Mai 18 2016

61. Gemünder Naturtrüb

Weiter geht es in der Eifel-Bier-Reihe mit einem recht ähnlichen Bier wie in 60. Zwar handelt es sich hier um ein Pils, aber auch dieses ist naturtrüb und in offener Gärung gebraut. Außerdem werden natürlich auch nur Zutaten aus der Region verwendet, welches die Regionalmarke Eifel bestätigt.

„Naturtrübe, untergärige, unfiltrierte Bierspezialität Pilsener Brauart mit feinstem Hopfenaroma, gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516, natürlich in offener Gärung. Erleben Sie den reinen Geschmack und die ursprüngliche Frische dieses Bieres.“

…heißt es auf der Website der Brauerei – und genau das mache ich jetzt auch.

Steckbrief

61_Gemünder Naturtrüb-Steckbrief

Bewertung

61_Gemünder Naturtrüb

  • Flaschendesign + Kronkorken

Aufgrund der mehr als deutlichen Ähnlichkeit zum Eifeler Landbier ist hier 60. nicht viel hinzuzufügen. Allerdings bekommt die grüne Longneck-Flasche leichte Pluspunkte.

  • Aussehen

Trotz unterschiedlicher Biertypen ist hier ebenfalls kein nennenswerter Unterschied zu 60. festzustellen.

  • Geruch

Der Geruch ist erwartungsgemäß pils-mäßig. Weiche Hopfennoten und aromatisch milder Malzgeruch wechseln sich dabei ab.

  • Geschmack

Auch hier ist die Pilsener Brauart herauszuschmecken. Allerdings ist es dabei ziemlich süffig und hopfig-sauer-herb. Der Prickelfaktor ist angenehm erfrischend und im Abgang bleibt eine überraschend malzige Süße.

  • Fazit

Wenn ich zurückblicke auf die Blindverköstigung der drei Pils-Sorten aus dem Schnupperkurs zur Biervielfalt, dann ist das Gemünder Naturtrüb eine gute Mischung aus allen probierten Pils (Tannenzäpfle, Urquell & Moritz Fiege). Eine Pils-übliche Herbe gepaart mit einer süß-säuerlichen Note. Sicherlich nicht das allerbeste und spannendste Bier der Welt, aber gerade für ein Pils erfrischend anders. Nicht nur durch den Regionalbonus deshalb starke 13 Pkt. (1-) für das Naturtrüb aus Gemünd.

61_Gemünder Naturtrüb-Bewertung

Für weitere Infos siehe http://gemuender-brauerei.de/index.php/unsere-biere/gemuender-naturtrueb.

Prost!

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Mai 17 2016

60. Eifeler Landbier

Nachdem die Reinheitsgebotsfeierlichkeiten ein Ende genommen haben, möchte ich an dieser Stelle die Reihe „Biere aus meiner Region“ fortsetzen. Nach der großen Kölsch-Verköstigung (siehe Beiträge 1123) und dem ein oder anderen Bonner Bier, folgt nun eine kleine Reihe Biere aus der Eifel.

Alle werden sie gebraut von der Gemünder Privatbrauerei an der Urft in der Nordeifel. Die im Jahre 1961 gegründete Brauerei hat sich von Beginn an zum Ziel gesetzt der „Biereinheit“ der großen deutschen Produzenten regionale urtümliche Bierspezialitäten entgegen zu halten.

Und so geht es heute los mit dem meistverkauften Bier der 20.000 hl Ausstoß per anno – dem Eifeler Landbier. Das nicht weiter definierte Landbier zeichnet sich insbesondere durch seine „Unfiltriertheit“ aus.

„Das Eifeler Landbier ist eine besondere Bierspezialität und liegt als Trinkerlebnis im Trend der Zeit. Es ist für den innovativen Gastronomen wie auch für den qualitätsbewusten Biertrinker und Bierkenner eine willkommene Alternative zu den bekannten Konsumbieren.

Der gehaltvolle Biergeschmack, die feinperlige, natürliche Kohlensäure, das urige Aussehen und vor allem die angenehme Bekömlichkeit lassen das Eifeler Landbier schnell neue Stammkunden gewinnen. Maßvolles und genüssliches Biertrinken wird zum Erlebnis.“

Als qualitätsbewusster Biertrinker und -kenner sollte das also dann ein Selbstläufer werden…

Steckbrief

60_Eifeler Landbier-Steckbrief

Bewertung

60_Eifeler Landbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die Zielsetzung des Unternehmens wird auch auf dem Flaschenäußeren sichtbar. Das Design ist gewollt altertümlicher gehalten, ebenso der Kronkorken. Zudem prangert das Eifeler Kulturgut-Symbol auf dem Etikett. Auch wenn es meiner eher schlichteren Bevorzugung nicht entgegenkommt, finde ich es auch nicht sehr ausladend.

  • Aussehen

Aufgrund der unfiltrierten Ankündigung hätte ich mit etwas mehr Naturtrübung gerechnet. Die Schaumbildung und -haltbarkeit hingegen war phänomenal.

  • Geruch

Hier erleben meine Geruchsknospen eine Mischung aus Karamellsüße, Hopfencitrus, Röstmalze und roten Früchten. Also alles andere als gewöhnlich und sehr einladend zum Antrunk.

  • Geschmack

Auch hier eine kleine Überraschung: Eines der sauersten Biere meiner Rezensionen. Trotz dieser Säure (die aber bei weitem noch nicht an einer Gose rankommt) ist es aber auch recht süffig und weich. Zudem paart sich zur Säuerlichkeit eine gewisse Süße (ohne aber gleich an eine chinesische Platte zu erinnern). Eine Spritzigkeit und der Abgang sind kaum spürbar.

  • Fazit

Ob ich nun Stammkunde werde, kann ich noch nicht sagen, aber das erste Bier der Eifeler Reihe macht schon mal einen guten Eindruck. Vor allem die säuerliche Note überzeugt, da dies in der Tat nicht häufig in guten Bieren zu finden ist. Jedoch ist es auch Geschmackssache, sodass das genüssliche Biertrinken sicher nicht jedem liegen wird. Mit mehr als soliden 12 Pkt. (2+) nimmt es eine gute Ausgangsposition ein.

60_Eifeler Landbier-Bewertung

Für weitere Infos siehe http://www.eifelerlandbier.de/.

Prost!

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Mai 11 2016

59. 16 – BlackImperialBock

Zum Abschluss der Reinheitsgebots-Festwochen schließt sich der Kreis zur Eröffnung (siehe 50.). Denn mit dem Black Imperial Bock der Junioren der Privaten Brauereien handelt es sich um das zweite Bier, das anlässlich des Bierjubiläums von Junior-Brauern des Verbandes Privater Brauereien kreiert wurde.

Die jungen Brauer der Verbandsbrauereien hatten anlässlich des Bierjubiläums das Projekt 2016 ins Leben gerufen. Dabei wollten sie zeigen, dass das Reinheitsgebot aktueller und innovativer denn je ist. Zu den bekannten 4 Rohstoffen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe fügten sie ihre Kreativität und ihr brautechnisches Know-How als fünftes Element hinzu und kreierten – wie sie es bezeichnen – zwei klasse innovative Genussbiere.

„Brauen mit dem Reinheitsgebot heißt seit 500 Jahren etwas G´scheites, Echtes, nichts Gepanschtes, eben Bierbrauen nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.
Dazu kommen wir – der fünfte Rohstoff. Die frische Kreativität von 21 jungen  PrivatbrauerInnen aus ganz Süddeutschland. Wir sind Braumeister und Getränkebtriebswirte, leidenschaftliche Profis. Wir wissen, was wir tun, wir brauen in richtigen Sudhäusern. Entstanden sind zwei Genussbiere mit Trafition und frischer Kreativität, eben Biergenuss für den besonderen Anlass.“

So möchte ich die Festwochen nun mit der 16 schließen. Einem sogenannten Black-Imperial-Bock, das auf dem Rücklabel wie folgt beschrieben wird:

„Schwarz und charakterstark, so präsentiert sich unser BlackImperialBock. Eine Versuchung für jeden besonderen Anlass. Schon in der Nase begrüßen Sie intensive Schokoladen- und Karamellaromen, gefolgt von kernigen Kaffeenoten und einem Hauch von Rauch im Geschmack. Feine Aromahopfen runden das Geschmacksfeuerwerk im Mund ab, und am Ende bleibt nur ein Lächeln und die Freude auf den nächsten Schluck“

Steckbrief

59_16-Steckbrief

Bewertung

59_16

  • Flaschendesign + Kronkorken

Hier ist dem in 50. geschilderten Äußerungen fast nichts hinzuzufügen. Insbesondere aber die Farbkombination aus Gelb und Grün gefällt mir bei den beiden Bieren.

  • Aussehen

Endlich mal wieder ein dunkles Bier. Neben der dunklen Kastanienfarbe und der vermutlichen Naturtrübung fällt die enorme Schaumbildung und lange Haltbarkeit sehr positiv auf.

  • Geruch

„Schon in der Nase begrüßen intensive Schokoladen- und Karamellaromen…“ heißt es in der Beschreibung. Und in der Tat ist eine feine Zartbitter-Schokoladennote erkennbar. Viel stärker sticht allerdings ein rauchiger und röstmalziger Geruch heraus. Die Karamellsüße kann ich demgegenüber nicht erkennen.

  • Geschmack

„… gefolgt von kernigen Kaffeenoten und einem Hauch Rauch im Geschmack.“  heißt es weiter. Der schon zuvor identifizierte Rauch zieht sich auch im Geschmack durch. Ebenso die Röstmalznoten. Zudem kommt immer wieder eine aromatische Bitterkeit und eine dumpfe fruchtige Süße durch. Selbst den Kaffee kann man erstaunlich gut herausschmecken. Die Resenz ist nur mäßig, der Abgang aber umso intensiver. Süß und gleichzeitig herb und vor allem recht ölig bleibt das 16 in Erinnerung.

  • Fazit

Wer über Biervielfalt im Bierjubiläumsjahr philosophiert, für den ist nicht nur das 20 definitiv das Non-Plus-Ultra, auch das 16 kann da ebenso mithalten. Hintergrund und Präsentation selbstverständlich ebenfalls erstklassig. Leider kann mich aber auch dieses Bier nicht in Gänze überzeugen, da ich mir einfach von einem solch besonderen Produkt noch etwas mehr Kreativität und Geschmacksvielfalt erwartet hätte. Nichtsdestotrotz erreicht es gleicher- und verdientermaßen sowie herausragende 14 Pkt. (1).

59_16-Bewertung

Für weitere Infos rund um den Verband Private Brauereien siehe http://www.private-brauereien.de/de/index.php.

Zum Projekt 2016 der Junioren geht hier entlang:  http://www.private-brauereien.de/de/private-brauereien/projekt-2016-der-junioren/index.php.

Zudem bietet der Verband auch umfangreiche interessante Informationen zum Reinheitsgebot: http://www.private-brauereien.de/de/reinheitsgebot/index.php.

Und vielen vielen Dank nochmals an Markus! (http://wordpress.99biere.de)

Prost Reinheitsgebot!

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Mai 10 2016

58. Falkenfelser Festbier – 500 Jahre Reinheitsgebot

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen für das Bierjubiläum vollständig auf einerseits die sogenannten Fernsehbiere und andererseits die Discount-Biere zu verzichten. Im Rahmen meiner Recherchen bin ich dann aber auf das obige Bier aus dem Netto-Markt gestoßen und konnte daran nun schlecht vorbeigehen ohne es zu kaufen. Nicht nur der Anlass war ein Kaufgrund, auch bietet sich die einmalige Gelegenheit das Discount Produkt mal mit der Konkurrenz zu vergleichen – auch wenn ein 1:1-Vergleich aufgrund der Biersorte natürlich nicht möglich ist. Außerdem gab es zeitgleich auch noch eine Rabattaufkleberaktion bei Netto, sodass mir dieses Bier tatsächlich nur 39 ¢ gekostet hat. Also auf ein gutes Gelingen.

Steckbrief

58_Falkenfelser Festbier-Steckbrief

Bewertung

58_Falkenfelser Festbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Zugegebenermaßen gefällt mir das Flaschendesign besser als für ein Discount-Bier vermutet. Die Schlichtheit kommt mir grundsätzlich entgegen, auch wenn hier natürlich schon erkennbar ist, dass man es nicht mit einem hochwertigen Produkt zu tun hat.

  • Aussehen

Farblich und hinsichtlich Schaumbildung ist dem Festbier auch kein großer Vorwurf zu machen. Dass nicht (mehr) viele Biere naturtrüb hergestellt werden, habe ich ja bereits erleben dürfen und gehört einfach zu verschiedenen Bierstilen dazu.

  • Geruch

Hier bin ich zunächst positiv überrascht, da eine klare Röstmalz-Note heraussticht. Auch erriechbar ist eine grundsätzlich fruchtig-hopfige Note. Allerdings fällt schon ein leicht industrieller Einschlag auf, der das Geruchserlebnis etwas trübt.

  • Geschmack

Im ersten Moment bin ich ebenfalls positiv überrascht. Die Karamellmalzige Süße verbindet sich zunächst sehr schön mit der hopfigen Bitterkeit. Allerdings wird diese im Verlaufe immer unrunder und äußert sich dann in einem herben lang anhaltenden und z.T. stechenden Abgang. Zwar nehmen diese Irritationen mit der Zeit ab – ein merkwürdiges Gefühl aber bleibt.

  • Fazit

Wie fast zu vermuten schlägt sich das Discount-Festbier erstaunlich gut. Klar, kann man bei 39 ¢ keine Geschmacksexplosion erwarten und auf eine handwerkliche Braukunst hoffen. Aber gerade für den kleinen Geldbeutel ein mehr als anständiges Bier und vermutlich besser als die anderen Produkte der Reihe. Insgesamt hat es bei mir daher mit 11 Pkt. eine gute 2 verdient.

58_Falkenfelser Festbier-Bewertung

Prost 500 Jahre Reinheitsgebot!

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Mai 9 2016

57. Arcobräu Urfass

Zum Abschluss des Reinheitsgebots-Pakets gibt es nochmal einen richtig edlen und prominenten Vertreter seiner Art. Denn das Urfass aus dem niederbayrischen Hause Arcobräu geht nicht nur auf eine lange adelige Geschichte und Tradition zurück, sondern ist bis heute wahrlich royal geführt.

Der Beginn wird auf 1567 datiert, als Johann Albrecht Graf von Preysing die Mooser Brauerei von seinem Schwiegervater Stephan Trainer übernahm. 1789 erfolgte die Grundsteinlegung der heutigen Braustätte. Die in 1887 eingeleitete Mechanisierung erreichte 1993 bzw. 2006 ihren vorläufigen letzten Höhepunkt mit der Installation einer eigenen Hefezucht- respektive der Inbetriebnahme einer Entalkoholisierungsanlage. Vor 190 Jahren erfolgte aber bereits der erste Weißbier-Brauversuch und 1910 wurde schon das erste Helle gebraut. 1922 nach dem ersten Weltkrieg errichtete die damalige Schloßbrauerei Moos dann das erste Festzelt auf dem Straubinger Gräubodenfest.

In den Wirren des zweiten Weltkriegs erfolgte schließlich die Übernahme des Hauses Preysing von den Arcos. Nach dem Tod des Grafen Kasper von Preysing trat 1940 seine Schwester Maria Theresia Gräfin von und zu Arco-Zinneberg (geborene Gräfin von Preysing-Lichtenegg und Moos und Enkelin vom letzten bayrischen König Ludwig III.) das Brauerei-Erbe an. 20 Jahre später fasste Graf Ulrich Philipp von und zu Arco-Zinneberg sämtliche Brauereien, die bis dato im Besitz der gräflichen Familie stand, unter dem bis heute gültigen Namen Arcobräu in dem Mooser Stammhaus zusammen.

Das Zeichen der neuen Marke wurde das Familienwappen der Grafen von und zu Arco-Zinneberg. Dieses bildet den Doppeladler des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ab, da der damalige Kaiser Sigismund 1415 die Reichsunmittelbarkeit und den erblichen Grafenstand an die Familie der Grafen Arco verlieh. Zudem zeigt es die stilisierte Burg Arco vom Ursprungssitz der Arcos am Gardasee. Dieses Symbol der Grafschaft Arco in Nord-Italien wurde übrigens bereits von Albrecht Dürer auf seiner Italien Reise in einem Aquarell festgehalten und befindet sich heute im Louvre in Paris.

Heute wird die Brauerei (Ausstoß 2010: 140.000 hl) im Übrigen von Riprand Graf von und zu Arco-Zinneberg sowie seiner Kaiserlichen Hoheit Marie Beatrice, Erzherzogin von Österreich geführt. Nicht nur adelig, sondern wahrlich royal eben…

Unter dem Motto:

„Bewährtes bewahren, ohne den Fortschritt aus den Augen zu verlieren“

hat sich das Brauunternehmen und seine Angestellten folgenden 7 Leitlinien verschrieben:

  1. Freiheit durch Unabhängigkeit
  2. Persönliche Verantwortung
  3. Einzigartige Vielfalt
  4. Höchste Qualität
  5. Saubere Umwelt
  6. Echte Tradition
  7. Gelebte Heimatverbundenheit

„Tradition hat nicht nur etwas mit dem Alter zu tun, sondern auch mit der Einstellung. Als privat geführte Brauerei wird unser Handeln nicht vom Aktienkurs bestimmt, sondern von den Wünschen und der Zufriedenheit unserer Kunden. Wir fühlen uns den Menschen unserer Region persönlich verpflichtet. Ob als Arbeitgeber, als Förderer der regionalen Wirtschaft oder als Garant für niederbayerische Brautradition mit ihrer Geschmacksvielfalt an regionalen Bier-Spezialitäten.“

Bei dieser wirklich außerordentlichen Historie und Einstellung bin ich gespannt, ob auch das Bier einen Adelstitel verdient hat.

Steckbrief

57_Acrobräu Urfass-Steckbrief

Bewertung

57_Acrobräu Urfass

  • Flaschendesign + Kronkorken

Fast schon erwartbar war das eher traditionelle und unaufgeregte Flaschendesign. Wahrlich kein Ausreißer nach oben aber gespickt mit feinen Details wie dem schon beschriebenen Adelswappen. Auch die Angabe der Stammwürze auf der Rückseite finde ich außerordentlich. Unter der silbernen Glanzfolie des Kronkorkens verbirgt sich übrigens tatsächlich das edle und traditionsreiche Familienemblem.

  • Aussehen

Auch hier gibt es keine Überraschungen. Für ein Helles gewohnt hell und klar. Der Schaum ist zwar zufriedenstellend aber wenig haltbar.

  • Geruch

Hier ist dann schon die erste Besonderheit spürbar. Im Vergleich zu anderen Hellen deutlich hopfiger, wenig malzig und leicht fruchtig im Geruch.

  • Geschmack

„Würzig im Geschmack mit einer besonders abgerundeten Bittere“ wird das Urfass beschrieben. Und tatsächlich kann ich dem beipflichten. Für ein Helles ungewöhnlich bitter und wenig malzig-süß. Eigentlich ähnelt es eher einem Export. Trotz der relativ großen Bitterkeit ist es aber jederzeit sehr süffig.

  • Fazit

Das Urfass soll auf die lange traditionsreiche Braugeschichte des Hauses hindeuten. Leider werden durch die Bezeichnung als helles Bier hier falsche Erwartungshaltungen erzeugt. Denn klassisch hell ist dieses Bier wohl nicht. Da sei wohl eher auf das Mooser Liesl oder das Schloss Hell zurückzugreifen. Auch die web-seitige Beschreibung als „vollmundig süffig“ muss ich als klassischen Fauxpas werten, der einer versierte Brauerei nicht passieren dürfte. Nichtsdestotrotz habe ich es hier mit einem überdurchschnittlichen Bier aus privater Brauhand zu tun, welches durch seine besondere Verknüpfung von Bitterkeit und Süffigkeit besticht. Einschließlich eines Sonderpunktes für besondere Geschichtsträchtigkeit erhält das Arcobräu Urfass von mir in Summe deshalb 12 Pkt. (2+).

57_Acrobräu Urfass-Bewertung

Für weitere Infos zur Brauereigeschichte und zur Familienchronik der niederbayrischen Grafen und österreichischen Erzherzögen mit heiliger, römischer und deutscher Tradition unter http://www.georgenbraeu.de/home-62.html.

Prost Reinheitsgebot!

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Mai 8 2016

56. St. Georgen Bräu Keller Bier

Nach genau einer Woche Zwangspause, in der mich die berüchtigte Männergrippe zur Bierabstinenz zwang, möchte ich mich mit meiner Reinheitsgebotsbox-Reihe zurückmelden.

Am Start ist heute das Kellerbier aus dem fränkischen Hause St- Georgen Bräu. Zur Abwechslung mal wieder keine Schlossbrauerei, aber auch privat geführt. Und mit 40.000 hl die größte Brauerei aus dem Landkreis Bamberg. 1624 gegründet, war es von 1814 bis 2009 in der Hand der Familie Modschiedler. Seitdem ist es vom damaligen Braumeister Norbert Kramer übernommen und modernisiert worden. Im Fokus stehen alte fränkische Bierklassiker.

Besonderheit dieses Kellerbiers (sowie auch weiterer fränkischer Kellerbiere) ist, dass es ungespundet ist. Das bedeutet, dass das Spundloch des Reifefasses nicht verschlossen ist und somit die Gärkohlensäure fast vollständig entweichen kann. Somit ist das Bier erheblich kohlensäureärmer als vergleichbare Biere.

In der Hoffnung die ausklingende Seuche nimmt mir nicht alle Sinnesnerven, bin ich gespannt wie das erste Bier nach einer Woche schmeckt.

Steckbrief

56_St.Georgen Bräu Kellerbier-Steckbrief

Bewertung

56_St.Georgen Bräu Kellerbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Positiv: Die historisch anmutende Gestaltung mit der Darstellung der alten Braustätte und der altdeutschen Schrift. Negativ: zu unprofessionell wirkend, zu wenige Rahmeninformationen.

  • Aussehen

Wie oben ersichtlich eine dunkelgoldene bis kupferne Farbe. Von der versprochenen Hefetrübung ist zunächst allerdings wenig zu erkennen. Der wenig aufbauende Schaum hält sich jedoch recht lange.

  • Geruch

Was meine noch leicht angeschlagenen Riechkolben wahrnehmen ist eine interessante Mischung auch einer malzig-brotigen und einer Südfrucht-Note.

  • Geschmack

Auch wenn meine Zungenknospen noch etwas verzerrt und aus dem Training sind, will ich behaupten, es mit einem doch recht bitteren Bier zu tun zu haben. die trockene Malzigkeit aus dem Geruch verbindet sich mit einem erdigen Grundgeschmack. Die Herbe Note verbleibt auch bis zum Abgang. Erwartungsgemäß ist nur eine wirklich sehr geringe Resenz spürbar.

  • Fazit

Vor dem Hintergrund meiner noch abklingenden Seuche kann es durchaus zu Geschmacksverirrungen kommen, aber entweder ist das Kellerbier an sich nichts für mich oder mein Schmeckorgan muss sich heute erst mal wieder an Bier gewöhnen. Auf die Gefahr hin, dass ich dem Kellerbier aus Buttenheim ein großes Unrecht tue und es in Wahrheit exzellent schmeckt, kann ich heute aber nicht mehr als 8 Pkt. (3) vergeben.

56_St.Georgen Bräu Kellerbier-Bewertung

Für weitere Infos siehe http://www.georgenbraeu.de/home-62.html. Zudem hat sich die Brauerei die Website www.kellerbier.de gesichert, welche auch ebengenannte Seite weiterleitet.

Prost Reinheitsgebot!

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April 28 2016

55. Hohenthanner Hell

Das dritte und letzte Helle im Bunde der Reinheitsgebots-Schlossbrauereien kommt aus Hohenthann. Ein kleines Örtchen südöstlich von der Reinheitsgebots-Metropole Ingolstadt.

Ähnlich wie die vorherigen Brauereien ist die Schlossbrauerei Hohenthann eine vollständig unabhängige Privatbrauerei mit handwerklichem Einschlag. Und auch hier vereinigt sich die Dreifaltigkeit aus Brauerei, Gaststätte und Pension. Außerdem bringt die Brauerei zweimal jährlich das Bierblattl raus. Eine Hauszeitung, die über aktuelle Veranstaltungen, Geschichten aus der Region, aber auch Wissenswertes rund um die Brauerei und das Bier informiert. In der letzten Ausgabe (wie sollte es auch anders sein) stand das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebots im Mittelpunkt. Besonders attraktiv finde ich zudem den sogenannten Schnaklbier-Bus. Ein restaurierter und umgebauter VW-T2-Bulli mit Multimedia-Einrichtung zum Verleih für Feten oder andere Veranstaltungen. Warum allerdings keine Zapfanlage eingebaut wurde scheint mir recht schleierhaft…

Bei einem Portfolio von mehr als 15 Bieren, braut man dank eines Biersommeliers im Team auch Craft-Biere. Das Tanner Hell hingegen ist noch ein Klassiker aus guten alten Zeiten:

„Helles Gold, weißer, etwas gröberer Schaum. Der Duft erinnert an eine frische Blumenwiese und ein wenig an Zitrusfrüchte. Mild in der Kohlensäure, sehr angenehm. Der Geschmack hält, was der Duft verspricht. Auch der Nachhall ist beachtlich, zumal für ein Bier dieses Stils. Leichte, feine Bittere und Zitrusnoten bleiben lange in Erinnerung.“

Das war den Juroren vor drei Jahren zumindest eine Goldmedaille beim European Beer Star wert. Schaun ma also mal, ob ich das bestätigen kann.

Steckbrief

55_Hohentanner Hell-Steckbrief

Bewertung

55_Hohentanner Hell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Da ist sie ja wieder meine Lieblingsflaschenform. Aber auch der Rest des Designs überzeugen mich durchaus. Gerade die umfangreichen Informationen auf der Rückseite finde ich sehr positiv. Lediglich bei der Logo-Gestaltung hätte vielleicht etwas mehr Kreativität oder Pathos angewandt werden.

  • Aussehen

Ähnlich hell und klar wie die beiden Vorgänger, aber mit einer beachtlichen Schaumhaltbarkeit.

  • Geruch

Hier differiert dann interessanterweise jedes der drei Hellen. Denn im Vergleich zu 54. ist es hier wieder etwas mehr hopfenbetont und auch leichte Fruchtnoten sind tatsächlich erkennbar. Die angesprochene Blumenwiese bleibt mir jedoch verborgen. Könnte aber daran liegen, dass sich mir spontan keine eindeutige Geruchsassoziation dazu einfällt.

  • Geschmack

Nicht verwunderlich ist auch hier die enorme (und angenehme) Süffigkeit. Hinsichtlich, Malzaroma, Karamellsüße und Bitterkeit orientiert sich das Tannen Hell aber eher am 53.. Der versprochene markante Abgang kann wirklich bestätigt werden. Zwar ist es weit weniger dominant wie bei anderen Biertypen, aber im Vergleich zur Konkurrenz verbleibt eine deutlich spürbarere Feinherbigkeit.

  • Fazit

Insgesamt liegen zwischen allen drei getesteten Hellen teils Nuancen. Das Tannen Hell überzeugt mit einer etwas eigenen Interpretation eines süffigen Hellen, wobei insbesondere das tolle Flaschendesign hervorzuheben ist. Alles in allem würde ich dem Hellen aus Hohenthann zum Abschluss des Reinheitsgebotsmonats April eine gute 2+ (12 Pkt.) vergeben.

55_Hohentanner Hell-Bewertung

Für weitere Infos rund um die Hohentanner Schlossbrauerei siehe http://www.hohenthanner.de/brauerei/unsere-philosophie.php, zum Schnaklbier-Bus auf http://www.hohenthanner.de/schnaklbier.php und das aktuelle Bierblattl gibt´s unter http://www.hohenthanner.de/media/Aktuelles/Bierblattl/Hohenthanner_Bierblatt_01_2016.pdf.

Prost Reinheitsgebot!

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April 27 2016

54. Löwenbrauerei Passau – Urtyp Hell

Vor dem Hellen ist nach dem Hellen – und so geht es heute mit einem Urtyp weiter. Diesmal aus der Löwenbrauerei in Passau. Nicht nur das Bier, sondern auch die Brauereien aus Autenried und Passau haben dabei vielerlei Ähnlichkeiten.

1874 durch Erwerb von Franz Stockbauer gegründet, musste man bereits 1892 in die heutige Braustätte umziehen, da die einstigen Kapazitäten nicht mehr ausreichten. 1904 erfolgte nach einem schweren Brand des Sudhauses die Umwandlung in die Bayerische Löwenbrauerei Franz Stockbauer AG. Die Expansion der Brauerei nahm ihren Weg zwischen 1953 und 2001, indem man vier Brauereien des Umlandes übernahm und diverse Niederlassungen errichtete. Auch die Löwenbrauerei hat sich dem Umweltschutz verschrieben. So steht die Vermeidung und Verwertung von sog. Reststoffen im Mittelpunkt. Außerdem ist man Teil einer regionalen Kreislaufwirtschaft und erzeugt durch Wärmerückgewinnung Energie. Auch das Reinheitsgebot wird als Teil dieses Umweltmanagements gesehen:

„Kaum ein Produkt ist so sauber und rein wie das Bier. Nur natürliche Zutaten dürfen es sein, chemische Zusätze sind verboten. Das fordert das Reinheitsgebot. Und eine traditionsreiche und traditionsbewusste Brauerei wie die Löwenbrauerei Passau, für die der Begriff Heimat noch etwas zählt, verbindet mit dem „Reinheitsgebot“ mehr, als die Qualität ihrer Produkte. Für sie sind die Erhaltung der ostbayerischen Kultur- und Erholungslandschaft sowie die aktuellen Umweltfragen keine Schlagworte, sondern angewandte Unternehmensphilosophie.

Ob allerdings tatsächlich keine Hilfsstoffe zum Einsatz kommen und inwieweit das hervorgehobene Umweltbewusstsein mehr als die Einhaltung von gesetzlichen Rahmenbedingungen ist, kann ich an dieser Stelle leider nicht nachprüfen.

Dafür kann ich aber das Bier genauer unter die Lupe nehmen:

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.
Ausgewählte regionale Rohstoffe- Traditionelle Herstellungsverfahren mit Unterstützung modernster Technik – Sorgfältig ausgeübtes Handwerk unserer Mitarbeiter – Leidenschaft für die Braukunst.
Ergebnis: Charaktervolles Bier mit unverwechselbarem Geschmack und herrlich, hell leuchtender Farbe.“

Dabei soll das Urtyp „mild, ausgewogen und vollmundig“ sowie „heller als manch andere Vertreter seiner Gattung“ sein – mehr noch: „Heller geht nicht!“ Während das Autenrieder Urtyp noch mit silbernen Medaillen Vorlieb nehmen musste, erreichte der Vertreter aus dem Hause Löwenbrauerei Passau 2x Gold im European Beer Star (2009,2010) sowie einmal (2012) im World Beer Cup.

Steckbrief

54_Löwenbrauerei Passau Urtyp Hell_Steckbrief

Bewertung

54_Löwenbrauerei Passau Urtyp Hell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Hier kann das Urtyp etwas besser überzeugen als sein Vorgänger. Auch die Rückseite ist ziemlich passabel.

  • Aussehen

Heller Geht es nicht, tönt es aus den Passauer Mündern. Und ich muss sagen: Tatsächlich könnte es sogar noch eine Nuance heller als die Konkurrenz aus Autenried sein. Aber deutlich ist der Unterschied keineswegs. Auch die Schaumbildung ist etwas besser.

  • Geruch

Hier gibt’s nun keine Überraschung. Auch wenn ich ein Helles weiterhin malziger in Erinnerung habe, überwiegt hier zumindest nicht der Hopfenanteil.

  • Geschmack

Ebenso süffig, aber noch malzaromatischer und karamellsüßer als das Autenrieder grenzt es schon fast an bieriger Geschmacklosigkeit. Selbst Bitternoten sucht man hier vergebens. Dafür ist es etwas spritziger und beim Abgang könnte man sich eine ganz feine Herbe einbilden.

  • Fazit

Als Hell-Liebhaber kommt mir dieseR Urtyp natürlich genau recht. Es bedient alle Klischees, die ein Helles so mitbringt und schmeckt herrlich süffig. Auch das Äußere kann recht gut überzeugen. Nur eines ist es wahrlich nicht: Vollmundig. Hier muss die Löwenbrauerei (aber auch viele andere) nochmals in die Sensorik-Schulung. Trotzdem gibt´s hier und heute sehr gute 13 Pkt. (1-).

54_Löwenbrauerei Passau Urtyp Hell_Bewertung

Für weitere Infos rund um die Löwenbrauerei Passau siehe http://www.loewenbrauerei.de/brauerei.php und zum Urtyp Hell auf http://www.loewenbrauerei.de/produkte_bier.php?bid=5.

Prost Reinheitsgebot!

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April 26 2016

53. Autenrieder Urtyp Hell

Nach den Feierlichkeiten rund um das Bierjubiläum geht das Fest an dieser Stelle mit der Reinheitsgebots-Bier-Box weiter. Heute am Start ein Helles aus bayrisch-Schwaben:

„Autenrieder Bier – dem Guten verpflichtet seit 1650“

In eben diesem Jahr von Heinrich de Lapiére gegründet war die Schlossbrauerei bis 1912 adelig. Dann erfolgte der Verkauf an Alois Rudolph, in dessen Familienhände sie bis heute weilt. Die Schlossbrauerei Autenried zeichnet sich insbesondere durch ihren Beitrag zur Regionalität und Kreislaufwirtschaft aus. Dabei beruht das Wirtschaftssystem und Umweltmanagement auf folgendem Schema:

53_Autenrieder Urtyp Hell_kreislauf
Folgende Punkte sind weitere Alleinstellungsmerkmale:

  • eigene Mälzerei
  • alte Familienrezepte
  • ausschließliche Verwendung von Naturhopfen
  • keine künstlichen Stabilisierungsmittel
  • eigene Geräteherstellung

Darüber hinaus kann die Brauerei auch mit der Dreifaltigkeit aus Brauerei, Gaststätte und Hotel aufwarten. Neben dem Urtyp Hell, welches 2009 den silbernen European Beer Star Award erhielt und wie folgt umschrieben wird

„Goldgelb glänzend mit vollmundigem Geschmack, weich und würzig zugleich und mit feinhopfigem Aroma, so schätzen Kenner und Genießer Autenrieder Urtyp Hell als traditionelle urbayrische Spezialität.“

braut man noch knapp 20 weitere Biere, darunter 2 Craft-Varianten.

Steckbrief

53_Autenrieder Urtyp Hell_Steckbrief

Bewertung

53_Autenrieder Urtyp Hell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Naja, äußerlich jetzt nicht abschreckend, aber auch nicht besonders einladend. Eher auffällig unauffällig mit Verwendung der Adelssymbolik und Landschaftsmalerei von Autenried.

  • Aussehen

Selbst für ein Helles erstaunlich sehr hell-gelb und kristallklar mit leichter, feinporiger aber relativ haltbarer Schaumbildung.

  • Geruch

Es kann am verkostungsunfreundlichen Glas liegen, aber das Urtyp riecht eigentlich mehr einem Pils als nach einem Hellen. Der Hopfeneinschlag überwiegt deutlich dem Malzanteil.

  • Geschmack

Hier kommt dann aber doch die Wahrheit ans Licht. Wie für ein Helles typisch sehr schön süffig, lecker malzaromatisch mit einer guten Note Karamelsüße und nur wenigen Bitternoten. Resenz und Abgang sind kaum vorhanden.

  • Fazit

Um es vorweg zu nehmen: Ich liebe Helles. Helles ist mein Lieblingsbiertyp. Und so verwundert es mich nicht, dass mir auch dieses schmeckt. Auch wenn Flaschen- und Bieräußeres nicht zusagt und auch der Geruch wenig an ein Helles erinnert, können sowohl Geschmack als auch die Brauerei überzeugen. Und da das meines Erachtens die entscheidenden Punkte sind, gibt es heute für das Urtyp Hell aus den Autenrieder Hause 12 Pkt. (2+).

53_Autenrieder Urtyp Hell_Bewertung

Für weitere Infos rund um den die Schlossbrauerei Autenried siehe http://www.autenrieder.com/index.php?content=21.

Prost Reinheitsgebot!

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April 21 2016

52. Irlbacher Premium Hefe-Weißbier

Das dritte Weißbier im Bund meiner Reinheitsgebotsreihe ist das Irlbacher Premium Hefe Weißbier (ebenfalls aus der REWE-Bier-Box). Wer Irlbach nicht so genau kennt, dem sei folgende Beschreibung ans Herz gelegt:

„Dort, wo das niederbayerische Hügelland in die Ebene der Donau fließt, reifen seit Generationen in den tiefen Kellern der Schlossbrauerei die Irlbacher Bierspezialitäten. Handwerkliche Braukunst, streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot und erstklassige Rohstoffe aus dem Herzen des Gäubodens prägen den Charakter des „Irlbachers“, das zu den besten Bieren Bayerns zählt.“

Gegründet wurde die schon zweite Schlossbrauerei aus der Reihe im Jahre 1811. Im Vergleich zum Grünbacher ist die Besitzer-Geschichte allerdings sehr kurz: Seit Gründung bis heute ist das Unternehmen im Familienbesitz der Grafen von Bray-Steinburg bzw. der Freiherrn von Poschinger-Bray. Inzwischen aber braut man nicht mehr in Irlbach selbst, sondern im nahegelegenen Moos. Neben den eigenen Marken findet auch gelegentlicher Lohnbrau statt. Zudem ist man mit einem Festzelt beim Gäubodenvolksfest in Straubing vertreten. Mit über 120.000 Besucher täglich und einem gesamten Bierausstoß von etwa 8.000 hl gilt es als das zweitgrößte Volksfest Bayerns.

Zum Irlbacher Bier heißt es im Biershop Bayern:

„Gerste und Weizen aus eigenem Anbau, bester Holledauer und Tettnanger Hopfen und das kristallklare Wasser der brauereieigenen Tiefbrunnen geben dem Irlbacher Bier seinen so typischen Charakter. Das Können unserer Braumeister verleiht den Irlbacher Bierspezialitäten ihren unvergleichlichen Geschmack. Irlbacher Bier hat Bayerns Biergeschichte mitgeschrieben.“

Dass daran tatsächlich etwas sein kann, werde ich nicht nur gleich selbst testen, sondern konnte auch schon zweimal durch die Auszeichnung des European Beer Stars bewiesen werden (European Beer Star 2010 Silber Medaille für das Irlbacher Premium Schlossherrn Weisse Dunkel in der Kategorie South-German Style Hefeweizen Dunkel; Bronze Award beim European Beer Star 2011 in der Kategorie German Style Hefeweizen Hell für das Irlbacher Premium Hefe-Weissbier).

Steckbrief

52_Irlbacher Premium Hefe-Weißbier-Steckbrief

Bewertung

52_Irlbacher Premium Hefe-Weißbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Hier ist der adelige Design-Einschlag wie ich finde deutlich zu erkennen. Eher verschnörkelt und altmodisch mit Abbild der beiden Adelshäuser. Richtig ansprechend finde ich es nicht gerade, aber auch nicht total zum Weglaufen.

  • Aussehen

Im Gegensatz zum Grünberger ist hier wieder die Weißbier-typische goldene Farbgebung mit klassischer Hefetrübung vorhanden. Auch die Schaumbildung ist deutlich besser und sehr haltbar.

  • Geruch

Auch hier ist im Vergleich zum Grünberger mehr Weißbier-Klassik da. Noch etwas bananiger und weniger hopfig. Auch die zu vermutende Frische ist bereits erkennbar.

  • Geschmack

Hier dann die kleine Überraschung: Geschmacklich ist das Irlbacher dem Grünbacher ähnlicher als gedacht. Zwar tatsächlich bananiger und vollmundiger, ist es auch recht bitter und leicht hefig. Der Titelzusatz Export kommt auch im Geschmack durch. In der Tat habe ich das Gefühl neben einem üblichen Weißbier, auch einen Hauch Export zu schmecken. Auch im Abgang gibt es immer wieder herbe Spitzen. Dafür ist das Bier sehr frisch und spritzig.

  • Fazit

„Adel verpflichtet.“ heißt es auf der Flasche. Aber ähnlich wie beim Grünberger Weißbier brauche ich wohl noch etwas Zeit um mich an die altbayrische Brauart zu gewöhnen. Allerdings muss ich sagen, kommt mir das Irlbacher doch noch etwas mehr entgegen. Deshalb erhält es mit 11 Pkt. (2) auch einen Punkt mehr.

52_Irlbacher Premium Hefe-Weißbier-Bewertung

Für weitere Infos rund um den die Schlossbrauerei Irlbach siehe http://www.irlbacher.de/de/ (derzeit aber leider in Wartung). Ansonsten für weitere Infos siehe auch http://www.biershop-bayern.de/ostbayern/schlossbrauerei-irlbach.html.

Prost Reinheitsgebot!

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April 20 2016

51. Grünbacher Altweisse Gold

Nach dem gestrigen Einstieg in die Reinheitsgebotswochen, starte ich heute mit einem Mitbringsel auf dem hiesigen REWE-Markt:

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Mit in der Box waren ein „Reinheitsgebots-Glas“ sowie eine Ausgabe der Reinheitsgebotsurkunde.

Urkunde Reinheitsgebot 23-04-1516_II

Alleine daran wird deutlich, dass das Bierjubiläum auch nicht spurlos am Handel vorbeigeht und dass hier natürlich auch die Marketingtrommel gedreht wird. Allerdings bin ich etwas erstaunt, dass das Thema zumindest in der Region Köln-Bonn noch nicht viel mehr ausgeschlachtet wird. Außerdem hätte ich insbesondere von den Marktführern mehr Präsenz zu diesem Ereignis erwartet. Auch spezielle Festbiere hierzu hätten mich nicht verwundert. Andererseits vielleicht aber auch ein Indiz für die fehlende Flexibilität der Großbrauereien.

Um auf dem Weißbier-Weg zu bleiben, möchte ich heute mit dem Grünberg Altweisse Gold beginnen. Besagtes Grünberg liegt einen Katzensprung östlich von Erding und beheimatet nach eigenen Angaben etwa auch seit 500 Jahren ein eigenes Brauhaus. Die erste schriftliche Erwähnung ist auf 1590 datiert. Seit der Erteilung der Braugerechtigkeit in 1723, hat die Brauerei eine spannende Geschichte durchlebt. Nach mehrfachem Besitzerwechsel ging die Brauerei 1927 insolvent, um ein Jahr später durch die Familie Noll neben dem Grünberger Schloss wiederaufgebaut zu werden. Kurze Zeit darauf übernahm die bekannte Paulaner Brauerei den Betrieb und veräußerte ihn gleich ein Jahr später wieder. Unter dem Namen „Weißes Bräuhaus Erding“ ging die Schlossbrauerei 1929 dann erneut Konkurs. Auf Initiative von Hermann Noll wurde die Brauerei daraufhin zu einer GmbH umgewandelt, wo sich in der Folge eine Vielzahl an umliegenden Brauereien beteiligten. Dass die Brauerei niemals endgültig unterging, hatte sie offensichtlich ihrer überdurchschnittlichen Weißbier-Qualität zu verdanken, welches sich zu dieser Zeit auf dem aufsteigenden Ast befand. Noch vor seinem Tod 1969 schaffte es Noll alle Gesellschafter auszulösen und aus der Brauerei eine Körperschaft zu machen. Seitdem ist es gelungen das Brauhaus, welches seit 2014 auch unter dem Namen Grünbacher Weißbier Manufaktur agiert, in nunmehr fünfter Generation im Familienbesitz zu führen.

Beschrieben wird das Altweisse Gold auf der Flasche so:

„Nach urbairischer Rezeptur. Original Flaschengärung. Hoher Weizenanteil. Volles Hefearoma für fruchtigen Geschmack. Ohne Wärmebehandlung hergestellt, Naturtrüb, da unfiltriert.
Grünbacher. Unser Handwerk. Ihr Genuss.“

Dann bin ich mal gespannt, wie die Tradition nun im Glas schmeckt…

Steckbrief

51_Grünberg Altweisse Gold-Steckbrief

Bewertung

51_Grünberg Altweisse Gold

  • Flaschendesign + Kronkorken

Flasche, Etikett und Kronkorken finde ich grundsätzlich sehr schön, auch wenn hier nicht der besondere Funken überspingt.

  • Aussehen

Hier hält es schon mal, was es verspricht. Ein wirklich helles Weißbier – wohl das hellste deutsche, was ich bisher zu Gesicht bekam. Zudem schön naturgetrübt. Die Schaumbildung ist hingegen etwas enttäuschend.

  • Geruch

Wie es sich für ein Weißbier gehört, dominiert hier natürlich die Banane. Aber lange nicht so stark, wie man es von den „üblichen“ Kandidaten gewohnt wäre. Vielmehr kommen auch noch andere Zitrusfruchtnoten hervor. Auch eine Prise Malz und Hopfen ist erriechbar.

  • Geschmack

Auch hier kann man einen Eindruck bekommen, wie Weißbier noch vor Hundert Jahren gebraut wurde. Weniger bananig und vollmundig, dafür klar und fast schwach im Geschmack. Eine gewisse Malzetonung und leichte Bitterkeit runden das interessante Geschmacksbild ab. Im Abgang ist es schön feinherb. Sowohl Geschmack als auch Frische errinern sogar eher an den belgischen Bruder Witbier, als an ein übliches deutsches Weißbier.

  • Fazit

Das goldene Altweisse aus dem Schloss Grünberg hat eine wahrlich bewegte Geschichte hinter sich. Und ist somit wohl noch ein Relikt aus früheren Zeiten. Aber entweder bin ich schon zu sehr vom üblichen Weißbiergeschmack geblendet oder ich kann es aus anderen Gründen nicht wertschätzen, aber alles in allem gibt es hier leider zu viele Negativpunkte, die keine sehr gute Wertung zulassen. Vor allem das äußere Erscheinungsbild und der eher flaue Geschmack führen letzenendes zu einer immer noch guten 2- (10 Pkt.).

51_Grünberg Altweisse Gold-Bewertung

Für weitere Infos rund um den die Schlossbrauerei Grünbach siehe http://www.schlossbrauerei-gruenbach.de/.

Prost Reinheitsgebot!

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April 19 2016

50. 20 – HopfenWeizenBock

Noch keine Woche ist das Ereignis des Jahres mehr entfernt. Zeit also um in die heiße Phase des Bierjubiläums einzusteigen. Und das werde ich gebührend einläuten mit einem Geschenk vom Brühler Biersommelier Markus Weick, den ich ja zur Bierverköstigung in diesem Monat zum Thema 500 Jahre Reinheitsgebot unterstützte. Dabei handelt es sich um zwei Biere, die anlässlich dieses Jubiläums von Junior-Brauern des Verbandes Privater Brauereien kreiert wurden.

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Der Verband Private Brauereien organisiert eigenständige mittelständische Brauereien in ganz Deutschland. Da diese tatsächlich zumindest von der Anzahl her gesehen noch eine breite Mehrheit der Brauereien ausmachen, ist der Verband entsprechend stark besetzt. Unter anderem engagiert sich der Verband für die folgenden Interessen:

  • Förderung regionaler Rohstoffe ohne Gentechnik
  • Engagierter Einsatz für den Erhalt der Biervielfalt
  • Konsequente Beibehaltung des Reinheitsgebots von 1516
  • Aktives Mitwirken an Gesetzesvorlagen, national und in der EU
  • Erhalt der Biersteuermengenstaffel, damit auch in Zukunft kleine und mittelständische Privatbrauereien eine wirtschaftliche Basis haben
  • Veranstalter des internationalen Bierwettbewerbs „European Beer Star

Organisiert in vier Regionalverbänden bietet der Verband diverse Dienstleistungen für seine Mitglieder an. Unterstützung wird auf folgenden Gebieten gegeben:

  • Betriebswirtschaft
  • Marketing/Vertrieb
  • Recht
  • Versicherung
  • Arbeitsschutz/Betriebssicherheit
  • Technik
  • Umweltschutz
  • Ausbildung
  • Seminare

Die jungen Brauer der Verbandsbrauereien haben anlässlich des Bierjubiläums das Projekt 2016 ins Leben gerufen. Dabei wollen sie zeigen, dass das Reinheitsgebot aktueller und innovativer denn je ist. Zu den bekannten 4 Rohstoffen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe fügen sie ihre Kreativität und ihr brautechnisches Know-How als fünftes Element hinzu und kreieren – wie sie es bezeichnen – zwei klasse innovative Genussbiere.

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Beginnen möchte mit der 20. Einem sogenannten Hopfen-Weizen-Bock, das auf dem Rücklabel wie folgt beschrieben wird:

„Unser HopfenWeizenBock vereint das Beste aus zwei Welten: Fruchtige Aromen, sowohl von der charaktervollen obergärigen Hefe, als auch vom feinen Aromahopfenspiel, ein vollmundiger Körper mit edlem Prickeln und eine dezente Bitternote, die so richtig Lust auf den nächsten Schluck macht.
Über dem Bier thront ein fester, cremiger Schaumhimmel, das schönste Zeichen für ein perfektes Weißbier – wohl bekomm’s“

 

Steckbrief

50_20-Steckbrief

Bewertung

50_20

  • Flaschendesign + Kronkorken

Als Kronkorken-Sammler ist der „Plöpp“-Verschluss der natürliche Feind. Heute habe ich mich dazu entschlossen, mich mit diesem in ganz christlicher Manier zu verbrüdern. Eine sehr schöne kleine Bügelflasche mit einem ebenso schönen Etikett.

  • Aussehen

Ein sattes und naturtrübes bernstein-gold, gepaart mit einer weizen-typischen sehr guten Schaumbildung. Also auch hier kaum etwas auszusetzen.

  • Geruch

Es wird immer spannender. Sieht man vom Hopfenweisse von Schneider Weisse ab, habe ich noch nie einen derarigen hopfigen Geruch beim Weißbier vernommen. Zudem kommen die schon versprochenen Zitrusfrucht-Noten deutlich heraus.

  • Geschmack

Interessanterweise dominieren die Hopfennoten den Geschmack nicht derart. Vielmehr ist es malzsüßlich und leicht alkoholaromatisch. Was bei knapp 9 Umdrehungen ja auch nicht ausbleibt. Herbere hopfige Zwischentöne werden von einer dumpfen Fruchtnote unterstrichen. Leider ist es nicht ganz so frisch, wie versprochen, Dafür ist der Abgang erstaunlich harmonisch. Recht ölig und süßlich, kommt erst ganz spät eine gewisse Herbe durch.

  • Fazit

Wer über Biervielfalt im Bierjubiläumsjahr philosophiert, für den ist das 20 definitiv das Non-Plus-Ultra. Hintergrund und Präsentation sind in der Tat auch erstklassig. Dass es jedoch auch hier nicht die Bestnote gibt, liegt an dem Umstand, dass mir das Bier tatsächlich doch etwas zu experimentell und alles in allem auch zu süßlich ist. Nichtsdestotrotz erreicht es verdientermaßen herausragende 14 Pkt. (1).

50_20-Bewertung

Für weitere Infos rund um den Verband Private Brauereien siehe http://www.private-brauereien.de/de/index.php.

Zum Projekt 2016 der Junioren geht hier entlang:  http://www.private-brauereien.de/de/private-brauereien/projekt-2016-der-junioren/index.php.

Zudem bietet der Verband auch umfangreiche interessante Informationen zum Reinheitsgebot: http://www.private-brauereien.de/de/reinheitsgebot/index.php.

Und vielen vielen Dank nochmals an Markus! (http://wordpress.99biere.de)

Prost Reinheitsgebot!

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April 15 2016

49. EB Premium

Den (voraussichtlich) endgültigen Abschluss meiner Zentralosteuropareise und Ende der Verlängerung bildet wieder ein polnisches Bier. Das im ehemaligen westpreußischen Elbing ansässige EB Premium kann dabei wie so oft auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Den Anfang machte die Gründung der Elbinger Aktien-Brauerei im Jahre der deutschen Reichsgründung. Nur acht Jahre später wurde diese wieder geschlossen und als Brauerei Englisch-Brunnen umfirmiert. Der Name ist auf einen Engländer zurückzuführen, der am späteren Brauereistandort eine Trinkwasserquelle entdeckte. Erst mit der Zerstückelung Westpreußen nach dem 1. Weltkrieg und dem wirtschaftlichen Niedergang im 2. Weltkrieg endete die erfolgreiche Geschichte des englischen Brunnens. Nach Jahren der kommunistischen Planwirtschaft, konnte die nun inzwischen Elbrewery Co. Ltd. genannte Brauerei erst Mitte der Neunziger an die alten Erfolge anknüpfen. Mit dem Mehrheitserwerb durch einen australischen Investor konnte damals sogar eine neue Rekordmarke des Bierausstoßes in Polen erreicht werden. Seit 2004 gehört das Unternehmen der Zywiec-Gruppe und somit dem Heineken-Konzern an.

Steckbrief

49_EB Premium-Steckbrief

Bewertung

49_EB Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das äußere Erscheinungsbild haut mich erstmal nicht vom Hocker. Trotz der patriotischen Farbgebung, muss zudem bezweifelt werden, dass es sich bei dem Bier tatsächlich um ein „Original Polish Recipe“ handelt. Vielmehr ist anzunehmen, dass hier die deutsche Brautradition fortgeführt wurde.

  • Aussehen

Auch hier fällt der Hocker nicht um. Gelblich, blank und wenig Schaum.

  • Geruch

Hier kommen wir der Sache schon näher. Recht hopfenbetont mit einer leichten Fruchtsüße kommt es daher.

  • Geschmack

Glücklicherweise kann in der wichtigsten Kategorie der Bestwert erreicht werden. Überraschend süffig, leicht und ausgewogen sowie feinherb im Abgang macht es einen wirklich guten Geschmackseindruck. Da kann man dann auch über die fehlende Frische hinwegsehen.

  • Fazit

Der Nachfolger des hellbayrischen Lagers der Englisch-Brunnen Brauerei hat Glück, dass er sich mit jeder Kategorie sukzessive verbessert. Auch wenn ein Lager sicher kein großes Charakterbier sein kann und somit selten aus der Masse heraussticht, ist sehr gut trinkbar. Aufgrund der mäßigen ersten Kategorien gibt es allerdings für das EB diesmal mit 9 Pkt. „nur“ eine 3+.

49_EB Premium-Bewertung

In Ermangelung einer eigenen Website sei für die historischen Hintergrundinfos der Brauerei Englisch-Brunnen auf http://www.aefl.de/ordld/englischbrunnen/englischbrunnen.htm verwiesen.

Erst jetzt am Ende meiner Reise ist mit eines aufgefallen: Betrachtet man die zentralosteuropäische Brauereilandschaft ist zweifelsohne festzustellen, dass ein erheblicher deutscher Einfluss herrscht. Alle getesteten Biere waren ehemalige deutsche Brauereien in Böhmen, Schlesien oder Preußen. Auch hieran wird deutlich wie tief verwurzelt das Bierbrauen mit der deutschen Kulturgeschichte ist. Kaum eine andere Nation kann eine derartige historische Bedeutung und Vielfalt des Bieres vorweisen. Allein deshalb ist es meiner Ansicht nach das Gebot eines jeden deutschen Biertrinkers diese Vielfalt und Qualität zu erhalten.

Prost!

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April 14 2016

48. Březňák Original Böhmisch Pils

Nach dem gestrigen Schwarzbier nehme ich heute das original böhmische Pils von Březňák unter die Lupe. Hoffentlich wird hier etwas stärker auf Klasse statt auf Masse gesetzt…

Steckbrief

48_Březňák Pils-Steckbrief

Bewertung

48_Březňák Pils

  • Flaschendesign + Kronkorken

Siehe 47.. Allerdings passt Farbgebung und Flaschenform hier irgendwie besser.

  • Aussehen

Pils-typische Färbung, die mir aber recht gut gefällt, da sie schon sehr gold-gelb ist. Auch der feine Schaum kann überzeugen, auch wenn er lange nicht so haltbar ist wie beim Schwarzbier.

  • Geruch

Insgesamt recht unauffällig, wobei der Geruch erwartungsgemäß hopfiger als malzig ist.

  • Geschmack

Wo ich beim Schwarzbier hier noch negativ überrascht wurde, ist es beim Pils anders herum. Auch wenn ich kein hochqualitatives Bier vor mir habe, schmeckt es typisch pilsig, ohne dabei jedoch deutsch zu wirken. Der Geschmack ist interessanterweise malziger als der Geruch. Sowohl Spritzigkeit als auch Abgang sind nah dran am Schwarzbier, wobei letzterer etwas angenehmer wirkt.

  • Fazit

Glücklicherweise kann das original böhmische Pils deutlich besser überzeugen als das Schwarzbier. Auch wenn es sicher nicht herausragend ist und vielleicht ein Schwarzbier nicht als Schankbier geeignet ist, ist es beruhigend, dass man mit einem tschechischen Pils scheinbar nichts falsch machen kann. Nach dem Motto: Schuster bleib bei deinen Leisten, gibt´s hier eine gute 2 (11 Pkt.).

48_Březňák Pils-Bewertung

Weitere Informationen über den Deutschland Vertrieb unter http://www.drinksunion.de/. Wer mit Tschechisch-Kenntnissen aufwarten kann, dem sei http://www.breznak.cz/ zu empfehlen.

Damit verabschiede ich mich ein zweites Mal aus Tschechien .

Prost!

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April 13 2016

47. Březňák Schwarzbier

Weiter geht es in der Zentralosteuropareisenverlängerung. Station heute: Březňák. Genauer gesagt. Das kleine schwarze aus diesem Hause. Die Brauerei selbst kann auf eine über 250-jährige Historie zurückblicken. Deute ich das tschechische Etikett der Flasche jedoch richtig, wird das Schwarzbier erst seit 1909 gebraut. Zunächst erst im nordböhmischen Großpriesen gebraut, wurde der Betrieb inzwischen von Krušovice übernommen, wo das Bier heute produziert wird. Seit 1996 wird der deutsche Vertrieb von der Drinks Union Deutschland GmbH vertrieben. Diese behaupten, dass es sich bei Březňák um das meistverkaufte internationale Bier in Deutschland handle. Dies würde ich angesichts der Konkurrenz aus Polen, Niederlande, USA oder Tschechien selbst zwar bezweifeln, bin trotzdem aber gespannt, ob es das Bier auch wert ist.

Steckbrief

47_Březňák Schwarzbier-Steckbrief

Bewertung

47_Březňák Schwarzbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Bei älteren Herren auf dem Etikett scheiden sich glaube ich die Geister. Ich finde, es muss halt passen. Hier passt es zwar grundsätzlich, aber irgendwie will ich nicht warm werden mit dem zigarrerauchenden und biertrinkenden Glatzkopf. Auch ansonsten ein eher mittelmäßiges Design.

  • Aussehen

Mit einer schwarz-rötlichen Farbe endlich mal wieder etwas farbliche Abwechslung im Glas. Zudem positiv zu bewerten die ordentliche und feinporige Schaumbildung.

  • Geruch

Insgesamt kommt das Malz stärker als der Hopfen durch, aber zusammengenommen ein recht ausgewogenen unaufgeregten Geruch.

  • Geschmack

Hier bin ich nun doch etwas enttäuscht. Wie für ein Schwarzbier üblich sind hier natürlich die Röstmalze im Fokus, allerdings ist es mir viel zu wässrig und geschmacksarm. Hinzu kommt eine kaum merkbare Spritzigkeit. Im Abgang vernehme ich dann noch eine leichte trockene Herbe. Zwar kommt der Geschmack mit dem Trinken und das zweite Glas ist tatsächlich besser als das erste, aber nichtsdestotrotz ist das zu wenig.

  • Fazit

Natürlich ist es nicht immer ganz fair unterschiedliche Biergattungen zu vergleichen. Und so kann natürlich ein Schankbier nicht ebenso vollmundig sein wie ein Starkbier. Allerdings kann man hier auch noch nicht mal sagen, dass es besonders süffig ist, da man nun mal auch nicht viel hiervon trinken wollen würde (also das gilt zumindest für mich). Mit etwas Wohlwollen gibt es deshalb für das Březňák Schwarzbier nur 8 Pkt. (3).

47_Březňák Schwarzbier-Bewertung

Weitere Informationen über den Deutschland Vertrieb unter http://www.drinksunion.de/. Wer mit Tschechisch-Kenntnissen aufwarten kann, dem sei http://www.breznak.cz/ zu empfehlen.

Prost!

 

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April 12 2016

46. Krušovice Imperial

Aufgrund enormer Nachfrage geht meine Zentralosteuropareise in eine Verlängerung. Für die Extra-Spielzeit stehen drei tschechische und ein weiteres polnisches Bier auf dem Programm.

Beginnen möchte ich mit dem zweiten großen Bier aus dem Hause Krušovice. Neben dem Černé ist das Imperial das meistverkaufte Bier der tschechischen Brauerei. Auf der hauseigenen Website wird dieses so angepriesen:

„Ein helles, elegantes feinherbes Premiumbier, das durch die hervorragende Qualität und das besondere Aroma des Saazer Hopfens in seinem Geschmack überzeugt und zu den süffigsten Lagerbieren aus Tschechien zählt. Untergärig eingebraut, nach der typisch böhmischen Brauart, erlebt man mit unserem Imperial höchste Vollendung im Geschmack.“

Zudem hat es diverse internationale Auszeichnungen erhalten. U.a. war es „World‘s Best Czech Pilsner 2014“ – allerdings ist mir nicht ausreichend bekannt, wie seriös diese Wettbewerbe und Auszeichnungen sind.

Steckbrief

46_Krušovice Imperial-Steckbrief

Bewertung

46_Krušovice Imperial

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ähnlich wie beim Černé auch beim Imperial als recht positiv zu bewerten, ohne wirklich aufzufallen.

  • Aussehen

Für ein Lager keine Überraschungen. Nur die Haltbarkeit des mäßigen Schaums ist mir positiv aufgefallen.

  • Geruch

Beim Geruch dominiert ganz klar der Hopfen. Außerdem vermittelt der Geruch eine gewisse Frische. Malz hingegen ist nur schwer zu erkennen.

  • Geschmack

„Herbwürzig und hopfig, frisch und spritzig“ – so heißt es bei Krušovice. Es kann sein, dass ich inzwischen an einer gewissen Geschmacksverirrung leide, aber meiner Meinung nach bleibt vom Hopfengeruch im Geschmack nicht mehr viel übrig. Im Gegenteil dominiert eine malzige Note, welche freilich immer wieder von bitteren Zwischentönen unterbrochen wird. Die Frische und Spritzigkeit kann ich dagegen bestätigen (zumindest im Vergleich zu den bisherigen anderen Bieren). Im Abgang bleibt zunächst das Malz dominant, erst spät erreicht einem ein gewisse trockene Herbe.

  • Fazit

Das imperiale Krušovice ist alles in allem meiner Ansicht nach ein sehr passables Lager. Irritierend ist jedoch die geschmackliche Komponente, welche sich nicht so ganz zwischen Bitterkeit und Süffigkeit entscheiden kann. Somit kommt das Imperial auf 11 Pkt. (2) – also einen Punkt schlechter als sein schwarzer Bruder.

46_Krušovice Imperial-Bewertung

Weitere Informationen über das „Königliche“ u.a. auf: http://www.krusovice.de/#home.

Prost!

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April 7 2016

44. Main Seidla Amber Spezial

Im Monat des Reinheitsgebotsjubiläums gibt es heute ein Bier, welches Tradition und Moderne in besonderer Art kombiniert. Auf der einen Seite haben wir eine noch sehr junge fränkische Brauerei und auf der anderen einen sehr alten (meist noch in England verbreiteten) Bierstil. Das Brauhaus Binkert umschreibt diesen Umstand so:

„Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Biere nach obergäriger Brauart gebraut. Mit Einführung der Hefereinzucht und der untergärigen Pilsner Brauart wurden die obergärigen Biere mehr und mehr verdrängt.

Bis heute haben sich in Deutschland das Weißbier, das Kölsch und das Alt Bier gehalten. In England hielt man in Form der Ales und Stouts an der Obergärung fest.

Aus Amerika entwickelte sich in den letzten Jahren durch die Entstehung von zahlreichen neuen Kleinbrauereien ein Gegentrend zu dem Einheitsgeschmack der Großbrauereien. Auch in Deutschland und Bayern entwickeln sich derzeit neue Geschmackskreationen.

Unser naturtrübes Amber Spezial ist die fränkische Antwort auf diesen Trend. Wir verwenden auch hierfür ausschließlich einheimischen Hopfen aus den fränkischen Anbaugebieten.“

Darüber hinaus wird das Amber Spezial kaltgehopft, es wird also der Hopfen nicht nur im Sudprozess, sondern auch bei Gärung und Lagerung zugesetzt. Neben der Verwendung des regionalen Spalter und Hersbrucker Hopfen, baut Binkert sogar auf dem Brauereigelände seinen eigenen Hopfen an. Dieser wird dann zu einem Jahrgangssud zusammengebraut.

Neben dem deutschen/bayrischen verschreibt sich die Brauerei auch einem sogenannten fränkischen Reinheitsgebot. Dieses hat die Nachhaltigkeit des Brauens zum Ziel. So wird nicht nur auf regionale Produkte zurückgegriffen, sondern auch nur mit Ökostrom produziert und mit Holzpellets aus der regionalen Forstwirtschaft geheizt. Als zwei i-Tüpfelchen bietet die Brauerei außerdem regelmäßig ein Mitmachbrauen an und bezieht die Produktionsanlagen von der ältesten Brauereimaschinenfabrik der Welt: Kasper Schulz aus Bamberg mit einer Geschichte von über 335 Jahren.

Die aus dem Bamberger Landkreis stammende Brauerei schafft es immerhin schon auf 2.000 hl jährlichen Ausstoß. Und so bin ich sehr gespannt wie der mir vorliegende halbe Liter so schmeckt.

Steckbrief

44_Main Seidla Amber Spezial-Steckbrief

Bewertung

44_Main Seidla Amber Spezial

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die erste Kategorie fängt schon mal gut an. Das bisher schönste Flaschen- und Kronkorkendesign meiner kleinen aber feinen Auswahl. Lediglich mehr Informationen zum Bier wären wünschenswert gewesen

  • Aussehen

Auch hier mal etwas ganz anderes. Eine Mischung aus Orange, Bronze und Gold, die zumindest bei mir sehr gut ankommt. Auch die Schaumbildung und -haltbarkeit ist mehr als zufriedenstellend.

  • Geruch

Trotz der Kalthopfung treten hier zunächst (Röst-)Malze und Zitrusnoten in Erscheinung. Erst in dritter Instanz kommt dann doch ein klarer Hopfengeruch durch. Ein Geruch, der mich nicht vollends glücklich macht, aber durchaus mit einem besonderen Charakter überzeugt.

  • Geschmack

Nachdem ich nun fast das erste Glas leer habe verstetigt sich mein guter erster Eindruck. Röst-malzig und leicht bitter im Antrunk, könnte man das Amber Spezial als ein recht vollmundiges Bier bezeichnen. Dabei ist es etwas dumpf und wenig prickelnd, macht aber nie einen unfrischen Eindruck. Der Abgang gestaltet sich erwartungsgemäß herb und gleichzeitig etwas ölig und trocken.

  • Fazit

Gerade im untergärig und hell dominierten Deutschland kommen solche Biere zu Recht immer besser an. Auch wenn mich das Amber Spezial von Main Seidla nicht zu 100% überzeugen konnte und es auch kein Bier für den ganzen Abend ist, tut es gut mal wieder etwas mehr Vielfalt zu genießen. Top Bier + top Brauerei + top Philosophie = 14 Pkt. / 1. Und somit einen sicheren Platz in meinen persönlichen Reinheitsgebots-All-Stars.

44_Main Seidla Amber Spezial-Bewertung

Weiter Infos zur Brauhaus Binkert und den (anderen) Main-Seidla Bieren unter: http://www.mainseidla.de/home.html.

Prost!

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März 31 2016

42. Weißenoher Green Monkey Polaris

Zum Abschluss des ersten Quartals gibt es heute eine ganz besondere  Köstlichkeit. Zumindest hoffe ich das. Denn mit dem Weißenoher Green Monkey treffen gleich mehrere Qualitätsmerkmale aufeinander:

  • Eigenes Quellwasser aus der Jura der südlichen Fränkischen Schweiz
  • Hopfen aus der Region
  • Gerstenmalz aus fränkischer Produktion
  • Hefe, traditionell untergärig & aus eigener Entwicklung
  • Bioland-Zertifizierung
  • Strom aus Wasserkraft

Gebraut wird es außerdem in einer der ältesten (Kloster-)Brauereien Deutschlands, mit Gründung um 1050. Diese hat – wie zu vermuten – eine bewegte Geschichte hinter sich:

„Im Laufe vorangegangener Jahrhunderte wurden das Kloster und die dazugehörigen Liegenschaften mehrmals zerstört, aufgebaut und zwischen den Bischöfen und Fürsten hin und her getauscht. In der Säkularisation, im Jahre 1803, wurde der gesamte Gebäudekomplex an Privatpersonen veräußert. Zuletzt ging das Klostergebäude an einen Nürnberger Geschäftsmann, während die Klosterkirche auch heute noch als Pfarrkirche dient.

Der vormals klösterliche Braumeister führte die Braustätte zunächst weiter. Bis er schließlich aus wirtschaftlichen Gründen aufgab und sein Braurecht nebst Braustätte 1827 an den Braumeister Friedrich Kraus verkaufte. Jener führte fortan die ‚fränkische Dreifaltigkeit‘ aus Brauerei, Gastwirtschaft und Landwirtschaft – mit wachsendem Erfolg. Seither ist die Brauerei in unserem Familienbesitz. Heute wird die Brauerei in der fünften Generation von Urban Winkler und seiner Frau geführt, tatkräftig unterstützt von 13 Mitarbeitern.“

Diese Mitarbeiter brauen neben den drei „Green Monkey“ Craft Bieren noch über 10 weitere Biere. Darunter altfränkische Bierklassiker, drei Pils-Biere, unterschiedliche weitere Craft-Biere, ein Barrique (im Eichenfass gereift) sowie ein Hanfbier.

Das Besondere an der Green Monkey-Reihe ist die Kalthopfung (oder Hopfenstopfung), wobei der Biermasse nach dem eigentlichen Brauvorgang noch Hopfen eingehangen werden, um ein besonderes Hopfenaroma herstellen zu können. Dabei werden drei unterschiedliche Hopfensorten verwendet: Hersbrucker Gebirgshopfen (31BE) (so sollen die hiesigen Hopfenbauerndörfer zur Zeit der Hopfenernte duften), Mandarina Bavaria (32BE) und Polaris (34BE). Letztere verspricht mit einem Hauch Menthol eine ganz besondere Frische.

Neben der Bierherstellung betreibt Weißenohe auch einen eigenen Getränkemarkt. Dieses und der Umstand, dass es sich auf der sogenannten Wanderroute „5-Seidla-Steg“ befindet, macht es für mich (vor dem Hintergrund der anstehenden Frankenreise im Sommer) ganz besonders interessant.

Erwähnenswert ist darüber hinaus, dass die alte Klosterbrauerei einmal im Jahr ihr altes Sudhaus für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst öffnet. Übrigens: Weißenohe heißt so viel wie „am Ort des weißen Baches“.

Aber nun zum Protagonisten des Abends…

Steckbrief

42_Weißenoher Green Monkey Polaris-Steckbrief

Bewertung

42_Weißenoher Green Monkey Polaris

  • Flaschendesign + Kronkorken

In Kategorie eins gibt es schon mal sehr gute Noten. Auch wenn mir das Design etwas zu flippig ist, aber so muss das bei (deutschen) Craft-Bieren wohl sein, finde ich das Äußere an sich sehr ansprechend.

  • Aussehen

Auch hier bin ich positiv überrascht. Nicht nur ob der Naturtrübung, welche jedes Bier verbessern, aber auch wegen der üppigen und stabilen Schaumbildung.

  • Geruch

Hier zeigt bzw. riecht sich, dass ich es nicht mit einem gewöhnlichen Pils zu tun habe. Der angesprochene Hopfen ist klar herauszuriechen. Dieser verbindet eine klare Bitterkeit mit einer gewissen Zitrussüße.

  • Geschmack

Analog zum Geruch ist auch hier der Hopfen in der Tat dominant. Dabei ist die Bitterkeit zu jeder Zeit angenehm und mit einer leichten süßlichen Note begleitet. Malz hingegen schmeckt man nur unterschwellig. Das versprochene Menthol hätte ich jedoch ohne Vorwissen nicht erkennen können.

  • Fazit

Insgesamt ein sehr interessantes und wirklich leckeres Pilsner. Gerade weil es eben nicht dem klassischen Pils-Geschmack gleicht, sondern vielmehr zeigt, was man aus der Brauart herauskitzeln kann, wenn man das Reinheitsgebot ausreizt, kann ich dem Bier fast nur sehr gute Noten geben. Im Klartext: 13 Pkt. bzw. eine 1-.

42_Weißenoher Green Monkey Polaris-Bewertung

Weiter Infos zur Kloster-Brauerei, zum 5-Seidla-Steig und zur Kunstausstellung unter: http://www.klosterbrauerei-weissenohe.de/cms/.

Prost!

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März 27 2016

41. Huppendorfer Weihnachtsfestbier

Frohe Ostern zusammen! Anlässlich dieses Jubeltages gibt es heute passenderweise ein Weihnachtsfestbier. Das hat drei gute Gründe:

  1. Eine Wiederauferstehung ist schließlich wie eine zweite Geburt
  2. Es gibt meines Wissens nach kein Osterfestbier
  3. Et muss wech

Aus dem reichhaltigen Bestand der Brühler Eule erworben, kann das Huppendorfer Festbier auf eine über 250-jährige Historie zurückblicken. Die vergleichsweise kleine Brauerei aus Oberfranken steht bis heute unter Besitz und Leitung der Familie Grasser.

Abweichend zum üblichen Vorgehen, wird dieses Bier anlässlich des österlichen Festtages gebührend mit einem Fohlenelf-Glas gefeiert.

Steckbrief

41_Huppendorfer Weihnachtsfestbier-Steckbrief

Bewertung

41_Huppendorfer Weihnachtsfestbier

  • Flaschendesign + Kronkorken

Gegen Desing und Aufmachung ist wirklich nicht viel zu sagen. Nach meinem Geschmack hätte es ein wenig weniger kitschiger und ein wenig mehr klare Strukturen und Informationen sein können.

  • Aussehen

Zur Abwechslung mal kein gold-gelbes Bier, sondern eins mit einem satten Bronze bis Bernstein. Wahrscheinlich aufgrund des Glases kommt hier auch erstmals eine üppige Schaumkrone zustande.

  • Geruch

Auch hier endlich mal was anderes. Der bisher klarste Malzgeruch unter meiner Bierstichprobe. Weder süß noch herb, kommt hier einfach nur das Gerstenmalz zum Vorschein.

  • Geschmack

Trotz, dass das Bier nun fast einen Monat abgelaufen ist, scheint es an Qualität kaum etwas verloren zu haben. Die Malzbetonung setzt sich auch hier fort. Allerdings schlägt beim Geschmack die karamellige Süße viel deutlicher durch. Daneben ist nur eine ganz geringe Bitterkeit zu verspüren. Der feinherbe Abgang wird von einer allgemein recht frischen Resenz begleitet.

  • Fazit

Sowohl die Brauerei als auch das Bier können insgesamt sehr überzeugen. Allerdings ist mir dieses Festbier etwas zu süß und leicht. Unter dem Vorbehalt der offiziellen nicht-mehr-Haltbarkeit heißt es am heutigen Ostersonntag deshalb: 12,5 Pts. (2++)  goes to  Huppendorf.

41_Huppendorfer Weihnachtsfestbier-Bewertung

Weiter Infos (v.a. eine umfangreiche und detaillierte Geschichte der Brauerei) unter: http://www.huppendorfer-bier.de/index.php.

Prost und schöne Ostergrüße aus Brühl!

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März 24 2016

40. Warka Jasne Pełne

Zum Abschluss meiner kurzen Polen-Rundreise geht es in das heutige Ostpolen nach Warka. Dort wird schon seit 1478 Bier gebraut. Früher noch von mehr als 30 kleinen Hausbrauereien, heute zumindest noch von einer über die Grenzen hinaus bekannten Brauerei. Mit Żywiec gehört die Marke seit den 1990ern zum Heineken-Konzern und ist das einzige polnische Brauunternehmen mit einer eigenen Kneipen-Kette im Land. Der Name „Warka“ ist übrigens ein polnischer Terminus für die Menge an Bier, welche aus einem Brauvorgang hergestellt wird.

Steckbrief

40_Warka Jasne Pelne-Steckbrief

Bewertung

40_Warka Jasne Pelne

  • Flaschendesign + Kronkorken

Der erste Eindruck kommt eher unaufgeregt daher. Die Charakteristika der braunen Longneck-Flasche verstecken sich in der patriotischen rot-weißen Färbung des Labels mit einem Abbild des polnischen Flügelhusaren.

  • Aussehen

Ein Lager, wie ein Lager aussehen sollte: Gold-gelb, recht klar und sogar mit einer passablen feinporigen Schaumbildung.

  • Geruch

Auch hier dem Lech sehr ähnlich. Allerdings kommt die Malznote noch etwas deutlicher heraus.

  • Geschmack

Im Vergleich zu den anderen drei polnischen Lagern ist dieses noch das bitterste. Interessanterweise kommt dabei aber auch noch am ehesten eine gewisse Karamellmalznote hervor. Sowohl Resenz als auch Abgang verhalten sich ziemlich unauffällig.

  • Fazit

Wie das Zywiec ist auch das Warka nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Alleine dies muss natürlich in der Bewertung gewürdigt werden. Darüber hinaus ist das Warka nämlich ziemlich blass. Definitiv ein gutes Bier, aber – abgesehen von einer gewissen Herbe, die dem mittelnorddeutschen Bierkenner entgegen kommt – auch eines ohne das gewisse Extra. Deshalb immerhin aber noch 10 Pkt. (2-).

40_Warka Jasne Pelne-Bewertung

Infos auf English unter: http://www.grupazywiec.pl/en/marki/warka/ und auf Polnisch unter: http://warka.com.pl/Start.19.0.html.

Prost!

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März 22 2016

39. Lech Premium

Auf geht´s in die zweite Halbzeit meiner Polen-Rundreise. Station heute: Posen. Hier liegt die in den 1970ern gegründete Brauerei Lech. Der aufmerksame Leser und clevere Kombinierer wird sich (ebenso wie ich) über diese Jahreszahl wundern. Waren doch gerade in den 1970ern und 1980ern viele polnische Brauereien kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin oder mussten bereits schließen. Lech scheint dies wohl für sich ausgenutzt zu haben – wobei man natürlich konstatieren muss, dass es sich hierbei auch um eine staatliche Brauerei handelte. Erst 1993 wurde diese mit dem Verkauf an das Entrepreneurship Euro Agro Centrum Poznań privatisiert. Drei Jahre später erfolgte dann der Verkauf an die South African Breweries. Und wiederum drei Jahre später wurde dann aus der Fusion von Lech und Tyskie die Kompania Piwowarska gegründet. Die Gesamtgruppe – heute zugehörig zu SAB Miller – erzielte zuletzt einen Ausstoß von 15 Mio. hl und hat einen Marktanteil von 45% vom polnischen Biermarkt, wobei nur 8% davon auf Lech entfallen.

Steckbrief

39_Lech Premium-Steckbrief

Bewertung

39_Lech Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Äußere beginnt schon mal sehr vielversprechend. Mit einem innovativen und zugleich schlichtem Flaschen- und Farbdesign kann mich das Lech hier auf jeden Fall überzeugen. Und auch der Kronkorken ist definitiv einer der hübschesten meiner Sammlung.

  • Aussehen

Hier gibt es keine großen Überraschungen: Gelb-gold, leichte Trübung, mäßige Schaumbildung.

  • Geruch

Der Geruch ist recht hopfenbetont. Auffallend ist hier die Frische, die man bereits riechen kann.

  • Geschmack

Die Hopfenbetonung setzt sich auch im Geschmack fort. Während die allgemeine Bitterkeit recht dominant ist, dringt immer mal wieder eine gewisse Malzsüße durch. Und auch die Frische ist durch einen vergleichsweise hohen Kohlensäuregehalt schmeckbar. Im Abgang bleibt das Lech feinherb und ist zunächst leicht ölig und später ein wenig trocken, aber nicht unangenehm.

  • Fazit

Wie oben in der Zutatenliste erkennbar haben es die Polen wohl nicht so mit dem deutschen Reinheitsgebot. Und so wird auch hier (wie beim Tyskie) Glukosesirup beigemischt. Dies tut aber glücklicherweise dem Geschmack keinen großen Abbruch. Bleibt nur die Frage, ob die Verwendung dessen wirklich notwendig ist. Trotz guter Werte in Design und Geschmack muss es deshalb hier Punktabzüge geben. Alles in allem erreicht das Lech aber noch sehr passable 11 Pkt. (Note 2).

39_Lech Premium-Bewertung

P.S.:

2007 stellte Lech gleich zwei Guinness (hier ist ausnahmsweise nicht das Bier genannt) Weltrekorde auf, indem es erst das größte Bierglas der Welt mit 4.250 l Fassungsvermögen herstellte und daraus dann danach 10.625 Menschen Lech tranken

2010 sorgte die Platzierung eines Werbeplakats in Warwel für große Aufregung. Darauf war der Slogan „Zimny Lech“ zu lesen. Hierzu muss man zwei Dinge wissen: 1. Bedeutet zimny nicht nur kalt, sondern auch Korpus.  2.  Ist Warwel zum Einen nicht nur die alte Residenz polnischer Könige im Großraum Krakau, sondern auch der Ort an dem der ehemalige polnische Präsident Lech Kaczyński beerdigt wurde…

Infos u.a. via: http://www.sabmillerdeutschland.de/lech bzw. für alle Polnisch-Sprechenden auch unter lech.pl/.

Prost!

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März 17 2016

38. Tyskie Gronie

Station 2 meiner Polenrundreise liegt ebenfalls in Oberschlesien – genauer in Tichau. Hier ist seit 1629 die heutige Brauerei Tyskie beheimatet. In dieser nun fast 400-jährigen Geschichte musste sie einige Besitzwechsel über sich ergehen. Gegründet von der Familie von Promnitz, wurde die Brauerei nach einer grundlegenden Modernisierung ab 1824 im Jahre 1861 zur Fürstlichen Brauerei zu Tichau neu konstituiert. Neuer Eigentümer wurde im Zuge dessen Hans Heinrich XI. Graf von Hochberg und Fürst von Pless. Nachdem Tichau nach dem 1. Weltkrieg zu Polen geschlagen wurde, erfolgten diverse Fusionen mit Nachbarbrauereien. Noch vor dem 2. Weltkrieg wurde das neue Braukonsortium aufgrund fehlender Steuereinnahmen zeitweise kommissarisch unter staatlicher Verwaltung gestellt. Dies sollte dann wie zu vermuten nach 1945 zur Normalität werden. Nachdem man 1971 die erste Million hl pro Jahr feiern konnte, erfolgte 1975 eine erneute planwirtschaftliche Fusion mit weiteren Betrieben der Region. Ergebnis dessen war ein erheblicher Produktionsrückgang sowie ein damit verbundener Stellenabbau in den Betrieben. Als Folge wurde Tyskie 1981 wieder in die unternehmerische Selbstständigkeit entlassen und 1995 dann auch wieder privatisiert. Als Teil der Kompania Piwowarska (zudem auch Lech gehört), erfolgte jedoch rasch der Verkauf an SAB Miller. Heute ist Tyskie mit 18% Marktanteil die beliebteste Biermarke in Polen.

Nach dem Staropramen habe ich es heute ein weiteres Mal mit einem Bier außerhalb des deutschen Reinheitsgebots bzw. Biergesetzes zu tun. Diesmal ist jedoch kein Getreidefolgeprodukt, sondern mit Glukosesirup eine Invertzuckerart verwendet worden. Und da dieses nur bei obergärigen Bieren gestattet wäre, muss auch das Tyskie gesondert gekennzeichnet werden.

Steckbrief

38_Tyskie Gronie-Steckbrief

Bewertung

38_Tyskie Gronie

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die Ähnlichkeit zum Zywiec ist verblüffend, wobei mir das Tyskie sogar eigentlich einen Tacken besser gefällt. Negativ fällt allerdings klar ins Gewicht, dass mit der dargestellten Mitra die Verknüpfung zur Gründerfamilie hergestellt werden soll, welche es offensichtlich nicht mehr gibt. Getreu dem Motto: Man kann nicht alles haben, muss man sich nun mal entscheiden: Tradition oder Neuausrichtung…

  • Aussehen

Ziemlich Kölsch-ähnliche gelb-goldene ungetrübte Farbe mit mäßiger Schaumbildung.

  • Geruch

Klar im Vordergrund steht hier der Hopfen. Laut Etikett sollen hier aber auch noch Apfel- und Bananennoten riechbar sein. In meiner Nase kommen davon aber höchstens noch diffuse Zitrusnuancen an.

  • Geschmack

Wo es der Geruch noch nicht verraten hat, wird der industrielle Charakter im Geschmack deutlicher. Zudem fällt auch die Verwendung von Glukosesirup auf, da es auffallend süß, aber gleichzeitig wenig malzig schmeckt. Das kann aber auch nur Einbildung sein – schließlich sollten insbesondere Malz- und Getreidenoten laut Etikett schmeckbar sein.  Das fehlende Malz wird dann nur geringfügig im Abgang kompensiert. Auch eine Spritzigkeit sucht man hier vergebens.

  • Fazit

Und wieder einmal ein Beispiel, dass Masse alleine nicht immer hilft. Als Gegner einer zu starken Homogenisierung und Unterstützer der Biervielfalt bin ich da vielleicht auch etwas bevorurteilt, aber trotz einer im Grunde soliden Leistung, kann das Tyskie nicht wirklich überzeugen. Zudem halte ich nicht viel von der Verwendung von Glukosesirup… Deshalb all in all eine 3+, also 9 Pkt..

38_Tyskie Gronie-Bewertung

Infos u.a. via: http://www.tyskie-pils.de/home.

Prost!

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März 15 2016

37. Żywiec Jasne Pełne

Weiter geht es also mit meiner Mini-Europa-Rundreise mit (zunächst) vier Bieren aus dem heutigen Polen. Alphabetisch aufsteigend beginne ich mit dem wohl in jeder alphabetischen Bierliste zuletzt genannten Zywiec.

Dieses wurde 1865 von den Habsburgern in der damaligen oberschlesischen Provinz Preußens gegründet. Nach dem ersten und erneut nochmals nach dem zweiten Weltkrieg Polen zugeschlagen, wurde die in Saybusch gelegene Brauerei (wie hätte es auch anders sein können) verstaatlicht. Im Rahmen der nach 1990 folgenden Privatisierung war Heineken am schnellsten und riss sich die Mehrheit an der Braurerei unter den Nagel. Dies und die Enteignung der ursprünglichen Besitzer durch die polnische Regierung mündete 1990 in einem Gerichtsverfahren. Dort klagten die Habsburg-Nachfahren auf 77 Mio. $ Entschädigung. In einem außergerichtlichen Vergleich wurde sich schließlich auf eine unbekannte Summe geeinigt.

Zur Zywiec-Gruppe gehören heutzutage fünf Marken – u.a. auch Warka. Gemeinsam kommen diese Biere auf einen Gesamtausstoß von 5 Mio. hl per anno.

Steckbrief

37_Zywiec Jasne Pelne-Steckbrief

Bewertung

37_Zywiec Jasne Pelne

  • Flaschendesign + Kronkorken

Hier muss man sagen, hat sich der Designer wirklich Mühe gegeben. Nicht nur die Etiketten sind trotz „Export-Charme“ liebevoll durchdacht – auch die Flasche selbst verzückt mit detailreichen Reliefs. Bloß kann mich das irgendwie nicht so recht überzeugen, wirklich gefallen tut es mich nicht.

  • Aussehen

Klasse pur-goldene leicht trübe Färbung mit leider zu wenig Schaumbildung.

  • Geruch

Hier ist dann erstmals der Industriecharakter eines Millionenbieres erkennbar. Insgesamt recht hopfenbetont.

  • Geschmack

Dieser kommt schon fast beiläufig daher. Man muss schon ziemlich lange gurgeln um den mehr bitteren als süßen Geschmack wahrzunehmen. Dabei wirkt das Zywiec etwas prickelig und leicht herb im Abgang.

  • Fazit

Hier und da hatte ich ja schon Berührungspunkte mit dem Zywiec – aber es war mir bislang nie in bleibender Erinnerung geblieben. Und so befürchte ich auch diesmal, dass das eigentlich recht passable Bier im (guten Durchschnitt verschwindet. Insgesamt gibt es heute Abend von mir 10 Pkt. (2-).

37_Zywiec Jasne Pelne-Bewertung

Für Menschen mit polnischer Sprach- und Lesebegabung wird folgende Website empfohlen: http://www.zywiec.com.pl/.

Prost!

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März 9 2016

35. Augustiner Edelstoff

Als kleine Verschnaufpause in meiner kleinen europäischen Reise habe ich mir heute eines meiner Lieblingsbiere vorgenommen. Vom bayrischen Urgestein Michael an mich herangetragen und auch schon selbst im gleichnamigen Keller in München genossen, freue ich mich ganz besonders auf diesen wahrlich edlen Stoff Augustiners.

Die Geschichte der Brauerei geht ins 14. Jahrhundert zurück. 1328 siedelten die Augustiner Mönche auf Geheiß und mit dem Auftrag des Baus eines Klosters des damaligen Herzogs vor den Münchner Stadttoren. Damit ist Augustiner nicht nur die älteste noch bestehende Brauerei, sondern auch das älteste Handelsgewerbe Münchens. Nachdem die Augustiner Mönche jahrhundertelang mit dem Bierbrauen einen Großteil ihres Lebensunterhaltes verdienten (u.a. wurden die Wittelsbacher beliefert), mussten sie im Rahmen der Säkularisation 1803 ihr Kloster auflösen. Die Räumlichkeiten der Klosterkirche wurden fortan als Mauthalle und die des Konventgebäudes als Justizministerium genutzt. Lediglich die Brauerei wurde zunächst unter staatlicher Leitung weitergeführt. 1817 wurde dann aber auch der Braubetrieb aufgrund der allgemeinen Baufälligkeit der Klostergemäuer in die Neuhauser Straße (Hauptfußgängerstraße zwischen Hbf. & Rathaus) verlegt. 1829 schließlich übernahm die Familie Wagner die Brauerei, welche sich seitdem (zumindest mehrheitlich) in ihrem Besitz befindet. 1857 zog man dann in den heutigen Stammsitz an der Landsberger Straße, südlich des Hbf., wo man seit 1883 auch Bier braut. 1880 trug sich Augustiner als Gründungsmitglied des Bayrischen Braubundes ein weiteres Mal in die Geschichtsbücher ein. 1896 erfolgte dann ein Umbau der Gaststätte an der Neuhauser Straße in einen Münchner Bierpalast – also einem Paradies für Bierliebhaber ;).

Das heutige Oktoberfestbier trug im Übrigen nach Einführung 1953 zunächst den Namen Wiesn-Edelstoff. Interessanterweise wurde das für München und Bayern traditionelle Weißbier erst 1986 und somit sogar weit später als das Pils (1963) eingeführt. Seit 1987 ist Augustiner die einzige Brauerei Münchens, die auf dem Oktoberfest noch  in Holzfässern ausschenkt.

Nach dem Tod der letzten direkten Wagner übernimmt die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung die Mehrheit an der Brauerei. Die weitere Besitzstruktur verteilt sich auf die Erbengemeinschaft der Familien Wagner und Inselkammer.

2013 konnte dann endlich die Rückkehr an den historischen Standort der alten Klosterbrauerei neben der heutigen Frauenkirche gefeiert werden. Mit mehr als 1 Mio. hl Ausstoß ist man heutzutage eines der Münchner und auch deutschen Schwergewichte in der Brauereilandschaft.

So genug in der Historie geschwelgt und Vorfreude aufgebaut. Wenden wir uns dem edlen Stoff zu, welches Augustiner so umschreibt:

„Ein helles Exportbier, weich, spritzig und frisch zugleich, aus edelsten Rohstoffen gebraut. Das Spitzenerzeugnis altbayrischer Braukunst. Ein Hochgenuss für jeden Bierkenner.“

Nichts weniger würde ich nun auch erwarten… 🙂

Steckbrief

35_Augustiner Edelstoff-Steckbrief

Bewertung

35_Augustiner Edelstoff

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ach, wie ich diese Flaschen mag… Auch wenn der Etikettentwurf etwas weniger kitschig hätte gemacht werden können, ist zumindest die goldene Farbe mehr als treffend. Auch der Kronkorken kann sehr überzeugen. Ganz im Zeichen des Bierjubiläums wird hier auf das Münchner Reinheitsgebot von 1487 verwiesen.

  • Aussehen

Exporttypische sehr hell-gelbe Farbe, aber mit einer recht passablen Bierschaumhaltbarkeit.

  • Geruch

Hier fällt ganz deutlich die Hopfenbetonung auf. Das Malz und die wenigen Fruchtaromen kommen dagegen kaum durch. Aber auf jeden Fall macht es Lust auf den nächsten Schritt.

  • Geschmack

Zum Glück gibt es in der Hauptkategorie keine Überraschung. Hier verbindet das Edelstoff die Augustiner Süffigkeit mit der feinherbe Frische des Exports. Dabei gibt es sogar einen gewissen Prickelfaktor und auch das Malz hat hier eine Chance auf größere Wahrnehmung. Der Abgang gestaltet sich sehr weich, fast ölig und mit einer leichten bitteren Note.

  • Fazit

Wie vielleicht im obigen Bild erkennbar, muss ich zugeben, dass das heutige Edelstoff sogar offiziell über dem MHD ist. Beruhigender- aber auch erwarteterweise tut das dem Geschmack aber keinen Abbruch. Auch unter dem Eindruck der vielen bisherigen Biere, kann ich bei meinen ausgezeichneten Urteil über Augustiner und das Edelstoff bleiben. Es ist ein wahrer Genuss und bleibt eines meiner absoluten Lieblingsbiere und spielt auch in der Bierjubiläums-Reihe eine herausragende Rolle. Mit 14 Pkt. (also einer glatten 1) schrammt es dabei nur knapp an der Bestmarke vorbei.

35_Augustiner Edelstoff-Bewertung

Weitere Informationen über das Münchner Urgestein mitsamt seinem edelsten Stoff u.a. auf: http://www.augustiner-braeu.de/home.html.

Prost!

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März 4 2016

34. Staropramen Premium

Etwas angeschlagen geht es heute für mich zur vorerst letzten Station meiner Tschechien-Reise. Und diese führt mich in die Hauptstadt Prag. Dort wird seit 1871 das Staropramen gebraut, wobei es diesen Namen erst seit 1911 trägt. Wie man sich spätestens nach den letzten Beiträgen denken kann, hat auch Staropramen eine lebhafte Eigentümergeschichte hinter sich. Während der Zeit des Eisernen Vorhangs verstaatlicht wurde es bereits 1989 in eine AG umgewandelt. Danach folgte eine munteres „Besitzer-wechsel-dich-Spielchen“. 1993 Veräußerung an Bass (britisch), 2000 Übernahme durch InBev, 2009 Verkauf an CVC Capital Partners (Private-Equity-Gesellschaft), woraus dann StarBev resultierte. Staropramen selbst hat das relativ wenig Abbruch getan – im Gegenteil. Als drittgrößter Bierexporteur des Landes vertreibt man in knapp 40 Ländern. Dabei differiert das Angebot nach In- und Ausland. Während beispielsweise in Tschechien das klassische 4%-ige Lager erstanden werden kann, gibt es eine leicht höher volumige Variante unter dem Namen Premium in Deutschland zu kaufen. Für beides gilt jedoch:

„In jedem Glas Staropramen lebt der freiheitsliebende Geist Prags! Der angenehm weiche Geschmack und das gut abgerundetes Aroma schmeicheln dem Gaumen mit einem mild-malzigen Aromaprofil, bevor ein leicht bitterer Geschmack den abschließenden Akzent setzt. „Staropramen Lager“ – eine echte Prager Legende.“

Als Teil meiner Jugend (ich gewann z.B.  mal einen Kasten mit einer Borussia Mönchengladbach Wette) bin ich besonders auf diese Prager Legende gespannt…

Wie im folgenden Steckbrief erkennbar, handelt es sich beim Staropramen streng genommen nicht um ein Bier nach deutschem Reinheitsgebot bzw. nach deutschen Biergesetz. Aufgrund der Verwendung von Maltosesirup bei gleichzeitiger untergäriger Brauart, müsste es eigentlich vom Blog ausgeschlossen werden. Allerdings vertrete ich den Standpunkt auch über den Tellerrand schauen zu dürfen. Zudem ist mit Maltosesirup erstens eine Zutat verwendet, welche in obergärigen Bieren absolut unproblematisch wäre, und zweitens eine, welche schließlich aus Getreidemalz hergestellt wird.

Steckbrief

34_Staropramen Premium-Steckbrief

Bewertung

34_Staropramen Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Sowohl Flaschendesign als auch Kronkorken gefallen mir recht gut. Irgendwie wird man ins Prag des 19. Jahrhunderts katapultiert bei diesem Anblick.

  • Aussehen

Gold und klar mit einem mäßigen aber ziemlich haltbaren Schaum.

  • Geruch

Insgesamt riecht es sehr frisch. Dabei kommt eine etwa gleiche Note an Hopfen und Malz rüber und macht durchaus Lust auf mehr.

  • Geschmack

Wie bereits angekündet schmeckt das Staropramen in der Tat recht mild und verhältnismäßig süffig. Die herbe Note kommt zunächst nur wenig durch, kann sich aber tatsächlich im Abgang durchsetzen. Auch wirkt es etwas spritziger als andere Lager.

  • Fazit

Die „wahre Quelle“ (was Staropramen übersetzt heißt) hat von seinem alten Charme relativ wenig verloren. Ohne im besonderem Maße außergewöhnlich zu sein ist mir diese sehr solide Bierqualität (trotz fehlender Reinheitsgebotsklassifikation) 12 Pkt. bzw. eine 2+ wert.

34_Staropramen Premium-Bewertung

Weitere Informationen über Prags #1 u.a. auf: http://staropramen.com/de.

Prost!

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