253. Paulaner Zwickl

Gegen das heutige Bier sprechen eigentlich genug Gründe um es nicht vorzustellen.

Der erste ist recht augenscheinlich: Die Brauerei. Gegründet 1634 von Mönchen des Paulaner-Ordens, ging die Brauerei nach Auflösung des Klosters um 1800 bereits früh den Weg der Expansion. So folgten im 20. Jahrhundert die ein oder andere Fusion und Brauereierweiterung. Da jedoch das alte Klostergelände für die Produktion irgendwann nicht mehr ausreichte, würde 2014 mit einem Neubau der Brauerei begonnen, die in letzten Jahr bezogen werden konnte. Als einer der größten und bekanntesten Braumarken Deutschlands ist Paulaner heutzutage aber nicht mehr in eigener Hand. Zwar ist man Kopf der sechstgrößten Braugruppe des Landes, gehört seit diesem Jahr jedoch zu 30% Heineken und zu 70% der Schörghuber Unternehmensgruppe. Diese ist recht „vielfältig“ aufgestellt und in den Geschäftsfeldern Getränke, Hotel, Lachszucht und -verarbeitung sowie Bauen & Immobilien national und international tätig. Damit haben wir es hier weder mit einem handwerklichen Bier noch mit einer eigenständigen Brauerei zu tun.

Ein weiterer Grund ist das Bier selbst. Schließlich ist zu vermuten, dass es wieder mal ein recht unkreativer Versuch einer Großbrauerei ist, sich der schwindenden Nachfrage zu entziehen, indem man ein vermeintliches innovatives Produkt an den Mann/Frau bringt. Damit will ich nicht sagen, dass ein Kellerbier kein gutes Bier sein kann, aber allein die Fokussierung vieler Großbrauereien (wie WarsteinerKrombacher oder auch König-Pilsner) auf diesen Stil zeigt wie hilflos man eigentlich der „Craft-Bier-Welle“ entgegentritt. Sicher muss man von einer Münchner Brauerei kein IPA erwarten, aber dass ein Kellerbier auserkoren wurde liegt wohl vor allem daran, dass dieses recht frei interpretierbar und vor allem auch leicht im schon vorhandenen (großindustriellen) Brauprozess implementierbar ist.

Ein dritter Grund ist da weniger offensichtlich und auch eher persönlich. So unterstützt Paulaner doch schon seit vielen Jahren den FC Bayern München, was mir als grüner Borusse doch etwas sauer aufstößt ;).

Bei aller Kritik muss aber auch etwas wirklich Positives hervorgehoben werden, was trotz der Popularität der Marke kaum einer weiß: Die Paulaner-Mönche waren die ersten in Bayern die ein Bockbier in seiner heutigen Form gebraut haben. Der heutige Salvator ist damit der erste bayrische Doppelbock und hat bereits ein fast 400-jährige Geschichte hinter sich. Auf seinem seit 1899 patentierten Namen gehen noch heute zahlreiche Bockbiervarianten des Landes zurück.

Und da ich schließlich auch den anderen deutschen Großbrauereien hier eine Chance gegeben habe, möchte ich auch das Paulaner nicht ausschließen. Interessant ist übrigens auch die Flaschengröße: 0,4l habe ich bisher noch von keinem deutschen „Großbier“ gesehen. Paulaner beschreibt das Bier übrigens wie folgt:

„Mit feinstem Hersbrucker Hopfen im historischen Dreimaischverfahren gebraut und direkt aus dem Lagertank unfiltriert abgefüllt.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: süd-fruchtig, bananig, spritzig, malzig-hefig, weich-getreidig, buttrig
Geschmack: süffig, kaum Körper, etwas matt, leicht würzig, mehr Malz als Hopfen, leicht herber & trockener Abgang
Gesamt: Viel- und nichtssagend zugleich. Nachdem mit der Geruch noch sehr positiv überrascht hat, kommt geschmacklich kaum Charakter rüber. Es fehlt im Allgemeinen am geschmacklichen Profil, auch wenn das Bier wirklich trinkbar ist. Aber ich erwarte einfach von einem solch vermarkteten Bier mehr als ein absoluten 08/15-Geschmack. Für so viel Gefälligkeit incl. Industrie-Malus kann ich dann auch nicht mehr als 7 Pkt. (3-) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.paulaner.de/produkte/paulaner-zwickl.

Prost!

252. Beura Kellerbier

Zur Wochenmitte möchte ich endlich ein Bier vorstellen, was zugegebenermaßen auch schon etwas länger bei mir liegt. Im Grunde ist es eines von vielen Manufaktur-Bieren neuerer Art. Da ich allerdings mit der Herkunft persönliches verbinde, möchte ich dies heute einmal hervorheben.

Es handelt sich um ein Kellerbier der seit letztem Jahr existierenden Mikrobrauerei Beura aus Osnabrück. Diese ist die nun schon zweite Osnabrücker Brauerei. Daneben gibt es noch die Hausbrauerei Rampendahl, die demgegenüber jedoch auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken kann. Wann sie genau gegründet wurde, lässt sich heutzutage kaum noch ergründen, aber es gibt Schriftstücke die eine Brauwirtschaft an selbiger Stelle bereits im 15. Jahrhundert verorten. Nachdem 1987 die letzte größere Brauerei der Stadt dicht machte, war das Rampendahl jahrelang die einzige verbliebene Brauerei der Stadt – bis nun letztes Jahr Osnabrück auch seine Craft-Brauerei bekam.

Diese hat inzwischen neben dem Kellerbier auch ein Schwarzbier (das ich an dieser Stelle bereits kurz präsentiert hatte), ein Dunkel und ein IPA. Das Interessanteste an der Brauerei ist jedoch das Geschäftskonzept. Um weite Transportwege zu vermeiden, die das unpasteurisierte Bier ggf. negativ beeinflussen, bietet Unternehmenskopf Michael Freymuth ein Franchise-Konzept an. Hier kann man im ganzen Bundesgebiet als Franchise-Nehmer selbst eine Brauerei leiten oder an einer Mitarbeiten, die nicht nur Beura gehört sondern auch „extern“ geleitet wird. Dabei ist es sicher nicht das erste Konzept einer Franchise-Brauerei. Mitte des Jahres war ich bei einem Besuch in Hamburg ja bereits bei Johann Albrecht – auch eine „Brauerei-Kette“. Abgesehen von der fehlenden Unabhängigkeit und der geringeren Authentizität trotzdem wohl ein interessantes Konzept, um ggf. auch risikoaverse Brauinteressierte den Weg in die Selbstständigkeit einfacher zu machen. Leider ist bei alldem jedoch das sog. deutsche Reinheitsgebot Voraussetzung für jedes gebraute Bier. Das heißt, wer hier mit mehr natürlichen Zutaten experimentieren will muss draußen bleiben.

Draußen bleibt dann jetzt auch das Kellerbier – also aus dem Kühlschrank…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Osnabrück
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: säuerlich, spritzig, fruchtig-bitter, leicht dunkel-malzig
Geschmack: (karamell)süß, weich, würzig, leicht röstig, mittelstarker Körper, kaum Spritzigkeit, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Also so ein Bier hatte ich auch noch nicht. Nachdem die ersten drei Kategorien eigentlich schon nichts Gutes verhießen, schwante mir Übles auf der Zunge. Doch Überraschung: Das Kellerbier schmeckt (selbst nach MHD-Überschreitung von 3 Monaten) wirklich gut. Sicher ist dieser Bierstil noch relativ frei auslegbar und man merkt dem Bier sein Alter auch etwas an – schließlich dominiert hier klar die Malzsüße – aber nichtsdestotrotz eine gute Interpretation. Trotz altem Heimat-Bonus und Aufwertung aufgrund MHD-Überschreitung kann ich allerdings aufgrund der schlechten anderen Einzelkategorien nicht mehr als 9,5 Gesamtpunkte (3++)vergeben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://beura.jimdo.com/http-www-beura-de/.

Prost!

251. HBH Basaltbier – Rhöner Heimatbier

Nach einem wirklich wunderbar schönen Sommertag mit der Familie und einem leckeren Alt am Benrather Rheinufer, gibt es heute das versprochene zweite Steinbier des Wochenendes.

Befand sich im gestrigen Bier noch das Granit, wird hier Basalt aus der Rhön verwendet. Diese beiden Gesteine unterscheiden sich alleine schon von ihrer Entstehung. So ist Granit ein magmatisches Tiefengestein (Plutonit), während Basalt als Vulkanit beim Erguss einer Vulkaneruption entsteht. Er enthält neben Magnesium auch Calcium und Eisen und ist in Europa sogar weiter verbreitet als Granit, welcher aber auch in den meisten Mittel- und Hochgebirgen Mitteleuropas zu finden ist. Basalt hingegen gibt es auch außerhalb Europas und wurde sogar schon auf extraterrestrischen Gesteinsformationen nachgewiesen.

Und da es eben auch zahlreich in der Rhön am Dreiländereck von Bayern, Hessen und Sachsen vorkommt, war es naheliegend diese heimatliche Steinquelle für ein Steinbier heranzuziehen. So geschehen vom Hohmanns Brauhaus aus Fulda, das zwar traditionellen Anstrich hat aber mit Gründungsjahr 2008 eher zu den jüngeren Brauereien Deutschlands gehört. Dabei versuchen die Hessen den Spagat zwischen traditionellen deutschen Bieren und Kreativbieren, wie auch Honig- oder Kaffeebier. Zumindest mit dem Steinbier hat man sich aber ein kleines Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das es nun gilt auszuproBieren.

„Nach uraltem Brauverfahren. Urtümlich wie die Rhön.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Steinbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Fulda
Erscheinungsjahr. . .
2008

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: mineralisch, kohlensäure-artig, malz-süß, karamellig, spritzig
Geschmack: weich, mineralisch, süffig, schwacher Körper, waldig, trocken-herb, wenig spritzig, trocken-erdiger Abgang
Gesamt: Insgesamt scheint mit Basalt etwas besser zu liegen als Granit. Vor allem merkt man meiner Ansicht nach hier den Steinbier-Charakter noch stärker. Ein tatsächlich irgendwie mineralischer Geschmack lässt einem wirklich an Steinen denken. Zudem natürlich positiv hervorzuheben, dass hier regionale Gesteine zum Einsatz kommen. Deshalb mein Fazit noch etwas positiver als schon beim gestrigen Steinbier: 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.braumeister-edition.de/home~basaltbier_.

Prost!

250. Leikeim Steinbier

Weiter geht es mit den besonderen Bieren. Standen bislang oft die Zutaten im Mittelpunkt der Betrachtung geht es heute und morgen mehr um den Brauprozess. Auch wenn dieser in aller Regel heutzutage sowohl bei Industrie- als auch bei Manufaktur-Bier recht standardisiert ist, gibt es die ein oder andere Brauerei, die etwas mehr experimentiert oder sich auf historische Verfahren zurückbesinnt.

Letzteres hat die private Familienbrauerei Leikeim getan und seit einigen Jahren wieder ein sogenanntes Steinbier auf den Markt gebracht. Steinbiere waren in frühen Brauzeiten relativ üblich, wenn man nicht ausschließlich über offenem Holzfeuer brauen wollte bzw. konnte. So wurden in einigen Gegenden Europas (wie vor allem Skandinavien und Österreich) vor allem Holzgefäße zum brauen verwendet, welche kein offenes Feuer erlaubten. Anstatt dessen wurden in der Regel Granitsteine über Feuer auf bis zu 800°C erhitzt und mit Hilfe eines Steinkorbs in die Maische eingebracht, um sie zum Kochen zu bringen. Dort karamellisierte sich der Malzucker an den Steinen und setzt sich als feine Schicht ab. Nach Abschluss der Hauptgärung, wurden die Steine dem Jungbier erneut zugefügt, um nochmals für eine karamellmalzige und rauchige Aromatisierung zu sorgen. Noch bis ins 19. Jahrhundert war diese Brauweise in manchen Regionen die am meist verbreitete.

Umso schöner, dass Leikeim seit 2007 als erste europäische Brauerei wieder auf diese Weise ein Bier herstellt. Schließlich gilt Tradition und Innovation nicht nur das was, sondern auch das wie.

„Geschaffen durch Feuer und Stein, nach einem der ältesten Brauverfahren.“

Mit Dank an meine Kollegin Birgit, die mir das Bier aus ihrem hiesigen Dursty mitrachte,  bin ich also auf mein erstes Bier dieser Art sehr gespannt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Steinbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Altenkunstadt
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: malzbetont, leichte Süße, frische Würze, etwas grasig, wenig fruchtig
Geschmack: „steinig“, leicht rauchig, würzig, leicht süßlich, wenig hopfig, etwas herb, trockener Abgang
Gesamt: Bevor man solche besonderen Biere trinkt macht man sich ja schon Gedanken, ob diese ihrem Ruf überhaupt gerecht werden. Beim Steinbier kann ich aber beruhigenderweise bestätigen, dass man hier tatsächlich einen Unterschied schmeckt zu einem „normal“ gebrauten Bernstein-Lager. Sicher ist es in der Geschmacksvielfalt nicht sehr ausgeprägt, aber in seinem leicht rauchigen und wirklich auch steinigen Aromen wohl einzigartig. Deshalb auch verdiente 11 Pkt (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.leikeim.de/de/.

Prost!

249. Jopen Koyt Gruitbier

Auch das heutige Bier ist mir beim letzten Besuch des Godesberger P&M-Getränkemarkts zum Glück über den Weg gelaufen. Während das gestrige Bier frischen Hopfen enthielt, ist heute wieder ein Bier gänzlich ohne Hopfen an der Reihe.

Bevor der Hopfen seinen Weg ins Bier gefunden hatte, wurde noch vielerlei andere Kräuter zum Bierbrauen verwendet, so zum Beispiel Gagel wie im heutigen Gruitbier von Jopen aus Haarlem. Nachdem sich der Hopfen mehr und mehr als Biergewürz durchsetzte verblieb nur noch in Teilen Westdeutschlands und Benelux eine kleine Tradition des Kräuterbierbrauens übrig. In Deutschland war diese zeitweise sogar in Gänze ausgestorben.

Nach einem offiziellen Brau-Rezept aus dem Jahre 1407 wird nun auf Basis eines obergärigen Rotbraunbiers mit Hafer die Tradition des Kräuterbiers weitergetragen.

„Jopen Koyt is brewed with gruit, a medieval blend of herbs in which sweet gale picked according to ritual was essential. Legend has it that, to avoid its hallucinogenic properties, sweet gale could only be picked at full moon by nude witches.
This reddish-brown beer is a reproduction of a Haarlem beer and is brewed according to the brewer’s statute (recipe regulated by the council) of 1407. Deliciously risky.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gruitbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hafer, Gewürze, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Haarlem / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
1407

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: malzig-süß, sehr würzig, sehr dunkel & stark, leicht fruchtig
Geschmack: sehr dunkelmalzig, vollmundig, leicht ölig, karamellig, fruchtig-würziger Unterton, leicht waldig, würzig-bitterer Abgang, etwas alkoholaromatisch
Gesamt: Gerade nach den letzten Erfahrungen mit Kräuterbieren, hätte ich diesmal nicht ein solch wahrlich vollmundiges Bier erwartet. Es ist eine wirklich gute Komposition aus Karamellmalzigkeit, Würze und einem öligen Wald – alles gebunden mit einer guten Portion Umdrehungen. Und während ich hier so trinke und meine beiden bisher bestplatzierten Biere (das Jrön & das Baltic Rye Porter) auf meiner Fensterbank sehe, frage ich mich, ob das Kuyt auch seinen Platz dort verdient hat. Schweren Herzens entscheide ich mich im letzten Moment aber dagegen – insgesamt ist mir das Koyt dann doch noch einen Hauch zu unrund und leicht zu stark alkoholaromatisch. Mit starken 13,5 Pkt. (1(-)) hat es aber wohl einen Platz in den diesjährigen Top-Ten sicher.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.jopenbier.nl/en/bieren/jopen-koyt/.

Prost!

248. Pyraser Hopfenpflücker Pils

Bei einem der zuletzt seltener gewordenen Abstecher ins Godesberger P&M-Getränke ist mir das heutige Hopfenpflücker Pils von Pyraser über den Weg gelaufen. Bereits Anfang des Jahres hatte ich schon das ein oder andere Frischhopfen-Bier präsentiert – der Unterschied heute: Nicht nur der verwendete Hopfen ist frisch, auch das Bier ist noch recht frisch abgefüllt. Schließlich findet die Hopfenernte meist im September statt und ist somit noch keinen Monat her. Ein Trend hinzu vermehrten Frischhopfen-Bieren vermag ich zwar noch nicht erkennen, dafür gibt es aber wieder mehr Brauereien, die ihren Hopfen zumindest zum Teil selbst anbauen.

So auch die Pyraser Brauerei. Jedes Jahr um diese Zeit veranstaltet diese das Niederfall-Fest, bei der die über 70 Hopfenstöcke aus dem hauseigenen Hopfengarten händisch gepflückt und für den Frischhopfen-Sud vorbereitet werden. Um die Aromen des frischen Hopfens noch besser zur Geltung kommen zu lassen verzichtet die Brauerei dann auch darauf das eigentlich klare Pils zu filtrieren. Zudem wird für jedes Pyraser-Bier stets Mineralwasser aus der eigenen Quelle verwendet – deswegen auch die Flasche mit dem Drehverschluss.

„Aus den duftenden Pyraser Dolden wird ein ganz spezieller Sud angesetzt. Daraus entsteht ein naturtrübes Pils, frisch und voller Hopfenaromen – eine edle (und in der Menge limitierte) Spezialität für Liebhaber.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . (Keller-)Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Frisch-Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Pyras
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: sehr frisch & klar, würzig, sehr sehr grasig & blumig, leicht fruchtig
Geschmack: frisch, würzig, grasig, herb, schlank, feinperlig, hopfig-getreidiger Abgang
Gesamt: Gerade im Pils-Land #1 Deutschland kann man anhand eines solchen Bieres zwei Dinge deutlich erkennen: 1. Hefe ist wertvoll, 2. Frischer Hopfen tut dem Bier unheimlich gut. Im Unterton die klare Pyraser Malznote, kommen die grasig-blumigen Hopfenaromen hier schön zur Geltung und unterstreichen den herben Charakter des Pils. Handwerklich gut gemacht und besonders beim ersten Schluck eine wirklich positive Überraschung. In Summe macht das mit kleinem Frischhopfen-Bonus super 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.pyraser.de/produkte/Hopfenpfluecker-Pils. Lesenswert ist dort übrigens auch das Statement zum Thema Reinheitsgebot.

Prost!

247. Maisel & Friends | Christian Moerlein Brewing Tele-Porter

Als Nachtrag zum vorgestrigen Tasting in der Eule möchte ich heute gesondert ein Bier vorstellen, dass ich freundlicherweise von Eva Ploß aus Bayreuth zur Verfügung gestellt bekam. Da es mit 0,75l zu groß war um es ausschließlich selbst genießen zu müssen, hatte ich es zum Biermontag mitgenommen. Das erfreute dann nicht nur meinen Biersommelier des Vertrauen Markus Weick, sondern auch die anwesenden Gäste, die das Glück hatten auch etwas von diesem limitierten Bier proBieren zu können. Dazu aber im Fazit mehr.

Limitiert ist das Bier deshalb, weil es exklusiv für das diesjährige CRAFT Brauer Festival von Maisel & Friends in Kooperation mit Christian Moerlein Brewing in der Bayreuther Bier-Erlebnis-Welt gebraut wurde. Dabei verbindet diese beiden Brauereien mehr als man schon aufgrund der Namen vermuten mag. Denn beide Brauereien haben ihre Wurzel im fränkischen Bayreuth. Während die Familie Maisel sich dort in den letzten Jahrzehnten zu einem der vielfältigsten und vielschichtigsten Brauereien Deutschlands entwickelte, zog es Christian Moerlein vor über 150 Jahre in die neue Welt über den Atlantik. Dort – genauer in Cincinnati/Ohio – gründete der Franke seine eigene Brauerei, die bis heute Bestand hat, was angesichts des großen Brauereisterbens in der Mitte des letzten Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit ist.

Beide Brauereien verbindet bis heute die Leidenschaft nach dem sog. deutschen Reinheitsgebot zu brauen, sodass es an der höchsten Zeit war endlich mal ein gemeinsamen Brauprojekt zu realisieren:

„In unserer Brauwerkstatt haben wir mit der CMB das TELEPORTER kreiert. Es ist unseren Wurzeln gewidmet und trägt den Genießer durch die Zeit und über die Kontinente hinweg.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: brotig, sehr trocken-herb, leicht vanillig-süß, grasig-würzig, kohleartig, nur leicht fruchtig
Geschmack: dunkel-malzig, herb-würzig, getreidig-süß, Noten von Schokolade & Vanille, feinperlig, weich, leicht ölig, starker Körper, trocken-süß-herber Abgang
Gesamt: Tiefschwarz, komplex & kräftig – der Teleporter ist wohl einer der stilprägendsten Imperial Porter, der je gebraut wurde. Einfach einmalig in seiner Vielfalt, aber gleichzeitig auch definierend in seinem Stil. Wo bei anderen Porters und Stouts die Grenze verschwimmt, zeigt der Teleporter, was ein richtiger Imperial Porter ist. Dieses Bier kann mit Fug und Recht als Alleinstellungsmerkmal beider Brauereien gesehen werden. Nicht nur ich kann deshalb diesem Bier völlig zu Recht 14 Pkt (1) einräumen, auch die Gäste in der Eule und unser Brühler Biersommelier waren sich einig: Ein wirklich außergewöhnlich gutes Bier.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/teleporter-spacetime/.

Prost & Danke nach Bayreuth!

246. Biere in Frankreich – Bierverkostung Oktober

Kronenbourg Original | Kronenbourg  1624 Millesime | Duyck Jenlain Ambrée| Saint Sylvestre 3 Monts | Fischer Tradition | Pietra Ambrée | La Chapelle Cervoise Yggdrasill | [Maisel & Friends + Christian Moerlein Brewing Tele-Porter]

Gestern war es endlich wieder soweit: Eulen-Zeit. Da der erste Montag im Monat Oktober aufgrund des Brückentags diesmal auf den zweiten verschoben wurde, mussten wir uns etwas mehr als üblich gedulden. Aber die Geduld sollte sich auszahlen, denn diesmal thematisierte Biersommelier Markus Weick etwas, dass zumindest in Deutschland noch etwas belächelt wird: Bier aus Frankreich. Offensichtlich war das Thema aber auch interessant genug um einen neuen Gästerekord für die allmontäglichen Bierverkostungen aufzustellen.

Das Vorurteil, Frankreich könne zwar hervorragende Weine produzieren aber kein Bier brauen, hat tatsächlich einen fundierten Hintergrund. So ist Frankreich nicht nur statistisch sondern auch kulturell ein eindeutiges Wein-Land. Zudem war auch Frankreich im letzten Jahrhundert von der weltweiten Biermarken-Konzentration betroffen, sodass in den schlimmsten Zeiten in den 1970ern nur noch 32 Brauereien in ganz Frankreich existierten. Zwar ist unser südwestliches Nachbarland bis heute noch mehr Wein- als Bierland, dafür existieren auch dank der sog. Craftbeer-Welle heute wieder etwa 800 Brauereien. Die meisten kommen (auch historisch-geographisch bedingt) aus dem Elsass und Französisch-Flandern.  Beide Regionen haben durch den Einfluss der deutschen bzw. der belgischen Bierkultur stets eine lebendige Bierkultur erhalten können. So gibt es zwar im Elsass auch exzellente Weine, doch können Wein und Bier dort auch gut koexistieren:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Richmodis-Kölsch an, das zwar eine alte Tradition hat heute aber eine Marke der REWE-Gruppe ist und wird von Gaffel als Lohnsud gebraut. Richmondis ist zumindest historisch eines der wenigen Kölsch, das außerhalb von Köln und zwar in Koblenz beheimatet ist.

Danach ging es dann aber los mit den französischen Bieren, die Markus fast alle in seinem letzten Urlaub vor Ort eingekauft hat. Den Anfang macht das auch international bekannte Kronenbourg Lager aus dem Vorort von Straßburg im Elsass. Kronenbourg ist die größte Brauerei Frankreichs – die Marke kommt mit 8 Mio. hl Ausstoß per anno auf 30% Marktanteil. Interessanterweise macht Kronenbourg um die Inhaltsstoffe des Bieres ein kleines Geheimnis, da die Infos auf der Bierdose (!) recht dürftig sind. Das liegt aber auch an den weniger strengen Transparenzvorschriften für französische Getränkelabel.

Persönlicher Eindruck:
karamellig, leicht spritzig, süß, kaum Hopfen
gefällig, leicht karamellig, weniger süßer Abgang, malzig, kaum bitter

Das nächste Bier war dann auch von dieser Brauerei und sogar das international noch bekanntere 1664 Millesime. Dadurch das das Dachunternehmen Carlsberg diese Marke vor allem außerhalb von Frankreichs in den letzten Jahren sehr gepusht hat, liegt es in den Verkaufszahlen sogar noch vor den des Originals. Der Name leitet sich dabei übrigens vom Gründungsjahr der Brauerei ab. Um welchen Bierstil es sich dabei handelt ist ausnahmsweise gar nicht so eindeutig. Die große Bierbewertungsplattform ratebeer ändert den Bierstil vom 1664 nämlich fast jedes Jahr, da sich das Bier offensichtlich zwischen den Stilen Bière de Garde, Dunkler Bock und Märzen befindet. Leider wird in diesem Bier aber auch Glukosesirup, Karamellaroma und Schwefelsulfite verwendet.

Persönlicher Eindruck:
frisch-süß, blumig-hopfig, alkoholaromatisch
„aroma“-tisch, süß, bananig, vollmundig, leicht trocken

Mit den Bieren drei und vier ging es vom Elsass ins französische Flandern. Zunächst ein diesmal klares Bière de Garde der Brauerei Duyck – das Jenlain Ambrée. Wobei klares Bière de Garde alleine auch schon wieder schwierig ist, da sich dieser Bierstil dadurch auszeichnet besonders uneindeutig zu sein. Von hell bis dunkel und obergärig wie untergärig ist hier in der Theorie alles möglich. Er entwickelte sich vor allem nach dem zweiten Weltkrieg in dieser speziellen Region des französischen Flandern. Dabei gilt das Jenlain Ambrée, welches seit 1922 gebraut wird als stilbildend, da es eines der wenigen traditionellen Biermarken war, die auch die 1970er-Schwämme der hellen Lagerbiere überlebt hat. Die Form der Flasche ist übrigens darauf zurückzuführen, dass es in den 1920ern in Nordfrankreich zunächst kaum Bierflaschen zur Befüllung gab, sodass man in Sekt- oder Weinflaschen abfüllte.

Persönlicher Eindruck:
angenehm-süß, leicht getreidig, frisch, leicht hopfig, ganz wenig alkoholaromatisch
trocken-getreidig, trocken-süß, holzig, karamellig, guter Körper

Das zweite Bière de Garde kommt ebenfalls aus der Region, diesmal aber aus dem Hause Saint Sylvestre, das auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblicken kann. Das 3 Mont ist ebenfalls obergärig, kommt aber ohne jegliche unnatürliche Beigaben aus.

Persönlicher Eindruck:
deutlicher alkoholaromatisch, leicht bitter, leicht getreidig, süßlich
pritziger, voller, stärker, malzig, wenig alkoholaromatisch, würzig-süß

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere der Biere aus der „offiziellen“ Verkostung sieht unter Nicht-Berücksichtigung des Kölsch dann wie folgt aus:

Direkt nach der Verkostung brachte uns Armin aus dem Publikum auch noch ein Bier aus seinem Elsass-Urlaub mit, dass wir gemeinsam verkosteten:

Es handelt sich dabei um das Fischer Tradition aus dem elsässischen Straßburg. Die Brauerei entstand 1821 und war zweitweise die einzige Brauerei in Frankreich, die alle Brauschritte selbst im eigenen Haus durchführte, was auch wieder viel über die frühere Bierkultur in Frankreich aussagt. Nachdem die Brauerei 1996 an Heineken fiel, konnte sie sich nur noch 13 Jahre halten bevor sie geschlossen wurde. Heute wird die Marke von Heineken selbst in Schiltigheim produziert.

Persönlicher Eindruck:
hell, hochvergoren, leicht hopfig
süffig, weich, würzig, leicht spritzig, mittlerer Körper

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung machte ich mit meinem eigenen Mitbringsel des Tele-Porter von Maisel & Friends und Christian Moerlein Brewing als Collaboration-Brew noch viele Leute glücklich. Darüber dann aber morgen in einem separaten Beitrag mehr.  Daneben gab es aber auch zwei weitere Franzosen aus den neuen Biersortiment, welche ich mit Markus und den anderen Bierbegeisterten proBierte:

  • Pietra Ambrée:
    – obergärig; 6%
    – von der vermutlich ersten Brauerei auf Korsika in Furiani (Gründung 1992)
    – mit Maronenmalz eingebraut
    – karamellig, malzig, süßlich, weich, harmonisch, süffig
    – ähnlich wie das Maronenbier aus dem alten Bahnhof in Frechen
    http://www.brasseriepietra.corsica/fr/bieres/pietra/

  • La Chapelle Cervoise Yggdrasill:
    – obergärig; 5%
    – aus der Brasserie La Chapelle / Cervoiserie Northmaen in La Chapelle-Saint-Ouen
    – ohne Hopfen, dafür mit Eschenasche gebraut
    – nach einem heidnischen Rezept aus dem Jahre 997 hergestellt
    – sehr süßlich, fruchtig, waldig-blumig, auch leicht säuerlich, süffig, fein, weich, nach weder Hopfen- noch Malz- sondern Birkenaromen

    – http://www.northmaen.com/home.php?rub=produits

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Edge Brewing Powerplant:
    – obergärig; 8,2%
    – Saison-Bier der 2013 von zwei US-Amerikanern gegründeten Craft-Brauerei aus Barcelona
    – sehr spritzig, aber auch mit vollem Körper, karamellig-süß, würzig-hefig, etwas bitter

    – hat beim Öffnen so laut geknallt, dass fast meine Kinder aufgewacht sind
    http://edgebrewing.com/beer/powerplant/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und auch danke an Ralf für das mitgebrachte leckere Treber-Brot.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

245. craftBee No.1 Amber Honey

Das vorerst letzte Bier meines Beertasting.Club Bierabos ist streng genommen keines, da es sich ausnahmsweise um ein Biermischgetränk handelt. Dabei ist es keines der klassischen Sorte, sondern ein Honig-Bier. Es besteht zu 90% aus Bier der Malze Pilsner, Karamell und Münchner sowie zu 10% aus einem sogenannten Erfrischungsgetränk Wasser und wohl gemischtem Blütenhonig. Damit ist es (hoffentlich) zu 100% aus natürlichen Zutaten hergestellt, insofern keine chemischen Hilfsstoffe im Brauverfahren zum Einsatz gekommen sind. Außerdem ist es unfiltriert. Neben diesem eher dunklen „Amber Honey“ gibt es unter der No. 2 auch noch ein helles „Golden Honey“.

Es ist übrigens zwar nicht mein erstes Honig-Bier, aber immer wieder schön zu sehen, wenn Handwerker verschiedener Fächer zusammenkommen und hoffentlich ein gutes Produkt zu entwickeln. So geschehen auch 2015, als sich zwei Kasseler Imker bei einem Brauereifest mit dem Braumeister der Hütt-Brauerei aus Baunatal über ihre Idee eines Honig-Bieres austauschten und dabei auf offene Ohren stießen. Das spannende am Honig-Bier ist zudem, dass man durch die vielen verschiedenen Honigsorten ein schier unerschöpfliches Potential an neuen leckeren Bieren hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Honig-Bier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13.7°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Kassel
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, getreidig, honig-süß, frisch
Geschmack: malzbetont, etwas unangenehm bitter, unterschwellig süß, mittel-spritzig, süffig, zu herb, auch im Abgang eher herb als süß
Gesamt: Schade, hier hätte ich mir mehr erhofft. Im Geruch noch sehr vielversprechend, kann es die hohen Erwartungen im Geschmack dann leider nicht erfüllen. Auch wenn es sicher kein schlechtes Bier ist und ich an dieser Stelle gerne auf hohem Niveau jammere, finde ich es schlicht zu unrund und wenig harmonisch. Die Honigsüße ist mir zu unauffällig und zwischendurch stört immer wieder eine unangenehme herbe Bittere. Von der Idee aber genau richtig, weshalb ich mich doch noch zu 10 Pkt. (2-) in der Gesamtwertung hinreißen lasse.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.craftbee.de/biere/.

Prost!

244. Pravda Syla

Das heutige (auch aus dem Beertasting.Club-Abo stammende) Bier ist praktisch eine Premiere im doppelten Sinne. Einerseits ist es das erste Bier aus der Ukraine und andererseits auch das erste „politische“ Bier.

So soll das Bier auf den immer noch andauernden (aber medial in Deutschland in den Hintergrund gerückten) (para-)militären Konflikt zwischen der Ukraine und pro-russischen Separatisten hinweisen. Das Front-Label ziert dabei im Rahmen einer obszönen Geste den Tower des Flughafens von Donezk, der symbolisch für den Bürgerkrieg stehen soll, da dieser nach knapp 250 Tagen Belagerung von den ukrainischen Verteidigern in die Hände der Separatisten gelang. Seitdem befindet sich die ostukrainische Metropole unter der Verwaltung der neuen Volksrepublik Donezk, die sich von der Ukraine abspalten und Russland annähern will.

Gebraut wird das Bier am anderen Ende der Ukraine im westlichen Lemberg. Eine Stadt, die selbst eine bewegende Geschichte hinter sich hat und schon zu Österreich, Polen und der Sowjetunion gehörte. Unter geographischen Gesichtspunkten ist auch interessant, dass quer durch die Altstadt von Lemberg eine europäische Wasserscheide führt. Das heißt, dass alles Wasser südlich der Altstadt ins Schwarze Meer mündet, wohingegen die nördlichen Wasser in die Ostsee führen.

Ähnlich wie viele andere Länder litten die ukrainischen Biertrinker in den letzten Jahren unter einer enormen Industrialisierung und Konzentration des Biermarktes, sodass sich auch dort immer mehr Handwerksbrauereien etablieren konnten. Mit Unterstützung von Brauern aus Belgien, Tschechien und den USA konnte deshalb in Lemberg die Pravda-Brauerei eröffnet werden. Diese ist aktuell die einzige Brauerei, die auch mit alternativen natürlichen Zutaten experimentiert.

Übrigens: Eines der zahlreichen Biere der Brauerei trägt auch den Namen „Frau Ribbentrop“ und zeigt Angela Merkel auf dem Etikett…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Tripel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lemberg / Ukraine
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: unangenehme Bittere, metallisch, karamellig, leicht hopfig-würzig
Geschmack: relativ frisch, süßlich & leicht säuerlich, weich, wenig Körper aber auch wenig süffig, alkoholische Bittere, trocken-herb-süßer Abgang
Gesamt: Ein Bier für Schniefnasen. Denn nachdem einem der nasale Eindruck noch wenig Hoffnung auf ein gutes Bier macht, gleicht dies der Geschmack zum Glück aus. Sicher merkt man dem Bier seine Herkunft an, dass es kein Original belgisches Tripel ist, aber es kommt für seine Verhältnisse schon nah dran. Insgesamt aber für meinen Gaumen zu unrund, deshalb nur 9,5 Pkt (3++). Auf die politische Botschaft möchte ich an dieser Stelle im Übrigen nicht eingehen, da Bierjubiläum eigentlich polit-freie Zone ist.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pravda.beer/en/shop/syla/.

Prost!

243. Maisel & Friends Black IPA

Nach einem schönen und anstrengenden Familientag im Phantasialand möchte ich das Wochenende nutzen, um die verbliebenen Biere aus meinem letzten Bierabo-Paket zu verkosten. Diese habe ich mir ausgespart um Sie Euch hier in aller Tiefe präsentieren zu können, da es Biere sind, die noch ein paar mehr Worte verdient haben.

Beginnen möchte ich mit dem schwarzen IPA aus dem Bayreuther Hause Maisel. Schwarzes IPA? Ja, auch das gibt es heutzutage. Ein bisweilen besonders in Deutschland noch recht seltener Bierstil, der die frische Hopfenbittere eines IPA mit dunklen Röstmalznote verbindet. Dieses limitierte Bier ist somit ein kleines Überraschungspaket, da auch ich wissentlich eine derartige Kombination noch nicht proBiert habe. Zur Verwendung kommen bei hellen Gersten- und Karamellmalzen auch Röstmalze sowie in deutsch-australischer Koproduktion die vier Hopfensorten Herkules, Topaz, Callista und Vic Secret.

Ich bin also wieder mal höchst gespannt, ob mich dieser neue Stil überzeugen kann. Eigentlich bin ich aber guter Dinge, schließlich hatte ich erstaunlicherweise noch kein einziges Bier der Maisel-Freunde, das nicht überdurchschnittlich abgeschnitten hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Black IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  17.3°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr schön bitter-fruchtig, komplexes Südfruchtgemisch, karamell-röstig, leicht waldig
Geschmack: röstmalzig, süßlich-karamellig & fruchtig süß, hopfenbitter, voller Körper, kaum Spritzigkeit, süßlich-herber leicht öliger Abgang
Gesamt: Auch diesmal enttäuschen mich die fleißigen und hervorragenden Brauer aus Bayreuth nicht. Auch wenn es zumindest geschmacklich wirklich eine Herausforderung für den Gaumen ist, bei der natürlich nicht beide Komponenten (Hopfenbittere & Röstmalzigkeit) zu 100% zur Geltung kommen können, überzeugt mich das Bier und der Stil durchaus. Als Freund von sowohl hopfenbetonten als auch dunkelmalzigen Bieren kommt mir das Black IPA sehr entgegen. Eine wahre Achterbahnfahrt der Geschmäcker, die mit verdienten 13,5 Pkt (1(-)) prämiert wird und sich somit ebenfalls zur Bierjubiläum Top-Ten 2017 bewirbt.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/black-ipa/.

Prost!

242. O‘ zapft is – KALEA Beertasting.Club-Verköstigung I.

Am vergangenen Brücken- (oder wie man in Österreich sagt Fenster-) Tag zum Tag der Deutschen Einheit, hatten sich Alex & Nils beim mir in Brühl eingefunden, um mir bei der Tilgung meines gewonnenen Beertasting.Club-Bierabos von KALEA zu helfen. Zudem gab es noch das ein oder andere „externe“ Bier. Und professionell wie wir nunmal sind, wurde jedes verkostete Bier natürlich auch standardisiert beschrieben und bewertet. Dabei haben wir uns an dem Bewertungsschema vom Beertasting Club orientiert und für die vier Kategorien Flasche, Optik, Geruch und Geschmack jeweils in der Bandbreite von einem halben bis zu fünf Sternen bzw. Punkte vergeben.

  • Bucher Festbier:
    – 5,6%; untergäriges Märzen
    – seit 1843 in 5. Generation geführte Familienbrauerei aus Grafenau im bayrischen Wald
    – 8,5 von 20 Pkt. (M)
    http://www.bucher-braeu.de/de/produkte/bier/spezialitaeten.html
  • Höss o‘ zapft is!:
    – 5,2%; 13.5°P; untergäriges Märzen
    – von der Höss Brau- und Vertriebs GmbH & Co. KG, die auf der Privatbrauerei Hirschbräu von 1657 aus Sonthofen beruht
    – 12,5 von 20 Pkt. (M)
    http://www.hoess-bier.com/produkte/
  • Hoepfner Pilsner:
    – 4,7%; untergäriges Pils
    – von der 1798 gegründeten Karlsruher Privatbrauerei
    – gebraut und abgefüllt wird bis heute in der 1896 erbauten „Hoepfner Burg“ in der Karlsruher Oststadt
    – 11 von 20 Pkt. (M)
    http://www.hoepfner.de/bierspezialitaeten/sorten/pilsner.html
  • Müllerbräu Neuöttinger Festbier:
    – 5,6%; 11.8°P; untergäriges Märzen
    – von der 1768 gegründeten Privatbrauerei aus Neuötting in Oberbayern
     die Brauerei verkauft übrigens auch viele interessante Bierartikel
    – 15 von 20 Pkt. (M)
    http://www.muellerbraeu.de/willkommen.html
  • Wacken Walküren-Schluck:
    – 7,8%; 20°P; obergäriges Nordic Strong Ale
    – „Beer of the Gods“ von der 2016 gegründeten Craft-Brauerei aus dem bekannten Metal-Dorf Wacken in Holstein
    „In der nordischen Mythologie sammeln die Walküren die gefallenen Krieger vom Schlachtfeld und bringensie nach Walhalla, der Festhalle des Göttervaters Odin“
    – 15 von 20 Pkt. (M)
    http://www.wacken.beer/walkuerenschluck/
  • AndUnion Friday:
    – 6,5%; 16°P; obergäriges (über-)IPA
    – von der seit 2007 für ihr minimalistisches Äußeres bekannten Gypsi-Brauerei aus München
    – „Modernist Bavarian Craft Beer“
    – 14,5 von 20 Pkt. (M)
    http://www.andunion.com/de/product/friday/
  • Störtebeker Polar-Weizen:
    – 9,5%; obergäriger Weizenbock
    – von der 2011 umfirmierten Braumanufaktur aus Stralsund, welche aus der 1827 gegründeten Stralsunder Vereinsbrauerei  hervorging
    – Eisbock basierend auf dem Bernstein-Weizen
    – 18 von 20 Pkt. (M)
    https://www.stoertebeker.com/de_de/polar-weizen/
  • Jopen RPA Jakobus:
    – 5,5%; 13°P; obergäriges India Pale Ale
    – von Jopen-Craft-Brauerei aus dem niederländischen Haarlem
    – benannt nach der Jopenkerk, in der das Bier seit 2011 hergestellt wird
    – mit Roggen eingebraut
    – 15,5 von 20 Pkt. (M)
    https://www.jopenbier.nl/en/bieren/jopen-jacobus-rpa/
  • AleMania Sommer Saison:
    – 5,5%; obergäriges Saisonbier
    – neuestes Bier aus dem Bonner Hause AleMania
    – trotz schon sehr herbstlichem Wetter lecker hopfig-würzig und rund
    – http://www.ale-mania.de/
  • Hohenthanner Festbier:
    – 5,8%; 13.5°P; untergäriges Märzen
    – aus der Schlossbrauerei zu Hohenthann im Hopfenanbaugebiet Hallertau (gegründet 1864)
    – 16 von 20 Pkt. (N)
    http://www.hohenthanner.de/biere.php
  • Wacken Baldur:
    – 5,5%; untergäriges (Nordic) Märzen
    – „Beer of the Gods“ von der 2016 gegründeten Craft-Brauerei aus dem bekannten Metal-Dorf Wacken in Holstein
    „Baldur steht symbolisch für den Sommer, für Licht, für Wärme und die Lebensfreude. Sein Tod läutet den kommenden Winter ein. Aber Baldurs Rückkehr am Ende der Ragnarök ist gewiss.“
    – 13,5 von 20 Pkt. (N)
    http://www.wacken.beer/baldur/
  • Einsiedler Landbier:
    – 5%; untergäriges Dunkel
    – vom 1885 gegründeten Einsiedler Brauhaus aus Chemnitz
    – 12,5 von 20 Pkt. (N)
    http://www.einsiedler.de/biere.html
  • Rügener Inselbrauerei Baltic Dubbel:
    – 8,5%; obergäriges Dubbel
    – von der Rügener Craft-Brauerei in Rambin
    – mit Roggenmalz eingebraut
    – 13 von 20 Pkt. (N)
    https://insel-brauerei.de/shop/index
  • Camba Hop Gun:
    – 6,4%; obergäriges Brown Ale
    – aus der 2008 gegründeten Craft-Brauerei in Seeon am Chiemsee
    – 11 von 20 Pkt. (N)
    http://www.camba-bavaria.de/internationale-biere/camba-hop-gun/
  • Erlbräu Imperator:
    – 8,5%; untergäriger heller Doppelbock
    – vom 1871 Erlkönig aus Geiselhöring in Niederbayern
    – Jubiläumsedition zur Feier von 145 Jahren Erl-Bräu und 500 Jahren bayerischen Reinheitsgebots
    – 12,5 von 20 Pkt. (N)
    http://www.erl-braeu.de/brauerei/imperator
  • Weihenstephan Kristall Weizenbock:
    – 7,5%; 16,3°P; obergäriger Kristallweizenbock
    – aus  der vermeintlich ältesten Brauerei der Welt in Freising
    – wirklich seltener Bierstil, der sich an eine Version aus den 1950ern anlehnt
    – 12 von 20 Pkt. (N)
    https://www.weihenstephaner.de/de/unsere-biere/kristallweizenbock/
  • Erlkönig Festbier:
    – 6,1%; untergäriges Märzen
    – von der Landbrauerei Ludwig Erl (gegründet 187) aus Geiselhöring in Niederbayern
    – 9 von 20 Pkt. (A)
    http://www.erl-braeu.de/brauerei/volksfestbier
  • Distelhäuser Lucky Hop IPA:
    – 7,7%; 17°P;  obergäriges India Pale Ale
    – aus Craftbier-Segement des Distelhäuser Brauhauses in Tauberbischofsheim (Gründung 1811)
    – 11 von 20 Pkt. (A)
    https://www.distelhaeuser.de/unser-bier/craft-biere/#tab-accordion3
  • Perlenzauber German Pale Ale:
    – 5,4%; obergäriges Pale Ale
    – aus der Schlossbrauerei zu Hohenthann im Hopfenanbaugebiet Hallertau (gegründet 1864)
    – ganz frisch auf dem Markt
    – 16 von 20 Pkt. (A)
    https://www.ratebeer.com/beer/hohenthanner-schlossbrauerei-perlenzauber-german-pale-ale/553973/
  • Welde Hop Stuff:
    – 5,6%; untergäriges Kellerbier
    – von der Kreativbierbrauerei Welde aus Plankstadt-Schwetzingen in BaWü
    – mit Ella & Equinox hopfengestopft
    – 9 von 20 Pkt. (A)
    http://shop.welde.de/craft/welde-hop-stuff.html
  • Kauzen Winter-Weisse:
    – 7,1%; 16.8°P; obergäriger Weizenbock
    – vom bis 1809 zurückgehenden Kauzen-Bräu im fränkischen Ochsenfurt
    – 12 von 20 Pkt. (A)
    http://www.kauzen.de/2_biere.php
  • Buddelship Mitschnagger:
    – 5,3%; 12.9°P; untergäriges Pils
    – von der Kreativbierbrauerei Buddelhsip aus Hamburg
    – 12 von 20 Pkt. (A)
    http://www.buddelship.de/biere
  • AndUnion Beast of the Deep:
    – 6,5%; untergäriger Bock
    – von der seit 2007 für ihr minimalistisches Äußeres bekannten Gypsi-Brauerei aus München
    – „Modernist Bavarian Craft Beer“
    – 4 von 20 Pkt. (A)
    http://www.andunion.com/de/product/beast/
  • Schlossbrauhaus Schwangau Helles:
    – 4,8%; untergäriges Helles
    – aus der gleichnamigen Brauerei im oberallgäuischen Schwangau
    – exclusiv aus dem Brauhaus vor Ort mitgebracht
    – 8 von 20 Pkt. (A)
    http://www.schlossbrauhaus.de/brauerei/

Zusammenfassend also ein sehr intensiver Bier-Abend mit vielen unterschiedlichen Bieren, die einem wieder aufgezeigt haben wie groß die Bierwelt alleine im deutschsprachigem Raum ist. Auch haben wir gemerkt, dass acht Biere pro Person ein gutes Limit ist, über dem hinaus kaum eine verwertbare Bewertung mehr möglich ist. Selbstverständlich sind alle Bewertung hier höchst individuell und auch kein Durchschnitt unserer drei Meinungen, sondern nur jeweils des „Hauptverkosters“. Danke also nochmals an Alex und Nils für die tatkräftige Unterstützung und auch das Beisteuern des ein oder anderen weiteren Bieres.

Danke aber auch an meine liebsten Schwiegereltern für die beiden mitgebrachten Biere aus dem Allgäu-Urlaub.

Fazit: Das Leben ist zu kurz für Industrie-Biere, genießt mehr privates Handwerk!

241. Fohr

Nach dem recht umfangreichen Ausflug in die südlichen und westlichen Nachbarländer geht es heute mit einer wahren Skurrilität zurück in heimische Gefilde.

Als vorläufigen Abschluss meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ verlasse ich sogar die Bierwelt. Denn mit dem heutigen Fohr hat die Brauerei Lahnstein aus dem Mittelrheintal einer der größten Frevel der Getränkewelt begangen, Bier mit Wein zu mischen:

„Die Germanen und die Kelten wären sich hier einig gewesen: Das Rheinland ist ein Bierland. Erst Julius Caesar brachte den Wein an den Rhein und begründete den Ruf des Rheinlands als „Weinland“. Seither sind der Wein und das Bier beide gleichermaßen am Rhein zu Hause – doch seither lebten sie eher nebeneinander her als miteinander. Damit ist nun Schluß!“

Benannt nach dem Inhaber der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Brauerei Lahnstein Dr. Markus Fohr ist der Wein-Bier-Mix aus einer Kooperation der Brauerei, einem jungen Moselwinzer und dem Marketing-Unternehmen Lohmann-Druck Anfang des Jahres entstanden. Es beinhaltet 55% Roséwein aus Spätburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon sowie 45% hellem obergärigem Vollbier rheinischer Brauart – also Kölsch – und ganz viel Liebe.

Bereits bei der August-Verköstigung „Bier & Wein“, der ich leider nicht beiwohnen konnte, in der Brühler Eule vorgestellt, habe ich nun die Gelegenheit in den erlauchten Kreis der Fohrdenker einzutreten und bin so gespannt wie selten wie diese „Getränkesymbiose“ funktionieren kann.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wein-Bier-Mix
Brauart
. . . . . . . . . . . u.a. obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . 45% Kölsch (Gerstenmalz, Hopfenextrakt), 55% Roséwein (mit Antioxidationsmittel Schwefeldioxid)
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lahnstein
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___(11)
  • Aussehen:____________________(11)
  • Geruch:______________________(8)
  • Geschmack:__________________(9)
Fazit

Geruch: hopfen & weinbitter, säuerlich, leicht würzig, weinfruchtig
Geschmack: Wein dominanter als Bier, klar weinbitter & sauer, fruchtig-frisch, hopfig-herber Abgang, sehr spritzig, nicht süffig, auch alkoholaromatisch
Gesamt: Also zunächst einmal ein Tipp: Dieses Getränk lieber als Wein denn als Bier trinken. Heißt nicht kippen, sondern nippen. Der Rosé ist im Vergleich zum Kölsch klar dominanter, wobei ich meine, dass er mit dem Bier nicht seine volle Wirkung entfalten kann. Alles in allem ist es natürlich schwer dieses Getränk adäquat zu bewerten, da selbst die beiden Komponenten nicht wirklich bewertbar sind. Wenn ich nun aber zu einer Abschlussbewertung gezwungen wäre würde ich es wohl nicht besser als mit einer 3+ (9Pkt.) bewerten, da es mir schlicht zu experimentell – wenn auch hochinteressant – ist und eigentlich sowohl Bier als auch Wein Qualitätsverluste hinnehmen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.lahnsteiner-brauerei.de/aktuelles/26.htm, http://www.lahnsteiner-brauerei.de/_mediafiles/27-fohr-produktblatt.pdf oder http://www.fohrdenker.de.

Prost!

240. Bourgogne des Flandres

Nach der gestrigen Blend-Bier-Premiere folgt heute gleich das nächste. Auch wenn es einen französischen Namen hat, kommt es mitten aus Flandern – genauer gesagt aus Brügge. EIne Stadt, die für ihre enorme historische Brauereivielfalt bekannt ist. So gab es noch bis ins 20. Jahrhundert hinein über 30 Brauereien in der Stadt. Bis 2015 reduzierte sich die Anzahl jedoch dramatisch auf nur noch zwei Brauereien. Auch die ursprüngliche Brauerei des Bieres musste 1957 ihre Tore schließen, obwohl…

„Mit der Bourgogne des Flandres ein authentisches westflämisches rotbraunes Bier gebraut wird, dem es gelingt, langfristig der enormen Beliebtheit der Pilsener nach dem Ersten Weltkrieg und den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges die Stirn zu bieten.“

Der damalige Braumeister Michel van Houtryve gibt jedoch nicht ganz auf und lässt dieses erfolgreichste Bier seiner Brauerei einfach in anderen Brauereien weiter brauen – lange Zeit in der bekannten Brasserie Timmermans. Erst 58 Jahre nach der Schließung gelingt es durch Anthony Martin, dem heutigen Brauer von Timmermans, eine neue eigene Brauerei für das einzigartige Cuvée zu eröffnen.

Während das gestrige Cuvée ein Mix aus einem hellen Ale und einem Lambic war kommt heute ein rotbraunes Ale zum Einsatz. Bei einem Anteil von 30% Weizenrohfrucht wird die Würze im offenen Gärbottich vergoren, bei der die „Magie der Lambic-Biere“ geschieht:

„In einem Umkreis von 15 km um Brüssel leben zwei einzigartige Mikroorganismen in der Umgebungsluft: Brettanomyces Bruxellensis & Brettanomyces Lambicus.
Im offenen Kühlschiff vermischen diese sich mit der Würze und so kommt das einzigartige Verfahren der Spontangärung zustande, ohne dass Hefe zugesetzt wird.“

Auf der Zutatenliste findet man dann neben dem angesprochenen Weizen noch Mais, Zucker und leider auch wieder ein Antioxidationsmittel, was mich zur Frage führt, ob dieses bei Cuvée-Bieren obligatorisch ist?!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Brown Ale-Lambic
Brauart
. . . . . . . . . . . ober- & spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Mais, Zucker, Hopfen, Hefe, Antioxidationsmittel E300
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Brügge / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sauer, hell-fruchtig, leicht malzig-süß
Geschmack: erfrischend, säuerlich, fruchtig, kaum Malzsüße, trotz geringem Körper nicht sehr süffig, fruchtig-süß-saurer Abgang
Gesamt: Auch dieses Blend bzw. Cuvée verbindet interessante Geschmackskomponenten miteinander. Vor allem die fruchtige Säuerlichkeit habe ich bisher so noch bei keinem Bier schmecken dürfen. Fast riecht und schmeckt es ähnlich wie ein Witbier. Trotz dieser dominanten Fruchtsäure blitzt zwischendurch aber auch immer wieder die Tiefe des Brown-Ale durch, die es insgesamt sehr harmonisch macht. Aufgrund jedoch des zugefügten E300 muss ich hier in der Gesamtbewertung Abzüge machen, sodass hier nur 10,5 Pkt. (2(-)) zusammen kommen.

Weitere Infos (sogar auf deutsch) zum Bier unter: https://www.bourgognedesflandres.be/de/das-bier.

Prost!

239. Bersalis Sourblend

Nach der gestrigen Premiere folgt heute die nächste: zum ersten Mal stelle ich hier ein Blend-Bier vor.

Was bei Spirituosen (siehe z.B. Whisk(e)y) lange schon Gang und Gebe ist hat sich beim Bier bis heute nicht durchsetzen können. Dabei gäbe es bei der Vielzahl an Bierstilen unzählige Kombinationsmöglichkeiten, die das Bier als Getränk noch vielfältiger werden lassen könnte. Dass sich bisher wohl nur wenige daran versucht haben ist sicherlich durch den Mehraufwand zu erklären, der bei der Entwicklung eines brauchbaren Blends entsteht. Für mich als Bierbotschafter allerdings trotzdem sehr schade, dass das Thema selbst unter Kreativbrauern eine absolute Nische darstellt.

Eine Brauerei, die dies gewagt hat kommt aus dem belgischen Beersel – gelegen direkt zwischen den Grenzen der Hauptstadtregion Brüssel und den beiden Regionen Flandern und Wallonien. Seit 1882 wird dort die Tradition des Lambic-Brauens gelebt. Dieser Bierstiel zeichnet sich dadurch aus, dass er als einer der wenigen spontangärig gebraut wird. Das bedeutet, dass dem Bier keine Hefenstämme zugesetzt werden, sondern diese aus der Umgebungsluft oder von Resten der Brauwürzen älterer Sude aufgenommen werden. Eine solche Brauart war aufgrund der Mikroflora historisch nur im Sennental, in Brüssel und im Pajottenland möglich. Es sollen dort Brauereien geben, die bis heute ihre Brauanlagen niemals putzen, um die Hefe-Partikel für die Spontangärung nicht zu vernichten.

Das heutige erste Bierjubiläum-Blend ist ein Mix aus dem Kadet – einem Blond Ale – und dem hauseigenen Lambic. Dabei ist das Mischverhältnis 70-30. Herausgebracht wurde es 2015 zum 10-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung der Brauerei, die 2002 aus familiären Gründen kurzzeitig schließen musste.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . sourblend Lambic-Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . ober- & spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Beersel / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: schön fruchtig-sauer-süßlich, gewisse Malzsüße, Karamell, leicht bitter
Geschmack: spritzig, säuerlich, bipolar, würzig-herb, im Abgang malzig süß, überraschend mittel-voller Körper
Gesamt: Tolles Bier, das die Brauer für ihren Mut zum Blend belohnt. Sicher ist der „doppelte“ Geschmack erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber eine sehr interessante Grundstimmung. Außerdem interessant und lobend hervorzuheben: Beide Bierkomponenten koexistieren ohne, dass das eine oder andere geschmacklich überlagert ist oder gar eine schlechte Mischung aus beidem entsteht. Nicht nur für diesen Mut, auch für das gute Bier (wenn man es etwas säuerlich mag) gibt es 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.oudbeersel.com/en/products/bersalis-sourblend/.

Prost!

238. Gentse Gruut Amber Ale

Mit dem heutigen Bier kommt es zu einer weiteren Bierjubiläum-Premiere: Meine erste Rezension eines hopfenfreien Bieres.

Aber wie kann das überhaupt ein Bier sein: Gehört doch in jedes Bier stets Wasser, Getreidemalz, Hefe und eben Hopfen?! Was heute so selbstverständlich ist und auch im sog. Reinheitsgebot wie zementiert erscheint, war jedoch nicht immer so. Bis zum 14. Jahrhundert – so vermuten Bierforscher – wurde jedes Bier mit einer Mischung aus verschiedenen Kräutern (und im Übrigen Hafer als Hauptbiergetreide) gebraut. Diese waren dann von den regionalen Gegebenheiten der jeweiligen Flora abhängig. In der Hauptsache fanden vor allem Porst und Gagel Anwendung, aber auch Schafgarbe, Heidekraut, Beifuß, Rosmarin, Thymian, Salbei, Lorbeer, Mädesüß, Anis, Kümmel, Wacholder, Koriander, Fichtensprossen oder Wermut wurden verbraut. Erst im Laufe des 14. Jahrhunderts entdeckte man in größerem Umfang den Hopfen zunächst als ein weiteres Kraut, welches man dem Bier zusetzte. Durch seine Eigenschaften der Haltbarmachung, Stabilisierung und stärkerer Aromatisierung gelang es dem Hopfen dann aber in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten die weiteren (teils auch giftigen) Kräuter aus dem Bier zu verdrängen. Auch der Aspekt, dass Hopfen günstiger als die anderen Bierwürzen war und dass man diesen einen heidnischen Kult nachsagte begünstigten die Entwicklung. Als dann schließlich im Laufe der Jahrhunderte 15 und 16 die Rezepturen des Bierbrauens stärker reglementiert wurden, bedeutete das zumindest in weiten Teilen Mitteleuropas das Ende der Bierkräuter. Erst in den letzten Jahren entdeckten vor allem die Kreativbrauer die Liebe zu Kraut/Grut wieder. So gibt es inzwischen zum Glück wieder mehrere Duzend hopfenfreie aber kräuterhaltige Biere auf dem weltweiten Biermarkt.

Das heutige Grutbier kommt aus dem belgischen Gent in Flandern und ist ein Produkt der Gentse Stadsbrouwerij Gruut, welche sich nach Gründung in 2009 intensiv Bieren mit alternativen Getreiden (wie Dinkel oder Hirse) aber vor allem auch hopfenfreien Bieren widmen. Nach langer Entwicklungszeit werden dort inzwischen regelmäßig fünf verschiedene Grutbiere gebraut; sodass man auf Basis dieser Erfahrungen zu Recht sagen kann, dass sich dort ein regelrechtes Grutbier-Zentrum entwickelt hat.

Übrigens: Während heutzutage Bier anhand des Alkoholgehalts besteuert wird, wurde es bis ins Mittelalter anhand der Menge und Zusammensetzung der Kräuter im Bier abgegolten.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Grut Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Gent / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2009

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: waldig, würzig, blumig, röst- & karamellmalzig, süßlich, weich
Geschmack: dunkel, karamellmalzig, leicht röstig, leicht bitter, waldig-würzig, mittelgroßer Körper, spritzig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Wahrlich ein sehr sehr interessantes Bier. Geschmacklich dominieren die karamell-röstige Süße, die leichte Bittere und die waldige Würze. Doch irgendwie hat das Bier mehr. Zwischen den Zungenknospen blitzen immer wieder unbeschreibliche Geschmacksnuancen auf. Ein Bier, das ich so in dieser Form noch nie getrunken habe und auch schwer zuordnen kann. Leider bleibt (wahrscheinlich aus betrieblichen Gründen) die Kräuterzusammensetzung verborgen, aber der Unterschied zu einem (klassischen) Hopfenbier ist schon erkennbar, wenn auch nicht deutlich. Für etwas experimentierfreudige Bierliebhaber auf jeden Fall empfehlenswert und für mich ein weiterer Anwärter auf die Top Ten des Jahres. Alles in allem bewerte ich das Bier nämlich mit starken 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.gruut.be/en/Bieren/Index/95/gentse-gruut-amber.

Prost!

237. St. Feuillien Grisette Blonde

Nachdem sich die politische Nachrichtenlage in Deutschland wieder etwas beruhigt, möchte ich meine und Eure Aufmerksamkeit wieder auf was viel schöneres und konstruktiveres richten: Das Bier.

Mit dem heutigen Grisette Blonde aus dem Bestand der Brühler Eule biege ich endgültig auf die Zielgeraden meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ ein. Dabei ist dieses eines (und vorerst das letzte) von inzwischen knapp zehn glutenfreien Bieren, die ich schon proBieren durfte. Über das Bio-Bier selbst lässt sich zwar nicht viel in Erfahrung bringen, außer dass es mit Reis- und Haferflocken sowie Milchsäure und Gewürzen gebraut und im Nachgang mit Ascorbinsäure versetzt ist. Ähnlich anderer bisher getesteter glutenfreier Biere wurde es mittels biochemischer Verfahren vom im Gerstenmalz natürlich enthaltenen Gluten befreit. Dafür kann die Brauerei mit einer kleinen aber feinen Geschichte aufwarten. 1873 gegründet und seither in gleichbleibender Familienhand geht sie zurück auf das Prämonstratenser-Kloster Saint-Feuillien du Rœulx, in dem seit 1125 durch die Chorherrn Bier gebraut wurde. Erst in den Wirren der französischen Revolution musste das Kloster und damit auch das Bierbrauen in der wallonischen Kleinstadt aufgegeben werden. Die Familie Friart knüpfte an diese Tradition im 19. Jahrhundert an und gehört heute dem belgischen Familienbraubund an. Mit 40.000hl gehört die Brauerei selbst in Belgien zu den eher kleineren Brauereien.

Bin ich also gespannt wie ein solche Zutatenliste schmeckt. Hinsichtlich der Reis- und Haferflocken sowie der Gewürze und Milchsäure habe ich eine sehr positive Meinung, da es das verkörpert, was ich mit meiner Blogbotschaft vermitteln möchte: Mehr Natürlichkeit. Bezüglich des Antioxidationsmittels hingegen bin ich hingegen etwas enttäuscht, da dies eigentlich schon ein Ausschlussgrund für meinen Blog wäre. Hoffentlich macht es wenigstens geschmacklich keine negative Beeinflussung.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Blonde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis- & Haferflocken, Gewürze, Milchsäure, Hopfen, Hefe, Ascorbinsäure
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Le Rœulx / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: stärker würzig, malzig, getreidig, nussig, leicht süß
Geschmack: vollmundiger als gedacht, klar würzig & leicht gewürzig, weder Malz noch Hopfen dominieren, recht spritzig, herber Abgang
Gesamt: Überraschend würzig und fast schon Pils-ähnlich. Die Gewürze und die Milchsäure sowie der Reis zeigen sich nur unterschwellig, sind aber erkennbar. Gerade als Mensch mit Glutenunverträglichkeit aber eine sehr gute Bier-Alternative, die vor allem kaum an typischem Biergeschmack einbüßt. Auch wenn es ansonsten kein geschmackliches Highlight ist und es durch das eingesetzte Antioxidationsmittel Abzüge gibt ein wirklich grundsolides Bier. In Summe heißt das 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.st-feuillien.com/FicheTechnique.php?lang=1&ref=301.

Prost!

236. Birra Moretti alla Siciliana

Zuletzt gab es tatsächlich Themen, die etwas wichtiger sind als das vielfältigste Getränk der Welt, sodass es hier etwas ruhiger geworden ist. Um aber nicht ganz aus dem Rhythmus zu kommen gibt es heute ein weiteres Bier meiner Jahresreihe.

Erworben auf dem diesjährigen Osnabrücker Bierfest, ist es eines der noch wenigen italienischen Biere auf Bierjubiläum. In diesem Falle liegt es aber auch daran, dass die Brauerei Birra Moretti seit 1996 zum Heineken-Konzern gehört und somit nicht mehr eigenständig produziert. 1859 von Luigi Moretti als „Fabbrica di birra e ghiaccio“ (also Bier- und Eisfabrik) in Udine gegründet, blieb die Brauerei bis 1989 im Familienbesitz. Drei Jahre später erfolgte der erste Umzug ins Umland von Udine nach San Giorgio di Nogaro. Aus kartellrechtlichen Gründen musste die neue Produktionsstätte jedoch schon 1997 an die italienische Braugruppe Birra Castello abgetreten werden. Die Produktion wurde daraufhin in die italienische Heineken-Brauerei nach Mailand verlegt, wo bis heute die Marke gebraut wird.

2015 wurde die Produktpalette umfangreich erweitert. Neben zwei Radlern erhielten 6 Lager-Biere Einzug, die die kulinarischen Traditionen verschiedener italienischer Regionen widerspiegeln sollen:

  • Birra Moretti alla Friulana: mit Äpfeln aus der Region Friual-Julisch
  • Birra Moretti alla Piemontese: mit Blaubeeren und Reis aus Piemont
  • Birra Moretti alla Toscana: mit toskanischer Gerste
  • Birra Moretti alla Pugliese: mit Kaktusfeigen und geröstetem Weizen
  • Birra Moretti alla Lucana: mit Lorbeer und Gerste aus Lukanien
  • und eben: Birra Moretti alla Siciliana mit sizilianischen Orangenblüten gebraut

Auch wenn es sich also nicht mehr um eine wirklich authentische Marke handelt ist dieser Schritt Tradition, Regionalität und Natürlichkeit in den Fokus des Brauens zu rücken absolut begrüßenswert. Hiervon könnten sich einige deutsche Größen sicher noch etwas abschauen, wenngleich hierzulande sicher kein gleichbedeutendes Dolce Vita gelebt wird wie im genuss-betonteren Italien.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mais, Orangenblüten, Orangenextrakt, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mailand / Italien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: klar nach Orange, blumig, grasig, sehr frisch
Geschmack: süffig, 80% Malzwürze – 20% Orangenfrische, Fruchtigkeit unterschwellig zum Abgang hin ansteigend, auch hier blumige Nuancen, insgesamt frisch und leicht süß
Gesamt: In der Tat interessant. Im Mund zum Glück weniger orangig als in der Nase, aber für meinen Geschmack eben auch nur ein besseres Lager. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es im Urlaub in Italien seine Wirkung besser ausspielen kann. Im deutschen Frühherbst hingegen wirkt es etwas fad und charakterlos, auch wenn es um Längen besser ist als die typischen internationalen Lager, die überhaupt keine Aussagekraft haben. Deshalb in Summe gute 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.birramoretti.it/le-birre-di-casa/birra-moretti-alla-siciliana/.

Prost!

235. Neuzeller Klosterbräu Allgäuer Heubier

Das heutige Bier bringt einige wirklich außergewöhnliche Geschichten mit. Es entstammt aus der Klosterbrauerei zu Neuzelle an der Niederung der Neiße-Oder-Mündung. Das Kloster lässt sich bis auf das Jahr 1268 zurückverfolgen, als an selbiger Stelle die Zisterzienser-Abtei gegründet wurde. 1817 erst vom Preußischen Staat säkularisiert, wurde es scheinbar endgültig in den 1950ern vom DDR-Regime aufgelöst. Nach der Wiedervereinigung erfolgte eine umfangreiche Sanierung. Zudem wurde das Kloster in eine Stiftung überführt. Zum 750-jährigen Bestehen und 200 Jahre nach der Verstaatlichung wurde den alten Gemäuern dann endlich und völlig überraschend wieder neues Leben eingehaucht. Denn aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz machten sich im letzten Monat die ersten Mönche in die Niederlausitz auf und eröffneten das Klosterleben von Neuem. Bis zum nächsten Jahr sollen dort wieder acht Mönche dauerhaft beten und arbeiten.

Die Geschichte der Klosterbrauerei zu Neuzelle reicht zumindest bis ins Jahr 1589 zurück, als dort den Mönchen die offizielle Bierbrauerlaubnis erteilt wurde. Heute ist die Brauerei (40.000 hl p.a.) deutschlandweit für ihre Bierspezialitäten bekannt. Als eine der ersten Brauereien wagten es die Brandenburger sich gegen die deutsche Biergesetzgebung aufzulehnen. So wollten sie nach Re-Privatisierung in den 1990ern den Schwarzen Abt wiederauflegen. Ein untergäriges Schwarzbier mit Zuckerzusatz, welches auf eine 400-jahre alte Rezeptur zurückgeht. Nach über zehn Jahren Rechtsstreit urteilte das Bundesverfassungsgericht schließlich im Sinne der Brauerei, die fortan immer wieder mit anderen Bierspezialitäten den Markt überraschen. So gibt es zum Beispiel ein Kartoffel- oder Spargelbier und das erste Wellness-Badebier der Welt. In diese Reihe passt da auch das heutige Heubier, dem natürliches Heuextrakt zugesetzt wird.

Ein Wort aber noch zum Schwarzen Abt: Vor einigen Jahren unternahm die Brauereileitung eine Reise zum Vatikan, bei der eine Flasche des Bieres vom Papst Franziskus höchstpersönlich gesegnet wurde. Seither wird jedem neuen Sud mit eben dieser Flasche der Segen weitergegeben.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Heuextrakt, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Neuzelle
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: lager-like, recht schwach würzig & herb, süßer Grasgeruch – ein wenig nach Pfefferminztee, weich getreidig-malzig
Geschmack: erfrischend, süßlich nach Kräutertee, leicht getreidig-malzig, wenig hopfig-herb, klar-grasig, süße Kräuter im Abgang
Gesamt: Wow, was für eine Überraschung! Nach vielen eher mittelmäßigen Bierspezialitäten in der letzten Zeit, hat mich das heutige Heubier gleich doppelt überrascht: Einerseits hinsichtlich der Qualität und anderseits, dass Heu offensichtlich so ein gutes Tee-Aroma erzeugen kann. Selbstverständlich darf man hier keine geschmacklichen Tiefen eines Stouts oder IPA erwarten, aber für ein „klassisches Lager+“ eine wirklich sehr gute Vorstellung und wieder einmal der Beweis, dass das Reinheitsgebot dringendst reformiert werden muss. Vielleicht nicht der Gipfel des guten Geschmacks, aber zumindest in dessen Sichtweite. Deshalb auch ganz berechtigterweise 13,5 Pkt. (1(-)) und somit klarer Kandidat für die Top-Ten Biere 2017.

Nur ein Wunsch noch an die Kloster-Brauerei: Bitte nehmt das glutenfreie „Bier-Getränk“ vom Markt!

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.klosterbrauerei.com/shop/Produkte/Allgaeuer-Heubier/173.

Prost!

234. Onkel Joe Breakfast Stout

Auf das heutige Bier habe ich mich schon vor vielen Wochen sehr gefreut. Schon lange hatte ich vor mal ein Bier der Düsseldorfer Onkel-Brauerei zu rezensieren. Nach dem Onkel Albert Roggen-Saison ist es zwar schon das zweite Onkel-Bier für mich, aber das erste, dass ich nun höchst bewusst verkosten darf.

Aus zwei Gründen ist meine Vorfreude so groß: Einerseits ob der Zutatenzusammensetzung des Frühstücksstoust – so liest sich die Kombination aus Haferflocken sowie Kakao und Kaffee nach einem Bier genau nach meinem Geschmack. Die Kaffeebohnen kommen übrigens aus Panama und werden von der Düsseldorfer Rösterei Vier bereitgestellt. Andererseits bin ich aber auf die Marke Onkel schon recht früh im Rahmen meines Blogs aufmerksam geworden. Braut der Onkel-Gründer Phillip Roberts doch nach seinem eigenen Freiheitsgebot. Entnervt und frustriert über die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen des sog. „Reinheitsgebots“ und vor allem über die Inflexibilität der deutschen Behörden hat er 2014 das Freiheitsgebot ausgerufen. Danach darf jede natürliche Zutat ins Bier solange sie dessen Qualität verbessert und neue Geschmacksnuancen entwickelt. Da er dies leider nicht in Deutschland verwirklichen kann, hat er sich dazu entschieden in Belgien brauen zu lassen. Das heutige Breakfast Stout zum Beispiel kommt von der Brouwerij Anders! aus Halen in Flandern.

http://mein-onkel.de/wp-content/uploads/2014/06/onl_freiheitsgebot_710x270.png

„Mit einem ‚cup of joe‘ kommt der Tag so richtig in Fahrt.“

…heißt es auf der Flasche – ich hoffe das gilt dann aber auch für den Abend ;).

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Haferflocken, Röstgerste, Kakao- & Kaffeebohnen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Düsseldorf [Halen/ Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr trocken nach Kaffee & Kakao, röstmalzig, leichte Bitterfrische
Geschmack: schön ölig, etwas schwerer Körper, trotzdem spritzig, weich, Kakao überwiegt etwas dem Kaffee, irrelevanter Abgang
Gesamt: Mit hohen Erwartungen bin ich an das Breakfast Stout herangetreten. Entsprach es doch eigentlich meinen Wunschvorstellungen eines leckeren Bieres. Und tatsächlich ist die Kombination aus kernigen Haferflocken, bittersüßem Kakao und herben Kaffee eine wirklich leckere Bereicherung für das Reinheitsgebot. Auch wenn der Geruch authentisch natürlich ist, wird er glücklicherweise vom gustatorischen Eindruck übertroffen. Und doch ist es in meinen Augen (bzw. auf meiner Zunge) kein absolut herausragendes Bier – vielleicht passt es doch besser am Morgen oder vielleicht hätte man noch ein bisschen Milchzucker hinzufügen sollen. Für eine Spitzenbewertung fehlt es mir schlicht ein wenig an Komplexität und Harmonie, zudem ist es mir schlicht auch etwas zu trocken-herb. Deshalb leider „nur“ gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://mein-onkel.de/.

Prost!

233. Himmerod Abteibier

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Epilog zu meiner Jahresreihe beginnen. Es ist ein Gastgeschenk von meinem ehemaligen Co-Autoren Nils aus Osnabrück. Dabei ist es ein Bier, dass wohl eher meine (neue) Heimat repräsentiert. Schließlich wird es von der Brasserie de l’Abbaye du Val-Dieu in Belgien für die Abtei Himmerod aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich in der schönen Eifel gebraut. Das zwischen Großlittgen und Eisenschmitt gelegene Kloster wurde bereits 1134 gegründet. Nachdem es infolge der Napoleonischen Okkupation 1802 zwangsenteignet, geschlossen und dem Verfall preisgegeben wurde, konnte es 1922 durch die Mönche der Abtei Marienstatt aus dem Westerwald wieder neu errichtet werden. Der Ort Himmerod erlangte zudem weltweite Bekanntheit als dort 1950 mit der Himmeroder Denkschrift der Grundstein für die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik gelegt wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Abteibier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Großlittgen [Aubel / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: spritzig, bitter-sauer, würzig-harzig, leicht karamellig
Geschmack: bittersüß, alkoholaromatisch, säuerlich, schwerer Körper, öliger unsüßer Abgang
Gesamt: Also irgendwie hatte ich mir dieses Abteibier anders vorgestellt. Klar, jede Bewertung hier ist immer vom tagesaktuellen Geschmack abhängig, aber heute scheint es geschmacklich einfach nicht zu passen. Zu bitter, zu sauer und vor allem zu unrund ohne roten Faden. Auch den Roggen und die Gerste vermag ich nicht herauszuschmecken. Im Gegenteil – auch ohne Sommelier-Kenntnisse – will ich behaupten, dass mir hier einige Fehlaromen entgegenkommen. Deshalb trotz guter anderer Bewertung in der Summe nur 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.abteihimmerod.de/klosterbetriebe/klosterladen/klosterprodukte/.

Prost!

232. Die Weisse Bio Weisse Hell Glutenfrei

Für das Finale der glutenfreien Bierwochen habe ich mir das Bio Weisse von Die Weisse aufgehoben.  Obwohl ich bis dato von der Marke noch nichts gehört hatte ist die Weisse Österreichs älteste noch aktive Weißbierbrauerei und gleichzeitig älteste noch aktive Kleinbrauerei. 1901 in Salzburg gegründet wechselte zwar hin und wieder der Besitzer – die Brauerei selbst und die Bierproduktion wurde jedoch nie aufgegeben. Seit genau 30 Jahren besteht nun das aktuelle Besitzverhältnis. Und seit genau zwei Jahren gibt es von dort auch das weltweit erste glutenfreie Bio-Weißbier. Dabei wird wie schon beim Daura Märzen geschildert, das Gluten im Laufe des Brauprozesses herausgefiltert. Viel Geschichte also für ein kleines Bier…

Interessanterweise hatte ich mir das Bier erst vom glutenfreien Biershop bestellt und dann im ersten Paket meines gewonnenen Bierabos von KALEA geliefert bekommen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Salzburg / Österreich
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: weißbier-würzig, trocken-malzig, hefig
Geschmack: etwas dünn, spritzig, süffig, leicht würzig, wenig hefig, wenig fruchtig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Ich finde mit diesem historischen Weißbier schließt sich etwas der Kreis zu den anderen glutenfreien Bieren meiner Reihe. Alle handwerklich nicht schlecht gemacht, aber im Vergleich zu einem glutenvollen Bier desselben Stils einfach auch mit weniger Seele. Als ob das Eiweiß hier als Geschmacksträger dient oder im Rahmen des Brauprozesses Geschmackselemente entfernt werden, reichen die Biere (bis auf das Daura Märzen) leider nicht ganz an die Bier-Verwandtschaft heran. Ausklammern muss man jedoch vor allem die Biere aus Reis, Mais und Hirse, die schlicht von Natur aus kein Gluten enthalten und schwerlich mit anderen Bieren aus Gerste oder Weizen verglichen werden können. Mit etwas Wohlwollen gibt es deshalb auch für das Bio Weisse glutenfrei „nur“ 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.dieweisse.at/de/produkte/.

Prost!

231. Urlaubsbiere – Bierverköstigung September

Hellers Kölsch | Ch’ti Blonde | Urstrom | Jenlain Blonde | Olivenbauer Hausbier | Saigon Export | Estrella Galicia | Xápμa Pale Ale | Affligem Hop Selection | Weyermann 11 Pumpernickel Porter | Akarusho Banana Wine | Sander Smoky Rauchbock | Altiplano Bière Bio au Quinoa

Nach kurzem Aussetzen letzten Monat war es gestern endlich wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Zudem hatten wie diesmal einen besonderen Gast zu begrüßen: Holger vom Blog WE LOVE PUBS hatte den Weg von Bonn auf sich genommen um diesem Event auch einmal beizuwohnen. Auf seiner Seite gibt er einen Überblick über das Ausgehen in Bonn in all seiner Vielfalt und führt durch das Bonner Nachtleben. Sein Bar-Guide geht aber auch über die Stadtgrenze hinaus – so schreibt er hin und wieder zum Beispiel auch für das Craftbeer-Magazin Hopfenhelden.  Und natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt uns zu den vielen Themen rund ums Bier  – wie Reinheitsgebot oder „Craftbeer“ – insbesondere aus Blogsicht auszutauschen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Hellers-Kölsch an, zu welchem ich bereits das Wieß proBieren durfte. Hellers ist nicht nur die erste Bio-Kölsch-Brauerei, sondern auch eine der ganz wenigen die sich trauen in der Domstadt auch ein Alt zu brauen.

Persönlicher Eindruck:
würzig, malzig, herb

Das Thema Urlaubsbiere birgt zwar nicht viel theoretisches Futter hatte aber den Charme, dass alle Gäste zuvor gebeten wurden Biere aus ihren jeweiligen Urlauben mitzubringen, die dann gemeinsam verkostet wurden. Deshalb hatte Markus auch gar nicht viele Biere selbst vorbereitet, wollte aber anhand eines Beispiels auf einen besonderen Aspekt des Themas eingehen.

Der Begriff Fernsehbier ist ja inzwischen relativ populär und assoziiert. Markus ist im Rahmen seines Frankreichs-Urlaubs aber auch ein anderes Bierphänomen gestoßen: Kino-Bier. So entstammt das folgende Ch’ti Bier zwar nicht direkt dem Kino, wurde aber durch den Film Bienvenue chez les Ch’tis überhaupt erst (international) bekannt.  Schließlich ist die Komödie bis heute der erfolgreichste Kinofilm aus Frankreich.

Persönlicher Eindruck:
süß (ähnlich wie Hirse), frisch, malzig, zuckrig, alkoholaromatisch

Das dritte „offizielle“ Bier war wieder ein alter Bekannter für mich. Das Veldensteiner Rotbier hatte ich bereits im vergangenen März verkostet.

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere fällt deshalb dieses Mal aus, da sowohl das Kölsch als auch das Rotbier nicht in die Wertung eingehen können.

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung probierten wir uns dann durch die vielen interessanten Mitbringsel aus den Urlauben der Gäste:

  • Urstrom:
    – untergärig; 5,5%
    – erstes Flensburger Bio-Bier
    – von der 2011 gegründeten Sauer & Hartwig GmbH
    – gereicht in der 2l Flasche
    – gebraut werden zudem auch spezielle Biere aus der Vorderwürze
    – karamellig, trocken, herb
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom.html

  • Jenlain Blonde:
    – obergärig; 6,8%
    – 2. und eines der ältesten Bière de Garde des Abends (eingeführt 1922/2005) von der Duyck Brasserie aus Jenlain in Nordfrankreich
    – leicht säuerlich, Schinken ohne Rauch, etwas bitter

    http://www.jenlain.fr/en/bieres/jenlain-blonde-2/

  • Saigon Export:
    – untergärig; 5,2%
    – gebraut durch die SABECO (Saigon Alcohol Beer and Beverages Corporation), welche dem staatlichen Ministerium für Handel & Industrie untersteht in der gleichnamigen und ehemaligen Haupt-Stadt Vietnams
    – mit einer Millionen Liter Ausstoß pro Jahr und einem Marktanteil von über 50% Vietnams bieriges Aushängeschild in der Welt
    – gebraut mit Reis

    http://www.sabeco.com.vn/default.aspx

  • Estrella Galicia:
    – untergärig; 5,5%
    – 1906 eingeführtes Lager der bis heute familiengeführten Brauerei Hijos de Rivera aus der Hauptstadt Galiziens A Coruña
    – nicht zu verwechseln mit dem „großen Bruder“ Estrella Damm
    – gebraut mit Mais

    https://estrellagalicia.es/

  • Affligem Hop Selection:
    – obergärig; 6,8%
    – Belgian Ale von der 1047 gegründeten Abtei-Brauerei in Opwijk nordwestlich von Brüssel
    – zitrus, spritzig, hopfig

    https://www.affligembeer.com/beers

  • Weyermann 11 Pumpernickel Porter:
    – obergärig; 6,5%
    – von der Versuchsbrauerei der größten Mälzerei Deutschlands aus Bamberg
    – mit Roggenröstmalz & 3% Pumpernickel-Brot
    – schokoladig-süß, säuerlich-karamellig, brotig

    https://www.weyermann.de/

  • Akarusho Banana Wine:
    – spontangärig; 14%
    – authentisches Hirse-Bananen-Bier aus Kigali – Ruanda
    – extrem trocken & süß, getreidig, alkoholaromatisch

    https://sinarwanda.com/

  • Altiplano Bière Bio au Quinoa:
    – untergärig; 4,5%
    – glutenfreies Bier von der 2011 gegründeten Brauerei aus dem Pariser Vorort Viry Chatillon
    – erstes Bierjubiläum-Bier mit Quinoa (+ Buchweizen & Gewürze)
    – frisch, fruchtig, herzhaft-süß, vielfältig

    https://www.altiplano.cc/index.html

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Schmitz Kölsch:
    – obergärig; 4,8%
    – Kölsch des Salon Schmitz zwischen Rudolfplatz und Aachener Weiher (Einführung 2011)

    – wurde in meiner verpassten August-Verkostung im Rahmen der Kölsch-Reihe verkostet
    http://schmitzkoelsch.com/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und vielen Dank auch an Holger für den Besuch und den sehr interessanten Austausch unter Blog-Kollegen.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Den Blog von Holger findet ihr unter: http://www.welovepubs.de/.

230. Brunehaut Bio Pomfraiz‘

Zur Einleitung des Wochenendes gibt es heute sozusagen das Wit Blanche von gestern in der Erweiterungs-Version. Alles ist gleich, nur es wurden während des Brauprozesses Erdbeer- und Apfelsaft hinzugefügt. Angebaut natürlich in der Region rund um Brunehaut. Dass es kein klassisches Biermischgetränk ist, wie es Deutschland leider beliebt ist, sondern ein richtiges Fruchtbier lässt sich schon anhand des Alkoholgehalts feststellen, ist aber auch lange belgische Tradition. So wird dort oftmals ein spontangäriges Frucht-Lambic gebraut, dem aber ganze Früchte zugesetzt werden. Marktführer sind übrigens Liefmans und Lindemans mit einer ziemlich großen Auswahl an Fruchtbieren. Dass diese Biere bisher kaum in Deutschland Fuß gefasst haben, liegt leider am „Reinheitsgebot“ bzw. den daraus abgeleiteten gesetzlichen Rahmenbedingen, die zwar chemische Hilfsstoffe aber keine natürlichen Früchte im Bier erlauben…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fruchtbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Rispenhirse, Buchweizen, Erdbeer- & Apfelsaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rongy / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________(10)
  • Geschmack:__________________(11)
Fazit

Geruch: FRUCHTBOMBE! ganz klar Erdbeer- & Apfelaroma, aber auch leichte weitere Fruchtnoten, sonst spritzig-frisch-sauer und ganz leicht grasig
Geschmack: süffig, trotzdem guter Körper, auch hier dominiert die Frucht ganz klar, sonst säuerlich-prickelnd, Abgang weich & süß
Gesamt: Es ist natürlich schwer bis unmöglich ein Fruchtbier mit reinen Getreidebieren zu vergleichen, aber das vorliegende kann sicher in der Liga der großen belgischen Vorbilder mitspielen. Zwar ist die leicht künstliche Fruchtbombe etwas gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber zumindest im Vergleich zu deutschen Biermischgetränken weitaus echter und besser. Deshalb vergebe ich etwas außer Konkurrenz berechtigte 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://brunehaut.com/en/products/brunehaut.html.

Prost!

229. Brunehaut Bio Blanche Wit

Nach etwas längerer Abwesenheit heute nun zurück zum wichtigen Teil des Lebens: Bier – besonderes Bier. Nach der zurückliegenden Halbzeitpause gibt es hier noch drei weitere glutenfreie Biere, bevor es in den Endspurt meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ geht.

Den Anfang macht heute das Witbier aus dem wallonischen Hause Brunehaut. 1890 gegründet wird neben glutenfreiem Bio-Bier aus Biere der Marke Abbaye de Saint-Martin gebraut, welche auf eine Abtei des 11. Jahrhunderts zurückgehen. Wie die letzten Biere ist auch das heutige nachweislich glutenfrei, trotz dessen, dass hier auch mit Gerstenmalz gebraut wurde. Das Gluten wird in diesem Falle im Laufe des Brauprozesses durch verschiedene Methoden mehrfach entzogen und rausgefiltert (beschrieben in den letzten Beiträgen). Interessant macht dieses Witbier – was vom Stile her sowieso schon mit Gewürzen gebraut ist – die Beigabe von Hirse (Millet) und Buchweizen.

Ich bin also sehr gespannt, wie mir mein zweites glutenfreies Bio-Witbier schmeckt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Witbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Rispenhirse, Buchweizen, Gewürze, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rongy / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2009

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: sauer-fruchtig, spritzig, leicht würzig-getreidig
Geschmack: spritzig, süffig, leicht angesäuert, leicht gewürzt nach Koriander, ein wenig fruchtig nach Orange, plus ein Hauch Nuss, Abgang unauffällig
Gesamt: Auch dieses glutenfreie Bier überzeugt mich nicht vollends. Insgesamt bleibt es leider etwas unaussagekräftig. Insbesondere im Vergleich zu den Witbier-Benchmarks fällt ein gewisser Qualitätsunterschied auf. Auch wenn das Bier als solches durch die Beigabe von Hirse und Buchweizen interessante Noten bekommt, hätte ich mir einfach mehr Charakter gewünscht. So bleibt es bei 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://brunehaut.com/en/products/brunehaut.html.

Prost!