Archiv für den Monat: Februar 2020

571. Rügener Inselbrauerei Strandgut Rauch-Eiche

Zum Ausklang des Wochenendes gibt es bei wieder was von der Inselbrauerei zu Rügen. Diesmal proBiere ich das Strandgut Rauch-Eiche – ein Rauchbier, das zusätzlich im Holzfass gelagert wurde. Es enthält neben Doldenhopfen auch Traubenzucker, der zur Flaschengärung hergenommen wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauchbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Natur-Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rambin auf Rügen
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Insgesamt schmeckt die Rauch-Eiche betont holzig sowie ebenso malzig wie hopfenherb. Hinzu kommt eine säuerliche Note und eben ein gewisses Raucharoma. Dieses hält sich allerdings relativ bedeckt und lässt so mehr Raum für etwas Karamell, Honig und Süßholz. Für mich eher eine Einsteiger-Rauchbier, das zeigt, dass nicht jedes Rauchbier auch den typischen Salami-Geschmack haben muss.

| 10 Pkt. (2-)

https://insel-brauerei.de/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

569. De Molen Piña PocoCoco

Nach halbwegs überstandenem Hexenschuss und Mittelohrentzündung möchte ich zum Wochenende endlich mal wieder ein Bier genießen.
Ausgesucht habe ich mir eine Berliner Weisse der Brouwerij de Molen. Doch es ist keine normale Berliner Weisse, sondern fast schon ein Bier-Cocktail. Denn hinzugefügt wurde mit Ananas und Kokos die typischen Zutaten der Piña Colada.
Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Berliner Weisse
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kokosnuss, Ananas, Milchsäure, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bodegraven (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Die Berliner Piña Colada Weisse kommt insgesamt milder daher als erwartet. Es dominiert ein säuerlich-süßer Geschmack nach Frucht und Vanille bzw. Kokos. Das Malz wirkt etwas trocken, der Hopfen eher würzig-herb und die Hefe ist ungewöhnlich bananig zu schmecken. Der Bitter-säuerliche Abgang lässt dann aber doch wieder an eine klassische Berliner Weisse erinnern. Alles in allen eine interessante Variation, die auch ein wenig die Säure reduziert. Dennoch hätte ich gern noch mehr Piña Colada gehabt.

| 10 Pkt. (2-)

https://brouwerijdemolen.nl/brouwerij/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

570. Bierverkostung Zur Eule 02/20 – Drinkablity & Zechkultur

Bönnsch Ludwig I. Biersymphonie | Camba 4 Session | Camba Hell | Westmalle Tripel | Bitburger Winterbock | St. Peter’s Old-Style Porter

Nach vier langen Monaten hatte ich letzte Woche wieder mal die Gelegenheit zum Biermontag in die Kierberger Eule zu fahren. Thema vom Biersommelier Markus Weick für den Februar war „Drinkability & Zechkultur“. Zwei Begriffe, die auch Teil der Bierkultur und eng miteinander verwoben sind. Dabei geht es allerdings nicht ausschließlich um’s „Besaufen“, sondern auch um den lockeren Biergenuss.

Drinkablity

Drinkability bedeutet grundsätzlich – wie es der Name schon verrät – die Trinkbarkeit von Getränken. Der Begriff bezieht sich auf bezieht sich auf die Wahrnehmung von Gewicht bzw. Dichte und Fließwiderstand von Getränken im Mund. Bei Bieren ist hierbei vor allem die Süffigkeit gemeint. Süffig ist ein Bier, wenn man es möglichst leicht und angenehm trinken kann – es ist dann schlank und rund. Ist ein Bier eher füllig, mächtig oder gar likörartig spricht man von Vollmundigkeit. Ein Beispiel für ein sehr süffiges Bier ist das Kölsch. Ein recht vollmundiges Bier ist beispielsweise der Weizendoppelbock. Beide Begriffe werden allerdings im Bier-Marketing missbräuchlich auch für jeweils andere Bierstile verwendet. Wesentliche Treiber der Vollmundigkeit sind hoher Alkoholgehalt, niedriger Vergärungsgrad, hoher Malzanteil, viel Süße und Trübstoffe, die nicht herausgefiltert wurden. Im Vergleich zu süffigen Bieren dürfen Biere mit hoher Drinkability jedoch nicht zu langweilig sein.

Gerade die Craftbeer-Szene ringt mit diesem Begriff, da viele sog. Craftbiere eben wenig süffig und daher gering „drinkable“ sind. Doch immer mehr Brauereien stellen neben den Klassikern wie IPA oder Stout nun auch Biere zur Verfügung, die keine anspruchsvolle Geruchs- oder Geschmacksvielfalt wie -tiefe beinhalten. Diese können auch zu lockeren Gelegenheiten getrunken werden und erschließen somit nebenbei auch eine größere Zielgruppe.

Zechkultur

Der Begriff „Drinkability“ bzw. Süffigkeit ist eng mit der heutzutage eher bei der jüngeren Generation gelebten Zechkultur verbunden. Markus präsentierte nicht nur diverseste Spielideen, die damit verbunden sind, sondern versuchte sich auch am sog. Yard of Ale. Dies ist eine vermutlich bereits hunderte Jahre alte Glasform, die sehr schmal etwa 1,5l fasst. Vergleichbar mit dem sog. Stiefel ist diese jedoch unten Kugelrund und lässt sich auch nicht abstellen. Dadurch ist man quasi gezwungen das Bier schnellstmöglich „herunterzukippen“. Während der Rekord bei knapp einer halben Minute liegt, hat sich Markus nicht unter Druck setzen lassen und dies auf den ganzen Abend ausgedehnt. Damit er immer noch präsentierfähig ist, hat er auch nur alkoholfreies Bier verwendet.

Die Biere

Den bierigen Beginn machte das neueste Saison-Bier vom Bönnsch: Die Beethoven I. Biersymphonie – ein naturtrübes und mit Aromahopfen versehenes Pils.

Persönlicher Eindruck:
süßlich-malzig, melonenfruchtig
sehr würzig, hopfig herb, grasig bis strohig

Weiter ging es mit einem Bier, das sehr gut ins Thema passt, da es eine Bierkategorie symbolisiert, die die Drinkability verkörpert: die sog. Session-Biere. Grundsätzlich sind das leichtere Bier mit weniger Alkohol und geringeren Malz- und Hopfennoten. Der recht neu erscheinende Begriff des Session-Bieres könnte schon über hundert Jahre alt sein. Zu dieser Zeit gab es in Großbritannien restriktive Kneipenöffnungszeiten, die nur zu bestimmten Zeiten bzw. Sessions geöffnet waren. Damit sich aber die Leute nicht unter Druck zu sehr betranken, soll milderes Bier ausgeschenkt worden sein.

Beim Session Bier von Camba – einer der bekanntesten Craftbier-Marken Deutschlands, die einst als Showroom-Brauerei starteten – handelt es sich um ein American Pale Ale mit geringen Bittereinheiten und nur etwas mehr als vier Prozent Alkohol.

Persönlicher Eindruck:
fruchtig mild, Süßholz
trocken-würzig, mild-grasig, geringe Hopfennote, kaum Herbe

Als drittes Bier erwartete uns erneut ein Vertreter von Camba. Das Helle der Chiemseer entspricht in etwa der neuen Drinkability-Offensive der Szene, wobei Camba, seit jeher neben den typischen Craftbier-Stilen auch traditionelle bayrische Bierstile herausgebracht hat.

Persönlicher Eindruck:
wenig wie ein typisches Helles, eher Hausbrau-ähnlich
mittelmalzig, hefig, leicht gehopft, buttrig, gemüsig

Als vorletztes Bier der Verkostung ging das Tripel von Westmalle in den Ring. Obwohl es mit 9,5% daherkommt passt es ebenfalls zum Thema Drinkability. Denn in diesem Stilbildenden Bier aus der flandernschen Trappisten-Kloster-Brauerei wird Zucker mit vergoren, sodass zwar hohe Alkoholgrade erreicht werden, das Bier aber dennoch relativ leicht schmeckt.

Persönlicher Eindruck:
sehr süß, Lakritz, Minze
 malzig, süßlich nach Honig, hefig, etwas bitter, leichtes Alkoholaroma

Trotz des doch recht allgemeinen Themas hatte es Markus bis dahin geschafft Biere auszuwählen, die ich noch nicht gelistet hatte. Den Abschluss der Verkostung – und damit das vollmundigste Bier des Abends – hatte ich dann aber doch bereits vom ersten Kierberger Stärk Antrinken proBiert.

Persönlicher Eindruck:
Karamell, süßmalzig, etwas harzig
größerer Köper, süßmalzig, Vanille, (ge-)würzig, leicht waldig, bittersüßer Abgang

 

Das Gesamtresultat des Tastings in der Übersicht:

Im Anschluss gab es dann noch folgende besondere Köstlichkeiten in gemeinsamer Runde zu verkosten:

  • Bitburger Winterbock
    – untergärig; 16.8°P; 7%
    – Helles Bockbier der größten Privatbrauerei Deutschlands
    hellmalzig, Karamell
    relativ mild, cremig-malzig, karamellig, leicht Bonbon, geringes Alkoholaroma
    https://www.bitburger.de/winterbock/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den sehr interessanten Abend.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich wenn möglich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/