Archiv für den Tag: 31. Oktober 2017

262. Reformator Pfloschenbier

31.10.1517 – 31.10.2017: 500 Jahre Reformation

So, nun ist es also soweit: 500 Jahre Reformation. Heute vor genau einem halben Jahrtausend soll der Theologe, Jurist und Mönch Martin Luther mit seinem Anschlag der 95 Thesen für eine erneuerte Kirche an die Schlosskirche zu Wittenberg den Beginn der Reformation markiert haben, aus der die bis heute bestehende Trennung der christlichen Kirche in die römisch-katholische und evangelisch-lutherische Konfession resultierte. Aus diesem historischen Anlass ist der Reformationstag zum ersten Mal in der Geschichte der BRD ein außerordentlicher und einmaliger bundeseinheitlicher Feiertag. Auch wenn sich heutzutage die beiden größten Konfessionen des Christentums wieder allmählich annähern, wurde ganz Europa durch die Reformation gespalten und geprägt. Mit seiner Kritik des Ablasshandels und der Entfernung der Kirche von den ursprünglichen Zielen der Lehre Jesu Christi sorgte Luther schon zu Lebzeiten für weitreichende Veränderungen der theologischen, politischen und gesellschaftlichen Struktur auf dem europäischen Kontinent. Nachdem er als erster Mensch die Bibel in Gänze in die deutsche Sprache übersetzte, musste er sich später unter falscher Identität auf die Eisenacher Wartburg zurückziehen, da er als vogelfrei erklärt wurde. Im Rahmen seines Untergrund-Wirkens machte er sich eine bedeutende Erfindung der damaligen Zeit zu Nutze: Im 15. Jahrhundert entwickelte der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg den modernen Buchdruck. Mit diesem Medium erreichte Luther eine für damalige Verhältnisse enorme Reichweiten seiner Thesen und konnte sich so effektiver mit seinen Unterstützern verbinden. Dabei war es niemals Luthers Ziel die Kirche zu spalten, doch führte die Reformation (und Gegenreformation) noch lange Zeit zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Heute beschränkt sich die Spaltung zum Glück nur noch auf den theologischen Bereich und lässt zusehends mehr Ökumene zu.

„Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken.“

Zeit seines Lebens war aber auch Bier stets ein enger Begleiter Luthers.  Offensichtlich verwöhnt von den hervorragenden heimischen Braukünsten seiner Frau (denn damals war das Bierbrauen noch fast vollständig in Frauenhand) hatte Luther auf Reisen immer recht hohe Ansprüche an den Gerstensaft. So sind bis heute viele Kommentare und Anekdoten über seine bierigen Reiseerlebnisse überliefert. Offensichtlich führte es mancherorts und zu mancher Zeit sogar dazu, dass er sich das heimische Bier abfüllen und nachschicken ließ. Das heutige Bier soll diesem nachempfunden sein. Dabei hat man sich für ein helles Bier entschieden. Da vor allem die Heimbraubiere damals recht volatil in ihrer Rezeptur waren und auch noch keinen konkreten Bierstil besaßen ist es natürlich schwierig ein solches Bier originalgetreu historisch nachzubrauen. Oftmals wurde nur zwischen einem untergärigen (Winter-)Braun- und einem obergärigen (Sommer-)Weißbier unterschieden, sodass man die heutigen Bierstile nicht als Maßstab anlegen kann. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass hier aus fehlendem Mut zur historischen Kreativität schlicht ein Pils oder Helles gebraut wurde. Ein weiteres Indiz ist der Umstand, dass das Bier von der Brauerei Neuspringe, welche auch die anderen Luther-Biere produziert, für die bierundmehr GmbH gebraut wurde und somit nur als „Marketing-Gag“ herhalten muss. Aber lassen wir uns wie immer überraschen und feiern trotzdem dieses historische Ereignis gebührend mit diesem Reformator-Reisebier.

„Auf seinen Reisen musste der Reformator Martin Luther oft Bier trinken, dass diesen Namen nicht verdiente. Als er wieder einmal so ein übles Gebräu trinken musste, schrieb er an seine Frau Katharina von Bora, die selbst eine vorzügliche Braumeisterin war: ‚Gestern hatt ich einen bosen Trunk gefasset. Und sie möge doch ein Pfloschen ihres Bieres zu ihm schicken so oft sie könne.‘

Auch im stillen Gedenken an die vielen Opfer der Reformation & Gegenreformation.

Steckbrief

Stil. . . . . . . . . . . . . . . Pils
Brauart
. . . . . . . . . . . untergärig
Zutaten. . . . . . . . . . . Gerstenmalz, Hopfen
Stammwürze
. . . . . . 
Alkoholgehalt. . . . . . 4,8%
Herkunft. . . . . . . . . . . Leinefelde-Worbis/Landsberg
Erscheinungsjahr. . .
(1517)

Bewertung

  • Flaschendesign + Kronkorken:___14
  • Aussehen:____________________12
  • Geruch:______________________10
  • Geschmack:__________________10
Fazit

Geruch: hopfig, grasig, blumig, hellmalzig, etwas matt
Geschmack: „steinig“, hopfig-herb, süffig, mittelschwacher Körper, feinperlig, wenig Malz, klar, herber Abgang
Gesamt: Von den bisher proBierten Bieren der Luther Reihe mit dem Reformationsbier vom Beginn des Jahres sicher das Beste. Zwar kann ein Pils – und als solches ist dieses Bier deklariert – kein historisches Lutherbier sein, da das Pilsner erst 1842 entwickelt wurde, aber dafür ist es qualitativ völlig in Ordnung und stilgerecht. Sicher kann man auch hier von einer gewissen Verbrauchertäuschung sprechen, da man im Idealfall wirklich eine Originalrezeptur erwarten möchte, aber davon will ich an diesem heutigen Feiertag einmal absehen. Deshalb mit 500. Reformationstags-Bonus heute 10 Pkt. (2-).

Weitere Infos zum Bier unter: https://www.lutherbier.de/produkte_pfloschenbier.html.

Prost & auf die Ökumene!