Kulturelles vom Wochenende XV

Beim Familien-Besuch im nordhessischen Kaufungen (Lkr. Kassel) habe ich u.a. folgende Bierspezialitäten mitgebracht:

  • Schumacher Alt:
    – 11°P; 4,6%; obergärig
    – Altbier aus der ältesten Altbierbrauerei Düsseldorfs (1838)
    – endlich habe ich es im Rahmen des Bierjubiläums geschafft das außerhalb Düsseldorfs selten beziehbare Alt zu proBieren
    – abgefüllt nur in 1l-Flaschen
    http://www.schumacher-alt.de/

  • Pyraser Kellerbier:
    – 11,4°P; 4,8%; obergärig
    – aus der hervorragenden Privatbrauerei im fränkischen Pyras (gegründet 1870)
    – mit Mineralwasser gebraut
    – ungewöhnlich obergärig und fruchtig
    http://www.pyraser.de/produkte/Kellerbier

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Siggi, Herbert und Kim für die wie immer ausgezeichnete Gastfreundschaft.

203. Heidenpeter’s Belgian Winter

Wo es in der Hauptstadt gerade so schön ist, bleiben wir doch gleich dort und ziehen weiter zur Craft-Brauerei Heidenpeters. Passend zum heutigen Sommeranfang gönne ich mir das Belgian Winter, das schon recht lange auf seine Verkostung wartet und inzwischen das Sortiment von Johannes Heidenpeter wieder verlassen hat. Der belgische Winter zeichnet sich im Gegensatz zu anderen bekannten Winterbieren durch die tatsächliche Hinzugabe von weihnachtlichen Gewürzen wie Sternanis, Nelken oder Zimt aus. Basis bildet dabei ein klassisches belgisches Starkbier, das traditionell obergärig mit Weizenmalz gebraut wird. Eine Art des Bierexperiments, für das Heidenpeters bekannt ist und das ich grundsätzlich begrüße – insofern die Qualität stimmt. Die deutsche Gesetzgebung hingegen erlaubt bei diesem Getränk jedoch nicht die Bezeichnung „Bier“, sodass es Heidenpeter auf der Flasche „Alkoholischer Malztrunk“ nennen muss. Bleibt nur die Frage, ob ein Winterbier bzw. winterlicher Malztrunk auch noch mitten im Sommer schmeckt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Winterstarkbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizenmalz, Sternanis, Zimt, Nelke, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>8,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: obergärig hefig, leicht bananig, süßlich-bitter, alkoholaromatisch und tatsächlich ein Hauch von Nelke
Geschmack: voller körper, sehr spritzig, vollmundig, bitter-süß, unangenehmes Alkoholaroma, leichte Noten von Sternanis
Gesamt: Vielleicht sind die 2 Monate MHD-Überschreitung doch zu viel, vielleicht bin ich  einfach noch nicht bereit für ein belgisches Starkbier dieser Art, vielleicht passt ein solches Winterbier aber auch tatsächlich nicht in den Hochsommer, doch wirklich lecker ist mein heutiges Bier leider nicht (mehr). Weder in der Nase noch auf der Zunge ein wirklicher Genuss. Zu sehr dominiert ein bitteres Alkoholaroma, zu wenig kommen die winterlichen Gewürze heraus – vom Zimt zum Beispiel fehlt mir jede Spur. Deshalb kann es dafür leider nicht mehr als 7 Pkt (3-) geben.

Weitere Infos zur Brauerei erfährt man am Besten unter: https://www.facebook.com/HEIDENPETERS.

Prost!

202. Schoppe Bräu Berliner Schnauze

Von München geht es heute weiter in die nächste deutsche Millionenstadt. Aus der deutschen Kapitale stammt seit 2001 ebenfalls eine inzwischen recht erfolgreiche kleine Handwerksbrauerei, die sich zu den ersten ihrer Art zählen darf. Zwar ist man mittlerweile (zum Glück) eine unter vielen sog. Craftbeer-Brauereien, setzt aber meiner Ansicht nach trotzdem die richtigen Akzente:

„Hopfen, Malz und Muskelschmalz

Diesem Motto sind wir seit unseren Anfängen treu. Wir stellen unsere Biere sämtlich in kleinteiliger handwerklicher Produktion aus besten Rohstoffen her. Sie sind allesamt unfiltriert und nicht wärmebehandelt. Das kommt ihrer Frische und der Bekömmlichkeit zugute.

Heutzutage unterscheiden sich Dutzende von zwar „technisch“ einwandfreien, aber gleichförmigen und geschmacksarmen Industriebieren nur durch ihre Fernsehwerbung.

Wir stellen Biere her, an die man sich wegen ihres Geschmacks erinnert, nicht wegen des letzten Spots. Denn ihr Geschmack ist vollmundiger, intensiver, vielschichtiger.

Wir wollen die Vielfalt des Genussmittels „Bier“ erfahrbar machen. Dazu beschreiten wir auch mal unverbrauchte und ausgefallene Wege – abseits der sattsam bekannten Pfade. Heutzutage sagt man „Craft Beer“ dazu.

Die Veredelung der eigenen Arbeitsbeschreibung mit diversen englischsprachigen Begriffen ist zwar schwer in Mode – etwa als „Corporate Orchestration Trailblazer“, „International Optimization Facilitator“ oder „Strategic Craft Beer Evangelist“ — wir sind schlicht und ergreifend Brauer!

Und das mit Herz und Seele!“

Die Berliner Schnauze zumindest bietet mit drei Getreidemalzen schon einmal interessante Eckdaten. Bin gespannt, ob mich auch hier der Roggen überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkles
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: mehr karamellig als röstig, leicht bitter und sonst frisch und klar
Geschmack: hier mehr röstig als karamellig und ein ganz wenig grasig; bei leicht hopfig-bitterer Spritzigkeit und röstig herbem Abgang insgesamt aber etwas unruhig
Gesamt: Obwohl das dunkle „Dreikornbier“ sicher eines der besseren ist, steht es heute leider etwas im Schatten vom herausragenden gestrigen Vorgänger. Die Verwendung von Roggenmalz macht sich aber insofern bezahlt, als dass die Geschmacksnuancen nun deutlich vielfältiger und klarer sind als bei vergleichbaren Bieren des Stils. Ggf. hätte man aber auch eine Zusammensetzung der Malze und Hopfensorten setzen können, um ein noch besseres Ergebnis erzielen zu können. Deshalb heute „nur“ 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.schoppebraeu.de/de/#product_details–berliner_schnauze.

Prost!

201. Giesinger Baltic Rye Porter

Mit dem Baltic Rye Porter von der jungen Münchner Brauerei Giesinger möchte ich in meine große Jahresreihe „Alternative Getreide“ starten. Am Start sind etwa 30 Biere mit Basisgetreiden abseits der üblichen Verdächtigen Gerste und Weizen. Zudem werde ich auch Biere mit weiteren natürlichen Zutaten proBieren, die zwar den unsinnigen deutschen Biergesetzen nicht entsprechen, dafür aber durch ihre Natürlichkeit es wert sind einmal einen Blick bzw. Schluck über den Tellerrand zu wagen.

Giesinger ist gutes Beispiel für die derzeitige Craft-Bier-Bewegung. 2003 in einer Garage entstanden und somit die erste Brauereigründung in der bayrischen Landeshauptstadt nach vielen Jahrzehnten, ist es in etwa zehn Jahren (auch mit Hilfe eines Crowdfundings) zur zweitgrößten Privatbrauerei Münchens empor gestiegen. Dabei setzt man sowohl auf klassisch bayrische Bierstile, als auch kreative Innovationen á la Baltic Rye Porter, dass mit Roggenmalz eingebraut wurde. Unter dem Motto „Mir san Bier“ folgt Giesinger diesen Regeln:

  • Unsere Biere sind unfiltriert und nicht thermisch behandelt.
  • Bei den Rohstoffen legen wir höchsten Wert auf Qualität und Herkunft. Wir verwenden beispielsweise nur besten Hallertauer Hopfen.
  • Auch beim Produzieren legen wir großes Augenmaß auf die Brautradition. Deshalb kommen bei uns beispielsweise statt der üblichen Edelstahltanks vier grosse, offene Gärbottiche für die Hauptgärung der obergärigen Biere zum Einsatz.
  • Wir sind eine Münchner Brauerei und konsequenterweise verzichten wir auch auf den Export unserer Biere. Dafür müssten wir Einschränkungen (z.B. eine längere Haltbarkeit) hinnehmen, die unserer Auffassung vom Brauen widersprechen.
  • Wir stellen traditionelle und althergebrachte Biersorten her: Helles, Weißbier, Dunkles, Märzen und Bock (und gaaanz selten auch mal ein paar Experimente).

Zum Glück sind diese Experimente dabei dann noch nicht sooo selten und stehen auch im Einklang mit den traditionelle Brauweisen, auf die sich die kreativen Münchner zurückbesinnen wollen. Etwas ungewöhnlich für einen Braubetrieb dieser Größe ist zudem auch die Tatsache, dass man von Beginn an konsequent die Fertigkeiten einer handwerklichen Braukunst im Rahmen einer Brauer- und Mälzer-Ausbildung an junge bierbegeisterte Menschen weitergibt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  17°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14,5
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: wirklich sehr röstig und karamalzig sowie leicht brotig und alkoholaromatisch
Geschmack: sehr schön weich und abgerundet, neben Karamalz und Röstmalz leichte Kaffee- und Schokonoten sowie ein ganz geringe Bittere; bei mittelgroßem Körper und passig matter Spritzigkeit macht der malzig süße Abgang Lust auf mehr
Gesamt: Es beginnt mit der Flasche, die meiner Ansicht nach die schönste Form der Welt hat. Das informationsgeladene und ansehnliche Etikett tut sein Übriges zur fast perfekten Note für die erste Kategorie. Bei der allgemeinen Optik dann zwar Bierstil-bedingt ein paar kleine Abzüge, aber spätestens die olfaktorische Komponente bringt das Bier wieder in die Spur. Geschmacklich ist es nicht weniger als das beste Porter, das ich je trinken durfte. Doch nicht nur das, auch im Vergleich zu allen anderen diesjährigen Bieren teilt es sich mit dem herausragenden Jrön mit 14 Pkt. (1) in der Gesamtwertung von nun an den ersten Platz. Gerade, wenn man bedenkt, dass das MHD offiziell bereits Ende letzten Jahres abgelaufen ist, bestätigen sich zwei Dinge: Die Brauqualität von Giesinger und Roggen als wertvolles Biergetreide!

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.giesinger-braeu.de/.

Prost!

200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Kulturelles zum Feiertag

Zum heutigen Fronleichnams-Feiertag haben wir mit unseren Nachbarn und meinem Kollegen nebst Gattin und Kind köstlich gegrillt. Diese Biere hatte ich dabei für uns mitgebracht:

  • Brauhaus Binkert Main Seidla Kellerbier:
    – 11,9°P; 4,9%; untergärig
    – 2012 anlässlich der 1200 Jahr-Feier der Gemeinde Breitengüßbach in Oberfranken gegründet
    – naturtrübes klassisch-fränkisches Kellerbier
    http://www.mainseidla.de/biere/kellerbier.html
  • Hoppebräu Wuidsau:
    – 13°P; 5,6%; obergärig
    – von der 2010 in Waakirchen (nördlich des Tegernsee) gegründeten Kraftbier-Brauerei
    – kaltgehopftes Festbier (hier im Sinne eines Amber Ale)
    – kam auch bei Kraftbier-Neulingen gut an
    https://www.hoppebraeu.de/home.php#slide-to-produkte
  • Brouwerij ´t IJ Natte:
    – 6,5%; untergärig
    – aus der 1985 in Amsterdam gegründeten niederländischen Kreativbier-Brauerei
    – Dubbel nach europäischem Bio-Standard
    http://www.brouwerijhetij.nl/natte/
  • Val-Dieu Blonde:
    – 6%; untergärig
    – aus der 1216 gegründeten Brauerei der belgischen Zisterzienserabtei im Bistum Lüttich
    – neben der Brauerei gibt es noch eine Käserei und eine Ciderfabrik im Kloster
    – Flaschengärung
    http://www.wildwuchs-brauwerk.de/
  • Lindemans Framboise:
    – 2,5%; spontangärig
    – aus der wohl bekanntesten Lambic-Brauerei der Welt (gegründet 1822 im belgischen Vlezenbeek – seit 1980 im Sortiment)
    – Frucht-Lambic mit Himbeeren (zuvor 1 Jahr auf Eiche gereift)
    – nicht nur sehr gut geeignet um die Frauenwelt von gutem Bier zu beeindrucken
    http://www.lindemans.be/beer/framboise

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Rebekka, Matthias, Sandra und Normen für den netten und leckeren Tag.

199. Maisel & Friends Choco Porter

Bevor es ab morgen an dieser Stelle mit meiner großen Jahres-Reihe an Bieren losgeht, die sich durch alternative Getreidearten oder anderen natürlichen Zusätzen auszeichnen, möchte ich zum Wochenend-Abschluss gerne den neuesten Zugang des Maisel & Friends Standard-Sortiments vorstellen.

Nach dem Pale Ale, dem IPA, und dem Citrilla ist es bereits Bier #4 das in der Session-Reihe der Traditions- und Kreativ-Brauer aus Franken in Falschen abgefüllt wird. Daneben brauen die drei Maisels – wie es der Name schon verrät – aber auch gerne mit Freunden, sodass immer mal wieder auch Freundschafts-Sude den Markt erreichen. Hier sei ganz besonders auch auf das India Pale Lager in Kooperation mit Cocktailian hingewiesen.

„Black, bold and beautiful!“

So ist der Slogan des Bieres, dass sich vor allen durch einen cremigen, malzigen und süffigen Eindruck auszeichnen soll. Vor allem aber sollen Noten von Zartbitter, Espresso und Karamell den Bierkenner umgarnen. Bin ich also auf das „Geschmacksabenteuer“ gespannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.2°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: Röstig-malzig, getreidig und leicht frisch und angesüßt
Geschmack: In der Tat ganz klare Noten von Kakao und Kaffee. Dazu kommt eine dumpfe stets begleitende Süße und ein etwas herber kaffeiger Abgang. Zudem ist es recht weich und überraschenderweise auch zugleich süffig, auch wenn man sich einbildet, dass das Bier aufgrund der dunklen Seele einen größeren Körper vorweist.
Wahrlich kann also hier von einem kleinen Geschmacksabenteuer die Rede sein. Im Gegensatz zu anderen Portern, bei denen tatsächlich Kaffee zugesetzt ist, schaffen es Maisel nur mithilfe einer cleveren Komposition von Gerstenmalzen einen meiner Ansicht nach besseren Kaffee-Geschmack zu kreieren, als eine richtige Beimengung des schwarzen Wachmachers. Die Kombination mit der Zartbitterschokolade macht das ganze einfach nur stimmig und rund. Gerade als Freund von dunklen ausdrucksstarken Bieren erfreut mich die klare Linie und der interessante Charakter des Bieres. Abzüge gibt es aber deshalb, weil mir das Bier ein wenig zu trocken, sauer und süffig erscheint. Trotzdem in Summe starke 13 Pkt. (1-). Und wenn ich nicht permanent damit beschäftig wäre neue Biere zu finden, würde ich tatsächlich wohl zum „Wiederholungstäter“ werden.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/session/choco-porter/.

Prost!

198. Butcher´s Tears La Condition Humaine V: Echo Beach

Trotz des gestrigen leider mäßigen weil zu weit über dem MHD befindlichem Amber Pale Ale von Butcher´s Tears, möchte ich auch das India Pale Ale auf Leber und Nieren testen. Unter dem Titel „La Condition Humaine“ erscheint in regelmäßigen Abständen immer eine neue Edition des India Pale Ales. Im Laufe des vergangenen Jahres stand Sud Nr. 5 an, der den wohl klingenden Beinamen Echo Beach erhielt. Sind wir also gespannt, ob das kaltgehopfte IPA die fortgeschrittene Flaschengärung besser überstanden hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Gullegem / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

In der Nase schön fruchtig süß nach Mango, Papaya und Granatapfel sowie leicht grasig-getreidig mit bitteren Spitzen. Auf der Zunge dann leider klar alkoholaromatisch ohne deutlichen Ausdruck hinzu einem hopfigen oder malzigen Charakter. Insgesamt eher karamell- als fruchtsüß mit einem scharf herben Abgang. Ansonsten bei recht großem Körper frisch und spritzig.
Alles in allem also schmeckbar besser als das gestrige APA aber dennoch kein Überflieger. Wahrscheinlich kommt dem Bier aber der höhere Alkoholgehalt, die Kalthopfung und das etwas näher zurückliegende MHD-Ende zu Gute. Endlich bekomme ich also einen Eindruck über die wahre Qualität der handwerklichen Braukunst dieser Mikro-Brauerei. In Summe deshalb zumindest 9 Pkt (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://butchers-tears.com/beers.

Prost!

197. Butcher´s Tears The Last Possession

Die Woche ausklingen lassen möchte ich mit zwei Schätzchen aus dem guten P&M-Getränkemarkt in Bad Godesberg. Da beide im Angebot waren und handlich ausschauten, landeten sie bei einer meiner letzten Abstecher auch in die Tasche. Vom Bier und Brauerei hatte ich bis dato aber noch nichts gehört.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Mikro-Brauerei aus dem südwestlichen Stadtteil Schinkelbuurt gegenüber des Amsterdamer Olympiaviertel, die es sich zum Ziel gesetzt hat anders zu sein:

„Our aim is to enrich the beer culture rather than repeating what other brewers are already doing. We take a lot of inspiration from historical brewing documents and half-forgotten traditions but we also like to make way forward by forging together elements from different beer cultures as well as through pure experimentation.“i

Mit dem Last Possession zum Beispiel verband man nicht nur die beiden Bierstile Amber Ale und Pale Ale, man nutzte auch drei historische Hopfensorten (Bullion, Bramling Cross und Brewer’s Gold) zur Herstellung. Diese fand übrigens aus Kapazitätsgründen in den Räumlichkeiten der Brauerei Gulden Spoor im belgischen Gullegem statt.

Bei so viel Herzblut, Kreativität und Sinn für die Geschichte bin ich sehr gespannt, wie mir das Bier auch in der Praxis gefällt. Eine Besonderheit kommt dabei hinzu: Da das MHB bereits seit letztem November überschritten ist, handelt es sich hierbei sozusagen um die Vintage-Variante.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Gullegem / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Im Geruch wirklich extrem spritzig und frisch sowie auch bittersüß angehopft. Im Geschmack ähnlich frisch obwohl auch recht vollmundig. Ansonsten karamellsüßlich, würzig herb, leicht holzig-rauchig und bitter. Im Abgang eher alkoholaromatisch, was auf eine allgemein fortgeschrittene Flaschennachreifung schließen lässt.
Leider habe ich keinen Direktvergleich mit einer frischen Flasche oder idealerweise einem Fassbier. Denn ich will vermuten, dass ein solches Bier aus einer solchen Brauerei so frisch wie möglich getrunken werden muss. So tut es mir fast leid, dass ich dem Bier wahrscheinlich unrecht tue und mit 6 Gesamtpunkten (4+) eine relativ schlechte Note geben muss. Nichtsdestotrotz soll das nicht darüber hinweg täuschen, dass mit dem Bier tatsächlich ein gutes Kreativbier gelungen ist, dass ganz neue Geschmackskomponenten zusammenbringt. Wer also mal die Gelegenheit hat in Amsterdam zu weilen, dem empfehle ich einen vor-Ort-Besuch.

Weitere Infos zum Bier unter: http://butchers-tears.com/beers.

Prost!

Bönnsch

Heute zum Feierabend habe ich es endlich geschafft dem Bonner Bönnsch einen Besuch abzustatten. Als Anlass habe ich mir das neue Saison-Bier genommen – wurde doch tatsächlich das erste Bonner Alt gebraut. Seit dem Ende der Bonner Kurfürsten-Brauerei in den 1990ern ist es das erste Mal, dass wieder ein Alt aus der ehemaligen Bundehsuaptstadt kommt. Mit vier verschiedenen Braumalzen und höherer Hopfengabe gebraut ist es für ein klassisch Düsseldorfer Alt eher röstmalziger, süßer und schwerer. Neben leichten Fruchtnoten kommt es auch ein wenig schokoladig daher. Bei einer Stammwürze von 11.9°P kommt es auf 4,9% Alkohol.

Dazu gab es übrigens ein sehr schmackhaftes Brot aus Braugerste. Das war das erste Mal, dass ich Brot bewusst nach diesem Getreide verkostet habe und ich war wirklich angetan. Gerade weil eher Weizen und Roggen zur Brotherstellung verwendet werden, ist die Gerste meiner Ansicht nach eine interessante Alternative. Sie macht das Brot weicher, würziger und ausgewogener.

Nach dem Alt musste ich natürlich auch das hauseigene Weizen (5,2%) proBieren, dass im Gegensatz zum Alt aber zum Standard-Sortiment gehört. Fast typisch für eine kleine Brauerei ist es dunkler in der Farbe und schmeckt auch weniger bananig, dafür ist die Fruchtnote umfassender. Mit deutlich spürbarer Hefe ist es auch vollmundiger aber zugleich auch frischer als andere Weizen.

Insgesamt war es also ein wirklich gelunger Feierabend, den ich jedem Bonner nur empfehlen kann. Kein anderer Ort in der Stadt bietet ein authentisches Brauhaus mit Original Bonner Bieren.

Mehr zum Bier und zur tollen Brauerei unter: http://www.boennsch.de/aktuelles/neuigkeiten/item/153-unser-saisonbier-b%C3%B6nnsch-alt.

196. Maisel & Friends Hopfenreiter 2017

Vor dem kommenden Pfingstwochenende möchte ich mich dann auch mal in die inzwischen wohl zahlreichen Verköstiger des diesjährigen Hopfenreiters einreihen. Dieser ist ein Freundschafts-Projekt, das letztes Jahr zum ersten Mal ins Leben gerufen wurde. Getreu des Namens „Maisel & Friends“ lud Marc Goebel befreundete Braumeister ins schöne Bayreuth ein, um dort gemeinsam ein India Pale Ale zu entwickeln und brauen. Anlässlich der Eröffnung des Liebesbier wurde das Bier dann vorgestellt. Nun, zum einjährigen Geburtstag des riesigen und hochwertigen Gaststättenkomplex im Herzen Bayreuths im Frühjahr, kamen erneut die Freunde von Maisel nach Franken und brauten den zweiten Hopfenreiter. Als IPA, typischerweise hopfenlastig, zeichnet er sich durch diesen Mix an Hopfengaben der einzelnen „Freunde“ aus:

„Vic Secret von Hoppebräu
Callista von Schanzenbräu
Chinook von BrewAge (A)
Comet von BRLO
HBC431 von Jopen (NL)
Mosaic kommt von Maisel.“

Da der Hopfenreiter dieses Jahr enorme mediale Resonanz erzeugt hatte, möchte ich mir heute mal selbst einen Eindruck verschaffen. Vielleicht schaffe ich es in den nächsten Jahren dann auch mal live vor Ort bei der Präsentation eines neuen Hopfenreiters dabei zu sein.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Double IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________14
  • Geruch:______________________12,5
  • Geschmack:__________________13,5
Fazit

Geruch: Ein frischer und bunter Fruchtmix aus Maracuja, Ananas, Mango, Banane und Zitrone bei leicht malzig-grasiger Unterstreichung.
Geschmack: Auch hier knallen die genannten Fruchten mit einer mittleren Süße rein. Trotz der 8,5 Umdrehungen wirkt das DIPA kaum bitter und alkoholaromatisch. Im Gegenteil ist es angenehm weich und harmonisch. Auch im Abgang ist es eher zurückhaltend trocken-herb, sodass der fruchtige Gesamteindruck erhalten bleibt. Erstaunlich ist auch die Spritzigkeit und die damit einhergehende Erfrischung, die das Bier liefert, obwohl durchaus ein größerer Körper vorhanden ist.
Seitdem ich Anfang letzten Jahres mit dem Bierjubiläum begonnen habe, habe ich schon viele IPAs verköstigen können. Der Hopfenreiter nimmt dabei aber zweifelsohne eine der absolut vordersten Positionen ein. Für ein (D)IPA in fast allen Belangen optimal – deshalb zu Recht von mir 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/hopfenreiter-2017/.

Prost!

195. Störtebeker Arktik Ale

Nach dem gestrigen wissenschaftlichen Teil geht es heute wieder in die freie Wirtschaft. Genauer zu einer Wirtschaft, die zu eine der größten Biermarken der Bierneuzeit zählt. Die Störtebeker Braumanufaktur – hervorgegangen aus der Stralsunder Brauerei – ist im Bereich klassisch (nord-)deutsche Biere eine der führenden neuen Handwerksmarken. Sie bedient nicht nur die klassisch deutschen Bierstile von Pils über Schwarzbier bis Hefeweizen, sondern auch eher nordisch-hansische Ales oder Porters. Zudem wird unter Leitung des gelernter Brauer und Diplom-Biersommeliers Christoph Puttnies etwas experimentiert (siehe Roggen-Weizen, Scotch-Ale oder auch das Glühbier) .

„Der englische Bierstil „Ale“ bezeichnete ursprünglich ein ungehopftes Bier. Zu Zeiten der Hanse wurde der Hopfen in England eingeführt und es entstanden die heute bekannten englischen Ales, die vor allem für Ihre starke Hopfung und lange Haltbarkeit berühmt sind.“

„Das Arktik-Ale basiert auf dem Atlantik-Ale und überzeugt durch eine sehr kräftige Hopfenaromatik und Herbe. Die zusätzliche Kalthopfung mit den Sorten Lemondrop und Simcoe sorgt für einen fruchtigen Duft nach Ananas, Zitrusfrüchten und dunklen Beeren, kombiniert mit einer leichten harzigen Note.“

Neben Lemondrop und Simcoe sind bereits im Atlantik-Ale die Hopfensorten Tradition, Perle, Cascade, Amarillo und Citra vorhanden und verbinden sich mit Münchner-, Distilling-, Pilsener- und Weizenmalz.
Bei ratebeer.com zählt das Arktik-Ale kurz nach Einführung schon zu den TOP 50 Eisböcken. Mal schauen, ob sich das nun auch hier bestätigt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Eisbock (Pale Ale)
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stralsund
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: Volle Fruchtigkeit aus gelben Früchten wie Ananas oder einem Zitrus-Mix plus eine trockene Grasigkeit und matte Süße.
Geschmack: Sehr intensiv fruchtig-malzig-süß. Im Verlauf ansteigende Bitterkeit und Alkoholaroma. Ein sehr interessanter trocken-bitterer und fruchtiger Abgang. Ansonsten insgesamt wenig spritzig, leicht ölig und mit einem satten Körper.
Alles in allem also ein wirklich interessanter Eisbock, der auch aufgrund der Pale Ale-Basis sicherlich schon ein Alleinstellungsmerkmal ist. Besonders die ersten Eindrücke auf der Zunge sind schon überraschend kreativ. Im Verlaufe verschwimmt diese Wahrnehmung zwar etwas unter den typisch bockigen Eigenschaften, allerdings kann ein hohes Niveau gehalten werden. Die Mühen von Hr. Puttnies haben sich also gelohnt: 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.stoertebeker.com/de_de/arktik-ale/.

Prost!

194. TUM Weihenstephan Pale Ale

Heute und hoffentlich die kommenden Abende möchte ich mich den Bieren aus meiner Bierhandwerk-Bestellung widmen. Den Anfang macht dabei ein wirklich besonderes Bier. Besonders deshalb, weil es aus keiner regulären Brauerei kommt, sondern aus der einzig mir bekannten deutschen „Forschungsbrauerei“ stammt. Diese entstammt der offiziell ältesten Brauerei Deutschlands und der Welt aus Weihenstephan und ist der Technischen Universität München angegliedert. Diese bietet neben dem klassischen Brauer-Diplom auch technischere Studiengänge wie Brau- und Getränketechnologie oder Technologie und Biotechnologie der Lebensmittel an. Außerdem beschäftigen sich noch diverse Arbeitsgruppen in der Forschung mit Themen wie Getränke- und Getreidebiotechnologie, Getreidetechnologie und -verfahrenstechnik oder Rohstofforientierte Brau- und Getränketechnologie. Neben der klassischen Lehre bietet die Forschungsbrauerei noch einige interessante Weiterbildungsangebote an. So gibt es Workshops z.B. zu Sensorik oder einen Brauer-Cursus – alles selbstverständlich mit TUM-Zertifikat. Eine Institution also, die eminent wichtig für Brauwirtschaft aber auch Hobbybrauer zu sein scheint, ist doch die Welt der Biere bisher wissenschaftlich recht dezentral und unkoordiniert behandelt worden.

Gerade als Akademiker (mit Niveau) bin ich deshalb umso mehr gespannt, wie sich nun ein wissenschaftliches Bier präsentiert.

„Das Pale Ale „WPA“ aus Weihenstephan ist ein von der Forschungsbrauerei Weihenstephan entwickeltes Bier.
verwendetes Malz: Pilsner; Münchner Typ II; Carahell
verwendete Hopfensorten: Taurus; Hersbrucker; Mittelfrüh; Tradition [100 % Hallertauer Hopfen]
IBU 49.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  14.3°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Freising
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Olfaktorisch: Erst klare Fruchtnoten von Ananas, Maracuja, Mango und Papaya, dann ein Mix aus leichten Aromen von Gras und bitterem Karamalz
Gustatorisch: Weniger Fruchtigkeit als vermutet. Eher fruchtig-bitter, leicht grasig mit unterschwelliger dunkler Malzigkeit. Ansonsten recht süß und süß-bitter im Abgang. Bei mittlerem Körper eher gering spritzig.
VAGO*: Ein wahrlich überraschendes Pale Ale, das wirklich malziger und vollmundiger ist als viele reguläre Biere des Stils. Hier hat sich die Forschung gelohnt und ein Alleinstellungsmerkmal hervorgebracht. Auch wenn die Biere der TUM selbstverständlich nicht ausschließlich aus Absatzgründen gebraut werden und somit nicht Eingang in den „Massenmarkt“ finden werden. Dennoch oder gerade deshalb wohl verdiente 13 Pkt (1-).

Weitere Infos zur Forschungsbrauerei unter: https://www.tum.de/studium/studinews/ausgabe-052011/show-052011/article/30531/, http://lbgt.wzw.tum.de/index.php?id=5 & http://lbgt.wzw.tum.de/index.php?id=133#c143.

Prost!

*Visuell, Auditiv, Gustatorisch & Olfaktorisch

193. Starij Melnik Svetloe

Zum Wochenstart gibt es heute wieder mal ein Novum für mich und das Bierjubiläum. Zum ersten Mal gibt es ein russisches Bier. Das liegt vermutlich nicht daran, dass in Russland kaum Bier (und nur Wodka) getrunken wird, sondern wohl eher an der mangelnden Vermarktung und Marktpräsenz im Allgemeinen. Das Starij Melnik ist neben Baltika, die wohl in (West-)Europa bekannteste russische Biermarke. Gebraut wird das Lager prinzipiell durch die Pivovarnya Moskva-Efes, allerdings ist mein Exemplar durch Efes Deutschland in Köln produziert worden. Zwar ist es sicher alleine schon aufgrund der Markendimension kein Qualitätsbier, aber für mich trotzdem interessant genug, um es mal zu probieren. Die Marke wurde kurz vor dem Millennium von Efes eingeführt, was sie genau bedeutet bleibt für einen deutschen Bierblogger jedoch zunächst weitgehend im Verborgenen. Meine Recherchen haben lediglich hervorgebracht, dass „Starij“ für „alt“ steht und dass „Melnik“ so viel wie „Müller“ heißt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Moskau / Russische Föderation [Köln]
Erscheinungsjahr. . .
1999

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___5
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Sowohl in der Nase als auch am Gaumen erstaunlich (malzig-)würzig. Neben trocken-erdigen Nuancen zwischendurch immer wieder auch süßliche Töne. Für den Alkoholgehalt recht vollmundig und auch relativ weich. Der Abgang ist weniger auffällig herb. Zwar zeichnet das Bier keine besondere Spritzigkeit aus, aber dafür sorgt es für einen überraschend angenehmen Eindruck. Auch wenn mir etwas der rote Faden zu fehlen scheint, bin ich wirklich erstaunt, wie wenig industriell dieses Bier schmeckt. Sicher ist es auch nicht wirklich charakterstark, aber für ein internationales Lager definitiv mit mehr Seele als viele Konkurrenten. Auch wenn es natürlich für den ein oder anderen Punkt Abzüge geben muss, möchte ich die kontinuierliche Steigerung durch die Kategorien würdigen und werte es gesamthaft mit 10 Pkt. (2–) ein.

Für Menschen mit Russisch bzw. Kyrilisch-Kenntnissen gibt es weitere Infos zum Bier unter: http://www.efesrussia.ru/brands/b13.html.

Prost!

191.-192. Hofbräu Helles & Arcobräu Mooser Liesl

Während sich viele Bierbegeistere gestern und heute in Köln zum Festival der Bierkulturen trafen, werde ich mich dem Thema mit einer erneuten Vergleichsverkostung widmen. Da ich aus persönlichen Gründen dieses Jahr noch nicht teilnehmen konnte, möchte ich heute die beiden Hellen in meinem Kühlschrank gegeneinander antreten lassen. Auf der einen Seite das neue Helle aus dem großen Münchner Hofbräuhaus, das seit 1939 unter staatlich-bayrischer Führung steht.  Auf der anderen Seite das runderneuerte Mooser Liesl aus dem Gräflichen Brauhaus Arcobräu, seit jeher Privatbrauerei.
Ersteres ist offiziell eine Markenneueinführung, fußt jedoch auf das schon lange gebraute Hofbräu Original. Die Vermarktung setzt dabei klar auf Historie und den Lokalpatriotismus der Bayrischen Hauptstadt:

„Münchner Heimatbier!
Mehr München geht nicht: Echt Münchner Bier, echt Münchner Brauerei und echtes Hofbräuhaus.“

Letzteres hingegen kommt da eher etwas provinziell daher:

„Geh Liesl, bring ma no a so a guads Hells! So hieß es einst, als das Bier in unserer Schlosswirtschaft noch aus der Kanne ausgeschenkt wurde. Viele Gäste kamen nur wegen dem guten Hellen, das es hier gab. Nicht wenige aber auch wegen der feschen Liesl. So war es kein Wunder, dass bald beide, die Liesl und das Brauhaus mit seinem Bier, weit über die Grenzen von Moos bekannt und die Liesl für viele Jahre zum Markenzeichen der Brauerei wurde.“

Dabei geht die freie Brauerei Arcobräu auf eine geschichtsträchtige Familientradition zurück – mehr Infos hierzu unter 57..

Mal schauen also, wer die Nase (bzw. die Zunge) vorn hat: Die Metropole oder die Provinz…

Steckbrief (Hofbräu | Arcobräu)

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Helles
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
5,1% | 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . München | Moos
Erscheinungsjahr. . .
2016 (1589) | 2015 (1789)

Bewertung (Hofbräu | Arcobräu)
  • Flaschendesign + Kronkorken:___11 | 12
  • Aussehen:____________________10 | 10
  • Geruch:______________________9 | 9
  • Geschmack:__________________8 | 9
Fazit

Rein optisch leichte Vorteile für die Liesl. Zwar sind beide Bierfarben nahezu identisch gold-gelb, dafür ist jedoch die Arcobräu Flasche nicht nur im Design, sondern vor allem auch in Flaschenform ein echter Hingucker. Auch wenn das Hofbräu Helle in der Bierjubiläums-Edition überrascht.
Olfaktorisch schenken sich beide nichts. Das Arcobräu ist überraschend hopfig-blumig – fast schon pilsig, aber auch klassisch karamalzig und frischer. Das Hofbräu hingegen ist näher am typischen Geruch eines Hellen, wenn auch würziger und matter.
Auch geschmacklich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Allerdings unter vertauschten Vorzeichen. Während die Liesl in der Nase noch einem Pils ähnelte, ist sie geschmacklich (glücklicherweise) wieder näher dran am gewünschten Bierstil. Insgesamt unaufdringlich, süffig mit wenig Körper, etwas würzig, etwas süß, kaum herb und kein bisschen bitter, wobei die Malzigkeit zum Abgang hin zunimmt. Das Hofbräu hingegen wirkt deutlich hopfiger bis bitterer, weniger süß, weniger malzig, mehr Körper, allgemein spritziger und bei ähnlicher Würze mit einem herberen Abgang.
Alles in allem hauen mich aber ehrlich gesagt beide Helle nicht vom Hocker. Obwohl Helle eigentlich zu meinen Lieblings-Stilen gehören, vermisse ich bei beiden die klare Malzsüße auf der Zunge. Außerdem wirken sie beide auch etwas unausgewogen. In diesem nun dritten „Beer-Battle“ kann sich aber auf gutem bis mittelmäßigen Niveau in Summe die Liesl aus Moss gegen den großen Münchener Bruder knapp mit 10 Pkt (2-) zu 9 Pkt (3+) durchsetzen.

Weitere Infos zu den Bieren unter: http://hofbraeuhaus-hell.de/ & http://www.arcobraeu.de/de/mooser-liesl.

Prost!

190. Dinkelacker Frühlingsfestbier

Bevor sich der Frühling endgültig zugunsten des Sommers verabschiedet, möchte ich der manchmal recht kurzen aber schönen Jahreszeit mit dem heutigen Festbier huldigen. Es stammt aus der Stuttgarter Dinkelacker-Schwaben-Bräu – eine der wenigen Brauereien, die es geschafft haben sich nach der Einverleibung der großen ABInBev wieder vollständig unabhängig zu machen. Neben Dinkelacker und Schwaben-Bräu, welche 1994 fusionierten, zählen auch Wulle und Sanwald zu den Marken der Familienbrauerei. Mit einer solchen Markenbreite fällt die Brauerei ebenfalls aus dem Raster der klassischen Familienbrauereien. Das Frühlingsfestbier ist dabei eines von drei Festbieren. Im Herbst wird das Volksfestbier zur Wasn ausgeschenkt und im Winter gibt es noch ein Weihnachtsfestbier.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Märzen
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze. . . . . .  13.3°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stuttgart
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Im Geruch klar malzig-grasig mit nur wenigen Frucht-Hopfen-Aromen ist es geschmacklich wohl das Paradebeispiel für ein herbes aber nicht bitteres Bier. Im Stile des Märzen kommt eine deutliche malzige Herbe durch, die durch grasige bis getreidige Noten unterstrichen wird. Bei trocken-herben Abgang ist es insgesamt leicht vollmundig und spritzig. Trotz sattgoldener Farbe optisch (aber auch nasal) mit Luft nach oben, kommt es aber zumindest meinem Geschmack nach einem guten Bier sehr nahe. Auch wenn es für solch ein Festbier fast schon zu warm draußen ist, gebe ich diesem re-privatisierten Bier gute 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.familienbrauerei-dinkelacker.de/fruehlingsfestbier.html.

Prost!

189. Mönchshof Zoigl

Zum heutigen Vatertag (f.k.a. Christi Himmelfahrt) gibt es ein Bier aus der recht neuen Biermanufaktur Mönchshof in Kulmbach. Während die Braukunst des ehemaligen Zisterzienserklosters bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, entstand die Manufaktur der Brauerei Kulmbach erst in den letzten Jahren, um u.a. auch dem recht mäßigen Markenimage etwas aufzuhelfen. Dem Trend nach mehr Handwerk im Bier folgend, konzentrierte man sich seither verstärkt darauf auch etwas aufwendigere und historische Biere zu brauen. Eines davon ist das Zoigl, das sich selbst am besten beschreibt:

„Zoiglbier ist ein echtes Kind traditioneller Braugeschichte. Es hat seinen Ursprung in der bayerischen Oberpfalz, wo es über Jahrhunderte hinweg als Bier der „brauberechtigten Bürger“ meist in Kommunbrauhäusern eingebraut wird.

Der jeweilige „Zoigl“ wird in einem großen Fass zum Keller des „Zoiglbrauers“ gefahren, dort mit untergäriger Hefe angestellt und für die Gärung und Reifung im Keller gelagert.

Um anzuzeigen, wo gerade fertig ausgereifter „Zoigl“ frisch vom Fass ausgeschenkt wird, hängt man einen Reisigbesen, Fichtenbusch oder sechszackigen Brauerstern vors Haus.
Von diesem „Bierzeiger“ – dem sogenannten „Zoigl“ – leitet sich auch der Name des Bieres ab.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Export
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12.3°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Kulmbach
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: Malzig-frisch, karamellig und leicht blumig mit einer trüblichen industriell-metallischen Note
Geschmack: Auch hier ist eine leichte industrielle Note zu schmecken. Ansonsten ganz klar karamell-malzig (leicht angeröstet), ein klein wenig bitter mit einem süßlich-herben Abgang. Insgesamt nicht so vollmundig wie ich dachte und leider auch etwas unausbalanciert.
Da ich selbstverständlich nicht nachvollziehen kann, wie ein historisches Ziogl geschmeckt hat, fällt ein solcher Vergleich schwer. Vorstellen kann ich mir jedoch aber, dass Mönchshof bzw. Kulmbach mit diesem Bier ziemlich nah an das Original herangekommen ist, wenn man einmal die leichten Industrie-Noten abzieht. Wenn es dann noch in Zukunft mehr „roten Faden“ bekommt, würde mir das Bier aber noch besser gefallen. So gibt es zunächst „nur“ 11 Pkt (2).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.mönchshof.de/manufaktur/manufaktur-biere/zoigl-naturtrueb.html.

Prost!

188. Hellers Wieß

Regionsbier #2 ist heute das Wieß aus dem Hause Hellers, gelegen zwischen Rathenau- und Barbarossaplatz in unserer westlichen Millionenstadt Kölle. Nachdem es jahrzehntelang in Köln fast ausschließlich Kölsch gab, bin ich froh, dass dort auch immer mehr andere Sorten gebraut werden. Hellers liegt dabei mit seinem Wiess nicht nur voll im Trend sondern beweist sogar großen Mut und braut seit 2013 mitten in Köln ein Altbier. Das einzige Alt aus Köln, wie mir bekannt ist. Wer also mal über eins stolpert, darf es mir gerne mitbringen ;). Eine weitere Besonderheit der Brauerei ist die doch immer noch recht seltene Bio-Zertifizierung, die sie seit Gründung 1991 inne hat. Somit darf ich heute also mein erstes Bio-Wieß probieren.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wieß
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
4,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln
Erscheinungsjahr. . .
1991

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Malzig, leicht fruchtig-würzig, wirklich sehr blumig und klar und frisch präsentiert es sich in der Nase. Malzig, leicht bitter-würzig, vollmundiger und mittel-spritzig bei malzig-süßem Abgang liegt es dann auf der Zunge. Auch das Hellers ist meiner Meinung nach wieder ein Beweis, dass Wieß die besseren Kölsch sind. Einfach mehr Charakter, mehr Geschmack und mehr Tiefe. Trotz verbesserungswürdigem Äußeren, dass wohl nicht jeden Kunden anspricht, gibt es für das Hellers Wiess verdiente 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.hellers.koeln/hellers-biere/#wiess.

Prost!

187. Vulkan Pils

Heute und (hoffentlich) morgen wird es bei mir wieder etwas regionaler mit zwei Bieren aus Köln und der Eifel. Genauer gesagt aus der östlichen Vulkan-Eifel – der seit etwa 50 Mio. Jahren vulkanisch aktivsten Landschaft Westdeutschlands. Hier (in der Nähe des Laacher Sees) befindet sich seit 1875 die Vulkan-Brauerei, von der ich bereits das Pale Ale verkosten durfte. Eine Brauerei, die nicht nur regionale Produkte verwendet und dadurch mit dem Siegel „Regionalmarke Eifel“ ausgezeichnet ist, sondern auch keines ihrer Biere filtriert. Somit habe ich es heute also nach (inter-)nationalen Standards nicht wirklich mit einem Pils zu tun, da dieses stets blank und ungetrübt sein muss. An anderer Stelle findet man für solche Biere die Bezeichnung Keller-Pils, da auch Kellerbiere naturtrüb sind. Für ihr Bourbon Barrel Doppelbock bereits mit dem Meininger International Craft Beer Award „Craft-Bier des Jahres“ ausgezeichnet, darf auch beim unfiltrierten Pils auf hohe Qualität zu hoffen sein.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . (Keller-)Pils
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mendig
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

In der Nase noch klar grasig, blumig, malzig und herb ist das etwas andere Pils geschmacklich etwas indifferent. Einerseits Pils-typisch mit seinem charakterlichen hopfig-herben Grundaroma, andererseits aber auch klar malzig-getreidig-blumig. Auch im Abgang ist neben der erwartbaren Herbe auch eine leichte Süße erschmeckbar. Insgesamt hat es die Vulkan-Brauerei also geschafft das zumindest in Deutschland nördlich des Weißwurst-Äquators sehr verbreitete Pils nochmals neu zu interpretieren. Für mich ist und bleibt es aber wahrscheinlich genau wegen dieses hohen Marktanteils kein besonders herausragender Bierstil. Deshalb kann ich dem qualitativ wirklich guten (Keller-)Pils nicht mehr als 11 Pkt. (2) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.vulkan-brauerei.de/2016/10/26/neue-sorte-vulkan-pils/.

Prost!

186. Theodor König Zwickl

In den kommenden Tagen möchte ich an dieser Stelle (soweit möglich) meinen Biervorrat nach und nach vorstellen. Das heutige Bier habe ich noch im letzten Jahr in Rheda-Wiedenbrück im TrinkGut als kostenloses Give-Away eingeheimst. König Pilsener hat mit dem Zwickel zu den anderen großen Brauereien Deutschlands, wie Becks, Krombacher oder Warsteiner, aufgeschlossen und versucht ebenfalls ein „handwerkliches“ an den Mann zu bringen. Interessanterweise scheint der Trend dabei klar zu den Kellerbieren zu gehen, wenn man nicht gleich, wie Bitburger, mit einer ganzen neuen Marke ins Kreativ-Bier-Geschäft einsteigt. Nicht nur deshalb, habe ich nicht allzu große Erwartungen an das heutige Bier. Ebenso ist es dem Umstand geschuldet, dass das Pils aus selbigem Haus meiner Ansicht nach eines der schlechtesten unter den großen deutschen Biermarken ist. Aber ich bin ja durchaus offen für alles und gebe natürlich auch diesem Bier eine faire Chance.

„Ursprünglich erlernte Theodor König, Sohn einer Bauernfamilie, die Landwirtschaft. Während seiner Lehr- und Wanderjahre, packte ihn die Leidenschaft für das Brauhandwerk. Er lernte auf seinen Reisen verschiedenste Braumeister und Brauarten kennen. Inspiriert von diesen Entdeckungen gründete er 1858 die “Bayrische Bierbrauerei Theodor König” in Beeck nahe Duisburg. Da er die in der Region bis dato unbekannte untergärige Brauart einführte, galt er als Braupionier. Mit Herz und Seele braute er besonders leckeres Bier für die durstigen Arbeiter der umliegenden Zechen. So wurde das Haus König schnell über die Stadtgrenzen bekannt.
Auch heute noch brauen wir mit dieser Hingabe und sind uns sicher, dass jeder Schluck, der den Hof verlässt, den hohen Ansprüchen unseres Gründers Theodor König genügen würde und auch ihm geschmeckt hätte. Daher tragen die Produkte sein Gesicht, seine Unterschrift und werden mit dem besonderen TK-Siegel versehen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Duisburg
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Schon in der Nase die erste Überraschung: Bei einer mehr grasigen als röstigen Malznote und leicht bitteren karamellsüßen Nuancen ist es weit weniger industriell als befürchtet. Auch am Gaumen hat es qualitativ wenig mit dem großen Pils-Bruder gemein. Malzig-süß, wenig Hopfenbittere, trotzdem frisch und sehr weich mit einem herb-süßen Abgang. Aber insgesamt – und das muss man dazu sagen – auch irgendwie uniform mit wenig spezifischem Charakter. Trotzdem qualitativ und geschmacklich gut und deshalb auch 11 Pkt. (2) wert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.theodor-koenig.de/.

Prost!

185. Plankstettener Maibock

Nach dem gestrigen Altenmünster folgt heute der zweite Maibock. Diesmal aus den wirklich herausragenden Brauhaus Riedenburg aus dem Altmühltal. Warum herausragend? Nunja nicht nur weil hier seit 1994 in Bioqualität höchste traditionelle Braukunst zelebriert wird, Bier-Mix-Cocktails nichts Unbekanntes sind, auch das 200.000 hl per anno umfassende Sortiment der 1866 gegründeten Brauerei ist derart vielfältig, dass es neben den klassischen bayrischen Bieren auch moderne Biere im Stile der Craft-Bewegung sowie besondere Bierspezialitäten, aus Urgetreiden wie Emmer, Einkorn und Dinkel oder auch Hirse, gibt. Seit einiger Zeit wird das Sortiment auch durch die Biere der Benediktinerabtei Abtei Plankenstetten erweitert. Das bis ins 12. Jahrhundert reichende Kloster beliefert das Riedenburger Brauhaus mit ihren Bio-Getreiden, welches dann daraus die Biere nach klösterlichem Rezept braut. Jedes Jahr Ende April veranstaltet die Abtei dann ein traditionelles Maibockfest mit Anstich des ersten Fasses, Biergartenolympiade und Tanz in den Mai. Nichts weniger als ein ebenso herausragenden Maibock erwarte ich dann aber auch…

Erworben habe ich das Bier übrigens auf dem Anrather Stautenhof – einem Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau mit Metzgerei, Bäckerei und angeschlossenem Hofladen und Bistro. Wer also einmal im schönen Willich oder niederrheinischer Umgebung weilt, sei ein Besuch in jeglicher Hinsicht sehr zu empfehlen. Selbst für die Kleinen ist mit einem Outdoor-Spielbereich gesorgt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Maibock
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
1904

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Der ungewöhnlich dunkle Maibock zeichnet sich in der Nase durch eine ausgeprägte dunkelmalzige Note aus, die leicht angeröstet, grasig-würzig und ein wenig nach Schokolade riecht. Auf der Zunge ist es dann ähnlich röstmalzig, leicht alkoholaromatisch und karamellsüß mit einem bitteren Unterton. Insgesamt wirkt es vollmundig, weich und wenig spritzig bei einem trocken-herben Abgang. Ist es also so herausragend wie erhofft? Nunja zumindest ist es überraschend, bayrisch verwurzelt und qualitativ hochwertig. Zwar nicht unbedingt das, was man sich gerade als West- oder Norddeutscher unter einem Maibock vorstellt, aber in jedem Falle eine sehr interessante Interpretation. Deshalb gibt es Summe gerechtfertigte 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/plankstettener-biere/plankstettener-maibock.html.

Zum Riedenburger Online-Shop (den ich wärmstens ans Bierherz lege) geht’s hier lang: http://www.riedenburger.de/startseite/onlineshop/produkte.html.

Prost!

184. Altenmünster Maibock Hell

Nachdem mich mein Großer heute ausnahmsweise mal früh entlassen hat, ergreife ich die Chance – bevor der Mai zu Ende geht – auch endlich ein Maibock zu verköstigen. Eine Gattung Bier, die mir irgendwie zuletzt nicht wohl gesonnen war. So lag ich doch just zu der Zeit letztes Jahr flach als in der Brühler Eule die Maiböcke thematisiert wurden. Und nun ist auch schon wieder dreiviertel des Monats rum ohne ein Maibock. Mit dem Verweis auf die Zusammenfassung der Bockbierveranstaltung im Februar des letzten Jahres, möchte ich mich nun dem Bier widmen. Vorweggesagt, es ist leider kein authentisches Original. Der Ursprung der Marke lässt sich auf den ersten und zweiten Blick nicht herausfinden. Zumindest existiert in Altenmünster (Bayrisch Schwaben) noch ein Braustüberl, auf das Namen und Wappen zurückgeht. Gebraut wird es zumindest seit der Neuzeit vom Allgäuer Brauhaus, welches wiederum zur Radeberger Gruppe gehört. Diese Vorbehalte aber mal ausgeblendet versuche ich mich möglichst unvoreingenommen auf das Bier einzulassen. Gerne verweise ich an dieser Stelle auch an ein anderes Altenmünster, was zu Beginn des Bierjubiläums bereits von Nils getestet wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Maibock
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Stammwürze. . . . . .  16.2°P
Alkoholgehalt. . . . . .
7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Marktoberdorf-Leuterschach
Erscheinungsjahr. . .
2002

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Olfaktorisch zunächst die Bestätigung meiner Befürchtung: Bei leicht grasigen Nuancen und hopfenbitteren Spitzen dominiert ein allgemeiner industrieller Duft. Gustatorisch hingegen die kleine positive Überraschung: So stark industriell wie es riecht, kommt es zum nicht auf der Zunge daher. Es ist im Allgemeinen vermutbar vollmundig und leicht alkoholaromatisch. Allerdings eben auch blumig-grasig, hopfig bitter und dezent fruchtig. Alles das, was ein Maibock eigentlich ausmacht. Man muss also konstatieren: Job gemacht. Der leicht ölige Abgang macht das Bier sogar auch etwas individuell. Trotz der Verwendung von Hopfenextrakt, kann ich mich in der Gesamtwertung aber nicht zu einer 3 durchringen. Vielleicht ist es die Freude über einen (bisher) ruhigen Abend nach einem anstrengenden Tag, vielleicht ist es aber auch nur die Freude am Bier und am Maibock – aber das Altenmünster hat heute Glück und erhält mir 10 Pkt. noch eine 2–.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.altenmuenster-brauerbier.de/beer/maibock-hell/.

Prost!

183. Störtebeker Bernstein-Weizen alkoholfrei

Fast zwei Monate nach der Geburt meiner Tochter versuche ich mich mal wieder an einer Rezension. Unter widrigen Bedingungen eines schlafverweigernden Sohnes taste ich mich vorsichtig an das Thema mit einem Alkoholfreien heran. Da mir eigentlich nur gute Erinnerungen an der alkoholhaltigen Variante des Bernstein-Weizens aus dem Hause Störtebeker im Gedächtnis sind, bin ich frohen Mutes, dass auch die alkoholfreie Variante ein würdiger (sukzessiver) Wiedereinstieg in das Bierbloggen ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hefeweizen
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12.9°P
Alkoholgehalt. . . . . .
<0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stralsund
Erscheinungsjahr. . .
2008

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Das erste Bier nach längerer Abstinenz schmeckt natürlich immer etwas merkwürdig. Das gilt auch für ein alkoholfreies. Gerade im Geruch erscheint es mir schon sehr unauffällig und dezent. Erkennbar sind aber vor allem grasige und wenige Hopfen-Noten. Geschmacklich spielt es jedoch in der ersten Liga der alkoholfreien klassischen Hefeweizen. Sehr frisch und erfrischend, grasig und schön dumpf malzig, sehr weich, etwas Bananenaroma mit einer leichten Süß-Sauer-Note erinnert das Bier ziemlich stark an die Konkurrenz aus Erding, allerdings mit dezent stärkeren Charakterspitzen. Auch wenn der Vergleich zu anderen alkoholvollen Varianten in gewisser Weise hinkt, gibt es trotzdem gute 11 Pkt. (2) für eine gute Alternative für Autofahrer, Fastende oder Alkoholverweigerer aus anderen Gründen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.stoertebeker.com/de_de/bernstein-weizen-alkoholfrei/.

Prost!

Biersirup

Anlässlich des heutigen Tages der Arbeit war ich auch nicht untätig und habe zum ersten Mal selbst Biersirup für meine HausMannBar hergestellt. Als Basis dienten mir dabei zum Einen das Original-Weißbier von Schneider Weisse und zum Anderen das Köstritzer Schwarzbier. Und da ich sowieso mal ausprobieren wollte, wie ein Blend-Bier schmeckt, habe ich ganz Reinheitsgebots-inkonform beide Restbiere zusammengekippt:

Neben dem Bier und Rohrohrzucker (weißer für das Cervisia Blanca, brauner für das Cervisia Nigra) im Verhältnis 1:1 kamen übrigens noch 2cl Drambui und eine Prise geheime Biergewürze zum Einsatz.

Doch wofür braucht man denn eigentlich Biersirup? Nunja einerseits kann er natürlich als Bierersatz in dem ein oder anderen Biermix-Cocktail herhalten. Andererseits aber bereichert er auch die „unbierige“ Cocktail-Karte um interessante  Geschmackskomponenten. Hier nur einmal zwei Cocktail-Rezepte mit Biersirup:

Weißbier Sour*:
2cl Wodka
1cl Bananenlikör
2cl Grapefruitsaft
2cl Zitronensaft
2cl Weißbier-Sirup
(+ Weißbier-Espuma)

Duits-Hollands Sour**:
6cl Oude Genever
3cl Zitronensaft
2cl Schwarzbier-Sirup
1/2 Eiweiß
+ eine Prise geriebene Muskatnuss

* by Dietmar Petri, Cortiina Bar, München
** by Helmut Adam, Jeny Hasenbein & Bastian Heuser from Coktailian

Weitere Infos zum Thema gibt es auch hier. Gerne verweise ich in diesem Zusammenhang auch nochmals auf meine kleine Auswahl an Biermix-Cocktail-Rezepten:

Bier-Mix-Cocktails

Achso: Das schwarz-weiße Blend-Bier war in der Tat interessant. Da keine der beiden Biere dominierte, war es sowohl leicht hefig-bananig als auch röstig-malzig. Zugegebenermaßen sind die Unterschiede dieser beiden Bierstile trotzdem wohl aber zu groß, als dass sie sehr gut harmonieren würde. Und: Ein Blend-Bier, dass bereits beim Brauvorgang entsteht entwickelt sicher weitmehr ausbalancierte Geschmackselemente. Aber einen Versuch war es allemal wert.

In diesem Sinne also auf die Bier-Mix-Cocktails!

Gründung Deutsche Kreativbrauer e.V.

Zum diesjährigen Bierjubiläum hat sich ein neuer Verband gegründet, der sich das Ziel gesetzt hat das Reinheitsgebot zu reformieren. Einerseits soll es auf natürliche Zutaten eingeschränkt, aber gleichzeitig auch von unverständlichen Restriktionen befreit werden.
So ist es derzeit wie bereits in Das Reinheitsgebot beschrieben zwar möglich chemische Hilfsstoffe oder Zuckerarten zur Färbung des Bieres zu verwenden, allerdings sind jegliche natürliche Zutaten außer Gersten-, Weizen-, Roggen- und Hafermalz (bei untergärigen Bieren sogar nur Gerstenmalz), sowie Hopfen und Hefe verboten. Der Verein – zu dem u.a. das Fritz Wülfing mit Ale Mania aus Bonn zählt – will sich dafür einsetzen die Qualität des in Deutschland gebrauten Bieres wieder zu erhöhen – dafür soll das Reinheitsgebot einem „Natürlichkeitsgebot“ weichen.
Als „Konstitutionssud“ wurde gleich gemeinschaftlich ein untergäriges Weizenbier gebraut – etwas, das laut vorläufigem Biergesetz v.a. in Bayern nicht erlaubt ist.

Bierjubiläum begrüßt diesen längst überfälligen Schritt, wünscht allen Kreativbraueren viel Erfolg und hofft, dass sich auch die weiteren deutschen Brauverbände dieser Initiative offen gegenüber stellen.

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Infos unter:

www.deutschekreativbrauer.de/das-natuerlichkeitsgebot/

http://www.ardmediathek.de/tv/Schwaben-Altbayern/Nat%C3%BCrlichkeit-statt-Reinheit/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14913702&documentId=42261512