Archiv für den Monat: November 2018

436. Mühlen Koch’sches Malzbier

Zum Abschluss meiner alkoholfreien Wiedergenesungs-Bier-Reihe möchte ich Euch ein zwar nicht ganz alkoholfreies, aber dennoch spannendes Malzbier vorstellen.

Gebraut wird es passenderweise von der Kölner Malzmühlen-Brauerei. Eine mittelgroße Kölschmarke, die aber meiner Meinung nach zu den besten der Stadt zählt. Zwar ist das Kölsch mit Abstand der größte Absatzmarkt der Brauerei, dennoch hat das Koch’sche Malzbier seit vielen Jahren einen festen Platz im Sortiment. Es ist im Gegensatz zu anderen Malzbieren auch nicht unterhalb der alkoholfreien Schwelle von 0,5%, sondern liegt bei über 2%. Das und die Zutaten (bis auf den Farbstoff) weisen auf eine traditionelle Rezeptur hin, die hier noch angewandt wird. Schließlich waren früher die meisten Biere geringer alkoholisiert und versüßt, wenngleich das heute bekannte Malzbier erst vor gut hundert Jahren entstand.

„Seinen Namen verdankt die Kölner Bierspezialität dem Braumeister Hubert Koch, der im Jahre 1858 die „Bier- und Malzextrakt-Dampfbrauerei Hubert Koch“, die heutige Malzmühle, gründete.“

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Malzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Farbmalz, Zucker, Farbstoff, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 2,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: würzig, herb, klar dunkelmalzig, leicht röstig & harzig
Geschmack: süffig, süß, malzig, Karamell, etwas würzig-herb, feinperlig, süß-herber Abgang
Gesamt: Durchaus ein etwas anderes Malzbiererlebnis. Gerade in der Nase hat es mehr von einem Porter als von einem klassischen Malzbier. Auf der Zunge kommt dann aber doch der Zucker stark durch, wenngleich auch hier im Vergleich zur Konkurrenz durchaus noch würzig-herbe Noten erkennbar sind. Schade eigentlich nur, dass auch die Malzmühle nicht von der Verwendung von Farbstoff lassen kann. Etwas, was meines Erachtens überhaupt nicht notwendig ist.

Weitere Infos zum Bier unter: http://muehlenkoelsch.de/index.php?id=2.

Prost & guten Abend! 🍻

435. Waldhaus Natur-Radler (sauer)

Um mich langsam wieder an den Alkohol zu gewöhnen möchte ich diese Woche noch zwei Biere vorstellen, die es eigentlich nicht ins Ranking schaffen würden, da sie per Stildefinition ausgeschlossen sind. Schließlich möchte ich grundsätzlich keine Biermischgetränke, wie es das Radler eigentlich ist, rezensieren, da hier das Bier mit einer unnatürlichen Limonade vermischt und damit unkenntlich gemacht wird.

Eine der wenigen Ausnahmen davon möchte ich heute machen. Denn beim Waldhaus Natur-Radler handelt es sich – wie es Name schon sagt um eine natürliche Variante des beliebten Mischgetränks. Damit werben zwar inzwischen viele Radler-Produzenten (womit sie zumindest hinsichtlich eines relativ guten Geschmacks Recht haben), aber dieses hier weist noch eine weitere Besonderheit auf: Es ist ein saurer Radler. Eine früher vor allem im Süden Deutschlands durchaus übliche Variante, die anstelle mit Limonade nur mit Wasser vermischt. Waldhaus wählt hierfür ein Mengenverhältnis von 60% Bier und 40% Wasser. Allerdings gibt man für den Frische-Kick noch 1,5% Saft von Zitrone, Orange und Limette hinzu.

Die Brauerei Waldhaus besteht seit 1833 und hat seither jedem Verkauf widerstanden. Sie bietet eine breite Palette an kreativ angehauchten süddeutschen Bierklassikern. Wie auch schon das gestrige Lammsbräu, verwendet Waldhaus weder Pellets noch Extrakt, sondern Doldenhopfen. Nur zwei Prozent aller Brauereien in Deutschlands entscheiden sich für diese Weise der Hopfengabe. In diesem Jahr erreicht die Brauerei aus dem Schwarzwald erstmals die magische Ausstoßmenge von 100.000 hl – ein Indiz für gute Qualität und/oder gutes Marketing.

In jedem Falle freue ich mich nun auf mein erstes saures Radler…

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Radler
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Wasser, Zitronen-, Orangen- & Limettensaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 3,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Waldhaus
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr zitrusfruchtig, sehr erfrischend, leicht grasig & hellmalzig
Geschmack: schlank, leicht würzig, leicht bitter, etwas waldig, zitrusfruchtig, feinperlig-spritzig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Sicher kann ich dieses Biermischgetränk nun nicht mit den anderen Bieren hier vergleichen. Dennoch muss ich sagen, dass mich ein derartiges Getränk grundsätzlich überzeugt. Es könnte für meinen Geschmack noch etwas malziger sein, aber dennoch bietet es eine gesunde – weil zuckerarme – Alternative zu den klassischen Radlern. Auch die dezenten Zitrusaromen werten das Bier-Wasser-Gemisch gut auf und lassen den fehlenden Zucker kaum vermissen. Alles in allem durchaus gelungen

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.waldhaus-bier.com/aktuelles/2018-05-die-waldhaus-natur-radler/.

Prost & guten Abend! 🍻

434. Neumarkter Lammsbräu Dunkle Weiße Alkoholfrei

Bevor hier mit den alkoholfreien Bieren auf die Zielgerade eingebogen wird, kommt noch ein Bier auf das ich mich sehr gefreut habe. Denn das Dunkle Weiße aus dem Hause Lammsbräu ist nicht nur eines der wenigen alkoholfreien dunklen Weißbiere in Bio-Qualität, auch die Brauerei selbst hat bei mir einen guten Ruf. Bislang hatte ich noch kein Bier in Händen, dass nicht überzeugt hatte. Zumal ich bei den bisherigen alkoholfreien Bieren immer etwas enttäuscht wurde, hoffe ich nun auf etwas Wiedergutmachung.

Das Lammsbräu hat indes eine durchaus üppige Geschichte hinter sich – blickt es doch mit Gründung 1628 auf nun fast 400 Jahre Brauerfahrung zurück. Seit 1800 befindet sich die Brauerei in der heutigen Familienhand. Neben einer guten Auswahl an deutschen Bierklassikern in Bio-Qualität und mit Doldenhopfen haben sich die Oberpfälzer vor allem auch auf glutenfreie Biere spezialisiert, bei welchem Segment sie inzwischen eine marktführende Stellung eingenommen haben.

Dabei setzt die Brauerei ihren ökologischen Anspruch außerordentlich konsequent um. Nicht nur alle Zutaten sind in reiner Bio-Qualität, auch beim Brauprozess werden keine weiteren (chemischen) Hilfsstoffe eingesetzt. Zudem verfügt Lammsbräu nicht nur über einen eigenen Brunnen, sondern stellt das Malz für die Biere noch selbst her. Man kann also sagen:

„Gebraut nach dem ökologischen Reinheitsgebot“

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkles Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Neumarkt
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, Karamell, röstig, holzig, weich, süßgrasig, leicht hefig, etwas torfig
Geschmack: recht voller Körper, erfrischend, dunkelmalzig, karamellig, grasig, feinperlig, süßlich-malziger Abgang
Gesamt: Zum Vorabschluss meiner Reihe doch noch ein Treffer. Ein Alkoholfreies, das wirklich gefällt und Lust auf mehr macht. Überraschend vollmundig zeigt es, dass auch alkoholfreie Biere eine Seele haben können und überzeugt mit klaren dunkelmalzigen Aromen. Es erinnert ein wenig an Malzbiere ohne jedoch diese teils penetrante Süße im Schlepptau zu haben. Deshalb von mir starke 12 Pkt. (2+) für diese gelungene dunkle Weiße.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lammsbraeu.de/bio-bier/alkoholfrei/dunkle-weisse.

Prost & guten Abend! 🍻

433. Störtebeker Freibier

Im Rahmen meiner gesundheitsfördernden Reihe alkoholfreier Biere ist mir aufgefallen, dass ich den alkoholfreien Klassiker der Störtebeker Braumanufaktur bislang noch gar nicht gelistet habe. Die Gelegenheit es Euch vorzustellen, schließlich habe ich es noch gut in Erinnerung.

1827 noch als Stralsunder Brauerei gegründet baut Störtebeker auf eine vergleichsweise größere Tradition auf als es das Marketing vermuten mag. Der heutige Marken- und Firmenname existiert schließlich erst seit 2012. Störtebeker schafft es mit einer breiten Produktpalette und einem gleichzeitig relativ großen Ausstoß von knapp 200.000 hl pro Jahr einen gewissen Nischen- und Massenmarkt gleichzeitig zu bedienen. Als Mitglied der Freien Brauer ist die Brauerei seit jeher privat geführt, zählt aber meiner Meinung nach nicht direkt zur deutschen „Craftbier-Szene“, da vor allem auch eine andere Zielgruppe erreicht werden soll. Als Hybrid zwischen Craft- und Fernsehbier erreicht Störtebeker insbesondere Bierinteressierte, denen die „klassischen“ Craftbiere zu experimentell oder aber auch teuer sind.

Mein heutiger Vertreter ist vom Stile her im Grunde wenig experimentell und dennoch von vielen als eines der besten alkoholfreien untergärigen Biere hierzulande bezeichnet – zumal es auch noch in Bio-Qualität daherkommt.

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerpils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stralsund
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: leicht, klar süßmalzig, grasig, getreidig, leicht (ge)würzig
Geschmack: schlanker Körper, recht herb, waldig, würzig, wenig malzig, matt, grasig-herber Abgang
Gesamt: Und auch dieses Bier hatte ich einmal besser in Erinnerung. Ggf. könnten hier aber suboptimale Lagerhaltung zu einem etwas schwächeren Ergebnis geführt haben. Oder aber mein Gaumen ist noch nicht wieder auf Normal-Null zurückgestellt. Dennoch kommt mir das Freibier heute doch recht flach und zu eindimensional herb vor. Insbesondere der Unterschied zwischen Nase und Gaumen verwirrt. Trotzdem verbleiben in Summe noch gute 10 Pkt. (2–).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.stoertebeker.com/de_de/frei-bier/.

Prost & guten Abend! 🍻

432. Brewdog Nanny State

Als drittes alkoholfreies Craftbier geht es nun auf die britische Insel zu einem der prominentesten Vertreter der internationalen Craftbeer-Szene. Wobei bei einer jährlichen Produktion von über 200.000 hl bzw. 400.000 Flaschen durchaus diskutiert werden darf, ob dies noch „Craft“ im Sinne des Handwerks ist. Zudem wird auch kritisiert, dass Brewdog trotz dieser Größe noch ins Crowd-Funding geht, um weitere Projekte zu realisieren. Dennoch begeistern die Schotten nun schon seit über 10 Jahren mit immer wieder herausragend kreativen und oftmals auch sehr gut schmeckenden Bieren. Nicht umsonst konnte man binnen so kurzer Zeit zu so einer Größe anwachsen.

Nanny State ist ein fast alkoholfreies Pale Ale, dass mit den anglo-amerikanischen Hopfen Centennial, Amarillo, Columbus, Cascade und Simcoe gestopft wurde. Für mich aber viel interessanter ist ein näherer Blick auf die Zutatenliste. Denn hier verbergen sich neben dem Gerstenmalz noch Weizen und Roggen als Rohfrucht, worauf ich schon gespannt bin, wie es sich am Gaumen äußern wird.

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ellon (Schottland)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________3
Fazit

Geruch: dunkel-fruchtig, süßlich, leicht harzig, trocken-malzig
Geschmack: süffig, wenig trocken-grasige Bittere, geringe röstige Würze, lasch, kein Abgang
Gesamt: Und wieder mal eine faustdicke Überraschung. Nachdem der Nanny State optisch und nasal noch einen recht passablen Eindruck hinterlassen hat, kommt auf der Zunge nix. Das Bier ist einfach kaum präsent. Viel zu lasch und fast wässrig kommt es nur mit geringen bitter-würzigen Noten daher. Man könnte hier fast meinen es mit einem ungesüßten Hopfen-Eistee zu tun zu haben. Damit schafft es der schottische Craftbeer-Primus doch nur auf magere 5 Pkt. (4) in der Endauswertung, bei der aber die vorangegangenen Kategorien noch ihren positiven Anteil haben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.brewdog.com/item/61/BrewDog/Nanny-State.html.

Prost & guten Abend! 🍻

431. Perlenbacher IPA Alkoholfrei

Im direkten Vergleich zum gestrigen Dolden Null von Riedenburger, folgt heute das seit diesem Jahr im Handel erhältliche alkoholfreie IPA der LIDL-Eigenmarke Perlenbacher. Im Rahmen der Craftbier-Welle in einigen Supermärkten und Discountern hat es das Bier überraschenderweise auch kürzlich in die LIDL-Regale geschafft. Überraschend deshalb, weil ein alkoholfreies IPA durchaus immer noch eine Nische in der Nische darstellt und somit eigentlich von geringem Interesse der Handelsketten sein sollte. Nichtsdestotrotz bewerte ich diesen Produktvorstoß grundsätzlich als positiv, wenngleich auch hier das Image von Craftbieren leiden kann. Zwar konnte ich bislang bei meinen beiden großen Testreihen (I + II) keine durchweg schlechte Qualität erschmecken, aber alleine der hier verwendete Hopfenextrakt beweist im Grunde schon, dass es sich um kein Craft- also Manufakturbier handelt, sondern ein solchen nur nachgeahmt werden soll. Was sich hier eben auch zeigt, ist das in Deutschland schwierige Verständnis von „Craftbeer“, das hierzulande erstens stilmäßig und zweitens in seiner Herkunft falsch interpretiert wird.

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . ?
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: bitter-grasig, süßlich, waldig, harzig, leicht muffig
Geschmack: süffig, leicht würzig, grasig, malzig-süß, leicht herb, feinperlig, lascher süßlich-grasiger Abgang
Gesamt: Nachdem Optik und nasaler Eindruck noch recht mäßig daherkommen überzeugt das alkoholfreie IPA von LIDL zumindest relativ dazu am Gaumen. Wenngleich es auch weit von einer Offenbarung entfernt ist, sind die grasig-malzigen Noten gefällig und bieten einem Einsteiger durchaus auch Variation von anderen populärerer alkoholfreien. In Summe reicht es aber dennoch nicht zu mehr als 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/perlenbacher-ipa-alkohol-frei/658696/.

Prost & guten Abend! 🍻

430. Riedenburger Dolden Null

Nach noch nicht ganz überstandener schwerer Männergrippe versuche ich mich heute ganz entspannt wieder dem Thema Rezension zu widmen. Eigentlich hatte ich einen anderen Bierfahrplan, nutze jedoch die Gelegenheit um Euch in den kommenden Tagen mal einige alkoholfreie Biere näher zu bringen, die sich in der letzten Zeit bei mir angesammelt haben.

Das heutige gehört zudem zum Kreis der bereits gelisteten Biere, die ich im Nachgang noch einer gesonderten Rezension unterziehen wollte, da es mir als besonders gut in Erinnerung geblieben ist – schließlich wird hier neben den bekannten Malzen auch Emmermalz mit eingebraut. Da das Dolden Null aus dem Hause Riedenburger (beste Bierjubiläum-Brauerei 2017) jedoch schon etwas länger in meinem Kühlschrank schlummert, ist es darüber hinaus auch eine MHD-Probe. Zum Wiedereinstieg ins Bierschreiben wohl aber umso geeigneter…

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Emmermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: leicht säuerlich, erdig, nussig, muffig
Geschmack: süffig, leicht, grasig, leichte Hopfenherbe, malzbetont, gewisse Säuren, Nuss-Aromen, matt, gering harziger Abgang
Gesamt: Wie ich fast schon befürchtet hatte, scheinen alkoholfreie IPA nicht sehr Haltbarkeits-resistent zu sein. Dieses hier ist mit Ende September datiert und hat in der Nase bereits eine erkennbare Oxidation, während es am Gaumen neben leicht unangenehmer Muffigkeit deutlich an Intensität verloren hat. Aufgrund der erschwerenden Umstände verzichte ich deshalb heute auch auf ein Gesamturteil und lasse die Einzelwertungen so stehen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-dolden-biere/dolden-null.html.

Prost & guten Abend! 🍻

Tasting @ Braukunst Vorgebirge

Eine Woche vor meinem eigenen Geburtstag habe ich anlässlich eines 40. zum ersten Mal ein Tasting fast in Gänze selbst gehalten. Ralf vom Braukunst Vorgebirge hatte mich hierum gebeten, da er an diesem Abend als Hauptact den zehn anwesenden bier- und brauinteressierten Herren einen Braukurs mit zwei Suden gab.

Zum ProBieren gab es acht Biere unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Stils. Ein Schwerpunkt lag dabei auf fränkische helle sowie dunkle Bierspezialitäten. Aber auch die regionalen Besonderheiten eines naturtrüben Alts und eines Lausitzer Porters wurden präsentiert. Neben einem Steinbier ging es vor allem mit einem Pale Ale und einem Kölner Doppelbock dann abschließend auch etwas forscher zu.

Die Resonanz war in jeden Fall sehr positiv, da alle am Ende des Abends viel mitgenommen hatten und dabei auch noch viele leckere Biere trinken durften.

Impressionen:

Im Anschluss an das Tasting gab es dann noch zwei Biere, die bislang noch nicht auf Bierjubiläum gelistet waren.

Post-Tasting-Notizen:

  • Weiherer Schwärzla:
    – 5,3%; obergäriges Stout
    – von der 1874 gegründeten Brauerei Kundmüller aus dem Bamberger Land
    – Solarbier: gebraut mit der Kraft der Sonne
    – holzig, waldig, röstig, harzig, leicht säuerlich
    – vollmundig, leicht ölig, sehr malzig, röstig, holzig, zartbitter, feinperlig, schokoladiger Abgang

    https://www.brauerei-kundmueller.de/weiherer-bier/sondersud-serie/weiherer-schwarzla/
  • Wismarer Herbstfestbier:
    – 13.8°P; 5,8%; untergäriges Märzen
    – gebraut vom 1452 entstandenen Brauhaus am Lohberg zu Wismar
    – ziemlich dünn, wenig Tiefgang, recht säuerlich, trocken-holzig, zu wenig Karamell
    http://brauhaus-wismar.de/bier.html

Danke auf diesem Wege an unsere Gäste und an Ralf für die Organisation dieses schönen und interessanten Abends.

429. Engel Kellerbier & Aloisius

Am heutigen Abend möchte ich seit langem wieder eine Doppel-Verkostung wagen. Dabei ist es die erste Vergleichsverkostung mit Bieren einer gleichen Brauerei.

In diesem Fall handelt sich um die Biermanufaktur Engel aus dem fränkischen Crailsheim. Bereits seit 1738 Teil der deutschen Bierlandschaft ist es zumindest formell auch eine der am meisten ausgezeichnetsten Brauereien des Landes. 1877 erwarb die bis heute inhabende Familie Fach die Brauerei. Zu diesem Zeitpunkt brauten in dem damals 4.000 Einwohner zählenden Dorf noch 13 Brauereien. Übrig geblieben ist davon heute nur noch die Engel-Brauerei, die es heute auf 65.000 hl Getränkeproduktion bringt. Besonderes Merkmal der Engel-Biere ist neben dem hoffentlich leckeren Inhalt der im Braugewerbe äußerst seltene Schraubverschluss der Flaschen.

Das heute vorgestellte Duo ist einmal ein naturtrübes und mit drei Spalter-Hopfen gewürztes Kellerbier (ausgezeichnet mit dem European Beer Star in Gold) sowie der Aloisius – ein Märzen aus Hohenloher Spezialmalzen (ausgezeichnet mit dem Bundesehrenpreis 2017).

„Engel steht für wahrhaft himmlischen Biergenuss der Extraklasse.“

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier | Märzen
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen(, Hefe)
Stammwürze
. . . . . .  12.7°P | 14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4% | 5,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Crailsheim
Erscheinungsjahr. . .
1877

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9 | 9
  • Aussehen:____________________12 | 11
  • Geruch:______________________13 | 12
  • Geschmack:__________________10 | 11
Fazit

Geruch Kellerbier:  sehr hefig, leicht bananig, süßmalzig, hellfruchtig, hopfenfrisch
Geruch Märzen: dunkelmalzig, Karamell, leicht würzig, etwas harzig
Geschmack Kellerbier: mittelschlanker Körper, malzig, leicht getreidig, etwas strohig, leicht würzig, wenig fruchtig, recht matt, dezent würziger Abgang
Geschmack Märzen: mittelschwerer Körper, dunkelmalzig, recht karamellig, süßlich, etwas waldig, recht matt, süß-würziger Abgang
Gesamt: Es kann natürlich die Einbildung einer Doppel-Verkostung sein, aber ich finde es sehr erstaunlich wie nah sich beide Biere sind. Das spricht natürlich für eine klare Linie innerhalb des Engel-Sortiments, lässt mich aber trotzdem etwas verwundert zurück, hätte ich doch (noch) mehr Unterschiede zwischen den beiden Bierstilen erwartet. Beide überzeugen mich insofern nicht vollständig, da sie mir zu wenig Seele haben und von den Geschmacksspitzen zu lasch ausfallen. Da sich die Bewertungsdifferenzen der beiden Biere in Summe doch nahezu ausgleichen vergebe ich heute an beide Biere 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zu den Bieren unter: https://www.engelbier.de/de/bierspezialitaeten/helle-biere/engel-kellerbier.html & https://www.engelbier.de/de/bierspezialitaeten/dunkle-biere/engel-aloisius.html.

Prost & guten Abend! 🍻

426. Herbstbiere – Bierverkostung zur Eule 11/18

Traugott Simon Kölsch | Wolf Helles | AleMania Spiced Pumpkin Ale | Brussels Beer Project Grosse Bertha | Stiegl Zölibat | AleMania Belgian Style IPA | Emelisse Barley Wine | Schneider Weisse TAP X Mein Cuvée Barrique

3 Jahre Biertastings in der Eule

Letzten Montag war es wieder einmal Zeit für den nicht nur als Brühler Bierenthusiast eigentlich obligatorischen Biermontag in der Kierberger Eule. Eine Institution, die in diesem November ihr 3-jähriges feiert. Genau im November 2015 lud Biersommelier Markus Weick zum ersten Bier-Tasting im Rahmen der Biermontags-Reihe ein. Und auch zum diesmonatlichen Thema „Herbstbiere“ fanden sich einige Gäste ein, die schon vor drei Jahre zugegen waren.

Von Bier & Brot zu Bier im Quartier

Dabei gab es eine kleine Änderung hinsichtlich des Eulen-Mottos zu verkünden. Nachdem seit Anfang des Jahres der Fokus auf die Ergänzung von Bier und Brot als natürlich zusammengehörende Nahrungs- und Genussmittel gelegt wurde, heißt es nun „Bier im Quartier“, womit die Bedeutung der Eule für den Stadtteil Kierberg stärker unterstrichen werden soll. Zudem berichtete Markus von der Deutschen Meisterschaft der Biersommeliers die kürzlich stattfand. Hier errang er einen sehr guten achten Rang und ist somit für die Vorauswahl zu den Biersommelier-Weltmeisterschaften qualifiziert.

Kölsch Konvention

Vor der eigentlichen Verkostung ging es diesmal wieder weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis März 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Da sich dieses Datum langsam nähert hat er mal eine Übersicht aufbereitet, die die aktuellen Marken darstellt und zeigt, welche bereits in der Eule präsentiert wurden.

Sicher nicht das beste, aber eine noch fehlende Marke ist Traugott Simon. Die in den 00er-Jahren entstandene Eigenmarke von TrinkGut bietet die „klassischen“ deutschen Hauptstile Pils, Alt, Weizen und eben Kölsch an.

Persönlicher Eindruck:
goldgelb, recht niedriger Malzcharakter, vergleichsweise starker Hopfengeruch & -geschmack sowie Bittere, mittlerer Körper, spritzig, leicht metallische Aromen, relativ charakterschwach

Weiter ging es mit einem dem Kölsch recht nahe liegendem Bierstil: Dem Hellen. Ursprünglich aus München stammend ist es bis heute der beliebteste Bierstil der Bayern. Das auf der Agenda stehende Wolf Helles, kommt streng genommen nicht aus Bayern, sondern Franken. Dort ist war Brauerei Wolf seit 1739 in Fuchsstadt beheimatet, bevor sie vor Kurzem ihre Markenrechte an die Kauzenbräu in Ochsenfurt übergab.

Persönlicher Eindruck:
sehr malzig-süß, feld-artig, getreidig, leicht harzig
– mittelgroßer Körper, malzig, würzig, getreidig, leicht holzig, feinperlig, süßlich-herber Abgang

Biere im Herbst

Zum eigentlichen Thema des Abends kam es mit dem dritten Bier. Es kann symbolisch für alle Biere hergenommen werden, die zu einer ganz besonderen Zeit eingebraut werden. Denn nur einmal im Jahr (immer um den September herum) erfolgt (zumindest auf der Nordhalbkugel) die Ernte der dann reifen Hopfen-Dolden. Der überwiegende Großteil der Ernte wird getrocknet und zu Pellets gepresst. Einige Brauereien hingegen nutzen die Hopfenernte für die Herstellung eines limitierten Frisch-Hopfen-Bieres. Eine davon ist die Brauerei Pyras aus Franken, die dafür sogar nicht weit reisen muss, da sie neben einer eigenen Mineralquelle auch über einen hauseigenen Hopfengarten verfügt. Heraus kommt seit einigen Jahren ein Kellerpils mit sogenanntem Grünhopfen. Da ich das Pyraser Hopfenpflücker Pils: hier bereits gesondert rezensiert hatte, verweise ich gerne auf  248.

Persönlicher Eindruck:
– weich, blumig, süßlich, grasig

– mittelgroßer Körper, herb, blumig, sehr grasig, leicht karamell-malzig, feinperlig, süß-herber Abgang

„Im kleinen brauereieigenen Hopfengarten gleich neben der Brauerei gedeihen 72 Stöcke vom besten Aromahopfen – umhegt von unserem Hopfenbauern Willi Schneider aus Obersteinbach. Ende August wird in der Brauerei der „Niederfall“ gefeiert, so nannte man früher den Abschluss der Hopfenernte. Beim Pyraser Hopfenpflücker Fest wird von den handgepflückten, duftenden Dolden noch am selben Tag nur ein Sud gebraut.“

Das zweite Herbstbier sticht mit besonders herbstlichen Zutaten heraus. Dieses Jahr erstmals gebraut vom Craftbier-Pionier Fritz Wülfing aus Bonn, soll neben den Gewürzen Zimt, Ingwer und Muskat vor allem eine ordentliche Portion Kürbis dem Spiced Pumpkin Ale eine besonders herbstliche Note verleihen.

Persönlicher Eindruck:
– sehr holzig, (ge)würzig, torfig

– süffig, schlank, wenig gewürzig, säuerlich, leicht fruchtig, gering hefig, feinperlig, süßlich-herber Abgang

Bierhaltbarkeit

Zum Abschluss der „offiziellen“ Verkostung ging es in Ausland. Mit dem Rodenbach Classic bot Markus ein Bier auf, dass gerade für den gemeinen deutschen Gaumen recht unbekannt sein dürfte. Es handelt sich um ein sog. Flämisches Rotbier, das in diesem Fall ein Verschnitt von ¼ gereiftem und ¾ frischem Bier ist. Mit diesem Mischgärverfahren erzielt man eine längere Haltbarkeit des Bieres. Dass diese Technik in Deutschland so gut wie unbekannt ist, liegt daran, dass zu Zeiten des Erlasses des heute sog. Reinheitsgebots in den meisten Landesteilen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation der kaiserliche Edikt erging, dass zur Haltbarmachung von Bier nun ausschließlich Hopfen verwendet werden solle. Zwar hielten sich nicht alle Fürsten und Herzöge hieran, dennoch führte es in der Folge zur Verdrängung anderer Biergewürze und zum Innovationsverlust hinsichtlich Haltbarkeitsverfahren, während außerhalb des Reiches weiter an anderen Methoden getüftelt wurde. Übrigens wird dem Rodenbach neben Gerste auch Mais zugesetzt um den Eiweißgehalt zu senken, der bei der langen Fassgärung zu einer erschwerten Verarbeitung und Auflösung beiträgt.

Persönlicher Eindruck:
– leicht röstig, holzig, gewürzig, süßlich, harzig, säuerlich
– süffig, süßlich-säuerlich, Traube, fruchtig, matt-feinperlig, süß-saurer Abgang

Meine persönliche Gesamtwertung der fünf verkosteten Biere sieht schließlich wie folgt aus:

Im Anschluss an die reguläre Verkostung standen noch folgende Biere auf unserem Plan:

  • Rodenbach Grand Cru:
    – obergärig; 6%; Flämisches Rotbraunbier
    – aus 1836 im flämischen Roeselare gegründeten Brauerei

    – Blend aus  Jungbier und ⅔ zwei Jahre in Eichenholzfass gereiftem Bier
    – säuerlich, harzig, holzig
    – milder, süß-säuerlich, rotwein-artig
    https://cheers.rodenbach.be/en/brewery
  • Große Bertha:
    – obergärig; 7%; Weizenbock
    – vom Brussel Beer Project
    – seltenes belgisches Weißbier nach bayrischer Tradition
    – weniger hefig, bananig, (ge)würzig
    – süffig, mittelschlanker Körper, hefig, bananig, süßlich-malzig, matt, süßer Abgang
    – zwischen Wit- & Weißbier

    http://www.beerproject.be/en/beers/14-grosse-bertha

  • Stiegl Zölibat:
    – obergärig; 18°P; 8,2%, Tripel
    – mit Karamellsirup gebraut
    – von mir für alle mitgebracht
    – süßlich, gewürzig, harzig, leicht bitter
    – leicht ölig, süß, hefig, getreidig, karamellig, matt, süßer Abgang
    https://www.stiegl.at/de/stieglhausbierzoelibat

  • AleMania Belgian Style IPA:
    – obergärig; 4,5%; 11.8°P; IPA
    weitere Infos siehe oben
    – hopfig-herb, grasig-fruchtig, rot-malzig
    – starker Körper, herb, bitter, weich, dunkelmalzig, torfig, feinperlig, herb-hopfiger Abgang

    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn

 

  • Emelisse Barley Wine (o. Abb.):
    – obergärig; 12%; Barley Wine
    von der niederländischen Craftbeer-Schmiede aus Goes
    – sehr süß, sehr rot, sehr fruchtig-getreidig
    –  ölig, malzig, süß, karamellig, bananig, harzig, matt, süßlicher Abgang

    https://www.emelisse.nl/emelisse-speciaalbieren/
  • Schneider Weisse Tap X Cuvée Barrique:
    – obergärig; 9,5%;  Weißbier-Bock
    Exklusivbier-Reihe des großen Weißbier-Privatiers aus Kelheim
    – „In 2010 Hans-Peter Drexler started a new project: maturing some of his finest beers in wine barrels. He enjoyed the expertise of brewmaster Jérôme de Rebetez from Brasserie des Franches Montagnes in Switzerland who grew up in a wine producing family. Thus, they created delicious new beer aromes.  A warming well-balanced Cuvée with a long, dry finish – just like a good red wine.“

    – vollmundig, ölig, süß-sauer
    – voller Körper, süßlich-malzig, rotweinig, harzig, feinperlig, bittersüßer Abgang
    https://www.ratebeer.com/beer/schneider-weisse-tap-x-mein-cuvee-barrique/180392/

Fazit:
Auch diesmal war es wieder ein interessanter Abend, bei dem nicht nur die beiden Herbstbiere herausstachen. Und auch nach fast drei Jahren gibt es immer noch Biere, mit denen mich Markus überraschen kann. Gut war zudem auch unser weiterer Austausch hinsichtlich der Installation einer Brauerei in der Eule, welche sich im ersten Schritt aus rechtlichen und organisatorischen Gesichtspunkten noch etwas schwierig gestaltet. Dennoch bin ich frohen Mutes, dass dieses Projekt im kommenden Jahr realisiert werden kann und es wieder Brühler Bierspezialitäten gibt.

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und Nils für die Begleitung.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

428. Propeller Looping Red Ale

Bevor es morgen ins Wochenende geht möchte ich mit Euch nochmal kurz abheben.

Als eines von zwei Bieren aus meinem vorletzten Bierabo-Paket vom Beertasting.Club ist es das dritte Bier der 1702 gegründeten Brauerei Bosch aus dem westfälisch-sauerländischen  Bad Laasphe, das es in mein Bierjubiläum-Listing schafft. Propeller – als Marke innerhalb der Brauerei Bosch – ist ebenso Slow-Brewing zertifiziert. Angesichts des Biernamens eine durchaus interessanter Hintergrundfakt ;).

Das Red Ale steht in Tradition als eines von vielen anglo-irischen Ale-Stilen, die im Rahmen der Craftbier-Welle auch nach Kontinentaleuropa geschwappt sind. Dabei werden Red Ales (wie dieses auch) vermehrt zur Aromatisierung kaltgehopft, sind aber dennoch im Gegensatz zu IPAs oder Stouts auch in größeren Mengen trinkbar.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Red Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bad Laasphe
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: holzig, leicht röstig, Karamell, Bonbon, etwas Lakritz
Geschmack: mittelgroßer Körper, würzig, gewisse bittre Herbe, dunkelmalzig, harzig, matt, ölig-alkoholaromatischer Abgang
Gesamt: Vom Propeller-Looping ist zumindest insofern nicht viel zu schmecken, da es hier keine größeren Disharmonien gibt und grundsätzlich ein süßmalziger würzig-holziger roter Faden eingehalten wird. Die Kalthopfung schmeckt man allerdings kaum heraus. Auch sonst präsentiert sich das Red Ale weniger gefällig und wird dem Anspruch der Drinkability meiner Meinung nach nicht ganz gerecht. Summa summarum vergebe ich daher hier 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://propeller-bier.com/epages/4e1ec85f-dc35-47d3-bb83-f2a236eb7c60.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/4e1ec85f-dc35-47d3-bb83-f2a236eb7c60/Products/13.

Prost & guten Abend! 🍻

427. Berliner Kindl Bock Hell

Als kleiner Nachtrag zu meiner Bildungsreise in die deutsche Hauptstadt folgt heute ein Bier von der größten Berliner Brauerei, welches dennoch für mich Seltenheitswert hat, da man es in meiner niederrheinischen Heimat so gut wie nicht kaufen kann.

1872 als Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG im damaligen Vorort Rixdorf gegründet, erfolgte bereits 1890 die Umbenennung in Rixdorfer Brauerei. Bereits zu dieser Zeit braute man ein Bier namens Berliner Kindl, welches wohl nach einem Rezept eines Münchner Hellen produziert wurde und namentlich auf das Münchner Kindl zurückgeht. Aufgrund des enormen Erfolgs dieses Bieres, welches die anderen Sorten überstrahlte, entschied man sich zu einer neuen Markenstrategie, die diesem Bier gerechter wird. Nachdem man mittels eines Künstlerwettbewerbs ein neues Logo mit dem bis heute bekannten Goldjungen im Bierkrug einführte, erfolgte 1910 auch die Namensänderung in Berliner Kindl. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in Neukölln und Potsdam weitere Braustandorte und man verleibte diverse kleinere Brauereien der Stadt ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte mit der Teilung der deutschen Hauptstadt auch die Teilung der Berliner Kindl Brauerei. Die Teile, die sich in der DDR befanden wurden zumeist als Reparation nach Moskau verbracht, um dort neu aufgebaut zu werden. Die in Westberlin befindlichen Standorte konnten Dank deutscher Kredite und amerikanischer Aufbauhilfe schnell wieder zu alten Hochform auflaufen. Dennoch geriet man recht früh in die Fänge der Oetker-Gruppe, die heute die größte Braugruppe Deutschlands beheimatet.  Seit 2006 firmiert das Brauunternehmen schließlich nach Fusion mit der Schultheiss-Brauerei als Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei und ist somit der Bier-Primus der Hauptstadt.

Neben den hellen Bock, braut Kindl auch ein dunklen Bock, der aber aus Kapazitätsgründen in Berlin bleiben musste.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  16.3°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
1872

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: leicht metallisch, würzig-malzig, strohig, grasig, karamellig-süß, leicht harzig
Geschmack: voller Körper, malzig, Karamell, leichte Würze, gewisse bittersüße Herbe, waldig, leicht fruchtig, etwas Lakritz, feinperlig, bittersüßer etwas alkoholaromatischer Abgang
Gesamt: Wie auch in Berlin selbst bin ich grundsätzlich auch hier ob des guten Geschmacks positiv überrascht. Zwar scheint mir das Bier etwas zu glatt und einförmig, aber dennoch besitzt es genug Tiefe um zu überzeugen. Aufgrund der Verwendung von Hopfenextrakt im Rahmen der industriellen Herstellung gibt es aber leider Abzüge in der B-Note, sodass am Ende 11,5 Pkt. (2(+)) zu Buche steht.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.berliner-kindl.de.

Prost & guten Abend! 🍻

Blogbier, die XXXIX. – von Ost nach West

Beim Besuch unserer Freunde aus Herzebrock-Clarholz haben es folgende zwei neue Biere auf die Liste geschafft:

Tasting-Notizen:

  • Berliner Bürgerbräu Rotkehlchen:
    – 5,3%; untergäriges Rotbier
    – von der 1869 gegründeten Brauerei-Marke, die bis zur Schließung 2010 älteste Brauerei der Hauptstadt war
    – Marke gehört nun zu Berliner Kindl-Schultheiss (also Radeberger)
    – zwischen 1992 und 2010 stellte die Brauerei auch die KaDeWe-Hausmarke KaDeWe-Premium-Pilsner her
    – dünn, leicht karamellig, malzig, harzig
    – mittlerer Körper, würzig, karamellig, leicht herb & bitter, herb-süßer Abgang

    – http://www.berlinerbuergerbraeu.de/
  • Göttinger Edles Premium Pils:
    – 4,9%; untergäriges Pilsener
    – gebraut vom Einbecker Brauhaus
    – klassisch Pils, etwas weniger herb, leicht grasig, gute Würze
    recht süffig, malzig, würzig, wenig herb, matt-feinperlig, süßlicher Abgang
    http://www.goettinger-pils.de/slider/

Danke auf diesem Wege auch nochmals an Euch vier für den netten Besuch.

425. Lemke Black Rye IPA

Nach dem gestrigen Hopfenweisse nun heute das zweite Bier der Craftbier-Pioniere aus der Bundeshauptstadt. Und auch hier handelt es sich streng genommen um einen Bierstilmix:

„Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelten die Engländer mit dem dunklen, röstmalzbetonten Porter das erste Bier nach heutiger Brauart. Das nahmen sie auch mit auf ihre Reise nach Nordamerika, wo Roggen (Rye) das erste Brau-Getreide war, das die Auswanderer anbauten. Als schließlich 100 Jahre später mit dem IPA das erste helle und stark hopfenbetonte Bier das Licht der Welt erblickte – und seinen großen Siegeszug antrat, lag es nahe, beide Bierstile zu vereinen, das Black Rye IPA war geboren.“

Ein Black IPA ist meiner Einschätzung nach neben dem New England IPA ein potentiell nächster IPA-Trend. Eines jedoch mit Verwendung von Roggen ist mit bis dato noch nicht unter die Augen geraten. Insgesamt ist es mehr noch als das gestrige Weizenbock-IPA ein geschmacklich recht allumfassender neuer Bierstil, der sowohl Röst- und Karamellmalze als auch fruchtige Hopfennoten bereit hält.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Black-IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  18.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: würzig-bitter, röstig-sauer, holzig-karamellig, waldig-harzig
Geschmack: voller Körper, sehr röstige Bittere, waldig, etwas dunkle Frucht, wenig grasig, Kaffee & Zartbitter, feinperlig, herb-trocken-süßer Abgang
Gesamt: Wenn man einem klassischen Fernsehbier-Trinker mal die Welt des bierigen Geschmacks begreiflich machen will, ist dieses Black Rye IPA eine sehr gute Wahl. Meines Erachtens zwar zu stark röstig dominiert, bietet es dennoch eine olfaktorische und gustatorische Vielfalt, die auch einen erfahrenen Gaumen überfordern können. Die 12,5 Pkt. (2++) hat es daher wirklich redlich verdient.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lemke.berlin/cab_biersorten/.

Prost & guten Abend! 🍻

424. Lemke Hopfenweisse

Heute und morgen möchte ich Euch zwei Biere vorstellen, die ich aus der Bundeshauptstadt Berlin mitgebracht habe, wo ich einige Tage zur politischen Bildungsreise weilte.

Beide stammen von der 1998 ins Leben gerufene Brauerei Lemke, die damit zu den deutschen Craftbier-Pionieren zählt. Gründer Oli Lemke war zunächst Garagenbrauer, bevor er ein Jahr später mithilfe einiger Freunde den alten S-Bahn-Bogen am Hackeschen Markt zu einer kleinen Brauerei umbaute. Ihrer Zeit voraus, boten Sie bereits damals über 50 Biere an. In den 00er Jahren erfolgte dann die (erste) Wachstumsphase. 2003 übernahm man die Tiergartenquelle, wo inzwischen ein Biergarten eingerichtet ist, 2004 dann Leopolds Brauhaus am Alexanderplatz, wo man das Brauhaus Mitte etablierte. Drei Jahre später gesellte sich das Luisenbräu in Charlottenburg hinzu, womit sich der Kreis schließt – denn hier hatte Oli im Rahmen eines Praktikum seine ersten Brauerfahrungen sammeln dürfen. Aufgrund der stetig steigenden Nachfrage wird heute im Brauhaus Mitte produziert. Der Hackesche Markt ist inzwischen zur Versuchsbrauerei umgebaut worden, in der im Jahr 200 Sude ausproBiert werden, um neue Bierideen zu entwickeln und zu verwirklichen.

Eine davon ist die heutige Hopfenweisse. Ein Hybrid aus einem Weizenbock und einem India Pale Ale. Nicht absolut neu die Idee, aber durchaus interessant und geschmacklich vielfältig.

„Ein bisschen Weizenbier, ein bisschen IPA.
Das IPA für Weißbierfreunde.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weizenbock-IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: süßlich-säuerlich, hopfig-herb, fruchtig nach dumpf grasigen Zitrusnoten, leicht malzig-würzig
Geschmack: voller Körper, gemüsig, leicht bitter, klar bananig-fruchtig, grasig-herb, feinperlig, weich, leicht alkoholaromatisch, grasig-fruchtiger Abgang
Gesamt: Ein wirklich interessantes Bier, dem es jedoch merklich an einer klaren roten Linie fehlt. Eine Anforderung, die selbstverständlich bei diesem Bierstilmix nur schwerlich erfüllbar ist. Dennoch kann man leider dadurch weder ein Weißbier noch ein IPA klar identifizieren, wobei letzteres noch dominanter zutage tritt. Darüber hinaus ist es mir auch etwas zu bitter und wenig hefig. Alles weitere passt jedoch sehr gut und mit 12 Pkt. (2+) ist das Bier deshalb auch eine Empfehlung wert.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lemke.berlin/cab_biersorten/.

Prost & guten Abend! 🍻