Archiv für den Monat: Oktober 2018

Blogbier, die XXXVIII. – Politisches Berlin

Im Rahmen einer politischen Bildungsreise in der deutschen Hauptstadt hatte ich die Gelegenheit folgende Biere in meine Liste aufzunehmen. Dabei war ich durchaus überrascht, in welcher Dominanz der Hauptstadt-Primus Berliner-Kindl (auch als Marke) in den Berliner Gaststätten vertreten ist.

Tasting-Notizen:

  • Berliner Kindl Pils:
    – 11.2°P; 4,8%; untergärig
    – vom 1872 als Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG im damaligen Vorort Rixdorf gegründeten und seit 2006 als Berliner-Kindl-Schultheiß-Brauerei firmierenden Brauunternehmens
    – getrunken im Alt Berliner Biersalon
    – klar herb, würzig, spritzig, nicht süffig
    – https://www.berliner-kindl.de/
  • Berliner Kindl Jubiläums-Pilsener:
    – 11.7°P; 5,1%; untergärig
    – Premium-Pils, das zum Berliner 750-Jahr-Jubiläum 1987 herausgebracht wurde
    – mild, grasig, weniger herb, leicht fruchtig
    https://www.berliner-kindl.de/Aktionen/Braukunst
  • Märkischer Landmann:
    – 11.4°P; 4,9%; untergärig
    – Schwarzbier, dessen Ursprung leider im Dunklen verborgen bleibt
    – sehr mild, leicht röstig, vom Stil her zwischen Schwarzbier & Dunkel
  • Berliner Kindl Zwickl:
    – 5,2%; untergärig
    – naturtrübes Kellerbier
    – hefig, leicht fruchtig, hopfig, leicht würzig, grasig, leicht holzig
  • Hopfingerbräu Pils:
    – untergärig
    – vom Hopfingerbräu im Palais zwischen Brandenburger Tor und Reichstag, auf dessen Terrasse man beide zentralen Sehenswürdigkeiten erblicken kann
    – zur Geschichte und zum Brauort der Biere lässt sich nichts Eindeutiges herausfinden
    – würzig, hopfig, herb, grasig
    https://www.bier-genuss.berlin/de/hopfingerbraeu-am-brandenburger-tor
  • Hopfingerbräu Helles:
    – untergärig
    – naturtrübes Helles (also ein Zwickl)
    – mild, würzig, erdig, „Brauhauscharakter“
  • Hopfingerbräu Dunkel:
    – untergärig
    – bayrisches Dunkel
    – süßlich, Karamell, leicht röstig, herb
  • Hopfingerbräu Weißbier:
    – obergärig
    – Weißbier aus Bayern
    – weniger bananig, hefig, säuerlich, getreidig-süß

Danke auf diesem Wege auch nochmals an unsere Reiseleitung für die interessante Fahrt. 🍻

423. AleMania Amber Ale

Bevor ich morgen für einige Tage auf politische Berlin-Reise gehe, freue ich mich heute seit langem mal wieder ein Fritz Ale proBieren zu dürfen. Nachdem ich mich zuletzt das ständige Sortiment in Gänze gelistet hatte, ist mir wieder ein Neuling in die Finger geraten. Für den Craftbier-Pionier aus der Bundesstadt Bonn, der sich vor allem auf Pale Ales und IPA spezialisiert hat, ist es das erste Bernstein-Ale.

„Lange Zeit wurde das Bier in deutschen Landen unkritisch getrunken, jetzt ist Zeit für mehr Geschmack und bewussten Genuß!“

Wer übrigens noch mehr seiner Biere genießen möchte, dem sei der Werksverkauf jeden ersten Samstag in Bonn-Beuel ans Herz gelegt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: leicht säuerlich, röstig, würzig, holzig, etwas rauchig, gering malzig
Geschmack: mittelkleiner Körper, holzig, würzig, erdig, röstig, etwas dünn, feinperlig, holzig-herber Abgang
Gesamt: Ein wahrlich interessantes Amber Ale. Sicherlich ist der Bierstil recht offen für Interpretationen, doch ist mir bislang kein derartig röstig-holziges Exemplar an den Gaumen gekommen. Leider trifft es deshalb auch nicht ganz meinen Geschmack – ich hätte mir eine deutlich höhere Malzkomponente gewünscht. In Summe verbleiben aber dennoch gute 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn.

Prost & guten Abend! 🍻

422. Strong Suffolk Vintage Ale

So, nach längerer Bier-Pause gibt es heute und Morgen mal wieder was zu lesen. Dabei möchte ich mit einem Bier beginnen, dass ich tatsächlich schon etwas länger im Depot habe und eigentlich auch noch nicht anrühren wollte, da es sich um ein Vintage-Bier handelt.

Hierbei wurde ein englisches Old Ale mit 12% Alkohol für über zwei Jahre in einem Eichenholzfass gelagert und kurz vor der Abfüllung noch mit einem frisch gebrauten dunklem Bier vermengt. Verzapft wird dieses Bier von der 1799 gegründeten englischen Brauerei Greene King aus Suffolk. Unter dieser Brauerei versammeln sich auch die Marken Belhaven, Old Hen und Abbot. Einige der Vertreter des Sortiments finden sich seit neuestem auch in deutschen Discountern wieder. Woher ich das Bier habe – muss ich gestehen – weiß ich gar nicht mehr genau, bin mir aber ziemlich sicher es geschenkt bekommen zu haben. Also vielen Dank an Unbekannt und mal schmecken, wie sich dieses fassgelagerte Blend/Cuvée-Bier schlägt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Old Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bury St. Edmunds (England)
Erscheinungsjahr. . .
2005

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr karamellig, holzig, leicht harzig, Bonbon, getreidig, erdig, ganz leicht säuerliche & dunkle Fruchnoten
Geschmack: mittelgroßer Körper, leicht ölig, karamellig, holzig, würzig, leicht röstig, feinperlig-matt, holzig-herber Abgang
Gesamt: Nachdem ich ob der transparenten Flasche und der langen wenig gekühlten Lagerzeit schon wieder Schlimmes erahnt hatte, bin ich positiv überrascht. Nicht nur in der Nase, auch am Gaumen präsentiert sich das Strong Suffolk interessant und durchaus lecker. Mir fehlt es nur noch an einer klaren Linie, die jedoch bei Blend- bzw. Cuvée-Bieren grundsätzlich schwer hinzubekommen ist. Daher ist es nun weder richtig dunkel und schwer, noch richtig süß und holzig. Führt alles in allem aber trotzdem zu guten 12 Pkt (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.greeneking.co.uk/our-beers/.

Prost & guten Abend! 🍻

421. Pinzgau Weizen

Zum Abschluss der Woche gibt es heute noch ein recht verschwiegenes Bier. Es war Teil meines letzten Bierabo-Pakets des Beertasting.Club und kommt aus Österreich. Genauer aus Brock an der Großglocknerstraße am Salzach und südlich des Zeller Sees. Dort hat sich bereits 2002 Hans Peter Hochstaffl – genannt Staff – ausgemacht und sein Hobby zum Beruf gemacht und wurde Brauer. 13 Jahre später gründete er seine eigene Brauerei „Pinzgau Bräu“ im Salzburger Land. Auch wenn es ein Pale Ale ins Sortiment geschafft hat wird eher süddeutsch gebraut. Neben einem Rauchbier sind auch zwei Weißbiere erhältlich, von denen ich Euch eines heute vorstellen möchte.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bruck (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: bitter-würzig, sehr hefig, dumpf-bananig, malzig, harzig
Geschmack: mittelgroßer Körper, leicht säuerlich, etwas würzig, malzig, wenig Frucht, gewisse Bittere, spritzig, herb-säuerlicher Abgang
Gesamt: Leider habe ich hier wohl mit einem Bier zu tun, dass schon etwas „drüber“ ist. Anders kann ich mir den recht oxidierten Geschmack nicht vorstellen, der leider einen ggf. interessanten würzig-malzig-süßen Weißbier-Geschmack überlagert. Mir bleibt deshalb auch leider nichts anderes übrig als das Pinzga Weizen mit 8 Pkt. (3) nach Hause zu schicken.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.pinzgau-braeu.at/index.php/unsere-biere/weizen.

Prost & guten Abend! 🍻

420. Überquell Superdupa IPA

Im Rahmen meiner wahllosen Plünderung meiner Vorräte möchte ich Euch heute ein Bier vorstellen, von dem ich gedacht hatte es schon längst getan zu haben. Aber irgendwie hat es mit mir und dem Superdupa bislang nicht sollen sein. Doch heute nun sollen sich unsere Wege kreuzen.

Entwickelt von den ÜberQuell Brauwerkstätten in den Hamburger Kasematten, wird es vom Schnitzlbaumer in Traunstein gebraut und abgefüllt. Neben interessanten Seasonals und limitierten Bieren ist das Standard-Sortiment vor allem von Pale Ales und Lagers geprägt. Die vor wenigen Jahren entstandene Kuckucks-Brauerei vom St.Pauli-Fischmarkt ist gemessen an Bierauswahl und Größe stereotyp für deutsche Craftbrauerszene. Nachdem ich bereits das World White IPA proBieren durfte, bin ich nun gespannt, ob das heutige IPA wirklich seinem Namen Stand hält.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg (Traunstein)
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: klar grasig-fruchtig-süß, Maracuja, Papaya & Bitterorange, harzig, erdig-waldig, leicht buttrig
Geschmack: mittelgroßer Körper, weich, bitter, dumpf-süßlich, harzig, leicht säuerlich, feinperlig-matt, grasig-herber Abgang
Gesamt: Nunja, also gut ist das IPA schon, aber wirklich Supadupa? Daran habe ich so meine Zweifel, denn zu stark irritieren mich die säuerlich-harzigen Noten. Und auch die grasige Fruchtigkeit hätte für meinen Geschmack noch deutlicher erkennbar sein können. Gewiss ist es ein IPA, dass ein wenig aus der Masse heraussticht, aber leider auch nicht in allen Belangen mein Fall ist. Trotzdem kann ich in Summe fairerweise nicht weniger als 12 Pkt. (2+) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://ueberquell.com/biere/.

Prost & guten Abend! 🍻

419. Forst Premium

Wie gestern versprochen folgt heute nun das zweite italienische Bier. Wobei man streng genommen schreiben müsste südtiroler Bier. Denn wer einmal dort war wird feststellen, dass sich die Einwohner Südtirols nicht wirklich als Italiener verstehen, auch wenn das Gebiet de jure seit Ende des Ersten Weltkrieges zu Italien gehört. Neben umfangreichen Autonomierechten sticht vor allem die deutsche Sprache als hauptsächliches Differenzierungsmerkmal Südtirols hervor. Dabei vereint die Region alle guten Eigenschaften Österreichs und Italien und ist auch dank einer wunderschönen Landschaft und des mediterranen Klimas eine der beliebtesten Urlaubsregionen Europas.

Zwischen Ötztaler Alpen und der Hauptstadt Südtirols Bozen liegt an der Etsch die größte Brauerei des Landes. 1857 gegründet ist die Spezialbierbrauerei Forst aus der Algunder Fraktion überraschenderweise bis heute in privater Hand und wird nach Übernahme sechs Jahre später von der Familie Fuchs geführt. Heutige Geschäftsführerin und Inhaberin in vierter Generation ist Margherita Fuchs von Mannstein, die über 400 Mitarbeiter verantwortet.

Zwei Biere der Brauerei, die mir aber auch schon bei früheren Alpenurlauben über den Weg gelaufen sin, durfte ja bereits mit Nils proBieren. Umso mehr bin ich nun auf das Aushängeschild der Brauerei gespannt, was es Bierstil-technisch aber schwer haben wird sich besonders hervorzutun. Helfen könnte ihm, dass es im südlichsten deutschen Sprachraum kein Reinheitsgebot gibt. Und so hat es typisch italienisch Maisgrieß in dieses Lagerbier geschafft.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Algund (Südtirol)
Erscheinungsjahr. . .
1863

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: leicht metallisch, sehr malzig, getreidig-süß, leicht Karamell, würzig, weich, leicht waldig-fruchtig
Geschmack: süffig, malzig süß, getreidig, strohig, würzig, etwas gemüsig, matt-feinperlig, süß-würziger Abgang
Gesamt: Wie zu erwarten reißt das Forst Premium nicht wirklich etwas heraus. Dennoch ist grundsolide und somit für den Erfolg erklärbar. Dem verwendeten Maisgrieß würde ich eine waldig-gemüsige Note zuordnen, die das Bier tatsächlich etwas interessanter wirken lässt. Ansonsten ist es mit 10,5 Pkt. (2(-)) normaler Durchschnitt.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.forst.it/de/biersorten/premium.

Prost & guten Abend! 🍻

418. Angelo Poretti Luppoli 4

Im Nachgang zum letztwochenendlichen Mini-Bier-Tasting mit Nils möchte ich heute und morgen zwei norditalienische Biere vorstellen, die das letzte Woche überstanden haben und mir freundlicherweise mein Schwiegervater aus Südtirol mitgebracht hat.

Das heutige Luppoli 4 stammt von der 1877 in Valganna gegründeten Birrificio Angelo Poretti. Gründer Poretti zog nach seiner Brauerausbildung zunächst durch Österreich, Bayern und Böhmen, bevor er sich seinen Traum der eigenen Brauerei in der Lombardei erfüllte. Bereits Anfang des letzten Jahrhundert zog die Brauerei vermutlich aus Kapazitätsgründen ein wenig weiter südlich nach Iduno Olona – ebenfalls unweit der schweizerischen Grenze entfernt. Seither kann sich die Brauerei in einem schönen Jugendstil-Gebäude sehen lassen, dass früher einem Museum diente. 1982 stieg dann die Carlsberg-Gruppe mit zunächst 50% Firmenanteilen ein und erhöhte diese um je ein weiteres Viertel in 1998 und 2002, um schließlich Volleigner der Brauerei zu sein.

Wer ein wenig Italienisch-Kenntnisse mitbringt wird feststellen, dass der Biername einfach mit Hopfen 4 zu übersetzen ist. Das liegt daran, dass bei diesem Lager vier Hopfensorten Verwendung finden. Poretti macht es sich übrigens einfach und benennt seine Biere in identischer Wiese immer anhand der Anzahl der Hopfensorten, die den Weg ins Bier finden. Neben Gerste als Rohfrucht wird dem Luppoli leider auch Glukosesirup zugesetzt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Glukosesirup, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Iduno Olona (Italien)
Erscheinungsjahr. . .
1877

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: mild würzig, hell-malzig, getreidig-süß, wenig herb
Geschmack: mittelkleiner Körper, weich, würzig, malzig, strohig, grasig, waldig, etwas bitter-harzig, feinperlig-spritzig, trocken-süß-herber Abgang
Gesamt: Auch wenn es optisch nicht so den Eindruck erweckt, aber das Luppoli 4 ist durchaus eine Empfehlung wert. Gegebenenfalls ist die obige Wertung etwas zu hoch gegriffen, allerdings gibt es durch die Verwendung des Glukosesirups auch Abzüge in der B-Note, sodass am Ende 11 Pkt. (2) auf der Skala stehen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.birrificioangeloporetti.it/en/beer/4-luppoli-lager.

Prost & guten Abend! 🍻

417. Kees Spring Blossom

Da es sich in den letzten Tagen ja schon wieder fast wieder nach Sommer anfühlte, ist mein heutiges Bier vielleicht doch nicht so antizyklisch wie bereits befürchtet.

Im Bad Godesberger P&M bin ich darüber gestolpert, da es mit einer interessanten „Zusatz-Zutat“ aufwarten kann. Denn dem Pale Ale wurden während der Sudphase Blüten hinzugefügt. Welche erfährt der geneigte Betrachter zwar nicht, dennoch ist es eine interessante und gerade für den Frühling schöne Idee. Zudem ist es mir bislang nicht bekannt, dass die Craftbier-Szene diesen Food-Trend bis dato aufgegriffen hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Blüten, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Middelburg (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: hopfig-herb-fruchtig nach Litschi, Limette & Papaya, leicht säuerlich-bitter, wenig karamell-malzig
Geschmack: voller Körper, recht bitter, grasig, herb, fruchtig, blumig, wenig malzig, spritzig, süß-bitterer Abgang
Gesamt: Durchaus ein interessantes Pale Ale, das auch optisch überzeugen kann. Was mir gefällt ist der vielfältige Geschmackseindruck, was mir nicht gefällt ist die doch erhebliche Bittere, die von einer gewissen Spritzigkeit noch unterstrichen wird. Das ist insofern auch schade, da damit wohl auch die Blütenaromen nicht ganz herauskommen. Deshalb reicht es auch nur für 10 Pkt. (2-) in der Gesamtwertung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brouwerijkees.nl/.

Prost & guten Abend! 🍻

Blogbier, die XXXVII. – Goldener Herbst

Am Wochenende hatte uns erfreulicherweise spontan mal wieder Nils besucht. Eine sehr gute Gelegenheit mal wieder meine Vorräte zu plündern:

Tasting-Notizen:

  • Birra Moretti:
    – 4,6%; untergärig
    – international Lager der wohl bekanntesten Biermarke Italiens aus Udine
    – nach Rezeptur von 1859
    – seit 1996 zu Heineken gehörend
    – sehr würzig, malzig, wenig herb
    – mittlerer Körper, würzig, hellmalzig, getreidig, grasig, matt, grasig-strohiger Abgang
    – https://www.birramoretti.com/our-beers/birra-moretti-autentica/
  • Forst Kronen Special:
    – 5,2%; untergärig
    – Export-Bier mit Maisgrieß
    – von der 1857 gegründeten Spezialbier-Brauerei Forst in der Algunder Fraktion
    – größte Biermarke Südtirols & privat geführt
    – malzig, fruchtig, würzig-herb
    http://www.forst.it/de/biersorten/kronen
  • Forst Sixtus:
    – 6,2%; untergärig
    – Doppelbock
    – ebenfalls mit Maisgrieß
    – Glukosesirup, Karamell, Duneklmalz, Wald
    – leicht röstig, süßlich, wenig malzig, harzig, süßlicher Abgang, feinperlig
    http://www.forst.it/de/biersorten/sixtus
  • Maxl Helles:
    – 5,1%; untergärig
    – von der 1636 in Tuntenhausen gegründeten Schlossbrauerei Maxlrain
    – 2016 mit dem goldenen Bundesehrenpreis als beste Brauerei Deutschlands ausgezeichnet worden
    – hopfig, erdig
    – das Durchschnitts-Helle: süffig, etwas flaches Finish, keine übermäßige Hopfennote
    https://www.maxlrain.de/de/unsere-biere/maxl-helles
  • Härke Pils:
    – 11°P; 4,9%; untergärig
    – von der 1890 entstandenen BrauManufaktur Härke aus dem niedersächsischen Peine
    – buttrig. grasig, wenig herb
    – recht süffig, sehr herb, etwas malzig, feinperlig, hopfig-herber Abgang
    http://www.braumanufaktur-haerke.de/unsere-biere.html
  • Erl Hell:
    – 5,4%; untergärig
    – gebraut von der 1871 gegründeten Landbrauerei Ludwig Erl aus dem niederbayrischen Geiselhöring
    – hellmalzig, leicht fruchtig, blumig
    –malzig, süßlich, weich, blumig, waldig, matt, leicht herber Abgang
    https://www.erl-braeu.de/brauerei/hell
  • De Dochter van de Korenaar Sans Pardon:
    – 11%; obergärig
    – Russian Imperial Stout mit Rooibos-Tee
    – aus der niederländisch-belgischen Exklaven-Enklaven Stadt Barle-Hertog
    – trocken, leicht bitter, röstig, ölig, sehr dunkel, blumig, Bonbon
    – ölig, schwer, Karamell, röstig, holzig, wenig dunkelmalzig, harzig, etwas bitter, nussig, süßlich-herber Abgang, aber so gut wie kein Rooibos zu erkennen
    http://www.dedochtervandekorenaar.be/#vastebierenCntr
  • Emelisse Barley Wine:
    – 12%; obergärig
    – Barley-Wine (mit Glukosesirup) aus dem niederländischen Goes
    – sehr schwer, rotweinig, fruchtig, röstmalzig
    – weniger ölig, würzig, fruchtig, rotweinig, malzig, leicht bitter, rotweiniger Abgang
    https://www.emelisse.nl/en/our-beers/
  • Löwenbräu Oktoberfestbier:
    – 6,1%; untergärig
    – vom 1756 gegründeten Löwenbräu, das seit 1997 zu Spaten und somit zu ABInBev gehört
    – sehr würzig, malzig, herb
    – mittel-süffig, sehr malzig, süßlich, würzig, matt, süßlicher Abgang
    https://loewenbraeu.de/loewenfuetterung/loewenbraeu-oktoberfestbier

Danke also für die Unterstützung Nils. 🍻

416. Raschhofer Lebenslust

Es scheint als hätte sich der goldene Oktober nun freundlicherweise in weiten Teilen stabilisiert zu haben. Höchste Zeit also für ein wenig Lebenslust. Wer mein Blog regelmäßig verfolgt und sich brav an meine Trinkempfehlungen hält, sollte zwar im Grunde genügend hiervon haben, aber sich ist sicher.

Die Lebenslust der österreichischen Traditionsbrauerei Raschhofer ist nach einem belgischen Witbier gebraut und enthält neben Haferflocken auch die Witbier-typischen urtümlichen Gewürze Koriander, Salz und zusätzlich Orangenschalen. Die 1645 gegründete Brauerei aus dem Innviertel (im Bier-Sinne quasi das Franken Österreichs) hat neben süddeutschen Bierklassikern auch seit einiger Zeit Biere des sog. Craft-Segments, wie Pale Ale, Red Ale oder Porter im Sortiment.

„Ein solches Bier zu brauen ist eine Kunst. Wie jene, das Leben zu genießen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Witbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Haferflocken, Koriander, Bitterorangen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Altheim (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr sauer-fruchtig, hefig-bananig, leicht würzig, erfrischend
Geschmack: mittelgroßer Körper, erfrischend, leicht sauer, etwas hellmalzig-würzig, weizig-hefig, feinperlig, süß-waldiger Abgang
Gesamt: Auch wenn das Innviertel nicht gerade in der Nähe Belgiens liegt, ist dieses Witbier mehr als solide gelungen. In jedem Falle stilsicher, hätte ich mir nur noch etwas mehr Tiefgang und Charakter gewünscht. So gehen die 11.5 Pkt (2(+)) aber voll in Ordnung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.raschhoferbier.at/.

Prost & guten Abend! 🍻

415. Hofmark Simaro

Zwischen Kryptowährung gestern und einigen Bieren außerhalb des sog. Reinheitsgebots wollte ich heute erneut ein eigentlich simples Craftbier verkosten.

Dabei ist mir schon der Name aufgefallen, der mich irgendwie an eine andere Craftbier-Marke erinnerte, die ich aber ad hoc nicht zuordnen konnte. Da bin ich dann bei der Recherche auf eine ganz interessante Geschichte gestoßen, die ich Euch unter dem unten stehenden Link nicht vorenthalten möchte. An dieser Stelle möchte ich nicht jedes Detail wiedergeben, aber schon mal verraten, dass sich der Name an das Amarsi von BrauKunstKeller des Alex Himburg anlehnt, welcher wiederrum auf die verwendeten Hopfensorten Amarillo und Simco zurückzuführen ist. Himburg und die Brauerei Hofmark aus dem bayrischen Wald sind nach dessen Pleite 2016 bis letztes Jahr gemeinsame Wege gegangen, bevor sie sich im Streit aus diversen Gründen trennten und Hofmark nun auf Biere der Marke Himburg sitzt, die dort entwickelt und gebraut wurden aber nun nicht unter der Marke Hofmark vertrieben werden können.

Soll heißen, eigentlich habe ich es hier mit einem BrauKunstKeller Amarsi zu tun, dass nun aber den neuen Namen Hofmark Simaro trägt, aber in der Rezeptur seit letzten Jahr keine Änderung erfahren hat. Der Kronkorken ist im Übrigen auch identisch.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Double IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Loifling
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr exotisch-fruchtig nach Ananas, Mango, Feige, Maracuja & Papaya, grasig, waldig, wenig Karamell, frisch
Geschmack: voller Körper, hopfig-herb, grasig, bitter-fruchtig, wenig malzig, weich, ganz leicht alkoholaromatisch, feinperlig, süß-herber Abgang
Gesamt: Egal, was im Hintergrund zwischen den Brauverantwortlichen ablief, dieses Bier gehört definitiv zu den besseren der deutschen Craftbier-Szene. Sicher nicht herausragend im Stile eines Double IPA, aber stilsicher in seiner grasig-herben Fruchtigkeit. Auch die 8 Umdrehungen merkt man dem Simaro kaum an. Deshalb sehr gute 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.hofmark-brauerei.de/fileadmin/downloads/Hofmark_SIMARO.pdf.

Prost & guten Abend! 🍻

414. Robin Green Berliner Schwarze

Da wollte ich heute einfach mal wieder ein Bier aus meinem Beertasting.Club-Engagements trinken, da tauche ich auch einmal während meiner Recherche ein in die Welt der Bitcoin und Blockchain.

Denn die Craft Beer Revolution Company Robin Green AG startete letztes Jahr in der deutschen Hauptstadt das mir erstbekannte Bierprojekt auf digitaler Währungsbasis. Als Gypsy-Brauer beteiligt sich das Unternehmen, das von einem ehemaligen Hobbybrauer und einem ehemaligen Architekten geführt wird, an anderen Craftbeer-Companies und ist Franchise-Geber einer gänzlich neuen Gastronomie-Idee: der CryptoBar. Sowohl Robin Green als auch die CryptoBar verbinden in bislang einzigartiger Weise die Krypto- und Craft Beer-Szene. Dabei hat das Unternehmen mit dem CraftCoin gleich eine eigene Kryptowährung initiiert. Auf Basis der Blockchain-Technologie kann mit dieser Währung Geld international anonymisiert versandt und „geschürft“ werden. Vor allem aber kann man mit dieser Währung auch sein Craftbeer in der CryptoBar bezahlen, die darüber hinaus mit folgenden Ausstattungsmerkmale aufwartet:

  • Bezahlsystem mit CraftCoin/Bitcoin
  • Bitcoin ATM (wo zulässig)
  • Flexible Preise regeln Angebot und Nachfrage.
  • Große Videowand zeigt Angebote, Preise etc.
  • Immer 12+ Craft Beers am Hahn
  • CI Konzept mit spezieller Bar und Tischen als Eyecatcher
  • Erlebbares Mining

Neben den ganzen Krypto-Innovationen lässt Robin Green aber auch an wechselnden Orten Bier brauen. Das bekannteste hat es zwar noch nicht zur Serienreife geschafft, hat aber vor allem mein Interesse als Kronkorken-Sammler geweckt. Schließlich befinden sich in dem Kronkorken des Crypto-Bieres Craftcoins. Neben diesem SMASH gibt es aber auch noch weitere Biere der Berliner Unternehmer – und eines davon möchte ich Euch heute vorstellen. Es ist quasi das Komplementär des bekanntesten Bierstils der deutschen Kapitale: ein Schwarzbier aus der Stadt der Weisse. Doch es ist kein gewöhnliches Schwarzbier, wird es doch mit den Hopfen Magnum und T’n’T sowie Ginseng und Maca eingebraut. Brauort ist im Übrigen die Brauerei Landsberg östlich von Halle vor der sächsischen Grenze.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Schwarzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Ginseng, Maca, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin [Landsberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr schwer, karamellig-süß, dunkelmalzig, leicht röstig & holzig, gewürzig
Geschmack: voller Körper, leicht bitter, Karamell, Röstaromen, würzig, sehr dunkelmalzig, matt, süß-waldiger Abgang
Gesamt: Da bin ich doch mal überrascht. Da hat die Brauerei Landsberg doch einen richtig guten Job gemacht. Auch wenn ich arge Bedenken hatte wieder einem Marketing-Bier aufgesetzt zu sein, wo zwar Craftbier drauf steht, aber keins drin ist, muss ich zumindest zugeben, dass man hier ein wirklich gutes Bier kreiert hat, dass Seele und Tiefgang und damit auch seine 13. Pkt (1-) verdient hat. Nichtsdestotrotz möchte ich hierneben meine Kritik an solchen Craftbier-Unternehmungen zum Ausdruck bringen, die ein wenig die Idee vom Manufaktur-Bier ad absurdum führen, trotz dessen, dass hier zumindest ein innovatives Geschäftskonzept dahinter steht.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.robin-green.com/de/.

Prost & guten Abend! 🍻

413. Brakspeare Bitter

Das letzte Lidl-Bier aus dem aktuellen Sortiment kommt zwar ebenfalls aus dem Marston’s Universum, wartet dafür aber mit einer brautechnischen Besonderheit auf.

Gebraut wird es von der 1711 in Henley-on-Thames / Oxfordshire gegründeten Brakspeare-Brauerei. Sehr klerikal-historisch versierte Nerds werden bei diesem Namen aufmerksam. Und tatsächlich ist Brauereigründer W.H. Brakspear ein entfernter Verwandter des einzigen englisch-stämmigen Papst in der Kirchengeschichte: Nicholas Breakspear alias Hadrian IV..  Bis 2002 konnte sich die Brauerei auch in familiären Händen halten, als schließlich die Wychwood Brewery zuschlug und die Brauerei schließen ließ. Seither wird es im etwa 35 Meilen entfernten Witney hergestellt. Zum Glück hatten die neuen Eigner aber ein Gespür für Tradition und Technik. Denn sie verfrachteten nach Schließung der alten Brauerei einen Teil des Equipments mit nach Witney und setzten so ein besonderes Brauverfahren fort.

Dieses Henley ‘ double-drop ’ fermentation system führt eine doppelte Vergärung durch. Hierfür sind zwei Kupferkessel in unterschiedliche Höhen angebracht. Zunächst findet eine ganz normale Vergärung im oberen Kessel statt. Nach etwa 16 Stunden erfolgt dann aber den Ablauf in den unteren Kessel. Das nun deutlich klarere Jungbier wird nun erneut mit Hefen versetzt und eine zweite (sauberere) Gärung setzt ein. Hierbei sollen ganz spezielle Butterscotch-Aromen freigesetzt werden, die dem Bier ein Alleinstellungsmerkmal geben.

1993 verkostete Michael Jackson (nein nicht der verstorbene Pop-Gigant, sondern der einer der bedeutendsten Bier-Schreiberlinge) das Brakspeare Bitter und fällte ein außerordentliches Urteil:

„In its delicate, malty sweetness, teasing, yeasty fruitiness, and hoppy bitterness, Brakspear’s ‚ordinary‘ is lightly refreshing, gently sociable, more-ish and appetite-arousing; the perfect combination in a bitter. The hoppiness is its salient feature.“ […] „Brakspear’s draft bitter is undoubtedly the best to be had in England.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bitter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 3,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Witney (England)
Erscheinungsjahr. . .
1779

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: ganz leicht metallisch, säuerlich-süß, getreidig, strohig, grasig, waldig, etwas bitter
Geschmack: süffig, trocken-malzig, hopfig-herb, klar-würzig, geringe Säure, wenig süße Bittere, feinperlig, herber Abgang
Gesamt: Leider hatte ich nicht mehr die Möglichkeit das Original aus dem letzten Jahrhundert zu proBieren und es mit meinem heutigen Bier zu vergleichen. Zwar ist es sicherlich kein schlechtes Bier, aber das beste Bitter Englands ist wohl nicht mehr. Ich meine mir einzubilden, die doppelte Fermentierung herauszuschmecken und es ist dadurch tatsächlich auch vielfältiger und charakterstärker als vergleichbare Biere auch in diesem Alkoholsegment. Trotzdem ist mir insgesamt zu stark herb-würzig, was einfach nicht meinen (heutigen) Geschmack trifft. Mit 10 Pkt. (2-) erhält das Bitter wohl dennoch eine faire Gesamtbewertung.

Weitere Infos zum Bier unter: https://brakspear.co.uk/our-beers/brakspear-bitter-6/.

Prost & guten Abend! 🍻

412. Marton’s EPA

Nachdem ich in den letzten Tagen und Abenden umfassend mit meiner Kronkorken-Sammelleidenschaft beschäftigt war, ruft mal wieder der Kühlschrank. Schließlich warten dort noch zwei Lidl-Biere, die es (bewusst) nicht in den großen Test geschafft haben.

Heute am Start ein English Pale Ale aus dem Hause Marstons. Ein Bierstil, der sich vor allem im viktorianischen Zeitalter einer größeren Beliebtheit auf der Insel erfreute. Nachdem – wie im Rest Europas und der Welt auch – sich im Laufe des letzten Jahrhunderts aber mehr und mehr die auch meiner Meinung nach recht einfältigen Lagerbiere dominante Marktanteile erkämpft haben, will nun auch Marstons (seines Zeichens auch nicht gerade eine Handwerksbrauerei) mit seinem EPA diese Zeit in Erinnerung rufen und sich für Geschmacksvielfalt einsetzen. Dabei soll sich Marstons an einer traditionellen Rezeptur orientiert haben, wobei der Alkoholgehalt von noch nicht einmal 4% diese Authentizität unterstreichen dürfte. Gehopft wurde übrigens mit Cascade und Styrian.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 3,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wolverhampton (England)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________5
Fazit

Geruch: hopfige Herbe, hopfige Bittere, hopfige Fruchtigkeit, recht penetrante Säure, helles Malz
Geschmack: dünn, säuerlich bitter, hopfig-herb, wenig Fruchtigkeit, matt-feinperlig, trocken-grasig-waldiger Abgang
Gesamt: Also, da bin ich doch mal ziemlich enttäuscht. Wenn ich nicht gerade ein Montagsexemplar in Händen halte oder mit der Lagerung etwas daneben gegangen ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Ale damals so beliebt war (auch wenn sicher der Biergeschmack zu diesen Zeiten ein ganz anderer gewesen ist). Vor allem die teils stechende Säure in Verbindung mit einer grasig-dumpfen Hopfenherbe treffen meinen Geschmack zumindest überhaupt nicht. Gesamthaft kommt das EPA daher auch nicht über 6 Pkt. (4+) hinweg, was leider eines der schlechtesten Ergebnisse in diesem Bierjubiläum-Jahr bedeutet.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.marstonsbrewery.co.uk/beers/epa/ & http://www.marstonsepa.co.uk/about-epa/.

Prost & guten Abend! 🍻

411. Abbaye de Vauclair Imperiale

Am heutigen Tag der deutschen Einheit möchte meine Testreihe zu den Lidl-Bieren mit einer Flasche fortsetzen, die zumindest optisch gerade für Discounter-Verhältnisse aus dem Rahmen fällt.

Gebraut wird das Bier laut Etikett von der Brasserie de Saint-Omer aus Nord-Pas-de-Calais. Die Brauerei wurde 1866 gegründet und nach einigen Expansionen wie viele andere französische Brauereien von Heineken geschluckt. Als eine der wenigen jedoch gelang es den Verantwortlichen 2005 wieder unabhängig zu werden. Dass es nun diese recht kleine französische Brauerei ins deutsche Lidl geschafft hat, liegt nach meinen Recherchen vermutlich am Auftraggeber der Brasserie de Goudale – besser bekannt auch als „Les Brasseurs De Gayant„. Nach inoffiziellen Angaben wird zumindest das Export-Bier dort im benachbarten Arques hergestellt und abgefüllt.

Die namensgebende Abtei Vauclair befindet sich knapp 200km südöstlich der Brauereien in der Nähe von Reims. Es war ein Zisterzienser-Kloster, das 1134 gegründet wurde und erst durch eine Zerstörung im Ersten Weltkrieg geschlossen wurde. Heute befinden sich zwischen den Ruinen ein Garten für Obst und Heilkräuter.

Das Bier selbst wartet mit einigen positiven und negativen Überraschungen auf der Zutatenliste auf. So wurde dem Sud, der dem Stile nach einem klassischen nordfranzösischen Bière de Garde nachempfunden ist, neben Orangenschalen auch Weizen, Roggen und Hafer in der Rohfruchtform beigemengt. Wie es oft in BeNeLux und Nordfrankreich üblich ist, wurde zudem aber leider auch mit Glukosesirup nachgeholfen, um vermutlich eine höhere Vergärung zu erzielen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bière de Garde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Glukosesirup, Orangenschalen, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Saint-Omer (Frankreich)
Erscheinungsjahr. . .
2008

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: etwas metallisch, würzig-süß, Karamell, gering säuerlich, spritzig
Geschmack: vollmundig, weich, cremig, süßlich karamellig, malzig, gering getreidig, waldig, harzig, etwas fruchtig, säuerlich & bitter, leicht alkoholaromatisch, feinperlig, öliger warmer bittersüßer Abgang
Gesamt: Fast wie vermutet täuscht das edel Äußere etwas über das ziemlich durchwachsene Innere hinweg. Gerade in der Nase kein Genuss steigert es sich aber auf der Zunge. Hier gibt es dann ein wahres Spektakel an unterschiedlichen Aromen, die jedoch zu unausbalanciert wirken. Auch die permanent unterschwellige Alkoholnote wirkt sich negativ auf die Gesamtnote von 11 Pkt. (2) aus.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/abbaye-de-vauclair-imperiale/509629/.

Prost & guten Abend! 🍻