344. Maisel & Friends Artbeer #1 – CASE Maclaim

Noch vor meinem Urlaub an der ostfriesischen Nordsee erreichte mich erneut eine tolle Flaschenpost von Eva Ploß aus Bayreuth. Inhalt der Lieferung war das erste Bier von Maisel & Friends der neuen Artbeer-Reihe. Dabei soll handwerkliches Bier mit ausdrucksstarker Kunst verknüpft werden.

Für dieses Pilot-Projekt konnte man den internationalen Streetart-Künstler Andreas von Chrzanowski aka CASE aus Frankfurt gewinnen. Als Gründungsmitglied der Künstlerorganisation Maclaim Crew ist er einer der Pioniere des Fotorealismus in der Streetart. Mit seinen Motiven, die hauptsächlich die Anatomie der Hände in den Mittelpunkt rücken, schmückte er bislang vor allem Hausfassaden oder Leinwände. Mit Unterstützung von Jessica von I Know A Guy gelangte seine Kunst nun erstmals auch auf eine Bierflasche. Das Motiv „Power of Movement“ ist Teil einer größeren bekannten Leinwandarbeit und macht sich selbst für mich Kunstbanausen auf der Flasche sehr gut – auch wenn ich nicht genau weiß, was das Motiv genau ausdrücken soll.

Doch nicht nur das Äußere soll überzeugen, auch auf die inneren Werte der Bierflasche wurde geachtet. So handelt es sich hier um ein sog. Hoppy Strong Ale mit kaltgehopften Mosaic- und Citra-Hopfen sowie knapp 10 Umdrehungen.

Braukunst + Streetart = a perfect match!

Our heart is full of art! Enjoy!

Fill your glass with art!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Strong Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  19,3°P
Alkoholgehalt. . . . . . 9,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Ananas, Apfel, Mango, Litschi & Limette, grasig, waldig, etwas spritzig
Geschmack: voller Körper, weich, grasig, hopfig, etwas bitter, leicht alkoholaromatisch, weniger fruchtig, matt, warmer hopfiger Abgang
Gesamt: Wieder mal ein klasse Bier meiner inzwischen fast schon Lieblings-Brauerei. Sowohl olfaktorisch als gustatorisch ein Genuss, der die Sinne vielfältig fordert und somit zu keinem Zeitpunkt langweilig ist. Also im Prinzip genau das, was Kunst doch sein sollte. In Zahlen ergibt dies satte 13 Pkt. (1-) für diese bierige Bottleart.

Mehr Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/artbeer-case-maclaim/.

Mehr Infos zu Case_Maclaim unter: http://www.maclaim.de/start.html bzw. http://maclaim.blogspot.de/.

Prost & guten Abend! 🍻

343. Küstenbrauerei zu Werdum Watt’n Bier dunkel

Als drittes und letztes Bier aus unserem Ostfriesland-Urlaub, möchte ich Euch heute das Watt’n Bier vorstellen. Auch, wenn ich es schon in Dornumersiel vom Fass trinken durfte, möchte ich es Euch trotzdem nicht vorenthalten.

Zu dieser Gelegenheit hatte ich übrigens auch kurz den alten Braumeister der Küstenbrauerei kennen lernen können, mit dem ich mich über das Brauen, die Brauerei und unsere Biere austauschen konnte. Im Anschluss überreichte er mir noch den aktuellen Brauwelt-Brevier, der so ziemlich alle statistischen sowie betriebs- und volkswirtschaftlichen Kennzahlen und Informationen über das deutsche (und internationale) Bier enthält.

Gekauft habe ich die heutige Flasche in Bensersiel, wobei ich mich für das dunkle entschieden hatte, da ich bereits letztes Jahr mal in den Genuss des hellen aus der Flasche kam.

Auf den ersten Blick erschein mir auch damals das Bier irgendwie etwas zu „touristisch“, doch der genauere Blick ließ mich meine Meinung nochmals revidieren. Die Küstenbrauerei zu Werdum liegt im relativ zentralen Norden Ostfrieslands und besteht nicht nur aus der Brauerei, sondern auch aus Brennerei, Kaffeerösterei sowie einem Hotel und Gasthof. Damit liegt sie in direkter Nachbarschaft zum ostfriesischen Brauriesen Jever und ist eine der wenigen Privatbrauereien Ostfrieslands. Zu meckern habe ich somit an der Brauerei zunächst nur das merkwürdige Website-Management: Probiert einfach mal selbst die unten stehende Internetseite aus.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Werdum
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: leicht metallisch, leicht röstig, etwas dunkelmalzig, karamellig, ein Hauch Gemüse
Geschmack: eher schlanker Körper, recht dünn, leicht fruchtig, karamellig, holzig, würzig, leichte Malzsüße, gering bitter, feinperlig, trocken-süßlicher Abgang
Gesamt: Wie auch schon vom Fass ist das Dunkel vor allem im Vergleich zum hellen eher nur mäßig. Gerade für ein ostfriesisches Bier mit Kaffeerösterei hätte ich mir eine klarere Röstung und mehr Herbe erwartet. Es ist sicher kein schlechtes Bier und lässt sich süffig trinken, dennoch erwarte ich bei einem Dunkel etwas mehr Charakter. Daher kann es heute leider nicht mehr als 7 Pkt. (3-) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.werdumer-hof.de/brauerei-wattn-bier/brauhaus.html.

Prost & guten Abend! 🍻

342. Ostfriesen-Bräu Landbier dunkel

Ohne viele weitere Worte zu verlieren möchte ich nach dem gestrigen hellen heute mit dem dunklen Landbier vom Ostfriesen-Bräu nachlegen. Mal schmecken, ob das zweifach mit dem goldenen European Beer Star ausgezeichnete Bier ebenfalls überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bagband
Erscheinungsjahr. . .
1998

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: röstig, trocken, holzig, karamell-malzig, etwas Kaffee
Geschmack: mittelgroßer Körper, dünn, leicht röstig, leicht karamellig, leicht waldig & erdig, feinperlig, trocken-herb-süßer Abgang
Gesamt: Während es in den ersten drei Kategorien noch ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ist, entscheidet der Geschmack relativ klar für das gestrige helle Landbier. Entweder meine Geschmacksknospen sind heute überreizt oder das Bier ist wirklich charakterärmer. Zwar hat es für ein dunkles eine hohe „Drinkability“, überzeugt aber ansonsten nur mit nicht voll ausgeprägten röstigen oder süßen Geschmacksnuancen. Deshalb hier „nur“ 9,5 Pkt. (3++) für das zweite Ostfriesen Bier.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ostfriesenbraeu.de/.

Prost & guten Abend! 🍻

341. Ostfriesen-Bräu Landbier hell

Zurück aus unserem Bauernhof-Nordsee-Urlaub – von dem ich an dieser Stelle noch berichten werde – möchte ich drei Biere vorstellen, die ich zwar vor Ort erwerben konnte, jedoch Euch nicht vorenthalten wollte. Es sind Biere der relativ rar gesäten ostfriesischen Privatbrauereien. Beginnen möchte ich mit den zwei im Handel erhältlichen Bieren des Ostfriesen-Bräu. In Großefehn-Bagband gelegen wird seit 1998 unter diesem Namen handwerklich Bier gebraut. Braumeister René Krischer erwarb in jenem Jahr ein seit 1902 bestehendes Molkereigelände und installierte dort neben einer modernen Brauerei und einem Brauhaus auch ein Brauereimuseum für alte (noch funktionsfähige) Brauanlagen. In dieser Biererlebniswelt bietet er zudem auch ganztätige Braukurse an. Da ich es diesmal nicht geschafft hatte die Brauerei zu besuchen, war ich froh, dass ich über die Ostfriesen-Biere im dortigen Edeka gestolpert war, sodass ich sie wenigstens aus der Flasche proBieren kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Helles
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bagband
Erscheinungsjahr. . .
1998

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: Mix aus Malz, Holz, Frucht & Karamell
Geschmack: mittelgroßer Körper, (trocken-)malzig, leicht süßlich, waldig, getreidig, leicht torfig & erdig, wenig herb, feinperlig, trockener Abgang
Gesamt: Ein wirklich guter Wiedereinstieg in den Blog. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen macht dieses Landbier einen mehr als passablen Eindruck. Auch wenn ich beim Bierstil noch so meine Schwierigkeiten der Zuordnung habe, scheint es handwerklich gut gemacht zu sein. Kein Überflieger, aber mit 11,5 Pkt. (2(+)) durchaus im oberen Drittel anzusiedeln.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ostfriesenbraeu.de/landbier-hell/.

Prost & guten Abend! 🍻

Urlaub an der ostfriesischen Nordsee

Meinen zweiten Teil der Tochter-Elternzeit haben wir genutzt um für zwei Wochen an die ostfriesische Nordsee zu fahren. Aufgrund der dortigen geringen Brauerei-Dichte, hatte ich auch unter Berücksichtigung des Aufwandes im Vorfeld keinen Brauereibesuch geplant. Zufällig hatte ich aber die Gelegenheit Biere von zwei regionalen/lokalen Brauereien direkt vom Fass proBieren zu können. Zum Einen die beiden Watt’n Biere der Küstenbrauerei, Brennerei & Kaffeerösterei zu Werdum, die ich in Heikes Eis- & Pfannkuchencafé in Dornumersiel gefunden hatte und dabei auch den alten Braumeister der Brauerei kennenlernen durfte (siehe auch 343.). Zum Anderen bin ich glücklicherweise beim Standspaziergang auf Norderney an der Weststrand-Bar vorbeigekommen. Dort wird nämlich in wirklich tollem Ambiente das Bier des 2012 gegründeten Norderneyer Brauhauses ausgeschenkt:

Bierfacts:

  • Norderneyer Pils:
    – 11.8°P; 4,8%; untergärig
    – Geruch: Grasig, mild, leicht fruchtig
    – Geschmack: vollmundig, leckere Hopfennote, mild herb, gewisse Malzsüße, grasig, heuig, feinperlig, herb- süßer Abgang
    – definitiv ein hervorragendes Pils mit toller Eigennote – wer mal auf der Insel weilt sollte es unbedingt probieren
    http://norderneyer-bier.chayns.net/aboutus
  • Norderneyer Weizen:
    – 5,1%; obergärig
    – Geruch: eher unscheinbar, malzig-süß, dezente Frische
    – Geschmack: voller Körper, herb, würzig, dunkelmalzig, Karamell, Banane, gering säuerlich, matt, malziger Abgang
    – gerade im Vergleich zum Insel-Pils eher nur durchschnittlich
    http://norderneyer-bier.chayns.net/aboutus

 

  • Watt’n Bier hell:
    – 4,8%; untergärig
    – Geruch: frisch, hell-malzig, leicht würzig, grasig, etwas fruchtig
    – Geschmack: recht süffig, weich, Malzsüße, Hopfenherbe, etwas getreidig, leicht würzig, feinperlig, trocken-süßlich-herber Abgang
    – nicht überragend, aber definitiv ein leckeres (Urlaubs-)Bier, das zwar mehr ein Helles, als ein Pils ist, aber trotzdem überzeugt
    –  https://www.werdumer-hof.de/brauerei-wattn-bier/brauhaus.html
  • Watt’n Bier dunkel:
    – 10%; untergärig
    – Geruch: Leicht röstig, dunkelmalzig, holz, Getreide, Karamell
    – Geschmack: Vollmundiger, röstig, würzig, süßlich, leicht Lakritz, matt, milder Abgang
    – ein leider nur unterdurchschnittliches Dunkel aus der privaten Brauerei, Brennerei und Rösterei
    –  https://www.werdumer-hof.de/brauerei-wattn-bier/brauhaus.html

Fazit:

Neben den genannten beiden Brauereien gibt es im Nordosten neben dem hier schon vorgestellten Ostfriesen-Bräu und der Industriebrauerei Jever nur noch Brauereien in Varel (südlich von Wilhelmshaven am Jadebusen), in Weener (an der Ems südlich von Leer) und auf der Insel Borkum. Angesichts der Bevölkerungsdicht in Ordnung, aber trotzdem nicht ausreichend um allerorten regionales (privates) Bier zu bekommen. Nichtsdestotrotz kann sich das ostfriesische Bier (mit Abstrichen) durchaus sehen lassen, sollte aber insbesondere für Touristen noch etwas an Qualität, Vielfalt und Marketing zulegen. Sollte es uns nächstes Jahr erneut hierhin verschlagen, werde ich versuchen mir die Sache dann auch mal vor Ort anzuschauen.

Vielen Dank im Zuge dessen auch an dieser Stelle nochmals an die beste Familie der Welt für diesen tollen Bauernhof-Nordsee-Urlaub.

Weitere Infos auch unter: http://www.ostfriesland.de/mein-ostfriesland/bummeln-und-kulinarik/regionale-spezialitaeten/bierkultur/ostfrieslands-brauereien.html?Brauereien=.

340. Hachenburger Space Pils

Anlässlich des heutigen Christi Himmelfahrt melde ich mich aus meinem Familienurlaub an der ostfriesischen Nordsee zurück. Passend zu diesem Feiertag, an dem sich Jesus Christus endgültig ins Himmelreich begab, möchte ich Euch ein wirklich besonderes Bier vorstellen. Denn es ist das erste Bier weltweit, dass mit Hopfen aus dem Weltall gebraut wurde. Erhalten habe ich eines der letzten Hachenburger Space-Pils schon vor einigen Wochen vom Bürgermeister der Gemeinde im Westerwald höchstpersönlich.

Die Reise des Hopfens beginnt im Frühjahr 2017 als die Familienbrauerei Hopfensamen als Gratiszugabe zu ihren Bieren gibt und alle Käufer und Bierliebhaber darum bittet diese in ihrem Garten einzupflanzen. Etwa ein halbes Jahr mussten diese dann gehegt und gepflegt werden, bevor sie im September geerntet werden konnten. Zum Hopfenpflückerfest der Brauerei, die selbst auch einen Hopfengarten besitzt, sollten dann alle selbstangebauten Hopfenblüten mitgebracht werden. Der „Bürger“-Hopfen wurde dann gedarrt und vakuumiert, um ihn für die große Reise vorzubereiten. Mit Unterstützung des Studio Weichselbaumer aus Passau wurde der gesammelte und vorbereitete Hopfen schließlich vom Hof der Brauerei mit einer Space-Ballon-Sonde ins Weltall geschickt. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 m/sek. stieg der Ballon bis auf 36 km Höhe auf – ungefähr die Höhe die auch Weltrekordler Felix Baumgartner erreichte. Streng genommen ist das zwar noch die Stratosphäre, da das sog. Weltall erst bei etwa 100 km Höhe beginnt, aber wir lassen das mal so gelten. Ausgestattet mit modernster Kamera- und Ortungstechnik wurde der gesamte mehrstündige Flug aufgezeichnet, sodass auch ein schnelles Auffinden nach der Landung ermöglicht werden sollte. Doch es kam etwas anders als geplant als die Sonde in ein Funkloch verschwand und zunächst nicht mehr zu orten war. Nach einem öffentlichen Facebook-Aufruf konnte sie aber am nächsten Morgen am Hof Holpe im Siegerbergländischen Forst ausfindig gemacht werden. Sofort wurde der Space-Hopfen wieder zurück zur Brauerei gebracht und dort als Kalthopfung in den Pils-Sud eingebracht.

(Quelle: Westerwald-News Ausgabe 48-17 vom 25.11.17)

Nun bin ich also gespannt auf dieses in mehrfacher Hinsicht wirklich besondere Pils an diesem passenden Tag.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hachenburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: Hopfig aromatisch, grasig, zitronig, limettig, leichte herbe, wenig Malz
Geschmack: mittelkleiner Körper, spritzig bis feinperlig, süße hopfige Herbe, ganz wenig bitter, etwas dünn, leichte Zitrusnoten, etwas grasig, leicht hell malzig, weich herber Abgang
Gesamt: Ein wahrhaft galaktisches Bier. Das Pils wird durch den Aromahopfen gut aufgewertet ohne zu dominant zu sein. Insgesamt ein recht mildes Bier dieses Stiles, dessen grasig-fruchtig-süße Hopfenherbe erst spät durch etwas Malz eingeholt wird. Inwiefern man hier jedoch den galaktischen Einfluss herausschmecken kann, wage ich nicht zu beurteilen. Nichtsdestotrotz ein spannendes Bier(-projekt), das seines Gleichen sucht. Für mich hier und heute 12 Pkt. (2+) wert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://hachenburger.de/space-pils.

Prost & guten Abend! 🍻 🌟

P.S.: Unter dem Motto „Beer for Space“ haben kürzlich die 4 Pines Brewing Company in Kooperation mit den Saber Astronautics das Label Vostok Space Beer in Erinnerung an die erste menschliche Weltraummission von Yuri Gagarins ins Leben gerufen. Ziel der Unternehmung ist es ein Bier zu entwicklen, das einerseits den physiologischen Besonderheiten des menschlichen Organismus im All angepasst ist und das zudem in einer Flasche erhältlich ist, die auch in Schwerelosigkeit ihren Zweck erfüllt. In der Hoffnung auf einen baldig beginnenden und florierenden Weltraumtourismus will man so Pionier auf diesem Gebiet sein und eine bislang gänzlich neue Zielgruppe erreichen.

Maria Eetcafe

Am gestrigen Freitag Abend habe ich mich wieder mal mit meinem Kollegen Matthias aufgemacht um Köln unsicher zu machen. Ziel war diesmal das Maria Eetcafe direkt am Bahnhof Köln-West – ideal also für Besucher auch außerhalb von Köln. Matthias – selbst bekennender Belgisch-Bier-Fan – brachte mich auf diese Idee, da er dort einmal zufällig gelandet war als er noch etwas länger auf einen Zug warten musste. Dass dies ein glücklicher Zufall war zeigte sich mir schon online auf der Getränkekarte, die neben belgischen und niederländischen Essens-Spezialitäten auch eine wahrlich große Auswahl an belgischen Bieren bietet. Auch vor Ort machte der Laden einen wirklich guten Eindruck, der rustikal-kreativ eingerichtet ist und mit sehr freundlichem Personal ausgestattet ist. Ein wenig überfordert von der wirklich reichlichen und guten Auswahl haben wir uns dann aber doch zu folgenden Bieren durchringen können:

Bierfacts: 

  • Westvleteren Blond:
    – 5,8%; obergärig
    – seit 1999 von den Mönchen der Abdij St. Sixtus gebraut
    – theoretisch unverkäuflich, da das Bier nur an Endverbraucher in sehr limitierter Kapazität ausgegeben wird
    – ausgewogen malzig und würzig sowie hefig
    https://sintsixtus.be/trial/bierverkoop/

  • Duvel Tripel Hop:
    – 9,5%; obergärig
    – Starkbier mit den Hopfensorten Saazer, Styrian Golding & Citra (dieser auch gestopft) aus der 1871 gegründeten Brauerei aus Puurs
    – 2016 durch Kundenauswahl kreiert, nachdem das Produkt bereits seit 2007 mit wechselnden Hopfen auf dem Markt ist
    – grasig, würzig, eher leicht, wenig malzig, dumpfe Citranote, leicht bitter
    http://www.duvel.com/en-us/the-beer/duvel-tripel-hop

  • Malheur 10:
    – 10%; 20°P; obergärig
    – Starkbier aus der ehemaligen Brauerei De Landtsheer (Gründung 1839) in Buggenhout
    – weich, malzig-süß, trocken-bitter, karamellig
    http://www.malheur.be/nl/malheur-10/

  • Grimbergen Optimo Bruno:
    – 10%; untergärig
    – Quadrupel der 1128 gegründeten Abtei-Brauerei Grimbergen in Mechelen
    – gebraut jedoch von Alken-Maas für Heineken
    – enthält leider Zucker, Glukosesirup, Karamell-Farbstoff E150c & Hopfenextrakt
    – richtig süß, ganz leicht röstig, leicht alkoholaromatisch
    http://www.grimbergenbier.be/product/optimo

  • Corsendonk Pater:
    – 6,5%; untergärig
    – Dubbel von der Kuckucks-Brauerei aus Turnhout
    – gebraut von Brasserie du Bocq aus Purnode-Yvoir
    – dunkemlmalzig, röstig, karamell-süß
    – www.corsendonk.com

  • Rochefort 10:
    – 10%; obergärig
    – Quadrupel aus der Trappisten-Brauerei in Rochefort
    – gebraut mit Rohgetreide
    – schön malzig-süß, karamellig, trocken, leicht würzig
    – http://www.trappistes-rochefort.com/

Fazit:

Definitiv ein Besuch der sich gelohnt hat. Eine derartige Auswahl an belgischen Bieren kenne ich sonst nur noch aus unserer guten Eule in Kierberg. Gerade in Köln sind Biere außer Kölsch immer noch unterrepresäntiert, sodass es schön ist zu sehen, dass sich ein solcher Laden etabliert hat. Zudem mit strategischen Standortvorteil direkt am Bahnhof West gelegen. Allerdings ist auch Vorsicht geboten: Die meisten der angebotenen Biere liegen deutlich über dem deutschen Alkoholdurchschnitt, viele sogar im zweistelligen Bereich, sodass man schnell auch an seine Belastungsgrenzen gerät. Mir selbst raucht trotz Training immer noch etwas der Kopf von sovielen Umdrehungen. Ansonsten kann ich aber jedem Kölner (Besucher) oder auch Durchreisenden einen Besuch im Eetcafe wärmstens empfehlen.

Vielen Dank an Matthias für die tolle Idee, die Begleitung und den interessanten Abend.

Weitere Infos zum Eetcafe unter: http://www.maria-koeln.de/.

 

 

339. Big Boss Saints & Sinners

Vor meinem nahenden zwei-wöchigen Familien-Urlaub an der Nordsee möchte ich Euch ein Bier aus meinem Fundus nicht vorenthalten. Es ist in mehrerlei Hinsicht interessant.

Gebraut von der Big-Boss-Brewery aus dem US-amerikanischen Raleigh (North Carolina) ist es eines der inzwischen zahlreichen Biere der Strange Cargo Series, die 2014 ihren Anfang nahm. Hierbei füllt die Craftbrauerei ihre Biere für mindestens ein halbes Jahr in Eichenholzfässer, in denen zuvor Bourbon, Wein, Tequila oder Brandy lagerten. Das Saints & Sinners (im Jahre 2016 eingeführt) ist ein Stilmix aus einem Flämischen Rot-, Flämischen Braun- sowie einem Amerikanischen Sauerbier und durfte ebenfalls in einem solchen Fass reifen. Besonders macht es zudem durch die Verwendung von Mais aus der Yates Mill – einer der ältesten noch immer arbeitenden Steinmühlen der Vereinigten Staaten (est. 1756).

„wood=good

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Flämisch Rotbraunes American Sour
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Maisgrieß, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Raleigh
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: dunkel-fruchtig-sauer, nach Himbeeren, Kirsche, Traube, Granatapfel, bitter-malzig, leicht verbrannt, dumpfe Süße, etwas Fehlaromen
Geschmack: erfrischend, sehr spritzig, sehr fruchtig, sehr sauer, relativ bitter, kaum Malz, kaum Hopfen, weinartig, dezenter Abgang
Gesamt: Also wer Wein lieber als Bier trinkt, der sollte hier zuschlagen. Ein Sauerbier, das tatsächlich (vermutlich infolge der Weinfasslagerung) geschmacklich deutlich näher am Wein als am Bier im engeren klassischen Sinne liegt. Auch wenn das wieder einmal die unglaubliche Vielfalt und Möglichkeiten des Bieres aufzeigt und objektiv auch eine recht gute Qualität aufweist, ist es mir schlicht wieder zu einseitig sauer und fruchtig. Für mich also weder Saint noch Sinner und alles in allem 8 Pkt. (3) wert.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bigbossbrewing.com/?page_id=400.

Prost & guten Abend! 🍻

338. Ale Mania | Hertl Herr Hertl Mania Rauch IPA

Nach dem gestrigen Rauch-Dubbel folgt heute eines der ersten, aber nicht mehr einzigen Rauch-IPAs. Entstanden ist es in rheinisch-fränkischer Koproduktion der beiden Craft-Brauer Fritz Wülfing von Ale-Mania aus Bonn und David Hertl aus der gleichnamigen Braumanufaktur in Schlüsselfeld. Beide haben in etwa zeitgleich 2013 angefangen aus ihrer schon jahrelangen Leidenschaft des Bierbrauens auch eine kommerzielle Brauerei zu formen. Dabei fokussiert sich Hertl inzwischen eher auf Bierspezialitäten wobei Wülfing in den „klassischen“ Craft-Stilen, wie IPA, Gose oder aber auch Wieß unterwegs ist.

Mit dem Rauch-IPA verbinden beide ihre Kernkompetenzen. Während Wülfing in Bonn bereits unzählige IPA-Varianten (u.a. DryPA, Session IPA und NEIPA) erfolgreich auf den Markt bringen konnte, bringt Hertl den urtypischen fränkischen Rauch mit ins Rheinland. Eine Kombination ähnlich wie beim gestrigen Rauch-Dubbel, die mehr als ungewöhnlich ist aber gerade deshalb mein Interesse geweckt hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauch-IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr spannender Mix aus Raucharomen und sehr grasigen Hopfennoten, dazu leichte Karamell- & Fruchtsüße, waldig, harzig, erdig, holzig
Geschmack: vollmundig, feinperlig bis spritzig, trocken-rauchig, Hopfen-bitter, grasig, leicht süß, bitter-spritziger Abgang
Gesamt: Welch ein interessantes Bier. Niemals zuvor habe ich die hopfigen Gras- und Bitternoten in Kombination mit Raucharomen geschmeckt. Eigentlich verwunderlich, dass im Zuge des IPA-Hypes der Craftbier-Welle nicht schon viel früher auch ein solches Bier entstanden ist. Während es in der Nase noch fast uneingeschränkt meine Zustimmung erhält, ist es auf der Zunge schon wirklich gewöhnungsbedürftig, wenngleich auch wirklich gut gemacht. Besonders für Freunde beider Bierstile absolut zu empfehlen, gewöhnliche Kölsch-, Alt- oder Pils-Trinker würde ich davon abraten. Allen anderen: Traut Euch! Nicht oft bekommt man ein derart spannendes Bier zu trinken. In Punkten bedeutet das 12 (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://shop.braumanufaktur-hertl.de/21-unsere-biere.

Prost & guten Abend! 🍻

337. Munich Brew Mafia Habemus Cervesiam

Bevor es für uns nächste Woche in den Nordsee-Urlaub geht, möchte ich Euch in dieser Woche noch drei Biere vorstellen, die aufgrund ihres Stils außerordentlich sind.

Den Anfang macht das Habemus Cervesiam vom jungen Münchner Craftbier-Label Munich Brew Mafia. In der südlichen Millionen-Metropole haben es sich Dario Stieren und Niklas Zerhoch zum Ziel gemacht gutes handwerkliches kreatives Bier zu brauen und unter die Menschen zu bringen. Beide mit Gastro- und/oder Brauerfahrung kreierten dabei schon diverse sogar einzigartige Biere ohne dabei das sog. „Reinheitsgebot“ zu verlassen. Eines der bekanntesten ist das Don Limone – ein Pils mit Citra-Hopfen kaltgehopft.

Das Habemus Cervisiam ist ebenfalls ein Unikum. Es ist das bisher einzige Rauch-Dubbel. Dabei werden dem belgischen Abteibier Bamberger Rauchnoten hinzugefügt. Objektiv wurde dies bereits gewürdigt: Im letzten Jahr erhielt es die Goldmedaille des Meininger International Craftbier Award in der Kategorie Rauchbier. Bleibt zu hoffen, dass es auch subjektiv überzeugen kann.

„Feine Malzaromen und ein sehr dezentes Raucharoma fügen sich zusammen mit der belgischen Hefe, die Banane und Gewürze mit auf den Gaumen bringt.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauch-Dubbel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: dezent rauchig, fruchtig-süß, leicht karamellig, würzig, erdig
Geschmack: voller Körper, Rauch, Karamell-Süße, leicht bitter, wenig Würze, weich, feinperlig, rauch-süßer Abgang
Gesamt: Ein wirklich einzigartiges Bier. Und eines in einer echt klasse Komposition. Da scheinen die beiden eine tolle Rezeptur für dieses erste Smokey-Double entwickelt zu haben. Ich hätte nicht gedacht, dass die(dezente) Raucharomen mit den süßen Noten des Malzes derart gut harmonieren. Zwar kein Bier, dass ich jeden Tag trinken würde, aber wohl das Beste aus beiden Welten: Belgien und Bamberg. Und eines, das la Familia sicher gefallen wird. Deshalb auch verdiente 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.munichbrewmafia.de/bier/.

Prost & guten Abend! 🍻

336. Hopfengut N°20 Stout

Nach der gestrigen Sommerwiese folgt nun heute das zweite Bier vom Bier-Souvenier-Laden in Füssen, das mir freundlicherweise die besten Schwiegereltern der Welt mitgebracht haben.

Es handelt sich um das Stout der kleinen Brauerei Hopfengut No20. Hopfengut deshalb, da sich die Brauerei aus dem Hopfenanbau in Tettnang am Bodensee entwickelt hat. Im wohl zweitwichtigsten Hopfenanbaugebiet Deutschlands ist das Familienunternehmen schon in der vierten Generation tätig. Seit einigen Jahren nun braut man in Tettnang nun auch kommerziell kreative Biere. Dabei wird nicht nur auf Handwerk, sondern auch eine Menge Know-How im Bereich Bier, Brauen und Hopfenanbau gesetzt. Neben den für ein Stout üblichen (dunklen) Gerstenmalze wird das heutige Bier mit den (Aroma-)Hopfen Blanc und natürlich Tettnanger versetzt. Neben Hopfenanbau und Brauerei betreibt man übrigens auch noch ein Gasthaus einen Verkaufsladen und ein Hopfen- und Bier-Museum.

Während das gestrige Bier „nur“ etwa 2 ½ Monate über dem MHD war, liegen wir heute übrigens schon bei über einem halben Jahr. Bei einem Stout sollte dies jedoch weniger problematisch sein, da es ja weniger zeitanfällig ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Tettnang
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, röstig, holzig, würzig, leicht säuerlich, leicht rauchig, karamellig, Bonbon, Kakao
Geschmack: mittelgroßer Körper, etwas angesäuert & bitter, röstig, leicht karamellig, etwas Kaffee, feinperlig, trocken-saurer Abgang
Gesamt: Insgesamt liegt auch dieses Bier etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Und auch hier stelle ich mir die Frage, ob ich selbst dran Schuld bin, da ich es nicht rechtzeitig proBiert habe. Doch ich behaupte, gute Stouts sollten ein halbes Jahr schon auch vertragen. Ich erinnere gerne an meinen letztjährigen Platz 2, der als Porter in etwa genauso lange über dem MHD war. Mir ist das Stout (gerade in etwas niedrigeren Temperaturen) schlicht zu sauer und zu wenig dunkelmalzig auf der Zunge. Gerade für ein Bier einer derartigen Flaschenoptik hätte ich einfach mehr „Standhaftigkeit“ erwartet. Zum Glück wird es aber mit jedem Grad mehr immer besser und malziger. Es ist deshalb alles in allem sicher kein schlechtes Bier, weshalb 10 Pkt. (2-) hier vielleicht etwas hart erscheinen mögen. Ich empfehle grundsätzlich übrigens ein solches Bier etwa eine halbe Stunde vor Verzehr aus dem Kühlschrank zu holen. So wirkt die säuerliche Note nicht mehr so intensiv.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.hopfengut.de/brauerei/.

Prost & guten Abend! 🍻

335. Alms Sommerwiese

An diesem Wochenende komme ich endlich mal dazu zwei Mitbringsel meiner Schwiegereltern aus ihrem letztjährigen Allgäu-Urlaub zu proBieren. Beide wurden beim Bier-Souvenier-Laden in Füssen erworben und machen äußerlich zunächst einen sehr hochwertigen Eindruck. Und beide Biere sind aufgrund ihrer langen Lagerzeit im Fundus MHD-Experimente.

Die heutige Sommerwiese war zwar schon für den letzten Sommer gebraut, passt aber zumindest zum bislang doch überwiegend schönem April-Wetter. Mit Anfang Februar ist es nun schon 2 ½ Monate „drüber“. Bei hellen Bieren kann das schon mal problematisch werden. Da es sich wie gestern hier um einen Weizenbock handelt, dürfte sich der Effekt aber in Grenzen halten. Auf der Flasche ist übrigens nur von deutschem Craft-Bier die Rede, das nach dem bayrischen Reinheitsgebot gebraut wurde. Etwas verwunderlich, taucht doch in der Zutatenliste auch Weizenmalz auf, das eben genau nicht in der Verordnung von 1516 erwähnt wird. Meines Erachtens also streng genommen Verbrauchertäuschung. Gebraut wird es übrigens bei BernardiBräu für die Höss Brau & Vertriebs GmbH. Laut eigener Angabe ist es damit ein Bier aus der höchsten Braustätte der Bundesrepublik. Eine ehemalige, zur Kleinbrauerei umgebaute Seilbahnstation dient dabei als Brau-Werkstatt, in der mit kleinen Mengen von 500 l pro Sud charaktervolle Biere entwickelt werde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weizenbock
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rettenberg/Kranzegg [Sulzberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: fruchtig-säuerlich, stark karamellig, etwas Lakritz, wenig würzig
Geschmack: voller Körper, leicht bitter, leicht alkoholaromatisch, karamellig, malzig, säuerliche Fehlaromen, matt, etwas dünner Abgang
Gesamt: Natürlich ist es etwas schade dieses Bier nicht schon viel früher getrunken zu haben. Meine Schwiegereltern mögen es mir bitte verzeihen. Aber irgendwie merkt man dem Bier eine gewisse „Entwicklung“ an. Vermutlich waren die malzigen Karamell-Aromen nicht so dominant und vermutlich war auch die parallele Säure-Note nicht derart vorhanden. Doch hier und heute mutet mir diese Sommerbier doch irgendwie etwas unsommerlich an. Zwar passend zum unentschlossenen April, aber für ein Bier der warmen Jahreszeit hätte ich mehr Frucht oder Hopfen erwartet und nicht eine solche Malzsüße. Unabhängig davon ist es aber unter Bedachtnahme des MHD durchaus gut trinkbar und für mich als Freund dunkler malzbetonter Biere nicht schlecht. Alles Für und Wieder macht in Zahlen dann 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.alms-beer.com/de/sommerwiese.html.

Prost & guten Abend! 🍻

334. Maisel’s Weisse [_]

Als erstes Bier nach dem diesjährigen Bierjubiläum habe ich etwas sehr interessantes für Euch ausgewählt. Denn vor bereits drei Wochen erhielt ich mal wieder überraschend Flaschenpost aus Bayreuth. Doch diesmal war das Paket etwas größer, denn darin befanden sich ein Weißbier-Glas, zwei Flaschen ohne Etikett und ein Brief. Darin erklärte mir Eva Ploß von Maisel’s Weisse, dass es sich hierbei um ein neues Weizenbock handelt, welcher auch noch keinen Namen hat. Auch auf ein Etikett haben sie bewusst verzichtet, damit mein Sinneseindruck vom neuesten Bier der großen Weißbierbrauerei durch nichts irritiert wird. Nur so viel wurde erklärt: Es handelt sich um ein traditionellen Weizenbock, der kaltgehopft wurde. Verteilt wurde es auch schon auf der diesjährigen Internorga – der Leitmesse für Gastronomie. Schließlich will Maisel mit diesem Bier wieder stärker im klassischen Weißbier-Segment wachsen, nachdem zwar im sog. Craftbier-Bereich die Verkaufszahlen stetig auf niedrigem Niveau steigen, aber die klassischen Bierstile seit Jahren rückläufig sind. Neben der Bitte um Rezension gab es auch den Wunsch sich einen Namen für das Bier zu überlegen. Für mich weniger spontanen und kreativen Menschen allerdings eine große Herausforderung, sollte der Name meiner Meinung nach doch Weißbier, Bock und Hopfen verbinden und auch kein „-ator“-Name sein. Vielleicht liegt aber hier in der Einfachheit und die Genialität. Schließlich will man die traditionelle Zielgruppe erreichen, die oftmals wenig mit extravaganten Namen etwas anfangen kann. Deshalb meinen doch recht schlichten Vorschlag:

Maisel’s Weisse Hopfen-Bock

Gerne könnt Ihr Euch aber auch an der Namensfindung beteiligen und mir Eure Vorschläge zukommen lassen.

Verkostet wird das Bier übrigens ausnahmsweise im Weißbier-Glas, da dies hierzu empfohlen wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weizenbock
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___-
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: spritzig, zitrus-hopfig, bananig-hefig, würzig, leicht malzig
Geschmack: vollmundig, sehr ausbalanciert, Mix aus Hefe, Würze, Bitterkeit, Fruchtigkeit, Gras & Karamell, feinperlig bis spritzig, leicht alkoholaromatisch, süß-würziger Abgang
Gesamt: Ein wirklich außergewöhnlich guter Weizenbock. An eine ähnliche Harmonie von Bananen-Hefe, Würzigkeit und anderen bittersüßen Aromen kann ich mich kaum bei anderen Bieren des Stils erinnern. Die Kalthopfung merkt man dem Bier glücklicherweise nicht allzu sehr an und doch setzt es nochmal ganz andere Akzente. Alles in allem ein gelungenes Experiment der Ideenschmiede der Maisel Braumeister, das hoffentlich den Weg in die Regale und zum Verbraucher finden wird. In Zahlen heißt das für mich 13 Pkt. (1-).

Prost & guten Abend! 🍻

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

332. Buddelship | Lervig Sauer´d Krauts

Einen Tag vor dem diesjährigen Bierjubiläum möchte ich ein wieder mal ganz besonderes Bier zur Sprache kommen lassen. In gemeinschaftlicher Arbeit haben die beiden Brauereien Buddelship aus Hamburg und Lervig Aktiebryggeri aus dem norwegischen Stavanger vor 2 Jahren ein spezielles Bier für das 500-jährige Reinheitsgebotsjubiläum produziert. Dabei sollte es – für die treue Leserschaft unter Euch – wenig verwunderlich sein, dass es ein Bier geworden ist, was eben genau nicht nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut ist. Doch selbst für mich ist die Zutatenliste doch rechtgewöhnungsbedürftig. So wurde, wie es der Name schon verrät, Sauerkraut mit eingebraut. Doch (zum Glück) kein gewöhnliches Sauerkraut, sondern Weißkohl in Ananas und Mango eingelegt. Daneben finden sich auch alle vier europäischen Hauptgetreide in der Übersicht, was mich als Unterstützer von alternativen Getreiden besonders freut. Last but not least fällt noch eine weitere Zutat ins Auge, die in dieser Form ebenfalls recht ungewöhnlich in der Bierherstellung ist: Der Lactobacillus. Dabei handelt es sich um ein Milchsäurebakterium, das bei der Gärung des Bieres Milchsäure produziert und somit neben dem fruchtigen Sauerkraut zur Versäuerung des Bieres beiträgt.

We are celebrating 500 years of Reinheitsgebot with this very unique sour ale. A collaboration with the good Germans from Buddelship, this „impure“ beer is full of oats, wheat, rye and barley, and was soured with fresh sauerkraut infused with mango and pineapple. It may not adibe by the German Purity Laws, but remember, reines bier gefährdet die gesundheit.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wild-Bier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Weißkohl, Ananas, Mango, Lactobacillus, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stavanger / Norwegen [Hamburg]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: säuerlich, fruchtig (nach Ananas & Mango), kohlig-gemüsig, hellmalzig, leicht Karamell, leicht grasig
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, sehr sauer, leicht bitter, etwas grasig, bitter-saurer Abgang
Gesamt: Wie erwartet in der Tat ein ziemlich saures Bier. Etwas, was vor allem vor zwei Jahren noch voll im Trend war. Ich selbst hatte letztes Jahr eine Phase, in der ich Sauerbiere sehr gerne getrunken habe. Derzeit allerdings darf es für mich gerne wieder etwas malziger sein. Deshalb kann ich diesem handwerklich gut gemachten Bier (bei dem mit die Farbe fast noch am besten gefällt) nur 11 Pkt. (2) geben. Nichtsdestotrotz ein gutes, wenn auch überzogenes Zeichen gegen die aktuelle Biergesetzgebung, für die das „Reinheitsgebot“ als Fassade herhält.

Weitere Infos zum Bier unter:  https://www.ratebeer.com/beer/buddelship-lervig-sauer%C2%B4d-krauts/371604/1/1/.

Prost & guten Abend! 🍻

331. 1. Bonner Brauschau

Noch etwas beschwippst möchte ich Euch heute von der 1. Bonner Brauschau erzählen. Organisiert vom Bonner Heimbrauer-Verein war es die erste derartige Brauschau im südlichen Niederrhein-Land. Zwar gibt es glücklicherweise immer mehr private Brauaktivitäten zwischen Eifel und Ruhr, doch hat man dies bislang noch etwas im Verborgenen getan. Umso erfreulicher die heutige 1. Bonner Brauschau im The 9th, die mit 20 Ausstellern aufwartete und selbst mich wieder mal völlig überrascht hat. Alleine die Anzahl an unterschiedlichen Bieren war überwältigend. Zudem gab es dabei auch eine enorme Vielfalt der Bierstile und Interpretationen. Da dem Hobbybrauen deutlich weniger Reglementierung auferlegt sind, konnten sich die Brauer hier auch endlich so richtig austoben. Herausgekommen sind knapp 40 Bierspezialitäten allerkreativster Art.

 

Mit am Start neben den gastgebenden Bonner Heimbrauern auch  Toms Hütte, die Braufreunde aus Münster, DROOD aus Gevelsberg und der Verein für den Erhalt & die Förderung Schwelmer Brautradition. Weitere prominente Vertreter aus der Region waren die Kölner Bierhistoriker, die ein spätmittelalterliches Grutbier aus Gagel mitgebracht hatte. Auch der Weltmeister der Biersommeliers Stephan Hilbrandt gab sich die Ehre und war mit einem Ingwer Wit und dem Torfbock dabei. Fritz Wülfing von Ale-Mania hingegen ließ seinen Nachwuchs auflaufen und zeigte, was seine Azubis so alles drauf haben. Er selbst ist als kommerzieller Brauer „nur“ Sponsor der Brauschau. So präsentierten Azubi Ben und Azubi-Azubi Holger – seines Zeichens „hauptberuflich“ eigentlich Blogger von We love Pubs – ein schmackhaftes Rhabarber-Saison-Bier.

Impressionen:

 

Bierfacts:

  • Dominiks Raspberry Vanilla Smoothie IPA:
    – 6,5%; obergärig
    – Himbeer-NEIPA-Experiment
    – süß, fruchtig, sauer, voller Körper, ölig
    https://www.facebook.com/bonnerheimbrauer/
  • Ben & Holgers Rhubarbarama:
    – 5%; obergärig
    – Saison mit Rhabarber gestopft
    – dezente Rhabarbernote, sauer, frisch
    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn
     https://www.welovepubs.de/
  • Roberts Lord Byron’s Bitter:
    – 4%; obergärig
    – klassisch englisches Bitter
    – trocken bitter, malzig, süß
    https://www.facebook.com/bonnerheimbrauer/
  • Verein für Erhalt & Förderung Schwelmer Brautradition Thokkis Dark Coconut:
    – 7,5%; untergärig
    – Bockbier mit Kokosnuss veredelt
    –  trocken, röstig, geringe Kokosaromen, leicht karamellig
    www.schwelmbräu.de
  • Barth Bräu Folköl:
    – 3,5%; obergärig
    – Low-Alc-Ale
    – spritzig, hopfig, grasig, erfrischend
  • Drood Dream of Peat & Oak:
    – 16,2°P; 6,5%; untergärig
    – Brown Ale auf Holzchips gereift
    – sehr holzig, leicht sauer, süß, würzig, Whiskey-ähnlich
    https://drood-beer.jimdo.com/
  • Schwenkenbecher Sprizzl Brizzl:
    – 5,2%; obergärig
    – Gose mit Hagebutte, Rhabarber, Koriander, Salz & Hibiskusblüten
    – dezent süß, fruchtig, mehr Hagebutte als Rhabarber
    https://www.braufreunde-muenster.de/tag/schwenkenbecher/
  • Stephans Torfbock:
    – 5,2%; untergärig
    – Peated-Bock auf Eichenholz gelagert
    – torfig, holzig, bockig
    – mein Platz 2
    http://biersommelier.hilbrandt.com/
  • Kölner Bierhistoriker Grutti-Frutti:
    – 4,7%; obergärig
    – Grutbier auf Basis eines belgischen Wit mit Gagel, Kamille & Nelke
    – lecker fruchtig, kräuterig, hell, vollmundig
    – mein Favorit
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • Kevin Kentucky Common:
    – 4,3%; obergärig
    – historisches Cream Ale aus den 1920ern
    – leicht, wenig Körper, malzsüß
    – mein schwächstes Bier
    https://www.facebook.com/bonnerheimbrauer/
  • Herr Hoffmann Dr. Knurps Frühstücksstout:
    – 6,2%; obergärig
    – Stout mit Kaffee & Kakao
    – lecker röstig, dunkelmalzig, karamellig
    – meine Bronzemedaille

Fazit:

Für mich, der gerade erst sein erstes Bier (Cerevisia M – am Montag mehr dazu) mit Hilfe von Ralf vom Braukunst Vorgebirge, der mich übrigens begleitet hatte, gebraut hat, war es toll zu sehen, wie lebendig offenbar die hiesige Hobbybrauszene ist. Dabei konnte die Qualität der Biere durchaus mit denen, die auch kommerziell verkauft werden, mithalten. Und auch in Sachen Vielfalt wurde natürlich einiges geboten, wie die Bierliste zeigt. Schön war es auch wieder mal den ein oder anderen bekannten Biernerd wiedergetroffen zu haben und sich ein wenig austauschen zu können. Auch, wenn vielleicht an der ein oder anderen organisatorischen oder präsentatorischen Komponente gefeilt werden könnte, war es wirklich ein sehr gelungener Tag in Bonn.

Vielen Dank in diesem Zuge deshalb an alle Beteiligte und die Gastgeber der Bonner Heimbrauer.

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/164034051069449/.

 

 

330. Back- & Brauhaus Brinker 500 Jahre Utopia

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Endspurt um die Feierlichkeiten des diesjährigen Bierjubiläums einläuten. Es ist gleichzeitig auch das letzte in meiner (meist leckeren) Bäckereibier-Reihe.

Clemens Brinker – offensichtlich nicht nur Brot- und Bierexperte – widmet das heutige Bier dem Roman Utopia (griechisch für ‚Nicht-Örtlichkeit‘) von Thomas Morus. Denn dieses ist – wie es der Zufall will – wie das heute sogenannte „Reinheitsgebot“ ebenfalls im Jahre 1516 zuerst (auf Betreiben von Erasmus von Rotterdam im belgischen Löwen) veröffentlich worden. In dem heute weltweit bekannten Werk beschreibt Morus eine ferne ideale Gesellschaft und begründet damit das Genre der Sozialutopie. In De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia – Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia (wie der volle Titel des Romans eigentlich lautet) wird das Leben in patriarchischen Familienverbänden geschildert. Überfamiliär ist das Leben eher klosterähnlich organisiert und von einem jährlich gewählten Phylarch geführt. Es gibt kein Privateigentum und somit auch kein Geldsystem. Dafür besteht Arbeitspflicht, wobei sich jeder Bürger nach der Pflichtschule sein Handwerk selbst aussuchen darf – lediglich eine regelmäßige Feldarbeit ist obligatorisch. Nur Straftätern oder anderen Verbrechern ist Zwangsarbeit vorbehalten. Zudem gibt es auch eine Art Krankenversicherung. In der säkularen Republik Utopia wird der regierende Senat auf Zeit gewählt, während das Staatsoberhaupt auf Lebenszeit vom Volk bestimmt wird, aber auch wieder abgesetzt werden kann. Etwas naiv wirkt nur die Lösung hinsichtlich variierender Bevölkerungsmengen. So solle Überbevölkerung durch Aussiedlung in Kolonien begegnet werden, woraus man sich bei Unterbevölkerung wieder bedienen könne. Alles in allen zwar in einigen Punkten zwar kaum mit dieser unserer Welt vereinbar, aber trotzdem doch sehr fortschrittlich. Im 16. Jahrhundert im westlichen Europa wohl noch revolutionär, wirken die Beschreibungen heute fast wie eine Zustandsbeschreibung unserer aktuellen Gesellschaft (sieht man mal von der heute als kommunistisch charakterisierten Themen Privateigentum oder Geldsystem ab). Ich selbst habe Utopia im Philosophie-Unterricht durchgenommen und weiß deshalb um dessen Bedeutung vor allem für die Sozialutopie.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/28/Insel_Utopia.png/800px-Insel_Utopia.png

Auch die heutige bierige Interpretation des Weltromans ist auf den Spuren des Thomas Morus unterwegs. So ist die Hommage kein Allerwelts-Bier, sondern mit Holunderbeeren, Kräutern und Gewürzen wohl ein typisches Kreativbier des damaligen Westeuropas. Im Gegensatz zum gestrigen ähnlich gebrauten Grutbier, enthält es aber diesmal keinen Hopfen. Ein einmaliges Bier für einmalige Ereignisse.

„500 Jahre Utopia – 500 Jahre Reinheitsgebot“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Holunderbeeren (getrocknet), Gewürze, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: süß-säuerlich fruchtig, kräuterig, dunkelmalzig, schokoladig
Geschmack: frisch, feinperlig, schlanker Körper, fruchtig, kräuterig, leicht trocken-bitterer Abgang
Gesamt: Wahrlich ein interessantes Bier. Auch wenn es geschmacklich für mein Befinden kein absoluter Volltreffer ist, ist es dennoch ziemlich einmalig. Sowohl Frucht als auch Kräuter sind hier im Vordergrund und werden spannenderweise von etwas Schokolade in der Nase begleitet. Sicher etwas Besonderes für ein besonderes Ereignis. In Zahlen bedeutet das 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

Blogbier, die XXVI. – Politica

Bei zwei politischen Treffen in den vergangen Wochen gab es neben viel Austausch und guten Vorträgen auch Bier:

Bierfacts:

329. Back- & Brauhaus Brinker Westfälisch Grut

Nach der gestrigen sauren Enttäuschung hoffe ich heute inständig auf Wiedergutmachung in meiner Bäckerei-Bier-Reihe vom Back- & Brauhaus Brinker aus dem Teutoburger Wald. In einer Frühausgabe des Bierjubiläums-Tastings gibt es heute ein wirklich interessantes Bier. Eines, dass vor allem in Westfalen – und Georgsmarienhütte gehört so gerade noch dazu – eine lange Tradition hat und sich als eine der der letzten Bastionen vor dem heute fast ausschließlich vorherrschenden Hopfenbieres bis ins 18. Jahrhundert hin hielt. Das heutige Bier enthält nämlich im Gegensatz zu wahrscheinlich 99,9% aller weltweit verkauften Biere kein Hopfen, sondern wird mit einer alten westeuropäischen Kräuternsammlung – dem sogenannten Grut – gewürzt. Bis ins 16. Jahrhundert hinein wurde damit noch vor Verbreitung des Hopfens mehrheitlich gewürzt. Im Gegensatz zum Hopfen musste hierbei aber stets höchste Vorsicht walten gelassen werden, da die Zusammensetzung und Dosis je nach Pflanze toxische Wirkung erzeugen konnte. Das war dann wahrscheinlich neben der aromatisch komplexeren Vielfalt der Hauptgrund für die Verdrängung durch den Hopfen. Im Laufe der Jahrhunderte verschwand mit dem Grut auch die Kenntnis über ihren richtigen Einsatz. Einigen wenigen Brauereien vorwiegend in den Niederlanden und in Westfalen ist es zu verdanken, dass es seit einigen Jahren (auch im Zuge der „Craftbeer-Welle“) wieder vermehr hopfenfreie Gru(i)tbiere gibt. Besonders prominentes Beispiel ist die Gruthaus-Brauerei in Münster – Stichwort: „Nicht nach, sondern vor dem Reinheitsgebot von 1516.“. Doch auch Bäckermeister und Gewürzspezialist Clemens Brinker hat sein ganzes Wissen in die Waagschale geworfen und seine Interpretaion eines Westfälischen Grutbieres entworfen. Dieses beinhaltet aber dem den alten Biergewürzen Scharfgarbe, Birke, Wacholderbeere und Esche ebenfalls auch den „modernen“ Hopfen. Etwas was es vor allem auch in der Transformationsphase häufig gab. Bleibt zu hoffen, dass es keine ähnlich Überraschung wie gestern gibt.

„Westfälisches Grut ist eine aromatische, fruchtige und würzige Bierspezialität nach uralter Tradition.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Scharfgarbe, Birke, Wacholderbeere, Esche, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12,5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr fruchtig-säuerlich, würzig, waldig, harzig
Geschmack: erfrischend, schlanker Körper, fruchtig, leicht säuerlich, waldig, kräuterig, spritzig, etwas süßlich, herb-würziger Abgang
Gesamt: Na das schmeckt doch gleich viel besser. Wirklich ein tolles Beispiel für ein gelungenes (gemischtes) Grutbier und somit auch die erhoffte Wiedergutmachung von gestern. Besonders die tollen fruchtig-sauren Aromen in Verbindung mit den waldigen Noten erzeugen selbst für mich noch völlig unbekannte Gaumenfreuden. Mit somit mehr als verdienten 13,5 Pkt (1(-)) kommt das Back- und Brauhaus heute also wieder voll in Bahn zurück.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

328. Back- & Brauhaus Brinker Spekulatius-Bier

Und weiter geht es mit meiner kleinen aber feinen Bäckerei-Bier-Reihe. Heute am Start: ein Spekulatius-Bier. Zwar ist es nicht mehr so ganz passend (das Bier wurde mir im Früh-Winter von Nils geschenkt), aber dennoch wert es heute endlich zu verkosten. Neben den klassischen (gerösteten) Malzen aus Gerste und Weizen wurde hier übrigens nur mit Gewürzen nachgeholfen. Dies ist insofern nachvollziehbar, da Clemens Brinker – seines Zeichens Kopf des Back- und Brauhauses – neben seinem Bäckermeister auch Gewürzspezialist ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gewürzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Gewürze, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________4
Fazit

Geruch: sehr säuerlich,  wenig würzig & waldig
Geschmack: mittelgroßer Körper, sehr sauer, wenig fruchtig, kein Malz, kein Hopfen, kein Gewürz, spritzig, dezenterer Abgang
Gesamt: Ok… Also das habe ich in nun über 2 Jahren Blogarbeit noch nicht erlebt. Entweder das Bier hat eine bemerkenswerte Entwicklung nach Überschreiten des MHD (28.02.) hingelegt oder es wurde schlicht falsch etikettiert. Ersteres ist bei handwerklich hergestellten Bieren in der Tat mit zu rechnen, sodass es „riskanter“ ist dieses (weit) übers MHD zu trinken. Allerdings folgt die dann stattfindende Reifung immer einem biochemischen Muster, das je nach Bierstil differiert. Hier allerdings muss eine Verwandlung von einem gerösteten Gewürzbier, dass eigentlich nach Spekulatius schmecken sollte, hinzu einem Sauerbier par excellence stattgefunden haben. Etwas was mit meinem Laienwissen kaum erklärbar ist. Deshalb muss ich wirklich eher letzteres vermuten und bin zumindest positiv überrascht ob der unerwarteten Blindprobe. Leider ist mir die Säure des Bieres selbst ohne die Erwartung eines Spekulatius-Bieres noch zu stark, sodass mir nichts anderes übrig bleibt als hier erstmals in diesem Jahr nur eine ausreichende Note zu vergeben: 4 Pkt. (4-). Sollte es sich später doch als Lagerhaltungsfehler meinerseits herausstellen, bin ich gerne bereit diese Bewertung nochmals zu revidieren.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

327. Back- & Brauhaus Brinker Pumpernickel Porter

Neue Woche, neues Bier, alte Brauerei. Weiter geht es also hier mit dem Back- und Brauhaus Brinker aus dem Teutoburger Wald. Nach dem vorgestrigen belgischen Dubbel folgen in dieser Woche zunächst drei Biere mit jeweils ganz besonderen Zutaten. den Anfang macht das Pumpernickel Porter. Zwar keine Erfindung des Back- und Brauhauses aber dennoch ein doch sehr selten gebrautes Bier. In Anlehnung an ein klassisches Schwarzbrot wird hier neben den klassischen Bierzutaten Gerstenmalz, Hopfen und Hefe auch versäuertes Roggenmalz eingesetzt. Ähnlich wie ein Sauerteig unterstütz dies die enzymatische Wirkung des Malzes und erzeugt damit eine brotigere Roggennote.

„Dieses Bier ist eine herzhafte obergärige Spezialität. Gebraut mit teilweise biologisch versäuertem Roggenmalz nach alter Bäckertradition.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz (tlw. biol. versäuert), Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr würzig & röstig, frisch, leicht süßlich(-karamellig)
Geschmack: vollmundig, großer Körper, brotig, würzig, leicht bitter & röstig, trocken, matt, weich, dunkelmalzig, bittersüßer Abgang
Gesamt: Also wer Schwarzbrot und Porter mag, wird dieses Bier lieben. Eine sehr gute Symbiose aus beiden Welten der Getreideprodukte. Für mich zwar einen Hauch zu röstmalzig und bitter, aber handwerklich sehr gut gemacht. Dafür gibt es gute 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

326. Schottische Biere – Bierverköstigung April

Rats Kölsch | Brewdog Punk IPA | Orkney Brewery Red MacGregor | Strathaven Craigmill Mild | Brouwerij Haacht Export Super 8

Letzten Montag war es ausnahmsweise mal (bedingt durch Ostern) wieder an einem zweiten Montag im Monat Zweit für den Biermontag in der Brühler Eule. Nachdem ich die März-Ausgabe mit Ale-Mania und Fritz Wülfing verpasst habe und auch leider bei der kommenden Verkostung im Mai mit dem Brauer vom Lechenicher Blue Cat nicht zugegen sein kann, hatte ich mich umso mehr auf dieses Tasting gefreut.

Thematisch ging es diesmal um das Bierland Schottland. Im Zeichen von 11 Jahren Brewdog ging es auf eine kleine Reise zur Britischen Insel. Neben der Vorstellung schottischer Biere, nahm uns Biersommelier Markus Weick auf mit auf seine eigene Reise durch Schottland im vergangenen Jahr. Dass er dabei noch mitten im Renovierungsstress ist, merkte man ihm kaum an.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Rats-Kölsch. Früher in der Privatbrauerei Metzmacher in Frechen gebraut, gehört es wie so viele andere Kölsch-Marken heute zum Haus der Kölschen Bierkultur und somit zur Radeberger-Gruppe. Mit etwa 50 Thl Jahresausstoß ist es eher eine kleinere Kölsch-Marke.

Persönlicher Eindruck:
viel süße Malzwürze, geringe-mittlere Hopfenbittere, schlank, feinperlig, leicht saure Fehlaromen, zu unbalanciert

Den Beginn der schottischen Biere machte das Craftbeer-Flaggschiff des Landes. Zwar erst vor 11 Jahren gegründet hat sich Brewdog zu einer mindestens europaweit bekannten Marke etabliert. Mit einer radikalen Marketing-Strategie, die vor wenig zurückschreckt und gänzlich neue Wege geht, hat man es binnen weniger Jahre zu einer festen Größe am Craftbeer-Markt gebracht. Dabei ist es weniger die Menge an gebrautem Bier, sondern vielmehr die Anzahl verschiedener Biere, die viele erstaunen lässt. Alleine im Jahre 2016 hat man es auf über 80 geschafft. Begünstigt wurde der Aufstieg Brewdogs auch von der weitaus vielfältigeren und kleinteiligeren Bierkultur der Briten. So trinkt der Brite zwar weniger Bier pro Kopf, dafür gibt es aber relativ mehr Brauereien als in Deutschland. Das erfolgreichste der Brewdog-Biere ist das Punk IPA, was es inzwischen praktisch in jedem größeren Pub auf der Insel gibt.

Persönlicher Eindruck:
– super fruchtig-hopfig, grasig, leicht malzig
– mild, weniger gehopft, frisch, fein, recht süffig, nicht bitter

Auf seiner Reise durch Schottland machte Markus auch bei einem der zahlreichen Bottledogs Halt. In den Flaschenverkaufsläden ergatterte er ein Hop-Shot – eine hochkonzentrierte Biervariante mit offiziell 20% Alkohol und über 200 IBU-Bittereinheiten.

Ähnlich wie in der England-Verkostung vor zwei Jahren, gab es an diesem Abend auch einen kleinen Exkurs nach Deutschland. Genauer gesagt sogar in die direkte Nachbarschaft zur Eule. Denn ich höchstpersönlich hatte die Ehre mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier Cerevisia M vorzustellen. Als Interpretation eines Düsseldorfer Alt hat es grundsätzlich viele Parallelen zu schottischen Bieren. So sind diese ebenfalls rubinrötlich, süßlicher, leichter gehopft und nicht so alkoholhaltig. Selbstverständlich ist das Cerevisia M als weltweit erstes Bier mit allen 7 Hauptgetreiden nicht direkt vergleichbar mit den klassischen schottischen Bierstilen. Nichtsdestotrotz kam es sehr gut an und das 5l-Fass wurde restlos ausgetrunken. Auch ein paar weitere Flaschen konnte ich noch an den Mann bringen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge, wo ich mit seiner Unterstützung das Bier brauen durfte.

Mehr zum Bier gibt es dann zum diesjährigen Tag des Deutschen Bieres und 502. Geburtstages des sog. Reinheitsgebots am 23. April.

Im Anschluss ging es wieder auf die Insel. Aber nicht auf die große britische, sondern auf die kleine Inselgruppe nördlich von Schottland. Mit dem Orkney Red MacGregor kamen wir in den Genuss eines der nördlichsten Biere Europas. 1988 gegründet kommt die eine von zwei Brauereien der Orkneys auf etwa 50 hl Jahresausstoß.

Persönlicher Eindruck:
– malzig, süß, kaum Karamell, waldig, harzig, würzig
– würzig, matt, leicht bitter, trocken, rot

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann wieder vom gefühlten Festland. Trotzdem ist aber die Brauerei noch jünger und kleiner. Das Craigmill Dark Mild ist ein Bierstil, der noch vor 50 Jahren in Schottland über 80% Marktanteil hat. Heute werden von diesem leichten und erfrischenden Bier kaum mehr als 5% verkauft.

Persönlicher Eindruck:
– dunkelmalzig, leicht röstig, süß, Kaffee
– Kaffee, schlank, bitter-röstig, mild

Gesamtfazit:
Meine persönliche (etwas beeinflusste) Gesamtwertung der April-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialität aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– malzig, grasig, süß
– feinperlig, trocken-süß, würzig

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei der Renovierung.
Mit dem Hinweis auf die übernächste Verkostung am 4. Juni, bei der ich ein paar leckere Biercocktails präsentieren werde, verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

325. Back- & Brauhaus Brinker Sans Souci

Passend zum neuen Motto ‚Brot & Bier‘ in der Brühler Eule freue ich mich sehr in den kommenden Tagen vorm diesjährigen Bierjubiläum fünf Biere des Back- und Brauhauses Brinker aus Georgmarienhütte präsentieren zu dürfen. Alle hat freundlicherweise Nils höchstpersönlich zu den noch seltenen Öffnungszeiten erstanden und mitgebracht.

Getreu dem Motto „Heute back ich, morgen brau ich“ verbindet Clemens Brinker dort seit wenigen Jahren die Brot- und Bierwelt miteinander. Als Bäckereitechniker und Gewürzspezialist begann er bereits in den 1990ern mit dem Hobbybrauen. Nachdem er sein damit erworbenes Wissen dann auch mehrere Jahre bei der VHS weitergab, entschloss er sich 2014 auch kommerziell sein eigenes Bier herzustellen. In seiner Bäckerei ließ er dafür passende Gerätschaften installieren und verknüpfte fortan beide Leidenschaften. Ähnlich wie Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nutzt er dabei die Vorteile beider Welten und erhöht somit die Produktvielfalt bei gleichzeitiger Verringerung von Abfallstoffen. So kommen auch Malze, Treber und Bierhefen in sein Brot, während Sauerteigkulturen, Gewürze und weitere Getreide als Gerste den Weg in sein Bier finden.

Grundsätzlich orientiert er sich dabei an eher historischeren Bierstilen, aber auch das heutige belgische Dubbel stehen auf dem Programm. So oder so leistet Brinker damit einen großen Beitrag zur Wiederbelebung der deutschen Brot- und Biervielfalt auf hoffentlich hohem qualitativem Niveau.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dubbel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  20°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, leicht röstig, Karamell, würzig, etwas schokoladig
Geschmack: vollmundig, großer Körper, würzig, leicht bitter, wenig röstig, Karamell-malzig, geringe Zartbitter-Aromen, matt, leicht öliger süßer Abgang
Gesamt: Also mit einer derartigen Qualität hätte ich nun aber doch nicht gerechnet. Da scheint jemand etwas von seinem Handwerk zu verstehen. Wirklich ein tolles Dubbel, das sogar meiner Meinung nach besser ist als so manche belgische Konkurrenz. Grandioses Beispiel für hochqualitatives (Back- und) Brauhandwerk. Deshalb verdiente 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

324. Samuel Smith Organic Cherry Fruit Beer

Bevor es hier in Kürze endlich zur Bäckerei-Bier-Reihe vom Brauhaus Brinker kommt, folgt heute Abend erst einmal ein weiteres Bier mit „besonderen“ Zutaten.

Es ist ein Bier, dass jedoch auch an die Grenzen meiner Akzeptanz für eine erweiterte Zutatenliste geht. Als Freund natürlicher Zutaten finde ich schon Hopfenextrakt überflüssig, hier jedoch sogar Kirschkonzentrat und -extrakt ins Bier zu geben, ist schon sehr abenteuerlich. Stellt sich die Frage, ob es nicht auch richtige Kirschen, Kirschsaft oder Püree getan hätten.

Zugutehalten muss man dem Bier zumindest die handwerkliche Herstellung. Gebraut wurde es von den Melbourn Bros. der historischen All-Saints-Brewery in Stamford während die Abfüllung Samuel Smith selbst übernahm – ihres Zeichens mit Gründungsdatum 1758 älteste Brauerei in North Yorkshire.

Zudem werden hier ausschließlich Rohstoffe ökologischer Zertifizierung eingesetzt. Mal schmecken, ob es also überzeugen kann…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fruchtbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kirschkonzentrat & -extrakt, Rohrzucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stamford/Tadcaster / England
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________[12]
  • Geschmack:__________________[13]
Fazit

Geruch: frisch, ganz klar dominant nach Sauerkirschen, etwas weiche grasige Malznoten
Geschmack: erfrischend, schlanker Körper, klar süß, etwas weinartig, unterschwellig malzig, weich, leicht bitterer Abgang
Gesamt: In der Tat bin ich wirklich positiv überrascht. Wirklich ein sehr leckeres Bier(-mischgetränk). Gut ausgewogen, sehr harmonisch und selbst als Befürworter „richtiger“ Biere nicht zu süß. Im Grunde würde dies zu einer hervorragenden Note resultieren, allerdings gibt es auch oben genannten Gründen einen kleinen Malus. Zudem ist es per Definition natürlich nicht mit den allermeisten anderen Bieren meiner Liste vergleichbar. Ich wage mich aber trotzdem mit 11 Pkt. (2) an eine Gesamtnote.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.samuelsmithsbrewery.co.uk/product/organic-cherry-fruit-beer/.

Prost & guten Abend! 🍻