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395. Urlaubsbiere – Bierverkostung zur Eule 09/18

Mack Isbjørn | Mack Artic | Alhambra Reserva 1925 | Laško Zlatorog | Dremmwel Blonde | Cruzcampo Pilsen | Potsdamer Stange | Alzeyer Volker Bräu Red Ale | Ambar Caera esta Breva | Cavalieri Doppio Malto Bionda | Choue Blonde | Zoller-Hof Fürsten Pils | Jenlain Or | Klüver Rotbier | Staffelberg Bräu Mai-Bock | Coral Stout | THB Pilsener | Staffelberg Bräu Antonius-Bock | Klüver Bock | Klüver Röker | Rodenbach Grand Cru | Damm Complot IPA | Liefmans Kriek Brut | Rodenbach Classic

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Erster Montag im Monat? Genau, da war doch was: Biermontag in der Kierberger Eule. Auch wenn ich leider bereits einige Biermontage in diesem Jahr verpasst habe, bleibt es ein Pflichttermin für jeden Bierbegeisterten aus Brühl und Umgebung. Wie erstmalig im letzten Jahr ist das Thema auch in diesem September wieder Urlaubsbiere. Nachdem nun in allen Bundesländern die Sommerferien vorbei sind und die meisten ihren Haupturlaub hinter sich haben, war es wieder daran, dass jeder Gast nach Möglichkeit ein oder mehrere Biere aus seinem Urlaub mitbringen und vorstellen sollte. Natürlich hatte auch Biersommelier Markus Weick – seines Zeichens Besitzer der Eule – einige Kostbarkeiten mitgebracht bzw. mitbringen lassen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es diesmal ausnahmsweise nicht weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis März 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Da von den ursprünglichen Marken nicht mehr alle erhalten sind (kürzlich erwischte es auch eines der letzten Kölschmarken außerhalb Kölns in Frechen), war es aufgrund der Fülle an Urlaubsbieren möglich diesmal eine kleine Kölsch-Pause einzulegen.

Nachdem Markus ein paar seiner Biere vorgestellt hatte ging es weiter mit den Publikumsbieren, die nach Verfügbarkeit ausgeschenkt wurden. Nachdem sich die Reihen im späteren Verlauf etwas lichteten, konnten nochmals weitere (inter-)nationale Biere aus Markus Bestand verkostet werden.

Folgende Biere haben es dabei in mein Glas geschafft:

  • Mack Isbjørn:
    – untergärig; 4,5%; Pilsnener
    – gebraut von Macks Ølbryggeri aus Tromsø – der nach eigenen Angaben nördlichsten Brauerei der Welt (69° nördliche Breite)
    – allerdings liegt die Brewery Immiaq im grönländischen Ilulissat noch etwas weiter nördlich, da sich die Hauptbraustätte von Mack im etwas weiter südlich gelegenen Nordkjosbotn befindet
    – gegründet wurde sie 1877 vom Braunschweiger Bäcker und Braumeister-Sohn Ludwig Markus Mack
    – Isbjørn (zu dt. Eisbär) ist nach eigenen Angaben die erste Biermarke, die zum Nord- und Südpol mitgenommen wurde
    – in der Ølhallen – der Bierbar von Mack in Tromsø – wird Bier aus 67 Zapfhähnen ausgeschenkt – ein Rekord für ganz Nordeuropa
    – das nordnorwegische Wasser wird mit finnischem Malz, Hopfen aus Bayern und Tschechien sowie dänischer Hefe versetzt
    – zur Überraschung ist die Website sogar auch auf deutsch gestaltet
    – leicht säuerlich, malzsüß, getreidig, buttrig
    – süffig, spritzig, herb, malzig, getreidig, süßlich, würziger Abgang
    https://www.mack.no/de/products#øl

  • Mack Artic:
    – untergärig; 4,5%; Pilsnener
    – ein weiteres von über 20 Bieren der (fast) nördlichsten Brauerei der Welt
    – süßlicher, malziger, buttrig

    – etwas voller, matt, getreidig, trocken-malzig, leicht würzig, herber Abgang, etwas gewürzig

  • Alhambra Reserva 1925:
    – untergärig; 6,4%; Imperial Pils
    – gebraut von der Cervezas Alhambra im südspanischen Granada, die zum San-Miguel-Konzern gehört
    – in einer Flasche ohne Etikett, in der die Bierinfos eingraviert sind
    – buttrig, caramalzig, süßlich, grasig
    – mittelvoller Körper, feinperlig, malzsüß, wenig würzig, herb-süßer Abgang, etwas bitter

    https://www.cervezasalhambra.es/nuestras-cervezas/alhambra-reserva-1925/

  • Laško Zlatorog:
    – untergärig; 4,9%; 11.3°P; Lager
    – von der 1825 gegründeten slowenischen Pivovarna Laško aus der Untersteiermark
    gebraut mit Gerstenrohfrucht
    – unauffällig hellmalzig, leicht fruchtig

    – mittlerer Körper, süffi,g matt, trocken-süß-säuerlich, würzig, herb-würziger Abgang
    http://www.lasko.eu/en/zlatorog

  • Dremmwel Blonde:
    – obergärig; 5%; Blonde
    – von der Brasserie de Bretagne Britt aus Trégunc
    – mit Gewürzen eingebraut
    – leicht hefig, malzig, getreidig, wwürzig, harzig
    – mittelgroßer Körper, würzig, malzig, etwas Karamell, hefiger Abgang, feinperlig

    http://www.britt.fr/fr/pageproduit/biere-dremmwel-blonde-bio

  • Cruzcampo Pilsen:
    – untergärig; 4,8%, Pilsener
    – 1903 in Sevilla entstanden, gehört die Marke heute zu Heineken
    – mit Mais gebraut

    – Lakritz, süß-sauer, malzig-getreidig
    – recht geringer Körper, einfaltig, süß-sauer, matt-feinperlig, herb-sauerer Abgang
    https://www.cruzcampo.es/cruzcampo-pilsen

  • Potsdamer Stange:
    – Gärart unbekannt; 4,5%; 11.8°P; Kräusen
    – von der 2003 ins Leben gerufene Braumanufaktur Potsdam im Forsthaus Templin 
    – das Bier hat eine 200-jährige Tradition in Berlin und Umgebung und wurde mal ober- mal untergärig gebraut – welche Gärart bei der revitalisierten Version aus Potsdam vorliegt lag bei Redaktionsschluss jedoch noch nicht vor
    – Naturland-zertifiziert
    – schön buttrig, leicht fruchtig, hellmalzig, etwas gemüsig
    – mittlerer Körper, malzig-süß, getreidig, Karamell, etwas Würze, süß-herb-buttriger Abgang, hefig-bananig
    – bestes Bier des Abends

    http://braumanufaktur.de/potsdamer-stange

  • Alzeyer Volker Bräu Red Ale:
    – obergärig; 5,6%; 13.5°P, Red Ale
    – nachdem die rheinhessische Mikrobrauerei 2005 von Braumeister Dieter Birk ins Leben gerufen wurde, werden monatlich wechselnde Biere gebraut
    – würzig, bitter-fruchtig, säuerlich
    –  matt, lasch, säuerlich, leicht würzig, süßlich, sauerer Abgang

    http://www.volkerbraeu.de/

  • Ambar Caera esta Breva:
    – untergärig; 5,6%; 16.6°P; Fruchtbier
    – die Brauerei wurde 1990 vom Elsässer Louis Moritz als „La Zaragozana“ in Aragon gegründet
    – aus der Serie „Colección Ambiciosas“
    – gebraut mit Reis & Saft der Früh-Feige

    – säuerlich, fruchtig, malzig-süß, etwas Minze
    – mittelgroßer Körper, erfrischend-fruchtig, wenig Karamell, feinperlig, süß-sauerer Abgang
    https://ambar.com/cervezas/caera-esta-breva/

  • Cavalieri Doppio Malto Bionda:
    – obergärig; 7,5%; Heller Doppelbock
    – von der Mastri Birrai Umbri aus Fontecupa südlich von Perugia
    – die Brauerei stellt ihr Malz noch selbst her und verwendet auch diverse Hülsenfrüchte
    intensiv, zitrus-fruchtig, ölig, Bonbon, Fruchtmix
    voll, recht schwer, feinperlig, fruchtig, säuerlich, bitter, etwas harzig, gewürzig, herber Abgang

    http://www.mastribirraiumbri.com/en/#our-values

  • Choue Blonde:
    – obergärig; 6,5%; Bière de Garde
    – von der Brasserie Vauclair aus der Nähe von Giey-sur-Aujon im mittleren Osten Frankreichs

    – die Geschichte der Brauerei geht bis zur Gründung der ursprünglichen Abtei im Jahr 1229 zurück
    – rauchig, holzig, sauer
    – vollmunidg, cremig, malzig-süß, Bonbon, Karamell, fruchtig-süßer Abgang
    http://www.la-choue.com/nos_produits.php

  • Jenlain Or:
    – obergärig; 8%, Bière de Garde
    – von der 1922 gegründeten Brasserie Duyck aus der französisch-belgischen Grenzregion

    – trocken-malzig, getreidig-süß, etwas buttrig
    – starker Körper, dunkelmalzig, Karamell, Bonbon, alkoholaromatisch, matt, süß-herber Abgang
    https://www.jenlain.fr/bieres/jenlain-or/

  • Klüver Rotbier:
    – untergärig; 4,7%; 11.5°P; Nürnberger Rotbier
    – die Brauerei aus Neustadt in Holstein gehört zum Klüver-Manufaktur-Betrieb der in der Region noch eine Räucherei und eine Feinkost-Manufaktur besitzt

    – würzig-malzig, buttrig-malzig, Karamell
    – mittelgroßer Körper, malzig, würzig, herb, süßlich, etwas Bonbon-artig, herb-malziger Abgang
    https://kluevers.com/kluevers-rotbier.html

  • Staffelberg Bräu Mai-Bock:
    – untergärig; 7%; 16°P; Maibock
    – seit 1856 aus Loffeld in Oberfranken

    – bereits auf unserer Franken-Tour kennenlernen dürfen
    – süßlich, buttrig, malzig-süß, getreidig, etwas waldig
    – mittelkleiner Körper, Karamell, dunkelmalzig, etwas herb, süßlicher Abgang
    https://www.staffelberg-braeu.de/cms2/brauerei.php

  • Coral Tónica:
    – obergärig; 4,8%; 11.8°P; Stout
    – von der 1872 gegründeten Empresa de Cervejas da Madeira aus den Azoren

    – mit Mais aber leider auch Farbstoff
    – süßlich, Karamell, Bonbon, dunkelmalzig
    – mittlerer Körper, röstig, dunkelmalzig, etwas Karamell, trocken-röstig-süßer Abgang, matt-feinperlig
    https://www.ecm.pt/portfolio_page/coral-tonica/

  • THB Pilsener:
    – untergärig; 5,4%; Lager
    – von der 1958 gegründeten STAR Breweries of Madagascar in Antsirabe
    – THB = Three Horses Beer

    – ebenfalls mit Mais gebraut
    – das südlichste Bier des Abends
    – von mir mitgebracht
    – wenig malzig, etwas herb-grasig
    – alkoholaromatisch, süßlich, künstlich
    http://www.star-thb.com/

  • Staffelberg Bräu Antonius-Bock:
    – untergärig; 4,8%; Bockbier
    – Karamell-Laktritz-süß, dunkelmalzig, bittersüß

    – großer Körper, süß, dunkelmalzig, hefig-bananig, würzig, herber Abgang

  • Klüver Bock:
    – untergärig; 6,5%; 16.5°P; Bockbier
    – Lakritz, leicht karamellig-süß, dunkelmalzig

    – mittelgroßer Körper, herb, etwas holzig, Karamell, etwas würziger Abgang
    https://kluevers.com/kluevers-bock.html

  • Klüver Röker:
    – untergärig; 5%; 12.5°P; Rauchbier
    – rauchig, Salami, Schinken, holzig, würzig

    – voller Körper, Schinken, wenig Rauch, dezent, etwas sauer, feinperlig, Speck-Abgang
    https://kluevers.com/kluevers-roeker.html

  • Rodenbach Grand Cru:
    – obergärig; 6%; Flämisches Rotbraunbier
    – aus 1836 im flämischen Roeselare gegründeten Brauerei

    – Blend aus  Jungbier und ⅔ zwei Jahre in Eichenholzfass gereiftem Bier
    – sehr sauer, fast Spüli-mäßig, bitter
    – mild, fruchtig-sauer, leicht holzig, etwas süßer Abgang
    https://cheers.rodenbach.be/en/brewery

  • Damm Complot IPA:
    – obergärig; 6,6%; 14.5°P; India Pale Ale
    die Brauerei Damm wurde interessanterweise ebenfalls von einem Elsässer (August Damm) 1876 in Barcelona ins Leben gerufen
    – mit den mediterranen Hopfen Nugget, Summit, Willamette, Citra, Centennial, Simcoe, Amarillo, Mosaic
    – sehr fruchtig, blumig, grasig, Maracuja + Litschi
    – großer Körper, grasig, hopfig, fruchtig, hopfig-herber Abgang, feinperlig
    https://www.damm.com/en/beers/complot

  • Liefmans Kriek Brut:
    – obergärig; 6%, Blend-Frucht-Sauer
    – 1676 im ostflanderschen Oudenaarde gegründet; seit 2008 zur Firmengruppe Duvel Moortgat zugehörig

    – Blend aus Oud Bruin und Kirschbier
    – sehr nach Kirsche, künstlich, säuerlich, etwas bitter
    – süffig, fruchtig, säuerlich-süß, etwas herb, süßlicher Abgang nach Kirsche
    http://www.liefmans.be/en/craft-blends

  • Rodenbach Classic:
    – obergärig; 5,2%, Flämisches Rotbraunbier
    – hybrid fermentiert

    – wie das Grand Cru, nur süßlicher, milder und weicher

Aufgrund der hohen Schlagzahl und der damit verbunden eingeschränkten Möglichkeit einer differenzierten Bewertung, fällt dieses Mal eine persönliche Gesamtwertung der Biere (wie sonst üblich) aus.

Nichtsdestotrotz war es ein wirklich großartiger Abend, an dem vor allem die interaktive Gestaltung seinen Anteil hatte. Da jeder sein eigenes Bier mitbringen und eine Anekdote vorstellen konnte, wurde eine sehr spannende Atmosphäre geschaffen, bei der jeder sehr viel Spaß am proBieren hatte. Zudem kam man in den Genuss von Bieren, die man sonst wohl kaum im deutschen Handel und oft auch nicht Online kaufen kann, da sie fast ausschließlich in ihrer Region vertrieben werden. Alleine die schiere Menge an etwa 25 verkosteten Bieren machte es etwas stressig und für Nase und Gaumen ziemlich herausfordernd. Gerade deshalb ist es aber eines der besten Formate des Biermontags, worauf ich mich auch schon sehr im nächsten Jahr freue.

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und an alle Gäste für diese Fülle an internationalen Bieren.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

384. Negra Modelo

Zum heutigen Abschluss meiner kleinen Bierweltreise geht nach Mexiko. Das bevölkerungsreichts spanisch-sprachige Land der Welt (125 Mio. Einwohner) gehört zu den sog. Schwellenländern und hat in Sachen Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Sport einiges zu bieten. Entstanden sind die Estados Unidos Mexicanos 1810-21 im Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien. Diese haben das Land 1517 erstmals betreten und die zu der Zeit dort herrschenden Azteken binnen weniger Jahre unterworfen und viele von ihnen umgebracht. Dieses Schicksal erlitten zwar auch die vorherigen mesoamerikanischen Hochkulturen Mexikos Maya, Olmeken und Tolteken, jedoch war die systematische Brutalität der Spanier bis dato unübertroffen. Nach Unabhängigkeit der neuen Mexikaner von Spanien gab es zunächst eine Kurzzeit-Monarchie mit einem Kaiser, der jedoch bereits 1823 abdanken musste, woraufhin Mexiko Republik wurde und sich von den südlichen Gebieten der Zentralamerikanischen Konföderation trennen musste. Nach dem verlorenen zweijährigen Mexikanisch-Amerikanischen Krieg gegen die USA 1848 mussten auch noch die nördlichen Provinzen von Kalifornien, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah, Colorado und Texas abgetreten werden. Für wieder kurze Zeit gab es 1861 erneut einen mexikanischen Kaiser, der nach einer Schuldenkrise von Frankreich, UK und Spanien eingesetzt wurde und mit Hilfe der USA wenig später wieder vertrieben werden konnte. Nach langer Diktatur bis 1910 entwickelte sich Mexiko langsam aber sicher im Laufe des letzten Jahrhunderts zu einer Demokratie, die heutzutage vor allem vom Erdöl, der Automobilindustrie, dem Textilgewerbe und landwirtschaftlicher Produkte wie vor allem dem Tequila leben. Getrübt wird die wirtschaftliche und soziale Entwicklung durch einen schon lange Jahre andauernden Drogenkrieg, der das ganze Land durchzieht und immer wieder zu Reisewarnungen für Touristen führt.

Mein heutiges Bier ist neben dem Corona das meistgebraute und -exportierte Bier Mexikos. Hergestellt wird es (wie auch das Corona) von der Grupo Modelo, die 1922 als Cervezaria Modelo in Ciudad de Mexiko gegründet wurde. Schon in den 1950ern stieg man durch Übernahmen kleinerer Brauereien zu Mexikos größter Brauerei auf. Seit 2013 gehört die Brauerei vollständig zum Biergiganten ABInBev. Neben dem Negro, das ein Munich-Style Dunkel sein soll, gibt es noch ein Pilsner-Style Lager und zwei Biermischgetränke, die mit Tomaten, Salz und Pfeffer abgefüllt werden. Dazu passen dann auch die Bier-Cocktail Anregungen seitens der Brauerei.

Unerfreulicherweise finden sich neben den „normalen“ Bierzutaten Gerstenmalz, Reis und Hopfen leider auch Papain – ein Enzym gegen Eintrübung, Ascorbinsäure – als Antioxidationsmittel, Farbstoff und Stabilisatoren. Erfreulicherweise ist man seitens Modelo wenigstens so transparent, dies auch so aufs Etikett zu bringen. Besser macht es das jedoch auch nicht wirklich und wird sich auch in der Gesamtbewertung niederschlagen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkles
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Papain, Ascorbinsäure, Farbstoff, Stabilisator
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mexiko-Stadt / Mexiko
Erscheinungsjahr. . .
1925

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: leicht penetrant süßlich, Karamell, leicht röstig, etwas dunkelmalzig, etwas harzig & würzig
Geschmack: süffig, leicht würzig & Karamell, etwas harzig, etwas Lakritz, feinperlig, süßlicher Abgang
Gesamt: Nein, es ist nicht das schlechteste Bier auf Bierjubiläum. Und man kann es sogar auch mäßig-gut trinken. Doch neben den schon angesprochenen Details der Zutatenliste, finde ich es wenig Bierstil-passend. Sicher ist eine gewisse Würze und Karamell-Süße erkennbar, doch bleibt das Negro insgesamt viel zu blass und leicht. Deshalb gibt es hier insgesamt nur 6 Pkt. (4+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.gmodelo.mx/es/marcas/negra-modelo bzw. https://www.modelousa.com/en-US/product/negra.

Prost & guten Abend! 🍻

Acht Getreidesorten auf einen Schluck – Sechtemer & Brühler brauen eigenes Craftbeer

Der General-Anzeiger Bonn war bei meinem letzten Brautag bei Braukunst Vorgebirge, wo wir den dritten Sud des weltweit einzigartigen CEREVISIA M als 8-Korn-Alt gebraut haben.

Der Artikel ist digital auf hierunter abrufbar:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/bornheim/Sechtemer-und-Br%C3%BChler-brauen-ihr-eigenes-Craftbeer-article3911681.html
#Handwerk #Natürlichkeit #Qualität #Vielfalt #Regionalität #Transparenz #Gerste #Weizen #Roggen #Hafer #Reis #Mais #Hirse #Dinkel

376. Beerlao Lager

Los geht’s hier auf Bierjubiläum zu meiner kleinen Bier-Weltreise. Erstes Ziel: Laos. Das Land, das aus der Vogelperspektive aussieht wie eine Palme, beheimatet inzwischen knapp über 7 Mio. Einwohner (vor 50 Jahren waren es noch etwa 2 Mio.). Geprägt ist das einzige Binnenland Südostasiens von über 50% Regenwaldfläche. Ähnlich wie im benachbarten Vietnam herrscht in Laos ein sozialistisches Einparteiensystem, dass zwar Bildungs- und Gesundheitswesen erhebliche Defizite aufweist, jedoch wenigstens (dank Verhängung von Todesstrafen) die Volkdsdroge Opium nahezu vollständig eindämmen konnte. Wirtschaftlich ist man hingegen anderen Ländern der Region etwas voraus gewesen als man sich bereits Mitte der 1980er marktwirtschaftlichem Einfluss öffnete. Nichtsdestotrotz zählt die ehemalige französische Kolonie zu den am wenigsten entwickelten Länder der Welt.

Die einzige bedeutungsvolle Brauerei des Landes befindet sich in der Hauptstadt Vientiane und hält nach eigenen Angaben über 95% Marktanteil des im Inland verkauften Bieres. 1971 als französisch-laotisches Joint-Venture gegründet wurde es bereits vier Jahre später durch die Kommunisten verstaatlicht. Weitere zehn Jahre später erfolgte jedoch bereits das nächste Joint Venture, bei dem sich die Regierung bis zur Hälfte aus der Brauerei zurückzog. Seit 2005 hält die andere Hälfte Carlsberg Asia, welches in der Brauerei neben den eigenen vier Produkten ebenfalls produziert wird. Für ihre Biere verwendet die Lao Brewery Company heimischen Reis, Gerstenmalz aus Belgien oder Frankreich sowie Hopfen und Hefe aus Deutschland.

„Beerlao is brewed from the best local rice and high quality malt from Europe, giving it a unique taste.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pilsener
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vientiane / Laos
Erscheinungsjahr. . .
1973

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: würzig, waldig, hellmalzig, leicht säuerlich, etwas herb
Geschmack: schlank, süffig, würzig, leicht herb, grasig, etwas nussig, kaum Bittere, feinperlig, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Also dafür, dass das Lager nun schon vier Monate über dem MHD ist und in den ersten Kategorien nicht gerade einen guten Eindruck gemacht hat, bin ich umso mehr überrascht, wie gut man es trinken kann. Schön süffig und dennoch mit einer charakteristischen Herbe, finde ich besonders die nussige Süße interessant. Gerade im Vergleich zu „modernen Craftbieren“ sicher nicht herausragend, aber sehr solide. Die 95% Marktanteil kommen wohl deshalb auch nicht nur aufgrund der Monopolstellung, denn auch geschmacklich ist das Bier definitiv massentauglich und interessanterweise besser als so manches deutsches Pils. Gesamthaft reicht es aber dennoch nur für 8,5 Pkt (3(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://beerlao.la/products/beerlao/beerlao-lager/?Ckey=22003.

Prost & guten Abend! 🍻

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

326. Schottische Biere – Bierverkostung zur Eule 04/18

Rats Kölsch | Brewdog Punk IPA | Orkney Brewery Red MacGregor | Strathaven Craigmill Mild | Brouwerij Haacht Export Super 8

Letzten Montag war es ausnahmsweise mal (bedingt durch Ostern) wieder an einem zweiten Montag im Monat Zweit für den Biermontag in der Brühler Eule. Nachdem ich die März-Ausgabe mit Ale-Mania und Fritz Wülfing verpasst habe und auch leider bei der kommenden Verkostung im Mai mit dem Brauer vom Lechenicher Blue Cat nicht zugegen sein kann, hatte ich mich umso mehr auf dieses Tasting gefreut.

Thematisch ging es diesmal um das Bierland Schottland. Im Zeichen von 11 Jahren Brewdog ging es auf eine kleine Reise zur Britischen Insel. Neben der Vorstellung schottischer Biere, nahm uns Biersommelier Markus Weick auf mit auf seine eigene Reise durch Schottland im vergangenen Jahr. Dass er dabei noch mitten im Renovierungsstress ist, merkte man ihm kaum an.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Heute am Start: das Rats-Kölsch. Früher in der Privatbrauerei Metzmacher in Frechen gebraut, gehört es wie so viele andere Kölsch-Marken heute zum Haus der Kölschen Bierkultur und somit zur Radeberger-Gruppe. Mit etwa 50 Thl Jahresausstoß ist es eher eine kleinere Kölsch-Marke.

Persönlicher Eindruck:
viel süße Malzwürze, geringe-mittlere Hopfenbittere, schlank, feinperlig, leicht saure Fehlaromen, zu unbalanciert

Den Beginn der schottischen Biere machte das Craftbeer-Flaggschiff des Landes. Zwar erst vor 11 Jahren gegründet hat sich Brewdog zu einer mindestens europaweit bekannten Marke etabliert. Mit einer radikalen Marketing-Strategie, die vor wenig zurückschreckt und gänzlich neue Wege geht, hat man es binnen weniger Jahre zu einer festen Größe am Craftbeer-Markt gebracht. Dabei ist es weniger die Menge an gebrautem Bier, sondern vielmehr die Anzahl verschiedener Biere, die viele erstaunen lässt. Alleine im Jahre 2016 hat man es auf über 80 geschafft. Begünstigt wurde der Aufstieg Brewdogs auch von der weitaus vielfältigeren und kleinteiligeren Bierkultur der Briten. So trinkt der Brite zwar weniger Bier pro Kopf, dafür gibt es aber relativ mehr Brauereien als in Deutschland. Das erfolgreichste der Brewdog-Biere ist das Punk IPA, was es inzwischen praktisch in jedem größeren Pub auf der Insel gibt.

Persönlicher Eindruck:
– super fruchtig-hopfig, grasig, leicht malzig
– mild, weniger gehopft, frisch, fein, recht süffig, nicht bitter

Auf seiner Reise durch Schottland machte Markus auch bei einem der zahlreichen Bottledogs Halt. In den Flaschenverkaufsläden ergatterte er ein Hop-Shot – eine hochkonzentrierte Biervariante mit offiziell 20% Alkohol und über 200 IBU-Bittereinheiten.

Ähnlich wie in der England-Verkostung vor zwei Jahren, gab es an diesem Abend auch einen kleinen Exkurs nach Deutschland. Genauer gesagt sogar in die direkte Nachbarschaft zur Eule. Denn ich höchstpersönlich hatte die Ehre mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier Cerevisia M vorzustellen. Als Interpretation eines Düsseldorfer Alt hat es grundsätzlich viele Parallelen zu schottischen Bieren. So sind diese ebenfalls rubinrötlich, süßlicher, leichter gehopft und nicht so alkoholhaltig. Selbstverständlich ist das Cerevisia M als weltweit erstes Bier mit allen 7 Hauptgetreiden nicht direkt vergleichbar mit den klassischen schottischen Bierstilen. Nichtsdestotrotz kam es sehr gut an und das 5l-Fass wurde restlos ausgetrunken. Auch ein paar weitere Flaschen konnte ich noch an den Mann bringen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge, wo ich mit seiner Unterstützung das Bier brauen durfte.

Mehr zum Bier gibt es dann zum diesjährigen Tag des Deutschen Bieres und 502. Geburtstages des sog. Reinheitsgebots am 23. April.

Im Anschluss ging es wieder auf die Insel. Aber nicht auf die große britische, sondern auf die kleine Inselgruppe nördlich von Schottland. Mit dem Orkney Red MacGregor kamen wir in den Genuss eines der nördlichsten Biere Europas. 1988 gegründet kommt die eine von zwei Brauereien der Orkneys auf etwa 50 hl Jahresausstoß.

Persönlicher Eindruck:
– malzig, süß, kaum Karamell, waldig, harzig, würzig
– würzig, matt, leicht bitter, trocken, rot

Das letzte Bier der offiziellen Verkostung kam dann wieder vom gefühlten Festland. Trotzdem ist aber die Brauerei noch jünger und kleiner. Das Craigmill Dark Mild ist ein Bierstil, der noch vor 50 Jahren in Schottland über 80% Marktanteil hat. Heute werden von diesem leichten und erfrischenden Bier kaum mehr als 5% verkauft.

Persönlicher Eindruck:
– dunkelmalzig, leicht röstig, süß, Kaffee
– Kaffee, schlank, bitter-röstig, mild

Gesamtfazit:
Meine persönliche (etwas beeinflusste) Gesamtwertung der April-Verkostung sieht dann wie folgt aus:

Im Anschluss an die „offizielle“ Verkostung gab es dann noch folgende weitere Bierspezialität aus der immer noch 100 Biere umfassenden Bierkarte der Eule:

Persönlicher Eindruck:
– malzig, grasig, süß
– feinperlig, trocken-süß, würzig

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer bei der Renovierung.
Mit dem Hinweis auf die übernächste Verkostung am 4. Juni, bei der ich ein paar leckere Biercocktails präsentieren werde, verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Bier-Cocktails + Cerevisia M @ Wiedereröffnungs-Party Zur Eule Brühl

Zur Eule – Bier & Brot | neue Betreiber, neue Website, neues Konzept

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Vorletztes Wochenende hatte die Zeit des wartens (offiziell) ein Ende. Die Eule in Brühl-Kierberg öffnete wieder ihre Tore und lud zur Wiedereröffnungsfeier. Mit dabei: Ich. Dazu später aber mehr. Nachdem das langjährige Pächterpaar Anfang des Jahres die Eule verließ, nutze Inhaber und Biersommelier Markus Weick die Gelegenheit für eine großangelegte Renovierungsphase. Von Keller bis Dach sollten entscheidende Stellen modernisiert werden ohne jedoch den ursprünglichen Charackter der 60er-Jahre Kneipe zu verändern. Zudem hat Markus das Konzept der Eule angepasst. So wird zukünftig das Thema (Craft)-Bier eine (noch) zentralere Rolle spielen. Nachdem es bisher nur zusätzlich zum regulären Kneipenbetrieb lief, soll sich die Eule zum Zantrum der Biervielfalt in der ganzen Region etablieren. Mit ständig über 99 Bieren im Angebot ist es schon jetzt die wohl bestsortierteste Kneipe im ganzen Kölner Raum. Und wer es eilig hat, der kann nach erfolgreicher Suche sein Bier auch im Außerhausverkauf mitnehmen. Neben dem Thema Bier, das auch weiterhin mit den Biermontagen und Schnupperkursen begleitet wird, rückt auch das Brot in den Fokus. Schließlich basieren beide auf die Wirkkraft der Hefe in Verbindung der Zutaten Wasser und Getreide. Auch historisch eng verwoben mit dem Bier treffen in Deutschland Bier- und Brotvielfalt wie nirgendwo anders auf der Welt zusammen. Während letztere für uns fast schon selbstverständlich ist, wird flächendeckend an erster zumindest wieder gearbeitet. Nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität stehen stets im Mittelpunkt der Eule. Deshalb wird zudem künftig auch kein Reissdorfer mehr, sondern Mühlen-Kölsch von Fass serviert.

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Auch wenn die Renovierungsarbeiten erst zu 40% abgeschlossen waren stieg nun vorletzten Samstag die große „Wiedereröffnungs-Sause“. Die geschätzt 200 Gäste konnten sich dabei gleich vom neuem Konzept überzeugen. Teil des neuen Konzepts ist auch die Eule als Plattform für andere anzubieten. So boten die Kierberger Urgesteine Old Friends über zwei Stunden wirklich sehr gute Musik mit zahlreichen Zugaben.

Und auch ich durfte Teil der Sause sein und das schon sehr gute Angebot an Bier, Brot und Musik mit leckeren Bier-Cocktails ergänzen. Ein Thema, was zwar noch ein regelrechtes Nischen-Dasein fristet und von einigen „Experten“ auch verpönt wird, dass aber langsam auch an Attraktivität und Popularität gewinnt. Im Zeichen der Biervielfalt bot ich an der eigentlichen Kegelbahn zwölf Cocktails zu zehn verschiedenen Bierstilen an. Besonders beliebt waren dabei der Weißbier-Mojito, Regions-bedingt natürlich die Kölsch-Colada, der Klassiker Cerveza Libre aber erfreulicherweise auch das India Pale Gold mit IPA. Da ich zunächst mit einem konservativem Publikum gerechnet habe, hatte ich sowohl Preis als auch Auswahl beschränkt. Neben den auf meiner verlinkten Seite genannten Bier-Cocktails ist die Welt natürlich relativ unerschöpflich. Schließlich multiplizieren sich hier Bier- und Cocktail-Vielfalt in unglaublicher Größe. Die einzige Herausforderung bleibt es hier auch eine geschmackliche Verknüpfung zu finden, die harmonisiert. Erfreulicherweise kamen meine Bier-Cocktails aber besser an als ich dachte, sodass sich zwischenzeitlich sogar eine Schlange an meinem Stand bildete.

Neben den Bier-Cocktails bot ich außerdem auch noch mein Bierjubiläums-Jubiläumsbier an, welches nun endlich fertig in der Flasche gereift war (über das Brauen und Abfüllen berichtete ich bereits). Auf den Namen Cerevisia M (Cerevisia für Getreidebier – M für 1.000) getauft ist es meines Wissens nach das erste Bier der Welt aus allen sieben Hauptgetreiden – dazu aber auch später an dieser Stelle mehr. Die fruchtig-würzig-süße Interpretation eines unfiltrierten Alts kam dann sogar so gut bei den Gästen an, dass von meinem mitgebrachten Kasten nur noch vier Flaschen übrig blieben. Gemeinsam mit Ralf vom Braukunst Vorgebirge genug Ansporn um die Rezeptur noch etwas zu verfeinern und mit dem Bier durchzustarten ;). Wer es verpasst hat, dem sei übrigens der nächste Biermontag (09.04.) in der Eule ans Herz gelegt, an dem das Bier Teil des schottischen Abends sein wird.

Nachdem fast alle Gäste wieder dem Heimweg angetreten hatten probierte ich mich (wo ich schon beim frevelhaften Biermischen war) wieder mal an meinem Nebenbei-Projekt Bier-Blend heran. Diesmal hatte ich Helles mit Schwarbier sowie Kölsch und Pils gemischt, welches beides schon besser war als mein erstes Schwarz-Weißbier.

Weitere Infos zur Eule und zum Biersommelier Markus Weick gibt es unter:
www.eule-kierberg.de
wordpress.99-biere.de

Siehe sonst auch: https://www.facebook.com/events/2096923857205354/permalink/2096925187205221/.

 

 

314. Liebharts Bio Malz

In der letzten Fastenwoche möchte ich die Klammer schließen die ich zu Beginn geöffnet hatte. Denn mit heutigen alkoholfreien folgen hier nochmals drei alkoholfreie Biere, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Den Anfang macht dabei das Bier womit es auch in der ersten Woche geendet ist: Ein Malzbier. Normalerweise nicht auf meinem Speiseplan gebe ich besonderen Malzbieren hier aber immer mal wieder eine Chance. Und das Besondere an diesem hier ist neben der Verwendung von Bio-Zutaten die Art und Weise der Süßung. Denn im Gegensatz zu den meisten Industrie-Malzbieren kommen hier natürliche Süßungsmittel hinein: Rohrzucker und Reissirup.

Die ab 2003 entstandene Handwerksbrauerei Liebharts ist zwar inzwischen in recht vielen Trinkgut zu finden, braut trotzdem aber noch nach vorbildlichen Prinzipien. So verbindet man mit der Zusammenarbeit mit regionalen Zulieferern, der Nutzung von Ökostrom und Energierückgewinnung sowie der Verwendung von Malzen und Hopfen aus ökologischen Anbau die Schlagwörter Regionalität, Natürlichkeit und Qualität beispielhaft miteinander. Zwar braut man grundsätzlich nach einem strengeren Bio-Reinheitsgebot, doch gibt es von den Residenz-Bieren auch glutenfreie Varianten mit Reis.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Malzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Rohrzucker, Reissirup, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . >0,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Detmold
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: klar süß, frisch, karamellig, leicht fruchtig, gemüsig, reisartig
Geschmack: erfrischend, wenig Körper, karamell-süß, relativ dezente Süße, leicht fruchtig, feinperlig
Gesamt: Auch dieses Malz kann ich weiterempfehlen. Es ist weitaus weniger aufdringlich in der Süße, wie seine industrielle Konkurrenz und weist interessante fast undefinierbare Aromen auf, die wohl auf den Reissirup zurückzuführen sind. Mit weniger als drei Prozent Zucker ist das Malzbier auch auf dem Papier ein kalorisches Leichtgewicht. In Summe vergebe ich dafür 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.residenz-biere.de/de/bio-biere/alkoholfreie-biere.html.

Prost & guten Abend! 🍻

300. 1.000 – DIE ABFÜLLUNG

Am vorgestrigen Montag konnte ich nun endlich das Bierjubiläum-Jubiläumsbier abfüllen. Nach über 2 Wochen Hauptgärung im Bottich entschieden sich Ralf und ich das Bier nun zur Nachgärung in Flaschen und Fass abzufüllen. Dafür habe ich in den letzten Wochen über vier Kästen Bierflaschen gereinigt und zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise konnte ich damit auch meinen Leergutbestand, der sich nunmal als Bierblogger anhäuft etwas reduzieren. Zusätzlich konnte ich zu Vergleichszwecken noch ein 5l-Fass von Ralf befüllen.

Nach kurzer Einweisung von ihm habe ich die Abfüllung dann in Eigenregie übernommen. Dabei wurden zunächst die beiden Gär-Bottiche (mit den unterschiedlichen Hefen) in den Abfüll-Bottich umgefüllt, um so die groben Hefesedimente von der Abfüllung fernzuhalten. Zur Karboniserung des Bieres wurde zuvor Traubenzucker aufgelöst und dem Jungbier hinzugefügt. Grundsätzlich ist das die sicherste Methode, um im Bereich des Hobby-Brauens eine saubere CO2-Erzeugung zu gewährleisten. Da es sich bei meinem Jubiläumsbier um eine Interpretation eines unfiltrierten Alts handelt – es also ein obergäriges Bier ist – ist dies sogar konform mit dem Reinheitsgebot. Aus dem Abfüllbottich wurden dann die Flaschen (bzw. das Fass) befüllt, welche dann nur noch z.T. mit Kronkorken verschlossen werden mussten.

Als Ausbeute konnten wir über 3 Kästen und besagtes Fass füllen, welche nun noch etwa 2 weitere Wochen in meinem Keller nachgären müssen.

Hier einige Impressionen:

Eine erste Geschmacksprobe des noch nicht vollendeten Bieres war zumindest schon mal trinkbar ;). Bleibt nun nur abzuwarten, wie das Bier nun nach Beendigung der Nachgärung schmecken wird. Ich bin sehr gespannt.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang nochmals an Ralf, ohne den dieses einmalige BIerexperiment nicht möglich gewesen ist. Wenn es gelungen ist, freue ich mich schon jetzt es unter die Leute bringen zu können.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

300. 1.000 – DER BRAUTAG

Wie bereits in meiner Neujahrsansprache angekündigt, habe ich mir für mein 1.000 Bier hier auf Bierjubiläum etwas besonderes ausgedacht: Mein erstes selbstgebrautes Bier. Aber es sollte nicht irgendein Bier werden, sondern ganz im Zeichen meiner Bierbotschaft eines reformierten Reinheitsgebots stehen. Auf Basis einer Interpretation eines unfiltrierten Alts, ist es das bislang erste Bier der Welt, das aus allen sieben Hauptgetreidearten gebraut wurde. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse haben alle den Weg in dieses globale und revolutionäre Bier gefunden.

Ursprünglich hatte ich ja geplant, dieses historische Bier mit den Kölner Bierhistorikern zu brauen, dort ist es aber leider kurzfristig zu Komplikationen gekommen, die einen zeitnahen Brautermin nicht mehr zugelassen haben. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das aber garantiert nachgeholt. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass sich Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge sofort bereit erklärt hat, mir auszuhelfen.

Gemeinsam haben wir uns dann gestern an dieses einzigartige Brauexperiment gewagt, von dem wir sogar beide noch einiges lernen konnten. Schließlich ist das Brauen mit anderen Getreiden als Gerste und Weizen selbst für Profis eine Herausforderung, da man sehr auf Mengenzusammensetzung und Verarbeitungsform des Getreides achten muss. Da ein solches Bier eben wissentlich noch nie gebraut wurde und wir deshalb auch auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, entschieden wir uns zunächst für eine zurückhaltendere Beimengung der „anderen“ Getreiden. Etwa im Verhältnis 70% Malze zu 30% weitere Getreide kamen so diese Zutaten in den Bottich:

Münchner Malz, Pale Ale Malz, Weizenmalz hell, Röstgerste, Roggenrohfrucht, Haferflocken Großblatt, Reisvollkornflocken, Hirseflocken gold, Cornflakes ungesüßt

Besonders die Verwendung von Getreideflocken ist empfehlenswert, da diese bereits erhitzt und somit aufgeschlossen wurden. Die Röstgerste – eine besonders hochtemperiert gedarrte Form der Gerstenrohfrucht – dient vor allem der Bierfarbbildung.

Hier nun der Brauprozess kurz zusammengefasst:

  • Schroten:

Zunächst einmal ging es ans Schroten. Dabei wird das Malz derart zerkleinert, dass das Lösen der darin enthaltenen Stoffe beim Maischen erleichtert wird.

Und so sah dann das Gesamtkunstwerk der Schüttung aus.

  • Maischen:

Maischen ist das Lösen von Malzinhaltsstoffen in Wasser durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Dabei wird die Schüttung je nach Brauverfahren entweder auf verschiedene Rasten oder per Kombi-Rast mit etwa 67°C warmen Wasser aufbereitet. Da die meisten Malze heutzutage bereits sehr gut vorbehandelt sind ist ein Stufenrastverfahren praktisch nicht mehr notwendig. Daher haben auch wir uns für die einfachere Kombi-Rast entschieden, die etwa eine Stunde gehalten wird.

  • Läutern:

Ist das Maischen nach positiver Iod-Probe beendet, müssen nun die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Ersteres – nun Bierwürze genannt – wird dabei u.a. mithilfe der Spelzen der Malze und einer Siebtechnik von letzteren – dem Treber – separiert umgefüllt. Dabei wird auch etwa die Menge Wasser die bereits in der Maische in Lösung getreten ist nochmals durch den Treber geführt um am Ende die entsprechende Stammwürze zu erhalten. Würze und Treber habe ich dann übrigens später zur Weiterverarbeitung mit nach Hause nehmen können (denn damit lässt sich wunderbar Brot backen).

  • Würzekochen (mit Hopfengabe):

Ist das Läutern beendet, kann die Bierwürze nun auf Temperatur gebracht werden. Dabei wird diese nochmals etwa eine Stunde bei über 80°C erhitzt. Im Rahmen dieses Schrittes erfolgt auch die Gabe des Hopfens. Für die erste Hopfengabe hatten wir uns für den Hallertauer Tradition entschieden. Kurz vor dem Ende des Kochens kam dann noch die Hallertauer Perle hinzu. Beides Hopfen die nicht dominant und extravagant in ihren späteren Aromen sind, sodass hier klar das Malz im Fokus bleibt.

  • Würzeklärung und Kühlung:

Nachdem der Hopfen ordentlich wirken konnte ging es daran die Würze von den durchs Kochen gelösten Eiweißen und anderen Schwebstoffen zu trennen. Dies macht man durch einen sogenannten Whirlpool, indem man durch kreisende Bewegungen die Masse in eine derartige Rotation bringt, dass sich die ungewollten Stoffe in der Mitte absetzen. Dadurch, dass wir die Hopfenpellets in kleine Säckchen hineingebracht hatten, konnten wir diese ganz einfach wieder rausholen ohne, dass sie beim nun folgenden Abfüllen der Gärbottiche verstopfen könnten. Während des Klärens wird die Würze zugleich schon abgekühlt, um die richtige Temperatur für die Hefebeigabe zu erreichen.

  • Gärung:

Im letzten Schritt wird nun der abgefüllten Bierwürze die angesetzte Hefe zugesetzt und die Bottiche verschlossen. Sozusagen als Experiment im Experiment haben wir in den beiden Bottichen zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Einmal eine universelle Hefe für deutsche obergärige Biere und zum Vergleich eine etwas würzigere Ale-Hefe.

Ohne nun natürlich zu wissen, wie das fertige Bier später schmecken wird, konnten wir festhalten, dass das Brauen mit alternativen Getreiden sehr gut möglich ist und ich Stand jetzt nicht verstehen kann, warum es nicht viel stärker proBiert wird. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Erfahrung und es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Und nun heißt es warten. Schließlich braucht gutes Bier Zeit. In etwa zwei bis vier Wochen sollte die Gärphase aber abgeschlossen sein und es kann abgefüllt werden, wovon ich selbstverständlich wieder berichten werde. Dann verrate ich auch den Namen des Bieres ;).

Vielen Dank auch nochmals an dieser Stelle an Ralf für das Ermöglichen dieses einzigartigen Brauexperiments. Ohne sein Equipment, seine Zutaten, seine Räumlichkeiten und vor allem seiner Erfahrung hätte ich so spontan nie machen können. Auch wenn es noch etwas reifen muss, freue ich mich schon sehr auf mein erstes eigenes Bier.

Prosit Mundus manufactum! 🍻🌾

270. Pearl River Beer

Die vermutlich einzige Rezension diese Woche führt mich in das Reich der Mitte. Genauer gesagt in das südchinesische Perlfluss-Delta. Dort befindet sich seit 1985 die Guangzhou Zhujiang Brewery Group Co., Ltd (廣州珠江啤酒集有限公司), die heute einer der größten chinesischen Brauereien ist. Die Brauereianlage ist durch ihre enorme Konzentration auf diesen einen Standort sogar eine der größten Produktionsstätten der Welt. Gelegen in Guangzhou, der Hauptstadt der Region Guangdong, ist sie zu 75% in staatlicher Hand. Die anderen 25% hat sich 2002 ABInBev gesichert, um die Marke zu professionalisieren und besser auf dem internationalen Markt platzieren zu können. Mit der Gründung des Zhujinag Brewery International Research arbeitet man inzwischen sogar auch mit der TU München zusammen.

Neben national wie international weniger bekannten Bieren wird vor allem das Pearl River bzw. Zhujiang Beer (珠江啤酒) hergestellt. Mit gerade in Deutschland unvorstellbaren 48.000 konsumierten Flaschen pro Stunde (!) zählt es zu den vier nationalen Biermarken Chinas. Wie für China (oder Ostasien im Allgemeinen) üblich wird neben importiertem Gerstenmalz (wahrscheinlich aus Kostengründen) auch Reis eingesetzt.

Der eigentliche Grund aber, warum ich das Zhujiang heute vorstelle, ist der Umstand, dass ich mit dieser Region einige Erlebnisse verbinde. So war ich Anfang 2010 im Zusammenhang meines Wirtschaftsgeographie-Studiums für mehr als 2 Wochen im Perflussdelta unterwegs. Im Rahmen eines großen Studienprojekts untersuchten wir die Region von der ehemaligen britischen Kolonie Hong-Kong, über Shenzhen, Dongguan, Guangzhou und Foshan bis hin zur heutigen Sonderverwaltungszone Macao hinsichtlich der Entwicklungen der dortigen weltwirtschaftlich höchst bedeutsamen Wirtschaftseinheiten und der Verflechtung dieser in die globalen Handelssysteme. Es war mein erster und bis heute einziger Asien-Besuch, der mir aus verschiedensten Gründen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Das Perfluss-Bier (zumindest das Lager) gehört nichtsdestotrotz weniger dazu.

Übrigens heißt der Perfluss Perlfluss, da am Boden des Flusses und im Delta perlfarbene Muscheln liegen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Guangzhou / China
Erscheinungsjahr. . .
1985

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___5
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: klar industriell, metallisch, würzig-süß, leicht karamellig-bitter
Geschmack: süffig, mittlerer Körper, süßlich, reisig, etwas bitter, wenig Spritzigkeit, grasig-herber-süßer Abgang
Gesamt: Nach dem das Äußere schon nicht so ansprechend und auch der nasale Eindruck stark industriell geprägt ist, bin ich überrascht, dass doch noch ein so passabler Geschmack um die Ecke kommt. Wahrscheinlich aufgrund des verwendeten Reises entsteht ein durchaus spannender grasig-würziger Geschmack, der an das asiatische Getreide erinnert. Gerade im Vergleich zu anderen internationalen Massen-Lager wirklich eine interessante (wenn auch kaum in Deutschland erhältliche) Alternative. In Summe etwas wohlwollende 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pearlriverbeers.com/ bzw. https://www.pearlriverbeer.company/beers.

Mehr zur Brauerei unter: http://en.zhujiangbeer.com/about/comins/.

Prost!

Blogbier, die XXI.

Anlässlich meiner Privataudienz bei meinem Kollegen Matthias, der sich gerade in Elternzeit befindet, haben wir unseren jeweiligen (internationalen) Bierfundus fusioniert und getilgt. Mit dabei auch Biere des letzen Pakets meines gewonnenen KALEABeertasting.Club-Bierabos:

  • Blonde of Saint-Tropez:
    – 5,6%; obergäriges belgisch Blonde
    – von der „Brasserie des Légendes“ (BST Breweries SA.) aus Brüssel
    – eine wirklich interessante Hefenote, die ich bisher so noch nicht geschmeckt habe
    http://www.blondeofsainttropez.com/our-beer/
  • Leffe Rituel 9°:
    – 9%; obergäriges belgisches Starkbier
    – aus einer der ältesten und bekanntesten belgischen Brauereien (Gründung 1240 in Dinant)
    – mit Mais
    – schmeckt wie zu erwarten hochklassig
    http://www.leffe.com/en/beers/leffe-rituel-9deg
  • Asahi Super Dry:
    – 5%; untergäriges Lager
    – von der 1889 gegründeten Asahi Beer K.K. aus dem japanischen Sumida – Produkteinführung 1987
    – der Name heißt auf deutsch Morgensonne
    – mit Reis & Mais
    – ersteres klar herauszuschmecken
    http://asahibeer.co.uk/products/
  • Urstrom – das natürliche Ale:
    – 5,5%; obergäriges German Pale Ale
    – Craft-Bier aus der 2011 entstandenen Sauer & Hartwig Brauerei in Flensburg
    – einziges hopfengestopftes Bier des Abends
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom-das-natuerliche-ale.html
  • frastanzer s’dunkle:
    – 5,6%; 12.6°P; untergäriges Dunkles
    – von einer der wenigen heute noch bestehenden Genossenschaftsbrauereien der Welt aus dem österreichischen Frastanz im Vorarlberg
    – neben über 150 institutionalisierten Mitgliedern (v.a. frühere Brauereien) sind seit dem letzten Jahr auch 1.000 Privatpersonen Teil der (elektronischen) Genossenschaft
    – während des 2. Weltkriegs wurde aus Rohstoffmangel auch mit Mais, Reis oder Zuckerrüen gebraut
    – gewohnt röstmalzig
    https://frastanzer.at/produkt/sdunkle
  • Mariestads Klass II:
    – 3,5%; untergäriges Lager
    – von der 1848 gegründeten Spendrups Bryggeri AB aus dem schwedischen Varby
    – recht gefällig
    http://www.spendrups.se/varumarken/mariestads/
  • Schwarzbräu Bayrisch Hell mini:
    – 4,8%; 11.4°P; untergäriges Helles
    – von der 1648 gegründeten Brauerei (incl. Mälzerei) aus Zusmarshausen in Bayrisch-Schwaben
    – unspektakulär lecker
    https://www.schwarzbraeu.de/de/biere/sortiment/unsere-biere/bayerisch-hell-mini

Vielen Dank also auch nochmals an Matthias für den netten Abend und die beigesteuerten Biere.

237. St. Feuillien Grisette Blonde

Nachdem sich die politische Nachrichtenlage in Deutschland wieder etwas beruhigt, möchte ich meine und Eure Aufmerksamkeit wieder auf was viel schöneres und konstruktiveres richten: Das Bier.

Mit dem heutigen Grisette Blonde aus dem Bestand der Brühler Eule biege ich endgültig auf die Zielgeraden meiner Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ ein. Dabei ist dieses eines (und vorerst das letzte) von inzwischen knapp zehn glutenfreien Bieren, die ich schon proBieren durfte. Über das Bio-Bier selbst lässt sich zwar nicht viel in Erfahrung bringen, außer dass es mit Reis- und Haferflocken sowie Milchsäure und Gewürzen gebraut und im Nachgang mit Ascorbinsäure versetzt ist. Ähnlich anderer bisher getesteter glutenfreier Biere wurde es mittels biochemischer Verfahren vom im Gerstenmalz natürlich enthaltenen Gluten befreit. Dafür kann die Brauerei mit einer kleinen aber feinen Geschichte aufwarten. 1873 gegründet und seither in gleichbleibender Familienhand geht sie zurück auf das Prämonstratenser-Kloster Saint-Feuillien du Rœulx, in dem seit 1125 durch die Chorherrn Bier gebraut wurde. Erst in den Wirren der französischen Revolution musste das Kloster und damit auch das Bierbrauen in der wallonischen Kleinstadt aufgegeben werden. Die Familie Friart knüpfte an diese Tradition im 19. Jahrhundert an und gehört heute dem belgischen Familienbraubund an. Mit 40.000hl gehört die Brauerei selbst in Belgien zu den eher kleineren Brauereien.

Bin ich also gespannt wie ein solche Zutatenliste schmeckt. Hinsichtlich der Reis- und Haferflocken sowie der Gewürze und Milchsäure habe ich eine sehr positive Meinung, da es das verkörpert, was ich mit meiner Blogbotschaft vermitteln möchte: Mehr Natürlichkeit. Bezüglich des Antioxidationsmittels hingegen bin ich hingegen etwas enttäuscht, da dies eigentlich schon ein Ausschlussgrund für meinen Blog wäre. Hoffentlich macht es wenigstens geschmacklich keine negative Beeinflussung.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Blonde
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis- & Haferflocken, Gewürze, Milchsäure, Hopfen, Hefe, Ascorbinsäure
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Le Rœulx / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: stärker würzig, malzig, getreidig, nussig, leicht süß
Geschmack: vollmundiger als gedacht, klar würzig & leicht gewürzig, weder Malz noch Hopfen dominieren, recht spritzig, herber Abgang
Gesamt: Überraschend würzig und fast schon Pils-ähnlich. Die Gewürze und die Milchsäure sowie der Reis zeigen sich nur unterschwellig, sind aber erkennbar. Gerade als Mensch mit Glutenunverträglichkeit aber eine sehr gute Bier-Alternative, die vor allem kaum an typischem Biergeschmack einbüßt. Auch wenn es ansonsten kein geschmackliches Highlight ist und es durch das eingesetzte Antioxidationsmittel Abzüge gibt ein wirklich grundsolides Bier. In Summe heißt das 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.st-feuillien.com/FicheTechnique.php?lang=1&ref=301.

Prost!

231. Urlaubsbiere – Bierverköstigung September

Hellers Kölsch | Ch’ti Blonde | Urstrom | Jenlain Blonde | Olivenbauer Hausbier | Saigon Export | Estrella Galicia | Xápμa Pale Ale | Affligem Hop Selection | Weyermann 11 Pumpernickel Porter | Akarusho Banana Wine | Sander Smoky Rauchbock | Altiplano Bière Bio au Quinoa

Nach kurzem Aussetzen letzten Monat war es gestern endlich wieder so weit: der allmonatliche Eulen-Montag mit Biersommelier Markus Weick stand an. Zudem hatten wie diesmal einen besonderen Gast zu begrüßen: Holger vom Blog WE LOVE PUBS hatte den Weg von Bonn auf sich genommen um diesem Event auch einmal beizuwohnen. Auf seiner Seite gibt er einen Überblick über das Ausgehen in Bonn in all seiner Vielfalt und führt durch das Bonner Nachtleben. Sein Bar-Guide geht aber auch über die Stadtgrenze hinaus – so schreibt er hin und wieder zum Beispiel auch für das Craftbeer-Magazin Hopfenhelden.  Und natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt uns zu den vielen Themen rund ums Bier  – wie Reinheitsgebot oder „Craftbeer“ – insbesondere aus Blogsicht auszutauschen.

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Hellers-Kölsch an, zu welchem ich bereits das Wieß proBieren durfte. Hellers ist nicht nur die erste Bio-Kölsch-Brauerei, sondern auch eine der ganz wenigen die sich trauen in der Domstadt auch ein Alt zu brauen.

Persönlicher Eindruck:
würzig, malzig, herb

Das Thema Urlaubsbiere birgt zwar nicht viel theoretisches Futter hatte aber den Charme, dass alle Gäste zuvor gebeten wurden Biere aus ihren jeweiligen Urlauben mitzubringen, die dann gemeinsam verkostet wurden. Deshalb hatte Markus auch gar nicht viele Biere selbst vorbereitet, wollte aber anhand eines Beispiels auf einen besonderen Aspekt des Themas eingehen.

Der Begriff Fernsehbier ist ja inzwischen relativ populär und assoziiert. Markus ist im Rahmen seines Frankreichs-Urlaubs aber auch ein anderes Bierphänomen gestoßen: Kino-Bier. So entstammt das folgende Ch’ti Bier zwar nicht direkt dem Kino, wurde aber durch den Film Bienvenue chez les Ch’tis überhaupt erst (international) bekannt.  Schließlich ist die Komödie bis heute der erfolgreichste Kinofilm aus Frankreich.

Persönlicher Eindruck:
süß (ähnlich wie Hirse), frisch, malzig, zuckrig, alkoholaromatisch

Das dritte „offizielle“ Bier war wieder ein alter Bekannter für mich. Das Veldensteiner Rotbier hatte ich bereits im vergangenen März verkostet.

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere fällt deshalb dieses Mal aus, da sowohl das Kölsch als auch das Rotbier nicht in die Wertung eingehen können.

Im Anschluss an diese „geführte“ Verkostung probierten wir uns dann durch die vielen interessanten Mitbringsel aus den Urlauben der Gäste:

  • Urstrom:
    – untergärig; 5,5%
    – erstes Flensburger Bio-Bier
    – von der 2011 gegründeten Sauer & Hartwig GmbH
    – gereicht in der 2l Flasche
    – gebraut werden zudem auch spezielle Biere aus der Vorderwürze
    – karamellig, trocken, herb
    http://www.sauer-hartwig.de/privatbr/index.php/urstrom.html

  • Jenlain Blonde:
    – obergärig; 6,8%
    – 2. und eines der ältesten Bière de Garde des Abends (eingeführt 1922/2005) von der Duyck Brasserie aus Jenlain in Nordfrankreich
    – leicht säuerlich, Schinken ohne Rauch, etwas bitter

    http://www.jenlain.fr/en/bieres/jenlain-blonde-2/

  • Saigon Export:
    – untergärig; 5,2%
    – gebraut durch die SABECO (Saigon Alcohol Beer and Beverages Corporation), welche dem staatlichen Ministerium für Handel & Industrie untersteht in der gleichnamigen und ehemaligen Haupt-Stadt Vietnams
    – mit einer Millionen Liter Ausstoß pro Jahr und einem Marktanteil von über 50% Vietnams bieriges Aushängeschild in der Welt
    – gebraut mit Reis

    http://www.sabeco.com.vn/default.aspx

  • Estrella Galicia:
    – untergärig; 5,5%
    – 1906 eingeführtes Lager der bis heute familiengeführten Brauerei Hijos de Rivera aus der Hauptstadt Galiziens A Coruña
    – nicht zu verwechseln mit dem „großen Bruder“ Estrella Damm
    – gebraut mit Mais

    https://estrellagalicia.es/

  • Affligem Hop Selection:
    – obergärig; 6,8%
    – Belgian Ale von der 1047 gegründeten Abtei-Brauerei in Opwijk nordwestlich von Brüssel
    – zitrus, spritzig, hopfig

    https://www.affligembeer.com/beers

  • Weyermann 11 Pumpernickel Porter:
    – obergärig; 6,5%
    – von der Versuchsbrauerei der größten Mälzerei Deutschlands aus Bamberg
    – mit Roggenröstmalz & 3% Pumpernickel-Brot
    – schokoladig-süß, säuerlich-karamellig, brotig

    https://www.weyermann.de/

  • Akarusho Banana Wine:
    – spontangärig; 14%
    – authentisches Hirse-Bananen-Bier aus Kigali – Ruanda
    – extrem trocken & süß, getreidig, alkoholaromatisch

    https://sinarwanda.com/

  • Altiplano Bière Bio au Quinoa:
    – untergärig; 4,5%
    – glutenfreies Bier von der 2011 gegründeten Brauerei aus dem Pariser Vorort Viry Chatillon
    – erstes Bierjubiläum-Bier mit Quinoa (+ Buchweizen & Gewürze)
    – frisch, fruchtig, herzhaft-süß, vielfältig

    https://www.altiplano.cc/index.html

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich aus der Eule mitgenommen habe:

  • Schmitz Kölsch:
    – obergärig; 4,8%
    – Kölsch des Salon Schmitz zwischen Rudolfplatz und Aachener Weiher (Einführung 2011)

    – wurde in meiner verpassten August-Verkostung im Rahmen der Kölsch-Reihe verkostet
    http://schmitzkoelsch.com/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend. Und vielen Dank auch an Holger für den Besuch und den sehr interessanten Austausch unter Blog-Kollegen.
Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Den Blog von Holger findet ihr unter: http://www.welovepubs.de/.

228. Green´s Discovery

Als 800. Bierjubiläumsbier habe ich mir für heute wieder ein ganz besonderes Bier ausgewählt. Es ist das erste britische Bier aus alternativen Getreiden und ohne Gluten. Was selbst heutzutage noch ein klares Nischenprodukt ist, war in den 1980ern noch gar nicht denkbar. Derek Green – Vater des heutigen Brauunternehmens – stand jedoch vor dem persönlichen Problem Bier sehr gerne zu trinken, aber kein Gluten vertragen zu können. So machte er sich aus dem Vorort von Manchester Hazel Groove in ganz Europa auf Reisen und suchte nach einem glutenfreien Bier. Erst 2003 hatte er dann endlich Glück und geriet an einem belgischen Professor für Brauwesen, dessen Tochter ebenfalls an Zöliakie erkrankt war. Beide starteten als klassische Entrepreneurs Selbstversuch um Selbstversuch um mit Getreiden abseits von Gerste, Weizen, Roggen und Hafer ein vernünftiges Bier zu kreieren. Nach ungefähr einem Jahr kam dann der Durchbruch und mit dem Discovery war der alternative und glutenfreie Pionier Großbritanniens geboren. 2008 gelang es den beiden dann auch Gluten aus „normalen“ Bieren ausreichend rückstandsfrei zu filtern, um es als glutenfrei verkaufen zu können.

Neben den beiden Hirsearten Sorghum und Millet wird dieses Bier mit braunem Reis und Buchweizen gebraut. Buchweizen zählt zu den sogenannten Pseudogetreiden, da er zwar gewisse Getreideeigenschaften – wie Körnung, Mehligkeit oder Nährwertzusammentzung – besitzt, aber als Knöterichgewächs keine Eigenbackfähigkeit mitbringt. In Asien wird er bereits seit etwa 4.500 Jahren kultiviert und kann heutzutage aufgrund seiner geringen Vegetationszeit noch nach der Getreideernte im Spätherbst angebaut werden. Buchweizen ist nahrhaft, schmeckt leicht nussig und kann gegen Venenleiden und hohen Blutzuckerspiegel eingesetzt werden.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Märzen
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Mohrenhirse, Rispenhirse, Buchweizen, brauner Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stockport / England [Lochristi / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2004

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: nussig, würzig, waldig-harzig, ganz leicht unangenehm seifig, matt und spritzig zugleich
Geschmack: süß-sauer, geringe Fruchtigkeit, süffig, geringer Körper, würzig-trockener Abgang
Gesamt: Als alternative Getreide-Sommelier behaupte ich jetzt mal sowohl die Hirse, den Reis als auch den Buchweizen herausschmecken zu können. Dieses Bier bereichert definitiv den Markt und ist für Zöliakie-Erkrankte eine gute Alternative. Im Vergleich zu „normalen“ Bieren wirkt es aber zugegebenermaßen etwas dünn und unausgewogen. Insgesamt ergibt das 10,5 Pkt. (2(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.glutenfreebeers.co.uk/shop/product/discovery/.

Prost!

227. Damm Daura Märzen

Mit dem heutigen Bier verlassen wir Deutschland auch schon wieder und begeben uns ins aktuell leider aus anderen Gründen in den Schlagzeilen stehenden Barcelona. Dort ist durch die Gründung eines Elsässer seit 1876 die Brauerei Damm ansässig, die insbesondere auch für Touristen für ihr Flaggschiff Estrella Damm bekannt ist. Was selbst ich aber bisher nicht wusste: Seit 2006 gibt es von dort auch eine ausschließlich glutenfreie Produktlinie. Unter dem Namen Daura wurde dort das erste spanische Lager ohne Gluten entwickelt, welches bis heute mit über 30 internationalen Auszeichnungen das erfolgreichste glutenfreie Bier der Welt ist. In 2014 wurde die neue Linie dann durch das Märzen erweitert. Dieses besteht neben knapp 18% Gerstenmalz auch aus Reis und Mais. Um eine garantierte Glutenfreiheit von unter 3 ppm zu gewährleisten, wird besonders glutenarmes Malz verwendet. Zudem erfolgt während des Brauvorgangs jeweils eine doppelte Protein-Filtration und hydrolytische Aufspaltung des Proteins Gluten. Das A im Logo von Daura soll übrigens dieses aufgespaltene Glutenprotein symbolisieren.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Märzen
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Mais, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Barcelona / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: süßlich-würzig, herzhafter Lebkuchen, leichte karamellige Bitterspitzen
Geschmack: süffig, würzig, karamellig-süß, etwas bitter zwischendrin, leicht öliger Abgang, matt & wenig Prickelfaktor
Gesamt: Da bin ich doch glatt überrascht. Sicher lässt der Bierstil Märzen eine relativ große Bandbreite an Geschmacksvariationen zu, aber wie es die Katalanen hier in glutenfreier Variante interpretieren ist schon ziemlich erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, dass man so tiefe und würzige Karamellnoten durch glutenfreie Gerste, Reis und Mais erzeugen kann. Gelten die letzten beiden doch eher als verwässernd ohne Charakter. Deshalb mit Recht 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://dauradamm.com/en/#daura-marzen-double-malt.

Prost!

Blogbier, die XVIII.

Letztes Wochenende fand die Hochzeits(nach)feier meines Kollegen Matthias in Damme statt. Dort gab es zwar mit Krombacher nur Monobier vom Fass – dafür hat man mir aber wenigstens ein Alternativbier aus Fernost serviert. Das entspricht zwar auch nicht wirklich meinen Vorstellungen von einem authentischen hochqualitativen Bier, war aber mal die Gelegenheit meine Bierkarte um ein weiteres großes „Land“ zu erweitern. Deshalb nun mit etwas Widerwillen folgendes Bier:

  • Tsingtao (青島啤酒):
    – 4,7%; untergärig
    – Pilsener-Flagschiff der zweitgrößten Brauerei Chinas und 6. größten der Welt im Sitz im heutigen Qingdao
    – 1903 in der damaligen deutschen Koloniestadt Tsingtau am Gelben Meer von deutschen Siedlern gegründet
    – 1914 von Briten zerschlagen und nach dem zweiten Weltkrieg verstaatlicht
    – nach der Teilprivatisierung in den 1990ern hält der Staat noch 45% der Anteile, 30% gehen an die japanische Braugruppe Asashi, die ihren Anteil wiederum von ABInBev erlangte
    – mit 50% Anteil meist exportiertes Bier der Volksrepublik
    – jährlicher Ausstoß: etwa 70 Mio. hl
    – ursprünglich nach dem deutschen „Reinheitsgebot“ gebraut, wird es heute auch mit Reis versetzt
    – durfte ich bereits 2010 bei einer China-Reise im Perl-Fluss-Delta praktisch vor Ort proBieren – interessanter sind aber eigentlich die weiteren Biere der Brauerei
    https://www.tsingtaobeer.com/ bzw. https://en.wikipedia.org/wiki/Tsingtao_Brewery
    – als weitere Lektüre zum Thema: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-57119188.html

Vielen Dank auf diesem Wege auch nochmals an Rebekka & Matthias für die schöne Feier.

221. Uiltje Rice Rice Baby

Bevor es hier nächste Woche mit den Höhepunkten meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ aus Riedenburg weitergeht gibt es heute noch ein ganz spannendes Reisbier.

Gebraut von der 2012 im niederländischen Haarlem gegründeten Uiltje-Brauerei, wird diesem Imperial oder Double IPA 20% Reis zugesetzt. Dabei ist es eines von aktuell knapp 20 entwickelten Bieren – historisch sind es trotz des so jungen Daseins bereits über 175! Dabei wird immer mal wieder auch gerne mit befreundeten Brauereien zusammengearbeitet – stets aber dem Motto:

„Our mission is pretty much monomaniacal: to brew f*cking good beer. We call it craft-y beer because the owl’s got a sharp, uncompromised tongue and a penchant for mischief.“

Vor 2 Jahren konnte dann auch die eigene Braustätte mitsamt Taproom in Haarlem eröffnet werden. Zudem existiert noch eine Uiltje-Bar in Haarlem, in der ganze 30 Fassbiere angeboten werden. Übrigens: Uiltje heißt auf Deutsch kleine Eule.

Darf ich also gespannt sein, wie mein zweites Bierjubiläum-Reisbier überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Haarlem / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: klar hopfig-fruchtig-frisch, Maracuja-, Mango- & Ananasaromen, grasig, leicht malzig
Geschmack: würzig-nussig, voller Körper, leicht ölig, aber nicht schwer, leicht bitter, nur wenig alkoholaromatisch, leicht karamellig, relativ spritzig, ölig-trockener Abgang
Gesamt: Auch das letzte Bier der Woche ist außergewöhnlich gut. Vor allem die nussige Würze in Verbindung mit der ölig-trockenen Basis sind sehr interessant. Spannend auch: Geruch und Geschmack stehen sich eigentlich diametral gegenüber. Ist es in der Nase noch hopfig-fruchtig, kommt auf der Zunge klar das Malz und der Reis durch. So viel Neues hat sich dann auch gute 12 Pkt. (2+) verdient. Auch wenn das Comic-Design der Etiketten ziemlich gewöhnungsbedürftig ist.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.uiltjecraftbeer.com/brewery-our-mission/.

Prost!

200. Alternative Getreide – Bierverköstigung Juni

Alzeyer Hirsetrunk | Mongozo Buckwheat White Beer | Kiuchi Hitachino Nest Red Rice  | Elav No War Rye IPA | The Dancing Camel Olde Papa | Shepherd Neame & Co. 1698 | Pinkus Jubilate

Am vergangenen Montag habe ich mein Comeback in der Kierberger Eule nach meiner Babypause feiern dürfen. Und das gleich mit einem Kracher: Dank meiner großartigen Frau hatte ich die Möglichkeit über mein Lieblings-Thema referieren zu dürfen: Alternative Getreide außer Gerste (und Weizen) im Bier. Nachdem es in der Mai-Verkostung rund um das Gerstenkorn ging, habe ich mich zum Wieder-Einstieg anderen Getreidegattungen gewidmet, die als Basis für Bier dienen. Denn neben Gerste und Weizen gibt es fünf weitere Hauptgattungen der in der Botanik als Getreide geltenden Pflanzen:

Dabei sind Einkorn, Emmer und Dinkel Ur-Formen des heutigen Weizens und werden als Urgetreide bezeichnet. Während Gerste, Weizen, Roggen und Hafer die klassischen europäischen Getreide sind, liegt der Ursprung der anderen drei Getreide außerhalb unseres Kontinents:

Vor der eigentlichen Verkostung ging es erst einmal weiter im Kölsch-Projekt, bei dem Markus bis 2019 (da wird die Kölsch -Konvention 33 Jahre) alle Kölsch vorgestellt und durchprobiert haben will. Diesmal stand das Peters-Kölsch an, welches ich zwar bereits im Rahmen meiner großen Kölsch-Verköstigung Anfang letzten Jahres probierte, es aber als Einstieg trotzdem ganz gut war – enthält es doch neben Gersten- auch Weizenmalz.

Den Beginn der Verkostungsreihe machte ein wirklich sehr sehr interessantes Bier aus Rheinland-Pfalz: Der Alzeyer Hirsetrunk. Das Bier wurde im Rahmen des monatlichen Bierfahrplans von Volker Bräu im Mai gebraut und auf dem Kölner Festival der Bierkulturen vorgestellt:

Persönlicher Eindruck:
relativ süß, aber weder fruchtig-süß noch karamell-süß, sondern getreidig-süß
sehr spannend und herausragend lecker

Leider ist dieses Bier zeitlich und räumlich nur sehr limitiert erhältlich. Gerne hätte ich mir noch mehr von diesem wirklich leckeren Trunk gegönnt. Und ohne es vorweg nehmen zu wollen: Die Konkurrenz hatte es am heutigen Abend schwer dieses noch zu toppen.

Neben den sieben Getreiden gibt es aber auch noch sogenannte Pseudogetreide. Das sind jene Pflanzen, die zwar Körner ausbilden, diese aber keine Eigenbackfähigkeit besitzen. Nichtsdestotrotz sind einige der Pseudogetreide hervorragend als Zutat zum Bierbrauen geeignet. Zu den bedeutendsten Pseudo-Getreiden zählen:

Konsequenterweise ging es also auch mit einem Bier dieser Kategorie weiter: Dem Mongozo Buchweizen Witbier. Grundsätzlich stammt das Rezept aus Angola, wird jedoch in Belgien gebraut. Deshalb wohl auch die Einflüsse eines klassisches Witbiers. Interessant ist an diesem Bier auch die Verwendung geheimer Gewürze – auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich hierbei um ein Bio- und Fairtrade-Bier handelt:

Persönlicher Eindruck:
trotz eines wohl eher geringen Anteils an Buchweizen kommt die nussige Note heraus, auch wenn der säuerliche Eindruck dominierte

Zum dritten Bier der Verköstigung wurde dann der europäische Kontinent aber wirklich verlassen. Es folgte das inzwischen auch in Deutschland recht gut erhältliche Hitachino Nest Red Rice Bier von Kiuchi aus der Nähe von Tokio in Japan. Neben Gerstenflocken enthält dieses Bier eben auch Roten Reis – eine der unzähligen Reissorten. Gebraut wird das Bier übrigens in einer eigentlichen Sake-Brauerei:

Persönlicher Eindruck:
sehr würzig, leicht süß und extrem vielschichtig

Zur Auflockerung der Runde gab es passenderweise im Anschluss einen Probierschluck Sake, den Markus mitgebracht hatte. Schließlich ist Sake – auch obwohl es auf deutsch als Reiswein übersetzt wird – ein sehr naher Verwandter des Bieres, was die folgende Übersicht des Herstellungsverfahrens verdeutlicht:

Doch was sind eigentlich die Vor- und Nachteile von alternativen Getreiden im Bier? Warum werden diese besonders außerhalb Deutschlands verwendet und wo liegen die Herausforderungen beim Brauen?

Es gibt also sicher einige Pro- und Contra-Punkte bei der Verwendung alternativer Getreidearten als Gerste und Weizen. Dass es in Deutschland jedoch sowohl gesetzlich als auch bierkulturell nicht zu einem stärkeren Einsatz dieser Getreide oder Vertrieb solcher Biere kommt, ist meiner Ansicht nach nicht zu erklären. Auch wenn ich keine Ausbildung oder gar Studium im Brauwesen genießen durfte, vermag ich einschätzen zu können, dass der Einsatz von Roggen, Hafer, Mais, Reis oder Hirse zumindest limitiert vorteilhaft für alle Beteiligten ist. So eröffnen sich der Brauerei deutlich mehr Möglichkeiten, wobei der Biergenießer von einer deutlich (qualitativ) höheren Biervielfalt profitieren könnte. Nicht nur der Hopfen kann bierprägend sein, auch auf das Getreide sollte endlich mehr Wert gelegt werden.

Den Abschluss der offiziellen Verkostung machte dann ein Bier mit Roggen aus Italien. Aufgrund dessen, dass es dort nie eine solche historische Biervielfalt wie in Deutschland gab, hat sich in Italien in den letzten Jahren eine deutlich stärkere Craft-Bier-Bewegung entwickelt als hierzulande:

Persönlicher Eindruck:
sehr IPA-like, leicht würzig und bittersüß

Hier also nochmals alle Biere (und die Sake) in der Übersicht:

Meine persönliche Gesamtwertung aller Biere sieht wie folgt so aus (wobei das Kölsch als themenfremdes Bier nicht in die Wertung einging):

Mit Markus teilte ich mir im Anschluss dann noch folgende Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • The Dancing Camel Olde Papa:
    – mediterranes Starkbier mit Dattelsirup
    – für die 1. israelische Mikrobrauerei Dancing Camel Brewing Company von der Berliner Bierfabrik gebraut
    – benannt nach einen historischen Braumeister
    – untergärig; 7,5%
    – Liebesgrüße aus Tel-Aviv
    https://www.dancingcamel.com/beers

  • Shepherd Neame & Co. 1698:
    – Kentish Strong Ale mit Flaschengärung
    – soll nach dem Bedingungen von 1698 gebraut worden sein
    – Real Ale
    – weitere Infos siehe auch W16

    – obergärig; 6,5%
    https://www.shepherdneame.co.uk/beer/1698

Beim Schreiben dieser Zeilen begleitet mich dann ferner noch folgendes Bier, das ich als Referentengeschenk von Markus erhalten habe:

  • Original Leipziger Gose:
    – original Leipziger Gose aus dem bayrischen Bahnhof
    – eingebraut mit Koriander und Salz
    – herrlich sauer-fruchtig

    – untergärig; 4,5%
    http://www.gose.de/

Vielen Dank also nochmals an Markus für den interessanten Abend und die tollen Biere sowie an das Publikum, das sich mit diesem Thema konstruktiv auseindergesetzt hat.

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

112. Godawari Premium Lager

Von der seichten Karibik geht es heute in schwindelerregenden Höhen zum höchsten Gebirge der Erde. Denn unweit von Katmandu im nepalesischen Hetauda wird seit über 40 Jahren das Godawari Lager gebraut. Gegründet vom Hamburger Dr. Huppmann ist heute erneut ein deutscher an der Brauerei beteiligt. Der Wirtschaftsjurist Thomas Schlau aus Koblenz braute hier zunächst seine Eigenkreation Coblenzer Märzen, bevor er selbst direkt in die Brauerei investierte. Mit bis zu 130.000 hl p.a. gehört die United Brewery inzwischen zu den größten und ältesten Brauereien der Himalaya-Nation. Der Name ist auf ein in der Nähe der Brauerei befindliches Dorf zurückzuführen, in dem ein Waisenhaus steht, für das je Flasche 1 ¢ gespendet wird. Inhaltlich bietet das Lager zwei (recht naheliegende) Besonderheiten: Es wird mit Himalaya-Wasser sowie Reis gebraut (und wäre damit nicht Reinheitsgebots-konform). Das Bier, was ich heute vor mir habe wird dabei jedoch nicht in Nepal selbst hergestellt, sondern per Lizenzverfahren in Belgien, damit es einfacher im Hamburg durch das Haus der 131 Biere vertrieben werden kann.

Steckbrief

112_Godawari-Steckbrief

Bewertung

112_Godawari

  • Flaschendesign + Kronkorken

Für meinen Geschmack zu unprofessionell und verspielt, aber sicher für internationale „Nepal-Verhältnisse“ angemessen. Leider auch nur ein Uni-Kronkorken.

  • Aussehen

Hell-gold-gelb und klar mit geringer schlieriger und wenig haltbarer Schaumbildung.

  • Geruch

Relativ angenehm malzig und leicht angehopft sowie klar grasig-reisig.

  • Geschmack

Insgesamt eine Komposition aus malzig-süßlichen, grasigen und leicht sauren Noten. Bei recht guter Resenz ist es sehr süffig. Im Abgang überraschend malzig und leicht herb. Auch hier ist der Reis noch zu schmecken.

  • Fazit

Auch wenn es natürlich schade ist nicht das Original-Bier aus Nepal trinken zu dürfen, so macht auch der belgische Klon einen guten Eindruck. Als eines der vielen Beispiele, warum das deutsche Reinheitsgebot von heute einer dringenden Reform bedarf, erreicht es in meiner Gesamtwertung gute 10 Pkt. (2-).

112_Godawari-Bewertung

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.biershop-hamburg.de/Godawari.

Prost!

100. Schwarze Biere – Bierverköstigung Oktober

Breznak Schwarzbier | Störtebecker Schwarzbier | Guiness Draught | Guiness Foreign Extra Stout | Inselbrauerei Baltic-Stout | Ale Mania Bonner Wieß | Mikkeller Milk Stout | Sharp´s Wolf Rock Red IPA

Titel_10

Am heiligen deutschen Nationalfeiertag ging es in die 10. Verköstigungsrunde in der Brühler Eule in diesem Jubiläumsjahr. Passendes Thema zur Wiedervereinigungsfeier waren schwarze Biere – sind diese schließlich das Aushängeschild mittel-ost-deutscher Braukunst. Dabei ging Biersommelier Markus nicht nur explizit auf Schwarzbiere, sondern auch weitere schwarze Biere ein. Als schwarzes Bier kann dabei jedes Bier von mindestens etwa 50 °L (Grad Lovibond)gemäß European Brewery Convention gelten. Die Farbe wird (neben Zuckercouleur) vor allem durch stärker gedarrtes oder geröstetes Malz hervorgerufen. Auch spezielles dunkleres oder schlicht die Verwendung von mehr Malz können Einfluss auf die Bierfarbe haben. Dabei sind schwarze Biere nicht automatisch vollmundiger oder alkoholhaltiger. Das deutsche Schwarzbier hat im Übrigen seinen Ursprung im heutigen Thüringen und südwestlichen Niedersachsen.

Den Start des Abends machte allerdings ein tschechischer Vertreter: Das Breznak Schwarzbier (siehe 47.):

1

Das zweite Bier kam dann nun auch aus Deutschland- genauer gesagt aus der 2011 gegründeten Störtebecker Braumanufaktur (siehe auch 31.):

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Mein Eindruck:
– Geruch: röstmalzig, Kaffee, trocken
– Geschmack: gehaltvoll, Kaffee, leicht süß, weich

Fürs nächste Bier ging es dann wieder ins Ausland. Diesmal aber auf die grüne Insel Irland:

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Dabei gab es das Bier ausnahmsweise aus der einzigartigen Guinness-Dose. Diese ist deshalb so interessant, da sie eine Kugel (ein sog. Floating Widget) enthält, welche mittels Stickstoff bei Öffnen der Dose den guinness-typischen feinporigen, üppigen und stabilen Schaum entstehen lässt.

Mein Eindruck:
– Geruch: kaum vorhanden, frisch, leicht röstig
– Geschmack: klar, wässrig, leicht

Direkt im Anschluss und sozusagen fast im Direktvergleich folgte ein weiteres Mitglied aus der großen Guinness-Familie:

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Wie auf der Karte zu erkennen handelt es sich hierbei um ein authentisches afrikanisches Guinness, welches aus Nigeria importiert wurde. Dabei muss erläutert werden, dass vom Gesamtausstoß von Guinness weltweit ca. 40% auf den afrikanischen Kontinent entfallen. Das heißt, dass nicht nur das Bier dorthin exportiert wird, sondern es vor Ort in Afrika produziert wird. Lediglich der Guinness-prägende Hefe-Stamm wird aus Irland importiert. Und aufgrund einer großen nigerianischen Bevölkerungsgruppe in London, wird das in Afrika gebraute Guinness tatsächlich auch nach Europa exportiert. Im Gegensatz zum irischen Produkt werden in den afrikanischen Versionen übrigens auch Weizen- und Hirsemalze verwendet.

Mein Eindruck:
– Geruch: sauer, bitter, frisch, malzig
– Geschmack: bitter, süß-sauer, leicht fruchtig, leicht holzig

Zum Abschluss der offiziellen Verköstigung ging es dann wieder zurück in die Heimat:

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Wie zu sehen, handelt es sich dabei und eine noch sehr junge Brauerei aus Rügen. Besonderheit des Bieres ist neben der Verwendung von Hafermalz auch die Zusetzung von Traubenzucker.

Mein Eindruck:
– Geruch: frisch-fruchtig, leicht malzig
– Geschmack: bitter-süß, blumig, würzig

Meine persönliche Gesamtwertung der Biere sieht dann so aus:

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Markus und ich teilten uns dann noch folgendes Biere aus der mehr als reichhaltigen Auswahl der Eule:

  • Ale Mania Bonner Wieß:
    – wahres Bonner Lokalbier und klarer Kandidat für meine „Hall of Fame“
    – insgesamt sehr spritzig, hell, wenig gehopft, mehr Gersten- als Weizenmalznoten und nicht sehr süffig
    – obergärig, 12°P, 4,5%
    http://www.ale-mania.de/

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  • Mikkeller Milk Stout:
    – vom weltweit größten Gipsy-Brauer aus im dänischen Kastrup
    – wird im belgischen Lochristi-Hijfte bei De Proef gebraut
    – Verwendung finden hier Laktosekulturen, welche dem Bier zugesetzt werden und von der Hefe nicht vergoren werden
    – insgesamt relativ süß, leicht röstig und malzig und im Abgang wirklich sehr lecker milchig und süffig
    – obergärig, 6%
    http://mikkeller.dk/

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  • Sharp´s Wolf Rock Red IPA
    – aus der 1994 gegründeten Brauerei im englischen Rock in Cornwall
    – insgesamt trocken-malzig, blumig-waldig, bitter-fruchtig-süß und unscheinbar süffig
    – obergärig, 4,8%
    http://mikkeller.dk/

Beim Schreiben dieser Zeilen hat mich im Übrigen das Bio-Reisbier (untergärig, 4,3%, Zutaten: Reissirup und Hopfen) aus dem Hause Liebhart (Gründung 2003 aus Detmold) begleitet, welches ich mir noch mit nach Hause genommen hatte. Gleichzeitig ist es auch eine Premiere, da es das bis dato erste Reisbier des Bierjubiläums ist. Geruchlich tatsächlich sehr reis-ähnlich und säuerlich. Geschmacklich trocken-süßlich, wässrig, prickelnd und leicht fruchtig.

SAM_0787

Mit voller Vorfreude auf die kommenden Verköstigungen – von denen ich selbstverständlich wieder berichten werde – verabschiede ich mich in den Abend.

Weitere Informationen zur Eule, zu den Aktionen und zum Biersommelier Markus Weick unter: http://wordpress.99biere.de/

Blogbier, die VIII.

Am Wochenende hatten wir wieder mal Besuch aus Herzebrock-Clarholz. Folgende Biere standen dabei auf unserer Agenda:

IMG_20160825_203559Bierfacts:

IMG_20160825_214501Bierfacts:

  • Duckstein Original:
    – obergäriges Bier (laut ratebeer.com) nach Alt(er)-Brautradition und auf Buchenholz gereift (4,9%)
    – geschmacklich wirklich einmalig und jeden Cent wert
    – die Brauerei wurde 1640 in Königslutter am Elm gegründet
    http://www.duckstein.de/duckstein-bier/#c802

IMG_20160827_200749Bierfacts:

IMG_20160827_204625Bierfacts:

  • Nörten-Hardenberger Pils:
    – 11.2°P, 4,8%
    – aus der Martini-Brauerei in Kassel (Einbeck-Konzern) – der Ort selbst liegt nördlich von Göttingen
    http://www.noerten-hardenberger.de/
  • Kilkenny:
    – Red Ale (4,3%) aus dem Hause Guinness (Diageo-Konzern)
    – in Irland wird mit Smithwick’s eine alkoholarmere Variante vertrieben
    – geht auf das erstmals 1710 in der St. Francis Abbey in Kilkenny (zentral-südwestliches Irland) gebraute Bier zurück
    – seit der Schließung der alten Braustätte 2012 in Kilkenny, wird es in Dublin gebraut
  • Menabrea La 150° Bionda:
    – Lager (11.2 °P, 4,8%) mit Mais gebraut
    – aus der 1846 in Biella in Piemont gegründeten und 1864 von Menabrea und Zimmermann gekauften italienischen Brauerei
    http://www.birramenabrea.com/en/lager-en

IMG_20160827_213029Bierfacts:

  • San Miguel Especial:
    – Lager (5,4%)
    – das international wohl bekannteste Bier Spaniens kommt eigentlich ursprünglich aus der Hauptstadt Manila der damaligen spanischen Kolonie Philippinen
    – heutzutage werden eine Original-Marke und eine internationale Marke des gleichen Bieres vertrieben
    https://www.sanmiguel.com/de/producto/san-miguel-especial/
  • Zeezuiper Tripel:
    – 8%
    – aus der 1994 gegründeten Scheldebrouwerij aus Meer in Belgien in unmittelbarer Nähe zu den Niederlanden
    http://www.scheldebrouwerij.com/schelde-bieren/zeezuiper
  • Duckstein Rubin Bock
    – untergäriger Bock (6,8%)
    – weitere Infos s.o.

Und auch diesmal gab es wieder leckere Bier-Mix-Cocktails aus der HausMannBar – diesmal WeiBa Deluxe und Weißbier-Mojito mit dem hervorragenden Duckstein Weizen Cuvée:

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Vielen Dank nochmals auch auf diesem Wege an alle für das schöne Wochenende.

Bierbörse Bonn 2016

BBBIn der Bonner Rheinaue findet an diesem Wochenende die inzwischen schon 21. Bonner Bierbörse statt. Im Jahr des Bierjubiläums eine Veranstaltung, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. So bin ich auch gleich Freitag nach Feierabend mit zwei Kollegen dort gewesen.

Und ich muss sagen, das es gut war. Sicherlich waren auch viele bekannte Brauereien vor Ort, aber nicht zuletzt am Stand vom Haus der 131 Biere gab es mehr Auswahl an interessanten internationalen Bieren, als man überhaupt probieren konnte. Gerade die außereuropäischen Biere wollte ich mal probieren, wo sonst (außer per Online-Kauf) ist es schließlich so einfach daran zu kommen.

Hier also einige Impressionen:

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Folgende Biere haben es in unsere Auswahl geschafft:

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Bintang Pilsener:
– aus dem indonesischen Metan (4,7%)
– noch zu niederländischen Koloniezeiten gegründet (1929) und heute Teil des Heineken-Imperiums
http://www.multibintang.co.id/our-brand/bintang

Singha Lager:
– aus der Boon Rawd Brauerei in Bangkok (gegründet 1933, 5%)
– Singha ist eine thailändische Mystikfigur
http://www.boonrawd.co.th/singha-corporation/en/singha-beer-alcohol-products.php

Cobra:
– Lager aus dem indischen Bangalore (gegründet 1989, 5%)
– enthält Reis und Mais
http://www.cobrabeer.com/en/products/cobra-premium
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Brahma:
– 4,3%iges Lager aus dem brasilianischen Rio de Janeiro
– 1888 von einem Schweizer Auswanderer gegründet ist es heute ein Urspungsteil des weltweit größten Bierunternehmens AB InBev
http://www.brahma.com.br/

Eburni:
– Lager aus der ehemaligen Hauptstadt der Elfenbeinküste Abidjan (4,5%)
– wird eigentlich in Belgien gebraut
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/327

Palanca Negra:
– Lager aus der angolischen Exklave Cabinda (5%)
– der Name heißt übersetzt „schwarze Antilope“ und deutet nicht auf die Farbe des Bieres, sondern auf die Fußballnationalmannschaft hin
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/3251

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Nofretete’s Tradition:
– naturtrübes Bier nach einem alten ägyptischen Rezept im belgischen Ichtegem gebraut (5,2%)
– enthält Feigen, Datteln, Gewürze und Kräuter (nur leider keine Hirse mehr)
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/692

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Mexicali:
– mexikanisches Pilsener (5%) aus der Grenzstadt Tecate
– 1923 gegründet ist es nicht mehr in mexikanischer Hand
http://mexicalibeer.com/mexicali_beer.html

Tui EIPA:
– East India Pale Ale aus dem neuseeländischen Mangatainoka (gegründet 1889, 4%)
– das wohl entfernteste Bier des Bierjubiläums
http://www.tui.co.nz/beer/tui-eipa

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Akosombo:
– Lager aus dem Königreich Hohoe in Ghana (5,5%)
– zwar in Deutschland gebraut, dafür gehen die Erlöse an Hilfsprojekte im Königreich Bansah
http://koenig-bansah.de/

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Cerveza de los Mayas:
– 6%iges Schokoladenbier aus der 2010 gegründeten deutschen Mikrobrauerei Sol de Copan in Copan Ruinas-Honduras
– der verwendete Rohkakao macht daraus ein leckeres Dessert-Bier
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/760

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Red Stripe:
– jamaikanisches Lager (4,7%) aus der Hauptstadt Kingston
– gebraut durch Desnoes and Geddes seit 1938
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/339

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Lapin Kulta:
– Export (5,2%) aus dem finnischen Lahti
– gegründet 1873 ist die Brauerei, dessen Name „Gold Lapplands“ bedeutet, inzwischen geschlossen
http://lapin-kulta.com/2.html

Baldus Rossa:
– 5%iges rotes Ale aus dem argentinischen Rio de la Plata
– seit 2010 in einer Mikrobrauerei produziert
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/758

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Chinggis:
– Mongolisches Lager mit 5% aus der Hauptstadt Ulaan Baator
– 1997 als Gasthausbrauerei gegründet wird es inzwischen unter Lizenz in Deutschland produziert
http://www.biershop-hamburg.de/epages/61099670.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61099670/Products/322

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Cusqueña Golden Lager:
– 4,8% / 11.2 °P
– hergestellt von Compania Cervecera Del Sur Del Peru in Arequipa
http://backus.pe/marcas/cervezas/cerveza-cusquena/

Fazit:
Insgesamt ist die Bierbörse eine hervorragende Institution. Wenn nun noch weniger große deutsche Brauereien und dafür mehr kleine und internationale Bierbrauer am Start wären, wäre es noch interessanter. Aber auch so ist die Auswahl schon größer, als man in einem Jahr alles kennen lernen könnte. Deshalb habe ich mir wenigstens vier Biere nach Hause mitgenommen – dazu an dieser Stelle später mehr.

Weitere Infos zur Bierbörse auch unter: http://www.bierboerse.com/city/bonn.htm

Auf die weltweite Biervielfalt! Prost!