Alle Beiträge von Markus (Chefredakteur)

Über Markus (Chefredakteur)

Herr über die Kronkorken! :) Bier-Cocktail-Liebhaber! :) Hobby-Bier-Botschafter ;)

531. Fullers & Friends Peat Souper

Die letzten Biere hier an dieser Stelle waren geprägt von besonderen weiteren Zutaten abseits des „Reinheitsgebots“. Heute und morgen stelle ich Euch je ein Bier vor, das zwar von den Zutaten her Reinheitsgebots-konform ist, aber durch die Machart dieser einen besonderen Geschmack erfahren.

Beide Biere sind nämlich Rauchbiere. Das heißt, das Malz wird von Rauch gedarrt und nicht einfach nur erhitzt. Früher war dies eine übliche Weise um das feuchte Korn nach dem Ankeimen zu trocknen. Heute ist diese dank moderner Heiztechnik nicht mehr erforderlich und hat das Rauchbier zu einem einfachen Bierstil verdrängt.

Während üblicherweise heutzutage Buchenholz verwendet wird, ist das Malz für das heutige Rauchbier über Torf gedarrt worden. Das Porter ist eine Koproduktion der weltweit bekannten Fuller Brauerei aus London und der aus dem nord-westlichen England stammenden Hardknott Brewery. Es ist eines von zunächst sechs Bieren aus der Fuller & Friends Serie, bei denen jeweils eine andere Brauerei in die englische Hauptstadt eingeladen wurden.

„Named after the thick fogs that bedevilled industrial London, this delicious dark beer takes inspiration from the capital’s 18th-century Porters. Smoky peat, rich malt and a trio of classic English hops make it one to savour.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Millom / London (England)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

In der Nase noch etwas säuerlich, kommt das Torfaroma auf der Zunge sehr gut zur Geltung. In Verbindung mit dem Roggenmalz und einer auch sonst recht röstig-würzigen Note, ist es ein Stereotyp eines Rauch-Porters. Ich vermisse dennoch etwas die karamelligen Malznoten und eine geringe Bittere.

| 12 Pkt. (2+)

https://www.fullers.co.uk/blog/beer-articles/fullers-and-friends

Prost & guten Abend!🍻

 

530. Kiesbyes Waldbier Wilde Kirsche

Heute stelle ich Euch ein Bier vor, auf dass ich mich schon länger gefreut habe. Es ist eines der besten Beispiele, warum das deutsche „Reinheitsgebot“ dringend reformiert werden muss zu Gunsten eines Natürlichkeitsgebots.

Wie auch schon das gestrige Bier, stammt das heutige aus dem schönen Österreich – genauer vom Kiesbye’s Bierkulturhaus. Geführt vom renommierten Biersommelier und Ausbilder Dipl.-Brau-Ing. Axel Kiesbye, zählt die Marke zu den edleren des Craftbier-Markts. Gebraut wird das Bier in der 1601 gegründeten Trumer Privatbrauerei, die ein offenes Gärsystem anwendet. Kiesbye arbeitet für seine Waldbiere zudem seit vielen Jahren eng mit Verantwortlichen der umliegenden Österreichischen Bundesforste zusammen.

Dabei ist jedes Waldbier 100 % Österreich, da alle Zutaten aus heimischer und möglichst regionaler bis lokaler Quelle stammen. Kiesbye wendet außerdem keine Filtration oder Stabilisierung an. Da die Waldbiere grundsätzlich etwas stärker eingebraut sind, können sie trotzdem mindestens fünf Jahre eingelagert werden.

Auch der Brauprozess ist eng an der Natur der Jahreszeiten ausgerichtet. Im Frühjahr wird eingebraut, im Sommer gereift und gelagert, im Herbst folgt die Abfüllung und im Winter wird über den nächsten Jahrgang philosophiert.

Während in den zurückliegenden Jahren bereits die Nadeln von Tanne, Lärche, Schwarzkiefer oder Fichte den Weg in die Biere gefunden haben, waren letztes Jahr Blüten an der Reihe.

„Über 100 Liter Traubenkirschenblüten landeten im Frühjahr 2017 in den Körben der ÖBf-Forstarbeiter. Die Blüten wurden anschließend in selbst hergestelltem Zuckersirup getaucht, zwei Monate gelagert und zur Oxidationsvermeidung einer leichten Fermentation unterzogen. Der Blütensirup wanderte anschließend in den Lagertank, in welchem zugleich eine zweite Gärung startete.“

Herkunft der Blüten ist ein Auenwald im Revier Hermagor am Fuße der Karnischen Alpen in Kärnten. Zur Unterstreichung des Kirscharomas wurde zudem noch der Aromahopfen Monroe zur Reifung hinzugegeben.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Waldbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Traubenkirschblütensirup, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Obertrum (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2017

Fazit

Ein ziemlich einzigartiges blumig, harzig, und gewürziges Biererlebnis, dass mit karamelligen, leicht bitterfruchtigen Noten ergänzt wird. Die Stärke von über sieben Umdrehungen kommt dem Bier charakterlich sehr gut. Die Kirschblütennoten sind etwas gewöhnungsbedürftig, sind aber auch nicht unmittelbar identifizierbar. Ein wirklich spannendes natürliches Bier, das mich bestärkt so etwas ähnliches auch mal zu brauen.

| 13 Pkt. (1-)

 • https://kiesbye.at/produkt/waldbier-wilde-kirsche-6-x-075l-flasche/

Prost & guten Abend!

 

529. Rieder Kürbiskernbier

In meiner aktuellen kleinen Reihe von Bieren mit dem gewissen Extra steht heute das Kürbiskernbier der Brauerei Rieder an. Die oberösterreichische Brauerei aus dem Innkreis braut sowohl Biere der Kategorie traditionelle deutsche/österreichische Bierklassiker als auch experimentellere Bierspezialitäten á la „Craftbeer“. Nicht ans Reinheitsgebot gebunden entstehen somit auch Bierkreationen mit besonderen Zutaten.

„Seit 2010 wächst der Ölkürbis auch im Innviertel, nämlich bei pramoleum. Gesunde Böden und ausreichend Sonne lassen die größte Beere der Welt hier in der Bierregion prächtig gedeihen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kürbiskerne, Hopfen, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  12.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ried am Innkreis (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Während in der Nase noch eher die ölige Note durchbricht, wirkt das Kürbiskernbier auf der Zunge klar würzig und nussig. Neben leichten Karamell- treten noch Gemüsearomen zu Tage. Kein Bier für den sturen Pilstrinker, aber auch nicht zu gewöhnungsbedürftig für Bierkenner. Für mich trotz überdurchschnittlichem Gesamteindruck leider kein geschmacklicher Volltreffer.

| 9 Pkt. (3+)

 • https://www.rieder-bier.at/de/produkte/bierspezialitaeten/

Prost & guten Abend! 🍻

 

528. Uiltje Mind Your Step (Coffee Edition)

Fast im Direktvergleich zum gestrigen Imperial Stout mit dem gewissen Extra, folgt heute ein zumindest auf dem Papier gleichwertiger Kandidat.

Gebraut wird er von der Nord-Holländischen Craftbeer-Schmiede Uiltje, die auch international zu einer der führenden Kreativbrauereien zählt. Mit Mind your Step haben die Niederländer eine Bier-Reihe kreiert, die sich dem Stil Imperial Stout widmet und diesen durch verschiedene weitere natürliche Zutaten ergänzt. In der heute vorliegenden Coffee Edition sind neben den Malzen Pale, Cara, Amber und Roggen sowie den Hopfen East Kent Golding, Bramling X und Athanum noch Wacholder, Cranberries und eben eine ganze Menge Kaffee enthalten. Zudem wurde das Stout mit Eichenholzchips gelagert.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hafer, Wacholder, Cranberries, Kaffee, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 14%
Herkunft. . . . . . . . . . . Haarlem (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Ein sehr intensives Geruchserlebnis nach tiefschwarzen Kakao-, Kaffee- und röstig-fruchtigen Karamellmalzaromen wird gefolgt von einer sehr cremig-öligen Textur auf der Zunge, die ein sehr ausbalanciertes Bier schmecken darf. In seinen malzig-röstigen Noten sehr am Rande des maximal Möglichen und dennoch blitzen die fruchtig-holzigen Nuancen immer wieder heraus. Mit 14 Umdrehungen ist es das zweitstärkste Bier, das ich je getrunken habe. Diese sind zwar vor allem im Abgang spürbar, jedoch längst nicht unangenehm auffällig. Ein Bier für den ganzen Abend und für mich nur ganz knapp an der Bestwertung vorbei geschrammt.

| 13,5 Pkt. (1(-))

 • https://www.uiltjecraftbeer.com/

Prost & guten Abend! 🍻

 

527. Sori Brewing & Brouwerij Kees We’ll always have Paris

Nach überstandener Männergrippe geht es hier endlich weiter mit meinen Endspurt vor der Babypause. Am Start heute wieder mal eine der seltenen Einzelrezensionen aus Estland.

Es handelt sich um ein Collaboration-Brew der Sori-Brewing aus der estnischen Hauptstadt Tallin und der Kees Brouwerij aus dem niederländischen Middelburg. Das Imperial Stout überrascht mit Datteln, Kokosnuss und Tonkabohnen in der Zutatenliste.

„The idea to brew this beautiful beer was born in Paris, France in the Summer of 2017. Sori and Kees fell in love with each others beers and that was it. Every good date night ends in a dessert that makes you smile. Ours is a sweet dessert like Imperial Stout that is infused with dates, coconut and tonka beans.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Datteln, Kokosnuss, Tonkabohnen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 9,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Tallinn (Estland)
Erscheinungsjahr. . .
2017

Fazit

Die Kollaboration ist durchaus eines Imperial Stout würdig. Auf einer sehr cremigen, öligen und schweren Basis kommen fruchtig-säuerliche und Zartbitter-Noten klar hervor. Die Aromen der Datteln in Verbindung mit der doch erkennbaren Alkoholnote überlagern leider aber die süßlich-schokoladigen Aromen der Kokosnuss und Tonkabohne. Für den Bierexperten aber dennoch einen Schluck wert, der den Gaumen definitiv nicht langweilt.

| 12 Pkt. (2+

 • https://soribrewing.com/brews

Prost & guten Abend! 🍻

 

526. Perlenzauber German Pale Ale | Brlo German IPA | Rügener Inselbrauerei German Coast

Bevor es in Kürze für mich in die Babypause geht kommt es heute nochmals zu einer (weiteren) Premiere: Das erste Triple-Tasting.

In meiner ersten dreifachen Vergleichsverkostung treten das German Pale Ale von KALEA, das German IPA von Brlo und das German Coast Double IPA der Rügener Inselbrauerei gegeneinander an. Erworben aus unterschiedlichen Quellen eint alle drei die deutsche Interpretation des jeweiligen Bierstils Pale Ale, IPA und Double IPA. Da es sich hierbei nun um drei unterschiedliche Bierstile handelt, werde ich diese auch nur im Kontext miteinander vergleichen.

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale // IPA // Double IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, (Weizenmalz), (Natur-)Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4% // 7% // 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ingolstadt // Berlin // Rambin auf Rügen
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Drei Biere, die zwar alle German im Namen tragen und aus der Familie der Pale Ales stammen, aber dennoch grundverschieden sind.
Während das Perlenzauber eher wie ein Helles untergäriges wirkt und unscheinbar daherkommt, überzeugt das German IPA leider wenig. Zu starke Bittersüße und eine unangenehme Harz-Note bedeuten leider den dritten Platz. Leicht positiv sticht das German Coast heraus, das mit einer recht guten Balance aus Herbe, Fruchtigkeit und blumigen Aromen hervortritt.
Alle drei vermögen mich heute aber nicht in Gänze vom Hocker zu werfen. Das Ergebnis in Zahlen:

 | 8 Pkt. (3) //  7 Pkt. (3-) // 9 Pkt. (3+)

 • https://www.beertasting.club/beer/detail/5b8f8c21b9119d005ab909a6 // https://www.brlo.de/bier/brlo-german-ipa/?age-verified=674045e97e // https://insel-brauerei.de/wp-content/uploads/2018/03/GERMAN-COAST.pdf

Prost & guten Abend!

 

525. Nowhere Brewing Clockwork Orange

Das letzte Bier vom Craftbeer Festival Cologne ist wieder einmal eine Premiere für meine Rezensionen. Zum ersten Mal stelle ich Euch ein Bier aus Luxemburg vor.

Das letzte Großherzogtum der Welt erlangte Ende des vorletzten Jahrhunderts von den Niederlanden die vollständige Unabhängigkeit und ist ähnlich wie die Schweiz mehrsprachig (luxemburgisch, deutsch und französisch) und vor allem als europäisches Steuerparadies für Institutionen der Finanzbranche bekannt. Das Groussherzogtum Lëtzebuerg weist darüber hinaus eine relativ junge Bevölkerung auf, die sich aus knapp 50% Ausländern speist (die größte Gruppe sind Portugiesen).

In Sachen Bier ist das Weinland bis heute relativ wenig in Erscheinung getreten. Daran wollen die Jungs von Nowhere Brewing nun etwas ändern. Auch wenn es (zunächst) bei der Loonbrouwerij in den Niederlanden produziert wird, stammt die Rezeptur-Entwicklung zumindest aus Luxemburg. Nachdem ich bereits das Accidental Wheatness proBieren durfte, folgt heute nun das Clockwork Orange. Ein New England India Pale Ale mit Orangenschale, Vanille und Laktose.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . NEIPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Orangenschale, Vanille, Hopfen, Laktose, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Cothen (Niederlande) [Luxemburg]
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Einem intensiven fruchtig-bitterhopfigen Geruch, folgt ein weicher cremiger Antrunk von fruchtigen Malz- und blumiger Hopfennoten. Sowohl Hafer, als auch eine Süße von Vanille und/oder Laktose sind erkennbar. Wie jedes NEIPA kein Bier für Anfänger, aber für Fortgeschrittene wie mich ein ziemlich besonderer Genuss. Nicht zu extrem in seinen Facetten und dennoch alles andere als 08/15.

| 13 Pkt. (1-)

 • http://www.nowherebrewing.com/

Prost & guten Abend! 🍻

 

524. Bergcraft Heavy Met Ale

Für Bier #4 vom Craftbeer Festival Cologne müssen wir kurz hinter die bayrisch-hessische Landesgrenze nach Aschaffenburg. In einem kleinen Ort nordöstlich hiervon namens Glattbach wird seit 2010 unter dem Namen Brauhaus Bergmann (ehem. Biobrauerei Glattbach) Bier hergestellt. Doch nicht nur Bier, sondern auch Met. Und so war es mehr als naheliegend, dass das bereits entwickelte Met-Bier auch das Licht des Biermarkts erblickte. Unter dem Namen Met-Ale ist es eines der beliebtesten Biere der jungen kleinen Brauerei und entsteht aus einem Verschnitt von 80% Met und 20% Bier. Für den Met wird dabei vor allem Frühlingsblütenhonig verwendet.

Es ist im Übrigen damit das erste Biermischgetränk dieser Art, das an dieser Stelle vorgestellt wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Met-Bier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Honig
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Glattbach
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Dieses Met-Bier-Gemisch ist selbst für den geübten Gaumen noch etwas gewöhnungsbedürftig. Im Vergleich zu anderen Biermix kommt es deutlich natürlicher und weniger penetrant süß daher. Allerdings darf man nicht mit der Erwartungshaltung herangehen hier irgendetwas bieriges zu verkosten. Außerdem stelle ich mir die Frage, wie es wohl aufgewärmt schmecken würde.

| 9 Pkt. (3+)

 • https://www.biobraumeister.de/

Prost & guten Abend! 🍻

 

523. Clucking Hen Young Adam

Bier #3 vom Craftbeer Festival Cologne kommt aus dem Sauerland. Einer Region, die mit Warsteiner und Veltins zwei der großen deutschen Fernsehbier-Brauereien beherbergt und alleine aufgrund dessen sehr Pils-fixiert ist.

Christina und ihre drei Jungs mussten schließlich erst nach Belgien reisen um die Vielfalt des Bieres und dessen Wertschätzung kennen zu lernen. Überwältigt von diesen Erlebnissen starteten sie ihre eigene kleine Marke Clucking Hen – die gluckende Henne.

Der Name rührt vor allem von den von Christina selbst im Garten gehaltenen Hühnern. Schließlich teilen beide die Leidenschaft für gutes Korn.

Und dieses ist auch im heutigen Young Adam enthalten. Wie es der Name schon verrät handelt es sich  um ein sog. Adambier. Das ist ein schon alter Bierstil, der am besten als stärkeres saures Altbier bezeichnet werden kann. Der Bierstil galt lange Zeit in Deutschland als ausgestorben, als er im Zuge der „Craftbeer“-Welle wieder auferstanden ist. Im Young Adam kommt das Getreide u.a. in Form von Melanoidin- und Sauermalz vor.

Während die Entwicklung der Biere in Meschede stattfindet, lassen die vier es (vermutlich aus Gründen des „Reinheitsgebots“) in Belgien bei der Brasserie Grain D’Orge brauen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Adambier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hombourg (Belgien) [Meschede]
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Ein unglaublich ausbalanciertes Bier. Sowohl am Gaumen als auch in der Nase mit klar röstig-würzigen Noten. Eine leichte säuerliche Bittere unterstreicht eines der stiltypischsten Adambiere, das ich je getrunken habe. Subjektiv gesehen ist mir die Betonung auf die röstige Würze jedoch etwas zu deutlich. Auch wenn es weniger zum Stil passen würde, hätte ich mir mehr Malzsüße gewünscht. Dennoch absolut empfehlenswert. Zumal sich das Bier ja noch bei längerer Reifezeit in diese Richtung entwickeln würde.

| 12 Pkt. (2+)

 • https://www.clucking-hen.com/beer/

Prost & guten Abend! 🍻

 

522. Hensen Alt

Ebenfalls vom Craftbeer Festival Cologne mitgenommen ist mein heutiges Bier.

„In Mönchengladbach-Waldhausen, genau auf der Quelle des Gladbachs steht das ehemalige Sudhaus der Brauerei Gebrüder Hensen. Gegründet im Jahre 1793 wurden bis in die 70er Jahre an gleicher Stelle die Biere der traditionsreichen Brauerei Gebrüder Hensen gebraut. Dem allgemeinen Brauereisterben in Deutschland geschuldet, stellte man die Produktion Mitte der 70er Jahre ein.

Anfang 2015 erkannten Norbert, Patrick und Jonas, dass der Stadt Mönchengladbach ein neues Bier gutstehen würde.“

Dabei haben die drei bewusst darauf verzichtet eine neue Marke zu erzeugen, sondern wollten mit der Hensen-Brauerei eine alte Mönchengladbacher Tradition wiederaufleben lassen.

„Wir nennen es nur nicht Craftbier – für uns ist es einfach Brauhandwerk.“

Ursprünglich hatte ich mir mal vorgenommen bei der Brauerei persönlich vorbei zu schauen, nun stelle ich es Euch eben so vor.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alt
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.7°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mönchengladbach
Erscheinungsjahr. . .
2015

Fazit

Nach leicht metallischen aber auch karamelligen Noten in der Nase, breitet sich auf der Zunge ein würziges ganz leicht röstiges Aroma aus. Das Alt ist sehr abgerundet und trotz der erkennbaren Würze noch ausreichend süffig. Die Mönchengladbacher stehen meiner Ansicht nach auch der Düsseldorfer Konkurrenz im nicht nach.

| 12 Pkt. (2+)

 • https://brauerei-hensen.de/#biere

Prost & guten Abend! 🍻

 

521. Rhombus | Lahnsteiner Orpheus Gruit

Nach überstandener Erkrankung werde ich mich an dieser Stelle in kommender Zeit etwas seltener zu Wort melden, da in Kürze erfreulicherweise zum dritten Mal Nachwuchs ins Haus steht.

Bevor das aber soweit ist werde ich noch versuchen Euch möglichst viele spannende Biere vorzustellen. Den Beginn macht ein Bier, dass ich vom Craftbeer Festival Cologne mitgebracht habe.

Das Orpheus Gruit ist – wie es der Name schon verrät – ein Gruitbier (allerdings auch mit einem Hopfenanteil). Entwickelt und gebraut wurde es in einer seltenen und vermutlich bislang einzigartigen Kollaboration einer deutschen (Lahnsteiner Brauerei) und bulgarischen Brauerei (Pivovarna Rhombus). Letztere entstand 2016 als eine der ersten sog. Craftbeer-Brauereien des Landes. Das blieb Dr. Markus Fohr und seiner bulgarisch-stämmigen Frau Donka (geb. Ivanova) nicht verborgen und man suchte und fand einen sympathischen Kontakt. Herausgekommen ist ein Kollaborationssud eines mittelalterlichen Bieres mit Kräutern, die in beiden Ländern heimisch sind.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gruitbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Salbei, Wacholder, Minze, Melisse, Thymian, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Pazardzhik (Bulgarien)
Erscheinungsjahr. . .
2018

Fazit

In der Nase noch etwas verhalten, paart sich auf der Zunge eine Mischung aus hefiger Malzsüße und fruchtig-frischer Gewürze. Letztere dominieren dann auch den Abgang, der in der Tat einem etwas in’s bierige Mittelalter versetzt. Ein tolles Bier, das gerade beim nun endlich beginnenden Sommer schön erfrischend wirkt und zudem zeigt, dass das „Reinheitsgebot“ dringend reformiert werden muss.

13 Pkt. (1-)

 • https://www.lahnsteiner-brauerei.de/aktuelles/63.htm + https://www.lahnsteiner-brauerei.de/_mediafiles/86-orpheus-gruit.pdf

Prost & guten Abend! 🍻

 

Craftbeer Festival Cologne

Gaffel Wet Hop | Gaffel + Mikkeller Viking Kölsch | Nowhere Brewing Accidental Wheatness | Clucking Hen Rye Pale Ale | Ramses Wooly Bully | Uthoka CDU | Wacken Heimdalls Willkomm | Maryensztadt Vanilla & Coconut Bourbon Barrel Aged Russian Imperial Stout | Duex Kölsch | Duex Dunkel | Brew Sistas Royal IPA | Brauprojekt 777 Barley Wine | Testbräu Milk Ice Cream Stout | Superfreunde Old School Ale | Vulkan Bourbon Barrel Doppelbock | Freigeist Bierkultur Spiritus Sanctus | Hertl Room 3090 | Hertl Whiskydoppelbock | Schoppe Bräu Weltreise

https://www.craftbeer-festival.cologne/images/landing/craftbeer-cologne-logo.png

Eine Woche ist es schon her, dass das erste Craftbeer Festival Cologne stattfand. Natürlich ein absoluter Pflichttermin für jeden Bierbegeisterten. Nachdem in diesem Jahr erstmals das Kölner Festival der Bierkulturen – organisiert vom Braustellenmeister Peter Esser – nicht stattfand, fasste sich Michael Busemann – seines Zeichens freiberuflicher Pressesprecher von Gaffel und Biersommelier – ein Bierherz und stellte ein eigenes Bierfest auf die Beine.

Heraus kam das erste Craftbeer-Festival der Domstadt, das in der Stadthalle Mülheim mit 60 Brauereien aus Deutschland, Polen, England, Belgien, Niederlande oder Luxemburg und über 350 Biere aus 40 verschiedenen Bierstilen aufwartete. Unter anderem dabei waren:

Begleitet hat mich freundlicherweise erneut Nils, mit dem ich diese tollen Eindrücke teilen durfte.

Impressionen:

 

Tasting-Notizen / Bierfacts:

  • Gaffel Wet Hop:
    – obergärig; 5,4%
    – Kölsch mit frischem Grünhopfen eingebraut
     – sehr grasig, hopfig, gemüsig
  • Gaffel + Mikkeller Viking Kölsch:
    – obergärig; 4,9%
    – kaltgehopftes Kölsch aus deutsch-dänischer Kollaboration
     – sehr blumig, stohig, heuartig, gemüsig, gering hochvergoren
    – näheres siehe hier
    https://shop.mikkeller.dk/products/viking-kolsch
  • Nowhere Brewing Accidental Wheatness:
    – obergärig; 6,6%
    – American Pale Ale der Brauerei aus Luxemburg-Stadt
    – mein erstes Bier aus dem Groussherzogtum Lëtzebuerg
    – sehr malzig, Karamell, hopfig, grasig, blumig, gemüsig
    http://www.nowherebrewing.com/
  • Clucking Hen Rye Pale Ale:
    – obergärig; 6,3%
    – mit Roggen
    – von der gluckenden Henne aus Meschede
    – säuerlich, Getreide, gering, hopfig, blumig, süffig
    https://www.clucking-hen.com/beer/
  • Ramses Wooly Bully:
    – obergärig; 13%
    – Hop Hash Barley-Wine Quadrupel
    – gebraut mit dem Harz des Hopfens, der bei der Ernte und Verarbeitung übrig bleibt eine sehr konzentrierte Substanz aus Lupilin und aromatischen Ölen
    – von der 2007 entstandenen Brauerei aus dem niederländischen Hooge Zwaluwe
     – alkoholaromatisch, fruchtig, weniger ölig, bitter, trocken malzig
    http://www.ramsesbier.nl/bieren/wooly-bully
  • Uthoka CDU:
    – untergärig; 4,9%
    – Colonia Dunkel Ungefiltert
    – Festival Special vom Heidelberger Braumeister aus dem niederländischen Berlicum
    – röstmalzig, Karamell, malzsüß, holzig
    https://www.biersommelier.biz/
  • Wacken Heimdalls Willkomm:
    – hybrid; 6,5%
    – Met-Bier-Verschnitt der norddeutschen Kreativbrauerei
    http://www.wacken.beer/heimdalls-willkomm/
  • Maryensztadt Vanilla & Coconut Bourbon Barrel Aged Russian Imperial Stout:
    – obergärig; 9,4%
    – von der 2015 gegründeten Kreativbrauerei aus dem polnischen Zwoleń
    – extrem schokoladig, Zartbitter, wenig nussig, ölig
    http://www.browarmaryensztadt.pl/bier
  • Brew Sistas Royal IPA:
    – obergärig; 6,4%
    – IPA mit Honig von der Sünner-Imkerei
    – von der neuen Kreativbier-Marke aus Köln, die bei Fritz Wülfing in Bonn brauen
    – hopfig, Vanille, blumig
    https://www.facebook.com/pg/brewsistas/posts/
  • Brauprojekt 777 Barley Wine:
    – obergärig; 12%
    – mit Weißweinhefe entvergoren und nach dem Brauvorgang zwei Jahre lang auf Eichenholz gelagert
    – aus Voerde-Spellen am Niederrhein
    – alkoholaromatisch, ölig, Karamell, Bonbon
    https://www.brauprojekt777.de/unsere-bier-spezialit%C3%A4ten/saisonale-spezialit%C3%A4ten/barley-wine/
  • Testbräu Milk Ice Cream Stout:
    – obergärig; 6,3%
    – mit Haferflocken und Laktose
    – aus Nebra in Sachsen-Anhalt
    – cremig, süß, milchig, malzig, Bonbon, leicht bitter
    https://testbraeu.de/bier/milk-stout/
  • Duex Kölsch & Dunkel:
    – obergärig
    – neue Mikrobiermarke aus Köln (aktuell aus der BIRRERIA DUEXER BOTSCHAFT am Barbarossa-Platz – ab 2020 in Deutz)
    https://www.duex.beer/
  • Superfreunde Old School Ale:
    – obergärig; 5,5%
    – kaltgehopftes Altbier aus Hamburg
    – würzig, röstig, süffig
    https://www.superfreunde.beer/
  • Vulkan Bourbon Barrel Doppelbock:
    – obergärig; 9,5%
    – mehrfach ausgezeichnet – in den 30m tiefen Basalthöhlen der Eifel-Brauerei aus Mendig gelagert
    – bestes Bier des Abends
    – ölig, Karamell, Bonbon, Vanille, malzsüß, leicht holzig, vollmundig
    https://www.vulkan-brauerei.de/produkt/vulkan-bourbon-barrel-doppelbock-033l/
  • Freigeist Bierkultur Spiritus Sanctus:
    – obergärig; 8%
    – Stout mit Weihrauch, Myrrhe & Datteln
    – vom Craftbeer-Pionier und Kuckucksbrauer Sebastian Sauer
    – gebraut bei BrauArt Sausenheim im Rheinland-Pfälzischen Grünstadt
    – sehr gewürzig, dunkelmalzig, röstig, holzig, waldig, geringe Süße
    https://www.facebook.com/freigeistbierkultur
  • Hertl Room 3090:
    – obergärig; 6%
    – Ale mit Trüffel
    – von der kleinsten Brauerei Frankens
    http://shop.braumanufaktur-hertl.de/home/60-gurken-gose.html
  • Hertl Whiskydoppelbock:
    – obergärig; 11,3%
    – 6 Monate im schottischen Whiskyfass gelagert
    – zweitbestes Bier des Abends
    – blumig, dunkelmalzig, Karamell
    http://shop.braumanufaktur-hertl.de/home/53-bourbon-king-6-monate-im-bourbonfass-gereifter-whiskydoppelbock.html

Von David Hertl gab es außerdem auch ein Bier-Cocktail mit einem Kellerbier (Opas Liebling) und einem selbst gemachten Hopfen-Gin:

Als Absacker gönnten Nils und ich uns dann zu Hause noch die Weltreise von Schoppe Bräu. Dabei fiel die Auswahl eher unbewusst auch dieses eichholzfassgelagerte Double Imperial Stout. Mit sage und schreibe 15% Alk. ist es nämlich das höchstprozentige Bier, dass ich je getrunken habe.

Lustig und sehr passend zur teils gleichzeitig stattfindenden EU-Wahl war außerdem die Interpretation der Wahlplakate von der niederländischen Uthoka-Brauerei, die von einem deutschen Braumeister geführt wird:

Fazit:

Zu Beginn dachte ich noch, dass mich angesichts der schieren Menge an Brauereien und Bieren der Schlag treffen wird. Aber mit einer gewissen Vorbereitung und einem guten Bierplan kam man gut durch die nicht zu überdimensionierte Location. Da ich früh genug mit meinen „Pflichtprogramm“ durch war, hatten wir noch ausreichende Zeit uns einfach treiben lassen zu können. Klasse war nicht nur die Auswahl an vielfältigsten teils hochkreativen und gleichzeitig auch größtenteils leckere bis sehr sehr leckere Bieren, sondern natürlich auch die Möglichkeit alte Bierbekannte wieder zu sehen und neue Gesichter kennen zu lernen. Die Preise empfand ich für eine derartiges Festival noch akzeptabel, wenngleich hier an einigen Stellen eine leichte Streuung vorhanden war. Etwas besser hätte mir ggf. ein Bon- oder Wertmarkensystem gefallen, hätte aber in der Planung auch wieder eine Ebene mehr in der Organisation bedeutet. Ansonsten war es wirklich ein mehr als gelungenes Bierfest, dass gezeigt hat, dass selbst in der Kölsch-Hochburg Köln so langsam ein steigendes Interesse für handwerkliche, kreative und hochwertige Biere Einzug hält. Vielen Dank also an Michael Busemann, der das so überhaupt erst möglich gemacht hat und natürlich Danke an alle fleißigen Brauer für die sehr tollen Biere.

¡Craftbeer for Cologne!

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.craftbeer-festival.cologne/.

520. Maisel & Friends Hoppy Hell

Bevor es am Wochenende mit dem Craftbeer Festival Cologne ernst wird, möchte ich gerne noch eine Flaschenpost mit Euch teilen. Sie kommt wie so oft von der tüchtigen Eva Ploß von Maisel und ist die Erweiterung des Sessionbier-Sortiments von Maisel & Friends.

Mit dem Hoppy Hell wollen die Bayreuther den klassischen bayrisch und fränkischen Bierstil mit einer eigenen Interpretation wieder etwas mehr in den Fokus rücken. Dafür versetzen sie dem Hellen eine Kalthopfen-Kur ohne seine Süffigkeit zu verdrängen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Helles
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2019

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | sehr zitrus-fruchtig, Litschi & Maracuja, gering grasig
  | mittlerer Körper, würzig, hellmalzig, fruchtig, etwas hopfen-grasig, gering bitter, feinperlig, fruchtsüßherber Abgang
  | Ein wahrlich interessante Interpretation des klassischen Hellen. Meines Erachtens ist die Kalthopfung ein bisschen über’s Ziel hinaus geschossen, da die fruchtigen Hopfennoten einerseits natürlich schmackhaft aromatisch sind, anderseits das Bier aber etwas eindimensional erscheinen lässt. Mir fehlt es schlicht an den typisch malzigen leicht karamelligen Noten, die etwas in’s Hintertreffen geraten sind. Dennoch eine gute Erweiterung des Standardsortiments von den Maisel Freunden: 11 Pkt. (2).

 • https://maiselandfriends.com/biere/session/hoppy-hell/

Prost & guten Abend! 🍻

 

519. Serena

Zum Wochenendabschluss präsentiere ich Euch wieder einmal eine kleine Rarität, die sinnbildlich für die europäische aber auch bierige Vielfalt steht.

Das Serena ist eines der wenigen Biere aus der zu Frankreich gehörenden Mittelmeer-Insel Korsika. Aus der wechselvollen Geschichte zwischen französischem und italienischem Einfluss ist ein inseleigener Regionalpatriotismus und eine eigene Sprache entstanden. Doch es musste bis 1996 dauern, dass Korsika auch seine eigene Brauerei und sein eigenes Bier hatte.

Gebraut in der Brasserie Pietra, kennt man hierzulande vor allem das gleichnamige Flaggschiff-Bier, das mit Kastanien gebraut wird. Das Serena hingegen ist „pur malt“ und ist somit ohne Hopfen und ausschließlich mit Gerstenmalz gebraut. Zudem kommt es in einem ungewöhnlichen 025l Gebinde daher.

Vielen Dank an meine liebsten Schwiegereltern für dieses Mitbringsel.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Furiani (Korsika/Frankreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | hellmalzig, würzig, buttrig, etwas Karamell
  | mittelkleiner Körper, malzig, etwas Karamell, Malzsüße, etwas Würze, feinperlig-matt, süß-malziger Abgang
  | Manche Biere muss man wohl erst probieren, bevor man sie versteht. Ein Bier ohne Hopfen und andere Biergewürze ist ein Novum auf Bierjubiläum. Es strotz geradezu vor Malzsüße und lässt in der Tat keinerlei Hopfenherbe erkennen. Gerade, da ich ein solches Bier ebenfalls mal ausproBieren wollte, bin ich überrascht, wie rund (aber dennoch auch irgendwie einfältig) es ist. In Summe kommt es auf gute 11 Pkt. (2).

 • http://www.brasseriepietra.corsica/en/#page2

Prost & guten Abend! 🍻

518. Stiegl Weisse

Von Spanien geht es heute Richtung Österreich. Nachdem ich ja schon diverse Spezialbiere von Stiegl proBieren durfte, bin ich zuletzt über den Klassiker der Salzburger Brauerei im Getränkemarkt gestolpert und wollte ihm hier auch mal eine Chance geben.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Salzburg (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
1492

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | klar hefig, bananig, leicht fruchtig, würzig, harzig, etwas Karamell
  | vollmundig, würzig, fruchtig, malzig, bananig-hefig, feinperlig-spritzig, fruchtig-süßer Abgang
  | Ein Weißbier, dem man seine Herkunft schmeckt. Im Gegensatz zu bayrischen Weißbieren sind die der Österreicher etwas würziger aber gleichzeitig auch facettenreicher in den Fruchtaromen. Mir gefällts nur überdurchschnittlich – dennoch bleibt Stiegl eine meiner Lieblingsbrauereien: 11,5 Pkt. (2(+)).

 • https://www.stiegl.at/de/biere/klassiker/stiegl-weisse-naturtrueb

Prost & guten Abend! 🍻

517. Mahou Barrica Original

Passend zu den aktuell anstehenden Ereignissen gibt es hier in den kommenden Beiträgen Biere aus unterschiedlichen Ländern Europas.

Den Anfang macht die spanische Hauptstadt, in der seit 1890 die Cervezeria Mahou ihr Brauwesen treibt. Unter dem Namen Hijos de Casimiro Mahou, fabrica de hielo y cerveza gegründet stieg das Unternehmen zum größten Bierproduzenten Spaniens auf. Mahou ist heute Teil der Brauereigruppe Mahou-San Miguel – eine ursprünglich philippinische Marke, die interessanterweise ebenfalls 1890 ins Leben gerufen wurde. 1957 kreuzten sich die Wege beider Brauhäuser erstmalig. Es folgte eine immer tiefergehende (auch wirtschaftliche) Zusammenarbeit, die zum Jahrtausendwechsel in die vollständige Übernahme der San Miguel-Marke durch Mahou mündete.

Mit der Serie Barrica geht man zurück zu den Ursprüngen der Brauerei. Denn jedes der Barrica Biere wird im Eichenholzfass gelagert, bevor es in die Flasche abgefüllt wird. Ein Vorgang, der noch bis vor ungefähr 100 Jahren völlig üblich war, wird heute Dank Metallfässern oder direkter Flaschenabfüllung kaum noch praktiziert. Im Zuge der „Craftbier-Welle“ sind nun seit einigen Jahren vor allem wieder Biere beliebt, die in Holzfässern gelagert sind, in denen sich zuvor Wein, Spirituosen oder Ähnliches befand. Mahou verzichtet beim Original auf diese zusätzliche Möglichkeit der Aromagebung und will das direkte Holzaroma wirken lassen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Madrid (Spanien)
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | sehr gemüsig & buttrig, würzig, malzig, etwas Karamell, etwas Vanille, etwas Mandel
  | mittelgroßer Körper, süßmalzig, Karamell, Vanille, wenig würzig, feinperlig, würzig-süßer Abgang
  | Ein durchaus interessantes Bier, das aus dem Stil Lager wohl noch das bestmögliche rausholt. Grund hierfür ist zweifelsohne die Holzfasslagerung, die interessanterweise praktisch nicht in einem holzigen Aroma resultiert. Vielmehr stehen Malz und Vanille im Vordergrund. Obwohl es kein Überflieger-Bier ist, ist es dennoch eine gute Alternative zu vielen eher ausdrucklosen internationalen Lagers. 11,5 Pkt (2(+)) sind hierfür mehr als angebracht.

 • https://www.mahou.es/cervezas/barrica-de-mahou/#barrica-original / https://www.mahou.com/beers/barrica-original/

Prost & guten Abend! 🍻

516. Bierverkostung Zur Eule 05/19 – Brühler Heimathäppchen

Nikl Bräu Mosaic | König-Pilsener Rotbier | Vulkan Bock | Hoepfner Schwarzer Picher | 3 Cordilleras Mulata | Watt’n Bier Bock | Robinsons Hallowed Trooper

Brühler Heimathäppchen

Heute fand in der Brühler Altstadt das erste Straßen-Genuss-Festival an. Organisiert als Abschlussprojekt von Auszubildenden der Stadt Brühl, hat es vor allem lokale und regionale Spezialitäten in den Fokus gerückt, um so wieder für mehr Produkte vor Ort zu werben. Anstatt sich am anonymen Weltmarkt zu bedienen ist es in vielerlei Hinsicht attraktiver sich auch beim genüsslichen Konsum wieder stärker mit seiner Heimat zu identifizieren. Das spart nicht nur erheblich Ressourcen, sondern stärkt auch die regionale Wirtschaft. Zudem lernt man so viele nette Menschen kennen.

Dieses Event hat sich Biersommelier Markus Weick zum Anlass genommen am letzten Biermontag die regionalen Bierspezialitäten etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Dabei fasste er die Region in einem 100km-Radius rund um Brühl zusammen.

Da Heimat und Region auch immer etwas mit Geschichte zu tun hat, gab’s auch wieder einiges in Sachen Biergeschichte zu lernen. Dabei ging Markus auch explizit auf die Entwicklung der Kölner Biere ein, die noch heute die Region prägen wie keine zweite. Auch wenn heute das Kölsch das Bier der Kölner ist und einen überwältigenden Marktanteil in der Domstadt hat, gab es in der Vergangenheit auch andere Zeiten. Nach der Erfindung der Kältemaschine und dem damit einhergehenden Emporkommen der untergärigen Biere war es auch um das Kölner Bier schlecht bestellt. Den Siegeszug der Lager wie Pils oder Export erfasste fast ganz Mitteleuropa. Beheimatete die Rheinmetropole vor der vorletzten Jahrhundertwende noch etwa 110 Brauereien, waren es danach nur noch 15 Großbetriebe und 60 Hausbrauereien. Da man sich in Köln jedoch bereits seit dem 17. Jahrhundert dem obergärigen verpflichtet hatte begann noch vor dem ersten Weltkrieg eine Gegenbewegung, die in das heutige echte Kölsch (welches sogar zu Beginn als helles Altbier beworben wurde) mündete.

Auch die Schlossstadt Brühl hat eine durchaus bewegte Brauereigeschichte hinter sich. Gab es vor hundert Jahren noch mindestens fünf Brauereien war es vor allem die Brauerei Früh und die Schlossbrauerei, die das Bier der Stadt maßgeblich beeinflussten. Während aus der Brühler Familie Früh die heute bekannte Kölsch-Marke hervorging, schloss sich der Brühler Brauereizweig mit der Schlossbrauerei zu jahrzehntelang dominierenden Marke Giesler zusammen. Doch auch Giesler musste zum Jahrtausendwechsel die Produktion einstellen und wird nur noch als Marke in Köln gebraut. Damit ist Brühl (mit Ausnahme der Privatbrauerei, die mehrheitlich auf Hürther Boden steht) bis heute brauereilos.
Dass das nicht so bleibt, daran arbeiten Markus und ich. Dazu aber im späteren Verlaufe des Jahres mehr.

Den bierigen Beginn machte das Ur-Gemünder obergärig. Eigentlich ein Kölsch – da es jedoch in der Eifel und nicht in Köln gebraut wird, darf es sich nicht so nennen. Bereits vor drei Jahren hatte ich es hier auf Bierjubiläum rezensiert und ich habe das Gefühl es ist sogar noch leckerer geworden.

Persönlicher Eindruck:
sehr malzig, wenig hopfig-herb
würzig, herb, trocken-malzig, prickelnd, würzig-süßer Abgang

Einen kleinen Spaß erlaubte sich Markus mit dem folgenden Bier, dass zwar nicht aus der Region (sondern aus Mittelfranken) kommt, dafür aber wie kaum ein zweites zur Eule in Kierberg passt (und im Übrigen auch klasse schmeckt).

 

Persönlicher Eindruck:
sehr bananig, fruchtig, cremig
vollmundig, sehr bananig, hefig, Karamell, Malz, cremig-fast ölig, leicht harzig, feinperlig, trocken-süßer Abgang

Als drittes Bier erwartete uns ein Vertreter der sogenannten Fernsehbiere, die sich neuerdings fast ausnahmslos in neuen Bierrezepturen und Stilen versuchen. So brachte König-Pilsener aus Duisburg kürzlich ein Rotbier heraus, das eigentlich aber zwischen Nürnberger Rotbier, Wiener Lager und Märzen anzusiedeln wäre.

Persönlicher Eindruck:
säuerlich-malzig, Karamell, leicht Bonbon
mittelkleiner Körper, leicht würzig, malzig, leicht herb, blumig, waldig, feinperlig-matt, süßlicher Abgang

Vom nördlichen Rand von Rhein-Ruhr ging es mit Bier Nummer vier wieder zurück in die Eifel. Dort braut sich seit einigen Jahren wieder in der ehemaligen Bergbaustadt Mendig was zusammen. Unter dem Namen Vulkan wird dort eine einstmals höchst lebendige Braukultur aufgegriffen. Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Mendig und Umgebung Basalt im größeren Stile abgebaut. Übrig blieben leere Höhlen, die perfekte Bedingungen zum Bierbrauen boten, da dort eine konstant niedrige Temperatur herrschte. So waren es zu Spitzenzeiten 28 Brauereien, die sich in den Höhlen tummelten. Ähnlich wie das obergärige Bier in Köln, endete der Boom auch hier mit der Erfindung der Kältemaschine, die die Höhle praktisch nutzlos werden ließ. Die Vulkan Brauerei jedoch braut und lagert vor allem noch heute in den alten Basalthöhlen und hat auch sonst vieles Interessante zu bieten.

Persönlicher Eindruck:
Karamell, Bonbon, süßmalzig, sehr harzig
 mittelgroßer Köper, leicht herb, etwas bitter, Karamell, (ge-)würzig, harzig, leicht waldig, bittersüßer Abgang

Mit dem Boom der Brauereien in Mendig ging auch ein enormes Wachstum von Mälzereien einher, die sich rund um Mendig und die Rheinschiene ansiedelten. Im benachbarten Andernach baute sich die Friedrich Weißheimer Malzfabrik auf, die zeitweise die größte Mälzereigruppe Deutschlands war. Doch analog zum Brauereisterben, ging auch dort eine Mälzereisterben einher, sodass auch Weißheimer nach einer missglückten Expansion die Pforten schließen musste.

Der heute globale Malzmarkt wird (entgegen mancher Vermutung) vor allem von europäischen, nordamerikansichen und chinesischen Malzfabriken dominiert. Deutsche Mälzereien spielen dabei nur noch eine untergeordnete Rolle.

 

Mit dieser perfekten Überleitung ging es zum letzten Bier des Abends: Das Koch’sche Malzbier, das ich ebenfalls bereits verkosten durfte. Übrigens darf es sich Malzbier nennen, da es Alkohol enthält.

 

Das Gesamtresultat des Tastings in der Übersicht:

 

Im Anschluss gab es dann noch folgende besondere Köstlichkeiten in gemeinsamer Runde zu verkosten:

Vielen Dank also nochmals an Markus für den sehr interessanten Abend.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Ein zusätzlicher Artikel zu Bier & Brauereien der Region: https://www.pulheim.de/file_453-176442-24902/bier_lokal_alle_-ausstellungstafeln_kl.pdf

Und hier noch zwei Literatur-Empfehlungen:

Blogbier, die XLVII. – H.C.

Im Rahmen eines Taufbesuchs in Herzebrock-Clarholz wurden folgende Biere neu gelistet:

Tasting-Notizen:

Vielen Dank auch wieder an Sabrina und René für die tolle Gastfreundschaft.

515. Lille Bräu Pils + Lager

Vor dem Wochenende möchte ich nochmal eine Doppel-Vergleichsverkostung machen. Abschließend zu meiner kleinen zurückliegenden Pils-Reihe werden heute ein Pils und ein Lager gegeneinander antreten.

Beide entstammen der Craftbier-Brauerei Lille Bräu aus Kiel. Diese haben nach drei Jahren Kuckucksdasein Ende letzten Jahres ihren eigenen Brauerei-Standort verwirklichen können. Im Eichdorf-Quartier werden mit einem 30 hl Sudhaus derzeit knappe 10 Biere gebraut. Besonderen Charme bietet der in den Brauereiräumen integrierter Schankraum mit permanent 12 Zapfhähnen, die ausschließlich von eigenen und weiteren norddeutschen sowie dänischen Bieren belegt sind.

Während sich das Pils vor allem durch seine Naturtrübung hervorhebt, kommt das Lager sogar als sog. India Pale Lager daher, da es noch eine zusätzliche Kalthopfung erfahren hat.

„Ein norddeutsches Pilsener, wie es sein sollte!
Unfiltriert hebt es sich deutlich vom Fernsehpilsner ab. Kiel hat wieder ein Pils!

Ein kaltgehopftes, unfiltriertes Lager eingebraut mit 5 Aromahopfen.
Auch als IPL (India Pale Lager) geläufig.“

Mein Dank gilt Simone – meiner ehemaligen Kommilitonin – die mir die beiden Biere aus Kiel mitgebracht hat.

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Lager | Keller-Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13.8°P | 11.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,7% | 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Kiel
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12|12
  • Aussehen:____________________12|12
  • Geruch:______________________13|10
  • Geschmack:__________________12|12
Fazit

  | waldig, blumig, fruchtig, gemüsig, buttrig, malzig, Karamell
// leicht säuerlich, gemüsig, hefig, etwas würzig, geringe Herbe
  | mittlerer Körper, hopfig, fruchtig, hefig, waldig, harzig, geringe Malzsüße, matt-feinperlig, süß-herber Abgang
// mittlerer Körper, würzig, malzig, leicht hefig, recht herb, leicht grasig, feinperlig-matt, herber Abgang
  | Beide Biere überzeugen mich gerade im Vergleich zu den bisherigen Pils, da sie einerseits einen klassischen Stil doch nochmal neu und interessant interpretieren (Pils) und einen recht neuen Stil und aufgeregt so hervorheben, dass der Ursprung noch klar erkennbar ist (Lager). Am Pils gefällt mir die klare aber dennoch nicht penetrante Herbe, während beim Lager die Kalthopfung für spannende Aromen sorgt, ohne den Charakter des Lagers zu sehr in eine Pale Ale-Richtung zu ziehen. Geschmacklich schneiden beide bei mir gleich ab. Da es jedoch aber Unterschiede im Geruchs-Eindruck gibt, hat das India Pale Lager knapp die Nase vorn (auch wenn man diese Stile nicht direkt miteinander vergleichen kann).
IPL: 12,5 (2++) // KP: 11,5 Pkt. (2(+)).

 • https://lillebraeu.de/bier/

Prost & guten Abend! 🍻

514. Propeller Turbo Prop

„Sie mögen Pils? -Sehr gut. Sie mögen auch viel Geschmack? -Noch besser. Dieses Bier ist nämlich kein gewöhnliches Pilsener sondern ein Imperial Pils. Es hat von allem mehr. Mehr Geschmack, mehr Hopfen, mehr Malz und mehr Alkohol.“

Mit Pils #3 setze ich nochmal einen drauf und zeige Euch, was aus dem gerade in der Craftbier-Szene etwas angestaubten Bierstil Pils so alles rauszuholen ist. Das Imperial-Pils ist die derzeit kreativste Steigerung des einstigen Arbeiterbiers und Bierstilmarktführers. Neben einer erhöhten Portion Malz, die zu einem volleren Körper und zu mehr Umdrehungen führt, werden bei vielen Imperial Pils auch außergewöhnliche Hopfensorten verwendet und wie im heutigen Fall auch kaltgehopft.

„Der Bierstil Imperial Pils ist eine recht junge Erfindung. Die kreativen Brauer aus Deutschland haben durch die Craftbeer-Bewegung die alte Braumethode der Kalthopfung für sich wiederentdeckt. Inspiriert wurden sie vor allen von den aromatischen India Pale Ales. Also wurden die Brauer kreativ und mixten einen alten deutschen Bierstil, mit der traditionellen Kalthopfung und zum Teil exotischen Hopfensorten. Das Imperial Pils ist quasi die Reinform des deutsches Kreativbiers.“

Propeller ist übrigens eine Marke der Brauerei Bosch aus Bad Laasphe, die als drittälteste Brauerei NRWs gilt und Slow-Brewing zertifiziert ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial-Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bas Laasphe
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | süß & grasig hopfig nach Mandarine, Litschi & Birne, wenig hellmalzig
  | mittelgroßer Körper, würzig, leicht bitter, fruchtig herb, etwas Karamell, leicht harzig, feinperlig, süß-saurer Abgang
  | Durchaus eine sehr interessante Interpretation des Pils, die allerdings ebenfalls recht wenig mit dem ursprünglichen Bierstil zu tun hat. Das Bier erinnert viel eher an ein Pale Ale oder IPA, obwohl es mit einer untergärigen Pils-Hefe gebraut wurde. Hier zeigt sich die Wirkung, die Kalthopfung im Bier entfalten kann. Für meinen Geschmack, ist es aber zu stil-nebulös, da es zu wenig an das dahinterliegende Pils erinnert. Qualitativ aber dennoch überdurchschnittlich und daher mehr als verdiente 11 Pkt. (2).

 • https://propeller-bier.com/PROPELLER-Turbo-Prop

Prost & guten Abend! 🍻

513. Nittenauer Amanda

Pils #2 ist ein Keller-Pils. So nennt meinen einen Sub-Bierstil, der sich in den letzten Jahren aufgetan hat, um einerseits dem Bier durch den Erhalt der Hefe mehr Tiefgang und Geschmacksmöglichkeiten zu ermöglichen und anderseits dem angestaubten Image des Pils ein wenig mehr „Craft-Charme“ zu verleihen.

Mein heutiger Vertreter kommt vom Brauhaus Nittenau nordöstlich von Regensburg in der Oberpfalz. Das seit 1762 zunächst bestehende Communbrauhaus firmiert seit 1996 unter Brauhaus Nittenau Josef Jakob und ist eine der wenigen Solarbierbrauereien Deutschlands.

„Amanda ist ein naturtrübes Pils mit einer frischen Hopfennote nach Mandarine, Limone und Birne. Es entstand aus einer Kollaboration mit der italienischen Birrificio Anzola Emilia.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Keller-Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Nittenau
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | sehr fruchtig nach Mandarine, Maracuja, Ananas & Birne, hellmalzig, leicht würzig, grasig, waldig
  | mittelkleiner Körper, hopfig-herb, fruchtig, gering bitter, waldig, leicht harzig, gering hefig, feinperlig, fruchtig-herber Abgang
  | Ein interessantes Keller-Pils, das den unbedarften Genießer jedoch mit einer deutlichen Hopfennote überrascht. Da die Kalthopfung nicht explizit erwähnt wird, ist die Hopfendominanz ziemlich unerwartet. Das „Pils“ schmeckt durchaus nicht schlecht – im Gegenteil sind die fruchtigen Hopfennoten ansprechend. Allerdings kann hier von einem Pils meines Erachtens nicht mehr die Rede sein. Zumal die eigentlich im Vordergrund stehende Hefe geschmacklich zwischen dem ganzen Hopfen kaum hervortritt. Deshalb gibt’s unterm Strich „nur“ 11 Pkt. (2).

 • https://www.nittenauer-bier.de/de/produkte/kreativbiere

Prost & guten Abend! 🍻

512. Landgang

Zurück aus der Ostschweiz geht es hier weiter mit einer kleinen feinen Reihe an Pils-Bieren.

1842 durch einen Bayern im tschechischen Pilsen „erfunden“ ist das Pils Ende der 1960er vor allem zunächst in Westdeutschland emporgekommen. Mithilfe geschickten Marketings verdrängte es dort das dominierende Export-Bier und bahnte sich den Weg im ganzen Nordwesten der Bundesrepublik. Bis heute ist es nördlich des deutschen Bieräquators* der mit Abstand meistverkaufte Bierstil. In NRW hat es alleine 65% Marktanteil.

Auch in Hamburg steht es unangefochten an Nummer Eins und ist vor allem durch Astra und Holsten ein Begriff. Doch Hamburg ist auch eine der deutschen Vorreiter-Städte in der sog. Craftbier-Bewegung. die Brauerei Landgang ist dabei eine von bereits über einem Dutzend dieser neuen Handwerksbrauereien alleine in der Nord-Metropole. Das Pils ist das Flaggschiff der Marke, die über zehn Biere zur Auswahl hat.

„Pils ist das vielleicht am beiläufigsten getrunkene Getränk. Landgang ist unser Gegenentwurf.“

*geographische Trennlinie zwischen Baden-Württemberg + Bayern (dort dominiert im Vergleich das Helle) und dem Rest der Republik (wo das Pils die Nase bzw. Zunge vorn hat).

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | hopfig-herb, leicht gemüsig, grasig, hellmalzig
  | mittelgroßer Körper, herb, leicht hopfig-fruchtig, würzig, hellmalzig, feinperlig-spritzig, herber Abgang
  | In der Tat ein durchaus konkurrenzfähiges Pils. Gut ausbalanciert zwischen Herbe und Würzigkeit mit einem interessanten Schuss Fruchtigkeit eingebettet in einem durchaus gefälligen Malzkörper. Aufgrund des Stils aber dennoch in seiner Kreativität, weshalb die Uhr bei 12 Pkt. (2+) stehen bleibt.

 • https://www.landgang-brauerei.de/die-biere/

Prost & guten Abend! 🍻

511. Appenzeller Hofer Brauw

Nach dem Quöllfrisch und Holzfass-Bier folgt heute nun das (vorerst) letzte Bier der schweizerischen Familienbrauerei Locher zu Appenzell.

Alljährlich zum Mittelalterfest von Appenzell eingebraut ist es nach mittelalterlicher Braukunst gebraut. Das bedeutet nicht nur viel Handwerk, sondern auch besondere Zutaten wie Wacholder, Koriander, Ingwer und Cedro. Letzteres ist eine Zitrusfrucht, die mit der Zitrone verwandt ist und folgende weitere Namen trägt: Zitronatzitrone, Cedrat, medischer Apfel, Cedrizitrone, Zedernapfel, Cedernfrucht oder Zedrat-Zitrone. Zudem ist es doppelt obergärig vergoren.

Ein Bier also, dass wenige Kilometer weiter nördlich aufgrund des sog. Reinheitsgebots in der Form so nicht gebraut werden dürfte.

„Nach alter, überlieferter Rezeptur wird dieses Bier mit mittelalterlichen Gewürzen und Aromen verfeinert.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gewürzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Wacholder, Koriander, Ingwer, Cedrat, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Appenzell (Schweiz)
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________13
Fazit

  | zitrusfruchtig, waldig, gewürzig, Koriander, Ingwer, geringe Malzsüße, leicht würzig
  | mittelkleiner Körper, malzig, fruchtig, leicht würzig, wenig gewürzig, leicht gemüsig, feinperlig, malzig-gewürziger Abgang
  | Last but not least? Im Gegenteil, das wirklich hochinteressante Hofer Brauw macht trotz offiziellem Überschreiten des MHD um nun bereits mehr als zwei Monate einen ganz tollen Eindruck. Die gewürzigen Noten vom Wacholder und Koriander mit den fruchtigen Aromen aus Ingwer und Cedrat stellen ein nicht nur interessantes und völlig neues sondern auch leckeres Geschmackserlebnis dar. Das ganze wird zudem von passenden leicht würzigen Malznoten begleitet. Mit diesem Bier kann man wahrlich in die mittelalterliche Braukunst abtauchen und mit allen Sinnen Geschichte erleben. In Zahlen macht das 13,5 Pkt. (1(-)).

 • https://www.appenzellerbier.ch/de/home.html

Prost & guten Abend! 🍻

510. Schnaitl Maibock

Pünktlich zum Maifeiertag serviere ich Euch heute meinen ersten und vielleicht auch einzigen Maibock in diesem Jahr.

Es kommt von der österreichischen Privatbrauerei Schnaitl aus dem Innviertel. 1842 nach einem verheerenden Brand durch Franz Schnaitl gegründet, blickt das Haus auf eine viele Generationen übergreifende Brautradition zurück. Nach einigen weiteren Bränden und noch mehr Wiederaufbauten und Erweiterungen hat nun Matthias Schnaitl IV. das Brauzepter in der Hand. Neben der Modernisierung der Brauerei wurde auch die Rohstoffproduktion wieder internalisiert. So gibt es seit 2010 respektive 12 wieder einen eigenen Anbau von Gerste und Hopfen. Schnaitl ist zudem seit einigen Jahren bekannt für eines der besten Weihnachtsfestbiere Stille Nacht.

Das heutige Maibock enthält neben Gerste und Weizen auch das Urkorn Dinkel sowie Hopfen aus dem Mühlviertel.

„Unsere Liebeserklärung an den Frühling. Gersten-, Weizen & Dinkelmalz, veredelt mit feinstem Mühlviertler Saphirhopfen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Maibock
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen & Dinkelmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  16.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Eggelsberg-Gundertshausen (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
1942

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | sehr blumig, gemüsig, grasig, hellmalzig, würzig, etwas bitter
  | großer Körper, würzig, bitterlich, säuerlich, leicht fruchtig, waldig, harzig, feinperlig, bittersüßer Abgang
  | Dieser obergärige Bock aus Oberösterreich überzeugt mit seinem satten Charakter, der typisch Austria klar und deutlich über die Zunge geht. Leider wird der geschmackliche Eindruck durch eine etwas zu klare säuerliche Note getrübt. Dennoch wird eine gute Erinnerung an dieses Bier bleiben: 12 Pkt. (2+).

 • https://www.schnaitl.at/schnaitl-maibock.html

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