Archiv für den Monat: Juli 2018

381. Dorada Especial Selección de Trigo

Auf das heutige Bier habe ich mich im Rahmen meiner Bierweltreise zugegebenermaßen am meisten gefreut. Nach dem gestrigen Lager aus La Palma, brauchen wir auch gar nicht weit zu reisen, denn wir bleiben auf den Kanaren. Von der Isla Verde hüpfen wir nur auf die flächenmäßig größte Insel der Kanaren: Teneriffa. Mit fast 1 Mio. Einwohner ist es auch die bevölkerungsreichste Insel Spaniens. Neben diesem Superlativ beherbergt Teneriffa mit dem 3718 Meter hohen Pico del Teide auch den höchsten Berg der spanischen Krone. Leider ist Teneriffa aber auch Ort eines weitaus tragischeren und traurigeren Rekords. 1977 prallten auf dem Flughafen Los Rodes zwei Boeings von KLM und Pan Am, die beide einen ungeplanten Zwischenstop auf Teneriffa einlegen mussten, auf der Start- und Landebahn zusammen, was für fast 600 Menschen der Tod bedeutete. Damit ist die Flugzeugkatastrophe von Teneriffa die schwerste in der Geschichte der zivilen Luftfahrt, die keinen terroristischen Hintergrund hat.

Die in der Hauptstadt der Insel ansässige Compañía Cervecera de Canarias (Cercasa) gehört zu den größten Brauereien der Kanaren und ist Teil des Globalgiganten ABInBev. Neben diversen Marken aus der größten Braugruppe der Welt braut die CCC auch unter der Marke Dorada recht authentische kanarische Biere. Das wohl Besonderste davon hat mir ebenfalls Nils von seinem Kanaren-Aufenthalt mitgebracht. Das Especial Selección de Trigo soll grundsätzlich ein Hefeweizen deutscher Gattung sein, enthält jedoch etwas ur-kanarisches: Gofio. Hierbei handelt es sich um Mehl aus geröstetem Getreide. Während zu Zeiten der Guanchen (die Ureinwohner der Kanaren) noch hauptsächlich Gerste hierfür Verwendung fand, ist es heutzutage zum größten Teil Mais. Aber auch jedes andere Getreide sowie auch Hülsenfruchte werden grundsätzlich eingesetzt. Wenn es nicht gerade ausnahmsweise im Bier landet, wird Gofio als Stärkequelle für herzhafte oder süße Speisen genutzt. Gerade in Zeiten einer noch autakeren Versorgung der atlantischen Inselgruppe, konnte hierüber der Bedarf an vielen Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen gesichert werden. Im heutigen Bier ist sog. Gofio de Trigo zu finden – also Gofio aus Weizen. Während der/die/das Gofio aus allen anderen Getreiden aus heimischen Anbau stammt, wird für Gofio de Trigo leider auf Importware aus Frankreich zurückgegriffen. Offensichtlich vertraut ABInBev seinen Vertriebs- und Logistikpartnern mehr als der lokalen Landwirtschaft. Schade.

Dennoch bin ich extrem gespannt wie dieses Bierexperiment bei mir als Getreidefan(atiker) ankommt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hefeweizen
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gofio de Trigo, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Santa Cruz de Teneriffe / Kanaren / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
[1948]

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr hefig-bananig, nussig, leicht angeröstet, etwas harzig, spritzig
Geschmack: cremig, mittelgroßer Körper, getreidig, würzig, malzig, fruchtig-bananig, spritzig, süßlich-mehliger Abgang
Gesamt: Auch wenn es mir schwer fällt, aber das ABInBev-Bier ist das bislang beste auf meiner kleinen Bierweltreise. Der/die/das Gofio de Trigo sorgt für einen höchst interessanten Geschmackseindruck. Zugleich erinnert es trotzdem noch stark genug an ein Hefeweizen, womit die Stilkonformität gegeben ist. Dieses inspirierende und innovative kanarische Bier verdient deshalb trotz industriellen Hintergrund 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.ccc.es/cervecera/en/node/111https://verano.dorada.es/ sowie auch unter http://cerveceradecanarias.com/dorada-especial-potencia-su-sabor-canario/ & http://bodegacanaria.es/una-nueva-dorada-la-mejor-seleccion-gofio-trigo.

Prost & guten Abend! ?

380. Gara Princesa del Agua

Zum Höhepunkt meiner bierigen Weltreise bleibe ich politisch gesehen in Europa fliege aber auf den afrikanischen Kontinent. Das Ziel: La Palma. Die nordwestlichste der Kanarischen Inseln gehört zu den jüngeren und ist die am meisten bewaldete Insel der Inselgruppe am nordwestlichen Rand der afrikanischen Kontinentalplatte. La Isla de San Miguel de La Palma wird deshalb auch Isla Verde genannt. In der Antike wurde sie erstmals von den Ureinwohnern – den Guanchen – besiedelt. Die vermutlichen Berber aus Nordafrika etablierten eine bis heute in Teilen erhaltenen Kultur. Über die Jahrhundert der Besiedelung verließen sie jedoch nie das Steinzeitalter und waren so im 15. Jahrundert den ankommenden Spaniern, Franzosen und Portugiesen technologisch völlig unterlegen. Dennoch konnten sie die Insel nahezu 100 Jahre vor einer Eroberung der Europäer schützen. Im Jahr der Erkundung Amerikas durch Kolumbus wurde La Palma offiziell der spanischen Krone zugeschlagen und fortan Teil des Königreichs. Wie in den meisten Ländern, die die Spanier eroberten wurden auch hier viele der Ureinwohner ermordet. Man geht davon aus, dass nur rund 300 Familien überlebten. Dank eines vergleichsweise zurückhaltenden Tourismus sind jedoch zum Glück größere Teile der Insel noch historisch erhalten. Nach Jahrzehnten der Kolonialisierung erreichten die Kanaren sukzessive immer mehr Autonomie, sodass man sich seit 1984 offiziell Autonome Region nennen darf und von den entsprechenden Privilegien profitieren kann. Wirtschaftlich sind neben dem Tourismus die Land- und Forstwirtschaft wichtige Einnahmequellen der Bevölkerung.

Als kleinere von zwei Brauereien der Insel greift die Cervezera Artesana de la Isla Bonita die Kultur der Guanchen auf und hat mit der Gara ein Lager gebraut, dass auf eine uralte Mythologie der Ureinwohner zurückgeht. Die Geschichte handelt von zwei junger Ureinwohner, die zusammen im Alto de Garajonay auf der Insel La Gomera Selbstmord begehen. Hauptakteure sind Gara – die Prinzessin von La Gomera und Jonay-or Ajonay – Prinz von Teneriffa. Dieser schwamm laut Überlieferung nach Gomera um ihr den Hof zu machen. Nachdem diese jedoch zweimal ablehnte wurde er ihr gegenüber gewalttätig. Ein Hirte sah die Szene und benachrichtigt den Rest des Gara-Clans, der Jonay gefangen nimmt und ihn zu Tode verurteilt. Am nächsten Morgen befreit Gara Jonay und sie fliehen.  Bevor sie gefangen genommen werden, begehen sie schließlich Selbstmord, indem sie ihre Herzen mit Holzpfeilen durchbohren.

Ob denn nun das Bier, was mir dankenswerterweise Nils aus seinem Aufenthalt vor Ort mitbrachte, ebenso legendär ist, erfahrt Ihr nach einem kurzen Datenblock.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Los Llanos / La Palma / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
2012

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: leicht fruchtig, etwas säuerlich, hellmalzig, leicht süßlich, grasig, etwas getreidig
Geschmack: süffig, leicht würzig, malzig, grasig, leichte Säure, feinperlig, süß-herber Abgang
Gesamt: Es ist immer schwierig ein Bier zu verkosten, dass einen langen Reiseweg hinter sich hat und dabei nicht wirklich eine geschlossene Kühlkette gewährleistet wurde. Vermutlich ist das Bier aber auch ohne diese mildernen Umstände keine Offenbarung. Interessant sind die grasig-säuerlichen Noten, die von einer ganz dezenten Karamellsüße begleitet werden. Und besonders macht das Bier vor allem die Verwendung von Wasser aus La Palma. Als handwerkliches lokales Kanaren-Bier eine wahre Rarität und prägend für die kanarische Bierkultur. Für meinen Geschmack aber leider kein herausragendes Highlight – deshalb nur 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://cervezagara.es/productos/ sowie auch unter http://diariodeunamujeractual.blogspot.com/2013/09/gara-una-cerveza-artesanal-de-la-palma.html.

Prost & guten Abend! ?

379. Thwaites Crafty Dan 13 Guns

Für meinen zweiten Stop in Europa geht es auf die britische Insel. Ziel ist eine der vier großen Biernationen: England. Nachdem nach der letzten großen Eiszeit vor etwa 8500 Jahren der Meeresspiegel anstieg und die britischen Inseln entstehen ließ, durchlebte das Land eine bewegte und prominente Geschichte. Unter dem wechselnden Einfluss von Römern, Schotten, Wikingern und Angelsachsen, die dem Land schließlich seinen heutigen Namen (Land der Angeln) gaben, entwickelt sich England als bedeutendster Teil der Vereinigten Königreichs zum globalen Player und spätestens in der Neuzeit für führenden Weltmacht, dessen Empire in seiner größten Ausdehnung ein Viertel der Weltbevölkerung beinhaltete. Deshalb und wohl auch aufgrund der knappen Entscheidung bei Gründung der USA ist es zu verdanken, dass Englisch bis heute Weltsprache ist. Neben dem Linksverkehr ist auch die anglikanische Kirche eine der wichtigsten Besonderheiten des Landes. Auch wenn es nach Dekolonialisierung und Deindustrialisierung heutzutage nicht mehr jene Ausdehnung, Einfluss und Bedeutung hat, ist England nicht nur in Europa immer noch ein wichtiger Partner (u.a. als transatlantischer Brückenbilder), dessen Königshaus immer noch einen royalen Glamour zu versprühen vermag. Einen Paukenschlag gab es letztes Jahr mit dem Brexit-Votum, das u.a. auf den Finanzmärkten für einige Unsicherheiten gesorgt hatte.

In bieriger Hinsicht zählt es neben Deutschland, Belgien und Tschechien zu den historischen Kernländern der Bierentwicklung. Bis heute hat es eine größere Brauereidichte als Deutschland. Und auch in Sachen Geselligkeit ist man uns noch weit voraus: Etwa die Hälfte des englischen Bieres wird noch in den berühmten Pubs getrunken – zum Vergleich: in Deutschland werden nur noch ca. 20% des Bieres in der Gastronomie ausgeschenkt. Aufgrund der imperialen Ausdehnung konnte England auch seine Bierkultur rund um den Globus etablieren, sodass sich von den USA bis Australien Ales verschiedenster Varianten großer Beliebtheit erfreuen. Nachdem sich die englischen Bierstile nur kaum in Zentraleuropa haben durchsetzen können, wurden diese im Rahmen der sog. Craftbeer-Welle auch dort in den Markt gespült. Alles weitere zum Thema Bier in England könnt ihr auch meinem Bericht zur Eulen-Verkostung entnehmen.

Aufgrund des glücklichen Umstandes, dass ich das heutige Bier zweimal in meinen monatlichen Beertasting.Club-Boxen hatte, kann ich es nochmals einzeln rezensieren, nachdem ich es ja schon im Rahmen meines Discount-Craft-Bier-Tests proBiert hatte. Gebraut wird es von der 1807 enstandenen Thwaites Brewery aus Blackburn. Das Besondere an der Brauerei ist die Haltung von Shire-Horses, die bis heute das Bier an die lokalen Pubs ausliefern. Das Besondere am IPA ist die zusätzliche Verwendung von Roggen. Gewidmet ist es den 13 Gründerstaaten der USA, weshalb es auch als American IPA mit einer akzentuierteren Hopfennote gebraut wurde.

„A Salute to the original 13 States of America“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Blackburn / England
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: süßliche Würze, leichtes Karamell, buttrig, weich, etwas spritzig, unterschwellig Zitrus
Geschmack: mittlerer Körper, hopfig-herb, würzig, waldig, leicht säuerlich-fruchtig, etwas getreidig,  lasch, würzig-weicher Abgang
Gesamt: Welch ein Auf und Ab. Ähnlich turbulent wie die Geschichte Englands und der USA geht es hier in den Kategorien hoch und runter. Gerade der nasale Eindruck, hatte echt Hoffnung auch ein wirklich gutes Bier gemacht, die aber leider am Gaumen nicht erfüllt werden konnten. Wenig ist zu spüren vom charakteristischen Hopfen und auch der Roggen kommt noch etwas zu gering durch. Für ein IPA einfach zu würzig und vor allem auch zu lasch. Deshalb gibts in Summe nicht mehr als 9 Pkt (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.thwaites.co.uk/brewery-and-our-beers/.

Prost & guten Abend! ?

378. Pravda Trump

Aus Asien geht es nun auf meiner kleinen Bierweltreise zum alten Kontinent Europa. Heutiger Halt: Ukraine. Das größte Land Europas (sieht man von Russland ab, dass ja zum größten Teil in Asien liegt) ist Heimat von gut 40 Mio. Menschen. Zurück geht der heutige Staat auf die sog. Kiewer Rus, die sich in der Neuzeit im heutigen Staatsgebiet ansiedelten und dort erstmals eine nationale Identität entwickelten. In der Folge wurde das Land Spielball verschiedenster Herrscher. So wechselten Staatszugehörigkeiten und Grenzen über die Jahrhunderte bis zum Ersten Weltkrieg munter zwischen Habsburger, Polen, Litauen, Österreich-Ungarn und nicht zuletzt Russland hin und her. Gerade letztere haben seit jeher vor allem aufgrund der benachbarten Lage einen großen Einfluss auf die ukrainischen Ländereien. Nach dem zweiten Weltkrieg verschob sich das zunächst gebildete Staatsgebiet westwärts und wurde Teil der Sowjetunion. Im Dezember 1991 erlangte das Land im Rahmen der Auflösung der UdSSR de jure erstmals langfristige Unabhängigkeit, befindet sich seitdem aber in steter Orientierungslosigkeit und zwischen den Stühlen von Ost und West. Nach jahrelangen Spannungen führte dies zuletzt zu einem Bürgerkrieg im Osten des Landes, wobei sich die Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie die beiden Regionen Donezk und Luhansk abspalteten. Wirtschaftlich baut man vor allem auf den Export von Metallprodukten, chemische Waren, Maschinen, Geräte, Nahrungsmittel und Textilien.

Für das Bier ist die Ukraine dagegen eher weniger bekannt. Doch im Westen des Landes hat sich eine junge Brauerei aufgemacht, um  das zu ändern. Mit provokanten Bieren, die stets auch eine politische Botschaft haben, schafft das Pravda Beer Theatre zumindest für internationale Aufmerksamkeit. Und auch in den Online-Handel hat es die Marke schon geschafft. Mehr dazu auch in meinen Beiträgen (244. & 255.) zu den bisher vorgestellten Bieren der Brauerei. Zur Botschaft des heutigen Bieres werde ich getreu des Mottos „Bier ist Bier und Politik ist Politik“ nichts kommentieren. Spannender finde ich vielmehr das Bier selbst. Denn es ist als Mexican Style Lager mit Cornflakes und Limetten eingebraut und wohl sehr passig für die auch abends noch hohen Temperaturen in Westdeutschland.

Übrigens hat selbst die FAZ ein Beitrag zum Trump-Bier herausgebracht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Conflakes, Limettensaft, Limettenschale, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lemberg / Ukraine
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: sehr zitrus-fruchtig, viel saure Limette, hellmalzig, gewisse nussige Aromen, etwas blumig
Geschmack: recht voller Körper, würzig, herb, leichte Malzsüße, etwas Alkoholaroma, wenig fruchtig, spritzig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Leider ist das Mexican Lager nicht so erfrischend wie erhofft. Das liegt natürlich auch an der Imperial-Interpretation dessen, aber auch an dem gegensätzlichen Verhältnis von Geruch und Geschmack. Während in der Nase von klar die säuerlichen Zitrusnoten dominieren, ist es im Mund eher ein vollmundiges Malz und etwas Hopfenbittere, die durchsticht. Beides in Kombination ist mir zu etwas zu irritierend, wohingegen ich froh bin, dass sich die derartige Sauernote nicht so in den Geschmack durchschlägt. Doch auch hier sind meines Erachtens einige Dinge nicht ganz konsequent zu Ende gebraut. Weder eine klare Malz-, noch eine klare Hopfennote tritt in Erscheinung. Von den beiden Hauptdarstellern Limette und Mais ist auf der Zunge sogar noch weniger zu spüren, sodass das Bier eigentlich sein Ziel verfehlt hat. Alles in allem reicht es deshalb auch nicht zu mehr als 7 Pkt. (3-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pravda.beer/en/shop/trump-beer/.

Prost & guten Abend! ?

377. Lion Stout

Nach ein paar Tagen in Laos geht es hier nun weiter nach Sri Lanka. Der gut 66.000 km² große Inselstaat im Indischen Ozean zählt etwa 20 Mio. Einwohner, die relativ multiethnisch zusammengewürfelt sind. Die Bevölkerungsmehrheit bilden die Singhalesen, die größte Minderheit sind die Tamilen. Daneben gibt es aber auch bedeutende Minderheiten des Hinduismus, Christentums und Islam. Nachdem das Land zunächst von Portugiesen und Niederländern besetzt wurde, gehörte es seit 1815 dem britischen Empire an. 1948 konnte im Frieden die Unabhängigkeit erreicht und ein demokratisches System etabliert werden, das bis heute Bestand hat. Allerdings gab und gibt es einen teils offenen Konflikt der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit und der tamilischen Minderheit, der zwischen 1983 und 2009 sogar in einen Bürgerkrieg mündete. 2004 erlitt der Inselstaat, der übrigens bis 1972 noch Ceylon hieß, die bislang größte Naturkatastrophe als infolge eines verheerenden Tsunamis in der Andaman-See über 45.000 Menschen ihr Leben verloren. Zumindest die wertvollen Kulturschätze des Landes konnten seitdem wieder aufgebaut werden und dienen seit Jahren als Tourismusmagnet. Wirtschaftlich setzt das Land daneben voll auf den Export von Tee, Kaffee, Kautschuk und Kokosnüssen.

Mein heutiges Bier ist erneut der klare Marktführer vor Ort. 1849 vom Briten Sir Samuel Baker ins Leben gerufen, sollte die Brauerei zunächst den Kolonialherrn auf den Teeplantagen dienen. Erst 1881 wurde daraus dann auch eine kommerzielle Brauerei für jedermann. Nach vielen Jahrzehnten der Expansion gehört die Brauerei heute in Teilen zur Carson Cumberbatch & Co Ltd – einem Konsortium aus Sri Lanka – und der Carlsberg Gruppe. Im Rahmen der Gesamtkapazität von 2 Mio. hl ermöglicht die Ceylon Brewery Company auch Lohnbrauverfahren.

Das Stout wurde – wie auch die anderen heutigen Lion Biere – in den 1940ern entwickelt und beinhaltet Malz aus Großbritannien, Tschechien und Dänemark, Hopfen aus der Steiermark und Hefe aus England. Leider wurde dem Stout darüber hinaus aber auch Farbstoff und Zucker beigemengt. Während ersteres noch relativ vertretbar ist, da es auch oft in belgischen Bieren angewendet wird, um einen höheren Alkoholgehalt bei weniger Endsüße zu erreichen, hat letzteres im Bier meiner Ansicht nach überhaupt nichts verloren und wird auch zu Abzügen in der Gesamtwertung führen.

„Our core values: Pride, Quality, Affordability.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Farbstoff, Zucker
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Biyagama / Sri Lanka
Erscheinungsjahr. . .
1881/1940

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: würzig, Zartbitter, Kaffee, mittelmalzig, röstig, ganz leicht süßlich
Geschmack: weich, voller Körper, sehr würzig, recht röstig, dunkelmalzig, süßlich, mehr Zartbitter als Kaffee, unangenehme Bittere, matt, trocken-bitterer Abgang
Gesamt: Es klingt vernichtender als es eigentlich sein soll, aber das Beste am Bier ist noch die Optik und selbst da wurde ja nachgeholfen. Im Grunde kein richtig schlechtes Stout, ist es mir aber einfach viel zu würzig-bitter. Es fehlen (trotz Zuckerzusatz) die süßlichen Kakaoaromen und auch die röstige Kaffeenote ist zu unterentwickelt. Aufgrund des Farbstoffeinsatzes erreicht der Löwe unter den Stouts bei mir heute damit leider nur 6,5 Pkt. (4++).

Übrigens zum Vergleich die Meinung vom Bierphilosophen Michael Jackson:

„…soft, fresh, and delicious top-fermented Lion Stout is bottle-conditioned an has an extraordinary chocolatey, mocha character.“

Weitere Infos zum Bier unter: http://lionbeer.com/our-beer.html.

Prost & guten Abend! ?

Blogbier, die XXXII. – מדינת ישראל

Kürzlich war ich mal wieder im Brühler Seasons zum grenzüberschreitenden politischen Austausch. Dabei gab es auch wieder ein Bier, das es neu auf die Bierjubiläum-Liste geschafft hat:

Tasting-Notizen:

  • Steenbrugge Tripel:
    – 8,7%; obergärig
    – mit Koriander, Orangenschalen und Zimt eingebraut
    – zusätzlich wurde auch noch eine ursprüngliche Biergewürzmischung eingesetzt

Steebrugge ist eine alte belgische Biermarke, die aus der Abtei St. Peters hervorgegangen ist. Dort brauten bis zur Jahrtausendwende die ansässigen Mönche ihr traditionelles Abteibier. Die Marke Steenbrugge gehört jedoch seit 2003 zur belgischen Brauerei Palm. Die Produktion befindet sich seit 2004 in Steenhuffel. Auf dem Etikett der Steenbrugge-Biere kann man indes noch etwas in Nostalige schwelgen. Ist dort doch das Bildnis des Heiligen Arnulf von Soissons, dem Patron der Brauer und Gründer der St.-Peters-Abtei von Oudenburg und Steenbrugge zu sehen.

Mehr Infos unter: https://www.palm.be/en/degoudenboom/beers.

376. Beerlao Lager

Los geht’s hier auf Bierjubiläum zu meiner kleinen Bier-Weltreise. Erstes Ziel: Laos. Das Land, das aus der Vogelperspektive aussieht wie eine Palme, beheimatet inzwischen knapp über 7 Mio. Einwohner (vor 50 Jahren waren es noch etwa 2 Mio.). Geprägt ist das einzige Binnenland Südostasiens von über 50% Regenwaldfläche. Ähnlich wie im benachbarten Vietnam herrscht in Laos ein sozialistisches Einparteiensystem, dass zwar Bildungs- und Gesundheitswesen erhebliche Defizite aufweist, jedoch wenigstens (dank Verhängung von Todesstrafen) die Volkdsdroge Opium nahezu vollständig eindämmen konnte. Wirtschaftlich ist man hingegen anderen Ländern der Region etwas voraus gewesen als man sich bereits Mitte der 1980er marktwirtschaftlichem Einfluss öffnete. Nichtsdestotrotz zählt die ehemalige französische Kolonie zu den am wenigsten entwickelten Länder der Welt.

Die einzige bedeutungsvolle Brauerei des Landes befindet sich in der Hauptstadt Vientiane und hält nach eigenen Angaben über 95% Marktanteil des im Inland verkauften Bieres. 1971 als französisch-laotisches Joint-Venture gegründet wurde es bereits vier Jahre später durch die Kommunisten verstaatlicht. Weitere zehn Jahre später erfolgte jedoch bereits das nächste Joint Venture, bei dem sich die Regierung bis zur Hälfte aus der Brauerei zurückzog. Seit 2005 hält die andere Hälfte Carlsberg Asia, welches in der Brauerei neben den eigenen vier Produkten ebenfalls produziert wird. Für ihre Biere verwendet die Lao Brewery Company heimischen Reis, Gerstenmalz aus Belgien oder Frankreich sowie Hopfen und Hefe aus Deutschland.

„Beerlao is brewed from the best local rice and high quality malt from Europe, giving it a unique taste.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pilsener
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vientiane / Laos
Erscheinungsjahr. . .
1973

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: würzig, waldig, hellmalzig, leicht säuerlich, etwas herb
Geschmack: schlank, süffig, würzig, leicht herb, grasig, etwas nussig, kaum Bittere, feinperlig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Also dafür, dass das Lager nun schon vier Monate über dem MHD ist und in den ersten Kategorien nicht gerade einen guten Eindruck gemacht hat, bin ich umso mehr überrascht, wie gut man es trinken kann. Schön süffig und dennoch mit einer charakteristischen Herbe, finde ich besonders die nussige Süße interessant. Gerade im Vergleich zu „modernen Craftbieren“ sicher nicht herausragend, aber sehr solide. Die 95% Marktanteil kommen wohl deshalb auch nicht nur aufgrund der Monopolstellung, denn auch geschmacklich ist das Bier definitiv massentauglich und interessanterweise besser als so manches deutsches Pils. Gesamthaft reicht es aber dennoch nur für 8,5 Pkt (3(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://beerlao.la/products/beerlao/beerlao-lager/?Ckey=22003.

Prost & guten Abend! ?

Pre-Opening Party Craftquelle Bonn

Andere Großstädte haben schon längst einen – aber in der Bonner Innenstadt hat er noch gefehlt: Ein spezialisierter Shop mit ausschließlich ausgesuchten Kreativbieren aus aller Welt.

Das Warten hat nun aber endlich ein Ende, denn am gestrigen Samstag hat in der nördlichen Altstadt der neue Craftbeerstore namens Craftquelle eröffnet. Bereits am Freitag lud Inhaber Christoph Steinhauer schon zur Pre-Opening-Party für Presse, Bierinteressierte und alles weitere von Rang und Namen der Bonner Brauszene. Und so bin auch ich der Einladung gerne gefolgt und hatte noch meinen Kollegen und bald-Bonner mitgenommen.

Auf der Karte sah die Location noch etwas abseits aus, doch es ist selbst vom Bonner Hbf nur knappe 10 Min. Fußweg – vom Altstadtkern noch weniger. Es liegt mitten im Bonner Ehrenfeld, wie ich das Quartier aufgrund der baulichen und kulturellen Ähnlichkeit bezeichnen würde. Auf dem Weg kommt man auch an der Pinte vorbei, die bereits seit einiger Zeit auf (lokale) Craftbiere setzt. Und doch ist in der Tat Bonn mit über 300.000 Einwohnern noch etwas rückständig bezogen auf handwerkliches Bier aus der Region. Getrunken wird am liebsten ein Kölsch der größeren Marken, dahinter Pils (wenigstens das aus der Eifel). Ähnlich wie übrigens in Köln und dem ganzen Umland haben es Brauereien und eben auch Shops im Vergleich zu anderen Metropolregionen Deutschlands deutlich schwerer sich gegen den „Kölsch-Wahn“ hervorzutun.

Christoph Steinhauer wagt nun als einer der Bonner Pioniere diesen Schritt und eröffnet den ersten reinen Craftbeershop Bonns. Auch wenn es mit dem P&M in Bad Godesberg bereits eine sehr gute Möglichkeit gibt an handwerkliches Bier aus Franken, Deutschland und der Welt zu kommen, ergänzt die Craftquelle diese Angebot meiner Ansicht nach hervorragend, da es einen deutlicheren regionalen Fokus setzt und in der Breite mehr Angebot schafft. Und genau so sieht sich Steinhauer auch nicht als Konkurrent zum P&M, sondern als Verbündeter im Kampf gegen schlechtes und industrielles Bier.

Mit über 150 Bieren hat nun auch der Bonner Norden die Chance schnell und einfach in die Welt der guten Biere einzusteigen. Doch Steinhauer will nicht nur den Verkauf des Bieres in den Vordergrund rücken, sondern Raum für das Kulturgut Bier bieten um dieses in seiner Qualität und Vielfalt zelebrieren zu können. Im Fokus stehen dafür diverse Tastings, die stets von einem Biersommelier begleitet werden.

„Als der kleine Laden in der Altstadt zu vermieten war, habe ich zugegriffen. Es geht mir dabei nicht nur um den Verkauf von Bierflaschen. Ich möchte diesen Laden zu einem Raum machen, in dem Bier zelebriert wird und diesem Kulturgetränk wieder der Platz eingeräumt wird, den es meiner Meinung nach verdient.“

Er selbst – im Hauptberuf Journalist und PR-Berater – begab sich an der US-amerikanischen Westküste auf dem Pfad der Bierweisheit. Auch wenn hierzulande nie ein derartiges Ungleichgewicht zwischen kleinen Handwerksbrauereien und industriellen Großbrauereibetrieben wie in den USA herrschte, war sich Steinhauer fortan klar, dass er sich für die Sache des guten Bieres einsetzen will. So wurde er Mitglied der Bonner Hobbybrauer und arbeitete sich praktisch in die Welt des Bieres ein. Um auch sein theoretischen Bierwissen zu formalisieren, wird er im kommenden September auch die Ausbildung zum Biersommelier absolvieren.

Am vorgestrigen Pre-Opening-Abend gab es dann neben jeder Menge Freibier von Ale-Mania, leckeren Snacks und Live-Musik von Phil Young auch die Gelebenheit sich mit Gleichgesinnten und den lokalen Bierenthusiasten auszutauschen. Mit dabei waren u.a. Holger vom Blog We love Pubs, Fritz und Ben von AleMania, Biersommelier-Weltmeister Stephan Hilbrandt und natürlich viele weitere Mitglieder der Bonner Heimbrauer. Ich selbst brachte zur Eröffnung auch ein kleines Gastgeschenk mit, aber macht euch gerne selbst einen Eindruck vom Laden.

Impressionen:

Fazit:

Zunächst einmal war es toll leckeres Bier und leckere Snacks genießen zu dürfen, sich wieder einmal mit meinen Mitstreitern auszutauschen und sich auf die gemeinsame Linie einzuschwören. Schließlich ist die Eröffnung der Craftquelle ein weiterer Meilenstein in der Weiterentwicklung der Bieszene und Bierkultur im Rheinland. Daneben sehe ich aber auch großes Potential im ersten Craftbeershop der Bundesstadt. Als Ort für lokales, regionales aber vor allem qualitativ hochwertiges und vielfältiges Bier kann es ein Zentrum der neuen Bonner Bierkultur werden. Und so kann ich wirklich nur jedem empfehlen, geht hin schaut es euch an, unterstützt Christoph und proBiert euch in die Welt der guten Biere. Ich wünsche dir, lieber Christoph, in jedem Falle alles Gute und viel Erfolg bei all den noch kommenden Herausforderungen. Vielen Dank für den tollen Abend und natürlich auch für das Presse-Kit ;).

Mehr zur Veranstaltung unter: https://craft-quelle.de/eroeffnung-craftquelle-bottlestore-am-21-07-2018/ bzw. https://www.facebook.com/events/1386284931473271/.

Hier geht’s zum Store: https://craft-quelle.de/store/.

375. Box Steam Derail Ale

Mit dem heutigen Bier möchte ich die Klammer um die kleine und bisweilen feine Reihe der Craftbiere aus der Dose schließen. Denn es ist wie das Tektonik Dizzy sozusagen ein Discounter-Bier von LIDL. Wobei ich diese Bezeichnung irreführend finde, da es eben keine Eigenmarke des Discounters ist, sondern ein Produkt einer authentischen ausländischen Brauerei. Hinter dem Derail Ale steckt nämlich die Box Steam Brewery aus dem gleichnamigen Örtchen in der Nähe von Bath im mittleren Südwesten Englands. Nachdem dort die etwa hundert Jahre bestandene Brauerei geschlossen hatte, entschlossen sich 2004 Marshall Ewart und Mark Hemplemen-Adams die Brauerei wieder aufleben zu lassen. Bereits zwei Jahre später ging die Brauerei an die Familie Roberts, die diese bis heute sogar in die internationalen Supermarktregale geführt hat. Bei einer Produktion von wohl inzwischen etwa 10.000hl werden neben LIDL aber auch über 100 Pubs in England beliefert. Aus diesem Grund wird auch nicht mehr in Box, sondern im benachbarten Holt produziert.

„A zesty India Pale Ale“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Holt / England
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: fein, würzig, karamell-malzig, cremig, leicht grasig
Geschmack: süffig, leicht würzig, leicht hopfen-bitter, etwas grasig, lasch, bitter-herber Abgang
Gesamt: Ich kann zwar nicht beurteilen, wie ein Original IPA in England bevorzugt wird, aber dieses Bier ist mir einfach viel zu weit weg von diesem Bierstil. Grundsätzlich schon nicht wirklich charakterstark und sowohl olfaktorisch als auch gustatorisch eher lasch, hat es außer einer gewissen grasigen Bittere zu wenig von einem klassischen IPA. Gerade die versprochenen floralen (aber auch fruchtigen oder karamelligen) Noten kommen viel zu wenig durch. Das ist insofern schade, da es für viele auch wohl der Einstieg in die Welt der Bierstile ist, nachdem man es sich aus Neugier vom LIDL-Einkauf mitgenommen hat. Zumindest der Pils-Trinker der herben Spielart käme hier auf seine Kosten. Für mich kann es aber leider nicht mehr als 7 Pkt. (3+) sein.

Weitere Infos zum Bier unter: http://boxsteambrewery.com/.

Prost & guten Abend! ?

374. Steamworks Pale Ale

Als viertes und letztes Craftbier aus der Dose geht ein weiteres Steamworks in Rennen. Diesmal am Start: das Pale Ale. In nordwestlichen Stile gebraut soll es leicht geröstete Malz- mit blumigen Zitrusaromen verbinden, die die Sinne prickeln lassen. Das will ich doch gleich mal testen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vancouver / Kanada [Saaldorf-Surheim]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: sehr zitrusfruchtig, hellmalzig, karamellig, etwas grasig, wenig bitter-herb
Geschmack: schlanker Körper, trocken-würzig, etwas blumig, leicht angeröstet, grasig-hopfig, matt, herb-süßer Abgang
Gesamt: Nachdem es sich in der Nase noch etwas besser hervorgetan hat als das gestrige Jasmin IPA, kam auf der Zunge eine kleine Enttäuschung. Gerne hätte ich hier etwas mehr Karamell und die versprochenen blumigen Zitrusnoten gewünscht. So bleibt der Zeiger heute bei 10,5 Pkt. (2(-)) stehen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.steamworks.eu/pale-ale-6x-dose-355ml/a-281/.

Prost & guten Abend! ?

373. Steamworks Jasmin IPA

Nach dem gestrigen deutsch-US-amerikanischen Bier folgen heute und morgen zwei Biere aus deutsch-kanadischer Hand. Im Gegensatz zu Stone ist Steamworks jedoch noch historisch mit dem alten Kontinent verbunden. So waren es einst Österreicher, die an die kanadische Westküste pilgerten und dort eine der ersten und heute wieder aktiven Dampfbrauereien gründeten. Vor einigen Jahren entschloss man sich die historischen Wurzeln wieder aufleben zu lassen und eröffnete eine Niederlassung unweit der früheren Heimat Salzburg. Hintergrund war natürlich nicht nur die Nostalgie, sondern der Umstand, dass man so das kanadische Craftbier auch in Europa besser vertreiben konnte.

Mit dem Jasmin IPA wurde das IPA-Sortiment zuletzt um eine kleine IPA-Abwandlung erweitert. So wurde dem klassischen Sud Blüten der Jasmin-Pflanze zugefügt.

„Pures Gold mit einer spritzigen weißen Schaumkrone“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz,  Hopfen, Jasminblüten, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.6°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Saaldorf-Surheim [Vancouver / Kanada]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: sehr blumig-fruchtig nach Zitrusfrüchten, spritzige Würze, harzig, leicht waldig, bitter
Geschmack: mittlerer Körper, grasig, Hopfen-bitter, herb, geringe Fruchtigkeit, wenig helles Malz, eher matt, trocken-bitterer Abgang
Gesamt: Gerade nach dem gestrigen Mokka-Stout ein doch recht herbes Vergnügen. Die floralen Aromen spielen sich leider nur in der Nase ab und werden, wenn vorhanden, auf der Zunge durch eine dominante Hopfen-Bittere überlagert. Grundsätzlich mag ich diese Hopfenaromen ja, aber irgendwie erscheint es mir heute zu eindimensional. Deshalb sind es abschließend auch „nur“ 10 Pkt. (2-) für das Jasmin-IPA.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.steamworks.eu/jasmine-ipa-12x-flasche-330ml-mw/a-1901/.

Prost & guten Abend! ?

372. Stone Xocoveza

In NRW haben mit diesem Wochenende die Sommerferien begonnen. Passenderweise habe ich hierzu ein Bier ausgewählt, das für die Ferien bzw. den Urlaub gebraut wurde. Unpassenderweise waren damit eigentlich die Winter- bzw. Weihnachtsferien gemeint. Da ich aber über genügend Flexibilität verfüge und es eben ein nächstes Craft-Bier aus der Dose ist muss eben jetzt erst/schon dran glauben.

Die Rede ist vom sog. Mocha Stout Xocoveza vom kalifornischen Brauunternehmen Stone Brewing. 1996 ins Leben gerufen gehört Stone inzwischen zu den Top Ten der amerikanischen Craft-Brauereien. Dabei setzt Chairman Greg Koch auf ein internationales Multi-Channel Konzept. So gibt es neben dem Stammsitz in Escondido auch diverse Gaststätten und Läden in den USA und im amerikanischen Ausland. Begleitet mit ordentlich PR eröffnete man 2016 auch eine Niederlassung in Berlin, wo die wohl größte Bier-Gastronomie der Bundeshauptstadt angegliedert ist. Sowohl jenseits wie diesseits des Atlantiks bedient Stone das klassische Klischee, das man von Craftbier haben könnte und lässt bei seinen Bieren der Kreativität freien Lauf. So werden neben einem IPA-lastigen Stammsortiment viele saisonale und limitierte Biere eingebraut, bei denen vor allem mit vielen (natürlichen) Zutaten experimentiert wird. Im Xocoveza finden sich gleich sieben Zutaten wieder, die recht selten den Weg in den Braukessel finden. Neben Hafer als zusätzliches Getreide, kann man sich auf eine Komposition aus Kaffee, Kakao, Zimt, Vanille, Chili und Muskatnuss freuen. Dabei geht das Rezept auf Chris Banker zurück, der es 2014 in San Diego im Rahmen eines Hobbybrau-Wettbewerbs einreichte.

„Happy holidays from all of us to all of you…“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hafer, Hopfen, Kaffee, Kakao, Zimt, Vanille, Chili, Muskatnuss, Laktose, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin [Escondido / USA]
Erscheinungsjahr. . .
2017 [2014]

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13,5
Fazit

Geruch: Vanille, Milchzucker, Cappuccino, Schokolade, frisch, leicht fruchtig, leicht röstig
Geschmack: voller Körper, weich, süß, Vanille, etwas würzig & röstig, Zartbitter, weniger Kaffee, feinperlig-matt, etwas Schärfe im Abgang
Gesamt: Wow. Selbst für so einen heißen Sommer-Final-Tag ist das Bier wirklich genial. Einen derartig leckeren Kakaogeschmack habe ich bislang in keinem Bier gehabt. Die Zutaten scheinen hervorragend aufeinander abgestimmt und harmonieren sehr gut. Die Muskatnuss und das Chili halten sich dezent im Hintergrund, während Kakao, Kaffee und Laktose zu einem wahrlich spannenden Mokka-Stout verschmelzen. Abzüge gibt es eigentlich nur deshalb, da es mir noch etwas zu wenig mehrdimensional wirkt und ich mich frage, ob man den Geschmack nicht auch mit weniger Zutaten hätte hinbekommen. So bleibt die Uhr aber dennoch bei starken 13,5 Pkt. (1(-)) stehen. Vielleicht hätte es an Weihnachten auch die 14 Pkt.-Marke geknackt…

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.stonebrewing.eu/node/434071?language=de.

Prost & guten Abend! ?

371. Frau Gruber Yeast is King IPA

Ab heute gibt es hier was aus der Dose. Denn in den nächsten Tagen möchte ich mal meinen kleinen aber hoffentlich feinen Bestand an Dosenbieren tilgen. Denn selbst im sog. Craftbier-Segment gibt es immer mehr Dosen als Alternative zur Flasche. Ich persönlich habe zu diesem Medium eine geteilte Meinung: Einerseits ist es deutlich leichter als eine Glasflasche und ist somit für den Transport in mehrerlei Hinsicht vorteilhafter. Anderseits jedoch ist selbst bei recht hoher Recycling-Quote die Wiederverwendbarkeit des Materials Glas größer und damit auch die Nachhaltigkeit. Zudem ist bis heute nicht endgültig geklärt, ob die Metalldose Einfluss auf den Inhalt nimmt. Ich persönlich bevorzuge (auch aus Hobby-Brau-Gründen) lieber eine Flasche, weshalb ich mich nun gerne mal auch von der Dose überzeugen lassen will.

Kandidat #1 ist das IPA Yeast is King von Frau Gruber Brewing. Die Brauerei ist eine Marke der beiden Augsburger Bierexperten Matthias Gruber und Enzo Frauenschuh, die sich bereits aus Jungendtagen kennen. Während Frau(enshuh) in Weihenstephan studierte, kümmerte sich Gruber zunächst vor allem um den eigenen gemeinsamen Biergroßhandel Liquid Hops. Mit dem Wachstum des Geschäfts wuchs auch der schon immer vorhandene Wunsch nach einer eigenen Brauerei. (Vor-)letztes Jahr bekam man dann die Möglichkeit in der Old Factory von Camba Bavaria selbst zu brauen. Nicht nur aufgrund ihrer eigenen guten Vertriebswege, auch wegen einer guten betriebswirtschaftlichen Vorbereitung konnte man aus dem Stand 120 Hektoliter an den Mann und an die Frau bringen. Dabei war die Dose eine bewusste Entscheidung um die beste Logistik und Hygiene vor Ort gewährleisten zu können.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Gundelfingen an der Donau
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr hopfig-herb-fruchtig, grasig, waldig, harzig, herbe Fruchtsäureleichte helle Malzsüße & Würze
Geschmack: weich, cremig, voller Körper, bittersüß, grasig, malzig, hefig, feinperlig, trocken süß-herber Abgang
Gesamt: Endlich mal ein Bier, bei dem das MHD wahrscheinlich eher zu einer Verbesserung des Geschmacksprofils geführt hat. Erstaunlich cremig und tatsächlich ungewöhnlich hefig. Letzteres ist schon an der Optik des Bieres erkennbar und zeigt sich auch auf der Zunge. Die Verstärkte Süße und Malzigkeit schließe ich dennoch eher auf das schon seit 4 Monaten „abgelaufene“ MHD. Interessant ist auch, wie immer wieder eine Nuance heraussticht, als ob man gerade auf ein Hopfenpellet lutscht. Insgesamt für mich mehr als solide 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://shop.liquidhops.de/neues/fraugruber-brewing-yeast-is-king.

Prost & guten Abend! ?

370. Tektonik Dizzy IPA Amerikana

Quasi als Lückenfüller bevor ich am Wochenende zum ersten Mal Craft-Bier aus der Dose proBieren werde, habe ich ein Bier dazwischen genommen, dass mir mein Kollege Matthias vom Einkauf mitgebracht hat. Doch er war dafür nicht im Getränkefachhandel, sondern beim Discounter Lidl. Dieser hat schon seit einiger Zeit erkannt, dass sich der Biermarkt in Deutschland verändert hat und der Anteil kleinerer und neuerer Brauereien und außergewöhnlicher Bierstile in den letzten Jahren sehr gewachsen ist. Und so ist man fast als einziger Discounter auf den Craftbier-Zug aufgesprungen und bietet in Deutschland meist unbekannte, aber in der Regel relativ authentische Handwerksbiere an. Auch wenn hier die Frage erlaubt ist, inwiefern dies dem Gesamtmarkt schade, da die Biere oft unter Wert verkauft werden, sollte dies grundsätzlich als gutes Zeichen gewertet werden, dass sich etwas in die richtige Richtung bewegt. Das ist übrigens auch daran zu erkennen, dass die Biere meist schon schnell vergriffen sind, sobald diese in die Regale kommen.

Gebraut wird mein heutiges Discount-Bier von einer slowenischen Brauerei namens Tektonik kraft pivovarna. Beheimatet in der Hauptstadt werden englische, belgische und auch deutsche Bierstile gebraut. Das Dizzy ist dabei der zweite IPA-Versuch, wobei man sich an einem West-Coast-IPA orientiert hat. Als Hopfensorten haben Magnum, Azacca, Mosaic und Simcoe den Weg ins Bier gefunden.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Laibach (Slowenien)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: klar grasig-fruchtig nach Maracuja, Litschi, Ananas und Stachelbeere, karamell-malzig, leicht würzig
Geschmack: voller Körper, bitter-herb, grasig, geringe Fruchtsüße, eher matt, bitter-süßer Abgang
Gesamt: Wie auch bei anderen Produkten erstaunt der Discounter auch beim Craftbier. Auch wenn es sich glücklicherweise nicht um eine Eigenmarke, sondern um eine authentische Handwerksbrauerei handelt, scheint es gut ins Konzept zu passen. Zwar ist der Preis hierfür nur möglich, da man von geringeren Produktionskosten im Ausland profitiert, dennoch ist es gerade für Einsteiger ein guter Start in eine neue Bierwelt. Zudem ist durchaus zu kritisieren, ob man als Produzent für Lidl überhaupt noch Handwerk betreiben kann, aber dies trifft ja auch auf viele deutsche sog. Craft-Brauereien zu. Am Bier selbst ist prinzipiell nicht viel auszusetzen. Es schmeckt so wie ein IPA schmecken muss und bietet der Nase sogar noch etwas mehr. 11,5 Pkt. (2(+)) möchte ich deshalb heute vergeben.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.tektonik.beer/dizzy-ipa-amerikana.html.

Prost & guten Abend! ?

369. HBH Braumeister Edition Katrin

Das heutige Bier stellt meinen persönlichen Höhepunkt der kleinen Craftbier-Reihe besonderer Prägung dar. Denn es fokussiert sich – wie ich – nicht auf den Hopfen, sondern auf das Malz bzw. genauer gesagt auf die Gerste, aus der das fürs Bierbrauen erforderliche Malz gewonnen wird. Denn für das Export mit dem schönen Namen Katrin finden keine „industriellen“ Gerstensorten Verwendung, sondern die historische Gerste Chevalier von Neuhaus. Gebraut wird es vom Hohmann Brauhaus in Fulda, die im Rahmen der Braumeister Editionen diverse Kreativbiere kreieren, wovon ich bereits das Basaltbier rezensieren konnte. Nicht nur das ist ein Alleinstellungsmerkmal, auch das heutige Export hat Seltenheitswert. Mir ist da nur die Brauerei Kemper und das Biergut Wildsgut von Stiegl bekannt, die sich explizit historischen Getreidesorten verschrieben haben. Alle drei haben eins gemein: Sie sind vielen anderen selbst ernannten Craft-Brauereien voraus, dass sie sogar auch nicht-industrielles Getreide verwenden. Die beiden letzteren rangieren deshalb aber auch in einem Preissegment, welches nicht gerade erschwinglich ist. Umso mehr freue ich mich, dass ich in einer der monatlichen Bierboxen vom Beertasting.Club diese Flasche gefunden habe. Benannt ist das Bier übrigens nach der Frau des Brauers aus Neuhaus am Inn, die zufällig (oder war es doch Schicksal) bei einem Spaziergang auf diese historische Gerstensorte gestoßen war.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Export
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Fulda
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: schön hellmalzig, getreidig, grasig, heuartig, malzsüß, fruchtiges Karamell
Geschmack: mittlerer Köper, süffig, würzig, heuartig, erdig, malzsüß, wenig getreidig, feinperlig, milder Abgang
Gesamt: Also mit derart viel grasigen und erdigen Noten hätte ich nicht gerechnet. Man kann die Gerste auf dem Feld wahrlich riechen und schmecken. Für ein Export ist es mir zwar fast etwas zu dünn, dennoch ein wirklich besonderes Biererlebnis mit einer wirklich unterstützenswerten Zutat. Summa summarum sind das für mich auch diesmal 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.braumeister-edition.de/home.

Prost & guten Abend! ?

368. Stift Engelszell Benno Trappistenbier

Zugegebenermaßen schiele ich gerade mit mehr als einem Auge auf den Livestream zum WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Belgien und dennoch möchte ich Euch heute ein wirklich besonderes Bier nicht vorenthalten.

Besonders deshalb, da es das einzige Trappistenbier Österreichs ist. Vorwiegend aus Belgien (und wenige auch aus den Niederlanden) stammend, ist der Stift Engelszell neben der Abtei Mariawald in der Eifel die einzige deutschsprachige Trappistenbrauerei der Welt. Bereits 1293 direkt an der Donau kurz vor der heutigen deutsch-österreichischen Grenze gegründet ist es zudem auch das einzige Trappistenkloster der Alpenrepublik. Hier führen die Trappistenmönche ein kontemplatives Leben in strenger Klausur und Askese. Im Konvent bestimmen Gebete (6x am Tag), Lesungen und körperliche Arbeit den Alltag. Doch trotz dieser jahrhundertelangen Geschichte entschieden sich die Mönche erst kürzlich die Tradition des Trappistenbieres auch nach Austria zu holen und begründeten somit die bislang jüngste Trappistenbrauerei weltweit. Dabei stehen sie zwar in der Tradition der Belgier, wollen aber bewusst regionale und lokale Akzente setzen.

Mit dem Benno möchten die Mönche dem gleichnamigen Pater Benno Stumpf huldigen, der zum Ende des zweiten Weltkriegs aus Bosnien nach Österreich fliehen musste. Im Stift Engelszell war er maßgeblich am Wiederaufbau der Rokkoko-Kirche und dem Abteigebäude beteiligt und führte das Kloster in eine neue Phase der gemäßigten Modernisierung. Gebraut wird dieses Bier übrigens mit Honig und der seltenen Hopfensorte Strissel Spalter aus dem Elsass. Neben bislang drei Trappistenbieren stellen die Mönche zudem auch eine ganze Reihe an Likören her, die es (wie die Biere) nicht nur im Klosterladen, sondern auch online zu beziehen gibt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgian Trappist Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Engelhartszell an der Donau (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: würzig, dunkelmalzig, fast röstig, Karamell, harzig, waldig, recht spritzig
Geschmack: voller Körper, sehr würzig, getreidig, recht bitter, karamell-süß, gering säuerlich, leicht alkoholaromatisch, feinperlig, würzig-süßer Abgang mit leichten Honignoten
Gesamt: Auch wenn es in vielen Kategorien „nur“ guter Durchschnitt sein mag, ist der Benno dennoch geschmacklich sehr individuell und somit herausstechend. Dies und der Umstand der ganzheitlichen Rahmenbedingungen, die sich konsequent auf Qualität, Tradition und Regionalität fokussieren, lässt mich aber trotzdem zu einer (sehr) guten Gesamtnote von 12 Pkt. (2+) hinreißen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.stift-engelszell.at/trappistenbiere-likore/biere/3020-benno/.

Prost & guten Abend! ?

367. Fuller’s & Friends New England IPA

Auch wenn der Hype um das New England IPA zuletzt etwas nachgelassen hat ist es immer noch das aktuelle Trend-Craft-Bier. Erst vorletztes Jahr „erfunden“ soll es noch fruchtiger, herber und schwerer sein als ein klassisches India Pale Ale. Hierfür werden besonderes aromatische Hopfensorten vor allem aus den östlichen USA und Großbritannien verwendet. Besonders intensive NEIPA erinnern mehr an einen Fruchtsaft als an ein Bier, womit jedoch selbst dieser Trend eine Nische in der Nische bildet.

Gebraut wird das heutige NEIPA zum Einen von der renommierten Brauerei Fuller. 1834 gegründet gehört sie zu den wenigen traditionellen englischen Brauereien, die die „Craftbeer-Welle“ sehr gut für sich nutzen konnte. Auch wenn in England ohnehin eine größere Brauereidichte und Biervielfalt herrscht als in weiten Teilen Deutschlands, sind die nahezu 70 Biere, die Fuller derzeit im Sortiment hat ein immenser Wert. Sowohl in Sachen Qualität als auch bei Vielfalt in Tradition und Moderne gibt es wenige Brauereien auf der Insel die Fuller das Wasser bzw. Bier reichen können.

Im letzten Jahr ist man einen Schritt weitergegangen und ist für sechs spezielle Biere (u.a. Smoked Porter, New Zealand Saison, Red Rye Ale) Kollaborationen mit anderen kleineren Brauereien eingegangen. Für das NEIPA stand Cloudwater-Brew aus Manchester zur Verfügung. Dabei fand die Pilotierung und Entwicklung der Biere beim jeweiligen Kollaborations-Partner statt, während der Hauptsud und die Abfüllung in der Griffin-Brauerei in London durchgeführt wurde.

„Collaboration is not just about agreeing a recipe then brewing a beer, it is a great way to make friends.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . New England IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hafer, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . London/Manchester (England)
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Ananas, Mango, Heidelbeere, Pfirsich & Grapefruit, grasig, leicht herb, klar karamell-malzig
Geschmack: voller Körper, sehr grasig-herb, recht bitter, würzig, unterschwellige Karamellaromen, leichte helle Fruchtnoten, alkoholaromatisch, spritzig, würzig-warmer Abgang
Gesamt: Ein Bier, das ich an diesem heutigen Montag-Abend einfach super gebrauchen kann. Erfrischend anders überzeugt mich vor allem die grasig-herbe Hopfennote und die würzige Bittere. Interessant ist zudem das Alkoholaroma, was teils fast an eine Spirituose erinnert und dennoch nicht aufdringlich ist. Auch wenn ich mir mehr Fruchtaromen und einen Hauch mehr Karamell gewünscht hätte, möchte ich das NEIPA mit 13 Pkt. (1-) belohnen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.fullers.co.uk/blog/beer-articles/fullers-and-friends.

Prost & guten Abend! ?

366. Tölzer Mühlenfeldbräu | Dietrachinger Schwarze Tinte

Zum Wochenabschluss gibt es hier ein Bier, welches mich besonders aufgrund des Titels angesprochen hat. In einer meiner inzwischen monatlich eintreffenden Beertasting.Club-Aboboxen enthalten, wartete es auch schon einige Zeit auf seine Öffnung.

Die Schwarze Tinte ist – passenderweise – ein (klassisches) Stout. Gebraut wird es im Tölzer Mühlenfeldbräu in Bad Tölz in Kollaboration mit der Hausbrauerei Dietrachinger aus dem Innkreis in Oberösterreich. Erstere besteht seit 2008 und beendet damit eine lange brauereifreie Zeit in der Kurstadt an der Isar. Angeschlossen ist sie an das Tölzer Gasthaus, in es auch einen Gewölbekeller mit Cocktail-Bar gibt. Letztere ist Teil der Bierregion Innviertel und unterstützt die Interessengemeinschaft der Bierkonsumenten in Österreich. Das Stout zeichnet sich dadurch aus, dass es mit nur einem Hopfen (Sorachi Ace) und Roggenmalz gebraut wurde. Womit es eigentlich gegen das selbst auferlegte „Reinheitsgebot“ (Gerste, Hopfen, Hefe) steht.

„Isarwinkel trifft Innviertel und braut gemeinsam ein.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dry Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Moosbach (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: ganz leicht metallisch, Karamell, Lakritz, grasig, holzig, frisch & mild
Geschmack: recht voller Körper, röstig, holzig, Karamell-Süße, dunkelmalzig, getreidig, recht süffig, feinperlig – matt, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Interessant wie hier Vollmundigkeit und Süffigkeit erstaunlich nah beieinander koexistieren können. Auch die Süße gepaart mit einer röstigen Getreidenote vom Roggen sind sehr überzeugend. Mir hätte es nur noch etwas öliger, schwerer und karamelliger sein können, aber das ist ja Geschmackssache. Alles in allem aber ein ehrliches und leckeres Stout: 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.tmb.de/home/braukunst.php bzw. https://www.facebook.com/dietrachinger.brauerei/.

Prost & guten Abend! ?

365. Camba Bavaria Grisette

Nach dem kurzen und leckeren Abstecher in die Region, geht es heute weiter mit meiner etwas unterbrochenen Reihe diverser Craftbiere. Mit dem heutigen Bier möchte ich nach einer kleinen Pala Ale-Serie (noch) speziellere Bierstile vorstellen.

Das Grisette ist zwar kein eigener Bierstil, da es aber zu der recht großen Familie der belgischen Ales gehört, will man mit dieser Bezeichnung die etwas herberen und zitronen-grasigen Aromen hervorheben, die dieses Bier kennzeichnen.

Es reiht sich ein in ein inzwischen recht großes Sortiment der Camba-Bavaria-Brauerei, die in der Region Chiemsee einer der größten Craftbier-Player sind. Neben der Brauerei in Seeon gibt es noch eine Biererlebniswelt in Truchtlaching und die Old Factory in Gundelfingen. Gebraut werden seit 2016 am neuen Standort in Seeon bayrische Bierklassiker, zahlreiche internationale Bierstile sowie fassgelagerte Biere.

Grisette bedeutet übrigens auf deutsch so viel wie unverheiratete Frau (v.a. auch Geliebte eines Studenten oder Künstlers).

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches (Pale) Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Seeon
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: etwas metallisch, heuartig, grasig, hellmalzig, leicht zirtrus-fruchtig, wenig harzig
Geschmack: mittlerer Körper, grasig, heuartig, holzig, geringe Zitrusaromen, gewisse trockene Herbe, etwas bitter, matt – feinperlig, seichter leicht fruchtiger Abgang
Gesamt: Wieder einmal ein Bier, bei dem ich mich frage, ob es wieder am MHD liegt. Dieses ist nämlich einen guten Monat überschritten. Die so typischen herben und grasigen Zitrusaromen sind zwar klar erkennbar, doch über allem schwebt irgendwie so ein dumpfer Schleier, der den Geruch ziemlich metallisch und den Geschmack recht heuartig erscheinen lässt. Auch wenn es mir schwer fällt, da ich Bierstil wie Brauerei durchaus zu schätzen weiß, aber in Summe kann ich dafür nicht mehr als 7 Pkt. (3-) vergeben.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.camba-bavaria.de/internationale-biere/camba-grisette/.

Prost & guten Abend! ?

364. Heinenhofer Landkölner Wieß

Wie bereits im Bericht zum letzten Biermontag angekündigt, hatte ich mir eines der verfügbaren Landkölner Wieß der Mikrobrauerei Heinenhof aus der Brühler Eule mitnehmen können, um es Euch heute nochmals gesondert rezensieren zu können.

Alles zur kleinen aber feinen Landbrauerei findet ihr im obigen Link. Beim Bier handelt es sich um die Basis des dort bereits verkosteten Nashy – also einem Wieß Landkölner Art. Meiner Ansicht nach das bessere Kölsch, alleine da es schon naturtrüb ist, was ich stets bevorzugen würde. Schaun ma also mal, wie sich das Aushängeschild des Heinenhofs präsentiert.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wieß
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.1°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Puhlheim-Orr
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: säuerlich, holzig, harzig, malzig-weich, wenig Karamell
Geschmack: mittel-schlanker Körper, würzig, waldig, grasig, leicht hellmalzig, leicht getreidig, wenig Karamell, etwas Hopfenherbe, matt, würzig-süßer Abgang
Gesamt: Eines der charakterstärksten Wieß, die ich bislang getrunken habe. Allerdings in der Landkölner Ausprägung auch nicht unbedingt mit anderen Wieß kölscher Brauart zu vergleichen. Nichtsdestotrotz ein schmeckenswertes würzig-mildes Bier für jede Gelegenheit. Summa summarum 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.heinenhof.de/mikrobrauerei/hofklassiker/heinenhofer/.

Prost & guten Abend! ?

Blogbier, die XXXI. – JMP

Gestern war ich beruflich im rechten Rheinland unterwegs. Im Clostermanns-Hof in Niederkassel-Uckendorf gab es folgende zwei neue Biere für die Bierjubiläums-Liste. Beide entstammen der Klosterbrauerei zu Andechs in Oberbayern.

„Unsere Klosterbrauerei ist heute in Deutschland die größte von nur noch wenigen authentischen Klosterbrauereien, die eine existierende Ordensgemeinschaft konzernunabhängig führt. Sie gehört den Benediktinern von St. Bonifaz in München & Andechs. Gebraut und abgefüllt wird nur vor Ort in Andechs.“

Die 1455 gegründete Brauerei wirtschaftet dabei völlig selbstständig und nachhaltig. So ist man zwar nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, erhält aber auch keine Kirchensteuereinahmen. Dies gilt übrigens auch für das ganze Kloster.

Tasting-Notizen:

 

Mehr Infos unter: andechs.de.

363. Mikrobrauerei Heinenhof – Bierverkostung zur Eule 07/18

Heinenhof Nashy | Heinenhof Roter Korsar | Heinenhof Rheinische Felder | Heinenhof Schäselong | [költ]

Der letzte reguläre Biermontag in der Brühler Eule stand wieder mal ganz im Zeichen eines Gastbrauers, der durch den Abend führt. Nach Ale-Mania mit Fritz Wülfing (03/18) und der Lechenicher Blue Cat (05/18) war es für mich auch das erste Mal, dass ich auch dabei sein konnte. Gleichzeitig war es auch ein Novum in über 25 Biermontagen: Es gab ausschließlich Fassbiere und kein Bier aus der Flasche.

Angetreten war diesmal Michael Roeßgen von der Mikrobrauerei Heinenhof aus Pulheim-Orr – einem kleinen Gehöft nord-östlich von Pulheim. 2012 vom Profi-Radsport zurückgetreten, war Michael zunächst fünf Jahre im Düsseldorfer Landtag tätig. In dieser Zeit begann er mit dem Hobbybrauen und schloss sich den Kölner Bierhistorikern an, dem größten Hobbybrauverband der Region. Zur weiteren Spezialisierung seines angesammelten praktischen Wissens, vertiefte er auch die Theorie im Rahmen eines Biersommelier-Lehrgangs in Bamberg 2014. Im Laufe der Zeit reifte in ihm immer mehr der Gedanke eine eigene Brauerei zu eröffnen. Und so half ein weinig der Zufall weiter, als er von einem Freund erfuhr, dass der Heinenhof zur Verfügung steht. Zunächst waren allerdings noch einige Umbauten von Nöten, um hier auch alle gesetzlichen Bedingungen für den Braubetrieb zu erfüllen. Ende 2017 war es dann soweit und der erste Sud lief in die Fässer am Heinenhof. Die Zusammenarbeit mit den Bierhistorikern ist damit aber nicht beendet. Im Gegenteil, unter der Marke Craftbeer Creations Cologne (nicht zu verwechseln mit der Craftbeer Corner Coeln) kommt es zum Joint Venture der beiden bei der historische oder kreative Biere entwickelt werden. Dabei gilt stehts das Motto „So authentisch wie möglich, und den heutigen Genussgewohnheiten so angepasst wie nötig“.

Neben der Brauerei gibt es übrigens weiterhin einen Bauernhof mit Hofladen vor Ort.

Am mobilen Zapfhahn hatte Michael gleich 5 seiner aktuellen Köstlichkeiten mitgebracht:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch-Marken vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal gab es jedoch „brauereibedingt“ kein Kölsch, sondern ein Wieß. Nach dem Bönnsch und dem Bonner Wieß von Ale-Mania ist es das dritte im Bunde, zeichnet sich jedoch noch durch eine (weitere) Besonderheit aus. Denn es ist nicht nur ein Wieß – also ein naturtrübes Kölsch – sondern auch noch kaltgehopft. Auf Basis des Heinenhofer Klassikers des Landkölner Wieß wurde somit das Nashy kreiert. Der Name  bezieht sich dabei auf die in Nashville entwickelten Hopfensorten Calypso, Lemondrop und Mosaic, welche zur Hopfenstopfung Verwendung fanden. Auf die Idee ist Michael während seines Aufenthaltes vor Ort im vergangen Jahr gekommen. Damit nicht  genug wurden hier nicht „herkömmliche“ Hopfenpellets verwendet, sondern sog. Kryo-Hopfen. Diese T45-Pellets sind im Gegensatz zu den verbreiteteren T90-Pellets hochkonzentriert und eben tiefgefroren. Zudem besteht hier die Möglichkeit durch Extraktion von Hopfenbestandteilen ausschließlich eine bestimmte Bittere zu erhalten und andere aromabildenden Bestandteile zu separieren. Richtigerweise wurde beim Nashy bemerkt, dass es sich durch die Kalthopfung streng genommen nicht mehr um ein Wieß handeln könnte. Da es hierfür explizit aber noch keinen Bierstil gibt, läuft das Bier inoffiziell auch unter der Bezeichung Colonial Pale Ale.

Persönlicher Eindruck:
– sehr zitrusfruchtig, heuartig, grasig, hopfig, kräuterig, Tee, Grapefruit
– trocken, süffig, hopfig-grasig-herb, dumpf-fruchtig, moderate Bittere

Bier #2 war der Rote Korsar – ein Saison-Bier. Der Name leitet sich hier ebenfalls von der verwendeten Hopfensorte ab: dem Barbe-Rouge-Hopfen aus dem Elsass. Interessant ist daneben auch die Gärtemperatur von 26°C und der hohe Endvergärungsgrad von 95%. Kreiert wurde das Bier zum Start der diesjährigen Spargel-Saison zu dem man das Bier sehr gut trinken kann.

Persönlicher Eindruck:
– würzig, hefig, bananig, spritzig, leicht grasig
– weich, hefig, bananig-fruchtig, leicht bitter, trocken, hellmalzig, (Karamell-S9süß, bitter süßer-Abgang

Weiter ging es mit einem Double IPA – die Rheinischen Felder. Im Stile eines West-Coast IPA soll der Name an den römischen Naturkundler Plinius den Älteren erinnern, der bei den Germanen im Rheinland den Hopfen erforscht hatte. Das Bier läuft übrigens unter dem C³-Label.

Persönlicher Eindruck:
– stark hopfig, leicht Karamell, mehr Gras als Frucht, kräuterig, bitter
– ölig, schwer bitter, süßlich , grasig-herb, unterschwellige Karamell-Süße

Im Anschluss folgte dann ein Bière de Garde. Früher auf nordfranzösischen Höfen gebraut, hat sich Michael und seine Historiker-Kollegen an eine Interpretation mit dem Namen Schäselong gemacht.

Persönlicher Eindruck:
– leicht röstig, dunkelmalzig, rotfruchtig, blumig
– ölig, dunkel, leicht röstig, dezent fruchtig, malzbetont, matt, karamell-fruchtiger Abgang, Restsüße von Honig

Das letzte Bier der Verkostung war die Süffige Sünde. Bereits beim Festival der Bierkulturen in Köln-Ehrenfeld vor 2 Wochen proBiert, war es nun zwar kein neues Bier mehr, aber erneut hochspannend und mein Lieblingsbier des Abends. Das Kölnische Knupp ist eines der Bierstile, die Michael auch im Rahmen seines Engagements der Kölner Bierhistoriker betreut. Es handelt sich  dabei um ein dunkles, untergäriges Starkbier, dass in Köln und Umland bis ins 19. Jahrhundert ähnlich beliebt war wie heute das Kölsch. Die Stärke in Verbindung mit einer recht hohen Süffigkeit führten jedoch auch zu immer häufigeren gewalttätigen Auseinandersetzungen von An- oder Betrunkenen. Dies veranlasste den Kölner Rat schließlich das Bier in Köln zu verbieten und nur noch das Brauen von obergärigem hellen Bier (also dem Wieß (als Vorläufer zum Kölsch)) zu gestatten. Dies hatte zwei Dinge zur Folge: Erstens verlagerten sich die Braustätten nun vor die Tore von Köln und zweitens war damit der Weg für den bis heute anhaltenden Kölsch-Siegeszug geebnet. Aus alter Tradition verbunden braut nun Michael genau dieses Knupp vor den Grenzen der Domstadt. Neben diversen Caramalzen, verwendet er zudem Schoko-, Rauch- und Kaffee-light-Malz sowie Röstgerste, Haferflocken und Süßholzwurzel.

Persönlicher Eindruck:
– sauer, frisch, dunkelmalzig, Kaffee, Zartbitter, wenig Rauch
– ölig, sehr dunkelmalzig, Schoko-Cappuccino, etwas Laktritz, etwas bitter, cremig, leicht rauchig-röstiger Abgang

Gesamtfazit:

Ein wirklich toller Abend mit einem sympathischen authentischen Brauer und durchweg (sehr) leckeren und frischen Bieren. Es ist immer wieder erstaunlich, wie eine Mikrobrauerei vielfältigere Qualität erreichen kann als eine große Industriebrauerei. Wer also mal im westlichen Kölner Umland unterwegs sein sollte, dem sei der Heinenhof sehr empfohlen. Jeden zweiten Freitag im Montag gibt es auch ein offenes Tasting mit Bierverkauf. Zum Glück hatte Michael auch noch ein paar Flaschen seiner Köstlichkeiten mitgebracht, sodass ich beim Landkölner Wieß zugeschlagen habe, welches ich in Kürze hier separat vorstellen werde.

Meine persönliche Gesamtwertung der Juli-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung hatte ich in professioneller Runde nun auch endlich die Gelegenheit das schon angekündigte költ zu proBieren. Hierzu wird es in Kürze einen Sonderbericht geben.

Vielen Dank also nochmals an Michael für den interessanten und leckeren Abend.
Mit dem Hinweis auf die nächste Verkostung am 6. August zum Thema „Tschechische Biere“ verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

362. Ketterer Imperial Gold

Den zumindest dieswöchigen Höhepunkt meiner kleinen Pale-Ale-Reihe erreichen wir heute mit dem Imperial Gold aus dem Hause Ketterer. 1888 in Pforzheim gegründet ist die Brauerei bis heute in identischem Familienbesitz. Dies liegt unter anderem daran, dass man neben traditionell (süd-)deutschen Bierstilen inzwischen auch Biere kreiert, die man landläufig den sog. Craftbieren zuordnen würde. Auch wenn es sich im Grunde bei allem Bieren der Privatbrauerei um Manufaktur-Bier handelt, ist es richtig und wichtig, dass sich solche kleineren Brauereien auch anderen Stilen öffnen.

Mit dem Imperial Gold feiert ganz Pforzheim „250 Jahre Goldstadt“ und damit handwerkliches Können, Kreativität, Tradition und Innovationsfähigkeit. Der Markgraf von Baden legte 1767 den Grundstein für das bedeutendste Zentrum der Uhren- und Schmuckfabrikation in Deutschland. Auch wenn diese Zeiten längst vorbei sind, ist ein Imperial India Pale Ale eine durchaus pompöse Art daran zu erinnern.

„Ein luxuriöses Schmuckstück.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  22.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 9,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Pforzheim
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: klar hopfig, grasig, blumig, fruchtig nach roten & Zitrusfrüchten, malzig-würzig, leicht alkoholaromatisch, ölig
Geschmack: schwerer Körper, recht ölig, cremig, karmamellig, dunkelmalzig, würzig, hopfig-herb, etwas alkoholaromatisch, wenig bitter, matt, herb-süßer Abgang
Gesamt: Auch wenn mir hier ebenfalls eine klarerer Hopfen-Note fehlt, bin ich merkwürdigerweise mit diesem Bier deutlich zufriedener als mit den bisherigen Pale Ales. Es hat Charakter, bildet grundsätzlich den Stil ab und weiß auch optisch zu gefallen. Zwar reicht es geschmacklich nicht ganz zur besten Notenstufe, dafür bin ich heute milde gestimmt und werte es gesamthaft trotzdem mit 13 Pkt. (1-) ein.

Weitere Infos zum Bier unter: https://brauerei-ketterer.de/de/biere/imperial-gold.php.

Prost & guten Abend! ?