Schlagwort-Archive: Roggen

411. Abbaye de Vauclair Imperiale

Am heutigen Tag der deutschen Einheit möchte meine Testreihe zu den Lidl-Bieren mit einer Flasche fortsetzen, die zumindest optisch gerade für Discounter-Verhältnisse aus dem Rahmen fällt.

Gebraut wird das Bier laut Etikett von der Brasserie de Saint-Omer aus Nord-Pas-de-Calais. Die Brauerei wurde 1866 gegründet und nach einigen Expansionen wie viele andere französische Brauereien von Heineken geschluckt. Als eine der wenigen jedoch gelang es den Verantwortlichen 2005 wieder unabhängig zu werden. Dass es nun diese recht kleine französische Brauerei ins deutsche Lidl geschafft hat, liegt nach meinen Recherchen vermutlich am Auftraggeber der Brasserie de Goudale – besser bekannt auch als „Les Brasseurs De Gayant„. Nach inoffiziellen Angaben wird zumindest das Export-Bier dort im benachbarten Arques hergestellt und abgefüllt.

Die namensgebende Abtei Vauclair befindet sich knapp 200km südöstlich der Brauereien in der Nähe von Reims. Es war ein Zisterzienser-Kloster, das 1134 gegründet wurde und erst durch eine Zerstörung im Ersten Weltkrieg geschlossen wurde. Heute befinden sich zwischen den Ruinen ein Garten für Obst und Heilkräuter.

Das Bier selbst wartet mit einigen positiven und negativen Überraschungen auf der Zutatenliste auf. So wurde dem Sud, der dem Stile nach einem klassischen nordfranzösischen Bière de Garde nachempfunden ist, neben Orangenschalen auch Weizen, Roggen und Hafer in der Rohfruchtform beigemengt. Wie es oft in BeNeLux und Nordfrankreich üblich ist, wurde zudem aber leider auch mit Glukosesirup nachgeholfen, um vermutlich eine höhere Vergärung zu erzielen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bière de Garde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Glukosesirup, Orangenschalen, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Saint-Omer (Frankreich)
Erscheinungsjahr. . .
2008

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: etwas metallisch, würzig-süß, Karamell, gering säuerlich, spritzig
Geschmack: vollmundig, weich, cremig, süßlich karamellig, malzig, gering getreidig, waldig, harzig, etwas fruchtig, säuerlich & bitter, leicht alkoholaromatisch, feinperlig, öliger warmer bittersüßer Abgang
Gesamt: Fast wie vermutet täuscht das edel Äußere etwas über das ziemlich durchwachsene Innere hinweg. Gerade in der Nase kein Genuss steigert es sich aber auf der Zunge. Hier gibt es dann ein wahres Spektakel an unterschiedlichen Aromen, die jedoch zu unausbalanciert wirken. Auch die permanent unterschwellige Alkoholnote wirkt sich negativ auf die Gesamtnote von 11 Pkt. (2) aus.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/abbaye-de-vauclair-imperiale/509629/.

Prost & guten Abend! 🍻

386. Störtebeker Roggen-Weizen

Normalerweise stelle ich Euch ja stets Biere vor, die auf Bierjubiläum noch nicht gelistet sind. Heute und immer mal wieder demnächst werde ich mit dieser Tradition brechen und Euch auch schon gelistete Biere etwas näher präsentieren, die meiner Ansicht nach bislang etwas zu kurz gekommen sind. Es handelt sich vor allem um Biere, die mir eher zufällig bei Events oder im Rahmen der Blogbier-Reihe über den Weg gelaufen sind und wie ich finde einen eigenen Beitrag verdienen.

Eines davon ist das Roggen-Weizen, das mir geschmacklich noch sehr gut in Erinnerung ist. Gebraut wird es von einer der großen deutschen „Craft-Bier-Brauereien“. Die Störtebeker Braumanufaktur – hervorgegangen aus der Stralsunder Brauerei – ist im Bereich klassisch (nord-)deutsche Biere eine der führenden (neuen) Handwerksmarken – insofern bei derartigem Produktionsvolumen noch davon die Rede sein kann. Sie bedient nicht nur die klassisch deutschen Bierstile von Pils über Schwarzbier bis Hefeweizen, sondern auch eher nordisch-hansische Ales oder Porters. Auch wenn über die Handwerklichkeit dieser Pionier-Brauerei trefflich gestritten werden kann, ist Störtebeker meines Erachtens stets um Qualität, Authentizität und Regionalität bemüht.

Seit der Hansezeit werden in Norddeutschland sowohl helle als auch dunkle Weizenbiere gebraut. Das Störtebeker Roggen-Weizen folgt dieser Tradition.

Wie der Name schon verrät ist das Besondere an diesem Hefeweizen die Verwendung von Roggenmalz. Roggen ist nach Hafer das viertwichtigste Biergetreide in Europa. Während früher vor allem Hafer noch deutlich öfter fürs Bierbrauen verwandt wurden, sind heutzutage besonders Roggen-Biere selten geworden. Das Roggen-Weizen ist im Grunde der einzig nennenswerte Vertreter in der Bierstil-Landschaft, in dem das mineralstoffreiche Getreide verwendet wird. Grund hierfür ist seine weitaus bessere Backeigenschaft, weshalb es zeitweise auch zur Bierherstellung verboten wurde. Kein Getreide findet sich heute häufiger im deutschen Brot als Roggen. Während es im Bier etwas unterrepräsentiert ist, wird es aber vorzugsweise für bessere Wodkas, Whiskeys und norddeutschen Korn verwendet.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Roggen-Weizen
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stralsund
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: leicht oxidiert, dunkelmalzig, leicht röstig, dumpf-fruchtig, würzig, karamellig, leicht holzig-waldig
Geschmack: süffig, cremig, weich, leicht bananig, würzig, nussig, karamellig, hefig, feinperlig, süßlich-würziger Abgang
Gesamt: Zugegebenermaßen habe ich das Roggen-Weizen tatsächlich etwas besser in Erinnerung, dennoch bleibt es für mich eines der besten Hefeweizen, die ich bislang getrunken habe. Der Roggen bringt hier eine interessante nussige Würze rein, die das Bier gehaltvoller macht. Gepaart mit der üblichen bananigen Süße ein wirklich empfehlenswertes Bier, das sich seine 12 Pkt. (2+) redlich verdient hat.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.stoertebeker.com/de_de/roggen-weizen/.

Prost & guten Abend! 🍻

Acht Getreidesorten auf einen Schluck – Sechtemer & Brühler brauen eigenes Craftbeer

Der General-Anzeiger Bonn war bei meinem letzten Brautag bei Braukunst Vorgebirge, wo wir den dritten Sud des weltweit einzigartigen CEREVISIA M als 8-Korn-Alt gebraut haben.

Der Artikel ist digital auf hierunter abrufbar:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/bornheim/Sechtemer-und-Br%C3%BChler-brauen-ihr-eigenes-Craftbeer-article3911681.html
#Handwerk #Natürlichkeit #Qualität #Vielfalt #Regionalität #Transparenz #Gerste #Weizen #Roggen #Hafer #Reis #Mais #Hirse #Dinkel

379. Thwaites Crafty Dan 13 Guns

Für meinen zweiten Stop in Europa geht es auf die britische Insel. Ziel ist eine der vier großen Biernationen: England. Nachdem nach der letzten großen Eiszeit vor etwa 8500 Jahren der Meeresspiegel anstieg und die britischen Inseln entstehen ließ, durchlebte das Land eine bewegte und prominente Geschichte. Unter dem wechselnden Einfluss von Römern, Schotten, Wikingern und Angelsachsen, die dem Land schließlich seinen heutigen Namen (Land der Angeln) gaben, entwickelt sich England als bedeutendster Teil der Vereinigten Königreichs zum globalen Player und spätestens in der Neuzeit für führenden Weltmacht, dessen Empire in seiner größten Ausdehnung ein Viertel der Weltbevölkerung beinhaltete. Deshalb und wohl auch aufgrund der knappen Entscheidung bei Gründung der USA ist es zu verdanken, dass Englisch bis heute Weltsprache ist. Neben dem Linksverkehr ist auch die anglikanische Kirche eine der wichtigsten Besonderheiten des Landes. Auch wenn es nach Dekolonialisierung und Deindustrialisierung heutzutage nicht mehr jene Ausdehnung, Einfluss und Bedeutung hat, ist England nicht nur in Europa immer noch ein wichtiger Partner (u.a. als transatlantischer Brückenbilder), dessen Königshaus immer noch einen royalen Glamour zu versprühen vermag. Einen Paukenschlag gab es letztes Jahr mit dem Brexit-Votum, das u.a. auf den Finanzmärkten für einige Unsicherheiten gesorgt hatte.

In bieriger Hinsicht zählt es neben Deutschland, Belgien und Tschechien zu den historischen Kernländern der Bierentwicklung. Bis heute hat es eine größere Brauereidichte als Deutschland. Und auch in Sachen Geselligkeit ist man uns noch weit voraus: Etwa die Hälfte des englischen Bieres wird noch in den berühmten Pubs getrunken – zum Vergleich: in Deutschland werden nur noch ca. 20% des Bieres in der Gastronomie ausgeschenkt. Aufgrund der imperialen Ausdehnung konnte England auch seine Bierkultur rund um den Globus etablieren, sodass sich von den USA bis Australien Ales verschiedenster Varianten großer Beliebtheit erfreuen. Nachdem sich die englischen Bierstile nur kaum in Zentraleuropa haben durchsetzen können, wurden diese im Rahmen der sog. Craftbeer-Welle auch dort in den Markt gespült. Alles weitere zum Thema Bier in England könnt ihr auch meinem Bericht zur Eulen-Verkostung entnehmen.

Aufgrund des glücklichen Umstandes, dass ich das heutige Bier zweimal in meinen monatlichen Beertasting.Club-Boxen hatte, kann ich es nochmals einzeln rezensieren, nachdem ich es ja schon im Rahmen meines Discount-Craft-Bier-Tests proBiert hatte. Gebraut wird es von der 1807 enstandenen Thwaites Brewery aus Blackburn. Das Besondere an der Brauerei ist die Haltung von Shire-Horses, die bis heute das Bier an die lokalen Pubs ausliefern. Das Besondere am IPA ist die zusätzliche Verwendung von Roggen. Gewidmet ist es den 13 Gründerstaaten der USA, weshalb es auch als American IPA mit einer akzentuierteren Hopfennote gebraut wurde.

„A Salute to the original 13 States of America“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Blackburn / England
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: süßliche Würze, leichtes Karamell, buttrig, weich, etwas spritzig, unterschwellig Zitrus
Geschmack: mittlerer Körper, hopfig-herb, würzig, waldig, leicht säuerlich-fruchtig, etwas getreidig,  lasch, würzig-weicher Abgang
Gesamt: Welch ein Auf und Ab. Ähnlich turbulent wie die Geschichte Englands und der USA geht es hier in den Kategorien hoch und runter. Gerade der nasale Eindruck, hatte echt Hoffnung auch ein wirklich gutes Bier gemacht, die aber leider am Gaumen nicht erfüllt werden konnten. Wenig ist zu spüren vom charakteristischen Hopfen und auch der Roggen kommt noch etwas zu gering durch. Für ein IPA einfach zu würzig und vor allem auch zu lasch. Deshalb gibts in Summe nicht mehr als 9 Pkt (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.thwaites.co.uk/brewery-and-our-beers/.

Prost & guten Abend! 🍻

366. Tölzer Mühlenfeldbräu | Dietrachinger Schwarze Tinte

Zum Wochenabschluss gibt es hier ein Bier, welches mich besonders aufgrund des Titels angesprochen hat. In einer meiner inzwischen monatlich eintreffenden Beertasting.Club-Aboboxen enthalten, wartete es auch schon einige Zeit auf seine Öffnung.

Die Schwarze Tinte ist – passenderweise – ein (klassisches) Stout. Gebraut wird es im Tölzer Mühlenfeldbräu in Bad Tölz in Kollaboration mit der Hausbrauerei Dietrachinger aus dem Innkreis in Oberösterreich. Erstere besteht seit 2008 und beendet damit eine lange brauereifreie Zeit in der Kurstadt an der Isar. Angeschlossen ist sie an das Tölzer Gasthaus, in es auch einen Gewölbekeller mit Cocktail-Bar gibt. Letztere ist Teil der Bierregion Innviertel und unterstützt die Interessengemeinschaft der Bierkonsumenten in Österreich. Das Stout zeichnet sich dadurch aus, dass es mit nur einem Hopfen (Sorachi Ace) und Roggenmalz gebraut wurde. Womit es eigentlich gegen das selbst auferlegte „Reinheitsgebot“ (Gerste, Hopfen, Hefe) steht.

„Isarwinkel trifft Innviertel und braut gemeinsam ein.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dry Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Moosbach (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: ganz leicht metallisch, Karamell, Lakritz, grasig, holzig, frisch & mild
Geschmack: recht voller Körper, röstig, holzig, Karamell-Süße, dunkelmalzig, getreidig, recht süffig, feinperlig – matt, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Interessant wie hier Vollmundigkeit und Süffigkeit erstaunlich nah beieinander koexistieren können. Auch die Süße gepaart mit einer röstigen Getreidenote vom Roggen sind sehr überzeugend. Mir hätte es nur noch etwas öliger, schwerer und karamelliger sein können, aber das ist ja Geschmackssache. Alles in allem aber ein ehrliches und leckeres Stout: 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.tmb.de/home/braukunst.php bzw. https://www.facebook.com/dietrachinger.brauerei/.

Prost & guten Abend! 🍻

Festival der Bierkulturen 2018

Lahnsteiner Gruitbier | Lahnsteiner Burbator | Elusive Desert Isle | Solvay Society Dubbel Beta Coumarin | Kölner Bierhistoriker Knalt | Kölner Bierhistoriker Deutsches Porter 1900 | CCC Heinenhof Süffige Sünde | Orca Bräu Wildfang #1 | AleMania Chocolate Mint Stout | Bayrischer Bahnhof Sweet Pineus Buchweizen  | Bayrischer Bahnhofs Cuvee | Heidenpeters Wild IPA | Heidenpeters + Orca Bräu Tea Time Pale Ale | Bierserker Luiserl | Brauprojekt 777 Barley Wine | Helios Tripel Bock | Helios Black Out Rum |  Bunthaus Root Wild Ale | 3rd Sector Aam Laasse | 3rd Sector Salacia – Godess of the Deep | Pax-Bräu from Asia with Love | Bierfabrik Berlin Malt Liquor | Lahnsteiner Cool Elephants | Lahnsteiner Honigbier

Während die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in vollem Gange ist feierte Köln am vergangen Wochenende das Festival der Bierkulturen. Das in diesem Jahr schon zum 9. Mal stattfindende bierige Großereignis ist eines der wichtigsten Krerativbierfeste in NRW und zieht Jahr für Jahr mehr Publikum an. So habe ich es dieses Mal auch endlich geschafft und war mit Nils am Samstag vor Ort.

Pünkltich um kurz vor 14 Uhr konnten wir uns dann in die schon gebildete Schlange einreihen. Kurze Zeit später waren wir dann drin und versuchten uns erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Doch bei 25 Ausstellern und etwa 125 Bieren wurden wir zunächst regelrecht erschlagen von der Quantität der Auswahl. Auch qualitativ stellte sich schnell ein hohes Niveau heraus, das einem fast überforderte. So gab es neben den lokalen und regionalen Marken wie die Helios-Braustelle als Veranstalter, die Kölner Bierhistoriker, Ale-Mania aus Bonn oder die Mikrobrauerei Heinenhof auch deutsche Größen wie Kehrwieder, Heidenpeters, Orca-Bräu oder Pax-Bräu sowie internationale Brauereien aus Großbritannien (40Ft, Elusive, Iron Pier & Solvay) und Belgien (‚t Hofbrouwerijke & Hof ten Dormaal).

Aufgeteilt waren diese im großen Saal, im Jugendbistro und im Außenzelt des Bügerzentrums Ehrenfelds. An jedem Stand gab es Fladenbrot zur Stärkung und zudem an der Küche kostenfreies Wasser zur Neutralisierung und zum Mineralhaushaltsausgleich.

Angesichts eines straffen Zeitplans (ich musste Abends familär bedingt wieder daheim sein) gingen wir diszipliniert zu Gange und wählten ganz bewusst außergewöhnliche Biere, die weder zu klassisch traditionell noch zu klassisch kreativ waren.

 

Impressionen:

Bierfacts:

  • Lahnsteiner Gruitbier:
    – obergärig; 4,9%; 11.3°P
    – naturtrübes Kräuterbier wie im Mittelalter mit Muskatblüte, Wacholderbeeren & Salbei
    – von der Familienbrauerei Lahnstein südlich von Koblenz am Rhein
    – die Geschichte der in der 10. Generation geführten Brauerei geht bis 1411 zurück
    – neben einer tollen Vielfalt an Bieren verkauft die Brauerei auch vielerlei bierige Produkte wie Knabbermalz oder Hopfentee
    – Goldmedaille beim International Craft Beer Award 2015
    – säuerlich, frisch, gewürzig
    – https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Lahnsteiner Bourbator:
    – obergärig; 8%; 18.5°P
    – heller Bock gereift auf Bourbonholz
    – Goldmedaille beim International Craft Beer Award 2017
    – genau richtige Whisky-Note, malzig, leicht ölig
    – https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Elusive Desert Isle:
    – obergärig; 4,5%
    – Lime-&-Coconut-Hopfenweisse
    – gehopft mit Motueka & Wai-Iti
    – aus dem englischen Birkshire
    – Limette, Gras, herb
    – https://www.elusivebrewing.com/blog-1/
  • Solvay Society Dubbel Beta Coumarin:
    – obergärig; 6%
    – Dubbel mit Tonka-Bohnen und rote Beete
    – vom Stadtrand der britischen Hauptstadt
    „Oud Belgium. Nouvel London.“
    – wenig Tonka-Bohne, wenig rote Beete, getreidig
    http://solvaysociety.com/beers/
  • Kölner Bierhistoriker Knalt:
    – obergärig; 4,5%; 14°P
    – leicht kalt gehopftes klassisches Altbier
    – von den äußerst sympathischen Kölner Hobbybrauern, die sich herausragend für alte Rezepte einsetzen
    – „auf den Spuren (fast) vergessener Bierrezepturen und Brautraditionen“
    – frisch, geschmeidig, süßlich, leicht röstig
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • Kölner Bierhistoriker Deutsches Porter 1900:
    – obergärig; 5,1%; 13.7°P
    – deutsches Porter nach historischen Rezept
    – schön malzig, süffig, Kakao, Kaffee
    http://koelnerbierhistoriker.org/
  • CCC Heinenhof Süffige Sünde:
    – untergärig; 6,5%; 16°P
    – historisches Kölnisches Knupp
    – mit Hafermalz und Süßholzwurzel
    – von der letztes Jahr aus den KBH entstandenen Mikrobrauerei Heinenhof aus Pulheim-Orr
    – ist der nächste Gast beim Montagstasting in der Eule
    – Kaffee, Vanille, wenig Rauch, cremig
    https://www.heinenhof.de/mikrobrauerei/
  • Orca Bräu Wildfang #1:
    – obergärig; 6,5%
    – Sour Saison im Pflaumenschnapsfass gereift
    – von der von Felix vom Endt 2017 gegründeten Nürnberger Kreativbierbrauerei
    – eine der Speerspitzen der deutschen Kreativbierszene (u.a. mit Waldbieren oder alternative Getreiden)
    – gut sauer, fruchtig, erfrischend
    http://www.orcabrau.de/
  • AleMania Chocolate Mint Stout:
    – obergärig; 6%; 16°P
    – Test-Batch mit Schokomalz, Haferflocken, Kakao, Laktose & Pfefferminze
    – vom Bonner Kreativbier-Pionier Fritz Wülfing
    – Minze, Schoko, süffig
    https://fritz0830.wixsite.com/alemaniabonn
  • Bayrischer Bahnhof Sweet Pineus Buchweizen:
    – obergärig; 4%
    – Gose mit 50% Buchweizenanteil
    – von der seit 2003 bestehenden Gosebrauerei in Leipzig
    – vom ältesten erhaltenen Kopfbahnhof der Welt
    – mild, fruchtig, süffig, sehr lecker
    https://www.bayerischer-bahnhof.de/de/hausgemachte-biere.html
  • Bayrischer Bahnhofs Cuvee:
    – obergärig; 5%
    – Verschnitt von mehreren Goses
    – etwas zu sauer, Komplexität schwer schmeckbar
    https://www.bayerischer-bahnhof.de/de/hausgemachte-biere.html
  • Heidenpeters Wild IPA:
    – obergärig; 8,2%
    – double dry hopped IPA mit Apfelsaft vergoren und Tannennadeln des Spreewalds versetzt
    – von einer der bekanntesten Berliner Craftbier-Brauereien
    – mäßig, mehr IPA als Apfelsaft, zu wenig waldig
    http://www.heidenpeters.de/
  • Heidenpeters | Orca Bräu Tea Time Pale Ale:
    – obergärig; 5%
    – Weizen Pale Ale mit Roibuschtee
    – Kollaboration zwischen Johannes Heidenpeter & Felix vom Endt
    – frisch, teeig, waldig, lecker
    http://www.heidenpeters.de/
  • Bierserker Luiserl:
    – obergärig; 5,4%; 14.5°P
    – Ale mit Zitronenverbene gebraut
    – vom wohl kreativste Bonner Brauer Ulrich Karl Tröger
    – abgefüllt im Siegburger Brauhaus
    – pilsig-herb, trocken-würzig, leicht getreidig
    http://www.bierserker.de/
  • Brauprojekt 777 Barley Wine:
    – obergärig; ?%
    – einziges Barley Wine des Festivals
    – von der 2013 gegründeten Handwerksbrauerei aus dem niederrheinischen Spelle
    – am untersten Rand der Öligkeit, hohe Drinkability, gut für Einsteiger
    http://brauprojekt777.de/
  • Helios Tripel Bock:
    – obergärig; 9,5%
    – hopfen- & malzbetontes helles Strong Ale
    – von der 2001 gegründeten Braustelle – Ehrenfelds einziger und Kölns kleinster Brauerei
    – gemüsig, cremig, ölig, würzig, süßlich
    http://braustelle.com/flaschenbier.html
  • Helios Black Out Rum:
    – obergärig; 14%
    – im Rumfass gelagertes hochprozentiges Stout
    – Rum, Rum, Rum
    http://braustelle.com/flaschenbier.html
  • Bunthaus Beet Root Wild Ale:
    – obergärig; 5,5%
    – American Wild Ale
    – letztes Jahr enstandenene Handwerksbrauerei von der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg
    – gebraut wird unangepasst an der Bunthäuser Spitze
    – Essig, normal säuerlich, fruchtig
    http://www.bunthaus.beer/die-biere/beetroot-wild-ale/
  • 3rd Sector Aam Laasse:
    – obergärig; 8,8%
    – All-Hop Mango Milkshake-IPA
    – von der noch recht frischen Essener Craftbierstube
    – wenig Milch, wenig Frucht, ok
    https://thirdsectorbrewing.de/
  • 3rd Sector Salacia – Godess of the Deep:
    – obergärig; 9,2%
    – Bourbon-Oaked Imperial Chocolate Stout on roasted Hazelnuts
    – ölig, süß, holzig, röstig, nussig
    https://thirdsectorbrewing.de/
  • Pax-Bräu from Asia with Love:
    – obergärig; 7,1%; 18°P
    – Doppel-Wit – Szechuan Style
    – mit Emmermalz, Bitterorangenschale, Habanero Chili, Ingwer, Szechuanpfeffer, Zitronengras & Koriander
    – von einem der führenden Natürlichkeits-Brauer Andreas Seufert aus Oberelsbach in der unterfränkischen Rhön
    – Pfeffer, Zitronengras, wenig Balance, wenig Spitzen
    https://pax-braeu.de/shop/from-asia-with-love-2/
  • Bierfabrik Berlin Malt Liquor:
    – untergärig; 6,7%
    – ursprüngliches Strong Lager
    – vom noch jungen Berliner Brauhaus Bierfabrik
    – malzig, waldig, vollmundig
    http://www.berlinerbierfabrik.com/
  • Lahnsteiner Cool Elephants:
    – untergärig; 10,2%
    – Megabock Rohminator gereift auf Sandelholzchips
    – Silbermedaille beim International Craft Beer Award 2017
    – Mitbringsel vom Festival zum Absacker-Verzehr
    https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
  • Lahnsteiner Honigbier:
    – obergärig; 10,7%
    – naturtrübes Bier, nachvergoren mit Blütenhonig
    – getrunken beim Schreiben dieser Zeilen
    – waldig-süß, sehr alkoholaromatisch, leicht ölig, leichte Bittere, mittel-schwerer Körper, matt-feinperlig, trocken-warmer Abgang
    https://www.lahnsteiner-brauerei.de/Craftbiere.htm
    http://www.magazin-objektiv.de

Fazit:

Auch wenn es mir am Sonntag Morgen so schlecht wie nie in meiner Blogzeit ging, war es einfach ein überragendes Bierfestival. Alleine die schiere Auswahl an kreativen und handwerklich gut gemachten Bieren lässt jedes Bierherz höher schlagen. Die Mischung aus lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Highlights war wirklich außerordentlich. Dass vor allem der Samstag wieder frühzeitig ausverkauft war, ist der beste Beweis für die hohe Qualität des Fesitvals und der große Wunsch der Bierbegeisterten nach guten kreativen Bieren. Auch die Möglichkeit sich die ein oder andere Flasche bzw. ein anderes bieriges Produkt mitnehmen zu können war gut. Zu kritisieren hätte ich lediglich den Umstand, dass es mir insgesamt etwas zu unübersichtlich war und man so manchmal etwas Mühe hatte an sein Lieblingsbier zu kommen. Nichtsdestotrotz war es wohl das beste Bierfestival, das ich seit Anbeginn des Blogs besucht habe und es definitv auch für das kommende Jahr vorgemerkt. Danke Peter Esser und danke auch an alle anderen Brauer und Unterstützer für dieses biergeniale Großereignis.

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/1867617260158489/.

Oder unter: https://www.koeln.de/branchen/eintrag/1276/brauereien/braustellebuergerzentrum-ehrenfeld/
bzw. http://braustelle.com/festival-der-bierkulturen-2018.html

352. Maisel & Friends Dirty 30

Auch wenn mein Geburtstag bereits über ein halbes Jahr zurück liegt, habe ich den meiner Frau zum Anlass genommen diese Woche drei passende Biere zum 30. zu verkosten. Begonnen mit dem 29er Pils und dem Doppel-Alt, das ich aber auch schon auf unserer Franken-Tour in Nürnberg trinken durfte, schließe ich die Geburtstagswoche mit einem wirklichen Kracher-Bier.

Dabei ist Kracher-Bier sogar noch untertrieben für dieses in der Brauwelt wohl einzigartige Experiment. Mir zumindest ist kein Bier bekannt, dass auch nur annähernd mit diesem herausragenden Gebräu mithalten kann. Denn es wurde mit nicht weniger als sage und schreibe 30 verschiedenen Malz- und Hopfensorten gebraut. Hintergrund ist der ebenfalls 30. Geburtstag des Maisel-&-Friends-Brauer Markus (nächste Parallele ;)) Briemle, der sich hierfür etwas ganz Besonderes überlegt hatte. Mit einem Freund aus der Barth-Hass-Group – dem weltweit führender Anbieter von Hopfen und Hopfenprodukten – wurden hierfür folgende 30 (!) Hopfensorten ausgewählt:

Amarillo, Ariana, Bramling Cross, Callista, Cascade, Celeia, Centennial, Chinook, Citra, Crystal, Ella, Enigma, Hallertauer Blanc, Hallertauer Herkules, Hallertauer Perle, , Hallertauer Saphir, Hallertauer Tradition, HBC431, Hersbrucker, Hüll Melon, Mandarina Bavaria, Mittelfrüh, Relax, Saazer, Spalter Select, Styrian Fox, Styrian Golding, Tettnanger, Triskel, Vic Secret.

Die 30 (!) Malzsorten stammen allsamt aus Deutschlands größten Mälzerei Weyermann in Bamberg und umfassenden neben diversen Röst-, Karamell- und Basis-Gerstenmalzen auch Weizen-, Roggen- und Dinkelmalz.

Das Etikett hat Markus‘ Schwester entworfen und nimmt damit Bezug auf sein Sternzeichen. So zeigt es den Kampf der beiden Hopfen- und Malz-Widder, die um die Vorherrschaft im knallenden Sudkessel ringen.

Bierstilmäßig ist aus diesen 62 Zutaten (Wasser + Hefe noch dazu) übrigens ein Black IPA geworden, in dem sowohl dunkle karamellige Malznoten als auch ausgeprägte Hopfenaromen dominieren. Bei den Inhaltsstoffen hätte es aber auch kaum ein anderes Bier werden können. Und hätte es den Bierstil nicht seit kurzem gegeben, er hätte hierfür wohl erfinden werden müssen.

Nachdem ich es anlässlich des Geburtstages zwar bereits vor einigen Wochen online beim Flaschenfreund bestellt hatte, erreichte mich mit einem wahrhaft genialem Timing noch ein zweites Exemplar per Maisel-Flaschenpost von Eva Ploß. Darüber habe ich mich aber nicht geärgert, im Gegenteil, so habe ein zweites Exemplar, dass ich ggf. zu einem späteren Zeitpunkt zu einem ähnlich besonderen Moment verkosten kann.

„Do you wanna get dirty? Be thirsty!

Kein Dirty Harry. Kein Dirty Dancing. Sondern DIRTY 30!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Black IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Roggen- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  17,°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: Hopfenbittere, bunter Fruchtmix aus Maracuja, Litschi, Mango, Zitrone, Mandarine, Grapefruit & anderen roten Früchten, grasig, waldig, harzig, Karamell, holzig, dunkelmalzig, leicht röstig
Geschmack: voller Körper, weich, Röstaromen, Bittere, fruchtig, nussig, waldig, getreidig, erdig, feinperlig, ölig leicht alkoholaromatischer Abgang
Gesamt: Wow, wow, wow! Ein wahres Geburtstagsfeuerwerk aus Hopfen- und Malzaromen, das Nase und Gaumen echt überfordert. Es ist praktisch alles dabei, was ein Bier auszeichnen kann. Dabei kann man den Kampf der beiden Widder mit jedem Schluck spüren. Ein in Komplexität und Tiefe wohl kaum erreichbares Bier-Meisterwerk, das wohl auch historisch seines Gleichen sucht. Mit einer äquivalent herausragenden Gesamtwertung von 14 Pkt. (1) sichert sich das Dirty 30 hiermit die Spitzenposition im diesjährigen Bierjubiläum-Ranking.

Mehr Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/dirty-30/.

Prost & guten Abend! 🍻

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

332. Buddelship | Lervig Sauer´d Krauts

Einen Tag vor dem diesjährigen Bierjubiläum möchte ich ein wieder mal ganz besonderes Bier zur Sprache kommen lassen. In gemeinschaftlicher Arbeit haben die beiden Brauereien Buddelship aus Hamburg und Lervig Aktiebryggeri aus dem norwegischen Stavanger vor 2 Jahren ein spezielles Bier für das 500-jährige Reinheitsgebotsjubiläum produziert. Dabei sollte es – für die treue Leserschaft unter Euch – wenig verwunderlich sein, dass es ein Bier geworden ist, was eben genau nicht nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut ist. Doch selbst für mich ist die Zutatenliste doch rechtgewöhnungsbedürftig. So wurde, wie es der Name schon verrät, Sauerkraut mit eingebraut. Doch (zum Glück) kein gewöhnliches Sauerkraut, sondern Weißkohl in Ananas und Mango eingelegt. Daneben finden sich auch alle vier europäischen Hauptgetreide in der Übersicht, was mich als Unterstützer von alternativen Getreiden besonders freut. Last but not least fällt noch eine weitere Zutat ins Auge, die in dieser Form ebenfalls recht ungewöhnlich in der Bierherstellung ist: Der Lactobacillus. Dabei handelt es sich um ein Milchsäurebakterium, das bei der Gärung des Bieres Milchsäure produziert und somit neben dem fruchtigen Sauerkraut zur Versäuerung des Bieres beiträgt.

We are celebrating 500 years of Reinheitsgebot with this very unique sour ale. A collaboration with the good Germans from Buddelship, this „impure“ beer is full of oats, wheat, rye and barley, and was soured with fresh sauerkraut infused with mango and pineapple. It may not adibe by the German Purity Laws, but remember, reines bier gefährdet die gesundheit.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wild-Bier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Weißkohl, Ananas, Mango, Lactobacillus, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stavanger / Norwegen [Hamburg]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: säuerlich, fruchtig (nach Ananas & Mango), kohlig-gemüsig, hellmalzig, leicht Karamell, leicht grasig
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, sehr sauer, leicht bitter, etwas grasig, bitter-saurer Abgang
Gesamt: Wie erwartet in der Tat ein ziemlich saures Bier. Etwas, was vor allem vor zwei Jahren noch voll im Trend war. Ich selbst hatte letztes Jahr eine Phase, in der ich Sauerbiere sehr gerne getrunken habe. Derzeit allerdings darf es für mich gerne wieder etwas malziger sein. Deshalb kann ich diesem handwerklich gut gemachten Bier (bei dem mit die Farbe fast noch am besten gefällt) nur 11 Pkt. (2) geben. Nichtsdestotrotz ein gutes, wenn auch überzogenes Zeichen gegen die aktuelle Biergesetzgebung, für die das „Reinheitsgebot“ als Fassade herhält.

Weitere Infos zum Bier unter:  https://www.ratebeer.com/beer/buddelship-lervig-sauer%C2%B4d-krauts/371604/1/1/.

Prost & guten Abend! 🍻

327. Back- & Brauhaus Brinker Pumpernickel Porter

Neue Woche, neues Bier, alte Brauerei. Weiter geht es also hier mit dem Back- und Brauhaus Brinker aus dem Teutoburger Wald. Nach dem vorgestrigen belgischen Dubbel folgen in dieser Woche zunächst drei Biere mit jeweils ganz besonderen Zutaten. den Anfang macht das Pumpernickel Porter. Zwar keine Erfindung des Back- und Brauhauses aber dennoch ein doch sehr selten gebrautes Bier. In Anlehnung an ein klassisches Schwarzbrot wird hier neben den klassischen Bierzutaten Gerstenmalz, Hopfen und Hefe auch versäuertes Roggenmalz eingesetzt. Ähnlich wie ein Sauerteig unterstütz dies die enzymatische Wirkung des Malzes und erzeugt damit eine brotigere Roggennote.

„Dieses Bier ist eine herzhafte obergärige Spezialität. Gebraut mit teilweise biologisch versäuertem Roggenmalz nach alter Bäckertradition.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz (tlw. biol. versäuert), Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr würzig & röstig, frisch, leicht süßlich(-karamellig)
Geschmack: vollmundig, großer Körper, brotig, würzig, leicht bitter & röstig, trocken, matt, weich, dunkelmalzig, bittersüßer Abgang
Gesamt: Also wer Schwarzbrot und Porter mag, wird dieses Bier lieben. Eine sehr gute Symbiose aus beiden Welten der Getreideprodukte. Für mich zwar einen Hauch zu röstmalzig und bitter, aber handwerklich sehr gut gemacht. Dafür gibt es gute 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

326. Schottische Biere – Bierverkostung zur Eule 04/18

Rats Kölsch | Brewdog Punk IPA | Orkney Brewery Red MacGregor | Strathaven Craigmill Mild | Brouwerij Haacht Export Super 8

Letzten Montag war es ausnahmsweise mal (bedingt durch Ostern) wieder an einem zweiten Montag im Monat Zweit für den Biermontag in der Brühler Eule. Nachdem ich die März-Ausgabe mit Ale-Mania und Fritz Wülfing verpasst habe und auch leider bei der kommenden Verkostung im Mai mit dem Brauer vom Lechenicher Blue Cat nicht zugegen sein kann, hatte ich mich umso mehr auf dieses Tasting gefreut.

Thematisch ging es diesmal um das Bierland Schottland. Im Zeichen von 11 Jahren Brewdog ging es auf eine kleine Reise zur Britischen Insel. Neben der Vorstellung schottischer Biere, nahm uns Biersommelier Markus Weick auf mit auf seine eigene Reise durch Schottland im vergangenen Jahr. Dass er dabei noch mitten im Renovierungsstress ist, merkte man ihm kaum an.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Rats-Kölsch. Früher in der Privatbrauerei Metzmacher in Frechen gebraut, gehört es wie so viele andere Kölsch-Marken heute zum Haus der Kölschen Bierkultur und somit zur Radeberger-Gruppe. Mit etwa 50 Thl Jahresausstoß ist es eher eine kleinere Kölsch-Marke.

Persönlicher Eindruck:
viel süße Malzwürze, geringe-mittlere Hopfenbittere, schlank, feinperlig, leicht saure Fehlaromen, zu unbalanciert

Den Beginn der schottischen Biere machte das Craftbeer-Flaggschiff des Landes. Zwar erst vor 11 Jahren gegründet hat sich Brewdog zu einer mindestens europaweit bekannten Marke etabliert. Mit einer radikalen Marketing-Strategie, die vor wenig zurückschreckt und gänzlich neue Wege geht, hat man es binnen weniger Jahre zu einer festen Größe am Craftbeer-Markt gebracht. Dabei ist es weniger die Menge an gebrautem Bier, sondern vielmehr die Anzahl verschiedener Biere, die viele erstaunen lässt. Alleine im Jahre 2016 hat man es auf über 80 geschafft. Begünstigt wurde der Aufstieg Brewdogs auch von der weitaus vielfältigeren und kleinteiligeren Bierkultur der Briten. So trinkt der Brite zwar weniger Bier pro Kopf, dafür gibt es aber relativ mehr Brauereien als in Deutschland. Das erfolgreichste der Brewdog-Biere ist das Punk IPA, was es inzwischen praktisch in jedem größeren Pub auf der Insel gibt.

Persönlicher Eindruck:
– super fruchtig-hopfig, grasig, leicht malzig
– mild, weniger gehopft, frisch, fein, recht süffig, nicht bitter

Auf seiner Reise durch Schottland machte Markus auch bei einem der zahlreichen Bottledogs Halt. In den Flaschenverkaufsläden ergatterte er ein Hop-Shot – eine hochkonzentrierte Biervariante mit offiziell 20% Alkohol und über 200 IBU-Bittereinheiten.

Ähnlich wie in der England-Verkostung vor zwei Jahren, gab es an diesem Abend auch einen kleinen Exkurs nach Deutschland. Genauer gesagt sogar in die direkte Nachbarschaft zur Eule. Denn ich höchstpersönlich hatte die Ehre mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier Cerevisia M vorzustellen. Als Interpretation eines Düsseldorfer Alt hat es grundsätzlich viele Parallelen zu schottischen Bieren. So sind diese ebenfalls rubinrötlich, süßlicher, leichter gehopft und nicht so alkoholhaltig. Selbstverständlich ist das Cerevisia M als weltweit erstes Bier mit allen 7 Hauptgetreiden nicht direkt vergleichbar mit den klassischen schottischen Bierstilen. Nichtsdestotrotz kam es sehr gut an und das 5l-Fass wurde restlos ausgetrunken. Auch ein paar weitere Flaschen konnte ich noch an den Mann bringen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge, wo ich mit seiner Unterstützung das Bier brauen durfte.

Mehr zum Bier gibt es dann zum diesjährigen Tag des Deutschen Bieres und 502. Geburtstages des sog. Reinheitsgebots am 23. April.

Im Anschluss ging es wieder auf die Insel. Aber nicht auf die große britische, sondern auf die kleine Inselgruppe nördlich von Schottland. Mit dem Orkney Red MacGregor kamen wir in den Genuss eines der nördlichsten Biere Europas. 1988 gegründet kommt die eine von zwei Brauereien der Orkneys auf etwa 50 hl Jahresausstoß.

Persönlicher Eindruck:
– malzig, süß, kaum Karamell, waldig, harzig, würzig
– würzig, matt, leicht bitter, trocken, rot

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann wieder vom gefühlten Festland. Trotzdem ist aber die Brauerei noch jünger und kleiner. Das Craigmill Dark Mild ist ein Bierstil, der noch vor 50 Jahren in Schottland über 80% Marktanteil hat. Heute werden von diesem leichten und erfrischenden Bier kaum mehr als 5% verkauft.

Persönlicher Eindruck:
– dunkelmalzig, leicht röstig, süß, Kaffee
– Kaffee, schlank, bitter-röstig, mild

Gesamtfazit:
Meine persönliche (etwas beeinflusste) Gesamtwertung der April-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialität aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– malzig, grasig, süß
– feinperlig, trocken-süß, würzig

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei der Renovierung.
Mit dem Hinweis auf die übernächste Verkostung am 4. Juni, bei der ich ein paar leckere Biercocktails präsentieren werde, verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

320. Oedipus Lekkerbek

Wie gestern angekündigt, möchte ich heute die Feierwochen rund um das Bierjubiläum einläuten. Denn in weniger als 20 Tagen feiert ganz Deutschland wieder den Tag des Bieres und somit das Jubiläum des sog. Reinheitsgebots.

Passend zum heutigen Freitag – dem ersten Freitag nach Karfreitag – gibt es ein Bier mit Dill und Senfkörnern, welches wohl besser zu Fisch passt wie kein zweites. Gebraut in der Brouwerij Anders im Flandern’schen Halen für die Amsterdamer Mikrobrauerei Oedipus. Bekannt für außergewöhnliche Bierrezepturen ist aber das heutige Saison selbst für mich eine Premiere. Denn Dill und Senf kenne ich bislang auch nur vom Teller und nicht im Bier. Zusätzlich interessant ist die Getreidekombination aus Gerste, Weizen und Roggen.

Hinsichtlich der Beweggründe für ein solches Bier, zitiere ich gerne Oedipus selbst:

„We used a culinary approach to develop Lekkerbek with the Youth Food Movement. The YFM works to create awareness about our food systems and every year they organize a festival with a particular theme. The 2015 theme was ‘Fish’. The challenge? Brew a beer related to ‘Fish’.“

Da zum Fisch bekanntlich ein trockener Weißwein passt, hat man auch beim Bierstil darauf geachtet, dass es trocken-säuerlich gehopft wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Saison
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Roggenmalz, Dill, Senfkörner, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Halen / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: spritzig, säuerlich , leicht fruchtig, karamellig, würzig
Geschmack: spritzig, voller Körper, frisch, trocken, leicht säuerlich, geringe Fruchtnoten, leichte Süße, etwas harzig, kaum Würze, sauer-herber Abgang
Gesamt: Wahrlich wieder interessant. Gute Komposition aus säuerlichen und spritzig-trockenen Charakterzügen. Gerade aber eher etwas für Sauerbier-Fans, auch wenn es keine überdurchschnittliche Säure enthält. Etwas enttäuscht bin ich über die fast fehlenden Aromen von Dill und Senf. Deshalb gibt es auch leider nicht mehr als 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://oedipus.com/beer/lekker-bek/.

Prost & guten Abend! 🍻

Bier-Cocktails + Cerevisia M @ Wiedereröffnungs-Party Zur Eule Brühl

Zur Eule – Bier & Brot | neue Betreiber, neue Website, neues Konzept

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Vorletztes Wochenende hatte die Zeit des wartens (offiziell) ein Ende. Die Eule in Brühl-Kierberg öffnete wieder ihre Tore und lud zur Wiedereröffnungsfeier. Mit dabei: Ich. Dazu später aber mehr. Nachdem das langjährige Pächterpaar Anfang des Jahres die Eule verließ, nutze Inhaber und Biersommelier Markus Weick die Gelegenheit für eine großangelegte Renovierungsphase. Von Keller bis Dach sollten entscheidende Stellen modernisiert werden ohne jedoch den ursprünglichen Charackter der 60er-Jahre Kneipe zu verändern. Zudem hat Markus das Konzept der Eule angepasst. So wird zukünftig das Thema (Craft)-Bier eine (noch) zentralere Rolle spielen. Nachdem es bisher nur zusätzlich zum regulären Kneipenbetrieb lief, soll sich die Eule zum Zantrum der Biervielfalt in der ganzen Region etablieren. Mit ständig über 99 Bieren im Angebot ist es schon jetzt die wohl bestsortierteste Kneipe im ganzen Kölner Raum. Und wer es eilig hat, der kann nach erfolgreicher Suche sein Bier auch im Außerhausverkauf mitnehmen. Neben dem Thema Bier, das auch weiterhin mit den Biermontagen und Schnupperkursen begleitet wird, rückt auch das Brot in den Fokus. Schließlich basieren beide auf die Wirkkraft der Hefe in Verbindung der Zutaten Wasser und Getreide. Auch historisch eng verwoben mit dem Bier treffen in Deutschland Bier- und Brotvielfalt wie nirgendwo anders auf der Welt zusammen. Während letztere für uns fast schon selbstverständlich ist, wird flächendeckend an erster zumindest wieder gearbeitet. Nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität stehen stets im Mittelpunkt der Eule. Deshalb wird zudem künftig auch kein Reissdorfer mehr, sondern Mühlen-Kölsch von Fass serviert.

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Auch wenn die Renovierungsarbeiten erst zu 40% abgeschlossen waren stieg nun vorletzten Samstag die große „Wiedereröffnungs-Sause“. Die geschätzt 200 Gäste konnten sich dabei gleich vom neuem Konzept überzeugen. Teil des neuen Konzepts ist auch die Eule als Plattform für andere anzubieten. So boten die Kierberger Urgesteine Old Friends über zwei Stunden wirklich sehr gute Musik mit zahlreichen Zugaben.

Und auch ich durfte Teil der Sause sein und das schon sehr gute Angebot an Bier, Brot und Musik mit leckeren Bier-Cocktails ergänzen. Ein Thema, was zwar noch ein regelrechtes Nischen-Dasein fristet und von einigen „Experten“ auch verpönt wird, dass aber langsam auch an Attraktivität und Popularität gewinnt. Im Zeichen der Biervielfalt bot ich an der eigentlichen Kegelbahn zwölf Cocktails zu zehn verschiedenen Bierstilen an. Besonders beliebt waren dabei der Weißbier-Mojito, Regions-bedingt natürlich die Kölsch-Colada, der Klassiker Cerveza Libre aber erfreulicherweise auch das India Pale Gold mit IPA. Da ich zunächst mit einem konservativem Publikum gerechnet habe, hatte ich sowohl Preis als auch Auswahl beschränkt. Neben den auf meiner verlinkten Seite genannten Bier-Cocktails ist die Welt natürlich relativ unerschöpflich. Schließlich multiplizieren sich hier Bier- und Cocktail-Vielfalt in unglaublicher Größe. Die einzige Herausforderung bleibt es hier auch eine geschmackliche Verknüpfung zu finden, die harmonisiert. Erfreulicherweise kamen meine Bier-Cocktails aber besser an als ich dachte, sodass sich zwischenzeitlich sogar eine Schlange an meinem Stand bildete.

Neben den Bier-Cocktails bot ich außerdem auch noch mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier an, welches nun endlich fertig in der Flasche gereift war (über das Brauen und Abfüllen berichtete ich bereits). Auf den Namen Cerevisia M (Cerevisia für Getreidebier – M für 1.000) getauft ist es meines Wissens nach das erste Bier der Welt aus allen sieben Hauptgetreiden – dazu aber auch später an dieser Stelle mehr. Die fruchtig-würzig-süße Interpretation eines unfiltrierten Alts kam dann sogar so gut bei den Gästen an, dass von meinem mitgebrachten Kasten nur noch vier Flaschen übrig blieben. Gemeinsam mit Ralf vom Braukunst Vorgebirge genug Ansporn um die Rezeptur noch etwas zu verfeinern und mit dem Bier durchzustarten ;). Wer es verpasst hat, dem sei übrigens der nächste Biermontag (09.04.) in der Eule ans Herz gelegt, an dem das Bier Teil des schottischen Abends sein wird.

Nachdem fast alle Gäste wieder dem Heimweg angetreten hatten probierte ich mich (wo ich schon beim frevelhaften Biermischen war) wieder mal an meinem Nebenbei-Projekt Bier-Blend heran. Diesmal hatte ich Helles mit Schwarbier sowie Kölsch und Pils gemischt, welches beides schon besser war als mein erstes Schwarz-Weißbier.

Weitere Infos zur Eule und zum Biersommelier Markus Weick gibt es unter:
www.eule-kierberg.de
wordpress.99-biere.de

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/2096923857205354/permalink/2096925187205221/.

 

 

313. Himburgs BrauKunstKeller | Zagovor Konfetka

Nach dem gestrigen Imperial Stout-Highlight folgt heute die russische Version des selbigen Bierstils. Für das erste Russian Imperial Stout von Himburgs Braukunstkeller kollaborierte die Münchner Braumanufaktur Anfang letzten Jahres mit Zagovor Brewery aus Moskau. Nach original russischer Rezeptur wurden neben Caramell-, Schoko- und Röstmalzen auch Kandiszucker verwendet. Das ist auch der Grund für den Biernamen, den Konfetka ist russisch und bedeutet naheliegenderweise auf deutsch Bonbon. Der Name der Moskauer Brauerei Zagovor (rus. Заговор) bedeutet heißt übrigens so viel wie „Komplott“. Auf der Berlin Beer Week kennen gelernt wollten die beiden Brauereien mit dem 80 IBU schweren RIS genau das richtige Bier für den russischen Winter in der deutschen Hauptstadt herausbringen.

Trotz der Verwendung von Zucker darf das Bier übrigens den Schriftzug „Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot“ tragen. Meines Erachtens ein weiteres Beispiel der irrsinnigen Bier(kennzeichnungs)-Vorschriften in Deutschland. Dabei will ich nicht unbedingt etwas gegen die Verwendung von (Kandis-)Zucker im Bier was sagen – was es jedoch meiner Meinung nach nicht geben muss – aber dass dies zum Einen mit dem deutschen „Biergesetz“ übereinstimmt, da es sich hier um ein obergäriges Bier handelt, und dass man hier zum Anderen das „Reinheitsgebot“ fälschlicherweise bemüht, obwohl dort nur von Gerste und Hopfen die Rede ist, bleibt mir ein großes Rätsel.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Russian Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Roggenmalz, Kandiszucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  20°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, röstig, Kaffee- & Schokoladenaromen, holzig-harzig, leicht sauer, würzig, leichte Karamellsüße
Geschmack: großer Körper, vollmundig, ölig, sehr dunkelmalzig, röstig, trocken-bitter, leicht säuerlich, leicht alkoholaromatisch, trocken-herber Abgang
Gesamt: Gerade als Freund von dunklen Bieren bin ich den Stouts grundsätzlich angetan. Auch die heutige deutsch-russische Koproduktion ist mehr als ordentlich. In den ersten drei Kategorien gleichwertig mit dem gestrigen Highlight, fällt es im Geschmack aber leider etwas ab. Insgesamt ist es mir einfach zu bitter und säuerlich. Auch die Schoko- & Kaffeenoten kommen hier zu wenig heraus. Den verwendeten Zucker merkt man interessanterweise auch kaum heraus. Deshalb auch „nur“ summa summarum gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.himburgs.com/de.

Prost & guten Abend! 🍻

312. Hanscraft & Co. Black Nizza Motor Øl

Fleißig geht es an dieser Stelle weiter mit meiner Reihe diverser deutscher Craftbeer-Klassiker aus meinen Biertasting.Club-Bierabos. Heute am Start: Das Black Nizza Motor Øl von Hanscraft aus dem fränkischen Aschaffenburg. Dabei handelt es sich um Imperial Stout, das mit zehn unterschiedlichen Malzen gebraut wurde. Zum Einsatz kam neben Gersten- und Weizen- auch Roggen- und Hafermalz. Dieser Umstand, der Bierstil selbst, den ich sehr mag, und die Brauerei, mit der ich bisher praktisch ausschließlich positive Erfahrung gemacht habe, lassen mich hoffen, dass das heutige Bier ein erstes großes Highlight in diesem Jahr setzt. Mal schauen, ob ich meine Erwartungen zu hoch angesetzt habe

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Roggen- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  22°P
Alkoholgehalt. . . . . . 9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Aschaffenburg
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr dunkel-malzig, sehr röstig, sehr cremig, sehr karamellig, schokoladig, Kaffee, harzig, leicht waldig, leicht lakritzig, wenig bitter
Geschmack: sehr cremig, sehr weich, voller Körper, matt, zartbitter-schokoladig, etwas nach Kaffee, geringe Karamell-Süße, leicht bitter, Zartbitter-Abgang
Gesamt: Schön, wenn sich Prophezeiungen mal erfüllen. Denn tatsächlich darf ich Euch heute das bisher beste Bier des Jahres präsentieren. Es erfüllt exakt, dass was ich mir von einem Imperial Stout erwarten würde. Klare Zartbitter- und Kaffee-Aromen und dazu noch extrem cremig und weich, lässt es dem Stout-Fan keine Wünsche offen. Kein Bier von dem man mehr als 2 Flaschen trinkt, aber für einen genussvollen Abend genau das richtige. Dass dann noch alle vier europäischen Getreide verarbeitet sind, macht mich natürlich noch glücklicher. Alles in allem also herausragende 14 Pkt. (1) im Gesamt-Classement.

Weitere Infos zum Bier unter: http://hc-co.de/de/.

Prost & guten Abend! 🍻

300. 1.000 – DIE ABFÜLLUNG

Am vorgestrigen Montag konnte ich nun endlich das Bierjubiläum-Jubiläumsbier abfüllen. Nach über 2 Wochen Hauptgärung im Bottich entschieden sich Ralf und ich das Bier nun zur Nachgärung in Flaschen und Fass abzufüllen. Dafür habe ich in den letzten Wochen über vier Kästen Bierflaschen gereinigt und zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise konnte ich damit auch meinen Leergutbestand, der sich nunmal als Bierblogger anhäuft etwas reduzieren. Zusätzlich konnte ich zu Vergleichszwecken noch ein 5l-Fass von Ralf befüllen.

Nach kurzer Einweisung von ihm habe ich die Abfüllung dann in Eigenregie übernommen. Dabei wurden zunächst die beiden Gär-Bottiche (mit den unterschiedlichen Hefen) in den Abfüll-Bottich umgefüllt, um so die groben Hefesedimente von der Abfüllung fernzuhalten. Zur Karboniserung des Bieres wurde zuvor Traubenzucker aufgelöst und dem Jungbier hinzugefügt. Grundsätzlich ist das die sicherste Methode, um im Bereich des Hobby-Brauens eine saubere CO2-Erzeugung zu gewährleisten. Da es sich bei meinem Jubiläumsbier um eine Interpretation eines unfiltrierten Alts handelt – es also ein obergäriges Bier ist – ist dies sogar konform mit dem Reinheitsgebot. Aus dem Abfüllbottich wurden dann die Flaschen (bzw. das Fass) befüllt, welche dann nur noch z.T. mit Kronkorken verschlossen werden mussten.

Als Ausbeute konnten wir über 3 Kästen und besagtes Fass füllen, welche nun noch etwa 2 weitere Wochen in meinem Keller nachgären müssen.

Hier einige Impressionen:

Eine erste Geschmacksprobe des noch nicht vollendeten Bieres war zumindest schon mal trinkbar ;). Bleibt nun nur abzuwarten, wie das Bier nun nach Beendigung der Nachgärung schmecken wird. Ich bin sehr gespannt.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang nochmals an Ralf, ohne den dieses einmalige BIerexperiment nicht möglich gewesen ist. Wenn es gelungen ist, freue ich mich schon jetzt es unter die Leute bringen zu können.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

300. 1.000 – DER BRAUTAG

Wie bereits in meiner Neujahrsansprache angekündigt, habe ich mir für mein 1.000 Bier hier auf Bierjubiläum etwas besonderes ausgedacht: Mein erstes selbstgebrautes Bier. Aber es sollte nicht irgendein Bier werden, sondern ganz im Zeichen meiner Bierbotschaft eines reformierten Reinheitsgebots stehen. Auf Basis einer Interpretation eines unfiltrierten Alts, ist es das bislang erste Bier der Welt, das aus allen sieben Hauptgetreidearten gebraut wurde. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse haben alle den Weg in dieses globale und revolutionäre Bier gefunden.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, dieses historische Bier mit den Kölner Bierhistorikern zu brauen, dort ist es aber leider kurzfristig zu Komplikationen gekommen, die einen zeitnahen Brautermin nicht mehr zugelassen haben. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das aber garantiert nachgeholt. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass sich Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge sofort bereit erklärt hat, mir auszuhelfen.

Gemeinsam haben wir uns dann gestern an dieses einzigartige Brauexperiment gewagt, von dem wir sogar beide noch einiges lernen konnten. Schließlich ist das Brauen mit anderen Getreiden als Gerste und Weizen selbst für Profis eine Herausforderung, da man sehr auf Mengenzusammensetzung und Verarbeitungsform des Getreides achten muss. Da ein solches Bier eben wissentlich noch nie gebraut wurde und wir deshalb auch auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, entschieden wir uns zunächst für eine zurückhaltendere Beimengung der „anderen“ Getreiden. Etwa im Verhältnis 70% Malze zu 30% weitere Getreide kamen so diese Zutaten in den Bottich:

Münchner Malz, Pale Ale Malz, Weizenmalz hell, Röstgerste, Roggenrohfrucht, Haferflocken Großblatt, Reisvollkornflocken, Hirseflocken gold, Cornflakes ungesüßt

Besonders die Verwendung von Getreideflocken ist empfehlenswert, da diese bereits erhitzt und somit aufgeschlossen wurden. Die Röstgerste – eine besonders hochtemperiert gedarrte Form der Gerstenrohfrucht – dient vor allem der Bierfarbbildung.

Hier nun der Brauprozess kurz zusammengefasst:

  • Schroten:

Zunächst einmal ging es ans Schroten. Dabei wird das Malz derart zerkleinert, dass das Lösen der darin enthaltenen Stoffe beim Maischen erleichtert wird.

Und so sah dann das Gesamtkunstwerk der Schüttung aus.

  • Maischen:

Maischen ist das Lösen von Malzinhaltsstoffen in Wasser durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Dabei wird die Schüttung je nach Brauverfahren entweder auf verschiedene Rasten oder per Kombi-Rast mit etwa 67°C warmen Wasser aufbereitet. Da die meisten Malze heutzutage bereits sehr gut vorbehandelt sind ist ein Stufenrastverfahren praktisch nicht mehr notwendig. Daher haben auch wir uns für die einfachere Kombi-Rast entschieden, die etwa eine Stunde gehalten wird.

  • Läutern:

Ist das Maischen nach positiver Iod-Probe beendet, müssen nun die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Ersteres – nun Bierwürze genannt – wird dabei u.a. mithilfe der Spelzen der Malze und einer Siebtechnik von letzteren – dem Treber – separiert umgefüllt. Dabei wird auch etwa die Menge Wasser die bereits in der Maische in Lösung getreten ist nochmals durch den Treber geführt um am Ende die entsprechende Stammwürze zu erhalten. Würze und Treber habe ich dann übrigens später zur Weiterverarbeitung mit nach Hause nehmen können (denn damit lässt sich wunderbar Brot backen).

  • Würzekochen (mit Hopfengabe):

Ist das Läutern beendet, kann die Bierwürze nun auf Temperatur gebracht werden. Dabei wird diese nochmals etwa eine Stunde bei über 80°C erhitzt. Im Rahmen dieses Schrittes erfolgt auch die Gabe des Hopfens. Für die erste Hopfengabe hatten wir uns für den Hallertauer Tradition entschieden. Kurz vor dem Ende des Kochens kam dann noch die Hallertauer Perle hinzu. Beides Hopfen die nicht dominant und extravagant in ihren späteren Aromen sind, sodass hier klar das Malz im Fokus bleibt.

  • Würzeklärung und Kühlung:

Nachdem der Hopfen ordentlich wirken konnte ging es daran die Würze von den durchs Kochen gelösten Eiweißen und anderen Schwebstoffen zu trennen. Dies macht man durch einen sogenannten Whirlpool, indem man durch kreisende Bewegungen die Masse in eine derartige Rotation bringt, dass sich die ungewollten Stoffe in der Mitte absetzen. Dadurch, dass wir die Hopfenpellets in kleine Säckchen hineingebracht hatten, konnten wir diese ganz einfach wieder rausholen ohne, dass sie beim nun folgenden Abfüllen der Gärbottiche verstopfen könnten. Während des Klärens wird die Würze zugleich schon abgekühlt, um die richtige Temperatur für die Hefebeigabe zu erreichen.

  • Gärung:

Im letzten Schritt wird nun der abgefüllten Bierwürze die angesetzte Hefe zugesetzt und die Bottiche verschlossen. Sozusagen als Experiment im Experiment haben wir in den beiden Bottichen zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Einmal eine universelle Hefe für deutsche obergärige Biere und zum Vergleich eine etwas würzigere Ale-Hefe.

Ohne nun natürlich zu wissen, wie das fertige Bier später schmecken wird, konnten wir festhalten, dass das Brauen mit alternativen Getreiden sehr gut möglich ist und ich Stand jetzt nicht verstehen kann, warum es nicht viel stärker proBiert wird. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Erfahrung und es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Und nun heißt es warten. Schließlich braucht gutes Bier Zeit. In etwa zwei bis vier Wochen sollte die Gärphase aber abgeschlossen sein und es kann abgefüllt werden, wovon ich selbstverständlich wieder berichten werde. Dann verrate ich auch den Namen des Bieres ;).

Vielen Dank auch nochmals an dieser Stelle an Ralf für das Ermöglichen dieses einzigartigen Brauexperiments. Ohne sein Equipment, seine Zutaten, seine Räumlichkeiten und vor allem seiner Erfahrung hätte ich so spontan nie machen können. Auch wenn es noch etwas reifen muss, freue ich mich schon sehr auf mein erstes eigenes Bier.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

265. 100 Jahre Oktoberrevolution – Biere in Russland – Bierverkostung November

Poltova Bochka Nefiltrovannogo | Baltika 4 Original | Baltika 6 Porter | Courage Imperial Russian Stout | Brokantie Sour Saison | Saison de Dottignies | Pastor’ale 

Vor genau einer Woche stand wieder mal die inzwischen zum Glück zur regelmäßigen Veranstaltung vieler Bierbegeisterter aus Brühl und Umgebung gewordene Bierverkostung in der Kierberger Eule an. Thema diesmal: 100 Jahre Oktoberrevolution in Russland. Nun man sich fragen, warum das denn ein Thema für den November ist, wo es doch Oktober-Revolution heißt. Doch der Termin passt schon ganz gut. Schließlich fällt die Datierung dieses historischen Ereignisses in unserem heutigen (gregorianischen) Kalender auf Anfang November. Da aber das damalige Zarenreich noch den julianischen Kalender in Verwendung hatte ergibt sich eine Verschiebung um 14 Tagen, in denen genau der Monatswechsel fällt.

Der Oktoberrevolution, die den endgültigen Sieg der Sowjets mit der Installation der Union sozialistischer Sowjetrepubliken zementierte, gingen zwei weitere Revolutionen voraus. So ging bereits 1905 aus der damaligen Hauptstadt St. Petersburg die ersten revolutionären Unruhen aus, die jedoch noch blutig von zarentreuen Truppen niedergeschlagen wurden. 12 Jahre später im Februar (bzw. März) hatte der Zar den Widerständlern jedoch nichts mehr entgegenzusetzten und es folgte der Sturz der Monarchie im Rahmen der Niederlage gegen das deutsche Kaiserreich im ersten Weltkrieg. Die Macht übernahmen zunächst liberale und sozialistische Kräfte gemeinsam, ehe im Oktober (bzw. November) desselben Jahres die liberalen ebenfalls gewaltsam verdrängt wurden.

Das russische Bier wurde zwar nicht gewaltsam verdrängt, hat es aber trotzdem traditionell etwas schwieriger auf dem dortigen Markt. Wie auf der Karte unten erkennbar spielt vor allem Wodka die bedeutendste Rolle im Absatz alkoholischer Getränke. Doch auch das Bier holt im größten Land der Erde immer mehr auf, sodass es sich definitiv lohnt einmal einen Blick (oder vielmehr einen Schluck) drauf zu werfen. Schließlich gilt es dort seit 2011 auch als vollwertiges alkoholisches Getränk.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Sion-Kölsch an. Heute zum Haus der Kölschen Brautradition und somit zur Radeberger-Gruppe gehörend, hat es eine bedeutende Geschichte hinter sich. Nach dem zweiten Weltkrieg – als es nur noch zwei aktive Brauereien in Köln gab – entschied sich Hans Sion seine Brauerei nicht mehr in Betrieb zu nehmen, sondern es via Lohnbrauverfahren extern brauen zu lassen. Das Brauereigebäude wurde hingegen nach altem Vorbild wieder aufgebaut, jedoch nur noch als Gaststätte genutzt. Die dadurch gewonnene Zeit nutzte Sion um das Kölsch-Bier zu seiner heutigen Kölner Popularität zu verhelfen. Er vernetzte sich, fuhr durch die ganze Stadt, sprach mit Brauern und Wirtsleuten und organisierte Veranstaltungen zur Bewerbung und Vermarktung des damals noch recht neuen Kölsch. Nachdem dann der Kölsch-Boom in den 1960ern eingesetzt hatte, wirkte Sion auch entscheidend an der Aufstellung der Kölsch-Konvention 1986 mit.

Danach ging es dann aber los mit den russischen Bieren, die freundlicherweise Markus‘ Frau aus dem russischen Mix-Markt in Euskirchen eingekauft hatte. Den Anfang macht das Poltova Bochka Nefiltrovannogo Kellerbier aus dem ostukrainischen Hadjatsch. Zum Bier oder der Brauerei lässt sich selbst recht wenig herausfinden, da diese zumindest im Netz nur Infos auf kyrillisch anbietet. Es kommt zumindest jedoch aus dem Land, aus der auch die erste kommerzielle russische Brauerei eröffnete: der Ukraine.

Persönlicher Eindruck:
leicht säuerlich, süßlich, weich, malzig, wenig Frucht
würzig, ein bisschen Brauhauscharakter, etwas gemüsig, süßlich, mittlerer Körper, matt

Das nächste Bier kam von einer ungleich bekannteren russischen Brauerei – und zwar der größten des Landes. Und diejenige mit dem größten Exportanteil. So ist Baltika inzwischen auch in einigen gut sortierten Getränkemärkten, online oder aber auf Bierfesten zu haben. Während man das klassische helle Lager gemein hin kennen dürfte stellte Markus zwei wesentlich typischere russische Bierstile vor. Zum Einen das Wiener Lager. Zunächst ein Widerspruch, ist Wien doch die Hauptstadt Österreichs, zeigt die Historie jedoch, dass Wiener Lager weitaus größere Beliebtheit im ehemaligen Zarenreich erfuhren als im Habsburger Lande. Bis heute ist es neben den weltweit führenden einförmigen Lagern einer der meist getrunkensten Bierstile Russlands.

Persönlicher Eindruck:
sehr karamellig, sehr malzig, leicht röstig
spritzig, kara-süß, leicht würzig, Lakritz, süßer Abgang, vollmundiger

Zum Anderen das Porter. Genauer gesagt das baltische Porter, das im Gegensatz zum britischen Porter meist untergärig gebraut wird. In Russland hingegen wird es aus alter Verbundenheit mit der britischen Krone ebenfalls obergärig – aber trotzdem möglichst kühl – gebraut. Bereits unter Zarin Katharina wurden in der russischen Oberschicht besonders viele englische Biere getrunken. Gehalten hat sich das bis heute, so ist neben dem Wiener Lager das Porter ebenfalls sehr beliebt im westlichen Osten. Man beachte in beiden Bieren übrigens auch den Roggenmalzanteil. Baltika ist dabei ein Paradebeispiel sozialistischer Gründungs- und Aufbaumentalität. So erfolgte 1978 der Beginn des Baus der Brauerei. Doch erst 12 Jahre später 1990 konnte es eröffnet werden und wurde kurze Zeit später auch privatisiert und gehört heute zum Karlsberg-Konzern.

Persönlicher Eindruck:
sehr lakritz-süß, wenig malz-würzig
trocken-süß, Lakritz+Karamell, etwas röstig & bittere Untertöne, alkoholaromatisch

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung war ebenfalls ein wahrer russischer Klassiker: DAS Russian Imperial Stout. Ebenfalls ein Beleg der bierigen Verbindung der beiden auch verwandtschaftlich verknüpften Monarchien aus Russland und England. So war es die ehemalige Anchor Brewery aus London (nicht zu verwechseln mit der heutigen Anchor aus San Fransisco) die unter dem Namen Courage, Barcley & Co. Ltd. 1781 das erste Imperial Stout für Russland brauten. Bis heute gilt es als das stilbildende Bier für diesen Bierstil. Zwar gibt es die Courage Brewery heute nicht mehr, dafür wird das Bier von Marston’s weiter gebraut und vertrieben. Übrigens: Courage war Anfang des 19. Jahrhunderts einmal die größte Brauerei der Welt. Übrigens, die 2.: Das von Markus angebotene Bier war Jahrgang 2013. Auf den ersten Blick also „abgelaufen“ oder Vintage, ist es sogar aber fast zu frisch. Schließlich wird für dieses Bier eine Lagerung von 7-8 Jahren vor der Öffnung empfohlen.

Persönlicher Eindruck:
sehr süß, karamellig, Lakritz, matt, trocken-malzig, spritzig
Kaffee, Schokolade, sehr vollmundig, röstig, ölig, alkoholaromatisch, leicht weinig
-> „Die Antithese zum Kölsch!“

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere der Biere aus der „offiziellen“ Verkostung sieht unter Nicht-Berücksichtigung des Kölsch dann wie folgt aus:

Interessant ist im Rahmen der russischen Biergeschichte auch, dass die weltweit anerkannten Bierstilnamen während des kommunistischen Sozialismus (oder sozialistischen Kommunismus) umgetauft wurden. So wurde zum Beispiel aus dem Münchner Dunkel das Ukrainskoe und aus dem Pilsner wurden je nach Alkoholgehalt gleich drei unterschiedliche Biernamen: Russkoe, Moskovskoe oder Leningradskoe:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung proBierten wir dann noch folgende Biere in der Runde:

  • Brokantie Sour Saison:
    – obergärig; 5,3%
    – von der Kreativbrauerei Orca aus Nürnberg
    – sehr säuerlich, feinperlig, wenig Körper, geringer Abgang
    http://www.orcabrau.de/

  • Saison de Dottignies:
    – obergärig; 5,5%
    – aus der Brasserie De Ranke in Dottignies (Dreiländereck Frankreich-Flamen-Wallonien)
    – leicht säuerlich, etwas süßlich & Gewürzig, trocken, herb

    https://www.deranke.be/en/bier/saison-de-dottignies

  • Pastor’ale:
    – obergärig; 8,5%
    – Tripel der Brouwerij van Steenberge aus dem flandernschen Ertvelde
    – aus Gersten-, Weizen & Hafermalz

    – gewürzig, säuerlich, süßlich, weich, kein Karamell, feinperlig, lecker
    https://www.vansteenberge.com/en/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Kwas [квас] – Russisch Braun [ру́сский бу́рый]

Nach dem vorgestrigen hellen Kwass möchte ich mich heute an die dunkle Variante wagen. Grundsätzlich ist diese auch in Russland inzwischen weniger verbreitet, da sie weniger spritziger und erfrischender wirken soll. Historisch ist sie aber der Original-Kwass, da dieser zunächst aus Überresten von Roggensauerteigen entstanden ist, die durch umherfliegende Hefen angesteckt wurden. Im Gegensatz zum hellen Kwass soll der dunkle deutlich malziger und weniger fruchtiger schmecken und so an ein Malzbier erinnern.

Deshalb bin ich gespannt, ob diese industrielle Interpretation zumindest so gut wie das helle schmeckt. Skeptisch machen mich da die vielen Zusatzstoffe zur Säureregulierung und Konservierung mit den wohlklingenden E-Nummern. Offensichtlich scheint der Original-Kwass doch zu exotisch zu sein, um ihn auch in Deutschland anbieten zu können.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kwass
Brauart
. . . . . . . . . . . spontangärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Zucker, Glukose-Fructose-Sirup, Roggen- & Gerstenmalz, Hefe, E330, E202 & E211
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <1,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Litauen
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Geruch: karamell-malzig, süß, ganz leicht röstig, wenig schokoladig
Geschmack: malzig-süß, leicht fruchtig, getreidig, bisschen spritzig, leicht angeröstet, trocken-süß-getreidiger Abgang
Gesamt: Auch der dunkle Kwass überrascht mich mit einem absolut annehmbaren Geschmacksprofil. Für meinen Gaumen bei der dunklen Note zwar etwas zu süß, aber durchaus ebenfalls eine interessante Alternative zum deutschen Malzbier. Allerdings muss auch klar kritisiert werden, dass der Einsatz von künstlichen Zusatzstoffen definitiv nicht zu unterstützen ist. Es ist wie schon erwähnt wohl aber darauf zurückzuführen, dass das Produkt an den hiesigen Markt angepasst wurde. Dies bestätigen auch einige, die bereits in Ostslawien dortigen (oder selbst hergestellten) Kwass probieren konnten.

Prost bzw. Ва́ше здоро́вье!

 

1st Anniversary – 1 Jahr Craftbeer Corner Coeln

CCC Veedels Maggel | Cantillon Rosé de Gambrinus | Moor Nor’Hop | Jackie O’s Oil of Aphrodite | Omnipollo Triple Mango Crème Brûlée Lassi Gose | Magic Rock Kentucky Common Grounds | Omnipollo Original Ice Cream Pale Ale | Freigeist Bierkultur + Stillwater Artisanal AMIS | Freigeist Bierkultur + Jester King Sing Along Deathmatch | CCC Heinenhof ZA II RIS

Während ganz Deutschland unter der Woche 500 Jahre Reformation feierte, beging die Craftbeer Corner Coeln am letzten Wochenende ihren ersten Geburtstag. Vor genau einem Jahr startete die erste Craftbeer-Bar der westdeutschen Millionenstadt, welche ursprünglich aus einer Verkaufsecke für Craftbier im Hürther Getränkemarkt M&C hervorgegangen ist. Kennengelernt hatte ich die Jungs passenderweise bereits am Tag der Tage für das Bierjubiläum, dem 500. Geburtstag des „Reinheitsgebots“, bei der Craftbeer Messe in Walberberg. Auf Basis ihrer Erfahrung und ihres Netzwerkes, was sich die drei Köpfe in den Jahren zuvor angeeignet und erarbeitet haben, wagten sie den längst überfälligen Schritt in der Domstadt endlich auch ein Taphouse mit Craftbier zu eröffnen. Während Berlin, Hamburg, München und sogar Düsseldorf bereits versorgt waren zog vor einem Jahr endlich auch Köln nach. Mein erster Besuch war im Januar diesen Jahres mit meinem Kollegen auf ein bis 10 Feierabendbierchen. Schon damals wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht, auch wenn man noch merkte, dass es hier und da noch etwas improvisiert wirkte. Zwei weitere Besuche später hat sich die CCC definitiv im Kölner Nachtleben etabliert, wie die Zahlen unten verdeutlichen. Und es ist weiterhin eine der wenigen Orte, wo man in Köln Craftbier vom Fass genießen kann, insofern man das ein oder Kölsch oder Hausbier nicht dazu zählt.

Mit meinem Biersommelier des Vertrauens Markus Weick machte ich mich also letzten Samstag Nachmittag nach Köln auf. Glücklicherweise öffnete die Corner bereits um 15Uhr, sodass ich es familienbedingt auch noch hingeschafft hatte. Da auch Markus Abends wieder nach Brühl zur seiner Eule zurück musste, waren wir eine der ersten Gäste und hatten somit auch das Glück vom 10l-Stichfass Maggel-Freibier etwas abzubekommen. Anlässlich des 1. Geburtstags haben die Jungs ihr erstes und inzwischen bekanntes Bier Wieß etwas stärker einbrauen lassen. Im schön geschmückten Ambiente und feierlicher Stimmung proBierten wir uns daneben einmal quer durch die Zapfkarte, wobei wir uns jeweils ein Bier teilten. Später stießen wir dann zur Gruppe der Kölner Bierhistoriker, die sich inzwischen auch in der Corner eingefunden hatten. Hierbei handelt es sich um einen mehr oder weniger kleinen Verein aus Hobbybrauern, die sich der Erforschung und dem Erhalt historischer Bierstile verschrieben haben. Dabei gibt es schon Patenschaften für etwa 20 fast ausgestorbene Bierstile, die nun wieder aufgelebt werden. Im Rahmen des Vereins hat sich zuletzt auch die Mikrobrauerei Craftbeer Creations Cologne (also witzigerweise ebenfalls CCC) am Heinenhof in Pulheim herausgebildet, in der nun etwas kommerzieller historische Biere gebraut und verkauft werden.

Hier ein paar interessante Zahlen und Fakten nach einem Jahr CCC auf einen Blick zusammengefasst:

  • >3500 Abonnenten auf Facebook,
  • >1800 Follower auf Instagram,
  • Top 3 Nominee – Bestes Bier Konzept 2017
  • Top 10 Bier, Bars & Brauer 2017,
  • ratebeer.com Bewertung 90,
  • >4800 untapped Checkins,
  • >570 Biere ausgeschenkt,
  • 29 Tastings & Verkostungen,
  • 3 Braukurse,
  • unglaubliche 23 Tap Takeover

Bierfacts:

  • CCC Veedels Maggel:
    – obergärig; ?%
    – stärkere Version (Imperial) des hauseigenen Wieß
    – zum Geburtstag war das 10l-Stichfass Freibier
    – würzig, frisch, herb, vollmundig, sehr lecker gehopft
    – wirklich sehr gelungen

  • Cantillon Rosé de Gambrinus:
    – spontangärig; 5,5%
    – Fruchtlambic, bei dem Himbeeren zur Mazeration hinzugefügt wurden
    – von der Brüsseler Brasserie aus Anderlecht mit angeschlossenem

    Musée Bruxellois de la Gueuze
    – neben dem klaren Fruchteinschlag ziemlich trocken sauer
    https://www.cantillon.be/rose-de-gambrinus?lang=fr

  • Moor Nor’Hop:
    – obergärig; 4,1%
    – leichtes (Ultra) Pale Ale
    – „Modern Real Ale“ von der 2007 gegründeten Brewery aus dem englischen Bristol
    – etwas bitter & trocken aber locker-leicht
    http://www.moorbeer.co.uk/ourbeers/

  • Jackie O’s Oil of Aphrodite:
    – obergärig; 10%
    – Double Stout mit Walnüssen gebraut und in Bourbon-Fässern gereift
    – seit 2005 aus dem US-amerikanischen Athen in Ohio
    – als Überraschungsgeschenk für einige Gäste
    – wirklich der extremste Geschmack nach Whisk(e)y & Süßholz, den ich je geschmeckt habe
    http://jackieos.com/brews/oil-of-aphrodite/

  • Omnipollo Triple Mango Crème Brûlée Lassi Gose:
    – obergärig; 7%
    – Gose mit Mango, Laktose & Vanille eingebraut
    – von der schwedischen Kuckucks-Brauerei, die das Bier von Buxton im englischen Derbyshire brauen ließ
    – alle Zutaten sind klar herausschmeckbar, erstaunlich wenig Säure aber viel Süße
    http://www.omnipollo.com/beer/

  • Freigeist Bierkultur + Stillwater Artisanal AMIS:
    – spontangärig; 8,5%
    – Lichthainer (Rauch-Gose) mit Aprikosen und Champagner-Hefe angesetzt
    – in Kooperation von Freigeist aus Stolberg & Stillwater aus Baltimore (Maryland) (Gründung 2010)
    – süß-sauer, leicht fruchtig, gewürzig & nach Gemüse schmeckend
    http://stillwater-artisanal.com/works.html

  • CCC Heinenhof ZA II RIS:
    – obergärig; 8,8%
    – Imperial Stout aus der Mikrobrauerei Heinenhof in Pulheim-Orr, die vor Kurzem ihren Betrieb aufgenommen hat
    – hervorgegangen ist diese aus dem Verein der Kölner Bierhistoriker
    – Mitbringsel von Michael aus dem Heinhenhof
    – das CCC ist nicht mit Craftbeer Corner Coeln zu verwechseln, sondern steht hier für Craftbeer Creations Cologne 😉
    – Aromen von Kaffee, Kakao, Fassreifung, Röstmalz, mehr süß als sauer
    https://www.heinenhof.de/mikrobrauerei/

Fazit:

Inzwischen weiß man ja schon was man gutes an der CCC hat. Aber das Geburtstagsfest war doch nochmal etwas anders, da feierlicher und interaktiver. Es war schön sich mit den Jungs und den Kollegen der Kölner Bierhistoriker auszutauschen und mal wieder unter Biernerds bierig fachzusimpeln. Auch die Biere und Bierüberraschungen waren wie immer sehr gelungen, hochwertig, interessant und lecker. Gerne war ich also Teil dieses ersten Geburtstagsfestes und wünsche der CCC nochmals nachträglich alles bierige Gute und viele weitere erfolgreiche Jahre. Und wenn Ihr auch mal diese Biervielfalt in Köln live erleben wollt, kann ich euch die Corner nur wärmstens ans Bierherz legen.

¡Craftbier für Coeln!

Mehr zur Veranstaltung unter: https://www.facebook.com/events/322598458213331/.

Weitere Informationen zur CCC unter: http://www.craftbeercorner.de

242. O‘ zapft is – KALEA Beertasting.Club-Verköstigung I.

Am vergangenen Brücken- (oder wie man in Österreich sagt Fenster-) Tag zum Tag der Deutschen Einheit, hatten sich Alex & Nils beim mir in Brühl eingefunden, um mir bei der Tilgung meines gewonnenen Beertasting.Club-Bierabos von KALEA zu helfen. Zudem gab es noch das ein oder andere „externe“ Bier. Und professionell wie wir nunmal sind, wurde jedes verkostete Bier natürlich auch standardisiert beschrieben und bewertet. Dabei haben wir uns an dem Bewertungsschema vom Beertasting Club orientiert und für die vier Kategorien Flasche, Optik, Geruch und Geschmack jeweils in der Bandbreite von einem halben bis zu fünf Sternen bzw. Punkte vergeben.

  • Bucher Festbier:
    – 5,6%; untergäriges Märzen
    – seit 1843 in 5. Generation geführte Familienbrauerei aus Grafenau im bayrischen Wald
    – 8,5 von 20 Pkt. (M)
    http://www.bucher-braeu.de/de/produkte/bier/spezialitaeten.html
  • Höss o‘ zapft is!:
    – 5,2%; 13.5°P; untergäriges Märzen
    – von der Höss Brau- und Vertriebs GmbH & Co. KG, die auf der Privatbrauerei Hirschbräu von 1657 aus Sonthofen beruht
    – 12,5 von 20 Pkt. (M)
    http://www.hoess-bier.com/produkte/
  • Hoepfner Pilsner:
    – 4,7%; untergäriges Pils
    – von der 1798 gegründeten Karlsruher Privatbrauerei
    – gebraut und abgefüllt wird bis heute in der 1896 erbauten „Hoepfner Burg“ in der Karlsruher Oststadt
    – 11 von 20 Pkt. (M)
    http://www.hoepfner.de/bierspezialitaeten/sorten/pilsner.html
  • Müllerbräu Neuöttinger Festbier:
    – 5,6%; 11.8°P; untergäriges Märzen
    – von der 1768 gegründeten Privatbrauerei aus Neuötting in Oberbayern
     die Brauerei verkauft übrigens auch viele interessante Bierartikel
    – 15 von 20 Pkt. (M)
    http://www.muellerbraeu.de/willkommen.html
  • Wacken Walküren-Schluck:
    – 7,8%; 20°P; obergäriges Nordic Strong Ale
    – „Beer of the Gods“ von der 2016 gegründeten Craft-Brauerei aus dem bekannten Metal-Dorf Wacken in Holstein
    „In der nordischen Mythologie sammeln die Walküren die gefallenen Krieger vom Schlachtfeld und bringensie nach Walhalla, der Festhalle des Göttervaters Odin“
    – 15 von 20 Pkt. (M)
    http://www.wacken.beer/walkuerenschluck/
  • AndUnion Friday:
    – 6,5%; 16°P; obergäriges (über-)IPA
    – von der seit 2007 für ihr minimalistisches Äußeres bekannten Gypsi-Brauerei aus München
    – „Modernist Bavarian Craft Beer“
    – 14,5 von 20 Pkt. (M)
    http://www.andunion.com/de/product/friday/
  • Störtebeker Polar-Weizen:
    – 9,5%; obergäriger Weizenbock
    – von der 2011 umfirmierten Braumanufaktur aus Stralsund, welche aus der 1827 gegründeten Stralsunder Vereinsbrauerei  hervorging
    – Eisbock basierend auf dem Bernstein-Weizen
    – 18 von 20 Pkt. (M)
    https://www.stoertebeker.com/de_de/polar-weizen/
  • Jopen RPA Jakobus:
    – 5,5%; 13°P; obergäriges India Pale Ale
    – von Jopen-Craft-Brauerei aus dem niederländischen Haarlem
    – benannt nach der Jopenkerk, in der das Bier seit 2011 hergestellt wird
    – mit Roggen eingebraut
    – 15,5 von 20 Pkt. (M)
    https://www.jopenbier.nl/en/bieren/jopen-jacobus-rpa/
  • AleMania Sommer Saison:
    – 5,5%; obergäriges Saisonbier
    – neuestes Bier aus dem Bonner Hause AleMania
    – trotz schon sehr herbstlichem Wetter lecker hopfig-würzig und rund
    – http://www.ale-mania.de/
  • Hohenthanner Festbier:
    – 5,8%; 13.5°P; untergäriges Märzen
    – aus der Schlossbrauerei zu Hohenthann im Hopfenanbaugebiet Hallertau (gegründet 1864)
    – 16 von 20 Pkt. (N)
    http://www.hohenthanner.de/biere.php
  • Wacken Baldur:
    – 5,5%; untergäriges (Nordic) Märzen
    – „Beer of the Gods“ von der 2016 gegründeten Craft-Brauerei aus dem bekannten Metal-Dorf Wacken in Holstein
    „Baldur steht symbolisch für den Sommer, für Licht, für Wärme und die Lebensfreude. Sein Tod läutet den kommenden Winter ein. Aber Baldurs Rückkehr am Ende der Ragnarök ist gewiss.“
    – 13,5 von 20 Pkt. (N)
    http://www.wacken.beer/baldur/
  • Einsiedler Landbier:
    – 5%; untergäriges Dunkel
    – vom 1885 gegründeten Einsiedler Brauhaus aus Chemnitz
    – 12,5 von 20 Pkt. (N)
    http://www.einsiedler.de/biere.html
  • Rügener Inselbrauerei Baltic Dubbel:
    – 8,5%; obergäriges Dubbel
    – von der Rügener Craft-Brauerei in Rambin
    – mit Roggenmalz eingebraut
    – 13 von 20 Pkt. (N)
    https://insel-brauerei.de/shop/index
  • Camba Hop Gun:
    – 6,4%; obergäriges Brown Ale
    – aus der 2008 gegründeten Craft-Brauerei in Seeon am Chiemsee
    – 11 von 20 Pkt. (N)
    http://www.camba-bavaria.de/internationale-biere/camba-hop-gun/
  • Erlbräu Imperator:
    – 8,5%; untergäriger heller Doppelbock
    – vom 1871 Erlkönig aus Geiselhöring in Niederbayern
    – Jubiläumsedition zur Feier von 145 Jahren Erl-Bräu und 500 Jahren bayerischen Reinheitsgebots
    – 12,5 von 20 Pkt. (N)
    http://www.erl-braeu.de/brauerei/imperator
  • Weihenstephan Kristall Weizenbock:
    – 7,5%; 16,3°P; obergäriger Kristallweizenbock
    – aus  der vermeintlich ältesten Brauerei der Welt in Freising
    – wirklich seltener Bierstil, der sich an eine Version aus den 1950ern anlehnt
    – 12 von 20 Pkt. (N)
    https://www.weihenstephaner.de/de/unsere-biere/kristallweizenbock/
  • Erlkönig Festbier:
    – 6,1%; untergäriges Märzen
    – von der Landbrauerei Ludwig Erl (gegründet 187) aus Geiselhöring in Niederbayern
    – 9 von 20 Pkt. (A)
    http://www.erl-braeu.de/brauerei/volksfestbier
  • Distelhäuser Lucky Hop IPA:
    – 7,7%; 17°P;  obergäriges India Pale Ale
    – aus Craftbier-Segement des Distelhäuser Brauhauses in Tauberbischofsheim (Gründung 1811)
    – 11 von 20 Pkt. (A)
    https://www.distelhaeuser.de/unser-bier/craft-biere/#tab-accordion3
  • Perlenzauber German Pale Ale:
    – 5,4%; obergäriges Pale Ale
    – aus der Schlossbrauerei zu Hohenthann im Hopfenanbaugebiet Hallertau (gegründet 1864)
    – ganz frisch auf dem Markt
    – 16 von 20 Pkt. (A)
    https://www.ratebeer.com/beer/hohenthanner-schlossbrauerei-perlenzauber-german-pale-ale/553973/
  • Welde Hop Stuff:
    – 5,6%; untergäriges Kellerbier
    – von der Kreativbierbrauerei Welde aus Plankstadt-Schwetzingen in BaWü
    – mit Ella & Equinox hopfengestopft
    – 9 von 20 Pkt. (A)
    http://shop.welde.de/craft/welde-hop-stuff.html
  • Kauzen Winter-Weisse:
    – 7,1%; 16.8°P; obergäriger Weizenbock
    – vom bis 1809 zurückgehenden Kauzen-Bräu im fränkischen Ochsenfurt
    – 12 von 20 Pkt. (A)
    http://www.kauzen.de/2_biere.php
  • Buddelship Mitschnagger:
    – 5,3%; 12.9°P; untergäriges Pils
    – von der Kreativbierbrauerei Buddelhsip aus Hamburg
    – 12 von 20 Pkt. (A)
    http://www.buddelship.de/biere
  • AndUnion Beast of the Deep:
    – 6,5%; untergäriger Bock
    – von der seit 2007 für ihr minimalistisches Äußeres bekannten Gypsi-Brauerei aus München
    – „Modernist Bavarian Craft Beer“
    – 4 von 20 Pkt. (A)
    http://www.andunion.com/de/product/beast/
  • Schlossbrauhaus Schwangau Helles:
    – 4,8%; untergäriges Helles
    – aus der gleichnamigen Brauerei im oberallgäuischen Schwangau
    – exclusiv aus dem Brauhaus vor Ort mitgebracht
    – 8 von 20 Pkt. (A)
    http://www.schlossbrauhaus.de/brauerei/

Zusammenfassend also ein sehr intensiver Bier-Abend mit vielen unterschiedlichen Bieren, die einem wieder aufgezeigt haben wie groß die Bierwelt alleine im deutschsprachigem Raum ist. Auch haben wir gemerkt, dass acht Biere pro Person ein gutes Limit ist, über dem hinaus kaum eine verwertbare Bewertung mehr möglich ist. Selbstverständlich sind alle Bewertung hier höchst individuell und auch kein Durchschnitt unserer drei Meinungen, sondern nur jeweils des „Hauptverkosters“. Danke also nochmals an Alex und Nils für die tatkräftige Unterstützung und auch das Beisteuern des ein oder anderen weiteren Bieres.

Danke aber auch an meine liebsten Schwiegereltern für die beiden mitgebrachten Biere aus dem Allgäu-Urlaub.

Fazit: Das Leben ist zu kurz für Industrie-Biere, genießt mehr privates Handwerk!

233. Himmerod Abteibier

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Epilog zu meiner Jahresreihe beginnen. Es ist ein Gastgeschenk von meinem ehemaligen Co-Autoren Nils aus Osnabrück. Dabei ist es ein Bier, dass wohl eher meine (neue) Heimat repräsentiert. Schließlich wird es von der Brasserie de l’Abbaye du Val-Dieu in Belgien für die Abtei Himmerod aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich in der schönen Eifel gebraut. Das zwischen Großlittgen und Eisenschmitt gelegene Kloster wurde bereits 1134 gegründet. Nachdem es infolge der Napoleonischen Okkupation 1802 zwangsenteignet, geschlossen und dem Verfall preisgegeben wurde, konnte es 1922 durch die Mönche der Abtei Marienstatt aus dem Westerwald wieder neu errichtet werden. Der Ort Himmerod erlangte zudem weltweite Bekanntheit als dort 1950 mit der Himmeroder Denkschrift der Grundstein für die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik gelegt wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Abteibier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Großlittgen [Aubel / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: spritzig, bitter-sauer, würzig-harzig, leicht karamellig
Geschmack: bittersüß, alkoholaromatisch, säuerlich, schwerer Körper, öliger unsüßer Abgang
Gesamt: Also irgendwie hatte ich mir dieses Abteibier anders vorgestellt. Klar, jede Bewertung hier ist immer vom tagesaktuellen Geschmack abhängig, aber heute scheint es geschmacklich einfach nicht zu passen. Zu bitter, zu sauer und vor allem zu unrund ohne roten Faden. Auch den Roggen und die Gerste vermag ich nicht herauszuschmecken. Im Gegenteil – auch ohne Sommelier-Kenntnisse – will ich behaupten, dass mir hier einige Fehlaromen entgegenkommen. Deshalb trotz guter anderer Bewertung in der Summe nur 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.abteihimmerod.de/klosterbetriebe/klosterladen/klosterprodukte/.

Prost!

218. Kees Double Rye IPA

Nach einem schönen aber wie immer auch recht anstrengenden Familien-Wochenende gönne ich mir heute Abend ein Roggen-IPA. Genauer gesagt ein Doppel-Roggen Imperial IPA. Ausgewählt im Rahmen meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ ist es in vielerlei Hinsicht spannend. Zum Einen ist es das erste Bier der noch relativ jungen niederländischen Craft-Brauerei Kees, zum Anderen ist es auch mein erstes Imperial IPA mit Roggen. Außerdem kommt es aus Middelburg in Zeeland – der Urlaubsregion meiner früheren Jahre.

Nachdem der heutige Braumeister im Rahmen des Studiums 1996 mit dem Heimbrauen in Berührung kam packte ihn derart die Faszination für Biere außerhalb des Mainstreams, dass es bis 2007 schaffte Meister-Brauer in der Emelisse Kamperland-Brauerei zu werden. Weitere sieben Jahre und viele Brauerfahrungen später, wagte er den Schritt in eine eigene Brauerei.

„All our beers are crafted with a passion for brewing and to delight our discerning beer-loving customers.“

Inzwischen ist das Kees in gut sortierten Getränkemärkten fast schon zum Teil des Standard-Sortiments geworden, sodass es Zeit wird endlich auch mal was vom leidenschaftlich gebrauten Bier zu probieren. Das Roggen-IPA verspricht derweil folgenden Steckbrief:

„With a spicy, earthy and dry character!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Middelburg / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: lecker grasig, fruchtig, hopfig, leicht bitter, trocken, karamell-malzig, spriztig
Geschmack: erstaunlich süffig und klar, trocken-bitter, karamell-malzig, Noten von Gras und Frucht, trotzdem auch ein wenig ölig im Abgang, Alkoholaroma gerade so nicht störend, sondern interessant
Gesamt: Wahrlich ein hervorragendes Bier. Ein tolles Zusammenspiel von Karamell-Malzen, klassischen IPA-Hopfen und der Roggenrohfrucht, die dem Ganzen ihren Stempel aufdrückt. Während gewöhnliche IPAs eher hopfig-fruchtig daherkommen, ist das Imperial-Roggen-IPA klar süßlich, trocken-bitter und grasig geprägt. Zudem schafft es Kees das Alkoholaroma an der Grenze der Verträglichkeit zu behalten. Insgesamt deshalb fast sehr gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brouwerijkees.nl/Double_Rye_IPA_-_English.html.

Prost!

Bierfest Osnabrück 2017

Neben der Bierbörse in Bonn stand letztes Wochenende auch parallel das vierte Bierfest in Osnabrück an. Dahinter steckt das gleiche Konzept wechselnder Städte als Ausrichter eines im Jahresverlauf wandernden Bierfestes. Bei ca. 250 Bieren und 24 Ausstellern zwar quantitativ kleiner als diese, dafür mit etwas mehr Qualität im Bierfass. So gab es weniger von den großen Biermarken und deutlich mehr Auswahl an kreativen Handwerksbieren. Neben Münsteraner Regionalbier, diversen deutschen Bierklassikern, einen italienischen, afrikanischen und osteuropäischen Stand sowie dem ein oder anderen Craft-Brewer gab es erfreulicherweise auch den längsten Craft-Bier-Tresen Osnabrücks mit vielen unterschiedlichen teils auch mir unbekannten Bieren an insgesamt knapp 40 Zapfhähnen. Noch vor Bierjubiläum-Zeiten war ich bereits beim 2. Bierfest in meiner alten Studentenheimat Osnabrück. Der schon damalige gute Eindruck und die vielversprechende Bierauswahl waren also Grund genug dieser Stadt und meinen (Bier-)Freunden Alex und Nils endlich mal wieder einen Besuch abzustatten.

Hier eine kleine Überblicks-Impression vom Bierfest auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus und der Marienkirche:

Folgende Biere haben es  dabei in unsere Auswahl geschafft:

  • Finne Hell:
    – kalt gehopft; 4,9%; untergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – klasse Bier
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne Pale Ale:
    – mit seltenen Hopfen versetzt, 6,1%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – perfekt für den Pale-Ale-Beginner
    http://www.finne-brauerei.de/biere/
  • Finne IPA:
    – 6,6%; obergärig
    – aus der neuesten 2016 gegründeten Münsteraner Bio-Brauerei Finne
    – „charaktervoll, kreativ, individuell & nachhaltig“
    – hopfig, würzig, fruchtig
    http://www.finne-brauerei.de/biere/

  • Zapfwerk Kaffee Pivo:
    – dunkles Lager mit Kaffee aus Tschechien leider ohne nähere Erläuterung oder Beschreibung
    – Geruch wie Eiskaffee, Geschmack nicht mehr so toll
  • Pivot Bernard Černá Lavina:
    – 5%; untergärig
    – Dunkel von der 1597 gegründeten Rodinný Pivovar Bernard aus Humpolec in der Tschechischen Republik
    – süffig nach Schokolade
    https://www.bernard.cz/en/beer/assortment/draught-beer/10.shtml
  • Zlatý Bažant ’73:
    – 4,5%; untergärig
    – Pilsner der 1964 gegründeten Brauerei Zlatý Bažant aus Hurbanovo – inzwischen jedoch von Heineken-Slowakei produziert
    – malziges Lager
    http://www.zlatybazant.sk/73

  • Red Church Brick Lane Lager:
    – 4,7%iges India Style Lager (untergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – malzig & hopfig-grasig zugleich
    http://www.redchurch.beer/
  • Red Church Great Eastern IPA:
    – 7,4%iges India Pale Ale (obergärig) aus dem Londoner Stadtteil Bethnal Green
    – Gründung der Brauerei war 2011
    – klassisches Maracuja-IPA
    http://www.redchurch.beer/

  • Windhoek Lager:
    – 4%; untergärig
    – die Brauerei Namibia Breweries Ltd. wurde 1920 von Carl List & Hermann Ohlthaver in Windhoek gegründet und firmierte zwischenzeitlich als South West Breweries
    – wohl bekanntestes Bier aus der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia
    – „brewed according to the German Purity Law of 1516“
    – irgendwie nichtssagend
    http://www.nambrew.com/portfolio/windhoek-beer
  • Gulder Lager:
    – 5,2%; untergärig
    – seit 1970 durch die Nigerian Breweries PLC (Heineken-Gruppe) in Lagos gebraut
    – wie fast jedes Nigerianisches Bier mit einem Anteil Hirse (Sorghum) gebraut
    – leicht süß-sauer
    http://nbplc.com/brands.html#
  • Owusu Dark:
    – 6,5%; obergärig
    – „Voodoo“-Stout nach einen Rezept aus Benin (dem früheren Dahomey) – gebraut für das Haus der 131 Biere durch die belgische Brouwerij Strubbe
    – „Good for Love Makers“
    – leicht karamellig
    http://www.biershop-hamburg.de/Owusu-Dark

  • Murphy´s Irish Red:
    – 5%; obergärig
    – Brauerei ursprünglich 1856 im irischen Cork gegründet
    – das Bier wurde bei der Übernahme der Brauerei 1983 durch Heineken für den Export eingeführt, da Stouts in „Übersee“ nicht sehr beliebt waren
    – durch Heineken-Nederlands in Zoeterwoude produziert
    http://www.murphys.com/beer/murphys-irish-red/
  • Newcastle Brown Ale:
    – 4,7%; obergärig
    – seit 1927 durch die 1890 zusammengeschlossene Brauerei Newcastle Breweries Ltd. im englischen Newcastle upon Tyne gebraut
    – nach der Übernahme durch Heineken in 2008 nun gebraut in Tadcaster durch John Smiths (Heineken UK)
    – bis 2007 war die Marke eine geschützte geographische Angabe
    – Marktführer bei britischen Ales
    – schlechteres Braunes als das deutsche Pendant
    http://www.newcastlebrown.com

Und an der längsten Biertheke Osnabrücks standen dann abschließend noch diese Biere auf dem Programm:

  • A quick one while she´s waiting:
    – NEIPA (6%; obergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Fürst Wiacek (Kuckucks-)Brauerei aus Berlin, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Lukasz Wiacek & Georg Fürst
    – Frucht-Cocktail aus Maracuja & Ananas, sehr lecker
    http://www.fuerstwiacek.com
  • Spree Coast IPA:
    – 17°P; 6,9%; obergärig
    – von Berlins erster Handwerks-Brauerei Lemke (gegründet noch in 1999)
    – normal südfruchtiger Eindruck
    https://shop.lemke.berlin/products/spreecoast-ipa-0-33l
  • Tropical Pale Ale:
    – American Pale Ale (5,9%; obergärig) von der Boulevard Brewing (gegründet 1989)aus Kansas City / Missouri (USA)
    – die Brauerei stellt auch ein Golden Ale in American Kölsch-Style her
    – würzig, leicht trocken und schön malzig
    https://www.boulevard.com/beerinfo/tropical-pale-ale/
  • 24/7:
    – India Style Lager/Helles (6,1%; untergärig)
    – von der dieses Jahr gegründeten Frau Gruber (Kuckucks-)Brauerei aus Augsburg, aber gebraut in der Old Factory von Camba Bavaria in Gundelfingen
    – hinter der Marke stecken Matthias Gruber & Enzo Frauenschuh – ersterer studierte Brauwesen in Weihenstephan, letzterer baute den Craft-Bier-Großhandel Liquid Hops auf
    – überdurchschnittlich fruchtig
    http://www.fraugruber-craftbrewing.com/
  • Trainingslager:
    – 12°P; 5%; untergärig
    – von der 2014 gegründeten Mashsee Brauerei vom Hannoveraner Maschsee
    – gebraut im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen an der Grenze von Bayern und Hessen
    – würzig & saurer
    https://www.mashsee.de/startseite/
  • Even More Jesus:
    – Imperial Stout (12%; obergärig)
    – aus der Gipsy-Brauerei Evil-Twin in Brookly / New York (USA)
    – gebraut durch die Westbrook Brewing in Mount Pleasant / South Carolina (USA)
    – gegründet jedoch durch zwei Dänen in Hinnerup (Dänemark)
    – sehr lecker nach Kaffee und Schokolade
    http://www.eviltwin.dk/Even-More-Jesus

Nach diesem feucht-fröhlichen und vielfältigen Bier-Ausflug gab es schließlich noch zu Hause als Absacker folgende Bierspezialitäten:

  • Spar Pilsner:
    – 4,6%; untergärig
    – von Carlsberg in Kopenhagen (Dänemark) für die Supermarkt-Kette Spar hergestellt
    – Mitbringsel aus Alex‘ kürzliche Urlaubsreise
    – wie zu erwarten relativ geschmacks- und ausdrucksarm
    https://spar.dk/
  • Onkel Albert Roggen-Saison:
    – 12°P; 5,8; obergärig
    – aus dem 2014 gegründeten Düsseldorfer Hause Onkel
    – gebraut durch De Proef Brouwerij in Lochristi-Hijfte (Belgien)
    – eingebraut mit Roggenflocken nach dem Freiheitsgebot
    „ONKEL Albert ist ein klassisches Saison nach wallonischem Vorbild – hopfig, knochentrocken und würzig/pfeffrig im Geschmack.“
    – wirklich hervorragende Alternative zum Pils mit vielfältigen Aromen von Würze, Hopfen oder Gras mit Ambitionen auf einen diesjährigen Treppchenplatz im Bierjubiläum-Ranking
    http://mein-onkel.de/biere/onkel-albert/
  • Gruthaus Münsterländer Hanf:
    – Landbier (5,6%; obergärig)
    – seit 2016 aus der Münsteraner Gruthaus-Brauerei, die sich auf historische Biere und wirklich individuelle Bierspezialitäten fokussiert hat
    – so wurden bereits folgende wirklich herausragende Biere kreiert: Überwasser-Alt nach alten Münsteraner Rezept, Pumpernickel-Porter mit Schwarzbrot, natürlich das Grutbier ohne Hopfen und eine spontangärige Holunderblüten-Fassbrause mit Essig und Zitrone
    – gebraut in Belgien bei Anders mit Hafer & Hanfblüten aus Warendorf
    – in der Tat spannend grasig und heuartig
    http://www.gruthaus.de/biere/muensterlaender-hanf/

Fazit:
Insgesamt ist das Bierfest eine hervorragende Institution der deutschen Bier-Events. Gerade die vielen kleinen Brauereien und vergleichsweise unbekannten Biere zu entdecken machen einem Bierenthusiasten wie mir wirklich große Freunde. Zudem wird es durch ein jährlich etwas wechselndes Angebot nicht langweilig. Getrübt wird die Freude leider durch die etwas zu hohen Bierpreise und die nicht authentischen Biere einzelner ausländischer Stände, die in die Irre führen und wenig transparent sind. Darüber hinaus wäre ich auch erfreuter, wenn es auch mal im Westen der Republik ein solches Bierfest gäbe. Aber so bietet es zumindest immer einen guten Grund in die neue alte Heimat Osnabrück zu reisen. Da die Auswahl an Bieren selbstverständlich das trinkbare Maß eines Abends übersteigt, gibt es aber auch hier und da die Möglichkeit (zu überteuerten Preisen) die ein oder andere Flasche mitzunehmen.

Weitere Infos zum Bierfest auch unter: http://www.bierfeste-deutschland.de/osnabrueck/

Auf diesem Wege auch nochmals vielen herzlichen Dank an Katchen und Alex für die Kinderbetreuung und gastfreundliche Aufnahme.

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!

202. Schoppe Bräu Berliner Schnauze

Von München geht es heute weiter in die nächste deutsche Millionenstadt. Aus der deutschen Kapitale stammt seit 2001 ebenfalls eine inzwischen recht erfolgreiche kleine Handwerksbrauerei, die sich zu den ersten ihrer Art zählen darf. Zwar ist man mittlerweile (zum Glück) eine unter vielen sog. Craftbeer-Brauereien, setzt aber meiner Ansicht nach trotzdem die richtigen Akzente:

„Hopfen, Malz und Muskelschmalz

Diesem Motto sind wir seit unseren Anfängen treu. Wir stellen unsere Biere sämtlich in kleinteiliger handwerklicher Produktion aus besten Rohstoffen her. Sie sind allesamt unfiltriert und nicht wärmebehandelt. Das kommt ihrer Frische und der Bekömmlichkeit zugute.

Heutzutage unterscheiden sich Dutzende von zwar „technisch“ einwandfreien, aber gleichförmigen und geschmacksarmen Industriebieren nur durch ihre Fernsehwerbung.

Wir stellen Biere her, an die man sich wegen ihres Geschmacks erinnert, nicht wegen des letzten Spots. Denn ihr Geschmack ist vollmundiger, intensiver, vielschichtiger.

Wir wollen die Vielfalt des Genussmittels „Bier“ erfahrbar machen. Dazu beschreiten wir auch mal unverbrauchte und ausgefallene Wege – abseits der sattsam bekannten Pfade. Heutzutage sagt man „Craft Beer“ dazu.

Die Veredelung der eigenen Arbeitsbeschreibung mit diversen englischsprachigen Begriffen ist zwar schwer in Mode – etwa als „Corporate Orchestration Trailblazer“, „International Optimization Facilitator“ oder „Strategic Craft Beer Evangelist“ — wir sind schlicht und ergreifend Brauer!

Und das mit Herz und Seele!“

Die Berliner Schnauze zumindest bietet mit drei Getreidemalzen schon einmal interessante Eckdaten. Bin gespannt, ob mich auch hier der Roggen überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkles
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: mehr karamellig als röstig, leicht bitter und sonst frisch und klar
Geschmack: hier mehr röstig als karamellig und ein ganz wenig grasig; bei leicht hopfig-bitterer Spritzigkeit und röstig herbem Abgang insgesamt aber etwas unruhig
Gesamt: Obwohl das dunkle „Dreikornbier“ sicher eines der besseren ist, steht es heute leider etwas im Schatten vom herausragenden gestrigen Vorgänger. Die Verwendung von Roggenmalz macht sich aber insofern bezahlt, als dass die Geschmacksnuancen nun deutlich vielfältiger und klarer sind als bei vergleichbaren Bieren des Stils. Ggf. hätte man aber auch eine Zusammensetzung der Malze und Hopfensorten setzen können, um ein noch besseres Ergebnis erzielen zu können. Deshalb heute „nur“ 11 Pkt. (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.schoppebraeu.de/de/#product_details–berliner_schnauze.

Prost!