Archiv für den Tag: 7. November 2018

427. Berliner Kindl Bock Hell

Als kleiner Nachtrag zu meiner Bildungsreise in die deutsche Hauptstadt folgt heute ein Bier von der größten Berliner Brauerei, welches dennoch für mich Seltenheitswert hat, da man es in meiner niederrheinischen Heimat so gut wie nicht kaufen kann.

1872 als Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG im damaligen Vorort Rixdorf gegründet, erfolgte bereits 1890 die Umbenennung in Rixdorfer Brauerei. Bereits zu dieser Zeit braute man ein Bier namens Berliner Kindl, welches wohl nach einem Rezept eines Münchner Hellen produziert wurde und namentlich auf das Münchner Kindl zurückgeht. Aufgrund des enormen Erfolgs dieses Bieres, welches die anderen Sorten überstrahlte, entschied man sich zu einer neuen Markenstrategie, die diesem Bier gerechter wird. Nachdem man mittels eines Künstlerwettbewerbs ein neues Logo mit dem bis heute bekannten Goldjungen im Bierkrug einführte, erfolgte 1910 auch die Namensänderung in Berliner Kindl. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in Neukölln und Potsdam weitere Braustandorte und man verleibte diverse kleinere Brauereien der Stadt ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte mit der Teilung der deutschen Hauptstadt auch die Teilung der Berliner Kindl Brauerei. Die Teile, die sich in der DDR befanden wurden zumeist als Reparation nach Moskau verbracht, um dort neu aufgebaut zu werden. Die in Westberlin befindlichen Standorte konnten Dank deutscher Kredite und amerikanischer Aufbauhilfe schnell wieder zu alten Hochform auflaufen. Dennoch geriet man recht früh in die Fänge der Oetker-Gruppe, die heute die größte Braugruppe Deutschlands beheimatet.  Seit 2006 firmiert das Brauunternehmen schließlich nach Fusion mit der Schultheiss-Brauerei als Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei und ist somit der Bier-Primus der Hauptstadt.

Neben den hellen Bock, braut Kindl auch ein dunklen Bock, der aber aus Kapazitätsgründen in Berlin bleiben musste.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  16.3°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
1872

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: leicht metallisch, würzig-malzig, strohig, grasig, karamellig-süß, leicht harzig
Geschmack: voller Körper, malzig, Karamell, leichte Würze, gewisse bittersüße Herbe, waldig, leicht fruchtig, etwas Lakritz, feinperlig, bittersüßer etwas alkoholaromatischer Abgang
Gesamt: Wie auch in Berlin selbst bin ich grundsätzlich auch hier ob des guten Geschmacks positiv überrascht. Zwar scheint mir das Bier etwas zu glatt und einförmig, aber dennoch besitzt es genug Tiefe um zu überzeugen. Aufgrund der Verwendung von Hopfenextrakt im Rahmen der industriellen Herstellung gibt es aber leider Abzüge in der B-Note, sodass am Ende 11,5 Pkt. (2(+)) zu Buche steht.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.berliner-kindl.de.

Prost & guten Abend! 🍻