Archiv der Kategorie: Bierrezension

500. Cerevisia M˟

Endlich ist es soweit: Bierjubiläum. Heute vor genau 503 Jahren erließen die damaligen bayrischen Herzöge eine Verordnung, die heute allgemein als das „Reinheitsgebot“ bezeichnet wird.

Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe in der Zeit einiges an Wissen und Biererfahrung ansammeln können. So war es dann auch letztes Jahr soweit, dass ich in meiner Bierliste die 1.000er Marke an vorgestellten Bieren geknackt hatte. Inzwischen ist die Liste bereits mehr als 1.500 Biere stark. Zu Ehren dieses Ereignisses hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: mein erstes selbstgebrautes Bier. Wie ich schon damals vom Brautag und der Abfüllung berichtete, habe ich dabei das Glück gehabt, dass mir Ralf Mohr vom Braukunst Vorgebirge nicht nur seine Braugarage nebst Anlagen zur Verfügung gestellt hatte, sondern mich auch mit seinem reichhaltigen Wissen rund ums Brauen unterstützt hat. Es sollte aber natürlich kein 08/15-Bier werden, sondern eines, dass ein Zeichen für eine Reform des „Reinheitsgebots“ darstellen sollte. Herausgekommen ist das erste Bier der Welt, das mit allen sieben Hauptgetreidearten Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Reis, Mais und Hirse gebraut wurde. Bislang gibt es zwar Biere mit unterschiedlichsten Korn-Kombinationen, ein solches gab es aber bis dato noch nie. Würde ich es kommerziell brauen, bräuchte ich hierfür eine Sondergenehmigung und dürfte ich wahrscheinlich noch nicht einmal Bier nennen. Dabei enthält es ausschließlich Getreide, Hopfen und Hefe. Alles was eigentlich ein Bier ausmacht. Und nichts, was nicht auch auf anderen Kontinenten für ein Bier essentiell ist: Mais in Amerika, Hirse in Afrika und Reis in Asien. Für mich also unbegreiflich, warum hier der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind der großindustriellen Brau-Lobby folgt. Hinsichtlich weiterer Zutaten wie Obst oder Gemüse kann ich Diskussionsbedarf zwischen Traditionalisten und „modernen“ Craft-Brauern durchaus nachvollziehen. Warum jedoch kein weiteres Getreide außer Gerste in untergärigen sowie Weizen, Hafer und Roggen in obergärigen Bieren rein darf bleibt mir weiterhin ein Rätsel.

Nach einigen weiteren Brauversuchen und Rezeptentwicklungen (siehe auch hier) ist nun das CEREVISIA Mx herausgekommen. Weiterhin auf der Basisrezeptur eines unfiltrierten Altbieres, habe ich seit dem ersten Sud die Kornzahl sukzessive erhöht und bin nun bei 10 Getreiden angelangt: Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Emmer, Einkorn, Reis, Hirse, Mais. Im Vergleich zu den bisherigen Suden ist das 10-Korn-Neo-Alt stärker eingebraut. Neben diesen 10 Getreiden fanden auch noch fünf ausgewählte Hopfensorten den Weg in den Braukessel: Hallertauer Tradition, Spalter Select, Brewers Gold, Target und Centennial.

#Natürlichkeit
#Qualität
#Vielfalt
#Regionalität
#Transparenz

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . 10-Korn-Neo-Alt [Bierjubiläums-Jubiläumsbier]
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen-, Roggen-, Dinkel- & Emmermalz, Hafer-, Einkorn-, Reis- & Hirseflocken, Cornflakes, Röstgerste, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  18°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem [Brühl-Pingsdorf]
Erscheinungsjahr. . .
2019

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___15
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

  | würzig, leicht röstig, dunkelmalzig, dunkelfruchtig, harzig, etwas waldig
  | größerer Körper, würzig, etwas bitter, hopfig-herb, dunkelmalzig, leicht fruchtig, etwas holzig, gering grasig, leicht ölige Textur, feinperlig, süßlich-malzig-würziger Abgang
  | Mit dem nun vierten Brauversuch bin ich durchaus wieder sehr zufrieden, obschon die Rezeptur immer noch etwas verbessert werden könnte. Die Verknüpfung von fruchtigen Getreidenoten mit würzigen Holz- und Röst-Aromen ist nicht nur gelungen, sondern bietet olfaktorisch und gustatorisch eine mehr als spannende natürliche Vielfalt. Sensorisch und stilistisch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, das im Übrigen auch beim Bierpublikum hervorragend ankommt. Völlig zweifellos haben wir uns damit die 15 Pkt. (1+) erneut verdient.

 • weitere Infos zu meinem Reformvorschlag für das „Reinheitsgebot“ unter: http://www.bierjubilaeum.de/das-reinheitsgebot/.

Prosit Mundus manufactum!

507. Aecht Schlenkerla Fastenbier

Was könnte passender sein, als die Fastenzeit mit einem Fastenbier zu beschließen. Eine Brauerei, die dieses seit jeher braut ist die „Heller-Bräu“ Trum GmbH – besser bekannt als Aecht Schlenkerla. Mitten in der Altstadt der Biermetropole Bamberg gelegen reicht ihre Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurück. Sie ist eine der traditionellen Rauchbier-Brauereien, die vor allem Bamberg aber auch die Region prägten und ein weltweites Alleinstellungsmerkmal darstellen. Waren früher praktisch alle mitteleuropäischen Biere mehr oder weniger Rauchbiere, hat man in Bamberg und beim Schlenkerla die Tradition des Rauchmalzbieres bis heute lebendig gehalten. Im Rahmen unserer Franken-Tour hatte ich auch bereits das große Vergnügen vor Ort sein zu dürfen. Damals wie heute kann ich Bamberg und Franken nur wärmstens empfehlen.

Das Fastenbier wird mit einer Mischung aus hellen unrauchigen und dunkleren Rauchmalzen gebraut. Der Hopfen stammt aus Spalt und der Hallertau. Als eines der letzten traditionell gebrauten Rauchbiere ist es ein Passagier in der „Arche des Geschmacks“ von SlowFood.

Historischer Hintergrund:
‚Bereits in der Antike war das Fasten bei den Römern gebräuchlich. Die Christen übernahmen dieses Ritual im 2. Jh. als 2-tägige Vorbereitung auf das Osterfest. Später erweiterte die Kirche die Zeit der Enthaltsamkeit auf die noch heute üblichen 40 Tage. Gemäß dem Grundsatz „liquida non frangunt ieiunium“ (Flüssiges bricht das Fasten nicht) brauten die Mönche der mittelalterlichen Klöster für die Fastenzeit ein stärkeres, nahrhafteres Bier, um bei Kräften zu bleiben. In dieser Tradition steht das unfiltrierte Aecht Schlenkerla Fastenbier, das nur von Aschermittwoch bis Ostern ausgeschänkt wird.‘

„Das Aecht Schlenkerla Fastenbier ist ein unfiltriertes Rauchbier, das gemäß dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird. Die untergärige Hefe verleiht dem rötlich hellbraunen Fastenbier eine leichte natürliche Trübung. Sein Raucharoma ist schon im Geruch erkennbar und wird begleitet von einer edlen Hopfennote. Durch die vollmundige Hefe ist im Aecht Schlenkerla Fastenbier die ‚Brotzeit schon mit drin‘.“

Fastenbier Logo

„Tradition heißt, die Flamme zu erhalten, und nicht die Asche aufzubewahren.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauchbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bamberg
Erscheinungsjahr. . .
1410

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

  | klar rauchig, Salami, Schinken, dunkelmalzig, leicht würzig, gering buttrig & blumig
  | voller Körper, malzwürzig, rauchig, „Aufschnitt“, gering hopfenbitter, etwas Karamell, feinperlig, süß-rauchiger Abgang
  | Wie immer heißt es bei Schlenkerla: Wer nicht eine gewisse Affinität zu Rauchbieren hat, wird hier auch nicht glücklich. Für alle anderen wartet ein ganz besondere Bier-Erlebnis, das von einer sehr interessanten Vielfalt lebt. Neben den klassischen Rauchnoten, kommen deutliche Karamellaromen und blumige Hopfenauszüge hinzu. Nicht nur für mich eines der besten Rauchbiere. Völlig verdiente 13 Pkt. (1-).

 • https://www.schlenkerla.de/rauchbier/sorten/fastenbier.html

Prost & guten Abend! 🍻

506. Budweiser Budvar B:Free

Kurz vor Ende der Fastenzeit möchte ich dann doch noch einmal ein alkoholfreies Bier vorstellen, dass mir recht zufällig über den Weg gelaufen war, da ich schließlich auch Kronkorkenjäger bin.

Es ist die alkoholfreie Variante es weltweit bekannten Budweiser Budvar, das wohl eines der prominentesten Bier-Rechtsverfahren in den letzten Jahrzehnten durchmachen musste. Die 1895 als Tschechische Aktienbrauerei Budweis gegründete Brauerei ist zu 20% am gesamten Bierexport Tschechiens beteiligt und vertreibt das Budvar in 60 Länder. Wohl auch aufgrund des historischen Hintergrunds ist die Brauerei bis heute ein Staatsbetrieb.

„Das Budweiser Budvar Lagerbier reift in den Lagerkellern unglaubliche 90 Tage, und bei seiner Herstellung finden ausschließlich mährisches Malz, Saazer Doldenhopfen und vor allem das reine Naturwasser aus eigenen artesischen Brunnen Verwendung.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . <0,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Budweis
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________8
Fazit

  | sehr buttrig, leicht gemüsig, malzig, blumig
  | schlank, etwas malzig, gering hopfig-herb, blumig, wenig buttrig, recht matt, gering süßlicher Abgang
  | Sicher, es ist und bleibt unfair alkoholfreie Biere mit alkoholhaltigen zu vergleichen. Dennoch habe ich in meinem inzwischen doch recht großen Alkoholfrei-Portfolio durchaus schon bessere Biere kosten dürfen. Mir ist es schlicht zu einfältig und wenig charakterlich. Eine bessere Alternative zu fast allen anderen alkoholfreien Getränken ist aber trotzdem: 9 Pkt. (3+).

 • http://www.budejovickybudvar.cz/de/produkty/sortiment/budweiser-budvar.html

Prost & guten Abend! 🍻

505. Grevensteiner Westfälisch Hell

Am heutigen Sonntag-Abend gibt es mal wieder ein sogenanntes Fernsehbier. Zumindest ist ein naher Verwandter eines solchen. Denn die Biere der Marke Grevensteiner sind ein relativ neuer Ableger der Veltins-Brauerei, um im Zuge der sogenannten Craftbier-Welle auch anspruchsvollere Zielgruppen zu erreichen. Wie die Konkurrenz setzt man dabei vor allem auf traditionelle deutsche Bierstile, die in einem historischen Kontext gestellt vermarktet werden. Mit Authentizität und Handwerk hat das selten viel zu tun, wobei es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung ist und ja gute Qualität nicht definitorisch ausschließt. Mit dem heutigen Bier tritt auch Veltins in die erlauchte Bierjubiläum-Liste ein. Sind wir gespannt, mit welchen Ergebnis.

„In ihrer westfälischen Heimat waren die Brüder Carl und Anton Veltins bekannt für ihre handwerklichen Bierspezialitäten. Für besondere Anlässe brauten sie ein genussvolles helles Grevensteiner – mild, süffig und wie zur damaligen Zeit üblich: naturtrüb.“

„Carl Veltins hatte in seinen bayerischen Wanderjahren das typische Helle jener Zeit für sich entdeckt und die damals junge Rezeptur mit nach Westfalen gebracht. Der Eindruck auf das Erlebte seines brauhandwerklichen Tuns hinterließ sichtbare Spuren. Dort wurde wechselweise bernsteinfarbenes Grevensteiner Original und das Grevensteiner Westfälisch Hell eingebraut, aber auch weitere Spezialitäten fanden bis zum Jahr 1927 immer wieder den Weg in die Fässer, bevor man sich auf das prosperierende Bier Pilsener Brauart konzentrierte.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hell
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Meschede-Grevenstein
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | hellmalzig, leichte Würze, sehr gering sauer-fruchtig, etwas Karamell
  | mittlerer Körper, trocken-malzig, mild würzig, leichte holzige Röstnoten, strohig, feinperlig-matt, malzsüßer Abgang
  | Ein etwas überraschend guter Vertreter der industriellen Handwerksbiere. Auch wenn man ihm die Massenware herausschmeckt, ist das Westfälische Helle nicht nur beliebig und eindimensional. Ein solides Bier, das nicht weh tut und mit einer hohen Drinkablity daherkommt: 11 Pkt. (2).

 • https://www.grevensteiner.de/de#produkt + https://www.veltins.de/sortiment/grevensteiner/sorten/http://www.about-drinks.com/grevensteiner-westfaelisch-hell-ueberzeugt-mit-sueffigkeit-und-dezenter-malznote/

Prost & guten Abend! 🍻

504. Einbecker Export Ur-Bock

Heute gibt es mal wieder ein Bier, das mir im hiesigen Getränkemarkt über den Weg gelaufen ist. Es ist ein Export von den Bockbier-Erfindern aus Einbeck. Und wie es sich für ein richtiges Einbecker gehört ist es nicht ein gewöhnliches Export, sondern natürlich in der Bockbier-Variante stärker eingebraut.

„Ein echtes Export-Bier darf sich eigentlich nur so nennen, wenn es auch um die Welt gereist ist. Und das kann das Export Ur-Bock des Einbecker Brauhauses mit Fug und Recht behaupten.
Nicht nur, dass das Einbecker Bier von der Hanse ins Baltikum und nach Italien verschifft wurde – es wurde sogar nach Bayern transportiert. Schon im Jahr 1851 wurde Export Ur-Bock mit ganz besonderem Hopfen für einen kräftigen, einzigartigen Geschmack und mit etwas stärker eingebrautem Sud hergestellt. Dieses Bier war in aller Welt begehrt.“

Folgende Stationen machte das Einbecker Export auf seiner ersten Weltreise:

  • 1879 – Sydney
  • 1881 – Rio de Janeiro
  • 1886 – Kapstadt
  • 1895 – Hong Kong
  • 1897 – Guatemala

Auch wenn Einbecker u.a. durch die Fokussierung auf das Bockbiergeschäft inzwischen an Globalität eingebüßt hat, ist es dennoch deutschlandweit ein fester Bestandteil von Supermärkten, Getränkemärkten und Bierfachhandel. Mit über 130 Mitarbeitern und mehr als 500.000 hl Ausstoß ist die im 14. Jahrhundert gegründete und bis heute private Brauerei überdies ein bedeutender Akteur in der mittelständischen Bierproduktion.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Export
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Einbeck
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | helle Malzsüße, mild würzig, leicht getreidig, Karamell, etwas harzig, ölig
  | großer Körper, malzig-würzig, leicht hefig, strohig, leicht bitter, geringes Alkoholaroma, feinperlig, süßlich-würziger Abgang
  | Ein fast schon gewohnt hochqualitatives Bier der Bockbier-Experten. Interessant ist tatsächlich der Ansatz Export-Bock zu reaktivieren. Dabei zeigt sich auch, dass dies weniger mit dem aus den 1950ern bekannt gewordenen Export zu tun hat, als zu vermuten. Mir fehlt es dabei fast nur an ein wenig Balance zwischen Malzigkeit und Würzigkeit. 12 Pkt. (2+) sind wohl dennoch ein gutes Resultat.

 • https://www.einbecker.de/export-ur-bock.html

Prost & guten Abend! 🍻

502. La Trappe Trappist Isid’or

Als vorerst letztes Bier aus unserem nordwestlichen Nachbarland kommt das Isid’or von La Trappe zum Zuge.

Der Name La Trappe stammt aus der französischen Abtei Notre-Dame de la Grande Trappe in der Normandie Soligny-la-Trappe. 1881 machten sich Trappistenmönche aus ebenjener Abtei in die Provinz Brabant auf und ließen sich in Koningshoeven nieder. Drei Jahre später begann auch der Braubetrieb der bis heute die Haupteinnahmequelle der Abtei bildet.

La Trappe ist eine der wenigen Brauereien der Welt die das offizielle ‚Authentic Trappist Product‘-Logo tragen dürfen, welches folgende Kriterien erfüllen muss:

  1. Das Bier muss in den Mauern eines Trappistenklosters gebraut werden, entweder von den Mönchen selbst oder unter ihrer Aufsicht.
  2. Die Brauerei muss im Kloster von untergeordneter Bedeutung sein und es sollte Zeuge der Geschäftspraktiken sein, die einer klösterlichen Lebensweise eigen sind.
  3. Die Brauerei ist nicht beabsichtigt, ein gewinnorientiertes Unternehmen zu sein. Das Einkommen deckt die Lebenshaltungskosten der Mönche und die Erhaltung der Gebäude und Grundstücke ab. Was auch immer bleibt, wird für die Wohltätigkeitsorganisation für soziale Arbeit gespendet und Menschen in Not gebraucht.

Und auch in Sachen Nachhaltigkeit verhält sich die Trappistenbrauerei vorbildlich: Es wird Gerste aus der Region verwendet, der Treber fürs Brotbacken wiederverwertet, Menschen mit Lernstörungen und/oder einer geistigen Behinderung eine Beschäftigung angeboten und sich für Ackerbau und Viehzucht in Uganda eingesetzt.

„Bruder Isidorus Laaber war der erste Braumeister der Onze Lieve Vrouw von Koningshoeven Abtei. Im Jahre 1884 begann er, Trappisten Bier zu brauen und legte den Grundstein für das Bier, das wir bis heute brauen. Eine weise Entscheidung, für die viele Bierliebhaber ihm dankbar sind. Das macht Bruder Isidorus zum Gründungsvater von La Trappe. Im Jahr 2009 wurde anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Trappistenbrauerei Bruder Isidorus mit seinem eigenen Bier geehrt: La Trappe Isid’or. Das Bier wurde so gut aufgenommen, dass es in unsere Standard-Kollektion aufgenommen wurde.“

Schöne weitere Besonderheit der Brauerei übrigens: Die Website ist auch auf deutsch vorhanden.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgisches Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Glukosesirup, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Berkel-Enschot (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
2009

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | würzig, karamell-malzig, waldig, harzig, spritzig
  | mittelgroßer Körper, dunkelmalzig, leicht holzig & röstig, sehr karamellig, wenig bitter-herb, matt-feinperlig, malzsüßer Abgang
  | Ein durchaus würdiger Repräsentant der Trappistenbiere, der sowohl Fans der belgischen Bierstile als auch neugierige Bierinteressierte anspricht. Für meinen Geschmack fast zu würzig, aber ohne die Karamell-Note zu überlagern. Schöner fände ich es nur, wenn anstelle des Glukosesirups eine natürlichere Stärkequelle Verwendung finden würde. Mir sind das damit heute fast sehr gute 12 Pkt. (2+) wert.

https://www.latrappetrappist.com/de/unsere-trappistenbiere/la-trappe-isidor/

Prost & guten Abend! 🍻

501. Brouwerij ‚t IJ Zatte

Zum Wochenstart geht es für mich weiter mit meinen Bieren aus den Niederlanden.

Das heutige Bier ist ein Tripel und stammt von der 1985 gegründeten Brauerei mit dem fast unaussprechlichen Namen. In Amsterdam beheimatet war es zum Gründungszeitpunkt noch eine der ersten Brauereien, die heute als sog. Craftbeer-Brauereien klassifiziert werden. Was heute gerade in Hollands größter Metropole völlig üblich ist, ist Mitte der 80er noch eine wirkliche Rarität. Damals wie heute bleibt es jedoch Ausdruck für den Wunsch nach mehr Handwerk, Qualität und Vielfalt. Der Name der Brauerei leitet sich übrigens vom ehemaligen Meeresarm und heutigen Kanal IJ ab, der Amsterdam in Nord und Süd trennt. Alle Biere des Standard-Sortiments sind zudem in Bio-Qualität gebraut.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Tripel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Amsterdam (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
1985

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | würzig-malzig, harzig-waldig, leicht Karamell
  | voller Körper, gewisses Alkoholaroma, hellmalzig, karamellig, etwas Bonbon, würzig, harzig, gering blumig, feinperlig, trocken-malziger Abgang
  | Ein überraschend mittelmäßiges Tripel aus der Hauptstadt der Niederlande. Für mich ist es zu würzig und auch für belgische Stilverhältnisse zu stark im Alkoholaroma. Dennoch spannend, da ein solches helles Tripel relativ selten anzutreffen ist. In Summe macht das 10,5 Pkt (2(-)).

https://www.brouwerijhetij.nl/zatte/?lang=en

Prost & guten Abend! 🍻

499. Braukunst Vorgebirge ^tausend

Zum Ende des Wochenendes schließt sich der Rahmen mit einem weiteren Bier meines Braumeisters Ralf vom Braukunst Vorgebirge aus Bornheim-Sechtem. Nach diversesten ProBier-Suden zeigte sich er zumindest schon sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Gebraut ist es mit Espressobohnen aus dem Land der tausend Hügel Ruanda.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Coffee-Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Espressobohnen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem
Erscheinungsjahr. . .
2019

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | sehr kafeeig, dunkelmalzig, leicht röstig & holzig,
  | vollmundig, cremig, röstig, dunkelmalzig, leicht herb, waldig, Kaffee, feinperlig-matt, röstig-süßlicher Abgang
  | Erst im Verlaufe des Trinkens ist mir wieder eingefallen, dass ich ja eigentlich zuletzt etwas auf Kriegsfuß mit Kaffeebieren stand, da diese zu oft eine zu bittere Kaffeenote mitbrachten. Dass mir diese nicht schon beim ersten Schluck des Bieres, spricht schon alleine für die gute Qualität dieses Handwerksbiers. Auch wenn man dem Bier in der Tat eine gewisse fehlende Balance vorwerfen kann, ist es darüber hinaus echt gut gemacht. Weder zu bitter, noch zu röstig. Vor allem die Cremigkeit ist für eine Heimbrauprodukt hervorragend. Daher auch hier 11,5 Pkt. (2(+)).

https://www.braukunst-vorgebirge.de

Prost & guten Abend! 🍻

498. Braukunst Vorgebirge Emotion Ale

Vor meinem bevorstehenden Familienwochenende möchte ich noch ein Geschenk proBieren, dass mir mein Lehrmeister Ralf im Gegenzug zu meinem aktuellen Cerevisia M – 10-Korn-Neo-Alt [Bericht folgt in Kürze] mitgebracht hat. Eigentlich für seine Tochter gebraut, traue ich mich fast nicht es zu veröffentlichen, da es eine der letzten Flaschen des limitierten Suds ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bornheim-Sechtem
Erscheinungsjahr. . .
2019

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | sehr blumig-fruchtig nach Birne, Mango, Litschi & Maracuja, leicht nach Laktose, würzig, waldig, etwas gemüsig
  | mittelgroßer Körper, würzig, hellmalzig, hopfig-herb, leichte Fruchtigkeit, matt-feinperlig, mild bitter-herber Abgang
  | Das Emotion Ale ist in der Nase wirklich mehr als wettbewerbsfähig und muss sich in keinster Weise vor der (semi-)professionellen Konkurrenz verstecken. Auf der Zunge hingegen fehlt es noch ein wenig an Balance. Interessant ist die Vermengung von malzsüßen, herben, fruchtigen und bitteren Elementen. Gerne hätte ich mir aber auch hier mehr Fokus auf die originär hopfigen Noten gewünscht, die hier etwas ins Hintertreffen geraten. Für ein Hobbybrau-IPA jedoch wirklich mehr als ordentlich und mit 11,5 Pkt (2(+)). auch in der Gesamtwertung konkurrenzfähig.

https://www.braukunst-vorgebirge.de

Prost & guten Abend! 🍻

497. Maisel & Friends Alkoholfrei

Nach kurzer (auch Biermontags-bedingte (ich werde berichten)) Pause geht es hier und heute weiter im Thema Bier. Das heutige Bier ist wieder einmal freundlicherweise eine Flaschenpost von Eva Ploß aus Bayreuth. Und es ist ausnahmsweise alkoholfrei. Maisel & Friends nimmt dabei den aktuellen Trend mit und ergänzt sein Standard-Sortiment nun auch um ein alkoholfreies „Craftbier“. Im Stile eines Pale Ales ist hier die Gärung vorzeitig abgebrochen worden, um so noch im alkoholfreien Bereich zu liegen.

„Aufregend. Anders. Alkoholfrei.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  7.75°P
Alkoholgehalt. . . . . . 0,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2019

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | sehr blumig-fruchtig, leicht waldig, etwas erdig, etwas Hopfebittere, gering buttrig
  | schlanker Körper, sehr blumig, hopfenfrisch, herbe Fruchtigkeit, gering gemüsig, feinerperlig-matt, leicht künstlich süßer Abgang
  | Ein insgesamt wirklich sehr tolles alkoholfreies Pale Ale, das mal wieder beweist, dass Qualität und Geschmack nicht vom Alkoholgehalt abhängt. Neben dem Riegele IPA Liberis für mein Dafürhalten eines der besten alkoholfreien „Craft“-Biere. Eine leicht künstlich süßliche Note, eine gewisse Gemüsigkeit und ein nicht ganz durchschlagendes nasales Erlebnis sind die einzigen Kritikpunkte an diesem Bier. Deshalb völlig verdient 13 Pkt. (1-).

https://maiselandfriends.com/biere/session/alkoholfrei/

Prost & guten Abend! 🍻

496. Brand IPA

Weiter geht es in meiner kleinen Reihe niederländischer Biere, die noch aus meinem Jahresauftaktfamilienurlaub mitgenommen hatte.

Heute an der Reihe: Das India Pale Ale der Marke Brandt. Zum Heineken-Konzern gehörig, bietet diese meiner Meinung nach trotzdem noch eine recht passable Qualität an. Als Hopfen kamen Cascade, Amarillo und Citra zum Einsatz. Das interessante an diesem IPA ist jedoch, dass es im Rahmen eines Brauwettbewerbs von einem Hobbybrauer entwickelt wurde.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  16.3°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wijlre (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | leicht oxidiert, gemüsig-säuerlich, leicht würzig & nussig, gering harzig
  | mittelgroßer Körper, mild malzig, würzig-bitter, hopfig-herb, süßlich-sauer, leicht karamellig, feinperlig, bittersüßer Abgang
  | Nachdem ich durch den nasalen Eindruck schon Angst bekommen hatte, bin ich doch noch am Gaumen positiv überrascht worden. Obwohl es sich noch in der MHD-Range befindet habe ich dennoch das Gefühl, dass es schon etwas drüber ist. Warum IPA-untypisch hier die Hefe rausgefiltert wurde ist mir auch nicht ganz erklärlich. Insgesamt ist es nicht das schlechteste IPA, aber immer noch mit viel Luft nach oben: 9 Pkt. (3+).

https://www.brand.nl/onze-bieren/ipa

Prost & guten Abend! 🍻

495. Grolsch Kornuit

Anfang des Jahres war ich mit der Familie auf Wochenendurlaub in Brabant. Dort habe ich einige Biere mitgenommen, die ich Euch nun in den kommenden Tagen vorstellen möchte.

Den Anfang macht ein Bier, für das ich mal wieder eine Ausnahme mache. Denn normalerweise nehme ich hier auf Bierjubiläum ja Abstand davon den industriellen Fernsehbieren eine Plattform zu bieten. Doch das Grolsch Kornuit hat mich davon überzeugt, es in die Reihe der wenigen Ausnahmen aufzunehmen, da es ein mit Columbus und Cascade gehopft ist.

Auch wenn meine Erwartungen recht niedrig sind lasse ich mich gerne von diesem Bier überraschen.

(Kornuit bedeutet übrigens auf deutsch so viel wie Kollege oder Kamerad.)

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pilsener
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Boekelo (Niederlande)
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________7
Fazit

  | gemüsig, grasig, strohig, etwas würzig, hellmalzig
  | schlank, malzig, grasig, leicht würzig, gering waldig, wenig hopfig-herb, matt-feinperlig, herb-süßer Abgang
  | Ein Bier, was fast nicht wehtut, aber sonst nicht wirklich auffällt. Es ist zwar charakterstärker als die Hauptmarke, bleibt aber dennoch hinter den eigenen Erwartungen zurück. Definitiv trinkbar, aber mit wenig Inspiration und Ausdrucksstärke. Die Hopfen kommen relativ zu anderen internationalen Lagern durchaus durch, bleiben aber im Hintergrund und überlassen einer eher nichtssagenden grasigen Malznote den Vortritt. Mir ist das alles zu blass, weshalb der Zeiger bei 7 Pkt. (3-) stehen bleibt.

https://www.ontdekkornuit.nl/kornuit-bier.html

Prost & guten Abend! 🍻

494. Maisel & Friends Hopfenreiter 2019

Nachdem mich streng genommen nun bereits die dritte Flaschenpost von Maisel & Friends erreichte, möchte ich euch heute wenigstens eine davon präsentieren. Es handelt sich um den diesjährigen Hopfenreiter. Ein Projekt, bei dem Maisel bereits im vierten Jahr zu einem Kollaborations-Sud ausruft. Jedes Mal kommen andere Brauereien und bringen für das Double-IPA ihre ausgewählten Hopfensorten mit. Diesmal am Start:

  • El Dorado von ÜberQuell (D)
  • Comet von Tilmans Biere (D)
  • Ekuanot von Sudden Death Brewing (D)
  • Citra von Brouwerij De Molen (NL)
  • Moutere von Tiny Rebel Brewing (GB)
  • Azacca von Maisel

Double IPA Hopfenreiter 2019

Ein Bier also, das seinem Namen Maisel & Friends mehr als gerecht wird…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Double-IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  18.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2019

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

  | sehr sehr cremig-fruchtig nach Grapefruit, Ananas, Mango & Limette, grasig-waldig
  | großer Körper, leicht ölig, malzig-würzig, sehr hopfig, fruchtig, waldig, leicht bitter, leichte Schärfe, feinperlig, hopfenbitterer leicht süßlicher Abgang
  | Ein mal wieder wirklich gutes Hopfenreiter-Werk. Sicher nichts für Craftbier-Beginner, aber gerade für Fortgeschrittene ein interessantes (Double-)IPA, das mannigfaltige Hopfenaromen bietet. Ob dies bereits zu viele Aromen sind, kann ich nicht beurteilen. Für meinen Gaumen ist es mal wieder eine willkommene Abwechselung, sich wieder mit den vielfältigen Facetten des Hopfens auseinanderzusetzen. Verdientermaßen ergeben das sehr gute 13 Pkt. (1-).

https://maiselandfriends.com/biere/limited/hopfenreiter-2019/

Prost & guten Abend! 🍻

493. Wacken Ullr Julbock

Kurz vor Ende des astronomischen Winters und dem hoffentlichen Einsetzen des Frühlings, möchte ich mit dem heutigen Bier nochmals auf die kalte Jahreszeit zurückblicken.

„Ob Sonnenwende, Julfest, Weihnachten, Mittwinter oder Rauhnächte, die Menschen des Nordens haben sich jeher die dunkle Jahreszeit mit feierlichen Höhepunkten erhellt.
Nicht fehlen darf dabei natürlich der treffliche Trank.
Unser winterliches Bockbier ist Ullr gewidmet, dem nordischen Gott des Winters und der Jagd. Obwohl er von einem Eisriesen abstammt, gehört er, als Ziehsohn Thors, zu den Asen.“

Gebraut wird es von der der 2016 gegründeten Craft-Brauerei aus Holstein, deren Name und Herkunft auch international vom bekannten Metal-Festival profitiert. Dies führte dazu, dass die Marke inzwischen zum Standardsortiment vieler Bierfachhändler geworden ist. Zur Produktpalette der Beer of Gods gehört eine bunte Mischung diverser Bierstile, die jedoch allesamt nordisch (und mystisch) angehaucht sind.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Heller Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Wacken
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

  | würzig, malzig, waldig, harzig, Lakritz, Karamell, leicht buttrig
  | mittelgroßer Körper, hellmalzig, würzig, bittersüß, harzig, waldig, Nelke, Anis, recht cremig, feinperlig-spritzig, herb-würzig-süßer Abgang
  | Endlich mal wieder ein Bier mit Tiefgang. Auch wenn es sicher noch etwas malziger und weniger bitter hätte sein können, bietet es eine Vielfalt an Geruchs- und Geschmacksnoten, die mir durchaus sehr gefallen. Insgesamt hat es einen waldigen Charakter, der gut zur bitteren Süße passt. Knapp aber verdient sind das dann 13 Pkt. (1-).

https://www.wacken.beer/ullr/

Prost & guten Abend! 🍻

492. Orkney Brewery Dark Island

Vor 5000 Jahren wurden die Orkney-Inseln im Norden des schottischen „Festlands“ erstmals besiedelt. Vor deutlich weniger Jahren etablierte sich an den Städten dieser  neolithischen Siedlungen von Skara Brae eine Brauerei, die es auf den internationalen Markt geschafft hat. Durch das höhere Qualitätsbewusstsein und der Verbundenheit zur Regionalität in Großbritannien gehört die unscheinbare Brauerei aus dem höchsten Norden Europas inzwischen auch zum Standard-Sortiment im kontinentalen Bierfachhandel.

Heute am Start, das Flaggschiff von Orkney:

„Dark Island is an iconic beer: The Orkney Brewery’s flagship beer.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dark Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Quoyloo (Schottland)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________14
  • Geschmack:__________________8
Fazit

  | sehr cremig, karamellig, harzig, Bonbon, etwas Lakritz, holzig-grasig, würzig-malzig
  | mittelkleiner Körper, dunkelmalzig, röstig, holzig, etwas Karamell & Lakritz, leicht bitter, feinperlig-matt, bittersüßer Abgang
  | Ähnlich wie gestern wurde ich erst mit einem olfaktorischen Genusserlebnis gelockt, um dann wieder auf den gustatorischen Boden der Tatsachen zurückzukehren. Auch hier ist der Unterschied zwischen Nase und Gaumen frappierend. Sicher bin ich auch etwas anspruchsvoller geworden, dennoch fehlt es mir wie so oft auch hier an Balance und einer klaren Linie. Für den leichten dunklen Genuss ist das Dark Island Ale aber sicher gut geeignet: 11 Pkt. (2).

 • https://www.orkneybrewery.co.uk/beer/dark-island

Prost & guten Abend! 🍻

491. Hellers Alt

Nach so viel Kölsch letzte Woche muss es jetzt wieder mal ein Altbier sein. Doch wie es passender nicht sein könnte habe ich heute endlich das Vergnügen eines der ganz wenigen Altbiere zu verkosten, das in der verbotenen Domstadt gebraut wird. Definitiv ist es auf jeden Fall das einzige Alt aus Köln in Bio-Qualität.

1991 gegründet stellt die Brauerei Heller seit jeher ausnahmslos Bio-Biere her und braut ausschließlich obergärige Bierspezialitäten wie Kölsch, Weizen und eben das Alt. Seit 1996 gibt es Kwartier Latäng auch ein Brauhaus mit Restaurant und Veranstaltungsräumen.

„Eine Kölner Brauerei mit einem Altbier? Aber natürlich, denn diese Spezialität wurde früher auch in Köln gebraut, eben nach alter Tradition. „

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Alt
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln
Erscheinungsjahr. . .
1991

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________9
Fazit

  | leicht metallisch, karamellig, holzig, Lakritz, leicht dunkel-fruchtig, sehr cremig
  | mittelkleiner Körper, holzig, leicht röstig, flach malzig, gering karamellig, etwas Süßholz, feinperlig-matt, mild süß-röstiger Abgang
  | Es ist schon ein tolles Gefühl ein Alt aus Köln zu proBieren. Als Alt-Fan und Kölsch-Kritiker umso mehr. Leider flacht der Geschmack aber besonders nach dem sehr guten intensiven Eindruck in der Nase etwas ab. Dennoch ein mehr als empfehlenswertes Bier: 12 Pkt. (2+).

 • https://www.hellers.koeln/hellers-biere/#alt

Prost & guten Abend! 🍻

489. Dirndl Bräu Schürzenjäger

Nachträglich zum internationalen Frauentag stelle ich Euch heute ein Bier vor, das gewissen Seltenheitswert hat. Denn hinter der letztes Jahr entstandenen neuen Marke Dirndl Bräu stecken die vier Brauerinnen Antje Leisler, Steffi Meyer, Liesa Pfützenreiter und Sylvia Tromba. Alle vier Damen entstammen dem Gräflichen Hofbrauhaus Freising, wo sie auch ihre neuen Kreativsude brauen. Der erste auf den Markt gebrachte ist der heutige Schürzenjäger – ein sogenanntes India Pale Lager. Also ein kalt gehopftes untergäriges Bier. Die vier Dirndl haben dabei auf Hallertauer Tradition, Citra, Mandarina Bavaria und Callista zurückgegriffen. Geballte Frauen- und Hopfenpower also.

„Fruchtig, hopfig, frech.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Pale Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Freising
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

  | säuerlich-fruchtig, malzig, würzig, grasig, harzig
  | mittelkleiner Körper, malzig, leicht holzig, fruchtig-hopfig, leicht herb & bitter, etwas würzig, waldig, feinperlig, herb-süß-sauer-grasiger Abgang
  | Ein interessantes Erstlingswerk der vier Brauerinnen, das nicht nur einen Stil bedient, der bislang kaum auf dem Markt in Erscheinung getreten ist, sondern diesen auch noch sehr individuelle interpretiert. Dieses kaltgehopfte Rotbier zeichnet sich durch eine interessante Verknüpfung von (säuerlich-)fruchtigen und malzig-herben Noten aus. Für meinen Geschmack ist es aber zu unausgewogen und ausgleichend. Trotzdem sind es am Ende gute 9 Pkt. (3+).

 • https://www.dirndl-braeu.bayern/das-bier/

Prost & guten Abend! 🍻

488. Zum Löwenbräu Schwarzer Löwe

Nach dem vorgestrigen 1747 Dunkel folgt nun heute das zweite Bier der Familienbrauerei Zum Löwenbräu aus dem Bierland Franken. Es kommt aus der Spezialbier-Reihe, die sechs unterschiedliche saisonal wechselnde Löwen-Biere beinhaltet.

Braumeister und Geschäftsführer Günter Wirth hatte mir nun den schwarzen Löwen zur Verfügung gestellt, der in den Monaten Januar und Februar ausgeschenkt wird und den ich natürlich gerne für Euch verkoste.

„Schwarz wie die Nacht erwartet Sie dieses selbstbewusste Bier mit seinen kräftigen Malz- und Röstaromen. Typisch fränkisch, voller Ehrgeiz und Charakter tritt es an, um Ihre Brotzeit oder den Sonntagsbraten zu bereichern.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Schwarzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Adelsdorf-Neuhaus
Erscheinungsjahr. . .
1747

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | dunkelmalzig, Karamell, buttrig, leicht waldig, wenig röstig
  | vollmundig, dunkelmalzig, leicht röstig, etwas würzig, leicht Malzsüß, gering grasig, feinperlig, trocken-malziger Abgang
  | Auch der Schwarze Löwe ist wirklich sehr gelungen. Wenngleich für ein Schwarzbier schon sehr mild, kommt es mir persönlich durchaus entgegen. Grundsätzlich hätte ich mir aber mehr würzige und röstige Noten gewünscht, wodurch mit 12,5 Pkt. (2++) knapp eine Top-Bewertung verpasst wird.

 • https://brauerei-zum-loewenbraeu.de/sortiment/biere

Prost & guten Abend! 🍻

487. Zum Löwenbräu 1747 Dunkles

Die kommenden zwei Rezensionen möchte ich gerne auf Biere verwenden, die mir freundlicherweise Braumeister, Geschäftsführer und Inhaber der Brauerei Zum Löwenbräu Günther Wirth zur Verfügung gestellt hat.

Die Geschichte der Brauerei aus Neuhaus bei Adelsdorf (etwa 20 Minuten westlich von Forchheim zwischen Bamberg und Nürnberg) ist fest verknüpft mit der Familie Wirth. Johann Adam Wirth war es, der 1747 Brauerei, Büttnerei, Gastwirtschaft und Landwirtschaft entstehen ließ. Seither haben sich alle nachkommenden Familienmitglieder in diesen Berufsfeldern verwirklicht. Heute – also mehr als 250 Jahre später – wird die Brauerei in der 10. Generation geführt und hat sich selbst im hart umkämpften Biermarkt deutschlandweit durchsetzen können.

Die klassisch traditionelle Braukunst fränkischer Bierstile in möglichst handwerklicher Weise trifft dabei offenbar den Geschmack der hiesigen Biertrinker, die vor allem Qualität und Authentizität wieder mehr zu schätzen wissen. Zumal die Braugerste ebenfalls vom familiären Betrieb stammt. Mein heutiges Bier ist DAS Aushängeschild des bierigen Frankenlands und ist auch für mich der Geschmack, den ich mit dieser Region verbinde: Das (alt-)fränkisch Dunkel.

„Unser altfränkischer Kellertrunk, ein Bier wie dunkles flüssiges Brot.“

Neben Bier produziert die Familienbrauerei übrigens auch sehr interessante Bierbrände.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Fränkisch Dunkel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Adelsdorf-Neuhaus
Erscheinungsjahr. . .
1747

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | dunkelmalzig, leicht Karamell, mittelröstig, holzig, waldig, würzig, buttrig
  | voller Körper, cremig, dunkelmalzig, holzig, leicht röstig, etwas Karamell, gering würzig & waldig, feinperlig, trocken-malzsüßer Abgang
  | Ein durchaus würdiger Vertreter Frankens. Die röstig-karamelligen Malznoten entsprechen den Erwartungen an ein Fränkisch Dunkel. Und auch sonst kommt das 1747er Dunkle mit einer recht guten Qualität daher. Mir ist es in der Spitze etwas zu unausgewogen und unfokussiert. Die 12 Pkt. (2+) gehen wohl aber dennoch voll in Ordnung.

 • https://brauerei-zum-loewenbraeu.de/sortiment/biere

Prost & guten Abend! 🍻

486. Joybräu Proteinbier

Nachdem der Karneval nun (fast) vorbei ist, wird es Zeit wieder an die Gesundheit zu denken. Was könnte da passender sein als das weltweit erste alkoholfreie Proteinbier.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe auch recht skeptisch geschaut, als mit Nils diese Bier mitgebracht hatte. Hinter der Marke Joybräu stecken die Hamburger Start-Up-Unternehmer Erik Lars Dimter und Tristan Thomas Brümmer. Geboren haben die beiden die Idee eines Getränkes, das die Vorteile eines Proteinshakes mit dem leckeren Geschmack eines Bieres verbindet, bereits Ende 2015. Nachdem dann in 2016 die Marke ins Leben gerufen wurde und sowohl Testsude im eigenen Hobbybraukeller misslangen als auch Brauereien mit den Anforderungen überfordert zu sein schienen, gingen die beiden eine Kooperation mit der TU Berlin ein, die das Bier im Labor experimentierte. Mit der Wissenschaft im Rücken konnte im darauffolgenden Jahr die Privatbrauerei Bischoff (aus der Pfalz) als Partnerbrauerei für das Joybräu gewonnen werden. Anfang letzten Jahres gelang dann auch endlich der Marktstart und das erste Proteinbier der Welt erblickte das Licht der Öffentlichkeit.

Und tatsächlich stecken in diesem Bier 21g Protein bei 0,33l. Während diese den Muskelaufbau unterstützen, sind auch die Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin zugesetzt, die bei der Erholung nach dem Training helfen sollen. Darüber hinaus finden sich auch noch Beta-Alanin und Carnitin, die die Leistungsfähigkeit steigern und durch den Fettstoffwechsel zur Energiegewinnung beitragen sollen. Und damit das Bier auch wirklich  gesund ist, wurde es alkoholfrei gebraut. Alkoholfreie Biere sind schon seit längerem in der Sport- und Fitnessszene beliebt, da diese nicht nur besser schmecken, als „normales“ Wasser, sondern auch entzündungshemmend wirken, das Immunsystem stärken und das Erkältungsrisiko reduzieren. Lediglich ein höherer Zuckergehalt muss aufgrund des Malzes in Kauf genommen werden.

„Das weltweit erste alkoholfreie Proteinbier.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen, Aminosäurezubereitung (BCAA (L-Leucin, L-Iso-Leucin, L-Valin), α-L-Alanin, L-Carnitin, β-L-Alanin, Ecetyl-L-Carnitin)
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 0,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg [Winnweiler]
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________4
  • Geschmack:__________________4
Fazit

  | künstlich süßlich, säurig, gemüsig (getreidig, grasig, waldig)
  | mittelerer Körper, fruchtig-säuerlich, wenig malzig, wenig waldig, feinperlig-spritzig, gemüsig-saurer Abgang
  | Meine anfängliche Skepsis war offensichtlich begründet. Auch wenn ich nicht sicherstellen kann, dass die Lagerbedingungen im gesamten Verlaufe optimal gewesen sind, ist das „Bier“ mehr als gewöhnungsbedürftig. Eine deutliche künstliche Säure, die ich als Beer-Taster kaum definieren kann, überlagert den Geschmack derart, dass ein bieriges Erlebnis stark unterbunden wird. Sollte es sich also nicht um einen Fehler resultierend aus einer unangemessenen Lagerung handeln, kann ich mir nicht vorstellen, dass dies die klassischen Eiweißshakes oder andere alkoholfreie Biere verdrängen kann. In Summe gibt es dafür dann leider auch nur 5 Pkt .(4).

 • https://www.joybraeu.de/

Prost & guten Abend! 🍻

485. költ – vereint gebraut

„költ – vereint gebraut.“

Helau und Alaaf an alle Jecken im Land!

Passend zum Karnevalswochenende gibt es heute ein Bier, das wohl wie kein zweites die rheinische Fastnacht in bieriger Weise verkörpert. Denn es vereint die beiden rivalisierenden Bierstile Alt und Kölsch aus den stets konkurrierenden Rheinmetropolen Düsseldorf und Köln.

Beide Biere und beide Städte trennen augenscheinlich Welten und doch sind sie sich näher als man zunächst vermutet. So zeigt sich insbesondere an Karneval, wie ähnlich sich die Landeshauptstadt und die Domstadt eigentlich sind. Und auch Alt und Kölsch sind sich in der Bierstillandschaft relativ nahe. So sind beide obergärig, recht hoch vergoren, gefiltert und eher malz- als hopfenbetont.

2014 fiel dies auch den befreundeten Design-Studenten Hans und Matthias aus Düsseldorf auf und die Idee eines neuen Bieres, das beide Welten miteinander verbindet war geboren. Genau zwischen den beiden Großstädten fanden sie dann mit Henning von der Monheimer Biermanufaktur auch einen, der die Unternehmung auch mit Leben füllen konnte. Im August 2017 konnte dann auch das erste Költ gebraut werden. Um es jedoch auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde zunächst noch etwas Startkapital benötigt. So wurde ein Crowdfunding gestartet, welches binnen kurzer Zeit 20.000€ aber auch die Erkenntnis einbrachte, dass die Kapazitäten in Monheim zu gering sind, um die Nachfrage decken zu können. So fand man nach etwas längerer Suche in Krefeld [vermutlich Königshof] eine Brauerei, die sich der Sache annahm. Exakt ein Jahr nach dem ersten Költ-Sud machten sich die beiden dann auch hauptberuflich selbstständig und hatten Glück vom Gründerstipendium.NRW belohnt worden zu sein. Im Oktober letzten Jahres fand dann die erste ordentliche Abfüllung vom Költ statt.

Bereits über ein Jahr zuvor bin ich jedoch in den Genuss einer limitierten Sondererstauflage des Költ gekommen, den ich im vergangenen Sommer in der Brühler Eule geteilt proBiert hatte. Aufgrund nicht ganz optimaler Lagerbedingungen und Überschreitung des MHD gelangte ich jedoch nicht zu einem belastbaren Urteil. Aus diesem Grunde hatte ich mich mehrfach aufgemacht, um an das einzigartige Bier zu kommen und es dann auch vor einigen Wochen gefunden.

Und welche Zeit könnte für eine Verkostung nicht besser passen als mitten im Straßenkarneval…

„Endlich ein Bier für das gesamte Rheinland – obergärig gebraut mit den besten Zutaten aus Köln und Düsseldorf. Süffig und würzig zugleich verbindet es zwei Rivalen auf die schönste Art und Weise – in der Flasche. So entstand in Monheim am Rhein, genau in der Mitte, ein einzigartiger Geschmack, der keine Grenzen kennt. Das ist költ.“

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kölsch-Alt/Költ
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Monheim/Krefeld
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________7/11
  • Geschmack:__________________6/9
Fazit

  | säuerlich, hellmalzig, wenig Karamell, blumig /// sehr malzig, Karamell, blumig, grasig, buttrig, würzig
  | oxidiert, sauer, mittelmalzig, fruchtig, kaum Karamell, wenig Kölsch oder Alt /// mittelkleiner Körper, malzig, etwas würzig, grasig, waldig, leicht Karamell, etwas bittersüß, feinerplig-matt, süß-grasiger Abgang
  | Gerade im Direktvergleich zur leicht oxidierten Erstversion im Sommer, kommt das frische Költ deutlich passiger daher. Es vereint durchaus eine Würze vom Alt mit der Süffigkeit eines Kölsch. Insgesamt auch gut malzbetont. Mir persönlich ist es allerdings etwas zu lasch und wenig intensiv. Zudem merkt man dem Költ dann doch die Zerrissenheit zwischen den beiden Welten an, zu der meiner Zunge nach noch kein harmonisches Gesamtbild geformt werden konnte. In Punkten resultieren daraus dann 10 (2-), das sich dennoch sehen bzw. schmecken lassen kann.

 • https://www.koeltbier.de/https://www.welt.de/wirtschaft/article173162600/Koelt-Ein-neues-Bier-soll-die-rheinische-Rivalitaet-beenden.html

Prost & guten Abend! 🍻

484. LaBieratorium Cottbuser Rotbier

Da es gestern so schön war, lege ich heute nochmal einen drauf und gehe beim LaBieratorium in Runde 2. Diesmal an der Reihe: das Cottbuser Rotbier. Ursprünglich ein Bierstil, der sich in Nürnberg und Umgebung entwickelt hat, breitete sich dieser sehr punktuell auch anderswo in deutschen Landen aus. Vereinzelt ist das Rotbier im mittleren Westen, aber eher noch in den heutigen ostdeutschen Bundesländern anzutreffen. Im Vergleich zum Rotbier-Zentrum Nürnberg bzw. Franken bleibt dies dort aber auch ein lokales Phänomen. Umso erfreulicher ist mein heutiger Kandidat.

„Auf der Suche nach Gestern, um das Morgen zu finden…
Im 18. Jahrhundert kamen unbekannte Gewerke in die Lausitz, wie Seidenraupenzucht, Tabakanbau und Strumpfwirkerei, die das Handwerk belebten und den Handel stärkten. Im 19. Jahrhundert, mit der ausweitenden Industrialisierung wurden zunehmend kleine handwerkliche Betriebe verdrängt oder zusammengeschlossen.
Dieses milde, harmonisch ausgewogene Bier soll geschmacklich die alte Handwerkstradition wieder aufleben lassen – kupferrote malzige Klasse, anstatt industrieller Masse.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rotbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Cottbus
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | holzig, würzig, malzig, erdig, leicht erfrischend-gewürzig
  | mittelgroßer Körper, malzig, Karamell, würzig, wenig holzig, wenig harzig, feinperlig, malzig-süß-würziger Abgang
  | Ein charakterstarkes würzig-karamelliges Bier, dem es meiner Ansicht nach aber an Balance und Linie fehlt. Das Wechselspiel zwischen Malz, Karamell, Holz und Würze wirkt etwas unharmonisch und gegensätzlich. Darüber hinaus ist es aber in der Tat die versprochene Klasse statt Masse. Mit (ebenfalls) 10 Pkt. (2-) werde ich dem Bier denke ich gerecht.

 • https://labieratorium.de/

Prost & guten Abend! 🍻

483. LaBieratorium Old World Ale

Mit einer kleiner Zeitreise in doppelter Hinsicht möchte ich in die Straßenkarnevalswoche starten.

Denn das heutige Bier stammt aus einer Brauerei, die zum Ende des vergangenen Jahres (zumindest in dieser Form) ihre Tore geschlossen hat. Labieratorium hatte zuvor viele Jahre recht erfolgreich am Craftbier-Markt bestanden und im vorletzten Jahr erst den Schritt in die Regale bundesweit geschafft. Dies ist insofern nicht ganz gewöhnlich, da es eine der wenigen ostdeutschen Brauereien war, die in die erste Craftbier-Bundesliga aufgestiegen waren. Welche Hinter- und Beweggründe nun für die Schließung des Geschäfts gesorgt haben, ist mir nicht bekannt. Für den Standort Cottbus, aber auch die sächsische Region insgesamt ist es dennoch ein Verlust.

Eine doppelte Zeitreise unternehme ich mit dem heutigen Old World Ale deshalb, da es sich um ein Bier handelt, wie es bis vor 500 Jahren gebraut wurde. Denn es enthält kein Hopfen, sondern andere Bierkräuter bzw. -gewürze, die man Gruit nennt. Noch bis vor der Verordnung, die man heutzutage Reinheitsgebot nennt, war Hopfen nur eines von vielen Kräutern, die man dem Bier zufügte. Mit dessen verstärkter Kultivierung und Züchtung verschwanden jedoch im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte die anderen Bierkräuter fast in Gänze. Es gibt nur wenige Regionen in Europa, in der sich die Gruitbier-Tradition erhalten konnte. An diese alten Rezepturen knüpfen seit einigen Jahren zum Glück aber immer mehr (kleinere) Brauereien an und erwecken eine ganze Bierstilkategorie wieder zum Leben. Labieratorium feierte mit dem Old World Gruit-Ale letztes Jahr seinen Einstand im Verein der deutschen Kreativbrauer. Unterstützt wurden die Cottbuser dabei von den beiden Biersommelier-Weltmeister Oliver Wesseloh aus Hamburg und Stephan Hilbrandt aus Bonn. Neben dem Gruit wurde zudem auch Rauchmalz verwendet, was es zu einem wirklich authentisch spätmittelalterlichen Bier macht.

„This beer brings the Middle Ages back to the palate. Old World Ale is accurately brewed according to late medieval brewing art with a gruit mixture. Beechwood-smoked malt gives this beer its unforgettable flavor.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Gruitbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Zitronenverbene, Heidekraut, Hanfblüten, Wermutkraut, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Cottbus
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________9
Fazit

  | säuerlich, dunkelfruchtig, erdig, waldig, gewürzig
  | mittelkleiner Körper, fruchtig, leicht säuerlich, malzig, leicht würzig, etwas rauchig, erdig, nussig, gewürzig, matt, leicht säuerlich-herber Abgang
  | Ein Bier, an das man sich in diesen hopfen-dominierenden Zeiten erst ein wenig gewöhnen muss. Zunächst wirkt es recht säuerlich und betont erdig. Nach und nach stellen sich aber auch malzig-rauchige Aromen ein. Auch wenn ich dem Bier ggf. Unrecht tue, kann ich dennoch nicht mehr als 10 Pkt. (2-) vergeben, da es mir schlicht an Tiefgang fehlt.

 • https://labieratorium.de/

Prost & guten Abend! 🍻

482. Original Stieglbock

Weil es so schön im Salzburger Land war, bleibe ich vor dem Wochenende gleich mal dort und ziehe weiter in die Hauptstadt Salzburg selbst. Die auch über die Grenzen der Stadt und des Landes bekannteste Brauerei ist zweifelsohne Stiegl. Eine Brauerei, die trotz oder wegen ihrer Größe viel Wert auf Qualität und Natürlichkeit legt. Bereits 1492 gegründet ist sie bis heute eine Privatbrauerei und seit 120 Jahren auch im heutigen Familienbesitz. Besonders gut gefällt mir der ganzheitliche Ansatz, der mit der Slow-Brewing-Zertifizierung und dem Stiegl-Biergut Wildshut einhergeht. Dort betreibt Stiegl als erste Brauerei Österreichs eine eigene Bio-Landwirtschaft und lebt dort den gesamten Bierprozess als Kreislaufwirtschaft. Von der Bodenforschung, über den Anbau von regionalem Urgetreide und dessen eigener Vermälzung bis hin zur eigentlichen Herstellung des Bieres geschieht alles in einer Hand und an einem Ort. Qualität und Vielfalt haben allerdings ihren Preis, was meines Erachtens der einzige Kritikpunkt an dieser vorbildlichen Brauerei ist.

„Ein kräftiges Original von Stiegl, gehaltvoll und vielschichtig. Eine monatelange und kalte Reifung macht diese Bierspezialität zu einem echt festlichen Genuss.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Traditioneller Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Salzburg (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | sehr würzig, buttrig, leicht gemüsig, karamellig, getreidig-malzig
  | vollmundig,cremig, malzig, Karamell, würzig, etwas herb & bitter, leichtes Alkoholaroma, feinperlig-matt, bittersüßer Abgang
  | Ein fast schon zu erwartbar gutes Bier aus der Mozart-Stadt. Besonders die würzige Karamellnote gefällt mir, während ich mir fast noch mehr Tiefgang und weniger Bittere gewünscht hätte. Mit gewohnt hoher Punktzahl von 12 (2+) verabschiede ich mich einstweilen wieder aus Austria.

 • https://www.stiegl.at/de/service/vertrieb/stiegl-sortiment/original-stieglbock

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481. Woif Biersieder Weana Bazi

Das mit dem deutschen Sprachgebiet muss ich heute schon wieder etwas relativieren. Zumindest, wenn ich den Titel des heutigen Bieres lese.

Von Südtirol geht es also ins Salzburger Land. Dort beheimatet ist nach seiner Wiederansiedelung der Wolf. Nach längerem Auslandsausenthalt widmet sich dieser allerdings nicht nur der Braukunst, sondern ist auch als Mostpresser, Metkocher und Schnappsbrenner aktiv. Im Fokus aller Tätigkeiten steht jedoch immer ein möglichst hochqualitatives Produkt zu erzeugen. Hier ist zudem viel Handwerk und Leidenschaft im Einsatz.

Der Name des Bieres bedeutet übrigens auf Hochdeutsch: Wiener Schlingel.

Die Idee:
Bei so manchem nächtlichen Streifzug durch Wien während seiner Studienzeit vermisste der WOIF das Bier welches von dieser Stadt aus seinen Siegeszug um die Welt antrat. Also lag nichts näher als diesen alten österreichischen Bierstil, ein malzbetontes Bier mit guter Trinkbarkeit, wiederzubeleben.

Das Bier:
Wiener Lager, der Bierstil der im Wien des 19. Jahrhunderts kreiert wurde und der zugleich das erste Lagerbier der Welt war*. Trotzdem verschwand dieser Bierstil wieder fast vollkommen. Mit schelmischer Freude hat der WOIF also dieses rötlich-kupferige Bier auf Basis des Wiener Malzes wiederbelebt. Und was wäre Wien ohne seine Einflüsse aus dieser Epoche? Genau, und so gesellten sich noch weitere Rohstoffe aus Gebieten der ehemaligen Habsburger Monarchie (Böhmisches Malz und Hopfen aus den steirischen/slowenischen Anbaugebieten) dazu.

*streng genommen war das Pilsner das erste Lagerbier, da es heute in diese Bierstilkategorie zur Differenzierung zu den obergärigen Ales gefasst wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wiener Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Seekirchen am Wallersee (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | leicht säuerlich, malzig, würzig, grasig, buttrig
  | mittlerer Körper, cremig, malzsüß, leicht Karamell, etwas würzig, buttrig, feinperlig, malzsüßer Abgang
  | Auch dieses Wiener Lager ist wirklich sehr lecker. Nachdem es in der Nase noch etwas einfältig daherkommt, gefällt vor allem der buttrig-malzsüße Geschmack. Eine geschmackliche Vielfalt wie beim gestrigen Vienna erreicht der Woif aber nicht. Der Wiener Schlingel aus dem Salzburger Land kann damit 12 Pkt. (2+) mit nach Hause nehmen.

 • https://www.woif.at/biersieder_craft-beer-salzburg/

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