Archiv für den Tag: 1. Dezember 2017

273. Herrnbräu Zwickl

Nach kurzer Pause möchte ich mich pünktlich zum Wochenende mit einem Bier zurückmelden, dass sowohl zum Bierjubiläum als auch zu einem aktuellen Trend passt. So haben insbesondere die großen deutschen Brauereien erkannt, dass der Biermarkt immer diversifizierter wird und ihnen Jahr für Jahr von neuen kreativen und handwerklichen Brauereien Marktanteile abgenommen werden. Um die oft spärliche Produktpalette aufzubessern erschienen in den letzten Jahren immer öfter sogenannte Keller- oder Zwickel-Biere der Großbrauereien. Diese sollten den Anschein von einem Manufaktur-Bier erwecken, dass in händischer Kleinstarbeit gefertigt wurde. Die Realität sieht wohl aber oft ganz anders aus. Im Gegenteil wirkt es eher wie der verzweifelte Versuch bewusster gewordene Kundengruppen zurück zu gewinnen. Das heutige Herrnbräu Zwickl schließt sich zwar zeitlich diesem Trend an, dürfte aber qualitativ hochwertiger sein. So ist die bis ins Jahr 1882 zurückreichende Brauerei mit 210.000 hl eine vergleichsweise kleine Brauerei, die sich bereits in der Vergangenheit durch eine bayrisch geprägte Produktvielfalt hervorgetan hat und bis heute privat geführt wird. Und da dieses Zwickl auch noch aus der Herkunftsstadt des Reinheitsgebotes kommt, war ich für die heutige Vorstellung überzeugt.

Übrigens: Der Name „Zwickl“ leitet sich vom Probehahn des Biertankes ab, mit dem der Braumeister regelmäßig testete, wie sich das Bier im Bierfass entwickelt. Diese Proben waren meist sehr trüb von den abgesetzten biereigenen Schwebstoffen, sodass heutige (untergärige) Biere, die keine Filtration erfahren haben, gerne als Zwickl bezeichnet. Dabei enthalten diese neben den restlichen Hefeteilchen auch noch wertvolle Eiweiße aus den Malzrückständen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Zwickel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ingolstadt
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: leicht industriell, weich, hell-malzig, leicht fruchtig, würzig
Geschmack: sehr weich, vollmundig, reichhaltig, hefig, herb gehopft, leicht bitter, wenig Malz, feinperlig, trocken-herber Abgang
Gesamt: In der Tat eines der besseren Kellerbiere, wenngleich auch mit einigen Defiziten (leicht industrieller Geruch, etwas unrunder Geschmack). Von einem bayrischen Bier hätte ich nur eine etwas stärkere Hefeprägung und einen dominanteren Malzkörper erwartet; ansonsten überrascht das Zwickl mit einem insgesamt reichhaltigen Inneren. In Summe glaube ich verdiente 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.herrnbraeu.de/de/herrnbraeu/bierspezialitaeten/zwickl.html.

Prost!