Archiv der Kategorie: Bierrezension

276. La Socarrada Er Boquerón

Am heutigen Nikolaustag konnte ich zwar kein Nikolausbier organisieren, was es ja durchaus gibt, dafür präsentiere ich ein Bier, was das erste und eines der sehr wenigen seiner Art ist.

Im Rahmen meiner Jahresreihe zu alternativen Getreiden oder anderen natürlichen Zutaten habe ich in den letzten Monaten viele spannende Biere proBiert, die allerlei interessante Ingredienzien wie Früchte, Gemüse oder Kräuter enthielten. Außer acht gelassen habe ich dabei eine Zutat des Reinheitsgebotes, welche gemein hin als völlig selbstverständlich hingenommen wird. Sie ist jedoch für das Bier essentiell und auch wesentlich für den grundsätzlichen Biergeschmack. Brauereien sind seit jeher nur an solchen Orten entstanden, die einen guten Zugang zu dieser Ressource boten. Und je nach Härte und Qualität kann es das Bier sogar auch ungenießbar machen. Die Rede ist von: Wasser.

Doch das Besondere am heutigen Bier ist, dass es sich hierbei nicht um gewöhnliches Quell-, Brunnen oder Leitungswasser also Süßwasser handelt, sondern in Teilen mit salzigem Meerwasser gebraut wurde. Neben einigen Forschungsprojekten ist es das erste und einzige mir bisher bekannte Bier weltweit dieser Machart, dass kommerziell vertrieben wird.

Gebraut wird es von La Socarrada – einer der erfolgreichsten „Craft-Brauereien“ Spaniens, die einen Umsatz von etwa 2 Mio. Flaschen pro Jahr vorweisen kann. Neben dem Hauptsitz in der spanischen Provinz Valencia betreibt sie als einzige spanische „Craft-Brauer“ auch eine weitere Brauerei im Ausland – und zwar in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Golden Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Meerwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Xativa / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
2013

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: säuerlich-süß, leicht fruchtig nach Orange, Kiwi & Ananas, seichte Malznoten
Geschmack: weich, mittelgroßer Körper, recht süffig, leicht hefig-würzig-sauer, dumpf-malzig, kaum herb, leicht süßlicher Abgang
Gesamt: Interessant. Zwar hätte ich durch das Meerwasser eine salzigere Note erwartet, die äußert sich wahrscheinlich aber in der leicht säuerlichen Grundtendenz. Auch die Balance aus Hopfen und Malz gefällt mir gut. Insgesamt im Vergleich zu anderen Bieren mit speziellen Zutaten natürlich dezenter, aber deshalb auch massentauglicher. Ich würde in jedem Fall aber sagen: Bier ahoi! Mir schmeckt´s und ich finde es eine gute Idee für alle Küstenbrauereien. In Punkten heißt das 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.erboqueron.com/.

Prost & Danke!

275. Maisel & Friends Juicy IPA

Gestern erreichte mich etwas überraschend wieder einmal eine Bierlieferung aus Bayreuth. Drin befand sich das neueste limitierte Bier von Maisel & Friends, welches auf den  ersten Blick so gar nicht in die aktuelle Jahreszeit passen will:

„Mit unserem neuesten Limited-Beer brechen wir mit den jahreszeitlichen Konventionen. Im Sommer trinkt man fruchtig und frisch – im Winter darf es hingegen dunkel und malzig sein? Weit gefehlt! Wir dachten uns: Lasst die alten Gewohnheiten beiseite und holt mit dem richtigen Bier die unbeschwerten, lauen Sommerabende zurück.“

Schließlich enthält das India Pale Ale mit Chinook, Citra, Amarillo, Simcoe, Mosaic und Mandarina Bavaria gleich 6 verschiedene teils kräftig aromatische Hopfensorten. Nicht nur als Kontrastprogramm zum aktuell sehr schmuddeligen Wetter, sondern auch zu meinem gestrigen sehr röstigen Bier kann ich der Idee durchaus etwas abgewinnen. Gerade als Vorbeugung vor den typischen winterlichen Erkältungskrankheiten soll man schließlich viel Obst (und somit viel Vitamine) zu sich nehmen. Als Verfechter alternativer Getreide bin ich zudem vom verwendeten Hafermalz angetan, dass dem Bier hoffentlich eine weiche runde Note verleihen wird.

„Ein fruchtiger Hopfentropfen aus unserer Brauwerkstatt. Cremig-trüb verzaubert er dein Hopfenherz und bombardiert deine Sinne.“

Bierigen Dank also erneut an Eva Ploß und die anderen Freunde von Maisel für die tolle Bierüberraschung. Wer sich das limitierte Bier ebenfalls sichern möchte kann es solange der Vorrat reicht über den Onlineshop ordern.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . IPA
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten-, Weizen- & Hafermalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  14.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bayreuth
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________11
Fazit

Geruch: FRUCHTIG! nach Orange, Maracuja, Ananas, Mango, Limette, Zitrone & Rhabarber, ganz leichte weiche Malzuntertöne, sehr frisch
Geschmack: spritzig, recht bitter, tropisch-fruchtig, kaum Malz, nicht weich, mittelgroßer Körper, trocken-fruchtiger Abgang
Gesamt: Während der nasale Eindruck noch vor lauter Frucht fast überfordert ist, kommt es auf der Zunge leider nicht zu der Fruchtexplosion, die ich erwartet oder erhofft hätte. Sicher geht jede Fruchtigkeit auch immer mit einer gewissen Bitterkeit einher, letztere stellt sich hier jedoch für meinen Geschmack zu sehr in den Vordergrund. Auch ist mir der Gesamteindruck insgesamt zu unrund. Gerade in diesen Tagen wohl aber genau das richtige, um sich nochmals für die noch kälteren und nassen Tage fit zu machen. Summa summarum von mir also 11,5 Pkt. (2(-)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://maiselandfriends.com/biere/limited/juicy-ipa/.

Prost & Danke!

274. Giesinger Wheat Stout

Mit dem heutigen Bier geht ein Vertreter der Brauerei ins Rennen, die die sich vehement beworben hat meine Brauerei des Jahres zu werden. Nicht nur stammt das derzeit zweitplatzierte Bierjubiläum-Bier aus 2017 aus dem Hause Giesinger, auch die 2003 gegründete Münchner Brauerei selbst qualifiziert sich in hohem Maße für diesen Titel. Dabei setzt sie folgende Gebote an:

Die Giesinger Gebote – Mir san Bier!

  • Unsere Biere sind unfiltriert und nicht thermisch behandelt.
    >>> insbesondere letzteres ist nicht selbstverständlich
  • Bei den Rohstoffen legen wir höchsten Wert auf Qualität und Herkunft. Wir verwenden beispielsweise nur besten Hallertauer Hopfen.
    >>> gut, das sagen/schreiben viele…
  • Auch beim Produzieren legen wir großes Augenmaß auf die Brautradition. Deshalb kommen bei uns beispielsweise statt der üblichen Edelstahltanks vier große, offene Gärbottiche für die Hauptgärung der obergärigen Biere zum Einsatz.
    >>> handwerkliche Braukunst ist eben nicht nur eine Sache der Größe, sondern auch des Brauprozesses
  • Wir sind eine Münchner Brauerei und konsequenterweise verzichten wir auch auf den Export unserer Biere. Dafür müssten wir Einschränkungen (z.B. eine längere Haltbarkeit) hinnehmen, die unserer Auffassung vom Brauen widersprechen.
    >>> auch wenn sicher einige Bierstile auch natürlich haltbar gemacht werden können, ist das nachvollziehbar
  • Wir stellen traditionelle und althergebrachte Biersorten her: Helles, Weißbier, Dunkles, Märzen und Bock (und gaaanz selten auch mal ein paar  Experimente).

Zum Glück sind diese Experimente inzwischen gar nicht mehr so selten und so wird sich auch das heutige Stout dem Biertest stellen müssen. Dabei steht es ein wenig unter Druck dem guten Ruf des Hauses auch gerecht zu werden. Da ich grundsätzlich Fan der dunklen Bierstile bin und erfreut feststellen darf, dass hier auch Weizenmalz eingebraut wurde wird dieser Druck nicht gerade kleiner.

Sind wir also gespannt, ob die #2 nun Konkurrenz aus dem eigenen Hause bekommt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Stout
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________8
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________5
Fazit

Geruch: sehr sehr sehr stark röstig & schwarz, leicht rauchig-kohlig, würzig
Geschmack: ebenfalls sehr röstig, fast nach Kohle, voller Körper, klar, matt, bitter-trockener Abgang
Gesamt: Hoppla! Entweder es ist ein Montags-Bier oder bei Transport oder Lagerung ist einiges schiefgelaufen. Anders kann ich mir diesen „Ausrutscher“ nicht erklären. Selbst für ein Stout viel zu röstig und fast schon kohlig, zu wenig cremig und weich und insgesamt auch zu eindimensional. Es muss also 1. festgehalten werden, dass das Rye Porter nicht um seinen Platz bangen muss und 2. dass selbst eine sehr gute Brauerei mal sehr daneben liegen kann. Mehr als 6 Pkt. (4+) kann ich dafür dann nicht geben.

Weitere Infos zur Brauerei unter: http://www.giesinger-braeu.de/.

Prost!

273. Herrnbräu Zwickl

Nach kurzer Pause möchte ich mich pünktlich zum Wochenende mit einem Bier zurückmelden, dass sowohl zum Bierjubiläum als auch zu einem aktuellen Trend passt. So haben insbesondere die großen deutschen Brauereien erkannt, dass der Biermarkt immer diversifizierter wird und ihnen Jahr für Jahr von neuen kreativen und handwerklichen Brauereien Marktanteile abgenommen werden. Um die oft spärliche Produktpalette aufzubessern erschienen in den letzten Jahren immer öfter sogenannte Keller- oder Zwickel-Biere der Großbrauereien. Diese sollten den Anschein von einem Manufaktur-Bier erwecken, dass in händischer Kleinstarbeit gefertigt wurde. Die Realität sieht wohl aber oft ganz anders aus. Im Gegenteil wirkt es eher wie der verzweifelte Versuch bewusster gewordene Kundengruppen zurück zu gewinnen. Das heutige Herrnbräu Zwickl schließt sich zwar zeitlich diesem Trend an, dürfte aber qualitativ hochwertiger sein. So ist die bis ins Jahr 1882 zurückreichende Brauerei mit 210.000 hl eine vergleichsweise kleine Brauerei, die sich bereits in der Vergangenheit durch eine bayrisch geprägte Produktvielfalt hervorgetan hat und bis heute privat geführt wird. Und da dieses Zwickl auch noch aus der Herkunftsstadt des Reinheitsgebotes kommt, war ich für die heutige Vorstellung überzeugt.

Übrigens: Der Name „Zwickl“ leitet sich vom Probehahn des Biertankes ab, mit dem der Braumeister regelmäßig testete, wie sich das Bier im Bierfass entwickelt. Diese Proben waren meist sehr trüb von den abgesetzten biereigenen Schwebstoffen, sodass heutige (untergärige) Biere, die keine Filtration erfahren haben, gerne als Zwickl bezeichnet. Dabei enthalten diese neben den restlichen Hefeteilchen auch noch wertvolle Eiweiße aus den Malzrückständen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Zwickel
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Ingolstadt
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________9
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: leicht industriell, weich, hell-malzig, leicht fruchtig, würzig
Geschmack: sehr weich, vollmundig, reichhaltig, hefig, herb gehopft, leicht bitter, wenig Malz, feinperlig, trocken-herber Abgang
Gesamt: In der Tat eines der besseren Kellerbiere, wenngleich auch mit einigen Defiziten (leicht industrieller Geruch, etwas unrunder Geschmack). Von einem bayrischen Bier hätte ich nur eine etwas stärkere Hefeprägung und einen dominanteren Malzkörper erwartet; ansonsten überrascht das Zwickl mit einem insgesamt reichhaltigen Inneren. In Summe glaube ich verdiente 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.herrnbraeu.de/de/herrnbraeu/bierspezialitaeten/zwickl.html.

Prost!

272. The Monarchy Methusalem Johannisburger

Nach dem gestrigen Highlight soll heute gleich der nächste Kracher folgen. Ähnlich wie das gestrige traditionelle Gewürzbier nach uraltem gutem Rezept, beruht das heutige Bier auf einen fast ausgestorbenen Bierstil: Dem Dortmunder Adambier. Dabei handelt es sich um ein säuerliches rauchiges Altbier mit deutlich mehr Stammwürze und Alkoholgehalt als ein heute übliches Düsseldorfer oder Münster Alt. Beim vorliegenden Adam wurden zusätzlich noch rote und schwarze Johannisbeeren (als Saft) hinzugefügt.

Auf einem Etikett von 1864 steht folgende Beschreibung des Bieres:

„Das Adambier ist ein sehr kräftiges, dabei aber mild und angenehm schmeckendes, weinartiges Getränk; es hat in der Regel bei der Versendung schon ein Alter von zwei Jahren, kann ferner dann noch jahrelang aufbewahrt werden und wird durch das Lagern immer besser. In geringem Maße genossen, ist es ein ganz vorzügliches Getränk für schwache, entkräftete Personen.“

Leider wurden die Rechte an der Bezeichnung Adambier von der reaktivierten Dortmunder Bergmann-Brauerei gesichert, sodass hier auf den Namen Methusalem ausgewichen werden musste. Dieser bietet dafür aber auch seine eigene Geschichte:

„You can save this beer for 969 years just like Methusalem, the oldest person to live according to the bible.“

Gebraut wurde es in Federführung eines der Kreativköpfe der deutschen Craftbier-Szene: Sebastian Sauer von Freigeist Bierkultur. Unter der Marke „The Monarchy“ vertreibt der Stolberger seit einigen Jahren schon historische Bierstile. Gebraut in der Zentrale vieler Kuckucksbrauer der Vormann-Brauerei in Hagen-Dahl ist das Bier nicht nur eine absolute Rarität, sondern auch pure Geschichte in flüssiger Form. Stellt sich also nur noch die Frage, ob es auch diesmal gilt:

„Natürlich geht mehr?“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Adambier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Johannisbeeren, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Hagen]
Erscheinungsjahr. . .
2014

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr fruchtig-säuerlich, neben Johannisbeere auch Limette, Granatapfel & Erdbeere, rauchig, leicht würzig
Geschmack: weich, säuerlich, rot-fruchtig, weinartig, ohne Rezens, recht süffig, ganz leicht rauchig, trocken-saurer Abgang
Gesamt: Natürlich geht mehr! Was ein Kracher! Ein Adambier ist schon selten genug, aber eines, dass mehr an einen Rotwein denn ein Bier erinnert ist wohl einmalig weltweit. Auch wenn es leider meinen Biergeschmack nicht voll ins Schwarze trifft, ist es dennoch unfassbar spannend und herausragend vielseitig. Qualitativ enorm gut gelungen, zeigt es einmal mehr, welche geschmackliche Bandbreite Bier abdecken kann (auch wenn hier natürlich mit Früchten nachgeholfen wurde). Definitiv eines der interessantesten Biere, die ich je trinken durfte und eigentlich nur für besondere Abende geeignet. Mit 13 Pkt. (1-) auch in Summe Spitze und unbedingten empfehlenswert für alle, die sich nicht zwischen Bier und Rotwein entscheiden können.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Sorten/Altbier/The-Monarchy-Methusalem-Johannisburger.htm?SessionId=&a=article&ProdNr=b00453&p=695.

Mehr Infos zum Adambier: http://harte-arbeit-ehrlicher-lohn.de/die-sorten/adam-bier/demnachst-in-dieser-brauerei/.

Prost!

271. Deutsche Kreativbrauer Kreativsud #1

Am 23. April diesen Jahres – also dem Tag des deutschen Bieres, da sich dann die Proklamation des „Reinheitsgebots“ jährt – konstituierte sich der Verein der deutschen Kreativbrauer. Selbstverständlich berichtete ich an dieser Stelle von diesem doch historischen Ereignis. Stellt sich diese Gruppe vor allem jüngerer in jedem Fall aber kreativer Brauer doch gegen die großen Brauverbände und beschließen sich fortan nicht mehr ausschließlich an das sog. Reinheitsgebot zu halten. Dieses reglementiert in Form des vorläufigen Biergesetzes und des Biersteuergesetzes wie ein Bier aus Deutschland gebraut werden darf. Dabei gibt es Unterschiede zwischen unter- und obergärigen Bieren, in jedem Falle dürfen aber grundsätzlich nur Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. Zusätzlich sind aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Zusatzstoffe oder Hilfsmittel erlaubt, die den Brauprozess erleichtern sollen. Neben Zucker, Farbstoff oder Extrakten sind dies aber auch chemische Stoffe, die dem Bier zugesetzt werden. Die Kritik hieran ist die Basis meines Blogs und meiner Arbeit der letzten inzwischen fast 2 Jahre. Hierauf fußt auch der Verein deutscher Kreativbrauer:

„Der Verein Deutsche Kreativbrauer e.V. ist die Interessenvertretung für alle, die Durst auf Vielfalt haben. Als Zusammenschluss einer neuen Generation junger, unabhängiger Brauer lieben wir die alte Handwerkskunst ebenso wie frische Ideen. Für die Herstellung unserer kreativen Biere setzen wir nur natürliche Rohstoffe ein – und das dürfen neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gern auch Früchte, Kräuter oder Gewürze sein. Künstliche Hilfsstoffe und Extrakte sind bei uns tabu. Wir glauben: Natürlich geht mehr! Und weil unser Qualitätsanspruch weit über das so genannte Reinheitsgebot hinausgeht, stellen wir ihm unser Natürlichkeitsgebot an die Seite.“

Den Tag des Bieres nahm man dann auch zum Anlass das erste gemeinsame Bier zu brauen. Und so trafen sich Andreas Seufert von Pax Bräu, Olli Wesseloh von Kehrwieder, Simon Siemsglüss von Buddelship, Kolja Gigla von Mashsee, Johannes Heidenpeter und Fritz Wülfing vom Bonner Ale-Mania in Oberelsbach im Rhön und zauberten ihren ersten Kreativsud. Dieser sollte gleich die Widersprüchlichkeiten der oben genannten Vorgaben aufzeigen. Denn es wurde auf ein uraltes Rezept zurückgegriffen, indem Kümmel, Wacholder und Salz eingesetzt wurde. Dies ist übrigens keineswegs eine Ausnahmeerscheinung – im Gegenteil: keine 100 Jahre nach Verkündung des „Reinheitsgebots“ durch die bayrischen Landesherzöge wurden durchaus wieder viele ursprüngliche Rezepturen erlaubt. Darunter eben auch der Einsatz dieser Gewürze. Doch auch die Brauart dieses Bieres ist etwas besonderes. Ist heute beim Einsatz von untergäriger Hefe ausschließlich Gerste als Getreidemalz erlaubt, treten die Kreativbrauer diesem Unsinn entgegen und haben auch Weizenmalz in den Sud gepackt. Dem nicht genug wurde das Bier originalgetreu auch per offener Holzbefeuerung erhitzt.

Es wird also höchste Zeit das „Reinheitsgebot“ zu reformieren, das Qualität und Transparenz schafft, denn:

„Natürlich geht mehr!“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Traditionelles Gewürzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Kümmel, Wachholder, Salz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Oberelsbach
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: klare Kümmelnote, kaum Malz, kaum Hopfen, viel weitere Gewürze, leicht gemüsig
Geschmack: sehr gemüsig, etwas dunkelmalzig, stark gewürzig, holzig, wenig spritzig, mittelgroßer Körper, leicht salziger und rauchiger Abgang
Gesamt: Was für eine Mahlzeit könnte man denken, so erinnern Geruch und Geschmack eher an etwas Essbarem als an Bier. Doch schmeckt man genauer hin, ist es wohl eines der authentischsten historischen Biere, die der Markt zu bieten hat. Auch wenn ich nicht jede einzelne der vielen Geruchs- und Geschmackselemente beschreiben kann, so ist es doch als Ensemble ein unfassbar harmonisches und hochinteressantes Bier. Das Zusammenwirken gleich sechs der kreativsten Bierköpfe Deutschlands merkt man jedem Schluck des Bieres an. Als Konstitutionssud ein herausragendes Signal für mehr Natürlichkeit, Qualität und Ehrlichkeit – ein Meilenstein der deutschen Biergeschichte. Deshalb hochverdiente 14 Pkt. (1) und klarer Anwärter auf den diesjährigen Bierjubiläum-Ehrenpreis.

Weitere Infos zum Bier unter: https://craftbeer-shop.com/epages/3629f328-522d-42c8-951a-2e001b280318.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/3629f328-522d-42c8-951a-2e001b280318/Products/212257.

Mehr Infos zum VdKb: http://deutschekreativbrauer.de/.

Prost!

270. Pearl River Beer

Die vermutlich einzige Rezension diese Woche führt mich in das Reich der Mitte. Genauer gesagt in das südchinesische Perlfluss-Delta. Dort befindet sich seit 1985 die Guangzhou Zhujiang Brewery Group Co., Ltd (廣州珠江啤酒集有限公司), die heute einer der größten chinesischen Brauereien ist. Die Brauereianlage ist durch ihre enorme Konzentration auf diesen einen Standort sogar eine der größten Produktionsstätten der Welt. Gelegen in Guangzhou, der Hauptstadt der Region Guangdong, ist sie zu 75% in staatlicher Hand. Die anderen 25% hat sich 2002 ABInBev gesichert, um die Marke zu professionalisieren und besser auf dem internationalen Markt platzieren zu können. Mit der Gründung des Zhujinag Brewery International Research arbeitet man inzwischen sogar auch mit der TU München zusammen.

Neben national wie international weniger bekannten Bieren wird vor allem das Pearl River bzw. Zhujiang Beer (珠江啤酒) hergestellt. Mit gerade in Deutschland unvorstellbaren 48.000 konsumierten Flaschen pro Stunde (!) zählt es zu den vier nationalen Biermarken Chinas. Wie für China (oder Ostasien im Allgemeinen) üblich wird neben importiertem Gerstenmalz (wahrscheinlich aus Kostengründen) auch Reis eingesetzt.

Der eigentliche Grund aber, warum ich das Zhujiang heute vorstelle, ist der Umstand, dass ich mit dieser Region einige Erlebnisse verbinde. So war ich Anfang 2010 im Zusammenhang meines Wirtschaftsgeographie-Studiums für mehr als 2 Wochen im Perflussdelta unterwegs. Im Rahmen eines großen Studienprojekts untersuchten wir die Region von der ehemaligen britischen Kolonie Hong-Kong, über Shenzhen, Dongguan, Guangzhou und Foshan bis hin zur heutigen Sonderverwaltungszone Macao hinsichtlich der Entwicklungen der dortigen weltwirtschaftlich höchst bedeutsamen Wirtschaftseinheiten und der Verflechtung dieser in die globalen Handelssysteme. Es war mein erster und bis heute einziger Asien-Besuch, der mir aus verschiedensten Gründen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Das Perfluss-Bier (zumindest das Lager) gehört nichtsdestotrotz weniger dazu.

Übrigens heißt der Perfluss Perlfluss, da am Boden des Flusses und im Delta perlfarbene Muscheln liegen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Reis, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  12°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,3%
Herkunft. . . . . . . . . . . Guangzhou / China
Erscheinungsjahr. . .
1985

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___5
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: klar industriell, metallisch, würzig-süß, leicht karamellig-bitter
Geschmack: süffig, mittlerer Körper, süßlich, reisig, etwas bitter, wenig Spritzigkeit, grasig-herber-süßer Abgang
Gesamt: Nach dem das Äußere schon nicht so ansprechend und auch der nasale Eindruck stark industriell geprägt ist, bin ich überrascht, dass doch noch ein so passabler Geschmack um die Ecke kommt. Wahrscheinlich aufgrund des verwendeten Reises entsteht ein durchaus spannender grasig-würziger Geschmack, der an das asiatische Getreide erinnert. Gerade im Vergleich zu anderen internationalen Massen-Lager wirklich eine interessante (wenn auch kaum in Deutschland erhältliche) Alternative. In Summe etwas wohlwollende 8 Pkt. (3).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pearlriverbeers.com/ bzw. https://www.pearlriverbeer.company/beers.

Mehr zur Brauerei unter: http://en.zhujiangbeer.com/about/comins/.

Prost!

269. Das Fette Wiess

Bier Nummer Vier und Abschluss meiner Mini-Serie Kölner „Craft“-Biere gleicht in seinen Merkmalen den drei vorherigen: Es ist ein obergäriges Bier einer Kölner Lokalmarke, die aber keine Brauerei ist und deshalb von Freigeist Bierkultur in Hagen brauen lässt. Der kleine aber feine Unterschied: Es wird nicht für ein Bierunternehmen gebraut, sondern für ein Restaurant. Genauer gesagt für einen Burger-Laden.

2011 eröffnete unweit des Bierlagers die Fette Kuh ihre Pforten und bietet seither handwerklich gemachte kreative Burger in rustikalem Ambiente an. Handwerklich und kreativ – das passt auch hervorragend zu Craftbier, dachten sich die Betreiber und bieten nicht nur diverse Bierspezialitäten an, sondern lassen auch seit einiger Zeit ihr eigenes Bier brauen. Es handelt sich dabei um ein inzwischen wieder sehr beliebtes Wieß, also einem unfiltriertem Bier nach kölscher Brauart. Die vergleichsweise klare Optik wird mittels einer Zentrifuge erreicht, die die groben Hefepartikel vor der Abfüllung zurückhalten soll.

In der Tat sind die Parallelen der Burger- und Craftbier-Welle frappierend. Beides begann zunächst in den USA und schwappte vor etwa 10 Jahren dann auch in Deutschland herüber. Beides setzt auf kreative Handwerkskunst mit dem Anspruch qualitativ hochwertige Produkte zu fertigen. Und beides ist (immer noch) sehr im Trend und hat sich inzwischen einen festen Markt geschaffen. So ist es nicht überraschend, dass sich die beiden Welten verbinden und Burger und Craftbier gemeinsame Wege gehen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wieß
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Hagen]
Erscheinungsjahr. . .
2011

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: leicht industriell, malzig-süßlich, spritzig-herb
Geschmack: wenig Körper, feinperlig, kölschig-herb, ganz wenig bitter, leicht malzig-süßlicher Abgang
Gesamt: Positiv: Insgesamt ein gutes Malz- und Hopfengleichgewicht, in der die Kölner Brauart erkennbar aufgeht. Für mich passig herb, für Kölner ggf. nur was für Gaffel-Trinker. Negativ: Trotz „kreativer Brauübernahme“ für mich eigenartig industriell und gerade im Vergleich zu anderen Wieß (wie etwa dem von AleMania) sehr wenig malz- und hefebetont. Aber letztlich ist ja auch Interpretationssache des Stils. Für meinen Geschmack reicht es heute aber leider nicht für mehr als 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Sorten/nach-koelscher-Art/Das-Fette-Wiess.htm?a=article&ProdNr=b00281&p=254.

Mehr Infos zur fetten Kuh siehe: http://www.diefettekuh.de/#.

Prost!

268. RheinCraft frohnatur.

Weiter geht es heute in meiner Mini-Serie der „Kölner“ Craft-Biere. Heute am Start: Die Frohnatur von RheinCraft. RheinCraft ist ein Start-Up von fünf Doktoranden-Freunden, die seit 2015 am Markt sind. Doch schon vier Jahre zuvor haben sich die vier Biotechnologen vom Forschungszentrum Jülich zusammengefunden und mit dem Hobbybrauen begonnen. Aufgrund ihrer theoretischen Verfahrenskenntnisse gelang es ihnen rasch mehr als akzeptables Bier zu kreieren. Dabei folgte man stiltechnisch ein wenig der schon aufkommenden Craftbier-Welle und hob sich ebenfalls durch „kreativere“ Sude vom Massenbier ab. Die Passion erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt als man 2014 den Brauwettbewerb Campusperle in Hamburg gewann. Der damals amtierende Biersommelier-Weltmeister Oliver Wesseloh riet den Fünfen dann den nächsten Schritt zu machen und aus ihrem Hobby ein(e) Beruf(ung) zu machen. Da sie selbst hierfür nicht die ausreichenden Anlagen besaßen, ließ man zunächst in der Privatbrauerei Reiner in Linnich-Welz bei Aachen brauen. Inzwischen ist man (wie so viel andere Kuckucks-Craft-Brauer) auf die Vormann-Brauerei in Hagen-Dahl ausgewichen. Neben der Frohnatur gibt es derzeit noch das Rut & Wiess des recht seltenen Bierstils Red IPA. Alle bisherigen Biere wurden übrigens stets nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut, wobei sich die Fünf grundsätzlich auch vorstellen könnten in Zukunft darüber hinaus gehenden Zutaten zu verwenden.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Hagen]
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

 

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: sehr grasig-heuartig, Fruchtmix aus Blutorange, Mango & Granatapfel, leicht gemalzt
Geschmack: hopfig-bitter, sehr grasig, feinperlig, mittlerer Körper, wenig Süße, trocken-herber Abgang
Gesamt: Der Name ist Programm: Ein Bier wie aus der Natur. Sehr grasig, schön hopfig und kein Zuckerschlecken. Zwar fehlt mir auch hier wieder eine stärkere Fruchtnote, aber die frohnatur zeigt sich grundsätzlich charaktervoll und ausdrucksstark. In Summe macht das für mich mehr als solide 11,5 Pkt. (2(+)).

Weitere Infos zum Bier unter: http://rheincraft.de/lagerkeller/frohnatur.

Prost!

267. Bierlager Strammer Max

Nach der gestrigen Goldmarie folgt heute der Stramme Max. Das Double IPA entstand ebenfalls durch eine Kooperation zwischen dem Bierlager in Köln und dem Craft Beer-Projekt „Freigeist Bierkultur“ des Brauers Sebastian Sauer aus Aachen. Gebraut wurde es wie auch die Goldmarie in der Brauerei Vormann in Stolberg.

Der Stramme Max ist wie es der Bierstilname schon verrät eine stärkere Variante eines IPA. Zudem finden sich gleich sechs unterschiedliche Hopfensorten in diesem DIPA: Cascade, Zeus, Simcoe, Summit, Citra und Tettnanger.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Double India Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Stolberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: klar hopfig, Litschi, Heidelbeere, Limette, aber auch grasig & karamell-malzig
Geschmack: sehr weich, alkoholaromatisch, malzig-würzig, süßlich-bitter, voller Körper, mittlere Spritzigkeit, leicht ölig, trocken-herber Abgang mit matt-süßlichen Nuancen
Gesamt: Auch das zweite Bierlager-Bier weiß zu überzeugen. Zwar nicht ganz so grandios wie die „abgelaufene“ Goldmarie, aber definitiv ein würdiger Vertreter des DIPA-Bierstils. Für mich ist es einen Hauch zu alkoholaromatisch und auch hätte ich mehr Fruchtaromen auf der Zunge erwartet. Deshalb ganz schnörkellose 12 Pkt (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Sorten/India-Pale-Ale/Bierlager-Strammer-Max.htm?SessionId=&a=article&ProdNr=b00500&p=3.

Prost!

266. Bierlager Goldmarie

Für die kommenden Tage möchte ich euch auf einen kleinen virtuellen Bierausflug nach Köln einladen. Dass dort viel Bier gebraut wird, dürfte jedem klar sein. Dass es aber neben Kölsch noch andere Biere in der Domstadt gibt ist weniger bekannt. So hat auch Köln mit etwas Verzögerung die Craftbier-Welle erreicht und es wachsen immer neue kleine bis mittlere Leuchttürme der Biervielalt aus dem Boden. Eines im Bereich Handel ist das Bierlager, das vor gar nicht allzu langer Zeit im Kölner Süden seine Pforten geöffnet hatte. Dort werden nicht nur allerhand Craftbier-Spezialitäten feilgeboten, inzwischen gibt es dort auch einen kleinen Ausschank.

Mein erster Besuch des Bierlagers liegt zwar schon etwas zurück, ich möchte euch kurz vor der Adventszeit aber zwei interessante Bier nicht vorenthalten. Denn Das Bierlager verkauft nicht nur Biere, sondern lässt auch selber für sich brauen. So sind auch zwei Eigenbiere im Sortiment, die vom Freigeist Bierkultur aus Aachen in der Vormann-Brauerei in Stolberg gebraut werden. Beide möchte ich euch nun hier vorstellen. Beginnen werde ich mit der Goldmarie – einem American Pale Ale.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pale Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Köln [Stolberg]
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___8
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: sehr hopfig-heuartig, grasig, hell-fruchtig, leicht süßlich
Geschmack: klar gehopft, grasig-heuartig, etwas waldig, dezente Fruchtigkeit, leicht herb, kaum bitter, mittlerer Körper, trocken-fruchtig-heuartiger Abgang
Gesamt: Also das hätte ich nun nicht gedacht. Eigentlich sind Eigenmarken ja nun nicht gerade ein Gradmesser für gute Qualität, aber die goldene Marie ist definitiv ein hervorragendes Aushängeschild. Spannend wohl auch die leichte Geschmackintensivierung hin zur klaren Heunote aufgrund der leichten MHD-Überschreitung, das auf Ende August datiert ist. Deshalb absolut verdiente 13,5 Pkt (1(-)) und somit ein Platz in der diesjährigen Bierjubiläum-Spitzengruppe.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.bierlager.de/Bierlager-m15333.htm?SessionId=&a=marke&Hersteller=15333.

Prost!

264. Colbitzer Edel

Im Rahmen meiner Reformations-Jubiläums-Bierwoche war ich auch auf der Suche nach authentischem Bier aus Mitteldeutschland. Zwar war mir schon zu Beginn klar, dass dort die Brauereidichte nicht sehr groß ist und es somit kein sehr großes Angebot gibt, aber es war sogar noch weniger als befürchtet. Zumindest online ist die Beschaffung von Bieren aus dem Zentrum unseres Landes enorm schwierig. Für Sachsen-Anhalt – der zentralen Wirkungsregion von Luther – wurde ich mit dem heutigen Bier dann aber doch fündig.

Zwar hat es außer der Nähe zur Lutherstadt Wittenberg nicht viel mit der Thematik zu tun, eignet sich aber aus anderen Gründen sehr gut für eine separate Vorstellung auf Bierjubiläum.

Gegründet nördlich von Magdeburg von Friedrich-Christoph Ritter ein Jahr nach der Reichsgründung 1872, blieb die Brauerei zunächst bis zur Verstaatlichung in der DDR im Familienbetrieb. Nach Zerfall des kommunistischen Regimes wurde die im Schutzgebiet Colbitzer-Letzlinger Heide gelegene Brauerei an die Nachkommen der damaligen Besitzer rückübereignet. Auch heute ist diese immer noch unabhängig.

Während dieser Werdegang für eine ostdeutsche Brauerei fast stereotypisch ist, überrascht ein wenig die Haltung zum Reinheitsgebot. Selten habe ich ein derart eindeutige Unterstützung dessen im Rahmen meiner Recherchen festgestellt. Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums formulieren die Verantwortlichen es auf ihrer Website wie folgt:

„Die Traditionsbrauer der Colbitzer Heide-Brauerei halten ohne Wenn und Aber am Deutschen Reinheitsgebot fest und sind bereit, es mit aller Kraft gegen sämtliche Angriffe aus dem In- und Ausland zu verteidigen.

Seit vielen Jahren werden – besonders von ausländischen Brauereien – immer wieder Versuche gestartet, das Deutsche Reinheitsgebot zu Fall zu bringen. Zum Glück ist das bis zum heutigen Tag nicht gelungen, da die Brauer in unserem Land nahezu geschlossen hinter dieser Gesetzesvorschrift stehen.

Umso kritischer sind die Versuche anzusehen, dass das Reinheitsgebot aktuell auch in Deutschland speziell von einigen Craft-Bier-Herstellern als Produktionshindernis angesehen wird. Von dieser Meinung distanzieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit der Geschäftsleitung ganz entschieden.

Für die Colbitzer Brauer ist das Deutsche Reinheitsgebot unanfechtbar – verbunden mit dem Wunsch, dass 2516 sein tausendster Geburtstag genauso stolz gefeiert wird, wie die Traditionsbrauer in diesem Jahr sein 500-jähriges Bestehen begehen.“

Abgesehen, dass ich bezweifle, dass die deutschen Brauer nach wie vor nahezu geschlossen hinter der aktuellen Auslegung des „Reinheitsgebots“ stehen, ist es schon überraschend wie scharf hier gegen die (neuen) Craft-Bier-Brauer geschossen wird – zumal sich viele von ihnen ja auch an dieses halten. Sicher ist auch bei den moderneren Craftbieren nicht alles Gold was glänzt und viel Marketing vertuscht auch dort teils geringe Qualität, aber die Absicht der meisten anderen Craft-Brauer ist gutes, leckeres und natürliches Bier zu brauen. Deshalb kann ich die Kritik in dieser Form überhaupt nicht nachvollziehen. Es sollte auch nicht darum gehen das RHG zu Fall zu bringen, sondern es endlich zu dem zu machen, was es sein sollte: Einem Qualitätsmerkmal für gutes deutsches Bier. Und das ist unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht optimal möglich. Abgesehen von der überflüssigen Ungleichbehandlung von unter- und obergärigem Bier, nimmt kein Bier Schaden, wenn es anstatt mit chemischen Hilfsstoffen mit Rohstoffen aus der Natur in Kontakt gerät. Wichtig ist hier einfach nur die Qualität des Bieres sowie die Transparenz der Zutaten mit entsprechend klassifizierter Kennzeichnung (siehe Das Reinheitsgebot). Ich denke es wird zukünftig wichtig sein beide Parteien an einen Tisch zu holen und von allen Seiten Kompromissbereitschaft einzufordern. Weder eine komplette Abschaffung des sog. Reinheitsgebots noch eine Beharrung auf die aktuellen regulatorischen Grundlagen sind für eine gute Reform zielführend.

Nun aber zum Bier, welches zwar keine Stilbezeichnung mitbringt (die man bei der klaren Haltung zum RHG aber eigentlich erwarten müsste), aber wohl noch am ehesten als Export einzustufen ist. Gespannt bin ich inwiefern sich das verwendete weiche mineralarme Heidewasser fast ohne Restalkalität auf das Bier auswirkt.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Export
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfenextrakt
Stammwürze
. . . . . .  11.25°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,9%
Herkunft. . . . . . . . . . . Colbitz
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___5
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: leicht metallisch-industriell, würzig, leicht malzig, wenig grasig, recht matt
Geschmack: würzig, malzig, grasig, wenig Körper, mittelspritzig, ein wenig kräuterig, herber Abgang mit leichten Bitternoten
Gesamt: Sicher sind Geschmäcker verschieden, aber mein Fall ist das Edel nicht. Inwiefern das Heidewasser Einfluss auf den doch herb-würzigen Charakter hat, der permanent durch unangenehm bittere Noten begleitet wird, kann ich nicht beurteilen. Vor allem aber ist zu kritisieren, dass wer auf das Reinheitsgebot pocht kein Hopfenextrakt verwenden sollte. Das macht irgendwie unglaubwürdig, wenn es um die Qualität des Bieres geht. Aus diesem Grund kann ich heute in Summe auch nicht mehr als 6 Pkt. (4+) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.colbitzer-heidebrauerei.de/index.php/colbitzer-edel.html.

 

Prost!

263. Einbecker Ainpöckisch Bier 1378

Am Tag 1 nach 500 Jahren Reformation gibt es nochmals ein wahres Luther-Bier. Denn kein Bier wird öfter mit dem Reformator Martin Luther in Verbindung gebracht als das Einbecker-Bockbier. So soll er erstmals am 17. April 1521 von Herzog Erich auf dem Reichstag zu Worms einen Krug Einbecker Bier erhalten haben und lobt es mit den Worten:

„Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt“

Das mindestens seit 1378 bestehende Brauhaus ist die Wiege der Bockbiere. Schließlich brauten die Niedersachsen schon zu diesen Zeiten als erste Brauerei deutlich stärkere Biere unter der weitgehenden Verwendung der heute üblichen Zutaten. Auch die bayrischen Bockbiere wurden in der Folge nur mit Unterstützung des damaligen Einbecker-Brauhaus entwickelt. Das heutige Braunternehmen (jährlicher Ausstoß 585.000 hl) besteht nach diversen Fusionen mit lokalen Brauereien seit 1967 als Aktiengesellschaft, die 1997 von der Kölner Ender & Partner Vermögensverwaltung AG mehrheitlich übernommen wurde, nachdem sie jahrelang zur Dortmunder Brau & Brunnen gehörte.

Seit einigen Jahren nun wird wieder versucht ein Bockbier nach ganz alter Tradition und Rezeptur zu brauen. Die heutige für Einbecker Biere bekannte Flaschenform wurde dabei seit der Einführung im 19. Jahrhundert nicht mehr verändert.

Übrigens hat das Einbecker Bier Luther wohl so gut geschmeckt, dass es wenig später auch zu seiner Hochzeit mit seiner Katharina (ihres Zeichens Heimbrauerin) ausschenken ließ.

 

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Ur-Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  16.4°P
Alkoholgehalt. . . . . . 6,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Einbeck
Erscheinungsjahr. . .
(1378)

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________14
Fazit

Geruch: frisch, hopfig, herb, malzig, grasig
Geschmack: vollmundig, hefig, hellmalzig, Karamell, süßlich-herb, weich, leicht alkoholaromatisch, feinperlig, herber Abgang
Gesamt: Also sollte das heutige Bier wirklich auch schon damals so geschmeckt haben, wundert es mich überhaupt nicht, dass der Reformator es auch zu seiner Hochzeit hat ausschenken lassen. Definitiv eines der besten Bockbiere, die ich je getrunken habe. Da merkt man tatsächlich, dass die Einbecker ihr „Handwerk“ immer noch verstehen und es erklärt auch warum die Marke bis heute (weltweit) so erfolgreich ist. Zur Feier des heutigen Allerheiligen-Tages vergebe ich deshalb mit etwas Wohlwollen für das Ainpöckisch 1378 herausragende 14 Pkt. (1) und katapultiere es auf Platz 3 der dieses Jahr rezensierten Biere.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.einbecker.de/bockbiere.html.

Weitere allgemeine Bier-Infos unter: https://www.einbecker.de/wissenswertes.html.

Und weitere Luther-Zitate über das Bier gibt’s hier: http://www.reinheitsgebot.de/startseite/bierkultur/luther-und-das-bier/luther-ueber-das-bier/.

Prost!

262. Reformator Pfloschenbier

31.10.1517 – 31.10.2017: 500 Jahre Reformation

So, nun ist es also soweit: 500 Jahre Reformation. Heute vor genau einem halben Jahrtausend soll der Theologe, Jurist und Mönch Martin Luther mit seinem Anschlag der 95 Thesen für eine erneuerte Kirche an die Schlosskirche zu Wittenberg den Beginn der Reformation markiert haben, aus der die bis heute bestehende Trennung der christlichen Kirche in die römisch-katholische und evangelisch-lutherische Konfession resultierte. Aus diesem historischen Anlass ist der Reformationstag zum ersten Mal in der Geschichte der BRD ein außerordentlicher und einmaliger bundeseinheitlicher Feiertag. Auch wenn sich heutzutage die beiden größten Konfessionen des Christentums wieder allmählich annähern, wurde ganz Europa durch die Reformation gespalten und geprägt. Mit seiner Kritik des Ablasshandels und der Entfernung der Kirche von den ursprünglichen Zielen der Lehre Jesu Christi sorgte Luther schon zu Lebzeiten für weitreichende Veränderungen der theologischen, politischen und gesellschaftlichen Struktur auf dem europäischen Kontinent. Nachdem er als erster Mensch die Bibel in Gänze in die deutsche Sprache übersetzte, musste er sich später unter falscher Identität auf die Eisenacher Wartburg zurückziehen, da er als vogelfrei erklärt wurde. Im Rahmen seines Untergrund-Wirkens machte er sich eine bedeutende Erfindung der damaligen Zeit zu Nutze: Im 15. Jahrhundert entwickelte der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg den modernen Buchdruck. Mit diesem Medium erreichte Luther eine für damalige Verhältnisse enorme Reichweiten seiner Thesen und konnte sich so effektiver mit seinen Unterstützern verbinden. Dabei war es niemals Luthers Ziel die Kirche zu spalten, doch führte die Reformation (und Gegenreformation) noch lange Zeit zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Heute beschränkt sich die Spaltung zum Glück nur noch auf den theologischen Bereich und lässt zusehends mehr Ökumene zu.

„Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken.“

Zeit seines Lebens war aber auch Bier stets ein enger Begleiter Luthers.  Offensichtlich verwöhnt von den hervorragenden heimischen Braukünsten seiner Frau (denn damals war das Bierbrauen noch fast vollständig in Frauenhand) hatte Luther auf Reisen immer recht hohe Ansprüche an den Gerstensaft. So sind bis heute viele Kommentare und Anekdoten über seine bierigen Reiseerlebnisse überliefert. Offensichtlich führte es mancherorts und zu mancher Zeit sogar dazu, dass er sich das heimische Bier abfüllen und nachschicken ließ. Das heutige Bier soll diesem nachempfunden sein. Dabei hat man sich für ein helles Bier entschieden. Da vor allem die Heimbraubiere damals recht volatil in ihrer Rezeptur waren und auch noch keinen konkreten Bierstil besaßen ist es natürlich schwierig ein solches Bier originalgetreu historisch nachzubrauen. Oftmals wurde nur zwischen einem untergärigen (Winter-)Braun- und einem obergärigen (Sommer-)Weißbier unterschieden, sodass man die heutigen Bierstile nicht als Maßstab anlegen kann. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass hier aus fehlendem Mut zur historischen Kreativität schlicht ein Pils oder Helles gebraut wurde. Ein weiteres Indiz ist der Umstand, dass das Bier von der Brauerei Neuspringe, welche auch die anderen Luther-Biere produziert, für die bierundmehr GmbH gebraut wurde und somit nur als „Marketing-Gag“ herhalten muss. Aber lassen wir uns wie immer überraschen und feiern trotzdem dieses historische Ereignis gebührend mit diesem Reformator-Reisebier.

„Auf seinen Reisen musste der Reformator Martin Luther oft Bier trinken, dass diesen Namen nicht verdiente. Als er wieder einmal so ein übles Gebräu trinken musste, schrieb er an seine Frau Katharina von Bora, die selbst eine vorzügliche Braumeisterin war: ‚Gestern hatt ich einen bosen Trunk gefasset. Und sie möge doch ein Pfloschen ihres Bieres zu ihm schicken so oft sie könne.‘

Auch im stillen Gedenken an die vielen Opfer der Reformation & Gegenreformation.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Leinefelde-Worbis/Landsberg
Erscheinungsjahr. . .
(1517)

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: hopfig, grasig, blumig, hellmalzig, etwas matt
Geschmack: „steinig“, hopfig-herb, süffig, mittelschwacher Körper, feinperlig, wenig Malz, klar, herber Abgang
Gesamt: Von den bisher proBierten Bieren der Luther Reihe mit dem Reformationsbier vom Beginn des Jahres sicher das Beste. Zwar kann ein Pils – und als solches ist dieses Bier deklariert – kein historisches Lutherbier sein, da das Pilsner erst 1842 entwickelt wurde, aber dafür ist es qualitativ völlig in Ordnung und stilgerecht. Sicher kann man auch hier von einer gewissen Verbrauchertäuschung sprechen, da man im Idealfall wirklich eine Originalrezeptur erwarten möchte, aber davon will ich an diesem heutigen Feiertag einmal absehen. Deshalb mit 500. Reformationstags-Bonus heute 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lutherbier.de/produkte_pfloschenbier.html.

Prost & auf die Ökumene!

261. Luther Starkbier

Das dritte Luther-Bier um Bunde ist ein für die damalige Zeit recht unübliches Bier. So wurden damals Starkbiere meist nur zu besonderen Anlässen oder Jahreszeiten gebraut. Noch heute gibt es die Tradition im Mai oder Herbst stärkere Bockbiere zu brauen, die noch auf die Zeit zurück gehen, wo es verboten war im Sommer (zumindest untergärige) Biere zu brauen. Daneben kamen Starkbiere auch oft zum Einsatz, wenn man das Bier über längere Distanzen vertreiben wollte. Die meisten Biere (wie im Übrigen auch Weine) der damaligen Zeit jedoch hatten eher noch weniger Umdrehungen als heutzutage. Da Bier aus hygienischen Gründen nicht nur sprichwörtlich als Grundnahrungsmittel genutzt wurde, durfte es nur wenig Alkoholgehalt haben, damit man auch die tägliche Arbeit noch erledigen konnte. Auf der anderen Seite hatte es aber immer noch genug Stärke um den harten Alltag ertragen zu können. Wer das Glück hatte und weniger körperliche Anstrengung erfahren durfte, dem half das Bier zumindest aber bei Kreativität, Diplomatie oder Geselligkeit weiter.

„Wer die Musik verachtet, wie denn alle Schwärmer tun, mit denen bin ich nicht zufrieden. Denn die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes, nicht ein Menschengeschenk.“

Mehr zum Thema Bockbiere auch in meinem Bericht zum damaligen Tasting in der Brühler Eule.

Das Luther-Starkbier war übrigens das Bier des Jahres 2015 des ProBier-Clubs.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Bock
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Leinefelde-Worbis
Erscheinungsjahr. . .
(1517)

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________7
  • Geschmack:__________________8
Fazit

Geruch: (metallisch, industriell) würzig, ganz leicht karamellig, alkoholaromatisch
Geschmack: vollmundiger, leicht bitter, dunkelmalzig, aber wenig Karamell, alkoholaromatisch, süßlich-herber Abgang
Gesamt: Insgesamt leider auch hier keine absolut hochqualitative Braukunst. Aber zumindest wird das Bier mit jedem Schluck besser. Wahrscheinlich handelt es sich hier um das Starkbier auf Basis des Reformationsbieres, das den Bierjubiläums-Rezensions-Beginn dieses Jahr markierte. Alles in allem hätte ich mir hier mehr Tiefe und Variation gewünscht. Aber zumindest im Vergleich zum gestrigen „Porter“ eine kleine Steigerung: 9 Pkt. (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lutherbier.de/produkte_stark.html.

Prost!

259. Luther Urtyp

So, dann wolln ma mal. Start meiner Bierjubiläum-Festwoche zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation. Nachdem ich letztes Jahr ja selbst den Anlass eines 500-jährigen Jubiläums für meinen Blog genutzt hatte, freue ich mich umso mehr heute und in der kommenden Woche diesem historischen Ereignis die entsprechende Würde zukommen zu lassen. Dabei greife ich die Verbindung von Reformation und Bier ganz bewusst auf, schließlich war es Martin Luther selbst der ein leidenschaftlicher Bierfreund war und sich von seiner Frau regelmäßig mit hauseigenem Bier versorgen ließ. Aber auch darüber hinaus ließ er sich auf Reisen nicht ganz unerheblich vom Gerstenbräu inspirieren, ohne dem – kühn behauptet – wohl keine Reformation zustande gekommen wäre. Auch wenn diese selbstverständlich erst nach Luthers Tod seinen Lauf nahm und leider bis heute nicht aufgelöst ist, war doch das Bier ein mitentscheidendes Medium der Luther’schen Kreativität, die überhaupt erst den theologischen Diskurs in dieser Form möglich machten.

Bereits zu Beginn des Jahres widmete ich meinen ersten Beitrag dem Reformationsbier der Marke Luther. Zwar handelt es sich selbstverständlich nicht mehr um ein wirklich authentisches Luther-Bier – wird es doch inzwischen von der Brauerei Neuspringe gebraut – dafür ist es die einzige Marke, die dem ehemaligen Juristen und Mönch ein Bier widmet. Und zumindest wird es überregional auch in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg im thüringischen Worbis hergestellt. Außerdem ist es vom Bierstil an diejenigen orientiert, die Luther auch damals getrunken und gemocht hatte. Vor allem dunkel und etwas stärker im Alkoholgehalt. Steigen wir also ein in die Welt Luthers des 16. Jahrhunderts:

„Ach, ich weiß leider sehr genau, dass Ärgernisse kommen müssen, und es ist deshalb kein Wunder, wenn ein Mensch fällt. Das aber ist ein Wunder, wenn ein Mensch aufsteht vom Falle und danach stehen bleibt.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Schwarzbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Leinefelde-Worbis
Erscheinungsjahr. . .
(1517)

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: klar malzig, röstig, Karamellsüße, aber auch ein wenig blumig-frisch
Geschmack: weniger Körper als erwartet, trotzdem vollmundig, kaum Hopfen, dafür viel dunkles Malz, ein wenig Schokolade, wenig spritzig, süßlicher Abgang
Gesamt: Sicher kann man hier keine High-Class-Kreativitätsbraukunst erwarten, aber ich war schon überrascht wie süffig-süß und weich ein Schwarzbier schmecken kann. Es ist wohl ein Beispiel eines Schwarzbieres am Rande eines Dunkel oder Porters mit klar süffiger Ausrichtung. Leider kann man ja nicht mehr genau nachvollziehen, welche Biere Luther damals getrunken hat, aber es ist vorstellbar, dass ein solches dabei war. Für den Einstieg in die Reformations-Festwoche wohl aber ein würdiges Bier: 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lutherbier.de/produkte_urtyp.html.

Prost!

258. Uiltje Grandma’s Cooking Recipes Vol. 2- Lemon & Vanilla Cheesecake Witbeer

Bevor es morgen in die historische Luther-Woche des 500-jährigen Reformationsjubiläums geht, wird es heute nochmals etwas experimenteller.

Dabei geht es wieder mal in eines der niederländischen Bierzentren nach Haarlem. Dort wird seit 2012 kreativ mit natürlichen Zutaten gebraut. Wie es sich für eine moderne Craftbier-Brauerei gehört sind dabei schon unzählige Biere entstanden, die regelmäßig die Regale von guten Bierhändlern füllen. So im Übrigen auch im Bad Godesberger P&M-Getränke, die immer eine gute Auswahl vorrätig haben. Nach dem Rice Rice Baby ist es für mich mein zweites Bier dieser Brauerei, die hervorragend in meine Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürlich Zutaten“ passt. Von daher kann man das heutige Bier sozusagen als Nachzügler bezeichnen. Zwar heißt es Witbier, ist streng genommen aber kein richtiges. Denn selbst in Belgien, wo man zum Glück kein Reinheitsgebot hat gibt es eine Stildefinition dafür, die hier eigentlich Koriander und Orangenschalen vorsehen. Uiltje hingegen hat diese beiden Zutaten substituiert und Zitrone sowie Vanille mit in den Sudkessel geworfen, sodass ein Geschmackserlebnis nach Omas gutem alten Käsekuchen versprochen wird.

„All natural? Check! Painstakingly authentic? Check, check, double check! – A NY-style creamy cheese cake boiled down to a summer like refreshing wit beer. – Welcome to the big apple! Again 100% Granny proof.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Witbier
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Weizen, Zitrone, Vanille, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Haarlem / Niederlande
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________7
  • Geruch:______________________8
  • Geschmack:__________________9
Fazit

Geruch: sehr spritzig-zitronig, säuerlich, leicht blumig
Geschmack: wenig säuerlich, dumpf-fruchtig-süß nach Litschi, Zitrone, Mango & Limette, wenig Körper aber nicht süffig, etwas bitter, feinperlig, säuerlicher Abgang
Gesamt: Grundsätzlich war ich ja schon vorher skeptisch, inwiefern ein Witbier zu Omas Käsekuchen passen kann. Und meine Skepsis war nicht ganz unangebracht. Zwar ist es in der Tat zitroniger und süßer als die traditionelle Witbier-Verwandtschaft, aber ist in etwa so weit entfernt von einem Käsekuchen wie China von einer lupenreinen Demokratie. Sicher ist es löblich sich auch mal an solche Experimente zu wagen, aber vielleicht sollten einige Craft-Brauer doch wieder verstärkt auf Qualität, denn auch Quantität setzen. Obschon dies selbstredend eine individuelle persönliche Einschätzung ist, die viele bestimmt nicht teilen und das Bier empfehlen würden. Trotzdem kann ich hier nicht mehr als 8 Pkt. (3) vergeben.

Weitere Infos zum Bier unter https://www.uiltjecraftbeer.com/brewery-our-mission/.

Prost!

257. Louis Barre Imperial Bouquet Lager

Beim heutigen Bier war ich freudig überrascht als ich es in meinem letzten KALEA-Beertasting.Club-Abo-Karton entdeckte. Da ich fünf Jahre meines noch vergleichsweise überschaubaren Lebens in Osnabrück verbrachte, ist mir die Familienbrauerei Barre ein guter Begriff und hat auch schon zu dieser Zeit in der Region herausgestochen. Gab und gibt es doch in Ostwestfalen kaum noch eine privat geführte Brauerei mit überregionaler Popularität.

Während ich damals noch den Eindruck hatte, dass es sich um eine traditionelle aber etwas angestaubte Brauerei handelt, muss ich heute den Eindruck revidieren. Denn gemäß des aktuellen Slogans „Traditionell · Modern · Unabhängig“ hat man sich auch bierig der Moderne geöffnet, ohne jedoch dabei die traditionellen Wurzeln zu vergessen, die das Unternehmen bereits seit genau 175 Jahren und sechs Generationen tragen.

Nachdem Ernst Johann Barre 1842 die Brauerei am Wiehengebirge förmlich in den Steinhang schlug, ging Louis Barre als sein Nachfolger als Pionier in die Firmengeschichte ein. War es doch der „lange Louis“, der als erste Brauer des Norddeutschen Bundes nach seiner Übernahme 1881 eine Kältemaschine zum brauen einsetzte. Das heutige Imperial Bouquet Lager wurde zu seinen Ehren anlässlich der 175-Jahr-Feier kreiert. Es soll nach alter 130-jähriger Rezeptur gebraut worden sein, die auch schon der alte Braumeister für seine neuartigen untergärigen Biere verwand. Durch die schon damals angewandte Kalthopfung erreichte er eine so große Haltbarkeit, dass die Biere via Bremerhaven mit dem Norddeutschen Lloyd über die ganze Welt hinaus verschifft werden konnten.

Auch nach Louis Barre erhielt man sich einen gewissen Innovationsgeist und führte 1981 als erste deutsche Brauerei die schon fast in Vergessenheit geratene Bügelverschlussflasche wieder ein. In den 2000ern war es dann wieder Barre, die die erste Fassbrause auf dem Markt brachten. Wie in bereits viele gute Brauereien, hat sich inzwischen auch bei Barre der Braumeister zum Biersommelier weitergebildet und entwickelt vor allem zum Jubiläumsjahr neue Bierspezialitäten wie einem (Eis-)Bock, einem Porter Westfalica oder einem Winter Amber Ale. Neben einem Online-Shop kann die Brauerei darüber hinaus auch ein eigenes Biermuseum sein Eigen nennen.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  12.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,4%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lübbecke
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: frisch, spritzig, würzig, hopfig-grasig, leicht buttrig, ein wenig Honig
Geschmack: vollmundiger als gedacht, malzig-würzig, hopfig-herb, recht spritzig, schön würziger Abgang
Gesamt: Wie auch schon gestern wurde ich beim heutigen Bier ebenfalls nicht enttäuscht. Zwar könnte man böswillig schreiben, es handle sich hier nur um ein besseres Pils, das wird dem Bier aber nicht gerecht. Vielmehr erinnert es ein wenig an seine tschechische Verwandtschaft des Pilsner-Urquells. Und doch zeigt es auch Anwandlungen eines Hellen oder internationalen Lagers – allerdings auf hohem qualitativem Niveau. Insgesamt definitiv ein Bier, das es auch nach 2017 geben sollte. Inclusive Regionalitäts-, Traditions- und Unabhängigkeitsbonus auch hier und heute in Summe 13 Pkt. (1–). Auch wenn ich mir unter dem Biernamen zunächst eigentlich etwas ganz anderes vorgestellt hatte.

Weitere Infos zum Bier unter: https://louis-barre.de/.

Prost!

256. Ámbar Especial

Von Osteuropa heute einmal quer über den Kontinent in den Südwesten zur spanischen autonomen Region Aragonien. In der dortigen Hauptstadt Zaragoza existiert seit der vorletzten Jahrhundertwende die bis heute unabhängige Fábrica de Cerveza, Malta y Hielo. Die Gründer Ladislao Goizueta y Díaz und Enrique Lacadena y Laguna hatten bereits zu Beginn den Fokus auf die deutsche Braukultur gelegt und wollten in Spanien Biere deutscher Brauart produzieren. So begann man mit Unterstützung des deutschen Entwicklers Charles Schlaffer (der bis heute das Etikett ziert) Pils und Helle zu brauen. Diese Tradition hat sich prinzipiell bis heute gehalten, wobei inzwischen auch weitere nicht-deutsche Biere angeboten werden. In den 1970ern brachte man als eine der ersten ein alkoholfreies und im aktuellen Jahrzehnt ein glutenfreies Bier heraus. Die heutige empresa cervecera aragonesa La Zaragozana ist nicht nur eine Cervecería sondern beinhaltet als eine der wenigen spanischen Brauereien auch noch eine (historische) Maltería. Als eine recht große Brauerei mit etwa 50 Mio. l Ausstoß pro Jahr ist dieser Umstand umso ungewöhnlicher und erfreulicher. Zu Recht wird das Ensemble deshalb auch seit der Jahrtausendwende mit einem Bier-Museum komplettiert.

Beim Ambar Especial handelt es sich nach eigenen Angaben um ein Pilsener mit rotbraunem Einschlag. Interessant ist zudem die Verwendung von Mais und Gerste als Rohfrucht.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Wiener Lager
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Gerste, Mais, Hopfen
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,2%
Herkunft. . . . . . . . . . . Saragossa / Spanien
Erscheinungsjahr. . .
1900

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___11
  • Aussehen:____________________11
  • Geruch:______________________13
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: klar malzig, getreidig, grasig, leicht würzig, holzig & buttrig
Geschmack: erfrischend, süffig mit gutem Körper, weich, harmonisch, dunkelmalzig, malzsüß, malzwürzig, herber Abgang
Gesamt: Ich weiß nicht, ob ich mal wieder ein filtriertes Lager brauchte, aber das Especial aus dem Hause Ambar trifft heute irgendwie genau meinen Geschmack. Zwar in seiner Kreativität begrenzt, aber für seinen Bierstil, den ich als Wiener Lager interpretiert habe, wirklich eine sehr gute Brauleistung. Sowohl in der Nase als auch auf der Zunge überzeugend anders. Deshalb auch ganz knappe 13 Pkt. (1–) in der Endwertung.

Weitere Infos zum Bier unter: https://ambar.com/cervezas/especial/.

Prost!

255. Pravda Svyato

Nachdem Syla Anfang des Monats folgt heute das zweite ukrainische Bier – ebenfalls aus dem Hause des Pravda Beer Theatres. Interessanterweise handelt es sich hierbei offiziell um ein Dubbel, das aber mehr Umdrehungen hat als das Syla, welches als Tripel geführt wird. Svyato heißt übrigens auf deutsch heilig. Leider konnte ich im Rahmen meiner Recherche nicht mehr über das Bier und seinen Hintergrund herausfinden – vielleicht weiß einer von Euch ja mehr???

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Dubbel
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  17.5°P
Alkoholgehalt. . . . . . 8,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Lemberg / Ukraine
Erscheinungsjahr. . .
2015

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___6
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________13
Fazit

Geruch: spritzig, würzig, hefig, klare Karamellsüße
Geschmack: lecker süß, leicht würzig, ein Hauch rote Früchte, leicht alkoholaromatisch & bitter, feinperlig, mittlerer Körper, vollmundig, würzig-süßer Abgang
Gesamt: Na das ist doch schon mal etwas besser als Ukraine-Bier #1. Zwar kommt dieses Dubbel noch nicht an die guten belgischen Originale heran, ist aber absolut gut trinkbar und lecker. Mit einer klaren Fokussierung auf die Karamellsüße überzeugt es in der Stilinterpretation. Prädikat: Durchaus empfehlenswert. Gesamtwertung: 12 Pkt (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.pravda.beer/en/shop/svyato/.

Prost!

254. AleMania Ginger Ninja

Zum Wochenstart gibt es heute auch mal einen besonderen Kick mit Ingwer, Koriander und Orangenschalen.

Eigentlich habe ich ja meine Jahresreihe „Alternative Getreide & weitere natürliche Zutaten“ beendet, aber hin und wieder laufen mir dann doch wieder interessante Biere über den Weg, an denen ich einfach nicht vorbei komme. So geschehen auch beim heutigen Ginger Ninja vom guten Fritz Wülfing aus der Bundesstadt Bonn. Da ich zu ihm bereits an diversen Stellen im Bierjubiläum schreiben durfte, hier nur einmal eine Zusammenfassung vom craftbeer-dealer:

„Geschmacksvielfalt statt Einheitsbrei – Bier kann mehr sein, als es das Reinheitsgebot vorgibt und Genuss ist nicht an Ge-, Ver- oder gar Sonderangebote gekoppelt. Lange Zeit wurde das Bier in deutschen Landen unkritisch getrunken, doch jetzt ist es Zeit für mehr Geschmack und bewussteren Genuss. Genau das will auch Fritz Wülfing: Neues kreieren statt Gewohntes zu kopieren. Natürlich verwendet er dabei keine Zusatzstoffe zur Stabilisierung, Konservierung oder zur Verlängerung der Haltbarkeit. Ein gutes Bier braucht Zeit und Ruhe, daher sind auch nicht immer alle Sorten stets verfügbar. Dabei gibt es nicht nur IPAs und Stoutvariationen, sondern auch völlig neue Kreationen wie Gosen und andere Biere mit historischem Hintergrund. Alle eint: anders und lecker!“

Mit dem Ginger Ninja versucht sich der Mitbegründer der Deutschen Kreativbrauer ein Stilmix aus einem Belgisches Blonde bzw. Tripel und einem Witbier, das traditionell Koriander und Orangeschalen beinhaltet. Zudem noch eine gute Portion Ingwer hinzugefügt und schon ist das Bonner Kreativbier fertig. Genannt wird es dann laut Fritz „Asian Belgian Ale“ und ist das erste Fritz-Ale mit einem eigenen Namen. Wohl bekomms!

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Asia Belgian Ale
Brauart
. . . . . . . . . . . obergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gersten- & Weizenmalz, Ingwer, Koriander, Orangenschalen, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  15°P
Alkoholgehalt. . . . . . 7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Bonn
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___12
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: sehr frisch, Ingwer & Orangen dominieren, Koriander kaum riechbar, dumpf malzig
Geschmack: interessanter Mix aus fruchtig, blumig, malzig, würzig, bitter, herb, karamellig und vor allem sehr gemüsig, leicht alkoholaromatisch, kaum Abgang
Gesamt: Was für ein Bier!… Ich bin zwar nun kein Bier-Anfänger mehr, aber selten hat mich ein solches derart überfordert. Ist der Geruch noch erwart- und beschreibbar, fehlen mir beim Eindruck auf der Zunge wahrlich die Worte. Noch nie habe ich derartiges in einem Bier geschmeckt. Es könnte zeitweise mehr an ein Dressing oder eine kreative Sauce erinnern, wenn dann doch nicht eine klare Hopfennote zugegen wäre. Zwar schmeckt man grundsätzlich die wesentlichen Komponenten (Ingwer, Koriander, Orange, Weizenmalz) heraus, doch ist es schon erstaunlich welches Ergebnis dieser völlig neuartige Mix aus Bierstilen und Zutaten ergibt. Auch wenn ich solche Kreativität auf natürlich Basis absolut befürworte, braucht ein solches Bier selbst für mich noch etwas Zeit – deshalb heute zumindest nur 9 Pkt (3+).

Weitere Infos zum Bier unter: https://fritz0830.wixsite.com/15168465/sorten.

Prost!

253. Paulaner Zwickl

Gegen das heutige Bier sprechen eigentlich genug Gründe um es nicht vorzustellen.

Der erste ist recht augenscheinlich: Die Brauerei. Gegründet 1634 von Mönchen des Paulaner-Ordens, ging die Brauerei nach Auflösung des Klosters um 1800 bereits früh den Weg der Expansion. So folgten im 20. Jahrhundert die ein oder andere Fusion und Brauereierweiterung. Da jedoch das alte Klostergelände für die Produktion irgendwann nicht mehr ausreichte, würde 2014 mit einem Neubau der Brauerei begonnen, die in letzten Jahr bezogen werden konnte. Als einer der größten und bekanntesten Braumarken Deutschlands ist Paulaner heutzutage aber nicht mehr in eigener Hand. Zwar ist man Kopf der sechstgrößten Braugruppe des Landes, gehört seit diesem Jahr jedoch zu 30% Heineken und zu 70% der Schörghuber Unternehmensgruppe. Diese ist recht „vielfältig“ aufgestellt und in den Geschäftsfeldern Getränke, Hotel, Lachszucht und -verarbeitung sowie Bauen & Immobilien national und international tätig. Damit haben wir es hier weder mit einem handwerklichen Bier noch mit einer eigenständigen Brauerei zu tun.

Ein weiterer Grund ist das Bier selbst. Schließlich ist zu vermuten, dass es wieder mal ein recht unkreativer Versuch einer Großbrauerei ist, sich der schwindenden Nachfrage zu entziehen, indem man ein vermeintliches innovatives Produkt an den Mann/Frau bringt. Damit will ich nicht sagen, dass ein Kellerbier kein gutes Bier sein kann, aber allein die Fokussierung vieler Großbrauereien (wie WarsteinerKrombacher oder auch König-Pilsner) auf diesen Stil zeigt wie hilflos man eigentlich der „Craft-Bier-Welle“ entgegentritt. Sicher muss man von einer Münchner Brauerei kein IPA erwarten, aber dass ein Kellerbier auserkoren wurde liegt wohl vor allem daran, dass dieses recht frei interpretierbar und vor allem auch leicht im schon vorhandenen (großindustriellen) Brauprozess implementierbar ist.

Ein dritter Grund ist da weniger offensichtlich und auch eher persönlich. So unterstützt Paulaner doch schon seit vielen Jahren den FC Bayern München, was mir als grüner Borusse doch etwas sauer aufstößt ;).

Bei aller Kritik muss aber auch etwas wirklich Positives hervorgehoben werden, was trotz der Popularität der Marke kaum einer weiß: Die Paulaner-Mönche waren die ersten in Bayern die ein Bockbier in seiner heutigen Form gebraut haben. Der heutige Salvator ist damit der erste bayrische Doppelbock und hat bereits ein fast 400-jährige Geschichte hinter sich. Auf seinem seit 1899 patentierten Namen gehen noch heute zahlreiche Bockbiervarianten des Landes zurück.

Und da ich schließlich auch den anderen deutschen Großbrauereien hier eine Chance gegeben habe, möchte ich auch das Paulaner nicht ausschließen. Interessant ist übrigens auch die Flaschengröße: 0,4l habe ich bisher noch von keinem deutschen „Großbier“ gesehen. Paulaner beschreibt das Bier übrigens wie folgt:

„Mit feinstem Hersbrucker Hopfen im historischen Dreimaischverfahren gebraut und direkt aus dem Lagertank unfiltriert abgefüllt.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 5,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . München
Erscheinungsjahr. . .
2017

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___9
  • Aussehen:____________________10
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________7
Fazit

Geruch: süd-fruchtig, bananig, spritzig, malzig-hefig, weich-getreidig, buttrig
Geschmack: süffig, kaum Körper, etwas matt, leicht würzig, mehr Malz als Hopfen, leicht herber & trockener Abgang
Gesamt: Viel- und nichtssagend zugleich. Nachdem mit der Geruch noch sehr positiv überrascht hat, kommt geschmacklich kaum Charakter rüber. Es fehlt im Allgemeinen am geschmacklichen Profil, auch wenn das Bier wirklich trinkbar ist. Aber ich erwarte einfach von einem solch vermarkteten Bier mehr als ein absoluten 08/15-Geschmack. Für so viel Gefälligkeit incl. Industrie-Malus kann ich dann auch nicht mehr als 7 Pkt. (3-) geben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.paulaner.de/produkte/paulaner-zwickl.

Prost!

252. Beura Kellerbier

Zur Wochenmitte möchte ich endlich ein Bier vorstellen, was zugegebenermaßen auch schon etwas länger bei mir liegt. Im Grunde ist es eines von vielen Manufaktur-Bieren neuerer Art. Da ich allerdings mit der Herkunft persönliches verbinde, möchte ich dies heute einmal hervorheben.

Es handelt sich um ein Kellerbier der seit letztem Jahr existierenden Mikrobrauerei Beura aus Osnabrück. Diese ist die nun schon zweite Osnabrücker Brauerei. Daneben gibt es noch die Hausbrauerei Rampendahl, die demgegenüber jedoch auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken kann. Wann sie genau gegründet wurde, lässt sich heutzutage kaum noch ergründen, aber es gibt Schriftstücke die eine Brauwirtschaft an selbiger Stelle bereits im 15. Jahrhundert verorten. Nachdem 1987 die letzte größere Brauerei der Stadt dicht machte, war das Rampendahl jahrelang die einzige verbliebene Brauerei der Stadt – bis nun letztes Jahr Osnabrück auch seine Craft-Brauerei bekam.

Diese hat inzwischen neben dem Kellerbier auch ein Schwarzbier (das ich an dieser Stelle bereits kurz präsentiert hatte), ein Dunkel und ein IPA. Das Interessanteste an der Brauerei ist jedoch das Geschäftskonzept. Um weite Transportwege zu vermeiden, die das unpasteurisierte Bier ggf. negativ beeinflussen, bietet Unternehmenskopf Michael Freymuth ein Franchise-Konzept an. Hier kann man im ganzen Bundesgebiet als Franchise-Nehmer selbst eine Brauerei leiten oder an einer Mitarbeiten, die nicht nur Beura gehört sondern auch „extern“ geleitet wird. Dabei ist es sicher nicht das erste Konzept einer Franchise-Brauerei. Mitte des Jahres war ich bei einem Besuch in Hamburg ja bereits bei Johann Albrecht – auch eine „Brauerei-Kette“. Abgesehen von der fehlenden Unabhängigkeit und der geringeren Authentizität trotzdem wohl ein interessantes Konzept, um ggf. auch risikoaverse Brauinteressierte den Weg in die Selbstständigkeit einfacher zu machen. Leider ist bei alldem jedoch das sog. deutsche Reinheitsgebot Voraussetzung für jedes gebraute Bier. Das heißt, wer hier mit mehr natürlichen Zutaten experimentieren will muss draußen bleiben.

Draußen bleibt dann jetzt auch das Kellerbier – also aus dem Kühlschrank…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Kellerbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  13°P
Alkoholgehalt. . . . . . 4,5%
Herkunft. . . . . . . . . . . Osnabrück
Erscheinungsjahr. . .
2016

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___7
  • Aussehen:____________________9
  • Geruch:______________________6
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: säuerlich, spritzig, fruchtig-bitter, leicht dunkel-malzig
Geschmack: (karamell)süß, weich, würzig, leicht röstig, mittelstarker Körper, kaum Spritzigkeit, trocken-süßer Abgang
Gesamt: Also so ein Bier hatte ich auch noch nicht. Nachdem die ersten drei Kategorien eigentlich schon nichts Gutes verhießen, schwante mir Übles auf der Zunge. Doch Überraschung: Das Kellerbier schmeckt (selbst nach MHD-Überschreitung von 3 Monaten) wirklich gut. Sicher ist dieser Bierstil noch relativ frei auslegbar und man merkt dem Bier sein Alter auch etwas an – schließlich dominiert hier klar die Malzsüße – aber nichtsdestotrotz eine gute Interpretation. Trotz altem Heimat-Bonus und Aufwertung aufgrund MHD-Überschreitung kann ich allerdings aufgrund der schlechten anderen Einzelkategorien nicht mehr als 9,5 Gesamtpunkte (3++)vergeben.

Weitere Infos zum Bier unter: https://beura.jimdo.com/http-www-beura-de/.

Prost!

251. HBH Basaltbier – Rhöner Heimatbier

Nach einem wirklich wunderbar schönen Sommertag mit der Familie und einem leckeren Alt am Benrather Rheinufer, gibt es heute das versprochene zweite Steinbier des Wochenendes.

Befand sich im gestrigen Bier noch das Granit, wird hier Basalt aus der Rhön verwendet. Diese beiden Gesteine unterscheiden sich alleine schon von ihrer Entstehung. So ist Granit ein magmatisches Tiefengestein (Plutonit), während Basalt als Vulkanit beim Erguss einer Vulkaneruption entsteht. Er enthält neben Magnesium auch Calcium und Eisen und ist in Europa sogar weiter verbreitet als Granit, welcher aber auch in den meisten Mittel- und Hochgebirgen Mitteleuropas zu finden ist. Basalt hingegen gibt es auch außerhalb Europas und wurde sogar schon auf extraterrestrischen Gesteinsformationen nachgewiesen.

Und da es eben auch zahlreich in der Rhön am Dreiländereck von Bayern, Hessen und Sachsen vorkommt, war es naheliegend diese heimatliche Steinquelle für ein Steinbier heranzuziehen. So geschehen vom Hohmanns Brauhaus aus Fulda, das zwar traditionellen Anstrich hat aber mit Gründungsjahr 2008 eher zu den jüngeren Brauereien Deutschlands gehört. Dabei versuchen die Hessen den Spagat zwischen traditionellen deutschen Bieren und Kreativbieren, wie auch Honig- oder Kaffeebier. Zumindest mit dem Steinbier hat man sich aber ein kleines Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das es nun gilt auszuproBieren.

„Nach uraltem Brauverfahren. Urtümlich wie die Rhön.“

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Steinbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  11.9°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,7%
Herkunft. . . . . . . . . . . Fulda
Erscheinungsjahr. . .
2008

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___13
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________12
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: mineralisch, kohlensäure-artig, malz-süß, karamellig, spritzig
Geschmack: weich, mineralisch, süffig, schwacher Körper, waldig, trocken-herb, wenig spritzig, trocken-erdiger Abgang
Gesamt: Insgesamt scheint mit Basalt etwas besser zu liegen als Granit. Vor allem merkt man meiner Ansicht nach hier den Steinbier-Charakter noch stärker. Ein tatsächlich irgendwie mineralischer Geschmack lässt einem wirklich an Steinen denken. Zudem natürlich positiv hervorzuheben, dass hier regionale Gesteine zum Einsatz kommen. Deshalb mein Fazit noch etwas positiver als schon beim gestrigen Steinbier: 12 Pkt. (2+).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.braumeister-edition.de/home~basaltbier_.

Prost!

250. Leikeim Steinbier

Weiter geht es mit den besonderen Bieren. Standen bislang oft die Zutaten im Mittelpunkt der Betrachtung geht es heute und morgen mehr um den Brauprozess. Auch wenn dieser in aller Regel heutzutage sowohl bei Industrie- als auch bei Manufaktur-Bier recht standardisiert ist, gibt es die ein oder andere Brauerei, die etwas mehr experimentiert oder sich auf historische Verfahren zurückbesinnt.

Letzteres hat die private Familienbrauerei Leikeim getan und seit einigen Jahren wieder ein sogenanntes Steinbier auf den Markt gebracht. Steinbiere waren in frühen Brauzeiten relativ üblich, wenn man nicht ausschließlich über offenem Holzfeuer brauen wollte bzw. konnte. So wurden in einigen Gegenden Europas (wie vor allem Skandinavien und Österreich) vor allem Holzgefäße zum brauen verwendet, welche kein offenes Feuer erlaubten. Anstatt dessen wurden in der Regel Granitsteine über Feuer auf bis zu 800°C erhitzt und mit Hilfe eines Steinkorbs in die Maische eingebracht, um sie zum Kochen zu bringen. Dort karamellisierte sich der Malzucker an den Steinen und setzt sich als feine Schicht ab. Nach Abschluss der Hauptgärung, wurden die Steine dem Jungbier erneut zugefügt, um nochmals für eine karamellmalzige und rauchige Aromatisierung zu sorgen. Noch bis ins 19. Jahrhundert war diese Brauweise in manchen Regionen die am meist verbreitete.

Umso schöner, dass Leikeim seit 2007 als erste europäische Brauerei wieder auf diese Weise ein Bier herstellt. Schließlich gilt Tradition und Innovation nicht nur das was, sondern auch das wie.

„Geschaffen durch Feuer und Stein, nach einem der ältesten Brauverfahren.“

Mit Dank an meine Kollegin Birgit, die mir das Bier aus ihrem hiesigen Dursty mitrachte,  bin ich also auf mein erstes Bier dieser Art sehr gespannt…

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Steinbier
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Stammwürze
. . . . . .  12.8°P
Alkoholgehalt. . . . . . 5,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Altenkunstadt
Erscheinungsjahr. . .
2007

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___10
  • Aussehen:____________________13
  • Geruch:______________________11
  • Geschmack:__________________12
Fazit

Geruch: malzbetont, leichte Süße, frische Würze, etwas grasig, wenig fruchtig
Geschmack: „steinig“, leicht rauchig, würzig, leicht süßlich, wenig hopfig, etwas herb, trockener Abgang
Gesamt: Bevor man solche besonderen Biere trinkt macht man sich ja schon Gedanken, ob diese ihrem Ruf überhaupt gerecht werden. Beim Steinbier kann ich aber beruhigenderweise bestätigen, dass man hier tatsächlich einen Unterschied schmeckt zu einem „normal“ gebrauten Bernstein-Lager. Sicher ist es in der Geschmacksvielfalt nicht sehr ausgeprägt, aber in seinem leicht rauchigen und wirklich auch steinigen Aromen wohl einzigartig. Deshalb auch verdiente 11 Pkt (2).

Weitere Infos zum Bier unter: http://www.leikeim.de/de/.

Prost!