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Acht Getreidesorten auf einen Schluck – Sechtemer & Brühler brauen eigenes Craftbeer

Der General-Anzeiger Bonn war bei meinem letzten Brautag bei Braukunst Vorgebirge, wo wir den dritten Sud des weltweit einzigartigen CEREVISIA M als 8-Korn-Alt gebraut haben.

Der Artikel ist digital auf hierunter abrufbar:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/bornheim/Sechtemer-und-Br%C3%BChler-brauen-ihr-eigenes-Craftbeer-article3911681.html
#Handwerk #Natürlichkeit #Qualität #Vielfalt #Regionalität #Transparenz #Gerste #Weizen #Roggen #Hafer #Reis #Mais #Hirse #Dinkel

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

326. Schottische Biere – Bierverkostung zur Eule 04/18

Rats Kölsch | Brewdog Punk IPA | Orkney Brewery Red MacGregor | Strathaven Craigmill Mild | Brouwerij Haacht Export Super 8

Letzten Montag war es ausnahmsweise mal (bedingt durch Ostern) wieder an einem zweiten Montag im Monat Zweit für den Biermontag in der Brühler Eule. Nachdem ich die März-Ausgabe mit Ale-Mania und Fritz Wülfing verpasst habe und auch leider bei der kommenden Verkostung im Mai mit dem Brauer vom Lechenicher Blue Cat nicht zugegen sein kann, hatte ich mich umso mehr auf dieses Tasting gefreut.

Thematisch ging es diesmal um das Bierland Schottland. Im Zeichen von 11 Jahren Brewdog ging es auf eine kleine Reise zur Britischen Insel. Neben der Vorstellung schottischer Biere, nahm uns Biersommelier Markus Weick auf mit auf seine eigene Reise durch Schottland im vergangenen Jahr. Dass er dabei noch mitten im Renovierungsstress ist, merkte man ihm kaum an.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Rats-Kölsch. Früher in der Privatbrauerei Metzmacher in Frechen gebraut, gehört es wie so viele andere Kölsch-Marken heute zum Haus der Kölschen Bierkultur und somit zur Radeberger-Gruppe. Mit etwa 50 Thl Jahresausstoß ist es eher eine kleinere Kölsch-Marke.

Persönlicher Eindruck:
viel süße Malzwürze, geringe-mittlere Hopfenbittere, schlank, feinperlig, leicht saure Fehlaromen, zu unbalanciert

Den Beginn der schottischen Biere machte das Craftbeer-Flaggschiff des Landes. Zwar erst vor 11 Jahren gegründet hat sich Brewdog zu einer mindestens europaweit bekannten Marke etabliert. Mit einer radikalen Marketing-Strategie, die vor wenig zurückschreckt und gänzlich neue Wege geht, hat man es binnen weniger Jahre zu einer festen Größe am Craftbeer-Markt gebracht. Dabei ist es weniger die Menge an gebrautem Bier, sondern vielmehr die Anzahl verschiedener Biere, die viele erstaunen lässt. Alleine im Jahre 2016 hat man es auf über 80 geschafft. Begünstigt wurde der Aufstieg Brewdogs auch von der weitaus vielfältigeren und kleinteiligeren Bierkultur der Briten. So trinkt der Brite zwar weniger Bier pro Kopf, dafür gibt es aber relativ mehr Brauereien als in Deutschland. Das erfolgreichste der Brewdog-Biere ist das Punk IPA, was es inzwischen praktisch in jedem größeren Pub auf der Insel gibt.

Persönlicher Eindruck:
– super fruchtig-hopfig, grasig, leicht malzig
– mild, weniger gehopft, frisch, fein, recht süffig, nicht bitter

Auf seiner Reise durch Schottland machte Markus auch bei einem der zahlreichen Bottledogs Halt. In den Flaschenverkaufsläden ergatterte er ein Hop-Shot – eine hochkonzentrierte Biervariante mit offiziell 20% Alkohol und über 200 IBU-Bittereinheiten.

Ähnlich wie in der England-Verkostung vor zwei Jahren, gab es an diesem Abend auch einen kleinen Exkurs nach Deutschland. Genauer gesagt sogar in die direkte Nachbarschaft zur Eule. Denn ich höchstpersönlich hatte die Ehre mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier Cerevisia M vorzustellen. Als Interpretation eines Düsseldorfer Alt hat es grundsätzlich viele Parallelen zu schottischen Bieren. So sind diese ebenfalls rubinrötlich, süßlicher, leichter gehopft und nicht so alkoholhaltig. Selbstverständlich ist das Cerevisia M als weltweit erstes Bier mit allen 7 Hauptgetreiden nicht direkt vergleichbar mit den klassischen schottischen Bierstilen. Nichtsdestotrotz kam es sehr gut an und das 5l-Fass wurde restlos ausgetrunken. Auch ein paar weitere Flaschen konnte ich noch an den Mann bringen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge, wo ich mit seiner Unterstützung das Bier brauen durfte.

Mehr zum Bier gibt es dann zum diesjährigen Tag des Deutschen Bieres und 502. Geburtstages des sog. Reinheitsgebots am 23. April.

Im Anschluss ging es wieder auf die Insel. Aber nicht auf die große britische, sondern auf die kleine Inselgruppe nördlich von Schottland. Mit dem Orkney Red MacGregor kamen wir in den Genuss eines der nördlichsten Biere Europas. 1988 gegründet kommt die eine von zwei Brauereien der Orkneys auf etwa 50 hl Jahresausstoß.

Persönlicher Eindruck:
– malzig, süß, kaum Karamell, waldig, harzig, würzig
– würzig, matt, leicht bitter, trocken, rot

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann wieder vom gefühlten Festland. Trotzdem ist aber die Brauerei noch jünger und kleiner. Das Craigmill Dark Mild ist ein Bierstil, der noch vor 50 Jahren in Schottland über 80% Marktanteil hat. Heute werden von diesem leichten und erfrischenden Bier kaum mehr als 5% verkauft.

Persönlicher Eindruck:
– dunkelmalzig, leicht röstig, süß, Kaffee
– Kaffee, schlank, bitter-röstig, mild

Gesamtfazit:
Meine persönliche (etwas beeinflusste) Gesamtwertung der April-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialität aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– malzig, grasig, süß
– feinperlig, trocken-süß, würzig

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei der Renovierung.
Mit dem Hinweis auf die übernächste Verkostung am 4. Juni, bei der ich ein paar leckere Biercocktails präsentieren werde, verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Bier-Cocktails + Cerevisia M @ Wiedereröffnungs-Party Zur Eule Brühl

Zur Eule – Bier & Brot | neue Betreiber, neue Website, neues Konzept

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Vorletztes Wochenende hatte die Zeit des wartens (offiziell) ein Ende. Die Eule in Brühl-Kierberg öffnete wieder ihre Tore und lud zur Wiedereröffnungsfeier. Mit dabei: Ich. Dazu später aber mehr. Nachdem das langjährige Pächterpaar Anfang des Jahres die Eule verließ, nutze Inhaber und Biersommelier Markus Weick die Gelegenheit für eine großangelegte Renovierungsphase. Von Keller bis Dach sollten entscheidende Stellen modernisiert werden ohne jedoch den ursprünglichen Charackter der 60er-Jahre Kneipe zu verändern. Zudem hat Markus das Konzept der Eule angepasst. So wird zukünftig das Thema (Craft)-Bier eine (noch) zentralere Rolle spielen. Nachdem es bisher nur zusätzlich zum regulären Kneipenbetrieb lief, soll sich die Eule zum Zantrum der Biervielfalt in der ganzen Region etablieren. Mit ständig über 99 Bieren im Angebot ist es schon jetzt die wohl bestsortierteste Kneipe im ganzen Kölner Raum. Und wer es eilig hat, der kann nach erfolgreicher Suche sein Bier auch im Außerhausverkauf mitnehmen. Neben dem Thema Bier, das auch weiterhin mit den Biermontagen und Schnupperkursen begleitet wird, rückt auch das Brot in den Fokus. Schließlich basieren beide auf die Wirkkraft der Hefe in Verbindung der Zutaten Wasser und Getreide. Auch historisch eng verwoben mit dem Bier treffen in Deutschland Bier- und Brotvielfalt wie nirgendwo anders auf der Welt zusammen. Während letztere für uns fast schon selbstverständlich ist, wird flächendeckend an erster zumindest wieder gearbeitet. Nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität stehen stets im Mittelpunkt der Eule. Deshalb wird zudem künftig auch kein Reissdorfer mehr, sondern Mühlen-Kölsch von Fass serviert.

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Auch wenn die Renovierungsarbeiten erst zu 40% abgeschlossen waren stieg nun vorletzten Samstag die große „Wiedereröffnungs-Sause“. Die geschätzt 200 Gäste konnten sich dabei gleich vom neuem Konzept überzeugen. Teil des neuen Konzepts ist auch die Eule als Plattform für andere anzubieten. So boten die Kierberger Urgesteine Old Friends über zwei Stunden wirklich sehr gute Musik mit zahlreichen Zugaben.

Und auch ich durfte Teil der Sause sein und das schon sehr gute Angebot an Bier, Brot und Musik mit leckeren Bier-Cocktails ergänzen. Ein Thema, was zwar noch ein regelrechtes Nischen-Dasein fristet und von einigen „Experten“ auch verpönt wird, dass aber langsam auch an Attraktivität und Popularität gewinnt. Im Zeichen der Biervielfalt bot ich an der eigentlichen Kegelbahn zwölf Cocktails zu zehn verschiedenen Bierstilen an. Besonders beliebt waren dabei der Weißbier-Mojito, Regions-bedingt natürlich die Kölsch-Colada, der Klassiker Cerveza Libre aber erfreulicherweise auch das India Pale Gold mit IPA. Da ich zunächst mit einem konservativem Publikum gerechnet habe, hatte ich sowohl Preis als auch Auswahl beschränkt. Neben den auf meiner verlinkten Seite genannten Bier-Cocktails ist die Welt natürlich relativ unerschöpflich. Schließlich multiplizieren sich hier Bier- und Cocktail-Vielfalt in unglaublicher Größe. Die einzige Herausforderung bleibt es hier auch eine geschmackliche Verknüpfung zu finden, die harmonisiert. Erfreulicherweise kamen meine Bier-Cocktails aber besser an als ich dachte, sodass sich zwischenzeitlich sogar eine Schlange an meinem Stand bildete.

Neben den Bier-Cocktails bot ich außerdem auch noch mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier an, welches nun endlich fertig in der Flasche gereift war (über das Brauen und Abfüllen berichtete ich bereits). Auf den Namen Cerevisia M (Cerevisia für Getreidebier – M für 1.000) getauft ist es meines Wissens nach das erste Bier der Welt aus allen sieben Hauptgetreiden – dazu aber auch später an dieser Stelle mehr. Die fruchtig-würzig-süße Interpretation eines unfiltrierten Alts kam dann sogar so gut bei den Gästen an, dass von meinem mitgebrachten Kasten nur noch vier Flaschen übrig blieben. Gemeinsam mit Ralf vom Braukunst Vorgebirge genug Ansporn um die Rezeptur noch etwas zu verfeinern und mit dem Bier durchzustarten ;). Wer es verpasst hat, dem sei übrigens der nächste Biermontag (09.04.) in der Eule ans Herz gelegt, an dem das Bier Teil des schottischen Abends sein wird.

Nachdem fast alle Gäste wieder dem Heimweg angetreten hatten probierte ich mich (wo ich schon beim frevelhaften Biermischen war) wieder mal an meinem Nebenbei-Projekt Bier-Blend heran. Diesmal hatte ich Helles mit Schwarbier sowie Kölsch und Pils gemischt, welches beides schon besser war als mein erstes Schwarz-Weißbier.

Weitere Infos zur Eule und zum Biersommelier Markus Weick gibt es unter:
www.eule-kierberg.de
wordpress.99-biere.de

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/2096923857205354/permalink/2096925187205221/.

 

 

300. 1.000 – DIE ABFÜLLUNG

Am vorgestrigen Montag konnte ich nun endlich das Bierjubiläum-Jubiläumsbier abfüllen. Nach über 2 Wochen Hauptgärung im Bottich entschieden sich Ralf und ich das Bier nun zur Nachgärung in Flaschen und Fass abzufüllen. Dafür habe ich in den letzten Wochen über vier Kästen Bierflaschen gereinigt und zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise konnte ich damit auch meinen Leergutbestand, der sich nunmal als Bierblogger anhäuft etwas reduzieren. Zusätzlich konnte ich zu Vergleichszwecken noch ein 5l-Fass von Ralf befüllen.

Nach kurzer Einweisung von ihm habe ich die Abfüllung dann in Eigenregie übernommen. Dabei wurden zunächst die beiden Gär-Bottiche (mit den unterschiedlichen Hefen) in den Abfüll-Bottich umgefüllt, um so die groben Hefesedimente von der Abfüllung fernzuhalten. Zur Karboniserung des Bieres wurde zuvor Traubenzucker aufgelöst und dem Jungbier hinzugefügt. Grundsätzlich ist das die sicherste Methode, um im Bereich des Hobby-Brauens eine saubere CO2-Erzeugung zu gewährleisten. Da es sich bei meinem Jubiläumsbier um eine Interpretation eines unfiltrierten Alts handelt – es also ein obergäriges Bier ist – ist dies sogar konform mit dem Reinheitsgebot. Aus dem Abfüllbottich wurden dann die Flaschen (bzw. das Fass) befüllt, welche dann nur noch z.T. mit Kronkorken verschlossen werden mussten.

Als Ausbeute konnten wir über 3 Kästen und besagtes Fass füllen, welche nun noch etwa 2 weitere Wochen in meinem Keller nachgären müssen.

Hier einige Impressionen:

Eine erste Geschmacksprobe des noch nicht vollendeten Bieres war zumindest schon mal trinkbar ;). Bleibt nun nur abzuwarten, wie das Bier nun nach Beendigung der Nachgärung schmecken wird. Ich bin sehr gespannt.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang nochmals an Ralf, ohne den dieses einmalige BIerexperiment nicht möglich gewesen ist. Wenn es gelungen ist, freue ich mich schon jetzt es unter die Leute bringen zu können.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

300. 1.000 – DER BRAUTAG

Wie bereits in meiner Neujahrsansprache angekündigt, habe ich mir für mein 1.000 Bier hier auf Bierjubiläum etwas besonderes ausgedacht: Mein erstes selbstgebrautes Bier. Aber es sollte nicht irgendein Bier werden, sondern ganz im Zeichen meiner Bierbotschaft eines reformierten Reinheitsgebots stehen. Auf Basis einer Interpretation eines unfiltrierten Alts, ist es das bislang erste Bier der Welt, das aus allen sieben Hauptgetreidearten gebraut wurde. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse haben alle den Weg in dieses globale und revolutionäre Bier gefunden.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, dieses historische Bier mit den Kölner Bierhistorikern zu brauen, dort ist es aber leider kurzfristig zu Komplikationen gekommen, die einen zeitnahen Brautermin nicht mehr zugelassen haben. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das aber garantiert nachgeholt. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass sich Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge sofort bereit erklärt hat, mir auszuhelfen.

Gemeinsam haben wir uns dann gestern an dieses einzigartige Brauexperiment gewagt, von dem wir sogar beide noch einiges lernen konnten. Schließlich ist das Brauen mit anderen Getreiden als Gerste und Weizen selbst für Profis eine Herausforderung, da man sehr auf Mengenzusammensetzung und Verarbeitungsform des Getreides achten muss. Da ein solches Bier eben wissentlich noch nie gebraut wurde und wir deshalb auch auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, entschieden wir uns zunächst für eine zurückhaltendere Beimengung der „anderen“ Getreiden. Etwa im Verhältnis 70% Malze zu 30% weitere Getreide kamen so diese Zutaten in den Bottich:

Münchner Malz, Pale Ale Malz, Weizenmalz hell, Röstgerste, Roggenrohfrucht, Haferflocken Großblatt, Reisvollkornflocken, Hirseflocken gold, Cornflakes ungesüßt

Besonders die Verwendung von Getreideflocken ist empfehlenswert, da diese bereits erhitzt und somit aufgeschlossen wurden. Die Röstgerste – eine besonders hochtemperiert gedarrte Form der Gerstenrohfrucht – dient vor allem der Bierfarbbildung.

Hier nun der Brauprozess kurz zusammengefasst:

  • Schroten:

Zunächst einmal ging es ans Schroten. Dabei wird das Malz derart zerkleinert, dass das Lösen der darin enthaltenen Stoffe beim Maischen erleichtert wird.

Und so sah dann das Gesamtkunstwerk der Schüttung aus.

  • Maischen:

Maischen ist das Lösen von Malzinhaltsstoffen in Wasser durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Dabei wird die Schüttung je nach Brauverfahren entweder auf verschiedene Rasten oder per Kombi-Rast mit etwa 67°C warmen Wasser aufbereitet. Da die meisten Malze heutzutage bereits sehr gut vorbehandelt sind ist ein Stufenrastverfahren praktisch nicht mehr notwendig. Daher haben auch wir uns für die einfachere Kombi-Rast entschieden, die etwa eine Stunde gehalten wird.

  • Läutern:

Ist das Maischen nach positiver Iod-Probe beendet, müssen nun die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Ersteres – nun Bierwürze genannt – wird dabei u.a. mithilfe der Spelzen der Malze und einer Siebtechnik von letzteren – dem Treber – separiert umgefüllt. Dabei wird auch etwa die Menge Wasser die bereits in der Maische in Lösung getreten ist nochmals durch den Treber geführt um am Ende die entsprechende Stammwürze zu erhalten. Würze und Treber habe ich dann übrigens später zur Weiterverarbeitung mit nach Hause nehmen können (denn damit lässt sich wunderbar Brot backen).

  • Würzekochen (mit Hopfengabe):

Ist das Läutern beendet, kann die Bierwürze nun auf Temperatur gebracht werden. Dabei wird diese nochmals etwa eine Stunde bei über 80°C erhitzt. Im Rahmen dieses Schrittes erfolgt auch die Gabe des Hopfens. Für die erste Hopfengabe hatten wir uns für den Hallertauer Tradition entschieden. Kurz vor dem Ende des Kochens kam dann noch die Hallertauer Perle hinzu. Beides Hopfen die nicht dominant und extravagant in ihren späteren Aromen sind, sodass hier klar das Malz im Fokus bleibt.

  • Würzeklärung und Kühlung:

Nachdem der Hopfen ordentlich wirken konnte ging es daran die Würze von den durchs Kochen gelösten Eiweißen und anderen Schwebstoffen zu trennen. Dies macht man durch einen sogenannten Whirlpool, indem man durch kreisende Bewegungen die Masse in eine derartige Rotation bringt, dass sich die ungewollten Stoffe in der Mitte absetzen. Dadurch, dass wir die Hopfenpellets in kleine Säckchen hineingebracht hatten, konnten wir diese ganz einfach wieder rausholen ohne, dass sie beim nun folgenden Abfüllen der Gärbottiche verstopfen könnten. Während des Klärens wird die Würze zugleich schon abgekühlt, um die richtige Temperatur für die Hefebeigabe zu erreichen.

  • Gärung:

Im letzten Schritt wird nun der abgefüllten Bierwürze die angesetzte Hefe zugesetzt und die Bottiche verschlossen. Sozusagen als Experiment im Experiment haben wir in den beiden Bottichen zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Einmal eine universelle Hefe für deutsche obergärige Biere und zum Vergleich eine etwas würzigere Ale-Hefe.

Ohne nun natürlich zu wissen, wie das fertige Bier später schmecken wird, konnten wir festhalten, dass das Brauen mit alternativen Getreiden sehr gut möglich ist und ich Stand jetzt nicht verstehen kann, warum es nicht viel stärker proBiert wird. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Erfahrung und es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Und nun heißt es warten. Schließlich braucht gutes Bier Zeit. In etwa zwei bis vier Wochen sollte die Gärphase aber abgeschlossen sein und es kann abgefüllt werden, wovon ich selbstverständlich wieder berichten werde. Dann verrate ich auch den Namen des Bieres ;).

Vielen Dank auch nochmals an dieser Stelle an Ralf für das Ermöglichen dieses einzigartigen Brauexperiments. Ohne sein Equipment, seine Zutaten, seine Räumlichkeiten und vor allem seiner Erfahrung hätte ich so spontan nie machen können. Auch wenn es noch etwas reifen muss, freue ich mich schon sehr auf mein erstes eigenes Bier.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

231. Urlaubsbiere – Bierverköstigung September

Hellers Kölsch | Ch’ti Blonde | Urstrom | Jenlain Blonde | Olivenbauer Hausbier | Saigon Export | Estrella Galicia | Xápμa Pale Ale | Affligem Hop Selection | Weyermann 11 Pumpernickel Porter | Akarusho Banana Wine | Sander Smoky Rauchbock | Altiplano Bière Bio au Quinoa

Nach kurzem Aussetzen letzten Monat war es gestern endlich wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Zudem hatten wie diesmal einen besonderen Gast zu begrüßen: Holger vom Blog WE LOVE PUBS hatte den Weg von Bonn auf sich genommen um diesem Event auch einmal beizuwohnen. Auf seiner Seite gibt er einen Überblick über das Ausgehen in Bonn in all seiner Vielfalt und führt durch das Bonner Nachtleben. Sein Bar-Guide geht aber auch über die Stadtgrenze hinaus – so schreibt er hin und wieder zum Beispiel auch für das Craftbeer-Magazin Hopfenhelden.  Und natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt uns zu den vielen Themen rund ums Bier  – wie Reinheitsgebot oder „Craftbeer“ – insbesondere aus Blogsicht auszutauschen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Hellers-Kölsch an, zu welchem ich bereits das Wieß proBieren durfte. Hellers ist nicht nur die erste Bio-Kölsch-Brauerei, sondern auch eine der ganz wenigen die sich trauen in der Domstadt auch ein Alt zu brauen.

Persönlicher Eindruck:
würzig, malzig, herb

Das Thema Urlaubsbiere birgt zwar nicht viel theoretisches Futter hatte aber den Charme, dass alle Gäste zuvor gebeten wurden Biere aus ihren jeweiligen Urlauben mitzubringen, die dann gemeinsam verkostet wurden. Deshalb hatte Markus auch gar nicht viele Biere selbst vorbereitet, wollte aber anhand eines Beispiels auf einen besonderen Aspekt des Themas eingehen.

Der Begriff Fernsehbier ist ja inzwischen relativ populär und assoziiert. Markus ist im Rahmen seines Frankreichs-Urlaubs aber auch ein anderes Bierphänomen gestoßen: Kino-Bier. So entstammt das folgende Ch’ti Bier zwar nicht direkt dem Kino, wurde aber durch den Film Bienvenue chez les Ch’tis überhaupt erst (international) bekannt.  Schließlich ist die Komödie bis heute der erfolgreichste Kinofilm aus Frankreich.

Persönlicher Eindruck:
süß (ähnlich wie Hirse), frisch, malzig, zuckrig, alkoholaromatisch

Das dritte „offizielle“ Bier war wieder ein alter Bekannter für mich. Das Veldensteiner Rotbier hatte ich bereits im vergangenen März verkostet.

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere fällt deshalb dieses Mal aus, da sowohl das Kölsch als auch das Rotbier nicht in die Wertung eingehen können.

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung probierten wir uns dann durch die vielen interessanten Mitbringsel aus den Urlauben der Gäste:

  • Urstrom:
    – untergärig; 5,5%
    – erstes Flensburger Bio-Bier
    – von der 2011 gegründeten Sauer & Hartwig GmbH
    – gereicht in der 2l Flasche
    – gebraut werden zudem auch spezielle Biere aus der Vorderwürze
    – karamellig, trocken, herb
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom.html

  • Jenlain Blonde:
    – obergärig; 6,8%
    – 2. und eines der ältesten Bière de Garde des Abends (eingeführt 1922/2005) von der Duyck Brasserie aus Jenlain in Nordfrankreich
    – leicht säuerlich, Schinken ohne Rauch, etwas bitter

    http://www.jenlain.fr/en/bieres/jenlain-blonde-2/

  • Saigon Export:
    – untergärig; 5,2%
    – gebraut durch die SABECO (Saigon Alcohol Beer and Beverages Corporation), welche dem staatlichen Ministerium für Handel & Industrie untersteht in der gleichnamigen und ehemaligen Haupt-Stadt Vietnams
    – mit einer Millionen Liter Ausstoß pro Jahr und einem Marktanteil von über 50% Vietnams bieriges Aushängeschild in der Welt
    – gebraut mit Reis

    http://www.sabeco.com.vn/default.aspx

  • Estrella Galicia:
    – untergärig; 5,5%
    – 1906 eingeführtes Lager der bis heute familiengeführten Brauerei Hijos de Rivera aus der Hauptstadt Galiziens A Coruña
    – nicht zu verwechseln mit dem „großen Bruder“ Estrella Damm
    – gebraut mit Mais

    https://estrellagalicia.es/

  • Affligem Hop Selection:
    – obergärig; 6,8%
    – Belgian Ale von der 1047 gegründeten Abtei-Brauerei in Opwijk nordwestlich von Brüssel
    – zitrus, spritzig, hopfig

    https://www.affligembeer.com/beers

  • Weyermann 11 Pumpernickel Porter:
    – obergärig; 6,5%
    – von der Versuchsbrauerei der größten Mälzerei Deutschlands aus Bamberg
    – mit Roggenröstmalz & 3% Pumpernickel-Brot
    – schokoladig-süß, säuerlich-karamellig, brotig

    https://www.weyermann.de/

  • Akarusho Banana Wine:
    – spontangärig; 14%
    – authentisches Hirse-Bananen-Bier aus Kigali – Ruanda
    – extrem trocken & süß, getreidig, alkoholaromatisch

    https://sinarwanda.com/

  • Altiplano Bière Bio au Quinoa:
    – untergärig; 4,5%
    – glutenfreies Bier von der 2011 gegründeten Brauerei aus dem Pariser Vorort Viry Chatillon
    – erstes Bierjubiläum-Bier mit Quinoa (+ Buchweizen & Gewürze)
    – frisch, fruchtig, herzhaft-süß, vielfältig

    https://www.altiplano.cc/index.html

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Schmitz Kölsch:
    – obergärig; 4,8%
    – Kölsch des Salon Schmitz zwischen Rudolfplatz und Aachener Weiher (Einführung 2011)

    – wurde in meiner verpassten August-Verkostung im Rahmen der Kölsch-Reihe verkostet
    http://schmitzkoelsch.com/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und vielen Dank auch an Holger für den Besuch und den sehr interessanten Austausch unter Blog-Kollegen.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Den Blog von Holger findet ihr unter: http://www.welovepubs.de/.

230. Brunehaut Bio Pomfraiz‘

Zur Einleitung des Wochenendes gibt es heute sozusagen das Wit Blanche von gestern in der Erweiterungs-Version. Alles ist gleich, nur es wurden während des Brauprozesses Erdbeer- und Apfelsaft hinzugefügt. Angebaut natürlich in der Region rund um Brunehaut. Dass es kein klassisches Biermischgetränk ist, wie es Deutschland leider beliebt ist, sondern ein richtiges Fruchtbier lässt sich schon anhand des Alkoholgehalts feststellen, ist aber auch lange belgische Tradition. So wird dort oftmals ein spontangäriges Frucht-Lambic gebraut, dem aber ganze Früchte zugesetzt werden. Marktführer sind übrigens Liefmans und Lindemans mit einer ziemlich großen Auswahl an Fruchtbieren. Dass diese Biere bisher kaum in Deutschland Fuß gefasst haben, liegt leider am „Reinheitsgebot“ bzw. den daraus abgeleiteten gesetzlichen Rahmenbedingen, die zwar chemische Hilfsstoffe aber keine natürlichen Früchte im Bier erlauben…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fruchtbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Rispenhirse, Buchweizen, Erdbeer- & Apfelsaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rongy / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________(10)
  • Geschmack:__________________(11)
Fazit

Geruch: FRUCHTBOMBE! ganz klar Erdbeer- & Apfelaroma, aber auch leichte weitere Fruchtnoten, sonst spritzig-frisch-sauer und ganz leicht grasig
Geschmack: süffig, trotzdem guter Körper, auch hier dominiert die Frucht ganz klar, sonst säuerlich-prickelnd, Abgang weich & süß
Gesamt: Es ist natürlich schwer bis unmöglich ein Fruchtbier mit reinen Getreidebieren zu vergleichen, aber das vorliegende kann sicher in der Liga der großen belgischen Vorbilder mitspielen. Zwar ist die leicht künstliche Fruchtbombe etwas gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber zumindest im Vergleich zu deutschen Biermischgetränken weitaus echter und besser. Deshalb vergebe ich etwas außer Konkurrenz berechtigte 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://brunehaut.com/en/products/brunehaut.html.

Prost!

229. Brunehaut Bio Blanche Wit

Nach etwas längerer Abwesenheit heute nun zurück zum wichtigen Teil des Lebens: Bier – besonderes Bier. Nach der zurückliegenden Halbzeitpause gibt es hier noch drei weitere glutenfreie Biere, bevor es in den Endspurt meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ geht.

Den Anfang macht heute das Witbier aus dem wallonischen Hause Brunehaut. 1890 gegründet wird neben glutenfreiem Bio-Bier aus Biere der Marke Abbaye de Saint-Martin gebraut, welche auf eine Abtei des 11. Jahrhunderts zurückgehen. Wie die letzten Biere ist auch das heutige nachweislich glutenfrei, trotz dessen, dass hier auch mit Gerstenmalz gebraut wurde. Das Gluten wird in diesem Falle im Laufe des Brauprozesses durch verschiedene Methoden mehrfach entzogen und rausgefiltert (beschrieben in den letzten Beiträgen). Interessant macht dieses Witbier – was vom Stile her sowieso schon mit Gewürzen gebraut ist – die Beigabe von Hirse (Millet) und Buchweizen.

Ich bin also sehr gespannt, wie mir mein zweites glutenfreies Bio-Witbier schmeckt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Witbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Rispenhirse, Buchweizen, Gewürze, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rongy / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2009

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: sauer-fruchtig, spritzig, leicht würzig-getreidig
Geschmack: spritzig, süffig, leicht angesäuert, leicht gewürzt nach Koriander, ein wenig fruchtig nach Orange, plus ein Hauch Nuss, Abgang unauffällig
Gesamt: Auch dieses glutenfreie Bier überzeugt mich nicht vollends. Insgesamt bleibt es leider etwas unaussagekräftig. Insbesondere im Vergleich zu den Witbier-Benchmarks fällt ein gewisser Qualitätsunterschied auf. Auch wenn das Bier als solches durch die Beigabe von Hirse und Buchweizen interessante Noten bekommt, hätte ich mir einfach mehr Charakter gewünscht. So bleibt es bei 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://brunehaut.com/en/products/brunehaut.html.

Prost!

228. Green´s Discovery

Als 800. Bierjubiläumsbier habe ich mir für heute wieder ein ganz besonderes Bier ausgewählt. Es ist das erste britische Bier aus alternativen Getreiden und ohne Gluten. Was selbst heutzutage noch ein klares Nischenprodukt ist, war in den 1980ern noch gar nicht denkbar. Derek Green – Vater des heutigen Brauunternehmens – stand jedoch vor dem persönlichen Problem Bier sehr gerne zu trinken, aber kein Gluten vertragen zu können. So machte er sich aus dem Vorort von Manchester Hazel Groove in ganz Europa auf Reisen und suchte nach einem glutenfreien Bier. Erst 2003 hatte er dann endlich Glück und geriet an einem belgischen Professor für Brauwesen, dessen Tochter ebenfalls an Zöliakie erkrankt war. Beide starteten als klassische Entrepreneurs Selbstversuch um Selbstversuch um mit Getreiden abseits von Gerste, Weizen, Roggen und Hafer ein vernünftiges Bier zu kreieren. Nach ungefähr einem Jahr kam dann der Durchbruch und mit dem Discovery war der alternative und glutenfreie Pionier Großbritanniens geboren. 2008 gelang es den beiden dann auch Gluten aus „normalen“ Bieren ausreichend rückstandsfrei zu filtern, um es als glutenfrei verkaufen zu können.

Neben den beiden Hirsearten Sorghum und Millet wird dieses Bier mit braunem Reis und Buchweizen gebraut. Buchweizen zählt zu den sogenannten Pseudogetreiden, da er zwar gewisse Getreideeigenschaften – wie Körnung, Mehligkeit oder Nährwertzusammentzung – besitzt, aber als Knöterichgewächs keine Eigenbackfähigkeit mitbringt. In Asien wird er bereits seit etwa 4.500 Jahren kultiviert und kann heutzutage aufgrund seiner geringen Vegetationszeit noch nach der Getreideernte im Spätherbst angebaut werden. Buchweizen ist nahrhaft, schmeckt leicht nussig und kann gegen Venenleiden und hohen Blutzuckerspiegel eingesetzt werden.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Märzen
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Mohrenhirse, Rispenhirse, Buchweizen, brauner Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stockport / England [Lochristi / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2004

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: nussig, würzig, waldig-harzig, ganz leicht unangenehm seifig, matt und spritzig zugleich
Geschmack: süß-sauer, geringe Fruchtigkeit, süffig, geringer Körper, würzig-trockener Abgang
Gesamt: Als alternative Getreide-Sommelier behaupte ich jetzt mal sowohl die Hirse, den Reis als auch den Buchweizen herausschmecken zu können. Dieses Bier bereichert definitiv den Markt und ist für Zöliakie-Erkrankte eine gute Alternative. Im Vergleich zu „normalen“ Bieren wirkt es aber zugegebenermaßen etwas dünn und unausgewogen. Insgesamt ergibt das 10,5 Pkt. (2(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.glutenfreebeers.co.uk/shop/product/discovery/.

Prost!

226. Schnitzer Bräu Hirsebier

Unterbrochen vom kurzen Abstecher nach China geht es hier gleich weiter mit dem zweiten Hirsebier binnen fünf Tagen. Somit kann man praktisch fast vom Direktvergleich des heutigen Schnitzer Bräu mit dem letzwöchigen Riedenburger sprechen, wobei es als drittes Hirsebier dieses Jahr natürlich auch in starker Konkurrenz zum Alzeyer Hirsetrunk steht. Erworben habe ich es beim Online-Shop glutenfrei-bier.com, von dem ich in den kommenden Tage auch weitere Biere vorstellen werde.

Schnitzer wurde 1968 vom Zahnarzt Dr. Schnitzer in St. Georgen (Baden-Württemberg) gegründet und ist ein seit Anbeginn ein Lebensmittelunternehmen, das sich der Vollwert-Philosophie verschrieben hat. Neben der Produktion von Getreidemühlen, war Schnitzer ein Vorreiter der heutigen Vollwert-Backwaren-Produktion. In den 1990ern wurde die Produktpalette um Bio-Vollwert-Backwaren erweitert und in den 2000ern folgte die Sparte „Glutenfrei“. 2003 erfolgte der Umzug nach Offenburg am Rhein und nur drei Jahre später brachte man im Rahmen der glutenfreien Serie das erste Bio-Bier ohne Gluten, dafür aber mit Hirse auf den Markt. Ebenso wie beim Riedenburger erfolgt hier für das Bier auch keine enzymatische Nachbearbeitung, dafür werden Erbsenproteine zugesetzt. Außerdem findet sich auf der Zutatenliste auch das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure, was mich leider etwas enttäuscht.

Im Zusammenhang mit meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ empfehle ich auch einen Blick auf die Website von Schnitzer, auf der recht übersichtlich die verschiedenen Getreide (Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Emmer, Einkorn, Reis, Mais, Hirse) und Pseudogetreide (Amaranth, Buchweizen, Canihua, Quinoa) vorgestellt und beschrieben werden. Ob das Bier ebenso empfehlenswert ist zeigt sich jetzt.

Offiziell heißt es übigens: German-Hirse-Premium, da es sich gemäß „Reinheitsgebot“ nicht Bier nennen darf. Hat aber gleichzeitig auch den Vorteil, dass es sich so besser ins Ausland (wie bspw. Australien oder Kanada) vermarkten lässt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hirsebier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Hirsemalz, Erbsenprotein, Ascorbinsäure, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Offenburg
Erscheinungsjahr. . .
2006

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: sehr sehr würzig, spritzig, süßliche Noten von Gemüse
Geschmack: süßlich, weich, süffig, wenig Spritzigkeit
Gesamt: Insgesamt bisher leider das schwächste Hirsebier. Die inzwischen vom Hirse bekannte Süße ist bei diesem Bier leider etwas zu dominant, auch wenn sie dem Bier grundsätzlich eine sehr bekömmliche Note verleiht. Trotzdem hätte ich mich mehr Geschmacksvariation und Charakter gewünscht. So bleibt ein leider etwas eindimensionaler Eindruck, der leider auch nur mit 8 Pkt. (3) bewertet werden kann.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.schnitzer.eu/language/de/produktwelten/#Braeu.

Prost!

225. Riedenburger Hirsebier

Zum Abschluss der Riedenburger Bierwoche gibt es nochmal ein wirklich ganz besonders interessantes Bier: Mein erstes Bier, das ausschließlich aus Hirsemalz gebraut wurde.

Hirse ist ein Sammelbegriff für etwa 10 Gattungen von Spelzgetreiden. Unterschieden werden diese vor allem in die beiden Hauptgruppen Sorghum und Millet. Mit dem niedrigsten Ertrag aber höchstem Fettanteil aller Getreidearten, kommt Hirse auf Platz 5 der weltweiten Anbaumengen. In Deutschland wurde die erste Nutzung des ursprünglich afrikanischen Getreides auf etwa 5.000 v.Chr. datiert und war im Altertum und Mittelalter zwischenzeitlich sogar wichtigstes Korn der Welt.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gehört Hirsebier-Brauen zu einer Jahrtausende alten Tradition: Je nach Region gibt es für das Bier unterschiedliche Hirsegattungen, Herstellungsverfahren und Bezeichnungen: Dolo aus Westafrika, Pombe aus Ostafrika, Merissa im Sudan oder Tella aus Äthiopien und Eritrea. Alkoholgehalt und Geschmack variieren jedoch teilweise sehr voneinander, so dass man diese Biere kaum unter einem Stil zusammenfassen kann. Sogar in Südwesteuropa gab es in der Geschichte einmal ein „Hirsebier“ namens Boza, welches heute aber auch mit weiteren anderen Getreiden gebraut wird.

Aufgrund seiner relativen Ertragsarmut geht der Anbau von Hirse bis heute stetig zurück. Die Verwendung in Lebensmittel für Gluten-unverträgliche Menschen hat in den letzten Jahren aber wieder zu einer vermehrten Nachfrage, vor allem außerhalb von Afrika gesorgt.

In meinem Vortrag zum Thema „Alternative Getreide“ in der Brühler Eule letzten Juni hatte ich bereits mein erstes Hirsebier überhaupt proBieren dürfe. Dort wurden jedoch noch Teile von Gerstenmalz verwendet. Wie ich dort auch schon erwähnte gibt es diverse Vor- und Nachteile bei der Verwendung von Getreiden außer Gerste und Weizen. So enthält Hirse zwar viele wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Eisen jedoch kaum das für den Brauvorgang notwendige Enzym Amylase. Dieses wird beim Maischen zur Umwandlung der Getreidestärke in Zucker benötigt. Interessanterweise behauptet Riedenburg für dieses Bier lediglich natürliche Zutaten verwendet zu haben, was für mich den Einsatz von chemischen Enzymen ausschließt.

In jedem Falle freue ich mich aber auf diese „besondere“ Bier und bin gespannt, ob es meine hohen Ansprüche an den „Geschmack“ erfüllen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hirsebier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Hirsemalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nah Ananas, Litschi & etwas Zitrone, ganz leicht auch malzig-süß
Geschmack: sehr erfrischend, schön fruchtig-süß, ebenso fruchtig süßer Abgang, ganz leicht sauer, grasige & blumige Noten
Gesamt: Was soll ich sagen? Nach einem optischen Eindruck von Flasche und Bier sowie dem Biergeruch hätte ich nicht mehr erwartet ein so gutes Bier trinken zu dürfen. Tatsächlich erinnert es mich an den Alzeyer Hirsetrunk, ist aber deutlich fruchtiger und spritziger. Aber auch hier ist eine klare Süße und blumig-grasige Note erkennbar. Insgesamt leider aufgrund von Optik und Olfaktorik „nur“ 11 Pkt. (2), jedoch (fast) uneingeschränkt empfehlenswert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/glutenfreies-hirsebier.html.

Prost!

Bierfest Osnabrück 2017

Neben der Bierbörse in Bonn stand letztes Wochenende auch parallel das vierte Bierfest in Osnabrück an. Dahinter steckt das gleiche Konzept wechselnder Städte als Ausrichter eines im Jahresverlauf wandernden Bierfestes. Bei ca. 250 Bieren und 24 Ausstellern zwar quantitativ kleiner als diese, dafür mit etwas mehr Qualität im Bierfass. So gab es weniger von den großen Biermarken und deutlich mehr Auswahl an kreativen Handwerksbieren. Neben Münsteraner Regionalbier, diversen deutschen Bierklassikern, einen italienischen, afrikanischen und osteuropäischen Stand sowie dem ein oder anderen Craft-Brewer gab es erfreulicherweise auch den längsten Craft-Bier-Tresen Osnabrücks mit vielen unterschiedlichen teils auch mir unbekannten Bieren an insgesamt knapp 40 Zapfhähnen. Noch vor Bierjubiläum-Zeiten war ich bereits beim 2. Bierfest in meiner alten Studentenheimat Osnabrück. Der schon damalige gute Eindruck und die vielversprechende Bierauswahl waren also Grund genug dieser Stadt und meinen (Bier-)Freunden Alex und Nils endlich mal wieder einen Besuch abzustatten.

Hier eine kleine Überblicks-Impression vom Bierfest auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus und der Marienkirche:

Folgende Biere haben es  dabei in unsere Auswahl geschafft:

  • Finne Hell:
    – kalt gehopft; 4,9%; untergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – klasse Bier
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne Pale Ale:
    – mit seltenen Hopfen versetzt, 6,1%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – perfekt für den Pale-Ale-Beginner
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne IPA:
    – 6,6%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – hopfig, würzig, fruchtig
    http://www.finne-brauerei.de/biere/

  • Zapfwerk Kaffee Pivo:
    – dunkles Lager mit Kaffee aus Tschechien leider ohne nähere Erläuterung oder Beschreibung
    – Geruch wie Eiskaffee, Geschmack nicht mehr so toll
  • Pivot Bernard Černá Lavina:
    – 5%; untergärig
    – Dunkel von der 1597 gegründeten Rodinný Pivovar Bernard aus Humpolec in der Tschechischen Republik
    – süffig nach Schokolade
    https://www.bernard.cz/en/beer/assortment/draught-beer/10.shtml
  • Zlatý Bažant ’73:
    – 4,5%; untergärig
    – Pilsner der 1964 gegründeten Brauerei Zlatý Bažant aus Hurbanovo – inzwischen jedoch von Heineken-Slowakei produziert
    – malziges Lager
    http://www.zlatybazant.sk/73

  • Red Church Brick Lane Lager:
    – 4,7%iges India Style Lager (untergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – malzig & hopfig-grasig zugleich
    http://www.redchurch.beer/
  • Red Church Great Eastern IPA:
    – 7,4%iges India Pale Ale (obergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – klassisches Maracuja-IPA
    http://www.redchurch.beer/

  • Windhoek Lager:
    – 4%; untergärig
    – die Brauerei Namibia Breweries Ltd. wurde 1920 von Carl List & Hermann Ohlthaver in Windhoek gegründet und firmierte zwischenzeitlich als South West Breweries
    – wohl bekanntestes Bier aus der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia
    – „brewed according to the German Purity Law of 1516“
    – irgendwie nichtssagend
    http://www.nambrew.com/portfolio/windhoek-beer
  • Gulder Lager:
    – 5,2%; untergärig
    – seit 1970 durch die Nigerian Breweries PLC (Heineken-Gruppe) in Lagos gebraut
    – wie fast jedes Nigerianisches Bier mit einem Anteil Hirse (Sorghum) gebraut
    – leicht süß-sauer
    http://nbplc.com/brands.html#
  • Owusu Dark:
    – 6,5%; obergärig
    – „Voodoo“-Stout nach einen Rezept aus Benin (dem früheren Dahomey) – gebraut für das Haus der 131 Biere durch die belgische Brouwerij Strubbe
    – „Good for Love Makers“
    – leicht karamellig
    http://www.biershop-hamburg.de/Owusu-Dark

  • Murphy´s Irish Red:
    – 5%; obergärig
    – Brauerei ursprünglich 1856 im irischen Cork gegründet
    – das Bier wurde bei der Übernahme der Brauerei 1983 durch Heineken für den Export eingeführt, da Stouts in „Übersee“ nicht sehr beliebt waren
    – durch Heineken-Nederlands in Zoeterwoude produziert
    http://www.murphys.com/beer/murphys-irish-red/
  • Newcastle Brown Ale:
    – 4,7%; obergärig
    – seit 1927 durch die 1890 zusammengeschlossene Brauerei Newcastle Breweries Ltd. im englischen Newcastle upon Tyne gebraut
    – nach der Übernahme durch Heineken in 2008 nun gebraut in Tadcaster durch John Smiths (Heineken UK)
    – bis 2007 war die Marke eine geschützte geographische Angabe
    – Marktführer bei britischen Ales
    – schlechteres Braunes als das deutsche Pendant
    http://www.newcastlebrown.com

Und an der längsten Biertheke Osnabrücks standen dann abschließend noch diese Biere auf dem Programm:

  • A quick one while she´s waiting:
    – NEIPA (6%; obergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Fürst Wiacek (Kuckucks-)Brauerei aus Berlin, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Lukasz Wiacek & Georg Fürst
    – Frucht-Cocktail aus Maracuja & Ananas, sehr lecker
    http://www.fuerstwiacek.com
  • Spree Coast IPA:
    – 17°P; 6,9%; obergärig
    – von Berlins erster Handwerks-Brauerei Lemke (gegründet noch in 1999)
    – normal südfruchtiger Eindruck
    https://shop.lemke.berlin/products/spreecoast-ipa-0-33l
  • Tropical Pale Ale:
    – American Pale Ale (5,9%; obergärig) von der Boulevard Brewing (gegründet 1989)aus Kansas City / Missouri (USA)
    – die Brauerei stellt auch ein Golden Ale in American Kölsch-Style her
    – würzig, leicht trocken und schön malzig
    https://www.boulevard.com/beerinfo/tropical-pale-ale/
  • 24/7:
    – India Style Lager/Helles (6,1%; untergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Frau Gruber (Kuckucks-)Brauerei aus Augsburg, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Matthias Gruber & Enzo Frauenschuh – ersterer studierte Brauwesen in Weihenstephan, letzterer baute den Craft-Bier-Großhandel Liquid Hops auf
    – überdurchschnittlich fruchtig
    http://www.fraugruber-craftbrewing.com/
  • Trainingslager:
    – 12°P; 5%; untergärig
    – von der 2014 gegründeten Mashsee Brauerei vom Hannoveraner Maschsee
    – gebraut im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen an der Grenze von Bayern und Hessen
    – würzig & saurer
    https://www.mashsee.de/startseite/
  • Even More Jesus:
    – Imperial Stout (12%; obergärig)
    – aus der Gipsy-Brauerei Evil-Twin in Brookly / New York (USA)
    – gebraut durch die Westbrook Brewing in Mount Pleasant / South Carolina (USA)
    – gegründet jedoch durch zwei Dänen in Hinnerup (Dänemark)
    – sehr lecker nach Kaffee und Schokolade
    http://www.eviltwin.dk/Even-More-Jesus

Nach diesem feucht-fröhlichen und vielfältigen Bier-Ausflug gab es schließlich noch zu Hause als Absacker folgende Bierspezialitäten:

  • Spar Pilsner:
    – 4,6%; untergärig
    – von Carlsberg in Kopenhagen (Dänemark) für die Supermarkt-Kette Spar hergestellt
    – Mitbringsel aus Alex‘ kürzliche Urlaubsreise
    – wie zu erwarten relativ geschmacks- und ausdrucksarm
    https://spar.dk/
  • Onkel Albert Roggen-Saison:
    – 12°P; 5,8; obergärig
    – aus dem 2014 gegründeten Düsseldorfer Hause Onkel
    – gebraut durch De Proef Brouwerij in Lochristi-Hijfte (Belgien)
    – eingebraut mit Roggenflocken nach dem Freiheitsgebot
    „ONKEL Albert ist ein klassisches Saison nach wallonischem Vorbild – hopfig, knochentrocken und würzig/pfeffrig im Geschmack.“
    – wirklich hervorragende Alternative zum Pils mit vielfältigen Aromen von Würze, Hopfen oder Gras mit Ambitionen auf einen diesjährigen Treppchenplatz im Bierjubiläum-Ranking
    http://mein-onkel.de/biere/onkel-albert/
  • Gruthaus Münsterländer Hanf:
    – Landbier (5,6%; obergärig)
    – seit 2016 aus der Münsteraner Gruthaus-Brauerei, die sich auf historische Biere und wirklich individuelle Bierspezialitäten fokussiert hat
    – so wurden bereits folgende wirklich herausragende Biere kreiert: Überwasser-Alt nach alten Münsteraner Rezept, Pumpernickel-Porter mit Schwarzbrot, natürlich das Grutbier ohne Hopfen und eine spontangärige Holunderblüten-Fassbrause mit Essig und Zitrone
    – gebraut in Belgien bei Anders mit Hafer & Hanfblüten aus Warendorf
    – in der Tat spannend grasig und heuartig
    http://www.gruthaus.de/biere/muensterlaender-hanf/

Fazit:
Insgesamt ist das Bierfest eine hervorragende Institution der deutschen Bier-Events. Gerade die vielen kleinen Brauereien und vergleichsweise unbekannten Biere zu entdecken machen einem Bierenthusiasten wie mir wirklich große Freunde. Zudem wird es durch ein jährlich etwas wechselndes Angebot nicht langweilig. Getrübt wird die Freude leider durch die etwas zu hohen Bierpreise und die nicht authentischen Biere einzelner ausländischer Stände, die in die Irre führen und wenig transparent sind. Darüber hinaus wäre ich auch erfreuter, wenn es auch mal im Westen der Republik ein solches Bierfest gäbe. Aber so bietet es zumindest immer einen guten Grund in die neue alte Heimat Osnabrück zu reisen. Da die Auswahl an Bieren selbstverständlich das trinkbare Maß eines Abends übersteigt, gibt es aber auch hier und da die Möglichkeit (zu überteuerten Preisen) die ein oder andere Flasche mitzunehmen.

Weitere Infos zum Bierfest auch unter: http://www.bierfeste-deutschland.de/osnabrueck/

Auf diesem Wege auch nochmals vielen herzlichen Dank an Katchen und Alex für die Kinderbetreuung und gastfreundliche Aufnahme.

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

100. Schwarze Biere – Bierverköstigung Oktober

Breznak Schwarzbier | Störtebecker Schwarzbier | Guiness Draught | Guiness Foreign Extra Stout | Inselbrauerei Baltic-Stout | Ale Mania Bonner Wieß | Mikkeller Milk Stout | Sharp´s Wolf Rock Red IPA

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Am heiligen deutschen Nationalfeiertag ging es in die 10. Verköstigungsrunde in der Brühler Eule in diesem Jubiläumsjahr. Passendes Thema zur Wiedervereinigungsfeier waren schwarze Biere – sind diese schließlich das Aushängeschild mittel-ost-deutscher Braukunst. Dabei ging Biersommelier Markus nicht nur explizit auf Schwarzbiere, sondern auch weitere schwarze Biere ein. Als schwarzes Bier kann dabei jedes Bier von mindestens etwa 50 °L (Grad Lovibond)gemäß European Brewery Convention gelten. Die Farbe wird (neben Zuckercouleur) vor allem durch stärker gedarrtes oder geröstetes Malz hervorgerufen. Auch spezielles dunkleres oder schlicht die Verwendung von mehr Malz können Einfluss auf die Bierfarbe haben. Dabei sind schwarze Biere nicht automatisch vollmundiger oder alkoholhaltiger. Das deutsche Schwarzbier hat im Übrigen seinen Ursprung im heutigen Thüringen und südwestlichen Niedersachsen.

Den Start des Abends machte allerdings ein tschechischer Vertreter: Das Breznak Schwarzbier (siehe 47.):

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Das zweite Bier kam dann nun auch aus Deutschland- genauer gesagt aus der 2011 gegründeten Störtebecker Braumanufaktur (siehe auch 31.):

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Mein Eindruck:
– Geruch: röstmalzig, Kaffee, trocken
– Geschmack: gehaltvoll, Kaffee, leicht süß, weich

Fürs nächste Bier ging es dann wieder ins Ausland. Diesmal aber auf die grüne Insel Irland:

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Dabei gab es das Bier ausnahmsweise aus der einzigartigen Guinness-Dose. Diese ist deshalb so interessant, da sie eine Kugel (ein sog. Floating Widget) enthält, welche mittels Stickstoff bei Öffnen der Dose den guinness-typischen feinporigen, üppigen und stabilen Schaum entstehen lässt.

Mein Eindruck:
– Geruch: kaum vorhanden, frisch, leicht röstig
– Geschmack: klar, wässrig, leicht

Direkt im Anschluss und sozusagen fast im Direktvergleich folgte ein weiteres Mitglied aus der großen Guinness-Familie:

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Wie auf der Karte zu erkennen handelt es sich hierbei um ein authentisches afrikanisches Guinness, welches aus Nigeria importiert wurde. Dabei muss erläutert werden, dass vom Gesamtausstoß von Guinness weltweit ca. 40% auf den afrikanischen Kontinent entfallen. Das heißt, dass nicht nur das Bier dorthin exportiert wird, sondern es vor Ort in Afrika produziert wird. Lediglich der Guinness-prägende Hefe-Stamm wird aus Irland importiert. Und aufgrund einer großen nigerianischen Bevölkerungsgruppe in London, wird das in Afrika gebraute Guinness tatsächlich auch nach Europa exportiert. Im Gegensatz zum irischen Produkt werden in den afrikanischen Versionen übrigens auch Weizen- und Hirsemalze verwendet.

Mein Eindruck:
– Geruch: sauer, bitter, frisch, malzig
– Geschmack: bitter, süß-sauer, leicht fruchtig, leicht holzig

Zum Abschluss der offiziellen Verköstigung ging es dann wieder zurück in die Heimat:

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Wie zu sehen, handelt es sich dabei und eine noch sehr junge Brauerei aus Rügen. Besonderheit des Bieres ist neben der Verwendung von Hafermalz auch die Zusetzung von Traubenzucker.

Mein Eindruck:
– Geruch: frisch-fruchtig, leicht malzig
– Geschmack: bitter-süß, blumig, würzig

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere sieht dann so aus:

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Markus und ich teilten uns dann noch folgendes Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Ale Mania Bonner Wieß:
    – wahres Bonner Lokalbier und klarer Kandidat für meine „Hall of Fame“
    – insgesamt sehr spritzig, hell, wenig gehopft, mehr Gersten- als Weizenmalznoten und nicht sehr süffig
    – obergärig, 12°P, 4,5%
    http://www.ale-mania.de/

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  • Mikkeller Milk Stout:
    – vom weltweit größten Gipsy-Brauer aus im dänischen Kastrup
    – wird im belgischen Lochristi-Hijfte bei De Proef gebraut
    – Verwendung finden hier Laktosekulturen, welche dem Bier zugesetzt werden und von der Hefe nicht vergoren werden
    – insgesamt relativ süß, leicht röstig und malzig und im Abgang wirklich sehr lecker milchig und süffig
    – obergärig, 6%
    http://mikkeller.dk/

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  • Sharp´s Wolf Rock Red IPA
    – aus der 1994 gegründeten Brauerei im englischen Rock in Cornwall
    – insgesamt trocken-malzig, blumig-waldig, bitter-fruchtig-süß und unscheinbar süffig
    – obergärig, 4,8%
    http://mikkeller.dk/

Beim Schreiben dieser Zeilen hat mich im Übrigen das Bio-Reisbier (untergärig, 4,3%, Zutaten: Reissirup und Hopfen) aus dem Hause Liebhart (Gründung 2003 aus Detmold) begleitet, welches ich mir noch mit nach Hause genommen hatte. Gleichzeitig ist es auch eine Premiere, da es das bis dato erste Reisbier des Bierjubiläums ist. Geruchlich tatsächlich sehr reis-ähnlich und säuerlich. Geschmacklich trocken-süßlich, wässrig, prickelnd und leicht fruchtig.

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Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/