Archiv der Kategorie: Bierrezension

225. Riedenburger Hirsebier

Zum Abschluss der Riedenburger Bierwoche gibt es nochmal ein wirklich ganz besonders interessantes Bier: Mein erstes Bier, das ausschließlich aus Hirsemalz gebraut wurde.

Hirse ist ein Sammelbegriff für etwa 10 Gattungen von Spelzgetreiden. Unterschieden werden diese vor allem in die beiden Hauptgruppen Sorghum und Millet. Mit dem niedrigsten Ertrag aber höchstem Fettanteil aller Getreidearten, kommt Hirse auf Platz 5 der weltweiten Anbaumengen. In Deutschland wurde die erste Nutzung des ursprünglich afrikanischen Getreides auf etwa 5.000 v.Chr. datiert und war im Altertum und Mittelalter zwischenzeitlich sogar wichtigstes Korn der Welt.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gehört Hirsebier-Brauen zu einer Jahrtausende alten Tradition: Je nach Region gibt es für das Bier unterschiedliche Hirsegattungen, Herstellungsverfahren und Bezeichnungen: Dolo aus Westafrika, Pombe aus Ostafrika, Merissa im Sudan oder Tella aus Äthiopien und Eritrea. Alkoholgehalt und Geschmack variieren jedoch teilweise sehr voneinander, so dass man diese Biere kaum unter einem Stil zusammenfassen kann. Sogar in Südwesteuropa gab es in der Geschichte einmal ein „Hirsebier“ namens Boza, welches heute aber auch mit weiteren anderen Getreiden gebraut wird.

Aufgrund seiner relativen Ertragsarmut geht der Anbau von Hirse bis heute stetig zurück. Die Verwendung in Lebensmittel für Gluten-unverträgliche Menschen hat in den letzten Jahren aber wieder zu einer vermehrten Nachfrage, vor allem außerhalb von Afrika gesorgt.

In meinem Vortrag zum Thema „Alternative Getreide“ in der Brühler Eule letzten Juni hatte ich bereits mein erstes Hirsebier überhaupt proBieren dürfe. Dort wurden jedoch noch Teile von Gerstenmalz verwendet. Wie ich dort auch schon erwähnte gibt es diverse Vor- und Nachteile bei der Verwendung von Getreiden außer Gerste und Weizen. So enthält Hirse zwar viele wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Eisen jedoch kaum das für den Brauvorgang notwendige Enzym Amylase. Dieses wird beim Maischen zur Umwandlung der Getreidestärke in Zucker benötigt. Interessanterweise behauptet Riedenburg für dieses Bier lediglich natürliche Zutaten verwendet zu haben, was für mich den Einsatz von chemischen Enzymen ausschließt.

In jedem Falle freue ich mich aber auf diese „besondere“ Bier und bin gespannt, ob es meine hohen Ansprüche an den „Geschmack“ erfüllen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hirsebier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Hirsemalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________6
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nah Ananas, Litschi & etwas Zitrone, ganz leicht auch malzig-süß
Geschmack: sehr erfrischend, schön fruchtig-süß, ebenso fruchtig süßer Abgang, ganz leicht sauer, grasige & blumige Noten
Gesamt: Was soll ich sagen? Nach einem optischen Eindruck von Flasche und Bier sowie dem Biergeruch hätte ich nicht mehr erwartet ein so gutes Bier trinken zu dürfen. Tatsächlich erinnert es mich an den Alzeyer Hirsetrunk, ist aber deutlich fruchtiger und spritziger. Aber auch hier ist eine klare Süße und blumig-grasige Note erkennbar. Insgesamt leider aufgrund von Optik und Olfaktorik „nur“ 11 Pkt. (2), jedoch (fast) uneingeschränkt empfehlenswert.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/glutenfreies-hirsebier.html.

Prost!

224. Riedenburger 5-Korn Urbier

Vorgestern Emmer, gestern Einkorn und heute? Richtig, Dinkel! Zur Komplettierung des Urkorn-Trios gibt es gleich alle drei sowie Gerste und Weizen zusammen in einem Bier.

Dinkel ist die jüngste Urgetreideart und hat sich aus dem Emmer und Wildgräsern entwickelt. Ungefähr auf das 6. Jahrtausend vor Christi werden die ersten Dinkel-Funde datiert. Auch sie stammen noch aus dem vorderasiatischen Raum und breiteten sich im Laufe der Zeit in ganz Europa aus. Doch auch dem Dinkel erlangte das gleiche Schicksal wie seinen Verwandten Einkorn und Emmer: Infolge der Industrialisierung steigenden Bevölkerungsentwicklung wurde es nach und nach von ertragsreicheren Weizensorten verdrängt.  Während jedoch Einkorn und Emmer bis dato noch ein Nischendasein fristen, konnte sich die Dinkelproduktion wieder auf ein relativ hohes Niveau erholen und ist heute das meist angebaute Urgetreide. Im Gegensatz zum Weizen wird Dinkel jedoch nur als Wintergetreide angebaut.

Neben dem reifen Dinkel wird übrigens oft auch das unreife Korn – Grünkern genannt – u.a. zur Herstellung von Eintöpfen verwendet. Zudem findet Dinkel auch im Getreide- oder Malzkaffee immer häufiger Verwendung. Aufgrund der historischen und biologischen Bedeutung gibt es eine relativ große überdauerte Dinkelbier-Brau-Tradition. Auch wenn ich es nicht als eigenen Bierstil definieren würde, gibt es zahlreiche (meist südliche) Brauereien, die analog zum Weizenbier ein Dinkelbier brauen. Das 1866 gegründete Riedenburger Brauhaus verwendet für ihre Dinkelbiere übrigens die Sorte Oberkulmer Rotkorn – eine ungekreutzte Urform des Dinkel aus der Schweiz.

Die „große“ Hildegard von Bingen (heute würde man sie als Bierenthusiastin beschreiben) charakterisierte das Urkorn in ihrem Buch Heilkraft der Natur ›Physica‹ so:

„Der Dinkel ist das beste Getreide, und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem der ihn ißt, rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Historisches Urkornbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Einkorn-, Emmer- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2000

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr malzig & würzig, frisch, grasig, leicht erdig
Geschmack: weich, mild, klar malzig & würzig, ganz leicht angeröstet, leicht süßlicher Abgang, geringe Noten von Hefe
Gesamt: Auch das dritte Urkorn-Bier überzeugt mich voll und ganz. Zwar sind Bierstil-bedingt (irgendwas zwischen Alt und Dunkel) keine außergewöhnlichen Überraschungen im Sinne eines enormen Notenausschlags zu verzeichnen, allerdings stellt sich mir nach diesen Bieren ernsthaft die Frage, warum noch jemand auf „normale“ Gersten- & Weizenbiere zurückgreift, wenn er mit Urkörnern eine deutlich bessere und ausdrucksstärkere Qualität haben kann. Deshalb erneut fast sehr gute 12,5 Pkt (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/5-korn-urbier.html.

Prost!

223. Riedenburger Einkorn-Edelbier

Nach Emmer folgt Einkorn. Wie gestern schon erwähnt braut das Riedenburger Brauhaus als eine von ganz wenigen Brauereien in Deutschland diverse Urgetreidebiere. Eines davon ist das Einkorn-Edelbier, welches neben Gersten- auch mit einem hohen Anteil von Einkornmalz gebraut ist.

Einkorn gilt als das erste Getreide der Welt, welches außerhalb von Amerika (Mais), Afrika (Hirse) und Asien (Reis) entstanden ist. Bereits vor etwa 10.000 Jahren soll es erstmals in der Mittelmeer-Region und Mesopotamien domestiziert worden sein. Aus dem ursprünglichen Einkorn entstand mit der Zeit Emmer, Dinkel und das heutige Weizen. Im Vergleich zu diesem ist Einkorn aber deutlich anspruchsloser und resistenter gegen viele Schädlinge wie Wurzelfäule oder Korn-Pilze. Zudem kann es sich besser gegen Ackerunkräuter durchsetzen und kann mit folgenden positiven Eigenschaften aufwarten:

„Durch den hohen Anteil an Carotinoiden, Mineralstoffen und essentiellen Aminosäuren gilt Einkorn als besonders wertvoll und von edlem Geschmack. Bei Bier und Gebäck entsteht eine ungewöhnlich milde, elegante, an Vanille erinnernde Geschmacksnote.“

Dass Einkorn in der heutigen Landwirtschaft kaum noch eine Rolle spielt liegt jedoch an seinem Ertrag. Gegenüber moderner Weizen-Saat kann Einkorn kaum wirtschaftlich angebaut werden, hat sich inzwischen aber wieder eine (Bio-)Nische erarbeitet. Es sind u.a. Brauereien wie die aus Riedenburg, die dem Urkorn wieder Leben eingehaucht haben und uns so wieder unsere eigene Geschichte und Werte zurückholen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Historisches Urkornbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gersten- & Einkornmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2000

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: malzig, frisch, zurückhaltend, leichte Würze
Geschmack: sehr mild, weich, Vanille-Aroma, etwas würzig, süffig, etwas getreidig
Gesamt: Wer mal ein richtig gutes (naturtrübes) Helles trinken will, sollte hier zuschlagen. Zwar auch kein Überflieger in Sachen Kreativität, aber die versprochene Milde und Süße des Einkorn wirkt enorm lecker. Zudem bringt das Korn eine tolle Harmonie in das Bier, welches ich bisher sonst nur von Frischhopfen kannte. Also auch hier wieder völlig verdiente 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/startseite/biere/riedenburger-biere/unsere-urgetreidebiere/einkorn-edelbier.html.

Prost!

222. Riedenburger Historisches Emmerbier

Nun ist es also so weit: Der Höhepunkt meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ beginnt mit dem heutigen historischen Emmerbier des Riedenburger Brauhauses.

Emmer gehört zu den ältesten Getreiden der Erdgeschichte. Es ist eine Kreuzung von Einkorn – dem ältesten bekannten Urgetreide – und Wildgras. Das auch „Zweikorn“ genannte Süßgras hat seinen Ursprung vor 8.000 v.Chr. in Mesopotamien und Ägypten. Bis ins Mittelalter waren Emmer und Einkorn (wie auch Dinkel) wichtige Getreide für Brei, Brot und Bier. Doch bereits in der Bronzezeit um 1.000 v.Chr. gingen Anbau und Bedeutung zurück, da mit Gerste, Roggen, Hafer und Weizen immer ertragreichere Arten entdeckt und entwickelt wurden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrhunderten wurden die Urgetreide dann vollständig verdrängt. Die letzte landwirtschaftliche Nutzung von Emmer wird auf die 1930er-Jahre datiert. Erst vor etwa 20 Jahren begann man sich auf die „alten“ Qualitäten“ des Urgetreide zu besinnen und begann erneut (im kleinen Maßstab) diese historischen Art anzubauen. Aufgrund seiner grundsätzlichen Anspruchslosigkeit und Resistenz gegenüber vielen Krankheiten eignet sich der Emmer vor allem in der ökologischen Landwirtschaft und erhöht dort die lokale Biodiversität. Doch auch aus weniger „romantischen“ Gründen ist der Emmer von Vorteil: Im Vergleich zum heutigen „Industrie-„Weizen wartet er mit mehr Eiweiß, Magnesium sowie Eisen auf und hat durch einen erhöhten Anteil von Aminosäuren positiven Einfluss auf den Nervenstoffwechsel.

Kurzum: „Es ist das Getreide der Bibel und der Römer und ernährte die Menschen als Grundnahrungsmittel über viele Jahrhunderte. „

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Historisches Urkornbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten
. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Emmer- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Riedenburg
Erscheinungsjahr. . .
2000

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: sehr würzig, nussig, grasig, leicht röstmalzig, trotzdem frisch
Geschmack: vielschichtig, sehr süffig & mild, würzig, ganz leicht röstig, malzig, getreidig, dezente Frucht-Süße, samt-weich, matte Spritzigkeit
Gesamt: Wie versprochen ein wirklich vielseitiges und hochqualitatives Bier. Eine derartige milde Würzigkeit habe ich bis dato noch nicht so komplex geschmeckt. Fast wirkt das Bier etwas fad in Zeiten von extremer Röstung oder Hopfung in aktuellen Craft-Bieren. Aber gerade deshalb finde ich es eine absolut empfehlenswerte Alternative zum Feierabend- oder Kneipen-Standard-Bier. Bierstil-technisch würde ich es in der Nähe des fränkischen Dunkel rücken, wobei es deutlich milder und weicher ist. Kurzum: Genau mein Geschmack – und deshalb hochverdiente 13 Pkt. (1-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.riedenburger.de/?id=80.

Prost!

221. Uiltje Rice Rice Baby

Bevor es hier nächste Woche mit den Höhepunkten meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ aus Riedenburg weitergeht gibt es heute noch ein ganz spannendes Reisbier.

Gebraut von der 2012 im niederländischen Haarlem gegründeten Uiltje-Brauerei, wird diesem Imperial oder Double IPA 20% Reis zugesetzt. Dabei ist es eines von aktuell knapp 20 entwickelten Bieren – historisch sind es trotz des so jungen Daseins bereits über 175! Dabei wird immer mal wieder auch gerne mit befreundeten Brauereien zusammengearbeitet – stets aber dem Motto:

„Our mission is pretty much monomaniacal: to brew f*cking good beer. We call it craft-y beer because the owl’s got a sharp, uncompromised tongue and a penchant for mischief.“

Vor 2 Jahren konnte dann auch die eigene Braustätte mitsamt Taproom in Haarlem eröffnet werden. Zudem existiert noch eine Uiltje-Bar in Haarlem, in der ganze 30 Fassbiere angeboten werden. Übrigens: Uiltje heißt auf Deutsch kleine Eule.

Darf ich also gespannt sein, wie mein zweites Bierjubiläum-Reisbier überzeugen kann.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Haarlem / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: klar hopfig-fruchtig-frisch, Maracuja-, Mango- & Ananasaromen, grasig, leicht malzig
Geschmack: würzig-nussig, voller Körper, leicht ölig, aber nicht schwer, leicht bitter, nur wenig alkoholaromatisch, leicht karamellig, relativ spritzig, ölig-trockener Abgang
Gesamt: Auch das letzte Bier der Woche ist außergewöhnlich gut. Vor allem die nussige Würze in Verbindung mit der ölig-trockenen Basis sind sehr interessant. Spannend auch: Geruch und Geschmack stehen sich eigentlich diametral gegenüber. Ist es in der Nase noch hopfig-fruchtig, kommt auf der Zunge klar das Malz und der Reis durch. So viel Neues hat sich dann auch gute 12 Pkt. (2+) verdient. Auch wenn das Comic-Design der Etiketten ziemlich gewöhnungsbedürftig ist.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.uiltjecraftbeer.com/brewery-our-mission/.

Prost!

220. Einstök Icelandic Toasted Porter

Als ausgleichende Gerechtigkeit zum gestrigen Tee-Bier gibt es heute wieder mal ein Kaffee-Bier. Während mit Tee weitaus seltener experimentiert wird, durfte ich alleine im Rahmen des Bierjubiläums schon diverse Biere mit Kaffee verkosten. Dabei handelte es sich ausnahmslos um Porters oder Stouts. So ist auch das heutige ein Porter – zugleich das zweite isländische Einstök-Bier binnen einer Woche für mich. Mit Verweis auf das Wee Heavy gehe ich deshalb an dieser Stelle nicht weiter auf die tolle Brauerei des Nordens ein. Es sei nur so viel geschrieben: Die Erwartungen an das heutige Bier sind höher denn je. Schließlich schnitten einerseits alle bisherigen Einstök-Biere hervorragend ab. Andererseits hatte ich den jüngeren Vergangenheit durchaus die ein oder andere Enttäuschung in Sachen Kaffee als Extra-Zutat. Oftmals wirkt dieser eher verwässernd und lässt das Bier dann tatsächlich nach kaltem Kaffee schmecken. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel, so konnte mich beispielsweise das Milk Stout von Mikkeller sehr überzeugen.

Da das Toasted Porter neben der Verwendung von Kaffee auch Schoko-Malz einsetzt darf ich mit berechtigte Hoffnung machen, dass das Bier die Serie der positiven Bewertungen nicht abreißen lässt. Zudem kann es mit drei internationalen Auszeichnungen aufwarten:

  • Gold bei der Los Angeles International Beer Competition 2015
  • Silber beim Meiningers International Craft Beer Award 2015
  • sowie ebenfalls Silber bei der International Beer Challenge London 2014

Bevor es nun also zu spät wird und ich nicht mehr schlafen kann, mal ran ans Werk…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kaffee, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Akureyri / Island
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: frisch, röstig, dunkelmalzig, leichte Spuren von Zartbitter & Kaffee
Geschmack: süffiger als gedacht & doch auch ein wenig ölig, tatsächlich gute Harmonie von Kaffee & Schokolade, süß-malzig &  schön röstiger Abgang
Gesamt: Es ist wahrlich beeindruckend mit welch scheinbarer Leichtigkeit die Isländer immer wieder derart hochqualitative Biere kreieren. Eine solch exakte Harmonie von Röstung und Kaffeebeigabe ist wirklich bemerkenswert. Sicher muss man den Themen Porter und Kaffee grundsätzlich aufgeschlossen sein, aber für meinen Geschmack ist das Bier erstklassig. Leider schrammt es mit 13,5 Pkt (1(-)) denkbar knapp an der Jahresbestwertung vorbei, nimmt aber einen bisherigen würdigen Rang 3 ein.

Weitere Infos zum Bier unter: http://einstokbeer.com/our-ales/icelandic-toasted-porter/.

Prost!

219. Next Level Five O’Clock – Earl Grey IPA

Heute darf ich endlich eines der interessantesten Biere meines Fundus proBieren. Mein erstes Teebier. Genauer gesagt handelt es sich um ein IPA mit Zusätzen von Earl-Grey-Tee. Es kommt von der erst im November 15 in Wien gegründeten Braugemeinschaft Next Level Brewing. Diese besitz zwar keine eigene große Brauerei, kann aber bei „guten Freunden“ in die Produktion gehen. Zunächst werden hierfür aber im 20l-Maßstab selbst Rezepte so weit entwickelt, bis sie das „next level“ erreicht haben. Im Gegensatz zu vielen anderen „Brauereien“ halten sie mit diesem Umstand aber nicht hinter dem Berg, sondern weisen es transparent auf jedem Etikett aus. Das heutige Bier wurde zum Beispiel in der Privatbrauerei Loncium aus Kärnten gebraut.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen möchten sich die Wiener auch eher ungern als Craft-Brewer bezeichnen. Schließlich sei dieser Begriff kaum definierbar und oftmals auch schon von Großbrauereien missbraucht worden. Vielmehr verstehen sie unter dem Begriff Craftbeer ein Mindset, das mit dem Ziel verbunden ist hochqualitatives, außergewöhnliches und geschmackvolles Bier herzustellen. Nur am Codex Alimentarius Austriacus (dem österreichischen Lebensmittelgesetz) gebunden wollen sie Freiheit und Unabhängikeit verkörpern und symbolisieren dies mit dem Kraken im Firmen-Emblem.

„Craft is dead, long live Indie Beer!“

Als selbst bezeichnete Indie-Brauerei betonen sie außerdem glücklicherweise nicht an das deutsche Reinheitsgebot gebunden zu sein, welches ihre Kreativität nur einschränken würde:

„Als österreichische Brauerei sind wir nicht durch das deutsche Reinheitsgebot eingeschränkt. Das erlaubt uns über den Tellerrand hinauszublicken und kreativere Biere zu brauen. Für unsere Meisterwerke lassen wir uns vielseitig inspirieren. Verwendet werden allerdings ausschließlich natürliche Zutaten. Wenn wir spannende Aromatik durch Früchte, Tee, Kaffee, Blüten oder Gewürze ins Bier holen, so setzen wir niemals Extrakte oder Konzentrate ein. Wir befürworten ein Natürlichkeitsgebot!“

Für mich absolut nachvollziehbar und unterstützenswert, für die meisten Biertrinker jedoch wohl oftmals immer noch ein Affront gegen die gute alte „Bierkultur“. Doch der Erfolg scheint den jungen Brauern Recht zu geben. Denn bereits im ersten Jahr konnte man sowohl Platin beim Meininger Craftbeer Award erringen, als auch best new Austrian Brewer bei ratebeer.com werden. Nun kann das verschiedenste Gründe haben, die auch nicht unbedingt ausschließlich mit der Qualität der Next-Level-Biere zu tun haben könnte, aber es ist zumindest ein großes Ausrufezeichen. Und vielleicht wird ja auch demnächst mal in eine eigene Brauerei investiert.

Das Fünf-Uhr-IPA ist dabei ein klassisches Beispiel von Natürlichkeit außerhalb des Reinheitsgebots. Mit der Kombination aus Tee und britischem Hopfen möchte man eine Hommage an die britische Genusskultur senden:

„Inspiriert durch britische Kultur haben wir Earl Grey Tee mit britischen Hopfensorten in einem India Pale Ale verheiratet. Earl Grey hat wie IPA eine Geschichte in der Seefahrt. Auf See vermischte sich im Laderaum Bergamotteöl mit Schwarztee. Das Ergebnis war vorzüglich. Die Bergamottearomatik, ergänzt um klassischen britischen Hopfen mit seinen würzig, orangigen Noten ergibt eine traumhafte Kombination im Bier. Die Schwarzteebittere ergänzt die Hopfenbittere zu einem sehr trockenen Finish.“

Und auch dieses Bier konnte sofort nach Einführung im letzten Jahr den sog. STAATSMEISTER-Titel in der Kategorie IPA bei der Austrian Beer Challenge erringen. Es lasten nun also enorme Erwartungen auf die mir vorliegende Flasche.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Earl-Grey-Tee, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  14.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wien [Kötschach-Mauthen] / Österreich
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: süß-sauer-fruchtig nach Blutorange & Grapefruit, leicht dumpf-süß malzig nach Karamell, frisch & spritzig
Geschmack: würzig, sowohl fruchtig-hopfig als auch leicht malzig-grasig, kaum Bittere, weich, sehr ausbalanciert trotz vielen Geschmackseindrücken, leicht sauer, Noten von Schwarztee klar erkennbar, erfrischend, im Antrunk noch vollmundig wird es immer süffiger
Gesamt: INTERESSANT! Ein Bier wie ich es noch nicht erlebt habe. Selbst als Laie wird man gerade zu überrannt mit Geschmackseindrücken. Man hat das Gefühl es gibt von allem etwas. Fruchtig, süß, sauer, malzig, grasig, würzig, bitte gepaart mit einer unverkennbaren Note von Schwarztee. UND GUT! Auch wenn es nicht ganz meinen optimalen Geschmack trifft, merkt man dem Bier definitiv seine Botschaft und Qualität an. Das Bier ist ein einziges Alleinstellungsmerkmal und in vielerlei Hinsicht höchst empfehlenswert. Deshalb auch von mir starke 13,5 Pkt. (1(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.nextlevelbrewing.at/portfolios/five-o-clock-earl-grey-ipa/.

Prost!

218. Kees Double Rye IPA

Nach einem schönen aber wie immer auch recht anstrengenden Familien-Wochenende gönne ich mir heute Abend ein Roggen-IPA. Genauer gesagt ein Doppel-Roggen Imperial IPA. Ausgewählt im Rahmen meiner Jahresreihe „Alternative Getreide“ ist es in vielerlei Hinsicht spannend. Zum Einen ist es das erste Bier der noch relativ jungen niederländischen Craft-Brauerei Kees, zum Anderen ist es auch mein erstes Imperial IPA mit Roggen. Außerdem kommt es aus Middelburg in Zeeland – der Urlaubsregion meiner früheren Jahre.

Nachdem der heutige Braumeister im Rahmen des Studiums 1996 mit dem Heimbrauen in Berührung kam packte ihn derart die Faszination für Biere außerhalb des Mainstreams, dass es bis 2007 schaffte Meister-Brauer in der Emelisse Kamperland-Brauerei zu werden. Weitere sieben Jahre und viele Brauerfahrungen später, wagte er den Schritt in eine eigene Brauerei.

„All our beers are crafted with a passion for brewing and to delight our discerning beer-loving customers.“

Inzwischen ist das Kees in gut sortierten Getränkemärkten fast schon zum Teil des Standard-Sortiments geworden, sodass es Zeit wird endlich auch mal was vom leidenschaftlich gebrauten Bier zu probieren. Das Roggen-IPA verspricht derweil folgenden Steckbrief:

„With a spicy, earthy and dry character!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Imperial IPA
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Roggen, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Middelburg / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: lecker grasig, fruchtig, hopfig, leicht bitter, trocken, karamell-malzig, spriztig
Geschmack: erstaunlich süffig und klar, trocken-bitter, karamell-malzig, Noten von Gras und Frucht, trotzdem auch ein wenig ölig im Abgang, Alkoholaroma gerade so nicht störend, sondern interessant
Gesamt: Wahrlich ein hervorragendes Bier. Ein tolles Zusammenspiel von Karamell-Malzen, klassischen IPA-Hopfen und der Roggenrohfrucht, die dem Ganzen ihren Stempel aufdrückt. Während gewöhnliche IPAs eher hopfig-fruchtig daherkommen, ist das Imperial-Roggen-IPA klar süßlich, trocken-bitter und grasig geprägt. Zudem schafft es Kees das Alkoholaroma an der Grenze der Verträglichkeit zu behalten. Insgesamt deshalb fast sehr gute 12,5 Pkt. (2++).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.brouwerijkees.nl/Double_Rye_IPA_-_English.html.

Prost!

217. Einstök Icelandic Wee Heavy

Auch beim heutigen Bier wird wieder tief in den Gewürzschrank gegriffen. Mit dem Wee Heavy darf ich gelichzeitig wieder einmal ein Bier der wohl nördlichsten Brauerei der Welt trinken. Nur 60 Meilen vom Polarkreis entfernt braut die Einstök Ölgerð seit wenigen Jahren sehr erfolgreich isländischen (Craft-)Bier. Einstöck Ölgerð bedeutet übrigens so viel wie einmalige Brauerei, wobei das Wort für Brauerei und für Paradies auf isländisch identisch sind.

„There, the water flows from rain and prehistoric glaciers down the Hlíðarfjall Mountain and through ancient lava fields, delivering the purest water on Earth, and the perfect foundation for brewing deliciously refreshing craft ales.“

Im heutigen Scotch-Ale befindet sich neben gerösteter Gerstenrohfrucht auch ein wenig isländischer Angelikawurzel. In Deutschland auch unter dem Namen Engelwurz bekannt, soll das Kraut u.a. gegen Appetitlosigkeit, leichte Magen- und Darmkrämpfe, Völlegefühl und Blähungen wirken. Die ätherische Öle, die auch gegen Schlafstörungen und Rheuma helfen sollen, sind auch Bestandteil einiger Kräuterlikören und Bitterschnäpse. Und mit der Frucht der Pflanze wird zudem bspw. Wermutwein, Gin und Chartreuse aromatisiert. Äußerst vielfältig dieses Kraut also – umso verwunderlicher, dass es bisher kaum (wieder) den Weg ins Bier gefunden hat. Aber gut der Anfang ist gemacht, hoffentlich schmeckt´s denn dann auch – eine gute Portion Alkohol hat es schon mal, so wie es sich für einen harten Wikinger eben gehört:

„Time for the vikings to conquer Scotland again.“

Interessant im Übrigen auch: Nicht nur, dass sich Wikinger und Schotten eine Historie teilen, auch der Braumeister von Einstöck hat im schottischen Edinburgh studiert.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Scotch-Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Angelikawurzeln, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Akureyri / Island
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: klar, karamell-röst-malzig, schön grasig-süßlich
Geschmack: auch hier eindeutig karamell-röstig-malzig, wenig Bittere, sehr vollmundig bis ölig, weicher süßlicher Abgang, dezentes Alkoholaroma
Gesamt: Also so langsam entwickeln sich die Isländer zu meinem Lieblingsvolk. Nicht nur die höchst sympathischen Fußballer auch die Brauer des Landes verstehen offensichtlich ihr Handwerk hervorragend. Auch wenn man eine gewisse Affinität zu dunklen schweren Bieren mitbringen sollte um dieses Bier genießen zu können, ist es einfach gut hergestellt. Außer, dass es selbst mir einen etwas zu großen Körper aufweist, kann ich kaum nennenswerte Kritikpunkte feststellen. Deshalb zu Recht verdiente 13 Pkt. (1-) incl. Kaufempfehlung.

Weitere Infos zum Bier unter: http://einstokbeer.com/our-ales/.

Prost!

216. Bierserker Sourange

Nach Bierbörse, Bierfest und bierigen Besuchen bei Freunden, komme ich heute endlich wieder dazu meine Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ fortzusetzen. Den Wiederanpfiff macht dabei das Sourange von Bierserker, zu dem ich endlich eine Einzelrezension schreiben darf.

Hinter Bierserker verbirgt sich Ulrich Karl Tröger aus Bonn, der sich als Bier-Krieger – analog zu den Wikingern – gegen die übermächtigen Gegner der Großbrauereien stellt:

„Als „BIERSERKER“  möchte ich mich gegen die scheinbare Übermacht des gleichen und langweiligen Geschmackes der meisten angebotenen Biere stellen. Dafür verwende ich ganz natürliche, hochwertige und reine Zutaten wie Kräuter, Früchte oder Gewürze. Früher waren diese Zutaten selbstverständlich und haben über viele Jahrhunderte die Entwicklung des Bieres begleitet. Ganz bewusst verzichte ich auf den Einsatz von Stabilisierungs- und Filtrationshilfsmitteln oder einer Pasteurisation, auch wenn diese offiziell zugelassen sind.“

Ein wohl höchst löblicher und unterstützenswerter Ansatz, wie ich finde. Auch wenn das ein oder andere Bierexperiment auch schon mal etwas zu viel des Guten war, ist eine solche Brauphilosophie selbst in Zeiten der sog. Craft-Bier-Welle hervorhebenswert. Von den vielen Bieren, die Tröger über die Zeit braut ist das Sourange derzeit das einzige im „Standard-Sortiment“. Gebraut wird es aus Kapazitätsgründen im Siegburger Brauhaus, das bereits anfangs auch Ale-Mania aushalf. Und für die Orangenschalen im Bier ist die „Heuschrecke“ aus Troisdorf verantwortlich.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Sauerbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Orangenschalen, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn/Siegburg
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: sehr fruchtig, nach Blutorangen und Grapefruit, ein wenig Malz
Geschmack: sehr sauer & bitter, zudem gemischt fruchtig, spritzig, etwas vollmundig
Gesamt: Wie Bierserker selbst schreibt ist das Bier eine Gradwanderung, da bittere Säure eigentlich ein geschmackliches No-Go sind. Die Fruchtigkeit verhindert hier aber Schlimmeres, wobei mir trotzdem der rote Faden fehlt. Nachdem ich zuletzt immer mal wieder das ein oder andere Sauerbier trinken konnte, bin ich dem irgendwie aber auch etwas überdrüssig geworden habe ich das Gefühl. Für Fans dieses Bierstils sicher ein Geheimtipp, da es wohl wenige Sauerbiere  mit einer solchen Fruchtigkeit gibt. Für alle anderen jedoch mehr als gewöhnungsbedürftig und vielleicht sogar abschreckend. Da es mich in keiner Kategorie so wirklich überzeugen konnte gibt es heute leider nur 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.bierserker.de/Was/Sourange.

Prost!

215. Brauprojekt 777 Erdbeer Ale

Zum Abschluss des Fruchtbierwochenendes geht es an den schönen Niederrhein zum Brauprojekt 777. Hiervon hatte ich bereits das leckere Altbier und Red Ale probieren dürfen und erspare mir deshalb an dieser Stelle weitreichende Ausführungen zur durchaus empfehlenswerten Mini-Brauerei am rechten Rheinufer zwischen Dinslaken und Wesel. Genau wie gestern haben die Jungs vom Brauprojekt ein Pale Ale mit Frucht versetzt. Diesmal aber mit Erdbeeren, was mich als Erdbeer-Freund erfreut und gespannt macht, ob dieses „Experiment“ besser geglückt ist als die beiden anderen Wochenend-Biere.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Erdbeere, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  14°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Voerde-Spellen
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: malzig, grasig, dumpf-erdbeerig, leicht frisch, ein wenig nach Erdbeerkuchen
Geschmack: karamellig, dumpf rot-fruchtig, malzig, grasig, getreidiger Abgang, recht vollmundig
Gesamt: Nach dem Motto „das Beste kommt zum Schluss“ habe ich mir meiner Erwartung erfüllend das beste Bier der Reihe in der Reihe zum Schluss aufgehoben. Gerade, weil es nicht überfruchtig daherkommt überzeugt es. Die Kombination aus grasigen und matt-fruchtigen Noten sowie dem permanenten latenten Eindruck von Erdbeerkuchen oder Erdbeerpflanzen im Garten zeigt, dass auch natürliche Zutaten ein Bier bereichern können, obwohl damit das hochheilige „Reinheitsgebot“ gebrochen wird. In Summe verdientermaßene 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://brauprojekt777.de/.

Prost!

214. Heidenpeters Mangopa

Nach dem doch holprigen Fruchtbierwochenendbeginn geht es heute hoffentlich besser weiter. Am Start: Das MANGOPA aus dem Berliner Hause Heidenpeters. Der inzwischen weit über Kreuzberg hinaus bekannte Brauer Johannes Heidenpeter produziert jedoch weiterhin in relativ kleinem Maßstab in der Markthalle 9. Dort wird im „respektvollem Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt, regional- und saisonal-betont, verbunden mit lokaler Wertschöpfung, transparent und vertrauensvoll“ eine neue Form von Lebensmittelherstellung und -handel betrieben. Neben Heidenpeters als „Hausbrauerei“ gibt es noch eine gläserne Bäckerei, Metzgerei und Tofurei. Die Markthalle wurde ursprünglich bereits 1891 eröffnet und ist eine der letzten drei historischen Markthallen Berlins. 2011 gelang es dann den Anwohnern und Interessenten die Markthalle vor der Umwandlung in ein Supermarktcenter zu retten und das kleinteilige Lebensmittelhandwerk (wieder) anzusiedeln.

Zurück nun aber zum Bier, das ein ganz neues English Pale Ale ist, das auf Mangomus gelagert wurde. Klingt also spannend – schaun ma also ma ob es auch schmeckt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Mango, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: sauer-fruchtig, neben Mango auch Litschi riechbar, aber auch hopfig-grasig
Geschmack: sauer-fruchtig, erfrischend, recht bitter, leicht hefig, trotz geringem Körper nicht gerade süffig, im Abgang sauer nach Grapefruit
Gesamt: Auch heute geht es wieder sehr sauer zu. Glücklicherweise nicht salzig-sauer, sondern fruchtig-sauer, aber immer noch sauer. Gerade aufgrund des sehr säuerlichen Nachhalls leider auch wieder kein Bier, dass ich unbedingt mehrfach trinken muss. Jedoch für zwischendurch eine gute Erfrischung, der man die gute handwerkliche Machart anmerkt. Deshalb doch noch 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.heidenpeters.de/ bzw. https://markthalleneun.de/anbieter/heidenpeters.

Prost!

213. Omnipollo Magic 3.5 – Pineapple Gose

Mit dem heutigen Bier möchte ich ein sehr fruchtiges Wochenende einläuten, bei dem die weiteren Zutaten aber hoffentlich auch nicht zu kurz kommen.

Beginnen möchte ich mit meinem ersten Bier aus Schweden. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich schon längst ein Exemplar des sehr umfangreichen Sortiments von Omnipollo proBiert hätte. Aber nun, zum Glück ist es endlich so weit, schließlich habe ich schon viel Positives von der skandinavischen Bekanntheit gehört und gelesen.

Gegründet hat sich Omnipollo 2011 durch Henok Fentie und Karl Grandin. Diese haben ihr Sortiment in den darauffolgenden Jahren auf bis zu 80 Bieren hochgeschraubt, bei der glaube ich selbst der Experte den Überblick verlieren kann. Gebraut wird übrigens im Kuckuck-Verfahren – d.h. die Rezepte werden zwar vor Ort in Stockholm ausgetüftelt, wenn es aber um die Produktion geht reisen sie zu befreundeten Brauereien um den Globus um dort brauen zu lassen oder selbst Hand anzulegen.

Die Ananas Gose zum Beispiel wurde in Anlehnung an den alten sächsischen Bierstil mit Hafer und Ananas verfeinert in De Proefbrouwerij in Belgien gebraut.

Markenzeichen der weltweit bekannten Marke ist übrigens das sehr eigenwillige Flaschendesign, dass von den Gründern immer zwischen puristisch (ganz ohne irgendeins) und völlig abgedreht pendelt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gose
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Salz, Ananassaft, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 3,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stockholm / Schweden [Lochristi-Hijfte / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___-
  • Aussehen:____________________4
  • Geruch:______________________5
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: klar sauer-fruchtig, neben Ananas noch Limette und Papaya riechbar, plus Salznote, frisch und muffig zugleich
Geschmack: sauer, sauer, sauer, dazu noch viel helle Frucht, viel Spritzigkeit, leicht salzig, wenig Körper aber keine hohe Süffigkeit, im Abgang leicht trocken-herb
Gesamt: Nachdem ich nun schon einige Goses trinken durfte, würde ich mich als gar nicht so unaufgeschlossen bezeichnen. Diese hier jedoch lässt mich fast aus den Latschen kippen. Eine derartige salzig-fruchtige Säure habe ich schon lange nicht mehr geschmeckt. Man kann noch nicht einmal sagen die Ananas ist Schuld, vielmehr unterstreicht sie den Gose-Charakter zu deutlich. Selbst für meinen experimentellen Gaumen zu extrem, deshalb insgesamt auch nur 6 Pkt. (4+). Als Nischenprodukt oder für den skandinavischen Markt aber sicher wertvoll.

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.omnipollo.com/beer/3-5/.

Prost!

212. Belhaven Scotish Oat Stout

Nach kurzer Pause geht die Reise heute zur ältesten noch aktiven Brauerei Schottlands. 1741 gegründet hat der schöne Hafen alle Konsolidierungs- und Schließungswellen der Vergangenheit überstanden, ist seit 2005 jedoch nicht mehr unabhängig. Seit inzwischen 12 Jahren gehört Belhaven der größten rein britischen Braugruppe Greene King, welche auch Pubs und Hotelketten betreibt. Noch vor dieser Übernahme stieg die südwestschottische Brauerei zu einer der bekanntesten Marken in ganz Britannien auf. Das Belhaven Best ist heute das meistausgeschenkteste Ale Schottlands – etwa jedes dritte gezapfte trägt dieses Label. Die offizielle Gründung der Brauerei wird zwar auf Mitte des 18. Jahrhunderts beziffert, man geht allerdings davon aus, dass an selbiger Stelle bereits 200 Jahre zuvor Bier gebraut wurde. Auch die noch heute bestehenden und genutzten Gebäude, die sogar zum schottischen Kulturerbe gehören, lassen auf eine längere Geschichte schließen.

Das Oat Stout ist dabei ebenfalls ein Teil schottischer Geschichte. So wird Hafer, anders als in Deutschland, aufgrund des traditionell hohen Anbaus vor Ort häufig im Nationalbierstil verwendet. Sie machen es allgemein etwas süßer, weicher und runder im Gesamteindruck.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hafer, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Dunbar/ Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: nur schwach karamellig, röstig, grasig und getreidig
Geschmack: schön aber nicht zu süß, typisch karamellig und röstig-malzig, leicht säuerlich, schoko-kaffeeige Noten, mittelgroßer Körper, trocken-öliger getreidiger Abgang
Gesamt: Nachdem in der Nase noch ein großes Fragezeichen übrig blieb, kann das Hafer-Stout auf der Zunge überraschend doch noch überzeugen. Belhaven hat es (mit dem Hafer) geschafft eine Süße in das Bier zu bringen, die soeben nicht unangenehm, sondern lecker ist. Die dabei auftretenden Kakao- und Kaffeenoten passen sehr gut in diesen Bierstil. Auch die getreidigen Noten, die zum Ende immer stärker werden sind interessant. Aufgrund der Gesamtwertung kann ich aber leider nicht mehr als 9 Pkt. (3+) geben, obwohl es geschmacklich klar mehr zu empfehlen ist.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.belhaven.co.uk/.

Prost!

210. Hof ten Dormaal Whitegold

Weiter geht es mit verrückten und außergewöhnlichen Zutaten in Bieren. Nach Gurke und Kürbis folgt das dritte Bier mit Gemüse. Diesmal: Chicorée. Ein in deutschen Küchen nicht mehr häufig eingesetzte Zutat, wird er in Belgien (der Heimat dieses Bieres) aber noch mit etwa 8kg pro Jahr verzehrt. Die sehr ungewöhnliche Zutat wird dabei in der letzten halben Braustunde hinzugefügt und wirkt auch ähnlich wie Hopfen.

Das spannendste am Bier ist aber die Brauerei. Diese wurde 2009 auf dem Gelände eines aktiven Bauernhofs eröffnet. 2015 komplett niedergebrannt, konnte sie im selben Jahr jedoch wiedereröffnen und ihre Produktion in der Folge sogar verdoppeln. Sämtliche Zutaten im Bier werden selbst angebaut. Das ist auch der Grund, warum hier der Chicorée Einzug gehalten hat – ist Flämisch-Brabant doch eine der Hauptanbauregionen in Europa.

„In order to make the farm more profitable, we started running a brewery. By producing our own ingredients, we know we could make excellent beers. […]
While our region is famous for its chicory, we mainly grow cereals and keep cattle. With the start of the brewery, Dries also specialized in barley. All the barley that is needed for the beer production comes from our own farms. In 2010 we started a hop plantation in order to grow our own hops.“

White Gold – also weißes Gold – wird übrigens der Chicorée in Belgien genannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Starkbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Chicorée, Zucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Tildonk / Belgien
Erscheinungsjahr. . .
2010

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: sehr würzig, leicht scharf, Hopfenaromen, irgendwie gemüsig
Geschmack: fruchtig-herzhaft, karamell-süß, wenig Bittere, viel Körper, geschmeidig, leicht öliger süßlicher Abgang, im Verlaufe leider etwas säuerlich
Gesamt: Ein wirklich spannendes Bier, das vor allem durch die frische Herzhaftigkeit in Verbindung mit einer fruchtigen Süße überzeugt. Auch diesmal bin ich sehr überrascht, wie gut offensichtlich Gemüse ins Bier passt. Sicher geschmacklich etwas gewöhnungsbedürftig und für den deutschen Gaumen kein Bier für den ganzen Abend, aber als Anregung gegenüber den üblichen Bierstilen brauchbar. Übrigens: Wie für ein belgisches Bier üblich merkt man den Alkoholgehalt kaum heraus. In Summe für dieses „saftige“ außergewöhnliche Bier 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://hoftendormaal.com/beers/index.html.

Prost!

209. Steamworks Pumpkin Ale

Steamworks Spezialbier #2. Nach dem Cucumber Ale letzte Woche nun heute das Pumpkin Ale. Bei einem Blick auf den Kalender passt ein solches Bier natürlich nicht so gut in die Jahreszeit, aber die heutigen Stürme und Regenfälle hatten ja schon auch etwas herbstliches.

Während das Gurken-Bier eher eine Nische in der Nische ist, ist das Kürbis-Ale hingegen fast schon zum Aushängeschild der kreativen österreichisch-kanadischen Brauer geworden und sticht nicht nur durch den Kürbis, sondern auch den dazu passenden Gewürzen hervor:

„Unser Limited Release Pumpkin Ale wurde mit über 100 Pfund frisch geerntetem Kürbis gebraut. Eine Prise Zimt, Gewürznelken, Muskat und Piment im Hopback-Verfahren hinzugefügt und du hast ein Bier im Glas wie Omas hausgemachter Kürbiskuchen.“

Trotz begnadeter Koch- und Backkünste meiner Oma, hat diese zwar nie einen Kürbiskuchen gemacht, aber es macht mich auf jeden Fall sehr gespannt, wie ein solches Bier schmecken kann. Außerdem habe ich Verwandschaft aus Vancouver – wenn das kein Omen ist… 😉

Übrigens gewann das Bier 2013 beim 11. Canadian Brewing Award die Goldmedaille.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Spice-Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Kürbis, Zimt, Gewürznelke, Muskat, Piment, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vancouver / Kanada
Erscheinungsjahr. . .
2004

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: fruchtig, süß, frisch, Kürbis, Zimt & Piment herausriechbar, zudem würzig-malzig
Geschmack: süß – ähnlich Karamell, malzig-würzig, leicht herber trockener Abgang, wenige bittere Noten, mäßig spritzig, mittelleichter Körper
Gesamt: Wahrlich interessant. Steamworks kann mich immer wieder überraschen. Zwar in Summe mit 11 Pkt. (2) nicht mein absolutes Lieblingsbier, aber geschmacklich wirklich außergewöhnlich. Die Kombination von Kürbis, dunklem Schoko-Malz und den Gewürzen passt hervorragend zusammen. Vielleicht ist es aber wirklich einfach nicht die richtige Jahreszeit für dieses Bier…

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.steamworks.eu/pumpkin-ale-6x-flasche-330ml/a-269/.

Prost!

208. Welde | Himburgs Pepper Pils

Nach der gestrigen Sommerunterbrechung geht es gleich weiter in der Reihe „Alternative (natürliche) Zutaten“. Heute am Start: das Pepper Pils von der nordbadischen Welde Braumanufaktur in Kooperation mit dem südhessischen Himburgs Braukunstkeller. Da die beiden Brauereien in der 4-Länder-Region Rhein-Main-Necker nur eine gute Autostunde voneinander entfernt liegen, ist es nur folgerichtig, dass sie mal gemeinsame Sache machen. Während Welde schon bereits seit 1752 Bier produziert und somit alteingesessen ist, zählt Himburgs zu den Kindern der Craft-Bier-Welle der vergangen Jahre. Beide vereint der Wunsch nach handwerklicheren und kreativeren Bieren als Gegenentwurf zum gesamtdeutschen Massenmarkt.

Das Pepper Pils ist dabei ein weiterer Vorstoß um gewöhnliche Bierstile mit natürlichen Zutaten zu veredeln. Unter Verwendung von rosa und schwarzem Pfeffer aus Nepal und Kambodscha sollen so ganz neue fruchtig-würzige Aromen entstehen:

„Wenn zwei kreative Köpfe sich zusammentun, entsteht wirklich Neues. Unser Pepper Pils. Lasst den Prosecco im Keller, schmeißt den Grill an und habt fruchtig frischen Spaß mit Pfeffer […]“

Allen Bieren liegt dabei das Natürlichkeitsgebot von 2016 zu Grunde:

„Das Natürlichkeitsgebot von 2016 umfasst alle natürlichen und weitestgehend unbehandelte pflanzliche Lebensmittel. Gebraut ohne Extrakte und frei von Zusatzstoffen mit nachhaltig angebautem und fair gehandeltem Pfeffer.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Pfeffer, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Schwetzingen-Plankstadt
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: sehr sehr fruchtig nach Grapefruit & Mango, säuerlich-spritzig
Geschmack: süffig, fruchtig-frisch, leicht säuerlich, leicht würzig, erfrischend
Gesamt: Wirklich eine sehr überraschende Pils-Variante, die sich in der Tat für einen lauen Grillabend eignet. Insbesondere aber auch für die Damen der Schöpfung interessant, ist das Bier doch sehr fruchtig und spritzig. Nach dem Motto „wer Sauerbier mag, wird Pfeffer-Pils lieben“ ist es aber auch für andere Zielgruppen interessant. Mir persönlich schmeckt es allerdings schon wieder zu fruchtig sauer und zu wenig nach einem klassischen Pils, welches zumindest erkennbar sein sollte. Deshalb „nur“ 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://shop.welde.de/craft/pepper-pils-collabbrew.html.

Prost!

207. Maisel & Friends Summer Pale Ale

Nachdem der Sommer wieder zurückgekehrt ist möchte ich heute die große Verkostungsreihe „Alternative Getreide & Zutaten“  kurz für ein besonderes Bier unterbrechen. Passend zur gestrigen Bierverköstigung „Sommerbiere“ in der Brühler Eule, von der ich später an dieser Stelle berichten werde, möchte ich heute das Summer Ale von Maisel & Friends vorstellen. Es ist deshalb besonders, da es sich um ein limitiertes nur diesen Sommer im Maisel Biershop in Bayreuth bzw. im Online-Versand Flaschenfreund erwerbbares Bier handelt. Und es ist deshalb ganz besonders, weil es mir freundlicherweise von der sehr netten und aufmerksamen Fr. Ploß von der Maisel Brauerei zur Verfügung gestellt wurde. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle für diese tolle bierige Überraschung, worüber ich mich sehr freue. Und da mir dankenswerterweise auch das Produktblatt zum brandneuen Summer Ale beigelegt wurde, belasse ich es nun bei meinen Beschreibungen.Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  9.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr schön fruchtig nach Papaya, Grapefruit, Mandarine & Mango; spritzig säuerlich, leichte waldige „Fehlaromen“
Geschmack: trocken-fruchtig, grasig-bitter, schön leicht & süffig mit wenig Körper, weniger gehopft als gedacht, spritzig, leicht säuerlich (auch im Abgang)
Gesamt: Wahrlich ein interessantes und würdiges Sommerbier. Während man hierzulande oft auf ein Helles oder Kölsch zurückgreift oder im Bierland Belgien gerne ein Witbier trinkt, stellt das Summer Ale eine interessante Alternative zu den üblichen Verdächtigen dar. Mit dem Citrilla (Hybrid aus Weißbier & IPA) hat man zwar bereits ein sommertaugliches Bier im Sortiment , doch liefert Maisel mit dem Summer Pale Ale nun eine leichtere und süffigere Ergänzung, die mir aufgrund der einzigartigen Geschmackskomposition sehr gut gefällt. In der Gesamtwertung gibt es deshalb verdientermaßen 12 Pkt. (2+). Für die Bierwelt bleibt also zu hoffen, dass es auch möglichst viele in diesem Sommer noch proBieren dürfen.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/release-summer-pale-ale/.

Prost & Bierigen Dank nochmals!

206. Brewdog Electric India

Weiter geht es im Programm der spannenden Bierattraktionen. Heute am Start: Der schottische Brauhund mit einem indisch-amerikanischen Belgier. Also erneut Internationalität pur.

Es ist nun nicht das erste Brewdog-Bier, was ich proBieren darf, aber aufgrund der enorm breiten Produktpalette ist es immer wieder faszinierend, was sich die schottischen Craftbeer-Pioniere erneut ausgedacht haben. Wobei diesmal offensichtlich auch weitere Kräfte am Werk waren:

„Electric India is a perfect hybrid – a meeting of two formative brewing worlds – embracing the spicy notes of a Belgian saison and combining with the punchy new world hops of an American IPA. Originally created by our legion of shareholders at an Equity Punk brewday in 2013 […]“

Das Interessante an diesem Bier ist aber nicht nur die Kombination dieser beiden Bierstile, sondern auch die Zutatenliste. Enthält diese doch neben der Weizenrohfrucht Pfeffer, Koriander und Honig, was selbst in einem belgischen Saison in der Form eher unüblich ist. Umso mehr bin ich gespannt, wie dies dann noch in der Kombination mit etwas aussagekräftigeren US-amerikanischen Hopfen am Gaumen ankommt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . American Saison
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Pfeffer, Koriander, Honig, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .   –
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ellon / Schottland
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: sehr fruchtig nach Ananas, Zitrone, Limette, Papaya und Granatapfel, etwas grasig-würzig-süß
Geschmack: würzig-pfeffrig-hefig, leichte Bitterkeit, fruchtig mit Anklängen von Koriander, mittelhoher Körper, leicht spritzig, fruchtig-herber Abgang mit einer scharfen Note
Gesamt: In der Tat ein sehr interessantes Bier, dem die vielen Komponenten grundsätzlich gut tun. Allerdings ist es selbst für den Amateur-Gaumen schon schwierig die einzelnen Geruchs- und Geschmacksnoten herauszufiltern. Den Honig zum Beispiel konnte ich so gut wie gar nicht erkennen. Insbesondere die Kombination mit den fruchtigen Hopfensorten überfrachtet fast das Bier. Dennoch ein handwerklich gut gemachtes und sehr kreatives Bier – leider aber heute nicht genau mein Geschmack. Trotzdem summa summarum 11 Pkt. (2) und für experimentierfreudige Biergenießer sehr zu empfehlen.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.brewdog.com/lowdown/blog/electric-india.

Prost!

205. Steamworks Killer Cucumber Ale

Heute geht es endlich mal wieder auf Bierurlaub. Zumindest gedanklich. Wartet doch mit dem mörderischen Gurken-Bier heute ein Bier aus dem schönen Kanada auf mich. Dabei ist das Bier in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Zum Einen natürlich aufgrund der Extra-Zutat Gurke, die ich zumindest so noch nicht in Bieren gesehen geschweige denn geschmeckt habe. Ein weiteres geschmackliches Experiment also, worauf ich sehr gespannt bin. Zum zweiten ist das Bier – wie es der Name schon verrät – ein sogenanntes Dampfbier. Zwar ist dies kein offizieller Bierstil, charakterisiert aber die Art und Weise der Herstellung, die bei Steamworks Tradition und Historie hat.

So geht die Geschichte der Brauerei bis in die 1930er Jahre zurück, als sich Teile der österreichischen Familie Gershkovitz aufmachten und ihr Glück im kanadischen Ottawa suchten. Zwei Generationen und einen Umzug an die Westküste ins schöne Vancouver später, suchte der kanadische Familienteil wieder stärkeren Kontakt nach Europa und sie unternahmen eine Rundreise. Dort kamen sie erstmals mit dem Bierbrauen in Berührung und erwarben in der Folge 1995 einen historischen Brewpub in Vancouver. Dieser beinhaltete noch ein seltenes altes Dampfheizsystem, was jedoch Jahre nicht mehr benutzt wurde und womit sich Eli Gershkovitz nicht auskannten. Doch die Bierbegeisterung war groß genug um lange genug zu experimentieren und im Selbststudium die erste und bisher einzige Dampfbierbrauerei Kanadas zu eröffnen. Da es Eli zwecks Rezepturinspiration immer wieder in die alte Heimat zog, beschlossen er und sein österreichisches Pendant Herbert Ottenschläger – der im Tourismuswesen seine Brötchen verdient – 2014 bei einem gutem Glas Bier eine transatlantische Kooperation einzugehen.

Dieser habe ich es nun zu verdanken, dass ich das heutige interessante Bier proBieren darf. Es ist zwar nicht das erste dieser spannenden Brauerei (ich erinnere mich sehr gerne an das White Ale mit Gerstenflocken, Hafermalz, Haferflocken sowie gerösteten Kakao- & Kaffeebohnen), aber immer wieder auch etwas Besonderes. Und um die Transnationalität auf die Spitze zu treiben, kommt in dieses kanadisch-österreichische Gurken-Dampfbier auch noch belgische Bierhefe hinein.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dampf-Gewürzbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Gurke, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .   –
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Vancouver / Kanada
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: würzig, hopfig, gemüsig-grasig, frisch
Geschmack: würzig, süffig, leicht herb, süß-herber Abgang, tatsächlich gurkig und hefig
Gesamt: Während die Gurke in der Cocktail-Welt bereits vor einigen Jahren Einzug gehalten hat, zeigt sich mit diesem Bier, dass dies zu Unrecht bisher auch nicht im Brauwesen stattgefunden hat. Ein wirklich leckeres, frisches und ja auch anderes Bier. Es hat zwar bis auf den leicht gurkigen Geschmack von keiner klassischen Geschmackskomponente keine herausragende Eigenschaft, ist aber in der Gesamtheit derart ausbalanciert, dass es mich völlig überzeugt. Überzeugt nochmals in der Ansicht, dass das „Reinheitsgebot“ durch eine Alternative ersetzt werden muss. Denn dieses Bier ist mit 12 Pkt. (2+) wirklich hochqualitativ, innovativ und natürlich und es gibt keinen Grund, dass so etwas nicht auch in Deutschland gebraut werden darf.

Weitere Infos zur Brauerei unter: https://www.steamworks.eu/seiten/brauerei/
und zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/steamworks-killer-cucumber-ale/329085/1/1/.

Prost!

204. Main Seidla Harvest Moon

Auch mit dem heutigen Bier liege ich wieder jahreszeitentechnisch daneben. Aber zumindest bin ich beim Herbst schon näher am Sommer als noch beim Belgischen Winter. Und da Harvest Moon für den ersten Vollmond im Herbst steht, ist der Sommer da schließlich oftmals noch gut zu spüren.

Harvest Moon bezieht sich aber nicht nur auf den entsprechenden Mond, sondern natürlich auch auf die dazugehörige Erntezeit. Und so war ich freudig überrascht, dass das Brauhaus Binkert dieser landwirtschaftlichen Zeit ein spannendes Bier aus den drei Getreiden Gerste, Hafer und Dinkel widmet:

„DAS ERNTEBIER: Der goldene Herbst mit seinem einzigartigen Licht, eingefangen in der Fülle von Gersten, Hafer- und Dinkelmalz verspricht eine Belohnung, wie man sie nur zur Erntezeit mit Dankbarkeit verspürt. Eher mild in seiner harmonischen Bittere kommt die Erntereife voll zur Geltung. Süße Früchte, wie Trauben und Mandarinen werden durch die ausgewogene Auswahl von uralten und brandneuen Hopfensorten zur Entfaltung gebracht. Ariana beim „late hopping“ und Hersbrucker Pure beim „dry hopping“ ergänzen sich blendend zu einem erdverbundenen Lobgesang an die fränkischen Heimat. War in alten Zeiten das Erntebier wegen der schweren körperlichen Arbeit eher ein Leichtbier, so haben wir den moderaten Alkoholgehalt den heutigen Genussansprüchen in Form eines echten Vollbiers angepasst. Denn weiterhin gilt: die wichtigste Eigenschaft von Bier, ist der Durst auf ein zweites!“

Zumindest in der Theorie (Getreide+Hopfen+Heimat) verspricht es also ein wirklich interessantes Bier zu sein. Dazu passt übrigens auch die schwierige Bierstilzuordnung: Handelt es sich doch um obergäriges Helles mit alternativen Getreidearten. ProBier ich also mal, ob es tatsächlich auch Durst auf ein 2. macht…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fränkisch Wieß
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Dinkel- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . .
4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Breitengüßbach
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

trailer movie All Eyez on Me

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: hopfig-frisch, fruchtig, grasig-malzig
Geschmack: recht spritzig, leicht rot-fruchtig, fruchtig-herb-frischer Abgang, Zwischentöne von Getreide & Gras, wenig Körper
Gesamt: Nach den ersten Schlucken dachte ich noch, ob die zwei Monate MHD-Überschreitung dem Bier vielleicht doch nicht so gut taten. Aber im Verlaufe entwickelte sich der Geschmack dann aber doch besser. Auch wenn es insgesamt relativ ausdruckslos bleibt, merkt man dem Bier schon die Intention an. Sowohl Frucht- als auch Grasnoten sind klar erkennbar, wenn auch in geringer Intensität als erwartet. Das Bier erinnert tatsächlich eher an das angesprochene leichte Erntebier und ist somit wohl näher am historischen Original als gedacht. Es ist also kein Top-Bier, man kann aber definitiv noch ein zweites davon vertragen. In Summe gute 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.ratebeer.com/beer/main-seidla-harvest-moon/463820/.

Prost!

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203. Heidenpeter’s Belgian Winter

Wo es in der Hauptstadt gerade so schön ist, bleiben wir doch gleich dort und ziehen weiter zur Craft-Brauerei Heidenpeters. Passend zum heutigen Sommeranfang gönne ich mir das Belgian Winter, das schon recht lange auf seine Verkostung wartet und inzwischen das Sortiment von Johannes Heidenpeter wieder verlassen hat. Der belgische Winter zeichnet sich im Gegensatz zu anderen bekannten Winterbieren durch die tatsächliche Hinzugabe von weihnachtlichen Gewürzen wie Sternanis, Nelken oder Zimt aus. Basis bildet dabei ein klassisches belgisches Starkbier, das traditionell obergärig mit Weizenmalz gebraut wird. Eine Art des Bierexperiments, für das Heidenpeters bekannt ist und das ich grundsätzlich begrüße – insofern die Qualität stimmt. Die deutsche Gesetzgebung hingegen erlaubt bei diesem Getränk jedoch nicht die Bezeichnung „Bier“, sodass es Heidenpeter auf der Flasche „Alkoholischer Malztrunk“ nennen muss. Bleibt nur die Frage, ob ein Winterbier bzw. winterlicher Malztrunk auch noch mitten im Sommer schmeckt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Winterstarkbier
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizenmalz, Sternanis, Zimt, Nelke, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>8,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berlin
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________6
Fazit

Geruch: obergärig hefig, leicht bananig, süßlich-bitter, alkoholaromatisch und tatsächlich ein Hauch von Nelke
Geschmack: voller körper, sehr spritzig, vollmundig, bitter-süß, unangenehmes Alkoholaroma, leichte Noten von Sternanis
Gesamt: Vielleicht sind die 2 Monate MHD-Überschreitung doch zu viel, vielleicht bin ich  einfach noch nicht bereit für ein belgisches Starkbier dieser Art, vielleicht passt ein solches Winterbier aber auch tatsächlich nicht in den Hochsommer, doch wirklich lecker ist mein heutiges Bier leider nicht (mehr). Weder in der Nase noch auf der Zunge ein wirklicher Genuss. Zu sehr dominiert ein bitteres Alkoholaroma, zu wenig kommen die winterlichen Gewürze heraus – vom Zimt zum Beispiel fehlt mir jede Spur. Deshalb kann es dafür leider nicht mehr als 7 Pkt (3-) geben.

Weitere Infos zur Brauerei erfährt man am Besten unter: https://www.facebook.com/HEIDENPETERS.

Prost!

201. Giesinger Baltic Rye Porter

Mit dem Baltic Rye Porter von der jungen Münchner Brauerei Giesinger möchte ich in meine große Jahresreihe „Alternative Getreide“ starten. Am Start sind etwa 30 Biere mit Basisgetreiden abseits der üblichen Verdächtigen Gerste und Weizen. Zudem werde ich auch Biere mit weiteren natürlichen Zutaten proBieren, die zwar den unsinnigen deutschen Biergesetzen nicht entsprechen, dafür aber durch ihre Natürlichkeit es wert sind einmal einen Blick bzw. Schluck über den Tellerrand zu wagen.

Giesinger ist gutes Beispiel für die derzeitige Craft-Bier-Bewegung. 2003 in einer Garage entstanden und somit die erste Brauereigründung in der bayrischen Landeshauptstadt nach vielen Jahrzehnten, ist es in etwa zehn Jahren (auch mit Hilfe eines Crowdfundings) zur zweitgrößten Privatbrauerei Münchens empor gestiegen. Dabei setzt man sowohl auf klassisch bayrische Bierstile, als auch kreative Innovationen á la Baltic Rye Porter, dass mit Roggenmalz eingebraut wurde. Unter dem Motto „Mir san Bier“ folgt Giesinger diesen Regeln:

  • Unsere Biere sind unfiltriert und nicht thermisch behandelt.
  • Bei den Rohstoffen legen wir höchsten Wert auf Qualität und Herkunft. Wir verwenden beispielsweise nur besten Hallertauer Hopfen.
  • Auch beim Produzieren legen wir großes Augenmaß auf die Brautradition. Deshalb kommen bei uns beispielsweise statt der üblichen Edelstahltanks vier grosse, offene Gärbottiche für die Hauptgärung der obergärigen Biere zum Einsatz.
  • Wir sind eine Münchner Brauerei und konsequenterweise verzichten wir auch auf den Export unserer Biere. Dafür müssten wir Einschränkungen (z.B. eine längere Haltbarkeit) hinnehmen, die unserer Auffassung vom Brauen widersprechen.
  • Wir stellen traditionelle und althergebrachte Biersorten her: Helles, Weißbier, Dunkles, Märzen und Bock (und gaaanz selten auch mal ein paar Experimente).

Zum Glück sind diese Experimente dabei dann noch nicht sooo selten und stehen auch im Einklang mit den traditionelle Brauweisen, auf die sich die kreativen Münchner zurückbesinnen wollen. Etwas ungewöhnlich für einen Braubetrieb dieser Größe ist zudem auch die Tatsache, dass man von Beginn an konsequent die Fertigkeiten einer handwerklichen Braukunst im Rahmen einer Brauer- und Mälzer-Ausbildung an junge bierbegeisterte Menschen weitergibt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Roggenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  17°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14,5
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: wirklich sehr röstig und karamalzig sowie leicht brotig und alkoholaromatisch
Geschmack: sehr schön weich und abgerundet, neben Karamalz und Röstmalz leichte Kaffee- und Schokonoten sowie ein ganz geringe Bittere; bei mittelgroßem Körper und passig matter Spritzigkeit macht der malzig süße Abgang Lust auf mehr
Gesamt: Es beginnt mit der Flasche, die meiner Ansicht nach die schönste Form der Welt hat. Das informationsgeladene und ansehnliche Etikett tut sein Übriges zur fast perfekten Note für die erste Kategorie. Bei der allgemeinen Optik dann zwar Bierstil-bedingt ein paar kleine Abzüge, aber spätestens die olfaktorische Komponente bringt das Bier wieder in die Spur. Geschmacklich ist es nicht weniger als das beste Porter, das ich je trinken durfte. Doch nicht nur das, auch im Vergleich zu allen anderen diesjährigen Bieren teilt es sich mit dem herausragenden Jrön mit 14 Pkt. (1) in der Gesamtwertung von nun an den ersten Platz. Gerade, wenn man bedenkt, dass das MHD offiziell bereits Ende letzten Jahres abgelaufen ist, bestätigen sich zwei Dinge: Die Brauqualität von Giesinger und Roggen als wertvolles Biergetreide!

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.giesinger-braeu.de/.

Prost!

199. Maisel & Friends Choco Porter

Bevor es ab morgen an dieser Stelle mit meiner großen Jahres-Reihe an Bieren losgeht, die sich durch alternative Getreidearten oder anderen natürlichen Zusätzen auszeichnen, möchte ich zum Wochenend-Abschluss gerne den neuesten Zugang des Maisel & Friends Standard-Sortiments vorstellen.

Nach dem Pale Ale, dem IPA, und dem Citrilla ist es bereits Bier #4 das in der Session-Reihe der Traditions- und Kreativ-Brauer aus Franken in Falschen abgefüllt wird. Daneben brauen die drei Maisels – wie es der Name schon verrät – aber auch gerne mit Freunden, sodass immer mal wieder auch Freundschafts-Sude den Markt erreichen. Hier sei ganz besonders auch auf das India Pale Lager in Kooperation mit Cocktailian hingewiesen.

„Black, bold and beautiful!“

So ist der Slogan des Bieres, dass sich vor allen durch einen cremigen, malzigen und süffigen Eindruck auszeichnen soll. Vor allem aber sollen Noten von Zartbitter, Espresso und Karamell den Bierkenner umgarnen. Bin ich also auf das „Geschmacksabenteuer“ gespannt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . .  15.2°P
Alkoholgehalt. . . . . .
6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: Röstig-malzig, getreidig und leicht frisch und angesüßt
Geschmack: In der Tat ganz klare Noten von Kakao und Kaffee. Dazu kommt eine dumpfe stets begleitende Süße und ein etwas herber kaffeiger Abgang. Zudem ist es recht weich und überraschenderweise auch zugleich süffig, auch wenn man sich einbildet, dass das Bier aufgrund der dunklen Seele einen größeren Körper vorweist.
Wahrlich kann also hier von einem kleinen Geschmacksabenteuer die Rede sein. Im Gegensatz zu anderen Portern, bei denen tatsächlich Kaffee zugesetzt ist, schaffen es Maisel nur mithilfe einer cleveren Komposition von Gerstenmalzen einen meiner Ansicht nach besseren Kaffee-Geschmack zu kreieren, als eine richtige Beimengung des schwarzen Wachmachers. Die Kombination mit der Zartbitterschokolade macht das ganze einfach nur stimmig und rund. Gerade als Freund von dunklen ausdrucksstarken Bieren erfreut mich die klare Linie und der interessante Charakter des Bieres. Abzüge gibt es aber deshalb, weil mir das Bier ein wenig zu trocken, sauer und süffig erscheint. Trotzdem in Summe starke 13 Pkt. (1-). Und wenn ich nicht permanent damit beschäftig wäre neue Biere zu finden, würde ich tatsächlich wohl zum „Wiederholungstäter“ werden.

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/session/choco-porter/.

Prost!

198. Butcher´s Tears La Condition Humaine V: Echo Beach

Trotz des gestrigen leider mäßigen weil zu weit über dem MHD befindlichem Amber Pale Ale von Butcher´s Tears, möchte ich auch das India Pale Ale auf Leber und Nieren testen. Unter dem Titel „La Condition Humaine“ erscheint in regelmäßigen Abständen immer eine neue Edition des India Pale Ales. Im Laufe des vergangenen Jahres stand Sud Nr. 5 an, der den wohl klingenden Beinamen Echo Beach erhielt. Sind wir also gespannt, ob das kaltgehopfte IPA die fortgeschrittene Flaschengärung besser überstanden hat.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Ale
Brauart. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . .
>6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam / Niederlande [Gullegem / Belgien]
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________8
Fazit

In der Nase schön fruchtig süß nach Mango, Papaya und Granatapfel sowie leicht grasig-getreidig mit bitteren Spitzen. Auf der Zunge dann leider klar alkoholaromatisch ohne deutlichen Ausdruck hinzu einem hopfigen oder malzigen Charakter. Insgesamt eher karamell- als fruchtsüß mit einem scharf herben Abgang. Ansonsten bei recht großem Körper frisch und spritzig.
Alles in allem also schmeckbar besser als das gestrige APA aber dennoch kein Überflieger. Wahrscheinlich kommt dem Bier aber der höhere Alkoholgehalt, die Kalthopfung und das etwas näher zurückliegende MHD-Ende zu Gute. Endlich bekomme ich also einen Eindruck über die wahre Qualität der handwerklichen Braukunst dieser Mikro-Brauerei. In Summe deshalb zumindest 9 Pkt (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://butchers-tears.com/beers.

Prost!