Archiv für den Monat: April 2020

586. Mücke Ingwer Pale Ale

Als letztes nicht Reinheitsgebots-konformes Bier meiner Regional-Serie geht das Mücke Ingwer Pale Ale ins Rennen.

Benannt nach dem letzten Grubenpferd der Zeche Zollverein, das auch auf dem Etikett zu sehen ist, steht die Mücke für das klassisch deutsche Craftbeer-Segment sowie aber auch traditionelle Bierstile. Das Ingwer Pale Ale war dabei das erste Bier der beiden „Braumeister“, das den Weg vom Hobbybrauen in die mittelständische Produktion der Liebharts Brauerei geschafft hatte.

Und da Ingwer bekanntlich sehr gut für das Immunsystem ist, passt es doch hervorragend in die aktuelle Zeit.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Ingwer, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Essen [Detmold]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Fazit

In der Tat dominiert der Ingwer diese Bier. Neben einer interessanten Buttermalz-Note ist das fruchtige Ingwer-Aroma beim Riechtest klar im Vordergrund. Auch auf der Zunge kommt das Pale Ale würzig, trocken-malzig, säuerlich-fruchtig und leicht scharf daher. Insgesamt ist es bei einer reduzierten Rezenz recht vollmundig. Ich finde es ein durchaus interessantes Bier, das aber sicher nicht jedem schmeckt.

| 11 Pkt. (2)

•  https://www.facebook.com/muecke.craftbeer/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

584. Ruhrpottbrew Honey Pepper Ale

Von Remscheid geht es heute im doppelten Sinne des Wortes in den Pott. Denn in Oberhausen-Sterkrade – also mitten im Pott – braut der Pottwal. Zumindest ist dies das Logo der seit 2016 existierenden Ruhr Pottbrew. Braumeister ist ein gelernter Schreiner, der dann aber viele Jahre im Ausland Brauereien aufbaute und Biervielfalt kreierte, um dann wieder in die Heimat NRW zurückzukehren.

Eines ihrer Sortiments-Biere ist mein heutiges Honey Pepper Ale, das mit Honig und Szechuan Pfeffer im Brauhaus Rüttershof eingebraut wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Pfeffer, Honig, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Oberhausen [Castrop-Rauxel]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Fazit

Dieses Bier ist ein erneuter Beweis dafür, dass das alte Reinheitsgebot ausgedient hat. Mit dem Zusatz von zwei natürlichen Zutaten Honig und Pfeffer wird ein wirklich tolles Geruchs- und Geschmackserlebnis kreiert. Süßholz, Karamell, Lakritz und Honig in der Nase und ein malzig-würziger und leicht kräuteriger Eindruck auf der Zunge. Ergänzt wird dies durch eine unaufdringlich wie harmonische Süße, die nur im trockenen Abgang durch etwas Säure und Schärfe abgelöst wird. Prädikat: Empfehlenswert.

| 13 Pkt. (1-)

https://www.facebook.com/pg/ruhrpottbrew/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

583. Remscheider Coffee Stout

Heute geht es gedanklich zu einem der zentralsten Orte zwischen Rheinland und Ruhrgebiet. Denn auch in Remscheid wird abseits des Reinheitsgebots handwerklich gebraut. Zentral am Hauptbahnhof gelegen bieten die Remscheider aber auch Platz für ein Brauhaus samt Eventlocation und Biergarten. Alles zwar in Zeiten der Corona-Krise leider uninteressant, aber dennoch erwähnenswert.

Wenn man auch außerhalb Remscheids und in diesen Zeiten Remscheider Bier kosten möchte, kann man sich im Online-Shop ein 4er-Probier-Paket samt Glas ordern. Netterweise hat mich dann im Paket noch ein fünftes Bier überrascht, das ich euch heute vorstellen möchte. Es handelt sich um ein Coffee-Stout, dem gemahlene Kaffeebohnen zugesetzt worden sind. Für mich einer der interessantesten Bierstile, die aber selten meinen Geschmack treffen. Deshalb bin ich jedes Mal aufs Neue gespannt, wie es diesmal ausgeht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kaffeebohnen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Remscheid
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Ein ordentliches Coffee Stout, das vor allem durch den dominanten Kaffee-Geruch und Geschmack besticht. Während es in der Nase noch Noten von Zartbitter enthält wirkt es geschmacklich schon sehr nach Kaffee, zudem sich noch Aromen von dunklen Früchten und Erde hinzugesellen. Insgesamt bleibt das Stout erstaunlich süffig und lässt den typischen tiefen Körper vermissen.

| 9 Pkt. (3+)

https://www.remscheider-brau.de/brauerei/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

582. Gruthaus Pumpernickel Porter

Passend zum vorgestrigen Bierjubiläum starte ich meine Reihe an Bieren aus NRW; beginnend mit all jenen, die über den Rand des derzeitigen sog. Reinheitsgebots hinwegblicken und weitere interessante (natürliche) Zutaten anbieten.

Starten möchte ich mit einem Bier, dass ich schon lange auf meiner Liste hatte, aber bislang noch nicht proBieren konnte. Das Pumpernickel-Porter von der Münsteraner Marke Gruthaus ist für mich deshalb interessant, da es mit Brot eingebraut ist. Neben Roggenmalz wird dem Sud auch Schwarzbrot beigegeben. Spätestens seit ich selbst beim Brotbierbrauen bei meinem Braufreund Ralf mitmachen konnte, bin ich begeistert von der Idee diese beiden Grundnahrungsmittel miteinander zu vereinen. Daher bin ich gespannt wie sich der Pumpernickel geschmacklich auswirkt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Pumpernickel, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Münster [Detmold]
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Der Pumpernickel Porter ist ein Potpourri aus unterschiedlichsten Aromen. Karamell, Holz, Getreide, Zartbitter und Butter vereinen sich hier mit süßem, dunklen und leicht röstigem Malz sowie einer gering bitteren Säure. Dabei sorgt das Schwarzbrot auch für einen ansprechend vollmundigen Körper. Für meinen Biergeschmack höchst passend, absolut empfehlenswert und ein klarer Kandidat für die diesjährige Bierjubiläum-Top Ten.

| 13 Pkt. (1-)

http://www.gruthaus.de/biere/pumpernickel-porter/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

585. Cerevisia M – Vintage Cuvée

Heute ist es wieder soweit: Bierjubiläum. Vor genau 504 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird.

Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. Meine Bierliste umfasst inzwischen rund 1.750 Biere. Zu Ehren des Bierjubiläum 2018 hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon damals vom Brautag und der Abfüllung berichtete, hatte ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hatte. Als Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ braute ich das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bis dato noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir weiterhin ein Rätsel.

Nachdem sukzessive die Kornzahl erhöhte war nun zuletzt 2019 das CEREVISIA Mx entstanden. Weiterhin auf der Basisrezeptur eines unfiltrierten Altbieres, sind bislang 10 Getreidesorten enthalten: Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Emmer, Einkorn, Reis, Hirse, Mais.

Zum heutigen Tag des deutschen Bieres möchte ich einmal die Sude 7-Korn, 8-Korn und 9-Korn quasi als Vintage-Cuvée proBieren. Da jeder Sud seine besonderen Eigenheiten mit sich gebracht hat, die im Laufe des Erfahrungsgewinns als junger Hobbybrauer eingeflossen sind, ist es für mich besonders spannend zu sehen, wie die drei ersten Cerevisia miteinander harmonieren.

Und vielleicht kann ich in Kürze auch schon von meinem geplanten nächsten Sud berichten: Dem 12-Korn-Neo-Alt Cerevisia

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Mehrkorn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Roggen-, Dinkel- & Emmermalz, Hafer-, Einkorn-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  ~18°P
Alkoholgehalt. . . . . . ~5,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018-19

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

  | Da alle drei Versionen ihren ganz eigenen Charakter haben, ist es interessant zu schmecken, wie diese in der Blend-Variante daherkommen. Während das 7-Korn noch eher mild-herb, das 8-Korn eher malzsüß und das 9-Korn hopfig ist, kommen im Blend alle ohnehin schon komplexen Einzelaromen zusammen. Selbst nach ein bis eineinhalb Jahren schmeckt es klar fruchtig-süß nach Karamell und Süßholz sowie einer buttrig-grasigen Note. Keinerlei Bitterstoffe und Oxidationssäure ist dabei zu verspüren. Für eine derartig lange Lagerung allerdings auch ziemlich süffig-mild. Insgesamt muss ich also sagen: Es hat sich gelohnt.

 • weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum!

581. Bierverkostung Zur Eule 04/20 ONLINE – Bier & Kima

Leikeim Steinbier | Frankenheim Alt | Weltenburger Barock | Lindemans Geuze | Aventinus Eisbock

In diesem Monat gab es aufgrund der anhaltenden Beschränkungen der Corona-Krise in der Brühler Eule erstmals den nunmehr 54. Biermontag im Online-Format. Biersommelier Markus Weick hatte dazu eigens die Eule in ein Studio verwandelt, einen YouTube-Channel eröffnet und im Vorfeld über 100 Bierpakete in Brühl ausgeliefert.

Online

Anstatt den Kierberg hinauf zu radeln habe ich mich also mit dem ein oder anderen Bier vor dem Laptop gesetzt und der Video-Premiere des Online-Biermontags zugeschaut. Hier konnte man während des Trinkens den Vortrag von Markus verfolgen, der durch die verschiedenen Biere geführt hat. Dabei war die optische Darbietung zwar etwas im Vintage-Look, das Video selbst aber lief gut und passte von der inhaltlichen Zusammenstellung und vom Tempo zur Simulation eines Biermontags vor Ort.

Die Videos zum Biermontag sind übrigens noch bis mindestens Ende des Monats unter https://www.youtube.com/channel/UC5pkDMoWIkfj6cpKJkoObaQ aufrufbar.

Thema

Aufhänger des Themas war für Markus die Meldung, dass es zum vergangenen Winter aufgrund der allgemein milden Temperaturen kaum Eiswein geben konnte. Doch auch das Thema Bier und Klima bzw. Temperaturen ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Schließlich haben Temperaturen in der Vergangenheit auch einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Verbreitung von Bieren gehabt.  So spielt bis heute die Temperatur beim Gärverfahren eine große Rolle. Obwohl diese natürlich inzwischen industriell gesteuert werden, kann insbesondere der Heimbrauer bestätigen wie wichtig die richtige Temperatur für die Wirkung von Bierhefen hat. Dabei ist vor allem die untergärige Hefe an relativ niedrige Temperaturen gebunden, während obergärige Hefen mehr Toleranz nach oben zulassen. Das ist auch der Grund, warum zum Einen untergärige Biere (wie Pils) historisch wesentlich später entstanden, da aufgrund der zumeist ganzjährigen Möglichkeit des Brauens obergärige Hefen (unbewusst) vorgezogen wurden. Erst mit regionalen Sommerbrauverboten (Stichwort Maibock) und der Entwicklung der Kältemaschinen begann der Siegeszug der untergärigen Biere.

Zum Thema Bier und Klima bekam im Video auch der Bürgermeisterkandidat der Grünen in Brühl – seines Zeichens Dipl. Geograph – die Möglichkeit sich über einen Einspieler zu präsentieren und das Thema aus seiner Sicht dazustellen. Dabei ging er relativ global auf den Klimawandel ein, ohne einen wesentlichen Bezug zum Bier herzustellen. Für meinen Geschmack hatte es daher etwas zu viel einer Dauerwerbesendung für sich und seine Partei. Einem Bürgermeisterkandidaten (egal welcher Partei) im Rahmen des Biermontags eine derartige Plattform zu bieten, sehe zumindest ich deshalb recht kritisch.

Die Biere

Schon zu Beginn der Verkostung startete Markus mit dem wohl bekanntesten Bier seiner Art in Deutschland: dem Leikeim Steinbier. Früher noch als wirkliche und günstige Hitzequelle für das Maischen und Kochen des Bieres benutzt, werden heutzutage die heißen Steine nur noch zur Karamellisierung des Malzzuckers während des Kochens und der Gärung in den Sud gelegt.

Traditionell wurde mit Steinen in Skandinavien und vor allem in Kärnten gebraut:

Als nächstes gab es wahlweise ein Frankenheim oder Schlüssel Alt. Dabei ging Markus nicht nur auf die verschiedenen Altbiertraditionen in Düsseldorf, am Niederrhein und in Münster ein, sondern machte einen kurzen Exkurs zur Verknüpfung der schon eingangs erwähnten Brauart mit dem Klima. So hat sich vor allem in Nordrhein und Münsterland die obergärige Brauart bis heute gehalten, da durch den Einfluss ozeanischen Klimas die Temperaturen ganzjährig eher milder sind. Im Vergleich dazu hat sich seit etwa dem 15. Jahrhundert in Bayern nach und nach mit Ausnahme des Weißbieres die untergärige Brauart durchgesetzt – u.a. auch deshalb, da dort die Temperaturen ganzjährig niedriger liegen.

Als nächstes folgte das bis heute beliebteste Bier der Eule: das Weltenburger Barock Dunkel.

Als vorletztes Bier kam dann wieder wahlweise ein Lambic oder die Geuze von Lindemans dran. Das Besondere und damit auch wieder die Verknüpfung zum Thema Klima: Beide Biere werden mit wilden Hefen gebraut, die nur rund um Brüssel gedeihen. Grund hierfür ist ein äußerst günstiges Mikroklima, dass deren Entwicklung begünstigt. Manche Gärräume werden deshalb auch nur sehr rudimentär gereinigt, um diese wilden Hefen nicht zu vertreiben.

Das Schmankerl des Abends war der Aventinus Eisbock. Hier schloss sich der Kreis zu Beginn der Verkostung, in der Markus auf den Eiswein einging. „Erfunden“ oder besser gefunden wurde der Eisbock, nachdem zufällig eines Winters ein Doppelbockbier in einem Fass nach längerer Zeit unter Schneemengen wiedergefunden wurde. Als das Bier wieder auftaute probierten die Brauer die zähflüssige Schmelze und waren begeistert von dem intensiven Aroma. Seither wird nicht nur Eisbock bewusst hergestellt, sondern auch immer wieder versucht den höchstprozentigsten der Welt zu kreieren. Sieger in diesem jahrelangen Wettstreit mit dem schottischen Brewdog ist der 57%ige Schorschbock aus dem fränkischen Gunzenhausen.

Zum Abschluss zeigte Markus, wie man zu Hause mit entsprechendem Zubehör auch leicht selbst einen Eisbock zubereiten kann. Dabei nimmt man am besten dunkles stärkeres Bier und lässt es für mindestens 24 Stunden einfrieren. Um den Eisbock zu erhalten muss das gefrorene Bier nun angetaut werden. Dabei trennen sich zunächst die alkoholhaltigen und aromareichen von den noch gefrorenen wässrigen Bestandteilen. Dieser Extrakt wird dann aufgefangen und entweder sofort verkostet oder erneut in einer Flasche abgefüllt.

Fazit:

Grundsätzlich finde ich sehr positiv, dass der Biermontag nicht durch die Corona-Krise ausfallen muss(te). Mindestens genauso positiv zu sehen ist der wirklich sehr große Zuspruch der Brühler Bürger, die den Online-Biermontag zum Biermontag mit der größten Teilnehmerzahl gemacht und somit aktiv die Eule unterstützt haben.
Auch für mich hatte die Online-Variante seinen Vorteil: Dadurch, dass ich mich nur an den Schreibtisch setzen musste, hatte ich es relativ entspannt mal pünktlich zum Biermontag geschafft.

Allerdings  war neben der Bildqualität auch die Live-Simulation zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die vielen Schnitte der Videos waren durch die wechselnden T-Shirts von Markus zwar durchaus unterhaltsam, haben aber leider auch schnell die Illusion eines Live-Videos zerstört.
Auch wenn es im ersten Video eine Chat-Funktion gab, hat mir außerdem doch die persönliche Interaktion gefehlt, die einfach zum Biertrinken dazugehört und eigentlich das Wesen einer Bierverkostung ist.
Hinzu kommt ein technischer Nachteil: Während man sich sonst in de Eule die fünf Flaschen Bier zu dritt teilt, hätte man nun alle fünf selbst trinken dürfen bzw. müssen. Ich hatte mich daher auf das Alt und das Pils beschränkt und habe die anderen Biere zu meinem Deopt hinzugefügt.

 

Auch wenn es wohl zunächst auch im Mai nicht in die Eule gehen wird und es somit zu einer nächsten Auflage des Online-Biermontag geben wird, werde ich selbstverständlich wieder versuchen zu berichten.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/http://eule-kierberg.de/

580. Fleuther Hilft!

Angesichts der Widrigkeiten und Herausforderungen für viele handwerkliche Brauer hervorgerufen durch die Corona-Krise, habe ich kürzlich ein paar Biere aus der Region – d.h. Niederrhein, Ruhrgebiet und Münsterland – bestellt. Leider haben noch lange nicht so viele kleine Brauereien eine Online-Vermarktung, sodass man diese idealerweise vor Ort unterstützt. Denn diese Hilfe (online wie offline) wird dringend benötigt. So meldete erst kürzlich die U.S. Brewers Association (BA), dass die US-amerikanische Craftbeer-Industrie vor dem Zusammenbruch stehe. Knapp zwei Drittel aller Handwerksbrauereien würden die Krise keine drei Monate durchstehen (siehe hier).

Umso passender ist mein heutiges Bier von der Brauerei Fleuther aus Geldern. Ursprünglich was das Bier für einen guten Zweck gebraut worden: Initiiert von Martin Baxmann und Marcus Wiemann hilft das HILFT als erstes Charity Bier nachhaltig Kinderarmut zu bekämpfen. Nun wirkt es quasi doppelt hilfreich. Einmal als Beitrag zur Kinderarmutsbekämpfung und zudem als Unterstützung der regionalen Kleinbrauer. Hinter dem HILFT verbirgt sich übrigens das Fleuther EINS – ein Pils mit Aromahopfen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  11.7°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Geldern
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Würzig, buttrig und grasig in der Nase – hopfig-herb, fruchtig und gering malzig am Gaumen. Im Abgang bleibt eine buttrig herbe Note hängen, die durchaus Lust auf mehr macht. Insgesamt recht mild und süffig für ein Pils. Der Aromahopfen hält sich für meinen Geschmack etwas zu dezent im Hintergrund. Auch könnte das Bier etwas mehr Würze vertragen. Aber solange es HILFT 😉

| 12 Pkt. (2+)

• https://www.fleuther.de/produkt/fleuther-hilft/

Prost & guten Abend ! 🍻

 

579. De Koninck Tripel d’Anvers | Kasteel Tripel | Leffe Tripel

Kurz vor Ostern versuche ich noch etwas aufzuholen, was in den letzten Wochen liegen geblieben ist. Deshalb und weil ich mal drei gleichzeitig da hatte, gibt es heute eine Tripel-Tripel-Verkostung.

Drei Tripel treten gegeneinander an. De Koninck aus Antwerpen (40.000 hl p.a.) gegen Vanhonsebrouck Kasteel (250.000 hl p.a.) gegen Leffe (~500.000 hl p.a.).

Die Parallele der dreifachen Tripel-Verkostung zum heutigen Karfreitag ist mir dabei aber erst im Nachhinein aufgefallen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Tripel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Roggenmalz, Hafer, Gewürze, Hopfen, Glukosesirup, Hefe | Gerstenmalz, Gewürze, Hopfen, Zucker, Hefe | Gerstenmalz, Orangenrinde, Koriandersamen, Hopfen, Zucker, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8% | 11%|  8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Antwerpen | Izegem-Emelgem | Dinant-Leffe
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

De Konninck: recht unauffälliger süßmalziger bis bittersüßer Geruch; mild, schlank, getreidig, grasig, Süßholz, Lakritz im Geschmack mit bittersüßem Abgang

Kasteel: markanter, süßer, würziger Geruch; vollmundig, cremig, süßmalzig, alkoholaromatischer Geschmack nach Lakritz bei einem ebenfalls bittersüßem Abgang

Leffe: am süßesten, würzig und wenig Bittere im Geruch; vollmundig, süßlich, Karamell, etwas würzige Herbe auf der Zunge, süßer Abgang

Insgesamt kann mich keines der drei Tripel in Gänze überzeugen. Jedes bringt seine Vor- und Nachteile mit sich. Das Tripel d’Anvers punktet in der Aromenvielfalt bleibt aber zu flach, das Kasteel ist sehr cremig, aber leider auch zu alkoholaromatisch und das Leffe ist zu stark reduziert auf eine würzige einfältige Süße. Wenn ich mich entscheiden müsste würde ich zum Ersteren greifen, da hier alle vier europäischen Getreide verbraut wurden.

| 10 Pkt. (2-) / 10 Pkt. (2-) / 10 Pkt. (2-)

https://www.dekoninck.be/nl/onze-bieren/tripel-danvers/ | https://www.vanhonsebrouck.be/biere/kasteel/kasteel-tripel/?lang=de | https://leffe.com/en/leffe-tripel

Prost & guten Abend ! 🍻

 

Blogbier, die LII. – Corona

In Zeiten von Corona haben uns meine Schwiegereltern einen Besuch abgestattet. Diese Biere wurden dabei neu gelistet:

Bier-Notizen:

 

578. Cornet Oaked

Um das Tempo wieder etwas anzuziehen geht es heute gleich weiter mit dem nächsten Bier. Und auch dieses stammt aus unserem Nachbarland Belgien und kommt aus der ABInBev-Familie.

Unter dem Namen Cornet Oaked vertreibt die Palm-Brauerei ein mit Eichenholzchips versetztes Tripel. Namentlich geht es auf Theodoor Cornet zurück. Dieser war im 18. Jahrhundert Verwalter des Schlosses Diepensteyn. Dessen Graf wünschte sich für seinen Vorfahren Sir Salomon deMaldeghem ein besonderes Starkbier von der Brouwerij den Hoorn.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Tripel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Steenhuffel (Belgien)
Erscheinungsjahr. . .
?

Fazit

Insgesamt ein solides Tripel, dass in der Nase durch einen ungewohnt kräuterigen Geruch und am Gaumen durch süße Noten von Karamell, Vanille und Honig besticht. Es ist vollmundig und cremig, für mich aber auch etwas zu würzig und vor allem ein bisschen zu alkoholaromatisch.

| 10 Pkt. (2-)

•  https://www.cornetbier.be/en/our-beer/

Prost & guten Abend! 🍻