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Lervig Aktiebryggeri @ Craftbeer Corner Coeln

Nikl Bräu Zwickl | Essel Bräu Landbier | Lervig Passion Tang | Lervig Hoppy Joe | Lervig CAPO | Lervig Orange Velvet IPA | Lervig Tasty Juice | Lervig Perler for Svin | Lervig Liquid Sex Robot | Lervig Supersonic | Lervig Medicine | Lervig Slippin‘ into Darkness Barrel Aged (2018) | Bierol Koida Kaffee | Bierol Bombo Claat | Sudden Death Mr. Cinnamon Bun | Sudden Death Who shot the Almond Brothers

Zum Beginn des Jahresendspurts  war ich recht kurzentschlossen mit Nils nochmals in der Craftbeer Corner in Coeln. Anlass war das Tap-Takeover der norwegischen Lervig Aktiebryggeri aus Stavanger. Überhaupt war es erst mein zweites Takeover, das ich in der CCC besuchte (Anfang des Jahres konnte ich den Kölner Bierhistorikern beiwohnen). Die Nordlichter brachten 11 Biere aus Norwegen mit, wodurch ⅔ der Hähne belegt wurden. Die wohl bekannteste norwegische Kreativbrauerei ist zwar erst in diesem Jahrzehnt entstanden befindet sich aber derzeit auf einem steilen Wachstumspfad. 30% der Produktion werden bereits in alle Welt exportiert. Zudem zählen sie zumindest auf ratebeer.com zu den besten Brauereien Europas. In ihrem immer wieder wechselnden sehr großen Sortiment dominieren derzeit vor allem IPAs und Stouts. Das machte sich dann auch in der Taplist und dem aktuellen Flaschen-Special bemerkbar, die von diesen beiden Bierstilen deutlich geprägt war. Mit dem 3-Bean-Stout (eines der besten Biere des letzten Jahres) war erfreulicherweise auch nur ein bereits gelistetes Bier dabei.

Bierfacts:

  • Nikl Bräu Zwickl:
    – untergärig; 5,1%
    – aus Pretzfeld in der Fränkischen Schweiz
    – würzig, herb, hefig, malzig, harzig
    http://www.brauerei-nikl.de/
  • Essel Bräu Landbier:
    – untergärig; 5%
    – vom Esloher Brauhaus aus dem Sauerland
    – klar Karamell & Bonbon, süßlich, Getreide, malzig, etwas würzig, recht dünn
    https://www.essel-braeu.de/brauerei.html
  • Lervig Passion Tang:
    – obergärig; 7%
    – Sour mit Passionsfrucht versetzt
    – klar künstlich süß-sauer, fruchtig, etwas grasig-herb, trocken, Obstsalat
  • Lervig Hoppy Joe:
    – obergärig; 4,7%
    – Red Ale mit Schokoladenmalz und Simcoe, Chinook + Nelson Sauvin Hopfen
    – säuerlich-fruchtig, wenig malzig, etwas flach, leicht röstig, herb, holzig
  • Lervig CAPO:
    – obergärig; 4,4%
    – Pale Ale mit Minze und Limettenschalen in Collaboration with Restaurant Spiseriet
    – sauer fruchtig, süffig, leicht herb, grasig, erdig, mäßiger Abgang
  • Lervig Orange Velvet IPA:
    – obergärig; 5,5%
    – IPA mit Mango, Limette, Vanille und Laktose
    – sehr fruchtig, süß, grasig, leicht würzig, cremig, hefig, Vanille, Milchshake
  • Lervig Tasty Juice:
    – obergärig; 6%
    – IPA doppelt mit Citra gehopft
    – weniger fruchtig, mehr grasig, stärker, würziger, grasig, waldig, herb
  • Lervig Perler for Svin:
    – obergärig; 6%
    – NEIPA mit Azzaca, Mosaiv und Simcoe gehopft
    – unauffällig, herb-süß, etwas bitter, würzig, leicht getreidig, herber Abgang
  • Lervig Liquid Sex Robot
    – obergärig; 7,9%
    – Imperial-IPA mit Hafer
    – wieder fruchtiger, süßer, Karamell, waldig, harzig, herb
  • Lervig Supersonic
    – obergärig; 8,5%
    – Doppel-IPA mit doppelter Portion Citra
    – sauer fruchtig, bitter, alkoholaromatisch, harzig, herb-süß, Karamell
  • Lervig Medicine
    – obergärig; 10,5%
    – Imperial IPA mit Hopfenextraktion à la ISOmix
    – sehr fruchtig süß, spritzig, vollmundig, fruchtig-herb, grasig, hopfig, leicht milchig
  • Lervig Slippin‘ into Darkness Barrel Aged (2018)
    – obergärig; 12%
    – Imperial Stout
    – röstig, Karamell, Vanille, Kakao, holzig, sehr ölig, röstig harzig, erdig, nussig, Süßholz-Abgang

 

  • Bierol Koida Kaffee:
    – obergärig; 8,2%
    – aus Schwoich in Tirol (Österreich)
    – Imperial Stout mit Kaffeebohnen
    – klar kaffee-artig, schwer, bitter, holzig, trocken, röstig, wenig süß
    http://www.bierol.at/home.php
  • Bierol Bombo Claat:
    – obergärig; 8,2%
    – Imperial Stout mit Kokosnüssen und Kakaobohnen
    – süßlich, Kakao, Zartbitter, ölig, alkoholaromatisch, holzig, leicht röstig
  • Sudden Death Mr. Cinnamon Bun:
    – obergärig; 10%
    – von den Kuckucksbrauern vom Timmendorfer Strand
    – Imperial Oatmeal-Stout mit Laktose, Zimt und Vanille
    – leicht röstig, wenig auffällig, ölig, cremig, mehr holzig, gewürzig, , wenig Zimt, leicht herber Abgang
    https://suddendeathbrewing.de/craft-beer/
  • Sudden Death Who shot the Almond Brothers:
    – obergärig; 12.5°P; 5,2%
    – Imperial Oatmeal-Stout mit Laktose, Marzipan, Vanille und Schokolade
    – Marzipan, Vanille, Karamell, ölig, malzig, süßlich, leicht bitter & sauer

Fazit:

Insgesamt ein erneut schöner und lohnenswerter Abend in der CCC, bei dem es mit wenigen Ausnahmen auch wieder sehr leckere neue Biere zu kosten gab. Für mich ist es aufgrund meiner unregelmäßigen Besuche auch immer spannend zu sehen, wie sich der Zuspruch zur CCC und zu den Bierevents entwickelt. Besonders in diesem Jahr habe ich den Eindruck, dass gerade am Wochenende ein stabiles interessiertes Publikum vorhanden ist, dass der Millionenstadt Köln auch einigermaßen gerecht wird. Etwas kritisch sehe ich demgegenüber den Trend der allgemeinen Preissteigerung und auch der Service war zumindest an diesem Abend ausnahmsweise nicht ganz herausragend. Dennoch wünsche ich natürlich Lervig und der CCC weiterhin großen Erfolg und noch ganz viele leckerere Biere. Vielen Dank also an beide für diesen interessanten und über weite Strecken leckeren Abend in der Domstadt.

¡Skål!

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/360250171406806/.

Weitere Informationen zur CCC unter: http://www.craftbeercorner.de

416. Raschhofer Lebenslust

Es scheint als hätte sich der goldene Oktober nun freundlicherweise in weiten Teilen stabilisiert zu haben. Höchste Zeit also für ein wenig Lebenslust. Wer mein Blog regelmäßig verfolgt und sich brav an meine Trinkempfehlungen hält, sollte zwar im Grunde genügend hiervon haben, aber sich ist sicher.

Die Lebenslust der österreichischen Traditionsbrauerei Raschhofer ist nach einem belgischen Witbier gebraut und enthält neben Haferflocken auch die Witbier-typischen urtümlichen Gewürze Koriander, Salz und zusätzlich Orangenschalen. Die 1645 gegründete Brauerei aus dem Innviertel (im Bier-Sinne quasi das Franken Österreichs) hat neben süddeutschen Bierklassikern auch seit einiger Zeit Biere des sog. Craft-Segments, wie Pale Ale, Red Ale oder Porter im Sortiment.

„Ein solches Bier zu brauen ist eine Kunst. Wie jene, das Leben zu genießen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Witbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Haferflocken, Koriander, Bitterorangen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Altheim (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr sauer-fruchtig, hefig-bananig, leicht würzig, erfrischend
Geschmack: mittelgroßer Körper, erfrischend, leicht sauer, etwas hellmalzig-würzig, weizig-hefig, feinperlig, süß-waldiger Abgang
Gesamt: Auch wenn das Innviertel nicht gerade in der Nähe Belgiens liegt, ist dieses Witbier mehr als solide gelungen. In jedem Falle stilsicher, hätte ich mir nur noch etwas mehr Tiefgang und Charakter gewünscht. So gehen die 11.5 Pkt (2(+)) aber voll in Ordnung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.raschhoferbier.at/.

Prost & guten Abend! 🍻

411. Abbaye de Vauclair Imperiale

Am heutigen Tag der deutschen Einheit möchte meine Testreihe zu den Lidl-Bieren mit einer Flasche fortsetzen, die zumindest optisch gerade für Discounter-Verhältnisse aus dem Rahmen fällt.

Gebraut wird das Bier laut Etikett von der Brasserie de Saint-Omer aus Nord-Pas-de-Calais. Die Brauerei wurde 1866 gegründet und nach einigen Expansionen wie viele andere französische Brauereien von Heineken geschluckt. Als eine der wenigen jedoch gelang es den Verantwortlichen 2005 wieder unabhängig zu werden. Dass es nun diese recht kleine französische Brauerei ins deutsche Lidl geschafft hat, liegt nach meinen Recherchen vermutlich am Auftraggeber der Brasserie de Goudale – besser bekannt auch als „Les Brasseurs De Gayant„. Nach inoffiziellen Angaben wird zumindest das Export-Bier dort im benachbarten Arques hergestellt und abgefüllt.

Die namensgebende Abtei Vauclair befindet sich knapp 200km südöstlich der Brauereien in der Nähe von Reims. Es war ein Zisterzienser-Kloster, das 1134 gegründet wurde und erst durch eine Zerstörung im Ersten Weltkrieg geschlossen wurde. Heute befinden sich zwischen den Ruinen ein Garten für Obst und Heilkräuter.

Das Bier selbst wartet mit einigen positiven und negativen Überraschungen auf der Zutatenliste auf. So wurde dem Sud, der dem Stile nach einem klassischen nordfranzösischen Bière de Garde nachempfunden ist, neben Orangenschalen auch Weizen, Roggen und Hafer in der Rohfruchtform beigemengt. Wie es oft in BeNeLux und Nordfrankreich üblich ist, wurde zudem aber leider auch mit Glukosesirup nachgeholfen, um vermutlich eine höhere Vergärung zu erzielen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bière de Garde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Glukosesirup, Orangenschalen, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Saint-Omer (Frankreich)
Erscheinungsjahr. . .
2008

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: etwas metallisch, würzig-süß, Karamell, gering säuerlich, spritzig
Geschmack: vollmundig, weich, cremig, süßlich karamellig, malzig, gering getreidig, waldig, harzig, etwas fruchtig, säuerlich & bitter, leicht alkoholaromatisch, feinperlig, öliger warmer bittersüßer Abgang
Gesamt: Fast wie vermutet täuscht das edel Äußere etwas über das ziemlich durchwachsene Innere hinweg. Gerade in der Nase kein Genuss steigert es sich aber auf der Zunge. Hier gibt es dann ein wahres Spektakel an unterschiedlichen Aromen, die jedoch zu unausbalanciert wirken. Auch die permanent unterschwellige Alkoholnote wirkt sich negativ auf die Gesamtnote von 11 Pkt. (2) aus.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/abbaye-de-vauclair-imperiale/509629/.

Prost & guten Abend! 🍻

Acht Getreidesorten auf einen Schluck – Sechtemer & Brühler brauen eigenes Craftbeer

Der General-Anzeiger Bonn war bei meinem letzten Brautag bei Braukunst Vorgebirge, wo wir den dritten Sud des weltweit einzigartigen CEREVISIA M als 8-Korn-Alt gebraut haben.

Der Artikel ist digital auf hierunter abrufbar:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/bornheim/Sechtemer-und-Br%C3%BChler-brauen-ihr-eigenes-Craftbeer-article3911681.html
#Handwerk #Natürlichkeit #Qualität #Vielfalt #Regionalität #Transparenz #Gerste #Weizen #Roggen #Hafer #Reis #Mais #Hirse #Dinkel

372. Stone Xocoveza

In NRW haben mit diesem Wochenende die Sommerferien begonnen. Passenderweise habe ich hierzu ein Bier ausgewählt, das für die Ferien bzw. den Urlaub gebraut wurde. Unpassenderweise waren damit eigentlich die Winter- bzw. Weihnachtsferien gemeint. Da ich aber über genügend Flexibilität verfüge und es eben ein nächstes Craft-Bier aus der Dose ist muss eben jetzt erst/schon dran glauben.

Die Rede ist vom sog. Mocha Stout Xocoveza vom kalifornischen Brauunternehmen Stone Brewing. 1996 ins Leben gerufen gehört Stone inzwischen zu den Top Ten der amerikanischen Craft-Brauereien. Dabei setzt Chairman Greg Koch auf ein internationales Multi-Channel Konzept. So gibt es neben dem Stammsitz in Escondido auch diverse Gaststätten und Läden in den USA und im amerikanischen Ausland. Begleitet mit ordentlich PR eröffnete man 2016 auch eine Niederlassung in Berlin, wo die wohl größte Bier-Gastronomie der Bundeshauptstadt angegliedert ist. Sowohl jenseits wie diesseits des Atlantiks bedient Stone das klassische Klischee, das man von Craftbier haben könnte und lässt bei seinen Bieren der Kreativität freien Lauf. So werden neben einem IPA-lastigen Stammsortiment viele saisonale und limitierte Biere eingebraut, bei denen vor allem mit vielen (natürlichen) Zutaten experimentiert wird. Im Xocoveza finden sich gleich sieben Zutaten wieder, die recht selten den Weg in den Braukessel finden. Neben Hafer als zusätzliches Getreide, kann man sich auf eine Komposition aus Kaffee, Kakao, Zimt, Vanille, Chili und Muskatnuss freuen. Dabei geht das Rezept auf Chris Banker zurück, der es 2014 in San Diego im Rahmen eines Hobbybrau-Wettbewerbs einreichte.

„Happy holidays from all of us to all of you…“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hafer, Hopfen, Kaffee, Kakao, Zimt, Vanille, Chili, Muskatnuss, Laktose, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin [Escondido / USA]
Erscheinungsjahr. . .
2017 [2014]

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13,5
Fazit

Geruch: Vanille, Milchzucker, Cappuccino, Schokolade, frisch, leicht fruchtig, leicht röstig
Geschmack: voller Körper, weich, süß, Vanille, etwas würzig & röstig, Zartbitter, weniger Kaffee, feinperlig-matt, etwas Schärfe im Abgang
Gesamt: Wow. Selbst für so einen heißen Sommer-Final-Tag ist das Bier wirklich genial. Einen derartig leckeren Kakaogeschmack habe ich bislang in keinem Bier gehabt. Die Zutaten scheinen hervorragend aufeinander abgestimmt und harmonieren sehr gut. Die Muskatnuss und das Chili halten sich dezent im Hintergrund, während Kakao, Kaffee und Laktose zu einem wahrlich spannenden Mokka-Stout verschmelzen. Abzüge gibt es eigentlich nur deshalb, da es mir noch etwas zu wenig mehrdimensional wirkt und ich mich frage, ob man den Geschmack nicht auch mit weniger Zutaten hätte hinbekommen. So bleibt die Uhr aber dennoch bei starken 13,5 Pkt. (1(-)) stehen. Vielleicht hätte es an Weihnachten auch die 14 Pkt.-Marke geknackt…

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.stonebrewing.eu/node/434071?language=de.

Prost & guten Abend! 🍻

367. Fuller’s & Friends New England IPA

Auch wenn der Hype um das New England IPA zuletzt etwas nachgelassen hat ist es immer noch das aktuelle Trend-Craft-Bier. Erst vorletztes Jahr „erfunden“ soll es noch fruchtiger, herber und schwerer sein als ein klassisches India Pale Ale. Hierfür werden besonderes aromatische Hopfensorten vor allem aus den östlichen USA und Großbritannien verwendet. Besonders intensive NEIPA erinnern mehr an einen Fruchtsaft als an ein Bier, womit jedoch selbst dieser Trend eine Nische in der Nische bildet.

Gebraut wird das heutige NEIPA zum Einen von der renommierten Brauerei Fuller. 1834 gegründet gehört sie zu den wenigen traditionellen englischen Brauereien, die die „Craftbeer-Welle“ sehr gut für sich nutzen konnte. Auch wenn in England ohnehin eine größere Brauereidichte und Biervielfalt herrscht als in weiten Teilen Deutschlands, sind die nahezu 70 Biere, die Fuller derzeit im Sortiment hat ein immenser Wert. Sowohl in Sachen Qualität als auch bei Vielfalt in Tradition und Moderne gibt es wenige Brauereien auf der Insel die Fuller das Wasser bzw. Bier reichen können.

Im letzten Jahr ist man einen Schritt weitergegangen und ist für sechs spezielle Biere (u.a. Smoked Porter, New Zealand Saison, Red Rye Ale) Kollaborationen mit anderen kleineren Brauereien eingegangen. Für das NEIPA stand Cloudwater-Brew aus Manchester zur Verfügung. Dabei fand die Pilotierung und Entwicklung der Biere beim jeweiligen Kollaborations-Partner statt, während der Hauptsud und die Abfüllung in der Griffin-Brauerei in London durchgeführt wurde.

„Collaboration is not just about agreeing a recipe then brewing a beer, it is a great way to make friends.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . New England IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hafer, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . London/Manchester (England)
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Ananas, Mango, Heidelbeere, Pfirsich & Grapefruit, grasig, leicht herb, klar karamell-malzig
Geschmack: voller Körper, sehr grasig-herb, recht bitter, würzig, unterschwellige Karamellaromen, leichte helle Fruchtnoten, alkoholaromatisch, spritzig, würzig-warmer Abgang
Gesamt: Ein Bier, das ich an diesem heutigen Montag-Abend einfach super gebrauchen kann. Erfrischend anders überzeugt mich vor allem die grasig-herbe Hopfennote und die würzige Bittere. Interessant ist zudem das Alkoholaroma, was teils fast an eine Spirituose erinnert und dennoch nicht aufdringlich ist. Auch wenn ich mir mehr Fruchtaromen und einen Hauch mehr Karamell gewünscht hätte, möchte ich das NEIPA mit 13 Pkt. (1-) belohnen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.fullers.co.uk/blog/beer-articles/fullers-and-friends.

Prost & guten Abend! 🍻

363. Mikrobrauerei Heinenhof – Bierverkostung zur Eule 07/18

Heinenhof Nashy | Heinenhof Roter Korsar | Heinenhof Rheinische Felder | Heinenhof Schäselong | [költ]

Der letzte reguläre Biermontag in der Brühler Eule stand wieder mal ganz im Zeichen eines Gastbrauers, der durch den Abend führt. Nach Ale-Mania mit Fritz Wülfing (03/18) und der Lechenicher Blue Cat (05/18) war es für mich auch das erste Mal, dass ich auch dabei sein konnte. Gleichzeitig war es auch ein Novum in über 25 Biermontagen: Es gab ausschließlich Fassbiere und kein Bier aus der Flasche.

Angetreten war diesmal Michael Roeßgen von der Mikrobrauerei Heinenhof aus Pulheim-Orr – einem kleinen Gehöft nord-östlich von Pulheim. 2012 vom Profi-Radsport zurückgetreten, war Michael zunächst fünf Jahre im Düsseldorfer Landtag tätig. In dieser Zeit begann er mit dem Hobbybrauen und schloss sich den Kölner Bierhistorikern an, dem größten Hobbybrauverband der Region. Zur weiteren Spezialisierung seines angesammelten praktischen Wissens, vertiefte er auch die Theorie im Rahmen eines Biersommelier-Lehrgangs in Bamberg 2014. Im Laufe der Zeit reifte in ihm immer mehr der Gedanke eine eigene Brauerei zu eröffnen. Und so half ein weinig der Zufall weiter, als er von einem Freund erfuhr, dass der Heinenhof zur Verfügung steht. Zunächst waren allerdings noch einige Umbauten von Nöten, um hier auch alle gesetzlichen Bedingungen für den Braubetrieb zu erfüllen. Ende 2017 war es dann soweit und der erste Sud lief in die Fässer am Heinenhof. Die Zusammenarbeit mit den Bierhistorikern ist damit aber nicht beendet. Im Gegenteil, unter der Marke Craftbeer Creations Cologne (nicht zu verwechseln mit der Craftbeer Corner Coeln) kommt es zum Joint Venture der beiden bei der historische oder kreative Biere entwickelt werden. Dabei gilt stehts das Motto „So authentisch wie möglich, und den heutigen Genussgewohnheiten so angepasst wie nötig“.

Neben der Brauerei gibt es übrigens weiterhin einen Bauernhof mit Hofladen vor Ort.

Am mobilen Zapfhahn hatte Michael gleich 5 seiner aktuellen Köstlichkeiten mitgebracht:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch-Marken vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal gab es jedoch „brauereibedingt“ kein Kölsch, sondern ein Wieß. Nach dem Bönnsch und dem Bonner Wieß von Ale-Mania ist es das dritte im Bunde, zeichnet sich jedoch noch durch eine (weitere) Besonderheit aus. Denn es ist nicht nur ein Wieß – also ein naturtrübes Kölsch – sondern auch noch kaltgehopft. Auf Basis des Heinenhofer Klassikers des Landkölner Wieß wurde somit das Nashy kreiert. Der Name  bezieht sich dabei auf die in Nashville entwickelten Hopfensorten Calypso, Lemondrop und Mosaic, welche zur Hopfenstopfung Verwendung fanden. Auf die Idee ist Michael während seines Aufenthaltes vor Ort im vergangen Jahr gekommen. Damit nicht  genug wurden hier nicht „herkömmliche“ Hopfenpellets verwendet, sondern sog. Kryo-Hopfen. Diese T45-Pellets sind im Gegensatz zu den verbreiteteren T90-Pellets hochkonzentriert und eben tiefgefroren. Zudem besteht hier die Möglichkeit durch Extraktion von Hopfenbestandteilen ausschließlich eine bestimmte Bittere zu erhalten und andere aromabildenden Bestandteile zu separieren. Richtigerweise wurde beim Nashy bemerkt, dass es sich durch die Kalthopfung streng genommen nicht mehr um ein Wieß handeln könnte. Da es hierfür explizit aber noch keinen Bierstil gibt, läuft das Bier inoffiziell auch unter der Bezeichung Colonial Pale Ale.

Persönlicher Eindruck:
– sehr zitrusfruchtig, heuartig, grasig, hopfig, kräuterig, Tee, Grapefruit
– trocken, süffig, hopfig-grasig-herb, dumpf-fruchtig, moderate Bittere

Bier #2 war der Rote Korsar – ein Saison-Bier. Der Name leitet sich hier ebenfalls von der verwendeten Hopfensorte ab: dem Barbe-Rouge-Hopfen aus dem Elsass. Interessant ist daneben auch die Gärtemperatur von 26°C und der hohe Endvergärungsgrad von 95%. Kreiert wurde das Bier zum Start der diesjährigen Spargel-Saison zu dem man das Bier sehr gut trinken kann.

Persönlicher Eindruck:
– würzig, hefig, bananig, spritzig, leicht grasig
– weich, hefig, bananig-fruchtig, leicht bitter, trocken, hellmalzig, (Karamell-S9süß, bitter süßer-Abgang

Weiter ging es mit einem Double IPA – die Rheinischen Felder. Im Stile eines West-Coast IPA soll der Name an den römischen Naturkundler Plinius den Älteren erinnern, der bei den Germanen im Rheinland den Hopfen erforscht hatte. Das Bier läuft übrigens unter dem C³-Label.

Persönlicher Eindruck:
– stark hopfig, leicht Karamell, mehr Gras als Frucht, kräuterig, bitter
– ölig, schwer bitter, süßlich , grasig-herb, unterschwellige Karamell-Süße

Im Anschluss folgte dann ein Bière de Garde. Früher auf nordfranzösischen Höfen gebraut, hat sich Michael und seine Historiker-Kollegen an eine Interpretation mit dem Namen Schäselong gemacht.

Persönlicher Eindruck:
– leicht röstig, dunkelmalzig, rotfruchtig, blumig
– ölig, dunkel, leicht röstig, dezent fruchtig, malzbetont, matt, karamell-fruchtiger Abgang, Restsüße von Honig

Das letzte Bier der Verkostung war die Süffige Sünde. Bereits beim Festival der Bierkulturen in Köln-Ehrenfeld vor 2 Wochen proBiert, war es nun zwar kein neues Bier mehr, aber erneut hochspannend und mein Lieblingsbier des Abends. Das Kölnische Knupp ist eines der Bierstile, die Michael auch im Rahmen seines Engagements der Kölner Bierhistoriker betreut. Es handelt sich  dabei um ein dunkles, untergäriges Starkbier, dass in Köln und Umland bis ins 19. Jahrhundert ähnlich beliebt war wie heute das Kölsch. Die Stärke in Verbindung mit einer recht hohen Süffigkeit führten jedoch auch zu immer häufigeren gewalttätigen Auseinandersetzungen von An- oder Betrunkenen. Dies veranlasste den Kölner Rat schließlich das Bier in Köln zu verbieten und nur noch das Brauen von obergärigem hellen Bier (also dem Wieß (als Vorläufer zum Kölsch)) zu gestatten. Dies hatte zwei Dinge zur Folge: Erstens verlagerten sich die Braustätten nun vor die Tore von Köln und zweitens war damit der Weg für den bis heute anhaltenden Kölsch-Siegeszug geebnet. Aus alter Tradition verbunden braut nun Michael genau dieses Knupp vor den Grenzen der Domstadt. Neben diversen Caramalzen, verwendet er zudem Schoko-, Rauch- und Kaffee-light-Malz sowie Röstgerste, Haferflocken und Süßholzwurzel.

Persönlicher Eindruck:
– sauer, frisch, dunkelmalzig, Kaffee, Zartbitter, wenig Rauch
– ölig, sehr dunkelmalzig, Schoko-Cappuccino, etwas Laktritz, etwas bitter, cremig, leicht rauchig-röstiger Abgang

Gesamtfazit:

Ein wirklich toller Abend mit einem sympathischen authentischen Brauer und durchweg (sehr) leckeren und frischen Bieren. Es ist immer wieder erstaunlich, wie eine Mikrobrauerei vielfältigere Qualität erreichen kann als eine große Industriebrauerei. Wer also mal im westlichen Kölner Umland unterwegs sein sollte, dem sei der Heinenhof sehr empfohlen. Jeden zweiten Freitag im Montag gibt es auch ein offenes Tasting mit Bierverkauf. Zum Glück hatte Michael auch noch ein paar Flaschen seiner Köstlichkeiten mitgebracht, sodass ich beim Landkölner Wieß zugeschlagen habe, welches ich in Kürze hier separat vorstellen werde.

Meine persönliche Gesamtwertung der Juli-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung hatte ich in professioneller Runde nun auch endlich die Gelegenheit das schon angekündigte költ zu proBieren. Hierzu wird es in Kürze einen Sonderbericht geben.

Vielen Dank also nochmals an Michael für den interessanten und leckeren Abend.
Mit dem Hinweis auf die nächste Verkostung am 6. August zum Thema „Tschechische Biere“ verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Festival der Bierkulturen 2018

Lahnsteiner Gruitbier | Lahnsteiner Burbator | Elusive Desert Isle | Solvay Society Dubbel Beta Coumarin | Kölner Bierhistoriker Knalt | Kölner Bierhistoriker Deutsches Porter 1900 | CCC Heinenhof Süffige Sünde | Orca Bräu Wildfang #1 | AleMania Chocolate Mint Stout | Bayrischer Bahnhof Sweet Pineus Buchweizen  | Bayrischer Bahnhofs Cuvee | Heidenpeters Wild IPA | Heidenpeters + Orca Bräu Tea Time Pale Ale | Bierserker Luiserl | Brauprojekt 777 Barley Wine | Helios Tripel Bock | Helios Black Out Rum |  Bunthaus Root Wild Ale | 3rd Sector Aam Laasse | 3rd Sector Salacia – Godess of the Deep | Pax-Bräu from Asia with Love | Bierfabrik Berlin Malt Liquor | Lahnsteiner Cool Elephants | Lahnsteiner Honigbier

Während die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in vollem Gange ist feierte Köln am vergangen Wochenende das Festival der Bierkulturen. Das in diesem Jahr schon zum 9. Mal stattfindende bierige Großereignis ist eines der wichtigsten Krerativbierfeste in NRW und zieht Jahr für Jahr mehr Publikum an. So habe ich es dieses Mal auch endlich geschafft und war mit Nils am Samstag vor Ort.

Pünkltich um kurz vor 14 Uhr konnten wir uns dann in die schon gebildete Schlange einreihen. Kurze Zeit später waren wir dann drin und versuchten uns erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Doch bei 25 Ausstellern und etwa 125 Bieren wurden wir zunächst regelrecht erschlagen von der Quantität der Auswahl. Auch qualitativ stellte sich schnell ein hohes Niveau heraus, das einem fast überforderte. So gab es neben den lokalen und regionalen Marken wie die Helios-Braustelle als Veranstalter, die Kölner Bierhistoriker, Ale-Mania aus Bonn oder die Mikrobrauerei Heinenhof auch deutsche Größen wie Kehrwieder, Heidenpeters, Orca-Bräu oder Pax-Bräu sowie internationale Brauereien aus Großbritannien (40Ft, Elusive, Iron Pier & Solvay) und Belgien (‚t Hofbrouwerijke & Hof ten Dormaal).

Aufgeteilt waren diese im großen Saal, im Jugendbistro und im Außenzelt des Bügerzentrums Ehrenfelds. An jedem Stand gab es Fladenbrot zur Stärkung und zudem an der Küche kostenfreies Wasser zur Neutralisierung und zum Mineralhaushaltsausgleich.

Angesichts eines straffen Zeitplans (ich musste Abends familär bedingt wieder daheim sein) gingen wir diszipliniert zu Gange und wählten ganz bewusst außergewöhnliche Biere, die weder zu klassisch traditionell noch zu klassisch kreativ waren.

 

Impressionen:

Bierfacts:

  • Lahnsteiner Gruitbier:
    – obergärig; 4,9%; 11.3°P
    – naturtrübes Kräuterbier wie im Mittelalter mit Muskatblüte, Wacholderbeeren & Salbei
    – von der Familienbrauerei Lahnstein südlich von Koblenz am Rhein
    – die Geschichte der in der 10. Generation geführten Brauerei geht bis 1411 zurück
    – neben einer tollen Vielfalt an Bieren verkauft die Brauerei auch vielerlei bierige Produkte wie Knabbermalz oder Hopfentee
    – Goldmedaille beim International Craft Beer Award 2015
    – säuerlich, frisch, gewürzig
    – https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Lahnsteiner Bourbator:
    – obergärig; 8%; 18.5°P
    – heller Bock gereift auf Bourbonholz
    – Goldmedaille beim International Craft Beer Award 2017
    – genau richtige Whisky-Note, malzig, leicht ölig
    – https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Elusive Desert Isle:
    – obergärig; 4,5%
    – Lime-&-Coconut-Hopfenweisse
    – gehopft mit Motueka & Wai-Iti
    – aus dem englischen Birkshire
    – Limette, Gras, herb
    – https://www.elusivebrewing.com/blog-1/
  • Solvay Society Dubbel Beta Coumarin:
    – obergärig; 6%
    – Dubbel mit Tonka-Bohnen und rote Beete
    – vom Stadtrand der britischen Hauptstadt
    „Oud Belgium. Nouvel London.“
    – wenig Tonka-Bohne, wenig rote Beete, getreidig
    http://solvaysociety.com/beers/
  • Kölner Bierhistoriker Knalt:
    – obergärig; 4,5%; 14°P
    – leicht kalt gehopftes klassisches Altbier
    – von den äußerst sympathischen Kölner Hobbybrauern, die sich herausragend für alte Rezepte einsetzen
    – „auf den Spuren (fast) vergessener Bierrezepturen und Brautraditionen“
    – frisch, geschmeidig, süßlich, leicht röstig
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • Kölner Bierhistoriker Deutsches Porter 1900:
    – obergärig; 5,1%; 13.7°P
    – deutsches Porter nach historischen Rezept
    – schön malzig, süffig, Kakao, Kaffee
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • CCC Heinenhof Süffige Sünde:
    – untergärig; 6,5%; 16°P
    – historisches Kölnisches Knupp
    – mit Hafermalz und Süßholzwurzel
    – von der letztes Jahr aus den KBH entstandenen Mikrobrauerei Heinenhof aus Pulheim-Orr
    – ist der nächste Gast beim Montagstasting in der Eule
    – Kaffee, Vanille, wenig Rauch, cremig
    https://www.heinenhof.de/mikrobrauerei/
  • Orca Bräu Wildfang #1:
    – obergärig; 6,5%
    – Sour Saison im Pflaumenschnapsfass gereift
    – von der von Felix vom Endt 2017 gegründeten Nürnberger Kreativbierbrauerei
    – eine der Speerspitzen der deutschen Kreativbierszene (u.a. mit Waldbieren oder alternative Getreiden)
    – gut sauer, fruchtig, erfrischend
    http://www.orcabrau.de/
  • AleMania Chocolate Mint Stout:
    – obergärig; 6%; 16°P
    – Test-Batch mit Schokomalz, Haferflocken, Kakao, Laktose & Pfefferminze
    – vom Bonner Kreativbier-Pionier Fritz Wülfing
    – Minze, Schoko, süffig
    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn
  • Bayrischer Bahnhof Sweet Pineus Buchweizen:
    – obergärig; 4%
    – Gose mit 50% Buchweizenanteil
    – von der seit 2003 bestehenden Gosebrauerei in Leipzig
    – vom ältesten erhaltenen Kopfbahnhof der Welt
    – mild, fruchtig, süffig, sehr lecker
    https://www.bayerischer-bahnhof.de/de/hausgemachte-biere.html
  • Bayrischer Bahnhofs Cuvee:
    – obergärig; 5%
    – Verschnitt von mehreren Goses
    – etwas zu sauer, Komplexität schwer schmeckbar
    https://www.bayerischer-bahnhof.de/de/hausgemachte-biere.html
  • Heidenpeters Wild IPA:
    – obergärig; 8,2%
    – double dry hopped IPA mit Apfelsaft vergoren und Tannennadeln des Spreewalds versetzt
    – von einer der bekanntesten Berliner Craftbier-Brauereien
    – mäßig, mehr IPA als Apfelsaft, zu wenig waldig
    http://www.heidenpeters.de/
  • Heidenpeters | Orca Bräu Tea Time Pale Ale:
    – obergärig; 5%
    – Weizen Pale Ale mit Roibuschtee
    – Kollaboration zwischen Johannes Heidenpeter & Felix vom Endt
    – frisch, teeig, waldig, lecker
    http://www.heidenpeters.de/
  • Bierserker Luiserl:
    – obergärig; 5,4%; 14.5°P
    – Ale mit Zitronenverbene gebraut
    – vom wohl kreativste Bonner Brauer Ulrich Karl Tröger
    – abgefüllt im Siegburger Brauhaus
    – pilsig-herb, trocken-würzig, leicht getreidig
    http://www.bierserker.de/
  • Brauprojekt 777 Barley Wine:
    – obergärig; ?%
    – einziges Barley Wine des Festivals
    – von der 2013 gegründeten Handwerksbrauerei aus dem niederrheinischen Spelle
    – am untersten Rand der Öligkeit, hohe Drinkability, gut für Einsteiger
    http://brauprojekt777.de/
  • Helios Tripel Bock:
    – obergärig; 9,5%
    – hopfen- & malzbetontes helles Strong Ale
    – von der 2001 gegründeten Braustelle – Ehrenfelds einziger und Kölns kleinster Brauerei
    – gemüsig, cremig, ölig, würzig, süßlich
    http://braustelle.com/flaschenbier.html
  • Helios Black Out Rum:
    – obergärig; 14%
    – im Rumfass gelagertes hochprozentiges Stout
    – Rum, Rum, Rum
    http://braustelle.com/flaschenbier.html
  • Bunthaus Beet Root Wild Ale:
    – obergärig; 5,5%
    – American Wild Ale
    – letztes Jahr enstandenene Handwerksbrauerei von der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg
    – gebraut wird unangepasst an der Bunthäuser Spitze
    – Essig, normal säuerlich, fruchtig
    http://www.bunthaus.beer/die-biere/beetroot-wild-ale/
  • 3rd Sector Aam Laasse:
    – obergärig; 8,8%
    – All-Hop Mango Milkshake-IPA
    – von der noch recht frischen Essener Craftbierstube
    – wenig Milch, wenig Frucht, ok
    https://thirdsectorbrewing.de/
  • 3rd Sector Salacia – Godess of the Deep:
    – obergärig; 9,2%
    – Bourbon-Oaked Imperial Chocolate Stout on roasted Hazelnuts
    – ölig, süß, holzig, röstig, nussig
    https://thirdsectorbrewing.de/
  • Pax-Bräu from Asia with Love:
    – obergärig; 7,1%; 18°P
    – Doppel-Wit – Szechuan Style
    – mit Emmermalz, Bitterorangenschale, Habanero Chili, Ingwer, Szechuanpfeffer, Zitronengras & Koriander
    – von einem der führenden Natürlichkeits-Brauer Andreas Seufert aus Oberelsbach in der unterfränkischen Rhön
    – Pfeffer, Zitronengras, wenig Balance, wenig Spitzen
    https://pax-braeu.de/shop/from-asia-with-love-2/
  • Bierfabrik Berlin Malt Liquor:
    – untergärig; 6,7%
    – ursprüngliches Strong Lager
    – vom noch jungen Berliner Brauhaus Bierfabrik
    – malzig, waldig, vollmundig
    http://www.berlinerbierfabrik.com/
  • Lahnsteiner Cool Elephants:
    – untergärig; 10,2%
    – Megabock Rohminator gereift auf Sandelholzchips
    – Silbermedaille beim International Craft Beer Award 2017
    – Mitbringsel vom Festival zum Absacker-Verzehr
    https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Lahnsteiner Honigbier:
    – obergärig; 10,7%
    – naturtrübes Bier, nachvergoren mit Blütenhonig
    – getrunken beim Schreiben dieser Zeilen
    – waldig-süß, sehr alkoholaromatisch, leicht ölig, leichte Bittere, mittel-schwerer Körper, matt-feinperlig, trocken-warmer Abgang
    https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
    http://www.magazin-objektiv.de

Fazit:

Auch wenn es mir am Sonntag Morgen so schlecht wie nie in meiner Blogzeit ging, war es einfach ein überragendes Bierfestival. Alleine die schiere Auswahl an kreativen und handwerklich gut gemachten Bieren lässt jedes Bierherz höher schlagen. Die Mischung aus lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Highlights war wirklich außerordentlich. Dass vor allem der Samstag wieder frühzeitig ausverkauft war, ist der beste Beweis für die hohe Qualität des Fesitvals und der große Wunsch der Bierbegeisterten nach guten kreativen Bieren. Auch die Möglichkeit sich die ein oder andere Flasche bzw. ein anderes bieriges Produkt mitnehmen zu können war gut. Zu kritisieren hätte ich lediglich den Umstand, dass es mir insgesamt etwas zu unübersichtlich war und man so manchmal etwas Mühe hatte an sein Lieblingsbier zu kommen. Nichtsdestotrotz war es wohl das beste Bierfestival, das ich seit Anbeginn des Blogs besucht habe und es definitv auch für das kommende Jahr vorgemerkt. Danke Peter Esser und danke auch an alle anderen Brauer und Unterstützer für dieses biergeniale Großereignis.

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/1867617260158489/.

Oder unter: https://www.koeln.de/branchen/eintrag/1276/brauereien/braustellebuergerzentrum-ehrenfeld/
bzw. http://braustelle.com/festival-der-bierkulturen-2018.html

345. Rügener Inselbrauerei Insel Kap

Ebenfalls in unserem Nordsee-Urlaub in Ostfriesland gekauft habe ich das heutige Bier von der anderen deutschen See. Genauer auf der größten Insel dort Rügen, braut man seit einigen Jahren „Seltenes Bier“. Dabei fokussiert sich die Brauerei ganz bewusst auf zumindest in Deutschland wirklich noch seltene Bierstile, wie Gose, Tripel, Saison oder andere Ales. Besonders macht das Bier zusätzlich die offene Gärung in flachen Becken mit obergärigen Hefen und die daran anschließende weitere Gärung in der Flasche. Hierbei ist die Rügener Inselbrauerei auch eine der wenigen, die ehrlicherweise in der Zutatenliste erwähnen, dass zur Karbonisierung auch Traubenzucker zugesetzt wird. Zudem schafft es die Brauerei ganzjährig Doldenhopfen und keine Pellets oder gar Extrakte für ihre Biere zu verwenden. Neben dem Bierbrauen von qualitativ hochwertigen Bieren engagiert sich die Brauerei auch im Bereich Naturschutz. So hat man bereits 150.000€ für die Arterhaltung des Seeadlers im deutschen Ostsee-Brutgebiet gespendet und arbeitet hierbei eng mit dem WWF zusammen. Auch das für die Brauerei typische Papier wird nachhaltig erzeugt und in einer selbst entwickelten Technik um die Flaschen gewickelt, womit man übrigens auch den besten Lichtschutz erreicht. Zudem wird die Inselbrauerei mit Solarenergie betrieben.

Bei dem heutigen Insel Kap handelt es sich um ein Oatmeal Stout. Das heißt, hier ist neben Gersten- und Weizenmalz auch Hafermalz eingesetzt. Das macht den Schaum stabiler, eine gewisse Süße in der Nase und den Geschmack weicher. 2016 erzielte es bereits die Goldmedaille beim World Beer Award.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Oatmeal Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Hafermalz, (Traubenzucker), Natur-Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rambin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: sehr würzig, röstig, holzig, erdig, Kaffee-, Karamell- & Zartbitteraromen
Geschmack: voller Körper, weich, stark dunkelmalzig, sehr röstig, etwas bitter, erdig, holzig, matt, fast schon angebrannter Abgang
Gesamt: Das Insel Kap ist ein Stout mit wirklich ausgeprägten Röstaromen. Hafer- und Röstmalze harmonieren im Grunde ganz gut miteinander, wobei leider letzteres etwas zu klar hervorsticht und die eher süßlichen Aromen eines Stouts fast völlig in Vergessenheit geraten lässt. Für Freunde des erdigen und holzigen Geschmacks aber ein Genuss. Mit einem kleinen Bonus für die Brauerei-Philosophie gebe ich dem Hafer-Kap 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: https://insel-brauerei.de/wp-content/uploads/2018/03/Sommelier-Beschreibung_INSEL-KAP.pdf.

Prost & guten Abend! 🍻

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

332. Buddelship | Lervig Sauer´d Krauts

Einen Tag vor dem diesjährigen Bierjubiläum möchte ich ein wieder mal ganz besonderes Bier zur Sprache kommen lassen. In gemeinschaftlicher Arbeit haben die beiden Brauereien Buddelship aus Hamburg und Lervig Aktiebryggeri aus dem norwegischen Stavanger vor 2 Jahren ein spezielles Bier für das 500-jährige Reinheitsgebotsjubiläum produziert. Dabei sollte es – für die treue Leserschaft unter Euch – wenig verwunderlich sein, dass es ein Bier geworden ist, was eben genau nicht nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut ist. Doch selbst für mich ist die Zutatenliste doch rechtgewöhnungsbedürftig. So wurde, wie es der Name schon verrät, Sauerkraut mit eingebraut. Doch (zum Glück) kein gewöhnliches Sauerkraut, sondern Weißkohl in Ananas und Mango eingelegt. Daneben finden sich auch alle vier europäischen Hauptgetreide in der Übersicht, was mich als Unterstützer von alternativen Getreiden besonders freut. Last but not least fällt noch eine weitere Zutat ins Auge, die in dieser Form ebenfalls recht ungewöhnlich in der Bierherstellung ist: Der Lactobacillus. Dabei handelt es sich um ein Milchsäurebakterium, das bei der Gärung des Bieres Milchsäure produziert und somit neben dem fruchtigen Sauerkraut zur Versäuerung des Bieres beiträgt.

We are celebrating 500 years of Reinheitsgebot with this very unique sour ale. A collaboration with the good Germans from Buddelship, this „impure“ beer is full of oats, wheat, rye and barley, and was soured with fresh sauerkraut infused with mango and pineapple. It may not adibe by the German Purity Laws, but remember, reines bier gefährdet die gesundheit.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wild-Bier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Weißkohl, Ananas, Mango, Lactobacillus, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stavanger / Norwegen [Hamburg]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: säuerlich, fruchtig (nach Ananas & Mango), kohlig-gemüsig, hellmalzig, leicht Karamell, leicht grasig
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, sehr sauer, leicht bitter, etwas grasig, bitter-saurer Abgang
Gesamt: Wie erwartet in der Tat ein ziemlich saures Bier. Etwas, was vor allem vor zwei Jahren noch voll im Trend war. Ich selbst hatte letztes Jahr eine Phase, in der ich Sauerbiere sehr gerne getrunken habe. Derzeit allerdings darf es für mich gerne wieder etwas malziger sein. Deshalb kann ich diesem handwerklich gut gemachten Bier (bei dem mit die Farbe fast noch am besten gefällt) nur 11 Pkt. (2) geben. Nichtsdestotrotz ein gutes, wenn auch überzogenes Zeichen gegen die aktuelle Biergesetzgebung, für die das „Reinheitsgebot“ als Fassade herhält.

Weitere Infos zum Bier unter:  https://www.ratebeer.com/beer/buddelship-lervig-sauer%C2%B4d-krauts/371604/1/1/.

Prost & guten Abend! 🍻

326. Schottische Biere – Bierverkostung zur Eule 04/18

Rats Kölsch | Brewdog Punk IPA | Orkney Brewery Red MacGregor | Strathaven Craigmill Mild | Brouwerij Haacht Export Super 8

Letzten Montag war es ausnahmsweise mal (bedingt durch Ostern) wieder an einem zweiten Montag im Monat Zweit für den Biermontag in der Brühler Eule. Nachdem ich die März-Ausgabe mit Ale-Mania und Fritz Wülfing verpasst habe und auch leider bei der kommenden Verkostung im Mai mit dem Brauer vom Lechenicher Blue Cat nicht zugegen sein kann, hatte ich mich umso mehr auf dieses Tasting gefreut.

Thematisch ging es diesmal um das Bierland Schottland. Im Zeichen von 11 Jahren Brewdog ging es auf eine kleine Reise zur Britischen Insel. Neben der Vorstellung schottischer Biere, nahm uns Biersommelier Markus Weick auf mit auf seine eigene Reise durch Schottland im vergangenen Jahr. Dass er dabei noch mitten im Renovierungsstress ist, merkte man ihm kaum an.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Rats-Kölsch. Früher in der Privatbrauerei Metzmacher in Frechen gebraut, gehört es wie so viele andere Kölsch-Marken heute zum Haus der Kölschen Bierkultur und somit zur Radeberger-Gruppe. Mit etwa 50 Thl Jahresausstoß ist es eher eine kleinere Kölsch-Marke.

Persönlicher Eindruck:
viel süße Malzwürze, geringe-mittlere Hopfenbittere, schlank, feinperlig, leicht saure Fehlaromen, zu unbalanciert

Den Beginn der schottischen Biere machte das Craftbeer-Flaggschiff des Landes. Zwar erst vor 11 Jahren gegründet hat sich Brewdog zu einer mindestens europaweit bekannten Marke etabliert. Mit einer radikalen Marketing-Strategie, die vor wenig zurückschreckt und gänzlich neue Wege geht, hat man es binnen weniger Jahre zu einer festen Größe am Craftbeer-Markt gebracht. Dabei ist es weniger die Menge an gebrautem Bier, sondern vielmehr die Anzahl verschiedener Biere, die viele erstaunen lässt. Alleine im Jahre 2016 hat man es auf über 80 geschafft. Begünstigt wurde der Aufstieg Brewdogs auch von der weitaus vielfältigeren und kleinteiligeren Bierkultur der Briten. So trinkt der Brite zwar weniger Bier pro Kopf, dafür gibt es aber relativ mehr Brauereien als in Deutschland. Das erfolgreichste der Brewdog-Biere ist das Punk IPA, was es inzwischen praktisch in jedem größeren Pub auf der Insel gibt.

Persönlicher Eindruck:
– super fruchtig-hopfig, grasig, leicht malzig
– mild, weniger gehopft, frisch, fein, recht süffig, nicht bitter

Auf seiner Reise durch Schottland machte Markus auch bei einem der zahlreichen Bottledogs Halt. In den Flaschenverkaufsläden ergatterte er ein Hop-Shot – eine hochkonzentrierte Biervariante mit offiziell 20% Alkohol und über 200 IBU-Bittereinheiten.

Ähnlich wie in der England-Verkostung vor zwei Jahren, gab es an diesem Abend auch einen kleinen Exkurs nach Deutschland. Genauer gesagt sogar in die direkte Nachbarschaft zur Eule. Denn ich höchstpersönlich hatte die Ehre mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier Cerevisia M vorzustellen. Als Interpretation eines Düsseldorfer Alt hat es grundsätzlich viele Parallelen zu schottischen Bieren. So sind diese ebenfalls rubinrötlich, süßlicher, leichter gehopft und nicht so alkoholhaltig. Selbstverständlich ist das Cerevisia M als weltweit erstes Bier mit allen 7 Hauptgetreiden nicht direkt vergleichbar mit den klassischen schottischen Bierstilen. Nichtsdestotrotz kam es sehr gut an und das 5l-Fass wurde restlos ausgetrunken. Auch ein paar weitere Flaschen konnte ich noch an den Mann bringen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge, wo ich mit seiner Unterstützung das Bier brauen durfte.

Mehr zum Bier gibt es dann zum diesjährigen Tag des Deutschen Bieres und 502. Geburtstages des sog. Reinheitsgebots am 23. April.

Im Anschluss ging es wieder auf die Insel. Aber nicht auf die große britische, sondern auf die kleine Inselgruppe nördlich von Schottland. Mit dem Orkney Red MacGregor kamen wir in den Genuss eines der nördlichsten Biere Europas. 1988 gegründet kommt die eine von zwei Brauereien der Orkneys auf etwa 50 hl Jahresausstoß.

Persönlicher Eindruck:
– malzig, süß, kaum Karamell, waldig, harzig, würzig
– würzig, matt, leicht bitter, trocken, rot

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann wieder vom gefühlten Festland. Trotzdem ist aber die Brauerei noch jünger und kleiner. Das Craigmill Dark Mild ist ein Bierstil, der noch vor 50 Jahren in Schottland über 80% Marktanteil hat. Heute werden von diesem leichten und erfrischenden Bier kaum mehr als 5% verkauft.

Persönlicher Eindruck:
– dunkelmalzig, leicht röstig, süß, Kaffee
– Kaffee, schlank, bitter-röstig, mild

Gesamtfazit:
Meine persönliche (etwas beeinflusste) Gesamtwertung der April-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialität aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– malzig, grasig, süß
– feinperlig, trocken-süß, würzig

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei der Renovierung.
Mit dem Hinweis auf die übernächste Verkostung am 4. Juni, bei der ich ein paar leckere Biercocktails präsentieren werde, verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Bier-Cocktails + Cerevisia M @ Wiedereröffnungs-Party Zur Eule Brühl

Zur Eule – Bier & Brot | neue Betreiber, neue Website, neues Konzept

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Vorletztes Wochenende hatte die Zeit des wartens (offiziell) ein Ende. Die Eule in Brühl-Kierberg öffnete wieder ihre Tore und lud zur Wiedereröffnungsfeier. Mit dabei: Ich. Dazu später aber mehr. Nachdem das langjährige Pächterpaar Anfang des Jahres die Eule verließ, nutze Inhaber und Biersommelier Markus Weick die Gelegenheit für eine großangelegte Renovierungsphase. Von Keller bis Dach sollten entscheidende Stellen modernisiert werden ohne jedoch den ursprünglichen Charackter der 60er-Jahre Kneipe zu verändern. Zudem hat Markus das Konzept der Eule angepasst. So wird zukünftig das Thema (Craft)-Bier eine (noch) zentralere Rolle spielen. Nachdem es bisher nur zusätzlich zum regulären Kneipenbetrieb lief, soll sich die Eule zum Zantrum der Biervielfalt in der ganzen Region etablieren. Mit ständig über 99 Bieren im Angebot ist es schon jetzt die wohl bestsortierteste Kneipe im ganzen Kölner Raum. Und wer es eilig hat, der kann nach erfolgreicher Suche sein Bier auch im Außerhausverkauf mitnehmen. Neben dem Thema Bier, das auch weiterhin mit den Biermontagen und Schnupperkursen begleitet wird, rückt auch das Brot in den Fokus. Schließlich basieren beide auf die Wirkkraft der Hefe in Verbindung der Zutaten Wasser und Getreide. Auch historisch eng verwoben mit dem Bier treffen in Deutschland Bier- und Brotvielfalt wie nirgendwo anders auf der Welt zusammen. Während letztere für uns fast schon selbstverständlich ist, wird flächendeckend an erster zumindest wieder gearbeitet. Nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität stehen stets im Mittelpunkt der Eule. Deshalb wird zudem künftig auch kein Reissdorfer mehr, sondern Mühlen-Kölsch von Fass serviert.

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Auch wenn die Renovierungsarbeiten erst zu 40% abgeschlossen waren stieg nun vorletzten Samstag die große „Wiedereröffnungs-Sause“. Die geschätzt 200 Gäste konnten sich dabei gleich vom neuem Konzept überzeugen. Teil des neuen Konzepts ist auch die Eule als Plattform für andere anzubieten. So boten die Kierberger Urgesteine Old Friends über zwei Stunden wirklich sehr gute Musik mit zahlreichen Zugaben.

Und auch ich durfte Teil der Sause sein und das schon sehr gute Angebot an Bier, Brot und Musik mit leckeren Bier-Cocktails ergänzen. Ein Thema, was zwar noch ein regelrechtes Nischen-Dasein fristet und von einigen „Experten“ auch verpönt wird, dass aber langsam auch an Attraktivität und Popularität gewinnt. Im Zeichen der Biervielfalt bot ich an der eigentlichen Kegelbahn zwölf Cocktails zu zehn verschiedenen Bierstilen an. Besonders beliebt waren dabei der Weißbier-Mojito, Regions-bedingt natürlich die Kölsch-Colada, der Klassiker Cerveza Libre aber erfreulicherweise auch das India Pale Gold mit IPA. Da ich zunächst mit einem konservativem Publikum gerechnet habe, hatte ich sowohl Preis als auch Auswahl beschränkt. Neben den auf meiner verlinkten Seite genannten Bier-Cocktails ist die Welt natürlich relativ unerschöpflich. Schließlich multiplizieren sich hier Bier- und Cocktail-Vielfalt in unglaublicher Größe. Die einzige Herausforderung bleibt es hier auch eine geschmackliche Verknüpfung zu finden, die harmonisiert. Erfreulicherweise kamen meine Bier-Cocktails aber besser an als ich dachte, sodass sich zwischenzeitlich sogar eine Schlange an meinem Stand bildete.

Neben den Bier-Cocktails bot ich außerdem auch noch mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier an, welches nun endlich fertig in der Flasche gereift war (über das Brauen und Abfüllen berichtete ich bereits). Auf den Namen Cerevisia M (Cerevisia für Getreidebier – M für 1.000) getauft ist es meines Wissens nach das erste Bier der Welt aus allen sieben Hauptgetreiden – dazu aber auch später an dieser Stelle mehr. Die fruchtig-würzig-süße Interpretation eines unfiltrierten Alts kam dann sogar so gut bei den Gästen an, dass von meinem mitgebrachten Kasten nur noch vier Flaschen übrig blieben. Gemeinsam mit Ralf vom Braukunst Vorgebirge genug Ansporn um die Rezeptur noch etwas zu verfeinern und mit dem Bier durchzustarten ;). Wer es verpasst hat, dem sei übrigens der nächste Biermontag (09.04.) in der Eule ans Herz gelegt, an dem das Bier Teil des schottischen Abends sein wird.

Nachdem fast alle Gäste wieder dem Heimweg angetreten hatten probierte ich mich (wo ich schon beim frevelhaften Biermischen war) wieder mal an meinem Nebenbei-Projekt Bier-Blend heran. Diesmal hatte ich Helles mit Schwarbier sowie Kölsch und Pils gemischt, welches beides schon besser war als mein erstes Schwarz-Weißbier.

Weitere Infos zur Eule und zum Biersommelier Markus Weick gibt es unter:
www.eule-kierberg.de
wordpress.99-biere.de

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/2096923857205354/permalink/2096925187205221/.

 

 

312. Hanscraft & Co. Black Nizza Motor Øl

Fleißig geht es an dieser Stelle weiter mit meiner Reihe diverser deutscher Craftbeer-Klassiker aus meinen Biertasting.Club-Bierabos. Heute am Start: Das Black Nizza Motor Øl von Hanscraft aus dem fränkischen Aschaffenburg. Dabei handelt es sich um Imperial Stout, das mit zehn unterschiedlichen Malzen gebraut wurde. Zum Einsatz kam neben Gersten- und Weizen- auch Roggen- und Hafermalz. Dieser Umstand, der Bierstil selbst, den ich sehr mag, und die Brauerei, mit der ich bisher praktisch ausschließlich positive Erfahrung gemacht habe, lassen mich hoffen, dass das heutige Bier ein erstes großes Highlight in diesem Jahr setzt. Mal schauen, ob ich meine Erwartungen zu hoch angesetzt habe

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Roggen- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  22°P
Alkoholgehalt. . . . . . 9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Aschaffenburg
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr dunkel-malzig, sehr röstig, sehr cremig, sehr karamellig, schokoladig, Kaffee, harzig, leicht waldig, leicht lakritzig, wenig bitter
Geschmack: sehr cremig, sehr weich, voller Körper, matt, zartbitter-schokoladig, etwas nach Kaffee, geringe Karamell-Süße, leicht bitter, Zartbitter-Abgang
Gesamt: Schön, wenn sich Prophezeiungen mal erfüllen. Denn tatsächlich darf ich Euch heute das bisher beste Bier des Jahres präsentieren. Es erfüllt exakt, dass was ich mir von einem Imperial Stout erwarten würde. Klare Zartbitter- und Kaffee-Aromen und dazu noch extrem cremig und weich, lässt es dem Stout-Fan keine Wünsche offen. Kein Bier von dem man mehr als 2 Flaschen trinkt, aber für einen genussvollen Abend genau das richtige. Dass dann noch alle vier europäischen Getreide verarbeitet sind, macht mich natürlich noch glücklicher. Alles in allem also herausragende 14 Pkt. (1) im Gesamt-Classement.

Weitere Infos zum Bier unter: http://hc-co.de/de/.

Prost & guten Abend! 🍻

310. Ratsherrn Matrosenschluck – Oat White IPA

Unterbrochen von einer kurzen Abschluss-Episode von alkoholfreien Bieren zum Ende der Fastenzeit, möchte ich in den kommenden Wochen meinen inzwischen wieder üppig angewachsenen Biervorrat leeren und Euch sukzessive meine Schätzchen vorstellen.

Das heutige Bier von der bekannten Hamburger Craftbrauerei Ratsherrn stammt dabei wie viele andere auch von meinen verdienten Bierabos des Beertasting.Clubs von KALEA. Es handelt sich – wie der Titel bereits verrät – um ein IPA, dass neben Gersten- auch Weizen- und Hafermalz enthält. Als Freund alternativer Getreide ist natürlich hoch interessant. Vor allem beim Bierstil des IPA ist es sehr ungewöhnlich, dass mal mit anderen Getreiden akzentuiert und nicht ausschließlich auf die Übersee-Hopfen abgestellt wird. Zudem finden sich noch Orangenschalen in der Zutatenliste, die mich eher an ein belgisches Witbier erinnern. Umso gespannter bin ich, welchen Einfluss diese Besonderheiten auf das IPA haben.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Hafermalz, Orangenschalen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Zitrone, Himbeere, Maracuja & Litschi, hell-malzig, leicht säuerlich, weich
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, erst fruchtig-säuerlich nach Orange, dann stärker malzsüß & grasig, leicht hefig, trocken-sauer-fruchtiger Abgang
Gesamt: Welch eine spannende Melange aus Frucht und Malzsüße. Solch ein IPA ist mir in der Tat noch nicht über die Zunge gelaufen. Leider ist meiner Ansicht nach die verwendete Orangenschale überflüssig und nur etwas für Sauerbierfans. Für mich noch interessanter wäre also gewesen, wie das Bier nur in Kombination aus Malzen und Hopfen gewirkt hätte. So wirkt sich der leicht säuerliche Überhang leider auf die Gesamtnote aus, die sich trotzdem mit 12,5 Pkt. (2++) sehen lassen kann.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.ratsherrn.de/de/unsere-biere/ratsherrn-stammsorten/matrosenschluck-oat-white-ipa.html.

Prost & guten Abend! 🍻

300. 1.000 – DIE ABFÜLLUNG

Am vorgestrigen Montag konnte ich nun endlich das Bierjubiläum-Jubiläumsbier abfüllen. Nach über 2 Wochen Hauptgärung im Bottich entschieden sich Ralf und ich das Bier nun zur Nachgärung in Flaschen und Fass abzufüllen. Dafür habe ich in den letzten Wochen über vier Kästen Bierflaschen gereinigt und zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise konnte ich damit auch meinen Leergutbestand, der sich nunmal als Bierblogger anhäuft etwas reduzieren. Zusätzlich konnte ich zu Vergleichszwecken noch ein 5l-Fass von Ralf befüllen.

Nach kurzer Einweisung von ihm habe ich die Abfüllung dann in Eigenregie übernommen. Dabei wurden zunächst die beiden Gär-Bottiche (mit den unterschiedlichen Hefen) in den Abfüll-Bottich umgefüllt, um so die groben Hefesedimente von der Abfüllung fernzuhalten. Zur Karboniserung des Bieres wurde zuvor Traubenzucker aufgelöst und dem Jungbier hinzugefügt. Grundsätzlich ist das die sicherste Methode, um im Bereich des Hobby-Brauens eine saubere CO2-Erzeugung zu gewährleisten. Da es sich bei meinem Jubiläumsbier um eine Interpretation eines unfiltrierten Alts handelt – es also ein obergäriges Bier ist – ist dies sogar konform mit dem Reinheitsgebot. Aus dem Abfüllbottich wurden dann die Flaschen (bzw. das Fass) befüllt, welche dann nur noch z.T. mit Kronkorken verschlossen werden mussten.

Als Ausbeute konnten wir über 3 Kästen und besagtes Fass füllen, welche nun noch etwa 2 weitere Wochen in meinem Keller nachgären müssen.

Hier einige Impressionen:

Eine erste Geschmacksprobe des noch nicht vollendeten Bieres war zumindest schon mal trinkbar ;). Bleibt nun nur abzuwarten, wie das Bier nun nach Beendigung der Nachgärung schmecken wird. Ich bin sehr gespannt.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang nochmals an Ralf, ohne den dieses einmalige BIerexperiment nicht möglich gewesen ist. Wenn es gelungen ist, freue ich mich schon jetzt es unter die Leute bringen zu können.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

300. 1.000 – DER BRAUTAG

Wie bereits in meiner Neujahrsansprache angekündigt, habe ich mir für mein 1.000 Bier hier auf Bierjubiläum etwas besonderes ausgedacht: Mein erstes selbstgebrautes Bier. Aber es sollte nicht irgendein Bier werden, sondern ganz im Zeichen meiner Bierbotschaft eines reformierten Reinheitsgebots stehen. Auf Basis einer Interpretation eines unfiltrierten Alts, ist es das bislang erste Bier der Welt, das aus allen sieben Hauptgetreidearten gebraut wurde. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse haben alle den Weg in dieses globale und revolutionäre Bier gefunden.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, dieses historische Bier mit den Kölner Bierhistorikern zu brauen, dort ist es aber leider kurzfristig zu Komplikationen gekommen, die einen zeitnahen Brautermin nicht mehr zugelassen haben. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das aber garantiert nachgeholt. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass sich Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge sofort bereit erklärt hat, mir auszuhelfen.

Gemeinsam haben wir uns dann gestern an dieses einzigartige Brauexperiment gewagt, von dem wir sogar beide noch einiges lernen konnten. Schließlich ist das Brauen mit anderen Getreiden als Gerste und Weizen selbst für Profis eine Herausforderung, da man sehr auf Mengenzusammensetzung und Verarbeitungsform des Getreides achten muss. Da ein solches Bier eben wissentlich noch nie gebraut wurde und wir deshalb auch auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, entschieden wir uns zunächst für eine zurückhaltendere Beimengung der „anderen“ Getreiden. Etwa im Verhältnis 70% Malze zu 30% weitere Getreide kamen so diese Zutaten in den Bottich:

Münchner Malz, Pale Ale Malz, Weizenmalz hell, Röstgerste, Roggenrohfrucht, Haferflocken Großblatt, Reisvollkornflocken, Hirseflocken gold, Cornflakes ungesüßt

Besonders die Verwendung von Getreideflocken ist empfehlenswert, da diese bereits erhitzt und somit aufgeschlossen wurden. Die Röstgerste – eine besonders hochtemperiert gedarrte Form der Gerstenrohfrucht – dient vor allem der Bierfarbbildung.

Hier nun der Brauprozess kurz zusammengefasst:

  • Schroten:

Zunächst einmal ging es ans Schroten. Dabei wird das Malz derart zerkleinert, dass das Lösen der darin enthaltenen Stoffe beim Maischen erleichtert wird.

Und so sah dann das Gesamtkunstwerk der Schüttung aus.

  • Maischen:

Maischen ist das Lösen von Malzinhaltsstoffen in Wasser durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Dabei wird die Schüttung je nach Brauverfahren entweder auf verschiedene Rasten oder per Kombi-Rast mit etwa 67°C warmen Wasser aufbereitet. Da die meisten Malze heutzutage bereits sehr gut vorbehandelt sind ist ein Stufenrastverfahren praktisch nicht mehr notwendig. Daher haben auch wir uns für die einfachere Kombi-Rast entschieden, die etwa eine Stunde gehalten wird.

  • Läutern:

Ist das Maischen nach positiver Iod-Probe beendet, müssen nun die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Ersteres – nun Bierwürze genannt – wird dabei u.a. mithilfe der Spelzen der Malze und einer Siebtechnik von letzteren – dem Treber – separiert umgefüllt. Dabei wird auch etwa die Menge Wasser die bereits in der Maische in Lösung getreten ist nochmals durch den Treber geführt um am Ende die entsprechende Stammwürze zu erhalten. Würze und Treber habe ich dann übrigens später zur Weiterverarbeitung mit nach Hause nehmen können (denn damit lässt sich wunderbar Brot backen).

  • Würzekochen (mit Hopfengabe):

Ist das Läutern beendet, kann die Bierwürze nun auf Temperatur gebracht werden. Dabei wird diese nochmals etwa eine Stunde bei über 80°C erhitzt. Im Rahmen dieses Schrittes erfolgt auch die Gabe des Hopfens. Für die erste Hopfengabe hatten wir uns für den Hallertauer Tradition entschieden. Kurz vor dem Ende des Kochens kam dann noch die Hallertauer Perle hinzu. Beides Hopfen die nicht dominant und extravagant in ihren späteren Aromen sind, sodass hier klar das Malz im Fokus bleibt.

  • Würzeklärung und Kühlung:

Nachdem der Hopfen ordentlich wirken konnte ging es daran die Würze von den durchs Kochen gelösten Eiweißen und anderen Schwebstoffen zu trennen. Dies macht man durch einen sogenannten Whirlpool, indem man durch kreisende Bewegungen die Masse in eine derartige Rotation bringt, dass sich die ungewollten Stoffe in der Mitte absetzen. Dadurch, dass wir die Hopfenpellets in kleine Säckchen hineingebracht hatten, konnten wir diese ganz einfach wieder rausholen ohne, dass sie beim nun folgenden Abfüllen der Gärbottiche verstopfen könnten. Während des Klärens wird die Würze zugleich schon abgekühlt, um die richtige Temperatur für die Hefebeigabe zu erreichen.

  • Gärung:

Im letzten Schritt wird nun der abgefüllten Bierwürze die angesetzte Hefe zugesetzt und die Bottiche verschlossen. Sozusagen als Experiment im Experiment haben wir in den beiden Bottichen zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Einmal eine universelle Hefe für deutsche obergärige Biere und zum Vergleich eine etwas würzigere Ale-Hefe.

Ohne nun natürlich zu wissen, wie das fertige Bier später schmecken wird, konnten wir festhalten, dass das Brauen mit alternativen Getreiden sehr gut möglich ist und ich Stand jetzt nicht verstehen kann, warum es nicht viel stärker proBiert wird. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Erfahrung und es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Und nun heißt es warten. Schließlich braucht gutes Bier Zeit. In etwa zwei bis vier Wochen sollte die Gärphase aber abgeschlossen sein und es kann abgefüllt werden, wovon ich selbstverständlich wieder berichten werde. Dann verrate ich auch den Namen des Bieres ;).

Vielen Dank auch nochmals an dieser Stelle an Ralf für das Ermöglichen dieses einzigartigen Brauexperiments. Ohne sein Equipment, seine Zutaten, seine Räumlichkeiten und vor allem seiner Erfahrung hätte ich so spontan nie machen können. Auch wenn es noch etwas reifen muss, freue ich mich schon sehr auf mein erstes eigenes Bier.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

283. Brewdog Santa Paws

Für den Abschluss meiner diesjährigen Weihnachtsbier-Reihe geht es nochmals vom Bierland Belgien ins Bierland Großbritannien. Aus der inzwischen schon ziemlich großen „Craftbeer“-Brauerei Brewdog stammt auch dieses Jahr mein Adventsabschlussbier. Nach dem letztjährigen Festive-IPA Hoppy Christmas folgt nun der Santa Paws. Das Scotch-Ale ist für ein Weihnachtsbier recht gering alkoholisch, zeichnet sich aber durch eine besondere Zutat aus: Honig vom schottischen Heidekraut – ein Gewächs, das früher nicht nur in Schottland zur Bierherstellung verwendet wurde. Der Weihnachtsmann auf Pfoten soll dabei ganz bewusst als Gegenmittel zum Chaos der bevorstehenden Festtage dienen:

„Raise a glass of this Christmas beer, share it with friends, family and strangers, and sit back and enjoy the view as the world descends into a fairy light-fuelled frenzy.”

Mit der letzten Rezension des Jahres möchte ich auch an dieser Stelle allen Lesern und Bierinteressierten frohe und besinnliche Weihnachten wünschen und verbleibe mit dem Hinweis auf die „zwischen den Jahren“ erstmals stattfindenden Verleihungen der Bierjubiläum-Awards.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Scotch Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Hafer, (Heidekraut-Honig,) Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ellon / Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2010

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: malzig-süß, Karamell, grasig-strohig, getreidig, samtig
Geschmack: röstig, kaum süß, getreidig-grasig-malzig,  ein wenig sauer, leichter Körper, aber nicht süffig, feinperlig, holziger Abgang
Gesamt: Ein würdiger Abschluss der Adventszeit. Auch wenn sich diesmal die erhöhten Erwartungen aus dem samtig-süßen Geruch nicht ganz in den Geschmack übertragen ließen, kann man mit diesem Weihnachtsbier durchwegs zufrieden sein. Für die wenigen Umdrehungen bringt es einiges an Charakter mit. Deshalb auch hier 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.brewdog.com/item/2754/BrewDog/Santa-Paws.html.

Prost & Danke!

275. Maisel & Friends Juicy IPA

Gestern erreichte mich etwas überraschend wieder einmal eine Bierlieferung aus Bayreuth. Drin befand sich das neueste limitierte Bier von Maisel & Friends, welches auf den  ersten Blick so gar nicht in die aktuelle Jahreszeit passen will:

„Mit unserem neuesten Limited-Beer brechen wir mit den jahreszeitlichen Konventionen. Im Sommer trinkt man fruchtig und frisch – im Winter darf es hingegen dunkel und malzig sein? Weit gefehlt! Wir dachten uns: Lasst die alten Gewohnheiten beiseite und holt mit dem richtigen Bier die unbeschwerten, lauen Sommerabende zurück.“

Schließlich enthält das India Pale Ale mit Chinook, Citra, Amarillo, Simcoe, Mosaic und Mandarina Bavaria gleich 6 verschiedene teils kräftig aromatische Hopfensorten. Nicht nur als Kontrastprogramm zum aktuell sehr schmuddeligen Wetter, sondern auch zu meinem gestrigen sehr röstigen Bier kann ich der Idee durchaus etwas abgewinnen. Gerade als Vorbeugung vor den typischen winterlichen Erkältungskrankheiten soll man schließlich viel Obst (und somit viel Vitamine) zu sich nehmen. Als Verfechter alternativer Getreide bin ich zudem vom verwendeten Hafermalz angetan, dass dem Bier hoffentlich eine weiche runde Note verleihen wird.

„Ein fruchtiger Hopfentropfen aus unserer Brauwerkstatt. Cremig-trüb verzaubert er dein Hopfenherz und bombardiert deine Sinne.“

Bierigen Dank also erneut an Eva Ploß und die anderen Freunde von Maisel für die tolle Bierüberraschung. Wer sich das limitierte Bier ebenfalls sichern möchte kann es solange der Vorrat reicht über den Onlineshop ordern.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: FRUCHTIG! nach Orange, Maracuja, Ananas, Mango, Limette, Zitrone & Rhabarber, ganz leichte weiche Malzuntertöne, sehr frisch
Geschmack: spritzig, recht bitter, tropisch-fruchtig, kaum Malz, nicht weich, mittelgroßer Körper, trocken-fruchtiger Abgang
Gesamt: Während der nasale Eindruck noch vor lauter Frucht fast überfordert ist, kommt es auf der Zunge leider nicht zu der Fruchtexplosion, die ich erwartet oder erhofft hätte. Sicher geht jede Fruchtigkeit auch immer mit einer gewissen Bitterkeit einher, letztere stellt sich hier jedoch für meinen Geschmack zu sehr in den Vordergrund. Auch ist mir der Gesamteindruck insgesamt zu unrund. Gerade in diesen Tagen wohl aber genau das richtige, um sich nochmals für die noch kälteren und nassen Tage fit zu machen. Summa summarum von mir also 11,5 Pkt. (2(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/juicy-ipa/.

Prost & Danke!

237. St. Feuillien Grisette Blonde

Nachdem sich die politische Nachrichtenlage in Deutschland wieder etwas beruhigt, möchte ich meine und Eure Aufmerksamkeit wieder auf was viel schöneres und konstruktiveres richten: Das Bier.

Mit dem heutigen Grisette Blonde aus dem Bestand der Brühler Eule biege ich endgültig auf die Zielgeraden meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ ein. Dabei ist dieses eines (und vorerst das letzte) von inzwischen knapp zehn glutenfreien Bieren, die ich schon proBieren durfte. Über das Bio-Bier selbst lässt sich zwar nicht viel in Erfahrung bringen, außer dass es mit Reis- und Haferflocken sowie Milchsäure und Gewürzen gebraut und im Nachgang mit Ascorbinsäure versetzt ist. Ähnlich anderer bisher getesteter glutenfreier Biere wurde es mittels biochemischer Verfahren vom im Gerstenmalz natürlich enthaltenen Gluten befreit. Dafür kann die Brauerei mit einer kleinen aber feinen Geschichte aufwarten. 1873 gegründet und seither in gleichbleibender Familienhand geht sie zurück auf das Prämonstratenser-Kloster Saint-Feuillien du Rœulx, in dem seit 1125 durch die Chorherrn Bier gebraut wurde. Erst in den Wirren der französischen Revolution musste das Kloster und damit auch das Bierbrauen in der wallonischen Kleinstadt aufgegeben werden. Die Familie Friart knüpfte an diese Tradition im 19. Jahrhundert an und gehört heute dem belgischen Familienbraubund an. Mit 40.000hl gehört die Brauerei selbst in Belgien zu den eher kleineren Brauereien.

Bin ich also gespannt wie ein solche Zutatenliste schmeckt. Hinsichtlich der Reis- und Haferflocken sowie der Gewürze und Milchsäure habe ich eine sehr positive Meinung, da es das verkörpert, was ich mit meiner Blogbotschaft vermitteln möchte: Mehr Natürlichkeit. Bezüglich des Antioxidationsmittels hingegen bin ich hingegen etwas enttäuscht, da dies eigentlich schon ein Ausschlussgrund für meinen Blog wäre. Hoffentlich macht es wenigstens geschmacklich keine negative Beeinflussung.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Blonde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis- & Haferflocken, Gewürze, Milchsäure, Hopfen, Hefe, Ascorbinsäure
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Le Rœulx / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: stärker würzig, malzig, getreidig, nussig, leicht süß
Geschmack: vollmundiger als gedacht, klar würzig & leicht gewürzig, weder Malz noch Hopfen dominieren, recht spritzig, herber Abgang
Gesamt: Überraschend würzig und fast schon Pils-ähnlich. Die Gewürze und die Milchsäure sowie der Reis zeigen sich nur unterschwellig, sind aber erkennbar. Gerade als Mensch mit Glutenunverträglichkeit aber eine sehr gute Bier-Alternative, die vor allem kaum an typischem Biergeschmack einbüßt. Auch wenn es ansonsten kein geschmackliches Highlight ist und es durch das eingesetzte Antioxidationsmittel Abzüge gibt ein wirklich grundsolides Bier. In Summe heißt das 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.st-feuillien.com/FicheTechnique.php?lang=1&ref=301.

Prost!

234. Onkel Joe Breakfast Stout

Auf das heutige Bier habe ich mich schon vor vielen Wochen sehr gefreut. Schon lange hatte ich vor mal ein Bier der Düsseldorfer Onkel-Brauerei zu rezensieren. Nach dem Onkel Albert Roggen-Saison ist es zwar schon das zweite Onkel-Bier für mich, aber das erste, dass ich nun höchst bewusst verkosten darf.

Aus zwei Gründen ist meine Vorfreude so groß: Einerseits ob der Zutatenzusammensetzung des Frühstücksstoust – so liest sich die Kombination aus Haferflocken sowie Kakao und Kaffee nach einem Bier genau nach meinem Geschmack. Die Kaffeebohnen kommen übrigens aus Panama und werden von der Düsseldorfer Rösterei Vier bereitgestellt. Andererseits bin ich aber auf die Marke Onkel schon recht früh im Rahmen meines Blogs aufmerksam geworden. Braut der Onkel-Gründer Phillip Roberts doch nach seinem eigenen Freiheitsgebot. Entnervt und frustriert über die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen des sog. „Reinheitsgebots“ und vor allem über die Inflexibilität der deutschen Behörden hat er 2014 das Freiheitsgebot ausgerufen. Danach darf jede natürliche Zutat ins Bier solange sie dessen Qualität verbessert und neue Geschmacksnuancen entwickelt. Da er dies leider nicht in Deutschland verwirklichen kann, hat er sich dazu entschieden in Belgien brauen zu lassen. Das heutige Breakfast Stout zum Beispiel kommt von der Brouwerij Anders! aus Halen in Flandern.

http://mein-onkel.de/wp-content/uploads/2014/06/onl_freiheitsgebot_710x270.png

„Mit einem ‚cup of joe‘ kommt der Tag so richtig in Fahrt.“

…heißt es auf der Flasche – ich hoffe das gilt dann aber auch für den Abend ;).

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Haferflocken, Röstgerste, Kakao- & Kaffeebohnen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Düsseldorf [Halen/ Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr trocken nach Kaffee & Kakao, röstmalzig, leichte Bitterfrische
Geschmack: schön ölig, etwas schwerer Körper, trotzdem spritzig, weich, Kakao überwiegt etwas dem Kaffee, irrelevanter Abgang
Gesamt: Mit hohen Erwartungen bin ich an das Breakfast Stout herangetreten. Entsprach es doch eigentlich meinen Wunschvorstellungen eines leckeren Bieres. Und tatsächlich ist die Kombination aus kernigen Haferflocken, bittersüßem Kakao und herben Kaffee eine wirklich leckere Bereicherung für das Reinheitsgebot. Auch wenn der Geruch authentisch natürlich ist, wird er glücklicherweise vom gustatorischen Eindruck übertroffen. Und doch ist es in meinen Augen (bzw. auf meiner Zunge) kein absolut herausragendes Bier – vielleicht passt es doch besser am Morgen oder vielleicht hätte man noch ein bisschen Milchzucker hinzufügen sollen. Für eine Spitzenbewertung fehlt es mir schlicht ein wenig an Komplexität und Harmonie, zudem ist es mir schlicht auch etwas zu trocken-herb. Deshalb leider „nur“ gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://mein-onkel.de/.

Prost!

Bierfest Osnabrück 2017

Neben der Bierbörse in Bonn stand letztes Wochenende auch parallel das vierte Bierfest in Osnabrück an. Dahinter steckt das gleiche Konzept wechselnder Städte als Ausrichter eines im Jahresverlauf wandernden Bierfestes. Bei ca. 250 Bieren und 24 Ausstellern zwar quantitativ kleiner als diese, dafür mit etwas mehr Qualität im Bierfass. So gab es weniger von den großen Biermarken und deutlich mehr Auswahl an kreativen Handwerksbieren. Neben Münsteraner Regionalbier, diversen deutschen Bierklassikern, einen italienischen, afrikanischen und osteuropäischen Stand sowie dem ein oder anderen Craft-Brewer gab es erfreulicherweise auch den längsten Craft-Bier-Tresen Osnabrücks mit vielen unterschiedlichen teils auch mir unbekannten Bieren an insgesamt knapp 40 Zapfhähnen. Noch vor Bierjubiläum-Zeiten war ich bereits beim 2. Bierfest in meiner alten Studentenheimat Osnabrück. Der schon damalige gute Eindruck und die vielversprechende Bierauswahl waren also Grund genug dieser Stadt und meinen (Bier-)Freunden Alex und Nils endlich mal wieder einen Besuch abzustatten.

Hier eine kleine Überblicks-Impression vom Bierfest auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus und der Marienkirche:

Folgende Biere haben es  dabei in unsere Auswahl geschafft:

  • Finne Hell:
    – kalt gehopft; 4,9%; untergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – klasse Bier
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne Pale Ale:
    – mit seltenen Hopfen versetzt, 6,1%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – perfekt für den Pale-Ale-Beginner
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne IPA:
    – 6,6%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – hopfig, würzig, fruchtig
    http://www.finne-brauerei.de/biere/

  • Zapfwerk Kaffee Pivo:
    – dunkles Lager mit Kaffee aus Tschechien leider ohne nähere Erläuterung oder Beschreibung
    – Geruch wie Eiskaffee, Geschmack nicht mehr so toll
  • Pivot Bernard Černá Lavina:
    – 5%; untergärig
    – Dunkel von der 1597 gegründeten Rodinný Pivovar Bernard aus Humpolec in der Tschechischen Republik
    – süffig nach Schokolade
    https://www.bernard.cz/en/beer/assortment/draught-beer/10.shtml
  • Zlatý Bažant ’73:
    – 4,5%; untergärig
    – Pilsner der 1964 gegründeten Brauerei Zlatý Bažant aus Hurbanovo – inzwischen jedoch von Heineken-Slowakei produziert
    – malziges Lager
    http://www.zlatybazant.sk/73

  • Red Church Brick Lane Lager:
    – 4,7%iges India Style Lager (untergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – malzig & hopfig-grasig zugleich
    http://www.redchurch.beer/
  • Red Church Great Eastern IPA:
    – 7,4%iges India Pale Ale (obergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – klassisches Maracuja-IPA
    http://www.redchurch.beer/

  • Windhoek Lager:
    – 4%; untergärig
    – die Brauerei Namibia Breweries Ltd. wurde 1920 von Carl List & Hermann Ohlthaver in Windhoek gegründet und firmierte zwischenzeitlich als South West Breweries
    – wohl bekanntestes Bier aus der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia
    – „brewed according to the German Purity Law of 1516“
    – irgendwie nichtssagend
    http://www.nambrew.com/portfolio/windhoek-beer
  • Gulder Lager:
    – 5,2%; untergärig
    – seit 1970 durch die Nigerian Breweries PLC (Heineken-Gruppe) in Lagos gebraut
    – wie fast jedes Nigerianisches Bier mit einem Anteil Hirse (Sorghum) gebraut
    – leicht süß-sauer
    http://nbplc.com/brands.html#
  • Owusu Dark:
    – 6,5%; obergärig
    – „Voodoo“-Stout nach einen Rezept aus Benin (dem früheren Dahomey) – gebraut für das Haus der 131 Biere durch die belgische Brouwerij Strubbe
    – „Good for Love Makers“
    – leicht karamellig
    http://www.biershop-hamburg.de/Owusu-Dark

  • Murphy´s Irish Red:
    – 5%; obergärig
    – Brauerei ursprünglich 1856 im irischen Cork gegründet
    – das Bier wurde bei der Übernahme der Brauerei 1983 durch Heineken für den Export eingeführt, da Stouts in „Übersee“ nicht sehr beliebt waren
    – durch Heineken-Nederlands in Zoeterwoude produziert
    http://www.murphys.com/beer/murphys-irish-red/
  • Newcastle Brown Ale:
    – 4,7%; obergärig
    – seit 1927 durch die 1890 zusammengeschlossene Brauerei Newcastle Breweries Ltd. im englischen Newcastle upon Tyne gebraut
    – nach der Übernahme durch Heineken in 2008 nun gebraut in Tadcaster durch John Smiths (Heineken UK)
    – bis 2007 war die Marke eine geschützte geographische Angabe
    – Marktführer bei britischen Ales
    – schlechteres Braunes als das deutsche Pendant
    http://www.newcastlebrown.com

Und an der längsten Biertheke Osnabrücks standen dann abschließend noch diese Biere auf dem Programm:

  • A quick one while she´s waiting:
    – NEIPA (6%; obergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Fürst Wiacek (Kuckucks-)Brauerei aus Berlin, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Lukasz Wiacek & Georg Fürst
    – Frucht-Cocktail aus Maracuja & Ananas, sehr lecker
    http://www.fuerstwiacek.com
  • Spree Coast IPA:
    – 17°P; 6,9%; obergärig
    – von Berlins erster Handwerks-Brauerei Lemke (gegründet noch in 1999)
    – normal südfruchtiger Eindruck
    https://shop.lemke.berlin/products/spreecoast-ipa-0-33l
  • Tropical Pale Ale:
    – American Pale Ale (5,9%; obergärig) von der Boulevard Brewing (gegründet 1989)aus Kansas City / Missouri (USA)
    – die Brauerei stellt auch ein Golden Ale in American Kölsch-Style her
    – würzig, leicht trocken und schön malzig
    https://www.boulevard.com/beerinfo/tropical-pale-ale/
  • 24/7:
    – India Style Lager/Helles (6,1%; untergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Frau Gruber (Kuckucks-)Brauerei aus Augsburg, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Matthias Gruber & Enzo Frauenschuh – ersterer studierte Brauwesen in Weihenstephan, letzterer baute den Craft-Bier-Großhandel Liquid Hops auf
    – überdurchschnittlich fruchtig
    http://www.fraugruber-craftbrewing.com/
  • Trainingslager:
    – 12°P; 5%; untergärig
    – von der 2014 gegründeten Mashsee Brauerei vom Hannoveraner Maschsee
    – gebraut im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen an der Grenze von Bayern und Hessen
    – würzig & saurer
    https://www.mashsee.de/startseite/
  • Even More Jesus:
    – Imperial Stout (12%; obergärig)
    – aus der Gipsy-Brauerei Evil-Twin in Brookly / New York (USA)
    – gebraut durch die Westbrook Brewing in Mount Pleasant / South Carolina (USA)
    – gegründet jedoch durch zwei Dänen in Hinnerup (Dänemark)
    – sehr lecker nach Kaffee und Schokolade
    http://www.eviltwin.dk/Even-More-Jesus

Nach diesem feucht-fröhlichen und vielfältigen Bier-Ausflug gab es schließlich noch zu Hause als Absacker folgende Bierspezialitäten:

  • Spar Pilsner:
    – 4,6%; untergärig
    – von Carlsberg in Kopenhagen (Dänemark) für die Supermarkt-Kette Spar hergestellt
    – Mitbringsel aus Alex‘ kürzliche Urlaubsreise
    – wie zu erwarten relativ geschmacks- und ausdrucksarm
    https://spar.dk/
  • Onkel Albert Roggen-Saison:
    – 12°P; 5,8; obergärig
    – aus dem 2014 gegründeten Düsseldorfer Hause Onkel
    – gebraut durch De Proef Brouwerij in Lochristi-Hijfte (Belgien)
    – eingebraut mit Roggenflocken nach dem Freiheitsgebot
    „ONKEL Albert ist ein klassisches Saison nach wallonischem Vorbild – hopfig, knochentrocken und würzig/pfeffrig im Geschmack.“
    – wirklich hervorragende Alternative zum Pils mit vielfältigen Aromen von Würze, Hopfen oder Gras mit Ambitionen auf einen diesjährigen Treppchenplatz im Bierjubiläum-Ranking
    http://mein-onkel.de/biere/onkel-albert/
  • Gruthaus Münsterländer Hanf:
    – Landbier (5,6%; obergärig)
    – seit 2016 aus der Münsteraner Gruthaus-Brauerei, die sich auf historische Biere und wirklich individuelle Bierspezialitäten fokussiert hat
    – so wurden bereits folgende wirklich herausragende Biere kreiert: Überwasser-Alt nach alten Münsteraner Rezept, Pumpernickel-Porter mit Schwarzbrot, natürlich das Grutbier ohne Hopfen und eine spontangärige Holunderblüten-Fassbrause mit Essig und Zitrone
    – gebraut in Belgien bei Anders mit Hafer & Hanfblüten aus Warendorf
    – in der Tat spannend grasig und heuartig
    http://www.gruthaus.de/biere/muensterlaender-hanf/

Fazit:
Insgesamt ist das Bierfest eine hervorragende Institution der deutschen Bier-Events. Gerade die vielen kleinen Brauereien und vergleichsweise unbekannten Biere zu entdecken machen einem Bierenthusiasten wie mir wirklich große Freunde. Zudem wird es durch ein jährlich etwas wechselndes Angebot nicht langweilig. Getrübt wird die Freude leider durch die etwas zu hohen Bierpreise und die nicht authentischen Biere einzelner ausländischer Stände, die in die Irre führen und wenig transparent sind. Darüber hinaus wäre ich auch erfreuter, wenn es auch mal im Westen der Republik ein solches Bierfest gäbe. Aber so bietet es zumindest immer einen guten Grund in die neue alte Heimat Osnabrück zu reisen. Da die Auswahl an Bieren selbstverständlich das trinkbare Maß eines Abends übersteigt, gibt es aber auch hier und da die Möglichkeit (zu überteuerten Preisen) die ein oder andere Flasche mitzunehmen.

Weitere Infos zum Bierfest auch unter: http://www.bierfeste-deutschland.de/osnabrueck/

Auf diesem Wege auch nochmals vielen herzlichen Dank an Katchen und Alex für die Kinderbetreuung und gastfreundliche Aufnahme.

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

213. Omnipollo Magic 3.5 – Pineapple Gose

Mit dem heutigen Bier möchte ich ein sehr fruchtiges Wochenende einläuten, bei dem die weiteren Zutaten aber hoffentlich auch nicht zu kurz kommen.

Beginnen möchte ich mit meinem ersten Bier aus Schweden. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich schon längst ein Exemplar des sehr umfangreichen Sortiments von Omnipollo proBiert hätte. Aber nun, zum Glück ist es endlich so weit, schließlich habe ich schon viel Positives von der skandinavischen Bekanntheit gehört und gelesen.

Gegründet hat sich Omnipollo 2011 durch Henok Fentie und Karl Grandin. Diese haben ihr Sortiment in den darauffolgenden Jahren auf bis zu 80 Bieren hochgeschraubt, bei der glaube ich selbst der Experte den Überblick verlieren kann. Gebraut wird übrigens im Kuckuck-Verfahren – d.h. die Rezepte werden zwar vor Ort in Stockholm ausgetüftelt, wenn es aber um die Produktion geht reisen sie zu befreundeten Brauereien um den Globus um dort brauen zu lassen oder selbst Hand anzulegen.

Die Ananas Gose zum Beispiel wurde in Anlehnung an den alten sächsischen Bierstil mit Hafer und Ananas verfeinert in De Proefbrouwerij in Belgien gebraut.

Markenzeichen der weltweit bekannten Marke ist übrigens das sehr eigenwillige Flaschendesign, dass von den Gründern immer zwischen puristisch (ganz ohne irgendeins) und völlig abgedreht pendelt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gose
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Salz, Ananassaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 3,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stockholm / Schweden [Lochristi-Hijfte / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___-
  • Aussehen:____________________4
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: klar sauer-fruchtig, neben Ananas noch Limette und Papaya riechbar, plus Salznote, frisch und muffig zugleich
Geschmack: sauer, sauer, sauer, dazu noch viel helle Frucht, viel Spritzigkeit, leicht salzig, wenig Körper aber keine hohe Süffigkeit, im Abgang leicht trocken-herb
Gesamt: Nachdem ich nun schon einige Goses trinken durfte, würde ich mich als gar nicht so unaufgeschlossen bezeichnen. Diese hier jedoch lässt mich fast aus den Latschen kippen. Eine derartige salzig-fruchtige Säure habe ich schon lange nicht mehr geschmeckt. Man kann noch nicht einmal sagen die Ananas ist Schuld, vielmehr unterstreicht sie den Gose-Charakter zu deutlich. Selbst für meinen experimentellen Gaumen zu extrem, deshalb insgesamt auch nur 6 Pkt. (4+). Als Nischenprodukt oder für den skandinavischen Markt aber sicher wertvoll.

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.omnipollo.com/beer/3-5/.

Prost!

212. Belhaven Scotish Oat Stout

Nach kurzer Pause geht die Reise heute zur ältesten noch aktiven Brauerei Schottlands. 1741 gegründet hat der schöne Hafen alle Konsolidierungs- und Schließungswellen der Vergangenheit überstanden, ist seit 2005 jedoch nicht mehr unabhängig. Seit inzwischen 12 Jahren gehört Belhaven der größten rein britischen Braugruppe Greene King, welche auch Pubs und Hotelketten betreibt. Noch vor dieser Übernahme stieg die südwestschottische Brauerei zu einer der bekanntesten Marken in ganz Britannien auf. Das Belhaven Best ist heute das meistausgeschenkteste Ale Schottlands – etwa jedes dritte gezapfte trägt dieses Label. Die offizielle Gründung der Brauerei wird zwar auf Mitte des 18. Jahrhunderts beziffert, man geht allerdings davon aus, dass an selbiger Stelle bereits 200 Jahre zuvor Bier gebraut wurde. Auch die noch heute bestehenden und genutzten Gebäude, die sogar zum schottischen Kulturerbe gehören, lassen auf eine längere Geschichte schließen.

Das Oat Stout ist dabei ebenfalls ein Teil schottischer Geschichte. So wird Hafer, anders als in Deutschland, aufgrund des traditionell hohen Anbaus vor Ort häufig im Nationalbierstil verwendet. Sie machen es allgemein etwas süßer, weicher und runder im Gesamteindruck.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Dunbar/ Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: nur schwach karamellig, röstig, grasig und getreidig
Geschmack: schön aber nicht zu süß, typisch karamellig und röstig-malzig, leicht säuerlich, schoko-kaffeeige Noten, mittelgroßer Körper, trocken-öliger getreidiger Abgang
Gesamt: Nachdem in der Nase noch ein großes Fragezeichen übrig blieb, kann das Hafer-Stout auf der Zunge überraschend doch noch überzeugen. Belhaven hat es (mit dem Hafer) geschafft eine Süße in das Bier zu bringen, die soeben nicht unangenehm, sondern lecker ist. Die dabei auftretenden Kakao- und Kaffeenoten passen sehr gut in diesen Bierstil. Auch die getreidigen Noten, die zum Ende immer stärker werden sind interessant. Aufgrund der Gesamtwertung kann ich aber leider nicht mehr als 9 Pkt. (3+) geben, obwohl es geschmacklich klar mehr zu empfehlen ist.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.belhaven.co.uk/.

Prost!

211. Biersommer / Sommerbier – Bierverköstigung Juli

Blanche de Namur | AleMania New England IPA | Starkes Gebräu Dunkles | Gouden  Carolus hopsinjoor | Worthington´s White Shield

Letzten Montag war es wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Nach meinem eigenen Vortrag im Juni das zweite Mal nach meiner Babypause, woran ich teilnehmen konnte. Passend zur Jahreszeit ging es den Abend um Sommerbiere und den Biersommer.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Colonius-Kölsch an, welches ich bereits zur Maiwoche in Osnabrück letztes Jahr proBierte. Colonius ist eine Marke von Traugott Simon und wird via Trinkgut, Edeka oder Netto als Eigenmarke vertrieben. Gebraut wird es in der Sünner-Brauerei.

Das erste „reguläre“ Themen-Bier war dann das Tegernseer Hell, welches ich ebenfalls letztes Jahr zum Einstieg in die bilinguale Veranstaltung von Markus „German Beer Culture“ verkosten durfte:

Während heute insbesondere Helles, Kölsch oder helle Weißbiere den sommerlichen Biermarkt im saisonalen Vergleich dominieren, wird häufig vergessen, dass der Sommer lange Zeit eine ganz besondere Bedeutung für das Bier hatte. Schließlich bestand über drei Jahrhunderte lang ein Brauverbot für sogenannte „Braunbiere“ zwischen dem 23. April (St. Georg – heute als Tag des Bieres gefeiert) und dem 29. September (St. Michael).

Grund des Verbotes waren wahrscheinlich die problematischen Braubedingungen dieses Bieres im Sommer. Als Braunbiere wurde seinerzeit nämlich alljene Biere bezeichnet, die ausschließlich mit (dunklem) Gerstenmalz untergärig gebraut wurden. Und untergärige Hefen benötigen zur Gärung recht niedrige Temperaturen, die ohne die erst 1870 von Linde erfundene Kältemaschine nicht flächendeckend erreicht werden konnten. Ausgeschlossem vom Verbot waren Weißbiere, die die entgegen des damals kurz zuvor erlassenen heute bezeichneten „Reinheitsgebots“ mit Weizenmalz und obergärig exclusiv von den herzoglichen Hofbrauereien gebraut wurden. Dies hatte neben dem wirtschaftlichen auch einen technischen Vorteil. So sind obergärige Hefen nicht derart temperatursensibel und können auch noch unter sommerlich-milden Temperaturen vergären.

Um trotzdem auch bei hohen Sommertemperaturen brauen zu können siedelten sich viele Brauereien auch in Felsenkellern an, die für Gärung und Lagerung bessere Bedingungen boten. Viele dieser Keller wurden nach Erfindung der Kältemaschine in Bayern für die Gastronomie geöffnet und als Gastraum/Ausschank zur Verfügung gestellt. Die meisten dieser Keller befinden sich geologisch bedingt in Bayern, allerdings gibt es in Mendig auch ein prominentes Beispiel eines großen Bierkellers in der Eifel. Ab 1832 wurden dort leeren Höhlen vom Basaltabbau für bis zu 28 Brauereien in der Hochphase genutzt. Heute ist davon nur noch die Vulkan-Brauerei übrig, die diesen Bierstollen jedoch auch erst in den letzten Jahren wieder reaktiviert hatte.

Bis zu diesem Brauverbot wurden vermutlich immer gewisse „Mischbiere“ gebraut, die grundsätzlich sowohl unter- als auch obergärige Hefen enthielten, wobei je nach Jahreszeit die eine oder andere dominierte. Im Zuge des Verbotes jedoch bildeten sich wahrscheinlich die ersten rein unter- bzw. obergärigen Biere heraus. So ist zu vermuten, dass um diese Zeit sich auch der Bierstil „Dunkel“ in Bayern herausbildete und das heute Weißbier obergärig wurde. Denn durch die Braupause im Sommer wurde die obergärigen Hefestämme (aktiv bei wärmeren Temperaturen) zugunsten der untergärigen Hefestämme (aktiv bei kühleren Temperaturen) bevorteilt. Dunkel deshalb, weil das Gerstenmalz beim Darren damals direkt befeuert und somit dunkler in der Farbe wurde.

Nachdem das Brauverbot seit 1539 Bestand hatte, wurde es erst 1850 offiziell aufgehoben. Übrigens: Das Märzen, das 1841 erstmalig als Oktoberfestbier von Spaten vorgestellt wurde, geht auf dieses Verbot zurück. Da im Sommer nur eingeschränkt gebraut werden durfte musste im März ein besonders starkes Bier gebraut werden, das den Sommer über hielt.

Weiter ging es mit einem für Deutschland ungewöhnlichem aber für unserer Biernachbarland Belgien sehr typischen Sommerbier: Das Blanche de Namur. Das Witbier ist das Flaggschiff der Brasserie du Bocq aus dem wallonischen Purnode und wird dem Bierstil entsprechend mit Weizen, Koriander und Orangenschalen eingebraut. Der Name geht dabei auf eine in Belgien geborene Königin von Schweden und Norwegen aus dem 14. Jahrhundert zurück. Besonderheit des Bieres ist die 0,75l-Flasche:

Persönlicher Eindruck:
fruchtig würzig im Geruch, leicht scharf und nach Koriander im Geschmack, insgesamt sehr süffig

Auch das Folgebier hatte ich bereits im Januar diesen Jahres vorgestellt: Maisel & Friends Citrilla. Ein Hinweis sei hier auch auf meinen Bericht zum limitierten Summer Pale Ale der Bayreuther Kreativbrauer an dieser Stelle gestattet.

Als letztes Bier der offiziellen Verkostung ging das neue New England India Pale Ale vom Bonner AleMania an den Start. Darüber habe ich mich besonders gefreut, da es auch schon auf meinem Einkaufszettel stand, enthält es doch Haferflocken als alternative Getreide. Zudem ist es eines der Vertreter eines neuen Bierstils, der auf die „East Coast IPAs“ zurück geht, die im Vergleich zu den „West Coast IPAs“ fruchtiger, weniger bitter und weniger alkohollastig sind:

Persönlicher Eindruck:
fruchtig, relativ malzig, süß, waldig-erdig, recht stark hopfen-bitter, weich

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Starkes Gebräu Dunkles:
    – obergärig; 9%
    – „alkoholhaltiges Getränk“ mit Gerstenflocken und Rübenzucker
    – gemaischt im Infusionsverfahren mit 20% Gersten-Buchenrauchmalz
    – Flaschengärung mit Rotweinhefen und monatelange Reifung
    – entwickelt von der Agentur BierAtelier aus dem Ostwestfälischen Land in Schieder-Schwalenberg, die neben dem Vertrieb von Bieren auch das Magazin Bier & Brauhaus verantwortlich zeichnet
    – karamellig-malzig, leicht rauchig und nach Rotwein schmeckend
    https://www.bieratelier.de/

  • Gouden Carolus hopsinjoor:
    – obergärig; 8%; 18°P
    – belgisches Blonde (eingeführt 2008) von der Brauerei Het Anker aus Mechelen
    – mit 5 verschiedenen Hopfensorten
    – trocken-hopfig, herb, hell, weich, frisch, fruchtig, karamellig, bitter, sehr dumpf, gemüsig, nach Urlaub

    http://www.hetanker.be/en/gouden-carolus-hopsinjoor

  • Worthington´s White Shield:
    – obergärig; 5,6%
    – ältestes India Pale Ale der Welt, das 1829 als East-IPA erstmals für die britischen Seefahrer hergestellt wurde
    – aus der englischen Brauerei Worthington (gegründet 1744 in Burton upon Trent), welche heute der Coors-Gruppe angehört
    Real Ale

    – karamellig, grasig, matt, sehr weich, sehr balanciert, malzig, süß, getreidig, sehr untypisch für ein heutiges IPA

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das im Rahmen meiner Tätigkeit als Biertester für den Beertasting-Club von Kalea erhalten habe und das auch sehr gut zum Thema Sommerbier passt:

  • Kulmbacher Leicht:
    – alkohol- und kalorienreduzierte Variante des Edelherb Pils der bekannten Brauerei aus Franken
    – sehr süffig und malzig-leicht, aber auch leicht industriell

    – untergärig; 2,9%; 7.6°P
    – http://www.kulmbacher.biz/de/klb/Unsere-Biere/Kulmbacher-Leicht/index.php

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/