Archiv der Kategorie: Bierrezension

482. Original Stieglbock

Weil es so schön im Salzburger Land war, bleibe ich vor dem Wochenende gleich mal dort und ziehe weiter in die Hauptstadt Salzburg selbst. Die auch über die Grenzen der Stadt und des Landes bekannteste Brauerei ist zweifelsohne Stiegl. Eine Brauerei, die trotz oder wegen ihrer Größe viel Wert auf Qualität und Natürlichkeit legt. Bereits 1492 gegründet ist sie bis heute eine Privatbrauerei und seit 120 Jahren auch im heutigen Familienbesitz. Besonders gut gefällt mir der ganzheitliche Ansatz, der mit der Slow-Brewing-Zertifizierung und dem Stiegl-Biergut Wildshut einhergeht. Dort betreibt Stiegl als erste Brauerei Österreichs eine eigene Bio-Landwirtschaft und lebt dort den gesamten Bierprozess als Kreislaufwirtschaft. Von der Bodenforschung, über den Anbau von regionalem Urgetreide und dessen eigener Vermälzung bis hin zur eigentlichen Herstellung des Bieres geschieht alles in einer Hand und an einem Ort. Qualität und Vielfalt haben allerdings ihren Preis, was meines Erachtens der einzige Kritikpunkt an dieser vorbildlichen Brauerei ist.

„Ein kräftiges Original von Stiegl, gehaltvoll und vielschichtig. Eine monatelange und kalte Reifung macht diese Bierspezialität zu einem echt festlichen Genuss.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Traditioneller Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Salzburg (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | sehr würzig, buttrig, leicht gemüsig, karamellig, getreidig-malzig
  | vollmundig,cremig, malzig, Karamell, würzig, etwas herb & bitter, leichtes Alkoholaroma, feinperlig-matt, bittersüßer Abgang
  | Ein fast schon zu erwartbar gutes Bier aus der Mozart-Stadt. Besonders die würzige Karamellnote gefällt mir, während ich mir fast noch mehr Tiefgang und weniger Bittere gewünscht hätte. Mit gewohnt hoher Punktzahl von 12 (2+) verabschiede ich mich einstweilen wieder aus Austria.

 • https://www.stiegl.at/de/service/vertrieb/stiegl-sortiment/original-stieglbock

Prost & guten Abend! 🍻

481. Woif Biersieder Weana Bazi

Das mit dem deutschen Sprachgebiet muss ich heute schon wieder etwas relativieren. Zumindest, wenn ich den Titel des heutigen Bieres lese.

Von Südtirol geht es also ins Salzburger Land. Dort beheimatet ist nach seiner Wiederansiedelung der Wolf. Nach längerem Auslandsausenthalt widmet sich dieser allerdings nicht nur der Braukunst, sondern ist auch als Mostpresser, Metkocher und Schnappsbrenner aktiv. Im Fokus aller Tätigkeiten steht jedoch immer ein möglichst hochqualitatives Produkt zu erzeugen. Hier ist zudem viel Handwerk und Leidenschaft im Einsatz.

Der Name des Bieres bedeutet übrigens auf Hochdeutsch: Wiener Schlingel.

Die Idee:
Bei so manchem nächtlichen Streifzug durch Wien während seiner Studienzeit vermisste der WOIF das Bier welches von dieser Stadt aus seinen Siegeszug um die Welt antrat. Also lag nichts näher als diesen alten österreichischen Bierstil, ein malzbetontes Bier mit guter Trinkbarkeit, wiederzubeleben.

Das Bier:
Wiener Lager, der Bierstil der im Wien des 19. Jahrhunderts kreiert wurde und der zugleich das erste Lagerbier der Welt war*. Trotzdem verschwand dieser Bierstil wieder fast vollkommen. Mit schelmischer Freude hat der WOIF also dieses rötlich-kupferige Bier auf Basis des Wiener Malzes wiederbelebt. Und was wäre Wien ohne seine Einflüsse aus dieser Epoche? Genau, und so gesellten sich noch weitere Rohstoffe aus Gebieten der ehemaligen Habsburger Monarchie (Böhmisches Malz und Hopfen aus den steirischen/slowenischen Anbaugebieten) dazu.

*streng genommen war das Pilsner das erste Lagerbier, da es heute in diese Bierstilkategorie zur Differenzierung zu den obergärigen Ales gefasst wird.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wiener Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Seekirchen am Wallersee (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | leicht säuerlich, malzig, würzig, grasig, buttrig
  | mittlerer Körper, cremig, malzsüß, leicht Karamell, etwas würzig, buttrig, feinperlig, malzsüßer Abgang
  | Auch dieses Wiener Lager ist wirklich sehr lecker. Nachdem es in der Nase noch etwas einfältig daherkommt, gefällt vor allem der buttrig-malzsüße Geschmack. Eine geschmackliche Vielfalt wie beim gestrigen Vienna erreicht der Woif aber nicht. Der Wiener Schlingel aus dem Salzburger Land kann damit 12 Pkt. (2+) mit nach Hause nehmen.

 • https://www.woif.at/biersieder_craft-beer-salzburg/

Prost & guten Abend! 🍻

480. Batzen Bräu Vienna Lager

Mit dem heutigen Bier geht es zurück in den deutschsprachigen Raum. Im südlichsten Gebiet der deutschen Sprache – in Südtirol – ist seit einigen Jahren ebenfalls der „Craftbeer-Hype“ ausgebrochen. Zu verdanken ist es der 2012 gegründeten Batzen Bräu aus der Hauptstadt Bozen. Aufgebaut vom Sportstudent Bobo wurde aus einem kleinen Bierprojekt, das den Bozenern wieder mehr Qualität und Vielfalt ins Glas bringen sollte, ein über 40 Mitarbeiter starkes kleines Bierunternehmen. Untergebracht in einer 600 Jahre alten Wirtshaus, die auch als Namensgeber fungierte (Batzen ist der Name einer alten Münze Bozens), werden nun unterschiedlichste unter- und obergärige zum Teil holzfassgelagerte aber stets unfiltrierte Biere für den Ausschank, Außerhausverkauf und Vertrieb hergestellt. Inzwischen hat man dabei eine Kapazität von 5.000hl erreicht. Für das Ur-Porter wurde sogar auf ein Rezept einer schon längst geschlossenen jüdischen Brauerei zurückgegriffen. Auf Initiative von Bobo wurde darüber hinaus die Südtiroler Bierakademie gegründet, die Home Brewing Workshops, Verkostungen etc. veranstaltet. Um den regionalen Gedanken auch konsequent weiter zu pflegen wurde außerdem der Anbau Südtiroler Braugetreides vorangetrieben um einen möglichst kleinräumigen Wirtschaftskreislauf zu gewährleisten.

Das heutige Vienna Lager allerdings ist das erste Bier der gar nicht so neuen Brauerei. Es wurde bereits um die vorletzte Jahrhundertwende in Südtirol gerne getrunken und war insbesondere in diesen Jahren dort, wie auch im restlichen Österreich sehr populär. Angelehnt an eine alte Bozener Rezeptur, soll so nun Geschichte und lokale Identität zurückgebracht werden.

Aus Freude zum Bier!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wiener Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bozen (Südtirol)
Erscheinungsjahr. . .
2012

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

  | karamell-malzig, würzig, getreidig, Bonbon, leicht hefig, waldig-harzig
  | mittelgroßer Körper, würzig, sehr malzig, leicht Karamell, etwas grasig-herb, ganz leicht Lakritz, feinperlig, würzig-süßer Abgang
  | Ein Bier mit ganz viel Identität und Charakter, dem man den Brauhauscharme deutlich anmerkt. Eigentlich ist es vom Stile her fast zu trivial, doch die Südtiroler holen hier einiges an unverwechselbarer Aromen heraus. Ein mehr als interessantes Wechselspiel aus Malz, Karamell, Würze und grasiger Herbe verleihen dem Vienna Lager ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Mit eindeutigen 13 Pkt. (1-) nimmt es gleichzeitig auch die diesjährige Bierjubiläum-Top-Platzierung ein.

 • http://www.batzenshop.com/Batzen-Vienna-Hell-Sixpack-6-Flaschen

Prost & guten Abend! 🍻

479. McGargles Ned’s Retro IPA

Zum Wochenabschluss hüpfe ich von der britischen auf die irische Insel. Seit 2013 ist dort im County Kildare die Rye River Brewing Company ansässig und braut diverseste Craftbier-Marken. Neben der Eigenmarke verlassen die Brauerei auch Biere der Marke Crafters, The Crafty Brewing Company, welches u.a. in deutschen Discountern vertrieben wird, und eben McGargels. Neben einem Lager und zwei Stouts ist die Serie sehr Ale bzw. IPA-lastig, was aber angesichts des anglo-irischen Hintergrunds auch nicht ausschließlich auf das Craftbeer-Segment zurückzuführen sein wird.

Mit dem Retro-IPA, will man wieder eine ursprünglichere Rezeptur verfolgen, in der – nicht wie heute – weniger Bitterhopfen, aber dafür mehr Karamell-Malz zum Einsatz kommen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Celbridge (Irland)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | gemüsig, blumig, waldig, buttrig, gewürzig, herb, leicht karamellig, etwas fruchtig
  | mittlerer Körper, herb, waldig, harzig, malzsüß, gewürzig, feinperlig, herb-würziger Abgang
  | In der Tat merkt man diesem IPA eine gewisse Retro-Komponente an. Im Vergleich zu anderen modernen IPAs ist der Malzanteil größer. Gleichzeitig wurde jedoch auch ein interessanter gewürziger Hopfen verwendet, der fast die Malzsüße überlagert. Das Retro IPA zeigt wie viel Vielfalt alleine in einem Bierstil stecken kann. Gesamthaft vergebe ich 11,5 Pkt. (2(+)).

 • http://mcgargles.com/beers/

Prost & guten Abend! 🍻

478. St. Austell Proper Job

Von der Slowakei geht es am heutigen Samstag nun wieder in das Bierland England. Fast im äußersten Westen der Halbinsel Cornwall liegt seit Mitte des 19. Jahrhunderts die bis heute unabhängige Familienbrauerei St. Austell Brewery. Deren Sortiment umfasst eine ganze Reihe unterschiedlicher Bierstile mit einem Fokus auf Pale Ales, IPAs, Red Ales aber auch Stouts, Lagers und sogar Abteibiere werden gebraut. Laut eigenen Angaben hat die Brauerei seit ihrer Gründung über 1,5 Milliarden Pints of Beer produziert.

Der heutige Proper Job ist ein Cornish IPA (also ein India Pale Ale aus Cornwall) und wird mit den Hopfensorten Willamette, Cascade und Chinook gebraut und gestopft.

„Brewed with Cornish spring water, the finest Maris Otter barley and a blend of imported hops Proper Job packs a moreish hoppy punch.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . St. Austell (England)
Erscheinungsjahr. . .
1851

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | sauerfruchtig, gemüsig, waldig, nussig, malzig, würzig, harzig, etwas Minze
  | mittelgroßer Körper, hopfig, fruchtig, grasig-herb, leicht bitter, waldig, gewürzig, spritzig-feinperlig, hopfig-herber Abgang
  | Wieder eine Interpretation eines IPA, die ich bislang noch nicht kannte. Das Cornish IPA scheint offensichtlich viel Wert auf eine hopfige Herbe zu legen. Leider für meinen Geschmack zu einseitig herb und zu wenig fruchtig-grasig oder malzig. Bei der Einheitsbewertung der obigen Kategorien fällt mir das Endresultat zumindest sehr leicht: 11 Pkt. (2). A nearly proper job!

 • https://www.staustellbrewery.co.uk/proper-job

Prost & guten Abend! 🍻

476. Kona Hanalei Island IPA

Da es gerade in Japan so interessant war, habe ich mich entschlossen noch ein wenig in der Welt der Biere herumzureisen. Beginnen möchte ich auf Hawaii.

Dort befindet sich mit der Kona Brewing Company ein der bekanntesten Brauereien des Pazifiks und das bierige Aushängeschild der Inselkette im Rest der Welt. Sie war eine der ersten sog. Craftbeer-Brauereien der USA und profitierten enorm von der Craftbeer-Welle, die zuerst das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und dann auch Europa überschwemmte. Der Erfolg hatte allerdings auch seinen Preis. So ist Kona seit einiger Zeit nicht mehr unabhängig und damit offiziell auch kein Craftbeer mehr. Wie so oft hat hier der Global-Gigant ABInBev zugeschlagen.

Nichtsdestotrotz werden auch der Hawaiianischen Insel Kona weiterhin gute Biere hergestellt, die es verdienen vorgestellt zu werden. Eines davon kam vor inzwischen zweieinhalb Jahren auf dem Markt. Das Hanalei Island IPA überrascht dabei nicht nur mit einer interessanten Hopfenkombination aus Millennium, Azacca und Galaxy, sondern auch mit der Beigabe von Passionsfrucht, Guave und Orange zum Sud. Und auch eine Geschichte wird zum Bier gleich mitgeliefert:

„On the north coast of Kauai, the perfect crescent shape of Hanalei Bay tucks up against lush, green mountains streaked with waterfalls fed by the warm Pacific rain. This is the Hawaii of your dreams. Launch your kayak into the calm blue waters at the historic pier and take in the iconic view of white-sand beaches, the small village of Hanalei, and Makana Mountain (famously known as Bali Hai) towering above you. Paddling from this bay out to the Nā Pali Coast or up the Hanalei River you will discover more natural wonders that can only be seen as you glide through the water. With the sun above and your troubles behind, you might just feel like this place is as close to paradise as you’ll ever get.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Passionsfrucht, Guave, Orange, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  10°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Kailua Kona (Hawaii)
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | sehr sehr fruchtig, cremig, helles Malz, Gras, etwas milchig
  | mittelgroßer Körper, grasig, malzig, leicht würzig, hopfig-herb, leichte Fruchtigkeit, feinperlig-spritzig, trocken-herb-süßlicher Abgang
  | Was für eine olfaktorische Fruchtbombe! Auch wenn sich die Fruchtigkeit leider nicht auf der Zunge fortsetzt, bleibt das Bier absolut in Erinnerung. Insgesamt ein leichtes IPA mit klar grasig-herben Noten. Für mich leider etwas zu einseitig herb und zu wenig hopfig-fruchtig. Nichtsdestotrotz gibt’s 12 Pkt (2+), wobei man bei diesem Bier natürlich nicht die weiten Lieferstrecken in Betracht ziehen darf.

 • https://konabrewingco.com/our-beers

Prost & guten Abend! 🍻

475. Korikori Sarubobo Kölsch [こりこり さるぼぼ ケルシュ]

Moshimoshi und Konbanwa, die 2.
Auch wenn heute in Japan wieder ein regulärer Arbeitstag war, möchte ich euch ein weiteres ganz besonderes Bier aus dem Land der aufgehenden Sonne präsentieren. Auch dieses wurde freundlicherweise von Nils gesponsert und kommt aus Takayama.
Neben der allgemeinen Exotik ist das besondere jedoch der Bierstil. Es handelt sich nämlich um ein Kölsch. Offensichtlich hat es bei so vielen japanischen Touristen in der Domstadt einen solchen Eindruck geschunden, dass es nun in zu Hause nachgebraut wird. Übernommen hat diesen Job die Hida Korikori Beer Ltd.
Nicht viele Rheinländer werden behaupten können mal in den Genuss eines japanischen Kölsch gekommen zu sein. Es ist mir also eine seltene Ehre.

乾杯 & 喝采!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kölsch
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Takayama-shi/Gifu-ken (Japan)
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________4
  • Geschmack:__________________8
Fazit

  | leicht oxidiert, gemüsig, erdig, ledrig
  | mittelkleiner Körper, malzig, leicht würzig, trocken-holzig, etwas erdig, ganz wenig Säure, feinperlig, süßmalzig-saurer Abgang
  | Ein wahrlich seltenes und einzigartiges Bier. Nachdem mich der nasale Eindruck schon Schlimmes hat befürchten lassen, hatte das Bier aber auf der Zunge wieder Gnade gezeigt. Tatsächlich ist auch ein gewisser Kölsch-Geschmack erkennbar, wobei ich zugeben muss, dass ich aufgrund der in Japan anderen Zeitrechnung nicht genau weiß, ob das Bier offiziell noch haltbar ist. Sowohl Nase als auch Gaumen spürten zumindest eine erkennbare, wenngleich auch nicht übermäßige Oxidation. Leider kann ich auf Basis dessen aber keine bessere Bewertung als 7 Pkt. (3-) abgeben.

 • http://www.korikorinokuni.com/

Prost & guten Abend! 🍻

474. Hidatakayama Karumina [ひだたかやま かるみな]

Moshimoshi und Konbanwa! Heute vor 2679 Jahren wurde der Staat Japan ins Leben gerufen. Neben dem Geburtstag des jeweils aktuellen Kaisers (derzeit der 26.12.) ist deshalb jedes Jahr am 11.02. einer der beiden Nationalfeiertage. Überhaupt hat das Land, welches sich auf 6852 Inseln befindet, die meisten Feiertage aller Dienstleistungsländer. Und wenn mal ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, wird einfach der darauffolgende Montag frei gemacht. Im viertgrößten Inselstaat der Welt gibt es zudem den einzigen und letzten Kaiser der Welt. Heute hat dieser zwar nur noch repräsentative Funktion, kann aber auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken, die einst mit dem Vorbild preußischer Monarchie an Größe gewann. Wohl auch aufgrund der geographischen Lage sind 99% der Japaner auch immer noch japanischen Ursprungs. Dabei ist das Land der aufgehenden Sonne dasjenige mit der höchsten Lebenserwartung (84 Jahre) und gleichzeitig der ältesten Gesellschaft (im Schnitt 47 Jahre). In einem der letzten PISA-Tests  landete Japan auf Platz 5 von etwa 70 teilnehmenden Nationen. Als Land der G7 basiert die japanische Wirtschaft insbesondere auf ihre Automobilindustrie, Maschinenbau und (High-Tech-)Elektronik. Aktuell liegt dabei die Arbeitslosenquote bei unter 3%. Neben den pünktlichsten Zügen der Welt (zuletzt lag die durchschnittliche Verspätung bei unter einer Minute) hat der Pazifikstaat noch ein Superlativ zu bieten: Die höchste Staatsverschuldung aller Dienstleistungsnationen von etwa 240% des jährlichen BIP. Da man allerdings nur in der eigenen Währung verschuldet ist und zudem internationaler Nettogläubiger mit 1,2 Bio. $ Währungsreserven wird Japan immer noch mit A+ geratet. Wer das mehr als spannende Land also mal besuchen möchte, könnte sich im nächsten Jahr die dann dort stattfindenden Olympischen Sommerspiele zum Anlass nehmen.

Der Name des Landes setzt sich übrigens aus den beiden Symbolen
(Aussprache ni, „Tag, Sonne“) und (Aussprache hon, „Ursprung, Wurzel, Beginn“)
zusammen und geht zurück auf die chinesische Sichtweise auf den Inselstaat, bei dem stets die Sonne zuerst aufgeht. Der in europäischen Sprachen oft verwendete Name Japan hat vermutlich altchinesischen Ursprung.

Passend zum heutigen Nationalfeiertag der japanischen Staatsgründung hat mir freundlicherweise Nils von seiner letzten Japanreise ein seltenes japanisches Craftbeer mitgebracht. Es stammt von der Hidatakayama Brewing Agricultural Corporation aus der Gufu-Präfektur etwa 4 Stunden westlich von Tokyo. Es handelt sich um ein dunkles Starkbier belgischer Tradition – danke in diesem Zusammenhang auch an Nils für die Übersetzung des für mich völlig unverständlichen Symboltextes. Vorteil hierbei ist wohl aber, dass ich davon dann nicht bei meinem Urteil abgelenkt werden kann. Also dann:

乾杯 & 喝采!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Belgian Strong Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 10%
Herkunft. . . . . . . . . . . Takayama-shi/Gifu-ken (Japan)
Erscheinungsjahr. . .
1996

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | leicht säuerlich, sehr dunkelmalzig, etwas röstig, holzig, waldig, Karamell, (ge-)würzig, leicht dunkelfruchtig, etwas bitter
  | voller Körper, ölig, cremig, dunkelmalzig, leicht röstig, holzig, würzig, süßlich, Karamell, Bonbon, leichte Fruchtigkeit, matt, fruchtig-süßer Abgang
  | Na, da hatte Nils aber ein glückliches Händchen. Nachdem ich nicht erkennen kann, inwieweit sich das Bier noch im MHD -Bereich befindet, da Japan ja eine eigene interne Zeitrechnung hat, hatte ich in der Nase noch befürchtet, dass es leicht oxidiert sein kann. Das ist zum Glück aber (so gut wie) nicht der Fall. Das Craftbeer überzeugt mit einer Aromenkombination aus Holz, Karamell und Frucht. Insgesamt zwar noch nicht ganz ausbalanciert, aber dennoch ein Genuss. Aus den einzelnen Kategorien resultiert ein Gesamtergebnis von 12 Pkt. (2+), das dem Bier meines Erachtens sicher auch gerecht wird.

 • http://www.hidatakayamabeer.co.jp/

Prost & guten Abend! 🍻

473. BrauAtelier Dinkel-Märzen

Nach dem kurzen Abstecher gestern in den Freistaat Bayern geht es gleich wieder zurück ins Westfalenland. Dort braut seit 1767 und sieben Familiengenerationen das Haus Pott in Oelde unweit der A2 Bier. Seit wenigen Jahren ist man wie einige wenige andere Brauereien in Deutschland auch mit einer eigenen Marke auf den Craftbier-Zug aufgesprungen. Im Zuge der Modernisierung des Brauereistandortes bekam das BrauAtelier in der neuen gläsernen Brauerei sein neues Zuhause. Neben Braukursen kann dort auch per Lohnbrauverfahren fremdgebraut werden. Selbst wird natürlich auch gebraut. Bislang zwar noch ein recht überschaubares Sortiment, das aber durchaus aufzufallen weiß – setzt es doch Akzente ohne zu experimentell zu sein.

Heute am Start: das Dinkel-Märzen, das mit Malz des Urkorns veredelt wurde.

„Unsere landwirtschaftlich geprägte Heimat bietet eine Vielzahl toller Rohstoffe und hat uns zu diesem besonderen Bier inspiriert.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Märzen
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Dinkelmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Oelde
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________8
Fazit

  | malzig, getreidig, Karamell, grasig, waldig, leicht erdig
  | mittelkleiner Körper, würzig, malzig, leicht getreidig, matt, trocken-süßer Abgang
  | Nachdem es optisch und nasal durchaus einen ansprechenden Eindruck gemacht hat, enttäuscht das Dinkel-Märzen im Vergleich dazu schon fast auf der Zunge. Unerwartet lasch kommt es daher und lässt auch etwas getreidig-karamellige Noten vermissen. Für ein Märzen dennoch interessant und gesamthaft mit 10 Pkt. (2-) zu bierwerten.

 • http://www.brau-atelier.de/produkte/

Prost & guten Abend! 🍻

472. Kloster Scheyern Poculator

Aus gegebenem Anlass unterbreche ich das aktuelle Programm der westfälischen Biere und kehre kurz nach Oberbayern zurück. Zwischen München und Ingolstadt befindet sich das Kloster Bayrischzell-Fischbachau-Petersberg/Eisenhofen-Scheyern – eine  Benediktinerabtei die ganz nebenbei auch eine der ältesten Brauereien der Welt beheimatet. Bereits seit 1119 wird dort nachweislich und ununterbrochen Bier gebraut. Nach allerdings vielen Jahrzehnten der Verpachtung übernahm das Kloster 2006 den Braubetrieb wieder selbst und modernisierte nicht nur die Anlagen, sondern auch das Marketing. Neben Brauerei gibt es vor Ort auch die Klosterschänke und einen Getränkemarkt.

Das heutige Poculator ist ein dunkler Doppelbock, der im Auftrage bei Tucher in Nürnberg/Fürth gebraut wird. Mein Dank geht dabei an Ralf vom Braukunst Vorgebirge, bei dem ich heute mein 10-Korn-Neo-Alt brauen durfte (Bericht hierzu folgt in Kürze an dieser Stelle) und der mir das Bier überlassen hat.

„Nunc est bibendum“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Doppelbock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  18°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Scheyern / Fürth
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | dunkelmalzig, Karamell, Bonbon, etwas röstig, etwas Lakritz, gering würzig
  | voller Körper, ölig, dunkelmalzig, leicht würzig-bitter, etwas dunkelfruchtig, Karamell, Süßholz, geringes Alkoholaroma, matt, trocken-süßer Abgang
  | Ein gerade zu dieser kalten Jahreszeit sehr passiges Bier, das vor allem durch seine karamellige Süße auffällt. Ein grundsätzlich rundum gelungens Doppelbock, das mir aber zu einseitig süß ist ohne noch einen größeren Malzcharakter hervorzubringen. Ansonsten durchaus empfehlenswert: 11 Pkt. (2).

 • https://www.klosterbrauerei-scheyern.de/unsere-biere/kloster-doppelbock.html

Prost & guten Abend! 🍻

471. Hövels Craftbock

Von Bochum geht es heute nun etwas ostwärts Richtung Dortmund. Die Stadt, die einst der größte Brauereistandort der Welt war beheimatet bis heute eine wertschätzende Bierkultur. Wenn auch die meisten Brauereien dem allgemeinen Brauereissterben in den letzten Jahrzehnten zum Opfer fielen, haben einige wenige den Platz am Markt behalten können. Dabei mussten die meisten jedoch ihre Selbstständigkeit aufgeben und gingen in immer größer werdenden Brauereigruppen auf.

Genauso erging es auch Hövel, die irgendwann von der Radeberger-Gruppe geschluckt wurden. Diese erkannten allerdings die Bedeutung der Marke für Dortmund und weiter Teile des östlichen Ruhrgebiets und vermarkteten diese mit ihrer ursprünglichen Tradition.

«Das Dortmunder Patriziergeschlecht brachte viele Bürgermeister, Stadtrichter und auch Brauer hervor. Bereits seit 1518 besaß die Familie das Braurecht auf dem Hövel-Hof am Hohen Wall in Dortmund. Dort gründete Wilhelm von Hövel 1854 zusammen mit seinem Verwandten Gustav Thier die heutige HÖVELS Hausbrauerei.»

Zuletzt ist man mit der Marke auch auf den „Craftbier“-Zug aufgesprungen und braut neben dem Kernprodukt Original auch zwei sog. Craftbiere. Eines davon hatte ich bereits zum Jahreswechsel proBieren dürfen. Das zweite möchte ich Euch heute gerne vorstellen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Strong Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  16.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Dortmund
Erscheinungsjahr. . .
1893

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | malzig-süß, leicht gemüsig, etwas Lakritz, (ge-)Würzig, rotmalzig, etwas Karamell & Zartbitter, waldig
  | mittelgroßer Körper, leichtes Alkoholaroma, gewisse Bittere, etwas röstig, dunkelmalzig, holzig, Karamell, matt-feinperlig, bittersüßer Abgang
  | Leider erfüllt der Craftbock ein wenig das Klischee, das man über „industrielles Craftbier“ hat. Es ist zwar nicht ganz Außen hui, innen pfui und auch der Begriff Craftbock lässt ja durchaus viel Interpretationsspielraum, dennoch hätte ich keine derartige holzig-röstige Hauptaromen erwartet. Leider bleiben die karamelligen Malznoten im Vergleich von Nase zu Gaumen zu sehr im Hintergrund. Dennoch kein schlechtes Bier und sicherlich immer noch besser als vieles andere, was aus der Radeberger-Gruppe kommt. Summa summarum 11 Pkt. (2).

 • https://www.hoevels-original.de/produkte/craftbock.html

Prost & guten Abend! 🍻

470. Moritz Fiege Gründer

Vom gestrigen Ostbayern geht es heute mitten in den Pott – genauer nach Bochum. Eines der dortigen Traditionsunternehmen ist die Brauerei Moritz Fiege. Schon seit 1736 betrieb die Familie Fiege eine Schankwirtschaft im Gerberviertel in der Altstadt. In der angegliederten Hausbrauerei wurde bereits damals Bier für den Ausschank gebraut. Doch erst über hundert Jahre später in 1876 erhielt Moritz Fiege die städtischen Braurechte. Zwei Jahre später konnte dann sein Sohn am heutigen Standort – unweit des Hauptbahnhofs – den Braubetrieb aufnehmen. Mitte der 1920er war es dann Fiege, der als einer der ersten im Ruhrgebiet das aus Tschechien stammende Pils braute. Dieses verdrängt binnen kurzer Zeit das noch dominierende Export-Bier und ist bis heute mit Abstand der meist getrunkene Bierstil nicht nur an der Ruhr.

140 Jahre nach der Gründung will die nun vierte und fünfte Generation an diese Bierstiltradition anknüpfen und braut mit dem Gründer wieder ein Export nach möglichst klassischer Rezeptur mit Karamellmalzen sowie den Hopfen Tradition, Tettnanger und Saphir.

«Feinwürziger Geschmack,
der an die Anfänge unserer
Familienbrauerei erinnert.»

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Export
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bochum
Erscheinungsjahr. . .
1876

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

  | klar würzig, malzig, herb, leichtes Karamell, Vanille & Sahne, gering buttrig, grasig
  | mittelkleiner Körper, süßmalzig, würzig-herb, Süßholz, Karamell, ganz leichte Bittere, feinperlig, malzsüßer Abgang
  | Manchmal ist das Einfache so besonders. Gerade als Bierblogger, der sich vor allem oft mit IPAs bis Stouts auseinandersetzt, kommt dieses „einfache“ Export überraschend gut an. Es besitzt eine ausgesprochene Balance der verschiedenen Aromen und bietet auch für ein Export eine recht große Geschmacksvielfalt. Nachdem mir bereits zum Jahreswechsel das Bernstein sehr gut gefallen hat, bestätigt sich auch mit dem Gründer der wirklich sehr positive Eindruck, den ich von der Brauerei Moritz Fiege sammeln konnte. Alles in allem starke 12,5 Pkt. (2++).

 • http://www.moritz-fiege.de/sorten/gruender

Prost & guten Abend! 🍻

469. Gutmann Hefeweizen

Nach einem veranstaltungsintensiven Wochenende möchte ich mit dem heutigen Bier wieder etwas in ruhigere Fahrwasser eintreten, die kurzfristig nur durch meinen nächsten Brautag kommenden Samstag unterbrochen werden. Es handelt sich um ein Bier, dass ich normalerweise „nur so zwischendurch“ trinken und listen würde. Allerdings gilt es nicht nur in meinem näheren Umfeld als eines der besten Weißbiere Deutschlands.

Gebraut in der Marktgemeinde Titting in Ostbayern zwischen Ingolstadt und Nürnberg, hat das die Gutmann-Brauerei eine durchaus belebte und lange Geschichte hinter sich:

  • 1707    Einrichtung einer Brauerei im Pflegeschloß durch Fürstbischof Johann Anton I. Knebel von Katzenellenbogen
  •  1759   Einstellung der Brauerei
  •  1786   Wiederaufnahme des Bierbrauens durch Fürstbischof Johann Anton III. Freiherrn von Zehmen
  •  1808   die Brauerei wird bayerisch
  •  1821   Übergang in Privatbesitz
  •  1845 – 1855  im Besitz der Herzöge von Leuchtenberg, Herzog Eugen von Leuchtenberg – ein Stiefsohn Napoleons
  •  seit 1855 im Besitz der Familie Gutmann

Besagte Familie Gutmann hat sich ferner seit 1913 voll auf die Weißbierherstellung konzentriert sodass Gutmann seither eine ausschließliche Hefeweizen-Brauerei ist.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Hefeweizen
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Titting
Erscheinungsjahr. . .
1707

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | bananig, hefig, würzig, blumig, spritzig
  | vollmundig, cremig, hefig, bananig-fruchtig, würzig, malzig, getreidig, feinperlig, trocken-süß-würziger Abgang
  | In der Tat ein ziemlich gutes Hefeweizen, das zu Recht einen derartigen Ruf genießt. Allerdings würde ich es nicht als mein bestes Weißbier bezeichnen. Schön finde ich die Weizenfruchtige Note, die durch die hefige Cremigkeit unterlegt ist. Wünschen würde ich mir eine höhere Malzigkeit und klarerer Bananennote. Wie aber auch jede meiner Rezensionen ist diese natürlich auch immer ein wenig von der Tagesform beeinflusst. Alles in allem sind dennoch wohl 11 Pkt. (2) eine faire Bewertung eines guten handwerklichen Hefeweizens.

 • https://www.brauerei-gutmann.de/hp381/Helles-Hefeweizen.htm

Prost & guten Abend! 🍻

467. Störtebeker Eis-Lager

Passend zum weiterhin (schönen) winterlichen Schneewetter folgt heute das Eis-Lager aus dem Hause Störtebeker. Das Stralsunder Bier basiert auf dem Baltik-Lager – welches eigentlich ein Märzen ist – und wurde mittels Eisbock-Verfahren auf knapp 10% Alkohol gebracht. Neben der Erhöhung des Alkoholgehalts intensivieren sich auch sämtliche Aromen infolge des Wasserentzugs.

„Ein Produkt, das man alleine wie Cognac trinken kann.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Eisbock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 9,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Stralsund
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | holzig, malzig, Karamell, würzige Fruchtigkeit, waldig, Lakritz
  | ölig, schwer, malzig, Karamell, Lakritz, harzig, etwas bitter, leicht alkoholaromatisch, matt, süß-würziger Abgang
  | Ein Bier wie ein Cognac. In der Tat hat man zwischenzeitlich immer wieder das Gefühl eine Spirituose zu trinken, wenngleich das Alkoholaroma nicht übermäßig in Erscheinung tritt. Insgesamt hat das Eis-Lager eine beeindruckende Textur. Gerade für ein untergäriges Eis-Märzen kommt es überraschend ölig und cremig daher. Mit etwas mehr Balance in den einzelnen Aromen hätten es in Summe vielleicht auch mehr als 13 Pkt. (1-) geben können.

 • https://www.stoertebeker.com/de_de/eis-lager/

Prost & guten Abend! 🍻

466. Zwönitzer Whiskybock

Bei winterlich weißem Schneewetter selbst am Niederrhein passt der heutige Blick ins deutlich schneesichere Erzgebirge. Etwa eine halbe Stunde westlich von Chemnitz befindet sich dort befindet seit 1997 der Brauerei Gasthof Zwönitz. Das familiengeführte Brauunternehmen braut ein kleines Sortiment an traditionellen deutschen aber auch internationalen Bierstilen. In einer der letzten Bierpakete vom Beertasting.Club war das heutige Whiskybock. Eine der kreativen Kreationen der Sachsen – ein Doppelbock mit Whiskymalz eingebraut.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Doppelbock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Zwönitz
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | torfig, erdig, nussig, etwas buchenrauchig, dunkelmalzig, leicht Karamell, geringe säuerliche Noten
  | mittelgroßer Körper, frisch, dunkelmalzig, erdig, leicht rauchig, würzig, geringe Süße, etwas bitter, matt, süß-säuerlich-torfiger Abgang
  | Interessantes Bier, das sich klar von einem Rauchbock abgrenzt. Es ist deutlich weniger rauchig, sondern eher torfig und es ist für ein deutsches Bier überraschend mild und süffig bei acht Umdrehungen. Dennoch fehlt es mir an Durchschlagskraft und Spannung. Als Einsteiger-Craftbier sicher gut geeignet, für Fortgeschrittene aber etwas zu flach. In Zahlen bedeutet das 9,5 Pkt. (3++).

 • https://www.brauerei-zwoenitz.de/index.php

Prost & guten Abend! 🍻

465. BrauSchneider Hanfbier

Nach einer kurzen „Durststrecke“, die allerdings auch unterbrochen wurde durch den 2. Hoppy Birthday der Craftbeer Corner Coeln, von der ich später an dieser Stelle berichten werde, geht es hier weiter im Programm. Im Depot warten bei mir noch über ein Kasten Biere unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Stils.

Heute am Start ein Bier, dass ich vor allem aufgrund des knappen MHDs ausgewählt habe und dass mit einer ganz besonderen Zutat aufwartet. Es stammt aus der oberösterreichischen Provinz von Michael Schneider und der erst seit weniger als zwei Jahren bestehenden Brauerei BrauSchneider. In den 15 Jahren davor machte Schneider im Rahmen seiner Tätigkeit in führenden Management-Positionen in internationalen Konzernen seine Erfahrung mit Craftbeer in England, USA und Kanada. Nebenbei begann er mit dem Hobbybrauen und entwickelte sich hierbei immer weiter fort. Im vorletzten Jahr kamen nun zwei Ereignisse zusammen. Einerseits beendete Schneider seine Management-Karriere, andererseits stieß er an seine Kapazitätsgrenze seines Hausbrauertums. Und wie es das Schicksal so wollte, konnte er daraufhin im nahegelegenen Erzbräu in Gamin als Gastbrauer unterkommen.

In der Zwischenzeit hat er nun aber seine eigene Brauerei mit Garten und neuester Technologie. Dort braut er traditionelle deutsche und angloamerikanische Bierstile und eben wegen des fehlenden Reinheitsgebots in Österreich auch das heutige Hanfbier. Dieses enthält neben Pilsner- und Weizenmalz sowie Hallertauer Hopfen auch Hanfblätter und -blüten.

„Der Stoff aus dem echte Biere sind.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- Weizenmalz, Hanf, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Schiltern bei Langenlois (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | leicht säuerlich, grasig, blumig, srohig, heuartig, hellmalzig
  | mittelkleiner Körper, mild malzig, grasig, würzig, leicht gewürzig, cremig, etwas hefig, feinperlig-matt, süßlich-heuartiger Abgang
  | Ein durchaus interessantes Bier. Man merkt ihm sowohl die obergärige Herkunft als auch die besondere Hanfzutat an. Diese erzeugt ein außergewöhnlich grasig-heuartiges Aroma. Dennoch ist das Bier um den Hanf herum meines Erachtens „nur“ guter Durchschnitt. Deshalb gibt es in Summe auch nicht mehr als 10,5 Pkt. (2(-)), auch wenn ich dieses Bierexperiment dennoch würdigen möchte.

 • http://www.brauschneider.at/bier/hanfbier/

Prost & guten Abend! 🍻

464. Madriz Hop Repúblic Chueca

Nach einem beruflichen Tag in Frankfurt am Main möchte ich heute ein Bier vorstellen, das ich von einem Kollegen im Rahmen des letzten Weihnachtswichteln übertragen bekommen hatte. Weder vom Bier noch von der Brauerei hatte ich bis dato etwas gehört, was es für mich natürlich interessanter machte.

Die Hop Republic aus der spanischen Kapitale wurde 2015 von einem in Berlin ausgebildeten Braumeister ins Leben gerufen und setzt voll auf den Trend „Craftbeer“. So will man sich dem industriellen Einheitsbier mit individuellen Rezepturen hoher Qualität entgegenstellen. Dabei wird nur in kleinen Chargen und mit viel Zeit produziert. Unklar bleibt jedoch, ob selbst in Madrid oder per Lohnbrauverfahren woanders gebraut wird.

Die Katze als Symbol der Marke geht auf die Zeit der Rückeroberung Madrids durch König Alfonso IV. zurück. Dort hatte ein mutiger Soldat auf sich aufmerksam gemacht als er im Stile einer Katze eine Mauerwand entlang kletterte. Fortan etablierte sich für alle Madrilenen der Begriff der Katze als identitätsstiftendes Symbol der ganzen Hauptstadt. An diese Identität möchte die Hop Republic anknüpfen und ein Bier für die Bürger bieten, das Teil der Kultur Madrids sein soll.

„Madriz Hop Republic y su gato son un tributo a la capital de todos los españoles, la ciudad que acoge, la que siempre está abierta a lo nuevo, al cambio y de la que todos debemos sentirnos orgullosos de formar parte de ella, Madrid.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . .  Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Madrid (Spanien)
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | würzig, grasig, herb, hellmalzig
  | mittelkleiner Körper, malzig, leicht süß, würzig-herb, grasig, leicht waldig, feinperlig-matt, leicht süßlicher Abgang
  | Ein durchaus passables (internationales) Lager aus Spaniens Mitte. Es hebt sich von nichtssagenderer Konkurrenz durch eine malzigere und grasigere Note ab. Dennoch ist es eben immer noch ein Lager, das per Definition keine enormen Geruchs- und Geschmacksexplosionen bietet. Dafür ist es geeignet auch in größerer Menge getrunken zu werden. In Summe gibt es dafür 10,5 Pkt. (2(-)).

 • https://www.cervezasmadriz.com/las-cervezas/

Prost & guten Abend! 🍻

463. Vulkan Porter

Bevor es für mich mit meiner Familie morgen in den Wochenendurlaub nach Brabant geht, kehre ich biertechnisch zunächst einmal wieder nach Deutschland zurück.

Mitten in der Vulkaneifel befindet sich die Brauerei meines heutigen Bieres, dessen Name zumindest auf eine mehr als 200.000-jährige Geschichte zurückblicken kann. Zu dieser Zeit nämlich brach der nahegelegene Wingertsberg-Vulkan aus und lagerte untertage Basalt ab. Vor etwa 13.000 Jahren war es dann der Laacher See-Vulkan der bei seinem Ausbruch Bims im Neuwieder Becken verteilte. Beides wurde bis ins 19. Jahrhundert großräumig abgebaut, sodass große Gewölbe und Felsenkeller entstanden. Diese wurde vor der Erfindung der Kühlmaschine auch als Lagerraum für die Gärung von Bier genutzt. Von den damals 28 Brauereien, die dies nutzen, ist heute nur noch die Vulkan-Brauerei übrig, die diese tolle Tradition mit ihren holzfassgelagerten Bieren fortsetzt.

Auch wenn das heutige Porter dies nicht ist, erwarte ich ein gutes Bier – hatte ich doch bislang einen wirklich guten Eindruck der Brauerei. Als zertifizierter Eifelproduzent kommen übrigens 90% der verwendeten Rohstoffe aus dieser Region. Auch Kuckucksbrauern gibt die Brauerei eine Heimat und unterstützt kreative Ideen.

„Die schwarze Verführung für echte Malzlover.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Porter
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  15°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6%
Herkunft. . . . . . . . . . . Mendig
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

  | röstig, holzig, würzig, dunkelmalzig, Malzsüße, Süßholz, Zartbitter
  | vollmundig, cremig, weich, schokoladig, malzig, würzig, etwas röstig, harzig, wenig Kaffee, feinperlig, bitter-süßer Abgang
  | Welch ein herrliches Bier. Nach vielen Bieren in der letzten Zeit, die mich einfach nicht voll überzeugen konnten, tut es gut mal wieder so ein richtig gutes proBieren zu dürfen. Das dürfte natürlich auch am Bierstil liegen, der mir einfach gut gefällt. Aber auch ein Porter kann mäßig hergestellt werden. Außer ein wenig zu große bittere Nuancen und ein bisschen zu wenig Pepp, kann ich an dem Vulkan Porter nicht viel aussetzen. Mit 13,5 Pkt. (1(-)) übernimmt es dann auch die frühe Führung im diesjährigen Bierjubiläum-Ranking (im letzten Jahr hatten übrigens nur drei Biere eine solche Bewertung erhalten).

 • https://www.vulkan-brauerei.de/produkt/vulkan-porter-033l-flasche/

Prost & guten Abend! 🍻

462. Alefried Klabauter India Pale Ale

Nach der doppelten Doppelverkostung in den letzten zwei Tagen folgen heute und morgen wieder einzelne Biere. Beginnen möchte ich mit einem Bier, das wie so viele zuletzt den Weg über die Beertasting.Club-Box zu mir gefunden hat. Es kommt wie ebenfalls zuletzt häufiger aus unserem schönen Nachbarland im Süden: Österreich. Während ich zuletzt viel aus dem Salzburger Land oder Oberösterreich gefischt habe, geht es nun in die Hauptstadt der Steiermark. Dort wird seit 2016 unter dem Label Alefried „klassisches Craftbier“ gebraut. Alfried Borkenstein hat sich dabei voll und Ganz der obergärigen Brauart verschrieben und will damit eine Akzent gegen die Masse an untergärigen Lagern im Alpenland setzen. Weiterhin sind alle Biere unfiltriert und in der Flasche nachvergoren.

Der Klabauter ist ein Craftbier-typisches India Pale Ale mit Hopfengaben aus dem Südwesten der USA:

„Ein fruchtiges, obergäriges Bier mit Aromahopfen aus der Neuen Welt. Der Klabauter ist ein wilder Seefahrer, der jedem Wellengang trotzt. Für lange Überfahrten hat er immer ein Fässchen von seinem besten IPA dabei. Das ist herrlich erfrischend und durch 5 verschiedene Hopfensorten besonders fruchtig. Die höhere Bitterheit macht dieses Bier haltbar für lange Reisen, und dem Klabauter schmeckt’s umso besser.“

Offiziell ist das IPA übrigens seit einer Woche „abgelaufen“. Mal schmecken, ob und wie es sich äußert.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Graz (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | dumpf-fruchtig, süß-säuerlich, karamellig-malzig, sehr grasig, recht harzig
  | voller Körper, herb, hopfig, grasig, fruchtig, würzig, süßmalzig, feinperlig-matt, süß-bitterer Abgang
  | Also dieser süß-saure Grundton zieht sich irgendwie durch meine letzten Biere aus Österreich. Auch ist die Karamell-Bittere nicht gerade IPA-stereotyp. Auch wenn es handwerklich gut gemacht zu sein scheint, fehlt mir einfach die klare Hopfen-Fruchtigkeit. Deshalb gibt es im Endclassement auch „nur“ 12 Pkt. (2+).

 • https://www.alefried.com/de/produkte

Prost & guten Abend! 🍻

461. Landgang Amerikanischer Traum + Hopfnung

Wie gestern angekündigt folgt heute noch eine Duo-Vergleichsverkostung. Forschungsobjekt diesmal: Die Brauerei Landgang.

Vor über vier Jahren in der Nord-Metropole Hamburg gegründet, gehört sie inzwischen zu einer der aufstrebensten Craftbier-Brauereien des Landes. Beheimatet ist sie in Altona, wo es neben der Brauerei auch eine Bar gibt. Insgesamt wurden in der alten Industriehalle über 1 km Rohre verlegt. Die Anlagen stammen dabei zumeist aus dem deutschen Mittelstand. Neben Brauereiführungen werden dort auch Braukurse angeboten. Das Sortiment ist sehr breit aufgestellt und deckt alle wichtigen Bierstile ab, sodass wohl jeder fündig werden sollte.

Im heutigen Duell befinden sich das IPA Amerikanischer Traum und das American Pale Ale Hopfnung. Erstes gehört zum Standardsortiment, während letzteres in der Regel ab September für einige Wochen erhältlich ist.

„We have a Dream. Enjoy!

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA | American Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig | obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe | Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16°P | –
Alkoholgehalt. . . . . . 6,5% | 6,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Hamburg
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13|13
  • Aussehen:____________________10|11
  • Geruch:______________________11|13
  • Geschmack:__________________12|11
Fazit

  | süß, dunkel-fruchtig, karamellig, hopfig-waldig, grasig, erdig, etwas malzig-würzig
// sehr hopfig, grasig, hell-fruchtig nach Litschi, Papaya, Mango & Maracuja, etwas harzig, wenig malzig
  | mittelgroßer Körper, cremig, weich, grasig, fruchtig, karamellig-süß, wenig herb, leichte Bittere, feinperlig, süß-herber Abgang
// mittelgroßer Körper, weich, fruchtig, bitter, harzig, karamellig, wenig Herbe, feinperlig, süß-herber Abgang
  | Ein Duell auf Augenhöhe und mit Niveau. Beiden Bieren merkt man die Herkunft an, wenngleich sie auch interessante Unterschiede aufweisen. Während mich beim IPA die erdig-waldigen Nuancen überraschten, war es beim Pale Ale eher die harzige Bittere. Beim Kopf-an-Kopf-Rennen hat im Auge und in der Nase die Hopfnung einen kleinen Vorsprung, wobei mir der Amerikanische Traum am Gaumen besser gefällt. Im Gesamtergebnis heißt das dann ein knapper Sieg für das Pale Ale, obwohl hier natürlich aufgrund der unterschiedlichen Bierstile kein direkter Vergleich gezogen werden kann.
Amerikanischer Traum: 11,5 (2(+)) // Hopfnung: 12 Pkt. (2+).

 • https://www.landgang-brauerei.de/die-biere/

Prost & guten Abend! 🍻

460. Camba Hopla + Nelson

Heute und morgen werden ich angesichts eines prall gefüllten Kühlschranks mal wieder zu einer Doppel-Vergleichsverkostung greifen. Heute am Start: Der Big Player im Craftbier-Segment Camba aus Bavaria.

Vergleichen möchte ich dabei zwei Biere, die ungleich gleich sind. Das eine untergärig, das andere obergärig, verbindet beide, dass es sich eigentlich um ganz gewöhnliche (deutsche) Bierstile handelt, die jedoch durch eine Kalthopfung veredelt wurden. Das Hopla ist ein Lager, das mit den Hopfen El Dorado, Perle und Tradition eingebraut ist – während das Nelson ein mit (wie es Name schon verrät) Nelson Sauvin und Hersbrucker gehopftes Weißbier ist.

Beides meiner Meinung nach spannende Stilexperimente, die zwar nicht neu sind, aber gewiss noch nicht oft in der Form auch gegenübergestellt wurden.

Steckbriefe

Stil. . . . . . . . . . . . . . . India Lager | India Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig | obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe | Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.4°P | 12.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4% | 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Seeon
Erscheinungsjahr. . .
?

Bewertungen

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13|13
  • Aussehen:____________________11|11
  • Geruch:______________________12|7
  • Geschmack:__________________11|10
Fazit

  | sehr hopfig, würzig, frisch, fruchtig, süß-sauer, grasig, buttrig, waldig, harzig
// sehr fruchtig-bananig, sahnig, Ananas, Traube, künstlich süß nach Cocktailkirsche & Erdbeersirup
  | mittelkleiner Körper, süß-saure Hopfennote, leicht würzig, grasig, waldig,  harzig, gering malzig, cremig, feinperlig, süß-saurer Abgang
// vollmundig, hefig, bananig, süß-sauer-fruchtig, wenig malzig, feinperlig, künstlich süßer Abgang
  | Welch ein interessanter Vergleich. Obwohl sich beide Bierstile doch recht unähnlich sind und auch die Hopfensorten differieren, haben die Biere erstaunliche Gemeinsamkeiten. Beide irritieren durch eine süß-saure Grundnote und eine recht dünne Resenz. Zudem dominieren waldig-fruchtige Hopfenaromen exotischer Sorten, wenn auch beim Hopla das würzige Malz und beim Nelson die hefige Banane hervortritt. Da das Ganze streng genommen ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen ist, gibt es heute auch keinen Sieger, obschon beide mit einer unterschiedlichen Gesamtbewertung nach Hause gehen. Mir besser gefallen hat das Hopla, welches weniger künstlich daherkam, obwohl beide Biere auch für mich echt gewöhnungsbedürftig sind.
Hopla: 11,5 (2(+)) // Nelson: 10 Pkt. (2-).

 • http://www.camba-bavaria.de/internationale-biere/camba-hopla/ + http://www.camba-bavaria.de/internationale-biere/camba-nelson/

Prost & guten Abend! 🍻

459. Brew Town | Pinzga‘ Coffee Stout

Das vierte und letzte Pinzgauer Bier ist eine Kollaboration zwischen der Brucker Brauerei und Brew Town aus St. Johann im Pongau. Etwa eine halbe Stunde östlich des Laacher Sees brodeln bereits seit 2014 die Braukessel. Doch erst vor Kurzem wurden dort durch personellem Zuwachs die City of Hops empor gehoben.

Das Bier ist mit Gerstenflocken, Röstmalzen und Kaffee (ob Bohnen oder in flüssiger Form ist zunächst nicht ersichtlich) eingebraut und reiht sich ein in eine inzwischen doch recht lange Liste an Kaffee-Bieren, die sich vor allem bei Stouts wiederfinden, da diese durch die Röstaromen des Malzes ohnehin schon ein kaffee-artiges Aroma mitbringen.

Beigesteuert wird der Kaffee von der Röstmanufaktur Tridor aus Zell am See, die neben Kaffee auch Tee, Gewürze, Öle, Essige und Schnäpse anbietet.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Coffee-Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerstenflocken, Kaffee, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bruck (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2018

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

  | milder Kaffee, etwas Zartbitter, Getreide, Sahne, malzige Würze, leicht karamellig
  | mittelkleiner Körper, recht bitter, fruchtig, Kaffee, röstig, gering cremig-sahnig, würzig-herb, matt-feinperlig, süß-herb-kaffeeiger Abgang
  | Nachdem ja in der Vergangenheit durchaus so einige nicht ganz hervorragende Kaffee-Biere dabei hatte, bin ich bei diesem endlich wieder positiv überrascht. Auch wenn ich immer noch kein Kaffee-Bier-Fan bin, gefällt mir diese Interpretation. Es könnte für mich noch cremiger, öliger und malzger sein, aber sowohl Bittere als auch Herbe halten sich doch in Grenzen. Interessant ist auch die recht fruchtige Note, die womöglich aus der Kaffeebohne stammt. Getreu dem Motto „last, but not least“ gibt es für so viel gemeinschaftliche Handwerkskunst 11 Pkt. (2).

 • https://www.pinzgau-braeu.at/index.php

Prost & guten Abend! 🍻

458. Pinzga‘ Phoenix aus der Asche

Auch heute am Samstag bleibe ich in der Salzburger Provinz. Nach Weißbier und Zwickl folgt heute das Rauchbier des Pinzgau. Dabei wird nicht nur einfaches Rauchmalz zur Erzeugung des Geschmacks verwendet, sondern Whiskeymalz über Torf geräuchert. Beides dürfte dem Bier hoffentlich eine außerordentliche Geschmacksnote geben, ist aber auch aufwändiger und kostenintensiver. Einerseits ist das Malz eigentlich ein Produkt der Whiskey-Herstellung, da es anders vermälzt und gedarrt wurde. Anderseits hat die Räucherung über Torf auch aufgrund der schwierigeren Beschaffung dessen Seltenheitswert.

„Wie Phoenix aus der Asche, steigt dieses Bier aus der abgebrannten Halle empor.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Rauchbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . (getorftes Whisky-)Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bruck (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | rauchig, torfig, leicht modrig, moorig, waldig, erdig, würzig, rotmalzig
  | mittelgroßer Körper, leicht säuerlich, rauchig, würzig, erdig, leicht bitter, matt-feinperlig, torfiger Abgang
  | Es ist zwar nicht mein erstes Torf-Bier, aber dennoch ist es immer noch etwas Besonderes. Im Vergleich zu anderen Rauchbieren hat man hier eben nicht diesen typischen Schinken-Geschmack, da dieser vor allem über Buchholzrauch erzeugt wird. Da hier aber Torf verwendet wird, hat man eher den Eindruck ein Schluck Moor zu sich zu nehmen. Was in der Nase noch recht irritierend ist, macht sich dann aber am Gaumen weniger extrovertiert als befürchtet. Dennoch trifft es nicht  ganz meinen Geschmack, obwohl ich diesen Bierstil ausdrücklich würdigen möchte. In Zahlen macht das dann 9 Pkt. (3+).

 • https://www.pinzgau-braeu.at/index.php/unsere-biere/phoenix-aus-der-asche

Prost & guten Abend! 🍻

457. Pinzga‘ Zwickl

Nach der gestrigen Premieren-Verkostung nun das Zwickel-Bier aus dem Hause Pinzgau.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Zwickel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,1%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bruck (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________12
Fazit

  | fruchtig-säuerlich, hellmalzig, leicht hefig, leicht hopfig, etwas ledrig
  | mittelkleiner Körper, relativ süffig, hefig, Malzsüße, leicht getreidig, hopfig-fruchtig, feinperlig, fruchtig-herb-süßer Abgang
  | Ähnlich wie auch beim Weizen ist hier eine interessante hopfig-fruchtige Note erkennbar, die fast auf eine Kalthopfung schließen lässt. Beim Trinken ist die Entwicklung auf der Zunge und am Gaumen sehr spannend. Ist man zunächst von der fruchtigen Säure mindestens irritiert kommt nach und nach der Hopfen (aber auch das Malz) durch, sodass ein Endeindruck von einem sehr guten Bier hängen bleibt. So interessant das isst macht es aber die Bewertung nicht einfacher. Alles in allem würde ich aber erneut bei 10,5 Pkt. (2(-)) zu landen.

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421.2 Pinzga‘ Weizen

Heute gibt es wieder einmal eine Premiere auf Bierjubiläum. Denn es gibt eine zweite Rezension eines bereits rezensierten Bieres. Etwas, was ich aufgrund der Größe der Bierwelt stets zu vermeiden versuche, verdient dennoch heute mal eine Ausnahme.

Nach der ersten Rezension Ende Oktober hatte sich nämlich der Staff – Braumeister beim Pinzgau – höchstpersönlich bei mir gemeldet. Er hatte Unverständnis über die relativ mäßige Bewertung, entschuldigte sich (obwohl wohl irgendwo in der Liefer- und Lagerkette etwas schief gegangen zu sein schien) und schickte mir zu meiner großen Freude gleich vier seiner Bierspezialitäten. Eines davon das Weizen, dass ich nun noch einmal genauer unter den Gaumen nehmen kann. Diesmal habe ich auch genau darauf geachtet die Kühlkette zu wahren.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Weißbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bruck (Österreich)
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

  | hefig, bananig, würzig, leicht säuerlich, etwas waldig
  | mittelgroßer Körper, fruchtig, würzig, waldig, wenig hefig, feinperlig-spritzig, herb-würzig-fruchtig-süßer Abgang
  | In der Tat hat sich die zweite Chance gelohnt.  Das schmeckt schon mehr nach einem Hefeweizen. Auch wenn ich grundsätzlich das bayrisch Weißbier etwas lieber mag als die Interpretationen nördlich und südlich davon, erlaubt mir das heutige Bier eine valide und belastbare Aussage zu treffen. Und diesmal erkenne ich glücklicherweise keine Oxidation mehr, sondern ein fruchtig-würziges Weizenbier, bei dem für meinen Geschmack nur etwas zu gering die hefig-bananige Malzsüße hervorsticht. Damit verbessert sich das Pinzga‘ um 2 ½ Punkte auf nun 10,5 Pkt. (2(-)).

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