Januar 11 2016

11. Mühlen Kölsch

Auch am heutigen Montag scheint der Trend der Biere mit Weizenmalz anzuhalten. Allerdings tauchen wir diesmal erstmals in die große und doch lokal sehr begrenzte Welt des Kölsch ein.

Das Kölsch, so populär es auch heute insbesondere im westdeutschen Raum ist, entstand in seiner heutigen Form erst Anfang des letzten Jahrhunderts. Es ist also – historisch gesehen – noch ein relativ jugendliches Bier. Gab es kriegsbedingt 1945 nur noch zwei Kölsch-Brauereien, stieg die Anzahl bis zu den 1960ern wieder auf über 20 an. Im Zuge des neuerlichen Aufschwungs des Bieres stellte das Oberlandesgericht Köln 1980 fest, dass das Kölsch nicht nur den Biertyp, sondern auch seine Herkunft definiere und somit nicht mehr außerhalb des Kölner Gebiets hergestellt werden dürfe. Als Resultat hieraus trat 1983 die sogenannte Kölsch-Konvention in Kraft. Unterzeichner waren sämtliche damals produzierenden Kölsch-Brauereien, die folgende Kriterien an ein Kölsch festhielten:

„Die Bezeichnung Kölsch ist seit alters her eine qualifizierte geographische Herkunftsbezeichnung für nach dem Reinheitsgebot hergestelltes helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes obergäriges Vollbier […].“

Zudem sei es ausschließlich in Köln herzustellen. Ausnahmen bilden lediglich, die bereits damals bestehenden Kölsch-Brauereien außerhalb Kölns.

Von den 1983 unterzeichnenden Kölsch-Brauereien sind inzwischen noch elf tätig. Eine davon ist die Brauerei zur Malzmühle am Heumarkt – Familienbrauerei in der fünften Generation. Wie es der Name erahnen lässt, wurde hier seit 1858 ursprünglich alkoholarmes Malz-Bier hergestellt. Von den aktuell etwa 37.500 hl Ausstoß geht inzwischen jedoch der Großteil auf das Kölsch zurück. Neben Kölsch wird auch Weizen gebraut, was aufgrund der ähnlichen Produktionsprozesse im Grunde nahe liegt, jedoch nur von wenigen anderen Kölsch-Brauereien praktiziert wird. Kölsch und Weizen unterscheiden sich im Übrigen grundsätzlich durch das Verhältnis von Gersten- zu Weizenmalz sowie der Verwendung unterschiedlicher Hefen. Seit 2011 gibt es auch das Gourmet-Bier „von Mühlen“ auf Champagner-Basis. Außerdem wird auch ein Kräuterschnaps („Mühlen-Kräuter“) hergestellt und vertrieben.

 

Steckbrief:

2_Mühlen Kölsch

Bewertung:

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  • Flaschendesign + Kronkorken

Außergewöhnlich für ein Kölsch, wird das Mühlen-Kölsch in der bauchigen 0,5l Euro-Flasche abgefüllt und vertrieben. Das sowie auch das farblich schlichte und dennoch nicht billig gehaltene Äußere trifft meinen Geschmack. Auch der Kronkorken mit der schwarzen Hintergrundfarbe – angelehnt an die Inhaberfamilie Schwartz – kann in meinen Augen überzeugen.

  • Aussehen

Obwohl das Kölsch laut Konvention nur in der bekannten 0,2l-Stange ausgeschenkt werden darf, habe ich trotzdem mal zur Verköstigung das Kölsch-Gesetz gebrochen. Die im Licht scheinende goldgelbe Farbe wird (wie es das Gesetz will) von einer nicht wahrnehmbaren Trübung unterstrichen. Der Schaum erweist sich als feinporig, relativ kräftig und normal haltbar.

  • Geruch

Auch hier weicht das Mühlen nicht von der gesetzlich vorgeschriebenen Hopfenbetonung ab. Zudem sind aber auch Zitrusnoten erkennbar. Insgesamt ein sehr reiner und klarer  Geruch.

  • Geschmack

Geschmacklich muss ich sagen, macht das Mühlen einen guten Ersteindruck. Der weiche aber wenig süffige und würzeartige Geschmack erinnert mich zunächst auch an Gaffel – eines meiner Lieblings-Kölsch. Auch die leicht prickelnde Rezenz und der kräftig betonte und feinherbe Abgang ist sehr solide. Allerdings will auch bis zum Schluss der Funke nicht überspringen. Ich kann zwar „objektiv“ keinen wirklichen Kritikpunkt finden, dem Bier fehlt es meiner Meinung nach jedoch an dem besonderen Etwas, der mir auch länger in Erinnerung bliebe.

  • Fazit

Auf meinem Wege durch die Kölsch-Welt stellt das Mühlen-Kölsch den Startpunkt dar.  Vermutlich eines der herbsten unter den doch recht süffigen Kölsch, kommt es meinem Geschmack zwar sehr entgegen, allerdings bleibt es mir insgesamt zu blass. Da ich aber ein Herz für privat geführte Brauereien habe erhält das Mühlen-Kölsch heute von mir in der Gesamtwertung 11 Punkte bzw. eine 2.

2_Mühlen-Kölsch-Bewertung

Zum Schluss noch eine kleine historische Anekdote: Im Rahmen des G8-Gipfels 1999 konnte das Brauhaus den damaligen US-Präsident Bill Clinton an Gast begrüßen. Bei rheinischem Sauerbraten konnte er sich dort auch von der deutschen Braukunst überzeugen.

Weitere Informationen zur Brauerei: http://www.muehlenkoelsch.de/

Mehr Infos zur Kölsch-Konvention (mit Originallaut): http://www.koelner-brauerei-verband.de/k%C3%B6lsch-konvention

Prost!

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Januar 10 2016

10. Artländer Nox – das milde Dunkle

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Die Artland Brauerei Hof Renze in Nortrup liegt in der Samtgemeinde Artland im Norden des Osnabrücker Landes. Das Motto „aus der Region für die Region“ spiegelt sich auf allen Ebenen wieder. Gerade mal 2 Biere, das Artländer Pilsener & das Artländer Nox werden dort gebraut. Gegründet wurde Sie 2007 im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms  in dem leerstehenden Gebäuden ein neuer Nutzen gegeben wurde. Seither befindet sich in der ehemaligen Wagenremise das Sudhaus und somit das Herzstück der Brauerei. Die alte Strohscheune und ein Teil des Vielstalls sind neuerdings Gär- und Lagerkeller. Das Bier wird ausschließlich mit Zutaten aus der Region gebraut und (fast) ausschließlich in Märkten im Landkreis Osnabrück vertrieben.

Grunddaten Nox

Wertung

Hier bin ich etwas gespalten, während es besser schmeckt als ich zunächst gedacht hatte aber insgesamt doch nicht „gut“ gut.

Wertung

Flaschendesign: Das einzig bemerkenswerte ist das Drachenlogo, welcher gleichzeitig auch das Wappentier der Region ist. Der bein- und flügellose Drache sieht aber leider eher aus wie ein böses Seepferdchen. Auch die Farbe ist im Artländer rot gehalten, nicht ganz überraschend wenn man den regionalen Charakter bedenkt: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Der angekündigte malzige Charakter spiegelt sich hier sehr schön wieder. Die goldbraune, bernsteinfarbene Farbe mit einer schönen Schaumkrone ist passt sehr schön: 11 Punkte / Note: 2

Geruch: Der etwas süße Geruch passt gut zur malzigen Farbe. Eine etwas säuerliche Note hat mich dann aber doch etwas gestört: 9 Punkte / Note: 3+

Geschmack: Die wichtigste Kategorie bestätigt dies, der Geschmackskörper hat leider eine etwas süß-säuerliche Note. Das Bier ist wie angekündigt sehr mild und süffig mit sehr wenig Kohlensäure. Dies spielt aber recht gut mit dem malzigen Charakter des Bieres zusammen. Eine Hopfenbitterkeit sucht man vergeblich. Für meinen Geschmack etwas sauer: 9 Punkte / Note: 3+

Abgang: Der Abgang und vor allem der Nachgeschmack hinterlassen diesen süß-säuerlichen Charakter auf der Zunge, nicht ganz so schön: 8 Punkte / Note: 3

Fazit: Ein durchaus trinkbares Bier, da der Charakter insgesamt nicht alltäglich und schon was besonderes ist. Ein regionale Bier das man durchaus hin und wieder genießen kann. Aufgrund des Geschmacks mit der säuerlichen Note aus meiner Sicht aber keine 2, deshalb: 9 Punkte / Note: 3+

Im Übrigen kann man diese kleine Brauerei auch besichtigen. Auf den Touren gibt es in netter Bauernhofatmospäre zusätzlich zur Besichtigung mit dem Braumeister persönlich im Anschluss auch reichlich Bier und regionale Food-Spezialitäten.

Näheres dazu auf: http://www.artland-brauerei.de

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Januar 9 2016

9. Endlich Daheim – ein Augsburger Original aus der Brauerei von nebenan

Hasenbräu: Weißer Hase:

Nach der letzten Notlösung in Sachen Bier konnte nun ein Besuch des örtlichen Getränkemarktes erfolgen. Somit sind Keller & Kühlschrank neu aufmunitioniert und für alles bereit.

Heute kam ein wunderbares Hasenbräu: Weißer Hase auf den Tisch. Die entsprechende Brauerei samt Brauhaus und Biergarten befindet sich im alten Schlachthofquartier 3-4 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Somit handelt es sich praktisch um meine Hausbrauerei.  Ein altes Augsburger Sprichwort (auch frei nach meinem Großvater) „Hasenbräu?! Des kannsch den Hasen geben“  Man findet in Augsburg in der Tat wenig Menschen, die sich offen zum Hasenbräu bekennen.  Ich gehöre allerdings dazu. Zwar landet es nicht oft im heimischem Braukeller, jedoch freue ich mich stets wenn eine heimische Gastronomie es als 1. im Zapfhahn hat und nicht unbedingt Riegele ausschenkt.

Weißer Hase

 

Die Geschichte:

Eine Augsburger Brauerei, die auf eine mehr als 500-jährige Brauereihistorie zurückblicken kann:

In der alten Tradition des „Haus-Preus“ (Hausbrauereien) lässt Hasen-Bräu Augsburg seit einigen Jahren in der denkmalgeschützten Kälberhalle Bier brauen, die damit Brauerei und Gastwirtschaft in einem ist. Das „Augsburger Brauhaus zum Hasen“ kann hier fassfrisch genossen werden. Gebraut wird nach überlieferten Rezepturen und mit Zutaten aus der Region. Wenn gebraut wird, können Gäste der Kälberhalle den Brauern über die Schulter schauen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Aktienbrauerei zum Hasen Augsburg, der Volksmund sprach von der „Hasenbrauerei“ die größte Brauerei in Augsburg und Schwaben, ja sie zählte sogar zu den bekannten Großbrauereien Bayerns. Von dieser alten Herrlichkeit ist nicht viel übrig geblieben.

Hasen-Bräu gehört heute zur Tucher Bräu GmbH in Nürnberg, die wiederum zur Oetker-Gruppe und damit zur Radeberger Gruppe gehört.

Schon 1464 gab es in Augsburg die Vorläufer-Brauerei von Hasen-Bräu. Damals gab es in Augsburg viele „Haus-Preus“, also kleine Hausbrauereien. Einer dieser „Bierpreu“ war Ulrich Alpershofer, der 1464 in seiner Schänke „Zu den drey Glass“ in großen Bottichen am offenen Feuer sott. Schon 1463 kann für diese Schänke die Bierschenkengerechtsame neben einer noch älteren Bäckereigerechtsame nachgewiesen werden.

Mehrere Generationen übten in diesem Haus sowohl das Bäcker- wie das Brauerhandwerk aus – bis zum 1. März 1589. An dem Tag trennte man die „Bierschenkenbehausung“ von dem „Beckenhaus“ ab. Es wurde die Brauerei „Zu den drei Glas“ gegründet. Sie lag in der Bäckergasse 17 (früher noch Litera A 333 und A 334) und erhielt 1801 den Namen „Zum Hasen“. Ab 1589 nahm also die Brauerei unabhängig von der Bäckerei ihren eigenen Weg.

Bis zum Jahr 1815 sind 34 Besitzerwechsel der Brauerei „Zu den drei Glas“ nachzuweisen. 1815 kam die Brauerei in das Eigentum des Bierbrauers Matthias Rösch, der die Brauerei in vierzigjähriger unermüdlicher Arbeit zu großer Blüte brachte. Er starb 1855. 1820 erwar Matthias Rösch das Anwesen Litera A 333, 1846 Litera A 335. Durch Betriebserweiterungen konnte er bis 1850 die Bierproduktion verdreifachen.

Diese erfolgreiche Entwicklung setzte sein Sohn Joseph Matthias Rösch fort, der die Brauerei 1858 übernahm. Weil das Anwesen Bäckergasse 17 nicht mehr zum Brauen ausreichte, jedoch nicht erweitert werden konnte, kaufte Joseph Matthias Rösch das Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters zwischen der Kaiserstraße und der Armenhausgasse. Zuletzt trug dieses Gelände die Adresse Konrad-Adenauer-Allee 33.

Am 20. November 1890 gründete die Brauerei „Zum Hasen“ die „Actienbrauerei zum Hasen vorm. J. M. Rösch“. Die Gründung der Aktiengesellschaft diente der Finanzierung des Brauerei-Neubaus.

1898 wurde die Exportbierbrauerei Schnapperbräu? zugekauft und ein Jahr später konnte man die neue Braustätte an der heutigen Konrad-Adenauer-Allee in Betrieb nehmen und die Produktion im Stammhaus aufgeben. Das Stammhaus in der Bäckergasse 17 machte man 1902 zur Gaststätte „Zur alten Hasenbrauerei“. 1907 starb der erfolgreiche Joseph Matthias Rösch. Bis zum Ersten Weltkrieg setzte man den Erwerb kleinerer und größerer Brauereien fort.

Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Hasen-Bräu 1920 die Brauerei Lorenz Stötter AG und ein Jahr später fusionierte diese größer gewordene Augsburger Brauerei mit der AG Kronenbräu. Daraus ergab sich der neue Name „Actienbrauerei zum Hasen Lorenz Stötter und Kronenbräu“. Die Augusta-Brauerei, die durch die letzte Fusion zum Eigentum geworden war, stieß die Firma schnell wieder ab, weil man diese Braustätte nicht brauchte. 1924 übernahm Hasen-Bräu die Actienbrauerei Augsburg, vormals J. M. Vogtherr, was durch Ausschluss der Liquidation als Ganzes gegen Gewährung von Aktion der Actienbrauerei zum Hasen, Lorenz Stötter und Kronenbräu geschah. Dadurch entstand die „Actienbrauerei zum Hasen Augsburg mit Lorenz Stötter, Kronenbräu, Vogtherr“. Als Firmierung üblich wurde Aktienbrauerei zum Hasen.

In den 1930er Jahren engagierte sich die Bayerische Vereinsbank? immer stärker finanziell an der Hasenbrauerei. Die Firma besaß Betriebsstätten an der Kapuzinergasse, am Katzenstadel (frühere AG Kronenbräu) und am Lauterlech (frühere Stötter-Mälzerei). Dazu kamen noch weitere Firmenanwesen, insgesamt etwa 30. Alle diese eigenen Anwesen der Brauerei wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Das Stammhaus in der Bäckergasse 17 wurde 1944 total zerstört.

Während der Aufbaujahre nach dem Krieg legte die Firmenleitung großen Wert auf die Modernisierung und Rationalisierung und brachte das Unternehmen so wieder in Schwung.

1950 übernahm Hasen-Bräu Klosterbräu Scheyern.

In den 1960er Jahren begann Hasen-Bräu alkoholfreie Getränke in die Produktion aufzunehmen.

1973 übernahm die Hasenbrauerei Prügelbräu und 1975 Fortunabräu.

1980 änderte man die Firmierung in „Hasen-Bräu AG“.

1992 integrierte die Hasen-Bräu Bürgerbräu Augsburg-Göggingen.

1996 besaß die Bayerische Vereinsbank 77 Prozent der Aktien der Hasen-Bräu AG. Diese 77 Prozent der Aktien verkaufte die Bank damals an Jannik Inselkammer. 1997 trat die Hasen-Bräu AG ihre Betriebsrechte an die Tucher-Bräu-KG, die zur Inselkammer-Gruppe gehörte, ab und wurde dadurch an Tucher-Bräu beteiligt.

1998 firmierte die Hasen-Bräu AG zu Hasenbräu Brauereibetriebsgesellschaft um. Damals beschäftigte sie noch 170 Mitarbeiter und stieß etwa 340.000 Hektoliter Getränke aus, wovon 140.000 Hektoliter alkoholfrei waren.

2003 kaufte die Inselkammer-Gruppe Hasen-Bräu komplett auf, wodurch Hasen-Bräu zur Brau und Brunnen AG kam und als Produktionsgesellschaft geführt wurde. Schon ein Jahr danach wurden Tucher und damit auch die Hasenbrauerei an den Oetker-Konzern weitergereicht. So wurden Tucher und Hasen Teil der Radeberger Gruppe.

Im März 2010 gab die Hasen-Brauerei bekannt, dass sie bis Mitte 2011 ihren ganzen Brauereibetrieb von der Weiten Gasse auf ein Gelände im alten Schlacht- und Viehhof Augsburg verlegt.

Am 16. November 2011 kamen etwa 250 Gäste zur Eröffnung der Hasenbräu-Gaststätte auf dem Gelände des Schlachthofs, die etwa zwei Millionen Euro gekostet hat.

Quelle: augsburgwiki.de direkt zitiert

Grunddaten:

Weißer Hase_Charakteristika

Wie klar zu erkennen ist, handelt es sich beim „Weißen Hasen“ um ein Weizenbier. Genauer gesagt um eine helle bayerische Weisse. Das Bier ist entsprechend obergärig gebraut, hat einen normalen Alkoholgehalt und eine ebenfalls adäquate Stammwürze.

Flaschendesign:

Bei der Flasche handelt es sich um eine Standard 0,5 l Bayerisch-Hell Flasche. Soweit, so normal. Dies ist jedoch für das Weißbierformat ungewöhnlich. Aber es gefällt. Der genannte weiße Hase vor weiß-blauem bayerischen Grund, „bewaffnet“ mit Hopfen und Malz sowie durch Weizenähren flankiert ist ein echter Hingucker. Da sich jedoch die normale Braunglasflasche mit Kronkoren nicht von vielen 0815-Bieren teils bierigem Inhalt unterscheidet, gibt es hier Abzüge.

10 Punkte

Weißer Hase

Im Glas:

Eingeschenkt zeigt der Hase sein glänzendes Fell. Für ein Weizenbier ist die Farbe sehr hell, was sicherlich auf den relativ geringen Hefeanteil zurückzuführen ist. Die Schaumbildung ist schön prickelnd und der Schaum hat lange Bestand. Somit hat man ein original bayerisch-schwäbisch eingeschänktes Weißbier.

13 Punkte

Geruch:

Der Geruch vervollständigt die hohen Erwartungen und lässt einem das Wasser im Munde zusammen laufen. Kohlensäure kitzelt in der Nase, ein charaketristischer Getreidegeruch mit einer entschiedenen Fruchtnote steigt auf und formt eine wunderbare Blume.

14 Punkte

Geschmack:

Kommen wir zur wichtigsten Kategorie eines Bieres: dem Geschmack.

Man stelle sich dieses Bier an einem heißen Sommertag auf einer Alm, einem Gasthaus in den westlichen Wäldern oder einem Weißwurschtfrühstück vor….. ein Gedicht. Es erfrischt, es prickelt! Es schmeckt! Das Bier ist besonders für ein Weißbier extrem süffig! Ein bitterer Geschmack kann sich in keiner Weise einstellen (dies spricht für einen niedrigen Hopfengehalt). Dagegen ist der Getreidegeschmack relativ deutlich, formt jedoch mit der starken Spritzigkeit und Leichtigkeit ein gutes Gaumenerlebnis. Eigentlich perfekt…. jedoch fand die Verkostung nicht an einer der genannten Örtlichkeiten statt, sondern an einem winterlichen Abend in geschlossenen Räumlichkeiten. Als Beilage fungierte ein schmackhafter Gemüseeintopf…. und schon kann die Spritzigkeit und Leichtigkeit als Eindimensionalität gewertet werden. Andere Verkoster nannten das Bier langweilig. Diesem kann ich mich jedoch nicht anschließen. Gesamt gibt sich hier dennoch ein wirklich gutes Ergebnis.

12 Punkte

Abgang:

Das genannte Spezifikum, das sich in Punkto Geschmack negativ auswirkt, setzt sich im Abgang fort! Der Geschmack des Bieres ist schnell vorbei und eine etwaige Vielschichtigkeit kann sich nicht etablieren.

10 Punkte

Gesamtbewertung und Fazit gut (+) 12 Punkte:

Letztlich handelt es sich bei dem Bier meiner Ansicht nach um einen echten Augsburger Klassiker! Es schmeckt! Dabei wirkt es deutlich leichter und weniger hopfig sowie weniger hefig als das bayerische Standart-Weißbier. Somit hat es insgesamt etwas von einer „Leichten Weissen“ bzw. einem „Leichten Weizen“, das sich in teilen Bayerns einer gewissen Beliebtheit erfreut. (Kinderbier / Autofahrerbier usw 😛 )

Insgesamt ist dieses Bier Jedem zu empfehlen, der einen leichten, süffigen und erfrischenden Weißbiergenuss sucht.

Bewertung_weißer Hase

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Januar 8 2016

7. Detmolder Thusnelda – Bier des Jahres 2013

Im Vorfeld dieses Projektes habe ich mir natürlich auch besonders Gedanken gemacht welche regionalen Spezialitäten man hier unter die Lupe nehmen könnte und bin ziemlich schnell auf das Detmolder Thusnelda gestoßen. Die Auszeichnung „Bier des Jahres“ wird im übrigen seit 1998 vom ProBier-Club verliehen (www.bierclub.de). Sogar die Kanzlerin hat bei einem Besuch in Detmold das Bier schon probiert und gelobt, Grund genug sich dies mal anzuschauen.

Detmolder Thusnelda

Thusnelda & Arminius

Detmold liegt von Osnabrück gesehen auf der anderen Seite des Teutoburger Waldes in der Region Westfalen, genauer Ostwestfalen-Lippe. Das Bier ist in sofern eine besondere regionale Spezialität da der Name sich auf die Frau des Arminius bezieht. Arminius war ein Cheruskerfürst und wird auch „Befreier Germaniens“ genannt da er in der berühmten Varusschlacht um 9 n. Chr. den Römern eine ihrer schlimmsten Niederlagen beibrachte. Der Ort der Schlacht wird u.a. bei Kalkriese im Osnabrücker Land vermutet, aber auch in Ostwestfalen. So erinnert das Hermannsdenkmal südwestlich von Detmold ebenfalls an eben jenen Arminius. Der Slogan „Probieren auch Sie unser neues „germanisch-
erfrischendes“ Detmolder Thusnelda-Bier!“ ist umso passender.

Detmolder wird von der Privat-Brauerei Strate in Detmold hergestellt. Gegründet 1853 von Adolf Hüppe ist sie vergleichsweise jung und mit 3 Mitarbeitern recht klein. Ein Markenzeichen ist die Abfüllung in Bügelfalschen. Nach Flensburger ist sie die Brauerei mit den zweitmeisten vertrieben Einheiten in eben jenen. Neben der Marke Detmolder in allen Variationen (am bekanntesten ist wohl das Landbier), stellt die Brauerei auch die Marke Hövelhofer her.

Grunddaten

Ein großer Nachteil bei diesen Spezialbieren ist die schlechte Verfügbarkeit von Daten. Festzustellen war, dass es sich hier um ein Pilsener handelt und höchstwahrscheinlich dem Typ „Deutsches Pilsener“ nach BJCP zuzuordnen ist. Mit einem Alkoholgehalt von 4,8% liegt es hier im durchschnittlichen Bereich.

Bewertung

Das wichtigste ist jedoch die Wertung und hier war ich durchaus positiv überrascht.

Wertung

Flaschendesign: Als Fan von Bügelflaschen bekommt das Thusnelda schon mal einen Sonderpunkt, aber im Ernst: Das Design des Etiketts mit der archaischen germanischen Schrift, den römischen Soldaten (ähnlich wie bei Asterix & Obelix) sowie der üppigen, blonden germanische Maid mit dem Flügelhelm darauf ist eine sehr gelungene Anspielung auf den historischen Hintergrund: 13 Punkte / Note: 1-

Bier im Glas: Die helle goldene Farbe ist wie man es von einem Pilsener erwartet. Zudem gab es eine schöne Schaumkrone, die jedoch etwas schnell zusammefällt: 11 Punkte / Note: 2

Geruch: Der Geruch ist malzig und erinnert auch etwas an Brot. Eine leichte Bitternote hat mich dann aber doch etwas abgeschreckt: 10 Punkte / Note: 2-

Geschmack: Der Geschmack hat mich dann positiv überrascht. Eine fruchtig-getreidige Note spielt sehr gut mit einer leicht herben Note zusammen und der ordentliche Kohlensäuregehalt (den ich besonders bei etwas herben Bieren für die Geschmacksbewertung für sehr relevant halte) bilden insgesamt ein sehr rundes Geschmacksbild: 12 Punkte / Note: 2+

Abgang: Der Abgang hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack sondern das Perlen der Fruchtigkeit auf der Zunge führt vielmehr dazu, dass man sofort den nächsten Schluck nehmen möchte: 12 Punkte / Note: 2+

Fazit: Ein Pilsener das mit seiner schönen regionalen Geschichte, einer guten Aufmachung und einem überdurchschnittlich guten Geschmack überzeugen kann. Zurecht zu einem „Bier des Jahres“ gewählt! Durchaus auch etwas das ich zu meinem Hausbier machen würde. Insgesamt: 12 Punkte / Note 2+

Prost, bis zum nächsten Beitrag!

 

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Januar 7 2016

6. Erdinger Alkoholfrei

Ja, auch alkoholfreie Biere sind nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Es handelt sich um ganz normale Biere, denen entweder am Ende des Brauprozesses der Alkohol entzogen wird, oder der Brauprozess gestoppt wird, bevor sich Alkohol bildet.

Alkoholfreie Biere werden (immer noch) etwas belächelt. Und so auch die Trinker von alkoholfreiem Bier. Dabei wird aber ein entscheidender Fehler gemacht: Alkoholfreies Bier wird mit „echtem“ Bier verglichen. Man darf alkoholfreies Bier aber nicht als Bier ansehen und als solches bewerten, sondern eher als eine Art ungesüßte Schorle.

Unter Sportlern genießt alkoholfreies Bier übrigens einen sehr guten Ruf, da es nicht nur alkoholfrei ist, sondern auch isotonisch. Genau dieses Image hat sich vor allem Erdinger zu Nutze gemacht. Erdinger bewirbt sein alkoholfreies Weizen mit Begriffen wie „isotonisch“ und „vitaminreich“ und zielt so direkt auf Sportler und andere aktive Menschen ab.

Wir haben auf der Terrasse einen Kasten Erdinger Alkoholfrei stehen. Und weil es hier vor ein paar Tagen geschneit hat und im Moment Dauerfrost herrscht, sieht eine Flasche aus dem Kasten nun so aus:

Flasche Erdinger Alkoholfrei

Mehr Frische geht nicht! Vergesst die Werbeplakate, auf denen Bierflaschen abgebildet sind, an denen Kondenswasser runter perlt. Eis ist das neue Kondenswasser!

Und wie hat es geschmeckt?

Nicht nach Bier. Vielleicht hat es entfernt an Bier erinnert, aber mehr auch nicht. Aber das ist in Ordnung, weil, wie gesagt, alkoholfreies Bier eher als ungesüßte Schorle angesehen werden muss. Und als solche schmeckt mir ein Erdinger Alkoholfrei sehr gut (und besser als beispielsweise eine Apfelschorle).

Gebt alkoholfreien Bieren, egal ob Weizen, Pils oder welcher Sorte auch immer, eine Chance!

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Januar 5 2016

5. Bayreuther Hell

Die Frage, die ich mir vor meinem ersten Beitrag in diesem Blog gestellt habe, ist die Frage, was ich mit einer kühlen Flasche bzw. einem kühlen Glas Bier verbinde.

Sofort schießen mir drei Begriffe durch den Kopf – Genuss, Gemütlichkeit und Feierabend. Und daher habe ich ein Bier gewählt, was ich seit mittlerweile 6 Jahren mit diesen drei Begriffen direkt in Verbindung bringe. Das Bayreuther Hell. An einem warmen Sommerabend im August 2009 habe ich dieses Bier kennengelernt. Die erste Woche als Auszubildender im Sommer 2009 war hart und ich sehnte das Wochenende herbei. Grillabend bei meinem besten Kumpel. Also ging es Freitag nach Feierabend zeitnah mit dem Rad los. Selbstbedienung war angesagt und ich öffnete den Kühlschrank. Verwundert sah ich meinen Kumpel an und er antwortete nur kurz und knapp: „Das hatte Vater noch im Keller“… Es wurde ein genüsslicher und gemütlicher Feierabend!

Ich muss gestehen, dass ich mich nicht mehr an jedes geschmackliche Detail erinnern kann. Dadurch, dass ich mit Bier aber nicht immer eine geschmackliche Explosion oder ein kulinarisches Erlebnis verbinde, sondern oftmals einfach ein nettes und entspanntes Beisammensein, war die Wahl für meinen ersten Beitrag schnell klar.

Jetzt aber genug für die Bier-Romantiker…

Das Etikett und die Aufmachung der Flasche ist klassisch. Das Etikett zeigt das Emblem des Bayreuther Brauhauses. Im unteren Teil des Etikettes ist „Streng nach dem bayrischen Reinheitsgebot gebot gebraut“ zu lesen. Auf der Rückseite liest man den Alkoholgehalt von 4,9% und die Zutaten Wasser,Gerstenmalz und Hopfen. Darunter der Satz: „Unser echt bayerisches Hell, ehrlich, frisch, würzig aus dem Bayreuther Brauhaus“. Einen Satz den es natürlich zu belegen gilt. Die bauchige Form der Flasche versetzt einen direkt in einen Bayreuther Biergarten.

Bayreuther Hell

Das Bayreuther Hell riecht stark malzig mit einer hopfigen Note. Nach dem Eingießen fällt direkt die gelbgoldene Farbe auf. Die Schaumkrone hält leider nicht wirklich lange. Insgesamt ein geschmackvoller Anblick, eine große Überraschung sucht man allerdings vergebens.

Die Mischung zwischen Würze und Süße ist sehr harmonisch und der Kohlensäuregehalt ist angenehm. Insgesamt sehr frisch und rund. Die angesprochene Harmonie zwischen Würze und Süße ist im Antrank wie im Abgang zu erkennen.

Abschließend meine Bewertung:

Flasche: 2

Bier im Glas: 3+

Geruch: 3

Geschmack: 2

Abgang:2-

Fazit: 2-

 

Abschließend lässt sich sagen, dass das Bayreuther Hell hält was es verspricht. Es ist ein erfrischendes und würziges Bier, was sich gut gekühlt einfach entspannt genießen lässt. Sicherlich kein Bier für Exoten. Einige würden den Geschmack eventuell auch als „langweilig“ zusammenfassen, jedoch verbinde ich mit diesem Bier einen entspannten und gemütlichen Feierabend!

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Januar 4 2016

4. Wieselburger Bier – Von OWL nach Bayerisch-Schwaben und noch viel weiter.

Wieselburger Bier: Das Stammbräu:

Tag 4. des Bewertungsmarathon im Jahr des Qualitätsprädikats schlechthin sollte im Zeichen des süddeutschen Bieres stehen. Nach 2 Wochen Zweitheimaturlaub in OWL kehrte der Verfasser am heutigen Tag an die Stätte seines Wirkens zurück. Somit lag die Prüfung eines der vorzüglichen Biere ausgezeichneter Qualität aus dem Augsburger Umland sehr nahe, nachdem die Verkostung der OWL-Spezialität „Barre-Bräu“ (hier verlasse ich mich auf unsere Außenstelle in Osnabrück) zeitbedingt ausgefallen war.

Doch es kam anders: Sowohl Kühlschrank als auch Keller waren leer. Lediglich ein Mitbringsel aus dem ersten kurzen Skiurlaub im Dezember 2015 in Österreich fand sich dort. Das

Wieselburger Bier: Das Stammbräu

Kurzerhand wurde dieses zur Verkostung herangezogen. Schließlich handelt es sich ebenfalls um ein Brauprodukt süddeutscher Herkunft.  😉

Doch Deutschland ist nicht Deutschland bzw. Österreich: Mit den österreichischen Bieren ist es so eine Sache….. somit auch hier:

 

Die Geschichte:

Die Biertradition von Wieselburg reicht bis ins Jahr 1650 zurück. Als Gründung wird aber das Jahr 1770 angesehen, als Josef Schauer die Brauerei kaufte. Bereits 1811 wurde sie erweitert und nachdem die Brauerei 1823 an Franz Schauer ging, erwarb sie Nepomuk Mutzer.

1858 wurde die Brauerei Wieselburg durch einen Brand beschädigt. 1860 ging das Unternehmen an Josef Riedmüller, welcher das Areal stark erweiterte. 1888 kam der heutige Braugasthof dazu. 1912 wurden unter anderem die Brauereien in Krems, Kröllendorf, Melk und Pottenbrunn gekauft.

Bei der Gründung der österreichischen Brau AG, dem Vorgänger der Brau Union Österreich AG 1925 trat auch die Brauerei Wieselburg in die Gesellschaft ein.

Zwischen 1971 und 1973 wurde der Betrieb durch Neubauten stark modernisiert und war damals eine der modernsten Brauereien Europas.

Quelle: Wikipedia (hier darf ich das)

Grunddaten:

Wieselburger Bier_Das Stammbrau Charakteristika

Auch wenn es nicht so schmeckt und nicht so aussieht: Es handelt es sich hier um ein Bier pilsener Brauart mit relativ viel Alkohol und Stammwürzgehalt. Beide Werte decken sich eher mit dem Geschmack, denn mit der Bezeichnung.

Flaschendesign:

Die Flasche gefällt und spricht  an. Deshalb landete sie wohl auch im Einkaufswagen: So wird eine altdeutsche Traditionsverbundenheit ausgedrückt, die sich nicht zuletzt in der hochwertigen Bügelflasche (ja meist sind es wirklich die zumindest teureren Biere) und dem abgedruckten Abbild seit Äonen verstorbener Braugesellen und Meister zeigt. ==> Der traditionsverbundene Genießer möchte hier zugreifen:

12 Punkte

Wieselburger_Flasche

Im Glas:

Auch im Glas macht das Bier eine gute Figur: Vollmundig, leicht bernsteinfarben (Würze+ Alkoholgehalt) jedoch mit etwas geringer Schaumbildung:

11 Punkte

Wieselburger Glas

Geruch:

Auch der Geruch des Bieres verspricht einiges: die beschriebene Vollmundigkeit setzt sich hier fort. Sowohl die recht stark vorhandene Hopfennote als auch der reichliche Malzgehalt formen hier das Bedürfnis zu trinken. Leicht metallischer Geruch gibt geringe Abzüge:

11 Punkte

Geschmack:

Soweit, so gut! Doch dann passiert es: Man trinkt den ersten Schluck und fragt sich: Das soll ein Pils sein?! Geschmacklich werden eher Erinnerungen an „Duckstein“ wach.  Hopfig wie ein herbes Pils, gleichzeitig malzig und vollmundig….. doch zu keinem Zeitpunkt süffig. Eine Flasche ist trinkbar, doch schon nach der Hälfte hat man genug. Auch werden Erinnerungen an einen leichten Bock wach. Was immer es ist: Es ist kein süddeutsches (oder niederösterreichisches) Pils, die im Gegensatz zu den nördlicheren Varianten oftmals eine gewisse Süffigkeit beibehalten. Hier verliert das Bier!

7 Punkte

Abgang:

Der Abgang ist wie der Geschmack: Zu bitter (nicht lecker herb) zu würzig…. zu komisch.

7 Punkte

Gesamtbewertung und Fazit:

Letztlich sind Flaschenoptik und Geruch nicht entscheidend, der Geschmack ist es: Dennoch können handwerkliche Qualität, Darstellung und Geruch einen kleinen Bonus erreichen:

Somit muss hier eine Gesamtpunktezahl von 8 Punkten (3) vergeben werden.

Bei dem Bier handelt es sich um einen waschechten Österreicher: Qualitativ hochwertig, gut gebraut. Aber irgendwie merkwürdig. In der geschmacklichen Bewertung ist die Subjektivität des Verkosters & Verfassers selbstverständlich zu berücksichtigen.

Wer würzig vollmundiges Bier mit sowohl ausgeprägtem Hopfengeschmack, als auch Malzaroma testen will, ist hier sicherlich richtig.  Die deutschsprachige Bierlandschaft ist in jedem Falle Nach wie Vor vielfältig!

Wieselburger Bier_ Das Stammbräu Bewertung

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Januar 3 2016

3. Störtebeker Stark-Bier

Wer kennt ihn nicht? Diesen sagenumwobenen Seeräuber Klaus Störtebeker, der einst Amerika entdeckte und die Magellanstraße fand. Nebenbei erfand er das Rad, mit dem es möglich wurde, dass Schiffe auch an Land fahren konnten.

Und weil dieser Klaus Störtebeker ein so großartiger Mann war, benannte sich ihm zu Ehren die „Stralsunder Brauerei“ im Jahre 2011 in „Störtebeker Braumanufaktur“ um. Neben dem Stralsunder Bier braut die Störtebeker Braumanufaktur auch das – haltet euch fest – Störtebeker!

Das Störtebeker gibts es in wahnsinnig vielen verschiedenen Biersorten. Das Repertoire erstreckt sich vom klassischen Pils und Keller-Bier über das Atlantik-Ale und Bernstein-Weizen bis hin zu ungewöhnlicheren Sorten wie das Whisky-Bier oder das Glüh-Bier. Eigentlich macht mich sowas immer etwas skeptisch. Genau wie Pizzerien, die 250 verschiedene Pizzas und zusätzlich noch Döner, Burger und Fischgerichte im Angebot haben. Aber hier muss ich ein großes Kompliment aussprechen: Alle Biere (zumindest die, die ich probiert habe) schmecken klasse!

Was ich auch sehr schön finde: Jedes Bier hat einen eigenen kleinen Steckbrief auf der Rückseite der Flasche. Dort werden die Eigenschaften des Bieres beschrieben und Angaben zum verwendeten Malz, zur Hefe und zum Hopfen gemacht. Außerdem ist auf der Flasche nicht nur der Alkoholgehalt vermerkt, sondern auch die Stammwürze und die optimale Genusstemperatur. Das alles macht sofort Lust, das Bier nicht nur zu trinken, sondern es sich auf der Zunge zergehen zu lassen und sich bewusst mit dem Geschmack und Geruch zu beschäftigen.

Der liebe Markus hat uns in der Weihnachtszeit eine sogenannte Schatztruhe von Störtebeker mitgebracht. Darin sind sehr viele verschiedene Biersorten enthalten. Mitunter Biere, die nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sind, wie zum Beispiel das Glühbier (dem Wintergewürze zugesetzt sind). Der Großteil der Biere ist aber nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. So auch das Stark-Bier. Und genau zu dem möchte ich ein paar Worte verlieren.

Flasche Vorderseite Flasche Rückseite

Die Flasche des Stark-Bieres ist, wie die Flaschen aller Störtebeker-Sorten, mit einem sehr schönen Artwork gestaltet. Auf der Vorderseite ist ein großes Segelschiff abgebildet. Ich vermute, das ist das Schiff, mit welchem Klaus Störtebeker einst den Chinesen den Tee brachte. Auf der Rückseite der Flasche sind die Eigenschaften des Stark-Bieres vermerkt: Alkoholgehalt 7,5%, Stammwürze 16,9%, Genusstemperatur 20 Grad Celsius, außerdem Beschreibungen in Prosa. Zu lesen ist unter Anderem „(…) kräftiges Duftspiel von Bitterschokolade und Kaffee (…)“ und „Lange kalte Gärung mit untergäriger Hefe lässt 7,5% Alkohol entstehen, der den Körper wohlig wärmt“.

Nachdem man diese Dinge gelesen hat, fühlt man sich wie der größte Gourmet.

Also gourmet-artig ran ans Werk! Nach dem Öffnen der Flasche habe ich natürlich erstmal dran gerochen und abgewartet, bis der Duft alle meine Nasen-Geschmacks-Knospen erreicht hat. Wie Gourmets das halt so machen. Gerochen habe ich wenig vom Alkohol, dafür viel von der Süße (wenn auch keine Nuancen von Bitterschokolade und Kaffee, was ich aber nicht weiter schlimm fand). Dann habe ich das Bier in ein Glas geschenkt. Sehr überrascht war ich von der tief-schwarzen Farbe, die sich nur dann zu einem wunderschönen tiefen Rot wandelte, wenn man das Glas vor eine sehr helle Lampe hielt. Dann der erste Schluck. Und zur Sicherheit direkt ein zweiter. Malz! Ein sehr starker Malz-Geschmack. Lecker! Dann ein dritter Schluck, um nochmal auf die Suche nach der Bitterschokolade und dem Kaffe zu gehen. Auch hier nichts. Fand ich aber weiterhin nicht schlimm. Nach ein paar weiteren Schlücken spürte ich dann auch die wohlige Wärme im Körper. Auch wenn man den (erhöhten) Alkoholgehalt nicht so deutlich geschmeckt hat, ist er anscheinend doch da.

Hier meine Bewertung (in Schulnoten):

Flasche: 1
Bier im Glas: 1-
Geruch: 3
Geschmack: 2
Abgang: 2-
Fazit: 2

Alles in Allem bin ich sehr begeistert von dem Störtebeker Stark-Bier. Wie auch von allen anderen Sorten.

Aber das soll an anderer Stelle erzählt werden.

Januar 3 2016

2. Löwenbräu Original – Ein Bier wie München

Das erste Mal ist immer „was Besonderes“ und so musste ich in diesem Zusammenhang gleich an meinen ersten bewussten Bierkonsum denken. Das ist mittlerweile auch schon ganze 12 Jahre her und war auf dem 16. Geburtstag einer Freundin (ich war 15). Für ca. 12 Leute gab es damals eine ganze Kiste Bier (wenige Monate später war dies undenkbar),  natürlich unter elterlicher Aufsicht. Allerdings waren damals alle nach 1-2 Bieren schon gut drauf (auch dies sollte sich rasch ändern). Damals stand eben jenes Löwenbräu Original im Kühlschrank was ich heute als Anlass für meinen ersten Beitrag nehme.

loewenbraeu-originalQuelle: Bier-Index.de

Geschichte

Die Geschichte der Brauerei reicht wahrscheinlich bis ins 14. Jh. zurück, zum ersten Mal erwähnt wurde ein Bierbrauer in der „Löwengrube“ in München jeodch 1524. Der Name Löwenbräu tauchte zum ersten Mal im Biersudverzeichnis der Stadt München von 1746/47 auf und ist benannt nach eben jenem ersten Braukeller in der Löwengrube 17. Heutzutage gehört die Löwenbräu AG zu „InBev“ dem größten Bierbraukonzern der Welt und stellt neben der Marke Löwenbräu u.a. Spaten sowie Franziskaner her.

Grunddaten

Löwenbräu_Grunddaten

Nach Kategorisierung des BJCP (Beer Judge Certification Program) handelt es sich beim Löwenbräu Original um ein Helles Lager, genauer gesagt um ein Münchner Helles. Lager ist im englischsprachigen Raum der Begriff für alle untergärigen Biere. Untergärig heißt, dass der Gärprozess bei einer Temperatur von 4-9°C stattfindet (Obergärig 15-20°C). Vor der Erfindung der Klimaanlage hing es im Übrigen von der Außentemperatur ab ob untergärig oder obergärig gebraut wurde. Münchner Helles zeichnet sich dabei durch seinen nicht zu süßen malzakzent mit unterstützender Hopfenbitterkeit aus. Mit 11,8% Stammwürze (Münchner Helles zwischen 11,2% und 12,8%) und 5,2% Alkoholgehalt (Münchner Helles 4,7% bis 5,4%) kann man es durchaus als gehaltvoll bezeichnen. Die Stammwürze bestimmt nebenbei bemerkt wesentlich den Nährwert sowie den Alkoholgehalt eines Bieres und wird in Grad Plato °P angegeben.

Wertung

Kommen wir nun zur Hauptangelegenheit unseres Blogs. Als ich damals zum ersten Mal Bier trank fand ich dieses Bier großartig. 12 Jahre später finde ich es immer noch solide, würde es mir aber nicht als Stammbier für zu Hause zulegen. Der Grund hierfür ist ganz einfach, dass das Bier zu herb für meinen Geschmack ist. Die Charakterisierung des Münchner Hellen Lagerbiers, insbesondere der Teil bezüglich der Hopfenbitterkeit trifft hier voll zu.

Bei der Weinprobe gibt es das 50 Punkte-System: 5 Auge – 15 Nase – 25 Mund – 5 Gesamteindruck. Ähnlich wollen wir hier vorgehen. Auf einer Skala von 1-10 (1 = miserabel, 10 = exzellent) werden wir verschiedene Kategorien bewerten und am Ende ein Gesamtfazit ziehen.

Löwenbräu_Wertung

Flaschendesign: Die Farbgebung des Etiketts mit hellblau, dunkelblau und gold integriert u.a. das blau Oberbayerns und ist insgesamt sehr harmonisch und gelungen. Zudem ist der Löwe als Wappentier der Brauerei ein echter Eye-Catcher welcher auch den Kronkorken ziert. Die Flasche selbst ist eine handelsübliche 0,5 l Flasche in braun und nichts besonderes: 10 Punkte / Note: 2-

Bier im Glas: Eingeschenkt hält es nicht ganz was es verspricht, der Farbton ist etwas dunkler wie ich mir das insgesamt vorgestellt habe: 8 Punkte / Note: 3

Geruch: Schon am Geruch kann man den eher herben Charakter erahnen was mich gleich etwas abgeschreckt hat. Insgesamt ist er jedoch angenehm fruchtig-würzig, relativ frisch und sehr angenehm: 9 Punkte / Note: 3+

Geschmack: Leider ein kleiner Abfall hier, da „ein Bier wie München“ doch nicht ganz so herb sein sollte meiner Meinung nach. Zugegeben, wenn man „ein Bier wie München“ will muss man wahrscheinlich das Weißbier probieren. Die Bitterkeit sticht mir im Vergleich zur Süße jedoch zu stark heraus. Der Kohlensäuregehalt ist in Ordnung für ein Lager, nicht zu stark was dem Geschmack etwas zu gute kommt: 7 Punkte / Note: 3-

Abgang: Der Abgang ist überraschenderweise etwas besser und es bleibt ein angenehmer Nachgeschmack der eher dem fruchtig-würzigen Geruch entspricht und nicht dem herberen Geschmack: 8 Punkte / Note: 3

Gesamtfazit: Aus meiner Sicht für ein Münchner Bier etwas enttäuschen und nicht ganz mein Geschmack. Es gibt aber deutlich schlechtere Biere und da es sich um ein Lager, Münchner Helles handelt und auch das Bier (fast) alle Kriterien erfüllt würde ich sagen hin und wieder durchaus trinkbar, mein Hausbier wird es jedoch sicher nicht: Insgesamt 8 Punkte / Note: 3

Prost und bis zum nächsten Mal!

P.S. Fun Fact: Die Band „Mötley Crüe“ hat ihren Bandnamen mit Umlauten versehen, da Löwenbräu zum Zeitpunkt der Gründung das Lieblingsbier der Band war.

Quellen:

Löwenbräu.de

BJCP.org

Wein-Plus.eu

 

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Januar 1 2016

1. Bönnsch

Herzlich Willkommen und bierige Neujahrs-Grüße vom Herr über aktuell etwa 1700 Kronkorken aus Brühl.

Beginnen wollen wir dieses historische Jahr mit einer noch recht unbekannten Bierspezies. Als erstes zu präsentierende Bier habe ich mir das sogenannte „Bönnsch“ ausgewählt. Ein Bier, welches deshalb so einzigartig ist, da es das einzige seiner Art ist. Präziser formuliert, gibt es kein weiteres (mir bekanntes) Bier, welches ebenfalls diesem Biertyp „Bönnsch“ zugeordnet werden kann. Um es dennoch in die bekannten Biertypen einzuordnen, könnte man es als lokaltypischen obergärigen Zwitter zwischen Kölsch und Hefeweizen verstehen. Als eines von nur noch drei verbliebenen Bonner Brauhäusern, wird das Bönnsch seit 1989 in der gleichnamigen Brauerei produziert und wie folgt selbst beschrieben:

„Unser Bönnsch ist ein obergärig gebrautes Vollbier, welches nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird. Es ist naturtrüb und beinhaltet die wichtigen Vitamie B2, B6, B12 sowie Aminosäuren und Spurenelemente.“

Nach vielen Jahren des reinen Hausauschanks, wurde erst im letzten Jahr – nach einem Generationenwechsel in der Brauereiführung – auch die Flaschenabfüllung eingeführt. Der Vertrieb steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, sodass das Bönnsch derzeit nur in wenigen gut sortierten Lebensmitteleinzelhandlungen in Bonn und Bornheim zu finden ist.

Steckbrief:1_Bönnsch-Steckbrief

Bewertung:

1_Bönnsch

  • Flaschendesign + Kronkorken

Auf die Standard 0,33l-Longneck-Flasche ist ein schlichtes dreifarbiges Etikett geklebt, welches durch den altdeutsch angehauchten Schriftzug „Bönnsch“ einen altertümlichen Eindruck vermitteln soll. Angelehnt an das Logo der Stadt Bonn „Stadt. City. Ville.“ ist die Botschaft auch in drei Wörtern zusammengefasst: „Bier. Bönnsch. Naturtrüb.“ Seit einigen Monaten existiert auch ein individueller Kronkorken, mit dem markanten „Bönnsch-B“ im Zentrum.

  • Aussehen

Wie im obigen Bild erkenntlich ist das Bönnsch insgesamt recht hell und durch die vereinzelten Hefeschwebstoffe leicht naturgetrübt. Je nach Glas erhält man nach Einschank eine normale bis geringe Schaumbildung. Im Brauhaus selbst wird das Bönnsch in einem eigens kreierten Bönnsch-Glas (mit Fingereinkerbungen) ausgeschenkt.

  • Geruch

Im obigen Bild nicht erkennbar ist der hefige leicht malzige Geruch. Meiner Ansicht nach etwas zu unauffällig.

  • Geschmack

In der wohl wichtigsten Bewertungskategorie „Geschmack“ wird der hybride Charakter des Bönnsch zwischen Hefeweizen und Kölsch klar deutlich. Eine gleich große süffige wie herbe Komponente verschmelzen sich im Mund. Der intensive Geschmacksköper hebt sich dabei von den bekannten „Industriebieren“ ab. Besonders markant ist auch die tiefe Malznote und – hervorgerufen durch den Hefeanteil – ein leicht süßlicher Beigeschmack. Im Abgang zwar eher dezent, aber etwas herber als der Ersteindruck. Auch hier wird nochmals der einzigartige starke Charakter eines noch hausgebrauten Bieres schmeckbar.

  • Fazit

Als Fan von hausgebrauten Bieren und lokalen Brauereien war mir das Bönnsch schon bei ersten Mal sympathisch. Seit letztem Jahr in Bonn berufstätig, hatte ich mich zu Beginn gefragt, warum dort fast überall nur Kölner Kölsch ausgeschenkt wird, wo Bonn doch auch eine sehr individuelle Historie zu bieten hat. Bei der Suche nach Bonner Bieren ist mir dann das Bönnsch über den Weg gelaufen, welches sich als einziges Bonner Lokalbier der Kölner Übermacht gegenüberstellt.

In seiner Art einmalig und im Geschmack charakterstark, vergebe ich dem Bönnsch als Gesamtnote deshalb eine 2+ bzw. 12 Punkte.

1_Bönnsch-Bewertung

Weitere Informationen zu finden unter:

http://www.boennsch.de/

In diesem Sinne auf ein leckeres Jahr 2016!

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