Archiv der Kategorie: Bierrezension

344. Maisel & Friends Artbeer #1 – CASE Maclaim

Noch vor meinem Urlaub an der ostfriesischen Nordsee erreichte mich erneut eine tolle Flaschenpost von Eva Ploß aus Bayreuth. Inhalt der Lieferung war das erste Bier von Maisel & Friends der neuen Artbeer-Reihe. Dabei soll handwerkliches Bier mit ausdrucksstarker Kunst verknüpft werden.

Für dieses Pilot-Projekt konnte man den internationalen Streetart-Künstler Andreas von Chrzanowski aka CASE aus Frankfurt gewinnen. Als Gründungsmitglied der Künstlerorganisation Maclaim Crew ist er einer der Pioniere des Fotorealismus in der Streetart. Mit seinen Motiven, die hauptsächlich die Anatomie der Hände in den Mittelpunkt rücken, schmückte er bislang vor allem Hausfassaden oder Leinwände. Mit Unterstützung von Jessica von I Know A Guy gelangte seine Kunst nun erstmals auch auf eine Bierflasche. Das Motiv „Power of Movement“ ist Teil einer größeren bekannten Leinwandarbeit und macht sich selbst für mich Kunstbanausen auf der Flasche sehr gut – auch wenn ich nicht genau weiß, was das Motiv genau ausdrücken soll.

Doch nicht nur das Äußere soll überzeugen, auch auf die inneren Werte der Bierflasche wurde geachtet. So handelt es sich hier um ein sog. Hoppy Strong Ale mit kaltgehopften Mosaic- und Citra-Hopfen sowie knapp 10 Umdrehungen.

Braukunst + Streetart = a perfect match!

Our heart is full of art! Enjoy!

Fill your glass with art!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Strong Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  19,3°P
Alkoholgehalt. . . . . . 9,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Ananas, Apfel, Mango, Litschi & Limette, grasig, waldig, etwas spritzig
Geschmack: voller Körper, weich, grasig, hopfig, etwas bitter, leicht alkoholaromatisch, weniger fruchtig, matt, warmer hopfiger Abgang
Gesamt: Wieder mal ein klasse Bier meiner inzwischen fast schon Lieblings-Brauerei. Sowohl olfaktorisch als gustatorisch ein Genuss, der die Sinne vielfältig fordert und somit zu keinem Zeitpunkt langweilig ist. Also im Prinzip genau das, was Kunst doch sein sollte. In Zahlen ergibt dies satte 13 Pkt. (1-) für diese bierige Bottleart.

Mehr Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/artbeer-case-maclaim/.

Mehr Infos zu Case_Maclaim unter: http://www.maclaim.de/start.html bzw. http://maclaim.blogspot.de/.

Prost & guten Abend! 🍻

343. Küstenbrauerei zu Werdum Watt’n Bier dunkel

Als drittes und letztes Bier aus unserem Ostfriesland-Urlaub, möchte ich Euch heute das Watt’n Bier vorstellen. Auch, wenn ich es schon in Dornumersiel vom Fass trinken durfte, möchte ich es Euch trotzdem nicht vorenthalten.

Zu dieser Gelegenheit hatte ich übrigens auch kurz den alten Braumeister der Küstenbrauerei kennen lernen können, mit dem ich mich über das Brauen, die Brauerei und unsere Biere austauschen konnte. Im Anschluss überreichte er mir noch den aktuellen Brauwelt-Brevier, der so ziemlich alle statistischen sowie betriebs- und volkswirtschaftlichen Kennzahlen und Informationen über das deutsche (und internationale) Bier enthält.

Gekauft habe ich die heutige Flasche in Bensersiel, wobei ich mich für das dunkle entschieden hatte, da ich bereits letztes Jahr mal in den Genuss des hellen aus der Flasche kam.

Auf den ersten Blick erschein mir auch damals das Bier irgendwie etwas zu „touristisch“, doch der genauere Blick ließ mich meine Meinung nochmals revidieren. Die Küstenbrauerei zu Werdum liegt im relativ zentralen Norden Ostfrieslands und besteht nicht nur aus der Brauerei, sondern auch aus Brennerei, Kaffeerösterei sowie einem Hotel und Gasthof. Damit liegt sie in direkter Nachbarschaft zum ostfriesischen Brauriesen Jever und ist eine der wenigen Privatbrauereien Ostfrieslands. Zu meckern habe ich somit an der Brauerei zunächst nur das merkwürdige Website-Management: Probiert einfach mal selbst die unten stehende Internetseite aus.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Werdum
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: leicht metallisch, leicht röstig, etwas dunkelmalzig, karamellig, ein Hauch Gemüse
Geschmack: eher schlanker Körper, recht dünn, leicht fruchtig, karamellig, holzig, würzig, leichte Malzsüße, gering bitter, feinperlig, trocken-süßlicher Abgang
Gesamt: Wie auch schon vom Fass ist das Dunkel vor allem im Vergleich zum hellen eher nur mäßig. Gerade für ein ostfriesisches Bier mit Kaffeerösterei hätte ich mir eine klarere Röstung und mehr Herbe erwartet. Es ist sicher kein schlechtes Bier und lässt sich süffig trinken, dennoch erwarte ich bei einem Dunkel etwas mehr Charakter. Daher kann es heute leider nicht mehr als 7 Pkt. (3-) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.werdumer-hof.de/brauerei-wattn-bier/brauhaus.html.

Prost & guten Abend! 🍻

342. Ostfriesen-Bräu Landbier dunkel

Ohne viele weitere Worte zu verlieren möchte ich nach dem gestrigen hellen heute mit dem dunklen Landbier vom Ostfriesen-Bräu nachlegen. Mal schmecken, ob das zweifach mit dem goldenen European Beer Star ausgezeichnete Bier ebenfalls überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dunkel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bagband
Erscheinungsjahr. . .
1998

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: röstig, trocken, holzig, karamell-malzig, etwas Kaffee
Geschmack: mittelgroßer Körper, dünn, leicht röstig, leicht karamellig, leicht waldig & erdig, feinperlig, trocken-herb-süßer Abgang
Gesamt: Während es in den ersten drei Kategorien noch ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ist, entscheidet der Geschmack relativ klar für das gestrige helle Landbier. Entweder meine Geschmacksknospen sind heute überreizt oder das Bier ist wirklich charakterärmer. Zwar hat es für ein dunkles eine hohe „Drinkability“, überzeugt aber ansonsten nur mit nicht voll ausgeprägten röstigen oder süßen Geschmacksnuancen. Deshalb hier „nur“ 9,5 Pkt. (3++) für das zweite Ostfriesen Bier.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ostfriesenbraeu.de/.

Prost & guten Abend! 🍻

341. Ostfriesen-Bräu Landbier hell

Zurück aus unserem Bauernhof-Nordsee-Urlaub – von dem ich an dieser Stelle noch berichten werde – möchte ich drei Biere vorstellen, die ich zwar vor Ort erwerben konnte, jedoch Euch nicht vorenthalten wollte. Es sind Biere der relativ rar gesäten ostfriesischen Privatbrauereien. Beginnen möchte ich mit den zwei im Handel erhältlichen Bieren des Ostfriesen-Bräu. In Großefehn-Bagband gelegen wird seit 1998 unter diesem Namen handwerklich Bier gebraut. Braumeister René Krischer erwarb in jenem Jahr ein seit 1902 bestehendes Molkereigelände und installierte dort neben einer modernen Brauerei und einem Brauhaus auch ein Brauereimuseum für alte (noch funktionsfähige) Brauanlagen. In dieser Biererlebniswelt bietet er zudem auch ganztätige Braukurse an. Da ich es diesmal nicht geschafft hatte die Brauerei zu besuchen, war ich froh, dass ich über die Ostfriesen-Biere im dortigen Edeka gestolpert war, sodass ich sie wenigstens aus der Flasche proBieren kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Helles
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bagband
Erscheinungsjahr. . .
1998

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: Mix aus Malz, Holz, Frucht & Karamell
Geschmack: mittelgroßer Körper, (trocken-)malzig, leicht süßlich, waldig, getreidig, leicht torfig & erdig, wenig herb, feinperlig, trockener Abgang
Gesamt: Ein wirklich guter Wiedereinstieg in den Blog. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen macht dieses Landbier einen mehr als passablen Eindruck. Auch wenn ich beim Bierstil noch so meine Schwierigkeiten der Zuordnung habe, scheint es handwerklich gut gemacht zu sein. Kein Überflieger, aber mit 11,5 Pkt. (2(+)) durchaus im oberen Drittel anzusiedeln.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ostfriesenbraeu.de/landbier-hell/.

Prost & guten Abend! 🍻

340. Hachenburger Space Pils

Anlässlich des heutigen Christi Himmelfahrt melde ich mich aus meinem Familienurlaub an der ostfriesischen Nordsee zurück. Passend zu diesem Feiertag, an dem sich Jesus Christus endgültig ins Himmelreich begab, möchte ich Euch ein wirklich besonderes Bier vorstellen. Denn es ist das erste Bier weltweit, dass mit Hopfen aus dem Weltall gebraut wurde. Erhalten habe ich eines der letzten Hachenburger Space-Pils schon vor einigen Wochen vom Bürgermeister der Gemeinde im Westerwald höchstpersönlich.

Die Reise des Hopfens beginnt im Frühjahr 2017 als die Familienbrauerei Hopfensamen als Gratiszugabe zu ihren Bieren gibt und alle Käufer und Bierliebhaber darum bittet diese in ihrem Garten einzupflanzen. Etwa ein halbes Jahr mussten diese dann gehegt und gepflegt werden, bevor sie im September geerntet werden konnten. Zum Hopfenpflückerfest der Brauerei, die selbst auch einen Hopfengarten besitzt, sollten dann alle selbstangebauten Hopfenblüten mitgebracht werden. Der „Bürger“-Hopfen wurde dann gedarrt und vakuumiert, um ihn für die große Reise vorzubereiten. Mit Unterstützung des Studio Weichselbaumer aus Passau wurde der gesammelte und vorbereitete Hopfen schließlich vom Hof der Brauerei mit einer Space-Ballon-Sonde ins Weltall geschickt. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 m/sek. stieg der Ballon bis auf 36 km Höhe auf – ungefähr die Höhe die auch Weltrekordler Felix Baumgartner erreichte. Streng genommen ist das zwar noch die Stratosphäre, da das sog. Weltall erst bei etwa 100 km Höhe beginnt, aber wir lassen das mal so gelten. Ausgestattet mit modernster Kamera- und Ortungstechnik wurde der gesamte mehrstündige Flug aufgezeichnet, sodass auch ein schnelles Auffinden nach der Landung ermöglicht werden sollte. Doch es kam etwas anders als geplant als die Sonde in ein Funkloch verschwand und zunächst nicht mehr zu orten war. Nach einem öffentlichen Facebook-Aufruf konnte sie aber am nächsten Morgen am Hof Holpe im Siegerbergländischen Forst ausfindig gemacht werden. Sofort wurde der Space-Hopfen wieder zurück zur Brauerei gebracht und dort als Kalthopfung in den Pils-Sud eingebracht.

(Quelle: Westerwald-News Ausgabe 48-17 vom 25.11.17)

Nun bin ich also gespannt auf dieses in mehrfacher Hinsicht wirklich besondere Pils an diesem passenden Tag.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hachenburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: Hopfig aromatisch, grasig, zitronig, limettig, leichte herbe, wenig Malz
Geschmack: mittelkleiner Körper, spritzig bis feinperlig, süße hopfige Herbe, ganz wenig bitter, etwas dünn, leichte Zitrusnoten, etwas grasig, leicht hell malzig, weich herber Abgang
Gesamt: Ein wahrhaft galaktisches Bier. Das Pils wird durch den Aromahopfen gut aufgewertet ohne zu dominant zu sein. Insgesamt ein recht mildes Bier dieses Stiles, dessen grasig-fruchtig-süße Hopfenherbe erst spät durch etwas Malz eingeholt wird. Inwiefern man hier jedoch den galaktischen Einfluss herausschmecken kann, wage ich nicht zu beurteilen. Nichtsdestotrotz ein spannendes Bier(-projekt), das seines Gleichen sucht. Für mich hier und heute 12 Pkt. (2+) wert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://hachenburger.de/space-pils.

Prost & guten Abend! 🍻 🌟

P.S.: Unter dem Motto „Beer for Space“ haben kürzlich die 4 Pines Brewing Company in Kooperation mit den Saber Astronautics das Label Vostok Space Beer in Erinnerung an die erste menschliche Weltraummission von Yuri Gagarins ins Leben gerufen. Ziel der Unternehmung ist es ein Bier zu entwicklen, das einerseits den physiologischen Besonderheiten des menschlichen Organismus im All angepasst ist und das zudem in einer Flasche erhältlich ist, die auch in Schwerelosigkeit ihren Zweck erfüllt. In der Hoffnung auf einen baldig beginnenden und florierenden Weltraumtourismus will man so Pionier auf diesem Gebiet sein und eine bislang gänzlich neue Zielgruppe erreichen.

339. Big Boss Saints & Sinners

Vor meinem nahenden zwei-wöchigen Familien-Urlaub an der Nordsee möchte ich Euch ein Bier aus meinem Fundus nicht vorenthalten. Es ist in mehrerlei Hinsicht interessant.

Gebraut von der Big-Boss-Brewery aus dem US-amerikanischen Raleigh (North Carolina) ist es eines der inzwischen zahlreichen Biere der Strange Cargo Series, die 2014 ihren Anfang nahm. Hierbei füllt die Craftbrauerei ihre Biere für mindestens ein halbes Jahr in Eichenholzfässer, in denen zuvor Bourbon, Wein, Tequila oder Brandy lagerten. Das Saints & Sinners (im Jahre 2016 eingeführt) ist ein Stilmix aus einem Flämischen Rot-, Flämischen Braun- sowie einem Amerikanischen Sauerbier und durfte ebenfalls in einem solchen Fass reifen. Besonders macht es zudem durch die Verwendung von Mais aus der Yates Mill – einer der ältesten noch immer arbeitenden Steinmühlen der Vereinigten Staaten (est. 1756).

„wood=good

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Flämisch Rotbraunes American Sour
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Maisgrieß, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Raleigh
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: dunkel-fruchtig-sauer, nach Himbeeren, Kirsche, Traube, Granatapfel, bitter-malzig, leicht verbrannt, dumpfe Süße, etwas Fehlaromen
Geschmack: erfrischend, sehr spritzig, sehr fruchtig, sehr sauer, relativ bitter, kaum Malz, kaum Hopfen, weinartig, dezenter Abgang
Gesamt: Also wer Wein lieber als Bier trinkt, der sollte hier zuschlagen. Ein Sauerbier, das tatsächlich (vermutlich infolge der Weinfasslagerung) geschmacklich deutlich näher am Wein als am Bier im engeren klassischen Sinne liegt. Auch wenn das wieder einmal die unglaubliche Vielfalt und Möglichkeiten des Bieres aufzeigt und objektiv auch eine recht gute Qualität aufweist, ist es mir schlicht wieder zu einseitig sauer und fruchtig. Für mich also weder Saint noch Sinner und alles in allem 8 Pkt. (3) wert.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bigbossbrewing.com/?page_id=400.

Prost & guten Abend! 🍻

338. Ale Mania | Hertl Herr Hertl Mania Rauch IPA

Nach dem gestrigen Rauch-Dubbel folgt heute eines der ersten, aber nicht mehr einzigen Rauch-IPAs. Entstanden ist es in rheinisch-fränkischer Koproduktion der beiden Craft-Brauer Fritz Wülfing von Ale-Mania aus Bonn und David Hertl aus der gleichnamigen Braumanufaktur in Schlüsselfeld. Beide haben in etwa zeitgleich 2013 angefangen aus ihrer schon jahrelangen Leidenschaft des Bierbrauens auch eine kommerzielle Brauerei zu formen. Dabei fokussiert sich Hertl inzwischen eher auf Bierspezialitäten wobei Wülfing in den „klassischen“ Craft-Stilen, wie IPA, Gose oder aber auch Wieß unterwegs ist.

Mit dem Rauch-IPA verbinden beide ihre Kernkompetenzen. Während Wülfing in Bonn bereits unzählige IPA-Varianten (u.a. DryPA, Session IPA und NEIPA) erfolgreich auf den Markt bringen konnte, bringt Hertl den urtypischen fränkischen Rauch mit ins Rheinland. Eine Kombination ähnlich wie beim gestrigen Rauch-Dubbel, die mehr als ungewöhnlich ist aber gerade deshalb mein Interesse geweckt hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauch-IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr spannender Mix aus Raucharomen und sehr grasigen Hopfennoten, dazu leichte Karamell- & Fruchtsüße, waldig, harzig, erdig, holzig
Geschmack: vollmundig, feinperlig bis spritzig, trocken-rauchig, Hopfen-bitter, grasig, leicht süß, bitter-spritziger Abgang
Gesamt: Welch ein interessantes Bier. Niemals zuvor habe ich die hopfigen Gras- und Bitternoten in Kombination mit Raucharomen geschmeckt. Eigentlich verwunderlich, dass im Zuge des IPA-Hypes der Craftbier-Welle nicht schon viel früher auch ein solches Bier entstanden ist. Während es in der Nase noch fast uneingeschränkt meine Zustimmung erhält, ist es auf der Zunge schon wirklich gewöhnungsbedürftig, wenngleich auch wirklich gut gemacht. Besonders für Freunde beider Bierstile absolut zu empfehlen, gewöhnliche Kölsch-, Alt- oder Pils-Trinker würde ich davon abraten. Allen anderen: Traut Euch! Nicht oft bekommt man ein derart spannendes Bier zu trinken. In Punkten bedeutet das 12 (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://shop.braumanufaktur-hertl.de/21-unsere-biere.

Prost & guten Abend! 🍻

337. Munich Brew Mafia Habemus Cervesiam

Bevor es für uns nächste Woche in den Nordsee-Urlaub geht, möchte ich Euch in dieser Woche noch drei Biere vorstellen, die aufgrund ihres Stils außerordentlich sind.

Den Anfang macht das Habemus Cervesiam vom jungen Münchner Craftbier-Label Munich Brew Mafia. In der südlichen Millionen-Metropole haben es sich Dario Stieren und Niklas Zerhoch zum Ziel gemacht gutes handwerkliches kreatives Bier zu brauen und unter die Menschen zu bringen. Beide mit Gastro- und/oder Brauerfahrung kreierten dabei schon diverse sogar einzigartige Biere ohne dabei das sog. „Reinheitsgebot“ zu verlassen. Eines der bekanntesten ist das Don Limone – ein Pils mit Citra-Hopfen kaltgehopft.

Das Habemus Cervisiam ist ebenfalls ein Unikum. Es ist das bisher einzige Rauch-Dubbel. Dabei werden dem belgischen Abteibier Bamberger Rauchnoten hinzugefügt. Objektiv wurde dies bereits gewürdigt: Im letzten Jahr erhielt es die Goldmedaille des Meininger International Craftbier Award in der Kategorie Rauchbier. Bleibt zu hoffen, dass es auch subjektiv überzeugen kann.

„Feine Malzaromen und ein sehr dezentes Raucharoma fügen sich zusammen mit der belgischen Hefe, die Banane und Gewürze mit auf den Gaumen bringt.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauch-Dubbel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: dezent rauchig, fruchtig-süß, leicht karamellig, würzig, erdig
Geschmack: voller Körper, Rauch, Karamell-Süße, leicht bitter, wenig Würze, weich, feinperlig, rauch-süßer Abgang
Gesamt: Ein wirklich einzigartiges Bier. Und eines in einer echt klasse Komposition. Da scheinen die beiden eine tolle Rezeptur für dieses erste Smokey-Double entwickelt zu haben. Ich hätte nicht gedacht, dass die(dezente) Raucharomen mit den süßen Noten des Malzes derart gut harmonieren. Zwar kein Bier, dass ich jeden Tag trinken würde, aber wohl das Beste aus beiden Welten: Belgien und Bamberg. Und eines, das la Familia sicher gefallen wird. Deshalb auch verdiente 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.munichbrewmafia.de/bier/.

Prost & guten Abend! 🍻

336. Hopfengut N°20 Stout

Nach der gestrigen Sommerwiese folgt nun heute das zweite Bier vom Bier-Souvenier-Laden in Füssen, das mir freundlicherweise die besten Schwiegereltern der Welt mitgebracht haben.

Es handelt sich um das Stout der kleinen Brauerei Hopfengut No20. Hopfengut deshalb, da sich die Brauerei aus dem Hopfenanbau in Tettnang am Bodensee entwickelt hat. Im wohl zweitwichtigsten Hopfenanbaugebiet Deutschlands ist das Familienunternehmen schon in der vierten Generation tätig. Seit einigen Jahren nun braut man in Tettnang nun auch kommerziell kreative Biere. Dabei wird nicht nur auf Handwerk, sondern auch eine Menge Know-How im Bereich Bier, Brauen und Hopfenanbau gesetzt. Neben den für ein Stout üblichen (dunklen) Gerstenmalze wird das heutige Bier mit den (Aroma-)Hopfen Blanc und natürlich Tettnanger versetzt. Neben Hopfenanbau und Brauerei betreibt man übrigens auch noch ein Gasthaus einen Verkaufsladen und ein Hopfen- und Bier-Museum.

Während das gestrige Bier „nur“ etwa 2 ½ Monate über dem MHD war, liegen wir heute übrigens schon bei über einem halben Jahr. Bei einem Stout sollte dies jedoch weniger problematisch sein, da es ja weniger zeitanfällig ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Tettnang
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, röstig, holzig, würzig, leicht säuerlich, leicht rauchig, karamellig, Bonbon, Kakao
Geschmack: mittelgroßer Körper, etwas angesäuert & bitter, röstig, leicht karamellig, etwas Kaffee, feinperlig, trocken-saurer Abgang
Gesamt: Insgesamt liegt auch dieses Bier etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Und auch hier stelle ich mir die Frage, ob ich selbst dran Schuld bin, da ich es nicht rechtzeitig proBiert habe. Doch ich behaupte, gute Stouts sollten ein halbes Jahr schon auch vertragen. Ich erinnere gerne an meinen letztjährigen Platz 2, der als Porter in etwa genauso lange über dem MHD war. Mir ist das Stout (gerade in etwas niedrigeren Temperaturen) schlicht zu sauer und zu wenig dunkelmalzig auf der Zunge. Gerade für ein Bier einer derartigen Flaschenoptik hätte ich einfach mehr „Standhaftigkeit“ erwartet. Zum Glück wird es aber mit jedem Grad mehr immer besser und malziger. Es ist deshalb alles in allem sicher kein schlechtes Bier, weshalb 10 Pkt. (2-) hier vielleicht etwas hart erscheinen mögen. Ich empfehle grundsätzlich übrigens ein solches Bier etwa eine halbe Stunde vor Verzehr aus dem Kühlschrank zu holen. So wirkt die säuerliche Note nicht mehr so intensiv.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.hopfengut.de/brauerei/.

Prost & guten Abend! 🍻

335. Alms Sommerwiese

An diesem Wochenende komme ich endlich mal dazu zwei Mitbringsel meiner Schwiegereltern aus ihrem letztjährigen Allgäu-Urlaub zu proBieren. Beide wurden beim Bier-Souvenier-Laden in Füssen erworben und machen äußerlich zunächst einen sehr hochwertigen Eindruck. Und beide Biere sind aufgrund ihrer langen Lagerzeit im Fundus MHD-Experimente.

Die heutige Sommerwiese war zwar schon für den letzten Sommer gebraut, passt aber zumindest zum bislang doch überwiegend schönem April-Wetter. Mit Anfang Februar ist es nun schon 2 ½ Monate „drüber“. Bei hellen Bieren kann das schon mal problematisch werden. Da es sich wie gestern hier um einen Weizenbock handelt, dürfte sich der Effekt aber in Grenzen halten. Auf der Flasche ist übrigens nur von deutschem Craft-Bier die Rede, das nach dem bayrischen Reinheitsgebot gebraut wurde. Etwas verwunderlich, taucht doch in der Zutatenliste auch Weizenmalz auf, das eben genau nicht in der Verordnung von 1516 erwähnt wird. Meines Erachtens also streng genommen Verbrauchertäuschung. Gebraut wird es übrigens bei BernardiBräu für die Höss Brau & Vertriebs GmbH. Laut eigener Angabe ist es damit ein Bier aus der höchsten Braustätte der Bundesrepublik. Eine ehemalige, zur Kleinbrauerei umgebaute Seilbahnstation dient dabei als Brau-Werkstatt, in der mit kleinen Mengen von 500 l pro Sud charaktervolle Biere entwickelt werde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weizenbock
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Rettenberg/Kranzegg [Sulzberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: fruchtig-säuerlich, stark karamellig, etwas Lakritz, wenig würzig
Geschmack: voller Körper, leicht bitter, leicht alkoholaromatisch, karamellig, malzig, säuerliche Fehlaromen, matt, etwas dünner Abgang
Gesamt: Natürlich ist es etwas schade dieses Bier nicht schon viel früher getrunken zu haben. Meine Schwiegereltern mögen es mir bitte verzeihen. Aber irgendwie merkt man dem Bier eine gewisse „Entwicklung“ an. Vermutlich waren die malzigen Karamell-Aromen nicht so dominant und vermutlich war auch die parallele Säure-Note nicht derart vorhanden. Doch hier und heute mutet mir diese Sommerbier doch irgendwie etwas unsommerlich an. Zwar passend zum unentschlossenen April, aber für ein Bier der warmen Jahreszeit hätte ich mehr Frucht oder Hopfen erwartet und nicht eine solche Malzsüße. Unabhängig davon ist es aber unter Bedachtnahme des MHD durchaus gut trinkbar und für mich als Freund dunkler malzbetonter Biere nicht schlecht. Alles Für und Wieder macht in Zahlen dann 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.alms-beer.com/de/sommerwiese.html.

Prost & guten Abend! 🍻

334. Maisel’s Weisse [_]

Als erstes Bier nach dem diesjährigen Bierjubiläum habe ich etwas sehr interessantes für Euch ausgewählt. Denn vor bereits drei Wochen erhielt ich mal wieder überraschend Flaschenpost aus Bayreuth. Doch diesmal war das Paket etwas größer, denn darin befanden sich ein Weißbier-Glas, zwei Flaschen ohne Etikett und ein Brief. Darin erklärte mir Eva Ploß von Maisel’s Weisse, dass es sich hierbei um ein neues Weizenbock handelt, welcher auch noch keinen Namen hat. Auch auf ein Etikett haben sie bewusst verzichtet, damit mein Sinneseindruck vom neuesten Bier der großen Weißbierbrauerei durch nichts irritiert wird. Nur so viel wurde erklärt: Es handelt sich um ein traditionellen Weizenbock, der kaltgehopft wurde. Verteilt wurde es auch schon auf der diesjährigen Internorga – der Leitmesse für Gastronomie. Schließlich will Maisel mit diesem Bier wieder stärker im klassischen Weißbier-Segment wachsen, nachdem zwar im sog. Craftbier-Bereich die Verkaufszahlen stetig auf niedrigem Niveau steigen, aber die klassischen Bierstile seit Jahren rückläufig sind. Neben der Bitte um Rezension gab es auch den Wunsch sich einen Namen für das Bier zu überlegen. Für mich weniger spontanen und kreativen Menschen allerdings eine große Herausforderung, sollte der Name meiner Meinung nach doch Weißbier, Bock und Hopfen verbinden und auch kein „-ator“-Name sein. Vielleicht liegt aber hier in der Einfachheit und die Genialität. Schließlich will man die traditionelle Zielgruppe erreichen, die oftmals wenig mit extravaganten Namen etwas anfangen kann. Deshalb meinen doch recht schlichten Vorschlag:

Maisel’s Weisse Hopfen-Bock

Gerne könnt Ihr Euch aber auch an der Namensfindung beteiligen und mir Eure Vorschläge zukommen lassen.

Verkostet wird das Bier übrigens ausnahmsweise im Weißbier-Glas, da dies hierzu empfohlen wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weizenbock
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___-
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: spritzig, zitrus-hopfig, bananig-hefig, würzig, leicht malzig
Geschmack: vollmundig, sehr ausbalanciert, Mix aus Hefe, Würze, Bitterkeit, Fruchtigkeit, Gras & Karamell, feinperlig bis spritzig, leicht alkoholaromatisch, süß-würziger Abgang
Gesamt: Ein wirklich außergewöhnlich guter Weizenbock. An eine ähnliche Harmonie von Bananen-Hefe, Würzigkeit und anderen bittersüßen Aromen kann ich mich kaum bei anderen Bieren des Stils erinnern. Die Kalthopfung merkt man dem Bier glücklicherweise nicht allzu sehr an und doch setzt es nochmal ganz andere Akzente. Alles in allem ein gelungenes Experiment der Ideenschmiede der Maisel Braumeister, das hoffentlich den Weg in die Regale und zum Verbraucher finden wird. In Zahlen heißt das für mich 13 Pkt. (1-).

Prost & guten Abend! 🍻

333. Cerevisia M

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 502 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird. Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch dieses Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bislang noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir ein Rätsel.

Für dieses zugegebenermaßen experimentelle Bier, bei dem wir schließlich auf keinerlei Erfahrungswerte b(r)auen konnten, habe ich mir als grundsätzliche Stilrichtung ein Altbier ausgesucht. Sieht man auf die detaillierte Zutatenliste ist daraus natürlich „nur“ eine Interpretation geworden. Nichtsdestotrotz gibt es zum klassischen (Düsseldorfer) Alt durchaus viele Parallelen. Dabei haben wir auch auf eine dezente Hopfung geachtet, sodass möglichst viele Getreidearomen herausstechen. Zudem habe ich darauf geachtet möglichst viele Zutaten auch nach Standards der ökologischen Landwirtschaft zu verwenden. Insgesamt waren wir beide aber verwundert, wie gut dieses Experiment geglückt ist. Nicht nur der Brauvorgang selbst war ohne Probleme, auch das Bier ist in unseren Augen definitiv konkurrenzfähig.

Nachdem ich es selbst schon proBiert habe, im Rahmen meines Bier-Cocktail-Standes bei der Wiedereröffnung der Eule davon berichtete und inzwischen auch schon fast alle Flaschen verkauft oder verschenkt habe, möchte ich am heutigen Bierjubiläum mein Erstlingswerk auch offiziell rezensieren. Und da das nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen derart gut angekommen ist, werden Ralf und ich uns Anfang Mai nochmals zusammen an die Braukessel begeben und einen zweiten Sud mit verbesserter Rezeptur ansetzen.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 7-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Roggen, Hafer-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________15
Fazit

Geruch: weiche Röstnote, grasige Fruchtigkeit, Malzsüße, leicht holzig & erdig
Geschmack: sehr weich, mittlerer Körper, leichte Fruchtsüße, etwas Karamell, leichte Röstaromen, grasig, holzig, sehr harmonisch, matt bis feinperlig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Hätte ich es nicht schon selbst erfunden müsste es dringend gebraut werden. Besonders spannend finde ich die Kombination aus Karamell- und Fruchtsüße in Verbindung mit den Röstaromen. Gerade in der Nase hätte ich dies nicht erwartet. Auch sonst bin ich mit meinen ersten Brauversuch absolut zufrieden, obschon hier (Hopfen) und da (Hefen) sicher noch etwas verbessert werden könnte. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) also verdient. 😉

Weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum! 🍻

332. Buddelship | Lervig Sauer´d Krauts

Einen Tag vor dem diesjährigen Bierjubiläum möchte ich ein wieder mal ganz besonderes Bier zur Sprache kommen lassen. In gemeinschaftlicher Arbeit haben die beiden Brauereien Buddelship aus Hamburg und Lervig Aktiebryggeri aus dem norwegischen Stavanger vor 2 Jahren ein spezielles Bier für das 500-jährige Reinheitsgebotsjubiläum produziert. Dabei sollte es – für die treue Leserschaft unter Euch – wenig verwunderlich sein, dass es ein Bier geworden ist, was eben genau nicht nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut ist. Doch selbst für mich ist die Zutatenliste doch rechtgewöhnungsbedürftig. So wurde, wie es der Name schon verrät, Sauerkraut mit eingebraut. Doch (zum Glück) kein gewöhnliches Sauerkraut, sondern Weißkohl in Ananas und Mango eingelegt. Daneben finden sich auch alle vier europäischen Hauptgetreide in der Übersicht, was mich als Unterstützer von alternativen Getreiden besonders freut. Last but not least fällt noch eine weitere Zutat ins Auge, die in dieser Form ebenfalls recht ungewöhnlich in der Bierherstellung ist: Der Lactobacillus. Dabei handelt es sich um ein Milchsäurebakterium, das bei der Gärung des Bieres Milchsäure produziert und somit neben dem fruchtigen Sauerkraut zur Versäuerung des Bieres beiträgt.

We are celebrating 500 years of Reinheitsgebot with this very unique sour ale. A collaboration with the good Germans from Buddelship, this „impure“ beer is full of oats, wheat, rye and barley, and was soured with fresh sauerkraut infused with mango and pineapple. It may not adibe by the German Purity Laws, but remember, reines bier gefährdet die gesundheit.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wild-Bier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Roggen, Hafer, Weißkohl, Ananas, Mango, Lactobacillus, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stavanger / Norwegen [Hamburg]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: säuerlich, fruchtig (nach Ananas & Mango), kohlig-gemüsig, hellmalzig, leicht Karamell, leicht grasig
Geschmack: mittelgroßer Körper, spritzig, sehr sauer, leicht bitter, etwas grasig, bitter-saurer Abgang
Gesamt: Wie erwartet in der Tat ein ziemlich saures Bier. Etwas, was vor allem vor zwei Jahren noch voll im Trend war. Ich selbst hatte letztes Jahr eine Phase, in der ich Sauerbiere sehr gerne getrunken habe. Derzeit allerdings darf es für mich gerne wieder etwas malziger sein. Deshalb kann ich diesem handwerklich gut gemachten Bier (bei dem mit die Farbe fast noch am besten gefällt) nur 11 Pkt. (2) geben. Nichtsdestotrotz ein gutes, wenn auch überzogenes Zeichen gegen die aktuelle Biergesetzgebung, für die das „Reinheitsgebot“ als Fassade herhält.

Weitere Infos zum Bier unter:  https://www.ratebeer.com/beer/buddelship-lervig-sauer%C2%B4d-krauts/371604/1/1/.

Prost & guten Abend! 🍻

330. Back- & Brauhaus Brinker 500 Jahre Utopia

Mit dem heutigen Bier möchte ich den Endspurt um die Feierlichkeiten des diesjährigen Bierjubiläums einläuten. Es ist gleichzeitig auch das letzte in meiner (meist leckeren) Bäckereibier-Reihe.

Clemens Brinker – offensichtlich nicht nur Brot- und Bierexperte – widmet das heutige Bier dem Roman Utopia (griechisch für ‚Nicht-Örtlichkeit‘) von Thomas Morus. Denn dieses ist – wie es der Zufall will – wie das heute sogenannte „Reinheitsgebot“ ebenfalls im Jahre 1516 zuerst (auf Betreiben von Erasmus von Rotterdam im belgischen Löwen) veröffentlich worden. In dem heute weltweit bekannten Werk beschreibt Morus eine ferne ideale Gesellschaft und begründet damit das Genre der Sozialutopie. In De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia – Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia (wie der volle Titel des Romans eigentlich lautet) wird das Leben in patriarchischen Familienverbänden geschildert. Überfamiliär ist das Leben eher klosterähnlich organisiert und von einem jährlich gewählten Phylarch geführt. Es gibt kein Privateigentum und somit auch kein Geldsystem. Dafür besteht Arbeitspflicht, wobei sich jeder Bürger nach der Pflichtschule sein Handwerk selbst aussuchen darf – lediglich eine regelmäßige Feldarbeit ist obligatorisch. Nur Straftätern oder anderen Verbrechern ist Zwangsarbeit vorbehalten. Zudem gibt es auch eine Art Krankenversicherung. In der säkularen Republik Utopia wird der regierende Senat auf Zeit gewählt, während das Staatsoberhaupt auf Lebenszeit vom Volk bestimmt wird, aber auch wieder abgesetzt werden kann. Etwas naiv wirkt nur die Lösung hinsichtlich variierender Bevölkerungsmengen. So solle Überbevölkerung durch Aussiedlung in Kolonien begegnet werden, woraus man sich bei Unterbevölkerung wieder bedienen könne. Alles in allen zwar in einigen Punkten zwar kaum mit dieser unserer Welt vereinbar, aber trotzdem doch sehr fortschrittlich. Im 16. Jahrhundert im westlichen Europa wohl noch revolutionär, wirken die Beschreibungen heute fast wie eine Zustandsbeschreibung unserer aktuellen Gesellschaft (sieht man mal von der heute als kommunistisch charakterisierten Themen Privateigentum oder Geldsystem ab). Ich selbst habe Utopia im Philosophie-Unterricht durchgenommen und weiß deshalb um dessen Bedeutung vor allem für die Sozialutopie.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/28/Insel_Utopia.png/800px-Insel_Utopia.png

Auch die heutige bierige Interpretation des Weltromans ist auf den Spuren des Thomas Morus unterwegs. So ist die Hommage kein Allerwelts-Bier, sondern mit Holunderbeeren, Kräutern und Gewürzen wohl ein typisches Kreativbier des damaligen Westeuropas. Im Gegensatz zum gestrigen ähnlich gebrauten Grutbier, enthält es aber diesmal keinen Hopfen. Ein einmaliges Bier für einmalige Ereignisse.

„500 Jahre Utopia – 500 Jahre Reinheitsgebot“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Holunderbeeren (getrocknet), Gewürze, Kräuter, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: süß-säuerlich fruchtig, kräuterig, dunkelmalzig, schokoladig
Geschmack: frisch, feinperlig, schlanker Körper, fruchtig, kräuterig, leicht trocken-bitterer Abgang
Gesamt: Wahrlich ein interessantes Bier. Auch wenn es geschmacklich für mein Befinden kein absoluter Volltreffer ist, ist es dennoch ziemlich einmalig. Sowohl Frucht als auch Kräuter sind hier im Vordergrund und werden spannenderweise von etwas Schokolade in der Nase begleitet. Sicher etwas Besonderes für ein besonderes Ereignis. In Zahlen bedeutet das 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

329. Back- & Brauhaus Brinker Westfälisch Grut

Nach der gestrigen sauren Enttäuschung hoffe ich heute inständig auf Wiedergutmachung in meiner Bäckerei-Bier-Reihe vom Back- & Brauhaus Brinker aus dem Teutoburger Wald. In einer Frühausgabe des Bierjubiläums-Tastings gibt es heute ein wirklich interessantes Bier. Eines, dass vor allem in Westfalen – und Georgsmarienhütte gehört so gerade noch dazu – eine lange Tradition hat und sich als eine der der letzten Bastionen vor dem heute fast ausschließlich vorherrschenden Hopfenbieres bis ins 18. Jahrhundert hin hielt. Das heutige Bier enthält nämlich im Gegensatz zu wahrscheinlich 99,9% aller weltweit verkauften Biere kein Hopfen, sondern wird mit einer alten westeuropäischen Kräuternsammlung – dem sogenannten Grut – gewürzt. Bis ins 16. Jahrhundert hinein wurde damit noch vor Verbreitung des Hopfens mehrheitlich gewürzt. Im Gegensatz zum Hopfen musste hierbei aber stets höchste Vorsicht walten gelassen werden, da die Zusammensetzung und Dosis je nach Pflanze toxische Wirkung erzeugen konnte. Das war dann wahrscheinlich neben der aromatisch komplexeren Vielfalt der Hauptgrund für die Verdrängung durch den Hopfen. Im Laufe der Jahrhunderte verschwand mit dem Grut auch die Kenntnis über ihren richtigen Einsatz. Einigen wenigen Brauereien vorwiegend in den Niederlanden und in Westfalen ist es zu verdanken, dass es seit einigen Jahren (auch im Zuge der „Craftbeer-Welle“) wieder vermehr hopfenfreie Gru(i)tbiere gibt. Besonders prominentes Beispiel ist die Gruthaus-Brauerei in Münster – Stichwort: „Nicht nach, sondern vor dem Reinheitsgebot von 1516.“. Doch auch Bäckermeister und Gewürzspezialist Clemens Brinker hat sein ganzes Wissen in die Waagschale geworfen und seine Interpretaion eines Westfälischen Grutbieres entworfen. Dieses beinhaltet aber dem den alten Biergewürzen Scharfgarbe, Birke, Wacholderbeere und Esche ebenfalls auch den „modernen“ Hopfen. Etwas was es vor allem auch in der Transformationsphase häufig gab. Bleibt zu hoffen, dass es keine ähnlich Überraschung wie gestern gibt.

„Westfälisches Grut ist eine aromatische, fruchtige und würzige Bierspezialität nach uralter Tradition.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Grutbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Scharfgarbe, Birke, Wacholderbeere, Esche, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12,5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr fruchtig-säuerlich, würzig, waldig, harzig
Geschmack: erfrischend, schlanker Körper, fruchtig, leicht säuerlich, waldig, kräuterig, spritzig, etwas süßlich, herb-würziger Abgang
Gesamt: Na das schmeckt doch gleich viel besser. Wirklich ein tolles Beispiel für ein gelungenes (gemischtes) Grutbier und somit auch die erhoffte Wiedergutmachung von gestern. Besonders die tollen fruchtig-sauren Aromen in Verbindung mit den waldigen Noten erzeugen selbst für mich noch völlig unbekannte Gaumenfreuden. Mit somit mehr als verdienten 13,5 Pkt (1(-)) kommt das Back- und Brauhaus heute also wieder voll in Bahn zurück.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

328. Back- & Brauhaus Brinker Spekulatius-Bier

Und weiter geht es mit meiner kleinen aber feinen Bäckerei-Bier-Reihe. Heute am Start: ein Spekulatius-Bier. Zwar ist es nicht mehr so ganz passend (das Bier wurde mir im Früh-Winter von Nils geschenkt), aber dennoch wert es heute endlich zu verkosten. Neben den klassischen (gerösteten) Malzen aus Gerste und Weizen wurde hier übrigens nur mit Gewürzen nachgeholfen. Dies ist insofern nachvollziehbar, da Clemens Brinker – seines Zeichens Kopf des Back- und Brauhauses – neben seinem Bäckermeister auch Gewürzspezialist ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gewürzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Gewürze, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________4
Fazit

Geruch: sehr säuerlich,  wenig würzig & waldig
Geschmack: mittelgroßer Körper, sehr sauer, wenig fruchtig, kein Malz, kein Hopfen, kein Gewürz, spritzig, dezenterer Abgang
Gesamt: Ok… Also das habe ich in nun über 2 Jahren Blogarbeit noch nicht erlebt. Entweder das Bier hat eine bemerkenswerte Entwicklung nach Überschreiten des MHD (28.02.) hingelegt oder es wurde schlicht falsch etikettiert. Ersteres ist bei handwerklich hergestellten Bieren in der Tat mit zu rechnen, sodass es „riskanter“ ist dieses (weit) übers MHD zu trinken. Allerdings folgt die dann stattfindende Reifung immer einem biochemischen Muster, das je nach Bierstil differiert. Hier allerdings muss eine Verwandlung von einem gerösteten Gewürzbier, dass eigentlich nach Spekulatius schmecken sollte, hinzu einem Sauerbier par excellence stattgefunden haben. Etwas was mit meinem Laienwissen kaum erklärbar ist. Deshalb muss ich wirklich eher letzteres vermuten und bin zumindest positiv überrascht ob der unerwarteten Blindprobe. Leider ist mir die Säure des Bieres selbst ohne die Erwartung eines Spekulatius-Bieres noch zu stark, sodass mir nichts anderes übrig bleibt als hier erstmals in diesem Jahr nur eine ausreichende Note zu vergeben: 4 Pkt. (4-). Sollte es sich später doch als Lagerhaltungsfehler meinerseits herausstellen, bin ich gerne bereit diese Bewertung nochmals zu revidieren.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

327. Back- & Brauhaus Brinker Pumpernickel Porter

Neue Woche, neues Bier, alte Brauerei. Weiter geht es also hier mit dem Back- und Brauhaus Brinker aus dem Teutoburger Wald. Nach dem vorgestrigen belgischen Dubbel folgen in dieser Woche zunächst drei Biere mit jeweils ganz besonderen Zutaten. den Anfang macht das Pumpernickel Porter. Zwar keine Erfindung des Back- und Brauhauses aber dennoch ein doch sehr selten gebrautes Bier. In Anlehnung an ein klassisches Schwarzbrot wird hier neben den klassischen Bierzutaten Gerstenmalz, Hopfen und Hefe auch versäuertes Roggenmalz eingesetzt. Ähnlich wie ein Sauerteig unterstütz dies die enzymatische Wirkung des Malzes und erzeugt damit eine brotigere Roggennote.

„Dieses Bier ist eine herzhafte obergärige Spezialität. Gebraut mit teilweise biologisch versäuertem Roggenmalz nach alter Bäckertradition.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz (tlw. biol. versäuert), Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr würzig & röstig, frisch, leicht süßlich(-karamellig)
Geschmack: vollmundig, großer Körper, brotig, würzig, leicht bitter & röstig, trocken, matt, weich, dunkelmalzig, bittersüßer Abgang
Gesamt: Also wer Schwarzbrot und Porter mag, wird dieses Bier lieben. Eine sehr gute Symbiose aus beiden Welten der Getreideprodukte. Für mich zwar einen Hauch zu röstmalzig und bitter, aber handwerklich sehr gut gemacht. Dafür gibt es gute 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

325. Back- & Brauhaus Brinker Sans Souci

Passend zum neuen Motto ‚Brot & Bier‘ in der Brühler Eule freue ich mich sehr in den kommenden Tagen vorm diesjährigen Bierjubiläum fünf Biere des Back- und Brauhauses Brinker aus Georgmarienhütte präsentieren zu dürfen. Alle hat freundlicherweise Nils höchstpersönlich zu den noch seltenen Öffnungszeiten erstanden und mitgebracht.

Getreu dem Motto „Heute back ich, morgen brau ich“ verbindet Clemens Brinker dort seit wenigen Jahren die Brot- und Bierwelt miteinander. Als Bäckereitechniker und Gewürzspezialist begann er bereits in den 1990ern mit dem Hobbybrauen. Nachdem er sein damit erworbenes Wissen dann auch mehrere Jahre bei der VHS weitergab, entschloss er sich 2014 auch kommerziell sein eigenes Bier herzustellen. In seiner Bäckerei ließ er dafür passende Gerätschaften installieren und verknüpfte fortan beide Leidenschaften. Ähnlich wie Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nutzt er dabei die Vorteile beider Welten und erhöht somit die Produktvielfalt bei gleichzeitiger Verringerung von Abfallstoffen. So kommen auch Malze, Treber und Bierhefen in sein Brot, während Sauerteigkulturen, Gewürze und weitere Getreide als Gerste den Weg in sein Bier finden.

Grundsätzlich orientiert er sich dabei an eher historischeren Bierstilen, aber auch das heutige belgische Dubbel stehen auf dem Programm. So oder so leistet Brinker damit einen großen Beitrag zur Wiederbelebung der deutschen Brot- und Biervielfalt auf hoffentlich hohem qualitativem Niveau.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dubbel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  20°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Georgsmarienhütte
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: dunkelmalzig, leicht röstig, Karamell, würzig, etwas schokoladig
Geschmack: vollmundig, großer Körper, würzig, leicht bitter, wenig röstig, Karamell-malzig, geringe Zartbitter-Aromen, matt, leicht öliger süßer Abgang
Gesamt: Also mit einer derartigen Qualität hätte ich nun aber doch nicht gerechnet. Da scheint jemand etwas von seinem Handwerk zu verstehen. Wirklich ein tolles Dubbel, das sogar meiner Meinung nach besser ist als so manche belgische Konkurrenz. Grandioses Beispiel für hochqualitatives (Back- und) Brauhandwerk. Deshalb verdiente 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.facebook.com/backundbrauhausbrinker.

Prost & guten Abend! 🍻

324. Samuel Smith Organic Cherry Fruit Beer

Bevor es hier in Kürze endlich zur Bäckerei-Bier-Reihe vom Brauhaus Brinker kommt, folgt heute Abend erst einmal ein weiteres Bier mit „besonderen“ Zutaten.

Es ist ein Bier, dass jedoch auch an die Grenzen meiner Akzeptanz für eine erweiterte Zutatenliste geht. Als Freund natürlicher Zutaten finde ich schon Hopfenextrakt überflüssig, hier jedoch sogar Kirschkonzentrat und -extrakt ins Bier zu geben, ist schon sehr abenteuerlich. Stellt sich die Frage, ob es nicht auch richtige Kirschen, Kirschsaft oder Püree getan hätten.

Zugutehalten muss man dem Bier zumindest die handwerkliche Herstellung. Gebraut wurde es von den Melbourn Bros. der historischen All-Saints-Brewery in Stamford während die Abfüllung Samuel Smith selbst übernahm – ihres Zeichens mit Gründungsdatum 1758 älteste Brauerei in North Yorkshire.

Zudem werden hier ausschließlich Rohstoffe ökologischer Zertifizierung eingesetzt. Mal schmecken, ob es also überzeugen kann…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fruchtbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kirschkonzentrat & -extrakt, Rohrzucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stamford/Tadcaster / England
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________[12]
  • Geschmack:__________________[13]
Fazit

Geruch: frisch, ganz klar dominant nach Sauerkirschen, etwas weiche grasige Malznoten
Geschmack: erfrischend, schlanker Körper, klar süß, etwas weinartig, unterschwellig malzig, weich, leicht bitterer Abgang
Gesamt: In der Tat bin ich wirklich positiv überrascht. Wirklich ein sehr leckeres Bier(-mischgetränk). Gut ausgewogen, sehr harmonisch und selbst als Befürworter „richtiger“ Biere nicht zu süß. Im Grunde würde dies zu einer hervorragenden Note resultieren, allerdings gibt es auch oben genannten Gründen einen kleinen Malus. Zudem ist es per Definition natürlich nicht mit den allermeisten anderen Bieren meiner Liste vergleichbar. Ich wage mich aber trotzdem mit 11 Pkt. (2) an eine Gesamtnote.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.samuelsmithsbrewery.co.uk/product/organic-cherry-fruit-beer/.

Prost & guten Abend! 🍻

323. Buddelship Brouge Hibiscus Saison

Für das heutige Bier bleiben wir bequemerweise in Hamburg und fahren einmal von der Sternschanze nach Langenfelde. Dort ansässig ist die Buddelship-Brauerei, die seit ihrer Gründung vor einigen Jahren zwei Produktlinien herausbringt. Einerseits setzt man auf zeitlose Klassiker der deutschen Bierlandschaft, wie Pils oder Schwarzbier. Anderseits bietet man auch Biere von Übersee (Pale Ales, Porters etc.) an. Neben diesen beiden Standard-Sparten gibt es aber immer wieder mal auch limitierte Sondereditionen. Im Rahmen meiner kleinen Gewürzbier-Reihe passt da das Brouge Hibiscus sehr gut hinein. Es ist ein belgisches Saison, das nicht nur mit Hibiskus versetzt ist, sondern auch in Gin-Fässern gereift ist. Dabei wurde mit der Spirituosen-Manufaktur Gin Sul aus Altona kollaboriert, die den bislang einzigen Hamburger Gin (mit portugiesischen Wurzeln) destillieren.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Saison
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hibiskus, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: säuerlich, gewürzig (wohl nach Hibiskus), zitrus-fruchtig, holz-malzig, leicht Lakritz, geringe Fehlaromen
Geschmack: mittelgroßer Körper, vollmundig, weich, harmonisch, säuerlich, fruchtig, leicht bitter & gewürzig, hintergründig malzig, geringe Gin-Aromen, erfrischend, feinperlig, weinartiger Abgang
Gesamt: Auch wenn einem bei diesem Bier die Nase einen Streich spielen will und ein mittelmäßiges Bier erwarten lässt, ist es geschmacklich wirklich eines der besten in diesem Jahr für mich. Unglaublich ausbalanciert, herrlich fruchtig-säuerlich ohne dabei zu sauer zu sein und eine unterschwellige Malznote, die das Ganze abrundet. Wer jedoch die volle Ladung Gin erwartet, der wird sich wohl über den eher weinartigen Eindruck wundern. Ungeachtet dessen möchte ich dieses Bier mit 13 Pkt. (1-) auszeichnen, da es trotzdem auf den Punkt gebraut ist.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.buddelship.de/biere.

Prost & guten Abend! 🍻

322. Ratsherrn Dark Lantern

Start in die zweite Halbzeit der außergewöhnlichen Gewürzbiere. Der heutige Kandidat überzeugt in dieser Hinsicht von einer wirklich außerordentlichen Zutatensammlung.

Das Dark Lantern aus dem deutschlandweit bekannten Hause Ratsherrn in Hamburg ist eines der inzwischen öfters mal gebrauten Kürbis-Biere. Eigentlich anlässlich von Halloween auf den Markt gebracht, passt es doch aber gerade auch ganz gut zum manchmal ziemlich herbstlichen April-Wetter. Als eine der Craftbeer-Pioniere Deutschlands setzt Ratsherrn von Beginn an auf etwas provokative Biere. Aufgrund der in Hamburg etwas freizügigeren Behandlung der deutschen Gesetzgebung ist es Ratsherrn möglich dabei auch immer wieder etwas tiefer in die Trickkiste der Zutaten zu greifen. So ist diesem Ale nicht nur Kürbispüree sondern auch eine Gewürzsammlung aus Piment, Ingwer und Zimt (sowie dunklem Kandiszucker) zugesetzt. Und wäre das nicht schon spannend genug, wird das Ganze noch mit Weizenrauchmalz unterstützt.

Alles in allem eine Kombination, die selbst mich als Bier-Nerd überrascht und wohl auch sensorisch herausfordert.

„Shadows of a thousand years rise again unseen, voices whisper in the trees: „Tonight is
Halloween““
Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . [Pumpkin Ale]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kürbispüree, Kandiszucker, Piment, Muskat, Ingwer, Zimt, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: sehr gewürzig v.a. nach Zimt & Ingwer, leicht säuerlich, dunkelmalzig, leichter Rauch, wenig Süße
Geschmack: schlanker Körper, matt, würzig, gemüsig, rauchig, leicht bitter, leicht süß-sauer, gewürziger Abgang
Gesamt: Wahrlich eine Herausforderung für Nase und Gaumen. Und auch wenn ich selbst (in der Küche) ein Freund vom Mix vieler Zutaten bin, glaube ich, dass die dunkle Laterne viele etwas überfordert. Dennoch ist die Komposition ausgewogen und überraschenderweise gut abgestimmt. Vor allem den Muskat, Ingwer und Zimt kann man gut herausschmecken. Dafür gerät meiner Meinung nach der Kürbis etwas in den Hintergrund. Die rauchige Malznote passt recht gut zum Rest und dennoch trifft es irgendwie nicht genau meinen Geschmack. Vielleicht liegt es an den Frühlingsgefühlen, aber mehr als 9 Pkt. (3+) kann ich hier nicht verteilen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://ratsherrn.de/files/cto_layout/_mediathek/produktdatenblaetter/produktblatt_darklantern.pdf.

Prost & guten Abend! 🍻

321. Austmann Sjokolade & Kirsebærporter

Nachdem ich jetzt Kindergeburtstags- und Ostern-bedingt seit etwa 2 Wochen täglich Kuchen Esse passt das heutige Bier hervorragend als Abschluss meines persönlichen Kuchenwahnsinns.

Das vorliegende Imperial Porter kommt von der Austmann Bryggeri aus dem norwegischen Trondheim. Die „Craft-Brauerei“ wurde 2013 ins Leben gerufen und ist stereotyp für die inzwischen recht vielen skandinavischen Handwerksbrauereien. Denn wie manch Braukollege aus dem Nachbarland hat auch Austmann eine Vielzahl an unterschiedlichen Bieren auf den Markt geworfen. So waren es alleine in den ersten beiden Geschäftsjahren über 60 Biere. Die Brauerei gehört zur Hälfte der ebenfalls norwegischen Hansa Borg Bryggerier, welche sich wiederrum zu drei Viertel in Familienhand befindet. Eine (noch) recht ungewöhnliche Konstellation also, die insbesondere bei britischen oder deutschen Braumanufakturen praktisch kaum vorkommt.

Bevor es nun zur Praxis kommt erfreut mich die Zutatenliste. Denn neben den besonderen Zutaten Kakao und Kirsche wurde u.a. auch Schokomalz verwendet, was das Bier hoffentlich rund und ausbalanciert macht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kakao, Kirsche, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  18°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Trondheim / Norwegen
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: spritzig, sauer, bitter, Zartbitter, holzig-harzig, wenig dunkel-fruchtig
Geschmack: spritzig, voller Körper, säuerlich, bitter, fruchtig, leicht schokoladig, würzig-holzig, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Leider konnten meine (hohen) Erwartungen erneut nicht ganz erfüllt werden. Wie so oft fehlt auch diesen Porter die Balance zwischen dem ursprünglichen Bierstil und den zusätzlich eingesetzten Zutaten. Gerade für Porter oder Sauerbier-Fans zwar ein interessantes Bier, aber meines Erachtens zu unrund und zu wenig auf die gewohnten Aromen von Schokolade und Kirsche ausgerichtet. Insgesamt ist es mir einfach zu sauer und zu wenig süß. Trotzdem gibt es noch solide 9 Pkt. (3+) in der Gesamtwertung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.austmann.no/.

Prost & guten Abend! 🍻

320. Oedipus Lekkerbek

Wie gestern angekündigt, möchte ich heute die Feierwochen rund um das Bierjubiläum einläuten. Denn in weniger als 20 Tagen feiert ganz Deutschland wieder den Tag des Bieres und somit das Jubiläum des sog. Reinheitsgebots.

Passend zum heutigen Freitag – dem ersten Freitag nach Karfreitag – gibt es ein Bier mit Dill und Senfkörnern, welches wohl besser zu Fisch passt wie kein zweites. Gebraut in der Brouwerij Anders im Flandern’schen Halen für die Amsterdamer Mikrobrauerei Oedipus. Bekannt für außergewöhnliche Bierrezepturen ist aber das heutige Saison selbst für mich eine Premiere. Denn Dill und Senf kenne ich bislang auch nur vom Teller und nicht im Bier. Zusätzlich interessant ist die Getreidekombination aus Gerste, Weizen und Roggen.

Hinsichtlich der Beweggründe für ein solches Bier, zitiere ich gerne Oedipus selbst:

„We used a culinary approach to develop Lekkerbek with the Youth Food Movement. The YFM works to create awareness about our food systems and every year they organize a festival with a particular theme. The 2015 theme was ‘Fish’. The challenge? Brew a beer related to ‘Fish’.“

Da zum Fisch bekanntlich ein trockener Weißwein passt, hat man auch beim Bierstil darauf geachtet, dass es trocken-säuerlich gehopft wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Saison
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Roggenmalz, Dill, Senfkörner, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Halen / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: spritzig, säuerlich , leicht fruchtig, karamellig, würzig
Geschmack: spritzig, voller Körper, frisch, trocken, leicht säuerlich, geringe Fruchtnoten, leichte Süße, etwas harzig, kaum Würze, sauer-herber Abgang
Gesamt: Wahrlich wieder interessant. Gute Komposition aus säuerlichen und spritzig-trockenen Charakterzügen. Gerade aber eher etwas für Sauerbier-Fans, auch wenn es keine überdurchschnittliche Säure enthält. Etwas enttäuscht bin ich über die fast fehlenden Aromen von Dill und Senf. Deshalb gibt es auch leider nicht mehr als 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://oedipus.com/beer/lekker-bek/.

Prost & guten Abend! 🍻

319. Kraftbierwerkstatt Chinook

Bevor es hier zum Wochenende in die Reinheitsgebots-Reform-Wochen geht, möchte ich heute noch ein etwas anderes IPA vorstellen. Denn es handelt sich streng genommen nicht um ein IPA, sondern quasi um ein NAPA – also einem Native American Pale Ale. Denn es ist dem Indianerstamm Chinook im Nordwesten der heutigen USA gewidmet, da für das Bier die gleichnamige Hopfensorte verwendet wurde. Die 2014 gegründete „Independent Brewing Company“ Kraftbierwerkstatt aus Böblingen hat es dann auf den Namen Red Indian Ale getauft.

„Chinook, ein Indianerstamm im Nordwesten der USA.
Chinook heißt aber auch der Hopfen, der unserem
Bier seinen charakteristischem Geschmack verleiht.
Bei 6,7 Prozent Alkohol könnte man sagen, es ist ein IPA.
Weil dafür aber Indianer und nicht Inder Pate standen,
haben wir es RED INDIAN ALE getauft.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Böblingen
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: karamellig, waldig, lakritzig, hefig, etwas überentwickelt
Geschmack: recht süffig, mittelkleiner Körper, süßlich, malzig, leichte Lakritz-Noten, wenig Hopfenbittere, matt, süß-herber Abgang
Gesamt: Die Idee des Bieres ist wahrlich positiv. Leider hängt die Umsetzung etwas nach. Gerade für ein IPA, NAPA oder RIA, das per Definition charakterstark ist, kommt es mir zu simpel daher. Auch der Fokus auf die Malzsüße und die damit einhergehende zu dezente Hopfennote finde ich für diesen Bierstil etwas unpassend. Deshalb in Summe hier nicht mehr als 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.kraftbierwerkstatt.de/chinook.html.

Prost & guten Abend! 🍻

218. Brło Ariana Grande

Bei meinem Einkauf für die Bier-Cocktails im Hürther M&C-Getränkemarkt – wo sich ja schon seit Jahren die Craftbeer Corner (Coeln) befindet – habe ich mein heutiges nächstes Frischhopfen-Bier gefunden.

Es kommt von der Berliner Brlo-Brauerei, deren Name von der altslawischen Bezeichnung der deutschen Hauptstadt herrührt. Jedes hier vorgestellte Brlo-Bier kommt jedoch nicht aus der Berliner Brauerei am Gleisdreieck am Schöneberger Park, sondern wird fremdabgefüllt. Da die halben Kuckucke in ihrem Brauhaus aus knapp 40 Übersee-Containern hierfür noch keine ausreichende Kapazität und Infrastruktur haben, wird das Bier unter Aufsicht in der Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg bzw. in der Familienbrauereien Landsberg in Sachsen-Anhalt gebraut. Neben der Entwicklung und Produktion von Bier unterstützen die Berliner auch noch diverse soziale Projekte.

Das Grünhopfen-Lager ist das erste Frischhopfenbier von Brlo und wurde mit der Hopfensorte Ariana gebraut und gestopft. Der Name zur US-amerikanischen Popsängerin ist deshalb natürlich nur rein zufällig. Für das Bier wurde der Hopfen vom Hof der Familie Stanglmair in der Hallertau geerntet und direkt frisch nach Berlin (bzw. Umgebung) gebracht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Style Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Frisch-Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin [?]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr schön grasig, frisch, hopfig, süßlich, hell-malzig, ganz leicht fruchtig
Geschmack: spritzig, vollmundig, mittelgroßer Körper, hopfig-herb, leicht bitter, grasig, wenig malzig-süß, bitter-herber Abgang
Gesamt: Mein erstes kaltgehopftes Wet-Hop-Lager zeigt seine Stärken vor allem in der Nase. Im Gegensatz zu ungestopften Frischhopfenbiere, drängt sich hier der sortentypische Geschmack des Hopfens stärker in den Vordergrund. Dadurch leidet jedoch etwas die Harmonie und Balance, die meine bisherige Frischhopfen-Stichprobe besonders charakterisiert hatte. Nichtsdestotrotz ein wirklich gutes Bier mit einer hochwertigen Zutat. Summa summarum 12,5 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brlo.de/bier/.

Prost & guten Abend! 🍻