffig, würzig, malzig, getreidig

Am Ende des Abends wurde es dann nochmal emotional als Markus das scheidende Pächterpaar Kalle und Heidi verabschiedete, da diese sich Anfang des kommenden Jahres aus der Eule zurückziehen werden. Wer also Interesse hat eine traditionelle Veedels-Kneipe zu betreiben und mit Markus das Bierthema weiterzuentwickeln darf ihn sehr gerne kontaktieren.

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und das tolle zurückliegende Bierjahr.
Mit voller Vorfreude auf die kommende Verköstigung im Februar zum Thema „Originale der Bierszene“ – von der ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

276. La Socarrada Er Boquerón

Am heutigen Nikolaustag konnte ich zwar kein Nikolausbier organisieren, was es ja durchaus gibt, dafür präsentiere ich ein Bier, was das erste und eines der sehr wenigen seiner Art ist.

Im Rahmen meiner Jahresreihe zu alternativen Getreiden oder anderen natürlichen Zutaten habe ich in den letzten Monaten viele spannende Biere proBiert, die allerlei interessante Ingredienzien wie Früchte, Gemüse oder Kräuter enthielten. Außer acht gelassen habe ich dabei eine Zutat des Reinheitsgebotes, welche gemein hin als völlig selbstverständlich hingenommen wird. Sie ist jedoch für das Bier essentiell und auch wesentlich für den grundsätzlichen Biergeschmack. Brauereien sind seit jeher nur an solchen Orten entstanden, die einen guten Zugang zu dieser Ressource boten. Und je nach Härte und Qualität kann es das Bier sogar auch ungenießbar machen. Die Rede ist von: Wasser.

Doch das Besondere am heutigen Bier ist, dass es sich hierbei nicht um gewöhnliches Quell-, Brunnen oder Leitungswasser also Süßwasser handelt, sondern in Teilen mit salzigem Meerwasser gebraut wurde. Neben einigen Forschungsprojekten ist es das erste und einzige mir bisher bekannte Bier weltweit dieser Machart, dass kommerziell vertrieben wird.

Gebraut wird es von La Socarrada – einer der erfolgreichsten „Craft-Brauereien“ Spaniens, die einen Umsatz von etwa 2 Mio. Flaschen pro Jahr vorweisen kann. Neben dem Hauptsitz in der spanischen Provinz Valencia betreibt sie als einzige spanische „Craft-Brauer“ auch eine weitere Brauerei im Ausland – und zwar in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Golden Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Meerwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Xativa / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: säuerlich-süß, leicht fruchtig nach Orange, Kiwi & Ananas, seichte Malznoten
Geschmack: weich, mittelgroßer Körper, recht süffig, leicht hefig-würzig-sauer, dumpf-malzig, kaum herb, leicht süßlicher Abgang
Gesamt: Interessant. Zwar hätte ich durch das Meerwasser eine salzigere Note erwartet, die äußert sich wahrscheinlich aber in der leicht säuerlichen Grundtendenz. Auch die Balance aus Hopfen und Malz gefällt mir gut. Insgesamt im Vergleich zu anderen Bieren mit speziellen Zutaten natürlich dezenter, aber deshalb auch massentauglicher. Ich würde in jedem Fall aber sagen: Bier ahoi! Mir schmeckt´s und ich finde es eine gute Idee für alle Küstenbrauereien. In Punkten heißt das 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.erboqueron.com/.

Prost & Danke!

275. Maisel & Friends Juicy IPA

Gestern erreichte mich etwas überraschend wieder einmal eine Bierlieferung aus Bayreuth. Drin befand sich das neueste limitierte Bier von Maisel & Friends, welches auf den  ersten Blick so gar nicht in die aktuelle Jahreszeit passen will:

„Mit unserem neuesten Limited-Beer brechen wir mit den jahreszeitlichen Konventionen. Im Sommer trinkt man fruchtig und frisch – im Winter darf es hingegen dunkel und malzig sein? Weit gefehlt! Wir dachten uns: Lasst die alten Gewohnheiten beiseite und holt mit dem richtigen Bier die unbeschwerten, lauen Sommerabende zurück.“

Schließlich enthält das India Pale Ale mit Chinook, Citra, Amarillo, Simcoe, Mosaic und Mandarina Bavaria gleich 6 verschiedene teils kräftig aromatische Hopfensorten. Nicht nur als Kontrastprogramm zum aktuell sehr schmuddeligen Wetter, sondern auch zu meinem gestrigen sehr röstigen Bier kann ich der Idee durchaus etwas abgewinnen. Gerade als Vorbeugung vor den typischen winterlichen Erkältungskrankheiten soll man schließlich viel Obst (und somit viel Vitamine) zu sich nehmen. Als Verfechter alternativer Getreide bin ich zudem vom verwendeten Hafermalz angetan, dass dem Bier hoffentlich eine weiche runde Note verleihen wird.

„Ein fruchtiger Hopfentropfen aus unserer Brauwerkstatt. Cremig-trüb verzaubert er dein Hopfenherz und bombardiert deine Sinne.“

Bierigen Dank also erneut an Eva Ploß und die anderen Freunde von Maisel für die tolle Bierüberraschung. Wer sich das limitierte Bier ebenfalls sichern möchte kann es solange der Vorrat reicht über den Onlineshop ordern.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: FRUCHTIG! nach Orange, Maracuja, Ananas, Mango, Limette, Zitrone & Rhabarber, ganz leichte weiche Malzuntertöne, sehr frisch
Geschmack: spritzig, recht bitter, tropisch-fruchtig, kaum Malz, nicht weich, mittelgroßer Körper, trocken-fruchtiger Abgang
Gesamt: Während der nasale Eindruck noch vor lauter Frucht fast überfordert ist, kommt es auf der Zunge leider nicht zu der Fruchtexplosion, die ich erwartet oder erhofft hätte. Sicher geht jede Fruchtigkeit auch immer mit einer gewissen Bitterkeit einher, letztere stellt sich hier jedoch für meinen Geschmack zu sehr in den Vordergrund. Auch ist mir der Gesamteindruck insgesamt zu unrund. Gerade in diesen Tagen wohl aber genau das richtige, um sich nochmals für die noch kälteren und nassen Tage fit zu machen. Summa summarum von mir also 11,5 Pkt. (2(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/juicy-ipa/.

Prost & Danke!

274. Giesinger Wheat Stout

Mit dem heutigen Bier geht ein Vertreter der Brauerei ins Rennen, die die sich vehement beworben hat meine Brauerei des Jahres zu werden. Nicht nur stammt das derzeit zweitplatzierte Bierjubiläum-Bier aus 2017 aus dem Hause Giesinger, auch die 2003 gegründete Münchner Brauerei selbst qualifiziert sich in hohem Maße für diesen Titel. Dabei setzt sie folgende Gebote an:

Die Giesinger Gebote – Mir san Bier!

  • Unsere Biere sind unfiltriert und nicht thermisch behandelt.
    >>> insbesondere letzteres ist nicht selbstverständlich
  • Bei den Rohstoffen legen wir höchsten Wert auf Qualität und Herkunft. Wir verwenden beispielsweise nur besten Hallertauer Hopfen.
    >>> gut, das sagen/schreiben viele…
  • Auch beim Produzieren legen wir großes Augenmaß auf die Brautradition. Deshalb kommen bei uns beispielsweise statt der üblichen Edelstahltanks vier große, offene Gärbottiche für die Hauptgärung der obergärigen Biere zum Einsatz.
    >>> handwerkliche Braukunst ist eben nicht nur eine Sache der Größe, sondern auch des Brauprozesses
  • Wir sind eine Münchner Brauerei und konsequenterweise verzichten wir auch auf den Export unserer Biere. Dafür müssten wir Einschränkungen (z.B. eine längere Haltbarkeit) hinnehmen, die unserer Auffassung vom Brauen widersprechen.
    >>> auch wenn sicher einige Bierstile auch natürlich haltbar gemacht werden können, ist das nachvollziehbar
  • Wir stellen traditionelle und althergebrachte Biersorten her: Helles, Weißbier, Dunkles, Märzen und Bock (und gaaanz selten auch mal ein paar  Experimente).

Zum Glück sind diese Experimente inzwischen gar nicht mehr so selten und so wird sich auch das heutige Stout dem Biertest stellen müssen. Dabei steht es ein wenig unter Druck dem guten Ruf des Hauses auch gerecht zu werden. Da ich grundsätzlich Fan der dunklen Bierstile bin und erfreut feststellen darf, dass hier auch Weizenmalz eingebraut wurde wird dieser Druck nicht gerade kleiner.

Sind wir also gespannt, ob die #2 nun Konkurrenz aus dem eigenen Hause bekommt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________5
Fazit

Geruch: sehr sehr sehr stark röstig & schwarz, leicht rauchig-kohlig, würzig
Geschmack: ebenfalls sehr röstig, fast nach Kohle, voller Körper, klar, matt, bitter-trockener Abgang
Gesamt: Hoppla! Entweder es ist ein Montags-Bier oder bei Transport oder Lagerung ist einiges schiefgelaufen. Anders kann ich mir diesen „Ausrutscher“ nicht erklären. Selbst für ein Stout viel zu röstig und fast schon kohlig, zu wenig cremig und weich und insgesamt auch zu eindimensional. Es muss also 1. festgehalten werden, dass das Rye Porter nicht um seinen Platz bangen muss und 2. dass selbst eine sehr gute Brauerei mal sehr daneben liegen kann. Mehr als 6 Pkt. (4+) kann ich dafür dann nicht geben.

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.giesinger-braeu.de/.

Prost!

273. Herrnbräu Zwickl

Nach kurzer Pause möchte ich mich pünktlich zum Wochenende mit einem Bier zurückmelden, dass sowohl zum Bierjubiläum als auch zu einem aktuellen Trend passt. So haben insbesondere die großen deutschen Brauereien erkannt, dass der Biermarkt immer diversifizierter wird und ihnen Jahr für Jahr von neuen kreativen und handwerklichen Brauereien Marktanteile abgenommen werden. Um die oft spärliche Produktpalette aufzubessern erschienen in den letzten Jahren immer öfter sogenannte Keller- oder Zwickel-Biere der Großbrauereien. Diese sollten den Anschein von einem Manufaktur-Bier erwecken, dass in händischer Kleinstarbeit gefertigt wurde. Die Realität sieht wohl aber oft ganz anders aus. Im Gegenteil wirkt es eher wie der verzweifelte Versuch bewusster gewordene Kundengruppen zurück zu gewinnen. Das heutige Herrnbräu Zwickl schließt sich zwar zeitlich diesem Trend an, dürfte aber qualitativ hochwertiger sein. So ist die bis ins Jahr 1882 zurückreichende Brauerei mit 210.000 hl eine vergleichsweise kleine Brauerei, die sich bereits in der Vergangenheit durch eine bayrisch geprägte Produktvielfalt hervorgetan hat und bis heute privat geführt wird. Und da dieses Zwickl auch noch aus der Herkunftsstadt des Reinheitsgebotes kommt, war ich für die heutige Vorstellung überzeugt.

Übrigens: Der Name „Zwickl“ leitet sich vom Probehahn des Biertankes ab, mit dem der Braumeister regelmäßig testete, wie sich das Bier im Bierfass entwickelt. Diese Proben waren meist sehr trüb von den abgesetzten biereigenen Schwebstoffen, sodass heutige (untergärige) Biere, die keine Filtration erfahren haben, gerne als Zwickl bezeichnet. Dabei enthalten diese neben den restlichen Hefeteilchen auch noch wertvolle Eiweiße aus den Malzrückständen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Zwickel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ingolstadt
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: leicht industriell, weich, hell-malzig, leicht fruchtig, würzig
Geschmack: sehr weich, vollmundig, reichhaltig, hefig, herb gehopft, leicht bitter, wenig Malz, feinperlig, trocken-herber Abgang
Gesamt: In der Tat eines der besseren Kellerbiere, wenngleich auch mit einigen Defiziten (leicht industrieller Geruch, etwas unrunder Geschmack). Von einem bayrischen Bier hätte ich nur eine etwas stärkere Hefeprägung und einen dominanteren Malzkörper erwartet; ansonsten überrascht das Zwickl mit einem insgesamt reichhaltigen Inneren. In Summe glaube ich verdiente 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.herrnbraeu.de/de/herrnbraeu/bierspezialitaeten/zwickl.html.

Prost!