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Blogbier, die XXIX. – מדינת ישראל

Kürzlich war ich mal wieder im Brühler Seasons zum grenzüberschreitenden politischen Austausch. Dabei gab es auch wieder ein Bier, das es neu auf die Bierjubiläum-Liste geschafft hat:

Tasting-Notizen:

  • Steenbrugge Tripel:
    – 8,7%; obergärig
    – mit Koriander, Orangenschalen und Zimt eingebraut
    – zusätzlich wurde auch noch eine ursprüngliche Biergewürzmischung eingesetzt

Steebrugge ist eine alte belgische Biermarke, die aus der Abtei St. Peters hervorgegangen ist. Dort brauten bis zur Jahrtausendwende die ansässigen Mönche ihr traditionelles Abteibier. Die Marke Steenbrugge gehört jedoch seit 2003 zur belgischen Brauerei Palm. Die Produktion befindet sich seit 2004 in Steenhuffel. Auf dem Etikett der Steenbrugge-Biere kann man indes noch etwas in Nostalige schwelgen. Ist dort doch das Bildnis des Heiligen Arnulf von Soissons, dem Patron der Brauer und Gründer der St.-Peters-Abtei von Oudenburg und Steenbrugge zu sehen.

Mehr Infos unter: https://www.palm.be/en/degoudenboom/beers.

Festival der Bierkulturen 2018

Lahnsteiner Gruitbier | Lahnsteiner Burbator | Elusive Desert Isle | Solvay Society Dubbel Beta Coumarin | Kölner Bierhistoriker Knalt | Kölner Bierhistoriker Deutsches Porter 1900 | CCC Heinenhof Süffige Sünde | Orca Bräu Wildfang #1 | AleMania Chocolate Mint Stout | Bayrischer Bahnhof Sweet Pineus Buchweizen  | Bayrischer Bahnhofs Cuvee | Heidenpeters Wild IPA | Heidenpeters + Orca Bräu Tea Time Pale Ale | Bierserker Luiserl | Brauprojekt 777 Barley Wine | Helios Tripel Bock | Helios Black Out Rum |  Bunthaus Root Wild Ale | 3rd Sector Aam Laasse | 3rd Sector Salacia – Godess of the Deep | Pax-Bräu from Asia with Love | Bierfabrik Berlin Malt Liquor | Lahnsteiner Cool Elephants | Lahnsteiner Honigbier

Während die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in vollem Gange ist feierte Köln am vergangen Wochenende das Festival der Bierkulturen. Das in diesem Jahr schon zum 9. Mal stattfindende bierige Großereignis ist eines der wichtigsten Krerativbierfeste in NRW und zieht Jahr für Jahr mehr Publikum an. So habe ich es dieses Mal auch endlich geschafft und war mit Nils am Samstag vor Ort.

Pünkltich um kurz vor 14 Uhr konnten wir uns dann in die schon gebildete Schlange einreihen. Kurze Zeit später waren wir dann drin und versuchten uns erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Doch bei 25 Ausstellern und etwa 125 Bieren wurden wir zunächst regelrecht erschlagen von der Quantität der Auswahl. Auch qualitativ stellte sich schnell ein hohes Niveau heraus, das einem fast überforderte. So gab es neben den lokalen und regionalen Marken wie die Helios-Braustelle als Veranstalter, die Kölner Bierhistoriker, Ale-Mania aus Bonn oder die Mikrobrauerei Heinenhof auch deutsche Größen wie Kehrwieder, Heidenpeters, Orca-Bräu oder Pax-Bräu sowie internationale Brauereien aus Großbritannien (40Ft, Elusive, Iron Pier & Solvay) und Belgien (‚t Hofbrouwerijke & Hof ten Dormaal).

Aufgeteilt waren diese im großen Saal, im Jugendbistro und im Außenzelt des Bügerzentrums Ehrenfelds. An jedem Stand gab es Fladenbrot zur Stärkung und zudem an der Küche kostenfreies Wasser zur Neutralisierung und zum Mineralhaushaltsausgleich.

Angesichts eines straffen Zeitplans (ich musste Abends familär bedingt wieder daheim sein) gingen wir diszipliniert zu Gange und wählten ganz bewusst außergewöhnliche Biere, die weder zu klassisch traditionell noch zu klassisch kreativ waren.

 

Impressionen:

Bierfacts:

  • Lahnsteiner Gruitbier:
    – obergärig; 4,9%; 11.3°P
    – naturtrübes Kräuterbier wie im Mittelalter mit Muskatblüte, Wacholderbeeren & Salbei
    – von der Familienbrauerei Lahnstein südlich von Koblenz am Rhein
    – die Geschichte der in der 10. Generation geführten Brauerei geht bis 1411 zurück
    – neben einer tollen Vielfalt an Bieren verkauft die Brauerei auch vielerlei bierige Produkte wie Knabbermalz oder Hopfentee
    – Goldmedaille beim International Craft Beer Award 2015
    – säuerlich, frisch, gewürzig
    – https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Lahnsteiner Bourbator:
    – obergärig; 8%; 18.5°P
    – heller Bock gereift auf Bourbonholz
    – Goldmedaille beim International Craft Beer Award 2017
    – genau richtige Whisky-Note, malzig, leicht ölig
    – https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Elusive Desert Isle:
    – obergärig; 4,5%
    – Lime-&-Coconut-Hopfenweisse
    – gehopft mit Motueka & Wai-Iti
    – aus dem englischen Birkshire
    – Limette, Gras, herb
    – https://www.elusivebrewing.com/blog-1/
  • Solvay Society Dubbel Beta Coumarin:
    – obergärig; 6%
    – Dubbel mit Tonka-Bohnen und rote Beete
    – vom Stadtrand der britischen Hauptstadt
    „Oud Belgium. Nouvel London.“
    – wenig Tonka-Bohne, wenig rote Beete, getreidig
    http://solvaysociety.com/beers/
  • Kölner Bierhistoriker Knalt:
    – obergärig; 4,5%; 14°P
    – leicht kalt gehopftes klassisches Altbier
    – von den äußerst sympathischen Kölner Hobbybrauern, die sich herausragend für alte Rezepte einsetzen
    – „auf den Spuren (fast) vergessener Bierrezepturen und Brautraditionen“
    – frisch, geschmeidig, süßlich, leicht röstig
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • Kölner Bierhistoriker Deutsches Porter 1900:
    – obergärig; 5,1%; 13.7°P
    – deutsches Porter nach historischen Rezept
    – schön malzig, süffig, Kakao, Kaffee
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • CCC Heinenhof Süffige Sünde:
    – untergärig; 6,5%; 16°P
    – historisches Kölnisches Knupp
    – mit Hafermalz und Süßholzwurzel
    – von der letztes Jahr aus den KBH entstandenen Mikrobrauerei Heinenhof aus Pulheim-Orr
    – ist der nächste Gast beim Montagstasting in der Eule
    – Kaffee, Vanille, wenig Rauch, cremig
    https://www.heinenhof.de/mikrobrauerei/
  • Orca Bräu Wildfang #1:
    – obergärig; 6,5%
    – Sour Saison im Pflaumenschnapsfass gereift
    – von der von Felix vom Endt 2017 gegründeten Nürnberger Kreativbierbrauerei
    – eine der Speerspitzen der deutschen Kreativbierszene (u.a. mit Waldbieren oder alternative Getreiden)
    – gut sauer, fruchtig, erfrischend
    http://www.orcabrau.de/
  • AleMania Chocolate Mint Stout:
    – obergärig; 6%; 16°P
    – Test-Batch mit Schokomalz, Haferflocken, Kakao, Laktose & Pfefferminze
    – vom Bonner Kreativbier-Pionier Fritz Wülfing
    – Minze, Schoko, süffig
    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn
  • Bayrischer Bahnhof Sweet Pineus Buchweizen:
    – obergärig; 4%
    – Gose mit 50% Buchweizenanteil
    – von der seit 2003 bestehenden Gosebrauerei in Leipzig
    – vom ältesten erhaltenen Kopfbahnhof der Welt
    – mild, fruchtig, süffig, sehr lecker
    https://www.bayerischer-bahnhof.de/de/hausgemachte-biere.html
  • Bayrischer Bahnhofs Cuvee:
    – obergärig; 5%
    – Verschnitt von mehreren Goses
    – etwas zu sauer, Komplexität schwer schmeckbar
    https://www.bayerischer-bahnhof.de/de/hausgemachte-biere.html
  • Heidenpeters Wild IPA:
    – obergärig; 8,2%
    – double dry hopped IPA mit Apfelsaft vergoren und Tannennadeln des Spreewalds versetzt
    – von einer der bekanntesten Berliner Craftbier-Brauereien
    – mäßig, mehr IPA als Apfelsaft, zu wenig waldig
    http://www.heidenpeters.de/
  • Heidenpeters | Orca Bräu Tea Time Pale Ale:
    – obergärig; 5%
    – Weizen Pale Ale mit Roibuschtee
    – Kollaboration zwischen Johannes Heidenpeter & Felix vom Endt
    – frisch, teeig, waldig, lecker
    http://www.heidenpeters.de/
  • Bierserker Luiserl:
    – obergärig; 5,4%; 14.5°P
    – Ale mit Zitronenverbene gebraut
    – vom wohl kreativste Bonner Brauer Ulrich Karl Tröger
    – abgefüllt im Siegburger Brauhaus
    – pilsig-herb, trocken-würzig, leicht getreidig
    http://www.bierserker.de/
  • Brauprojekt 777 Barley Wine:
    – obergärig; ?%
    – einziges Barley Wine des Festivals
    – von der 2013 gegründeten Handwerksbrauerei aus dem niederrheinischen Spelle
    – am untersten Rand der Öligkeit, hohe Drinkability, gut für Einsteiger
    http://brauprojekt777.de/
  • Helios Tripel Bock:
    – obergärig; 9,5%
    – hopfen- & malzbetontes helles Strong Ale
    – von der 2001 gegründeten Braustelle – Ehrenfelds einziger und Kölns kleinster Brauerei
    – gemüsig, cremig, ölig, würzig, süßlich
    http://braustelle.com/flaschenbier.html
  • Helios Black Out Rum:
    – obergärig; 14%
    – im Rumfass gelagertes hochprozentiges Stout
    – Rum, Rum, Rum
    http://braustelle.com/flaschenbier.html
  • Bunthaus Beet Root Wild Ale:
    – obergärig; 5,5%
    – American Wild Ale
    – letztes Jahr enstandenene Handwerksbrauerei von der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg
    – gebraut wird unangepasst an der Bunthäuser Spitze
    – Essig, normal säuerlich, fruchtig
    http://www.bunthaus.beer/die-biere/beetroot-wild-ale/
  • 3rd Sector Aam Laasse:
    – obergärig; 8,8%
    – All-Hop Mango Milkshake-IPA
    – von der noch recht frischen Essener Craftbierstube
    – wenig Milch, wenig Frucht, ok
    https://thirdsectorbrewing.de/
  • 3rd Sector Salacia – Godess of the Deep:
    – obergärig; 9,2%
    – Bourbon-Oaked Imperial Chocolate Stout on roasted Hazelnuts
    – ölig, süß, holzig, röstig, nussig
    https://thirdsectorbrewing.de/
  • Pax-Bräu from Asia with Love:
    – obergärig; 7,1%; 18°P
    – Doppel-Wit – Szechuan Style
    – mit Emmermalz, Bitterorangenschale, Habanero Chili, Ingwer, Szechuanpfeffer, Zitronengras & Koriander
    – von einem der führenden Natürlichkeits-Brauer Andreas Seufert aus Oberelsbach in der unterfränkischen Rhön
    – Pfeffer, Zitronengras, wenig Balance, wenig Spitzen
    https://pax-braeu.de/shop/from-asia-with-love-2/
  • Bierfabrik Berlin Malt Liquor:
    – untergärig; 6,7%
    – ursprüngliches Strong Lager
    – vom noch jungen Berliner Brauhaus Bierfabrik
    – malzig, waldig, vollmundig
    http://www.berlinerbierfabrik.com/
  • Lahnsteiner Cool Elephants:
    – untergärig; 10,2%
    – Megabock Rohminator gereift auf Sandelholzchips
    – Silbermedaille beim International Craft Beer Award 2017
    – Mitbringsel vom Festival zum Absacker-Verzehr
    https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Lahnsteiner Honigbier:
    – obergärig; 10,7%
    – naturtrübes Bier, nachvergoren mit Blütenhonig
    – getrunken beim Schreiben dieser Zeilen
    – waldig-süß, sehr alkoholaromatisch, leicht ölig, leichte Bittere, mittel-schwerer Körper, matt-feinperlig, trocken-warmer Abgang
    https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
    http://www.magazin-objektiv.de

Fazit:

Auch wenn es mir am Sonntag Morgen so schlecht wie nie in meiner Blogzeit ging, war es einfach ein überragendes Bierfestival. Alleine die schiere Auswahl an kreativen und handwerklich gut gemachten Bieren lässt jedes Bierherz höher schlagen. Die Mischung aus lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Highlights war wirklich außerordentlich. Dass vor allem der Samstag wieder frühzeitig ausverkauft war, ist der beste Beweis für die hohe Qualität des Fesitvals und der große Wunsch der Bierbegeisterten nach guten kreativen Bieren. Auch die Möglichkeit sich die ein oder andere Flasche bzw. ein anderes bieriges Produkt mitnehmen zu können war gut. Zu kritisieren hätte ich lediglich den Umstand, dass es mir insgesamt etwas zu unübersichtlich war und man so manchmal etwas Mühe hatte an sein Lieblingsbier zu kommen. Nichtsdestotrotz war es wohl das beste Bierfestival, das ich seit Anbeginn des Blogs besucht habe und es definitv auch für das kommende Jahr vorgemerkt. Danke Peter Esser und danke auch an alle anderen Brauer und Unterstützer für dieses biergeniale Großereignis.

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/1867617260158489/.

Oder unter: https://www.koeln.de/branchen/eintrag/1276/brauereien/braustellebuergerzentrum-ehrenfeld/
bzw. http://braustelle.com/festival-der-bierkulturen-2018.html

331. 1. Bonner Brauschau

Noch etwas beschwippst möchte ich Euch heute von der 1. Bonner Brauschau erzählen. Organisiert vom Bonner Heimbrauer-Verein war es die erste derartige Brauschau im südlichen Niederrhein-Land. Zwar gibt es glücklicherweise immer mehr private Brauaktivitäten zwischen Eifel und Ruhr, doch hat man dies bislang noch etwas im Verborgenen getan. Umso erfreulicher die heutige 1. Bonner Brauschau im The 9th, die mit 20 Ausstellern aufwartete und selbst mich wieder mal völlig überrascht hat. Alleine die Anzahl an unterschiedlichen Bieren war überwältigend. Zudem gab es dabei auch eine enorme Vielfalt der Bierstile und Interpretationen. Da dem Hobbybrauen deutlich weniger Reglementierung auferlegt sind, konnten sich die Brauer hier auch endlich so richtig austoben. Herausgekommen sind knapp 40 Bierspezialitäten allerkreativster Art.

 

Mit am Start neben den gastgebenden Bonner Heimbrauern auch  Toms Hütte, die Braufreunde aus Münster, DROOD aus Gevelsberg und der Verein für den Erhalt & die Förderung Schwelmer Brautradition. Weitere prominente Vertreter aus der Region waren die Kölner Bierhistoriker, die ein spätmittelalterliches Grutbier aus Gagel mitgebracht hatte. Auch der Weltmeister der Biersommeliers Stephan Hilbrandt gab sich die Ehre und war mit einem Ingwer Wit und dem Torfbock dabei. Fritz Wülfing von Ale-Mania hingegen ließ seinen Nachwuchs auflaufen und zeigte, was seine Azubis so alles drauf haben. Er selbst ist als kommerzieller Brauer „nur“ Sponsor der Brauschau. So präsentierten Azubi Ben und Azubi-Azubi Holger – seines Zeichens „hauptberuflich“ eigentlich Blogger von We love Pubs – ein schmackhaftes Rhabarber-Saison-Bier.

Impressionen:

 

Bierfacts:

  • Dominiks Raspberry Vanilla Smoothie IPA:
    – 6,5%; obergärig
    – Himbeer-NEIPA-Experiment
    – süß, fruchtig, sauer, voller Körper, ölig
    https://www.facebook.com/bonnerheimbrauer/
  • Ben & Holgers Rhubarbarama:
    – 5%; obergärig
    – Saison mit Rhabarber gestopft
    – dezente Rhabarbernote, sauer, frisch
    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn
     https://www.welovepubs.de/
  • Roberts Lord Byron’s Bitter:
    – 4%; obergärig
    – klassisch englisches Bitter
    – trocken bitter, malzig, süß
    https://www.facebook.com/bonnerheimbrauer/
  • Verein für Erhalt & Förderung Schwelmer Brautradition Thokkis Dark Coconut:
    – 7,5%; untergärig
    – Bockbier mit Kokosnuss veredelt
    –  trocken, röstig, geringe Kokosaromen, leicht karamellig
    www.schwelmbräu.de
  • Barth Bräu Folköl:
    – 3,5%; obergärig
    – Low-Alc-Ale
    – spritzig, hopfig, grasig, erfrischend
  • Drood Dream of Peat & Oak:
    – 16,2°P; 6,5%; untergärig
    – Brown Ale auf Holzchips gereift
    – sehr holzig, leicht sauer, süß, würzig, Whiskey-ähnlich
    https://drood-beer.jimdo.com/
  • Schwenkenbecher Sprizzl Brizzl:
    – 5,2%; obergärig
    – Gose mit Hagebutte, Rhabarber, Koriander, Salz & Hibiskusblüten
    – dezent süß, fruchtig, mehr Hagebutte als Rhabarber
    https://www.braufreunde-muenster.de/tag/schwenkenbecher/
  • Stephans Torfbock:
    – 5,2%; untergärig
    – Peated-Bock auf Eichenholz gelagert
    – torfig, holzig, bockig
    – mein Platz 2
    http://biersommelier.hilbrandt.com/
  • Kölner Bierhistoriker Grutti-Frutti:
    – 4,7%; obergärig
    – Grutbier auf Basis eines belgischen Wit mit Gagel, Kamille & Nelke
    – lecker fruchtig, kräuterig, hell, vollmundig
    – mein Favorit
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • Kevin Kentucky Common:
    – 4,3%; obergärig
    – historisches Cream Ale aus den 1920ern
    – leicht, wenig Körper, malzsüß
    – mein schwächstes Bier
    https://www.facebook.com/bonnerheimbrauer/
  • Herr Hoffmann Dr. Knurps Frühstücksstout:
    – 6,2%; obergärig
    – Stout mit Kaffee & Kakao
    – lecker röstig, dunkelmalzig, karamellig
    – meine Bronzemedaille

Fazit:

Für mich, der gerade erst sein erstes Bier (Cerevisia M – am Montag mehr dazu) mit Hilfe von Ralf vom Braukunst Vorgebirge, der mich übrigens begleitet hatte, gebraut hat, war es toll zu sehen, wie lebendig offenbar die hiesige Hobbybrauszene ist. Dabei konnte die Qualität der Biere durchaus mit denen, die auch kommerziell verkauft werden, mithalten. Und auch in Sachen Vielfalt wurde natürlich einiges geboten, wie die Bierliste zeigt. Schön war es auch wieder mal den ein oder anderen bekannten Biernerd wiedergetroffen zu haben und sich ein wenig austauschen zu können. Auch, wenn vielleicht an der ein oder anderen organisatorischen oder präsentatorischen Komponente gefeilt werden könnte, war es wirklich ein sehr gelungener Tag in Bonn.

Vielen Dank in diesem Zuge deshalb an alle Beteiligte und die Gastgeber der Bonner Heimbrauer.

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/164034051069449/.

 

 

330. Back- & Brauhaus Brinker 500 Jahre Utopia

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Endspurt um die Feierlichkeiten des diesjährigen Bierjubiläums einläuten. Es ist gleichzeitig auch das letzte in meiner (meist leckeren) Bäckereibier-Reihe.

Clemens Brinker – offensichtlich nicht nur Brot- und Bierexperte – widmet das heutige Bier dem Roman Utopia (griechisch für ‚Nicht-Örtlichkeit‘) von Thomas Morus. Denn dieses ist – wie es der Zufall will – wie das heute sogenannte „Reinheitsgebot“ ebenfalls im Jahre 1516 zuerst (auf Betreiben von Erasmus von Rotterdam im belgischen Löwen) veröffentlich worden. In dem heute weltweit bekannten Werk beschreibt Morus eine ferne ideale Gesellschaft und begründet damit das Genre der Sozialutopie. In De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia – Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia (wie der volle Titel des Romans eigentlich lautet) wird das Leben in patriarchischen Familienverbänden geschildert. Überfamiliär ist das Leben eher klosterähnlich organisiert und von einem jährlich gewählten Phylarch geführt. Es gibt kein Privateigentum und somit auch kein Geldsystem. Dafür besteht Arbeitspflicht, wobei sich jeder Bürger nach der Pflichtschule sein Handwerk selbst aussuchen darf – lediglich eine regelmäßige Feldarbeit ist obligatorisch. Nur Straftätern oder anderen Verbrechern ist Zwangsarbeit vorbehalten. Zudem gibt es auch eine Art Krankenversicherung. In der säkularen Republik Utopia wird der regierende Senat auf Zeit gewählt, während das Staatsoberhaupt auf Lebenszeit vom Volk bestimmt wird, aber auch wieder abgesetzt werden kann. Etwas naiv wirkt nur die Lösung hinsichtlich variierender Bevölkerungsmengen. So solle Überbevölkerung durch Aussiedlung in Kolonien begegnet werden, woraus man sich bei Unterbevölkerung wieder bedienen könne. Alles in allen zwar in einigen Punkten zwar kaum mit dieser unserer Welt vereinbar, aber trotzdem doch sehr fortschrittlich. Im 16. Jahrhundert im westlichen Europa wohl noch revolutionär, wirken die Beschreibungen heute fast wie eine Zustandsbeschreibung unserer aktuellen Gesellschaft (sieht man mal von der heute als kommunistisch charakterisierten Themen Privateigentum oder Geldsystem ab). Ich selbst habe Utopia im Philosophie-Unterricht durchgenommen und weiß deshalb um dessen Bedeutung vor allem für die Sozialutopie.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/28/Insel_Utopia.png/800px-Insel_Utopia.png

Auch die heutige bierige Interpretation des Weltromans ist auf den Spuren des Thomas Morus unterwegs. So ist die Hommage kein Allerwelts-Bier, sondern mit Holunderbeeren, Kräutern und Gewürzen wohl ein typisches Kreativbier des damaligen Westeuropas. Im Gegensatz zum gestrigen ähnlich gebrauten Grutbier, enthält es aber diesmal keinen Hopfen. Ein einmaliges Bier für einmalige Ereignisse.

„500 Jahre Utopia – 500 Jahre Reinheitsgebot“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Holunderbeeren (getrocknet), Gewürze, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: süß-säuerlich fruchtig, kräuterig, dunkelmalzig, schokoladig
Geschmack: frisch, feinperlig, schlanker Körper, fruchtig, kräuterig, leicht trocken-bitterer Abgang
Gesamt: Wahrlich ein interessantes Bier. Auch wenn es geschmacklich für mein Befinden kein absoluter Volltreffer ist, ist es dennoch ziemlich einmalig. Sowohl Frucht als auch Kräuter sind hier im Vordergrund und werden spannenderweise von etwas Schokolade in der Nase begleitet. Sicher etwas Besonderes für ein besonderes Ereignis. In Zahlen bedeutet das 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

329. Back- & Brauhaus Brinker Westfälisch Grut

Nach der gestrigen sauren Enttäuschung hoffe ich heute inständig auf Wiedergutmachung in meiner Bäckerei-Bier-Reihe vom Back- & Brauhaus Brinker aus dem Teutoburger Wald. In einer Frühausgabe des Bierjubiläums-Tastings gibt es heute ein wirklich interessantes Bier. Eines, dass vor allem in Westfalen – und Georgsmarienhütte gehört so gerade noch dazu – eine lange Tradition hat und sich als eine der der letzten Bastionen vor dem heute fast ausschließlich vorherrschenden Hopfenbieres bis ins 18. Jahrhundert hin hielt. Das heutige Bier enthält nämlich im Gegensatz zu wahrscheinlich 99,9% aller weltweit verkauften Biere kein Hopfen, sondern wird mit einer alten westeuropäischen Kräuternsammlung – dem sogenannten Grut – gewürzt. Bis ins 16. Jahrhundert hinein wurde damit noch vor Verbreitung des Hopfens mehrheitlich gewürzt. Im Gegensatz zum Hopfen musste hierbei aber stets höchste Vorsicht walten gelassen werden, da die Zusammensetzung und Dosis je nach Pflanze toxische Wirkung erzeugen konnte. Das war dann wahrscheinlich neben der aromatisch komplexeren Vielfalt der Hauptgrund für die Verdrängung durch den Hopfen. Im Laufe der Jahrhunderte verschwand mit dem Grut auch die Kenntnis über ihren richtigen Einsatz. Einigen wenigen Brauereien vorwiegend in den Niederlanden und in Westfalen ist es zu verdanken, dass es seit einigen Jahren (auch im Zuge der „Craftbeer-Welle“) wieder vermehr hopfenfreie Gru(i)tbiere gibt. Besonders prominentes Beispiel ist die Gruthaus-Brauerei in Münster – Stichwort: „Nicht nach, sondern vor dem Reinheitsgebot von 1516.“. Doch auch Bäckermeister und Gewürzspezialist Clemens Brinker hat sein ganzes Wissen in die Waagschale geworfen und seine Interpretaion eines Westfälischen Grutbieres entworfen. Dieses beinhaltet aber dem den alten Biergewürzen Scharfgarbe, Birke, Wacholderbeere und Esche ebenfalls auch den „modernen“ Hopfen. Etwas was es vor allem auch in der Transformationsphase häufig gab. Bleibt zu hoffen, dass es keine ähnlich Überraschung wie gestern gibt.

„Westfälisches Grut ist eine aromatische, fruchtige und würzige Bierspezialität nach uralter Tradition.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Scharfgarbe, Birke, Wacholderbeere, Esche, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12,5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr fruchtig-säuerlich, würzig, waldig, harzig
Geschmack: erfrischend, schlanker Körper, fruchtig, leicht säuerlich, waldig, kräuterig, spritzig, etwas süßlich, herb-würziger Abgang
Gesamt: Na das schmeckt doch gleich viel besser. Wirklich ein tolles Beispiel für ein gelungenes (gemischtes) Grutbier und somit auch die erhoffte Wiedergutmachung von gestern. Besonders die tollen fruchtig-sauren Aromen in Verbindung mit den waldigen Noten erzeugen selbst für mich noch völlig unbekannte Gaumenfreuden. Mit somit mehr als verdienten 13,5 Pkt (1(-)) kommt das Back- und Brauhaus heute also wieder voll in Bahn zurück.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

295. Zundert Trappist

Mitten im Karnevalsfieber mache ich eine kurze jecke Auszeit und widme mich heute wieder einmal einem besonderen Bier. Es kommt nach 125 Jahren aus der erst zweiten Trappistenbrauerei, das in den Niederlanden eröffnet wurde. Um die vorletzte Jahrhundertwende gründete sich in Zundert/Brabant die Trappistenabtei Maria Toevlucht. Doch es sollte über 100 Jahre dauern bis die Mönche auch ihr erste Bier brauten. 2011 entschied der aktuelle Abt, die bis dato noch bestehende Rinderfarm zu schließen und dort eine neue Brauerei zu eröffnen. Nach umfangreichen Umbauarbeiten und ersten Brauversuchen, konnte 2013 dann dort das erste Trappistenbier der Niederlande nach La Trappe auf den Markt gebracht werden. Neben Hopfen werden in diesem Tripel auch traditionelle Kräuter verwendet.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Tripel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Zucker, Kräuter, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Klein Zundert / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: leicht metallisch, säuerlich, holzig, karamell-malzig
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, weich, kaum bitter, karamell-Süße, wenig würzig, leicht grasig, malzig-süßer Abgang
Gesamt: Ein nicht nur besonderes, sondern auch gutes Bier. Auch wenn der visuelle und olfaktorische Eindruck noch nicht darauf hindeuten, entfaltet sich auf der Zunge ein tolles malzig-süßes Bieraroma, das vor allem für Freunde der belgischen Bierkunst sehr schmackhaft ist. Für alle anderen ist die Süße, die niemals penetrant wirkt, wohl aber noch etwas gewöhnungsbedürftig. Für mich zusammen genommen 11,5 Pkt (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.abdijmariatoevlucht.nl/en/portfolio/brewery/.

Prost & guten Abend! 🍻

289. Venloosch Alt

Nach Pils, Kölsch und Bockbier folgt heute gleich der nächste große Bierstil: Mein geliebtes Altbier. Doch diesmal ist es kein klassisch deutsches Alt, sondern das erste Alt aus unserem westlichen Nachbarland Niederlande. Erworben beim Urlaubswochenende in Lommerbergen vor zwei Wochen, freue ich mich heute außerordentlich dieses Bier vorstellen zu können.

Gebraut wird es seit 1983 von der Lindeboom Bierbrouwerij aus Neer, etwas nördlich von Roermond. Die 1870 gegründete Brauerei – die auch Hoflieferant des niederländischen Königshauses ist – wollte damit den typischen Bierstil des mittleren Niederrheins auch über die Grenze transportieren.

Denn unmittelbar dahinter befindet sich die Grenzstadt Venlo. Mit rund 100.000 Einwohnern zählt sie so gerade als eine Großstadt. Während ihrer inzwischen etwa 2.000-jährigen Existenz wechselte Venlo desöfteren die Staatszugehörigkeit und profitierten vor allem in den letzten Jahrzehnten vom grenznahen Tourismus und Handel mit deutschen Besuchern. Auch für mich war es in meiner Kindheit und Jugend ein beliebtes Ausflugsziel, ist es doch vom Kreis Viersen schnell zu erreichen und hat doch etwas „exotisches“.

Auch wenn das Venloosch Alt sich seit Einführung sehr stabil halten konnte und in Venlo selbst sehr präsent ist, hat es kaum den Weg außerhalb von Limburg gefunden. Vor allem auf der deutschen Seite der Grenze ist es kaum zu bekommen. Völlig klar, dass ich also das ich da zuschlagen musste. Interessanterweise wird es übrigens neben Hopfen auch mit anderen Kräutern gebraut, enthält aber leider auch zur Färbung Karamell. Wenigstens wird dies – im Gegensatz zum deutschen „Bierrecht“ – auf dem Etikett ordnungsgemäß ausgewiesen.

In diesem Sinne:

„Altiëd Venloosch Alt tiëd“

(da hier selbst die Online-Übersetzung kapituliert: zu dt. „Allzeit Venloosch Alt Zeit“)

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alt
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Kräuter, Karamell
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Neer [Venlo] / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
1983

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: Witbier-Säure, klare (Karamell-)Süße, weich
Geschmack: süffig, wenig Körper, dünn & matt, geringe Malzigkeit, etwas Karamell-Süße, leichte Säure, sehr geringe Würzigkeit, malzig-süßer Abgang
Gesamt: Insgesamt eigentlich kein schlechtes Bier. Allerdings auch kaum mit einem deutschen Alt vergleichbar. Man schmeckt einfach zu deutlich die typische Süße und leichte Säure heraus, die man auch von anderen niederländischen oder belgischen Bierstilen kennt. Alt Altbier-Fan fehlt es mir hier auch klar an Würze und Vollmundigkeit. Nichtsdestotrotz ein durchaus leckeres Bier, mit einer hohen Drinkability, wie man auf Neudeutsch sagen würde. Und trotzdem wird es dem Anspruch eines Alt in klassisch deutscher Form nicht gerecht, wenngleich es eine solide niederländische Interpretation ist. In Summe macht das dann 9,5 Pkt. (3++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.lindeboom.nl/bieren-van-hier/onze-bieren.html.

Prost & guten Abend! 🍻

246. Biere in Frankreich – Bierverkostung Oktober

Kronenbourg Original | Kronenbourg  1624 Millesime | Duyck Jenlain Ambrée| Saint Sylvestre 3 Monts | Fischer Tradition | Pietra Ambrée | La Chapelle Cervoise Yggdrasill | [Maisel & Friends + Christian Moerlein Brewing Tele-Porter]

Gestern war es endlich wieder soweit: Eulen-Zeit. Da der erste Montag im Monat Oktober aufgrund des Brückentags diesmal auf den zweiten verschoben wurde, mussten wir uns etwas mehr als üblich gedulden. Aber die Geduld sollte sich auszahlen, denn diesmal thematisierte Biersommelier Markus Weick etwas, dass zumindest in Deutschland noch etwas belächelt wird: Bier aus Frankreich. Offensichtlich war das Thema aber auch interessant genug um einen neuen Gästerekord für die allmontäglichen Bierverkostungen aufzustellen.

Das Vorurteil, Frankreich könne zwar hervorragende Weine produzieren aber kein Bier brauen, hat tatsächlich einen fundierten Hintergrund. So ist Frankreich nicht nur statistisch sondern auch kulturell ein eindeutiges Wein-Land. Zudem war auch Frankreich im letzten Jahrhundert von der weltweiten Biermarken-Konzentration betroffen, sodass in den schlimmsten Zeiten in den 1970ern nur noch 32 Brauereien in ganz Frankreich existierten. Zwar ist unser südwestliches Nachbarland bis heute noch mehr Wein- als Bierland, dafür existieren auch dank der sog. Craftbeer-Welle heute wieder etwa 800 Brauereien. Die meisten kommen (auch historisch-geographisch bedingt) aus dem Elsass und Französisch-Flandern.  Beide Regionen haben durch den Einfluss der deutschen bzw. der belgischen Bierkultur stets eine lebendige Bierkultur erhalten können. So gibt es zwar im Elsass auch exzellente Weine, doch können Wein und Bier dort auch gut koexistieren:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Richmodis-Kölsch an, das zwar eine alte Tradition hat heute aber eine Marke der REWE-Gruppe ist und wird von Gaffel als Lohnsud gebraut. Richmondis ist zumindest historisch eines der wenigen Kölsch, das außerhalb von Köln und zwar in Koblenz beheimatet ist.

Danach ging es dann aber los mit den französischen Bieren, die Markus fast alle in seinem letzten Urlaub vor Ort eingekauft hat. Den Anfang macht das auch international bekannte Kronenbourg Lager aus dem Vorort von Straßburg im Elsass. Kronenbourg ist die größte Brauerei Frankreichs – die Marke kommt mit 8 Mio. hl Ausstoß per anno auf 30% Marktanteil. Interessanterweise macht Kronenbourg um die Inhaltsstoffe des Bieres ein kleines Geheimnis, da die Infos auf der Bierdose (!) recht dürftig sind. Das liegt aber auch an den weniger strengen Transparenzvorschriften für französische Getränkelabel.

Persönlicher Eindruck:
karamellig, leicht spritzig, süß, kaum Hopfen
gefällig, leicht karamellig, weniger süßer Abgang, malzig, kaum bitter

Das nächste Bier war dann auch von dieser Brauerei und sogar das international noch bekanntere 1664 Millesime. Dadurch das das Dachunternehmen Carlsberg diese Marke vor allem außerhalb von Frankreichs in den letzten Jahren sehr gepusht hat, liegt es in den Verkaufszahlen sogar noch vor den des Originals. Der Name leitet sich dabei übrigens vom Gründungsjahr der Brauerei ab. Um welchen Bierstil es sich dabei handelt ist ausnahmsweise gar nicht so eindeutig. Die große Bierbewertungsplattform ratebeer ändert den Bierstil vom 1664 nämlich fast jedes Jahr, da sich das Bier offensichtlich zwischen den Stilen Bière de Garde, Dunkler Bock und Märzen befindet. Leider wird in diesem Bier aber auch Glukosesirup, Karamellaroma und Schwefelsulfite verwendet.

Persönlicher Eindruck:
frisch-süß, blumig-hopfig, alkoholaromatisch
„aroma“-tisch, süß, bananig, vollmundig, leicht trocken

Mit den Bieren drei und vier ging es vom Elsass ins französische Flandern. Zunächst ein diesmal klares Bière de Garde der Brauerei Duyck – das Jenlain Ambrée. Wobei klares Bière de Garde alleine auch schon wieder schwierig ist, da sich dieser Bierstil dadurch auszeichnet besonders uneindeutig zu sein. Von hell bis dunkel und obergärig wie untergärig ist hier in der Theorie alles möglich. Er entwickelte sich vor allem nach dem zweiten Weltkrieg in dieser speziellen Region des französischen Flandern. Dabei gilt das Jenlain Ambrée, welches seit 1922 gebraut wird als stilbildend, da es eines der wenigen traditionellen Biermarken war, die auch die 1970er-Schwämme der hellen Lagerbiere überlebt hat. Die Form der Flasche ist übrigens darauf zurückzuführen, dass es in den 1920ern in Nordfrankreich zunächst kaum Bierflaschen zur Befüllung gab, sodass man in Sekt- oder Weinflaschen abfüllte.

Persönlicher Eindruck:
angenehm-süß, leicht getreidig, frisch, leicht hopfig, ganz wenig alkoholaromatisch
trocken-getreidig, trocken-süß, holzig, karamellig, guter Körper

Das zweite Bière de Garde kommt ebenfalls aus der Region, diesmal aber aus dem Hause Saint Sylvestre, das auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblicken kann. Das 3 Mont ist ebenfalls obergärig, kommt aber ohne jegliche unnatürliche Beigaben aus.

Persönlicher Eindruck:
deutlicher alkoholaromatisch, leicht bitter, leicht getreidig, süßlich
pritziger, voller, stärker, malzig, wenig alkoholaromatisch, würzig-süß

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere der Biere aus der „offiziellen“ Verkostung sieht unter Nicht-Berücksichtigung des Kölsch dann wie folgt aus:

Direkt nach der Verkostung brachte uns Armin aus dem Publikum auch noch ein Bier aus seinem Elsass-Urlaub mit, dass wir gemeinsam verkosteten:

Es handelt sich dabei um das Fischer Tradition aus dem elsässischen Straßburg. Die Brauerei entstand 1821 und war zweitweise die einzige Brauerei in Frankreich, die alle Brauschritte selbst im eigenen Haus durchführte, was auch wieder viel über die frühere Bierkultur in Frankreich aussagt. Nachdem die Brauerei 1996 an Heineken fiel, konnte sie sich nur noch 13 Jahre halten bevor sie geschlossen wurde. Heute wird die Marke von Heineken selbst in Schiltigheim produziert.

Persönlicher Eindruck:
hell, hochvergoren, leicht hopfig
süffig, weich, würzig, leicht spritzig, mittlerer Körper

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung machte ich mit meinem eigenen Mitbringsel des Tele-Porter von Maisel & Friends und Christian Moerlein Brewing als Collaboration-Brew noch viele Leute glücklich. Darüber dann aber morgen in einem separaten Beitrag mehr.  Daneben gab es aber auch zwei weitere Franzosen aus den neuen Biersortiment, welche ich mit Markus und den anderen Bierbegeisterten proBierte:

  • Pietra Ambrée:
    – obergärig; 6%
    – von der vermutlich ersten Brauerei auf Korsika in Furiani (Gründung 1992)
    – mit Maronenmalz eingebraut
    – karamellig, malzig, süßlich, weich, harmonisch, süffig
    – ähnlich wie das Maronenbier aus dem alten Bahnhof in Frechen
    http://www.brasseriepietra.corsica/fr/bieres/pietra/

  • La Chapelle Cervoise Yggdrasill:
    – obergärig; 5%
    – aus der Brasserie La Chapelle / Cervoiserie Northmaen in La Chapelle-Saint-Ouen
    – ohne Hopfen, dafür mit Eschenasche gebraut
    – nach einem heidnischen Rezept aus dem Jahre 997 hergestellt
    – sehr süßlich, fruchtig, waldig-blumig, auch leicht säuerlich, süffig, fein, weich, nach weder Hopfen- noch Malz- sondern Birkenaromen

    – http://www.northmaen.com/home.php?rub=produits

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Edge Brewing Powerplant:
    – obergärig; 8,2%
    – Saison-Bier der 2013 von zwei US-Amerikanern gegründeten Craft-Brauerei aus Barcelona
    – sehr spritzig, aber auch mit vollem Körper, karamellig-süß, würzig-hefig, etwas bitter

    – hat beim Öffnen so laut geknallt, dass fast meine Kinder aufgewacht sind
    http://edgebrewing.com/beer/powerplant/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und auch danke an Ralf für das mitgebrachte leckere Treber-Brot.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

238. Gentse Gruut Amber Ale

Mit dem heutigen Bier kommt es zu einer weiteren Bierjubiläum-Premiere: Meine erste Rezension eines hopfenfreien Bieres.

Aber wie kann das überhaupt ein Bier sein: Gehört doch in jedes Bier stets Wasser, Getreidemalz, Hefe und eben Hopfen?! Was heute so selbstverständlich ist und auch im sog. Reinheitsgebot wie zementiert erscheint, war jedoch nicht immer so. Bis zum 14. Jahrhundert – so vermuten Bierforscher – wurde jedes Bier mit einer Mischung aus verschiedenen Kräutern (und im Übrigen Hafer als Hauptbiergetreide) gebraut. Diese waren dann von den regionalen Gegebenheiten der jeweiligen Flora abhängig. In der Hauptsache fanden vor allem Porst und Gagel Anwendung, aber auch Schafgarbe, Heidekraut, Beifuß, Rosmarin, Thymian, Salbei, Lorbeer, Mädesüß, Anis, Kümmel, Wacholder, Koriander, Fichtensprossen oder Wermut wurden verbraut. Erst im Laufe des 14. Jahrhunderts entdeckte man in größerem Umfang den Hopfen zunächst als ein weiteres Kraut, welches man dem Bier zusetzte. Durch seine Eigenschaften der Haltbarmachung, Stabilisierung und stärkerer Aromatisierung gelang es dem Hopfen dann aber in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten die weiteren (teils auch giftigen) Kräuter aus dem Bier zu verdrängen. Auch der Aspekt, dass Hopfen günstiger als die anderen Bierwürzen war und dass man diesen einen heidnischen Kult nachsagte begünstigten die Entwicklung. Als dann schließlich im Laufe der Jahrhunderte 15 und 16 die Rezepturen des Bierbrauens stärker reglementiert wurden, bedeutete das zumindest in weiten Teilen Mitteleuropas das Ende der Bierkräuter. Erst in den letzten Jahren entdeckten vor allem die Kreativbrauer die Liebe zu Kraut/Grut wieder. So gibt es inzwischen zum Glück wieder mehrere Duzend hopfenfreie aber kräuterhaltige Biere auf dem weltweiten Biermarkt.

Das heutige Grutbier kommt aus dem belgischen Gent in Flandern und ist ein Produkt der Gentse Stadsbrouwerij Gruut, welche sich nach Gründung in 2009 intensiv Bieren mit alternativen Getreiden (wie Dinkel oder Hirse) aber vor allem auch hopfenfreien Bieren widmen. Nach langer Entwicklungszeit werden dort inzwischen regelmäßig fünf verschiedene Grutbiere gebraut; sodass man auf Basis dieser Erfahrungen zu Recht sagen kann, dass sich dort ein regelrechtes Grutbier-Zentrum entwickelt hat.

Übrigens: Während heutzutage Bier anhand des Alkoholgehalts besteuert wird, wurde es bis ins Mittelalter anhand der Menge und Zusammensetzung der Kräuter im Bier abgegolten.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Amber Grut Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Gent / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2009

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: waldig, würzig, blumig, röst- & karamellmalzig, süßlich, weich
Geschmack: dunkel, karamellmalzig, leicht röstig, leicht bitter, waldig-würzig, mittelgroßer Körper, spritzig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Wahrlich ein sehr sehr interessantes Bier. Geschmacklich dominieren die karamell-röstige Süße, die leichte Bittere und die waldige Würze. Doch irgendwie hat das Bier mehr. Zwischen den Zungenknospen blitzen immer wieder unbeschreibliche Geschmacksnuancen auf. Ein Bier, das ich so in dieser Form noch nie getrunken habe und auch schwer zuordnen kann. Leider bleibt (wahrscheinlich aus betrieblichen Gründen) die Kräuterzusammensetzung verborgen, aber der Unterschied zu einem (klassischen) Hopfenbier ist schon erkennbar, wenn auch nicht deutlich. Für etwas experimentierfreudige Bierliebhaber auf jeden Fall empfehlenswert und für mich ein weiterer Anwärter auf die Top Ten des Jahres. Alles in allem bewerte ich das Bier nämlich mit starken 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.gruut.be/en/Bieren/Index/95/gentse-gruut-amber.

Prost!