225. Riedenburger Hirsebier

Zum Abschluss der Riedenburger Bierwoche gibt es nochmal ein wirklich ganz besonders interessantes Bier: Mein erstes Bier, das ausschließlich aus Hirsemalz gebraut wurde.

Hirse ist ein Sammelbegriff für etwa 10 Gattungen von Spelzgetreiden. Unterschieden werden diese vor allem in die beiden Hauptgruppen Sorghum und Millet. Mit dem niedrigsten Ertrag aber höchstem Fettanteil aller Getreidearten, kommt Hirse auf Platz 5 der weltweiten Anbaumengen. In Deutschland wurde die erste Nutzung des ursprünglich afrikanischen Getreides auf etwa 5.000 v.Chr. datiert und war im Altertum und Mittelalter zwischenzeitlich sogar wichtigstes Korn der Welt.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gehört Hirsebier-Brauen zu einer Jahrtausende alten Tradition: Je nach Region gibt es für das Bier unterschiedliche Hirsegattungen, Herstellungsverfahren und Bezeichnungen: Dolo aus Westafrika, Pombe aus Ostafrika, Merissa im Sudan oder Tella aus Äthiopien und Eritrea. Alkoholgehalt und Geschmack variieren jedoch teilweise sehr voneinander, so dass man diese Biere kaum unter einem Stil zusammenfassen kann. Sogar in Südwesteuropa gab es in der Geschichte einmal ein „Hirsebier“ namens Boza, welches heute aber auch mit weiteren anderen Getreiden gebraut wird.

Aufgrund seiner relativen Ertragsarmut geht der Anbau von Hirse bis heute stetig zurück. Die Verwendung in Lebensmittel für Gluten-unverträgliche Menschen hat in den letzten Jahren aber wieder zu einer vermehrten Nachfrage, vor allem außerhalb von Afrika gesorgt.

In meinem Vortrag zum Thema „Alternative Getreide“ in der Brühler Eule letzten Juni hatte ich bereits mein erstes Hirsebier überhaupt proBieren dürfe. Dort wurden jedoch noch Teile von Gerstenmalz verwendet. Wie ich dort auch schon erwähnte gibt es diverse Vor- und Nachteile bei der Verwendung von Getreiden außer Gerste und Weizen. So enthält Hirse zwar viele wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Eisen jedoch kaum das für den Brauvorgang notwendige Enzym Amylase. Dieses wird beim Maischen zur Umwandlung der Getreidestärke in Zucker benötigt. Interessanterweise behauptet Riedenburg für dieses Bier lediglich natürliche Zutaten verwendet zu haben, was für mich den Einsatz von chemischen Enzymen ausschließt.

In jedem Falle freue ich mich aber auf diese „besondere“ Bier und bin gespannt, ob es meine hohen Ansprüche an den „Geschmack“ erfüllen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hirsebier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Hirsemalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nah Ananas, Litschi & etwas Zitrone, ganz leicht auch malzig-süß
Geschmack: sehr erfrischend, schön fruchtig-süß, ebenso fruchtig süßer Abgang, ganz leicht sauer, grasige & blumige Noten
Gesamt: Was soll ich sagen? Nach einem optischen Eindruck von Flasche und Bier sowie dem Biergeruch hätte ich nicht mehr erwartet ein so gutes Bier trinken zu dürfen. Tatsächlich erinnert es mich an den Alzeyer Hirsetrunk, ist aber deutlich fruchtiger und spritziger. Aber auch hier ist eine klare Süße und blumig-grasige Note erkennbar. Insgesamt leider aufgrund von Optik und Olfaktorik „nur“ 11 Pkt. (2), jedoch (fast) uneingeschränkt empfehlenswert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/glutenfreies-hirsebier.html.

Prost!

224. Riedenburger 5-Korn Urbier

Vorgestern Emmer, gestern Einkorn und heute? Richtig, Dinkel! Zur Komplettierung des Urkorn-Trios gibt es gleich alle drei sowie Gerste und Weizen zusammen in einem Bier.

Dinkel ist die jüngste Urgetreideart und hat sich aus dem Emmer und Wildgräsern entwickelt. Ungefähr auf das 6. Jahrtausend vor Christi werden die ersten Dinkel-Funde datiert. Auch sie stammen noch aus dem vorderasiatischen Raum und breiteten sich im Laufe der Zeit in ganz Europa aus. Doch auch dem Dinkel erlangte das gleiche Schicksal wie seinen Verwandten Einkorn und Emmer: Infolge der Industrialisierung steigenden Bevölkerungsentwicklung wurde es nach und nach von ertragsreicheren Weizensorten verdrängt.  Während jedoch Einkorn und Emmer bis dato noch ein Nischendasein fristen, konnte sich die Dinkelproduktion wieder auf ein relativ hohes Niveau erholen und ist heute das meist angebaute Urgetreide. Im Gegensatz zum Weizen wird Dinkel jedoch nur als Wintergetreide angebaut.

Neben dem reifen Dinkel wird übrigens oft auch das unreife Korn – Grünkern genannt – u.a. zur Herstellung von Eintöpfen verwendet. Zudem findet Dinkel auch im Getreide- oder Malzkaffee immer häufiger Verwendung. Aufgrund der historischen und biologischen Bedeutung gibt es eine relativ große überdauerte Dinkelbier-Brau-Tradition. Auch wenn ich es nicht als eigenen Bierstil definieren würde, gibt es zahlreiche (meist südliche) Brauereien, die analog zum Weizenbier ein Dinkelbier brauen. Das 1866 gegründete Riedenburger Brauhaus verwendet für ihre Dinkelbiere übrigens die Sorte Oberkulmer Rotkorn – eine ungekreutzte Urform des Dinkel aus der Schweiz.

Die „große“ Hildegard von Bingen (heute würde man sie als Bierenthusiastin beschreiben) charakterisierte das Urkorn in ihrem Buch Heilkraft der Natur ›Physica‹ so:

„Der Dinkel ist das beste Getreide, und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem der ihn ißt, rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Historisches Urkornbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Einkorn-, Emmer- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2000

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr malzig & würzig, frisch, grasig, leicht erdig
Geschmack: weich, mild, klar malzig & würzig, ganz leicht angeröstet, leicht süßlicher Abgang, geringe Noten von Hefe
Gesamt: Auch das dritte Urkorn-Bier überzeugt mich voll und ganz. Zwar sind Bierstil-bedingt (irgendwas zwischen Alt und Dunkel) keine außergewöhnlichen Überraschungen im Sinne eines enormen Notenausschlags zu verzeichnen, allerdings stellt sich mir nach diesen Bieren ernsthaft die Frage, warum noch jemand auf „normale“ Gersten- & Weizenbiere zurückgreift, wenn er mit Urkörnern eine deutlich bessere und ausdrucksstärkere Qualität haben kann. Deshalb erneut fast sehr gute 12,5 Pkt (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/5-korn-urbier.html.

Prost!

223. Riedenburger Einkorn-Edelbier

Nach Emmer folgt Einkorn. Wie gestern schon erwähnt braut das Riedenburger Brauhaus als eine von ganz wenigen Brauereien in Deutschland diverse Urgetreidebiere. Eines davon ist das Einkorn-Edelbier, welches neben Gersten- auch mit einem hohen Anteil von Einkornmalz gebraut ist.

Einkorn gilt als das erste Getreide der Welt, welches außerhalb von Amerika (Mais), Afrika (Hirse) und Asien (Reis) entstanden ist. Bereits vor etwa 10.000 Jahren soll es erstmals in der Mittelmeer-Region und Mesopotamien domestiziert worden sein. Aus dem ursprünglichen Einkorn entstand mit der Zeit Emmer, Dinkel und das heutige Weizen. Im Vergleich zu diesem ist Einkorn aber deutlich anspruchsloser und resistenter gegen viele Schädlinge wie Wurzelfäule oder Korn-Pilze. Zudem kann es sich besser gegen Ackerunkräuter durchsetzen und kann mit folgenden positiven Eigenschaften aufwarten:

„Durch den hohen Anteil an Carotinoiden, Mineralstoffen und essentiellen Aminosäuren gilt Einkorn als besonders wertvoll und von edlem Geschmack. Bei Bier und Gebäck entsteht eine ungewöhnlich milde, elegante, an Vanille erinnernde Geschmacksnote.“

Dass Einkorn in der heutigen Landwirtschaft kaum noch eine Rolle spielt liegt jedoch an seinem Ertrag. Gegenüber moderner Weizen-Saat kann Einkorn kaum wirtschaftlich angebaut werden, hat sich inzwischen aber wieder eine (Bio-)Nische erarbeitet. Es sind u.a. Brauereien wie die aus Riedenburg, die dem Urkorn wieder Leben eingehaucht haben und uns so wieder unsere eigene Geschichte und Werte zurückholen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Historisches Urkornbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gersten- & Einkornmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2000

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: malzig, frisch, zurückhaltend, leichte Würze
Geschmack: sehr mild, weich, Vanille-Aroma, etwas würzig, süffig, etwas getreidig
Gesamt: Wer mal ein richtig gutes (naturtrübes) Helles trinken will, sollte hier zuschlagen. Zwar auch kein Überflieger in Sachen Kreativität, aber die versprochene Milde und Süße des Einkorn wirkt enorm lecker. Zudem bringt das Korn eine tolle Harmonie in das Bier, welches ich bisher sonst nur von Frischhopfen kannte. Also auch hier wieder völlig verdiente 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/einkorn-edelbier.html.

Prost!

222. Riedenburger Historisches Emmerbier

Nun ist es also so weit: Der Höhepunkt meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ beginnt mit dem heutigen historischen Emmerbier des Riedenburger Brauhauses.

Emmer gehört zu den ältesten Getreiden der Erdgeschichte. Es ist eine Kreuzung von Einkorn – dem ältesten bekannten Urgetreide – und Wildgras. Das auch „Zweikorn“ genannte Süßgras hat seinen Ursprung vor 8.000 v.Chr. in Mesopotamien und Ägypten. Bis ins Mittelalter waren Emmer und Einkorn (wie auch Dinkel) wichtige Getreide für Brei, Brot und Bier. Doch bereits in der Bronzezeit um 1.000 v.Chr. gingen Anbau und Bedeutung zurück, da mit Gerste, Roggen, Hafer und Weizen immer ertragreichere Arten entdeckt und entwickelt wurden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrhunderten wurden die Urgetreide dann vollständig verdrängt. Die letzte landwirtschaftliche Nutzung von Emmer wird auf die 1930er-Jahre datiert. Erst vor etwa 20 Jahren begann man sich auf die „alten“ Qualitäten“ des Urgetreide zu besinnen und begann erneut (im kleinen Maßstab) diese historischen Art anzubauen. Aufgrund seiner grundsätzlichen Anspruchslosigkeit und Resistenz gegenüber vielen Krankheiten eignet sich der Emmer vor allem in der ökologischen Landwirtschaft und erhöht dort die lokale Biodiversität. Doch auch aus weniger „romantischen“ Gründen ist der Emmer von Vorteil: Im Vergleich zum heutigen „Industrie-„Weizen wartet er mit mehr Eiweiß, Magnesium sowie Eisen auf und hat durch einen erhöhten Anteil von Aminosäuren positiven Einfluss auf den Nervenstoffwechsel.

Kurzum: „Es ist das Getreide der Bibel und der Römer und ernährte die Menschen als Grundnahrungsmittel über viele Jahrhunderte. „

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Historisches Urkornbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Emmer- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2000

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr würzig, nussig, grasig, leicht röstmalzig, trotzdem frisch
Geschmack: vielschichtig, sehr süffig & mild, würzig, ganz leicht röstig, malzig, getreidig, dezente Frucht-Süße, samt-weich, matte Spritzigkeit
Gesamt: Wie versprochen ein wirklich vielseitiges und hochqualitatives Bier. Eine derartige milde Würzigkeit habe ich bis dato noch nicht so komplex geschmeckt. Fast wirkt das Bier etwas fad in Zeiten von extremer Röstung oder Hopfung in aktuellen Craft-Bieren. Aber gerade deshalb finde ich es eine absolut empfehlenswerte Alternative zum Feierabend- oder Kneipen-Standard-Bier. Bierstil-technisch würde ich es in der Nähe des fränkischen Dunkel rücken, wobei es deutlich milder und weicher ist. Kurzum: Genau mein Geschmack – und deshalb hochverdiente 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/?id=80.

Prost!

Craftbeer Corner Coeln, die III.

Veedels Weizen | Veedels IPA | Victory Brewing Sour Monkey | Freigeist+BrauArt Apricot Fest | Freigeist Monarchy Methusalem | Against the Grain Muy Fuerte | Lervig Zipper | Bevog Rudeen | Brewski Conan | Stigbergets Children Village | Bevog Ond | Kompaan 39 Bloedbroeder | Freigeist Prussian Imperial Stout | Great Divide Brewing Yeti | Braustelle White Cardigan W | AndUnion Steph Weiss | Tilmans das Helle | Nøgne Ø #100 | Kloster Andechs Weißbier | De Molen Tsarina Esra | La Trappe Quadrupel

 

 

 

 

 

 

 

Letztes Wochenende war es (endlich) wieder soweit: C³-Time. Nach dem privaten Tasting am Vorabend mit meinem alten Studienkollegen David, reiste am Samstag erneut Nils aus Osnabrück an, um dann gemeinsam ins Craft-Bier-Zentrum Kölns zu fahren. Seit meinem letzten Besuch sind zwei neue Hausbiere (das Weizen und das IPA) hinzugekommen, die ich natürlich proBieren musste. Außerdem war die Taplist darüber hinaus auch sehr interessant und ausgewogen bestückt. Grund genug also für unser Trio uns (erneut) durch die weite Welt der Kreativbiere zu trinken. Hier also meine Impressionen aus dem Herzen der Biervielfalt in Kölle.

Bierfacts:

  •  Veedels Weizen:
    – obergärig; 5%
    – fruchtig frisches Hausweizen der CCC mit Yellow-Sub-Hopfen
    – gebraut durch Freigeist in Stolberg
  • Veedels IPA:
    – obergärig; 5,5%
    – blumig-frische Haus-IPA der CCC mit den Hopfensorten Nelson Sauvin, Apollo & Bravo
    – saisonal wechselnde Interpretation dieses Stils am Hahn 3
    – gebraut durch Freigeist in Stolberg
  • Victory Brewing Sour Monkey:
    – obergärig; 5,5%
    – Sour Tripel der 1996 gegründeten in Downingtown / Pennsylvania (USA) beheimateten Victory Brewing Company
    – geschmacklich besser als geruchlich
    http://www.victorybeer.com/beers/sour-monkey/
  • Freigeist+BrauArt Apricot Fest:
    – obergärig, 6%
    – diesjährige Collaboration Gose von Freigeist Bierkultur & BrauArt Sausenheim in Grünstadt in der Pfalz
    – gut fruchtig, aber zu sauer
    https://www.ratebeer.com/beer/brauart–freigeist-apricot-fest/499886/1/3/
  • Freigeist Monarchy Methusalem:
    – obergärig; 10%
    – Reaktivierung eines fast vergessenen Bierstils: Das Dortmunder Adambier – ein starkes saures Altbier
    – in Stolberg bei Vormann gebraut
    – neben der sauren auch eine schöne röstige & fruchtige Note
    https://www.ratebeer.com/beer/the-monarchy-methusalem/212801/
  • Against the Grain Muy Fuerte:
    – obergärig; 6,8%
    – belgisches Rauchbier aus Louisville / Kentucky (USA)
    – unangenehmer Geruch, leicht fruchtig, aber nicht der Knaller
    http://www.atgbrewery.com/Menu/Beer/2/Smoke/2/Muy-Fuerte/592
  • Lervig Zipper:
    – obergärig; 5,6%
    – American Pale Ale aus dem Hause Lervig (Stavanger, Norwegen) in Koorperation mit Stigbergets (Göteborg, Schweden)
    – auch als Einstiegsbier gut geeignet
    http://lervig.no/en/brewery/#beer
  • Bevog Rudeen:
    – obergärig; 7,4%
    – Black IPA aus Bad Radkersburg in Österreich
    – recht rauchtig mit fruchtigem Geruch
    https://bevog.at/beer/monster-line/rudeen/
  • Brewski Conan:
    – obergärig; 8%
    – Double IPA aus der 2014 gegründeten schwedischen Brauerei in Helsingborg
    – wenig fruchtig, recht grasig
    http://brewski.se/
  • Stigbergets Children Village:
    – obergärig; 11%
    – Imperial IPA aus Göteborg / Schweden (Brauereigründung 2012)
    – sehr lecker & stark fruchtig
    http://www.stigbergetsbryggeri.se/
  • Bevog Ond:
    – obergärig; 6,3%
    – österreichisches Rauch-Porter
    – harmonisch rauchig
    https://bevog.at/beer/monster-line/ond/
  • Kompaan 39 Bloedbroeder:
    – obergärig; 10%
    – Rum-Barrel-Aged Russian Imperial Stout aus der 2016 in Den Haag (Niederlande) gegründeten Brauerei Kompaan
    – starker toller Rumgeruch, im Geschmack dezenter aber gut
    http://kompaanbier.nl/beer
  • Freigeist Prussian Imperial Stout:
    – obergärig; 8%
    – Imperial Stout von Sebastian Sauer aus Stolberg nahe Aachen
    – malzig, sauer & Bitter
    https://www.ratebeer.com/beer/freigeist-prussian-imperial-stout/487243/
  • Great Divide Brewing Yeti:
    – obergärig; 9,5%
    – Imperial Stout aus der 1994 in Denver / Colorado (USA) gegründeten Craftbeer-Brewery
    – auf Preiselbeeren gelagert
    – sehr schön geschmeidig & malzig-süß
    https://greatdivide.com/beers/yeti-imperial-stout/

  • Braustelle White Cardigan W:
    – obergärig; 6,8
    – Weizenbock im Whisky-Fass gelagert
    – von Kölns kleinster aber vielfältigster Brauerei in Ehrenfeld
    – recht sauer, leicht ölig, aber lecker
    http://www.braustelle.com/homeneuigkeiten.html
  • AndUnion Steph Weiss:
    – obergärig; 5%
    – Weißbier der seit 2007 in München ansässigen Brauunternehmer, die in Kooperation mit kleinen traditionellen Brauereien arbeiten
    – „MODERNIST BAVARIAN CRAFT BEER“
    – würzig-süße Banane, harmonisch-weich
    http://www.andunion.com/de/product/steph-weiss/
  • Tilmans das Helle:
    – untergärig; 5,1%, 12.3°P
    – vom am Tag des deutschen Bieres 2014 gegründeten Münchner Brauunternehmen in der Brauerei Gut Forsting im Landkreis Rosenheim gebraut
    – schön malzig-süß & erfrischend
    http://www.tilmansbiere.de/

  • Nøgne Ø #100:
    – obergärig; 10%; 22.5°P
    – Barley Wine aus der 2002 in Grimstad / Norwegen gegründeten „nackten-Insel-Brauerei“
    – 2004 zur 100-Jahr-Feier der Auflösung der Personalunion von Norwegen & Schweden auf den Markt gebracht
    – absolut top, malzig-süß, röstig & Getreide im Abgang
    – als erste & einzige Brauerei produziert Nøgne auch Sake
    https://www.nogne-o.com/our-beers/
  • Kloster Andechs Weißbier:
    – obergärig; 5,5%
    – 1993 von der oberbayrischen Klosterbrauerei eingeführt
    – größte von nur noch wenigen authentischen Klosterbrauereien, die eine existierende Ordensgemeinschaft konzernunabhängig führt
    – gehört zu den Benediktinern von St. Bonifaz in München & Andechs
    – fruchtig, süß, würzig & frisch
    http://andechs.de/die-klosterbrauerei/unsere-biersorten/weissbier-hell/

  • De Molen Tsarina Esra:
    – obergärig; 10,1%; 23.4°P
    – Imperial Porter von der 2004 in Boidegraven / Niederlande am Oude Rijn gegründeten Brauerei
    – bis 2041 „haltbar“
    – noch harmonischer & weicher als das #100
    http://brouwerijdemolen.nl/beers

Fazit:

Auch nach meinem dritten Besuch hat die Faszination CCC noch nicht viel Glanz verloren. Sicher muss man hier bei vielen Bieren etwas tiefer in die Tasche greifen, aber dafür ist sowohl Auswahl als auch Qualität der Biere  in der westlichen Millionenstadt aber auch darüber hinaus absolut unschlagbar. Das regelmäßig wechselnde Fassbierangebot sorgt für immerwährende Kurzweile, wobei es beachtlich ist mit welcher Sorgfalt die jeweiligen Biere ausgewählt werden. Schließlich findet hier jeder ein (sehr gutes) Bier nach seinem Geschmack und erhält zudem auch noch fachkundige Informationen und Beratung.

Auf dem Weg nach Hause sind wir dann noch auf einen Absacker im Brühler Seasons eingekehrt:

Es war also auch diesmal wieder ein herrlicher Bierabend. Und wenn Ihr auch mal Biervielfalt live erleben wollt, kann ich euch das CCC erneut wärmstens ans Bierherz legen.

Weitere Informationen zur CCC unter: http://www.craftbeercorner.de

Blogbier, die XVII.

Letztes Wochenende hat mich mein alter Studienkollege David besucht und mit mir folgende Biere verköstigt:

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an David für den schönen (Bier-)Besuch. Mit Freunden trinkt man eben gerne ein gutes Bier.

221. Uiltje Rice Rice Baby

Bevor es hier nächste Woche mit den Höhepunkten meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ aus Riedenburg weitergeht gibt es heute noch ein ganz spannendes Reisbier.

Gebraut von der 2012 im niederländischen Haarlem gegründeten Uiltje-Brauerei, wird diesem Imperial oder Double IPA 20% Reis zugesetzt. Dabei ist es eines von aktuell knapp 20 entwickelten Bieren – historisch sind es trotz des so jungen Daseins bereits über 175! Dabei wird immer mal wieder auch gerne mit befreundeten Brauereien zusammengearbeitet – stets aber dem Motto:

„Our mission is pretty much monomaniacal: to brew f*cking good beer. We call it craft-y beer because the owl’s got a sharp, uncompromised tongue and a penchant for mischief.“

Vor 2 Jahren konnte dann auch die eigene Braustätte mitsamt Taproom in Haarlem eröffnet werden. Zudem existiert noch eine Uiltje-Bar in Haarlem, in der ganze 30 Fassbiere angeboten werden. Übrigens: Uiltje heißt auf Deutsch kleine Eule.

Darf ich also gespannt sein, wie mein zweites Bierjubiläum-Reisbier überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Haarlem / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: klar hopfig-fruchtig-frisch, Maracuja-, Mango- & Ananasaromen, grasig, leicht malzig
Geschmack: würzig-nussig, voller Körper, leicht ölig, aber nicht schwer, leicht bitter, nur wenig alkoholaromatisch, leicht karamellig, relativ spritzig, ölig-trockener Abgang
Gesamt: Auch das letzte Bier der Woche ist außergewöhnlich gut. Vor allem die nussige Würze in Verbindung mit der ölig-trockenen Basis sind sehr interessant. Spannend auch: Geruch und Geschmack stehen sich eigentlich diametral gegenüber. Ist es in der Nase noch hopfig-fruchtig, kommt auf der Zunge klar das Malz und der Reis durch. So viel Neues hat sich dann auch gute 12 Pkt. (2+) verdient. Auch wenn das Comic-Design der Etiketten ziemlich gewöhnungsbedürftig ist.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.uiltjecraftbeer.com/brewery-our-mission/.

Prost!

220. Einstök Icelandic Toasted Porter

Als ausgleichende Gerechtigkeit zum gestrigen Tee-Bier gibt es heute wieder mal ein Kaffee-Bier. Während mit Tee weitaus seltener experimentiert wird, durfte ich alleine im Rahmen des Bierjubiläums schon diverse Biere mit Kaffee verkosten. Dabei handelte es sich ausnahmslos um Porters oder Stouts. So ist auch das heutige ein Porter – zugleich das zweite isländische Einstök-Bier binnen einer Woche für mich. Mit Verweis auf das Wee Heavy gehe ich deshalb an dieser Stelle nicht weiter auf die tolle Brauerei des Nordens ein. Es sei nur so viel geschrieben: Die Erwartungen an das heutige Bier sind höher denn je. Schließlich schnitten einerseits alle bisherigen Einstök-Biere hervorragend ab. Andererseits hatte ich den jüngeren Vergangenheit durchaus die ein oder andere Enttäuschung in Sachen Kaffee als Extra-Zutat. Oftmals wirkt dieser eher verwässernd und lässt das Bier dann tatsächlich nach kaltem Kaffee schmecken. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel, so konnte mich beispielsweise das Milk Stout von Mikkeller sehr überzeugen.

Da das Toasted Porter neben der Verwendung von Kaffee auch Schoko-Malz einsetzt darf ich mit berechtigte Hoffnung machen, dass das Bier die Serie der positiven Bewertungen nicht abreißen lässt. Zudem kann es mit drei internationalen Auszeichnungen aufwarten:

  • Gold bei der Los Angeles International Beer Competition 2015
  • Silber beim Meiningers International Craft Beer Award 2015
  • sowie ebenfalls Silber bei der International Beer Challenge London 2014

Bevor es nun also zu spät wird und ich nicht mehr schlafen kann, mal ran ans Werk…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kaffee, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Akureyri / Island
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: frisch, röstig, dunkelmalzig, leichte Spuren von Zartbitter & Kaffee
Geschmack: süffiger als gedacht & doch auch ein wenig ölig, tatsächlich gute Harmonie von Kaffee & Schokolade, süß-malzig &  schön röstiger Abgang
Gesamt: Es ist wahrlich beeindruckend mit welch scheinbarer Leichtigkeit die Isländer immer wieder derart hochqualitative Biere kreieren. Eine solch exakte Harmonie von Röstung und Kaffeebeigabe ist wirklich bemerkenswert. Sicher muss man den Themen Porter und Kaffee grundsätzlich aufgeschlossen sein, aber für meinen Geschmack ist das Bier erstklassig. Leider schrammt es mit 13,5 Pkt (1(-)) denkbar knapp an der Jahresbestwertung vorbei, nimmt aber einen bisherigen würdigen Rang 3 ein.

Weitere Infos zum Bier unter: http://einstokbeer.com/our-ales/icelandic-toasted-porter/.

Prost!

219. Next Level Five O’Clock – Earl Grey IPA

Heute darf ich endlich eines der interessantesten Biere meines Fundus proBieren. Mein erstes Teebier. Genauer gesagt handelt es sich um ein IPA mit Zusätzen von Earl-Grey-Tee. Es kommt von der erst im November 15 in Wien gegründeten Braugemeinschaft Next Level Brewing. Diese besitz zwar keine eigene große Brauerei, kann aber bei „guten Freunden“ in die Produktion gehen. Zunächst werden hierfür aber im 20l-Maßstab selbst Rezepte so weit entwickelt, bis sie das „next level“ erreicht haben. Im Gegensatz zu vielen anderen „Brauereien“ halten sie mit diesem Umstand aber nicht hinter dem Berg, sondern weisen es transparent auf jedem Etikett aus. Das heutige Bier wurde zum Beispiel in der Privatbrauerei Loncium aus Kärnten gebraut.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen möchten sich die Wiener auch eher ungern als Craft-Brewer bezeichnen. Schließlich sei dieser Begriff kaum definierbar und oftmals auch schon von Großbrauereien missbraucht worden. Vielmehr verstehen sie unter dem Begriff Craftbeer ein Mindset, das mit dem Ziel verbunden ist hochqualitatives, außergewöhnliches und geschmackvolles Bier herzustellen. Nur am Codex Alimentarius Austriacus (dem österreichischen Lebensmittelgesetz) gebunden wollen sie Freiheit und Unabhängikeit verkörpern und symbolisieren dies mit dem Kraken im Firmen-Emblem.

„Craft is dead, long live Indie Beer!“

Als selbst bezeichnete Indie-Brauerei betonen sie außerdem glücklicherweise nicht an das deutsche Reinheitsgebot gebunden zu sein, welches ihre Kreativität nur einschränken würde:

„Als österreichische Brauerei sind wir nicht durch das deutsche Reinheitsgebot eingeschränkt. Das erlaubt uns über den Tellerrand hinauszublicken und kreativere Biere zu brauen. Für unsere Meisterwerke lassen wir uns vielseitig inspirieren. Verwendet werden allerdings ausschließlich natürliche Zutaten. Wenn wir spannende Aromatik durch Früchte, Tee, Kaffee, Blüten oder Gewürze ins Bier holen, so setzen wir niemals Extrakte oder Konzentrate ein. Wir befürworten ein Natürlichkeitsgebot!“

Für mich absolut nachvollziehbar und unterstützenswert, für die meisten Biertrinker jedoch wohl oftmals immer noch ein Affront gegen die gute alte „Bierkultur“. Doch der Erfolg scheint den jungen Brauern Recht zu geben. Denn bereits im ersten Jahr konnte man sowohl Platin beim Meininger Craftbeer Award erringen, als auch best new Austrian Brewer bei ratebeer.com werden. Nun kann das verschiedenste Gründe haben, die auch nicht unbedingt ausschließlich mit der Qualität der Next-Level-Biere zu tun haben könnte, aber es ist zumindest ein großes Ausrufezeichen. Und vielleicht wird ja auch demnächst mal in eine eigene Brauerei investiert.

Das Fünf-Uhr-IPA ist dabei ein klassisches Beispiel von Natürlichkeit außerhalb des Reinheitsgebots. Mit der Kombination aus Tee und britischem Hopfen möchte man eine Hommage an die britische Genusskultur senden:

„Inspiriert durch britische Kultur haben wir Earl Grey Tee mit britischen Hopfensorten in einem India Pale Ale verheiratet. Earl Grey hat wie IPA eine Geschichte in der Seefahrt. Auf See vermischte sich im Laderaum Bergamotteöl mit Schwarztee. Das Ergebnis war vorzüglich. Die Bergamottearomatik, ergänzt um klassischen britischen Hopfen mit seinen würzig, orangigen Noten ergibt eine traumhafte Kombination im Bier. Die Schwarzteebittere ergänzt die Hopfenbittere zu einem sehr trockenen Finish.“

Und auch dieses Bier konnte sofort nach Einführung im letzten Jahr den sog. STAATSMEISTER-Titel in der Kategorie IPA bei der Austrian Beer Challenge erringen. Es lasten nun also enorme Erwartungen auf die mir vorliegende Flasche.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Earl-Grey-Tee, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  14.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wien [Kötschach-Mauthen] / Österreich
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: süß-sauer-fruchtig nach Blutorange & Grapefruit, leicht dumpf-süß malzig nach Karamell, frisch & spritzig
Geschmack: würzig, sowohl fruchtig-hopfig als auch leicht malzig-grasig, kaum Bittere, weich, sehr ausbalanciert trotz vielen Geschmackseindrücken, leicht sauer, Noten von Schwarztee klar erkennbar, erfrischend, im Antrunk noch vollmundig wird es immer süffiger
Gesamt: INTERESSANT! Ein Bier wie ich es noch nicht erlebt habe. Selbst als Laie wird man gerade zu überrannt mit Geschmackseindrücken. Man hat das Gefühl es gibt von allem etwas. Fruchtig, süß, sauer, malzig, grasig, würzig, bitte gepaart mit einer unverkennbaren Note von Schwarztee. UND GUT! Auch wenn es nicht ganz meinen optimalen Geschmack trifft, merkt man dem Bier definitiv seine Botschaft und Qualität an. Das Bier ist ein einziges Alleinstellungsmerkmal und in vielerlei Hinsicht höchst empfehlenswert. Deshalb auch von mir starke 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.nextlevelbrewing.at/portfolios/five-o-clock-earl-grey-ipa/.

Prost!

218. Kees Double Rye IPA

Nach einem schönen aber wie immer auch recht anstrengenden Familien-Wochenende gönne ich mir heute Abend ein Roggen-IPA. Genauer gesagt ein Doppel-Roggen Imperial IPA. Ausgewählt im Rahmen meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ ist es in vielerlei Hinsicht spannend. Zum Einen ist es das erste Bier der noch relativ jungen niederländischen Craft-Brauerei Kees, zum Anderen ist es auch mein erstes Imperial IPA mit Roggen. Außerdem kommt es aus Middelburg in Zeeland – der Urlaubsregion meiner früheren Jahre.

Nachdem der heutige Braumeister im Rahmen des Studiums 1996 mit dem Heimbrauen in Berührung kam packte ihn derart die Faszination für Biere außerhalb des Mainstreams, dass es bis 2007 schaffte Meister-Brauer in der Emelisse Kamperland-Brauerei zu werden. Weitere sieben Jahre und viele Brauerfahrungen später, wagte er den Schritt in eine eigene Brauerei.

„All our beers are crafted with a passion for brewing and to delight our discerning beer-loving customers.“

Inzwischen ist das Kees in gut sortierten Getränkemärkten fast schon zum Teil des Standard-Sortiments geworden, sodass es Zeit wird endlich auch mal was vom leidenschaftlich gebrauten Bier zu probieren. Das Roggen-IPA verspricht derweil folgenden Steckbrief:

„With a spicy, earthy and dry character!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Middelburg / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: lecker grasig, fruchtig, hopfig, leicht bitter, trocken, karamell-malzig, spriztig
Geschmack: erstaunlich süffig und klar, trocken-bitter, karamell-malzig, Noten von Gras und Frucht, trotzdem auch ein wenig ölig im Abgang, Alkoholaroma gerade so nicht störend, sondern interessant
Gesamt: Wahrlich ein hervorragendes Bier. Ein tolles Zusammenspiel von Karamell-Malzen, klassischen IPA-Hopfen und der Roggenrohfrucht, die dem Ganzen ihren Stempel aufdrückt. Während gewöhnliche IPAs eher hopfig-fruchtig daherkommen, ist das Imperial-Roggen-IPA klar süßlich, trocken-bitter und grasig geprägt. Zudem schafft es Kees das Alkoholaroma an der Grenze der Verträglichkeit zu behalten. Insgesamt deshalb fast sehr gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brouwerijkees.nl/Double_Rye_IPA_-_English.html.

Prost!

International Beer Day 2017

Bierjubiläum wishes all beer friends around the world a happy International Beer Day 2017!
• Gather with friends and enjoy the taste of beer
• Celebrate those responsible for brewing and serving beer
• Unite the world under the banner of beer, by celebrating the beers of all nations together today!
Cheers!

Bei mir gab’s heute zur Feier des International-Beer-Day ein wirklich leckeren Weißbier- und Schwarzbier-Sour mit meinem selbstgemachten Biersirup:

 

 

 

 

 

 

Auf die Natürlichkeit, Vielfalt, Qualität, Regionalität & Transparenz!

217. Einstök Icelandic Wee Heavy

Auch beim heutigen Bier wird wieder tief in den Gewürzschrank gegriffen. Mit dem Wee Heavy darf ich gelichzeitig wieder einmal ein Bier der wohl nördlichsten Brauerei der Welt trinken. Nur 60 Meilen vom Polarkreis entfernt braut die Einstök Ölgerð seit wenigen Jahren sehr erfolgreich isländischen (Craft-)Bier. Einstöck Ölgerð bedeutet übrigens so viel wie einmalige Brauerei, wobei das Wort für Brauerei und für Paradies auf isländisch identisch sind.

„There, the water flows from rain and prehistoric glaciers down the Hlíðarfjall Mountain and through ancient lava fields, delivering the purest water on Earth, and the perfect foundation for brewing deliciously refreshing craft ales.“

Im heutigen Scotch-Ale befindet sich neben gerösteter Gerstenrohfrucht auch ein wenig isländischer Angelikawurzel. In Deutschland auch unter dem Namen Engelwurz bekannt, soll das Kraut u.a. gegen Appetitlosigkeit, leichte Magen- und Darmkrämpfe, Völlegefühl und Blähungen wirken. Die ätherische Öle, die auch gegen Schlafstörungen und Rheuma helfen sollen, sind auch Bestandteil einiger Kräuterlikören und Bitterschnäpse. Und mit der Frucht der Pflanze wird zudem bspw. Wermutwein, Gin und Chartreuse aromatisiert. Äußerst vielfältig dieses Kraut also – umso verwunderlicher, dass es bisher kaum (wieder) den Weg ins Bier gefunden hat. Aber gut der Anfang ist gemacht, hoffentlich schmeckt´s denn dann auch – eine gute Portion Alkohol hat es schon mal, so wie es sich für einen harten Wikinger eben gehört:

„Time for the vikings to conquer Scotland again.“

Interessant im Übrigen auch: Nicht nur, dass sich Wikinger und Schotten eine Historie teilen, auch der Braumeister von Einstöck hat im schottischen Edinburgh studiert.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Scotch-Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Angelikawurzeln, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Akureyri / Island
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: klar, karamell-röst-malzig, schön grasig-süßlich
Geschmack: auch hier eindeutig karamell-röstig-malzig, wenig Bittere, sehr vollmundig bis ölig, weicher süßlicher Abgang, dezentes Alkoholaroma
Gesamt: Also so langsam entwickeln sich die Isländer zu meinem Lieblingsvolk. Nicht nur die höchst sympathischen Fußballer auch die Brauer des Landes verstehen offensichtlich ihr Handwerk hervorragend. Auch wenn man eine gewisse Affinität zu dunklen schweren Bieren mitbringen sollte um dieses Bier genießen zu können, ist es einfach gut hergestellt. Außer, dass es selbst mir einen etwas zu großen Körper aufweist, kann ich kaum nennenswerte Kritikpunkte feststellen. Deshalb zu Recht verdiente 13 Pkt. (1-) incl. Kaufempfehlung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://einstokbeer.com/our-ales/.

Prost!

216. Bierserker Sourange

Nach Bierbörse, Bierfest und bierigen Besuchen bei Freunden, komme ich heute endlich wieder dazu meine Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ fortzusetzen. Den Wiederanpfiff macht dabei das Sourange von Bierserker, zu dem ich endlich eine Einzelrezension schreiben darf.

Hinter Bierserker verbirgt sich Ulrich Karl Tröger aus Bonn, der sich als Bier-Krieger – analog zu den Wikingern – gegen die übermächtigen Gegner der Großbrauereien stellt:

„Als „BIERSERKER“  möchte ich mich gegen die scheinbare Übermacht des gleichen und langweiligen Geschmackes der meisten angebotenen Biere stellen. Dafür verwende ich ganz natürliche, hochwertige und reine Zutaten wie Kräuter, Früchte oder Gewürze. Früher waren diese Zutaten selbstverständlich und haben über viele Jahrhunderte die Entwicklung des Bieres begleitet. Ganz bewusst verzichte ich auf den Einsatz von Stabilisierungs- und Filtrationshilfsmitteln oder einer Pasteurisation, auch wenn diese offiziell zugelassen sind.“

Ein wohl höchst löblicher und unterstützenswerter Ansatz, wie ich finde. Auch wenn das ein oder andere Bierexperiment auch schon mal etwas zu viel des Guten war, ist eine solche Brauphilosophie selbst in Zeiten der sog. Craft-Bier-Welle hervorhebenswert. Von den vielen Bieren, die Tröger über die Zeit braut ist das Sourange derzeit das einzige im „Standard-Sortiment“. Gebraut wird es aus Kapazitätsgründen im Siegburger Brauhaus, das bereits anfangs auch Ale-Mania aushalf. Und für die Orangenschalen im Bier ist die „Heuschrecke“ aus Troisdorf verantwortlich.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Sauerbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Orangenschalen, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn/Siegburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: sehr fruchtig, nach Blutorangen und Grapefruit, ein wenig Malz
Geschmack: sehr sauer & bitter, zudem gemischt fruchtig, spritzig, etwas vollmundig
Gesamt: Wie Bierserker selbst schreibt ist das Bier eine Gradwanderung, da bittere Säure eigentlich ein geschmackliches No-Go sind. Die Fruchtigkeit verhindert hier aber Schlimmeres, wobei mir trotzdem der rote Faden fehlt. Nachdem ich zuletzt immer mal wieder das ein oder andere Sauerbier trinken konnte, bin ich dem irgendwie aber auch etwas überdrüssig geworden habe ich das Gefühl. Für Fans dieses Bierstils sicher ein Geheimtipp, da es wohl wenige Sauerbiere  mit einer solchen Fruchtigkeit gibt. Für alle anderen jedoch mehr als gewöhnungsbedürftig und vielleicht sogar abschreckend. Da es mich in keiner Kategorie so wirklich überzeugen konnte gibt es heute leider nur 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.bierserker.de/Was/Sourange.

Prost!

Blogbier, die XVI.

Am vergangenen Wochenende bin ich nicht nur geographisch rum gekommen, sondern habe mit Feunden wieder einmal die Welt der Biere weiterentdeckt. Folgende haben es diesmal in die Auswahl geschafft:

  • Riegele IPA Liberis 2+3:
    – <0,4%; obergärig
    – alkoholfreies IPA aus der Augsburger Braumanufaktur (seit diesem Sommer im Aufgebot)
    – hat sogar meiner Frau gut geschmeckt
    http://www.riegele.de/de/biere/brauspezialitaeten/ipa-liberis-2-3/
  • Oedipus Swingers:
    – 4%; obergärig
    – Gose  aus Amsterdam (2015 eingeführt) mit Seesalz sowie Orangen- & Limettenschalen
    – schon sehr sehr sauer und salzig
    – im Rahmen der Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“
    http://oedipus.com/beer/swingers/
  • Steamworks White Angel IPA:
    – 15.2°P: 6,9%; obergärig
    – IPA mit Orangenschalen & Koriandersamen von der Kanadischen Brauerei aus Vancouver
    – zwar nicht das Beste aber immer noch ein recht gutes Ale aus meiner kanadischen Lieblingsbrauerei
    https://www.steamworks.eu/white-angel-ipa-12x-flasche-330ml/a-178/
  • Spencer Trappist:
    – 6,5%; obergärig
    – aus der ersten und einzigen Trappisten-Brauerei der USA in Massachusets
    – in 1950 gegründet wird es von den Mönchen der St. Joseph´s Abbey gebraut
    – dort wird u.a. auch ein „Feierabendbier“ hergestellt
    http://www.spencerbrewery.com/index.php/our-beers/spencer-trappist-ale
  • Baladin Isaac:
    – 12.7°P; 5%; obergärig
    – Bière blanche (dt. Weißbier) aus dem der 1986 im italienischen Piozzo (Piemont) gegründeten Brauerei, die auch historische Urbiere nachbraut
    – ebenfalls mit Orange und Koriander
    – noch mäßig sauer und erfrischend
    http://www.baladin.it/en/productdisplay/isaac
  • Straffe Hendrik Tripel:
    – 19.5°P; 9%; obergärig
    – aus der 1981 im wallonischen Brügge gegründeten Brauerei
    – schön malzig süß und wie gewohnt wenig alkoholaromatisch, wie bei diesen Umdrehung zuerwarten
    http://www.straffehendrik.be/en/het-bier/tripel
  • Austmann Miss Saison:
    – 6%, untergärig
    – seit 2014 aus dem norwegischen Trondheim
    – mit Keffernlimettenblättern und Zitronengras
    – herrlich erfirschend fruchtig
    http://www.austmann.no/
  • Brewdog Kingpin:
    – 4,7%; untergärig
    – 21st Century Lager vom schottischen Craft-Bier-„Riesen“ (aus Ellon)
    – das wohl ausdrucksloseste Bier, das ich je von Brewdog getrunken habe
    https://www.brewdog.com/beer/headliners/kingpin
  • Watt´n Bier:
    – 4,8%; untergärig
    – Pilsener von der Küsten-Brauerei zu Werdum an der Ostfriesischen Nordseeküste
    http://www.werdumerhof.de/brauerei-wattn-bier/startseite.html
  • Himburg’s Braukunstkeller Bavarian:
    – 12°P; 5,3%; untergärig
    – kaltgehopftes Lager aus der bekannten Münchner Handwerksbrauerei
    – guter Einstieg für Craft-Bier-Neulinge
    https://www.himburgs.com/bavarian
  • Westerwald Bräu:
    – 12.3°P; 5,2%; untergärig
    – Kellerbier von der reaktivierten Westerwald-Brauerei H. Schneider aus Hachenburg
    – seit 2014 neue Marke der fürs Hachenburger Pils bekannten Brauerei
    – Erfinder des „Hopfomaten“, einer Zapfanlage, die Becher vom Boden aus befüllt
    – im Rahmen der „Hopfenbauer-Aktion“ will man mit vom Kunden selbst angebauten Hopfen Bier brauen
    https://www.westerwald-braeu.de/
  • Starnberger Spezial:
    – 5,5%; untergärig
    – Kellerbier aus der 2015 gegründeten Starnberger Brauerei in Berg
    – schön karamell-malzig und süffig
    http://starnberger-brauhaus.de/gaumenfreuden
  • Bitburger 1817:
    – 11.9°P; 5%; untergärig
    – Kellerpils zum 200-jährigen Geburtstag der größten Fassbier-Brauerei Deutschlands
    – erstes direktes Bier des deutschen Brau-Riesen fürs Bierjubiläum
    – trotz ihrer Größe und Einfältigkeit muss man zumindest zu Gute halten, dass Bitburger bis heute in keiner größeren Braugruppe organisiert ist
    – schmeckt erheblich besser als das Standard-Pils
    https://www.bitburger.de/produkte-qualitaet/1817/
  • Störtebeker Pilsener:
    – 11.3°P; 4,9%; untergärig
    – aus der inzwischen deutschlandweit bekannten Braumanufaktur in Stralsund
    – nach und nach füllt sich meine Störtebeker-Liste
    https://www.stoertebeker.com/de_de/stoertebeker-pilsener-bier.html
  • Sierra Nevada Sidecar:
    – 13.6°P; 5,3%; obergärig
    – Orange Pale Ale aus der kalifornischen Brauerei in Chico (USA) (Einführung 2016)
    – da mit natürlichen Orangenaromen nicht sehr authentisch und wenig ausdrucksstark
    http://www.sierranevada.com/beer/year-round/sidecar
  • Rittmayer Summer 69:
    – 6,9%; obergärig
    – Weizen-Ale-Spezialität aus der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf in Franken (2015 eingeführt)
    – leckerer Kompromiss aus süßlichem Karamalz und fruchtigem Hopfen
    http://www.rittmayer.de/brauerei/kraftbier/
  • Waldhaus Sommerbier:
    – 2,9%; untergärig
    – 40% alkohol- und kalorienreduzierte Variante des Diplom-Pils von der privaten Waldhaus-Brauerei im Schwarzwald
    – leider auch geschmacklich etwas fad, aber zumindest mit einer gewissen hopfigen Herbe & Fruchtigkeit
    http://www.waldhaus-bier.com/bierspezialitaeten/sommer-bier/
  • Beura Schwarzbier:
    – 13.5°P; 4,9%; untergräig
    – aus der ersten letztes Jahr gegründeten Craft-Bier-Brauerei Osnabrücks
    – der Name leitet sich vom germanischen Begriff für Bier ab
    – recht Bierstil-typisch ohne experimentelle Züge
    – zum Kellerbier an dieser Stelle demnächst mehr
    http://www.beura.de/
  • Banks:
    – 4,7%; untergärig
    – Caribbean Lager aus Lodge-Road / Christchurch auf Barbados
    – das seit 1955/61 größte & bekannteste Bier der Insel schmeckt erwartbar vielsagend
    – mit Maissirup gebraut
    – noch vom Bierbörsen-Bestand
    http://www.banksbeer.com/ourbeer

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Matthias für die tolle Bewirtung sowie an Sabrina & René für die wie immer herausragende Gastfreundschaft. Mit Freunden trinkt man eben gerne ein gutes Bier.

Bierfest Osnabrück 2017

Neben der Bierbörse in Bonn stand letztes Wochenende auch parallel das vierte Bierfest in Osnabrück an. Dahinter steckt das gleiche Konzept wechselnder Städte als Ausrichter eines im Jahresverlauf wandernden Bierfestes. Bei ca. 250 Bieren und 24 Ausstellern zwar quantitativ kleiner als diese, dafür mit etwas mehr Qualität im Bierfass. So gab es weniger von den großen Biermarken und deutlich mehr Auswahl an kreativen Handwerksbieren. Neben Münsteraner Regionalbier, diversen deutschen Bierklassikern, einen italienischen, afrikanischen und osteuropäischen Stand sowie dem ein oder anderen Craft-Brewer gab es erfreulicherweise auch den längsten Craft-Bier-Tresen Osnabrücks mit vielen unterschiedlichen teils auch mir unbekannten Bieren an insgesamt knapp 40 Zapfhähnen. Noch vor Bierjubiläum-Zeiten war ich bereits beim 2. Bierfest in meiner alten Studentenheimat Osnabrück. Der schon damalige gute Eindruck und die vielversprechende Bierauswahl waren also Grund genug dieser Stadt und meinen (Bier-)Freunden Alex und Nils endlich mal wieder einen Besuch abzustatten.

Hier eine kleine Überblicks-Impression vom Bierfest auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus und der Marienkirche:

Folgende Biere haben es  dabei in unsere Auswahl geschafft:

  • Finne Hell:
    – kalt gehopft; 4,9%; untergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – klasse Bier
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne Pale Ale:
    – mit seltenen Hopfen versetzt, 6,1%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – perfekt für den Pale-Ale-Beginner
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne IPA:
    – 6,6%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – hopfig, würzig, fruchtig
    http://www.finne-brauerei.de/biere/

  • Zapfwerk Kaffee Pivo:
    – dunkles Lager mit Kaffee aus Tschechien leider ohne nähere Erläuterung oder Beschreibung
    – Geruch wie Eiskaffee, Geschmack nicht mehr so toll
  • Pivot Bernard Černá Lavina:
    – 5%; untergärig
    – Dunkel von der 1597 gegründeten Rodinný Pivovar Bernard aus Humpolec in der Tschechischen Republik
    – süffig nach Schokolade
    https://www.bernard.cz/en/beer/assortment/draught-beer/10.shtml
  • Zlatý Bažant ’73:
    – 4,5%; untergärig
    – Pilsner der 1964 gegründeten Brauerei Zlatý Bažant aus Hurbanovo – inzwischen jedoch von Heineken-Slowakei produziert
    – malziges Lager
    http://www.zlatybazant.sk/73

  • Red Church Brick Lane Lager:
    – 4,7%iges India Style Lager (untergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – malzig & hopfig-grasig zugleich
    http://www.redchurch.beer/
  • Red Church Great Eastern IPA:
    – 7,4%iges India Pale Ale (obergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – klassisches Maracuja-IPA
    http://www.redchurch.beer/

  • Windhoek Lager:
    – 4%; untergärig
    – die Brauerei Namibia Breweries Ltd. wurde 1920 von Carl List & Hermann Ohlthaver in Windhoek gegründet und firmierte zwischenzeitlich als South West Breweries
    – wohl bekanntestes Bier aus der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia
    – „brewed according to the German Purity Law of 1516“
    – irgendwie nichtssagend
    http://www.nambrew.com/portfolio/windhoek-beer
  • Gulder Lager:
    – 5,2%; untergärig
    – seit 1970 durch die Nigerian Breweries PLC (Heineken-Gruppe) in Lagos gebraut
    – wie fast jedes Nigerianisches Bier mit einem Anteil Hirse (Sorghum) gebraut
    – leicht süß-sauer
    http://nbplc.com/brands.html#
  • Owusu Dark:
    – 6,5%; obergärig
    – „Voodoo“-Stout nach einen Rezept aus Benin (dem früheren Dahomey) – gebraut für das Haus der 131 Biere durch die belgische Brouwerij Strubbe
    – „Good for Love Makers“
    – leicht karamellig
    http://www.biershop-hamburg.de/Owusu-Dark

  • Murphy´s Irish Red:
    – 5%; obergärig
    – Brauerei ursprünglich 1856 im irischen Cork gegründet
    – das Bier wurde bei der Übernahme der Brauerei 1983 durch Heineken für den Export eingeführt, da Stouts in „Übersee“ nicht sehr beliebt waren
    – durch Heineken-Nederlands in Zoeterwoude produziert
    http://www.murphys.com/beer/murphys-irish-red/
  • Newcastle Brown Ale:
    – 4,7%; obergärig
    – seit 1927 durch die 1890 zusammengeschlossene Brauerei Newcastle Breweries Ltd. im englischen Newcastle upon Tyne gebraut
    – nach der Übernahme durch Heineken in 2008 nun gebraut in Tadcaster durch John Smiths (Heineken UK)
    – bis 2007 war die Marke eine geschützte geographische Angabe
    – Marktführer bei britischen Ales
    – schlechteres Braunes als das deutsche Pendant
    http://www.newcastlebrown.com

Und an der längsten Biertheke Osnabrücks standen dann abschließend noch diese Biere auf dem Programm:

  • A quick one while she´s waiting:
    – NEIPA (6%; obergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Fürst Wiacek (Kuckucks-)Brauerei aus Berlin, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Lukasz Wiacek & Georg Fürst
    – Frucht-Cocktail aus Maracuja & Ananas, sehr lecker
    http://www.fuerstwiacek.com
  • Spree Coast IPA:
    – 17°P; 6,9%; obergärig
    – von Berlins erster Handwerks-Brauerei Lemke (gegründet noch in 1999)
    – normal südfruchtiger Eindruck
    https://shop.lemke.berlin/products/spreecoast-ipa-0-33l
  • Tropical Pale Ale:
    – American Pale Ale (5,9%; obergärig) von der Boulevard Brewing (gegründet 1989)aus Kansas City / Missouri (USA)
    – die Brauerei stellt auch ein Golden Ale in American Kölsch-Style her
    – würzig, leicht trocken und schön malzig
    https://www.boulevard.com/beerinfo/tropical-pale-ale/
  • 24/7:
    – India Style Lager/Helles (6,1%; untergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Frau Gruber (Kuckucks-)Brauerei aus Augsburg, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Matthias Gruber & Enzo Frauenschuh – ersterer studierte Brauwesen in Weihenstephan, letzterer baute den Craft-Bier-Großhandel Liquid Hops auf
    – überdurchschnittlich fruchtig
    http://www.fraugruber-craftbrewing.com/
  • Trainingslager:
    – 12°P; 5%; untergärig
    – von der 2014 gegründeten Mashsee Brauerei vom Hannoveraner Maschsee
    – gebraut im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen an der Grenze von Bayern und Hessen
    – würzig & saurer
    https://www.mashsee.de/startseite/
  • Even More Jesus:
    – Imperial Stout (12%; obergärig)
    – aus der Gipsy-Brauerei Evil-Twin in Brookly / New York (USA)
    – gebraut durch die Westbrook Brewing in Mount Pleasant / South Carolina (USA)
    – gegründet jedoch durch zwei Dänen in Hinnerup (Dänemark)
    – sehr lecker nach Kaffee und Schokolade
    http://www.eviltwin.dk/Even-More-Jesus

Nach diesem feucht-fröhlichen und vielfältigen Bier-Ausflug gab es schließlich noch zu Hause als Absacker folgende Bierspezialitäten:

  • Spar Pilsner:
    – 4,6%; untergärig
    – von Carlsberg in Kopenhagen (Dänemark) für die Supermarkt-Kette Spar hergestellt
    – Mitbringsel aus Alex‘ kürzliche Urlaubsreise
    – wie zu erwarten relativ geschmacks- und ausdrucksarm
    https://spar.dk/
  • Onkel Albert Roggen-Saison:
    – 12°P; 5,8; obergärig
    – aus dem 2014 gegründeten Düsseldorfer Hause Onkel
    – gebraut durch De Proef Brouwerij in Lochristi-Hijfte (Belgien)
    – eingebraut mit Roggenflocken nach dem Freiheitsgebot
    „ONKEL Albert ist ein klassisches Saison nach wallonischem Vorbild – hopfig, knochentrocken und würzig/pfeffrig im Geschmack.“
    – wirklich hervorragende Alternative zum Pils mit vielfältigen Aromen von Würze, Hopfen oder Gras mit Ambitionen auf einen diesjährigen Treppchenplatz im Bierjubiläum-Ranking
    http://mein-onkel.de/biere/onkel-albert/
  • Gruthaus Münsterländer Hanf:
    – Landbier (5,6%; obergärig)
    – seit 2016 aus der Münsteraner Gruthaus-Brauerei, die sich auf historische Biere und wirklich individuelle Bierspezialitäten fokussiert hat
    – so wurden bereits folgende wirklich herausragende Biere kreiert: Überwasser-Alt nach alten Münsteraner Rezept, Pumpernickel-Porter mit Schwarzbrot, natürlich das Grutbier ohne Hopfen und eine spontangärige Holunderblüten-Fassbrause mit Essig und Zitrone
    – gebraut in Belgien bei Anders mit Hafer & Hanfblüten aus Warendorf
    – in der Tat spannend grasig und heuartig
    http://www.gruthaus.de/biere/muensterlaender-hanf/

Fazit:
Insgesamt ist das Bierfest eine hervorragende Institution der deutschen Bier-Events. Gerade die vielen kleinen Brauereien und vergleichsweise unbekannten Biere zu entdecken machen einem Bierenthusiasten wie mir wirklich große Freunde. Zudem wird es durch ein jährlich etwas wechselndes Angebot nicht langweilig. Getrübt wird die Freude leider durch die etwas zu hohen Bierpreise und die nicht authentischen Biere einzelner ausländischer Stände, die in die Irre führen und wenig transparent sind. Darüber hinaus wäre ich auch erfreuter, wenn es auch mal im Westen der Republik ein solches Bierfest gäbe. Aber so bietet es zumindest immer einen guten Grund in die neue alte Heimat Osnabrück zu reisen. Da die Auswahl an Bieren selbstverständlich das trinkbare Maß eines Abends übersteigt, gibt es aber auch hier und da die Möglichkeit (zu überteuerten Preisen) die ein oder andere Flasche mitzunehmen.

Weitere Infos zum Bierfest auch unter: http://www.bierfeste-deutschland.de/osnabrueck/

Auf diesem Wege auch nochmals vielen herzlichen Dank an Katchen und Alex für die Kinderbetreuung und gastfreundliche Aufnahme.

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

Bierbörse Bonn 2017

Letztes Wochenende lud Bonn wieder zur alljährlichen Bierbörse in den Rheinauen ein. Mit dabei auch diesmal über 700 Biere von über 80 Ausstellern. Auch wenn es sich hierbei um viele alte Bekannte eines jeden halbwegs gut sortierten Getränkemarktes handelt, waren auch diesmal wieder interessante weitere Brauereien vor Ort, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. War es doch für mich und meinen Kollegen Matthias nur ein kurzer Fußmarsch vom Feierabend hinein ins Bier-Wochenende.

Hier eine kleine Überblicks-Impression:

Folgende Biere haben es in unsere Auswahl geschafft:

  • Palma Louca:
    – internationales Lager aus dem brasilianischen Jacareí (4,5%; untergärig)
    – leicht grasig und heuartiges sonst nichtssagendes Pilsener-Lager aus der Kategorie Heineken
    – mit Mais gebraut
    http://palmalouca.com.br/a-palma-louca/
  • Xingu Black:
    – 4,6%; untergärig
    – ebenfalls in Jacareí (Brasilien) durch FEMSA Cerveja Brasil gebraut
    – Marke wurde 1987 gegründet
    – „bestes Schwarzbier der Welt“
    – der Name von einer der ersten Craft-Marken Brasiliens leitet sich von einem Amazonas-Zufluss ab, wo bereits im 17. Jahrhundert schwarzes Bier von den Ureinwohnern aus Mais & Maniok gebraut wurde
    http://xingubeer.com/#beer

  • Platan Protivínský Granát:
    – 4,6%iges dunkles untergäriges Lager aus dem tschechischen Protivín
    – gegründet 1540 wird es nach Verstaatlichung und Verkauf von der Pivovary Lobkowicz hergestellt
    – dieser Bierstil hat in Tschechien einen eigenen Namen: Polotmavý
    – karamell-malzig-süß
    http://www.pivovar-protivin.cz/de/product/41-protivinsky-granat

  • Schinner Braunbier:
    – seltenes Braunbier aus der Privatbrauerei Schinner in Bayreuth (5,4%; untergärig)
    – die Brauerei geht zurück auf die 1860 gegründete Kommunbrauerei Bürgerbräu
    – röstig, trocken, grasig
    „Die Bierrarität „Original Braunbier“ wird weltweit nur von uns nach überlieferten Rezepten und ausschliesslich mit bestem bayerischen Malz und Hopfen traditonell eingebraut. Der Ursprung dieser Spezialität geht auf Bayerns Herzog Wilhelm V. zurück. Dieser ließ bereits 1590 auf Burg Trausnitz Braunbier für seinen Hofstaat brauen.“
    http://www.buergerbraeu-schinner.de/schinner.html

  • Stiegl Paracelsus Zwickl:
    – naturtrübe Bierspezialität (12°P; 5%; untergärig) aus der 1492 gegründeten Salzburger Brauerei
    – benannt nach dem Salzburger Arzt: „Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin!“
    – süffig, malzig, matt
    – mit dem Stiegl Gut Wildshut hat die Brauerei das erste Bier-Gut Österreichs gegründet, in dem auch Urgetreide angebaut und verarbeitet wird
    https://www.stiegl.at/de/biere/haupt-sortiment/stiegl-paracelsus-zwickl

Und aus dem Haus der 131 Biere gab es dann abschließend noch diese Biere:

  • Avilys Lithuanian Honey Beer:
    – Honig-Bier aus der litauischen Hauptstadt Kaunas (6%; untergärig)
    – unter Lizenz durch die Brouwerij Strubbe im belgischen Ichtigem gebraut
    – interessanterweise Witbier-ähnlich, süß-sauer
    http://avilys.lt/en/brewery-and-tours/
  • Phoenix:
    – Lager aus der größten Brauerei von Mauritius Phoenix Beverages in Vacoas-Phoenix
    – 1963 als Marke eingeführt
    – herb, trocken, wenig malzig
    http://phoenixbev.mu/index.php/en/phoenix-13
  • Polar Pilsener:
    – Lagerbier (4,5%) von der Cervecería Polar (gegründet 1941) in Caracas aus Venezuela
    – importiert aus Aruba & Curaçao durch die Florida Brewery in Auburndale (USA)
    – rel. geschmacksfrei, süffig, leicht grasig
    http://empresaspolar.com/negocios-y-marcas/cerveceria-polar/polar-pilsen
  • Red Horse:
    – dunkles Starkbier (6,9%) aus dem phillipinischen Mandaluyong (Manila)
    – 1982 von San Miguel eingeführt
    – gebraut mit Mais
    – alkohol-aromatisch, karamell-malzig
    http://redhorsebeer.com/index.php/rhb

Fazit:
Insgesamt ist die Bierbörse eine sehr gute Institution. Gerade für die Zielgruppe der Bierlaien ein guter Flaschenöffner zur Erweiterung des Bierhorizontes. Wenn nun noch weniger große (deutsche) Brauereien und dafür mehr kleine (und internationale) Bierbrauer am Start wären, wäre es auch für Bierkenner wie mich noch interessanter. Aber auch so ist die Auswahl schon größer, als man an einem Abend trinken könnte. Deshalb habe ich mir auch diesmal wieder ein paar Biere nach Hause mitgenommen – dazu an dieser Stelle später mehr.

Weitere Infos zur Bierbörse auch unter: http://www.bierboerse.com/city/bonn.htm

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

Blogbier, die XV.

Beim Besuch unserer Freunde aus Herzebrock-Clarholz standen diese neuen Biere auf der Agenda:

  • Hoppe Bräu Wuide Hund:
    – 11°P; 4,5%; untergärig
    – Lager aus der 2010 im oberbayrischen Waakirchen gegründeten Kraftbierbrauerei
    – durch die dezente Hopfung auch interessant für Einsteiger
    https://www.hoppebraeu.de/home.php#slide-to-Produkte
  • Urfels Alt:
    – 4,8%; obergärig
    – Altbier aus dem Brauhaus Walsum in Duisburg
    – leider eines der schlechtesten Alt, die ich bisher getrunken habe
    http://www.brauhaus-urfels.de/unser-brauhaus/herzlich-willkommen.html
  • Gutsherrn Landbier:
    – 5%; untergärig
    – gebraut von der Förster & Brecke Getränke GmbH in Holzminden im Auftrag der Brauerei Allersheim
    – Dursty-Getränkemarkt-Eigenmarke
    – für den Preis überraschend gut malzig
    https://www.dursty.de/sortiment/eigenmarken/gutsherren/
  • Allgäuer Urtyp-Export:
    – 12.3°P; 5,3%; untergärig
    – gebraut im 1394 in Kempten gegründeten Allgäuer Brauhaus, das aber inzwischen zur Radeberger-Gruppe gehört
    – würzig frisch, aber auch nicht herausragend
    http://www.allgaeuer-brauhaus.de/abk/?p=3250
  • Rothaar Landbier:
    – 5,1%; untergärig
    – gebraut von der Westerwald-Brauerei in Hachenburg im Westerwald
    – ebenfalls Dursty-Eigenmarke
    – recht typisch karamell-röstig
    https://www.dursty.de/sortiment/eigenmarken/rothaar/
  • Scherdel Light:
    – 2,8%; untergärig
    – alkoholarme Pils-Variante aus der 1831 im fränkischen Hof gegründeten Brauerei Scherdel
    – proBiert im Rahmen meiner Tätigkeit als Biertester im KALEA-Biertasting.Club
    – Wasser mit Biergeschmack
    http://www.scherdelbier.de/de/sbh/light.php
  • Tilmans der Weizen:
    – 6%, obergärig
    – seit 2016 im Auftrag des Münchner Tilman durch den Weißbräu Schwendl im oberbayrischen Tacherting-Schalchen gebraut
    – leicht angehopftes und würzig-süßes Weißbier
    http://www.tilmansbiere.de/der-weizen.html

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Sabrina & René für die tatkräftige Mithilfe.

Brauhaus Johann Albrecht Hamburg

Am gestrigen Mittwoch war ich dienstlich in Hamburg unterwegs und hatte auf dem Rückweg noch die Gelegenheit kurz ins Brauhaus Johann Albrecht an der Binnenalster einzukehren.

Hier wird direkt vor Ort und  zumindest zum Teil auch im Gastraum selbst gebraut und ausgeschenkt. Für den Durchschnittsbiergenießer nicht auf den ersten Blick erkennbar handelt es sich bei diesem Brauhaus aber um eine Gasthausbrauerei-Kette. Diese fußt auf dem 1989 gegründeten Unternehmen „Joh. Albrecht Brautechnik“ aus München. Als Dienstleister für Brautechnik (v.a. Sudwerke aus Kupfer, Edelstahl und Glas), der Konzeption von Brauereien inklusive der architektonischen Einplanung, die Entwicklung von individuellen Rezepturen für die Bierherstellung sowie die Schulung von Mitarbeitern vor Ort versteht sich die JBT GmbH als „Full-Solution-Partner“ für Brauerei-Gründer oder Weiterentwickler. In den knapp 30 Jahren des Bestehens wurden mit diesem Konzept bereits über 100 Projekte weltweit (u.a. Russland, Japan, Australien, Baltikum und Israel) begleitet bzw. geleitet. Das Brauhaus Johann Albrecht in Hamburg war 1991 dabei die erste in Eigenregie aufgebaute Gasthausbrauerei. Inzwischen gibt es die Marke auch in Soltau, Bielefeld, Konstanz und Düsseldorf.

„Johann Albrecht…
… versteht sich als „Ein richtiges Gasthaus“ mit eigener
handwerklicher Bierherstellung,
… ist seit 1990 erfolgreich am Markt,
… plant, realisiert und betreibt Gasthausbrauereien,
… ist selbst Betreiber von fünf Gasthausbrauereien
in Deutschland und expandiert weiter,
… ist ein multiplizierbares Gasthaus-Konzept,
… ist Dienstleister für Dritte. Von der Standortfrage, über Konzeptentwicklung, bis zur Umsetzung, alles aus einer Hand,
… berät Investoren, Gastronomen und Hauseigentümer in allen gastronomischen und brautechnischen Fragen.“

Vor Ort hatte ich freundlicherweise die Möglichkeit einmal folgende drei Biere zu proBieren:

  • Messing:
    – hopfig-herbes Helle
    – typischer Hausbrau-Geruch, neutral malzig und ein wenig nach Getreide
    – leicht bitter, trocken herb im Geschmack und weder richtig süffig noch richtig vollmundig
  • Kupfer:
    – malzig-mildes Dunkel
    – karamell-malzig-süß und grasig im Geruch
    – geschmacklich tatsächlich sehr nah am original fränkischen Dunkel, trocken-herb und süß zugleich und vollmundiger
  • Craftbeer:
    – spezielles Brauverfahren mit besonderer Hopfenmischung
    – kalt gehopft u.a. mit Citra und vermutlich Cascade
    – zitrus-grasiger malzloser Geruch
    – im Geschmack dann aber malziger als erwartet, zudem natürlich auch hopfig-bitter und fruchtig nach Maracuja
    – ich tippe als Bierstil auf Amber bzw. American Pale Ale

Wer also auch mal in Hamburg weilt oder als Hamburger noch nie dort gewesen ist, sei durchaus zu empfehlen hier mal vorbei zu schauen. Auch wenn man eine gewisse Authentizität an diesem Konzept kritisieren kann, ist dies immerhin eine bessere Alternative als andere Locations mit (inter-)nationalen 08/15-Bieren, insbesondere weil die Qualität des Bieres hier auch stimmt.

Weitere Infos zum Brauhaus unter: http://hamburg.brauhaus-joh-albrecht.de/.

Weitere Infos zur Brautechnik hier: http://www.joh-albrecht.com/de.

Prost!

215. Brauprojekt 777 Erdbeer Ale

Zum Abschluss des Fruchtbierwochenendes geht es an den schönen Niederrhein zum Brauprojekt 777. Hiervon hatte ich bereits das leckere Altbier und Red Ale probieren dürfen und erspare mir deshalb an dieser Stelle weitreichende Ausführungen zur durchaus empfehlenswerten Mini-Brauerei am rechten Rheinufer zwischen Dinslaken und Wesel. Genau wie gestern haben die Jungs vom Brauprojekt ein Pale Ale mit Frucht versetzt. Diesmal aber mit Erdbeeren, was mich als Erdbeer-Freund erfreut und gespannt macht, ob dieses „Experiment“ besser geglückt ist als die beiden anderen Wochenend-Biere.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Erdbeere, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Voerde-Spellen
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: malzig, grasig, dumpf-erdbeerig, leicht frisch, ein wenig nach Erdbeerkuchen
Geschmack: karamellig, dumpf rot-fruchtig, malzig, grasig, getreidiger Abgang, recht vollmundig
Gesamt: Nach dem Motto „das Beste kommt zum Schluss“ habe ich mir meiner Erwartung erfüllend das beste Bier der Reihe in der Reihe zum Schluss aufgehoben. Gerade, weil es nicht überfruchtig daherkommt überzeugt es. Die Kombination aus grasigen und matt-fruchtigen Noten sowie dem permanenten latenten Eindruck von Erdbeerkuchen oder Erdbeerpflanzen im Garten zeigt, dass auch natürliche Zutaten ein Bier bereichern können, obwohl damit das hochheilige „Reinheitsgebot“ gebrochen wird. In Summe verdientermaßene 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://brauprojekt777.de/.

Prost!

214. Heidenpeters Mangopa

Nach dem doch holprigen Fruchtbierwochenendbeginn geht es heute hoffentlich besser weiter. Am Start: Das MANGOPA aus dem Berliner Hause Heidenpeters. Der inzwischen weit über Kreuzberg hinaus bekannte Brauer Johannes Heidenpeter produziert jedoch weiterhin in relativ kleinem Maßstab in der Markthalle 9. Dort wird im „respektvollem Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt, regional- und saisonal-betont, verbunden mit lokaler Wertschöpfung, transparent und vertrauensvoll“ eine neue Form von Lebensmittelherstellung und -handel betrieben. Neben Heidenpeters als „Hausbrauerei“ gibt es noch eine gläserne Bäckerei, Metzgerei und Tofurei. Die Markthalle wurde ursprünglich bereits 1891 eröffnet und ist eine der letzten drei historischen Markthallen Berlins. 2011 gelang es dann den Anwohnern und Interessenten die Markthalle vor der Umwandlung in ein Supermarktcenter zu retten und das kleinteilige Lebensmittelhandwerk (wieder) anzusiedeln.

Zurück nun aber zum Bier, das ein ganz neues English Pale Ale ist, das auf Mangomus gelagert wurde. Klingt also spannend – schaun ma also ma ob es auch schmeckt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mango, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: sauer-fruchtig, neben Mango auch Litschi riechbar, aber auch hopfig-grasig
Geschmack: sauer-fruchtig, erfrischend, recht bitter, leicht hefig, trotz geringem Körper nicht gerade süffig, im Abgang sauer nach Grapefruit
Gesamt: Auch heute geht es wieder sehr sauer zu. Glücklicherweise nicht salzig-sauer, sondern fruchtig-sauer, aber immer noch sauer. Gerade aufgrund des sehr säuerlichen Nachhalls leider auch wieder kein Bier, dass ich unbedingt mehrfach trinken muss. Jedoch für zwischendurch eine gute Erfrischung, der man die gute handwerkliche Machart anmerkt. Deshalb doch noch 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.heidenpeters.de/ bzw. https://markthalleneun.de/anbieter/heidenpeters.

Prost!

213. Omnipollo Magic 3.5 – Pineapple Gose

Mit dem heutigen Bier möchte ich ein sehr fruchtiges Wochenende einläuten, bei dem die weiteren Zutaten aber hoffentlich auch nicht zu kurz kommen.

Beginnen möchte ich mit meinem ersten Bier aus Schweden. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich schon längst ein Exemplar des sehr umfangreichen Sortiments von Omnipollo proBiert hätte. Aber nun, zum Glück ist es endlich so weit, schließlich habe ich schon viel Positives von der skandinavischen Bekanntheit gehört und gelesen.

Gegründet hat sich Omnipollo 2011 durch Henok Fentie und Karl Grandin. Diese haben ihr Sortiment in den darauffolgenden Jahren auf bis zu 80 Bieren hochgeschraubt, bei der glaube ich selbst der Experte den Überblick verlieren kann. Gebraut wird übrigens im Kuckuck-Verfahren – d.h. die Rezepte werden zwar vor Ort in Stockholm ausgetüftelt, wenn es aber um die Produktion geht reisen sie zu befreundeten Brauereien um den Globus um dort brauen zu lassen oder selbst Hand anzulegen.

Die Ananas Gose zum Beispiel wurde in Anlehnung an den alten sächsischen Bierstil mit Hafer und Ananas verfeinert in De Proefbrouwerij in Belgien gebraut.

Markenzeichen der weltweit bekannten Marke ist übrigens das sehr eigenwillige Flaschendesign, dass von den Gründern immer zwischen puristisch (ganz ohne irgendeins) und völlig abgedreht pendelt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gose
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Salz, Ananassaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 3,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stockholm / Schweden [Lochristi-Hijfte / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___-
  • Aussehen:____________________4
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: klar sauer-fruchtig, neben Ananas noch Limette und Papaya riechbar, plus Salznote, frisch und muffig zugleich
Geschmack: sauer, sauer, sauer, dazu noch viel helle Frucht, viel Spritzigkeit, leicht salzig, wenig Körper aber keine hohe Süffigkeit, im Abgang leicht trocken-herb
Gesamt: Nachdem ich nun schon einige Goses trinken durfte, würde ich mich als gar nicht so unaufgeschlossen bezeichnen. Diese hier jedoch lässt mich fast aus den Latschen kippen. Eine derartige salzig-fruchtige Säure habe ich schon lange nicht mehr geschmeckt. Man kann noch nicht einmal sagen die Ananas ist Schuld, vielmehr unterstreicht sie den Gose-Charakter zu deutlich. Selbst für meinen experimentellen Gaumen zu extrem, deshalb insgesamt auch nur 6 Pkt. (4+). Als Nischenprodukt oder für den skandinavischen Markt aber sicher wertvoll.

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.omnipollo.com/beer/3-5/.

Prost!

212. Belhaven Scotish Oat Stout

Nach kurzer Pause geht die Reise heute zur ältesten noch aktiven Brauerei Schottlands. 1741 gegründet hat der schöne Hafen alle Konsolidierungs- und Schließungswellen der Vergangenheit überstanden, ist seit 2005 jedoch nicht mehr unabhängig. Seit inzwischen 12 Jahren gehört Belhaven der größten rein britischen Braugruppe Greene King, welche auch Pubs und Hotelketten betreibt. Noch vor dieser Übernahme stieg die südwestschottische Brauerei zu einer der bekanntesten Marken in ganz Britannien auf. Das Belhaven Best ist heute das meistausgeschenkteste Ale Schottlands – etwa jedes dritte gezapfte trägt dieses Label. Die offizielle Gründung der Brauerei wird zwar auf Mitte des 18. Jahrhunderts beziffert, man geht allerdings davon aus, dass an selbiger Stelle bereits 200 Jahre zuvor Bier gebraut wurde. Auch die noch heute bestehenden und genutzten Gebäude, die sogar zum schottischen Kulturerbe gehören, lassen auf eine längere Geschichte schließen.

Das Oat Stout ist dabei ebenfalls ein Teil schottischer Geschichte. So wird Hafer, anders als in Deutschland, aufgrund des traditionell hohen Anbaus vor Ort häufig im Nationalbierstil verwendet. Sie machen es allgemein etwas süßer, weicher und runder im Gesamteindruck.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Dunbar/ Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: nur schwach karamellig, röstig, grasig und getreidig
Geschmack: schön aber nicht zu süß, typisch karamellig und röstig-malzig, leicht säuerlich, schoko-kaffeeige Noten, mittelgroßer Körper, trocken-öliger getreidiger Abgang
Gesamt: Nachdem in der Nase noch ein großes Fragezeichen übrig blieb, kann das Hafer-Stout auf der Zunge überraschend doch noch überzeugen. Belhaven hat es (mit dem Hafer) geschafft eine Süße in das Bier zu bringen, die soeben nicht unangenehm, sondern lecker ist. Die dabei auftretenden Kakao- und Kaffeenoten passen sehr gut in diesen Bierstil. Auch die getreidigen Noten, die zum Ende immer stärker werden sind interessant. Aufgrund der Gesamtwertung kann ich aber leider nicht mehr als 9 Pkt. (3+) geben, obwohl es geschmacklich klar mehr zu empfehlen ist.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.belhaven.co.uk/.

Prost!

211. Biersommer / Sommerbier – Bierverköstigung Juli

Blanche de Namur | AleMania New England IPA | Starkes Gebräu Dunkles | Gouden  Carolus hopsinjoor | Worthington´s White Shield

Letzten Montag war es wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Nach meinem eigenen Vortrag im Juni das zweite Mal nach meiner Babypause, woran ich teilnehmen konnte. Passend zur Jahreszeit ging es den Abend um Sommerbiere und den Biersommer.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Colonius-Kölsch an, welches ich bereits zur Maiwoche in Osnabrück letztes Jahr proBierte. Colonius ist eine Marke von Traugott Simon und wird via Trinkgut, Edeka oder Netto als Eigenmarke vertrieben. Gebraut wird es in der Sünner-Brauerei.

Das erste „reguläre“ Themen-Bier war dann das Tegernseer Hell, welches ich ebenfalls letztes Jahr zum Einstieg in die bilinguale Veranstaltung von Markus „German Beer Culture“ verkosten durfte:

Während heute insbesondere Helles, Kölsch oder helle Weißbiere den sommerlichen Biermarkt im saisonalen Vergleich dominieren, wird häufig vergessen, dass der Sommer lange Zeit eine ganz besondere Bedeutung für das Bier hatte. Schließlich bestand über drei Jahrhunderte lang ein Brauverbot für sogenannte „Braunbiere“ zwischen dem 23. April (St. Georg – heute als Tag des Bieres gefeiert) und dem 29. September (St. Michael).

Grund des Verbotes waren wahrscheinlich die problematischen Braubedingungen dieses Bieres im Sommer. Als Braunbiere wurde seinerzeit nämlich alljene Biere bezeichnet, die ausschließlich mit (dunklem) Gerstenmalz untergärig gebraut wurden. Und untergärige Hefen benötigen zur Gärung recht niedrige Temperaturen, die ohne die erst 1870 von Linde erfundene Kältemaschine nicht flächendeckend erreicht werden konnten. Ausgeschlossem vom Verbot waren Weißbiere, die die entgegen des damals kurz zuvor erlassenen heute bezeichneten „Reinheitsgebots“ mit Weizenmalz und obergärig exclusiv von den herzoglichen Hofbrauereien gebraut wurden. Dies hatte neben dem wirtschaftlichen auch einen technischen Vorteil. So sind obergärige Hefen nicht derart temperatursensibel und können auch noch unter sommerlich-milden Temperaturen vergären.

Um trotzdem auch bei hohen Sommertemperaturen brauen zu können siedelten sich viele Brauereien auch in Felsenkellern an, die für Gärung und Lagerung bessere Bedingungen boten. Viele dieser Keller wurden nach Erfindung der Kältemaschine in Bayern für die Gastronomie geöffnet und als Gastraum/Ausschank zur Verfügung gestellt. Die meisten dieser Keller befinden sich geologisch bedingt in Bayern, allerdings gibt es in Mendig auch ein prominentes Beispiel eines großen Bierkellers in der Eifel. Ab 1832 wurden dort leeren Höhlen vom Basaltabbau für bis zu 28 Brauereien in der Hochphase genutzt. Heute ist davon nur noch die Vulkan-Brauerei übrig, die diesen Bierstollen jedoch auch erst in den letzten Jahren wieder reaktiviert hatte.

Bis zu diesem Brauverbot wurden vermutlich immer gewisse „Mischbiere“ gebraut, die grundsätzlich sowohl unter- als auch obergärige Hefen enthielten, wobei je nach Jahreszeit die eine oder andere dominierte. Im Zuge des Verbotes jedoch bildeten sich wahrscheinlich die ersten rein unter- bzw. obergärigen Biere heraus. So ist zu vermuten, dass um diese Zeit sich auch der Bierstil „Dunkel“ in Bayern herausbildete und das heute Weißbier obergärig wurde. Denn durch die Braupause im Sommer wurde die obergärigen Hefestämme (aktiv bei wärmeren Temperaturen) zugunsten der untergärigen Hefestämme (aktiv bei kühleren Temperaturen) bevorteilt. Dunkel deshalb, weil das Gerstenmalz beim Darren damals direkt befeuert und somit dunkler in der Farbe wurde.

Nachdem das Brauverbot seit 1539 Bestand hatte, wurde es erst 1850 offiziell aufgehoben. Übrigens: Das Märzen, das 1841 erstmalig als Oktoberfestbier von Spaten vorgestellt wurde, geht auf dieses Verbot zurück. Da im Sommer nur eingeschränkt gebraut werden durfte musste im März ein besonders starkes Bier gebraut werden, das den Sommer über hielt.

Weiter ging es mit einem für Deutschland ungewöhnlichem aber für unserer Biernachbarland Belgien sehr typischen Sommerbier: Das Blanche de Namur. Das Witbier ist das Flaggschiff der Brasserie du Bocq aus dem wallonischen Purnode und wird dem Bierstil entsprechend mit Weizen, Koriander und Orangenschalen eingebraut. Der Name geht dabei auf eine in Belgien geborene Königin von Schweden und Norwegen aus dem 14. Jahrhundert zurück. Besonderheit des Bieres ist die 0,75l-Flasche:

Persönlicher Eindruck:
fruchtig würzig im Geruch, leicht scharf und nach Koriander im Geschmack, insgesamt sehr süffig

Auch das Folgebier hatte ich bereits im Januar diesen Jahres vorgestellt: Maisel & Friends Citrilla. Ein Hinweis sei hier auch auf meinen Bericht zum limitierten Summer Pale Ale der Bayreuther Kreativbrauer an dieser Stelle gestattet.

Als letztes Bier der offiziellen Verkostung ging das neue New England India Pale Ale vom Bonner AleMania an den Start. Darüber habe ich mich besonders gefreut, da es auch schon auf meinem Einkaufszettel stand, enthält es doch Haferflocken als alternative Getreide. Zudem ist es eines der Vertreter eines neuen Bierstils, der auf die „East Coast IPAs“ zurück geht, die im Vergleich zu den „West Coast IPAs“ fruchtiger, weniger bitter und weniger alkohollastig sind:

Persönlicher Eindruck:
fruchtig, relativ malzig, süß, waldig-erdig, recht stark hopfen-bitter, weich

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Starkes Gebräu Dunkles:
    – obergärig; 9%
    – „alkoholhaltiges Getränk“ mit Gerstenflocken und Rübenzucker
    – gemaischt im Infusionsverfahren mit 20% Gersten-Buchenrauchmalz
    – Flaschengärung mit Rotweinhefen und monatelange Reifung
    – entwickelt von der Agentur BierAtelier aus dem Ostwestfälischen Land in Schieder-Schwalenberg, die neben dem Vertrieb von Bieren auch das Magazin Bier & Brauhaus verantwortlich zeichnet
    – karamellig-malzig, leicht rauchig und nach Rotwein schmeckend
    https://www.bieratelier.de/

  • Gouden Carolus hopsinjoor:
    – obergärig; 8%; 18°P
    – belgisches Blonde (eingeführt 2008) von der Brauerei Het Anker aus Mechelen
    – mit 5 verschiedenen Hopfensorten
    – trocken-hopfig, herb, hell, weich, frisch, fruchtig, karamellig, bitter, sehr dumpf, gemüsig, nach Urlaub

    http://www.hetanker.be/en/gouden-carolus-hopsinjoor

  • Worthington´s White Shield:
    – obergärig; 5,6%
    – ältestes India Pale Ale der Welt, das 1829 als East-IPA erstmals für die britischen Seefahrer hergestellt wurde
    – aus der englischen Brauerei Worthington (gegründet 1744 in Burton upon Trent), welche heute der Coors-Gruppe angehört
    Real Ale

    – karamellig, grasig, matt, sehr weich, sehr balanciert, malzig, süß, getreidig, sehr untypisch für ein heutiges IPA

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das im Rahmen meiner Tätigkeit als Biertester für den Beertasting-Club von Kalea erhalten habe und das auch sehr gut zum Thema Sommerbier passt:

  • Kulmbacher Leicht:
    – alkohol- und kalorienreduzierte Variante des Edelherb Pils der bekannten Brauerei aus Franken
    – sehr süffig und malzig-leicht, aber auch leicht industriell

    – untergärig; 2,9%; 7.6°P
    – http://www.kulmbacher.biz/de/klb/Unsere-Biere/Kulmbacher-Leicht/index.php

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

210. Hof ten Dormaal Whitegold

Weiter geht es mit verrückten und außergewöhnlichen Zutaten in Bieren. Nach Gurke und Kürbis folgt das dritte Bier mit Gemüse. Diesmal: Chicorée. Ein in deutschen Küchen nicht mehr häufig eingesetzte Zutat, wird er in Belgien (der Heimat dieses Bieres) aber noch mit etwa 8kg pro Jahr verzehrt. Die sehr ungewöhnliche Zutat wird dabei in der letzten halben Braustunde hinzugefügt und wirkt auch ähnlich wie Hopfen.

Das spannendste am Bier ist aber die Brauerei. Diese wurde 2009 auf dem Gelände eines aktiven Bauernhofs eröffnet. 2015 komplett niedergebrannt, konnte sie im selben Jahr jedoch wiedereröffnen und ihre Produktion in der Folge sogar verdoppeln. Sämtliche Zutaten im Bier werden selbst angebaut. Das ist auch der Grund, warum hier der Chicorée Einzug gehalten hat – ist Flämisch-Brabant doch eine der Hauptanbauregionen in Europa.

„In order to make the farm more profitable, we started running a brewery. By producing our own ingredients, we know we could make excellent beers. […]
While our region is famous for its chicory, we mainly grow cereals and keep cattle. With the start of the brewery, Dries also specialized in barley. All the barley that is needed for the beer production comes from our own farms. In 2010 we started a hop plantation in order to grow our own hops.“

White Gold – also weißes Gold – wird übrigens der Chicorée in Belgien genannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Starkbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Chicorée, Zucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Tildonk / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2010

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: sehr würzig, leicht scharf, Hopfenaromen, irgendwie gemüsig
Geschmack: fruchtig-herzhaft, karamell-süß, wenig Bittere, viel Körper, geschmeidig, leicht öliger süßlicher Abgang, im Verlaufe leider etwas säuerlich
Gesamt: Ein wirklich spannendes Bier, das vor allem durch die frische Herzhaftigkeit in Verbindung mit einer fruchtigen Süße überzeugt. Auch diesmal bin ich sehr überrascht, wie gut offensichtlich Gemüse ins Bier passt. Sicher geschmacklich etwas gewöhnungsbedürftig und für den deutschen Gaumen kein Bier für den ganzen Abend, aber als Anregung gegenüber den üblichen Bierstilen brauchbar. Übrigens: Wie für ein belgisches Bier üblich merkt man den Alkoholgehalt kaum heraus. In Summe für dieses „saftige“ außergewöhnliche Bier 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://hoftendormaal.com/beers/index.html.

Prost!

209. Steamworks Pumpkin Ale

Steamworks Spezialbier #2. Nach dem Cucumber Ale letzte Woche nun heute das Pumpkin Ale. Bei einem Blick auf den Kalender passt ein solches Bier natürlich nicht so gut in die Jahreszeit, aber die heutigen Stürme und Regenfälle hatten ja schon auch etwas herbstliches.

Während das Gurken-Bier eher eine Nische in der Nische ist, ist das Kürbis-Ale hingegen fast schon zum Aushängeschild der kreativen österreichisch-kanadischen Brauer geworden und sticht nicht nur durch den Kürbis, sondern auch den dazu passenden Gewürzen hervor:

„Unser Limited Release Pumpkin Ale wurde mit über 100 Pfund frisch geerntetem Kürbis gebraut. Eine Prise Zimt, Gewürznelken, Muskat und Piment im Hopback-Verfahren hinzugefügt und du hast ein Bier im Glas wie Omas hausgemachter Kürbiskuchen.“

Trotz begnadeter Koch- und Backkünste meiner Oma, hat diese zwar nie einen Kürbiskuchen gemacht, aber es macht mich auf jeden Fall sehr gespannt, wie ein solches Bier schmecken kann. Außerdem habe ich Verwandschaft aus Vancouver – wenn das kein Omen ist… 😉

Übrigens gewann das Bier 2013 beim 11. Canadian Brewing Award die Goldmedaille.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Spice-Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kürbis, Zimt, Gewürznelke, Muskat, Piment, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vancouver / Kanada
Erscheinungsjahr. . .
2004

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: fruchtig, süß, frisch, Kürbis, Zimt & Piment herausriechbar, zudem würzig-malzig
Geschmack: süß – ähnlich Karamell, malzig-würzig, leicht herber trockener Abgang, wenige bittere Noten, mäßig spritzig, mittelleichter Körper
Gesamt: Wahrlich interessant. Steamworks kann mich immer wieder überraschen. Zwar in Summe mit 11 Pkt. (2) nicht mein absolutes Lieblingsbier, aber geschmacklich wirklich außergewöhnlich. Die Kombination von Kürbis, dunklem Schoko-Malz und den Gewürzen passt hervorragend zusammen. Vielleicht ist es aber wirklich einfach nicht die richtige Jahreszeit für dieses Bier…

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.steamworks.eu/pumpkin-ale-6x-flasche-330ml/a-269/.

Prost!