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200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

113. Nigeria Pal

Nach einer kurzen Pause geht die kleine aber feine Weltreise weiter und erreicht nach Amerika und Asien den dritten Kontinent: Afrika. Genauer gesagt geht es nach Nigeria. Dort wird das Nigeria Pal gebraut – ein Lager, von dem nach zumindest der Online-Recherche nach nur sehr dürftige Informationen erhält. Auch dieses Bier wird für das Haus der 131 Biere in Belgien produziert, sodass keine vollständige Authentizität gewährleitstet werden kann. Die Besonderheit an diesem Bier liegt sicherlich in der Verwendung von Mais als zusätzliches „Bier-Getreide“.

Steckbrief

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken

Ähnlich wie .

  • Aussehen

Sehr golden und klar mit einer fast üblichen mäßigen Schaumkrone.

  • Geruch

Leicht industriell und ziemlich metallisch. Nur wenig malzig und hopfig-grasig.

  • Geschmack

Geschmacklich zum Glück nicht mehr so metallisch. Dafür sehr weich und süffig und insgesamt recht malzig-süß. Im matten Abgang süßlich-blumig.

  • Fazit

Tsja, was soll man von einem solchen Bier halten. Wenig spektakulär, weder wirklich gut noch richtig schlecht. So recht verstehe ich auch nicht die Marketing-Strategie vom Hd131B, da ich mir bei einem solchen Bier doch mehr Hintergrundinformationen wünschen würde. Summa summarum ergibt das dann (etwas strenge) 7 Pkt. (3-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.biershop-hamburg.de/Pal-Nigeria.

Prost!

Bierbörse Bonn 2016

BBBIn der Bonner Rheinaue findet an diesem Wochenende die inzwischen schon 21. Bonner Bierbörse statt. Im Jahr des Bierjubiläums eine Veranstaltung, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. So bin ich auch gleich Freitag nach Feierabend mit zwei Kollegen dort gewesen.

Und ich muss sagen, das es gut war. Sicherlich waren auch viele bekannte Brauereien vor Ort, aber nicht zuletzt am Stand vom Haus der 131 Biere gab es mehr Auswahl an interessanten internationalen Bieren, als man überhaupt probieren konnte. Gerade die außereuropäischen Biere wollte ich mal probieren, wo sonst (außer per Online-Kauf) ist es schließlich so einfach daran zu kommen.

Hier also einige Impressionen:

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Folgende Biere haben es in unsere Auswahl geschafft:

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Bintang Pilsener:
– aus dem indonesischen Metan (4,7%)
– noch zu niederländischen Koloniezeiten gegründet (1929) und heute Teil des Heineken-Imperiums
http://www.multibintang.co.id/our-brand/bintang

Singha Lager:
– aus der Boon Rawd Brauerei in Bangkok (gegründet 1933, 5%)
– Singha ist eine thailändische Mystikfigur
http://www.boonrawd.co.th/singha-corporation/en/singha-beer-alcohol-products.php

Cobra:
– Lager aus dem indischen Bangalore (gegründet 1989, 5%)
– enthält Reis und Mais
http://www.cobrabeer.com/en/products/cobra-premium
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Brahma:
– 4,3%iges Lager aus dem brasilianischen Rio de Janeiro
– 1888 von einem Schweizer Auswanderer gegründet ist es heute ein Urspungsteil des weltweit größten Bierunternehmens AB InBev
http://www.brahma.com.br/

Eburni:
– Lager aus der ehemaligen Hauptstadt der Elfenbeinküste Abidjan (4,5%)
– wird eigentlich in Belgien gebraut
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/327

Palanca Negra:
– Lager aus der angolischen Exklave Cabinda (5%)
– der Name heißt übersetzt „schwarze Antilope“ und deutet nicht auf die Farbe des Bieres, sondern auf die Fußballnationalmannschaft hin
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/3251

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Nofretete’s Tradition:
– naturtrübes Bier nach einem alten ägyptischen Rezept im belgischen Ichtegem gebraut (5,2%)
– enthält Feigen, Datteln, Gewürze und Kräuter (nur leider keine Hirse mehr)
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/692

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Mexicali:
– mexikanisches Pilsener (5%) aus der Grenzstadt Tecate
– 1923 gegründet ist es nicht mehr in mexikanischer Hand
http://mexicalibeer.com/mexicali_beer.html

Tui EIPA:
– East India Pale Ale aus dem neuseeländischen Mangatainoka (gegründet 1889, 4%)
– das wohl entfernteste Bier des Bierjubiläums
http://www.tui.co.nz/beer/tui-eipa

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Akosombo:
– Lager aus dem Königreich Hohoe in Ghana (5,5%)
– zwar in Deutschland gebraut, dafür gehen die Erlöse an Hilfsprojekte im Königreich Bansah
http://koenig-bansah.de/

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Cerveza de los Mayas:
– 6%iges Schokoladenbier aus der 2010 gegründeten deutschen Mikrobrauerei Sol de Copan in Copan Ruinas-Honduras
– der verwendete Rohkakao macht daraus ein leckeres Dessert-Bier
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/760

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Red Stripe:
– jamaikanisches Lager (4,7%) aus der Hauptstadt Kingston
– gebraut durch Desnoes and Geddes seit 1938
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/339

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Lapin Kulta:
– Export (5,2%) aus dem finnischen Lahti
– gegründet 1873 ist die Brauerei, dessen Name „Gold Lapplands“ bedeutet, inzwischen geschlossen
http://lapin-kulta.com/2.html

Baldus Rossa:
– 5%iges rotes Ale aus dem argentinischen Rio de la Plata
– seit 2010 in einer Mikrobrauerei produziert
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/758

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Chinggis:
– Mongolisches Lager mit 5% aus der Hauptstadt Ulaan Baator
– 1997 als Gasthausbrauerei gegründet wird es inzwischen unter Lizenz in Deutschland produziert
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/322

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Cusqueña Golden Lager:
– 4,8% / 11.2 °P
– hergestellt von Compania Cervecera Del Sur Del Peru in Arequipa
http://backus.pe/marcas/cervezas/cerveza-cusquena/

Fazit:
Insgesamt ist die Bierbörse eine hervorragende Institution. Wenn nun noch weniger große deutsche Brauereien und dafür mehr kleine und internationale Bierbrauer am Start wären, wäre es noch interessanter. Aber auch so ist die Auswahl schon größer, als man in einem Jahr alles kennen lernen könnte. Deshalb habe ich mir wenigstens vier Biere nach Hause mitgenommen – dazu an dieser Stelle später mehr.

Weitere Infos zur Bierbörse auch unter: http://www.bierboerse.com/city/bonn.htm

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

74. American Craft Beer – Bierverköstigung Juli

Miller Genuine Draft | Samuel Adams Boston Lager | Sierra Nevada Pale Ale | Rouge Brutal IPA | Schneider Weiße Tab 5 | Anchor Steam Beer | Black Wolf Valente´s Double Espresso | Crew Republic Foundation II| Sierra Nevada Torpedo Extra IPA | Oberreichenbacher Rotbier

Titel

Beim Genuss des Monroe IPA* aus dem Hause der Hopfenstopfer darf ich heute von der letzmontägigen Bierverköstigung in der Eule berichten. Wie es kaum passender hätte sein können, ging es am 4. Juli – dem nationalen Feiertag der Unabhängigkeit der USA – um US-amerikanische Craft Biere.

Zur Einstimmung gab es allerdings das genaue Gegenteil: Ein Miller Genuine Draft. Aus der zweitgrößten Brauerei der USA stammend verkörpert es wie kaum ein anderes Bier die stereotypische amerikanische Lagerbierkultur. Der nicht nur aus Kostengründen hinzugefügte Mais verleiht dem Bier eine sehr große Leichtigkeit und macht es extrem süffig, um es positiv auszudrücken. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, dass es sehr beliebig, wenig geschmacklich und erst recht kaum bierig ist. Eben absolut belanglos.

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Vor der offiziellen Verköstigung ging Biersommelier Markus dann noch auf die historische Entwicklung des US-amerikanischen Biermarktes ein. So gab es allein in diesem Jahrtausend eine derartig enorme Konzentration der Braumultis, dass mit der diesjährigen Fusion von AB InBev und SAB Miller jedes 3. Bier weltweit von diesem Riesenkonzern kontrolliert wird. Interessant aus deutscher Sicht ist die Tatsache, dass von den sechs Big Player, welche es noch 2000 gab, drei aus einer deutschen Gründung hervorgingen. Lediglich Heineken konnte aus der danach folgenden Fusionswelle noch eigenständig bleiben.

Auch der deutsche Biermarkt ist von der Konzentration betroffen. Auch wenn die größte deutsche Gruppe Radeberger nur auf 0,5% globalen Marktanteil kommt, vereinigen sich hier etwa 15% aller deutschen Biere. Neben den Bieren aus der AB InBev (u.a. Beck’s, Diebels und Franziskaner), sind vor allem noch die Bitburger, Oettinger, Krombacher und Warsteiner Gruppe von Bedeutung.

Um dem etwas entgegenzusetzen entwickelte sich nach der Legalisierung des Privatbrauens 1979 in den USA die Craft-Bier-Bewegung. Von anfänglich 8 Brauereien gibt es inzwischen mehr als 4.000. Dabei wird ein Craft Bier wie folgt definiert:

  • Größe: Bierausstoß darf die Marke von 6 Mio. Barrel nicht übersteigen (wobei diese Grenze laufend relativ zum Gesamtausstoß des Landes angepasst wird)
  • Unabhängigkeit: Nur weniger als 25% der Brauereianteile dürfen von einer Nicht-Craft-Bier-Brauerei gehalten werden
  • Biertradition: Die Brauerei muss bei der Bierherstellung auf traditionelle oder innovative Rezepturen zurückgreifen (das ist wohl die Regel mit dem größten Interpretationsspielraum)

In Deutschland hingegen fehlt eine derartige Definition und Abgrenzung in Gänze. Dies liegt vor allem an der bereits schon recht vielfältigen Brauereistruktur in unserem Land.

Folgende Biere wurden dann im Rahmen der Verköstigung probiert:

1_Samuel Adams SAM_0642

Das Boston Lager kommt dabei aus der Samuel Adams Brauerei – eine der größten der USA. Vom Geruch her noch sehr fruchtig, ist die Hopfenbittere geschmacklich dominant. Hinzu kommt ein recht trockener Abgang.

2_Sierra Nevada PA SAM_0643

Von einer der größten zu einer der ältesten Craft-Bier-Brauereien. Dabei schmeckt das Pale Ale recht bitter, hopfig-kräuterig und sehr frisch.

3_Rouge Brutal IPA SAM_0644

Dieses IPA zeichnet sich vor allem durch seinen Litschi-Mango-Geruch aus. Im Geschmack ist es ziemlich bitter sauer und blumig-waldig. Der Abgang ist sehr herb.

Das nächste Bier war für mich zumindest dann kein Unbekannter mehr. Es kommt aus Deutschland kann sich aber als American Craft Beer bezeichnen. Denn mit Garret Oliver von der Brooklyn Brewery wurde es von einem Amerikaner mitentwickelt. Dieser ist übrigens auch Autor des „Oxford Companion to Beer“ – die amerikanische Bier-Bibel.

4_Schneider Weiße Tab5 SAM_0646

Das letzte in der Reihe war früher mal ein bieriges Schreckgespenst für mich- Deshalb war ich umso mehr gespannt wie es mir heute schmeckt.

5_Anchor Steam Beer SAM_0647

Im Geruch und Geschmack unauffälliger und dünner sowie malzig-karamelliger als gedacht, war ich in der Tat positiv überrascht, auch wenn es nicht für eine Treppchen-Platzierung gereicht hat. Das California Common kann dabei als Gegenteil vom Kölsch angesehen werden. Schließlich wird hier eine untergärige Hefe bei hoher Temperatur verwendet (beim Kölsch genau umgekehrt). Steam Beer heißt es übrigens, weil es früher nachts auf den Hausdächern abgekühlt wurde und dampfte.

Abschließend noch ein netter geographischer Überblick über amerikanisches Craft-Bier heute:

USA-2012_50 USA-2012_neu

Summa summarum gab es folgende Gesamtbewertung:

BonII

Im Nachgang dazu haben wir uns dann noch ein wenig durch die über 100 Biere umfassende große Bierkarte der Eule probiert. Dabei ging es vor allem mit Craft-Bieren weiter:

  • Black Wolf Valente´s Double Espresso
    das dunkle Bier aus dem schottischen Stirling ist versetzt mit Kaffeebohnen und somit koffeinhaltig
    untergärig, 6% (und eigentlich noch gar nicht auf der Karte)

SAM_0648

  • Crew Republic Foundation II
    2011 eingeführtes German Pale aus der inzwischen sehr bekannten Münchener Craft-Brauerei
    obergärig, 5,6%

SAM_0649

  • Sierra Nevada Torpedo Extra IPA
    noch eine Stufe über dem Pale Ale ist es sehr hopfenlastig und bitter
    obergärig, 7,2%

SAM_0652

  • Oberreichenbacher Rotbier
    auf Hinweis „aus dem Publikum“
    klassisches Nürnberger Rotbier aus dem Brauereigasthof Geyer
    obergärig, 4,9%

SAM_0650

Und hier noch die aktuelle Kurzkarte:

Karte*obergärig, 6,5%, Single Hop Craft Beer, Imperial Pale Ale, 40 IBU.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

 

67. Englische Bierstile – Bierverköstigung Juni

Manns Brown Ale | Hobsons Manor Ale | Orkey IPA | Black Wych Porter | Brugse Zot | Sierra Nevada Bigfoot Ale | Timmermans Faro Tradition | Duchesse de Bourgogne  | Oude Geuze Boon | Rodenbach | Hans Müller – Black Nizza | Saison Dupont

Nachdem ich krankheitsbedingt bei der letzten Verköstigung nicht teilnehmen konnte, war die Freude diesmal noch einmal größer. Zudem war Nils als Gast aus Osnabrück angereist, der die Eule auch mal kennen lernen wollte. Um die Mai-Verköstigung trotzdem noch ein wenig mitzunehmen, „genieße“ ich beim Schreiben dieser Zeilen das Kriek Lambic von Lindemans*, welches dort u.a. thematisiert wurde.

Ein weiteres Bier der Verköstigung der Maiböcke und Frühlingsbiere – das Helle von Augustiner – gab es als Einstimmung in den Abend der englischen Bierstile. Dabei ging es in der Hauptsache um die obergärigen Ales, obwohl bzw. gerade weil diese inzwischen nur noch eine geringen Anteil des englischen Biermarktes ausmachen, aber historisch DAS Bier der Insel ist. Dies konstatierte bereits schon William Shakespeare in „A Winter´s Tale“:

„For a quart of ale is a dish for a king“

Denn während um 1900 das Ale noch fast den ganzen Biermarkt Englands beherrschte, erfolgte im Verlaufe des letzten Jahrhunderts der Siegeszug der untergärigen Lager, die inzwischen etwa 75% des Marktes ausmachen. Gerade deshalb war es so interessant gerade die vielfältigen Ale-Stile zu beleuchten.

Biermarkt

Ebenfalls thematisiert wurde die „Campaign for Real Ale„. Diese setzt sich für die traditionelle, aber unter dem Druck größerer Brauereien und veränderten Zielgruppen fast verschwundene Nachgärung des Ales im Fass des Pub-Besitzers ein.

Zudem gab es auch interessantes quantitatives Hintergrundmaterial. So gibt es beispielsweise im Vereinigten Königreich europaweit die meisten Brauereien pro Kopf. Dies ist u.a. auch dem Umstand geschuldet, dass noch ca. 50% des englischen Bieres in den Pubs getrunken wird. In Deutschland dagegen ist der Konsum von Flaschenbieren bereits bei über 80 Prozent angekommen.

Bierkonsum

Folgende Biere wurde dann im Rahmen der Verköstigung probiert:

Brown AleIMG_20160606_201250

Wissentlich mein erstes Brown Ale, welches mich echt überrascht hat. Denn es war wirklich angenehm spritzig und hat etwas nach Cola und Malzbier geschmeckt, obwohl sogar nach Reinheitsgebot gebraut.

BitterIMG_20160606_203428

Bitter-süß und trocken-nussig, war es zunächst schwierig in dieses Bier reinzukommen, wurde es aber nach jeden Schluck besser.

IPAIMG_20160606_211237

Neben meinem ersten Mal des englischen IPAs war hier natürlich die geographische Lage der Brauerei die große Besonderheit. Auf den Orkney-Inseln gelegen, ist es wohl die nördlichste Brauerei aus UK.

PorterIMG_20160606_212924

Das englische Porter als Bruder des eher irischen Stouts, schloss die offizielle Verköstigung. Dabei gab es dann noch tiefergehende Informationen zur Welt der unterschiedlichen Stout- und Portervarianten und deren Verhältnis zueinander.

Porter-Stout

Summa summarum gab es folgende Gesamtbewertung:

Bewertungsbon

Im Nachgang dazu haben wir uns dann noch ein wenig durch die inzwischen über 100 Biere umfassende große Bierkarte der Eule probiert. Dabei standen vor allem beglische Biere im Fokus:

  • Brugse Zot
    Blondes belgisches Ale
    obergärig, 6%, Zuckerzusatz

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  • Sierra Nevada Bigfoot Ale
    Barley Wine aus den USA – ein Bierstil, der aufgrund der eingestellten Weinexports aus Frankreich nach England in Folge des 100-jährigen Krieges, in England entwickelt wurde
    obergärig, 9,5%, sehr hopfenlastig und ölig

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  • Timmermans Faro Tradition
    belgisches Faro
    obergärig, 4%, Zusatz von Apfelsaft während des Brauprozesses
    mein erstes Bier mit einem richtigen Kork-Korken

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  • Duchesse de Bourgogne
    Belgisches Oud Bruin
    ohne Zusatz dessen, einer enormer Geschmack nach Aceto Balsamico

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  • Oude Geuze Boon
    Uode Geuze aus Belgien
    obergärig, 7%, Weizenrohfruchtverwendung, unfiltriert und nicht pasteurisiert
    Jahrgang 2013/14

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  • Rodenbach
    Flämisches Rotbier aus Frankfurt/Main
    untergärig, 5,2%, Verwendung von Mais und Fructose

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  • Hans Müller – Black Nizza
    Imperial Stout aus Aschaffenburg
    obergärig, 9%, Verwendung von Roggenmalz

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  • Saison Dupont
    belgisches Saison-Bier
    obergärig, 6,5%, Nachgärung in der Flasche

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*obergärig, 3,5%, Zusatz von Aromen, Antioxidationsmittel und Süßstoff. Reiner Kirschsaft wird 3 Tage zusammen mit dem Lambic Bier fermentiert und macerisiert, bevor der Gärungsprozess durch Pasteurisieren gestoppt wird.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend. Prost!

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/