Archiv für den Monat: September 2019

548. Hummel-Bräu Räucherla

Zwar geht die Grillzeit langsam aber sicher vorbei, doch für ein Rauchbier ist es nie zu kalt. Deshalb heute eines, dass noch auf meiner Liste fehlt. Es kommt aus dem kleinen Ort Merkendorf nordöstlich von Bamberg und damit aus dem Herzen der Rauchbierheimat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauchbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Merkendorf
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Wieder mal ein Beispiel für das fränkische Bierphänomen: nicht nur die höchste Braueidichte Europas, sondern dabei auch eine bemerkenswert gute Bierqualität. Das Rauchbier der Merkendorfer Hummeln überzeugt mich in seiner Milde und würzigen Malzigkeit. Ich würde mir nur etwas mehr Tiefgang und Biss wünschen. Ein sehr gutes Rauchbier für Einsteiger.

| 11 Pkt. (2)

https://brauerei-hummel.de/index.php?top=2,21

Prost & guten Abend!?

 

547. Braurausch Kellerbier

Mein heutiges Bier ist das beste der Welt. So zumindest die beiden Braumeister Alexander Eichhorn und Tobias Wagner des Gemeinschaftssud von der Brauerei Eichhorn aus Hallstadt-Dörfleins nördlich von Bamberg und der Brauerei Wagner aus dem nur rund fünf Auto-Minuten entfernten Kemmern:

„Unser Gedanke war ganz einfach!
Wir wollten das „Beste“. Farbe, Geruch und natürlich der Geschmack – alles muss perfekt werden.
Unser Bier verführt die Sinne und macht aus einem „profanen“ Bier eine wahre Geschmacksexplosion. Schenke Deinem Gaumen etwas völlig Neues – einfach das Beste ;-)“

Die fränkische Kollaboration ist ein Kellerbier, das neben der typischen Unfiltriertheit noch eine Kalthopfung während der Gärung erfahren hat. Ein durchaus interessanter Ansatz – aber ob es das beste Bier der Welt ist?…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hallstadt/Kemmern
Erscheinungsjahr. . .
2019

Fazit

Sehr grasige Heuaromen, strohig-würzige Rauchmalzigkeit und dumpfe Hopfenbitternoten im Hintergrund – ja, das Bier ist in der Tat nicht uninteressant, aber das beste Bier der Welt? Naja, meinem Gaumen nach zu urteilen nicht. Sieht man davon ab, dass ich selbst natürlich mit meinem Cerevisia M das beste Bier der Welt braue, habe ich durchaus schon herausragendere Biere verkostet. Das soll dieses mehr als solide und spannende Bier aber nicht abwerten.

| 9 Pkt. (3+)

http://www.braurausch.de/

Prost & guten Abend!?

 

546. Schwaben Bräu Volksfestbier

Neben den Wiesn gilt in Deutschland die Wasen als zweitgrößtes Volksfest. Mit zuletzt 4,5 Mio. Besucher bezeichnet sich die Cannstatter Wasen als „größtes Schaustellerfest Europas“, weil hier der Fokus nicht nur auf den Konsum von Bier und Hähnchen liegt.

Das Besondere an der Brauerei ist, dass Wolfgang Dinkelacker, Urenkel des Firmengründers Carl Dinkelacker, die Dinkelacker-Schwaben Bräu 2007 aus dem weltgrößten Braukonzern Inbev zurück in die Selbständigkeit kauft.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Festbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.7°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stuttgart
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Im Vergleich zum gestrigen Oktoberfestbier würziger und weniger grasig. Ansonsten bestehen viele Parallelen. Insgesamt hat das Volksfestbier aber etwas mehr Tiefgang und schmeckt dennoch auch aufgrund der geringeren Stammwürze leichter. Wie das gestrige Bier, bleibt das heutige aber etwas für ein verfeierten Abend und weniger für eine Bierverkostung.

| 9 Pkt. (3+)

https://www.schwabenbraeu.de/sortiment.html

Prost & guten Abend!?

 

545. Spaten Oktoberfestbier

Letztes Wochenende begann das 186. Oktoberfest in der bayrischen Hauptstadt. Die als größtes Volksfest der Welt geltende und bis eine Milliarde Euro Umsatz generierende  Wiesn sind zwar eher ein Ort für Maßvollen Biergenuss, dennoch will ich den Anlass nutzen und wieder einmal einem Industriebier eine Chance geben.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Festbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13.7°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Gustatorisch bietet ein Oktoberfestbier natürlich wenig Überraschendes. Dafür ist der Bierstil definitorisch zu eingeengt. Dennoch schmeckt jedes doch ein wenig anders (auch wenn man sicherlich nach der x-ten Maß nicht mehr zu unterscheiden vermag). Das Spaten kommt mit der typischen hellmalzigen Süße daher, die mit einer leichten grasigen Würze, einer unterschwelligen Herbe und einer hopfigen Frische kombiniert ist. Insgesamt ist es durchaus trinkbar, aber eben auch nicht herausragend. Aber damit dürfte es genau den Anforderungen an ein Oktoberfestbier entsprechen.

| 9 Pkt. (3+)

https://spatenbraeu.de/produkte/spaten-oktoberfestbier.php

Prost & guten Abend!?

 

541. Bierverkostung Zur Eule 09/19 – Urlaubsbiere

Bönnsch Rotbier | Piedbœuf Blond | Sagres Branca | Brauwerk Holunder-Saison | Dreher Pale Ale | Borsodi Mester | Soproni IPA | Ritter Bier Hell | Lanbeer Hugò | Eldfell Volcano Red Ale | Grolsch Kruidige Tripel | Tostada Especialidades 1897 | Murauer Dunkel | Tomislav Crno Pivo | Maria Ehrenberger Pilgerstoff

Nach meiner Babypause hatte ich es letzte Woche endlich wieder zum Biermontag in die Kierberger Eule geschafft. Fast schon traditionell stand im September die Urlaubsbierverkostung an, bei der nicht nur Biersommelier Markus Weick, sondern auch die Gäste ihre bierigen Urlaubsmitbringsel vorstellen und teilen.

Folgende Biere aus Deutschland, Niederlande, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Kroatien und Island haben es dabei in mein Glas geschafft:

  • Bönnsch Rotbier:
    – untergärig; ?%
    – neuestes Saisonbier des Brauhaus Bönnsch
    – von Markus direkt aus Bonn mitgebracht
    – malzig karamellig
    – vollmundig, würzig, malzig, hopfig-herb

    https://www.boennsch.de/das-brauhaus/das-brauhaus

  • Piedboeuf Blond:
    – untergärig; 1,1%
    – eines der seltenen Tafelbiere, das sich durch einen sehr geringen Alkoholgehalt auszeichnet
    – gebraut durch ABInBev im belgischen Jupille-sur-Meuse
    – sehr mild, malziges Wasser, ganz leicht herb

  • Sagres Branca:
    – untergärig; 5,2%; Pilsener
    – aus Vila Franca de Xira in Portugal
    – zu Heineken gehörend und Marktführer in Portugal
    – der Name leitet sich vom südwestlichsten Ort des europäischen Kontinents ab
    – mild, süßmalzig, etwas Karamell, kaum herb

    http://www.cerveja-sagres.pt/

  • Dreher Pale Ale:
    – obergärig; 4,8%
    – von der 1862 vom Donauschwaben Anton Dreher gegründeten ungarischen Brauerei aus Budapest (heute zu Asahi gehörend)
    – mit den Hopfensorten Kazbek, Citra und Chinook gestopft
    – sehr hopfig, leicht bitter, fruchtig (Melone), grasig

    https://www.dreher.hu/soreink/pale-ale/

  • Borsodi Mester:
    – untergärig; 5%
    – ungarisches Lager (ebenfalls aus Budapest) zum 45. Jahrestag der Brauereigründung
    – hebt sich von den anderen Bieren der Brauerei durch die fehlende Verwendung von Mais ab
    – mild, hellmalzig, etwas hopfig
    http://borsodi.hu/a-mi-sorunk/mester

  • Soproni IPA:
    – obergärig; 4,8%
    – von der 1895 gegründeten dritten Budapester Brauerei (Einführung der Marke in 2005)
    – Hopfensorten: Citra und Cascade
    – sehr hopfig-fruchtig, heuartig, süßlich

    https://www.soproni.hu/ipa

  • Lanbeer Hugo:
    – obergärig; ?%
    – mit Kürbis eingebrautes  Ale von der Birrificio Biber in San Daniele del Friuli nördlich von Udine
    – fruchtig-würzig, gemüsig, säuerlich
    http://lanbeer.it/

  • Eldfell Volcano Red Ale:
    – obergärig; 6,5%
    – von der Brothers Brewery aus dem isländischen Vestmannaeyjar (dt.: Westmännerinseln; südwestlich der Hauptinsel; vulkanischer Ursprung)
    – mit Chili eingebraut
    – würzig, herb, leicht scharf, malzig
    http://thebrothersbrewery.beer/is/

  • Grolsch Kruidige Tripel:
    – obergärig; 8,3%
    – 2017 eingeführtes Kräuterbier von Grolsch aus Boekelo – Niederlande

    – mit Koriander, Kardamon und Zitronengras
    – gewürzig, zitrusfruchtig, malzig, hefig
    https://www.grolsch.com/our-beers

  • Tostada Especialidades 1897:
    – untergärig; 5,9%
    – Imperial Pils/Amber Red Ale aus der La Zaragozana Brauerei im spanischen Zaragoza (Hauptmarke: Ambar)
    – gebraut für die größte Supermarktkette Spaniens Mercadona

    – sehr karamellig, süßmalzig, leicht würzig, kaum Herbe

  • Murauer Dunkel:
    – untergärig; 5,2%
    – von den Culturbrauern aus der 1495 gegründeten Genossenschaftsbrauerei Murau in der Steiermark

    – sehr süß, karamellig, dunkelmalzig
    https://www.murauerbier.at/bier/dunkel/

  • Tomislav Crno Pivo:
    – untergärig; 7,3%; 17.8°P
    – Schwarzbier von der 1892 gegründeten Zagrebačka Pivovara
    – 1925 zu Ehren des tausendjährigen Bestehens der Krönung von König Tomislav eingeführt, ist es das stärkste Bier Kroatiens

    – würzig, dunkelmalzig, herb
    https://www.zagrebackapivovara.hr/zagrebacka-pivovara/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und an alle Gäste für diese Fülle an internationalen Bieren.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich nach Möglichkeit wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

543. Spencer Monks‘ Reserve Ale

Nach dem gestrigen einzigen echten Abteibier aus Belgien, folgt heute das erste und bislang einzige Trappistenbier aus den Vereinigten Staaten.

Es handelt sich um die Spencer-Brauerei im Nordosten der USA. Ihr Weg beginnt Anfang des 19. Jahrhundert als sich 1811 im Nachgang zur französischen Revolution, die für viele Klöster in Frankreich und Benelux mit Land- und Vermögensverlust einherging, einige Trappistenmönche dazu entschlossen ihr Glück in Übersee zu suchen. Nach erfolgreicher Überfahrt gründete und etablierte Vincent de Paul Merle im damaligen Nova Scotia das erste Trappistenkloster der USA. 1857 erhielten die ersten Mönche Unterstützung durch Kollegen der Sint Sixtus aus Westvleteren, die sich ebenfalls im neuen Kloster niederließen. Nach mehreren Bränden zieht das Kloster 1950 nach Spencer in 

Erst vor wenigen Jahren dann entdeckten die Mönche ihre Passion für das Bierbrauen. Nach Hospitation und Studium des urtümlichen klösterlichen Bierbrauens in Westvleteren und Westmalle, begann man auch in Übersee mit der handwerklichen Bierherstellung. 2013 wurde die Klosterbrauerei schließlich höchstoffiziell als erste amerikanische Trappistenbrauerei zertifiziert.

Das heutige Monks Reserve Ale ist ein Trappist Quadrupel, wie es auch die belgischen Mönche diesseits des Großen Teichs brauen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Quadrupel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Spencer (/USA)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Nach einem noch mäßigen Eindruck in der Nase folgen dunkle süßmalzige, karamellige, lakritzige, röstige und holzige Aromen. Beigemengt ist eine geringe Hopfenherbe und süße Bittere. Die über 10 Umdrehungen sind ebenfalls spürbar, aber keineswegs penetrant. Insgesamt schwer und ölig aber mit weniger Tiefe als ich vorab erwartet hätte. Definitiv kein Bier für zwischendurch – gerade aber in der beginnenden kälteren Jahreszeit ein interessantes Biererlebnis.

| 12 Pkt. (2+)

https://spencerbrewery.com/index.php/our-beers/spencer-monk-s-reserve-ale

Prost & guten Abend!?

 

542. Val-Dieu Brune

Nachdem ich es zuletzt wieder etwas häufiger ins P&M geschafft habe, schlummern noch zwei Abteibiere in meinem Kühlschrank, die ich gerne vorstellen möchte.

Beginnen möchte ich mit einem Brune von der Brasserie de l’Abbaye du Val-Dieu aus Wallonien. Nach eigenen Angaben ist es das einzige belgischen Abteibiers, das in den historischen Gebäuden des ursprünglichen Klosters gebraut wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Brune
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Aubel (Belgien)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Für ein belgisches Braunbier ziemlich holzig und bitter. Dennoch ist auch eine etwas herbe Karamelligkeit klar vernehmbar. Insgesamt ziemlich weich und mit viel Tiefgang. Das Alkoholaroma ist dabei leicht spürbar. Insbesondere für den geübten belgischen Gaumen also sicher mehr als empfehlenswert, wenn auch kein absolutes Highlight.

| 12 Pkt. (2+)

http://www.val-dieu.com/

Prost & guten Abend!?