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426. Herbstbiere – Bierverkostung zur Eule 11/18

Traugott Simon Kölsch | Wolf Helles | AleMania Spiced Pumpkin Ale | Brussels Beer Project Grosse Bertha | Stiegl Zölibat | AleMania Belgian Style IPA | Emelisse Barley Wine | Schneider Weisse TAP X Mein Cuvée Barrique

3 Jahre Biertastings in der Eule

Letzten Montag war es wieder einmal Zeit für den nicht nur als Brühler Bierenthusiast eigentlich obligatorischen Biermontag in der Kierberger Eule. Eine Institution, die in diesem November ihr 3-jähriges feiert. Genau im November 2015 lud Biersommelier Markus Weick zum ersten Bier-Tasting im Rahmen der Biermontags-Reihe ein. Und auch zum diesmonatlichen Thema „Herbstbiere“ fanden sich einige Gäste ein, die schon vor drei Jahre zugegen waren.

Von Bier & Brot zu Bier im Quartier

Dabei gab es eine kleine Änderung hinsichtlich des Eulen-Mottos zu verkünden. Nachdem seit Anfang des Jahres der Fokus auf die Ergänzung von Bier und Brot als natürlich zusammengehörende Nahrungs- und Genussmittel gelegt wurde, heißt es nun „Bier im Quartier“, womit die Bedeutung der Eule für den Stadtteil Kierberg stärker unterstrichen werden soll. Zudem berichtete Markus von der Deutschen Meisterschaft der Biersommeliers die kürzlich stattfand. Hier errang er einen sehr guten achten Rang und ist somit für die Vorauswahl zu den Biersommelier-Weltmeisterschaften qualifiziert.

Kölsch Konvention

Vor der eigentlichen Verkostung ging es diesmal wieder weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis März 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Da sich dieses Datum langsam nähert hat er mal eine Übersicht aufbereitet, die die aktuellen Marken darstellt und zeigt, welche bereits in der Eule präsentiert wurden.

Sicher nicht das beste, aber eine noch fehlende Marke ist Traugott Simon. Die in den 00er-Jahren entstandene Eigenmarke von TrinkGut bietet die „klassischen“ deutschen Hauptstile Pils, Alt, Weizen und eben Kölsch an.

Persönlicher Eindruck:
goldgelb, recht niedriger Malzcharakter, vergleichsweise starker Hopfengeruch & -geschmack sowie Bittere, mittlerer Körper, spritzig, leicht metallische Aromen, relativ charakterschwach

Weiter ging es mit einem dem Kölsch recht nahe liegendem Bierstil: Dem Hellen. Ursprünglich aus München stammend ist es bis heute der beliebteste Bierstil der Bayern. Das auf der Agenda stehende Wolf Helles, kommt streng genommen nicht aus Bayern, sondern Franken. Dort ist war Brauerei Wolf seit 1739 in Fuchsstadt beheimatet, bevor sie vor Kurzem ihre Markenrechte an die Kauzenbräu in Ochsenfurt übergab.

Persönlicher Eindruck:
sehr malzig-süß, feld-artig, getreidig, leicht harzig
– mittelgroßer Körper, malzig, würzig, getreidig, leicht holzig, feinperlig, süßlich-herber Abgang

Biere im Herbst

Zum eigentlichen Thema des Abends kam es mit dem dritten Bier. Es kann symbolisch für alle Biere hergenommen werden, die zu einer ganz besonderen Zeit eingebraut werden. Denn nur einmal im Jahr (immer um den September herum) erfolgt (zumindest auf der Nordhalbkugel) die Ernte der dann reifen Hopfen-Dolden. Der überwiegende Großteil der Ernte wird getrocknet und zu Pellets gepresst. Einige Brauereien hingegen nutzen die Hopfenernte für die Herstellung eines limitierten Frisch-Hopfen-Bieres. Eine davon ist die Brauerei Pyras aus Franken, die dafür sogar nicht weit reisen muss, da sie neben einer eigenen Mineralquelle auch über einen hauseigenen Hopfengarten verfügt. Heraus kommt seit einigen Jahren ein Kellerpils mit sogenanntem Grünhopfen. Da ich das Pyraser Hopfenpflücker Pils: hier bereits gesondert rezensiert hatte, verweise ich gerne auf  248.

Persönlicher Eindruck:
– weich, blumig, süßlich, grasig

– mittelgroßer Körper, herb, blumig, sehr grasig, leicht karamell-malzig, feinperlig, süß-herber Abgang

„Im kleinen brauereieigenen Hopfengarten gleich neben der Brauerei gedeihen 72 Stöcke vom besten Aromahopfen – umhegt von unserem Hopfenbauern Willi Schneider aus Obersteinbach. Ende August wird in der Brauerei der „Niederfall“ gefeiert, so nannte man früher den Abschluss der Hopfenernte. Beim Pyraser Hopfenpflücker Fest wird von den handgepflückten, duftenden Dolden noch am selben Tag nur ein Sud gebraut.“

Das zweite Herbstbier sticht mit besonders herbstlichen Zutaten heraus. Dieses Jahr erstmals gebraut vom Craftbier-Pionier Fritz Wülfing aus Bonn, soll neben den Gewürzen Zimt, Ingwer und Muskat vor allem eine ordentliche Portion Kürbis dem Spiced Pumpkin Ale eine besonders herbstliche Note verleihen.

Persönlicher Eindruck:
– sehr holzig, (ge)würzig, torfig

– süffig, schlank, wenig gewürzig, säuerlich, leicht fruchtig, gering hefig, feinperlig, süßlich-herber Abgang

Bierhaltbarkeit

Zum Abschluss der „offiziellen“ Verkostung ging es in Ausland. Mit dem Rodenbach Classic bot Markus ein Bier auf, dass gerade für den gemeinen deutschen Gaumen recht unbekannt sein dürfte. Es handelt sich um ein sog. Flämisches Rotbier, das in diesem Fall ein Verschnitt von ¼ gereiftem und ¾ frischem Bier ist. Mit diesem Mischgärverfahren erzielt man eine längere Haltbarkeit des Bieres. Dass diese Technik in Deutschland so gut wie unbekannt ist, liegt daran, dass zu Zeiten des Erlasses des heute sog. Reinheitsgebots in den meisten Landesteilen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation der kaiserliche Edikt erging, dass zur Haltbarmachung von Bier nun ausschließlich Hopfen verwendet werden solle. Zwar hielten sich nicht alle Fürsten und Herzöge hieran, dennoch führte es in der Folge zur Verdrängung anderer Biergewürze und zum Innovationsverlust hinsichtlich Haltbarkeitsverfahren, während außerhalb des Reiches weiter an anderen Methoden getüftelt wurde. Übrigens wird dem Rodenbach neben Gerste auch Mais zugesetzt um den Eiweißgehalt zu senken, der bei der langen Fassgärung zu einer erschwerten Verarbeitung und Auflösung beiträgt.

Persönlicher Eindruck:
– leicht röstig, holzig, gewürzig, süßlich, harzig, säuerlich
– süffig, süßlich-säuerlich, Traube, fruchtig, matt-feinperlig, süß-saurer Abgang

Meine persönliche Gesamtwertung der fünf verkosteten Biere sieht schließlich wie folgt aus:

Im Anschluss an die reguläre Verkostung standen noch folgende Biere auf unserem Plan:

  • Rodenbach Grand Cru:
    – obergärig; 6%; Flämisches Rotbraunbier
    – aus 1836 im flämischen Roeselare gegründeten Brauerei

    – Blend aus  Jungbier und ⅔ zwei Jahre in Eichenholzfass gereiftem Bier
    – säuerlich, harzig, holzig
    – milder, süß-säuerlich, rotwein-artig
    https://cheers.rodenbach.be/en/brewery
  • Große Bertha:
    – obergärig; 7%; Weizenbock
    – vom Brussel Beer Project
    – seltenes belgisches Weißbier nach bayrischer Tradition
    – weniger hefig, bananig, (ge)würzig
    – süffig, mittelschlanker Körper, hefig, bananig, süßlich-malzig, matt, süßer Abgang
    – zwischen Wit- & Weißbier

    http://www.beerproject.be/en/beers/14-grosse-bertha

  • Stiegl Zölibat:
    – obergärig; 18°P; 8,2%, Tripel
    – mit Karamellsirup gebraut
    – von mir für alle mitgebracht
    – süßlich, gewürzig, harzig, leicht bitter
    – leicht ölig, süß, hefig, getreidig, karamellig, matt, süßer Abgang
    https://www.stiegl.at/de/stieglhausbierzoelibat

  • AleMania Belgian Style IPA:
    – obergärig; 4,5%; 11.8°P; IPA
    weitere Infos siehe oben
    – hopfig-herb, grasig-fruchtig, rot-malzig
    – starker Körper, herb, bitter, weich, dunkelmalzig, torfig, feinperlig, herb-hopfiger Abgang

    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn

 

  • Emelisse Barley Wine (o. Abb.):
    – obergärig; 12%; Barley Wine
    von der niederländischen Craftbeer-Schmiede aus Goes
    – sehr süß, sehr rot, sehr fruchtig-getreidig
    –  ölig, malzig, süß, karamellig, bananig, harzig, matt, süßlicher Abgang

    https://www.emelisse.nl/emelisse-speciaalbieren/
  • Schneider Weisse Tap X Cuvée Barrique:
    – obergärig; 9,5%;  Weißbier-Bock
    Exklusivbier-Reihe des großen Weißbier-Privatiers aus Kelheim
    – „In 2010 Hans-Peter Drexler started a new project: maturing some of his finest beers in wine barrels. He enjoyed the expertise of brewmaster Jérôme de Rebetez from Brasserie des Franches Montagnes in Switzerland who grew up in a wine producing family. Thus, they created delicious new beer aromes.  A warming well-balanced Cuvée with a long, dry finish – just like a good red wine.“

    – vollmundig, ölig, süß-sauer
    – voller Körper, süßlich-malzig, rotweinig, harzig, feinperlig, bittersüßer Abgang
    https://www.ratebeer.com/beer/schneider-weisse-tap-x-mein-cuvee-barrique/180392/

Fazit:
Auch diesmal war es wieder ein interessanter Abend, bei dem nicht nur die beiden Herbstbiere herausstachen. Und auch nach fast drei Jahren gibt es immer noch Biere, mit denen mich Markus überraschen kann. Gut war zudem auch unser weiterer Austausch hinsichtlich der Installation einer Brauerei in der Eule, welche sich im ersten Schritt aus rechtlichen und organisatorischen Gesichtspunkten noch etwas schwierig gestaltet. Dennoch bin ich frohen Mutes, dass dieses Projekt im kommenden Jahr realisiert werden kann und es wieder Brühler Bierspezialitäten gibt.

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und Nils für die Begleitung.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

419. Forst Premium

Wie gestern versprochen folgt heute nun das zweite italienische Bier. Wobei man streng genommen schreiben müsste südtiroler Bier. Denn wer einmal dort war wird feststellen, dass sich die Einwohner Südtirols nicht wirklich als Italiener verstehen, auch wenn das Gebiet de jure seit Ende des Ersten Weltkrieges zu Italien gehört. Neben umfangreichen Autonomierechten sticht vor allem die deutsche Sprache als hauptsächliches Differenzierungsmerkmal Südtirols hervor. Dabei vereint die Region alle guten Eigenschaften Österreichs und Italien und ist auch dank einer wunderschönen Landschaft und des mediterranen Klimas eine der beliebtesten Urlaubsregionen Europas.

Zwischen Ötztaler Alpen und der Hauptstadt Südtirols Bozen liegt an der Etsch die größte Brauerei des Landes. 1857 gegründet ist die Spezialbierbrauerei Forst aus der Algunder Fraktion überraschenderweise bis heute in privater Hand und wird nach Übernahme sechs Jahre später von der Familie Fuchs geführt. Heutige Geschäftsführerin und Inhaberin in vierter Generation ist Margherita Fuchs von Mannstein, die über 400 Mitarbeiter verantwortet.

Zwei Biere der Brauerei, die mir aber auch schon bei früheren Alpenurlauben über den Weg gelaufen sin, durfte ja bereits mit Nils proBieren. Umso mehr bin ich nun auf das Aushängeschild der Brauerei gespannt, was es Bierstil-technisch aber schwer haben wird sich besonders hervorzutun. Helfen könnte ihm, dass es im südlichsten deutschen Sprachraum kein Reinheitsgebot gibt. Und so hat es typisch italienisch Maisgrieß in dieses Lagerbier geschafft.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Algund (Südtirol)
Erscheinungsjahr. . .
1863

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: leicht metallisch, sehr malzig, getreidig-süß, leicht Karamell, würzig, weich, leicht waldig-fruchtig
Geschmack: süffig, malzig süß, getreidig, strohig, würzig, etwas gemüsig, matt-feinperlig, süß-würziger Abgang
Gesamt: Wie zu erwarten reißt das Forst Premium nicht wirklich etwas heraus. Dennoch ist grundsolide und somit für den Erfolg erklärbar. Dem verwendeten Maisgrieß würde ich eine waldig-gemüsige Note zuordnen, die das Bier tatsächlich etwas interessanter wirken lässt. Ansonsten ist es mit 10,5 Pkt. (2(-)) normaler Durchschnitt.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.forst.it/de/biersorten/premium.

Prost & guten Abend! 🍻

Blogbier, die XXXVII. – Goldener Herbst

Am Wochenende hatte uns erfreulicherweise spontan mal wieder Nils besucht. Eine sehr gute Gelegenheit mal wieder meine Vorräte zu plündern:

Tasting-Notizen:

  • Birra Moretti:
    – 4,6%; untergärig
    – international Lager der wohl bekanntesten Biermarke Italiens aus Udine
    – nach Rezeptur von 1859
    – seit 1996 zu Heineken gehörend
    – sehr würzig, malzig, wenig herb
    – mittlerer Körper, würzig, hellmalzig, getreidig, grasig, matt, grasig-strohiger Abgang
    – https://www.birramoretti.com/our-beers/birra-moretti-autentica/
  • Forst Kronen Special:
    – 5,2%; untergärig
    – Export-Bier mit Maisgrieß
    – von der 1857 gegründeten Spezialbier-Brauerei Forst in der Algunder Fraktion
    – größte Biermarke Südtirols & privat geführt
    – malzig, fruchtig, würzig-herb
    http://www.forst.it/de/biersorten/kronen
  • Forst Sixtus:
    – 6,2%; untergärig
    – Doppelbock
    – ebenfalls mit Maisgrieß
    – Glukosesirup, Karamell, Duneklmalz, Wald
    – leicht röstig, süßlich, wenig malzig, harzig, süßlicher Abgang, feinperlig
    http://www.forst.it/de/biersorten/sixtus
  • Maxl Helles:
    – 5,1%; untergärig
    – von der 1636 in Tuntenhausen gegründeten Schlossbrauerei Maxlrain
    – 2016 mit dem goldenen Bundesehrenpreis als beste Brauerei Deutschlands ausgezeichnet worden
    – hopfig, erdig
    – das Durchschnitts-Helle: süffig, etwas flaches Finish, keine übermäßige Hopfennote
    https://www.maxlrain.de/de/unsere-biere/maxl-helles
  • Härke Pils:
    – 11°P; 4,9%; untergärig
    – von der 1890 entstandenen BrauManufaktur Härke aus dem niedersächsischen Peine
    – buttrig. grasig, wenig herb
    – recht süffig, sehr herb, etwas malzig, feinperlig, hopfig-herber Abgang
    http://www.braumanufaktur-haerke.de/unsere-biere.html
  • Erl Hell:
    – 5,4%; untergärig
    – gebraut von der 1871 gegründeten Landbrauerei Ludwig Erl aus dem niederbayrischen Geiselhöring
    – hellmalzig, leicht fruchtig, blumig
    –malzig, süßlich, weich, blumig, waldig, matt, leicht herber Abgang
    https://www.erl-braeu.de/brauerei/hell
  • De Dochter van de Korenaar Sans Pardon:
    – 11%; obergärig
    – Russian Imperial Stout mit Rooibos-Tee
    – aus der niederländisch-belgischen Exklaven-Enklaven Stadt Barle-Hertog
    – trocken, leicht bitter, röstig, ölig, sehr dunkel, blumig, Bonbon
    – ölig, schwer, Karamell, röstig, holzig, wenig dunkelmalzig, harzig, etwas bitter, nussig, süßlich-herber Abgang, aber so gut wie kein Rooibos zu erkennen
    http://www.dedochtervandekorenaar.be/#vastebierenCntr
  • Emelisse Barley Wine:
    – 12%; obergärig
    – Barley-Wine (mit Glukosesirup) aus dem niederländischen Goes
    – sehr schwer, rotweinig, fruchtig, röstmalzig
    – weniger ölig, würzig, fruchtig, rotweinig, malzig, leicht bitter, rotweiniger Abgang
    https://www.emelisse.nl/en/our-beers/
  • Löwenbräu Oktoberfestbier:
    – 6,1%; untergärig
    – vom 1756 gegründeten Löwenbräu, das seit 1997 zu Spaten und somit zu ABInBev gehört
    – sehr würzig, malzig, herb
    – mittel-süffig, sehr malzig, süßlich, würzig, matt, süßlicher Abgang
    https://loewenbraeu.de/loewenfuetterung/loewenbraeu-oktoberfestbier

Danke also für die Unterstützung Nils. 🍻

395. Urlaubsbiere – Bierverkostung zur Eule 09/18

Mack Isbjørn | Mack Artic | Alhambra Reserva 1925 | Laško Zlatorog | Dremmwel Blonde | Cruzcampo Pilsen | Potsdamer Stange | Alzeyer Volker Bräu Red Ale | Ambar Caera esta Breva | Cavalieri Doppio Malto Bionda | Choue Blonde | Zoller-Hof Fürsten Pils | Jenlain Or | Klüver Rotbier | Staffelberg Bräu Mai-Bock | Coral Stout | THB Pilsener | Staffelberg Bräu Antonius-Bock | Klüver Bock | Klüver Röker | Rodenbach Grand Cru | Damm Complot IPA | Liefmans Kriek Brut | Rodenbach Classic

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und Text

Erster Montag im Monat? Genau, da war doch was: Biermontag in der Kierberger Eule. Auch wenn ich leider bereits einige Biermontage in diesem Jahr verpasst habe, bleibt es ein Pflichttermin für jeden Bierbegeisterten aus Brühl und Umgebung. Wie erstmalig im letzten Jahr ist das Thema auch in diesem September wieder Urlaubsbiere. Nachdem nun in allen Bundesländern die Sommerferien vorbei sind und die meisten ihren Haupturlaub hinter sich haben, war es wieder daran, dass jeder Gast nach Möglichkeit ein oder mehrere Biere aus seinem Urlaub mitbringen und vorstellen sollte. Natürlich hatte auch Biersommelier Markus Weick – seines Zeichens Besitzer der Eule – einige Kostbarkeiten mitgebracht bzw. mitbringen lassen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es diesmal ausnahmsweise nicht weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis März 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Da von den ursprünglichen Marken nicht mehr alle erhalten sind (kürzlich erwischte es auch eines der letzten Kölschmarken außerhalb Kölns in Frechen), war es aufgrund der Fülle an Urlaubsbieren möglich diesmal eine kleine Kölsch-Pause einzulegen.

Nachdem Markus ein paar seiner Biere vorgestellt hatte ging es weiter mit den Publikumsbieren, die nach Verfügbarkeit ausgeschenkt wurden. Nachdem sich die Reihen im späteren Verlauf etwas lichteten, konnten nochmals weitere (inter-)nationale Biere aus Markus Bestand verkostet werden.

Folgende Biere haben es dabei in mein Glas geschafft:

  • Mack Isbjørn:
    – untergärig; 4,5%; Pilsnener
    – gebraut von Macks Ølbryggeri aus Tromsø – der nach eigenen Angaben nördlichsten Brauerei der Welt (69° nördliche Breite)
    – allerdings liegt die Brewery Immiaq im grönländischen Ilulissat noch etwas weiter nördlich, da sich die Hauptbraustätte von Mack im etwas weiter südlich gelegenen Nordkjosbotn befindet
    – gegründet wurde sie 1877 vom Braunschweiger Bäcker und Braumeister-Sohn Ludwig Markus Mack
    – Isbjørn (zu dt. Eisbär) ist nach eigenen Angaben die erste Biermarke, die zum Nord- und Südpol mitgenommen wurde
    – in der Ølhallen – der Bierbar von Mack in Tromsø – wird Bier aus 67 Zapfhähnen ausgeschenkt – ein Rekord für ganz Nordeuropa
    – das nordnorwegische Wasser wird mit finnischem Malz, Hopfen aus Bayern und Tschechien sowie dänischer Hefe versetzt
    – zur Überraschung ist die Website sogar auch auf deutsch gestaltet
    – leicht säuerlich, malzsüß, getreidig, buttrig
    – süffig, spritzig, herb, malzig, getreidig, süßlich, würziger Abgang
    https://www.mack.no/de/products#øl

  • Mack Artic:
    – untergärig; 4,5%; Pilsnener
    – ein weiteres von über 20 Bieren der (fast) nördlichsten Brauerei der Welt
    – süßlicher, malziger, buttrig

    – etwas voller, matt, getreidig, trocken-malzig, leicht würzig, herber Abgang, etwas gewürzig

  • Alhambra Reserva 1925:
    – untergärig; 6,4%; Imperial Pils
    – gebraut von der Cervezas Alhambra im südspanischen Granada, die zum San-Miguel-Konzern gehört
    – in einer Flasche ohne Etikett, in der die Bierinfos eingraviert sind
    – buttrig, caramalzig, süßlich, grasig
    – mittelvoller Körper, feinperlig, malzsüß, wenig würzig, herb-süßer Abgang, etwas bitter

    https://www.cervezasalhambra.es/nuestras-cervezas/alhambra-reserva-1925/

  • Laško Zlatorog:
    – untergärig; 4,9%; 11.3°P; Lager
    – von der 1825 gegründeten slowenischen Pivovarna Laško aus der Untersteiermark
    gebraut mit Gerstenrohfrucht
    – unauffällig hellmalzig, leicht fruchtig

    – mittlerer Körper, süffi,g matt, trocken-süß-säuerlich, würzig, herb-würziger Abgang
    http://www.lasko.eu/en/zlatorog

  • Dremmwel Blonde:
    – obergärig; 5%; Blonde
    – von der Brasserie de Bretagne Britt aus Trégunc
    – mit Gewürzen eingebraut
    – leicht hefig, malzig, getreidig, wwürzig, harzig
    – mittelgroßer Körper, würzig, malzig, etwas Karamell, hefiger Abgang, feinperlig

    http://www.britt.fr/fr/pageproduit/biere-dremmwel-blonde-bio

  • Cruzcampo Pilsen:
    – untergärig; 4,8%, Pilsener
    – 1903 in Sevilla entstanden, gehört die Marke heute zu Heineken
    – mit Mais gebraut

    – Lakritz, süß-sauer, malzig-getreidig
    – recht geringer Körper, einfaltig, süß-sauer, matt-feinperlig, herb-sauerer Abgang
    https://www.cruzcampo.es/cruzcampo-pilsen

  • Potsdamer Stange:
    – Gärart unbekannt; 4,5%; 11.8°P; Kräusen
    – von der 2003 ins Leben gerufene Braumanufaktur Potsdam im Forsthaus Templin 
    – das Bier hat eine 200-jährige Tradition in Berlin und Umgebung und wurde mal ober- mal untergärig gebraut – welche Gärart bei der revitalisierten Version aus Potsdam vorliegt lag bei Redaktionsschluss jedoch noch nicht vor
    – Naturland-zertifiziert
    – schön buttrig, leicht fruchtig, hellmalzig, etwas gemüsig
    – mittlerer Körper, malzig-süß, getreidig, Karamell, etwas Würze, süß-herb-buttriger Abgang, hefig-bananig
    – bestes Bier des Abends

    http://braumanufaktur.de/potsdamer-stange

  • Alzeyer Volker Bräu Red Ale:
    – obergärig; 5,6%; 13.5°P, Red Ale
    – nachdem die rheinhessische Mikrobrauerei 2005 von Braumeister Dieter Birk ins Leben gerufen wurde, werden monatlich wechselnde Biere gebraut
    – würzig, bitter-fruchtig, säuerlich
    –  matt, lasch, säuerlich, leicht würzig, süßlich, sauerer Abgang

    http://www.volkerbraeu.de/

  • Ambar Caera esta Breva:
    – untergärig; 5,6%; 16.6°P; Fruchtbier
    – die Brauerei wurde 1990 vom Elsässer Louis Moritz als „La Zaragozana“ in Aragon gegründet
    – aus der Serie „Colección Ambiciosas“
    – gebraut mit Reis & Saft der Früh-Feige

    – säuerlich, fruchtig, malzig-süß, etwas Minze
    – mittelgroßer Körper, erfrischend-fruchtig, wenig Karamell, feinperlig, süß-sauerer Abgang
    https://ambar.com/cervezas/caera-esta-breva/

  • Cavalieri Doppio Malto Bionda:
    – obergärig; 7,5%; Heller Doppelbock
    – von der Mastri Birrai Umbri aus Fontecupa südlich von Perugia
    – die Brauerei stellt ihr Malz noch selbst her und verwendet auch diverse Hülsenfrüchte
    intensiv, zitrus-fruchtig, ölig, Bonbon, Fruchtmix
    voll, recht schwer, feinperlig, fruchtig, säuerlich, bitter, etwas harzig, gewürzig, herber Abgang

    http://www.mastribirraiumbri.com/en/#our-values

  • Choue Blonde:
    – obergärig; 6,5%; Bière de Garde
    – von der Brasserie Vauclair aus der Nähe von Giey-sur-Aujon im mittleren Osten Frankreichs

    – die Geschichte der Brauerei geht bis zur Gründung der ursprünglichen Abtei im Jahr 1229 zurück
    – rauchig, holzig, sauer
    – vollmunidg, cremig, malzig-süß, Bonbon, Karamell, fruchtig-süßer Abgang
    http://www.la-choue.com/nos_produits.php

  • Jenlain Or:
    – obergärig; 8%, Bière de Garde
    – von der 1922 gegründeten Brasserie Duyck aus der französisch-belgischen Grenzregion

    – trocken-malzig, getreidig-süß, etwas buttrig
    – starker Körper, dunkelmalzig, Karamell, Bonbon, alkoholaromatisch, matt, süß-herber Abgang
    https://www.jenlain.fr/bieres/jenlain-or/

  • Klüver Rotbier:
    – untergärig; 4,7%; 11.5°P; Nürnberger Rotbier
    – die Brauerei aus Neustadt in Holstein gehört zum Klüver-Manufaktur-Betrieb der in der Region noch eine Räucherei und eine Feinkost-Manufaktur besitzt

    – würzig-malzig, buttrig-malzig, Karamell
    – mittelgroßer Körper, malzig, würzig, herb, süßlich, etwas Bonbon-artig, herb-malziger Abgang
    https://kluevers.com/kluevers-rotbier.html

  • Staffelberg Bräu Mai-Bock:
    – untergärig; 7%; 16°P; Maibock
    – seit 1856 aus Loffeld in Oberfranken

    – bereits auf unserer Franken-Tour kennenlernen dürfen
    – süßlich, buttrig, malzig-süß, getreidig, etwas waldig
    – mittelkleiner Körper, Karamell, dunkelmalzig, etwas herb, süßlicher Abgang
    https://www.staffelberg-braeu.de/cms2/brauerei.php

  • Coral Tónica:
    – obergärig; 4,8%; 11.8°P; Stout
    – von der 1872 gegründeten Empresa de Cervejas da Madeira aus den Azoren

    – mit Mais aber leider auch Farbstoff
    – süßlich, Karamell, Bonbon, dunkelmalzig
    – mittlerer Körper, röstig, dunkelmalzig, etwas Karamell, trocken-röstig-süßer Abgang, matt-feinperlig
    https://www.ecm.pt/portfolio_page/coral-tonica/

  • THB Pilsener:
    – untergärig; 5,4%; Lager
    – von der 1958 gegründeten STAR Breweries of Madagascar in Antsirabe
    – THB = Three Horses Beer

    – ebenfalls mit Mais gebraut
    – das südlichste Bier des Abends
    – von mir mitgebracht
    – wenig malzig, etwas herb-grasig
    – alkoholaromatisch, süßlich, künstlich
    http://www.star-thb.com/

  • Staffelberg Bräu Antonius-Bock:
    – untergärig; 4,8%; Bockbier
    – Karamell-Laktritz-süß, dunkelmalzig, bittersüß

    – großer Körper, süß, dunkelmalzig, hefig-bananig, würzig, herber Abgang

  • Klüver Bock:
    – untergärig; 6,5%; 16.5°P; Bockbier
    – Lakritz, leicht karamellig-süß, dunkelmalzig

    – mittelgroßer Körper, herb, etwas holzig, Karamell, etwas würziger Abgang
    https://kluevers.com/kluevers-bock.html

  • Klüver Röker:
    – untergärig; 5%; 12.5°P; Rauchbier
    – rauchig, Salami, Schinken, holzig, würzig

    – voller Körper, Schinken, wenig Rauch, dezent, etwas sauer, feinperlig, Speck-Abgang
    https://kluevers.com/kluevers-roeker.html

  • Rodenbach Grand Cru:
    – obergärig; 6%; Flämisches Rotbraunbier
    – aus 1836 im flämischen Roeselare gegründeten Brauerei

    – Blend aus  Jungbier und ⅔ zwei Jahre in Eichenholzfass gereiftem Bier
    – sehr sauer, fast Spüli-mäßig, bitter
    – mild, fruchtig-sauer, leicht holzig, etwas süßer Abgang
    https://cheers.rodenbach.be/en/brewery

  • Damm Complot IPA:
    – obergärig; 6,6%; 14.5°P; India Pale Ale
    die Brauerei Damm wurde interessanterweise ebenfalls von einem Elsässer (August Damm) 1876 in Barcelona ins Leben gerufen
    – mit den mediterranen Hopfen Nugget, Summit, Willamette, Citra, Centennial, Simcoe, Amarillo, Mosaic
    – sehr fruchtig, blumig, grasig, Maracuja + Litschi
    – großer Körper, grasig, hopfig, fruchtig, hopfig-herber Abgang, feinperlig
    https://www.damm.com/en/beers/complot

  • Liefmans Kriek Brut:
    – obergärig; 6%, Blend-Frucht-Sauer
    – 1676 im ostflanderschen Oudenaarde gegründet; seit 2008 zur Firmengruppe Duvel Moortgat zugehörig

    – Blend aus Oud Bruin und Kirschbier
    – sehr nach Kirsche, künstlich, säuerlich, etwas bitter
    – süffig, fruchtig, säuerlich-süß, etwas herb, süßlicher Abgang nach Kirsche
    http://www.liefmans.be/en/craft-blends

  • Rodenbach Classic:
    – obergärig; 5,2%, Flämisches Rotbraunbier
    – hybrid fermentiert

    – wie das Grand Cru, nur süßlicher, milder und weicher

Aufgrund der hohen Schlagzahl und der damit verbunden eingeschränkten Möglichkeit einer differenzierten Bewertung, fällt dieses Mal eine persönliche Gesamtwertung der Biere (wie sonst üblich) aus.

Nichtsdestotrotz war es ein wirklich großartiger Abend, an dem vor allem die interaktive Gestaltung seinen Anteil hatte. Da jeder sein eigenes Bier mitbringen und eine Anekdote vorstellen konnte, wurde eine sehr spannende Atmosphäre geschaffen, bei der jeder sehr viel Spaß am proBieren hatte. Zudem kam man in den Genuss von Bieren, die man sonst wohl kaum im deutschen Handel und oft auch nicht Online kaufen kann, da sie fast ausschließlich in ihrer Region vertrieben werden. Alleine die schiere Menge an etwa 25 verkosteten Bieren machte es etwas stressig und für Nase und Gaumen ziemlich herausfordernd. Gerade deshalb ist es aber eines der besten Formate des Biermontags, worauf ich mich auch schon sehr im nächsten Jahr freue.

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und an alle Gäste für diese Fülle an internationalen Bieren.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

383. Club Columbia Dorada

Von Patagonien geht’s wieder nordwärts über den Äquator nach Kolumbien. Ein Land, was bis dato noch völlig blank auf Bierjubiläum ist. Es ist das einzige südamerikanische Land, dass sowohl an Pazifik als auch am karibischen Meer liegt. Etwa hier entwickelte sich mit den Tairona auch einer der ersten südamerikanischen Hochkulturen, von denen jedoch kaum noch Spuren erhalten sind. Nachdem es sich 1810 bzw. 1816 von den spanischen Krone emanzipieren konnte, folgten zunächst regionale Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in den einzelnen Landesteilen des ehemaligen Vizekönigreichs Neugranada. 1886 entstand die erste Verfassung und das Land wurde die erste Demokratie Lateinamerikas. Es folgte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert die wirtschaftliche Blütezeit, bevor Kolumbien bis ins letzte Jahr hinein durch einen generationenüberdauernden Bürgerkrieg gezeichnet wurde. Sowohl politische als auch gesellschaftliche wie wirtschaftliche Entwicklung wurden von den gewaltsamen Auseinandersetzungen der linken und rechten Guerillas und Paramilitärs jahrzehntelang unterdrückt. Dennoch hat das Land des Kolumbus durch reiche Bodenschätze, Landwirtschaft und Textilindustrie auf Basis eines hoffentlich dauerhaften Friedens sehr gute Entwicklungschancen.

Das Club Columbia ist eines der bekanntesten Biere Kolumbiens. Gebraut wird es von der  Cervecería Bavaria S.A., die mit etwa 330 Mio. hl nicht nur die größte Brauerei des Landes, sondern auch die zweitgrößte Südamerikas ist. Man hat sogar Braustandorte in Panama, Peru und Ecuador und gehört wie die meisten größeren Brauereien des Kontinents inzwischen zum Biermulti ABInBev. Gegründet wurde die Brauerei übrigens 1889 als Kopp’s Deutsche Brauerei Bavaria. In der Hauptstadt Bogotá schaffte es „Don Leo“ Leo Kopp aus Offenbach innerhalb weniger Jahre, die die an Chicha und Guarapo gewöhnten Kolumbianer zum Biertrinken zu bekehren. Im Dorada befindet sich neben Gerstenmalz im Übrigen Maisschrot bzw. Maisgrütze, eine Spezialität Kolumbiens.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mais, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bogotá / Kolumbien
Erscheinungsjahr. . .
1949

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: klar, hell-malzig, würzig, gemüsig, karamellig
Geschmack: mittelkleiner Körper, würzig, malzig, feinperlig, süß-herber Abgang
Gesamt: Fast ein klassisches Lager, wie ich es mir für Südamerika vorstellen würde. Denn erwartet hätte ich weniger Charakter und mehr Gefälligkeit. So überrascht es mich sogar mit einer würzig-malzigen Note, die mich fast zu einer zweistelligen Note verleitet. Zumindest aber 9,5 Pkt. (3++) sind dafür drin.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.clubcolombia.com.co/club-colombia-maestria.

Prost & guten Abend! 🍻

382. Patagonia Amber Lager

Nach ein paar sehr schönen Tagen auf den Kanaren mit herausragenden Bieren, geht es ab heute nach Amerika. Erste Station dort: Argentinien. Das silberne Land (so die wörtliche Übersetzung) ist vor allem bekannt für Tango und Fußball. Das Land mit einer der längsten Nord-Süd-Ausdehnungen der Welt beheimatet nahezu alle Klimazonen, die sich über die südliche Hemisphäre erstrecken. Von den Tropen im Norden über Subtropen, Savannen bis zu den gemäßigten und kühlen Regionen Patagoniens im Süden. Patagonien (mitsamt der Pampa) ist dabei das einzige größere kalt- bzw. kühlgemäßigte Landgebiet auf der Südhalbkugel der Erde. Mit den Anden im Westen erstreckt sich außerdem die längste Gebirgskette Amerikas und auch der tiefste Punkt des Doppelkontinents die Laguna del Carbón befindet sich in Argentinien. Nach der Unabhängigkeit von der spanischen Krone 1816 durchlebte das lateinamerikanische Land selten Zeiten der längeren Stabilität. Zunächst durch Bodenschätze eines der reichsten Länder der Welt, versank es Anfang des letzten Jahrhunderts im weltweiten Mittelfeld. Bis heute hat sich keine sichere und beständige Demokratie entwickelt, die jedoch im Vergleich zu den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg deutlich an Stabilität gewonnen hat. Aufgrund relativ großer politischer Zersplitterung erlebte das Land von Militärdiktatur über liberal-konservativer Sozialdemokratie auch kommunistische Epochen. Konstanten boten der etwa 45 Mio. Einwohner großen Bevölkerung stets die Kultur und der Fußball. Doch auch die wirtschaftliche Entwicklung basierend auf Tourismus und Landwirtschaft (hier v.a. Weizenanbau und Rinderzucht) ist im südamerikanischen Vergleich überdurchschnittlich. Und dennoch durchlebte Argentinien in diesem Jahrtausend gleich zwei mal den Staatsbankrott. Sowohl 2001 als auch 2014 musste der Internationale Währungsfonds eingreifen, womit wenigstens beim letzten Mal die meisten Gläubiger bedient werden konnten.

Die Recherchen zu meinem heutigen Bier gestalteten sich ungleich schwieriger. Zwar gibt es eine Website (s.u.), doch dort sind kaum Informationen über das Bier und die Brauerei vorhanden. Sicher ist, Patagonia ist eine Marke der Cerveceria Malteria Quilmes SAICAY – mit 17 Mio. hl die größte Brauerei Argentiniens und einzig nennenswerter globaler Bierexporteur. Möglich macht das ABInBev, zu dem die Brauerei seit 2006 gehört. Patagonia hat neben Buenos Aires noch zwei weitere weitaus schöner aber auch abgelegenere Brauerei- bzw. Gastronomie-Standorte: Córdoba im Zentrum und ariloche im Süden des Landes. Letztere ist vermutlich der Ursprung der Brauerei, liegt es doch mitten in der namensgebenden Landschaft Patagoniens. Zwei Besonderheiten zeichnen das Amber Lager aus: Zum Einen befindet sich ausschließlich Hopfen aus Patagonien darin und zum Anderen wird traditionell amerikanisch neben Gerstenmalz auch Mais verwendet.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . American Amber
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mais, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Buenos Aires / Argentinien
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: etwas metallisch, karamellig, waldig, leicht harzig, wenig herb
Geschmack: süffig, karamell-malzig, Süßholz, etwas würzig, etwas gemüsig, feinperlig, würzig-süßer Abgang
Gesamt: Bei Bieren von ABInBev bin ich bekanntermaßen stets skeptisch. Auch das heutige patagonische Bier mag mich nicht überzeugt haben. Doch ich muss zugeben, dass mich Optik und auch die hervorstechende Karamellnote durchaus positiv überrascht haben. Nichtsdestotrotz ist es mir etwas zu eindimensional. Am Ende reicht es für 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.cervezapatagonia.com.ar/cerveceria & https://www.cerveceriaymalteriaquilmes.com/productos/cervezas.

Prost & guten Abend! 🍻

Acht Getreidesorten auf einen Schluck – Sechtemer & Brühler brauen eigenes Craftbeer

Der General-Anzeiger Bonn war bei meinem letzten Brautag bei Braukunst Vorgebirge, wo wir den dritten Sud des weltweit einzigartigen CEREVISIA M als 8-Korn-Alt gebraut haben.

Der Artikel ist digital auf hierunter abrufbar:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/bornheim/Sechtemer-und-Br%C3%BChler-brauen-ihr-eigenes-Craftbeer-article3911681.html
#Handwerk #Natürlichkeit #Qualität #Vielfalt #Regionalität #Transparenz #Gerste #Weizen #Roggen #Hafer #Reis #Mais #Hirse #Dinkel

378. Pravda Trump

Aus Asien geht es nun auf meiner kleinen Bierweltreise zum alten Kontinent Europa. Heutiger Halt: Ukraine. Das größte Land Europas (sieht man von Russland ab, dass ja zum größten Teil in Asien liegt) ist Heimat von gut 40 Mio. Menschen. Zurück geht der heutige Staat auf die sog. Kiewer Rus, die sich in der Neuzeit im heutigen Staatsgebiet ansiedelten und dort erstmals eine nationale Identität entwickelten. In der Folge wurde das Land Spielball verschiedenster Herrscher. So wechselten Staatszugehörigkeiten und Grenzen über die Jahrhunderte bis zum Ersten Weltkrieg munter zwischen Habsburger, Polen, Litauen, Österreich-Ungarn und nicht zuletzt Russland hin und her. Gerade letztere haben seit jeher vor allem aufgrund der benachbarten Lage einen großen Einfluss auf die ukrainischen Ländereien. Nach dem zweiten Weltkrieg verschob sich das zunächst gebildete Staatsgebiet westwärts und wurde Teil der Sowjetunion. Im Dezember 1991 erlangte das Land im Rahmen der Auflösung der UdSSR de jure erstmals langfristige Unabhängigkeit, befindet sich seitdem aber in steter Orientierungslosigkeit und zwischen den Stühlen von Ost und West. Nach jahrelangen Spannungen führte dies zuletzt zu einem Bürgerkrieg im Osten des Landes, wobei sich die Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie die beiden Regionen Donezk und Luhansk abspalteten. Wirtschaftlich baut man vor allem auf den Export von Metallprodukten, chemische Waren, Maschinen, Geräte, Nahrungsmittel und Textilien.

Für das Bier ist die Ukraine dagegen eher weniger bekannt. Doch im Westen des Landes hat sich eine junge Brauerei aufgemacht, um  das zu ändern. Mit provokanten Bieren, die stets auch eine politische Botschaft haben, schafft das Pravda Beer Theatre zumindest für internationale Aufmerksamkeit. Und auch in den Online-Handel hat es die Marke schon geschafft. Mehr dazu auch in meinen Beiträgen (244. & 255.) zu den bisher vorgestellten Bieren der Brauerei. Zur Botschaft des heutigen Bieres werde ich getreu des Mottos „Bier ist Bier und Politik ist Politik“ nichts kommentieren. Spannender finde ich vielmehr das Bier selbst. Denn es ist als Mexican Style Lager mit Cornflakes und Limetten eingebraut und wohl sehr passig für die auch abends noch hohen Temperaturen in Westdeutschland.

Übrigens hat selbst die FAZ ein Beitrag zum Trump-Bier herausgebracht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Conflakes, Limettensaft, Limettenschale, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lemberg / Ukraine
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: sehr zitrus-fruchtig, viel saure Limette, hellmalzig, gewisse nussige Aromen, etwas blumig
Geschmack: recht voller Körper, würzig, herb, leichte Malzsüße, etwas Alkoholaroma, wenig fruchtig, spritzig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Leider ist das Mexican Lager nicht so erfrischend wie erhofft. Das liegt natürlich auch an der Imperial-Interpretation dessen, aber auch an dem gegensätzlichen Verhältnis von Geruch und Geschmack. Während in der Nase von klar die säuerlichen Zitrusnoten dominieren, ist es im Mund eher ein vollmundiges Malz und etwas Hopfenbittere, die durchsticht. Beides in Kombination ist mir zu etwas zu irritierend, wohingegen ich froh bin, dass sich die derartige Sauernote nicht so in den Geschmack durchschlägt. Doch auch hier sind meines Erachtens einige Dinge nicht ganz konsequent zu Ende gebraut. Weder eine klare Malz-, noch eine klare Hopfennote tritt in Erscheinung. Von den beiden Hauptdarstellern Limette und Mais ist auf der Zunge sogar noch weniger zu spüren, sodass das Bier eigentlich sein Ziel verfehlt hat. Alles in allem reicht es deshalb auch nicht zu mehr als 7 Pkt. (3-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pravda.beer/en/shop/trump-beer/.

Prost & guten Abend! 🍻

339. Big Boss Saints & Sinners

Vor meinem nahenden zwei-wöchigen Familien-Urlaub an der Nordsee möchte ich Euch ein Bier aus meinem Fundus nicht vorenthalten. Es ist in mehrerlei Hinsicht interessant.

Gebraut von der Big-Boss-Brewery aus dem US-amerikanischen Raleigh (North Carolina) ist es eines der inzwischen zahlreichen Biere der Strange Cargo Series, die 2014 ihren Anfang nahm. Hierbei füllt die Craftbrauerei ihre Biere für mindestens ein halbes Jahr in Eichenholzfässer, in denen zuvor Bourbon, Wein, Tequila oder Brandy lagerten. Das Saints & Sinners (im Jahre 2016 eingeführt) ist ein Stilmix aus einem Flämischen Rot-, Flämischen Braun- sowie einem Amerikanischen Sauerbier und durfte ebenfalls in einem solchen Fass reifen. Besonders macht es zudem durch die Verwendung von Mais aus der Yates Mill – einer der ältesten noch immer arbeitenden Steinmühlen der Vereinigten Staaten (est. 1756).

„wood=good

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Flämisch Rotbraunes American Sour
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Maisgrieß, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Raleigh
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: dunkel-fruchtig-sauer, nach Himbeeren, Kirsche, Traube, Granatapfel, bitter-malzig, leicht verbrannt, dumpfe Süße, etwas Fehlaromen
Geschmack: erfrischend, sehr spritzig, sehr fruchtig, sehr sauer, relativ bitter, kaum Malz, kaum Hopfen, weinartig, dezenter Abgang
Gesamt: Also wer Wein lieber als Bier trinkt, der sollte hier zuschlagen. Ein Sauerbier, das tatsächlich (vermutlich infolge der Weinfasslagerung) geschmacklich deutlich näher am Wein als am Bier im engeren klassischen Sinne liegt. Auch wenn das wieder einmal die unglaubliche Vielfalt und Möglichkeiten des Bieres aufzeigt und objektiv auch eine recht gute Qualität aufweist, ist es mir schlicht wieder zu einseitig sauer und fruchtig. Für mich also weder Saint noch Sinner und alles in allem 8 Pkt. (3) wert.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bigbossbrewing.com/?page_id=400.

Prost & guten Abend! 🍻

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

326. Schottische Biere – Bierverkostung zur Eule 04/18

Rats Kölsch | Brewdog Punk IPA | Orkney Brewery Red MacGregor | Strathaven Craigmill Mild | Brouwerij Haacht Export Super 8

Letzten Montag war es ausnahmsweise mal (bedingt durch Ostern) wieder an einem zweiten Montag im Monat Zweit für den Biermontag in der Brühler Eule. Nachdem ich die März-Ausgabe mit Ale-Mania und Fritz Wülfing verpasst habe und auch leider bei der kommenden Verkostung im Mai mit dem Brauer vom Lechenicher Blue Cat nicht zugegen sein kann, hatte ich mich umso mehr auf dieses Tasting gefreut.

Thematisch ging es diesmal um das Bierland Schottland. Im Zeichen von 11 Jahren Brewdog ging es auf eine kleine Reise zur Britischen Insel. Neben der Vorstellung schottischer Biere, nahm uns Biersommelier Markus Weick auf mit auf seine eigene Reise durch Schottland im vergangenen Jahr. Dass er dabei noch mitten im Renovierungsstress ist, merkte man ihm kaum an.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Rats-Kölsch. Früher in der Privatbrauerei Metzmacher in Frechen gebraut, gehört es wie so viele andere Kölsch-Marken heute zum Haus der Kölschen Bierkultur und somit zur Radeberger-Gruppe. Mit etwa 50 Thl Jahresausstoß ist es eher eine kleinere Kölsch-Marke.

Persönlicher Eindruck:
viel süße Malzwürze, geringe-mittlere Hopfenbittere, schlank, feinperlig, leicht saure Fehlaromen, zu unbalanciert

Den Beginn der schottischen Biere machte das Craftbeer-Flaggschiff des Landes. Zwar erst vor 11 Jahren gegründet hat sich Brewdog zu einer mindestens europaweit bekannten Marke etabliert. Mit einer radikalen Marketing-Strategie, die vor wenig zurückschreckt und gänzlich neue Wege geht, hat man es binnen weniger Jahre zu einer festen Größe am Craftbeer-Markt gebracht. Dabei ist es weniger die Menge an gebrautem Bier, sondern vielmehr die Anzahl verschiedener Biere, die viele erstaunen lässt. Alleine im Jahre 2016 hat man es auf über 80 geschafft. Begünstigt wurde der Aufstieg Brewdogs auch von der weitaus vielfältigeren und kleinteiligeren Bierkultur der Briten. So trinkt der Brite zwar weniger Bier pro Kopf, dafür gibt es aber relativ mehr Brauereien als in Deutschland. Das erfolgreichste der Brewdog-Biere ist das Punk IPA, was es inzwischen praktisch in jedem größeren Pub auf der Insel gibt.

Persönlicher Eindruck:
– super fruchtig-hopfig, grasig, leicht malzig
– mild, weniger gehopft, frisch, fein, recht süffig, nicht bitter

Auf seiner Reise durch Schottland machte Markus auch bei einem der zahlreichen Bottledogs Halt. In den Flaschenverkaufsläden ergatterte er ein Hop-Shot – eine hochkonzentrierte Biervariante mit offiziell 20% Alkohol und über 200 IBU-Bittereinheiten.

Ähnlich wie in der England-Verkostung vor zwei Jahren, gab es an diesem Abend auch einen kleinen Exkurs nach Deutschland. Genauer gesagt sogar in die direkte Nachbarschaft zur Eule. Denn ich höchstpersönlich hatte die Ehre mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier Cerevisia M vorzustellen. Als Interpretation eines Düsseldorfer Alt hat es grundsätzlich viele Parallelen zu schottischen Bieren. So sind diese ebenfalls rubinrötlich, süßlicher, leichter gehopft und nicht so alkoholhaltig. Selbstverständlich ist das Cerevisia M als weltweit erstes Bier mit allen 7 Hauptgetreiden nicht direkt vergleichbar mit den klassischen schottischen Bierstilen. Nichtsdestotrotz kam es sehr gut an und das 5l-Fass wurde restlos ausgetrunken. Auch ein paar weitere Flaschen konnte ich noch an den Mann bringen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge, wo ich mit seiner Unterstützung das Bier brauen durfte.

Mehr zum Bier gibt es dann zum diesjährigen Tag des Deutschen Bieres und 502. Geburtstages des sog. Reinheitsgebots am 23. April.

Im Anschluss ging es wieder auf die Insel. Aber nicht auf die große britische, sondern auf die kleine Inselgruppe nördlich von Schottland. Mit dem Orkney Red MacGregor kamen wir in den Genuss eines der nördlichsten Biere Europas. 1988 gegründet kommt die eine von zwei Brauereien der Orkneys auf etwa 50 hl Jahresausstoß.

Persönlicher Eindruck:
– malzig, süß, kaum Karamell, waldig, harzig, würzig
– würzig, matt, leicht bitter, trocken, rot

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann wieder vom gefühlten Festland. Trotzdem ist aber die Brauerei noch jünger und kleiner. Das Craigmill Dark Mild ist ein Bierstil, der noch vor 50 Jahren in Schottland über 80% Marktanteil hat. Heute werden von diesem leichten und erfrischenden Bier kaum mehr als 5% verkauft.

Persönlicher Eindruck:
– dunkelmalzig, leicht röstig, süß, Kaffee
– Kaffee, schlank, bitter-röstig, mild

Gesamtfazit:
Meine persönliche (etwas beeinflusste) Gesamtwertung der April-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialität aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– malzig, grasig, süß
– feinperlig, trocken-süß, würzig

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei der Renovierung.
Mit dem Hinweis auf die übernächste Verkostung am 4. Juni, bei der ich ein paar leckere Biercocktails präsentieren werde, verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Bier-Cocktails + Cerevisia M @ Wiedereröffnungs-Party Zur Eule Brühl

Zur Eule – Bier & Brot | neue Betreiber, neue Website, neues Konzept

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Vorletztes Wochenende hatte die Zeit des wartens (offiziell) ein Ende. Die Eule in Brühl-Kierberg öffnete wieder ihre Tore und lud zur Wiedereröffnungsfeier. Mit dabei: Ich. Dazu später aber mehr. Nachdem das langjährige Pächterpaar Anfang des Jahres die Eule verließ, nutze Inhaber und Biersommelier Markus Weick die Gelegenheit für eine großangelegte Renovierungsphase. Von Keller bis Dach sollten entscheidende Stellen modernisiert werden ohne jedoch den ursprünglichen Charackter der 60er-Jahre Kneipe zu verändern. Zudem hat Markus das Konzept der Eule angepasst. So wird zukünftig das Thema (Craft)-Bier eine (noch) zentralere Rolle spielen. Nachdem es bisher nur zusätzlich zum regulären Kneipenbetrieb lief, soll sich die Eule zum Zantrum der Biervielfalt in der ganzen Region etablieren. Mit ständig über 99 Bieren im Angebot ist es schon jetzt die wohl bestsortierteste Kneipe im ganzen Kölner Raum. Und wer es eilig hat, der kann nach erfolgreicher Suche sein Bier auch im Außerhausverkauf mitnehmen. Neben dem Thema Bier, das auch weiterhin mit den Biermontagen und Schnupperkursen begleitet wird, rückt auch das Brot in den Fokus. Schließlich basieren beide auf die Wirkkraft der Hefe in Verbindung der Zutaten Wasser und Getreide. Auch historisch eng verwoben mit dem Bier treffen in Deutschland Bier- und Brotvielfalt wie nirgendwo anders auf der Welt zusammen. Während letztere für uns fast schon selbstverständlich ist, wird flächendeckend an erster zumindest wieder gearbeitet. Nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität stehen stets im Mittelpunkt der Eule. Deshalb wird zudem künftig auch kein Reissdorfer mehr, sondern Mühlen-Kölsch von Fass serviert.

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Auch wenn die Renovierungsarbeiten erst zu 40% abgeschlossen waren stieg nun vorletzten Samstag die große „Wiedereröffnungs-Sause“. Die geschätzt 200 Gäste konnten sich dabei gleich vom neuem Konzept überzeugen. Teil des neuen Konzepts ist auch die Eule als Plattform für andere anzubieten. So boten die Kierberger Urgesteine Old Friends über zwei Stunden wirklich sehr gute Musik mit zahlreichen Zugaben.

Und auch ich durfte Teil der Sause sein und das schon sehr gute Angebot an Bier, Brot und Musik mit leckeren Bier-Cocktails ergänzen. Ein Thema, was zwar noch ein regelrechtes Nischen-Dasein fristet und von einigen „Experten“ auch verpönt wird, dass aber langsam auch an Attraktivität und Popularität gewinnt. Im Zeichen der Biervielfalt bot ich an der eigentlichen Kegelbahn zwölf Cocktails zu zehn verschiedenen Bierstilen an. Besonders beliebt waren dabei der Weißbier-Mojito, Regions-bedingt natürlich die Kölsch-Colada, der Klassiker Cerveza Libre aber erfreulicherweise auch das India Pale Gold mit IPA. Da ich zunächst mit einem konservativem Publikum gerechnet habe, hatte ich sowohl Preis als auch Auswahl beschränkt. Neben den auf meiner verlinkten Seite genannten Bier-Cocktails ist die Welt natürlich relativ unerschöpflich. Schließlich multiplizieren sich hier Bier- und Cocktail-Vielfalt in unglaublicher Größe. Die einzige Herausforderung bleibt es hier auch eine geschmackliche Verknüpfung zu finden, die harmonisiert. Erfreulicherweise kamen meine Bier-Cocktails aber besser an als ich dachte, sodass sich zwischenzeitlich sogar eine Schlange an meinem Stand bildete.

Neben den Bier-Cocktails bot ich außerdem auch noch mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier an, welches nun endlich fertig in der Flasche gereift war (über das Brauen und Abfüllen berichtete ich bereits). Auf den Namen Cerevisia M (Cerevisia für Getreidebier – M für 1.000) getauft ist es meines Wissens nach das erste Bier der Welt aus allen sieben Hauptgetreiden – dazu aber auch später an dieser Stelle mehr. Die fruchtig-würzig-süße Interpretation eines unfiltrierten Alts kam dann sogar so gut bei den Gästen an, dass von meinem mitgebrachten Kasten nur noch vier Flaschen übrig blieben. Gemeinsam mit Ralf vom Braukunst Vorgebirge genug Ansporn um die Rezeptur noch etwas zu verfeinern und mit dem Bier durchzustarten ;). Wer es verpasst hat, dem sei übrigens der nächste Biermontag (09.04.) in der Eule ans Herz gelegt, an dem das Bier Teil des schottischen Abends sein wird.

Nachdem fast alle Gäste wieder dem Heimweg angetreten hatten probierte ich mich (wo ich schon beim frevelhaften Biermischen war) wieder mal an meinem Nebenbei-Projekt Bier-Blend heran. Diesmal hatte ich Helles mit Schwarbier sowie Kölsch und Pils gemischt, welches beides schon besser war als mein erstes Schwarz-Weißbier.

Weitere Infos zur Eule und zum Biersommelier Markus Weick gibt es unter:
www.eule-kierberg.de
wordpress.99-biere.de

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/2096923857205354/permalink/2096925187205221/.

 

 

300. 1.000 – DIE ABFÜLLUNG

Am vorgestrigen Montag konnte ich nun endlich das Bierjubiläum-Jubiläumsbier abfüllen. Nach über 2 Wochen Hauptgärung im Bottich entschieden sich Ralf und ich das Bier nun zur Nachgärung in Flaschen und Fass abzufüllen. Dafür habe ich in den letzten Wochen über vier Kästen Bierflaschen gereinigt und zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise konnte ich damit auch meinen Leergutbestand, der sich nunmal als Bierblogger anhäuft etwas reduzieren. Zusätzlich konnte ich zu Vergleichszwecken noch ein 5l-Fass von Ralf befüllen.

Nach kurzer Einweisung von ihm habe ich die Abfüllung dann in Eigenregie übernommen. Dabei wurden zunächst die beiden Gär-Bottiche (mit den unterschiedlichen Hefen) in den Abfüll-Bottich umgefüllt, um so die groben Hefesedimente von der Abfüllung fernzuhalten. Zur Karboniserung des Bieres wurde zuvor Traubenzucker aufgelöst und dem Jungbier hinzugefügt. Grundsätzlich ist das die sicherste Methode, um im Bereich des Hobby-Brauens eine saubere CO2-Erzeugung zu gewährleisten. Da es sich bei meinem Jubiläumsbier um eine Interpretation eines unfiltrierten Alts handelt – es also ein obergäriges Bier ist – ist dies sogar konform mit dem Reinheitsgebot. Aus dem Abfüllbottich wurden dann die Flaschen (bzw. das Fass) befüllt, welche dann nur noch z.T. mit Kronkorken verschlossen werden mussten.

Als Ausbeute konnten wir über 3 Kästen und besagtes Fass füllen, welche nun noch etwa 2 weitere Wochen in meinem Keller nachgären müssen.

Hier einige Impressionen:

Eine erste Geschmacksprobe des noch nicht vollendeten Bieres war zumindest schon mal trinkbar ;). Bleibt nun nur abzuwarten, wie das Bier nun nach Beendigung der Nachgärung schmecken wird. Ich bin sehr gespannt.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang nochmals an Ralf, ohne den dieses einmalige BIerexperiment nicht möglich gewesen ist. Wenn es gelungen ist, freue ich mich schon jetzt es unter die Leute bringen zu können.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

300. 1.000 – DER BRAUTAG

Wie bereits in meiner Neujahrsansprache angekündigt, habe ich mir für mein 1.000 Bier hier auf Bierjubiläum etwas besonderes ausgedacht: Mein erstes selbstgebrautes Bier. Aber es sollte nicht irgendein Bier werden, sondern ganz im Zeichen meiner Bierbotschaft eines reformierten Reinheitsgebots stehen. Auf Basis einer Interpretation eines unfiltrierten Alts, ist es das bislang erste Bier der Welt, das aus allen sieben Hauptgetreidearten gebraut wurde. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse haben alle den Weg in dieses globale und revolutionäre Bier gefunden.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, dieses historische Bier mit den Kölner Bierhistorikern zu brauen, dort ist es aber leider kurzfristig zu Komplikationen gekommen, die einen zeitnahen Brautermin nicht mehr zugelassen haben. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das aber garantiert nachgeholt. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass sich Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge sofort bereit erklärt hat, mir auszuhelfen.

Gemeinsam haben wir uns dann gestern an dieses einzigartige Brauexperiment gewagt, von dem wir sogar beide noch einiges lernen konnten. Schließlich ist das Brauen mit anderen Getreiden als Gerste und Weizen selbst für Profis eine Herausforderung, da man sehr auf Mengenzusammensetzung und Verarbeitungsform des Getreides achten muss. Da ein solches Bier eben wissentlich noch nie gebraut wurde und wir deshalb auch auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, entschieden wir uns zunächst für eine zurückhaltendere Beimengung der „anderen“ Getreiden. Etwa im Verhältnis 70% Malze zu 30% weitere Getreide kamen so diese Zutaten in den Bottich:

Münchner Malz, Pale Ale Malz, Weizenmalz hell, Röstgerste, Roggenrohfrucht, Haferflocken Großblatt, Reisvollkornflocken, Hirseflocken gold, Cornflakes ungesüßt

Besonders die Verwendung von Getreideflocken ist empfehlenswert, da diese bereits erhitzt und somit aufgeschlossen wurden. Die Röstgerste – eine besonders hochtemperiert gedarrte Form der Gerstenrohfrucht – dient vor allem der Bierfarbbildung.

Hier nun der Brauprozess kurz zusammengefasst:

  • Schroten:

Zunächst einmal ging es ans Schroten. Dabei wird das Malz derart zerkleinert, dass das Lösen der darin enthaltenen Stoffe beim Maischen erleichtert wird.

Und so sah dann das Gesamtkunstwerk der Schüttung aus.

  • Maischen:

Maischen ist das Lösen von Malzinhaltsstoffen in Wasser durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Dabei wird die Schüttung je nach Brauverfahren entweder auf verschiedene Rasten oder per Kombi-Rast mit etwa 67°C warmen Wasser aufbereitet. Da die meisten Malze heutzutage bereits sehr gut vorbehandelt sind ist ein Stufenrastverfahren praktisch nicht mehr notwendig. Daher haben auch wir uns für die einfachere Kombi-Rast entschieden, die etwa eine Stunde gehalten wird.

  • Läutern:

Ist das Maischen nach positiver Iod-Probe beendet, müssen nun die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Ersteres – nun Bierwürze genannt – wird dabei u.a. mithilfe der Spelzen der Malze und einer Siebtechnik von letzteren – dem Treber – separiert umgefüllt. Dabei wird auch etwa die Menge Wasser die bereits in der Maische in Lösung getreten ist nochmals durch den Treber geführt um am Ende die entsprechende Stammwürze zu erhalten. Würze und Treber habe ich dann übrigens später zur Weiterverarbeitung mit nach Hause nehmen können (denn damit lässt sich wunderbar Brot backen).

  • Würzekochen (mit Hopfengabe):

Ist das Läutern beendet, kann die Bierwürze nun auf Temperatur gebracht werden. Dabei wird diese nochmals etwa eine Stunde bei über 80°C erhitzt. Im Rahmen dieses Schrittes erfolgt auch die Gabe des Hopfens. Für die erste Hopfengabe hatten wir uns für den Hallertauer Tradition entschieden. Kurz vor dem Ende des Kochens kam dann noch die Hallertauer Perle hinzu. Beides Hopfen die nicht dominant und extravagant in ihren späteren Aromen sind, sodass hier klar das Malz im Fokus bleibt.

  • Würzeklärung und Kühlung:

Nachdem der Hopfen ordentlich wirken konnte ging es daran die Würze von den durchs Kochen gelösten Eiweißen und anderen Schwebstoffen zu trennen. Dies macht man durch einen sogenannten Whirlpool, indem man durch kreisende Bewegungen die Masse in eine derartige Rotation bringt, dass sich die ungewollten Stoffe in der Mitte absetzen. Dadurch, dass wir die Hopfenpellets in kleine Säckchen hineingebracht hatten, konnten wir diese ganz einfach wieder rausholen ohne, dass sie beim nun folgenden Abfüllen der Gärbottiche verstopfen könnten. Während des Klärens wird die Würze zugleich schon abgekühlt, um die richtige Temperatur für die Hefebeigabe zu erreichen.

  • Gärung:

Im letzten Schritt wird nun der abgefüllten Bierwürze die angesetzte Hefe zugesetzt und die Bottiche verschlossen. Sozusagen als Experiment im Experiment haben wir in den beiden Bottichen zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Einmal eine universelle Hefe für deutsche obergärige Biere und zum Vergleich eine etwas würzigere Ale-Hefe.

Ohne nun natürlich zu wissen, wie das fertige Bier später schmecken wird, konnten wir festhalten, dass das Brauen mit alternativen Getreiden sehr gut möglich ist und ich Stand jetzt nicht verstehen kann, warum es nicht viel stärker proBiert wird. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Erfahrung und es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Und nun heißt es warten. Schließlich braucht gutes Bier Zeit. In etwa zwei bis vier Wochen sollte die Gärphase aber abgeschlossen sein und es kann abgefüllt werden, wovon ich selbstverständlich wieder berichten werde. Dann verrate ich auch den Namen des Bieres ;).

Vielen Dank auch nochmals an dieser Stelle an Ralf für das Ermöglichen dieses einzigartigen Brauexperiments. Ohne sein Equipment, seine Zutaten, seine Räumlichkeiten und vor allem seiner Erfahrung hätte ich so spontan nie machen können. Auch wenn es noch etwas reifen muss, freue ich mich schon sehr auf mein erstes eigenes Bier.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

282. Gordon Xmas

Für das letzte Weihnachtsbier vor dem Weihnachtswochenende geht zurück an den Anfang. Denn das heutige Gordon Xmas ist das erste Weihnachtsbier der Bierneuzeit und markiert den Beginn einer länderübergreifenden Weihnachtsbiertradition. Gebraut wird es zwar wie die bisherigen auch in Belgien, ist jedoch ein Produkt von über 10 des anglo-belgischen Brauerei-Konsortiums John Martin, das auf einen britischen Braumeister von Anfang des letzten Jahrhunderts zurückgeht. In diesem Sinne dann also:

„Merry Gordon Xmas !”

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Scotch Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, geröstete Gerste, Mais, Zucker, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Genval / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
1930

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: karamellig-süß, malzig, würzig, matt & spritzig zugleich
Geschmack: würzig, karamell-süß, bittere Spitzen, leicht alkoholaromatisch, voller Körper, ölig-feinperlig, weich, trocken-herb-süßer Abgang
Gesamt: Zwar ist das erste Weihnachtsbier der Welt geschmacklich nicht das allerbeste meiner diesjährigen Reihe, verdient sich aber angesichts eines kategorienübergreifenden guten Eindrucks die bisherige Bestwertung von 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://anthonymartin.be/en/our-beers/gordon-finest-beers/gordon-xmas/-2-32/.

Prost & Danke!

256. Ámbar Especial

Von Osteuropa heute einmal quer über den Kontinent in den Südwesten zur spanischen autonomen Region Aragonien. In der dortigen Hauptstadt Zaragoza existiert seit der vorletzten Jahrhundertwende die bis heute unabhängige Fábrica de Cerveza, Malta y Hielo. Die Gründer Ladislao Goizueta y Díaz und Enrique Lacadena y Laguna hatten bereits zu Beginn den Fokus auf die deutsche Braukultur gelegt und wollten in Spanien Biere deutscher Brauart produzieren. So begann man mit Unterstützung des deutschen Entwicklers Charles Schlaffer (der bis heute das Etikett ziert) Pils und Helle zu brauen. Diese Tradition hat sich prinzipiell bis heute gehalten, wobei inzwischen auch weitere nicht-deutsche Biere angeboten werden. In den 1970ern brachte man als eine der ersten ein alkoholfreies und im aktuellen Jahrzehnt ein glutenfreies Bier heraus. Die heutige empresa cervecera aragonesa La Zaragozana ist nicht nur eine Cervecería sondern beinhaltet als eine der wenigen spanischen Brauereien auch noch eine (historische) Maltería. Als eine recht große Brauerei mit etwa 50 Mio. l Ausstoß pro Jahr ist dieser Umstand umso ungewöhnlicher und erfreulicher. Zu Recht wird das Ensemble deshalb auch seit der Jahrtausendwende mit einem Bier-Museum komplettiert.

Beim Ambar Especial handelt es sich nach eigenen Angaben um ein Pilsener mit rotbraunem Einschlag. Interessant ist zudem die Verwendung von Mais und Gerste als Rohfrucht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wiener Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Mais, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Saragossa / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
1900

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: klar malzig, getreidig, grasig, leicht würzig, holzig & buttrig
Geschmack: erfrischend, süffig mit gutem Körper, weich, harmonisch, dunkelmalzig, malzsüß, malzwürzig, herber Abgang
Gesamt: Ich weiß nicht, ob ich mal wieder ein filtriertes Lager brauchte, aber das Especial aus dem Hause Ambar trifft heute irgendwie genau meinen Geschmack. Zwar in seiner Kreativität begrenzt, aber für seinen Bierstil, den ich als Wiener Lager interpretiert habe, wirklich eine sehr gute Brauleistung. Sowohl in der Nase als auch auf der Zunge überzeugend anders. Deshalb auch ganz knappe 13 Pkt. (1–) in der Endwertung.

Weitere Infos zum Bier unter: https://ambar.com/cervezas/especial/.

Prost!

Blogbier, die XXI.

Anlässlich meiner Privataudienz bei meinem Kollegen Matthias, der sich gerade in Elternzeit befindet, haben wir unseren jeweiligen (internationalen) Bierfundus fusioniert und getilgt. Mit dabei auch Biere des letzen Pakets meines gewonnenen KALEABeertasting.Club-Bierabos:

  • Blonde of Saint-Tropez:
    – 5,6%; obergäriges belgisch Blonde
    – von der „Brasserie des Légendes“ (BST Breweries SA.) aus Brüssel
    – eine wirklich interessante Hefenote, die ich bisher so noch nicht geschmeckt habe
    http://www.blondeofsainttropez.com/our-beer/
  • Leffe Rituel 9°:
    – 9%; obergäriges belgisches Starkbier
    – aus einer der ältesten und bekanntesten belgischen Brauereien (Gründung 1240 in Dinant)
    – mit Mais
    – schmeckt wie zu erwarten hochklassig
    http://www.leffe.com/en/beers/leffe-rituel-9deg
  • Asahi Super Dry:
    – 5%; untergäriges Lager
    – von der 1889 gegründeten Asahi Beer K.K. aus dem japanischen Sumida – Produkteinführung 1987
    – der Name heißt auf deutsch Morgensonne
    – mit Reis & Mais
    – ersteres klar herauszuschmecken
    http://asahibeer.co.uk/products/
  • Urstrom – das natürliche Ale:
    – 5,5%; obergäriges German Pale Ale
    – Craft-Bier aus der 2011 entstandenen Sauer & Hartwig Brauerei in Flensburg
    – einziges hopfengestopftes Bier des Abends
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom-das-natuerliche-ale.html
  • frastanzer s’dunkle:
    – 5,6%; 12.6°P; untergäriges Dunkles
    – von einer der wenigen heute noch bestehenden Genossenschaftsbrauereien der Welt aus dem österreichischen Frastanz im Vorarlberg
    – neben über 150 institutionalisierten Mitgliedern (v.a. frühere Brauereien) sind seit dem letzten Jahr auch 1.000 Privatpersonen Teil der (elektronischen) Genossenschaft
    – während des 2. Weltkriegs wurde aus Rohstoffmangel auch mit Mais, Reis oder Zuckerrüen gebraut
    – gewohnt röstmalzig
    https://frastanzer.at/produkt/sdunkle
  • Mariestads Klass II:
    – 3,5%; untergäriges Lager
    – von der 1848 gegründeten Spendrups Bryggeri AB aus dem schwedischen Varby
    – recht gefällig
    http://www.spendrups.se/varumarken/mariestads/
  • Schwarzbräu Bayrisch Hell mini:
    – 4,8%; 11.4°P; untergäriges Helles
    – von der 1648 gegründeten Brauerei (incl. Mälzerei) aus Zusmarshausen in Bayrisch-Schwaben
    – unspektakulär lecker
    https://www.schwarzbraeu.de/de/biere/sortiment/unsere-biere/bayerisch-hell-mini

Vielen Dank also auch nochmals an Matthias für den netten Abend und die beigesteuerten Biere.

240. Bourgogne des Flandres

Nach der gestrigen Blend-Bier-Premiere folgt heute gleich das nächste. Auch wenn es einen französischen Namen hat, kommt es mitten aus Flandern – genauer gesagt aus Brügge. EIne Stadt, die für ihre enorme historische Brauereivielfalt bekannt ist. So gab es noch bis ins 20. Jahrhundert hinein über 30 Brauereien in der Stadt. Bis 2015 reduzierte sich die Anzahl jedoch dramatisch auf nur noch zwei Brauereien. Auch die ursprüngliche Brauerei des Bieres musste 1957 ihre Tore schließen, obwohl…

„Mit der Bourgogne des Flandres ein authentisches westflämisches rotbraunes Bier gebraut wird, dem es gelingt, langfristig der enormen Beliebtheit der Pilsener nach dem Ersten Weltkrieg und den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges die Stirn zu bieten.“

Der damalige Braumeister Michel van Houtryve gibt jedoch nicht ganz auf und lässt dieses erfolgreichste Bier seiner Brauerei einfach in anderen Brauereien weiter brauen – lange Zeit in der bekannten Brasserie Timmermans. Erst 58 Jahre nach der Schließung gelingt es durch Anthony Martin, dem heutigen Brauer von Timmermans, eine neue eigene Brauerei für das einzigartige Cuvée zu eröffnen.

Während das gestrige Cuvée ein Mix aus einem hellen Ale und einem Lambic war kommt heute ein rotbraunes Ale zum Einsatz. Bei einem Anteil von 30% Weizenrohfrucht wird die Würze im offenen Gärbottich vergoren, bei der die „Magie der Lambic-Biere“ geschieht:

„In einem Umkreis von 15 km um Brüssel leben zwei einzigartige Mikroorganismen in der Umgebungsluft: Brettanomyces Bruxellensis & Brettanomyces Lambicus.
Im offenen Kühlschiff vermischen diese sich mit der Würze und so kommt das einzigartige Verfahren der Spontangärung zustande, ohne dass Hefe zugesetzt wird.“

Auf der Zutatenliste findet man dann neben dem angesprochenen Weizen noch Mais, Zucker und leider auch wieder ein Antioxidationsmittel, was mich zur Frage führt, ob dieses bei Cuvée-Bieren obligatorisch ist?!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Brown Ale-Lambic
Brauart
. . . . . . . . . . . ober- & spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Mais, Zucker, Hopfen, Hefe, Antioxidationsmittel E300
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Brügge / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sauer, hell-fruchtig, leicht malzig-süß
Geschmack: erfrischend, säuerlich, fruchtig, kaum Malzsüße, trotz geringem Körper nicht sehr süffig, fruchtig-süß-saurer Abgang
Gesamt: Auch dieses Blend bzw. Cuvée verbindet interessante Geschmackskomponenten miteinander. Vor allem die fruchtige Säuerlichkeit habe ich bisher so noch bei keinem Bier schmecken dürfen. Fast riecht und schmeckt es ähnlich wie ein Witbier. Trotz dieser dominanten Fruchtsäure blitzt zwischendurch aber auch immer wieder die Tiefe des Brown-Ale durch, die es insgesamt sehr harmonisch macht. Aufgrund jedoch des zugefügten E300 muss ich hier in der Gesamtbewertung Abzüge machen, sodass hier nur 10,5 Pkt. (2(-)) zusammen kommen.

Weitere Infos (sogar auf deutsch) zum Bier unter: https://www.bourgognedesflandres.be/de/das-bier.

Prost!

236. Birra Moretti alla Siciliana

Zuletzt gab es tatsächlich Themen, die etwas wichtiger sind als das vielfältigste Getränk der Welt, sodass es hier etwas ruhiger geworden ist. Um aber nicht ganz aus dem Rhythmus zu kommen gibt es heute ein weiteres Bier meiner Jahresreihe.

Erworben auf dem diesjährigen Osnabrücker Bierfest, ist es eines der noch wenigen italienischen Biere auf Bierjubiläum. In diesem Falle liegt es aber auch daran, dass die Brauerei Birra Moretti seit 1996 zum Heineken-Konzern gehört und somit nicht mehr eigenständig produziert. 1859 von Luigi Moretti als „Fabbrica di birra e ghiaccio“ (also Bier- und Eisfabrik) in Udine gegründet, blieb die Brauerei bis 1989 im Familienbesitz. Drei Jahre später erfolgte der erste Umzug ins Umland von Udine nach San Giorgio di Nogaro. Aus kartellrechtlichen Gründen musste die neue Produktionsstätte jedoch schon 1997 an die italienische Braugruppe Birra Castello abgetreten werden. Die Produktion wurde daraufhin in die italienische Heineken-Brauerei nach Mailand verlegt, wo bis heute die Marke gebraut wird.

2015 wurde die Produktpalette umfangreich erweitert. Neben zwei Radlern erhielten 6 Lager-Biere Einzug, die die kulinarischen Traditionen verschiedener italienischer Regionen widerspiegeln sollen:

  • Birra Moretti alla Friulana: mit Äpfeln aus der Region Friual-Julisch
  • Birra Moretti alla Piemontese: mit Blaubeeren und Reis aus Piemont
  • Birra Moretti alla Toscana: mit toskanischer Gerste
  • Birra Moretti alla Pugliese: mit Kaktusfeigen und geröstetem Weizen
  • Birra Moretti alla Lucana: mit Lorbeer und Gerste aus Lukanien
  • und eben: Birra Moretti alla Siciliana mit sizilianischen Orangenblüten gebraut

Auch wenn es sich also nicht mehr um eine wirklich authentische Marke handelt ist dieser Schritt Tradition, Regionalität und Natürlichkeit in den Fokus des Brauens zu rücken absolut begrüßenswert. Hiervon könnten sich einige deutsche Größen sicher noch etwas abschauen, wenngleich hierzulande sicher kein gleichbedeutendes Dolce Vita gelebt wird wie im genuss-betonteren Italien.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mais, Orangenblüten, Orangenextrakt, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mailand / Italien
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: klar nach Orange, blumig, grasig, sehr frisch
Geschmack: süffig, 80% Malzwürze – 20% Orangenfrische, Fruchtigkeit unterschwellig zum Abgang hin ansteigend, auch hier blumige Nuancen, insgesamt frisch und leicht süß
Gesamt: In der Tat interessant. Im Mund zum Glück weniger orangig als in der Nase, aber für meinen Geschmack eben auch nur ein besseres Lager. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es im Urlaub in Italien seine Wirkung besser ausspielen kann. Im deutschen Frühherbst hingegen wirkt es etwas fad und charakterlos, auch wenn es um Längen besser ist als die typischen internationalen Lager, die überhaupt keine Aussagekraft haben. Deshalb in Summe gute 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.birramoretti.it/le-birre-di-casa/birra-moretti-alla-siciliana/.

Prost!

231. Urlaubsbiere – Bierverköstigung September

Hellers Kölsch | Ch’ti Blonde | Urstrom | Jenlain Blonde | Olivenbauer Hausbier | Saigon Export | Estrella Galicia | Xápμa Pale Ale | Affligem Hop Selection | Weyermann 11 Pumpernickel Porter | Akarusho Banana Wine | Sander Smoky Rauchbock | Altiplano Bière Bio au Quinoa

Nach kurzem Aussetzen letzten Monat war es gestern endlich wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Zudem hatten wie diesmal einen besonderen Gast zu begrüßen: Holger vom Blog WE LOVE PUBS hatte den Weg von Bonn auf sich genommen um diesem Event auch einmal beizuwohnen. Auf seiner Seite gibt er einen Überblick über das Ausgehen in Bonn in all seiner Vielfalt und führt durch das Bonner Nachtleben. Sein Bar-Guide geht aber auch über die Stadtgrenze hinaus – so schreibt er hin und wieder zum Beispiel auch für das Craftbeer-Magazin Hopfenhelden.  Und natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt uns zu den vielen Themen rund ums Bier  – wie Reinheitsgebot oder „Craftbeer“ – insbesondere aus Blogsicht auszutauschen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Hellers-Kölsch an, zu welchem ich bereits das Wieß proBieren durfte. Hellers ist nicht nur die erste Bio-Kölsch-Brauerei, sondern auch eine der ganz wenigen die sich trauen in der Domstadt auch ein Alt zu brauen.

Persönlicher Eindruck:
würzig, malzig, herb

Das Thema Urlaubsbiere birgt zwar nicht viel theoretisches Futter hatte aber den Charme, dass alle Gäste zuvor gebeten wurden Biere aus ihren jeweiligen Urlauben mitzubringen, die dann gemeinsam verkostet wurden. Deshalb hatte Markus auch gar nicht viele Biere selbst vorbereitet, wollte aber anhand eines Beispiels auf einen besonderen Aspekt des Themas eingehen.

Der Begriff Fernsehbier ist ja inzwischen relativ populär und assoziiert. Markus ist im Rahmen seines Frankreichs-Urlaubs aber auch ein anderes Bierphänomen gestoßen: Kino-Bier. So entstammt das folgende Ch’ti Bier zwar nicht direkt dem Kino, wurde aber durch den Film Bienvenue chez les Ch’tis überhaupt erst (international) bekannt.  Schließlich ist die Komödie bis heute der erfolgreichste Kinofilm aus Frankreich.

Persönlicher Eindruck:
süß (ähnlich wie Hirse), frisch, malzig, zuckrig, alkoholaromatisch

Das dritte „offizielle“ Bier war wieder ein alter Bekannter für mich. Das Veldensteiner Rotbier hatte ich bereits im vergangenen März verkostet.

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere fällt deshalb dieses Mal aus, da sowohl das Kölsch als auch das Rotbier nicht in die Wertung eingehen können.

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung probierten wir uns dann durch die vielen interessanten Mitbringsel aus den Urlauben der Gäste:

  • Urstrom:
    – untergärig; 5,5%
    – erstes Flensburger Bio-Bier
    – von der 2011 gegründeten Sauer & Hartwig GmbH
    – gereicht in der 2l Flasche
    – gebraut werden zudem auch spezielle Biere aus der Vorderwürze
    – karamellig, trocken, herb
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom.html

  • Jenlain Blonde:
    – obergärig; 6,8%
    – 2. und eines der ältesten Bière de Garde des Abends (eingeführt 1922/2005) von der Duyck Brasserie aus Jenlain in Nordfrankreich
    – leicht säuerlich, Schinken ohne Rauch, etwas bitter

    http://www.jenlain.fr/en/bieres/jenlain-blonde-2/

  • Saigon Export:
    – untergärig; 5,2%
    – gebraut durch die SABECO (Saigon Alcohol Beer and Beverages Corporation), welche dem staatlichen Ministerium für Handel & Industrie untersteht in der gleichnamigen und ehemaligen Haupt-Stadt Vietnams
    – mit einer Millionen Liter Ausstoß pro Jahr und einem Marktanteil von über 50% Vietnams bieriges Aushängeschild in der Welt
    – gebraut mit Reis

    http://www.sabeco.com.vn/default.aspx

  • Estrella Galicia:
    – untergärig; 5,5%
    – 1906 eingeführtes Lager der bis heute familiengeführten Brauerei Hijos de Rivera aus der Hauptstadt Galiziens A Coruña
    – nicht zu verwechseln mit dem „großen Bruder“ Estrella Damm
    – gebraut mit Mais

    https://estrellagalicia.es/

  • Affligem Hop Selection:
    – obergärig; 6,8%
    – Belgian Ale von der 1047 gegründeten Abtei-Brauerei in Opwijk nordwestlich von Brüssel
    – zitrus, spritzig, hopfig

    https://www.affligembeer.com/beers

  • Weyermann 11 Pumpernickel Porter:
    – obergärig; 6,5%
    – von der Versuchsbrauerei der größten Mälzerei Deutschlands aus Bamberg
    – mit Roggenröstmalz & 3% Pumpernickel-Brot
    – schokoladig-süß, säuerlich-karamellig, brotig

    https://www.weyermann.de/

  • Akarusho Banana Wine:
    – spontangärig; 14%
    – authentisches Hirse-Bananen-Bier aus Kigali – Ruanda
    – extrem trocken & süß, getreidig, alkoholaromatisch

    https://sinarwanda.com/

  • Altiplano Bière Bio au Quinoa:
    – untergärig; 4,5%
    – glutenfreies Bier von der 2011 gegründeten Brauerei aus dem Pariser Vorort Viry Chatillon
    – erstes Bierjubiläum-Bier mit Quinoa (+ Buchweizen & Gewürze)
    – frisch, fruchtig, herzhaft-süß, vielfältig

    https://www.altiplano.cc/index.html

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Schmitz Kölsch:
    – obergärig; 4,8%
    – Kölsch des Salon Schmitz zwischen Rudolfplatz und Aachener Weiher (Einführung 2011)

    – wurde in meiner verpassten August-Verkostung im Rahmen der Kölsch-Reihe verkostet
    http://schmitzkoelsch.com/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und vielen Dank auch an Holger für den Besuch und den sehr interessanten Austausch unter Blog-Kollegen.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Den Blog von Holger findet ihr unter: http://www.welovepubs.de/.

227. Damm Daura Märzen

Mit dem heutigen Bier verlassen wir Deutschland auch schon wieder und begeben uns ins aktuell leider aus anderen Gründen in den Schlagzeilen stehenden Barcelona. Dort ist durch die Gründung eines Elsässer seit 1876 die Brauerei Damm ansässig, die insbesondere auch für Touristen für ihr Flaggschiff Estrella Damm bekannt ist. Was selbst ich aber bisher nicht wusste: Seit 2006 gibt es von dort auch eine ausschließlich glutenfreie Produktlinie. Unter dem Namen Daura wurde dort das erste spanische Lager ohne Gluten entwickelt, welches bis heute mit über 30 internationalen Auszeichnungen das erfolgreichste glutenfreie Bier der Welt ist. In 2014 wurde die neue Linie dann durch das Märzen erweitert. Dieses besteht neben knapp 18% Gerstenmalz auch aus Reis und Mais. Um eine garantierte Glutenfreiheit von unter 3 ppm zu gewährleisten, wird besonders glutenarmes Malz verwendet. Zudem erfolgt während des Brauvorgangs jeweils eine doppelte Protein-Filtration und hydrolytische Aufspaltung des Proteins Gluten. Das A im Logo von Daura soll übrigens dieses aufgespaltene Glutenprotein symbolisieren.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Märzen
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Mais, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Barcelona / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: süßlich-würzig, herzhafter Lebkuchen, leichte karamellige Bitterspitzen
Geschmack: süffig, würzig, karamellig-süß, etwas bitter zwischendrin, leicht öliger Abgang, matt & wenig Prickelfaktor
Gesamt: Da bin ich doch glatt überrascht. Sicher lässt der Bierstil Märzen eine relativ große Bandbreite an Geschmacksvariationen zu, aber wie es die Katalanen hier in glutenfreier Variante interpretieren ist schon ziemlich erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, dass man so tiefe und würzige Karamellnoten durch glutenfreie Gerste, Reis und Mais erzeugen kann. Gelten die letzten beiden doch eher als verwässernd ohne Charakter. Deshalb mit Recht 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://dauradamm.com/en/#daura-marzen-double-malt.

Prost!

Blogbier, die XVI.

Am vergangenen Wochenende bin ich nicht nur geographisch rum gekommen, sondern habe mit Feunden wieder einmal die Welt der Biere weiterentdeckt. Folgende haben es diesmal in die Auswahl geschafft:

  • Riegele IPA Liberis 2+3:
    – <0,4%; obergärig
    – alkoholfreies IPA aus der Augsburger Braumanufaktur (seit diesem Sommer im Aufgebot)
    – hat sogar meiner Frau gut geschmeckt
    http://www.riegele.de/de/biere/brauspezialitaeten/ipa-liberis-2-3/
  • Oedipus Swingers:
    – 4%; obergärig
    – Gose  aus Amsterdam (2015 eingeführt) mit Seesalz sowie Orangen- & Limettenschalen
    – schon sehr sehr sauer und salzig
    – im Rahmen der Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“
    http://oedipus.com/beer/swingers/
  • Steamworks White Angel IPA:
    – 15.2°P: 6,9%; obergärig
    – IPA mit Orangenschalen & Koriandersamen von der Kanadischen Brauerei aus Vancouver
    – zwar nicht das Beste aber immer noch ein recht gutes Ale aus meiner kanadischen Lieblingsbrauerei
    https://www.steamworks.eu/white-angel-ipa-12x-flasche-330ml/a-178/
  • Spencer Trappist:
    – 6,5%; obergärig
    – aus der ersten und einzigen Trappisten-Brauerei der USA in Massachusets
    – in 1950 gegründet wird es von den Mönchen der St. Joseph´s Abbey gebraut
    – dort wird u.a. auch ein „Feierabendbier“ hergestellt
    http://www.spencerbrewery.com/index.php/our-beers/spencer-trappist-ale
  • Baladin Isaac:
    – 12.7°P; 5%; obergärig
    – Bière blanche (dt. Weißbier) aus dem der 1986 im italienischen Piozzo (Piemont) gegründeten Brauerei, die auch historische Urbiere nachbraut
    – ebenfalls mit Orange und Koriander
    – noch mäßig sauer und erfrischend
    http://www.baladin.it/en/productdisplay/isaac
  • Straffe Hendrik Tripel:
    – 19.5°P; 9%; obergärig
    – aus der 1981 im wallonischen Brügge gegründeten Brauerei
    – schön malzig süß und wie gewohnt wenig alkoholaromatisch, wie bei diesen Umdrehung zuerwarten
    http://www.straffehendrik.be/en/het-bier/tripel
  • Austmann Miss Saison:
    – 6%, untergärig
    – seit 2014 aus dem norwegischen Trondheim
    – mit Keffernlimettenblättern und Zitronengras
    – herrlich erfirschend fruchtig
    http://www.austmann.no/
  • Brewdog Kingpin:
    – 4,7%; untergärig
    – 21st Century Lager vom schottischen Craft-Bier-„Riesen“ (aus Ellon)
    – das wohl ausdrucksloseste Bier, das ich je von Brewdog getrunken habe
    https://www.brewdog.com/beer/headliners/kingpin
  • Watt´n Bier:
    – 4,8%; untergärig
    – Pilsener von der Küsten-Brauerei zu Werdum an der Ostfriesischen Nordseeküste
    http://www.werdumerhof.de/brauerei-wattn-bier/startseite.html
  • Himburg’s Braukunstkeller Bavarian:
    – 12°P; 5,3%; untergärig
    – kaltgehopftes Lager aus der bekannten Münchner Handwerksbrauerei
    – guter Einstieg für Craft-Bier-Neulinge
    https://www.himburgs.com/bavarian
  • Westerwald Bräu:
    – 12.3°P; 5,2%; untergärig
    – Kellerbier von der reaktivierten Westerwald-Brauerei H. Schneider aus Hachenburg
    – seit 2014 neue Marke der fürs Hachenburger Pils bekannten Brauerei
    – Erfinder des „Hopfomaten“, einer Zapfanlage, die Becher vom Boden aus befüllt
    – im Rahmen der „Hopfenbauer-Aktion“ will man mit vom Kunden selbst angebauten Hopfen Bier brauen
    https://www.westerwald-braeu.de/
  • Starnberger Spezial:
    – 5,5%; untergärig
    – Kellerbier aus der 2015 gegründeten Starnberger Brauerei in Berg
    – schön karamell-malzig und süffig
    http://starnberger-brauhaus.de/gaumenfreuden
  • Bitburger 1817:
    – 11.9°P; 5%; untergärig
    – Kellerpils zum 200-jährigen Geburtstag der größten Fassbier-Brauerei Deutschlands
    – erstes direktes Bier des deutschen Brau-Riesen fürs Bierjubiläum
    – trotz ihrer Größe und Einfältigkeit muss man zumindest zu Gute halten, dass Bitburger bis heute in keiner größeren Braugruppe organisiert ist
    – schmeckt erheblich besser als das Standard-Pils
    https://www.bitburger.de/produkte-qualitaet/1817/
  • Störtebeker Pilsener:
    – 11.3°P; 4,9%; untergärig
    – aus der inzwischen deutschlandweit bekannten Braumanufaktur in Stralsund
    – nach und nach füllt sich meine Störtebeker-Liste
    https://www.stoertebeker.com/de_de/stoertebeker-pilsener-bier.html
  • Sierra Nevada Sidecar:
    – 13.6°P; 5,3%; obergärig
    – Orange Pale Ale aus der kalifornischen Brauerei in Chico (USA) (Einführung 2016)
    – da mit natürlichen Orangenaromen nicht sehr authentisch und wenig ausdrucksstark
    http://www.sierranevada.com/beer/year-round/sidecar
  • Rittmayer Summer 69:
    – 6,9%; obergärig
    – Weizen-Ale-Spezialität aus der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf in Franken (2015 eingeführt)
    – leckerer Kompromiss aus süßlichem Karamalz und fruchtigem Hopfen
    http://www.rittmayer.de/brauerei/kraftbier/
  • Waldhaus Sommerbier:
    – 2,9%; untergärig
    – 40% alkohol- und kalorienreduzierte Variante des Diplom-Pils von der privaten Waldhaus-Brauerei im Schwarzwald
    – leider auch geschmacklich etwas fad, aber zumindest mit einer gewissen hopfigen Herbe & Fruchtigkeit
    http://www.waldhaus-bier.com/bierspezialitaeten/sommer-bier/
  • Beura Schwarzbier:
    – 13.5°P; 4,9%; untergräig
    – aus der ersten letztes Jahr gegründeten Craft-Bier-Brauerei Osnabrücks
    – der Name leitet sich vom germanischen Begriff für Bier ab
    – recht Bierstil-typisch ohne experimentelle Züge
    – zum Kellerbier an dieser Stelle demnächst mehr
    http://www.beura.de/
  • Banks:
    – 4,7%; untergärig
    – Caribbean Lager aus Lodge-Road / Christchurch auf Barbados
    – das seit 1955/61 größte & bekannteste Bier der Insel schmeckt erwartbar vielsagend
    – mit Maissirup gebraut
    – noch vom Bierbörsen-Bestand
    http://www.banksbeer.com/ourbeer

Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an Matthias für die tolle Bewirtung sowie an Sabrina & René für die wie immer herausragende Gastfreundschaft. Mit Freunden trinkt man eben gerne ein gutes Bier.

Bierbörse Bonn 2017

Letztes Wochenende lud Bonn wieder zur alljährlichen Bierbörse in den Rheinauen ein. Mit dabei auch diesmal über 700 Biere von über 80 Ausstellern. Auch wenn es sich hierbei um viele alte Bekannte eines jeden halbwegs gut sortierten Getränkemarktes handelt, waren auch diesmal wieder interessante weitere Brauereien vor Ort, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. War es doch für mich und meinen Kollegen Matthias nur ein kurzer Fußmarsch vom Feierabend hinein ins Bier-Wochenende.

Hier eine kleine Überblicks-Impression:

Folgende Biere haben es in unsere Auswahl geschafft:

  • Palma Louca:
    – internationales Lager aus dem brasilianischen Jacareí (4,5%; untergärig)
    – leicht grasig und heuartiges sonst nichtssagendes Pilsener-Lager aus der Kategorie Heineken
    – mit Mais gebraut
    http://palmalouca.com.br/a-palma-louca/
  • Xingu Black:
    – 4,6%; untergärig
    – ebenfalls in Jacareí (Brasilien) durch FEMSA Cerveja Brasil gebraut
    – Marke wurde 1987 gegründet
    – „bestes Schwarzbier der Welt“
    – der Name von einer der ersten Craft-Marken Brasiliens leitet sich von einem Amazonas-Zufluss ab, wo bereits im 17. Jahrhundert schwarzes Bier von den Ureinwohnern aus Mais & Maniok gebraut wurde
    http://xingubeer.com/#beer

  • Platan Protivínský Granát:
    – 4,6%iges dunkles untergäriges Lager aus dem tschechischen Protivín
    – gegründet 1540 wird es nach Verstaatlichung und Verkauf von der Pivovary Lobkowicz hergestellt
    – dieser Bierstil hat in Tschechien einen eigenen Namen: Polotmavý
    – karamell-malzig-süß
    http://www.pivovar-protivin.cz/de/product/41-protivinsky-granat

  • Schinner Braunbier:
    – seltenes Braunbier aus der Privatbrauerei Schinner in Bayreuth (5,4%; untergärig)
    – die Brauerei geht zurück auf die 1860 gegründete Kommunbrauerei Bürgerbräu
    – röstig, trocken, grasig
    „Die Bierrarität „Original Braunbier“ wird weltweit nur von uns nach überlieferten Rezepten und ausschliesslich mit bestem bayerischen Malz und Hopfen traditonell eingebraut. Der Ursprung dieser Spezialität geht auf Bayerns Herzog Wilhelm V. zurück. Dieser ließ bereits 1590 auf Burg Trausnitz Braunbier für seinen Hofstaat brauen.“
    http://www.buergerbraeu-schinner.de/schinner.html

  • Stiegl Paracelsus Zwickl:
    – naturtrübe Bierspezialität (12°P; 5%; untergärig) aus der 1492 gegründeten Salzburger Brauerei
    – benannt nach dem Salzburger Arzt: „Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin!“
    – süffig, malzig, matt
    – mit dem Stiegl Gut Wildshut hat die Brauerei das erste Bier-Gut Österreichs gegründet, in dem auch Urgetreide angebaut und verarbeitet wird
    https://www.stiegl.at/de/biere/haupt-sortiment/stiegl-paracelsus-zwickl

Und aus dem Haus der 131 Biere gab es dann abschließend noch diese Biere:

  • Avilys Lithuanian Honey Beer:
    – Honig-Bier aus der litauischen Hauptstadt Kaunas (6%; untergärig)
    – unter Lizenz durch die Brouwerij Strubbe im belgischen Ichtigem gebraut
    – interessanterweise Witbier-ähnlich, süß-sauer
    http://avilys.lt/en/brewery-and-tours/
  • Phoenix:
    – Lager aus der größten Brauerei von Mauritius Phoenix Beverages in Vacoas-Phoenix
    – 1963 als Marke eingeführt
    – herb, trocken, wenig malzig
    http://phoenixbev.mu/index.php/en/phoenix-13
  • Polar Pilsener:
    – Lagerbier (4,5%) von der Cervecería Polar (gegründet 1941) in Caracas aus Venezuela
    – importiert aus Aruba & Curaçao durch die Florida Brewery in Auburndale (USA)
    – rel. geschmacksfrei, süffig, leicht grasig
    http://empresaspolar.com/negocios-y-marcas/cerveceria-polar/polar-pilsen
  • Red Horse:
    – dunkles Starkbier (6,9%) aus dem phillipinischen Mandaluyong (Manila)
    – 1982 von San Miguel eingeführt
    – gebraut mit Mais
    – alkohol-aromatisch, karamell-malzig
    http://redhorsebeer.com/index.php/rhb

Fazit:
Insgesamt ist die Bierbörse eine sehr gute Institution. Gerade für die Zielgruppe der Bierlaien ein guter Flaschenöffner zur Erweiterung des Bierhorizontes. Wenn nun noch weniger große (deutsche) Brauereien und dafür mehr kleine (und internationale) Bierbrauer am Start wären, wäre es auch für Bierkenner wie mich noch interessanter. Aber auch so ist die Auswahl schon größer, als man an einem Abend trinken könnte. Deshalb habe ich mir auch diesmal wieder ein paar Biere nach Hause mitgenommen – dazu an dieser Stelle später mehr.

Weitere Infos zur Bierbörse auch unter: http://www.bierboerse.com/city/bonn.htm

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

113. Nigeria Pal

Nach einer kurzen Pause geht die kleine aber feine Weltreise weiter und erreicht nach Amerika und Asien den dritten Kontinent: Afrika. Genauer gesagt geht es nach Nigeria. Dort wird das Nigeria Pal gebraut – ein Lager, von dem nach zumindest der Online-Recherche nach nur sehr dürftige Informationen erhält. Auch dieses Bier wird für das Haus der 131 Biere in Belgien produziert, sodass keine vollständige Authentizität gewährleitstet werden kann. Die Besonderheit an diesem Bier liegt sicherlich in der Verwendung von Mais als zusätzliches „Bier-Getreide“.

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ähnlich wie .

  • Aussehen

Sehr golden und klar mit einer fast üblichen mäßigen Schaumkrone.

  • Geruch

Leicht industriell und ziemlich metallisch. Nur wenig malzig und hopfig-grasig.

  • Geschmack

Geschmacklich zum Glück nicht mehr so metallisch. Dafür sehr weich und süffig und insgesamt recht malzig-süß. Im matten Abgang süßlich-blumig.

  • Fazit

Tsja, was soll man von einem solchen Bier halten. Wenig spektakulär, weder wirklich gut noch richtig schlecht. So recht verstehe ich auch nicht die Marketing-Strategie vom Hd131B, da ich mir bei einem solchen Bier doch mehr Hintergrundinformationen wünschen würde. Summa summarum ergibt das dann (etwas strenge) 7 Pkt. (3-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.biershop-hamburg.de/Pal-Nigeria.

Prost!