Archiv der Kategorie: Bierverköstigung

202. Schoppe Bräu Berliner Schnauze

Von München geht es heute weiter in die nächste deutsche Millionenstadt. Aus der deutschen Kapitale stammt seit 2001 ebenfalls eine inzwischen recht erfolgreiche kleine Handwerksbrauerei, die sich zu den ersten ihrer Art zählen darf. Zwar ist man mittlerweile (zum Glück) eine unter vielen sog. Craftbeer-Brauereien, setzt aber meiner Ansicht nach trotzdem die richtigen Akzente:

„Hopfen, Malz und Muskelschmalz

Diesem Motto sind wir seit unseren Anfängen treu. Wir stellen unsere Biere sämtlich in kleinteiliger handwerklicher Produktion aus besten Rohstoffen her. Sie sind allesamt unfiltriert und nicht wärmebehandelt. Das kommt ihrer Frische und der Bekömmlichkeit zugute.

Heutzutage unterscheiden sich Dutzende von zwar „technisch“ einwandfreien, aber gleichförmigen und geschmacksarmen Industriebieren nur durch ihre Fernsehwerbung.

Wir stellen Biere her, an die man sich wegen ihres Geschmacks erinnert, nicht wegen des letzten Spots. Denn ihr Geschmack ist vollmundiger, intensiver, vielschichtiger.

Wir wollen die Vielfalt des Genussmittels „Bier“ erfahrbar machen. Dazu beschreiten wir auch mal unverbrauchte und ausgefallene Wege – abseits der sattsam bekannten Pfade. Heutzutage sagt man „Craft Beer“ dazu.

Die Veredelung der eigenen Arbeitsbeschreibung mit diversen englischsprachigen Begriffen ist zwar schwer in Mode – etwa als „Corporate Orchestration Trailblazer“, „International Optimization Facilitator“ oder „Strategic Craft Beer Evangelist“ — wir sind schlicht und ergreifend Brauer!

Und das mit Herz und Seele!“

Die Berliner Schnauze zumindest bietet mit drei Getreidemalzen schon einmal interessante Eckdaten. Bin gespannt, ob mich auch hier der Roggen überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkles
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: mehr karamellig als röstig, leicht bitter und sonst frisch und klar
Geschmack: hier mehr röstig als karamellig und ein ganz wenig grasig; bei leicht hopfig-bitterer Spritzigkeit und röstig herbem Abgang insgesamt aber etwas unruhig
Gesamt: Obwohl das dunkle „Dreikornbier“ sicher eines der besseren ist, steht es heute leider etwas im Schatten vom herausragenden gestrigen Vorgänger. Die Verwendung von Roggenmalz macht sich aber insofern bezahlt, als dass die Geschmacksnuancen nun deutlich vielfältiger und klarer sind als bei vergleichbaren Bieren des Stils. Ggf. hätte man aber auch eine Zusammensetzung der Malze und Hopfensorten setzen können, um ein noch besseres Ergebnis erzielen zu können. Deshalb heute „nur“ 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.schoppebraeu.de/de/#product_details–berliner_schnauze.

Prost!

200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

176. Belgische Abteibiere – Bierverköstigung März

La Trappe Blond | Westmalle Dubbel | St. Feuillien Tripel | Klosterbrauerei Baumburg Chorherrenbock | Wild Animal Rhineland Bound Coffee Oatmeal Stout

Heute vor genau einer Woche stand für mich die vorerst letzte Bierverköstigung in der Kierberger Eule vor meiner Babypause an. Analog zum Februar-Thema ging es diesmal um das belgische Pendant zu den deutschen Klosterbieren, die Abteibiere – geleitet wie immer vom Biersommelier Markus Weick. Dabei spielen die belgischen Abteibiere jedoch für die belgische Bierkultur eine bis heute erheblich größere Rolle als vergleichsweise die Klosterbiere für Deutschland. Das hat vor allem damit zu tun, dass Bier in Belgien einen noch höheren Stellenwert als hierzulande besitzt. Zwar ist in Belgien die Brauereidichte und die Marktaufteilung recht ähnlich wie bei uns, allerdings ist die relative Biervielfalt (im Sinne noch unterschiedlichen Bierstilen) deutlich größer und international gesehen auch spezieller. Das führt dazu, dass selbst absolut gesehen Belgien größerer Netto-Bier-Exporteur als Deutschland ist. Belohnt für diese Vielfalt und Wertschätzung wurde die belgische Bierkultur mit der Auszeichnung als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO im letzten Jahr.

In der folgenden Übersicht sind die unterschiedlichen Formen von Abteibieren in Bieren dargestellt. Dabei bilden die sogenannten Trappisten-Biere den Kern aller Abteibiere. Das Trappisten-Logo dürfen nur diejenigen Brauereien tragen, bei denen das Bier ausschließlich von den Trappisten-Mönchen in der Abtei gebraut wird. Dabei befinden sich gar nicht alle Trappisten-Klöster in Belgien, auch in Österreich und sogar den USA gibt es ein Kloster der Trappisten. Bier, das nicht in der Abtei aber für die Abtei gebraut wird darf das Logo „Erkend Belgisch Abdijbier“ tragen. Die Marke muss aber eine nachweisbare historische Verbindung zu einem Abteikomplex herstellen und die Biere auf historische Rezepte zurück gehen. Zudem hat die Brauerei Lizenzgebühren an die Abtei zu zahlen, welche u.a. auch ein Kontrollrecht über die Werbung inne hat. Daneben gibt es auch Biere, die lediglich „Abtei“ im Namen tragen, aber nichts (mehr) mit einer wirklichen Abtei zu tun haben.

Wie bereits beschreiben gibt es in Belgien eine besonders „spezielle“ Biervielfalt, die sich im Wesentlichen von den deutschen Bierklassikern unterscheidet. Hier ein kleiner Überlick über die üblichsten belgischen Bierstile aus der schon erkennbar ist, welche Rolle auch fassgereifte oder Fruchtbiere spielen:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Gilden-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es mir aber zumindest wieder viele Kronkorken in meine Sammlung spülte ;).

Den Beginn der Verkostungsreihe machte das blonde von La Trappe. Einem Trappistenbier, dem zwischenzeitlich das Trappisten-Logo entzogen wurde, weil „sich die Mönche nicht mehr ausreichend um ihr Bier kümmerten“:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: sehr süß, fruchtig (Maracuja, Litschi, Mango, Ananas), hefig
Geschmack: weich, schön hefig-weizig, süßlich-karamellig, ganz leicht malzig-würzig

Das nächste Bier kommt aus einer der bekanntesten und hilfsbereitesten Abteibrauereien. Schließlich griffen die Mönche von Westmalle bereits mehrfach in der Vergangenheit befreundeten Klosterbrüdern unter die Arme, wenn diese ihr Bier (noch) nicht (mehr) selbst brauen konnten. Das vorliegende Dubbel kann außerdem als das erste der Welt bezeichnet werden, da Westmalle diesen Bierstil quasi erfunden hat:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: süß-bitter, leicht malzig-grasig, dumpf
Geschmack: bitter, säuerlich, herb-saurer Abgang, spritzig, malzig-süß, wenig röstig

Zum dritten Abteibier kam es dann ganz dicke. Schließlich brachte Markus eine Salmanazar-Flasche mit 9 Liter Volumen aus seinem Bierkeller hervor. Auch das ist Teil der belgischen Bierkultur, in der gerne mal etwas größer abgefüllt wird. Diese wurde zwar nicht angetastet, jedoch zwei der Jeroboam(3l)-Flaschen.:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: gering säuerlich, zitrusartig, spritzig-bitter
Geschmack: fruchtig-sauer (Maracuja, Banane, Himbeere), leicht hefig-weizig, mild, weich

Den Abschluss der Abteibierverkostung machte das blaue aus dem Hause Chimay. Dabei kamen mir wieder Erinnerungen aus der Einführung in die Biervielfalt hoch, bei der wir dieses Bier bereits verköstigten und ich völlig überrascht war, dass manchen belgische Biere erst bei etwas höheren Temperaturen schmecken:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: süßlich-malzig, röstig, herzhaft-würzig
Geschmack: karamell-malzig, süß, röstig, alkoholaromatisch, dumpf, leicht dunkel-fruchtig

Hier also nochmals alle Biere in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Zum Ausklang hier nochmal ein genereller Überblick über die verschiedenen Trappistenbiere:

 

In der Runde teilten wir uns dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Klosterbrauerei Baumburg Chorherrenbock:
    – dunkles Bockbier aus dem Sortiment des Stärk-Antrinkens
    – aus der 1612 gegründeten fränkischen Privatbrauerei
    – untergärig, 6,8%, 16.8°P
    – Gold Award beim European Beer Star 2012
    – malzig, süß und mild
    http://www.baumburger.de/unsere-biere/baumburger-chorherrenbock/

  • Wild Animal Rhineland Bound Coffee Oatmeal Stout:
    – aus der noch jungen Kreativbierbrauerei in Koblenz bzw. Wittlich
    – benannt nach dem gleichnamigen Film von Quentin Tarantino
    – mit Hafer und Kaffee eingebraut

    – obergärig, 5,2%
    https://www.facebook.com/thewildanimalbrewingco/

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde (sofern ich wieder am Start bin) – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Braustelle @ Hopfenrausch

Am vergangenen Donnerstag Abend hatte ich die Möglichkeit die kleineste Brauerei Kölns in einem intensiven Kompakt-Programm kennen zu lernen. Der ebenfalls in Ehrenfeld gelegene Biergenussladen Hopfenrausch lud in Koorperation mit mit dem Braustellen-Braumeister Peter Esser zu einem Verkostungsabend von 8 Helios-Braustellen-Bieren an. Neben der Verkostung erzählte er jede Menge interessanter Hintergrundinformationen zum Brauen und spannende Anekdoten aus seinen vielen Jahren Brauerfahren in der kleinsten Brauerei der westlichen Millionenstadt. Dabei ging es auch auf Fragen des Elferrates ein (mit mir waren wir genau 11 Teilnehmer) und erklärte die unterschiedlichen Bierstile und seine Entstehung in der Braustelle. Gerade als Unbedarfter war es schon erstaunlich, welch große Auswahl die Braustelle zu bieten hat. Und dabei gibt es in der Braustelle sogar noch mehr Hopfenschorlen zu probieren. Insgesamt gerade für ein gemischtes Publikum eine gute Veranstaltung um fernab des Mainstreams Bier neu kennen zu lernen. So schmeckte sicher nicht jedem jedes Bier, aber auch für Bier-Unerfahrene gab es am Ende des Abends mindestens ein neues Favoriten-Bier. Am Ende der Veranstaltung nutzte ich natürlich noch die Gelegenheit mir ein paar Biere aus der wirklich sehr guten Auswahl des Hopfenrauschs mitzunehmen.

Diese Biere standen auf der Agenda:

  • Pink Panther
    – fruchtiges Ale mit Hibiskusblüten gebraut, 5,8%
    – lecker-frischer Einstieg

  • Helios
    – naturtrübes Wieß: die Urform des Kölschs, 4,8%
    – lecker getreidig-trüb

  • Colonia Pale Ale
    – gehopft mit Cascade, Mosaic und Sorachi Ace, 5,0%
    – „leckerer“ Gemüse-Geschmack, leider weniger leckerer Geruch

  • Helios Tripelbock
    – hopfen- und gleichzeitig malzbetontes, helles Strong Ale. 9,5%
    – lecker fruchtig-bitter

  • Irish Rover
    – malzbetontes, kräftiges Stout 6,0%
    – lecker schokoladig

  • Schwarze Sieben
    – herbes, schwarzes Stout mit viel Röstmalz und einer guten Portion Whiskymalz gebraut. 7,8%
    – lecker leicht barbeque-rauchig

  • Moulin Rouge
    – Red Ale, Reifung im franz. Rotwein-Barrique, 6,8%
    – lecker rotweinig

  • Fahrt ins Grüne
    – Bier im Stil der belgischen Lambikbiere mit wilden Kirschzweig-Hefen aus dem Kölner Grüngürtel und dem Pajottenland, spontangärig, 6,0%
    – lecker-spritziges Abschluss-Highlight

Vielen Dank also nochmals an Sabina und Peter für diesen interessanten und schmackhaften Bier-Abend.

Weitere Infos unter: http://braustelle.com/ und http://hopfenrausch.org/.

Prost!

162. Flüssiges bricht Fasten nicht – Bierverköstigung Februar

Küppers Kölsch | Steyler Klosterbier | Weltenburger Kloster Anno 1050 | Weihenstephan Vitus | Augustiner Maximator | Uerige Sticke | Aecht Schlenkerla Rauchbier Urbock | Mikkeller Brown Jackie

Als erste reguläre Bierverköstigung des Jahres 2017 ging es am gestrigen Montag in der Kierberger Eule um die Rolle der Kirche bzw. Klöster in der Geschichte des Bieres. Passend zur bald startenden Fastenzeit ein Thema, dass zwar latent immer wieder miteinander in Verbindung gebracht wird, aber selten bewusst drüber nachgedacht wird.

Als geistliche Unterstützung war an diesem Abend der langjährige Brühler Pfarrer Günther Liewerscheidt dabei. Ursprünglich aus Düsseldorf stammend hatte er es allerdings zu Beginn nicht leicht. Denn bevor richtig ins Thema eingestiegen wurde, begann Biersommelier Markus Weick erst einmal sein neues Projekt: Jeden ersten Montag im Monat zuerst ein (immer neues) Kölsch bis zum 33-jährigen Jubiläum der Kölsch-Konvention im März 2019.

Den Start machte das bis heute erfolgreichste Kölsch aller Zeiten, das jedoch durch Miss-Management heute keine sehr große Rolle mehr am Kölschmarkt spielt. Das heute etwas unpopuläre Kölsch mit dem Image eines Billig-Bieres ist und bleibt jedoch das erste Kölsch, welches in Flaschen abgefüllt wurde und das die Marke von 1 Mio. hl geknackt hat. Interessant ist auch die Eröffnung eines Brauereimuseums Anfang der 1980er – schließlich ist Küppers mit Gründungsjahr 1962 das jüngste Kölsch:

Nun aber ging es klerikal zur Sache. Parallel zu den ersten Verkostungsbieren ging Markus auf die Themen ein, die Kirche mit Bier verbinden. Zum Einen sind und waren es vor allem die Klöster, die das Thema Bier eng mit der Kirche verknüpften. So war es früher für die Mönche überlebenswichtig Bier brauen zu dürfen und zu können. Gingen viele Hausbrauereien relativ schnell wieder unter, entwickelten die Mönche eine erhebliche Bierbraukompetenz, die sie über Generationen weitergaben. Bis heute existieren noch „echte“ Klosterbrauereien, wie Andechs oder Weltenburg. Daneben sind aber inzwischen die meisten Klosterbrauereien säkularisiert bzw. befinden sich in einem säkularisierten Kloster. Die Verbindung von Kirche und Bier hat sich in gewissen Bereichen aber bis heute gehalten, so gilt St. Peter von Mailand bis heute als der Schutzpatron der Brauer. In der quasi 6. Jahreszeit – der Fastenzeit, fasten die meisten Menschen zwar kein Essen per se mehr, allerdings war dies über viele Jahrhunderte eine völlig übliche von der Kirche vorgegebene Praxis. Die Mönche und Klöster machten sich deshalb ihre Braukompetenz zu Nutze und brauten stärkere Fastenbiere. Zunächst nur um sich selbst über diese entbehrungsreiche Zeit hinweg zu retten. Später aber auch um ihr Bier an Bürger und Bauern zu verkaufen. Weitere Assoziationen findet immer wieder auf Bierflaschen, auf Bierdeckel oder in der Bierwerbung. Dabei war vor allen das Bild des dicken Mönchs mit dem Bierkrug in der Zeit der Aufklärung als Propaganda gegen die Kirche verwendet worden.

Das erste Klosterbier war eines der Kategorie „Kloster“ im Biernamen. Zum Einen wird es nicht mehr von den Steyler Missionaren aus Sankt Augustin vermarktet (sondern vom Getränkecenter St. Augustin), zum Anderen übernimmt seit neuestem die Westheimer Brauerei den Brauprozess:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: säuerlich, leicht schwefelig-hefig
Geschmack: auch säuerlich, mehr Malz, wenig Körper, leichte Süße, leicht helle Fruchtigkeit, weich

Das nächste Bier hingegen kommt aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt – je nach Meinung auch älteste Brauerei überhaupt. Als „echte“ Klosterbrauerei muss aber selbst Weltenburger inzwischen Teile ihres Bieres in der Brauerei Bischofshof in Regensburg brauen lassen, da die Klosteranlagen der Nachfrage nicht mehr gerecht werden. Und da man selbst in Brasilien nun einen erheblichen Markt hat, wird inzwischen auch in Südamerika Weltenburger Bier gebraut:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: frisch, würzig, grasig
Geschmack: malzig, getreidig-süß, würziger Abgang, leicht trocken

Das dritte Klosterbier entstammt der bis heute offiziell ältesten Brauerei der Welt. Allerdings zweifeln viele Wissenschaftler die Urkunde aus dem Jahre 1040 an. Vielmehr wird vermutet, dass diese bereits im 17. Jahrhundert gefälscht wurde. Weihenstephan gehört zu den säkularisierten Klöstern, in denen Bier gebraut wird. Daneben gibt es zudem eine Forschungsbrauerei, die von der TU München geführt wird:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: würzig-bananig-hefig, leicht hell fruchtig, leicht säuerlich
Geschmack: sehr sehr weich, bananig-fruchtig, leichte Säure, wenig Malz im Antrunk, mehr Malz im Abgang

Den Abschluss der Klosterbierverkostung machte der Maximator aus dem Hause Augustiner. Eine Brauerei, deren klösterliche Geschichte bis ins frühe 14. Jahrhundert reich, aber heute vollständig weltlich geführt wird. Auch wenn die Hälfte des Unternehmens einer gemeinnützigen Stiftung gehören:

Persönlicher Eindruck:
Geruch: wenig intensiv, leicht bitter, leicht süß
Geschmack: sehr würzig-karamell-malzig, Zwischenbittere, großer Körper

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Aber damit Pfarrer Liewerscheidt den beschwerlichen Weg auf den Kierberg nicht umsonst gemacht hat, gab es zusätzlich zur Klosterbierverkostung noch einen kleinen Ausflug in seine alte Heimat. Denn Markus hatte als Gastgeschenk u.a. eine Uerige Sticke mitgebracht:

Mein Fazit:
Da ich bisher nur das klassische Alt und die Doppelsticke kannte, war ich von der Einfach-Sticke sehr positiv angetan, da es das Beste aus Alt und Doppelsticke miteinander verbindet, ohne einerseits zu beliebig zu wirken aber andererseits auch ohne zu stark und aromatisch zu sein.

In der Runde teilten wir uns dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

Und zu guter Letzt noch ein kleiner Buchtipp: http://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/335-der-bierzauberer.html.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

145. Kierberger „Stärk antrinken“

Ammerndorfer Bock | Main Seidla Bockbier | Brauerei Wagner Bock hell | Müllerbräu Neuöttinger Bockser | Brauerei Simon Schwarze Kuni | Laško Special Striptis | Gansbräu Bock | Weiherer Bock | Spalter Bockl | Veldensteiner Saphir Bock

Titel

Normalerweise hatte es ja in diesem Januar aufgrund der schwierigen Lage des ersten Montags im Kalender ausnahmsweise keine Bierverköstigung in der Kierberger Eule gegeben. Dafür hat Biersommelier Markus Weick jedoch eine alternative Veranstaltung angeboten: Das 1. Kierberger Stärke antrinken. Eine Tradition, die Ihren Ursprung in der fränkischen Bierkultur hat und dort auch vorwiegend praktiziert wird. Das Ziel dessen ist es sich für das anstehende Jahr Kraft und Gesundheit in Form von Bockbieren anzutrinken. Die eigentliche Schlagzahl von 12 Bockbieren pro Person wurde jedoch dem Zeitgeist angepasst. So konnte sich jeder der Runde einmal ein Bier aussuchen und es mit den Übrigen teilen.

G1 G2 G3 G4

Den Weg zu mir fanden dabei folgende Böcke*:

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  • Main Seidla Bockbier:
    – untergärig, 7%
    – aus dem noch jungen (2012) Brauhaus Binkert in Breitengüßbach
    – schmeckt sehr spannend getreidig und wenig süß oder alkoholaromatisch
    – mit dem Amber Spezial ist bereits ein 14 Pkt.-Bier aus 2016 gelistet

    http://www.mainseidla.de/home.html

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  • Merkendorfer Bock Hell:
    – untergärig, 16.8°P; 7,5%
    – von der 1797 gegründeten Brauerei aus dem Landkreis Bamberg
    – European Beer Star Gold 2013
    – aber mir etwas zu industriell
    http://wagner-merkendorf.de/?page_id=86

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  • Müllerbräu Neuöttinger Bockser:
    – untergärig, 8,9%
    – dunkler Doppelbock von der 1768 gegründeten Privat-Brauerei
    – ein sog. „Vintage“-Bier auf Empfehlung von Markus, da es bereits (etwas weiter) über MHD ist
    – schmeckt aber wirklich gut, da spritzig süß und leicht schokoladig
    http://www.muellerbraeu.de/bier_bockser.html

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  • Brauerei Simon Schwarze Kuni:
    – untergärig, 16.8°P; 7,5%
    – von der 1875 gegründeten Brauerei aus Lauf
    – benannt nach der Kaiserin Kunigunde, die der über 500 Jahre alten Kirche ihren Namen gab
    – „Jedes Jahr reitet als Kaiserin Kunigunde verkleidet eine junge Frau in königlichem Ornat zur Kirchweih auf den Kunigundenberg“
    http://www.brauerei-simon.de/index.php/biere.html

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  • Laško Special Striptise:
    – untergärig, 18°P; 8,3%
    – dunkler Doppelbock von der 1825 gegründeten Brauerei aus dem Slowenischen Tüffer (erstmals gebraut 1956)
    – ein besonders in Deutschland selten zu bekommenes Bier, das aber Dank Markus den Weg nach Brühl geschafft hat
    – schmeckt für ein Doppelbock dieser Umdrehung noch recht frisch
    http://www.laskospecial.eu/en/

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  • Weiherer Bock:
    – untergärig, 16.3°P; 6,6%
    – von der 1975 gegründeten Brauerei Kundmüller
    – ausgestattet mit der fränkischen Dreifaltigkeit
    – u.a. wird auch eine Sondersud-Serie gebraut, die mit den Kriterien „Hopfengestopft. Barrel-aged. Champagnerflasche. Limitiert.“ glänzt
    https://www.brauerei-kundmueller.de/weiherer-bier/klassiker/weiherer-bock/

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Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich mit dem Veldensteiner Saphir Bock (7,8%; 1929; Neuhaus a.d. Pegnitz) auch wieder ein Mitbringsel aus der Eule (siehe auch http://www.veldensteiner.de/index.php/veldensteiner-raeucherl.html):

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* bereits gelistete Biere sind hier nicht aufgeführt

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

120. Bier & Gesundheit – Bierverköstigung November

Pinkus Müller Original | Riedenburger Doldensud | Mönchshof Schwarzbier | Guinness Extra Stout | Maisel´s Weisse Dunkel | Mort Subite Geuze Lambic | Theakston Old Peculier | Brewdog Jet Black Heart

Titel

Pünktlich zum Herbst mitsamt Schmuddelwetter und Erkältungswellen stand vorletzten Montag in Eule das Thema „Bier und Gesundheit“ an. Etwas, was auf den ersten Blick kaum zusammenpasst, da doch Bier seit vielen Jahren als gesundheitsgefährdend charakterisiert wird. Um sich diesem Thema aber mal etwas unvoreingenommener und differenzierter zu nähern hat Biersommelier Markus Weick diesmal den Arzt Albert Brüne als Gastreferent gewinnen können.

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Und nicht nur dieser – auch etliche wissenschaftliche Studien aus renommierten Instituten (u.a British Medical Journal, BKK 24, University of California) konnten zuletzt eine gesundheitsfördernde Wirkung von moderatem Bierkonsum feststellen. So verringert sich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25%. Sogar die allgemeine Sterblichkeit sinkt statistisch gesehen um diesem Wert. Selbstverständlich müssen hier immer auch die Kausalketten in Frage gestellt werden, aber dass sogar Abstinenzler eine 13% höhere Sterblichkeit haben als andere Gruppen ist zumindest interessant.

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Als moderater Biergenuss gilt daher eine Tageshöchstbelastung von etwa 15-40 g Alkohol bzw. 0,4-0,8l Bier pro Tag, wobei Männer hormonbedingt mehr trinken dürften als Frauen.

Als zentrale positive Eigenschaften von Bier gelten:

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Dabei hat Bier vor allem protektive Wirkung vor Altersdemenz, Cholesterin, Tumoren, Herzkranzgefäßerkrankungen, Gallen- oder Nierensteine, Osteoporose, Diabetes (Typ II) sowie viralen Infektionen:

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Hinzu kommen die positiven Eigenschaften der Vitamine und Mineralstoffe im Bier und seine verdauungsanregende Wirkung. Aber zwei Gefahren dürfen niemals außer Acht gelassen werden (v.a. bei erhöhtem Bierkonsum):

g

Eine Lösung könnten daher (zumindest ab und an oder im Alltag) alkoholfreie Biere sein:

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Bier wurde aber natürlich auch verköstigt. Den Anfang machte dabei ein ganz besonderes Bier, da es das letzte Original Münster Altbier ist und aus einer der ältesten Bio-Brauereien Deutschlands kommt. Auch wenn es für einen Rheinländer zunächst gewöhnungsbedürftig, da mit Alt doch etwas andere Attribute verbindet:

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Mein Eindruck:
– Geruch: frisch, leicht süß, pilsig-aleig
– Geschmack: hopfig-herb, leicht sauer, leicht malziger Abgang, nach Kölsch bzw. Berliner Weisse

Das zweite Bier war ein Vetter eines Bieres auf unserer Franken-Bier-Tour:

2 IMG_20161107_202930

Mein Eindruck:
– Geruch: fruchtig, frisch, Maracuja-Citra
– Geschmack: süffig, süß, malzig, fruchtig, harmonischer Abgang

Das nächste Bier hätte ich eigentlich nicht erwartet. Denn wie Markus ging ich bisher bei dem Namen Mönchshof eigentlich von eher minderer Qualität aus – schließlich kann man es in fast jedem Bahnhof kaufen. Doch Markus ließ sich vor gar nicht allzu langer Zeit im Bier-, Brot- und Gewürzmuseum in Kulmbach eines Besseren belehren:

3 IMG_20161107_204357

Mein Eindruck:
– Geruch: mild, malzig, süß-sauer
– Geschmack: röstig, malzig, nicht süß, eher sauer, leicht herber Abgang

Das folgende Bier war bereits das dritte Guinness im Rahmen der Bierverköstigungen:

4 IMG_20161107_210150

Mein Eindruck:
– Geruch: leicht säuerlich, geringe Malznoten
– Geschmack: trocken, leicht nach Salami, röstmalzig, etwas wässrig – geringer Körper

Das letzte Bier der offiziellen Verköstigung war ebenfalls von dunkler Farbe, wobei diese nicht von Röstmalzen, sondern von beigemischtem Röstmalzbier hervorgerufen wird:

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Mein Eindruck:
– Geruch: schön bananig, wenig dunkelmalzig
– Geschmack: recht undifferenziert, bananig, weich, hefiger Abgang

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus:

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Markus und ich teilten uns dann noch folgendes Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

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  • Brewdog Jet Black Heart
    – Milk Stout aus der bekannten britischen Craft-Bier-Brauerei in Ellon
    – mit Hafer, Weizen und Lactose
    – obergärig, 4,7%
    http://mikkeller.dk/

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Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich auch wieder ein Mitbringsel aus der Eule (siehe auch http://www.fullers.co.uk/beer/explore-our-beers/old-winter-ale):

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Und zu guter Letzt noch ein kleiner Buchtipp: https://www.kopp-verlag.de/Die-Heilkraft-des-Bieres.htm?websale8=kopp-verlag&pi=947000&ci=000475&ref=bing&subref=Heilkraft%2520des%2520Bieres.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

100. Schwarze Biere – Bierverköstigung Oktober

Breznak Schwarzbier | Störtebecker Schwarzbier | Guiness Draught | Guiness Foreign Extra Stout | Inselbrauerei Baltic-Stout | Ale Mania Bonner Wieß | Mikkeller Milk Stout | Sharp´s Wolf Rock Red IPA

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Am heiligen deutschen Nationalfeiertag ging es in die 10. Verköstigungsrunde in der Brühler Eule in diesem Jubiläumsjahr. Passendes Thema zur Wiedervereinigungsfeier waren schwarze Biere – sind diese schließlich das Aushängeschild mittel-ost-deutscher Braukunst. Dabei ging Biersommelier Markus nicht nur explizit auf Schwarzbiere, sondern auch weitere schwarze Biere ein. Als schwarzes Bier kann dabei jedes Bier von mindestens etwa 50 °L (Grad Lovibond)gemäß European Brewery Convention gelten. Die Farbe wird (neben Zuckercouleur) vor allem durch stärker gedarrtes oder geröstetes Malz hervorgerufen. Auch spezielles dunkleres oder schlicht die Verwendung von mehr Malz können Einfluss auf die Bierfarbe haben. Dabei sind schwarze Biere nicht automatisch vollmundiger oder alkoholhaltiger. Das deutsche Schwarzbier hat im Übrigen seinen Ursprung im heutigen Thüringen und südwestlichen Niedersachsen.

Den Start des Abends machte allerdings ein tschechischer Vertreter: Das Breznak Schwarzbier (siehe 47.):

1

Das zweite Bier kam dann nun auch aus Deutschland- genauer gesagt aus der 2011 gegründeten Störtebecker Braumanufaktur (siehe auch 31.):

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Mein Eindruck:
– Geruch: röstmalzig, Kaffee, trocken
– Geschmack: gehaltvoll, Kaffee, leicht süß, weich

Fürs nächste Bier ging es dann wieder ins Ausland. Diesmal aber auf die grüne Insel Irland:

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Dabei gab es das Bier ausnahmsweise aus der einzigartigen Guinness-Dose. Diese ist deshalb so interessant, da sie eine Kugel (ein sog. Floating Widget) enthält, welche mittels Stickstoff bei Öffnen der Dose den guinness-typischen feinporigen, üppigen und stabilen Schaum entstehen lässt.

Mein Eindruck:
– Geruch: kaum vorhanden, frisch, leicht röstig
– Geschmack: klar, wässrig, leicht

Direkt im Anschluss und sozusagen fast im Direktvergleich folgte ein weiteres Mitglied aus der großen Guinness-Familie:

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Wie auf der Karte zu erkennen handelt es sich hierbei um ein authentisches afrikanisches Guinness, welches aus Nigeria importiert wurde. Dabei muss erläutert werden, dass vom Gesamtausstoß von Guinness weltweit ca. 40% auf den afrikanischen Kontinent entfallen. Das heißt, dass nicht nur das Bier dorthin exportiert wird, sondern es vor Ort in Afrika produziert wird. Lediglich der Guinness-prägende Hefe-Stamm wird aus Irland importiert. Und aufgrund einer großen nigerianischen Bevölkerungsgruppe in London, wird das in Afrika gebraute Guinness tatsächlich auch nach Europa exportiert. Im Gegensatz zum irischen Produkt werden in den afrikanischen Versionen übrigens auch Weizen- und Hirsemalze verwendet.

Mein Eindruck:
– Geruch: sauer, bitter, frisch, malzig
– Geschmack: bitter, süß-sauer, leicht fruchtig, leicht holzig

Zum Abschluss der offiziellen Verköstigung ging es dann wieder zurück in die Heimat:

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Wie zu sehen, handelt es sich dabei und eine noch sehr junge Brauerei aus Rügen. Besonderheit des Bieres ist neben der Verwendung von Hafermalz auch die Zusetzung von Traubenzucker.

Mein Eindruck:
– Geruch: frisch-fruchtig, leicht malzig
– Geschmack: bitter-süß, blumig, würzig

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere sieht dann so aus:

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Markus und ich teilten uns dann noch folgendes Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Ale Mania Bonner Wieß:
    – wahres Bonner Lokalbier und klarer Kandidat für meine „Hall of Fame“
    – insgesamt sehr spritzig, hell, wenig gehopft, mehr Gersten- als Weizenmalznoten und nicht sehr süffig
    – obergärig, 12°P, 4,5%
    http://www.ale-mania.de/

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  • Mikkeller Milk Stout:
    – vom weltweit größten Gipsy-Brauer aus im dänischen Kastrup
    – wird im belgischen Lochristi-Hijfte bei De Proef gebraut
    – Verwendung finden hier Laktosekulturen, welche dem Bier zugesetzt werden und von der Hefe nicht vergoren werden
    – insgesamt relativ süß, leicht röstig und malzig und im Abgang wirklich sehr lecker milchig und süffig
    – obergärig, 6%
    http://mikkeller.dk/

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  • Sharp´s Wolf Rock Red IPA
    – aus der 1994 gegründeten Brauerei im englischen Rock in Cornwall
    – insgesamt trocken-malzig, blumig-waldig, bitter-fruchtig-süß und unscheinbar süffig
    – obergärig, 4,8%
    http://mikkeller.dk/

Beim Schreiben dieser Zeilen hat mich im Übrigen das Bio-Reisbier (untergärig, 4,3%, Zutaten: Reissirup und Hopfen) aus dem Hause Liebhart (Gründung 2003 aus Detmold) begleitet, welches ich mir noch mit nach Hause genommen hatte. Gleichzeitig ist es auch eine Premiere, da es das bis dato erste Reisbier des Bierjubiläums ist. Geruchlich tatsächlich sehr reis-ähnlich und säuerlich. Geschmacklich trocken-süßlich, wässrig, prickelnd und leicht fruchtig.

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Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

96. Rheinische Bierstile – Bierverköstigung September

Mühlen Kölsch | Bönnsch | Früh Kölsch | Schlüssel Alt | Füchsen Alt | Gaffel FAB4 | Bolten Ur-Alt | Uerige Alt | Stroud Big Cat Stout

Titel_09

Letzte Woche wiederholte sich zum bereits neunten Mal in diesem Jahr der erste Montag im neuen Monat. Und das heißt natürlich wieder Eulen-Zeit, was diesmal ein richtiges Heimspiel war. Schließlich ging es um rheinische Bierstile. Beschränkt man das Rheinland auf dem Nordrhein gibt es zwar keine Hülle und Fülle von unterschiedlichen Bierstilen, trotzdem gab es eine variantenreiche Auswahl von Alt, Kölsch und Wiess. Auch wenn ich natürlich schon einige dieser im Rahmen des Bierjubiläums verköstigt habe, war es trotzdem interessant und lehrreich.

Zur Unterstützung des Sommeliers Markus (Weick) nahm diesmal Sommelier Michael (Busemann) – seines Zeichens freiberuflicher Pressesprecher von Gaffel – eine aktive Rolle ein.

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Das erste Bier des Abends war das Mühlen Kölsch (siehe 11.):

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Hierzu gab es von Michael dann auch gleich einen kurzen Exkurs zum Thema Kölsch im Allgemeinen:

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Bier #2 war ebenso ein alter Bekannter und erinnerte mich an den Beginn des Bierjubiläums:

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Und wie ich dann auch lernen durfte, ist das Bönnsch offiziell dem Bierstil Wiess zuzuordnen. Dies kann sozusagen als der Vorgänger des Kölsch bezeichnet werden. Es ist ebenso hell, (hochvergoren, hopfenbetont) und obergärig, jedoch unfiltriert und daher naturtrüb. Dieser Gruppe wäre dann im Übrigen auch das Bischoff Karthäuser-Bräu hier aus Brühl zuzuordnen. Wiess mit der Bezeichnung Wiess werden nur noch wenige in Köln gebraut. Vor allem die Braustelle Ehrenfeld und das Weissbräu stechen hier positiv hervor.

Weiter ging es mit einem ebenso spannenden wie aktuellen Thema: Eine Studie der FH-Düsseldorf zum Thema Biervergleich Alt vs. Kölsch in der Blindverköstigung (siehe auch https://www.welt.de/wissenschaft/article157930100/Bier-Studie-entlarvt-Koelsch-und-Alt-schmecken-gleich.html).

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Hierbei wurden je 50 Düsseldorfer und Kölner zum Blindvergleich von Früh Kölsch und Schlüssel Alt geladen. Neben der allgemeinen Bewertung sollte auch bestimmt werden, ob es sich beim verköstigten Bier um Kölsch oder Alt handele. Aufgrund des Umstandes, dass die Trefferquote nur 50% betrug und somit ein Zufall unterstellt werden kann, wurde daraus geschlossen, dass offensichtlich Alt und Kölsch gleich schmecken müssen. Um die Schwächen der Studie offen zu legen und gleichzeitig den Gegenbeweis anzustellen folgte nun auch in der Eule der Blindvergleich zwischen diesen beiden Bieren.

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Dabei konnte ich (aber auch alle anderen Auserwählten) selbstverständlich das richtige Bier zuordnen. Dass die Kölner und Düsseldorfer dies nicht konnten, liegt aber eher daran, dass der gemeine Biertrinker aus diesen Städten so gut wie keinerlei Berührungspunkte mit dem jeweils Konkurrenzbier hat und vermutlich auch schon seit vielen Jahren nur eine Alt- oder Kölsch-Sorte trinkt. Daher weiß man gar nicht mehr wie überhaupt andere Marken, geschweige denn andere Stile schmecken.

Mein Eindruck vom Schlüssel Alt (zum Früh siehe 16.):

– Geruch: sehr karamell-malzig
– Geschmack: röstmalzig, dumpf, trocken-bitter

Hierzu noch einige interessante Eckdaten:

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Das letzte Bier der offiziellen Verkostung war dann das Füchsen Alt:

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– Geruch: neutrale Süße, klarer Malzgeruch, blumig
– Geschmack: süßbitter, leicht sauer, trocken-karamell-röstmalzig

Im Anschluss gab dann Michael noch einen aus und spendierte jedem eine Probe des anlässlich des Bierjubiläums gebrauten Bieres Gaffel FAB4:

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– Geruch: sauer fruchtig, gehopft, kein Malz
– Geschmack: matt fruchtig (Melone, Litschi, Ananas), kein Malz, trockener Abgang, kaum Resenz

Dabei habe ich insbesondere auch über den tollen Kronkorken gefreut.

Dass es neben Alt, Kölsch und Wiess noch weitere rheinische Bierstile gibt, darauf wies Markus auch noch hin. Dabei sollte dem regelmäßigen Eulen-Besucher zumindest das Altbock bzw. Altdoppelbock ein Begriff sein:

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Das Knupp-Bier hingegen ist inzwischen fast in der Versenkung verschwunden und wird derzeit kaum mehr gebraut. Hervorzuhebende Ausnahmen siehe http://braumagazin.de/article/koelsches-knuppbier-noch-nie-gehoert/ sowie http://koelnerbierhistoriker.org/historische-biere/koelnisches-knupp/.

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere sieht dann so aus:

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Im Rahmen einer größeren Blindverköstigung im Anschluss gab es dann noch das Uerige Alt zu verköstigen:

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Markus und ich teilten uns dann noch folgendes Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Stroud Big Cat Stout
    – aus der 2006 gegründeten Brauerei Strout im Stadtteil Thrupp des gleichnamigen Ortes nordöstlich von Bristol
    – im Geruch recht frisch, röstmalzig, klar und leicht nach Schinken
    – im Geschmack schön malzig und karamell-kakao-süß
    – obergärig, 4,5%
    http://www.stroudbrewery.co.uk/seasonal-beers-old/big-cat/

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Beim Schreiben dieser Zeilen hat mich im Übrigen das Black Dog Mild (obergärig, 9.2°P, 3,6%, Zutaten u.a.: Weizenmalz, geröstete Gerste, Invertzucker und Lakritz) aus dem Hause Elgood´s (Gründung 1795 aus Wisbech/England) begleitet, welches ich mir noch mit nach Hause genommen habe .

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Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

86. Deutsche Bierkultur – Bierverköstigung August

Dortmunder Union Export | Crew Repuplic – Foundation II | Andechs Export Dunkel | Schneider Weisse Tap 7 | Löwenbräu Triumphator | Berliner Kindl Weisse | Brewdog This. Is. Lager. | Pyraser 6-Korn | Heiden Peters Dirty Lady

Titel

Letzten Montag war es wieder soweit: Bierverköstigung in der Kierberger Eule. Thema war diesmal die Deutsche Bierkultur. Der aufmerksame Blog-Leser wird sich nun wundern, denn hierzu gab es doch schon einmal eine Sonderveranstaltung. Deshalb werde ich an dieser Stelle auch nur zusätzliche Informationen zeigen – alles Weitere ist dem Link zu entnehmen. Anlässlich des Besuches eines Australiers fand die Veranstaltung auch diesmal bilingual statt. Und zu meinem Glück war die Bierauswahl diesmal auch komplett unterschiedlich.

Die schon obligatorische Bierkarte mit der Reihenfolge der verköstigten Biere:

Beer-Map

War es beim ersten Mal noch das Kronen Export startet de Abend diesmal mit dem Dortmunder Union Export:

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– Geruch: hopfenbetont, leicht malzig, frisch
– Geschmack: schön malzig, wenig Bitterkeit, trocken, etwas mehr Körper als Pils

Bier #2 war der kleine Ausreißer der Gruppe, da das einzige Craft-Beer in der Reihe: Das German Pale Ale:

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– Geruch: leider wieder einmal ganz klar Citra, ein wenig rote Früchte, kein Malz
– Geschmack: Hopfenbitter, fruchtig-süß, trocken

Mit einem dunklen Export ging es dann weiter:

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– Geruch: malziger als das Helle Export, röstig-karamellig
– Geschmack: herb-süß-fruchtig-trocken

Im Anschluss folgte ein Klassiker der deutschen Biere: Das Hefeweizen – diesmal aus dem Hause Schneider:

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– Geruch: malzig-süß-karamellig, keine Herbe
– Geschmack: weich-bananig, leicht sauer, trocken

Als Abschluss der offiziellen Verköstigung wurde es nochmals etwas höher prozentiger. Und auch der Triumphator ist wieder ein neuer Doppelbock:

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– Geruch: recht süß, unfrischer, leicht künstlich
– Geschmack: sehr süß, bonbon-artig, bitter, ölig, vollmundig

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere sieht dann so aus:

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Neben der Biervorstellung bot Biersommelier Markus natürlich auch wieder viele Hintergrundinformationen zur Deutschen Bierkultur und -geschichte:

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incl. Exkurs zur Geschichte des stärksten Bieres der Welt:

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Im Anschluss an die offizielle Verköstigung gab es für mich dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

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  • Brewdog This. Is. Lager.
    – ein Mitbringsel von Markus aus England und an Exklusivität kaum zu überbieten, da die Produktion dieses Bieres gerade eingestellt wurde
    – als 21st Century Pilsner proklamiert, aber geschmacklich einfach zu experimentell um noch als Pils durchgehen zu können
    – untergärig, 4,7%

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  • Pyraser 6-Korn
    – extra für mich ins Eule-Programm aufgenommen, hatte mich Markus mit diesem Bier sehr sehr glücklich gemacht
    – als eine der wenigen Bieren Deutschlands werden hier neben den üblichen Getreiden Gerste und Weizen auch Roggen-, Hafer-, Dinkel- und Emmermalze verwendet
    – geschmacklich recht malzig-süß, süffig und zugleich leicht vollmundig und lecker getreidig
    – bestärkt mich eindeutig, dass es mehr solcher Biere geben muss – mein Biertraum: Ein Vollkornbier mit allen 7 Getreidearten
    – übrigens mein erstes Bier mit Schraubverschluss
    – untergärig, 11.2°P, 4,6%, http://pyraser.de/produkte/6-Korn-Bier

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  • Heidenpeters Dirty Lady
    – Bockbier-Variante der Thirty Lady (American Pale Ale) aus der kleinen Brauerei Heidenpeters in der deutschen Hauptstadt
    – obergärig, 16.5°P, 7,4%

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Und zu guter Letzt kam ich nicht umhin mir noch das LSR-Bier vom Bonner Bierserker mit nach Hause zu nehmen, welches ich beim Schreiben dieser Zeilen genieße:

  • Bierserker LSR
    – vom Bonner Craft-Bier-Brauer Ulrich Karl Tröger
    – LSR ist die Abkürzung der dem Bier zugesetzten natürlichen Zusatzstoffe Lavendel, Salbei und Rosmarin
    – als Befürworter natürlicher Bierzutaten zur Erhöhung der Biervielfalt, musste aber auch ich mich erst an den doch sehr „mediterranen“ Geschmack gewöhnen
    – untergärig, 12.2°P, 5,2%, http://www.bierserker.de/Was/L-S-R

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Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Und niemals §11 vergessen: Es wird fortgesoffen! Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

74. American Craft Beer – Bierverköstigung Juli

Miller Genuine Draft | Samuel Adams Boston Lager | Sierra Nevada Pale Ale | Rouge Brutal IPA | Schneider Weiße Tab 5 | Anchor Steam Beer | Black Wolf Valente´s Double Espresso | Crew Republic Foundation II| Sierra Nevada Torpedo Extra IPA | Oberreichenbacher Rotbier

Titel

Beim Genuss des Monroe IPA* aus dem Hause der Hopfenstopfer darf ich heute von der letzmontägigen Bierverköstigung in der Eule berichten. Wie es kaum passender hätte sein können, ging es am 4. Juli – dem nationalen Feiertag der Unabhängigkeit der USA – um US-amerikanische Craft Biere.

Zur Einstimmung gab es allerdings das genaue Gegenteil: Ein Miller Genuine Draft. Aus der zweitgrößten Brauerei der USA stammend verkörpert es wie kaum ein anderes Bier die stereotypische amerikanische Lagerbierkultur. Der nicht nur aus Kostengründen hinzugefügte Mais verleiht dem Bier eine sehr große Leichtigkeit und macht es extrem süffig, um es positiv auszudrücken. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, dass es sehr beliebig, wenig geschmacklich und erst recht kaum bierig ist. Eben absolut belanglos.

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Vor der offiziellen Verköstigung ging Biersommelier Markus dann noch auf die historische Entwicklung des US-amerikanischen Biermarktes ein. So gab es allein in diesem Jahrtausend eine derartig enorme Konzentration der Braumultis, dass mit der diesjährigen Fusion von AB InBev und SAB Miller jedes 3. Bier weltweit von diesem Riesenkonzern kontrolliert wird. Interessant aus deutscher Sicht ist die Tatsache, dass von den sechs Big Player, welche es noch 2000 gab, drei aus einer deutschen Gründung hervorgingen. Lediglich Heineken konnte aus der danach folgenden Fusionswelle noch eigenständig bleiben.

Auch der deutsche Biermarkt ist von der Konzentration betroffen. Auch wenn die größte deutsche Gruppe Radeberger nur auf 0,5% globalen Marktanteil kommt, vereinigen sich hier etwa 15% aller deutschen Biere. Neben den Bieren aus der AB InBev (u.a. Beck’s, Diebels und Franziskaner), sind vor allem noch die Bitburger, Oettinger, Krombacher und Warsteiner Gruppe von Bedeutung.

Um dem etwas entgegenzusetzen entwickelte sich nach der Legalisierung des Privatbrauens 1979 in den USA die Craft-Bier-Bewegung. Von anfänglich 8 Brauereien gibt es inzwischen mehr als 4.000. Dabei wird ein Craft Bier wie folgt definiert:

  • Größe: Bierausstoß darf die Marke von 6 Mio. Barrel nicht übersteigen (wobei diese Grenze laufend relativ zum Gesamtausstoß des Landes angepasst wird)
  • Unabhängigkeit: Nur weniger als 25% der Brauereianteile dürfen von einer Nicht-Craft-Bier-Brauerei gehalten werden
  • Biertradition: Die Brauerei muss bei der Bierherstellung auf traditionelle oder innovative Rezepturen zurückgreifen (das ist wohl die Regel mit dem größten Interpretationsspielraum)

In Deutschland hingegen fehlt eine derartige Definition und Abgrenzung in Gänze. Dies liegt vor allem an der bereits schon recht vielfältigen Brauereistruktur in unserem Land.

Folgende Biere wurden dann im Rahmen der Verköstigung probiert:

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Das Boston Lager kommt dabei aus der Samuel Adams Brauerei – eine der größten der USA. Vom Geruch her noch sehr fruchtig, ist die Hopfenbittere geschmacklich dominant. Hinzu kommt ein recht trockener Abgang.

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Von einer der größten zu einer der ältesten Craft-Bier-Brauereien. Dabei schmeckt das Pale Ale recht bitter, hopfig-kräuterig und sehr frisch.

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Dieses IPA zeichnet sich vor allem durch seinen Litschi-Mango-Geruch aus. Im Geschmack ist es ziemlich bitter sauer und blumig-waldig. Der Abgang ist sehr herb.

Das nächste Bier war für mich zumindest dann kein Unbekannter mehr. Es kommt aus Deutschland kann sich aber als American Craft Beer bezeichnen. Denn mit Garret Oliver von der Brooklyn Brewery wurde es von einem Amerikaner mitentwickelt. Dieser ist übrigens auch Autor des „Oxford Companion to Beer“ – die amerikanische Bier-Bibel.

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Das letzte in der Reihe war früher mal ein bieriges Schreckgespenst für mich- Deshalb war ich umso mehr gespannt wie es mir heute schmeckt.

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Im Geruch und Geschmack unauffälliger und dünner sowie malzig-karamelliger als gedacht, war ich in der Tat positiv überrascht, auch wenn es nicht für eine Treppchen-Platzierung gereicht hat. Das California Common kann dabei als Gegenteil vom Kölsch angesehen werden. Schließlich wird hier eine untergärige Hefe bei hoher Temperatur verwendet (beim Kölsch genau umgekehrt). Steam Beer heißt es übrigens, weil es früher nachts auf den Hausdächern abgekühlt wurde und dampfte.

Abschließend noch ein netter geographischer Überblick über amerikanisches Craft-Bier heute:

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Summa summarum gab es folgende Gesamtbewertung:

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Im Nachgang dazu haben wir uns dann noch ein wenig durch die über 100 Biere umfassende große Bierkarte der Eule probiert. Dabei ging es vor allem mit Craft-Bieren weiter:

  • Black Wolf Valente´s Double Espresso
    das dunkle Bier aus dem schottischen Stirling ist versetzt mit Kaffeebohnen und somit koffeinhaltig
    untergärig, 6% (und eigentlich noch gar nicht auf der Karte)

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  • Crew Republic Foundation II
    2011 eingeführtes German Pale aus der inzwischen sehr bekannten Münchener Craft-Brauerei
    obergärig, 5,6%

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  • Sierra Nevada Torpedo Extra IPA
    noch eine Stufe über dem Pale Ale ist es sehr hopfenlastig und bitter
    obergärig, 7,2%

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  • Oberreichenbacher Rotbier
    auf Hinweis „aus dem Publikum“
    klassisches Nürnberger Rotbier aus dem Brauereigasthof Geyer
    obergärig, 4,9%

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Und hier noch die aktuelle Kurzkarte:

Karte*obergärig, 6,5%, Single Hop Craft Beer, Imperial Pale Ale, 40 IBU.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

67. Englische Bierstile – Bierverköstigung Juni

Manns Brown Ale | Hobsons Manor Ale | Orkey IPA | Black Wych Porter | Brugse Zot | Sierra Nevada Bigfoot Ale | Timmermans Faro Tradition | Duchesse de Bourgogne  | Oude Geuze Boon | Rodenbach | Hans Müller – Black Nizza | Saison Dupont

Nachdem ich krankheitsbedingt bei der letzten Verköstigung nicht teilnehmen konnte, war die Freude diesmal noch einmal größer. Zudem war Nils als Gast aus Osnabrück angereist, der die Eule auch mal kennen lernen wollte. Um die Mai-Verköstigung trotzdem noch ein wenig mitzunehmen, „genieße“ ich beim Schreiben dieser Zeilen das Kriek Lambic von Lindemans*, welches dort u.a. thematisiert wurde.

Ein weiteres Bier der Verköstigung der Maiböcke und Frühlingsbiere – das Helle von Augustiner – gab es als Einstimmung in den Abend der englischen Bierstile. Dabei ging es in der Hauptsache um die obergärigen Ales, obwohl bzw. gerade weil diese inzwischen nur noch eine geringen Anteil des englischen Biermarktes ausmachen, aber historisch DAS Bier der Insel ist. Dies konstatierte bereits schon William Shakespeare in „A Winter´s Tale“:

„For a quart of ale is a dish for a king“

Denn während um 1900 das Ale noch fast den ganzen Biermarkt Englands beherrschte, erfolgte im Verlaufe des letzten Jahrhunderts der Siegeszug der untergärigen Lager, die inzwischen etwa 75% des Marktes ausmachen. Gerade deshalb war es so interessant gerade die vielfältigen Ale-Stile zu beleuchten.

Biermarkt

Ebenfalls thematisiert wurde die „Campaign for Real Ale„. Diese setzt sich für die traditionelle, aber unter dem Druck größerer Brauereien und veränderten Zielgruppen fast verschwundene Nachgärung des Ales im Fass des Pub-Besitzers ein.

Zudem gab es auch interessantes quantitatives Hintergrundmaterial. So gibt es beispielsweise im Vereinigten Königreich europaweit die meisten Brauereien pro Kopf. Dies ist u.a. auch dem Umstand geschuldet, dass noch ca. 50% des englischen Bieres in den Pubs getrunken wird. In Deutschland dagegen ist der Konsum von Flaschenbieren bereits bei über 80 Prozent angekommen.

Bierkonsum

Folgende Biere wurde dann im Rahmen der Verköstigung probiert:

Brown AleIMG_20160606_201250

Wissentlich mein erstes Brown Ale, welches mich echt überrascht hat. Denn es war wirklich angenehm spritzig und hat etwas nach Cola und Malzbier geschmeckt, obwohl sogar nach Reinheitsgebot gebraut.

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Bitter-süß und trocken-nussig, war es zunächst schwierig in dieses Bier reinzukommen, wurde es aber nach jeden Schluck besser.

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Neben meinem ersten Mal des englischen IPAs war hier natürlich die geographische Lage der Brauerei die große Besonderheit. Auf den Orkney-Inseln gelegen, ist es wohl die nördlichste Brauerei aus UK.

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Das englische Porter als Bruder des eher irischen Stouts, schloss die offizielle Verköstigung. Dabei gab es dann noch tiefergehende Informationen zur Welt der unterschiedlichen Stout- und Portervarianten und deren Verhältnis zueinander.

Porter-Stout

Summa summarum gab es folgende Gesamtbewertung:

Bewertungsbon

Im Nachgang dazu haben wir uns dann noch ein wenig durch die inzwischen über 100 Biere umfassende große Bierkarte der Eule probiert. Dabei standen vor allem beglische Biere im Fokus:

  • Brugse Zot
    Blondes belgisches Ale
    obergärig, 6%, Zuckerzusatz

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  • Sierra Nevada Bigfoot Ale
    Barley Wine aus den USA – ein Bierstil, der aufgrund der eingestellten Weinexports aus Frankreich nach England in Folge des 100-jährigen Krieges, in England entwickelt wurde
    obergärig, 9,5%, sehr hopfenlastig und ölig

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  • Timmermans Faro Tradition
    belgisches Faro
    obergärig, 4%, Zusatz von Apfelsaft während des Brauprozesses
    mein erstes Bier mit einem richtigen Kork-Korken

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  • Duchesse de Bourgogne
    Belgisches Oud Bruin
    ohne Zusatz dessen, einer enormer Geschmack nach Aceto Balsamico

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  • Oude Geuze Boon
    Uode Geuze aus Belgien
    obergärig, 7%, Weizenrohfruchtverwendung, unfiltriert und nicht pasteurisiert
    Jahrgang 2013/14

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  • Rodenbach
    Flämisches Rotbier aus Frankfurt/Main
    untergärig, 5,2%, Verwendung von Mais und Fructose

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  • Hans Müller – Black Nizza
    Imperial Stout aus Aschaffenburg
    obergärig, 9%, Verwendung von Roggenmalz

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  • Saison Dupont
    belgisches Saison-Bier
    obergärig, 6,5%, Nachgärung in der Flasche

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*obergärig, 3,5%, Zusatz von Aromen, Antioxidationsmittel und Süßstoff. Reiner Kirschsaft wird 3 Tage zusammen mit dem Lambic Bier fermentiert und macerisiert, bevor der Gärungsprozess durch Pasteurisieren gestoppt wird.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

45. 500 Jahre Reinheitsgebot – Bierverköstigung April

Schneider Weisse Tab 5 – Meine Hopfenweisse | Ayinger Jahrhundert Bier | Herrnbräu Tradition | Bolten Ur-Alt | Lausitzer Porter | Weißenoher Classic Export | Maisels & Friends Pale Ale | Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen | La Trappe Witte Trappist | Tripel Karmeliet

Anlässlich des Bierjubiläum-Monats stand vergangenen Montag ein ganz besonderes Thema zur Bierverköstigung in der Kierberger Eule an: 500 Jahre Reinheitsgebot. Besonders war aber vor allem auch, dass nicht nur Markus Weick durch den Abend führte, sondern auch ich die Gelegenheit hatte Biere zu präsentieren und zum Thema Reinheitsgebot zu referieren. Folgerichtig, wenn man sich das Bierjubiläum anschaut ;). Als Gast durfte ich außerdem Alex begrüßen, der den weiten Weg aus Osnabrück auf sich genommen hatte, um diesem historischen Ereignis beizuwohnen.

Bei den letzten Vorbereitungen der Präsentationsfolien, wärmten wir uns schon einmal mit einem Schneider Weisse Tab 5 – Meine Hopfenweisse auf. Ein wahrlich interessantes Bier. In Zusammenarbeit einer US-amerikanischen Craft-Beer-Brauerei wurde dieser Doppelbock entwickelt und zeichnet sich ganz besonders durch die Kalthopfung aus, welche dem Bier eine besondere Hopfennote verleihen, sodass man die mehr als 8% Alkohol gar nicht so sehr merkte. Die Kalthopfung (auch Hopfenstopfen genannt) wurde übrigens erst nachträglich in den vergangenen Jahren als Reinheitsgebots-konform zugelassen – womit wir auch schon gleich beim Thema wären.

Nach einer guten Schnitzel-Stärkung vom Wirt des Hauses ging es dann auch mit dem ersten offiziellen Bier los: Das Ayinger Jahrhundert Bier.

Ayinger Jahrhundert Bier

Der Name ist daher begründet, dass es in den 1970ern zum 100-jährigen Bestehen der Brauerei eingebraut wurde. Es muss derart erfolgreich gewesen sein, dass man es ins permanente Sortiment mit aufnahm. Das Besondere an diesem Bier ist der Bierstil des Export Hell. Halb Export, halb Hell vereint es eine recht hohe Würzigkeit mit einer gewissen Süffigkeit. Den Einstieg in das Thema Reinheitsgebot bot dabei das Etikett, welches das in Bayern übliche „gebraut nach dem bayrischen Reinheitsgebot“ trug.

Das war dann auch mein Einstieg mit der Präsentation des Herrnbräu Tradition. Ein Bier, welches nicht passender sein könnte für einen Abend wir diesen. Zum Einen kommt es aus der Geburtsstadt des heutigen Reinheitsgebots Ingolstadt, zum Anderen wird es anlässlich des Jahrestages des Bierjubiläums im April gebraut.

Herrnbräu Tradition

Geschmacklich konnte es mich auch überzeugen, ohne, dass eine besondere Klasse herausstach. Eine Flasche für zu Hause durfte ich mir dann sogar auch noch mitnehmen. Ich wüsste auch schon eine Gelegenheit, wann ich mir diese zu Gemüt führe…

Was folgte, war eine grundsätzliche Einführung in die Fragestellung: Was ist eigentlich genau das Reinheitsgebot und wie hat es sich in den vergangenen 500 Jahren entwickelt.

Reinheitsgebot - UrspungReinheitsgebot - Entwicklung

Insbesondere der Unterschied zwischen unter- und obergäriger Brauart sowie die historischen Hintergründe wurden dabei thematisiert. Dabei sei auch nochmals hervorzuheben, dass es sich beim Reinheitsgebot nicht nur um ein Verbraucherschutzgesetz handelte, sondern auch früher wie heute als Marketinginstrument zur Abgrenzung zu ausländischen Bieren herhält. Profitiert haben deshalb nicht nur die Biertrinker, sondern in erster Linie die Politik und Bierwirtschaft (früher Wittelsbacher – heute Braukonzerne).

Bevor es aber mit einer juristischen Vertiefung weiterging, durfte ich endlich das kölsche Land missionieren. Ohne selbst auf die Idee gekommen zu sein und auch ohne provozieren zu wollen, hatte ich die Ehre mit dem Bolten Ur-Alt das älteste Altbier der Welt unter die Leute zu bringen.

Bolten Ur-Alt

Das Alt wird übrigens tatsächlich deshalb so bezeichnet, da es einer der ältesten noch verbliebenen Bierstile Deutschlands ist. Auch wenn es natürlich unverbesserliche Kölsch-Liebhaber gab, kam das Bier zu Recht insgesamt sehr gut an.

Anknüpfend an die theoretischen Ausführungen zum Reinheitsgebot, ging ich dann auf die deutsche Gesetzgebung zum Bier ein.

Deutsche Bier Gesetzgebung

Dabei seien zwei geographische Besonderheiten herauszustellen, die darauf basieren, dass die Interpretation der Biergesetzte und -verordnungen bis heute Ländersache ist. Während in den südlichen Bundesländern weiterhin das strengste aller Reinheitsgebote gilt und Zucker dort grundsätzlich verboten ist, kann dieser und weitere Zutaten aus historischen Gründen bei speziell zugelassenen Bierstilen in der ehemaligen DDR verwendet werden (glücklicherweise sind jedoch nicht mehr alle damals jenseits des Eisernen Vorhangs zugelassenen Zutaten erlaubt). So ist es bis heute nicht gelungen für Gesamtdeutschland eine einheitliche juristische Norm zu finden, sodass im Einzelfall immer wieder Ausnahmeregelungen zum traditionellen Reinheitsgebot vor Gericht erstritten werden (müssen). Als interessanten Hintergrund erläuterte Markus, dass das Bewerben oder Vermarkten des heute recht beliebten Hausbrauens bis in die 1990ern in Deutschland verboten war. Untersagt war sowohl der Verkauf von Zutaten oder Hilfsmittel als auch die Inumlaufnahme von Anleitungen zum Hausbrauen.

Neben der Leipziger Gose ist eines der bekanntesten der besagten Ausnahmen das Lausitzer Porter.

Lausitzer Porter

Während bei anderen Bieren der zugesetzte Zucker kaum oder gar nicht herausschmeckbar ist (siehe 34.), ist dieser beim Lausitzer Porter leider derart dominant, dass es höchstens zum Dessert eine gute Figur machen würde.  Aber im Sinne der Biervielfalt sicher eine gute Idee.

Jenseits des Reinheitsgebotes stellte Markus, dann auch noch weitere Zutaten vor, die häufig (außerhalb des deutschen Biergesetztes) zur Bierherstellung verwendet werden:

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Den Abschluss der offiziellen Verköstigung bot das Weißenoher Export Classic. Seines Zeichens ebenfalls ein Export Hell, womit der Kreis des Abends geschlossen wäre.

Weißenoher Export Classic

Das Besondere am Export Classic ist jedoch etwas Anderes. Als Bio-Bier definiert es die Maßstäbe von Reinheit ganz neu und öffnet somit die Perspektive eines ganz neuen Reinheitsgebotes. Geschmacklich konnte es zwar nicht mit den ersten drei Bieren mithalten (was aber auch an dem zuvor getrunkenen Porter liegen konnte), allerdings ist zu erwarten, dass der Markt von und für Bio-Biere auch in Zukunft weiter wachsen wird.

Zu Übersicht nochmals alle präsentierten Biere:

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Da ich selbst zu sehr mit der Präsentation beschäftigt war, an dieser Stelle die Hitliste von Alex:

  1. Bolten Ur-Alt
  2. Ayinger Jahrhundert Bier
  3. Herrnbräu Tradition
  4. Lausitzer Porter
  5. Weißenoher Classic Export

Es folgen Impressionen vom Abend:

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Im Anschluss an die große Verköstigung hatte ich dann noch die Gelegenheit mit Alex zwei weitere Biere aus dem reichhaltigen Sortiment der Eule zu probieren: Das Maisels & Friends Pale Ale und das Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen. Auch wenn ich beide bereits kannte, sind dies doch zwei sehr schöne Beispiele, wie groß die Biervielfalt selbst unter dem Reinheitsgebot sein kann.

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Als Absacker des Abends genehmigten wir beide uns dann noch zwei Biere aus meiner kleineren aber doch auch recht vielfältigen Bierauswahl:

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Während sich Alex das Witte Trapist von La Trappe einverleibte, hatte ich mit dem Tripel von Karmeliet vorliebgenommen. Zu diesem sei gesagt, dass es nicht nur vom Bierstil her ein Tripel ist, sondern auch mit Gersten-, Weizen- und Hafermalz gebraut wurde. Auch wenn ich die Verwendung von weiteren Getreidesorten wie Hafer, Reis, Mais oder Hirse ausdrücklich befürworte und hoffe, dass es hiervon zukünftig mehr auf dem Markt gibt, konnte das Karmeliet leider nicht sehr überzeugen, da es zu viel Malzsüße besaß. Das Trappist hingegen war für ein belgisches Bier außerordentlich bekömmlich.

Wie wichtig das Thema Reinheitsgebot auch medial wahrgenommen wird, zeigt das folgende Beispiel, dass Alex auf der Rückreise aus Brühl nach Osnabrück im Zug gefunden hat:

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Ein Glück, dass ich meinen Bart vor dem Abend noch gestutzt hatte… 😉

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

43. German Beer Culture

Tegernseer Hell | Pilsner Urquell  | Dortmunder Kronen Export | Tegernseer Spezial | Crew Republic German Pale Ale | Weltenburger Barock Dunkel | Bolten Ur-Alt | Störtebecker Schwarz-Bier | Andechser Bergbock Hell | Rittmeyer Rauchbier | Weißenoher Green Monkey Mandarin | Schneider Weisse Kristall | Göller Rauchbier | Amphora Lvsitania | Marc Chocolate Bock | Aktien Zwickl | Rittmeyer Hallendorfer Kellerbier | Weißenoher Classic Export | Fuller’s Golden Pride Superior Strength Ale | Störtebecker Scotch Ale | Grünhopfen Pils | Schönramer Pils | Spezial Rauchbier

German beer culture

Between Easter and the next regular beer tasting, beer sommelier Markus Weick organized for the first time an English-speaking beer event. The occasion was the visit of a Texan couple in the Rhineland.

Even if I could arrive an hour after the official start and thus missed the first beer, the evening offered still ample opportunity to deepen the subject „German beer culture“. Here Markus went on fundamental (technical) background of beer as well as it is on the history of different beer styles. In addition along a really wide variety of different German beers from all over the country, German beer variety was shown. Between this interesting facts, anecdotes and developments of German beer culture were interspersed repeatedly, although of course also the German „Reinheitsgebot“ came up.

But above all, the evening offered a very good opportunity for the exchange of beer cultural understandings on both sides of the Atlantic. So the craft beer movement was discussed, which indeed in the US took its rise and has begun to grain ground in Germany as well. However, both sides also emphasized a critique of the hype, that not always produces a good quality of beer. Particularly in the US people seems to be more interested in possible exceptional brew instead of producing actually drinkable and marketable beers.

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In the course of the entire evening these following beers were tasted:

  1. Tegernseer Hell (4.9% – unfortunately missed)
  2. Pilsner Urquell (now tried for the third time)
  3. Dortmunder Export (5.1% – as an example of an almost extinct beer style from the Ruhr which was very popular in the past)
  4. Tegernseer Spezial (5.6% – a Hell with more body / wort)
  5. Crew Republic German Pale Ale (5.6% – the German equivalent to the American Craft Beer movement)
  6. Weltenburger Barock Dunkel (4.7% – from the well-oldest brewery in Germany thitherto the first and best-selling beer of the Eule)
  7. Bolten Ur-Alt (4.9% – for the first time an Alt and that in enemy territory – but it could even convince an experienced Kölsch drinker)
  8. Störtebecker Schwarz-Bier (5% – was tasted in an one on one comparison with two different drink temperatures)
  9. Andechser Bergbock Hell (6.9% – one of the few bright Bock beers in Germany)
  10. Rittmeyer Rauchbier (4.9% – to a much repeated request of the audience)
  11. Weißenoher Green Monkey Mandarin (5.9% – see 42.)
  12. Schneider Weisse Kristall (5.3% – I have left it to the Texans)
  13. Göller Rauchbier (4.9% – yes, there were present true lovers of smoke beer)
  14. Amphora Lvsitania (6% – a beer that Markus bought at a beer festival in Portugal holiday and brought back)
  15. Marc Chocolate Bock (7.5% – one of three signature beers of Maisel’s friends)
  16. Aktien Zwickl (even drank at the March tasting)
  17. Rittmeyer Hallendorfer Kellerbier (5% – not yet tasted in March – although Franconian specialty)
  18. Weißenoher Classic Export (5% – one of the Franconian classics of perhaps Germanys second oldest brewery)
  19. Fuller’s Golden Pride Superior Strength Ale (8.5% – more for the ladies of the round – the cognac under the Fuller)
  20. Störtebecker Scotch Ale (9% – is possibly still presented by Alex)
  21. Grünhopfen Pils (5.4% – a Craft Beer from the house Schönramer)
  22. Schönramer Pils (5% – the classical counterpart)
  23. Spezial Rauchbier (4.9% – to my completion again another smoke beer from the German beer capital Bamberg)

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And please always keep rule # 11 in mind: keep on drinking! So: Cheers!

More informations about the Eule, to the actions and the beer sommelier Markus Weick under: http://wordpress.99biere.de/

36. Franken – Herzstück der deutschen Biervielfalt – Bierverköstigung März

Aktien Zwick’l Kellerbier | Hallerndorfer Kellerbier | Schanzenbräu Rotbier | Faust Schwarzviertler Dunkel | Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen | Kulmbacher Eisbock

Facebook Franken

Im Rahmen der regulären Verköstigungsrunden stand vergangenen Montag die März-Session an. Thema diesmal: Franken. Insofern sehr passend, da wir (d.h. Alex, Nils und meine Wenigkeit) im Sommer schließlich eine Bierreise in die bedeutendste Bierregion Europas unternehmen werden. Für mich also schon mal ein Vorbereitungsprogramm mit vielen interessanten Infos und Eindrücken. Neben dem Biersommelier Markus Weick, referierte diesmal auch ein Gast aus dem Frankenland, um sozusagen aus nächster Nähe berichten zu können.

Dass Franken eine besondere Rolle in der deutschen und aber auch internationalen Bierlandschaft spielt, hatte ich ja bereits an der ein oder anderen Stelle erwähnt. Trotz der inzwischen manifestierten und weit verbreiteten Craft-Beer-Bewegung kann die Region im Norden des bayrischen Freistaats weiterhin die größte Brauereidichte der Welt für sich beanspruchen. Das Ergebnis ist eine außerordentliche Biervielfalt, welche auch nicht von der Entwicklung zu multinationalen Braukonzernen gemindert werden konnte. Lediglich an der Bekanntheit dieses Reichtums könnte die Region meines Erachtens noch arbeiten. Die Gründe der enormen Braudichte sind indes vielfältig. Einige führen die Reformation (welche im Übrigen nächstes Jahr ihr 500-jähriges feiert) an, welche zur Auflösung einiger Klosterbrauereien geführt hätte, welches es dem Bürgertum erlaubte selbst zu brauen. Dies ist insofern schwierig zu argumentieren, da gesamtdeutsch betrachtet die Braudichte in mehrheitlich katholischen Regionen weitaus höher ist als in mehrheitlich protestantischen oder atheistischen Landstrichen. Andere argumentieren mit den vielen Rittertümern, welche es bis zur Neuzeit in der Region gab. Dies ist schon eher fundiert, da die allgemein hohe Biervielfalt Deutschlands sicherlich auch durch den früheren Flickenteppich an Fürsten- und Herzogtümern sowie Königreichen hergeleitet werden kann. Der glaubwürdigste Grund liegt wohl aber in der Geologie des Landes. In keiner weiteren Region Deutschlands sind so viele bodennahe Hohlräume vorhanden. Aufgrund aushöhlbarer Gesteinsschichten konnten somit unzählige Felsenkeller errichtet werden, in denen eine sehr kalte und lange Reifung des Bieres möglich wurde.

Neben diesem Exkurs zur Historie des Bierfrankenlandes stand diesmal auch das Thema Vollmundigkeit und Süffigkeit im Vordergrund der Verköstigung. So wurden alle vorgestellten und verköstigten Biere im paarweisen Vergleich nach Vollmundigkeit und Süffigkeit bewertet, sodass eine Gesamtmatrix entstand, welche das allgemeine Bild des Abends widerspiegeln konnte. Dabei sind insbesondere ein hoher Alkoholgehalt, eine große Menge des Restextraktes des Bieres (also der Menge des Feststoffanteils, welcher im Jungbier noch vorhanden ist), ein niedriger Vergärungsgrad, viel Malz- und Trübstoffanteil sowie eine allgemeine Süße Treiber für einen – wie es ja oftmals so schön heißt – vollmundigen Geschmack. Dabei kann grob nach folgendem Schema klassifiziert werden:

Vollmundigkgeit

Der Abend begann mit einem zumindest mit bekannten Bier: Dem Zwick’l der Bayreuther Aktien-Brauerei, welches mich beim Schreiben dieser Zeilen auch begleitet. Die Bezeichnung dieses Kellerbieres, geht auf das Ritual der Bierbrauer zurück, welche Qualität und Reife des Bieres in den tiefen Braukellern überprüften. Sowohl heute als am Montag ein sehr schmackhaftes Biererlebnis. Mit einer bronzenen Farbe (oder wie der Biersommelier sagt: bernsteinfarben) ausgestattet, riecht es recht malzsüß und leicht fruchtig. Das – wie die meisten Kellerbiere – unfiltrierte, untergärige und ungespundete (also aufgrund fehlendem Druckausgleichs geringer Kohlensäuregehalt) 5,3%ige Bier genoss eine kalte aber vergleichsweise kurze Reifung. Dies spiegelt sich in der großen malzlastigen Süffigkeit wieder, welche nur durch einen sehr leicht bitteren Abgang unterbrochen wird. Die seit 1857 bestehende Aktienbrauerei ist übrigens im mehrheitlichen Besitz von Maisels.

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Weiter ging es mit einem zweiten Kellerbier. Dieses aus dem Hause Rittmeyer genannte Hallendorfer Kellerbier (5% / 12,5°) unterscheidet sich vom ersten in der Hauptsache durch die Filtrierung und der somit helleren Farbe. Aber auch geschmacklich kommt es etwas herber und hopfiger rüber. Zudem sind hier klare Röstmalz- und somit auch Brotnoten erkennbar. Das 1422 gegründete ehemalige gräfliche Brauhaus kommt heute auf etwa 25.000 hl. Ausgestattet mit Brauerei, Gasthaus und Hotel vereint es alle drei Elemente der sogenannten fränkischen Dreifaltigkeit.

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Als nächstes folgte ein Bierstil, der mir zumindest bewusst so noch nie über den Weg gelaufen war. Das Nürnberger Rotbier. Das durch besonders rote Malze erzeugte Bier wird heute nur noch von sehr wenigen Brauereien noch oder wieder gebraut. Das vorgestellte Bier gehört zur letzteren Gruppe. 2004 erst gegründet, kommt das Schanzenbräu nur (noch) auf ca. 5.000 hl. Neben der roten Bernsteinfärbung sind ein gleichzeitig recht hopfiger und leicht fruchtiger Geruch charakteristisch. Im Geschmack war das Bier (4,9% / 11,9°) weniger süffig. Im Gegenteil war es nicht nur herb, sondern auch ziemlich getreide- und röstmalzlastig. Man hatte irgendwie den Eindruck ein Salamibrot zu essen und kein Bier zu trinken.

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Das vierte Bier im Bunde war ein alter Bekannter. Das dunkle Schwarzviertler vom Brauhaus Faust. Sowohl eine Flasche noch im Vorrat zu haben und es bereits im Schnupperkurs behandelt zu haben, erspare ich mir hier an dieser Stelle weitere Erläuterungen.

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Im Anschluss folgte ein dem sehr ähnliches Bier. Das Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen (5,1% / 13,5°) vom 1678 gegründetem Heller-Bräu (20.000hl Ausstoß). Ähnliches wie das Faust hat das Schlenkerla einen deutlichen Abendbrotcharakter. Nur ist es geschmacklich nicht am Schinken, sondern eher an einer Salami orientiert. Dies ist daher zu erklären, dass zur Herstellung des Bieres offen über Buchenholz geräucherte Malze verwendet werden und die Lagerung in Eichenholzfässern geschieht. Trotz, dass ich das Bier glaube ich schon zweimal getrunken hatte, war ich abermals über das sehr holzige, rauchige und brotige Geschmackserlebnis erstaunt. Es ist wahrlich verwunderlich, wie unterschiedlich doch Bier schmecken kann.

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Abgerundet wurde der bierige Abend mit einem Eisbock. Somit hatte ich bis jetzt in allen drei Verköstigungsrunden immer mindestens einen Bock dabei – mal schaun, ob es beim nächsten Mal auch wieder so ist, wo ich es ja zumindest zum Teil auch selbst in der Hand habe. Diesmal kam es aus dem Hause Kulmbach und hatte bei 21°P mit 9,2 Umdrehungen auch wieder ordentlich was bieten. Farblich war es deutlich das dunkelste Bier des Abends. Und auch geruchstechnisch konnte es dem Motto des Abends „Biervielfalt“ durchaus gerecht werden. So hatte ich wenigstens eine süßlich-fruchtige und zugleich rauchige und alkoholaromatische Komponente wahrnehmen können. Geschmacklich war es auch hier das süßeste, schwerste, bitterste und moussierendste Bier mit einem kräftig betonten Abgang. Außer dem netten Nebeneffekt eines Kronkorkens, konnte es mich aber leider nicht überzeugen.

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Zusammenfassend würde ich den präsentierten und verköstigten Bieren folgende Gesamtwertung geben:

Faust Schwarzviertler Dunkel: 11 Pkt. (2)

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen: 11 Pkt. (2)

Schanzenbräu Rotbier: 11 Pkt (2)

Aktien Zwick’l Kellerbier: 10 Pkt. (2-)

Hallendorfer Kellerbier: 10 Pkt. (2-)

Kulmbacher Eisbock: 6 Pkt. (4+)

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Im Nachgang zur eigentlichen Verköstigung brachte Markus uns noch einen Ingolstädter Eisbock von Nordbräu. Auch im Vorgriff auf die kommende Veranstaltung zum 500-jährigen Reinheitsgebot gab es so den 1:1-Vergleich zum Kulmbacher, welches das aus der Reinheitsgebotsstadt knapp für sich entscheiden konnte.

Zum Abschluss hatte ich dann auch noch die Gelegenheit einem kleinen Experiment von Markus beizuwohnen. Er hatte eine braune und eine transparente Gaffel-Flasche für 3 Stunden in die Sonne gelegt um den geruchlichen aber vor allem geschmacklichen Unterschied herauszufinden. Um es kurz zu machen: Braun hat mit deutlichem Abstand gesiegt. Auch wenn ich durchaus schon mal sonnenwarme Plörre getrunken habe, war das aus der transparenten Flasche alles, nur kein Genuss mehr – während das aus der braunen weitaus weniger Qualitätsverlust erleiden musste.

Wer noch mehr probieren möchte, werfe doch mal einen Blick hierauf:

Bierkarte März

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

31. Schnupperkurs Biervielfalt

Lindemans Geuze | Rothaus Tannenzäpfle | Pilsner Urquell | Moritz Fiege Pils | Maisels & Friends American Pale Ale | Fuller IPA | Ale Mania IPA | Faust Schwartzviertler | Chimay Bleue | Schönramer Imperial Stout | Buddelship Kohlentrimmer | Leireken Witte Spelt | Lervig Berliner Weisse | Schoppe Bräu Holy Shit Ale

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Es begab sich letzten Montag in der Eule… Auch wenn gar nicht der erste Montag im Monat anstand, veranstaltete Biersommelier Markus Weick einen außerordentlichen Schnupperkurs zur Biervielfalt. In gemütlicher kleiner Runde steckte Markus nach einer kurzen Vorstellungsrunde die Agenda des Abends ab. Es war auch ein 86-jähriger Herr anwesend, welcher sich mit den Worten vorstellte: „Ich trink nu seit 60 Jahren fast nur Kölsch – da wollt ich mal gucken, wat et sons noch so jibt.“ Einfach grundsympathisch. Neben einer Einführung in die Sensorik, gab Markus auch Einblick in die Historie des Bieres, bierige Rohstoffe, Biervielfalt im Allgemeinen und den fachgerechten Umgang mit dem alkoholhaltigen Malzgetränk.

Im Fokus standen dabei die folgend aufgeführten Biere. Die unterstrichenen Biere aus der unteren Auswahl wurden im Anschluss an die Pflichtverköstigung von den (verbliebenen) Teilnehmern ausgewählt.

Da ich mir bereits das Tannenzäpfle aus der höchsten Brauerei Deutschlands in Rothaus beim letzten Einkauf zugelegt hatte, wird es mich beim Schreiben dieser Zeilen begleiten.

Überblick Biervielfalt

Um seinem Anspruch als Erwachsenenpädagoge nachzukommen gab es aber zunächst und immer wieder zwischendurch diverse Hintergrundinformationen zu den eben angesprochenen Themen:

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Wissenswertes zum Bier:

  • Bier wird in der Tat gemäß Wirtschaftslexikon als Getränk aus stärkehaltiger Gärung bezeichnet.
  • Weiches Brauwasser frisst Hopfen und macht das Bier somit milder.
  • Ein höherer Vergärungsgrad führt zu einem schlankeren Körper (nein, das ist nicht die neue Brigitte-Diät – mit Köper ist hier der des Bieres gemeint).

Brauereien absolut europaweit:

Vor dem Hintergrund seiner langjährigen England-Erfahrung machte Markus deutlich, dass nicht Deutschland die Nase vorn hat, wenn um die Quantität der Braustätten geht. Wie die folgende Übersicht zeigt, wird hierzulande die Biertradition und -vielfalt auf der britischen Insel weithin unterschätzt.

Brauereien absolut

Brauereien relativ zur Einwohnerzahl:

Zu einem guten Schnupperkurs Biervielfalt gehört natürlich auch ein Exkurs zur Craft-Beer-Bewegung. Auch hier gab uns Markus eine quantitative Übersicht an die Hand, welche verdeutlicht, welchen Sprung die USA – als Heimatland der Bewegung – seit Beginn in den 1970ern hingelegt hat. Trotzdem liegt es immer noch hinter dem deutschen Wert. Das liegt vor allen an der schon immer viel vielfältigeren Bierlandschaft hierzulande. So würde beispielsweise Bitburger mit seinen 7,2 Mio. hl Ausstoß (davon Marke Bit 3,9 Mio.) noch als Craft-Beer in den USA zählen. Auch in dieser Hinsicht sind die Dimensionen auf der anderen Seite des Atlantiks ganz andere.Brauereien relativIn Zahlen wird dieses Ungleichgewicht nicht nur im Vergleich von Deutschland und den USA deutlich. Auch innerhalb Deutschlands gibt es enorme Unterschiede. Dabei gibt es die höchste Konzentration von Brauereien im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Gäbe es eine ähnliche Konzentration beispielsweise in Brühl, hätte man hier über 30 Brauereien.

Bierzutaten:

Eines der entscheidenden Variablen des Bieres ist das Malz. Folgende Darstellung zeigt die ungefähren Rösttemperaturen (in °C) der wichtigsten Malzsorten:Malzröstung

Weitere Informationen zu den diversen Hopfensorten der Bierwelt unter: http://www.hopfen-der-welt.de/

Als Einführung in die Sensorik gab uns Markus, nach einigen Anmerkungen zu Aussehen und Geruch, dann folgende Übersicht an die Hand:

Sensorik - GeschmackWie unten zu sehen eröffnete die Geuze aus dem Hause Lindemans den bierigen Teil Abend. Diese spontangärige Bierspezialität ist ein Verschnitt aus mehreren Lambics und wird in Eiche gereift. Durch die Spontangärung kommt es zu dem interessanten Umstand, dass man in den Gärräumen der Brauerei nicht putzt, um so die spontangärigen Hefestämme nicht zu vertrieben. Diese sind fast ausschließlich im belgischen Tiefland anzutreffen. 1822 gegründet erreicht die belgische Brauerei in 2015 einen Ausstoß von 170.000 hl. Da im Bier sowohl Ascorbinsäure als auch Weizen als Rohfrucht verwendet wird, kann es keinen Eingang in unsere offizielle Bierliste finden. Der ebenso verwendete Kandiszucker hingegen könnte streng genommen noch unter das Reinheitsgebot fallen. Erstaunlich ist es aber nichtsdestoweniger. Wie im unten stehenden Bild erkennbar handelt es sich bei der Geuze geschmacklich eher um ein Prosecco als um ein Bier. Extrem prickelnd und fruchtig kommt dabei nur eine geringe bierige Note heraus – und das obwohl im Grunde keine entscheidenden Zusätze im Vergleich zu dominierende deutsche Biertypen hinzugefügt wurden. Einzig eine kreative Auswahl an Hopfensorten und die Verwendung von Weizen in Rohfrucht anstatt in Malzform bringt hier den großen Unterschied. Ein würdiger Einstieg in den Abend der Biervielfalt also.

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Es ging weiter mit einer Blindverkostung von drei zunächst nur als helle untergärige angekündigte Pils-Marken:

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Ohne zu wissen, mit was man es genau zu tun hatte, konnte man sich tatsächlich viel genauer auf die Geruchs- und Geschmacksunterschiede konzentrieren. Und diese waren ziemlich groß. So war von säuerlich, buttrig und herb alles dabei. Ganz besonders erstaunt war ich, dass ich das letzte Woche erst an dieser Stelle vorgestellte Pilsner Urquell nicht erkennen können. Als Ausrede könnt ich nun anführen, dass auch das Tannenzäpfe vor mir heute wieder gefühlt etwas anders schmeckt als noch am Montag. Insgesamt aber eine hervorragende Möglichkeit um Biere kennen und einschätzen zu lernen. Folgende „Bierkarte“ gibt Aufschluss über die drei Pils:

Bierkarte PilsEs folgte die gemeinsame Verkostung der weiteren Biere.

Maisels & Friends American Pale Ale:

SAM_0358Bierfacts:

  • 5,2 %
  • 12,5 °P

Fullers Indian Pale Ale:

SAM_0359Bierfacts:

  • 5,3 %
  • ausbalanciert mittelmäßig gehopft und malz- und körperbetont
  • Gründung Brauerei 1654
  • Ausstoß: 350.000 hl
  • Vielfalt: Fullers produziert derzeit 43 unterschiedliche Biere

Ale Mania Indian Pale Ale:

SAM_0360Bierfacts:

  • 5,8 %
  • 15,5 °P
  • gegründet 2010 von Fritz Wülfing in Bonn-Beuel
  • Ausstoß 400 hl (1/3 des Brühler Bischoff-Kölsch)
  • neben Bönnsch und Ennert-Bräu eines der aktuell drei Bonner Biere (nachdem es auch schon länger kein Kurfüsten-Bräu mehr gibt)
  • nachweislich handwerklich gebraut: alle 3 probierten Flaschen schmeckten unterschiedlich

Faust Schwartzviertler:

SAM_0361Bierfacts:

  • 5,2 %
  • gegründet 1654
  • Ausstoß 2015: 50.000 hl

Chimay Bleue:

SAM_0362Bierfacts:

  • Trappistenbier mit 9 %
  • im Gegensatz zu Tripel und ähnlich wie Dubel dunkel
  • Inhaltsstoffe u.a. Zucker und Weizenrohfrucht
  • gegründet 1862
  • Ausstoß: 130.000 hl
  • Belgien ist das Land der Starkbiere, da das „Vandervelde-Gesetz“ lange Zeit den Verkauf von Spirituosen in Bars verboten hatte

Schönramer Imperial Stout:

SAM_0363Bierfacts:

  • 9,5 %
  • entstanden aus dem Porter
  • Gegenstück zum Imperial ist das Session-Stout
  • Ausstoß: 45.000 hl
  • Einwohnerzahl Schönram: 150
  • MHD des Bieres: 2030

Zusammengefasst wird der Pflichtteil in dieser Übersicht eines „reduzierten Verkostungsschemas“:

Reduziertes Verkostungsschema

Im Kürteil des Abends wurden dann noch folgende Biere unter den Gaumen genommen:

Buddelship Kohlentrimmer:

  • Schwarzbier mit 14 °P / 5,3 % aus Hamburg

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Leireken witte spelt:

  • Dinkelbier mit 12 °P / 6 % aus einer 1830 gegründeten Brauerei in Oedelem in Flandern

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Lervig Sour Suzy Berliner Weisse:

  • minzig-saure Variante des Berliner Klassiker mit 4 % aus dem Norwegischen Stavanger

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And last but not least: Das Schoppe Bräu Holy Shit Ale:

Zum Abschluss wurde nochmals der Turbo gezündet und mit 10 % vol. alc. (und 22 °P) ein würdiger Abschluss des Abends gefunden. Das obergärige Double Imperial Pale Ale aus Berlin gibt es seit 2001 und kann als klassisches deutsches Craft Beer verstanden werden.

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Und so sah dann unser „Arbeitsplatz“ nach 5 Stunden und 14 probierten Bieren aus:

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Alles in allem also ein absolut lohnenswerter Abend mit interessanten Bier, Brot und Wasser sowie vielen spannenden Infos rund um die leckerste Nebensache der Welt. Und zu guter Letzt gab es auch noch zwei Biere aufs Haus für zu Haus dazu.

Zusammenfassend würde ich übrigens mein persönliches Bewertungstreppchen wie folgt belegen:

  1.  Pilsner Urquell
  2.  Maisels & Friends Pale Ale
  3.  Faust Schwartzviertler

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

24. Bockbier – ein starkes Stück Biertradition – Bierverköstigung Februar

Einbecker Ur-Bock Dunkel | Moritz Fiege – Charakter Pilsbock | Paulaner Salvator | Uerige Doppelsticke | Schneider Weisse Aventinus Eisbock

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Nachdem nun der erste Monat wieder rum ist, war es wieder an der Zeit: Bierverköstigung in der Brühler Eule. Thema für den Februar: Bockbiere. Wie bereits seit letztem November präsentierte Sommelier Markus Weick im urigen Gasthaus fünf verschiedene Biere dieser Art. Dabei begleitet er die eigentliche Verköstigung auch diesmal mit einer informationsgeladenen Präsentation über die Biere und das Bockbier im Allgemeinen.

Den Anfang machte nicht nur an diesem Abend das Einbecker Ur-Bock Dunkel. Auch historisch gesehen gehen die Anfänge des Bockbieres auf die niedersächsische Brauerei zurück. Bis 1351 kann die Geschichte des Einbecker zurückverfolgt werden. Das Ur-Bock Dunkel wurde jedoch erst ab etwa 1794 hergestellt. Und auch schon Luther wusste die Qualität des Bieres zu schätzen:

„Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt.“

Bis heute gilt das untergärige kastanienfarbige Dunkel als das typischste aller Bock-Biere. Karamellig aber auch feinherb im Geruch kommt der relativ hohe Hopfenanteil erst beim Probieren heraus. Gerade im Vergleich zu den eher süffigen obergärigen Bieren, die ich bisher getrunken hatte, kam das Ur-Bock ziemlich bitter und trocken rüber. Nach dem Motto „aller Anfang ist schwer“ machte allerdings der süßlich-malzige Abgang wieder einiges wett. Bis heute ist Einbecker mit etwa 400.000 hl Produktionsvolumen eines der größten Bockbierbrauereien der Welt.

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Mit einer Überraschung ging es gleich weiter: Der Pilsbock von Moritz Fiege. Noch nie zuvor ist mir ein heller Bock unter die Augen gekommen. Umso gespannter war ich, was auf mich zukommt. Beim Pilsbock von Fiege handelt es sich um ein Jahrgangsbier, welches auf dem Fiege-Pils-Rezept basiert. Allerdings wird hierbei nur die Vorderwürze verwendet – also nur der erste Anteil beim Ablaufen der Maische. Zudem ist das Bier „kaltgehopft“. Das bedeutet, dass der Hopfen nach der eigentlichen Gärung nochmals in die Biermasse gehängt wird – quasi wie ein Teebeutel, also in dem Fall ein Hopfenbeutel. Beides führt zu einem konzentrierteren und aromatischeren Geschmack. Auch im Geruch macht sich der Hopfen bemerkbar, hinzukommt eine erkennbare Zitrusnote. Trotz erhöhter Schlagzahl von knapp 8% schmeckt das bernsteinfarbene Pilsbock aus Bochum sehr angenehm und weich. Dabei gleichen sich der hohe Hopfen- mit dem hohen Malzanteil meiner Ansicht nach sehr gut aus. Auch der Abgang ist alles in allen rund und wird mit einer leicht bitteren Note begleitet. Zusammengefasst eine eindeutig positive Überraschung also.

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Vom Bock ging es nun zum Doppelbock. Genauer gesagt zum Paulaner Salvator. Und damit auch zum Grund, warum der Februar Bockbier-Monat ist. Während einer Zeit, wo es in Einbeck über 740 Bürgerbrauhäuser gab (es hatte also im Prinzip jeder Haushalt selbst gebraut) wurde 1612 ein talentierter Braumeister aus Einbeck nach München abgeworben. Über Umwege gelang er dann zur Paulaner Brauerei, die im Jahre 1634 ihr erstes Bockbier herstellen konnte. 17 Entwicklungsjahre später erschien dann der erste (Frühlings-)Salvator. Der Name soll übrigens von Sankt Vater stammen, welches unter Einfluss eben jenes Bieres zu später Stund auch schnell mal zu Salvator wird. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Aus dem bayrischen stammt vermutlich auch die Bezeichnung „Bock“. Hier wurde aus Ainpöckisch (für Einbecker) im Laufe der Zeit Oanpoack, was wiederrum dann vereinfacht zum Bock abgekürzt wurde. Seit 1751 wurden dann ein jährlicher Bockbierausschenktag für den bayrischen Kurfürsten veranstaltet. Zunächst am Anfang vom April gelegen wanderte dieser Termin über die Jahre in den Februar. 1806 – also vier Jahre vor dem Oktoberfest – wurde dieser Tag erstmals auf ein einwöchiges Fest ausgeweitet, welches als Starkbierfest bis heute von Mitte bis Ende Februar in München gefeiert wird. Nachdem im 19. Jahrhundert immer mehr Brauereien das Salvator nachbrauten, erwarb Paulaner 1896 das alleinige Namensrecht für den Salvator, sodass die anderen Brauereien ihr Bier umbenennen mussten. Das hat dazu geführt, dass heute übrigens 120 unterschiedliche  „-ator“-Biere namensrechtlich geschützt sind. Das Bier selbst ist wie man so schön sagt „alkoholaromatisch“: weniger bitter, dafür sehr malzig und zitrus-süß. Geschmacklich wechselt es permanent zwischen süffig und herb ab. Da der Nachgeschmack eher unauffällig und lasch daher kommt, fällt eine Bewertung also recht schwer.

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Weiter ging es mit einer noch recht neuen Bockvariante: dem Altbierbock. In der Kölsch-Region Brühl natürlich ein ganz heißes Pflaster. Das Uerige Doppelsticke wurde erstmals 2005 zunächst für den US-amerikanischen Markt hergestellt. Erst seit letztem Jahr wird es auch in Deutschland vertrieben. Die unabhängige Düsseldorfer Hausbrauerei hatte sich für diesen Schritt entschieden, da Craft-Biere – als welches sich das Doppelsticke versteht – derzeit in den USA noch auf größeres Interesse und größeren Andrang stoßen. Die sehr dunkle Farbe wird vor allem durch die verwendeten Karamelmalze verursacht. Der Geruch ist gleichzeitig sehr bitter, süß und zitrusartig. Die Karamellnote lässt sich auch heraus schmecken – auch ist es gar nicht so bitter, wie vielleicht vermutet. Allerdings bleibt insbesondere der sehr hopfige und würzige Gesamtgeschmack – hervorgerufen durch eine Stammwürze von über 20% – in Erinnerung, sodass es im bisherigen Vergleich am schlechtesten abschneidet. Der Name „Sticke“ leitet sich übrigens von „stickum“ also geheim ab und soll darauf verweisen, dass das Bier zunächst nur geheim verkauft wurde.

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Den Abschluss des doch ziemlich alkoholhaltigen Bokbierabends bildete das Aventinus Eisbock. Mit 12 Umdrehungen ist es mit Abstand das alkoholhaltigeste Bier des Abends und bildet die Verbindung zum Januar-Event, wo bereits der „kleine Bruder“ das normale Aventinus verköstigt wurde. Auch das Eisbock wurde zunächst in den USA eingeführt, fand den Weg zurück nach Deutschland aber bereits 2012. Bei offener Flaschengärung unterscheidet sich das Eisbock vom Doppelbock dadurch, dass dem Bier durch Ausfrieren Wasser entzogen wird. Durch dieses Verfahren wird ein deutlich höherer Alkoholgehalt erreicht, als bei „normalen“ Brauverfahren möglich wäre. So liegt der derzeitige Rekord beim „Snake Venom“. Dieses erreicht einen unglaublichen Alkoholgehalt von 67,5% – ganz ohne Destillation, nur durch Ausfrieren. Ein netter Nebeneffekt dieser Brauweise: Auch der Geschmack und Geruch wird intensiviert. So bin ich höchst überrascht, wie vergleichsweise bekömmlich ein 12%iges Bier schmecken kann. Vielleicht lag es an der Gewöhnung, vielleicht aber auch am Alter, aber ich musste zugeben, dass mir das Bier schmeckte. Vor allem lag das an dem deutlich weißbierartigen Geruch und Geschmack. Sehr bananig, sehr karamellig und wenig gehopft. Alles in allem sehr rund – besonders für 12%. Sicher wird es nicht mein Lieblingsbier – aber gerade im Vergleich zu anderen ähnlich volumigen Bieren bin ich wirklich positiv überrascht.

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Zusammenfassend würde ich den präsentierten und verköstigten Bieren folgende Gesamtwertung geben:

Moritz Fiege Charakter Pilsbock: 11 Pkt. (2)

Schneider Weisse Aventinus Eisbock: 10 Pkt. (2-)

Einbecker Ur-Bock Dunkel: 8 Pkt (3)

Paulaner Salvator: 7 Pkt. (3-)

Uerige Doppelsticke: 5 Pkt. (4)

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Im Anschluss an die offizielle Verköstigung gab es dann wieder die Gelegenheit eines oder mehrere weitere Bierspezialitäten des Hauses zu probieren. Im Februar gibt es dafür folgende Auswahl:

Bierkarte Februar

 

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

8. Weißbier-Variationen für alle Jahreszeiten – Bierverköstigung Januar

Unertl Weißbier Original | Schneider Weiße Tap 2 – Mein Kristall | Hoegaarden Wit Blanche | Hopfenstopfer Citra | Schneider Weiße Tap 6 – Unser Aventinus

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Während ich gerade Stefan´s Indian Ale von Maisel & Friends genieße, welches leider nicht in die Wertung eingehen kann, da es schon abgelaufen ist, möchte ich von meiner Bierverköstigung am vergangenen Montag berichten.

Im Gasthaus zur Eule in Brühl präsentiert der Brühler Biersommelier Markus Weick seit November am Anfang jeden Monats verschiedene Biere zu unterschiedlichen Themen. Die oben genannten Biere machten zum Thema Weißbier für dieses Jahr den Anfang. Ein Bier welches auch schon Klaus Augenthaler zu schätzen wusste:

„Das Gute am Weißbier: Es kann von Elf Uhr morgens bis zum Frühstück getrunken werden.“

In gemütlich uriger Atmosphäre wurden zunächst sogenannte TEKU-Gläser und Verkostungskarten verteilt. Erstere sind speziell für Biere konzipierte, sodass eine intensivere Sinneswahrnehmung bei der Verkostung ermöglicht wird. Letztere beinhalten auf der einen Seite nützliche Informationen zur Wahrnehmung und Einschätzung der zu verköstigenden Biere. Auf der anderen Seite hatte man dann die Möglichkeit, seine individuelle Bewertung zu jedem vorgestellten Bier zu notieren, welche vom Biersommelier im Anschluss ausgewertet werden.

Bewertungsbogen_blanko-AOhne langes Aufwärmen wurde direkt mit dem ersten Bier gestartet. Das Unterl Weißbier wurde ringsum eingeschenkt und zunächst gemäß Aussehen und Geruch begutachtet. Der deutlich erkennbare bananige Geruch mit leichter Zitrus-Note wurde begleitet durch eine für ein helles Weißbier ungewöhnlich dunkle Bernsteinfarbe. Auch geschmacklich überrascht das Unertl mit einer leicht gehopften Milde. Grund hierfür – so erklärte Markus Weick – sei die offene Gärung, welche Unertl für alle Biere anwendet. Während der Verkostung gibt es derweil allerlei interessante Informationen zur Brauerei, zum Brauverfahren oder zum historischen Hintergrund. So wird die Farbe des Bieres in erster Linie durch die Färbung des Malzes bestimmt. Diese wiederrum ist abhängig von der Temperatur mit der das zuvor gekeimte Gersten- oder Weizenmalz erhitzt wurde. Der Weizenmalzanteil beim Unertl beträgt 70% – ein Umstand, welcher einen äußerst vollmundigen und harmonischen Geschmackseindruck vermittelt. Eine Besonderheit der Unertl-Brauerei ist außerdem, dass es eigentlich zwei Brauereien sind, welche von zwei unterschiedlichen Familienzweigen der Gründerfamilie betrieben werden. Bei diesen Unertl-Brauereien handelt es sich im Übrigen um reine Weißbier-Brauereien.

SAM_0249Aus einer ebenfalls reinen Weißbierbrauerei entstammt das nächste Bier. Das Tap 2 von Schneider Weisse – eine der größten noch privat betriebenen Brauereien Deutschlands – ist als Kristallweizen im Gegensatz zum Unertl eher was für die helleren Jahreszeiten. 1924 durch Farny in Kißlegg eingeführt unterscheidet sich das Kristall vom „Normalweißbier“ durch die Filtration von Hefe- und weiteren Schwebstoffen. Dies hat zur Folge, dass die bananengeschmacksgebenden Hefestoffe nach Beendigung des Brauprozess entfernt werden und einen deutlich hopfigeren Geruch Geschmack hinterlassen. Zudem ist es spritziger und etwas bitterer bei einem dennoch runden Ausklang.

SAM_0251Während der Verköstigung gibt es einen kleinen Exkurs zur Geschichte des Weißbieres. Nachdem über Jahrhunderte das Weißbierbrauen und -trinken Privileg von Adel und höheren Bürgerschichten südlich der Donau war, wurde zunächst 1548 das Privileg auf das ganze damalige Reichsgebiet ausgeweitet. Aufgrund der Popularität des Bieres auch in niederen Bevölkerungsschichten, wurden nach und nach im gesamten Landesgebiet herzogliche Weißbierbrauereien gegründet. Die erste entstand in Kehlheim – der heutige Stammsitz und seit 1928 Brauort der Schneider Weisse. Im 19. Jahrhundert allerdings nimmt die Popularität des obergärigen Weißbiers zu Gunsten der untergärigen Hellbiere Pils (Entstehung 1842) und Märzen (1843) rapide ab. Das seit 1798 bestehende Recht Weißbier brauen zu dürfen (das sogenannte „Weißbierregal“), erkauft sich Georg Schneider I. als erster Bürgerlicher im Jahre der deutschen Reichsgründung. Mit einer cleveren Marketingstrategie und einem „gar köstlich mundenden Weißbier“, wie es Schneider selbst beschreibt, gelingt die Rettung des Weißbieres.

Mit dem Hoegaarden Wit Blanche geht die Verköstigung weiter. Zunächst bin ich sehr gespannt, da ich mit belgischen Bieren schon so einige „spannende“ Erfahrungen machen durfte und auch dieses Witbier bereits einmal im Camping-Urlaub in Holland trinken durfte. Dadurch, dass dem Bier die Weizenrohfrucht (und nicht das Malz) sowie Koriander und Orangenschalen zugesetzt sind entspricht es nicht dem deutschen Reinheitsgebot. Während man das Zitrusaroma und die Weizenfrucht klar herausriechen und -schmecken kann, muss ich zugeben, dass mir wohl noch Geschmackserfahrung fehlt um auch den Koriander erkennen zu können. Mit 30% Weizenmalz schmeckt es nichtsdestotrotz erstaunlich mild und lecker. Entweder meine Geschmacksknospen sind altersbedingt abgestumpft oder das Bier ist überraschenderweise wirklich gut.  Als klassisches Sommerbier schmeckt es mir sogar an einem verregneten Westwintertag wie dem montägigen. Eine Randnotiz zum Hoegaarden: Nachdem 1955 die letzte Witbier-Brauerei in Belgien schließen musste, erweckten die Gründer dieses 1966 wieder zum Leben und brauten es ohne Unterbrechung bis heute weiter.

SAM_0252Als vorletztes Bier des Abends war das Hopfenstopfer Citra American Pale Ale an der Reihe. Von der über 250 Jahre alten Brauerei Häffner produziert, handelt es sich im Gegensatz zu den anderen Mitstreitern um eine Craft-Bier. Das bedeutet, dass das Bier keinen industriellen Brauprozess erfahren hat, sondern handwerklich in kleinem Umfang hergestellt wurde. Die Häffner-Brauerei produziert jährlich 1.400 hl (davon 400 hl Hopfenstopfer) – zum Vergleich: Schneider Weisse kommt auf über das 100-fache, Paulaner auf über das 1.000-fache. Bei einem Weizenanteil von 50% macht das Bier einen sowohl hopfenbetonten als auch malzaromatischen Geschmackseindruck. Begleitet von einem zitronigen Geruch hinterlässt es den bisher bittersten Abgang des Abends.

SAM_0253Den Verköstigungsausklang bildete das Tap 6 – Aventinus abermals von Schneider Weisse. Mit 8,2% Volumenalkohol bedingt durch eine Stammwürze von 18 °P bildete es bereits die Brücke zum Bierthema im Februar „Bockbier“. Mit der Stammwürze wird übrigens der Anteil der gelösten Stoffe angegeben – 16°P bildet die Grenze zum Bockbier, 18°P genau die zum Doppelbock. Im Aventius befinden sich also 18% gelöste Stoffe wie Maischereste oder Hefestoffe, wohingegen der restliche Brauwasseranteil des Aventinus 82% beträgt. Bei einem schwachen Schaumvolumen und schwarzbrauner Bierfarbe ist ein kräftig süßlich-herber Geruch mit leichter Zitrusnote wahrnehmbar. Der Antrunk ist schwer und malzaromatisch. Die Resenz würde ich als Laie noch am ehesten mit lebendig-moussierend beschreiben. Der Abgang hingegen ist wiederrum ziemlich kräftig betont. Das 1907 ins Leben gerufene Aventinus sollte mit einer Trinktemperatur von etwa 14°C genossen werden, weshalb der Biersommelier Markus Weick das Bier zu Beginn der Verköstigung aus dem Kühlschrank holte. So hatte es immerhin eine Temperatur von knapp unter 10°C erreicht. Der heutige Gaumen ist selbstverständlich an niedrigere Temperaturen gewöhnt, in früheren Tagen jedoch gab es tatsächlich sogenannte „Bierwärmer“ welche die gewünschte Biertemperatur erzeugten, falls das Bier einmal zu kühl war (ein solcher ist sogar in der Eule vorhanden)…

SAM_0258Alles in allem würde ich den präsentierten und verköstigten Bieren folgende Gesamtwertung geben:

Untertl Weißbier Original: 13 Pkt. (1-)

Hoegaarden Wit Blanche: 11 Pkt. (2)

Hopfenstopfer Citra: 9 Pkt (3+)

Schneider Weisse Tap 2: 7 Pkt. (3-)

Schneider Weisse Tap 6: 6 Pkt. (4+)

Bewertungsbogen_befülltIm Anschluss an die offizielle Verköstigung gab es dann noch die Gelegenheit eines oder mehrere weitere Bierspezialitäten des Hauses zu probieren:

Bierkarte_JanuarUnd das ist nur die Auswahl für Januar. Im Laufe des Jahres werden weitere Biere eingeführt, mit dem Ziel am Ende des Jahres über 100 unterschiedliche Biere im Dauersortiment zu haben. Definitiv also ein absoluter Glückgriff im Bierjubiläums-Jahr ;).

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/