330. Back- & Brauhaus Brinker 500 Jahre Utopia

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Endspurt um die Feierlichkeiten des diesjährigen Bierjubiläums einläuten. Es ist gleichzeitig auch das letzte in meiner (meist leckeren) Bäckereibier-Reihe.

Clemens Brinker – offensichtlich nicht nur Brot- und Bierexperte – widmet das heutige Bier dem Roman Utopia (griechisch für ‚Nicht-Örtlichkeit‘) von Thomas Morus. Denn dieses ist – wie es der Zufall will – wie das heute sogenannte „Reinheitsgebot“ ebenfalls im Jahre 1516 zuerst (auf Betreiben von Erasmus von Rotterdam im belgischen Löwen) veröffentlich worden. In dem heute weltweit bekannten Werk beschreibt Morus eine ferne ideale Gesellschaft und begründet damit das Genre der Sozialutopie. In De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia – Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia (wie der volle Titel des Romans eigentlich lautet) wird das Leben in patriarchischen Familienverbänden geschildert. Überfamiliär ist das Leben eher klosterähnlich organisiert und von einem jährlich gewählten Phylarch geführt. Es gibt kein Privateigentum und somit auch kein Geldsystem. Dafür besteht Arbeitspflicht, wobei sich jeder Bürger nach der Pflichtschule sein Handwerk selbst aussuchen darf – lediglich eine regelmäßige Feldarbeit ist obligatorisch. Nur Straftätern oder anderen Verbrechern ist Zwangsarbeit vorbehalten. Zudem gibt es auch eine Art Krankenversicherung. In der säkularen Republik Utopia wird der regierende Senat auf Zeit gewählt, während das Staatsoberhaupt auf Lebenszeit vom Volk bestimmt wird, aber auch wieder abgesetzt werden kann. Etwas naiv wirkt nur die Lösung hinsichtlich variierender Bevölkerungsmengen. So solle Überbevölkerung durch Aussiedlung in Kolonien begegnet werden, woraus man sich bei Unterbevölkerung wieder bedienen könne. Alles in allen zwar in einigen Punkten zwar kaum mit dieser unserer Welt vereinbar, aber trotzdem doch sehr fortschrittlich. Im 16. Jahrhundert im westlichen Europa wohl noch revolutionär, wirken die Beschreibungen heute fast wie eine Zustandsbeschreibung unserer aktuellen Gesellschaft (sieht man mal von der heute als kommunistisch charakterisierten Themen Privateigentum oder Geldsystem ab). Ich selbst habe Utopia im Philosophie-Unterricht durchgenommen und weiß deshalb um dessen Bedeutung vor allem für die Sozialutopie.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/28/Insel_Utopia.png/800px-Insel_Utopia.png

Auch die heutige bierige Interpretation des Weltromans ist auf den Spuren des Thomas Morus unterwegs. So ist die Hommage kein Allerwelts-Bier, sondern mit Holunderbeeren, Kräutern und Gewürzen wohl ein typisches Kreativbier des damaligen Westeuropas. Im Gegensatz zum gestrigen ähnlich gebrauten Grutbier, enthält es aber diesmal keinen Hopfen. Ein einmaliges Bier für einmalige Ereignisse.

„500 Jahre Utopia – 500 Jahre Reinheitsgebot“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Holunderbeeren (getrocknet), Gewürze, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: süß-säuerlich fruchtig, kräuterig, dunkelmalzig, schokoladig
Geschmack: frisch, feinperlig, schlanker Körper, fruchtig, kräuterig, leicht trocken-bitterer Abgang
Gesamt: Wahrlich ein interessantes Bier. Auch wenn es geschmacklich für mein Befinden kein absoluter Volltreffer ist, ist es dennoch ziemlich einmalig. Sowohl Frucht als auch Kräuter sind hier im Vordergrund und werden spannenderweise von etwas Schokolade in der Nase begleitet. Sicher etwas Besonderes für ein besonderes Ereignis. In Zahlen bedeutet das 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

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