Archiv für den Monat: Februar 2018

305. Urban Chestnut Hallertauer Grünhopfen Lager

Nach einem schönen Familien-Schwimmbad-Nachmittag, den ich bei diesem Wetter nur wärmstens empfehlen kann, folgt heute das das zweite Frischhopfen-Bier, das zuletzt den Weg in meinen Kühlschrank gefunden hat.

Es kommt von der Urban Chestnut Brewing Company. Eine Brauerei, die gleich doppelt verwirrt. Denn beheimatet ist sie im US-amerikanischen St. Louis (Missouri) und hat quasi eine Zweigstelle im oberbayrischen Wolnzach in der Hallertau. 1999 wurde dort ein Bürgerbräu als Gemeinschaftsbrauerei von 1.200 Bürgern ins Leben gerufen. Nur 15 Jahre später ging der Bürgerbräu leider insolvent und wurde vom amerikanischen UCBC übernommen. Doch warum eigentlich? Nun, weil der Chefbrauer der UCBC Florian Kuplent ebenfalls Bayer ist. Und dieser sich mit dem Erwerb der kleinen Brauerei einen Lebenstraum erfüllt hat. Und so kommt es, dass die bayrische Brauerei eine amerikanische Mutter hat, welche wiederum von einem Bayern geleitet wird. Der Name der Brauereien leitet sich übrigens aus einer Symbiose der modernen und traditionellen Bierwelt ab: Das Urban steht für die neue Wertschätzung von handwerklichen Bier in vor allem größeren Städten, während die Chestnut für die Kastanien der bayrischen Biergärten steht, die bis heute die dortige Bierkultur symbolisieren. Im einmal jährlich eingebrauten Grünhopfen-Lager werden folgende Hopfensorten verwendet: Perle, Tradition, Hersbrucker und Blanc aus der Hallertau sowie der Mandarina Bavaria. Mal schmecken also wie sich der frische Hopfen aus dem größten zusammenhängenden Anbaugebiet der Welt im Vergleich schlägt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Keller-Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Frisch-Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wolnzach
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: spritzig, zitrus-fruchtig, waldig, grasig, blumig, harzig, hopfig-herb, hell-malzig, leicht buttrig
Geschmack: süffig, matt, mittlerer Körper, mild herb, grasig, harzig, leicht bitter, hintergründig malzig, dezent herber Abgang
Gesamt: Auch hier ist (für den Experten) der frische Grünhopfen klar herauszuriechen und -schmecken. Die waldig-grasig-harzige Note wird nur leider etwas zu stark von einer bitteren Komponente überlagert. Zudem ist mir das Lager etwas zu matt und unspezifisch. Trotzdem hopfenstarke 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://urbanchestnut.de/beer/grunhopfen/.

Prost & guten Abend! 🍻

304. Schönramer Grünhopfen-Pils

Das Fasten ist vorbei – zumindest aus alkoholischer Sicht. Am vergangenen Wochenende gab es schon den großen Discount-Craft-Beer-Test in Osnabrück (Bericht folgt) und nun wird wieder fleißig vollbierig rezensiert.

Beginnen möchte ich diese Woche mit zwei Frischhopfen-Bieren, die aus der letzten Ernte im vergangenen September stammen. Heute am Start: das Grünhopfen Pils aus dem Hause Schönram im Landkreis Traunstein unweit von Salzburg. Die private Traditions-Brauerei hat eine Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert reicht. Offiziell gegründet wurde sie dann 1780 von Jakob Köllerer, dessen Familie bis heute Besitzer der Brauerei ist.

„In den Jahren 1852 und 1853 ließ der damalige Besitzer Anton Köllerer eine kleine Kirche für die Mitarbeiter der Brauerei errichten, um Ihnen den sonntäglichen Gottesdienstbesuch, ohne lange Abwesenheiten von der Arbeit zu ermöglichen.“

Im Rahmen des Namenswechsels auf Oberlindober durch Einheirat kurz vor dem 2. Weltkrieg erfolgte auch die Modernisierung der Brauerei, die bis heute nach der Maxime „Tradition und Fortschritt gut vereint“ Bier handwerklich herstellt.

Gerade weil ich mit Frischhopfen-Bieren bislang (fast) immer sehr positive Erfahrungen gemacht habe, bin ich gespannt, was Schönram aus ihrem Pils rausholen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Keller-Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Frisch-Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.7°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Petting-Schönram
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: grasig, blumig, herb, fruchtig nach Zitrone, Maracuja & Heidelbeere
Geschmack: spritzig, blumig, hopfig-herb, grasig, harzig, mittelgroßer Körper, blumig-herber Abgang
Gesamt: Schön wenn man sich noch auf manche Dinge verlassen kann. Zum Beispiel auf den frischen Grünhopfen. Denn auch diesem Bier verleiht er wieder eine ganz interessante Note. Auch wenn diese wahrscheinlich für den Ottonormaltrinker nicht wirklich erkennbar ist, ist das Pils einfach blumiger, grasiger und harziger als üblich. Selbst eine gewisse Fruchtnote ist erkennbar, wenngleich auch nicht so deutlich wie von Schönram beschrieben. Für diese durchaus gute Keller-Pils vergebe ich 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.schoenramer.de/de/produkte/gruenhopfen-pils.

Prost & guten Abend! 🍻

303. Riedenburger Dinkel-Radler

Nach dem gestrigen Dinkel-Malz nun heute das Dinkel-Radler aus dem Hause Riedenburger. Eigentlich rezensiere ich ja bewusst keine Radler, da diese in den allermeisten Fällen nur eine Verpanschung des Bieres mit minderwertigen Konzentraten sowie geschmacks- und farbbildende künstliche Zusatzstoffe sind. Doch inzwischen gibt es auch beim für Craftbrauer bislang eher verpönten Radler glücklicherweise immer mehr Qualität. So hat auch Riedenburger auf Basis seines alkoholfreien Hellen (45%) und Dinkelbiers (10%) ein fast ganz natürliches Radler entwickelt. Neben den beiden Bierkomponenten kommt nämlich noch eine Zitronenlimonade (45%) hinzu, die ausschließlich mit Agavensirup gesüßt und mit Zitronensaftkonzentrat aufgesetzt ist. Gerade nach dem gestrigen Malz bin ich gespannt, ob auch das Radler in der Qualität mithalten kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Radler
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe, Agavensirup, Zitronensaftkonzentrat
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: dezent, sehr grasig & heuartig, wenig fruchtig-blumig
Geschmack: süffig, mittelkleiner Körper, grasig, leicht malzig, zitrusfruchtig, blumiger Abgang
Gesamt: Durchaus ebenfalls eine interessante Interpretation des Biermischgetränk-Klassikers. Wenngleich nicht ganz so ausbalanciert wie das Malz, ist die Mischung aus grasiger Dinkelnote und bekannten Zitrusaromen wahrlich erfrischend. Mit einer noch weniger aufdringlichen Radler-Ausprägung wäre es aber vielleicht noch spannender. Außer der Wertung hierfür 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-alkoholfreien-vitalgetraenke/dinkel-radler.html.

Prost & guten Abend! 🍻

302. Riedenburger Dinkel-Malz

Mit der heutigen Fortsetzung der Alkoholfrei-Reihe schließt sich ein wenig der Kreis zum Beginn letzte Woche. Auf Basis des alkoholfreien Dinkel-Bieres der hervorragenden Riedenburger Brauerei, wartet das heutige Malzbier mit einer besonderen Natürlichkeit auf. So ist es im Gegensatz zu den allermeisten anderen Malzbieren nicht mit Glukosesirup gesüßt, sondern enthält ausschließlich natürlich vorkommenden Agavensirup. Auch ansonsten sucht man künstliche Zusatzstoffe vergeblich, im Gegenteil: alle verwendeten Zutaten entsprechen Bio-Richtlinien. Umso mehr bin ich nun auf dieses Malzbier gespannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Malzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Dinkel, Hopfen, Hefe, Agavensirup
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: malzbier-typische Karamellsüße, aber auch etwas fruchtig, grasig-malzig
Geschmack: schön süffig, fruchtige Karamellsüße, blumige Malznote, feinperlig
Gesamt: Wahrlich eines der besten Malzbiere, die ich je getrunken habe. Während der Dinkel für eine tolle grasige Malznote sorgt, bringt die Agave eine damit wunderbar harmonierende Fruchtsüße mit. Fast schon schade, dass ich davon nur eine Flasche habe. Dieser weitere Beweis, dass natürlich mehr geht, honoriere ich mit 13 Pkt. (1-), die allerdings nicht in die Vergleichswertung eingehen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-alkoholfreien-vitalgetraenke/dinkel-malz.html.

Prost & guten Abend! 🍻

301. Wolfscraft Brutal Alkoholfrei

Nach meinem revolutionären Brauexperiment anlässlich des 1.000 Bierjubiläum-Bieres letztes Wochenende, möchte ich heute die kurze Serie an alkoholfreien Bieren fortsetzen, die bislang noch nicht gelistet sind.

Heute am Start: das brutal alkoholfreie von Wolfscraft. Eine Marke, die noch recht frisch auf dem deutschlandweiten Markt ist und die es sich (wie inzwischen viele) zur Aufgabe gemacht hat dem deutschen Einheitsgeschmack entgegenzutreten. Im Gegensatz zu einigen Mitstreitern will man sich aber auf deutsche Klassiker fokussieren und diese etwas neu interpretieren. Dabei soll der Wolf als Symbol für den Widerstand dienen. Doch er ist nur einprägsames Markenbild, sondern auch eine gewisse Verpflichtung für die jungen „Brauer“ aus Freising. Denn neben der Verwendung von regionalen Bio-Produkten unterstützen sie die hiesigen Wölfe über eine NABU-Wolfs-Patenschaft:

„Ähnlich wie der gute Biergeschmack, wurde auch der Wolf aus weiten Teilen unseres Landes verbannt. Nun kehrt er langsam wieder zurück und wir wollen ihn dabei unterstützen!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Freising
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: sehr schön grasig-hopfig, getreidig-süß, heuartig, ganz leicht muffig
Geschmack: weich, süffig, leicht säuerlich & fruchtig, im Hintergrund grasig-hopfig, wenig Körper, leicht hefiger Abgang
Gesamt: Dieses kaltgehopfte Lager (?) überrascht mit einer gerade für alkoholfreie großen Fruchtnote. In der Nase noch klar hopfenbetont, kommt auf der Zunge die Frucht deutlich raus. Daneben noch ein paar hefig-grasige Nuancen und schon hat man ein unangepasst gutes Alkoholfreies. Auch wenn es insgesamt keine Offenbarung ist, sollte sich die alkoholfreie Konkurrenz vor dieser Brutalität schonmal wappnen. Zusammengenommen 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://wolfscraft.de/wolfscraft/#bier-rudel.

Prost & guten Abend! 🍻

300. 1.000 – DER BRAUTAG

Wie bereits in meiner Neujahrsansprache angekündigt, habe ich mir für mein 1.000 Bier hier auf Bierjubiläum etwas besonderes ausgedacht: Mein erstes selbstgebrautes Bier. Aber es sollte nicht irgendein Bier werden, sondern ganz im Zeichen meiner Bierbotschaft eines reformierten Reinheitsgebots stehen. Auf Basis einer Interpretation eines unfiltrierten Alts, ist es das bislang erste Bier der Welt, das aus allen sieben Hauptgetreidearten gebraut wurde. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse haben alle den Weg in dieses globale und revolutionäre Bier gefunden.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, dieses historische Bier mit den Kölner Bierhistorikern zu brauen, dort ist es aber leider kurzfristig zu Komplikationen gekommen, die einen zeitnahen Brautermin nicht mehr zugelassen haben. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das aber garantiert nachgeholt. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass sich Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge sofort bereit erklärt hat, mir auszuhelfen.

Gemeinsam haben wir uns dann gestern an dieses einzigartige Brauexperiment gewagt, von dem wir sogar beide noch einiges lernen konnten. Schließlich ist das Brauen mit anderen Getreiden als Gerste und Weizen selbst für Profis eine Herausforderung, da man sehr auf Mengenzusammensetzung und Verarbeitungsform des Getreides achten muss. Da ein solches Bier eben wissentlich noch nie gebraut wurde und wir deshalb auch auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, entschieden wir uns zunächst für eine zurückhaltendere Beimengung der „anderen“ Getreiden. Etwa im Verhältnis 70% Malze zu 30% weitere Getreide kamen so diese Zutaten in den Bottich:

Münchner Malz, Pale Ale Malz, Weizenmalz hell, Röstgerste, Roggenrohfrucht, Haferflocken Großblatt, Reisvollkornflocken, Hirseflocken gold, Cornflakes ungesüßt

Besonders die Verwendung von Getreideflocken ist empfehlenswert, da diese bereits erhitzt und somit aufgeschlossen wurden. Die Röstgerste – eine besonders hochtemperiert gedarrte Form der Gerstenrohfrucht – dient vor allem der Bierfarbbildung.

Hier nun der Brauprozess kurz zusammengefasst:

  • Schroten:

Zunächst einmal ging es ans Schroten. Dabei wird das Malz derart zerkleinert, dass das Lösen der darin enthaltenen Stoffe beim Maischen erleichtert wird.

Und so sah dann das Gesamtkunstwerk der Schüttung aus.

  • Maischen:

Maischen ist das Lösen von Malzinhaltsstoffen in Wasser durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Dabei wird die Schüttung je nach Brauverfahren entweder auf verschiedene Rasten oder per Kombi-Rast mit etwa 67°C warmen Wasser aufbereitet. Da die meisten Malze heutzutage bereits sehr gut vorbehandelt sind ist ein Stufenrastverfahren praktisch nicht mehr notwendig. Daher haben auch wir uns für die einfachere Kombi-Rast entschieden, die etwa eine Stunde gehalten wird.

  • Läutern:

Ist das Maischen nach positiver Iod-Probe beendet, müssen nun die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Ersteres – nun Bierwürze genannt – wird dabei u.a. mithilfe der Spelzen der Malze und einer Siebtechnik von letzteren – dem Treber – separiert umgefüllt. Dabei wird auch etwa die Menge Wasser die bereits in der Maische in Lösung getreten ist nochmals durch den Treber geführt um am Ende die entsprechende Stammwürze zu erhalten. Würze und Treber habe ich dann übrigens später zur Weiterverarbeitung mit nach Hause nehmen können (denn damit lässt sich wunderbar Brot backen).

  • Würzekochen (mit Hopfengabe):

Ist das Läutern beendet, kann die Bierwürze nun auf Temperatur gebracht werden. Dabei wird diese nochmals etwa eine Stunde bei über 80°C erhitzt. Im Rahmen dieses Schrittes erfolgt auch die Gabe des Hopfens. Für die erste Hopfengabe hatten wir uns für den Hallertauer Tradition entschieden. Kurz vor dem Ende des Kochens kam dann noch die Hallertauer Perle hinzu. Beides Hopfen die nicht dominant und extravagant in ihren späteren Aromen sind, sodass hier klar das Malz im Fokus bleibt.

  • Würzeklärung und Kühlung:

Nachdem der Hopfen ordentlich wirken konnte ging es daran die Würze von den durchs Kochen gelösten Eiweißen und anderen Schwebstoffen zu trennen. Dies macht man durch einen sogenannten Whirlpool, indem man durch kreisende Bewegungen die Masse in eine derartige Rotation bringt, dass sich die ungewollten Stoffe in der Mitte absetzen. Dadurch, dass wir die Hopfenpellets in kleine Säckchen hineingebracht hatten, konnten wir diese ganz einfach wieder rausholen ohne, dass sie beim nun folgenden Abfüllen der Gärbottiche verstopfen könnten. Während des Klärens wird die Würze zugleich schon abgekühlt, um die richtige Temperatur für die Hefebeigabe zu erreichen.

  • Gärung:

Im letzten Schritt wird nun der abgefüllten Bierwürze die angesetzte Hefe zugesetzt und die Bottiche verschlossen. Sozusagen als Experiment im Experiment haben wir in den beiden Bottichen zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Einmal eine universelle Hefe für deutsche obergärige Biere und zum Vergleich eine etwas würzigere Ale-Hefe.

Ohne nun natürlich zu wissen, wie das fertige Bier später schmecken wird, konnten wir festhalten, dass das Brauen mit alternativen Getreiden sehr gut möglich ist und ich Stand jetzt nicht verstehen kann, warum es nicht viel stärker proBiert wird. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Erfahrung und es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Und nun heißt es warten. Schließlich braucht gutes Bier Zeit. In etwa zwei bis vier Wochen sollte die Gärphase aber abgeschlossen sein und es kann abgefüllt werden, wovon ich selbstverständlich wieder berichten werde. Dann verrate ich auch den Namen des Bieres ;).

Vielen Dank auch nochmals an dieser Stelle an Ralf für das Ermöglichen dieses einzigartigen Brauexperiments. Ohne sein Equipment, seine Zutaten, seine Räumlichkeiten und vor allem seiner Erfahrung hätte ich so spontan nie machen können. Auch wenn es noch etwas reifen muss, freue ich mich schon sehr auf mein erstes eigenes Bier.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

299. Brło Naked

Bevor morgen der große (erste) Brautag für das 1.000. Bierjubiläum-Bier beim Braukunst Vorgebirge in Bornheim-Sechtem ansteht, kommt heute erst noch Bier #2 aus dem Segment alkoholfrei.

Es kommt von der 2014 in unserer Hauptstadt gegründeten Kreativbier“brauerei“, deren Name auf den alt-slawischen Ursprung von Berlin zurückgeht. Neben deutschen Klassikern und international bekannten Bierstilen ist Brlo eine der ersten „Craft-Brauereien“, die sich auch auf die alkoholfreie Schiene trauen. Herausgekommen ist dabei ein fahrer- und fastenzeittaugliches sowie tageszeitunabhängiges Pale Ale mit den Hopfensorten Lemondrop, Mandarina Bavaria und Citra. Der Grund für die obigen Gänsefüßchen ist übrigens, dass Brlo (eine Marke der Braukunst Berlin GmbH) nicht in Berlin, sondern beim Brauhaus Hartmannsdorf in der Nähe von Chemnitz produziert wird. Mal schmecken also, ob es gegen meinen Favoriten aus dem letzten Jahr ankommen kann.

„Unser Beweis, dass man auch mit ohne viel Alkohol Spaß haben kann. Selbst die MPU lässt sich so geschmackvoll durchstehen – damit die Polizei dich nicht nackig macht!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: grasig, süßlich, zitrus-fruchtig, Maracuja, Litschi
Geschmack: fruchtig-herb, etwas bitter, grasig-würzig, wenig Köper auch nicht süffig,  hopfiger Abgang
Gesamt: Gerade im Vergleich zum gestrigen Dinkelbier geradezu hopfen-bitter und grasig-herb. Und auch vor ähnlich gelagerten Bieren von Riegele oder Kehrwieder muss sich das Naked nicht verstecken. Meiner Ansicht definitiv empfehlenswert aber an das Riegele reicht es noch nicht heran – dafür ist es mir zu unausbalanciert und zu Citra-dominant. Trotzdem mit 12 Pkt. (2+) ein wirklich leckeres Bier, von dem ich mehr trinken könnte.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brlo.de/bier/brlo-naked/?age-verified=c9ce8f5a89.

Prost & guten Abend! 🍻

298. Riedenburger Dinkel Alkoholfrei

Mit dem heutigen Bier möchte meine kleine Reihe an alkoholfreien Bieren beginnen mit der ich zumindest den Anfang der Fastenzeit verbringen werde. Leider gibt das Sortiment interessanter alkoholfreier Biere, die ich noch nicht behandelt habe, noch nicht genug her, um damit auch sechs Wochen Bierblog zu füllen. Zudem ist mein Vorrat auch noch voll mit alkoholhaltigen Bieren, die nur darauf warten der Welt präsentiert zu werden. Deshalb gibt es in den kommenden Tagen und Wochen nur eine kleine aber feine Auswahl von Fahrerbieren.

Beginnen möchte ich deshalb mit dem Riedenburger, weil ich mich darauf ehrlich gesagt am meisten gefreut habe. Schließlich habe ich bereits im letzten Jahr viele positive Erfahrungen mit der Brauerei gemacht, die zu Recht in meinem TOP 3 2017 gelandet ist. Umso mehr bin ich gespannt, wie auch die alkoholfreie Variante des Urgetreide-Bier Plankenstetter Dinkel mit 50% Dinkelmalz schmeckt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alternatives Getreidebier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2002

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: klar grasig-süßlich, leicht würzig
Geschmack: weich, zart, süffig, kaum Körper, grasig, getreidig, nussig, süß, leicht würziger Abgang
Gesamt: Auch wenn es naturgemäß etwas schwierig ist alkoholhaltige mit alkoholfreien Bieren zu vergleichen, muss man einfach sagen, dass dieses alkoholfreie Dinkel vor diesem Hintergrund echt lecker ist. Sicher nicht vergleichbar mit einem herkömmlichen Lager, aber unfassbar weich und mit einer natürlichen Süße im Geschmack, die das Bier zu einer super Alternative zu anderen alkoholfreien Getränken macht. Auch wenn hier die in Deutschland bestehende Grenze für alkoholfreie Biere bis zum äußersten ausgereizt wurde. Fasst also schon schade, dass bereits nach diesen 0,33l Schluss ist. Meine 13 Pkt. (1-) hat es sich aus meiner Sicht daher redlich verdient.

Weitere Infos zum Bier unter http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-alkoholfreien-vitalgetraenke/dinkel-alkoholfrei.html.

Prost & guten Abend! 🍻

297. Originale der Bierszene – Bierverkostung zur Eule 02/18

Bitburger Premium Pils | Bitburger 0,0 | Marstons Pedigree | Het Nest SchuppenAas | De Dochter van de Korenaar Charbon

Letzte Woche Montag war es endlich wieder mal so weit: Die erste reguläre Bierverkostung am traditionellen Biermontag in der Brühler Eule stand an. Dabei war es eine ganz besondere Verkostung, schließlich haben ein paar Tage zuvor die Renovierungs- und Umbauarbeiten begonnen, die nach dem Auszug der ehemaligen Pächter Kalle und Heidi initiiert wurden. Während dieser Zeit, die Mitte März abgeschlossen sein soll, bleibt die Eule grundsätzlich geschlossen hat aber zu den turnusmäßigen Veranstaltungen geöffnet. Und auch, wenn noch nicht viel an der Oberfläche zu sehen war, hatte man schon ein wenig das Gefühl an einer Baustelle zu sein. Das positive Gefühl über die nun stattfindenden Veränderungen überwogen dabei aber. So wird das Kneipen-Konzept grundlegend erneuert: Es gibt mehr lokale Produkte, wie den Original Brühler Kabänes oder auch dem Sünner-Gin und neben dem großen Thema Biervielfalt wird nun auch der Fokus auf die in Deutschland noch größere Brotvielfalt gelegt. Und so konnten wir uns bereits zur Verkostung auf eine wirklich gute und große Auswahl an leckeren Broten mit (Salz-)Butter freuen. Eine Neuerung, die genau meinem Geschmack entspricht, passen deutsches Brot und Bier doch hervorragend zusammen und ergänzen sich aufgrund ihrer identischen Rohstoffe auch geschmacklich sehr gut. Zudem neu: Anstelle des Reissdorf-Kölsch, wird es zukünftig das meiner Meinung nach viel bessere Mühlen-Kölsch geben. Da ich diesmal ausnahmsweise mal früher vor Ort war, habe ich dann auch gleich mal eines der ersten Mühlen-Kölsch der Eule gesichert.

Da Biersommelier und Eulenbesitzer Markus Weick bislang noch keine Nachfolge für die Verpachtung gefunden hat, wird er die Eule ab März zunächst in Eigenregie weiterführen und nur in den Abendstunden öffnen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Schreckenskammer-Kölsch, von dem ich bereits Anfang des Jahres berichtete.

Persönlicher Eindruck:
mittelkleiner Malcharakter, geringes Hopfenaroma, leichte Bittere, relativ schlanker Körper, matt, weich, süffig, wenig herb

Das Thema des Abends war zunächst etwas undurchsichtig, war doch nur wenigen bewusst, was eigentlich unter einem Original der Bierszene zu verstehen ist. Umso interessanter waren dann die Beispiele, die Markus präsentierte, die ihn zu diesem Thema inspirierten: Familie Sitter vom Bier- und Wohlfühlhotel Gut Riedeslbach in Bayrischen Wald, Karl Zuser vom Biergasthof Riedberg aus dem österreichischen Innviertel oder der Bierpapst Conrad Seidl, der sein Geld (im Gegensatz zu mir) mit dem Schreiben über Bier verdient.

Ein weiteres Original der Bierszene- zumindest wenn es nach dem Magazin Bier, Bars & Brauer geht, kommt sogar nächsten Monat in die Eule und stellt seine Biere vor: Fritz Wülfing von Ale-Mania.

Weitere Originale der Bierszene, die in dieser Reihe noch genannt werden sollten sind: der erste Biersommelier Weltmeister Karl Schiffner aus dem österreichischen Großmühltal zwischen Deutschland und Tschechien, das Brauer-, Sommelier- und Bierbotschafter-Ehepaar Wächtler von bierbegeisterung.de, die kunterbunte Marke Mikkeller aus Dänemark sowie natürlich Sebastian Sauer mit Freigeist Bierkultur, an dem sich inzwischen selbst die Experten scheiden, ob er ein kreatives Genie oder nur ein Marketing-Verführer ist.

Ein weiteres Original ist zweifelsohne Michael Jackson. Doch es ist nicht die Rede von der weltberühmten verstorbenen Popmusik-Legende, sondern vom einem der größten Pioniere der Bierschreiberlinge. Der Beerhunter war einer der ersten die Ende der 1970er, die mit dem World Guide to Beer das Tor zur bis heute andauernden Craftbeer-Welle aufriss. Während die USA damals noch im Einheitsbrei des Light-Lagers unterging, beschrieb er in seinem Werk wie Bier überhaupt entsteht, welche Marken und Stile es weltweit gibt und wie man Bier bewusst auswählt und verkostet. Etwas das heute zum Glück nicht nur in Expertenkreisen zum Basiswissen gehört, war damals eine Revolution des Umgangs mit dem Thema Bier, das seitdem einen kontinuierlichen Bedeutungsgewinn erfährt.

Die Biere des Abends waren demgegenüber etwas weniger spektakulär, standen aber auch ganz im Zeichen des neuen Eulen-Konzepts. So machte ein eher ungewöhnliches Bier den Anfang: Das Fernseh-Bier Bitburger. Auch wenn man berücksichtig, dass Bitburger immer noch eine Privatbrauerei ist, gehört die Marke doch zu den größten Brauereien Deutschlands und ist sicher kein Geheimtipp im Rahmen einer Verkostung. Nichtsdestotrotz ist es sicher ein nachvollziehbarer Schritt das Pils als Stammbier beizubehalten, kommt es doch aus der benachbarten Eifel. Der berühmte Siegelhopfen befindet sich übrigens nur zu 5% in jeden Bit.

Persönlicher Eindruck:
– fruchtig, herb, feinperlig, hopfig
– typisch Bit, mild hopfig-herb, matt, weich, trockener Abgang

Direkt im Anschluss folgte die Vergleichsverkostung der alkoholfreien Variante des Bitburger Pils, das meines Erachtens im Mittelfeld der Alkoholfreien liegt:

Persönlicher Eindruck:
– sehr mild, süßlich, malzig
– getreidig-süß, süffig, malzig, weich, süßer Abgang

Im Anschluss ging es zu einem wahren Bieroriginal: das Urquell aus Pilsen. Auch wenn ich es bislang schon desöfteren im Rahmen meiner Biertätigkeit proBieren durfte, verliert es nicht an Reiz. So ist es nicht nur Begründer des Bierstils Pils(ner), sondern hat bis heute eine eigene Mälzerei und braut im selteneren Dreimaischverfahren. Eine weitere Besonderheit vom Pilsner Urquell sind die parallelen Brauprozesse. So wird das Bier für den Weltmarkt im eher industriellen Großbrauerei-Ambiente hergestellt, während man zeitgleich stets auch nach dem altherbrachten handwerklichen Brauverfahren und dem historischen Hefestrang von 1842 das Original der Originale nachbraut. Das hat zum Einen natürlich einen gewissen Traditions- und Retrohintergrund, dient aber der Qualitätssicherung des großindustriellen Urquells.

Persönlicher Eindruck:
– butterig, mild, süßlich
– bitterer, herb, malzig, süß, butteriger Abgang

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann aus England. Ähnlich wie das Urquell kann das Marston’s Pedigree der Burton Union mit einem außergewöhnlichen Brauverfahren aufwarten. Das sogenannte „Burton Union System“, ist ein Fermentationssystem, bei dem Bier in einer Reihe miteinander verbundener Fässer vergärt. In jedem Fass befindet sich ein Ablassrohr, das den Gärungsschaum zurück in die Rinne führt. Die Rinnen sind geöffnet, sodass die offene Gärung die Raumluft mit einem einzigartigen Vergärungsgeruch prägt. Die Hefe ist ihre eigene und wurde in diesem System von Fässern kontinuierlich in über hundert Jahren erhalten. DAS heutige englische Ale hat jedoch zuletzt auch eine kleine Wandlung vollzogen. Nannte es sich noch bis vor Kurzem Pale Ale, wird es nun als Amber Ale geführt. Das hatte wohl den Hintergrund, dass das Bier einfach zu dunkel für die heutige Interpretation des Bierstils geworden ist. Konsequenterweise hat man das Bier dann gleich mit verdunkelt.

Persönlicher Eindruck:
– mild, süßlich, blumig, frisch
– würzig, malzig, leicht röstig & bittersüß

Gesamtfazit:
Meine persönliche Gesamtwertung der „offiziellen“ Februar-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

 

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialitäten aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– sauer, fruchtig, frisch
– wenig säuerlich, malzig, matt, dumpf, bitter, röstig-trocken-malziger Abgang

  • De Dochter van de Korenaar Charbon:
    – 7%; obergärig
    – Smoked-Vanilla-Stout von der 2007 gegründeten Handwerksbrauerei aus der belgisch-niederländischen Exklaven-Enklaven-Stadt Barle-Hertog/Nassau
    – gebraut mit Vanille-Bohnen aus Madagascar und Réunion
    http://www.dedochtervandekorenaar.be/#vastebierenCntr

Persönlicher Eindruck:
– stoutig, süßlich-vanillig, röstig
– weich, leicht vanillig, würzig, röstig, etwas bitter, vollmundig, herber Abgang

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg bei den Renovierungsarbeiten und bei der Suche nach einem geeignetem neuen Pächter.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen und auf die Wiedereröffnung der Eule – von der ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

296. Liefmans Goudenband

Nach gut verlebten Karnevalswochenende mit der ganzen Familie und allem, was der rheinische Karneval zu bieten hat, wird es heute für mich das letzte Bier mit (viel) Alkohol geben. Zumindest für die kommenden knapp 2 Wochen – dann geht es zum großen Discount-Craftbeer-Tasting nach Osnabrück.

Passig zu den zuletzt vorgestellten niederländischen Bieren, kommt das heutige Bier aus der gleichsprachigen Region Flamen. Genauer gesagt liegt die belgische Familienbrauerei Liefmans genau an der Schelde, einem der größten Flüsse des Landes. Trotz oder wegen der bereits über 300-jährigen Geschichte der Brauerei lässt sich mehr genau rekonstruieren, seit wann der Goudenband gebraut wird. Es muss aber schon etwas länger her sein, da das Bier zuerst IJzerenband genannt wurde – nach den Eisenbändern um die Bierfässer. Das Besondere am heutigen Goudenband ist die Vermischung von sauren und braunen Bieren unterschiedlicher Fermentationstufe. Dabei kommen ein- bis vierjährige Holzfassbiere zum Einsatz, denen auch nach Flaschenabfüllung eine längere Lagerzeit empfohlen wird. Mein heutiges Bier wurde 2015 abgefüllt, aber man soll es locker auch zehn weitere Jahre lagern können, so ist das MHD auf November 2025 datiert. Eine weitere Besonderheit der Brauerei (neben der recht einzigartigen Blend-Technik) ist der Umstand, dass man jahrelang die einzige Braumeisterin des ganzen Landes in seinen Reihen hatte, welche in ihrer über 40-jährigen Tätigkeit maßgeblich an der Entwicklung der heutigen Biere beteiligt war. Offensichtlich ist ihr das ziemlich gut gelungen, schließlich konnte der Goudenband von 2012-14 gleich dreimal infolge die Goldmedaille bei der Brüsseler Beer-Challenge gewinnen.

“Beer has a soul. Good beer tastes ever so slightly mauve. Bad beer tastes blue.“ – Rosa Merckx

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Sauer-Braun-Bier-Blend
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Oudenaarde / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
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Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: fruchtig-sauer, malzig-holzig, leicht röstig, nach Apfel & dunklen Beeren
Geschmack: erfrischend, sehr fruchtig, leicht säuerlich, im Hintergrund malzig & würzig, leicht bitter, nicht alkoholaromatisch, mittlerer Körper, eher süffig, sauerfruchtiger Abgang
Gesamt: Welch ein interessantes Bier. In der Nase ein gleichwertiger Mix aus säuerlichen Fruchtaromen und holzigen Malznoten. Im Mund dann ein Übergewicht an den fruchtigen Nuancen, wo sich das Malz überraschenderweise sehr im Hintergrund hält. Schade eigentlich, gerne hätte ich ein ähnliches Verhältnis auch auf der Zunge spüren wollen. Zudem etwas störend sind die leichten Bitternoten, die immer wieder aufkommen. Das wirklich erstaunliche ist jedoch, dass man vor lauter erfrischender Fruchtigkeit praktisch nicht merkt, dass es sich hier um 8% Alkohol handelt. Für Sauerbierfans wahrlich ein Genuss, für mich einfach zu fruchtig-sauer und auch zu unausgeglichen. Deshalb auch heute wieder keine Bestnote: 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter http://www.liefmans.be/en/craft-blends.

Prost & guten Abend! 🍻

295. Zundert Trappist

Mitten im Karnevalsfieber mache ich eine kurze jecke Auszeit und widme mich heute wieder einmal einem besonderen Bier. Es kommt nach 125 Jahren aus der erst zweiten Trappistenbrauerei, das in den Niederlanden eröffnet wurde. Um die vorletzte Jahrhundertwende gründete sich in Zundert/Brabant die Trappistenabtei Maria Toevlucht. Doch es sollte über 100 Jahre dauern bis die Mönche auch ihr erste Bier brauten. 2011 entschied der aktuelle Abt, die bis dato noch bestehende Rinderfarm zu schließen und dort eine neue Brauerei zu eröffnen. Nach umfangreichen Umbauarbeiten und ersten Brauversuchen, konnte 2013 dann dort das erste Trappistenbier der Niederlande nach La Trappe auf den Markt gebracht werden. Neben Hopfen werden in diesem Tripel auch traditionelle Kräuter verwendet.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Tripel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Zucker, Kräuter, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Klein Zundert / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: leicht metallisch, säuerlich, holzig, karamell-malzig
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, weich, kaum bitter, karamell-Süße, wenig würzig, leicht grasig, malzig-süßer Abgang
Gesamt: Ein nicht nur besonderes, sondern auch gutes Bier. Auch wenn der visuelle und olfaktorische Eindruck noch nicht darauf hindeuten, entfaltet sich auf der Zunge ein tolles malzig-süßes Bieraroma, das vor allem für Freunde der belgischen Bierkunst sehr schmackhaft ist. Für alle anderen ist die Süße, die niemals penetrant wirkt, wohl aber noch etwas gewöhnungsbedürftig. Für mich zusammen genommen 11,5 Pkt (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.abdijmariatoevlucht.nl/en/portfolio/brewery/.

Prost & guten Abend! 🍻

294. Hertog Jan Grand Prestige (2017)

Als letztes Bier aus meinem Limburg-Kurzurlaub geht das Grand Prestige aus dem Hause Hertog Jan ins Rennen. Es entstammt der 1905 in Brabant eröffneten Arcense Stoombierbrouwerij de Vriendenkring – eine der wenigen Brauereien des Landes die eine Dampfmaschine besaßen. Über die Umwege Bierbrouwerij de Drie Hoefijzers aus Breda (1949) und Allied Breweries Limited (1996) wurde die Brauerei 1992 Teil der Verenigde Bierbrouwerijen Breda-Rotterdam/Allied Breweries Nederland. Kurz darauf wurde diese dann von der Oranjeboom Bierbrouwerij geschluckt ehe auch diese ihre Unabhängigkeit an die Interbrew Nederland (einem Teil des heutigen AB Inbev-Konzerns) verlor. Während all dieser turbulenten Zeiten konnte sich die Marke Hertog Jan stets stabil halten und ist heute eine der bekanntesten niederländischen Biermarken. Folgerichtig wurde die Brauerei noch vor der Jahrtausendwende in die Hertog-Jan Brouwerij umbenannt. Das Grand Prestige ist der selbsternannte Kronjuwel der Brauerei und überrascht mit einer sehr ungewöhnlichen Zutatenliste. Denn neben Gerstenmalz wurde auch Weizenmehl, Zucker und Karamell eingesetzt. Während zweites zur besseren Verzuckerung und somit für einen höheren Alkoholgehalt eingesetzt und letzteres zur Färbung verwendet wurde, erschließt sich mir das Mehl nicht (mal ganz davon abgesehen, dass auch die anderen beiden bei entsprechendem Brau-Know-How nicht erforderlich sind). Der Barley-Wine (oder Quadruppel) geht auf Johann I. zurück, der als einer der erfolgreichsten Herzöge von Brabant und Limburg in die Geschichte einging, und konnte den World Beer Cup 2014 in Gold für sich gewinnen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Barley-Wine/Quadruppel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizenmehl, Zucker, Karamell, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10%
Herkunft. . . . . . . . . . . Arcen / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
1905

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: würzig, alkoholaromatisch, dunkel-malzig, karamellig, leicht bitter
Geschmack: vollmundig, matt,  leicht getreidig, klar malzig, weniger süßlich-karamellig, leicht bitter, unterschwellig alkoholaromatisch, trocken-dumpf-süßer & warmer Abgang
Gesamt: Trotz (oder gerade wegen) der bieruntypischen Zutaten ein gar nicht mal so schlechtes niederländisches Starkbier. Die Bezeichnung Kronjuwel ist zwar meines Erachtens etwas zu hoch gegriffen, aber mit einer Mischung aus karamellig-süßem Geruch und eher würzig-dunkel-malzigem Geschmack bei vollem Körper kann das Grand Prestige durchaus überzeugen. Für meinen Gaumen aber zu unausgewogen und etwas zu bitter und zu wenig malz-süß – auch eine gewisse Tiefe vermisse ich. Inklusive Zutaten-Malus ergibt das in Summe dann nur noch 9,5 Pkt. (3++).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.hertogjan.nl/bieren/grand-prestige/.

Prost & guten Abend! 🍻

293. Brand Dubbelbock

Nach dem Herfstbock am Mittwoch, heute erneut ein Bockbier, das eigentlich für die zurückliegende Jahreszeit gebraut wurde. Aber da sich der niederrheinische Winter oft ja nur in Nuancen vom Herbst unterscheidet, erlaube ich mir auch diesen Herbstbock heute zu proBieren.

War der Herftsbock noch ein klassischer Bock, handelt es sich heute um einen Doppelbock. Das bedeutet vor allem wenigstens ein Prozent mehr Alkohol, aber sollte auch einen tieferen und volleren Charakter mir sich bringen. Gebraut wurde der heutige Dubbelbock von Brandt aus Limburg. Während die dortige Braukunst bis ins Jahr 1340 nachweisbar ist, trägt die Brauerei ihren heutigen Namen seit 1871. Brand war eine der ersten Brauereien, die in den Niederlanden Anfang des 20. Jahrhunderts Pils brauten und durften sich seit 1961 Königlicher Hoflieferant nennen. Nach Übernahme der Brauerei durch die Heineken-Gruppe im Jahre 1989 konnte diese drei Jahre später auch dieses Prädikat übernehmen.

„‚Dubbelbock, met een warm karakter voor tijdens de gure herfstmaanden.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Doppel-Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  18°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wijlre / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
1902

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: leicht metallisch, sehr karamellig, holzig-grasig, ölig-süß
Geschmack: mittelgroßer Körper, würzig, karamellig süß, malzige Bitterkeit, recht spritzig, leicht ölig, bittersüßer Abgang
Gesamt: Alles in allem bin ich etwas enttäuscht vom Brand’schen Dubbelbock. Nicht, dass ich grundsätzlich hohe Erwartungen an ein Heineken-Bier hätte, aber das Pilsener desselben Hauses hatte mich jenseits der Grenze doch überzeugen können. Das hatte meine Hoffnung genährt, dass auch der Dubbelbock von ähnlicher Qualität ist. Doch leider fehlt dem Bier eine klare Linie. Es ist unausgewogen, zu stark würzig und bitter und zu wenig süß. Auch der Nachhall des Bieres ermuntert nicht gerade dazu noch viel mehr davon zu trinken. Gleichwohl ist es kein wirklich schlechtes Bier, aber mit 8,5 Pkt. (3(+)) eben nur Mittelmaß.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brand.nl/onze-bieren/dubbelbock.

Prost & guten Abend! 🍻