277. Beliebteste Biere 2017 – Bierverkostung Dezember

Päffgen Kölsch | Glückauf Bock | Westvleteren 12 | Augustiner Oktoberfestbier
 

Das Jahr nähert sich dem Ende und es beginnt die Zeit Resumée zu ziehen. Auch aus bieriger Hinsicht. So gab es zum Jahresabschluss nochmal einen richtigen Kracher in der Brühler Eule: Das Best of 2017 stand an und es schickten sich über 50 Leute an um diesem bierigen Ereignis beizuwohnen – ein absoluter Rekord für die Eule und die Montagsverkostungen vom Biersommelier Markus Weick, die im Übrigen zum 25. Mal stattfanden.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Passend zum Best of 2017 stand diesmal das beliebteste (deutsche) Kölsch auf ratebeer.com auf dem Programm: Päffgen. 1883 gegründet befindet es sich immer noch in Familienhand und ist in der Nähe vom Friesenplatz beheimatet. Mit etwa 6.000 hl jährlichem Ausstoß gehört es zu den kleinen Kölschmarken, die jedoch (vielleicht aufgrund der Limitierung und handwerklichen Brauart) stets beliebt sind. Besonderheit ist außerdem, dass das Kölsch mindestens drei Monate gelagert und in traditionellen Holzfässern abgezapft wird. Da es das Kölsch ausschließlich im Fass gibt und nicht in Flaschen gibt, stellte es somit eine kleine Herausforderung für die Montagsverkostung dar. Aber Markus hat keine Mühen gescheut und hat ein 10l-Fass vor Ort erstanden und nach Kierberg gebracht.

Persönlicher Eindruck:
hoher Malzcharakter, dezent aber schmeckbare Hopfennoten, geringe Bittere, weich & schlanker Körper, wenig Rezens, leicht würzig, hefig obergärig, fassbierig, süffig

Übrigens gab es neben dem Stammhaus auch bis vor etwa 10 Jahren auch einen Standort in der Altstadt. Das Altstadt-Päffgen wurde inzwischen aber von einem Päffgen-Sohn übernommen und als Brauhaus zum Pfaffen umgewandelt. Anstatt Päffgen wird nun das in Lohmar gebraute Pfaffen-Bier ausgeschenkt.

Danach ging es weiter mit den beliebtesten Bieren des Jahres. Dabei ist „beliebt“ immer auch Definitionssache. Neben ratebeer.com als globalem Bewertungsmaßstab hat Markus natürlich auch wieder die Bewertungen von den monatlichen Biermontagen herangezogen. Nachdem 2016 noch das Augustiner Hell die beste Bewertung erhielt, bekam dieses Jahr das Tegernseer Hell die meisten Biermontagspunkte. Auch insgesamt bestätigte sich, dass helle wenig hopfenbetonte Biere den Geschmack der Eulenbesucher trifft. Da das zweitplatzierte Weltenburger Anno 1050 jedoch besser zur aktuellen Jahreszeit passt, wählte es Markus für das Best of aus. Es wurde im Rahmen der Februar-Verkostung „Klosterbiere“ vorgestellt und kam auch bei mir sehr gut an.

Es ging weiter mit dem besten internationalen Bier der Montagsverkostungen. Mit durchschnittlich 1,13 von maximal 2 Pkt. ging hier der Sieg an das Blond von La Trappe. Das Trappistenbier war Bestandteil der März-Verkostung zum Thema „Belgische Abteibiere“ und war dort auch von mir auf Platz 1 gesetzt worden.

Im Anschluss blieben wir in Belgien,  aber nicht mehr bei einem der besten Biere. Wer bei der März-Verkostung dabei war, wird sich aber zweifelsohne an die großen St. Feuillien-Flaschen erinnern. Damals nur als „Ausstellungsstück“ präsentiert wurde nun die 9l-Salmanazar-Flasche (als beliebteste Flasche des Jahres) geöffnet und in die über 50 Gläser verteilt.

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann aus der Kategorie „ausgezeichnete Biere“. Bei einem heutzutage recht großem Aufgebot an Preisverleihungen und Auszeichnungen ist es hier jedoch nicht immer einfach den Überblick zu behalten und aussagekräftige sowie belastbare Titel herauszufiltern. Markus hatte sich dabei für den Meininger-Craft-Beer-Award entschieden und eines der in diesem Jahr mit Platin ausgezeichneten Biere ausgewählt. Nachdem der bisherige Abend recht hell dominiert war, wählte er für den Abschluss zur Abwechslung ein dunkles Bier. Das dunkle Bockbier der Glückauf-Brauerei aus dem sächsischen Gersdorf (zwischen Chemnitz und Zwickau gelegen) ist eben nicht nur mit Platin ausgezeichnet, sondern entstammt auch einer der wenigen Brauereien, die den DDR-Kommunismus überlebt haben. Die 1880 gegründete Brauerei wurde wie alle anderen auch in den 1960ern zwangsverstaatlicht und wurde nur aufgrund guter Absatzzahlen 1990 von der Treuhand wieder in eine GmbH umgewandelt.

Persönlicher Eindruck:
– dumpf-karamellig, getreidig-süß-malzig, frisch
– getreidig, malzig, trocken-süßlich, etwas Lakritz, vollmundig

Die Besten der Besten:
Meine persönliche Gesamtwertung der „offiziellen“ Best-of-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Das meistverkaufte Bier der Eule in diesem Jahr war übrigens das bestbewerteste aus dem letzten: Augustiner Hell. Damit verdrängte es den bisherigen Absatzführer Weltenburger Barock Dunkel. Den Preis für das umstrittenste Bier ging an Hövels Original – ein Dortmunder Altbier, während das ukrainische Poltava Bochka Nefiltrovannogo am einheitlichsten bewertet wurde. Aufgrund der neuen Kölsch-Reihe konnte im Übrigen auch eine positive Korrelation zwischen den Biermontagsbewertungen und denen auf ratebeer.com erzielt werden. Man kann also sagen, das Kölsch-Expertewissen des Kölner Umlandes gleicht die etwas andere Meinung von anderen Bierstilen aus.

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch einen weiteren Spitzenreiter: Das Westvleteren 12. Zwar ist das Bier in diesem Jahr erstmals nicht mehr offiziell auf Rang 1 der Gesamtbierwertung auf ratebeer.com, hat aber im Vergleich zum neuen Tabellenführer zehnmal so viele Bewertungen erhalten und ist somit repräsentativer. Das Bier ist nicht nur deshalb besonders: Wie alle Biere der klösterlichen Trappistenbrauerei wird es stets nur in begrenztem Umfang gebraut und verkauft. Um an das 12 zu kommen, muss man zunächst einen Termin bei der Brauerei vereinbaren, zu dem man das Bier vor Ort abholen kann. Für diesen zweistündigen Korridor meldet man sich mit seinem Kennzeichen an, mit welchem man das Bier (max. 2 Kisten pro Kfz) abholen möchte. Bei Abholung muss man sich dann mit Telefonnummer und Kennzeichen verifizieren und kann das rare Gut einpacken. Einmal abgeholt ist man erst einmal für die nächsten Monate gesperrt um anderen Interessenten die Möglichkeit zu geben. Zum Anderen verpflichtet man sich das Bier nicht weiter zu veräußern, weshalb es im „normalen“ Bierfachhandel praktisch nicht zu bekommen ist. Und da sich auch Markus dem verpflichtet hat, gab es eine runde des wohl besten Freibieres des Jahres.

Persönlicher Eindruck:
– sehr karamellig, Lakritz, alkoholaromatisch, hölzern
– sehr sehr süßlich, alkoholaromatisch nach Whisky, leicht würzig & nach Lakritz, trocken, weich

Zudem hatte ich Ralf vom Braukunst Vorgebirge noch die letzte Flasche Augustiner Oktoberfestbier mitgebracht, die ich Markus bei der Frankreich-Verkostung abgekauft hatte, sodass wir dieses im Rheinland recht seltene Bier gemeinsam verkosten konnten. Gerne möchte im Zuge dessen auch für seine Braukunst werben, die regionale und besondere Bierspezialitäten hervorbringt und in dessen Rahmen er auch Braukurse gibt.

Persönlicher Eindruck:
– festlich, würzig, weich, spritzig
– süffig, würzig, malzig, getreidig

Am Ende des Abends wurde es dann nochmal emotional als Markus das scheidende Pächterpaar Kalle und Heidi verabschiedete, da diese sich Anfang des kommenden Jahres aus der Eule zurückziehen werden. Wer also Interesse hat eine traditionelle Veedels-Kneipe zu betreiben und mit Markus das Bierthema weiterzuentwickeln darf ihn sehr gerne kontaktieren.

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und das tolle zurückliegende Bierjahr.
Mit voller Vorfreude auf die kommende Verköstigung im Februar zum Thema „Originale der Bierszene“ – von der ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

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