März 2 2016

33. Krušovice Černé

Heute habe ich es mit einem wahrhaft königlichen Bier zu tun. Dabei geht die Geschichte des Krušovice Černé bis ins 16. Jahrhundert zurück – genauer bis ins Jahr 1581. In diesem Jahr nämlich wurde die Brauerei an Rudolf II. – seines Zeichens nichts weniger als der Kaiser des heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und König von Ungarn und Böhmen in Personalunion – verkauft. Von da an, belieferte die in Zentralböhmen gelegene Brauerei jahrhundertelang den Prager Hof. Seit 1685 ging der Besitz in böhmisch-deutsche und ab 1773 in schwäbisch-deutsche Hände über. Wie sämtliche Brauereien in Tschechien wurde auch die Krušovice-Brauerei 1945 verstaatlicht. Sie ging in den Mittelböhmischen Brauereien auf. Nach dem Zerfall des Ostblocks wurde sie 1992 in eine AG umgewandelt. Nur zwei Jahre später schluckte die Binding-Gruppe (später Radeberger) die Brauerei, verkaufte diese aber 2007 weiter an Heineken. Lediglich der deutsche Vertrieb verblieb bei Radeberger. Mit der Privatisierung ging auch eine technische Modernisierung einher – so war Krušovice die erste tschechische Brauerei mit KEG-Fassabfüllung. Innerhalb weniger Jahre konnte so auch der jährliche Ausstoß auf ungefähr 700.000 hl gesteigert werden. Interessanterweise heißt die Brauerei aber erst seit 1995 offiziell Königliche Brauerei Krusovice.

Krušovice produziert insgesamt sechs Reinheitsgebotsbiere – bei mir steht heute das Schwarzbier Krušovice Černé an. Auf der hauseigenen Website wird dieses so angepriesen:

„Die untergärige Brauart verleiht unserem Černé einen individuellen Geschmack, der durch Eleganz und Vollmundigkeit überzeugt. Das milde süße Karamellaroma und die cremige Schaumkrone runden den Geschmack perfekt ab und machen es zu einem der beliebtesten Schwarzbiere unter Kennern.“

Dann bin ich mal gespannt, ob ich mich zu den Kennern hinzuzählen kann…

Steckbrief

33_Krušovice Černé-Steckbrief

Bewertung

33_Krušovice Černé

  • Flaschendesign + Kronkorken

Alles in allem gefällt das Äußere. Auch wenn weniger Infos manchmal mehr sind und auch die Rückseite recht exportorientiert ist. Nichtsdestotrotz vermittelt es schon einen edleren Eindruck als einige Biere mancherorts.

  • Aussehen

Endlich mal wieder ein dunkleres Bier. In schönem dunkelbraun schimmert es bei Lichteinfall rötlich. Den versprochenen cremigen Schaum kann ich in der Tat bestätigen – allerdings lässt auch hier die Haltbarkeit etwas zu wünschen übrig.

  • Geruch

Auch hier stimmt die Beschreibung: Das erste was man riecht ist die für dunkle Biere typische Malzsüße. Aber etwa ähnlich dominant ist auch das Brotröstaroma. Fruchtige Noten kommen nur ganz wenig durch.

  • Geschmack

Und hier kommt die Überraschung. Auch wenn es der relativ geringe Alkoholgehalt schon vermuten hat lassen, hätte ich mit einem so gehaltarmen Bier nicht gerechnet. Der leicht wässrige Gesamteindruck ist mit der Zeit sogar aber auch positiv zu werten. Unterstrichen mit einer gewissen Spritzigkeit wirkt es ziemlich erfrischend. Erwarteterweise ist auch der Abgang unauffällig und von geringer Dauer.

  • Fazit

Auch wenn ich von einem Schwarzbier doch etwas mehr Charakter erwartet hätte, bin ich aufgrund meiner bisherigen Biererfahrung auch offen für Neues. Wie Alex ja schon in 6. fordert, muss man Biere auch mal unvoreingenommen entgegentreten. Wenn es also auch kein Schwarzbier im landläufigen Sinne ist, schmeckt es subjektiv betrachtet doch recht erfrischend, ohne den Schwarzbier-Charakter in Gänze zu verlieren. Deshalb gibt es für das Černé heute von mir 12 Pkt., also eine 2.

33_Krušovice Černé-Bewertung

Weitere Informationen über das „Königliche“ u.a. auf: http://www.krusovice.de/#home.

Prost!

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Februar 29 2016

32. Gambrinus Premium

Anknüpfend an das letzte Woche gleich doppelt thematisierte Pilsner Urquell, folgt nun mit dem Gambrinus Premium der zweite Teil der tschechischen Biere. Die Geschichte des Gambrinus geht bis ins Jahr 1869 zurück. Schnell wuchs man in der Folge zur zweitgrößten Brauerei Pilsens heran. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte dann der Zusammenschluss mit dem Bürgerlichen Brauhaus (also dem heutigen Pilsner Urquell) und die kommunistische Verstaatlichung. Diese wurde erst ab 1992 wieder aufgebrochen. Heute gehört Gambrinus ebenso wie Urquell zu SABMiller. Interessanterweise ist jedoch Gambrinus (und nicht das global weitaus bekanntere Urquell) das meistverkaufte Pils in Tschechien. Nachdem man 1972 (also etwa 60 Jahre nach Urquell) die magische 1 Mio. hl-Grenze durchbrach, liegt der derzeitige Ausstoß bei über 3 Mio. hl. Der Name „Gambrinus“ leitet sich im Übrigen von der gleichnamigen historischen Person ab, welche im zentraleuropäischen Raum als Erfinder des Bierbrauens gilt. Auch wenn dies historisch sicher nicht korrekt ist, geht dies auf einen germanischen König zurück, der um Christi Geburt das Volk der Marsi regierte. Für den deutschen Export hat man sich auf folgenden Labeltext geeinigt:

„Eine Bierspezialität aus Pilsen. Pilsner Braukunst hat eine Tradition, die Genuss mit meisterlicher Tradition verbindet.“

Solange nicht zu viel vom „Premium“ durchkommt, bin ich schon beruhigt. Viel zu oft, war das in meiner Vergangenheit eher kein Qualitätsmerkmal.

Steckbrief

32_Gambrinus Premium-Steckbrief

Bewertung

32_Gambrinus Premium

  • Flaschendesign + Kronkorken

Meiner Ansicht nach insgesamt ein ordentliches Äußeres – auch wenn der Funken der Bierromantik nicht rüberspringt. Hinten mit Export-Bier-typischem Erscheinungsbild.

  • Aussehen

Pilstypische dunkelgoldene Farbe mit leider recht geringer Schaubildung und -festigkeit.

  • Geruch

Auch hier ähnelt es vielen deutschen Pils: Der hopfig-herbe Geruch wird nur ab und an von malzigen Nuancen unterbrochen.

  • Geschmack

Auch hier grenzt sich das Gambrinus klar vom Pilsner Urquell ab. Beim ersten Eindruck kommen sogar leichte Röstaromen mit Kastanie durch. Erst danach entwickelt sich die leichte Malzsüße zum süffigen Gesamteindruck. Der insgesamt harmonische Abgang wird von einer kaum spürbaren Spritzigkeit begleitet.

  • Fazit

Glücklicherweise bildet das Gambrinus eine rühmliche Ausnahme der Premium-Biere und kann mit einem mehr als soliden Pilsner aufwarten. Zwar reicht es nicht an den großen Brauereibruder heran, wird mir aber positiv in Erinnerung bleiben. Insgesamt gibt es mit 11 Pkt. eine glatte 2.

32_Gambrinus Premium-Bewertung

Weitere Informationen über die Marke Gambrinus u.a. auf: http://www.prazdroj.cz/en/our-brands/brands.

P.S. I: Die Brauerei war von der Saison 1997/98 bis 2013/14 Namensgeber und Sponsor der höchsten tschechischen Fußballliga.

P.S. II: Neben diesem Gambrinus werden noch mindestens 10 weitere Biere unter demselben Namen vermarktet – davon alleine 6 aus Deutschland und Österreich.

Prost!

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Februar 25 2016

30. Leikeim Wintertraum

Bevor der niederrheinische Winter endgültig vorbei ist, unterbreche ich meine Tschechien-Reise kurz für eine Bierspezialität aus Oberfranken. Dort braut die Privat-Brauerei Leikeim seit 1887 eine breite Palette an Bieren. Mit jährlich 200.000 hl Ausstoß rangiert man dabei im unteren Mittelfeld deutscher Brauer. Bezugnehmend auf das bayrische/deutsche Reinheitsgebot geht Leikeim auf seine traditionelle Braukunst so ein:

„Bei uns braut sich nur Gutes zusammen. Feinste Brauzutaten, handwerkliche Könnerschaft, gepaart mit fortschrittlicher Brautechnik. Ganz ohne Kompromisse: Braukunst und Natur im genussreichen Einklang. Natürlich nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516!“

Der Wintertraum ist dabei eines von elf Hopfenschorlen aus der Altenkunststädter Brauerei. Da ich bisher recht wenig Erfahrung mit sogenannten Winter- oder Weihnachtsbieren hatte und vor allem auch den Unterschied zu den angelehnten verwandten Biertypen nicht wirklich erkennen konnte, bin ich gespannt was mir dieses gänzlich unbekannte Bier so bringt. Im weltweiten Web ist es wie folgt zu lesen:

„Diese festliche Bierspezialität gibt es nur zur Winter- und Weihnachtszeit. Seine Kraft erhält das untergärige Vollbier durch eine hohe Spezialmalzgabe und durch die Abrundung mit feinstem Münchner Malz. Wertvoller Spalter Aromahopfen gibt ihm seine winterliche Seele. Man liebt es für seinen samtigen Nachtrunk.“

Zur Klarstellung wird noch hinzugefügt:

„Dieses Bier hat Kraft.“

Soso, na dann wolln ma mal schaun wie kräftig der Wintertraum so is…

Steckbrief

30_Leikeim Wintertraum-Steckbrief

Bewertung

30_Leikeim Wintertraum

  • Flaschendesign + Kronkorken

Wie bereits erwähnt sind Bügelflaschen nicht mein Favorit – auch nicht wenn sie brauereispezifisch sind. Auch sonst muss ich sagen überzeugt mich das Design nicht wirklich. Irgendwie zu verspielt und simpel.

  • Aussehen

Hier bin ich wirklich überrascht. Nicht wegen der Farbe oder Klarheit, diese ist mir nun wirklich schon oft begegnet. Aber die Stabilität und Haltbarkeit des feinporigen Schaums ist im meiner bisherigen Stichprobe ungeschlagen.

  • Geruch

Hier ist es wieder etwas enttäuschender. Relativ neutral riechen, erkennt man neben süßlichen Malznoten nur etwas Hopfen. Und irgendwie riecht es auch eher industriell.

  • Geschmack

Um dem Auf und Ab der Bewertung treu zu bleiben, geht es hier wieder etwas bergauf. Wie angekündigt ist der Wintertraum in der Tat sehr malzsüß und „vollmundig“. Die süffige Resenzlosigkeit wird nur ab und an von ein wenig Hopfen unterbrochen. Auch der Abgang ist sehr harmonisch. Nur die versprochene Fruchtigkeit kann ich beim besten Willen nicht herausschmecken.

  • Fazit

Mit eigentlichen keine Erwartungen in dieses Bier reingegangen, muss ich zugeben, dass ich etwas enttäuscht bin. Von einem Winterbier aus einer Privatbrauerei habe ich mir irgendwie mehr Charakter erwartet. Allerdings ist das angesichts der wirklich soliden Qualität auch Jammern auf hohem Niveau und wahrscheinlich auch – wie alles im Leben – sehr subjektiv. Deshalb gibt es von mir für den Leikeimer Wintertraum mit 10 Pkt. eine 2-.

30_Leikeim Wintertraum-Bewertung

Weitere Informationen über Leikeim(s Biere): http://www.leikeim.de/index.php.

Prost!

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Februar 18 2016

29. Budweiser Budvar B: Original

Vom westböhmischen Pilsen geht es nun zum südböhmischen Budweis. Neben Pilsen der zweite weltweit bekannte Braustandort Tschechiens. Die Herkunft des heutigen Budweiser Budvar liegt in den politischen Verhältnissen im Böhmen des 19. Jahrhunderts. Damals erhielt man in den städtischen Rathäusern nur Einfluss, bei entsprechend hoher Wirtschaftsleistung bzw. Abgabe an Steuern. So hatte die mehrheitlich tschechische Bevölkerung keinen Sitz im Budweiser Rathaus. Um dies zu ändern, gründete man 1895 die Tschechische Aktienbrauerei in Konkurrenz zum deutschen Budweiser Bürgerbräu. Spätestens als nach dem ersten Weltkrieg 1918 diese von den Tschechen übernommen wurde, entwickelte sich die AG zu einem der bedeutenden Bierproduzenten und -exporteure des Landes. Mit Ende des zweiten Weltkrieges hingegen endete der wirtschaftliche Aufstieg zunächst. Mit Einzug des Kommunismus im gesamten Ostblock wurde die Brauerei verstaatlicht und der Export eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte auch die Umbenennung in Budějovický Budvar. Bis heute befindet sich die Brauerei im Staatsbesitz, konnte aber nach Zusammenbruch des Kommunismus und erneuter Namensänderung in Budweiser Budvar (und damit Rückkehr zum deutschen Namen) wieder an Bedeutung zulegen. In 2014 erzielte man einen jährlichen Bierausstoß von 1,45 Mio. hl. Das Bier selbst erlangte wohl auch besondere Popularität infolge des Namensstreit mit dem großen Anheuser-Bush-Konzerns. Die wenigsten wissen, dass sich dieser Streit bereits seit 1907 hingezogen hatte. Erst 2010 entschied der Europäische Gerichtshof, dass das in den USA hergestellte und vertriebene Bud(weiser) keine Namensrechte in der EU geltend machen kann. Allerdings verbietet das US-amerikansiche Recht dem tschechischen Budweiser im Gegenzug die Verwendung des Namens auf ihrem Territorium. Interessanterweise kaufte Anheuser-Bush daraufhin 2012 die Rechte am alten Budweiser Bürgerbräu, welches in der Zwischenzeit ebenfalls verstaatlicht aber heruntergewirtschaftet wurde.

„Unser helles Lagerbier ist etwas für wahre Feinschmecker. Die edelsten weiblichen Dolden des hochwertigen Saazer Hopfens, reines Naturwasser und ausgesuchtes mährisches Malz machen es zu einem Getränk für echte Kenner.“

… heißt es auf der Website. Da ich mich selbstverständlich sowohl als Feinschmecker als auch echter Kenner bezeichnen würde, gehe ich nun mit hohen Erwartungen an das einzig originale Budweiser.

Steckbrief

29_Budweiser Budvar-Steckbrief

Bewertung

29_Budweiser Budvar

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die grüne Markenreliefflasche scheint in Tschechien Tradition zu haben. Ebenso wie die Goldfolie, die den Hals und Kronkorken ummanteln. Die Label hingegen haben mir beim Urquell besser gefallen – der Eindruck es hier mit einem Import-Produkt zu tun zu haben ist mir etwas zu dominant.

  • Aussehen

Wie auf dem Photo erkennbar: sehr gold, sehr klar und mit wenig grobporiger Schaumbildung, die auch schnell wieder verflüchtigt ist.

  • Geruch

Hier steht der Hopfen klar im Mittelpunkt. Allerdings eher dadurch, dass neben einer fehlenden Malznote auch sonst kaum etwas riechbar ist.

  • Geschmack

Für ein Lager nicht überraschend ist das B: Original recht süffig. Geschmacklich ist dann auch mehr Malz und weniger Hopfen vorhanden. Der ziemlich unauffällige und ganz feinbittere Abgang wird durch einen geringen Prickelfaktor unterstrichen.

  • Fazit

Alles in allem muss ich gestehen, dass ich mir vom Budweiser etwas mehr Charakter erwartet hätte. Mit einer Reifezeit von 90 Tagen und Wasser aus einem artesischen Brunnen ist es qualitativ aber mehr als Mittelklasse. Deshalb gibt es in der Gesamtsumme (nur) 10 Pkt. bzw. eine 2-.

29_Budweiser Budvar-Bewertung

Weitere Informationen über das Original-Budweiser u.a. auf: http://www.budejovickybudvar.cz/de/index.html.

Übrigens: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer wurde von Budweiser zum Vornamen seines Künstlerpseudonyms inspiriert.

Prost!

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Februar 16 2016

28. Pilsner Urquell

Diese Woche geht´s für mich erstmals in Ausland. Zugegebenermaßen nicht weit weg und zugegebenermaßen sind auch hier viele deutsche Einflüsse vorhanden, aber immerhin nach Tschechien. Hier wurde 1842 in der böhmischen Stadt Pilsen Biergeschichte geschrieben. Aufgrund der schlechten Qualität des hiesigen dunklen warmvergorenen Bieres, schlossen sich wenige Jahre zuvor alle damals brauberechtigten Bürger zusammen und gründeten ein Bürgerliches Brauhaus. Entworfen vom Pilsener Architekten Martin Stelzer, wurde als erster Braumeister für das Brauhaus Josef Groll aus dem bayrischen Vilshofen engagiert. Dieser brachte eine neue Methode der Gärung und Lagerung mit. Wo zuvor warmvergoren und oberirdisch gelagert wurde, setzte Groll erstmals eine kalte Gärung ein und lagerte das Jungbier in tiefen kalten Kellern. Gepaart mit viel Saazer Hopfen aus Nordböhmen entstand somit das erste Bier nach der später benannten Pilsner Brauart. Dieses Pilsner oder in Deutschland vor allem Pils genannt zeichnet sich durch seinen – im Vergleich zu etwa einem Hellen – höheren Hopfengehalt aus und schmeckt somit bitterer. Neben der kalten Gärung und Lagerung, welche im Übrigen erst durch die regionalgeographischen Bodenbeschaffenheiten ermöglicht wurde, wird das sehr helle Malz bei der Pislner Brauart besonders schonend gedarrt. Pilsner, Pilsener oder Pils haben darüber hinaus eine maximale Stammwürze von 12,5%. Spätestens nachdem 1898 die bis heute weltbekannte Marke „Pilsner Urquell“ eingetragen wurde, begann ein wahrer Boom um das untergärige Pils(ner). Als Folge entstand in Pilsen u.a. einer der größten Keller- und Höhlenkomplexe Europas. Das erste deutsche Pils braute übrigens die nicht mehr existente Geismann-Brauerei in Fürth. Während mit dem Bier auch der Name Pils(ner) in die Welt getragen wurde gibt es laut Wikipedia (wie Michael bereits sagte, darf auch ich das hier) eine erwähnenswerte Ausnahme:

„Dem Pilsner entspricht in der Schweiz das dortige „Spezialbier“. Aufgrund eines Abkommens über die Verwendung von Herkunftsangaben, Ursprungsbezeichnungen und anderen geografischen Bezeichnungen mit der Tschechoslowakei darf die Bezeichnung Pilsner dort nicht verwendet werden. Im Gegenzug dazu verzichtet Tschechien beispielsweise auf die Verwendung der Bezeichnung Emmentaler für Käse.“

Als eine der ersten Brauereien der Welt durchbrach das ehemalige Bürgerbrauhaus Pilsner Urquell bereits 1913 die 1 Mio. hl-Marke. Heute produziert die inzwischen zum weltweit zweitgrößten Braukonzern SABMiller gehörende Brauerei ca. 9 Mio. hl Original Pilsner. Und bis auf einen kurzen Zeitabschnitt, als die Brauerei ausgebaut wurde, wurde dies ausschließlich auch in Pilsen gebraut. Interessanterweise firmierte die Brauerei zeitweise auch unter dem Namen „Pilsner Gambrinus“ – eine heute bekannte andere Biermarke aus der Tschechischen Republik.

Steckbrief

28_Pilsner Urquell-Steckbrief

Bewertung

28_Pilsner Urquell

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Flaschenlayout ist dem ersten Pils der Welt würdig. Was mir daran gefällt: die grüne Flaschenfarbe, die individuelle Reliefflasche, das klassische Label mit Siegeldruck, die „edle“ Goldfolie um den Flaschenhals und Kronkorken. Was mir daran nicht gefällt: naja, eigentlich kaum etwas, vielleicht hätten es etwas mehr Produktinformationen sein können.

  • Aussehen

Auch hier präsentiert sich das Urquell sehr gut. Die sehr schön goldene und klare Farbe wird von einer mäßiger, aber lang anhaltender feinporiger Schaumbildung begleitet.

  • Geruch

Klar hervorsticht eine süße Hopfennote. Zudem sind noch ein paar fruchtige und malzige Nuancen erkennbar.

  • Geschmack

Wo viele Pils(ner) entweder nur bitter oder zu süßlich im Geschmack sind, kombiniert das Urquell diese beiden Eigenschaften meiner Ansicht nach vorbildlich. Die Pils-typische Bitterkeit, welche dominiert, wird von einer leicht süßlichen aber ebenso deutlichen Malznote unterstrichen. Vergleichsweise prickelnd, verbleibt von der starken Hopfenbitterkeit im Antrunk kaum noch etwas im Abgang. Hier macht die süße Malznote Lust auf mehr.

  • Fazit

Als erstes Pilsner der Welt und in meiner Reihe, habe ich mich zu Beginn sehr drauf gefreut. Mir natürlich nicht unbekannt, war ich trotzdem wieder überrascht, wie gut dieses Bier schmeckt. Und das obwohl hier wieder ein multinationaler Braugigant die Finger im Spiel hat.

„Seit 1842 brauen wir das erste Pilsner der Welt – mit denselben regionalen Zutaten, auf dieselbe Art und Weise und am selben Ort. Diese traditionelle Braukunst und die perfekte Kombination aus würzig herbem Saazer Aromahopfen und dezent malziger Karamellsüße sorgt für den vollmundigen und unverwechselbaren Geschmack.“

… heißt es auf der Flaschenrückseite. Eine Zusammenfassung, der ich eigentlich gar nicht so viel hinzufügen möchte. Daher nur noch zwei Zahlen: 14 Pkt. bzw. 1.

28_Pilsner Urquell-Bewertung

Weitere Informationen über das Gründungspilsner u.a. auf: https://pilsner-urquell.de/.

Prost!

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Februar 12 2016

27. Köstritzer Red Lager

Nach dem Pale Ale folgt nun heute das Red Lager von Köstritzer. Beide gab es im handlichen 4-Pack – also genau 2 Biere zu viel für einen Kronkorken-Sammler. Aber solange auch dieses Bier schmeckt, würde es mich zumindest nicht zu sehr ärgern, auch noch die anderen beiden zu vertilgen. Das zweite von drei „Meisterwerken“ (es gibt zudem noch ein Witbier) fällt zumindest wieder in die gewohnte Vollbier-Kategorie. Eine kurze Beschreibung liefert auch hier wieder die Website:

„Die neue Interpretation dieser internationalen Bierspezialität wird nach dem Vorbild des klassischen Wiener Lagers gebraut. Ein untergäriges Lagerbier, das im Geschmack sanft malzig bis malzig-süßlich sowie würzig ist.“

Insbesondere der Hinweis auf zwei Zutaten bringt mir dabei aber doch ein kleines Schmunzeln auf die Lippen: Special-X-Malz sowie die Hopfensorte Perle. Schaun ma also mal, ob die vollmundigen Beschreibungen auch das halten, was sie versprechen und ob das Red Lager im Vergleich zum Pale Ale noch einen drauf legen kann.

Steckbrief

27_Köstritzer Red Lager-Steckbrief

Bewertung

27_Köstritzer Red Lager

  • Flaschendesign + Kronkorken

Flaschendesign und Kronkorken unterscheiden sich hier abgesehen vom Farbkonzept nicht wesentlich vom Pale Ale, deshalb hier die identische Bewertung.

  • Aussehen

Herstellerangabe: Kristallklare rote Farbe mit feinporigem und cremefarbenem Schaum.  Wie im obigen Bild erkennbar ist die Farbe in der Tat sehr rot. Mehr Rot geht wohl nicht. Dabei ist die Klarheit nur von einer geringen Trübung unterbrochen. Die Schaumbildung tendiert zwar dann eher wieder zum Kölsch, jedoch mit einer leicht größeren Haltbarkeit.

  • Geruch

Herstellerangabe: Intensiver Duft mit einem würzig-süßen Hauch nach dunklem Landbrot, gerösteten Esskastanien und Karamell, Honig sowie Vanille. Auffällig hier, dass das Landbrot wirklich dominant in Erscheinung tritt und auch für einen Laien gut herausriechbar ist. Auch eine leichte honigartige Süße ist erkennbar. Beim Rest muss ich allerdings passen – insbesondere was da so röstig riecht, hätte ich wohl kaum einer Esskastanie zugeordnet.

  • Geschmack

Herstellerangabe: feine Malznoten in Balance mit zartbitteren Kaffee- und Röstaromen, Nuancen von Schokolade, Vanille sowie Lakritz, Kastanienhonig und Trockenfrüchten wie einem frischen Pflaumenton. Auch hier bin ich erstaunt, was alles schmeckbar ist, wenn man nur ausreichend lange drauf hingewiesen wird und man auch mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Bier ran geht. Die bereits im Geruch wahrnehmbaren Malznoten und Röstaromen kommen auch im Geschmack klar hervor. Erstaunlicherweise kann ich mir sogar auch Kaffee- und Lakritznoten einbilden. Die angesprochene Pflaume kann ich dabei höchstens im Abgang erkennen, welcher sich insgesamt erstaunlich bedeckt hält. Schoko, Vanille und wieder diese ominöse Kastanie sind für mich auch hier nicht wahrnehmbar. Insgesamt eine leicht höhere Spritzigkeit im Vergleich zum Pale Ale.

  • Fazit

Auch heute gibt es wieder eine Überraschung. Wiener Lager kannte ich bisher eigentlich eher von Weihnachtsbieren, welche im Grunde immer ganz bekömmlich fand. Auch das Red Lager von Köstritzer finde ich grundsätzlich bekömmlich. Aber irgendwie habe ich mir da vermutlich mehr erhofft. Insgesamt ist es mir leider etwas zu malzig und unscheinbar. Gerade zum Ende des Glases hin wird es immer matter. Nichtsdestotrotz kein uninteressantes Bier, weshalb ich hier und heute 10 Pkt. bzw. eine 2- vergebe.

27_Köstritzer Red Lager-Bewertung

Weitere Informationen zu den Meisterwerken sowie zur größten Schwarzbierbrauerei Deutschlands unter: http://www.koestritzer.de/index.php?id=13942

Prost!

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Februar 10 2016

26. Köstritzer Pale Ale

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Aber nein, nachdem der Kölsch-Wahn ein Ende hat geht´s erst richtig los. In den letzten drei Jahren wäre spätestens jetzt eigentlich für mich der Zeitpunkt des Alkohol-Fastens gekommen. Doch das kann ich mir dieses Jahr nicht erlauben und so bleibt es beim Fleisch-Fasten. Zum Hirse-Brei von meinem Sohnemann gibt es heute für mich ein wahres „Meisterwerk“. Beim Brühler HIT natürlich wegen des Kronkorkens gekauft, bin ich deshalb sehr gespannt, was das Köstritzer Pale Ale so zu bieten hat. Eigentlich bin ich ja nicht der Ale-Fan, aber mit dem Alter scheinen sich die Geschmacksknospen noch etwas weiter zu entwickeln (oder abzustumpfen sehe man es wie man will). Mit 700.000 hl Ausstoß ist die Brauerei zumindest kein Leichtgewicht in der deutschen Braulandschaft. Allerdings gehört sie seit 1991 nach Auflösung des volkseigenen DDR-Betriebs auch zur Bitburger Gruppe. Immer ein Indiz für mich, welches auf keine außergewöhnliche Qualität schließen lässt. Auf der anderen Seite kann Köstritzer jedoch auf eine vergleichsweise sehr lange Brautradition aufbauen – erstmalig wurde das Brauhaus 1543 erwähnt. Zudem ist das Pale Ale mit dem Superior Taste Awards sowie dem Meiningers International Craft Beer Award ausgezeichnet, allerdings scheinen diese Auszeichnungen zumindest keinen elitären Kreis ausgezeichneter Biere zu kreieren. So wurde der Craft Beer Award insgesamt an über 80 Biere verliehen. Zusammengefasst beschreibt Köstritzer das dann so:

„Dieses nach Köstritzer Rezeptur veredelte Indian Pale Ale, atmet in seiner Tradition und Herkunft sowohl den Geist von Geschichte, als auch denjenigen absoluter handwerklicher Perfektion.“

Steckbrief

26_Köstritzer Pale Ale-SteckbriefBewertung

26_Köstritzer Pale Ale

  • Flaschendesign + Kronkorken

In der eigenen Marken-Flasche abgefüllt macht das Pale Ale einen sehr guten Eindruck, Sowohl das Farb- als auch Informationskonzept überzeugen mich. Auf der Rückseite befinden sich zudem noch interessante Zusatzinformationen. Insbesondere die detaillierte Zutatenliste (Quellwasser aus dem Eleonorental) der verschiedenen Malze und Hopfensorten gefällt mir. Und der Kronkorken gehört auch zu einem der schöneren.

  • Aussehen

Herstellerangabe: Orangegoldgelbe Honigfarbe. Dem ist nur ein gewisser Rotstich hinzuzufügen. Auffallend jedoch ist die gerade im Kölsch-Vergleich enorme Schaumbildung und -haltbarkeit.

  • Geruch

Herstellerangabe: Intensiv würzig: Maracuja über Orangenblüte und Grapefruit bis zu grünen Beeren. Nun ja, so ganz genau kann ich höchstens die Maracuja rausriechen. In der Tat ist es aber wirklich sehr fruchtig und nur leicht würzig.

  • Geschmack

Herstellerangabe: Malzige Süße und erfrischende Nuancen tropischer Früchte. Malzig passt, süß auch und auch die Früchte sind rausschmeckbar – ob diese nun tropisch sind oder heimisch entzieht sich jedoch meinem Gaumen. Kohlensäure kann man bei diesem Bier auch nicht in hohem Maße erkennen. Die versprochene intensive Hopfenbittere im Abgang kann ich bestätigen, wobei ich diese nicht wirklich als positiv, sondern eher als leicht unangenehm bewerten würde.

  • Fazit

Qualitativ sicher sehr hochwertig und vor allem nach den vielen Kölsch eine willkommene Abwechslung, bleibt es jedoch auch nach dem dem Köstritzer Meisterwerk dabei: Ich bin (noch) kein Ale-Fan. Nichtsdestotrotz müssen die Unterstützung der Biervielfalt und die Verwendung hochwertiger Zutaten ausreichend gewürdigt werden. So erhält das Köstritzer Pale Ale sehr gute 13 Pkt, also eine 1-. Und das hätte ich sicher vorab nicht gedacht.

26_Köstritzer Pale Ale-Bewertung

Weitere Informationen zu den Meisterwerken sowie zur größten Schwarzbierbrauerei Deutschlands unter: http://www.koestritzer.de/index.php?id=13942

Prost!

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Februar 10 2016

25. Altenmünster Urig-Würzig

Bei diesem Bier habe ich mich leider gleich doppelt täuschen lassen: Zum Ersten kommt es nicht wie gedacht aus Münster und hat somit nicht den gedachten regionalen Bezug (Münster als Schwesterstadt von Osnabrück, Sitchwort Westfälischer Frieden) und zum Zweiten habe ich mich von der schönen Fassade täuschen lassen, aber unten mehr dazu.

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Altenmünster wird hergestellt im schönen Marktoberdorf-Leuterschach im Allgäu in Bayern, nicht weit entfernt von der deutsch-österreichischen Grenze und ist somit geographisch gesehen eher das Gegenteil vom Münsterland. Als ich „urig-würzig“ gelesen hatte habe ich auch zuerst an ein dunkleres Bier gedacht, weit gefehlt! Es handelt sich um ein Deutsches Pilsener mit zugegebenermaßen leicht dunklem Körper für ein Pils.

Altenmünster Grunddaten

Dazu eine kleine Anekdote zur Brauerei selbst: Das alte Sudhaus aus dem Jahr 1904 wurde 2013 abgerissen um Platz für innerstädtisches Wohnen zu schaffen. Es galt als eines der prägenden Gebäude für das Stadtbild und als Werbe- und Imageträger für die Brauerei. Wo man immer denkt Bayern und seine Brautradition… doch nicht ganz unzertrennlich.

Wertung

Altenmünster Wertung

Flasche: Das Aussehen hat mich neben dem Namen überhaupt erst zum Kauf verleitet. Ein schönes Relief in der Flasche macht es schon zu einem Blickfang, zudem ist natürlich der Bügel ein Plus! Das Etikett ist dementsprechend eher klein aus und enthält wenig Infos. Trotzdem hier eindeutig ein Pluspunkt: 12 Punkte / Note: 2+

Bier im Glas: Relativ dunkles gold, jedoch keine wirklich schöne Farbe. Wirkt etwas blass. Auch die Krone ist schnell verschwunden. Insgesamt kein sonderlich guter Eindruck:             7 Punkte / Note: 3-

Geruch: Eindeutig dominiert von der herben Bitterkeit des Hopfens. Von einem angenehmen Aroma kann ich hier leider nicht reden. Eine malzige Note ist nicht zu vernehmen. Nicht mein Fall: 6 Punkte / Note: 4+

Geschmack: Nach dem Geruchstest hatte ich eher mit etwas mehr Kohlensäure gerechnet. Allerdings wartet das Bier überraschenderweise mit wenig Kohlensäure auf. Die Bitterkeit des Hopfens aus dem Geruchstest sticht auch hier heraus. Eine leichte Malznote schmeckt man heraus, insgesamt aber ein eher enttäuschendes Pils: 8 Punkte / Note: 3

Abgang: Bitterer Abgang und zudem recht trocken. Die Hopfenbitterkeit viel zu dominant. Für Deutsches Pilsener aber durchaus üblich. Jedoch kein Abgang der unbedingt gleich zum nächsten Schluck anregt: 8 Punkte / Note: 3

Fazit: Bis auf die Verpackung steckt hier nicht so viel dahinter. Von der nussigen Note in der Produktbeschreibung des Herstellers konnte ich nichts wahrnehmen. Von Augenwischerei kann man hier sprechen. Im Pilssortiment für mich eher untere Mittelklasse: 8 Punkte / Note: 3 (und das auch nur wegen der schönen Flasche)

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Februar 3 2016

23. Giesler Kölsch

Zum Abschluss meiner Kölsch-Reise bleibe ich zumindest ursprünglich in meiner neuen Heimat Brühl. Das Giesler-Kölsch steht dabei sinnbildlich für viele weitere meist kleinere Kölsch-Marken. Denn auch das Giesler ist nicht mehr eigenständig, sondern wird seit vielen Jahren bereits nicht mehr in Brühl gebraut.  Ende der 1990er wurde es an die Dom-Brauerei AG verkauft und 2005 erfolgte der Abriss der altehrwürdigen Giesler-Brauerei mitten in der Schlossstadt Brühl. An diesem historischen Standort steht heute die Giesler-Galerie – das erste (und bisher einzige) Einkaufszentrum Brühls. Eröffnet wurde diese interessanterweise an meinem Geburtstag 2006. Zum Glück konnte wenigstens der Sudturm erhalten bleiben, sodass dieser nun von der Galerie vollständig umschlossen im Zentrum des Komplexes steht. Dies und die Tatsache, dass das Einkaufszentrum unter den Gesichtspunkten Stadtplanung und Regionalentwicklung, durchaus ein Gewinn für Brühl ist, muss daher positiv hervorgehoben werden.

Es folgt eine Chronik der ereignisreichen Giesler-Kölsch-Geschichte:

  • 1832: Friedrich Giesler erwirbt das Brühler Schloss Falkenlust von Kurfürst Clemens August – eines der beiden heutigen UNESCO-Weltkulturerbestätten Brühls.
  • 1874: Gründung der Giesler Brauerei durch Übernahme der innenstädtischen Braustätten an der Uhlstraße (vermutlich von der Braufamilie Früh).
  • nach 1874: Giesler kauft eine weitere Brühler Brauerei und firmiert zur Friedrich Giesler’sche Brauerei zum Vorgebirge
  • 1897: Der heute noch existente Sudturm wird im Zuge der Brauerei-Erweiterung fertig gestellt.
  • 1914-18: Durch den kriegsbedingten „Fachkräftemangel“ schließen sich die Schlossbrauerei Brühl AG und die Friedrich Giesler’sche Brauerei GmbH zur „Brühler Brauerei-Gesellschaften mbH“ zusammen
  • 1953: Aus dem „Giesler-Hell“ entsteht das „Giesler-Kölsch“. Weitere Biere, die Giesler zu der Zeit braut: Clemens-August Pils, Giesler´s Alt, Giesler´s Bock, Giesler Spezial Export und Giesler Kraft-Malz.
  • 1979: Der Jahresumsatz erreicht erstmals die Marke 10 Mio. DM.
  • 1990: Das Brühler Leicht wird eingeführt. 90% Marktanteil hat aber weiterhin das Kölsch.
  • 1998: Die Giesler Brauerei wird durch Dom-Kölsch übernommen – somit endet eine 125 Jahre alte Brühler Biertradition.
  • 2000: Mit dem Abzug der Bierproduktion nach Köln endet fast das Kapitel der Brühler Kölschherstellung.
  • 2002: Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Dom-Brauerei wird die Giesler-Produktion beinahe eingestellt.
  • 2005: Die historische Braustätte der Giesler-Brauerei an der Uhlstraße wird fast komplett abgerissen. Lediglich der denkmalgeschützte Sudturm bleibt erhalten.
  • 2006: Um weiter Kosten zu senken wird die Herstellung aller Dom-Marken unter dem Lohnbräu-Verfahren nach Bielstein zur Erzquell-Brauerei (siehe 20.) verlagert.
  • 2013: Die Radeberger-Gruppe schluckt die bereits im Insolvenzverfahren befindliche Dom-Brauerei. Daraufhin zieht das Giesler-Kölsch ein zweites Mal (zurück) nach Köln.

Im Rahmen meiner Recherchen zum Giesler stoße ich dann auf folgende Aussage auf der Website der „Giesler-Braurerei“:

„Aufgeschlossene Biergenießer suchen immer stärker nach Authentizität und einem ehrlichen Heimatgefühl, mit dem man sich identifizieren kann. Giesler Kölsch macht fürstlich vor wie gut unverwechselbare Geschichte und Tradition schmecken können.“

Authentizität? Ehrliches Heimatgefühl? Unverwechselbare Geschichte und Tradition? Kaum zu fassen, was sich hier die Verantwortlichen raus nehmen. In der Tat, es ist sicherlich löblich, dass man damals die Marke Giesler nicht gänzlich vom Markt genommen und somit der Geschichte zugeführt hat. Aber muss man den „aufgeschlossenen Biergenießer“ derart in die Irre (vor-)führen? Nun, sei´s drum – wenden wir uns nun dem Wesentlichen zu: Dem Bier.

Steckbrief

23_Giesler Kölsch-Steckbrief

Bewertung

23_Giesler-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Als einzige Flasche in meiner Kölsch-Stichprobe ist das Giesler in der eher unattraktiven sogenannten „NRW-Flasche“ abgefüllt. Aufgrund der Beibehaltung des historischen Designs der Flaschenetiketten gibt es einige Pluspunkte. Hier ist weiterhin das klassische Giesler-Logo mit Kurfürst Clemens August zu Brühl im Zentrum zu sehen. Auch der Kronkorken mit den Schriftzug „…genüsslich gieslern“ geht auf frühere Werbeslogans zurück. Es ist also offensichtlich, dass hier die traditionelle Marke unterstrichen werden soll.

  • Aussehen

Keine Überraschungen – auch hier ein sattes gold-gelb. Die Schaumbildung ist eher mittelmäßig.

  • Geruch

Aus dem insgesamt dumpfen Geruch stechen höchstens einige hopfige oder süßliche Nuancen heraus.

  • Geschmack

Das 11. Kölsch und der 11. Geschmack. Auch hier ist wieder eine ganz individuelle Geschmacksnote herauszuschmecken. Das Giesler würde ich als Hybrid zwischen herb und süffig bezeichnen. Sehr weich im Gesamteindruck sind nur dezente Hopfenspitzen herauszuschmecken. Auch der Abgang kann unter den obigen Umständen als harmonisch bezeichnet werden. Im Vergleich zu vielen anderen Kölsch hat es sogar einen ziemlich hohen Prickel-Faktor.

  • Fazit

Auch wenn ich noch kein Jahr in Brühl wohne, fühle ich mich schon derart wohl, dass ich einen gewissen Lokalpatriotismus entwickelt habe. Daher fand ich es sehr schade, dass ich die alte Brauerei samt Original-Bier nicht genießen konnte. Nichtsdestotrotz bin ich mit der Neufassung des Giesler auch recht zufrieden. Ich denke es wird ab und zu durchaus auch mal wieder den Weg in den Einkaufswagen finden. Nicht nur aus lokalpatriotistischen Sentimentalismus, sondern tatsächlich auch wegen des fast sehr guten Geschmacks erteile ich dem Giesler-Kölsch summa sumarum 12 Pkt. bzw. eine 2+.

23_Giesler Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Brühler Urgestein gibt es neben der oben genannten Seite auch unter: http://www.koelsch-net.de/koelsch-net/index.htm

Das bis in die 1950er Jahre hinein gebraute Giesler Bräu wurde im Übrigen letztes Jahr wiederbelebt und wird von Dom erneut vertrieben.

Dass es aber auch ganz anders gehen kann zeigt ein prominentes Beispiel: Seit 1976 wird das in Köln und darüber hinaus bekannte Kabänes in Brühl-Ost hergestellt. Außerdem besteht mit der Bischoff-Brauerei im äußersten Norden Brühls die letzte Brühler Kölsch-Bastion, die noch nicht aufgekauft wurde.

Prost!

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Januar 31 2016

22. Peters Kölsch

Auf meiner vorletzten Kölsch-Station geht es (zumindest ursprünglich) nach Monheim.  Hier wurde 1847 die Brauerei „Auf den Örtchen“ Peter Josef Peters gegründet. Nach diversen Umfirmierungen (so z.B.  Bayerische Bierbrauerei, Exportbrauerei Tillmann Peters, Monheimer Brauerei Peters & Bambeck sowie zuletzt Peters & Bambeck Privatbrauerei) und Brauereiumzügen und -erweiterungen wurden neben Pils, Malzbier, Festbier, Weizenbier und Kräusen-Pils in den 1930ern bis 1960ern das Peters Echt Kölsch eingeführt. Nach großem Gegenwind verzichtete man darauf es Monheimer Kölsch zu nennen – Kölsch hat schließlich aus Köln zu kommen… In den 1990ern reagierte man auf den immer größer werdenden Wettbewerbsdruck und investierte nochmals massiv in neue Brautechnik. Beim hierfür notwendigen Umbau der Brauerei wurde das Kölsch zeitweise in der Brühler Giesler-Brauerei hergestellt. 1997 übernahm Peters sogar die Düsseldorfer Hirschbrauerei und braute für Schlösser Altbier. Damit war Peters die einzige Brauerei, die sowohl Kölsch als auch Alt produzierte. All dies war jedoch nicht von Erfolg gekrönt – 2004 kam mit dem Verkauf an die Brau und Brunnen das Ende der bis dato nördlichsten Kölsch-Brauerei. Seither wird Peters „nach alter Tradition“ von Gilden in Köln-Mülheim hergestellt (mit 20.000 hl p.a.). Schaun ma mal, was von dieser alten Tradition noch so übrig geblieben ist.

Steckbrief

22_Peters Kölsch-Steckbrief

Bewertung

22_Peters-Kölsch

  • Flaschendesign

Als Kronkorken-Sammler kann mir diese Bügel-Flasche natürlich nur ein Dorn im Auge sein. Aber ich muss zugeben, diese traditionelle Verschlussform hat schon was für sich. Und Peters ist schließlich das einzige Kölsch in solch einer Flasche. Ohne dieses Bier-Blog hätte ich es wohl aber nie gekauft. Zu Unrecht, wie sich später noch herausstellen soll. Die Abbildung des alten Brauhauses sowie der Verweis auf die Tradition von Peters & Bambeck sollen einen historischen Eindruck vermitteln, täuschen aber nicht darüber hinweg, dass dies bereits einige Jahre vergangen ist.

  • Aussehen

Wie im Bild erkennbar ist auch das Peters von einer relativ großen Schaumhaltbarkeit geprägt. Ansonsten eher Kölsch-üblich – vielleicht etwas gelber als gold in der Farbe.

  • Geruch

Der Geruch war für mich sehr überraschend. Das erste was mir in den Sinn kam, war Himbeere. Die dahinterliegende süßlich-hopfige Note war erst auf dem zweiten Riecher erkennbar.

  • Geschmack

Entgegen der Erwartung es hier mit einem „Industriebier“ zu tun haben, scheint die alte Monheimer Tradition tatsächlich zumindest zum Teil erhalten geblieben zu sein. Im Grunde sehr süffig schmeckt man hier und ein paar bittere hopfenbetonte Facetten raus. Der Abgang ist auch etwas herb, aber sonst ziemlich unauffällig.

  • Fazit

Es ist schon schade, dass gerade die kleinen Familienbrauereien außerhalb Kölns ihre Tore dicht machen mussten, aber immerhin muss man Gilden zu Gute halten, dass sie das Peters fair und vor allem gut produzieren. Im direkten Vergleich landet das Peters daher sogar deutlich vor Gilden und bekommt am heutigen Sonntagabend mit 12 Pkt. eine gute 2+. Kaufen, werde ich es in Zukunft wohl aber trotzdem nicht, da ich neben der Bügelflasche ungern die große Radeberger-Gruppe unterstützen möchte…

22_Peters Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum ehemals nördlichsten Kölsch unter: http://www.koelsch-net.de/koelsch-net/anz/Peters.htm

Übrigens: Im Oktober 1999 war die Brauerei Kulisse für einen Tatort vom WDR, in dem es um vergiftetes Kölsch ging.

Prost!

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Januar 30 2016

21. Reissdorf Kölsch

Mit dem heutigen Kölsch biegen wir auf die Zielgerade der Kölsch-Reihe ein und erreichen gleichzeitig ihren Höhepunkt. Zumindest was die Unternehmensgröße angeht. Mit ca. 630.000 hl jährlichem Ausstoß ist Reissdorf die Kölsch-Marke Nummer 1. Die Erfolgsgeschichte der Brauerei begann 1894 im Severinsviertel der Kölner Altstadt. Dort gründete der ursprüngliche Uniformschneider Heinrich Reissdorf die heutige Brauerei. Nach seinem Tod führte seine Frau 1905 das Kölsch – als Weiterentwicklung des Wieß – ein. 1936 führte Reissdorf als erste Kölsch-Brauerei die Flaschenabfüllung ein. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte dann zunächst nur Einfach- und Schankbier hergestellt werden, da die alliierten Besatzungsmächte bis 1949 die Produktion von Vollbier untersagt hatten. Die in den 1920ern um Pils, Märzen und Export erweiterte Produktpalette wurde in den 1960ern im Zuge des Kölsch-Booms auf das neue Kernprodukt konzentriert. In dieser Zeit übernahm man auch die Produktion von Fremdmarken im Rahmen des Lohnbrau. Ab 1998 zog die Produktion sukzessive dann nach Köln-Rodenkirchen um, da die alte Braustätte nicht mehr genügend Kapazität bot. Aufgrund der Nähe zum Chemie-Standort Wesseling musste bis zur zweiten Grundwasserschicht auf etwa 80m Tiefe gebohrt werden um brauchbares Brauwasser abpumpen zu können. Die alte Brauerei wurde leider vollständig abgerissen. An der gleichen Stelle entstand ein neues Brauhaus, welches unter der Leitung von Reissdorf betrieben wird. Dass Reissdorf zur größten Kölsch-Marke wuchs ist in der Tat etwas erstaunlich, da man zum einen fast vollständig auf Werbung und Marketing verzichtet und auch nach eigenen Angaben nur bis 100km im Umkreis der Brauerei vertreibt. Wie dem auch sei, ich bin sehr gespannt, ob ich die Massenmeinung auch teilen kann.

Steckbrief

21_Reissdorf Kölsch-Steckbrief

Bewertung

21_Reissdorf-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Die 0,33l Longneck-Flasche weist einen doch recht klassischen Designstil auf. Dies könnte wohl auf die konservative Unternehmensführung zurückzuführen sein. Farbgebung und Kronkorken sind für mich ok. Abzüge in der B-Note gibt es aber durch den Verweis auf die Premium-Qualität des Bieres – Reissdorf, das hast du doch bestimmt nicht nötig, oder?

  • Aussehen

Was optisch (siehe Photo) auffällt, ist die deutlich größere Schaumhaltbarkeit als die Konkurrenz. Ansonsten fällt höchstens noch die noch gold-gelbere Farbe als üblich ins Auge.

  • Geruch

Der Geruch ist alles in allem ein Mix aus Malz-, Hopfen- und süßlichen Zitrusaromen. Also von allem und für alle was dabei.

  • Geschmack

Trotz des Verweises auf ein „feinherbes Produkt“, muss ich zugeben, dass das größte Kölsch aller Zeiten doch recht süffig daherkommt. Insgesamt malzaromatisch und schlank ist der Abgang dann doch ein wenig feinherb aber nichtsdestotrotz rund. Die Kölsch-typische geringe Spritzigkeit muss ich bei dem doch sehr überzeugenden Geschmack dabei wohl hinnehmen.

  • Fazit

Aufgrund der Tatsache, dass Reissdorf die größte Kölsch-Marke ist, hatte ich lange angenommen, dass es sich bestimmt nicht mehr um eine freie Familienbrauerei handelt. Da wurde ich jedoch vor Kurzem eines Besseren belehrt. Umso erstaunlicher ist die erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Daher weniger erstaunlich der alles im allem sehr gute Geschmack. Auch wenn ich mich sehr schwer damit getan habe und es eine knappe Entscheidung war, erhält das Reissdorf von mir daher mit 13 Pkt. in Summe eine 1-.

 

21_Reissdorf Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum weltgrößten Kölsch unter: http://reissdorf.de/koelsch/start.php

Prost!

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Januar 29 2016

20. Zunft Kölsch

Zur Einstimmung ins Wochenende gibt es heute einen zünftigen Schluck Zunft Kölsch.  Eines der wenigen Kölsch, welches nicht aus der westdeutschen Millionenstadt kommt. Aus Bielstein bei Wiehl im Bergischen Land kommend, wird es von der höchst gelegenen Kölsch-Brauerei hergestellt. Produzent ist die Erzquell Brauerei, welche aus zwei selbstständigen Braufirmen besteht. Neben Bielstein gibt es auch eine Brauerei im rheinland-pfälzischen Niederschelderhütte. In beiden Standorten wird in der Hauptsache eigentlich Erzquell Pils hergestellt. Das Zunft wurde erst in den 1960ern im Zuge des Kölsch-Boom in das Produktportfolio aufgenommen. Als Gründungsmitglied der Kölsch-Konvention darf Erzqeull auch heute noch Kölsch außerhalb von Köln brauen. Mit insgesamt knapp 120.000 hl pro Jahr zählt man dabei zu den mittelgroßen Kölsch-Herstellern.

Steckbrief

20_Zunft Kölsch-Steckbrief

Bewertung

20_Zunft-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Trotz des eigentlich gar nicht so ästhetischen Äußeren der Flasche findet das Design irgendwie doch Gefallen bei mir. Es vermittelt ein wenig den Eindruck einer provinziellen Bierromatik, da man mit solchen Design ja eher unscheinbarere kleine Brauereien verbindet. Was allerdings heraussticht, ist der Schriftzug „Prost“, welcher bei Erreichen der richtigen Trinktemperatur auf dem Rückenetikett erscheint.

  • Aussehen

Eine ganz leichte Trübung ist erkennbar, während der Schaum doch sehr schwach ist und schnell zerfällt.

  • Geruch

Beim Geruch tue ich mich schwer, da kaum etwas herausriechbar ist. Diese relative Neutralität wird nur von einer seichten Hopfennote begleitet.

  • Geschmack

Im Vergleich zu den meisten anderen Kölsch wieder eher eines der herberen und ein dazu ein geringes Malzaroma. Die kaum vorhandene Spritzigkeit liegt beinahe schon in der Natur des Kölsch. Auch der harmonische und feinherbe Abgang tut nicht sonderlich weh.

  • Fazit

Als erste Flasche eines Six-Packs, welches noch auf Tilgung wartet, bin ich zumindest nicht hoch entzückt und in freudiger Erwartung auf die restlichen fünf. Um dem Zunft aber auch nicht Unrecht zu tun, muss gesagt werden, dass es doch im Grunde ziemlich solide daherkommt. Aufgrund der allgemeinen Charakterschwäche vergebe ich allerdings in Summe nur 9 Pkt bzw. eine 3+.

20_Zunft Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum zünftigen Schluck unter: http://koelner-brauerei-verband.de/historie/geschichte-der-traditionsbrauereien/historie-erzquell-brauerei-bielstein-haas-co-kg-zunft-koelsch.html

Prost!

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Januar 27 2016

19. Gaffel Kölsch

Heute ist es endlich so weit: Mein Lieblings-Kölsch ist an der Reihe: Gaffel. Mit knapp 400.000 hl Ausstoß und einem Marktanteil von 33% in der Gastro bzw. 15% in Einzelhandel ist Gaffel das Kölsch #2. Der Name leitet sich von der kölschen Bezeichnung für Gabel(spieß) ab, wonach auch die politischen Vereinigung der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zünfte und Handelsherren benannt wurden, welche sich allabendlich zu Speis und Trank trafen. Treffpunkt des Stammtischs war das älteste Gebäude am Alten Markt, das deshalb so genannte Gaffel Haus.  Seit Anfang des 14. Jahrhunderts wird dort Bier gebraut, seit 1908 auch wieder unter den Namen Gaffel. Seitdem entstand auch ein zweites Brauhaus am Dom und die Bierproduktion wurde in die Nähe des Hauptbahnhofs verlegt. Dies war insbesondere aus Marketing-Sicht clever, da man bei Einfahrt in den Hbf gar nicht umhin kommt den großen Gaffel-Schriftzug der Brauerei wahrzunehmen. Inzwischen wird jedoch in Porz gebraut und das Gebäude nur noch zur Verwaltung genutzt. Die Flaschenabfüllung findet interessanterweise aus Kapazitätsgründen in Korschenbroich bei Bolten und in der Königshofer Brauerei in Krefeld statt.

Nun will ich aber mal der Anweisung auf der Flasche folgen:

„Genießen Sie mit Gaffel Kölsch ein vollmundiges, einzigartiges Kölsch mit frischem, feinherben Geschmack aus der Familienbrauerei Gaffel.“

Steckbrief

19_Gaffel Kölsch-Steckbrief

Bewertung

19_Gaffel-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Vielleicht ist Gaffel mein Lieblings-Kölsch geworden, weil es in regelmäßigen Abständen und zu Events wie WM oder EM neue Kronkorken herausbringt, sodass ich hier ohne viel Mühen meinen Fundus erweitern kann. Auch die heutige Flasche wurde zugegebenermaßen auch nur aus diesem Grund gekauft. Auf dem Photo vielleicht nicht ganz erkennbar ist auf dem Kronkorken ein mittelalterlicher Kölner Braumeister abgebildet, welcher auch das Wappen der Brauerei ziert. Während dieser also vollends überzeugt, finde ich die Flasche selbst fast schon unauffällig, wobei ich dem blau schon mehr abgewinnen kann als der Vergoldung.

  • Aussehen

Alles fast wie gehabt. Aber nur fast. Meiner Ansicht nach noch etwas gold-gelber als die anderen Kölsch und auch der relativ haltbare Schaum ist noch ein wenig feinporiger als die Konkurrenz.

  • Geruch

Erwartungsgemäß kriecht einem hier ein recht hopfenbetonter Geruch die Nase hoch. Ein Vorgeschmack auf die bereits angekündigte feinherbe Geschmacksnote. Allerdings ist da auch irgendetwas was mich irritiert. Ich kann es schwer in Worte fassen, möchte auch gar nicht den Begriff „Spüli“ verwenden, aber irgendwas stört mich am Gesamtgeruchserlebnis.

  • Geschmack

Wie mir und wahrscheinlich auch 99% aller Gaffel-Trinker bewusst, handelt es sich beim Gaffel und eines, wenn nicht das herbste Kölsch. Begleitet mit einer dem Geruch entsprechenden Hopfennote erinnert es wenig an die anderen klassischen Kölsch auf meiner bisherigen Reise. Vor allem bin ich jedoch überrascht. Bei genauem Hinschmecken fällt mir nämlich auf, wie unharmonisch das Gaffel (zumindest heute) auf mich wirkt. Auch den schlanken und wenig spritzigen Eindruck hatte ich so eigentlich nicht so in Erinnerung (wobei ich auch nie einen derartigen Vergleich zu anderen Kölsch-Marken gezogen hatte).

  • Fazit

Immer eine Familienbrauerei in Privatbesitz bevorzugend und vielleicht auch aus Gründen der „pilsigen“ Geschmackserziehung , war das Gaffel in der Vergangenheit meine erste Wahl – auch für meine Bier-Mix-Cocktails. Heute muss ich allerdings feststellen, dass es rein „objektiv“ nicht in der Spitzengruppe mitspielt. Eventuell ist mein Geschmack aber auch durch die vielen eher süffigen Kölsch in den vergangen Wochen etwas vernebelt. Nichtsdestotrotz vergebe ich für das Gaffel 11 Pkt bzw. eine glatte 2.

19_Gaffel Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Gaffel Kölsch und den anderen Produkten (Gaffel stellt auch diverse Liköre her), den Gaffel Brauhäusern, der Geschichte oder dem Brauprozess unter: http://www.gaffel.de/Startseite.html?ActiveID=1511

Prost!

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Januar 25 2016

18. Sion Kölsch

Um auch ja keine Abwechslung aufkommen zu lassen geht es hier munter weiter auf der Kölsch-Tournee. Heute: Sion. Ein Kölsch was mir persönlich hauptsächlich aus Kneipen und Bars bekannt ist und zudem ich im Grunde keine besondere Beziehung hatte. Seine Geschichte geht bis ins Jahr 1318 zurück, in der das Brauhaus gegründet wurde, in dem Sion seit seiner Markengründung 1912 Bier produziert und ausschenkt. In den ersten Jahrhunderten wurde an dieser Stelle jedoch noch ein sogenanntes „Medebier“ gebraut, welches mit Kräutern und Honig versetzt war. Spätestens seit jedoch Jean Sion das Brauhaus vom Malzmühlenbesitzer Schwartz (siehe 11.) übernahm, wird hier nur noch nach Reinheitsgebot gebraut. Seit den 1990ern gehört Sion dem „Kölner Verbund“ an, welcher inzwischen ein Teil der Radeberger Gruppe ist. So wird Sion u.a. mit Gilden (siehe 13.) in Mülheim gebraut. Nichtsdestotrotz wird die Brauerei in der fünften Generation als Familienbetrieb geführt und verspricht vollmundig auf der Sion-Seite:

„Braukunst ist die Kunst, mit den wenigen Zutaten, die das Reinheitsgebot und die Kölschkonvention vorgeben, etwas Besonderes zu schaffen. Reines Wasser aus eigenem Brunnen, obergärige Hefe aus eigener Reinzucht, bestes Gersten- und Weizenmalz und ausgesuchte Hopfensorten – das Ergebnis daraus kann sich schmecken lassen: spritzig-frisch auf der Zunge, feinherb-hopfig am Gaumen, schlank-elegant im Abgang.“

Mal schaun, was da so dran is…

Steckbrief18_Sion Kölsch-Steckbrief

 

Bewertung

18_Sion-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ein Flaschendesign ohne viel Schnick-Schnack und gerade deshalb mit einem handfesten soliden Eindruck. Die schlichte aber trotzdem elegante Farbgebung sowie die Reduzierung auf das Wesentliche kommen bei mir voll an. Das somit retro-wirkende Design muss lediglich Abstriche hinnehmen, da weder Gründungsjahr noch Stammwürze angegeben werden.

  • Aussehen

Kölsch-gelb, Kölsch-klar – nur der etwas grobporigere Schaum hebt sich geringfügig von anderen Kölsch-Sorten ab.

  • Geruch

Der Geruch hingegen überrascht doch ein wenig. Sehr malzaromatisch süß, lässt es den dann wohl folgenden süffigen Geschmack klar erkennen.

  • Geschmack

Und so ist es dann auch. Das Sion ist wirklich sehr süffig und malzig. Von einer manchmal im Kölsch auch zu findenden herben Note nichts zu schmecken, obwohl dem Bier aus Kostengründen zusätzliche Hopfenextrakte zugesetzt sind. Der Abgang bleibt ohne Irritationen – allerdings hätte es für mich etwas prickelnder auf der Zunge sein können.

  • Fazit

Das Sion bringt es fertig, trotz Teil des Radeberger-Imperiums zu sein, seine Familientradition im Geschmack zu bewahren. Ohne, dass es ganz besonders positiv auffällt, ist in keiner Kategorie ein großes Defizit erkennbar. Das Ergebnis 12 Pkt bzw. eine 2+.18_Sion Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Sion Kölsch unter: http://www.sion.de/index.html

un zum Bräues Sion, welchet sich passend zur fünften Johreszick im Övrijen direkt am Zuchwech des Kölsche Rusemondaachszuch befinget: http://brauhaussion.de/

Prost!

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Januar 22 2016

17. Astra Arschkalt – Winterzeit ist Arschkalt-Zeit

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Im Bezug auf Astra muss ich immer gleich an ziemlich herben Geschmack denken, eigentlich nicht so mein Fall. Bei so mancher Studi-Party blieb einem aber nix anderes übrig.  Beim Arschkalt handelt es sich aber keineswegs um ein typisches Astra. Das einzig typische ist die Werbung. Mit „Ich trinke Arschkalt, heiss bin ich selber“ gibt es eine typische, derbe Werbung zu einem untypischen Astra.

Aber mal vorne angefangen: Die Ursprünge von Astra reichen deutlich weiter zurück als so mancher denken mag: 1647 braute der Holländer Peter I. de Voss bereits den Vorläufer in Hamburg-Altona, damals noch unter dem Namen Bavaria Beer. Ja… ein Holländer der in Hamburg ein Bier Names Bavaria braut… Die tatsächliche Bavaria Brauerei AG wurde erst 1897 gegründet. 1922 fusionierte die Bavaria Brauerei mit der „Actien Brauerei“ Hamburg-St. Pauli und die Bavaria St-Pauli Brauerei war geboren. Das erste Bier unter dem Namen Astra wurde übrigens mit dem Astra Urtyp bereits 1909 produziert, da man der Meinung war der Name würde deutlich besser zu Hamburg passen als Bavaria Beer. 2003 schloss die Brauerei jedoch ihre Pforten und die Marken werden seitdem von der Holsten Brauerei hergestellt.

Arschkalt GrunddatenDas Arschkalt wurde erstmals 2012 produziert und u.a. vermarktet mit kernigen Sprüchen wir „Wer sich nicht zu den Warmduschern an die Glühweinstände stellen will, kann zum Aufwärmen mit einem Astra Arschkalt anstoßen“, wie man es aus Hamburg erwartet.

Mit einer Stammwürze von 13,7% und einem dementsprechend hohen Alkoholgehalt von 5,9% ist das Bier deutlich im oberen Drittel. Die Einordnung nach BJCP ist nicht ganz einfach, ich würde jedoch schätzen es ist ein dunkles Lager, da diese sich durch eben jenen hohen Stammwürze- und Alkoholgehalt sowie das Röstaroma auszeichnen.

Wertung

 

Wertung Arschkalt

Flasche: Eine 0,33l Handgranate, oder besser Eisknolle, mit dem typischen Herz/Anker-Wappen der Hamburger Brauerei. Diesmal jedoch in kaltem Eisblau gehalten. Relativ schlichtes Design, jedoch sehr passend für den Namen: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Sehr schöner bernsteinfarbener Körper, was man auch von einem Bier mit Röstmalznote erwarten würde. Passt im übrigen auch zur Hypothese „Dunkles Lager“. Die Krone oder Blume ist jedoch fast direkt nach Einguss auch wieder komplett verschwunden: 10 Punkte / Note: 2-

Geruch: Nachdem ich es kurz stehen gelassen hatte wanderte langsam ein sehr angenehmes Röstaroma durch den Raum. Kein bitterer oder verbrannter Geruch sondern wirklich sehr aromatisch: 13 Punkte / Note: 1-

Geschmack: Der Geruch hatte mir den Mund schon wässrig gemacht. Ganz anders als andere Astra-Sorten die mich eher zusammenzucken lassen ist dieses Bier nicht herb sondern eher süffig. Wenig Kohlensäure und der schöne Röstmalzgeschmack sowie eine leichte süße machen dieses Bier wirklich zu einer angenehmen Überraschung: 12 Punkte / Note: 2+

Abgang: Auch der Abgang ist nicht unangenehm bitter, wie man es von manchen Dunklen kennt. Ein milder Malzgeschmack macht lust auf den nächsten Schluck: 12 Punkte / Note: 2+

Fazit: Da ich vorher nicht auf die Beschreibung geguckt habe war ich umso mehr überrascht von diesem Astra. Ein insgesamt zwar etwas teureres Bier, für ein dunkles Lager aber geschmacklich und vor allem auch geruchlich sehr zu empfehlen! Und wie in der Werbung angekündigt auch durchaus als Glühweinersatz tauglich! Fazit: 12 Punkte / Note: 2+

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Januar 20 2016

16. Früh Kölsch

Kölsch #5 führt uns direkt zum Dom. Nur vom Roncalliplatz getrennt befindet sich das Cölner Hofbräu Früh in direkter Sichtweite vom ehemals höchsten Gebäude der Welt. 1904 vom Brühler Braumeister Josef Früh im ehemaligen Central Theater errichtet, zählt es heute zu den größten und bekanntesten Kölsch-Marken. Dabei war der Start durchaus holprig. Bereits 1895 gründete Früh die Brauerei Aposteln-Bräu, musste jedoch trotz Fertigstellung lange Zeit auf die Konzession warten, da die Stadt den Bedarf an obergärigem Bier nicht erkannte. Ein ganz gewaltiger Trugschluss, wie sich ja später herausstellen sollte. Nach dem Verkauf und der Eröffnung des Hofbräuhauses in zentraler Domlage sollte sich schnell eine exzellente wirtschaftliche Situation einstellen. Während 90% Kölns in Schutt und Asche lag, überstand das Innenleben der Brauerei mit viel Glück den zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet. In frühen Zeiten (Vorsicht Wortwitz) noch ausreichend, musste im Zuge der gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung 1976 ein neues Brauhaus gebaut werden, da der Ausstoß von inzwischen über 100.00 hl nicht mehr am Domhof umgesetzt werden konnte. Indes ist man mit 370.000 hl drittgrößte Kölsch-Brauerei (der Welt) und bietet mit der „cölncuisine„, welche sich im ehemaligen Braukeller befindet, hochklassiges Catering und Veranstaltungsservice.

„Nach dem Rezept von Peter Josef Früh entsteht in der Familienbrauerei noch heute mit Früh Kölsch eine obergärige Bierspezialität aus besten Zutaten und nach dem deutschen Reinheitsgebot. Ein Lieblingsbier der Kölner, das zu einem Original der Stadt wurde.“

Steckbrief

16_Früh Kölsch-Steckbrief

Bewertung

16_Früh-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Das Flaschendesign ist meiner Ansicht nach insgesamt gelungen. Auch wenn nicht besonders innovativ oder altertümlich, überzeugt das Farbdesign und die gesamte Labelgestaltung. Auf dem Rücketikett befindet sich darüber hinaus mit dem „Slow-Brewing“-Gütesiegel der Hinweis auf eine Brauervereinigung, welche sich vom Einheitsgeschmack abheben möchte. Im Zentrum des Brauprozesses steht dabei die Zeit, ein ökologischer Anspruch sowie die regionale Förderung (weitere Infos siehe unten). Der Kronkorken harmonisiert dabei zum Flaschen- und Markendesign.

  • Aussehen

Auch hier keine besondere Überraschung – auch wenn die Klarheit des Früh nochmals etwas deutlicher heraussticht als die bisherigen Kandidaten. Negativ fällt der schwach-volumige und auch wenig haltbare Schaum ins Gewicht.

  • Geruch

Schon beim Öffnen der Flasche bekommt man regelrechten Bierappetit. Sehr hopfen- und wenig malzaromatisch, riecht das Bier im Glas einfach wie ein Kölsch riechen sollte. Zitrusnoten sucht man (bzw. ich) allerdings fast vergeblich.

  • Geschmack

Der gute Geruchseindruck setzt sich im Geschmack fort. Süffig und weich im Antrunk, feinherb und leicht trocken im Abgang wirkt das Früh sehr ausgewogen und schmeckt richtig lecker. Lediglich die geringe Spritzigkeit könnte man dem Bier vorwerfen.

  • Fazit

Immer wieder bemerkenswert, dass sich doch recht viele Privatbrauereien den großen Bierimperien erfolgreich entgegenstellen können. Dabei liegen die Gründe – wie auch hier beim Früh Kölsch – wortwörtlich auf der Hand. Süffig und trotzdem nicht langweilig, genau das richtige zum Feierabend. Ich könnte es also nicht treffender zusammenfassen, als es Früh schon selbst getan hat:

„Herrlich obergärig“

Deshalb gibt es von mir insgesamt für das Früh-Kölsch 13 Pkt bzw. eine 1-.

16_Früh Kölsch-Bewertung

Mehr Informationen zum Cölner Hofbräu Früh unter: http://www.frueh.de/

Weitere Infos zur Slow-Brewing-Vereinigung unter: http://www.slow-brewing.com/de/home.html

Prost!

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Januar 18 2016

15. Sester Kölsch

Weiter geht es mit der Kölsch-Reise. Heute: Sester. Wie inzwischen die Mehrheit aller Kölsch-Gründungsmitglieder ist auch Sester nicht mehr eigenständig tätig. 1805 von Wilhelm Sester gegründet, war die Brauerei seit 1917 in Ehrenfeld beheimatet. 1928 wurde der Betrieb um eine weitere Stätte erweitert. Dort wurde zunächst hauptsächlich „Kristall“ und Pils sowie das sogenannte Kölsch Alt hergestellt. zum Höhepunkt des Brauhauses in den 1970ern wurde ein jährlicher Ausstoß von über 20.000 hl erreicht. 1993 verkauften die Sester-Nachfahren das Marken- und Braurecht an die Brau und Brunnen AG (heute Teil der Radeberger-Gruppe). Zwar befinden sich die ehemaligen Braustätten noch in Familienbesitz, gebraut wird jedoch seitdem durch Sion in Mühlheim. Lediglich das Vertriebsmanagement ist in Ehrenfeld verblieben.

Steckbrief

15_Sester Kölsch-Steckbrief

Bewertung

15_Sester-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Dem Sünner-Kölsch im Schriftzug gar nicht so unähnlich, überzeugt mich das Flaschendesign jedoch kaum. Eine einfallslose Kombination aus Standard Bauch- und Halsetikett, wird nur durch die historische Darstellung des Hannoveraner Bierkutschengespanns aus besseren Zeiten gerettet. Auch der Kronkorken kommt eher lieblos daher.

  • Aussehen

Wie oben ersichtlich keine Überraschung in der Bierfarbe. Positiv überrascht bin ich aber vom feinporigen und voluminösen Schaum, der doch länger stabil bleibt als erwartet.

  • Geruch

Auch der Geruch ist relativ unauffällig. Ein gewisses Hopfenaroma paart sich mit einer leichten Zitrusnote.

  • Geschmack

Das Sester ist das bisher leichteste Kölsch in meiner Reihe. Schlank und weich im Antrunk sind nur ganz leicht Malzaromen zu schmecken. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen das Bier ist fast geschmacksneutral. Der harmonische (da ebenso charakterlose) und feinherbe Abgang wird von einer kaum spürbaren Spritzigkeit unterstrichen.

  • Fazit

Das Sester wartet also nicht gerade mit einer Geschmacks-Explosion auf. Gerade deshalb ist es sehr schwierig schlussendlich zu bewerten. Weder Geruch noch Geschmack können überzeugen, lediglich die optische Komponente sticht etwas heraus. Aufgrund dieser Belanglosigkeit fällt es mir wirklich schwer dem auf der Flasche prangernden Slogan

„Halt Kölle un uns Braukunst en Ihre“

zu folgen. Ohne zu wissen, wie das Sester vielleicht vor dem Verkauf geschmeckt hat erhält es aktuell von mir nur 8 Pkt bzw. eine 3.

 

15_Sester Kölsch-Bewertung

Prost!

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Januar 16 2016

14. Sünner Kölsch

Heute steht für mich ein ganz besonderes Bier auf dem Plan: das Sünner-Kölsch. Vielen – wie auch mir –  kaum bekannt, ist es jedoch das älteste Kölsch der Welt. 1830 gegründet ist die Brauerei & Brennerei Gebrüder Sünner die älteste heute noch produzierende Kölsch-Brauerei der Welt. Zudem wird seit 1858 im ältesten noch in ursprünglicher Form betriebenen Industriedenkmal Kölns gebraut. Die in sechster Generation in Familienbesitz befindliche Brauerei befindet sich im rechtsrheinischen Kalk, nachdem das Deutzer Stammhaus im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und daraufhin nie wiederaufgebaut wurde. Das heutige Kölsch selbst wurde 1906 auf dem Markt gebracht, nachdem bereits viele Jahre Bock-, Export und Weizenbier sowie das sogenannte „Wieß“ gebraut wurde. Letzteres ist der unfiltrierte und somit naturtrübe Vorgänger des Kölsch, welches erst im Zuge der Industrialisierung die heutige klare Reinheit erhielt. Mit ca. 40.000 hl Produktionsvolumen zählt Sünner zu den mittelkleinen Brauereien und stellt seit jeher neben den obergärigen Kölsch und Weizen auch ein untergäriges Lager her. Dieses ist inzwischen sogar mit ökologisch angebauten Rohstoffen versehen. Die Braugerste aus regionalem Anbau, der Hopfen aus der Hallertau und die Reinzuchthefe werden im heute nur noch selten angewandten offenen Gärverfahren vermengt. Zudem wird im Lohnbrau (also der vertraglichen Erzeugung nicht markeneigener Biere) auch u.a. Severins-Kölsch, Traugott Simon und Colonius Kölsch produziert. Wie der Firmenname bereits verrät, ist der Brauerei eine Brennerei angeschlossen, welche Gin, Wodka, Korn und weitere Schnäpse und Liköre destilliert. Und wie hätte es anders sein können, auch diese ist die älteste und einzige noch produzierende Spirituosenbrennerei Kölns. Zur Produktpalette zählen darüber hinaus auch alkoholfreies Malzbier, Limonaden und Wasser.

Steckbrief

14_Sünner Kölsch-Steckbrief

Bewertung

14_Sünner-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auch das Sünner kommt in einer 0,5l Longneck-Flasche daher und besticht mit einem detailreichen Etikett. Neben dem Brauereiwappen und dem Markenlogo ist ein Bild des Gründervaters Christian Sünner sowie ein Verweis auf die handwerkliche Herstellung abgebildet. Im Hintergrund ist außerdem eine historische Zeichnung des heutigen Brauhauses an der Kalkarer Hauptstraße zu erkennen. Die wichtigsten Rahmendaten sind künstlerisch wertvoll im in Segmenten angeodneten Halslabel untergebracht. In Kombination mit einem ansprechenden Kronkorken, welcher auf die klimaneutrale Produktionsweise hinweist, überzeugt mich insgesamt das Flaschendesign.

  • Aussehen

Die Kölsch-typische gold-gelbe Färbung wird eher Kölsch-untypisch mit einer ganz leichten Trübung begleitet. Die Schaumbildung ist recht durchschnittlich und der sehr feinporige Schaum ist relativ haltbar.

  • Geruch

Das Sünner riecht alles in allem sehr malzaromatisch und leicht hopfenbetont. Neben einer erwartbaren Zitrus-Note sind auch eher süßlichere Bananen-ähnliche Nuancen erriechbar.

  • Geschmack

Der interessante Geruch hatte es schon ein wenig angedeutet: Das Sünner überrascht – zumindest mich. Sonst eher herbere oder matt schmeckende Kölsch gewohnt, ist das Sünner das süffigste mir bekannte seiner Art. Der malzaromatische Geruch setzt sich dabei auch im Geschmack fort. Das insgesamt weich schmeckende Bier ist wenig prickelnd und angenehm harmonisch. Mit einer feinherben Note schmeckt es es extrem ausgewogen und weist keine großen Defizite auf. Absolut überzeugend also.

  • Fazit

Zusammenfassend kann ich zum Sünner Kölsch nur sagen: Respekt! Erfahrung, handwerkliche Braukunst, ausgewählte Zutaten und Familientradition scheinen wirklich einen Unterschied zu machen. Vor allem im Gegensatz zum eher durchschnittlichen Gilden Kölsch ist der Qualitätsunterschied deutlich. Selbst mein bisheriges Lieblings-Kölsch, das Gaffel muss sich nun warm anziehen. Hier passt einfach fast alles. In Summe erhält das Sünner trotz einiger Abstriche im Aussehen und Geruch von mir 13 Pkt. bzw. eine 1-.

14_Sünner Kölsch-Bewertung

Auf dem hinteren Flaschenetikett steht folgendes geschrieben:

„Die Familienbrauerei und -brennerei Gebr. SÜNNER ist die älteste Kölsch-Brauerei der Welt. Wir stellen seit 1830 Bierspezialitäten in traditioneller offener Gärung, unter Verwendung von hauseigenem Brunnenwasser, bestem Malz und feinsten Hopfen, her und sind die einzige noch produzierende Spirituosenbrennerei in Köln. Danke für die Unterstützung von Handwerk und Tradition und für den Erwerb dieses Produktes.“

Sehr gerne – ich habe zu danken!

Weitere Informationen zum ältesten Kölsch: http://www.suenner-brauerei.de/index.php

Prost!

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Januar 14 2016

13. Gilden Kölsch

Auf der nächsten Station meiner Kölsch-Reise liegt heute das Gilden-Kölsch. 1869 gegründet befindet sich die Brauerei seit jeher auf der sogenannten „Schäl Sick“ im 1296 erbauten Gilden-Haus im rechtsrheinischen Köln-Mühlheim. Als Mitglied des Haus Kölscher Brautradition gehört es zur Radeberger-Gruppe, der größten Brauerei-Gruppe Deutschlands. Die Gilden-Brauerei gehört mit etwa 250.000 hl zu den mittelgroßen Brauereien im deutschen Vergleich. Vertreten in allen Kölner Veedeln ist Gilden auch offizieller Kölsch-Lieferant der LANXESS-Arena. Seit 1998 sponsert die Brauerei außerdem die Eishockeymannschaft Kölner Haie.

„Gilden Kölsch ist eine erlesene obergärige Bierspezialität mit feiner Note von ausgesuchtem Hopfen. Es wird mit eigenen Hefekulturen nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.“

… heißt es in der eigenen Beschreibung. Mal sehen, ob es auch hält, was es verspricht?

Steckbrief

13_Gilden Kölsch-Steckbrief

Bewertung

13_Gilden-Kölsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

In der 0,5l Longneck-Flasche präsentiert Gilden sein Kölsch im grün-goldenen eher unaufgeregtem Design. Auf dem Kornkorken prangt ebenso wie auf dem Etikett das Brauerei-Wappen nebst historisch angehauchtem Marken-Schriftzug. Auch wenn ich dem grün durchaus etwas abgewinnen kann, überzeugt mich dieses „Standard-Design“, welches weder modern noch richtig altertümlich ist, nicht.

  • Aussehen

Für ein Kölsch typisch erscheint es ohne jegliche Trübung goldgelb im Licht. Der Schaum, wie im obigen Bild erkennbar ist zwar feinporig, jedoch relativ schwach und schnell zerfallend. Deshalb auch hier einige Abstriche.

  • Geruch

Nach meinen bisherigen Kölsch-Erfahrungen war ich an dieser Stelle etwas überrascht. Das Gilden riecht grundsätzlich recht malzaromatisch und leicht hopfenbetont. Allerdings kommt zwischendurch auch ein klar süßlich-karamelliger Geruch durch, der etwas irritiert, aber auch die Spannung auf den ersten Schluck erhöht.

  • Geschmack

Tsja, was soll man dazu sagen? Wie bereits erwähnt handelt es sich um ein (wie ich es bezeichne) Industriebier. Und so schmeckt es auch. Der Ersteindruck ist leicht mit einer geringen Hopfen- und Hefenote. Dabei ist es weder richtig süffig, noch richtig herb. Im Vergleich zu meinen bisher vorgestellten Bieren, ist hier dieser Industriegeschmack am deutlichsten erkennbar. Im Frischeeindruck wenig prickelnd und matt ist auch der Abgang eher trocken, feinbitter und dumpf. Weder die eigenen Hefen noch die die ausgewählten Hopfensorten sind wirklich schmeckbar. Vielmehr wird deutlich, dass Hopfenextrakt nicht wirklich zur Geschmacksexplosion beiträgt.

  • Fazit

Insgesamt hätte ich mir von diesem traditionellen Kölner Bier etwas mehr erwartet. In keiner Kategorie kann es wirklich überzeugen, ist aber auch zu keinem Zeitpunkt klar unterdurchschnittlich. Es erinnert mich ein wenig an die vielen schönen Abende bei Alex. Dort haben wir zwar nicht oft Kölsch getrunken, allerdings versetzt mich der (Industrie-)Geschmack sofort um einige Jahre zurück. Deshalb bin ich etwas gnädig und vergebe in Summe 9 Punkte bzw. eine 3+.

13_Gilden Kölsch-Bewertung

Weitere Informationen zur Brauerei: http://www.gilden.de/

Prost!

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Januar 13 2016

12. Pott’s Prinzipal – Münsterländer Original

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Heute widmen wir uns einem Stück Münsterland, dem Pott’s Bier. Anstatt des bekannteren Landbieres geht es heute aber um das Prinzipal. Zunächst sei gesagt, dass die Brauerei Pott’s 1769 gegründet wurde. Damals kaufte ein gewisser Franz-Arnold Veltmann eine Landwirtschaft mit Brauerei und Bäckerei in der Stadt Oelde vom Jesuitenkloster „Haus Geist“. Heute wird das Unternehmen bereits in der 7. Generation von Jörg Pott geführt und dies passiert seit je her nach „Pott’s Gesetz“:

Die Brauereifamilie Pott braut seit 1769 feine, bekömmliche Bierspezialitäten. Pott’s Biere weisen durch besonders naturbelassene Braukunst nicht nur ein Mehr an Geschmack, sondern auch ein Mehr an natürlichen Inhaltsstoffen auf. 

Potts GrunddatenDas Pott’s Prinzipal ist ein Pilsener, nach der Klassifikation des BJCP kann es allerdings nicht mehr unter das Deutsche Pilsener fallen. Mit einer Stammwürze von 12,5 (Deutsches 12,3) und einem Alkoholgehalt von 5,3% (Deutsches: <5,2%) liegt es wohl im Bereich des Böhmischen Pilseners. Dieser höhere Stammwürzegehalt wird auf schon durch die Flaschenaufschrift angekündigt. Ein malzigerer Geschmack sollte die Folge sein, schaun wir mal!

Wertung

Potts Wertung

Flaschendesign: Als Bügelflasche gibt es hier von mir wieder einen Sonderpunkt (einen schönen Plop gab es auch). Ansonsten bist auf die gute Beschreibung des Biercharakters auf der Rückseite nichts wirklich besonderes: 9 Punkte / Note: 3+

Bier im Glas: Ein sehr helles gold wie es zur Beschreibung eines typischen Böhmischen passt. Etwas zu hell für meinen Geschmack, wirkt leicht wässrig dadurch: 8 Punkte / Note: 3

Geruch: Ein sehr schön würzig- malziger Geruch ohne irgendwelche störenden Geruchsnoten, wirklich sehr appetitanregend: 12 Punkte / Note: 2+

Geschmack: Schließt sich nahtlos dem schönen Geruch an. Ein süffiges Bier mit wenig Kohlensäure, einem sehr würzig-malzigen Geschmack ohne unangenehme süße oder bittere Note hat. Leichte süße wenn überhaupt. Kann man durchaus in größeren Mengen so wegtrinken 😉 13 Punkte / Note: 1-

Abgang: Sehr schön auch der Abgang, hinterlässt keine Bitterkeit auf der Zunge. Den malzigen Charakter spürt man das ganze Geschmackserlebnis hindurch: 13 Punkte / Note: 1-

Fazit: Ich tue mich immer schwer eine eins zu vergeben, außer an die allerbesten Biere. Auch hier ist es haarscharf daneben da das Auge ja doch mitentscheidet. Der Geschmack würde es allerdings absolut rechtfertigen, ein Bier das ich mir durchaus regelmäßig gönnen könnte!

Gesamtnote: 12 Punkte / Note: 2+

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Januar 11 2016

11. Mühlen Kölsch

Auch am heutigen Montag scheint der Trend der Biere mit Weizenmalz anzuhalten. Allerdings tauchen wir diesmal erstmals in die große und doch lokal sehr begrenzte Welt des Kölsch ein.

Das Kölsch, so populär es auch heute insbesondere im westdeutschen Raum ist, entstand in seiner heutigen Form erst Anfang des letzten Jahrhunderts. Es ist also – historisch gesehen – noch ein relativ jugendliches Bier. Gab es kriegsbedingt 1945 nur noch zwei Kölsch-Brauereien, stieg die Anzahl bis zu den 1960ern wieder auf über 20 an. Im Zuge des neuerlichen Aufschwungs des Bieres stellte das Oberlandesgericht Köln 1980 fest, dass das Kölsch nicht nur den Biertyp, sondern auch seine Herkunft definiere und somit nicht mehr außerhalb des Kölner Gebiets hergestellt werden dürfe. Als Resultat hieraus trat 1983 die sogenannte Kölsch-Konvention in Kraft. Unterzeichner waren sämtliche damals produzierenden Kölsch-Brauereien, die folgende Kriterien an ein Kölsch festhielten:

„Die Bezeichnung Kölsch ist seit alters her eine qualifizierte geographische Herkunftsbezeichnung für nach dem Reinheitsgebot hergestelltes helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes obergäriges Vollbier […].“

Zudem sei es ausschließlich in Köln herzustellen. Ausnahmen bilden lediglich, die bereits damals bestehenden Kölsch-Brauereien außerhalb Kölns.

Von den 1983 unterzeichnenden Kölsch-Brauereien sind inzwischen noch elf tätig. Eine davon ist die Brauerei zur Malzmühle am Heumarkt – Familienbrauerei in der fünften Generation. Wie es der Name erahnen lässt, wurde hier seit 1858 ursprünglich alkoholarmes Malz-Bier hergestellt. Von den aktuell etwa 37.500 hl Ausstoß geht inzwischen jedoch der Großteil auf das Kölsch zurück. Neben Kölsch wird auch Weizen gebraut, was aufgrund der ähnlichen Produktionsprozesse im Grunde nahe liegt, jedoch nur von wenigen anderen Kölsch-Brauereien praktiziert wird. Kölsch und Weizen unterscheiden sich im Übrigen grundsätzlich durch das Verhältnis von Gersten- zu Weizenmalz sowie der Verwendung unterschiedlicher Hefen. Seit 2011 gibt es auch das Gourmet-Bier „von Mühlen“ auf Champagner-Basis. Außerdem wird auch ein Kräuterschnaps („Mühlen-Kräuter“) hergestellt und vertrieben.

 

Steckbrief:

2_Mühlen Kölsch

Bewertung:

SAM_0275

  • Flaschendesign + Kronkorken

Außergewöhnlich für ein Kölsch, wird das Mühlen-Kölsch in der bauchigen 0,5l Euro-Flasche abgefüllt und vertrieben. Das sowie auch das farblich schlichte und dennoch nicht billig gehaltene Äußere trifft meinen Geschmack. Auch der Kronkorken mit der schwarzen Hintergrundfarbe – angelehnt an die Inhaberfamilie Schwartz – kann in meinen Augen überzeugen.

  • Aussehen

Obwohl das Kölsch laut Konvention nur in der bekannten 0,2l-Stange ausgeschenkt werden darf, habe ich trotzdem mal zur Verköstigung das Kölsch-Gesetz gebrochen. Die im Licht scheinende goldgelbe Farbe wird (wie es das Gesetz will) von einer nicht wahrnehmbaren Trübung unterstrichen. Der Schaum erweist sich als feinporig, relativ kräftig und normal haltbar.

  • Geruch

Auch hier weicht das Mühlen nicht von der gesetzlich vorgeschriebenen Hopfenbetonung ab. Zudem sind aber auch Zitrusnoten erkennbar. Insgesamt ein sehr reiner und klarer  Geruch.

  • Geschmack

Geschmacklich muss ich sagen, macht das Mühlen einen guten Ersteindruck. Der weiche aber wenig süffige und würzeartige Geschmack erinnert mich zunächst auch an Gaffel – eines meiner Lieblings-Kölsch. Auch die leicht prickelnde Rezenz und der kräftig betonte und feinherbe Abgang ist sehr solide. Allerdings will auch bis zum Schluss der Funke nicht überspringen. Ich kann zwar „objektiv“ keinen wirklichen Kritikpunkt finden, dem Bier fehlt es meiner Meinung nach jedoch an dem besonderen Etwas, der mir auch länger in Erinnerung bliebe.

  • Fazit

Auf meinem Wege durch die Kölsch-Welt stellt das Mühlen-Kölsch den Startpunkt dar.  Vermutlich eines der herbsten unter den doch recht süffigen Kölsch, kommt es meinem Geschmack zwar sehr entgegen, allerdings bleibt es mir insgesamt zu blass. Da ich aber ein Herz für privat geführte Brauereien habe erhält das Mühlen-Kölsch heute von mir in der Gesamtwertung 11 Punkte bzw. eine 2.

2_Mühlen-Kölsch-Bewertung

Zum Schluss noch eine kleine historische Anekdote: Im Rahmen des G8-Gipfels 1999 konnte das Brauhaus den damaligen US-Präsident Bill Clinton an Gast begrüßen. Bei rheinischem Sauerbraten konnte er sich dort auch von der deutschen Braukunst überzeugen.

Weitere Informationen zur Brauerei: http://www.muehlenkoelsch.de/

Mehr Infos zur Kölsch-Konvention (mit Originallaut): http://www.koelner-brauerei-verband.de/k%C3%B6lsch-konvention

Prost!

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Januar 10 2016

10. Artländer Nox – das milde Dunkle

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Die Artland Brauerei Hof Renze in Nortrup liegt in der Samtgemeinde Artland im Norden des Osnabrücker Landes. Das Motto „aus der Region für die Region“ spiegelt sich auf allen Ebenen wieder. Gerade mal 2 Biere, das Artländer Pilsener & das Artländer Nox werden dort gebraut. Gegründet wurde Sie 2007 im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms  in dem leerstehenden Gebäuden ein neuer Nutzen gegeben wurde. Seither befindet sich in der ehemaligen Wagenremise das Sudhaus und somit das Herzstück der Brauerei. Die alte Strohscheune und ein Teil des Vielstalls sind neuerdings Gär- und Lagerkeller. Das Bier wird ausschließlich mit Zutaten aus der Region gebraut und (fast) ausschließlich in Märkten im Landkreis Osnabrück vertrieben.

Grunddaten Nox

Wertung

Hier bin ich etwas gespalten, während es besser schmeckt als ich zunächst gedacht hatte aber insgesamt doch nicht „gut“ gut.

Wertung

Flaschendesign: Das einzig bemerkenswerte ist das Drachenlogo, welcher gleichzeitig auch das Wappentier der Region ist. Der bein- und flügellose Drache sieht aber leider eher aus wie ein böses Seepferdchen. Auch die Farbe ist im Artländer rot gehalten, nicht ganz überraschend wenn man den regionalen Charakter bedenkt: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Der angekündigte malzige Charakter spiegelt sich hier sehr schön wieder. Die goldbraune, bernsteinfarbene Farbe mit einer schönen Schaumkrone ist passt sehr schön: 11 Punkte / Note: 2

Geruch: Der etwas süße Geruch passt gut zur malzigen Farbe. Eine etwas säuerliche Note hat mich dann aber doch etwas gestört: 9 Punkte / Note: 3+

Geschmack: Die wichtigste Kategorie bestätigt dies, der Geschmackskörper hat leider eine etwas süß-säuerliche Note. Das Bier ist wie angekündigt sehr mild und süffig mit sehr wenig Kohlensäure. Dies spielt aber recht gut mit dem malzigen Charakter des Bieres zusammen. Eine Hopfenbitterkeit sucht man vergeblich. Für meinen Geschmack etwas sauer: 9 Punkte / Note: 3+

Abgang: Der Abgang und vor allem der Nachgeschmack hinterlassen diesen süß-säuerlichen Charakter auf der Zunge, nicht ganz so schön: 8 Punkte / Note: 3

Fazit: Ein durchaus trinkbares Bier, da der Charakter insgesamt nicht alltäglich und schon was besonderes ist. Ein regionale Bier das man durchaus hin und wieder genießen kann. Aufgrund des Geschmacks mit der säuerlichen Note aus meiner Sicht aber keine 2, deshalb: 9 Punkte / Note: 3+

Im Übrigen kann man diese kleine Brauerei auch besichtigen. Auf den Touren gibt es in netter Bauernhofatmospäre zusätzlich zur Besichtigung mit dem Braumeister persönlich im Anschluss auch reichlich Bier und regionale Food-Spezialitäten.

Näheres dazu auf: http://www.artland-brauerei.de

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Januar 9 2016

9. Endlich Daheim – ein Augsburger Original aus der Brauerei von nebenan

Hasenbräu: Weißer Hase:

Nach der letzten Notlösung in Sachen Bier konnte nun ein Besuch des örtlichen Getränkemarktes erfolgen. Somit sind Keller & Kühlschrank neu aufmunitioniert und für alles bereit.

Heute kam ein wunderbares Hasenbräu: Weißer Hase auf den Tisch. Die entsprechende Brauerei samt Brauhaus und Biergarten befindet sich im alten Schlachthofquartier 3-4 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Somit handelt es sich praktisch um meine Hausbrauerei.  Ein altes Augsburger Sprichwort (auch frei nach meinem Großvater) „Hasenbräu?! Des kannsch den Hasen geben“  Man findet in Augsburg in der Tat wenig Menschen, die sich offen zum Hasenbräu bekennen.  Ich gehöre allerdings dazu. Zwar landet es nicht oft im heimischem Braukeller, jedoch freue ich mich stets wenn eine heimische Gastronomie es als 1. im Zapfhahn hat und nicht unbedingt Riegele ausschenkt.

Weißer Hase

 

Die Geschichte:

Eine Augsburger Brauerei, die auf eine mehr als 500-jährige Brauereihistorie zurückblicken kann:

In der alten Tradition des „Haus-Preus“ (Hausbrauereien) lässt Hasen-Bräu Augsburg seit einigen Jahren in der denkmalgeschützten Kälberhalle Bier brauen, die damit Brauerei und Gastwirtschaft in einem ist. Das „Augsburger Brauhaus zum Hasen“ kann hier fassfrisch genossen werden. Gebraut wird nach überlieferten Rezepturen und mit Zutaten aus der Region. Wenn gebraut wird, können Gäste der Kälberhalle den Brauern über die Schulter schauen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Aktienbrauerei zum Hasen Augsburg, der Volksmund sprach von der „Hasenbrauerei“ die größte Brauerei in Augsburg und Schwaben, ja sie zählte sogar zu den bekannten Großbrauereien Bayerns. Von dieser alten Herrlichkeit ist nicht viel übrig geblieben.

Hasen-Bräu gehört heute zur Tucher Bräu GmbH in Nürnberg, die wiederum zur Oetker-Gruppe und damit zur Radeberger Gruppe gehört.

Schon 1464 gab es in Augsburg die Vorläufer-Brauerei von Hasen-Bräu. Damals gab es in Augsburg viele „Haus-Preus“, also kleine Hausbrauereien. Einer dieser „Bierpreu“ war Ulrich Alpershofer, der 1464 in seiner Schänke „Zu den drey Glass“ in großen Bottichen am offenen Feuer sott. Schon 1463 kann für diese Schänke die Bierschenkengerechtsame neben einer noch älteren Bäckereigerechtsame nachgewiesen werden.

Mehrere Generationen übten in diesem Haus sowohl das Bäcker- wie das Brauerhandwerk aus – bis zum 1. März 1589. An dem Tag trennte man die „Bierschenkenbehausung“ von dem „Beckenhaus“ ab. Es wurde die Brauerei „Zu den drei Glas“ gegründet. Sie lag in der Bäckergasse 17 (früher noch Litera A 333 und A 334) und erhielt 1801 den Namen „Zum Hasen“. Ab 1589 nahm also die Brauerei unabhängig von der Bäckerei ihren eigenen Weg.

Bis zum Jahr 1815 sind 34 Besitzerwechsel der Brauerei „Zu den drei Glas“ nachzuweisen. 1815 kam die Brauerei in das Eigentum des Bierbrauers Matthias Rösch, der die Brauerei in vierzigjähriger unermüdlicher Arbeit zu großer Blüte brachte. Er starb 1855. 1820 erwar Matthias Rösch das Anwesen Litera A 333, 1846 Litera A 335. Durch Betriebserweiterungen konnte er bis 1850 die Bierproduktion verdreifachen.

Diese erfolgreiche Entwicklung setzte sein Sohn Joseph Matthias Rösch fort, der die Brauerei 1858 übernahm. Weil das Anwesen Bäckergasse 17 nicht mehr zum Brauen ausreichte, jedoch nicht erweitert werden konnte, kaufte Joseph Matthias Rösch das Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters zwischen der Kaiserstraße und der Armenhausgasse. Zuletzt trug dieses Gelände die Adresse Konrad-Adenauer-Allee 33.

Am 20. November 1890 gründete die Brauerei „Zum Hasen“ die „Actienbrauerei zum Hasen vorm. J. M. Rösch“. Die Gründung der Aktiengesellschaft diente der Finanzierung des Brauerei-Neubaus.

1898 wurde die Exportbierbrauerei Schnapperbräu? zugekauft und ein Jahr später konnte man die neue Braustätte an der heutigen Konrad-Adenauer-Allee in Betrieb nehmen und die Produktion im Stammhaus aufgeben. Das Stammhaus in der Bäckergasse 17 machte man 1902 zur Gaststätte „Zur alten Hasenbrauerei“. 1907 starb der erfolgreiche Joseph Matthias Rösch. Bis zum Ersten Weltkrieg setzte man den Erwerb kleinerer und größerer Brauereien fort.

Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Hasen-Bräu 1920 die Brauerei Lorenz Stötter AG und ein Jahr später fusionierte diese größer gewordene Augsburger Brauerei mit der AG Kronenbräu. Daraus ergab sich der neue Name „Actienbrauerei zum Hasen Lorenz Stötter und Kronenbräu“. Die Augusta-Brauerei, die durch die letzte Fusion zum Eigentum geworden war, stieß die Firma schnell wieder ab, weil man diese Braustätte nicht brauchte. 1924 übernahm Hasen-Bräu die Actienbrauerei Augsburg, vormals J. M. Vogtherr, was durch Ausschluss der Liquidation als Ganzes gegen Gewährung von Aktion der Actienbrauerei zum Hasen, Lorenz Stötter und Kronenbräu geschah. Dadurch entstand die „Actienbrauerei zum Hasen Augsburg mit Lorenz Stötter, Kronenbräu, Vogtherr“. Als Firmierung üblich wurde Aktienbrauerei zum Hasen.

In den 1930er Jahren engagierte sich die Bayerische Vereinsbank? immer stärker finanziell an der Hasenbrauerei. Die Firma besaß Betriebsstätten an der Kapuzinergasse, am Katzenstadel (frühere AG Kronenbräu) und am Lauterlech (frühere Stötter-Mälzerei). Dazu kamen noch weitere Firmenanwesen, insgesamt etwa 30. Alle diese eigenen Anwesen der Brauerei wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Das Stammhaus in der Bäckergasse 17 wurde 1944 total zerstört.

Während der Aufbaujahre nach dem Krieg legte die Firmenleitung großen Wert auf die Modernisierung und Rationalisierung und brachte das Unternehmen so wieder in Schwung.

1950 übernahm Hasen-Bräu Klosterbräu Scheyern.

In den 1960er Jahren begann Hasen-Bräu alkoholfreie Getränke in die Produktion aufzunehmen.

1973 übernahm die Hasenbrauerei Prügelbräu und 1975 Fortunabräu.

1980 änderte man die Firmierung in „Hasen-Bräu AG“.

1992 integrierte die Hasen-Bräu Bürgerbräu Augsburg-Göggingen.

1996 besaß die Bayerische Vereinsbank 77 Prozent der Aktien der Hasen-Bräu AG. Diese 77 Prozent der Aktien verkaufte die Bank damals an Jannik Inselkammer. 1997 trat die Hasen-Bräu AG ihre Betriebsrechte an die Tucher-Bräu-KG, die zur Inselkammer-Gruppe gehörte, ab und wurde dadurch an Tucher-Bräu beteiligt.

1998 firmierte die Hasen-Bräu AG zu Hasenbräu Brauereibetriebsgesellschaft um. Damals beschäftigte sie noch 170 Mitarbeiter und stieß etwa 340.000 Hektoliter Getränke aus, wovon 140.000 Hektoliter alkoholfrei waren.

2003 kaufte die Inselkammer-Gruppe Hasen-Bräu komplett auf, wodurch Hasen-Bräu zur Brau und Brunnen AG kam und als Produktionsgesellschaft geführt wurde. Schon ein Jahr danach wurden Tucher und damit auch die Hasenbrauerei an den Oetker-Konzern weitergereicht. So wurden Tucher und Hasen Teil der Radeberger Gruppe.

Im März 2010 gab die Hasen-Brauerei bekannt, dass sie bis Mitte 2011 ihren ganzen Brauereibetrieb von der Weiten Gasse auf ein Gelände im alten Schlacht- und Viehhof Augsburg verlegt.

Am 16. November 2011 kamen etwa 250 Gäste zur Eröffnung der Hasenbräu-Gaststätte auf dem Gelände des Schlachthofs, die etwa zwei Millionen Euro gekostet hat.

Quelle: augsburgwiki.de direkt zitiert

Grunddaten:

Weißer Hase_Charakteristika

Wie klar zu erkennen ist, handelt es sich beim „Weißen Hasen“ um ein Weizenbier. Genauer gesagt um eine helle bayerische Weisse. Das Bier ist entsprechend obergärig gebraut, hat einen normalen Alkoholgehalt und eine ebenfalls adäquate Stammwürze.

Flaschendesign:

Bei der Flasche handelt es sich um eine Standard 0,5 l Bayerisch-Hell Flasche. Soweit, so normal. Dies ist jedoch für das Weißbierformat ungewöhnlich. Aber es gefällt. Der genannte weiße Hase vor weiß-blauem bayerischen Grund, „bewaffnet“ mit Hopfen und Malz sowie durch Weizenähren flankiert ist ein echter Hingucker. Da sich jedoch die normale Braunglasflasche mit Kronkoren nicht von vielen 0815-Bieren teils bierigem Inhalt unterscheidet, gibt es hier Abzüge.

10 Punkte

Weißer Hase

Im Glas:

Eingeschenkt zeigt der Hase sein glänzendes Fell. Für ein Weizenbier ist die Farbe sehr hell, was sicherlich auf den relativ geringen Hefeanteil zurückzuführen ist. Die Schaumbildung ist schön prickelnd und der Schaum hat lange Bestand. Somit hat man ein original bayerisch-schwäbisch eingeschänktes Weißbier.

13 Punkte

Geruch:

Der Geruch vervollständigt die hohen Erwartungen und lässt einem das Wasser im Munde zusammen laufen. Kohlensäure kitzelt in der Nase, ein charaketristischer Getreidegeruch mit einer entschiedenen Fruchtnote steigt auf und formt eine wunderbare Blume.

14 Punkte

Geschmack:

Kommen wir zur wichtigsten Kategorie eines Bieres: dem Geschmack.

Man stelle sich dieses Bier an einem heißen Sommertag auf einer Alm, einem Gasthaus in den westlichen Wäldern oder einem Weißwurschtfrühstück vor….. ein Gedicht. Es erfrischt, es prickelt! Es schmeckt! Das Bier ist besonders für ein Weißbier extrem süffig! Ein bitterer Geschmack kann sich in keiner Weise einstellen (dies spricht für einen niedrigen Hopfengehalt). Dagegen ist der Getreidegeschmack relativ deutlich, formt jedoch mit der starken Spritzigkeit und Leichtigkeit ein gutes Gaumenerlebnis. Eigentlich perfekt…. jedoch fand die Verkostung nicht an einer der genannten Örtlichkeiten statt, sondern an einem winterlichen Abend in geschlossenen Räumlichkeiten. Als Beilage fungierte ein schmackhafter Gemüseeintopf…. und schon kann die Spritzigkeit und Leichtigkeit als Eindimensionalität gewertet werden. Andere Verkoster nannten das Bier langweilig. Diesem kann ich mich jedoch nicht anschließen. Gesamt gibt sich hier dennoch ein wirklich gutes Ergebnis.

12 Punkte

Abgang:

Das genannte Spezifikum, das sich in Punkto Geschmack negativ auswirkt, setzt sich im Abgang fort! Der Geschmack des Bieres ist schnell vorbei und eine etwaige Vielschichtigkeit kann sich nicht etablieren.

10 Punkte

Gesamtbewertung und Fazit gut (+) 12 Punkte:

Letztlich handelt es sich bei dem Bier meiner Ansicht nach um einen echten Augsburger Klassiker! Es schmeckt! Dabei wirkt es deutlich leichter und weniger hopfig sowie weniger hefig als das bayerische Standart-Weißbier. Somit hat es insgesamt etwas von einer „Leichten Weissen“ bzw. einem „Leichten Weizen“, das sich in teilen Bayerns einer gewissen Beliebtheit erfreut. (Kinderbier / Autofahrerbier usw 😛 )

Insgesamt ist dieses Bier Jedem zu empfehlen, der einen leichten, süffigen und erfrischenden Weißbiergenuss sucht.

Bewertung_weißer Hase

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Januar 8 2016

7. Detmolder Thusnelda – Bier des Jahres 2013

Im Vorfeld dieses Projektes habe ich mir natürlich auch besonders Gedanken gemacht welche regionalen Spezialitäten man hier unter die Lupe nehmen könnte und bin ziemlich schnell auf das Detmolder Thusnelda gestoßen. Die Auszeichnung „Bier des Jahres“ wird im übrigen seit 1998 vom ProBier-Club verliehen (www.bierclub.de). Sogar die Kanzlerin hat bei einem Besuch in Detmold das Bier schon probiert und gelobt, Grund genug sich dies mal anzuschauen.

Detmolder Thusnelda

Thusnelda & Arminius

Detmold liegt von Osnabrück gesehen auf der anderen Seite des Teutoburger Waldes in der Region Westfalen, genauer Ostwestfalen-Lippe. Das Bier ist in sofern eine besondere regionale Spezialität da der Name sich auf die Frau des Arminius bezieht. Arminius war ein Cheruskerfürst und wird auch „Befreier Germaniens“ genannt da er in der berühmten Varusschlacht um 9 n. Chr. den Römern eine ihrer schlimmsten Niederlagen beibrachte. Der Ort der Schlacht wird u.a. bei Kalkriese im Osnabrücker Land vermutet, aber auch in Ostwestfalen. So erinnert das Hermannsdenkmal südwestlich von Detmold ebenfalls an eben jenen Arminius. Der Slogan „Probieren auch Sie unser neues „germanisch-
erfrischendes“ Detmolder Thusnelda-Bier!“ ist umso passender.

Detmolder wird von der Privat-Brauerei Strate in Detmold hergestellt. Gegründet 1853 von Adolf Hüppe ist sie vergleichsweise jung und mit 3 Mitarbeitern recht klein. Ein Markenzeichen ist die Abfüllung in Bügelfalschen. Nach Flensburger ist sie die Brauerei mit den zweitmeisten vertrieben Einheiten in eben jenen. Neben der Marke Detmolder in allen Variationen (am bekanntesten ist wohl das Landbier), stellt die Brauerei auch die Marke Hövelhofer her.

Grunddaten

Ein großer Nachteil bei diesen Spezialbieren ist die schlechte Verfügbarkeit von Daten. Festzustellen war, dass es sich hier um ein Pilsener handelt und höchstwahrscheinlich dem Typ „Deutsches Pilsener“ nach BJCP zuzuordnen ist. Mit einem Alkoholgehalt von 4,8% liegt es hier im durchschnittlichen Bereich.

Bewertung

Das wichtigste ist jedoch die Wertung und hier war ich durchaus positiv überrascht.

Wertung

Flaschendesign: Als Fan von Bügelflaschen bekommt das Thusnelda schon mal einen Sonderpunkt, aber im Ernst: Das Design des Etiketts mit der archaischen germanischen Schrift, den römischen Soldaten (ähnlich wie bei Asterix & Obelix) sowie der üppigen, blonden germanische Maid mit dem Flügelhelm darauf ist eine sehr gelungene Anspielung auf den historischen Hintergrund: 13 Punkte / Note: 1-

Bier im Glas: Die helle goldene Farbe ist wie man es von einem Pilsener erwartet. Zudem gab es eine schöne Schaumkrone, die jedoch etwas schnell zusammefällt: 11 Punkte / Note: 2

Geruch: Der Geruch ist malzig und erinnert auch etwas an Brot. Eine leichte Bitternote hat mich dann aber doch etwas abgeschreckt: 10 Punkte / Note: 2-

Geschmack: Der Geschmack hat mich dann positiv überrascht. Eine fruchtig-getreidige Note spielt sehr gut mit einer leicht herben Note zusammen und der ordentliche Kohlensäuregehalt (den ich besonders bei etwas herben Bieren für die Geschmacksbewertung für sehr relevant halte) bilden insgesamt ein sehr rundes Geschmacksbild: 12 Punkte / Note: 2+

Abgang: Der Abgang hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack sondern das Perlen der Fruchtigkeit auf der Zunge führt vielmehr dazu, dass man sofort den nächsten Schluck nehmen möchte: 12 Punkte / Note: 2+

Fazit: Ein Pilsener das mit seiner schönen regionalen Geschichte, einer guten Aufmachung und einem überdurchschnittlich guten Geschmack überzeugen kann. Zurecht zu einem „Bier des Jahres“ gewählt! Durchaus auch etwas das ich zu meinem Hausbier machen würde. Insgesamt: 12 Punkte / Note 2+

Prost, bis zum nächsten Beitrag!

 

Katgeorie:Bierrezension | Kommentare deaktiviert für 7. Detmolder Thusnelda – Bier des Jahres 2013
Januar 7 2016

6. Erdinger Alkoholfrei

Ja, auch alkoholfreie Biere sind nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Es handelt sich um ganz normale Biere, denen entweder am Ende des Brauprozesses der Alkohol entzogen wird, oder der Brauprozess gestoppt wird, bevor sich Alkohol bildet.

Alkoholfreie Biere werden (immer noch) etwas belächelt. Und so auch die Trinker von alkoholfreiem Bier. Dabei wird aber ein entscheidender Fehler gemacht: Alkoholfreies Bier wird mit „echtem“ Bier verglichen. Man darf alkoholfreies Bier aber nicht als Bier ansehen und als solches bewerten, sondern eher als eine Art ungesüßte Schorle.

Unter Sportlern genießt alkoholfreies Bier übrigens einen sehr guten Ruf, da es nicht nur alkoholfrei ist, sondern auch isotonisch. Genau dieses Image hat sich vor allem Erdinger zu Nutze gemacht. Erdinger bewirbt sein alkoholfreies Weizen mit Begriffen wie „isotonisch“ und „vitaminreich“ und zielt so direkt auf Sportler und andere aktive Menschen ab.

Wir haben auf der Terrasse einen Kasten Erdinger Alkoholfrei stehen. Und weil es hier vor ein paar Tagen geschneit hat und im Moment Dauerfrost herrscht, sieht eine Flasche aus dem Kasten nun so aus:

Flasche Erdinger Alkoholfrei

Mehr Frische geht nicht! Vergesst die Werbeplakate, auf denen Bierflaschen abgebildet sind, an denen Kondenswasser runter perlt. Eis ist das neue Kondenswasser!

Und wie hat es geschmeckt?

Nicht nach Bier. Vielleicht hat es entfernt an Bier erinnert, aber mehr auch nicht. Aber das ist in Ordnung, weil, wie gesagt, alkoholfreies Bier eher als ungesüßte Schorle angesehen werden muss. Und als solche schmeckt mir ein Erdinger Alkoholfrei sehr gut (und besser als beispielsweise eine Apfelschorle).

Gebt alkoholfreien Bieren, egal ob Weizen, Pils oder welcher Sorte auch immer, eine Chance!

Katgeorie:Bierrezension | Kommentare deaktiviert für 6. Erdinger Alkoholfrei